{"numero_id": "bm-bmtnabi-1865-05-06-01", "volume": "bmtnabi_1865-05-06_01", "ocr_sha256": "9005ff147335aba2ad8ad86b2196ab6e552f08574d55a9f0a8f304618b82806f", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1865/05/06_01/bmtnabi_1865-05-06_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650506-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1865-05-06-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-05-06_01#c001", "volume": "bmtnabi_1865-05-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "137", "page_fin": "137", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650506-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "137", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650506-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 402, "texte": "Inhalt.\nDie Africanerin. Die bevorstehende erste Aufführung der Oper „Tristan und Isolde\" in München. Brief Richard\nWagner' s an den Herausgeber des „Botschafter\" in Wien. Tages- und Unterhaltungsbiatt (Köln, Soiree von Max Schratten-\nholz, Fräulein Francisca Barn Lennep; Musik-Auffübrung Wiesbaden, Concertmeister Th. Schmidt Frankfurt am Main, Original-\nPartitur von MQzart's „Schauspiel-Director\")."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-05-06-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-05-06_01#c002", "volume": "bmtnabi_1865-05-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "137", "page_fin": "140", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650506-01.2.2", "titre_corps": "Die Africanerin.", "titre_sommaire": "Die Africanerin.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "137", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650506-01.1.1", "debut_caractere": 404, "fin_caractere_exclue": 4282, "texte": "Die Africanerin.\nEndlich ist sie erschienen, die seit länger als fünfzehn\nJahren erwartete. Was die Krone der dramatisch-musica-\nlischen Schöpfungen seines Künstlerlebens sein sollte, ist\nein Vermächtniss geworden; die Gegenwart hat es mit der\ntheilnehmenden, ja, feierlichen Pietät angenommen, die\ndem Andenken eines grossen Genies gebührt, und hat\nhier in Paris, das Meyerbeer zu seiner zweiten Heimat ge-\nwählt hatte, Alles gethan, um es mit günstigen Vorbedeu-\ntungen den europäischen Nationen, für die es bestimmt\nist, und der Nachwelt zu überliefern.\nSchon die Generalprobe war, wie die erste Auffüh-\nrung, und fast noch mehr als diese, nicht bloss eine Ver-\nanlassung zur Versammlung von Kennern und Neugieri-\ngen, sondern eine wahre Feierlichkeit, eine Huldigung,\ndie man den Manen des dahingeschiedenen Meisters brachte.\nMehr als zweitausend fünfhundert Einladungen waren\ndurch den General-Intendanten der kaiserlichen Schau-\nspiele, Grafen Bacciocchi, für die genannte Probe ergangen.\nAlles, was Paris von Aristokratie des Reiches und der Fi-\nnanzen, von hochgestellten Staatsbeamten, von Illustratio-\nnen jeder Art enthielt, war zugegen, und die Journalisten\nund Correspondenten auswärtiger Blätter hatten sich kei-\nneswegs über ihre Plätze zu beklagen, da die Versamm-\nlung so zahlreich und glänzend war, dass Männer von Rang,\nwie z. B. der Director der Rechenkammer und der Gou-\nverneur der Bank von Frankreich, mit einem sehr beschei-\ndenen Unterkommen zufrieden sein mussten. Sämmtliche\nLogenreihen waren mit Damen und Herren aus den höch-\nsten Ständen und in den glänzendsten Toiletten besetzt.\nOb Meyerbeer, wenn er noch lebte, statt dieses vorneh-\nmen Areopags von Herzogen, Marschällen, Senatoren, De-\nputaten, Staatsräthen, Generalen, Finanzfürsten u. s. w.\nnicht eine Auswahl von Kennern und Dilettanten und\neinen Kern von Freunden und Ergebenen unter dem Kron-\nLeuchter lieber gehabt haben würde,' wollen wir dahinge-\nstellt sein lassen. Thatsächlich ist es, dass diese hohe Ver-\nsammlung bis zum vierten Acte sehr lau oder geradezu\nkalt blieb: erst das grosse Duett dieses Actes zwischen\nVasco de Gama (Naudin) und Selika, der Africanerin (Ma-\ndame Saxe) brach das Eis, das um die Herzen der Zu-\nschauer lag; diese Nummer offenbar die beste der Par-\ntitur— wirkte durch ihren Werth und durch die Erinne-\nrung an das Duett in den „Hugenotten\"; es dürfte viel-\nleicht dieser unübertroffenen Schöpfung ebenbürtig sein,\nwenn die dramatische Situation in dem neuen Werke auf\nderselben Höhe stände, wie in dem älteren. Die Rolle des\nVasco de Gama ist aber nicht im Stande, auch nur einen\nkleinen Theil des Interesses, das Raoul einflösst, in An-\nspruch zu nehmen, da Scribe diesen seefahrenden Helden\nganz charakterlos hingestellt hat; denn seine Phrasen von\n„Leben für die Unsterblichkeit\" können den Helden der\nOper, dessen Herz getheilt ist und bald für die eine, die\nweisse, bald für die andere, die braune Geliebte schlägt,\nso wenig vor dem Eindrucke, den ein matter und schwan-\nkender Charakter macht, retten, dass das Wortspiel eines\nMitgliedes des Instituts, welches nach dem dritten Acte\nden Vasco de Gama in Fiasco de Gama umtaufte, sehr\nbald im Foyer von Jedermann wiederholt wurde. Um ge-\nrecht zu sein, müssen wir aber hinzusetzen, dass Naudin\nam wenigsten sowohl als Sänger wie als Schauspieler der\nMann ist, eine mittelmässige Rolle zu einer bedeutenden\nzu machen. Um es einiger Maassen begreiflich zu finden,\ndass Meyerbeer diesen Italiäner (das ist er nämlich trotz\ndes französischen Namens) zum Repräsentanten seines\nVasco wählen konnte, muss man annehmen, dass er den\nHelden aufgeopfert bat für den Sänger des oben genann-\nten Duetts; wenigstens war dies die einzige Nummer, in\nwelcher Naudin befriedigte, und noch konnten Madame\nSaxe (so muss diese Künstlerin nach officieller Kundge-\nbung jetzt geschrieben werden, da sie mit dem Instrumen-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "138", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650506-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5262, "texte": "tenmacher Sax nichts zu thun haben und lieber an (Jen\nMarechal de Saxe erinnern will) und die Composilion mit\nRecht den grössten Theil des Applauses für sich in An-\nspruch nehmen.\nDoch zur Sache. Die Generalprobe hatte sieben und\neine halbe Stunde gedauert, die erste Vorstellung (am 28.\nApril) von präcise Uhr bis IJ/41J/4 Uhr Nachts also\ndoch nur sechs Stunden! In dieser Hinsicht sind also\nRobert, die Hugenotten und der Prophet übertroffen, wie-\nwohl sie alle drei auch schon recht artige Ansprüche an\ndie Gehirn- und Nervenstärke der Zuschauer machen.\nDas Buch, obwohl von Scribe, wurde schon nach der\nGeneralprobe allgemein verurtbeilt. Da aber ein Bericht\nüber das letzte Werk eines so grossen Meisters dem Leser\nso viel Handhaben wie möglich zu selbsteigenem Urtheile\nzu geben verpflichtet ist, so lassen wir die Analyse des\nStückes hier folgen.\nErster Act. Wir sind zu Lissabon, in den letzten\nJahren des fünfzehnten Jahrhunderts, im Rathssaale des\nKönigs (Emanuel) von Portugal. Infes, die Tochter des\nDon Diego, benachrichtigt uns in ihrem Zwiegespräche\nmit einer Vertrauten, dass Vasco de Gama seit zwei\nJahren mit Diaz abwesend ist, um Ruhm und hohe Stel-\nlung durch Entdeckung neuer Länder zu gewinnen, dass\nsie ihn liebt und ihm Treue bewahren wird (Romanze).\nDiego (Bass) erscheint mit Don Pedro (Bass), dem\nauf Befehl des Königs ihre Hand reichen soll. Ihre Wei-\ngerung wird durch die Nachricht von Diaz's und Vasco's\nUntergang erschüttert (Terzettino).\nSitzung des hohen Rathes, dessen Präsident Don Pedro\nist; unter den Mitgliedern der G ross-Inquisi tor (Bass)\nund zwölf Bischöfe. (Gebet: Gross-Inquisitor und Chor.)\nAus Diaz' Schiffbruche hat sich nur Ein Mann gerettet.\n„Er erscheine!\" Es ist Vasco de Gama (Tenor). Er über-\nreicht Don Pedro eine Denkschrift und bittet um ein\nSchiff, um die Länder jenseit der Spitze von Africa zu\nentdecken. Dass sie existiren, bestätigten ihm zwei mauri-\nsche oder indische Sclaven; die Nationalität bleibt eben so\nwie die Geographie die ganze Oper hindurch unentschie-\nden, da der Dichter von der Freiheit seiner Phantasie den\nweitesten Gebrauch macht. Vasco hat beide gekauft: wo\nund mit welchem Gelde der Schiffbrüchige das fertig ge-\nbracht, wer wird danach fragen! Kurz, sie spielen die\nHauptrollen im Stücke. Es sind Selika (die Africanerin)\nund Nelusko, beide wie wir durch kleine Apartes er-\nfahren aus demselben Lande, einer glückseligen Insel,\nallwo Selika Königin (Sopran) und Nelusko (Bariton)\nein mächtiger Vasall derselben war. Jedoch kennt Vasco\nihren Irüheren Stand nicht, und vor den Rath geführt,\nhüllen sie sich in stolzes Schweigen. (Vorher Quartett:\n' ' v\nVasco, Alvar [Tenor], Diego, Don Pedro.) Wir erfahren\nnur, dass ihre Gesichtsfarbe braun ist und dass\nsie Brahma verehren.\nDer hohe Rath überlegt Vasco's Antrag: der Gross-\nInquisitor erklärt ihn für „gottlos\", weil nichts von\njenen Ländern in der heiligen Schrift steht. (Ensemble:\nPedro u. s. w. und die alten Räthe auf der einen, Don\nAlvar und die jüngeren auf der anderen Seite.) Vasco,\nwieder vorgelassen, vernimmt, dass sein Antrag als „un-\nsinnig\" verworfen sei. Er wehrt sich zornig dagegen,\nnennt den Gerichtshof blind und neidisch; man droht ihm\nmit Bestrafung; er erwiedert:\nOui! vom avez raison, mes bourreaux!\nVous qui redontez la lum\nEnfermez-la dans les cachots.\nGrosses Ensemble, an dessen Schlüsse der Gross-Inqui-\nsitor den Bannfluch über Vasco ausspricht.\nZweiter Act. Vasco im Kerker. Die Inquisition\nmuss damals noch nicht so streng gewesen sein (nach\nScribe), denn Selika ist bei dem Gefangenen, und nach-\nher haben noch viele Andere freien Zutritt zu ihm. In der\nMitte steht ein breiter Pfeiler, an weichem eine grosse\nLandkarte hängt, wahrscheinlich zur Zerstreuung des Ver-\nhafteten, der sich ja viel mit Geographie beschäftigte.\nLange Schlaf- und Traumscene. Selika spricht von ihrer\nLiebe zu dem Schlafenden. Sein lauter Traum verräth ihr,\ndass er eine Andere, Infes, liebt; trotz ihres Schmerzes\ndarüber entschliesst sie sich doch, seinen unruhigen Traum\ndurch ein Schlummerlied zu mildern. Als sie sich über ihn\nneigt und ihre Lippen eben seine Stirn berühren wollen,\nerblickt sie Nelusko, der sich herein schleicht, und eilt,\nsich hinter den Pfeiler zu verbergen. Nelusko will den ver-\nhassten „Christen\", in welchem er noch dazu einen Ne-\nbenbuhler ahnt, denn er liebt Selika, ermorden. Selika\nstürzt ihm entgegen. Langes, meist declamatorisches Duett,\nwobei Vasco, trotz der leidenschaftlichen Ausbrüche Bei-\nder, immer ruhig fort schläft. Da Nelusko weder auf die\nBitten, noch auf die Refehle seiner Königin hört und wie-\nder auf Vasco losstürzt, weckt diese durch einen Schrei\nihren „Herrn\", und auf dessen Befehl entfernt sich Ne-\nlusko, der auf einmal wieder furchtsamer Sclave wird.\nVasco betrachtet die Landkarte. In seine Entwürfe\nversenkt, deutet er eine Richtung nach links an; Selika\nruft: „Nein, das führt dich zum Verderben! Hier, rechts,\nliegt eine grosse Insel, mein Vaterland, von dem mich der\nSturm an die Küste verschlagen, wo du mich gekauft\nhast.\" Vasco ist über die geographischen Kenntnisse sei-\nner Sclavin entzückt, nennt sie (Duett) seinen Schutzengel,\nverspricht, sich nie von ihr zu trennen, verheisst ihr selige\nTage und schliesst sie in seine Arme. Da öffnet sich die"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "139", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650506-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5361, "texte": "Thür und Ines, Don Pedro und Nelusko treten herein.\nSelika tritt der Nebenbuhlerin mit Gluth entgegen, aber\nVasco hält sie zurück; sie gehorcht, schaut neidisch\nsentiment d'envie)auf In&s,- betrachtet dann ihre eigenen\nHände und sagt bei Seite: Qu'ei („Wie weiss\nist sie!\") Das ist denn doch in der That ein zu komisches\nIntermezzo der ernstesten Situation! Aber Geduld: es\nkommt noch besser. Ines verkündet dem Vasco de Gama\nseine Freiheit, die sie vom Könige für ihn erbeten, und\nwill sich wieder entfernen; Vasco hält sie zurück, und um\nihren Argwohn gegen ihn zu entkräften schenkt er ihr\ndie Sclavin Selika (Quintett: In&s, Selika, Vasco, Nelusko,\nDon Pedro) und den Nelusko dazu! Don Pedro sagt: ,\ndeux je vous les paye! Par —und nun erst ver-\nkündet er triumphirend, dass In&s seine.Gattin ist und der\nKönig ihm drei Schiffe zur Entdeckungsreise bewilligt\nCT\nhat. (Finale.) Vasco sinkt vernichtet auf einen Sessel nie-\nder. Wer aber kann ihn bedauern?\nDritter Act. Ein Schiff nimmt die ganze Breite der\nBühne ein. Man sieht das Verdeck und darunter einen\nTheil des Innern, rechts Don Pedro's, links In£s' Zim-\nmer, in welchem Selika unter den Frauen der Gattin\ndes Admirals ist. Auf dem Verdeck Matrosen und Ne-\nlusko am Steuer. Frauenchor, Matrosenchor, Sonnenauf-\ngang. Nelusko führt das Schiff den Klippen der ihm be-\nkannten Insel (Madagaskar?) entgegen und singt dabei dem\nSchiffsvolke eine Ballade vom Adamastor, dem Könige der\nStürme, vor. Alvar erblickt ein anderes Schiff in der Ferne,\neine Barke desselben nähert sich, Vasco de Gama be-\ntritt das Verdeck. Er hat ein Schiff auf eigene Hand aus-\ngerüstet und'dem Admiral den Vorsprung abgewonnen;\njetzt kommt er, um diesen und mit ihm Infes zu retten vor\ndem unvermeidlichen Schiffbruche. Aber Don Pedro glaubt\nihm nicht Ausbruch gegenseitiger Wuth, Vasco fordert\nihn zum Zweikampfe, Sturm und Gewitter, Don Pedro\nlässt den Vasco an den Mast binden und die Soldaten auf\nihn anlegen, die Frauen sind ausser sich krach! das\nSchiff ist auf eine Klippe gelaufen, zugleich erklimmen\nzahllose Indianer den Bord unter wildem Kriegsgesange\nund heben ihre Waffen über die gefesselten Portugiesen,\na's— sie in Selika ihre Königin erkennen und vor ihr\nniederfallen. Mit ihnen fällt glücklicher Weise auch der\nVorhang über diese des besten Melodramen-Theaters\nwürdige Scene. Dieser Act ist der kostbarste, aber das\nenttäuschte Publicum nahm ihn mit eisiger Kälte und\ntheilweise mit Heiterkeit auf, und es fehlte nicht an\nWitzen, die dem Baumeister riethen, sein Schiff noch\neinmal auf das Werft zu bringen oder lieber die Trüm-\nmer zu verkaufen, da es doch nicht zu kalfatern sei.\nVierter Act. Wir sind auf der rätselhaften Insel.\nHuldigung der Eingeborenen. Selika schwört auf dem gol-\ndenen Buche Brahma's, die Gesetze des Landes zu halten.\nAlle Portugiesen sind, bis auf Einen, bereits geopfert, die\nFrauen werden so eben hinter der Scene zum Tode «e-\n-führt. Der eine noch lebende ist natürlich Vasco de\nGama, der, sobald das Theater leer ist, ganz unbefangen\naultrilt und in einer Arie die Pracht des Landes bewun-\ndert. Leider stören ihn sehr bald Braminen und Krieger\nin seinen Betrachtungen; schon heben sie die Axt über\nihn, als Selika auf den Stufen des Tempels erscheint\nund ihnen Halt! zuruft. Doch kann sie ihn nach ihrem\nSchwur als Königin nicht vom Tode retten. Da erklärt\nsie ihn für ihren Galten und bringt selbst den wilden Ne-\nlusko dahin, die Vermählung zu bezeugen (denn diese\nScribe'schen Indier sind so geartet, dass sie aus Liebe\nAllem entsagen, dem Glücke und dem Hasse und der\nWahrheit)! Nach dem Gesetze der Braminen muss eine\nin Iremdem Lande geschlossene Ehe eine neue Sanction\ndurch sie erhalten: das geschieht Ballet, Bajaderen\nu. s. w. Die Vermählten empfangen aus der Hand des\nOberpriesters den hochzeitlichen Liebestrank. Priester und\nVolk lassen sie allein, und nun folgt das Duett, welches\nnach dem allgemeinen Urtheile die beste Nummer der\nMusik ist. Wie falsch aber ist die Situation! Vasco hat\nseine Ines wieder vergessen, fragt gar nicht, ob sie noch\nlebt, und schwärmt in ekstatischer Liebe für Selika! Als\naber, während die indischen Frauen Selika in Schleier\ngehüllt zum Tempel führen, aus der Ferne ein Chor der\nportugiesischen Frauen und die Stimme der Ines ertönen,\nerbebt er und will zu ihr eilen. Doch die Indierinnen bil-\nden mit ihren.Schleiern einen Wall und drängen ihn nach\ndem Tempel hin. Der Vorhang fällt.\nFünfter Act. Die Gärten vor Selika's Palast: Pracht\ntropischer Natur. Vasco hat eine heimliche Zusammen-\nkunft mit Inös gehabt. Selika weiss es und Jässt Inäs vor\nsich führen. Wechselseitiger Erguss entsagender Gross-\nmuth und gleicher qualvoller Gefühle der Liebe. Selika\ngibt Vasco, der in dem letzten Acte gar nicht mehr er-\nscheint (das Beste, was er thun konnte!], und Ines frei\nund befiehlt dem Nelusko, Beide nach dem Schiffe Vasco's\nzu geleiten, das noch in Sicht ist. Verwandlung: Vor-\ngebirge am Meere, in der Milte der Scene ein prachtvol-\nler Baum. Es ist der Giftbaum (mancenillier), dessen Blü-\nthenduft die Menschen einschläfert und tödtet. Selika naht\nsich ihm, pflückt von den herabhangenden Zweigen seine\nBlüthen, glaubt, einen unsichtbaren Chor (choeur aerieri),\nder aber wirklich gesungen wird, zu hören und träumt\nin holdem Wahnsinn von Vasco's Rückkehr. Ein Kano-\nnenschuss schreckt sie auf, sie richtet den matten Blick\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "140", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650506-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 184, "texte": "noch einmal nach dem Meere und stirbt. Nelusko kehrt\nzurück, verlässt sie nicht und stirbt mit ihr. 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Es ist\nlür mich ein wahres Glück, dass uns eine ältere Freund-\nschaft verbindet; ich wüsste sonst auch diesmal nicht, zu\nwelchem Mittel ich zu greifen hätte, um, wie ich es sehr\nwünschen muss, die weithin zerstreuten ernstlicheren\nFreunde meiner Kunst davon zu benachrichtigen, dass\nihnen wirklich mit Nächstem die Gelegenheit geboten wer-\nden soll, eine Aufführung meines „Trista n und Isolde\"\nzu erleben. Indem ich Sie also herzlich bitte, für die mög-\nlichste Verbreitung dieser Notiz zu wirken, erlauben Sie\nzugleich, bei dieser Gelegenheit mir die kleine Genug-\ntuung zu geben, Sie auf die eigenthümliche Bedeutung,\nwelche ich der nun wirklich bevorstehenden Aufführung\nmeines Werkes beilegen darf, hinzuweisen. Vielleicht lie-\nfere ich, wenn ich Ihnen kurz die Geschichte der bisheri-\ngen Verhinderungen derselben erzähle, einen nicht unbe-\nachtenswerthen Beitrag zu unserer modernen Kunstge-\nschichte überhaupt.\nIm Sommer 1857 fasste ich den Entschluss, mich in\nder musicalischen Ausführung meines Nibelungenwerkes\ndurch die Vornahme einer kürzeren Arbeit, welche mich\nwieder mit dem Theater in Berührung setzen sollte, zu\nunterbrechen. „Tristan und Isolde\" ward noch in diesem\nJahre begonnen, die Vollendung aber unter allerhand stö-\nrenden Einflüssen bis in den Sommer 1859 verzögert. In\nBetreff einer ersten Aufführung, an die ich nur unter der\nAnnahme meiner persönlichen Betheiligung dabei denken\nkonnte, hatte ich, da ich damals noch vom Gebiete des\ndeutschen Bundes ausgeschlossen war, im Sinne, mit\neinem Theater-Director mich über eine deutsche Opern-\nUnternebmung für einige Sommer-Monate inStrassburg zu\nverständigen. Der Director des grossherzoglichen Theaters\nin Karlsruhe, Herr Dr. Eduard Devrient, den ich dess-\nhalb um Rath frug, stellte mir die grossen Schwierigkei-\nten einer solchen Unternehmung vor, und rieth mir dage-\ngen, abzuwarten, ob es den edelsinnigen Bemühungen des\nGrossherzogs von Baden gelingen werde, für die nöthige\nZeit des Studiums meines Werkes mich nach Karlsruhe\nzu berufen, wo man mir dann gern alle Mittel zu einer\nguten Aufführung bereit halten würde. Leider blieben die\nhiefür in Dresden gethanen Schritte meines durchlauch-\ntigsten Gönners ohne den gewünschten Erfolg; mein per-\nsönliches Fernbleiben von Karlsruhe erschwerte die nö-\nthige Verständigung mit den zur Darstellung meines Wer-\nkes bestimmten Sängern derart, dass bei den grossen und\ndurchaus ungewohnten Schwierigkeiten der gestellten Auf-\ngabe von da an, wo meine persönliche Anwesenheit in\nKarlsruhe sich als eine Unmöglichkeit herausstellte, von\nferneren Versuchen zu ihrer Lösung abgesehen werden\nmusste. Wäre damals meine Berufung nach Karlsruhe\nmöglich geworden, so hätte ich gerade dort diejenigen\nSänger für die Hauptrollen des Tristan vorgefunden, wel-\nche selbst nach sechs Jahren, bei nun mir gewonnener\ngänzlicher Freiheit der Wahl, als einzig zur Lösung mei-\nner Aufgaben befähigt, aus dem zahlreichen Personale der\ndeutschen Operntheater von mir berufen werden konnten.\nIch bezeichne hiermit das mir seitdem innig befreundete,\nvortreffliche Künstler-Ehepaar Schnorr v. Carolsfeld.\nWelcher Umwege es nun für mich bedurfte, um das\ndamals mir ganz nahe gelegene, einzig durch oben be-\nzeichnete Bedenken Verhinderte zu erreichen, mögen Sie\nmit lächelndem Staunen erfahren.\nUm mir die Möglichkeit einer ersten Aufführung von\n„Tristan und Isolde\" unter meiner persönlichen Betheili-\ngung zu verschaffen, siedelte ich im Herbste 1859 nach\nParis über. Mein Plan ging dahin, für Mai und Juni\n1860 eine deutsche Muster-Operngesellschaft nach Paris\nzu berufen; das italiänische Operntheater, welches um\ndiese Zeit alljährlich frei wird, sollte für ihre Aufführun-\ngen gemiethet werden. Da ich die meisten der mir be-\nkannten und befreundeten Künstler im Allgemeinen bereit\nfand, meiner Einladung Beachtung zu schenken, musste\nich vor Allem an die materielle Ermöglichung der Unter-\nnehmung denken. Ein geschäftlicher Leiter war in der\nPerson eines der Eigenthümer des italiänischen Opern-\ntheaters unschwer zu finden; schwieriger war es, die finan-\ncielle Garantie eines Capitalisten zu verschaffen. Zur Ueber-\nnahme derselben musste einem wohlwollenden reichen\nManne, dem Freunde eines meiner pariser Freunde, Muth\ngemacht werden; auf eigene Gefahr hin richtete ich drei\ngrosse Concerte im italiänischen Operntheater ein, in wel-\nchen ich Bruchstücke meiner Musik von einem grossen\nOrchester und wie dies in Paris nicht anders möglich\nist—mit sehr bedeutenden Unkosten ausführen Hess. Der\nunläugbare, grosse und bedeutende Eindruck dieser Con-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "141", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650506-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5421, "texte": "certe auf das Publicum hatte für mich einzig den Sinn,\ndas Vertrauen jenes zur Unterstützung meiner beabsich-\ntigten Opern-Unternehmung in das Auge gefassten vermö-\ngenden Mannes zu gewinnen. Unglücklicher Weise war\ngerade dieser ältliche Herr gänzlich verhindert, den Con-\ncerten beizuwohnen: die Berechnung meines Freundes\nscheiterte. Während sich ausserdem herausstellte, dass das\nrichtige Zusammentreffen der von mir einzuladenden deut-\nschen Sänger der ihnen nur verschiedentlich freigestellten\nZeit wegen nicht zu vermitteln war, und schon die Opfer\nund Anstrengungen, welche mich diese drei Concerte ge-\nkostet hatten, mich von weiteren Wagnissen dieser Art\nabschreckten, stellte sich der Erfolg meines Auftretens in\nParis nach einer anderen Seite hin zu meiner Ueberra-\nschung ergebnissvoll heraus. Der Kaiser der Franzosen\ngab den Befehl zur Aufführung meines „Tannhäuser\" in\nder grossen Oper. Sie kennen genauer, in welche neue,\nsonderbare Verwirrungen mich diese mit ziemlichem Ge-\nräusch in Europa begleitete Unternehmung verwickelte: sie\nkostete mich ein tief zerstreuendes Jahr meines Lebens.\nWährend ich mit einem grossen Erfolge, wäre er selbst\nmöglich gewesen, nicht eigentlich gewusst hätte, was an-\nfangen, fühlte ich mich mitten unter dem Wüthen des\nentsetzlichsten Misserfolgs wie von einer verderblichen Stö-\nrung befreit, die mich bis dahin auf meinem wahren\nWege aufgehalten hatte, und dieser Weg führte mich, da\nParis mir andererseits wenigstens zur Wiedererschliessung\nDeutschlands verholfen hatte, sofort nach Karlsruhe, um\ndort die endliche Ermöglichung einer ersten Aufführung\nmeines „Tristan\" zu betreiben.\nEs war Mai 1861 geworden. Sofort der gnädigsten\nund fördernsten Gesinnungen des durchlauchtigsten gross-\nherzoglichen Paares versichert, hatte ich dagegen den\nwährenddem Statt gefundenen Fortgang des Künstler-\npaares Schnorr zu beklagen, welches eine dauernde An-\nstellung in Dresden angenommen hatte. Ich sollte nun,\nder geneigten Absicht meines edlen Gönners gemäss, mir\ndie Sänger nach meinem Wunsche aussuchen, die man zu\neiner musterhaften Aufführung meines Werkes nach Karls-\nruhe berufen könnte. Der Besuch von Dresden war mir\ndamals noch nicht gestattet: ich eilte nach Wien, um die\ndortigen Kräfte näher zu prüfen. Sie, lieber Uhl, erlebten\nmit mir die damals Statt findende schöne, für mich—'erste\nAufführung meines „Lohengrin\", und finden begreiflich,\ndass alles, was ich an diesem berauschenden Mai-Abende\nerlebte, meinem gestörten Lebenslaufe plötzlich eine neue\nRichtung geben musste. Die vortrefflichen Sänger der kai-\nserlichen Oper für eine Aufführung meines „Tristan\" in\nKarlsruhe überlassen zu bekommen, stellte sich sofort als\neine Unmöglichkeit heraus. Dagegen lag es mir nun nahe,\ndem Anerbieten der obersten Behörde des kaiserlichen\nTheaters, den „Tristan\" alsbald in Wien unter meiner\npersönlichen Mitwirkung selbst zur Aufführung zu bringen,\nmit keinem Bedenken entgegen zu treten. Sie wissen,\nworin mein Hauptbedenken bestehen musste. Dem belieb-\nten Sänger Ander, dessen neulicher Tod uns alle mit so\nherzlicher Trauer erfüllte, musste die ungemein anstren-\ngende Aufgabe der Darstellung der Hauptrolle des „Tri-\nstan\" jedenfalls zu viel zumuthen. Da alle übrigen Par-\ntieen aber vortrefflich zu besetzen waren, konnte ich mich\ndazu verstehen, die nöthigen Aenderungen, Kürzungen\nund Aneignungen vorzunehmen, welche die Lösung seiner\nAufgabe auch diesem Sänger ermöglichen sollte. Im\nHerbste 1861 sollten die Proben beginnen. Sie entsin-\nnen sich, dass eine andauernde Stimmkrankheit Ander für\ndiesen ganzen Winter zu irgend welcher anstrengenden\nBeschäftigung unfähig machte; ein anderer Sänger war\num diese Zeit nicht zu gewinnen: Tichatscheck, Schnorr,\nbeide in Dresden, konnten nicht abkommen. Das Unterneh-\nmen musste auf ein Jahr verschoben werden.\nmer 1862 verzweifelte ich bereits an der Möglichkeit einer\nWiederaufnahme des Werkes in Wien, als die Direction\nzu meiner Ueberraschung mir anzeigte, Herr Ander fühle\nsich vollkommen wieder hergestellt und erkläre sich zur\nWiederaufnahme des Studiums von „Tristan und Isolde\"\nbereit.\nIn diesem Sommer lernte ich die vorzüglichen, mir\nungemein sympathischen Leistungen des trefflichen Schnorr\nvon Carolsfeld, eines singenden wirklichen Musikers und\nDramatikers, kennen; er und seine Gemahlin, das als\nwahre und edle Künstlerin in Karlsruhe zuvor gefeierte\nehemalige Fräulein Garrigues, hatten die Haupt-Partieen\nmeines Werkes sich bereits aus reiner Neigung, mit gröss-\nter Liebe und innigstem Verständnisse so weit angeeignet,\ndass wir, als sie mich am Rheine, wo ich mich damals\nvorübergehend aulhielt, besuchten, in meinem kleinen\nZimmer zu Bülow's unnachahmlicher Clavier-Begleitung\nvollständige musicalische Aufführungen davon Statt finden\nlassen konnten. Dies ging in meinem Zimmer vor, wäh-\nrend auf keinem Theater mir die Möglichkeit, das Gleiche\nzu thun, geboten werden konnte. Auch Dresden, wo alle\nMittel zur Ausführung meines Werkes vorhanden waren,\ndurfte ich nun zwar wieder betreten; als ich im Herbste\ndes gleichen Jahres mich nur für einige Tage dort ein-\nfand, musste ich aber an der besonderen Haltung der kö-\nniglichen General-Direction des dortigen Hoftheaters sofort\nerkennen, dass an ein Befassen mit mir und meinem\nWerke dort nicht im entferntesten auch nur zu denken sei.\nWelche Hoffnungen ich mir überhaupt auf die Directio-\nnen der grösseren deutschen Theater zu machen hatte,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "142", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650506-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5410, "texte": "lernte ich ausserdem noch näher kennen, als ich nicht\nlange nachher bei Gelegenheit einer Durchreise durch\nBerlin mich dem General-Intendanten der königlich preus-\nsischen Hoftheater zum Besuche anmelden liess und dieser\neinfach meinen Besuch sich verbat.\nUnter solchen Umständen musste ich denn aufs Neue\nmeine, wenn auch sehr geschwächten Hoffnungen auf Wien\nrichten. Hier hatte seit den ersten Verzögerungen des\n„Tristan\" die musicalische Presse sich mit besonderer\nVorliebe der Aufgabe hingegeben, zu beweisen, dass mein\nWerk überhaupt unausführbar sei, kein Sänger könne\nmeine Noten treffen, noch behalten; dieses Thema war zur\nLosung für alles, was über mich berichtete, schrieb oder\nsprach, durch ganz Deutschland geworden. Eine französi-\nsche Sängerin, allerdings Madame Viardot, drückte mir\neines Tages ihre Verwunderung darüber aus, wie es nur\nmöglich wäre, dass solche Behauptungen, irgend etwas sei\nnicht zu treffen u. dgl., von uns gemacht werden könnten;\nob denn die Musiker in Deutschland nicht auch musica-\nlisch wären? Nun, hierauf wusste ich nicht recht, was ich\nsagen sollte, namentlich zur Belehrung der, Künstlerin,\nwelche einst in Paris gelegentlich einen ganzen Act der\nIsolde ausdrucksvoll vom Blatte gesungen hatte. In Wahr-\nheit war es auch mit meinen deutschen Sängern gar nicht\nso schlimm bestellt: auch meine wiener Sänger machten\nmir endlich, durch meines werthen Freundes, Capellmei-\nsters Esser, ungemein intelligenten Fleiss und Eifer an-\ngeleitet, die grosse Freude, die ganzeOper mir fehlerfrei und\nwirklich ergreifend am Ciavier vorzusingen. Wie es ihnen\nspäter beikommen konnte, wiederum zu behaupten, sie\nhätten ihre Partieen nicht erlernen können denn so ist\nv # .\nmir berichtet worden —, bleibt mir ein Räthsel, über des-\nsen Lösung ich mir den Kopf nicht zerbrechen will; viel-\nleicht geschah es aus Gefälligkeit gegen unsere berühmten\nwiener und anderweitigen Musik-Kritiker, denen nun ein-\nmal auffallend viel daran gelegen war, mein Werk für\nunausführbar angesehen zu wissen, und welche die dennoch\nermöglichte Aufführung geradeswegs beleidigen musste;\nvielleicht aber auch ist, was mir berichtet worden ist, selbst\nwieder unwahr: Alles ist möglich, denn in der deutschen\nPresse geht es heutzutage nicht immer ganz christlich her.\nGenug: in Moskau erhielt ich im März 1863 eine Mitthei-\nlung der k. k. Hofopern-Direction, nach welcher ich mit\nmeiner Rückkehr nach Wien zu den um diese Zeit anbe-\nraumten General-Proben des „Tristan\" mich nicht zu be-\neilen hatte, da Krankheitsstörungen eingetreten seien,\nwelche die Aufführung vor den Theater-Ferien unmöglich\nmachten. Diese Ferien gingen vorüber und von „Tristan\"\nwar nicht mehr die Rede. Ich glaube, es herrschte im\nPersonale allgemein die Ansicht, Ander würde auch beim\nbesten Willen seine Partie nicht „aushalten\", geschweige\ndenn öfter durchführen können. Unter solch misslichen\nUmständen konnte die „Oper\" auch unmöglich der Di-\nrection als ein Gewinn für das „Repertoire\" gelten. Ich\nfand dies und vieles Andere so ganz richtig und in der\nNatur der Dinge begründet, dass ich mich endlich gar\nnicht mehr um Aufklärung über das verschiedentlich mir\nHinterbrachte bekümmerte. Aufrichtig gesagt: ich hatte\nes satt und dachte nicht mehr daran.\nSo war denn mein „Tristan und Isolde\" zur Fabel\ngeworden. Ich ward hier und da freundlich behandelt,\nman lobte „Tannhäuser\" und „Lohengrin\": im Uebrigen\nschien es mit mir aus zu sein.\nDas Schicksal hatte es aber anders beschlossen. Die\nAusführung jedes bis dahin entworfenen Planes, wäre sie\ngeglückt, hätte die Frage, um die es sich bei der Auffüh-\nrung dieses Werkes handelt, nicht vollkommen rein ge-\nlöst:— diese Lösung so rein, als irgend die Umstände der\nGegenwart es ermöglichen, zu bewirken, war mir dagegen\nvorbehalten. Als mich Alles verliess, schlug um so höher\nund wärmer ein edles Herz dem Ideale meiner Kunst; es\nrief dem Preis gegebenen Künstler zu: „Was Du schaffst,\nwill Ich!\" Und diesmal ward der Wille schöpferisch, denn\nes war der Wille eines Königs.\nDie wunderbare Schönheit der anregenden und för-\ndernden Kraft, die seit einem Jahre in mein Leben getre-\nten ist und sich meines ernstesten Dichtens und Trachtens\nmit lächelnd drängender Gewalt bemächtigt hat, kann ich\nmeinen Freunden nur durch die That ihres Waltens offen-\nbaren. Eine solche That kündige ich Ihnen heute an. Und\nwie die Kraft beschaffen ist, welche hier wirkt, mögen Sie\naus der Art ihrer Kundgebung schliessen, wenn ich Ihnen\nmelde, in welcher Weise der „Tristan\" meinen Freunden\nvorgeführt werden soll.\nDie Aufführungen von „Tristan und Isolde\", von de-\nnen drei wohl vollständig gesichert sind, werden gänzlich\nausnahmsvolle und mustergültige sein. Hierzu sind vor\n*\nAllem die Darsteller der beiden ungemein schwierigen\nHauptrollen in den Personen meiner theuren Freunde\nLudwig und Malvina Schnorr von Carolsfeld be-\nsonders nach München berufen; sie begleitet mein alt-\nvertrauter Kunst-Kampfgenosse Anton Mitterwurzer\nals Kurwenal treu und echt wie Einer. Somit, wie irgend\ndie Umstände es ermöglichten, ist für die Besetzung der\nübrigen Partieen in zweckmässigster Weise auf das gross-\nmüthigste gesorgt worden; jeder der Mitwirkenden ist mir\nfreundlich ergeben. Um von jeden störenden Einflüssen\neines täglich arbeitenden Theaterbetriebes frei gehalten zu\nwerden, ist uns das trauliche königliche Residenz-Theater\nzur ausschliesslichen Benutzung überlassen: Alles wird in"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "143", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650506-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5842, "texte": "ihm sorgsam für die Bedürfnisse einer innigen, klaren und\ntrautverständlichen Aufführung nach meinen Angaben\nhergerichtet. Hier steht uns fast täglich das herrliche kö-\nnigliche Hof-Orchester, Franz Lachner's musterhafte Schö-\npfung, für zahlreiche Proben zur Verfügung, bei welchen\nwir, nur auf die Erreichung der höchsten künstlerischen\nFeinheit und Correctheit des Vortrages achtend, volle\nMüsse und Zeit haben, dies ohne Anstrengung zu bewerk-\nstelligen. Um mir den fördernden Ueberblick über die\nLeistungen der Gesammtheit zu erleichtern, ist mir mein\nlieber Freund Hans von Bülow für die Leitung des\nOrchesters beigegeben—gerade er, der einst das Unmög-\nliche leistete, indem er einen spielbaren Clavier-Auszug\ndieser Partitur zu Stande brachte, von dem noch Keiner\nA 4 f t > I i • J !\nbegreift, wie er dies angefangen hat. Ihn, der mit dieser\nso vielen Musikern noch räthselhaft dünkenden Partitur\nbis zum Auswendigwissen jedes kleinsten Bruchtheiles der-\nselben vertraut ist und meine Intentionen bis in ihre zar-\ntesten Nuancen in sich aufgenommen hat dieses zweite\nIch zur Seite, kann ich mit jeder Einzelheit der musicali-\nschen wie scenischen Darstellung mich in der ruhig trau-\nlichen, künstlerischen Stimmung befassen, wie sie nur der\nliebevolle Verkehr mit innig befreundeten Künstlern selbst\nermöglicht. Für schöne Decorationen und höchst charak-\nteristische Costume ist mit einem Eifer gesorgt Worden,\nals gälte es nicht mehr einer Theater-Aufführung, sondern\neiner monumentalen Ausstellung.\nAuf diese Weise wie aus der Wüste unseres theatra-\nlischen Markttreibens in die erfrischende Oase eines an-\nmuthigen Kunst-Ateliers entrückt, bereiten wir das Werk\neiner dramatischen Aufführung vor, die rein als solche bei\nallen, die ihr anwohnen werden, Epoche machen muss.\nDiese Aufführungen, für jetzt wie gemeldet viel-\nleicht nur drei an der Zahl, sollen als Kunstfeste betrach-\ntet werden, zu welchen ich von nah und fern die Freunde\nmeiner Kunst einladen darf; sie werden demnach dem\nCharakter der gewöhnlichen Theater-Aufführungen ent-\nrückt und treten aus der üblichen Beziehung zwischen\ndem Theater und dem Publicum unserer Zeit heraus.\nMein huldreicher Beschützer will, dass diese bedeutungs-\nvollen Aufführungen nicht der gewöhnlichen Neugier, son-\ndern lediglich dem ernsteren Interesse an meiner Kunst\ngeboten werden sollen; somit bin ich ermächtigt, in alle\nFerne hin, so weit meine Kunst sich Herzen gewann, die\nEinladung zu diesen Aufführungen ergehen zu lassen.\nSie werden etwa in der zweiten Hälfte dieses\nMai Statt finden, und es sollen die Tage, so weit sie sich\nmit Sicherheit.vorausbestimmen lassen, durch die verbrei-\ntetsten Blätter zur rechten Zeit noch genau angezeigt wer-\nden. Wir nehmen an, dass, wer sich eine Reise nach Mün-\nchen eigens für diesen Zweck nicht verdriessen lässt, hier-\nmit keine oberflächliche Absicht verbindet, sondern da-\ndurch seine ernste Antheilnabme am Gelingen der Lösung\neiner bedeutenden und edlen künstlerischen Aufgabe be-\nzeigt; und Jeder, der sich in diesem wohlverstandenen\nSinne bei der königlichen Intendanz des Hof- und Natio-\nnal-Theaters in München anmeldet, wird sicher sein kön-\nnen, zu der von ihm bezeichneten Aufführung einen Platz\nim Theater sich aufbewahrt zu finden. Wie an Fremde,\nwird an die hier einheimischen Freunde meiner Kunst\neine gleichlautende und auf den gleichen Zweck gerichtete\nEinladung ergehen.\nDem etwaigen Spotte darüber, dass durch solche\nMaassnahmen eben nur für ein besonders befreundetes\nPublicum gesorgt zu werden scheine, welchem zu gefallen\nes allerdings dann keiner grossen Kunst bedürfe, werden\nwir ruhig entgegnen, dass es sich diesmal nicht um Ge-\nfallen oder Nichtgefallen, dieses wunderliche moderne\nTheater-Hazardspiel, handelt, sondern einzig darum, ob\nkünstlerische Aufgaben, wie die von mir in diesem Werke\ngestellten, zu-lösen sind, auf welche Weise sie zu lösen\nsind, und ob es sich der Mühe verlohne, sie zu lösen. Dass\nmit der letzten Frage nicht gemeint sein kann, zu erfah-\nren, ob mit dergleichen Aufführungen viel Geld zu machen\nsein könnte (denn dies ist der Sinn des heutigen Gefallens\noder Nichtgefallens im Theater), sondern lediglich, ob mit\nWerken der vorliegenden Art durch vorzügliche Auffüh-\nrungen die erwartete richtige Wirkung auf das gebildete\nmenschliche Gemüth überhaupt zu ermöglichen ist, dies\nwäre hier zu betonen: dass es sich also zunächst um die\nLösung reiner Kunst-Probleme handele, und zur Mitwir-\nkung bei ihrer Lösung somit nur diejenigen herbeizuziehen\nseien, welche durch ernsten Anlheil an der Sache wirklich\nvorbereitet und befähigt hierzu sind*). Ist das Problem\n\n*J Damit sind wir einverstanden. Allein dass nur die „Freunde\nseiner Kunst\" diesen allerdings erforderliehen ernsten Antheil neh-\nmen könnten und auch nur dazu „befähigt\" wären, das ist denn\ndoch wieder eine von jenen Anmaassungen, deren nur die unver-\nantwortlichste Selbstüberschätzung fähig ist, und die zugleich\nwenn sie wirklich so durchgeführt würde das Urtheil der beru-\nfenen Versammlung (das Prädicat im äusserlichen Sinne genommen)\nals ein völlig werthloses für die Sache, um die es doch Herrn\nWagner, wie er stets versichert, allein zu thun ist, hinstellen würde.\nEs geht aus dem obigen Briefe nicht klar hervor, was Herr Wagner\nunter „seiner\" Kunst, von welcher oben stets die Rede ist, ver-\nsteht; seine souveraine Geringschätzung aller bisherigen Musik lässt\naber schliessen, dass er mit jenem Ausdrucke nicht die Musik oder\ndie Poesie in dem allgemeinen Sinne, wie der Maler, Dichter, Mu-\nsiker von „seiner\" Kunst spricht, gemeint habe, sondern „seine\nbesondere\" Kunst, d. h. sein System dramatischer Poesie und Mu-\nsik. Es ist aber stets ein Zeichen, wo nicht der Armuth, doch des\nMisstrauens in die zwingende Kraft einer Schöpfung des Geistes,\nwenn man sie nur von ihren Freunden beurtheilt wissen will;"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "144", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650506-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3462, "texte": "gelöst, so wird die Frage sich erweitern, und, in welcher\nWeise wir dem eigentlichen Volke Antheil an dem Höch-\nsten und Tiefsten auch der Kunst gönnen und zu bereiten\nbestrebt sind, wird sich dann ebenfalls zeigen, wenngleich\nwir für jetzt das eigentliche stehende Theater-Publicum\nunserer Tage noch nicht unmittelbar hierbei in das Auge\nfassen zu dürfen glauben.\nFinden Sie nun, lieber Uhl, dass ich Sie von keinem\nganz unbedeutenden Runst-Vorgange unterhalten habe,\nund dass es sich der Mühe verlohnen dürfe, für die Ver-\nbreitung der hierin enthaltenen Ankündigung etwas zu\nthun, so bitte ich Sie, nach bestem Ermessen Ihre publi-\ncistischen Verbindungen hiefür zu benutzen. Ich bin be-\nscheiden genug, zu wissen, dass ich mit meiner Einladung\nmich nur an Wenige wende; aber ich weiss auch, dass\ndiese Wenigen überraschend weithin zerstreut sind. Ihnen,\nden Zerstreuten, möchte ich gern meinen Aufruf zukom-\nmen lassen; denn was sie zunächst zu einer seltenen Samm-\nlung beruft, sollte selbst die Kunstleistung hinter ihr\nzurückbleiben, jedenfalls eine so seltene, schöne und ruhm-\nreiche That, dass sie wohl weithin zu beachten sein sollte.\nUnsere Losung sei: Heil dem edlen Wirker dieser\nThat!\nMit den freundschaftlichsten Grüssen verbleibe ich\nfür immer\nIhr ergebener\nBichard Wagner.\nMünchen, 18. April 1865.\n\nunserer Meinung nach ist jede geistige That, in der Kunst und Wis-\nsenschaft eben so, wie im Leben und in der Politik, von vorn herein\nverdächtig, wenn sie das Urtheil der Oeffentlichkeit beschränkt wis-\nsen will auf die Freunde, auf die Anhänger, auf die Auserwählten,\nauf die Adepten. Wir halten es darin mit Luther: ist das Werk von\nGott, von dem göttlichen Geiste im Menschen, den wir Genie zu\nnennen pflegen, so wird es bestehen, wo nicht, so wird es unter-\ngehen. Nicht bloss die Unparteiischen, nein, auch die Feinde\nd. h. Feinde der Sache, des Systems, nicht der Person darf eine\ngute Sache, auf die wir vertrauen, nicht scheuen zum Urtheil zu\nberufen, denn wenn die Sache nicht die Kraft hat, sie zu bekehren,\nso ist das schlimm; was die Freunde, im voraus davon einge-\nnommen, dabei „empfinden\" und darüber sagen werden, das weiss\nman ja längst in diesem und allen ähnlichen Fällen voraus. Was\nden „Ernst\" der Theilnahme und vollends die „Befähigung\"\ndazu betrifft, so müssen wir fragen, ob Herr Wagner sich zur Com-\npetenz eines entscheidenden Urtheils über eine rein moralische Sache,\nwie der Ernst eines Mannes von Charakter ist, durch sein Leben,\nund zum Urtheil über die wissenschaftlich-musicalische Befähigung\neines tüchtigen Musikers durch seine musicalisch-philosophischen\nSchriften legitimirt habe. Was er vom gewöhnlichen Theater-Pu-\n,blicum und von „gefallen\" und „nicht gefallen\" sagt, passt gar\nnicht dahin und kann ihn nicht im Geringsten entschuldigen. Wenn\nHerr Wagner von den Tonkünstlern und dem musicalisch gebilde-\nten Publicum verlangt, dass sie bei ihm den redlichen Ernst seiner\nBestrebungen voraussetzen sollen, selbst wenn er sie für „das Höchste\nund Tiefste in der Kunst\" hält: so ist es seine Pflicht, auch bei\ndenen, die in diesen Bestrebungen Yerirrungen sehen, den Ernst der\nUeberzeugung zu achten, da nur das Ideal der Kunst, welches sie\nim Herzen tragen, sie zu seinen Gegnern macht. Thut er das nicht,\nso läuft seine ganze Verfahrungsweise auf das bis zum Lächerli-\nchen verbrauchte Brendel'sche Universalmittel gegen die Kritik\nhinaus: „Wer mich nicht lobt, der versteht mich nicht!\"\nT\nDie Redaction."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-05-06-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-05-06_01#c004", "volume": "bmtnabi_1865-05-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "144", "page_fin": "144", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650506-01.2.4", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "144", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650506-01.1.8", "debut_caractere": 3464, "fin_caractere_exclue": 5231, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. {Herr Max Schratten holz, der seine musicalische\nAusbildung auf dem hiesigen Conservatorium erhalten hat, gab am\n2. d. Mts. eine Soiree im kleinen Gürzenichsaale, in welcher er\ndurch mehrere Vorträge, theils allein, theils mit Begleitung, sich als\neinen Clavierspieler von schönem Anschlage und bedeutender Fer-\ntigkeit bewährte. Ein anderer, ebenfalls talentvoller Zögling des\nConservatoriums, Herr Ludwig, gab erfreuliche Beweise seiner\nFortschritte als Violinspieler. Fräulein Pauline Wisemann hatte\ndie Freundlichkeit, die jungen Künstler durch den ausdrucksvollen\nVortrag einiger Lieder von Schubert, Hiller u. s. w. zu unterstützen.\nFräulein Francisca Barn, früher Schülerin des Herrn Koch\nhierselbst, beim Hoftheater zu Schwerin angestellt, hat in diesen\nTagen in Berlin, wohin sie zum Gastspiele an der königlichen\nOper eingeladen war, die Fides in Meyerbeer's „Prophet\" mit\ngrossem Beifalle gesungen, so dass sie nach dem vierten Acte drei\nMal gerufen wurde.\nIn Lennep wurde am 30. April Mozart's Requiem und der\nzweite Theil von Spohr's Oratorium „Die letzten Dinge\" unter\nLeitung des Herrn 0. Standtke aufgeführt.\n23. April. Im nächsten Monate feiert einer\nunserer Mitbürger, der als Künstler wie als Mensch gleich verdiente\nund geachtete Concertmeister Th. Schmidt, der ausgezeichnete\nClarinettist vom herzoglichen Theater-Orchester, sein fünfzigjähriges\nDienst-Jubiläum. Bei den vielen Sympathieen, deren sich derselbe\nin allen Kreisen erfreut, und bei seiner noch erfreulichen Körper-\nund Geistesfrische dürfte das Fest für den Jubilar ein recht hei-\nteres werden.\nFrankfurt am Jüdin« Die Original-Partitur von Mo-\nzart's „Schauspiel-Director\" ist seit Kurzem im Besitze des\nHerrn Karl Meinert in Frankfurt am Main."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "137", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650506-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie Africanerin. Die bevorstehende erste Aufführung der Oper „Tristan und Isolde\" in München. Brief Richard\nWagner' s an den Herausgeber des „Botschafter\" in Wien. Tages- und Unterhaltungsbiatt (Köln, Soiree von Max Schratten-\nholz, Fräulein Francisca Barn Lennep; Musik-Auffübrung Wiesbaden, Concertmeister Th. Schmidt Frankfurt am Main, Original-\nPartitur von MQzart's „Schauspiel-Director\").\n\nDie Africanerin.\nEndlich ist sie erschienen, die seit länger als fünfzehn\nJahren erwartete. Was die Krone der dramatisch-musica-\nlischen Schöpfungen seines Künstlerlebens sein sollte, ist\nein Vermächtniss geworden; die Gegenwart hat es mit der\ntheilnehmenden, ja, feierlichen Pietät angenommen, die\ndem Andenken eines grossen Genies gebührt, und hat\nhier in Paris, das Meyerbeer zu seiner zweiten Heimat ge-\nwählt hatte, Alles gethan, um es mit günstigen Vorbedeu-\ntungen den europäischen Nationen, für die es bestimmt\nist, und der Nachwelt zu überliefern.\nSchon die Generalprobe war, wie die erste Auffüh-\nrung, und fast noch mehr als diese, nicht bloss eine Ver-\nanlassung zur Versammlung von Kennern und Neugieri-\ngen, sondern eine wahre Feierlichkeit, eine Huldigung,\ndie man den Manen des dahingeschiedenen Meisters brachte.\nMehr als zweitausend fünfhundert Einladungen waren\ndurch den General-Intendanten der kaiserlichen Schau-\nspiele, Grafen Bacciocchi, für die genannte Probe ergangen.\nAlles, was Paris von Aristokratie des Reiches und der Fi-\nnanzen, von hochgestellten Staatsbeamten, von Illustratio-\nnen jeder Art enthielt, war zugegen, und die Journalisten\nund Correspondenten auswärtiger Blätter hatten sich kei-\nneswegs über ihre Plätze zu beklagen, da die Versamm-\nlung so zahlreich und glänzend war, dass Männer von Rang,\nwie z. B. der Director der Rechenkammer und der Gou-\nverneur der Bank von Frankreich, mit einem sehr beschei-\ndenen Unterkommen zufrieden sein mussten. Sämmtliche\nLogenreihen waren mit Damen und Herren aus den höch-\nsten Ständen und in den glänzendsten Toiletten besetzt.\nOb Meyerbeer, wenn er noch lebte, statt dieses vorneh-\nmen Areopags von Herzogen, Marschällen, Senatoren, De-\nputaten, Staatsräthen, Generalen, Finanzfürsten u. s. w.\nnicht eine Auswahl von Kennern und Dilettanten und\neinen Kern von Freunden und Ergebenen unter dem Kron-\nLeuchter lieber gehabt haben würde,' wollen wir dahinge-\nstellt sein lassen. Thatsächlich ist es, dass diese hohe Ver-\nsammlung bis zum vierten Acte sehr lau oder geradezu\nkalt blieb: erst das grosse Duett dieses Actes zwischen\nVasco de Gama (Naudin) und Selika, der Africanerin (Ma-\ndame Saxe) brach das Eis, das um die Herzen der Zu-\nschauer lag; diese Nummer offenbar die beste der Par-\ntitur— wirkte durch ihren Werth und durch die Erinne-\nrung an das Duett in den „Hugenotten\"; es dürfte viel-\nleicht dieser unübertroffenen Schöpfung ebenbürtig sein,\nwenn die dramatische Situation in dem neuen Werke auf\nderselben Höhe stände, wie in dem älteren. Die Rolle des\nVasco de Gama ist aber nicht im Stande, auch nur einen\nkleinen Theil des Interesses, das Raoul einflösst, in An-\nspruch zu nehmen, da Scribe diesen seefahrenden Helden\nganz charakterlos hingestellt hat; denn seine Phrasen von\n„Leben für die Unsterblichkeit\" können den Helden der\nOper, dessen Herz getheilt ist und bald für die eine, die\nweisse, bald für die andere, die braune Geliebte schlägt,\nso wenig vor dem Eindrucke, den ein matter und schwan-\nkender Charakter macht, retten, dass das Wortspiel eines\nMitgliedes des Instituts, welches nach dem dritten Acte\nden Vasco de Gama in Fiasco de Gama umtaufte, sehr\nbald im Foyer von Jedermann wiederholt wurde. Um ge-\nrecht zu sein, müssen wir aber hinzusetzen, dass Naudin\nam wenigsten sowohl als Sänger wie als Schauspieler der\nMann ist, eine mittelmässige Rolle zu einer bedeutenden\nzu machen. Um es einiger Maassen begreiflich zu finden,\ndass Meyerbeer diesen Italiäner (das ist er nämlich trotz\ndes französischen Namens) zum Repräsentanten seines\nVasco wählen konnte, muss man annehmen, dass er den\nHelden aufgeopfert bat für den Sänger des oben genann-\nten Duetts; wenigstens war dies die einzige Nummer, in\nwelcher Naudin befriedigte, und noch konnten Madame\nSaxe (so muss diese Künstlerin nach officieller Kundge-\nbung jetzt geschrieben werden, da sie mit dem Instrumen-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "138", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650506-01.1.2", "texte": "tenmacher Sax nichts zu thun haben und lieber an (Jen\nMarechal de Saxe erinnern will) und die Composilion mit\nRecht den grössten Theil des Applauses für sich in An-\nspruch nehmen.\nDoch zur Sache. Die Generalprobe hatte sieben und\neine halbe Stunde gedauert, die erste Vorstellung (am 28.\nApril) von präcise Uhr bis IJ/41J/4 Uhr Nachts also\ndoch nur sechs Stunden! In dieser Hinsicht sind also\nRobert, die Hugenotten und der Prophet übertroffen, wie-\nwohl sie alle drei auch schon recht artige Ansprüche an\ndie Gehirn- und Nervenstärke der Zuschauer machen.\nDas Buch, obwohl von Scribe, wurde schon nach der\nGeneralprobe allgemein verurtbeilt. Da aber ein Bericht\nüber das letzte Werk eines so grossen Meisters dem Leser\nso viel Handhaben wie möglich zu selbsteigenem Urtheile\nzu geben verpflichtet ist, so lassen wir die Analyse des\nStückes hier folgen.\nErster Act. Wir sind zu Lissabon, in den letzten\nJahren des fünfzehnten Jahrhunderts, im Rathssaale des\nKönigs (Emanuel) von Portugal. Infes, die Tochter des\nDon Diego, benachrichtigt uns in ihrem Zwiegespräche\nmit einer Vertrauten, dass Vasco de Gama seit zwei\nJahren mit Diaz abwesend ist, um Ruhm und hohe Stel-\nlung durch Entdeckung neuer Länder zu gewinnen, dass\nsie ihn liebt und ihm Treue bewahren wird (Romanze).\nDiego (Bass) erscheint mit Don Pedro (Bass), dem\nauf Befehl des Königs ihre Hand reichen soll. Ihre Wei-\ngerung wird durch die Nachricht von Diaz's und Vasco's\nUntergang erschüttert (Terzettino).\nSitzung des hohen Rathes, dessen Präsident Don Pedro\nist; unter den Mitgliedern der G ross-Inquisi tor (Bass)\nund zwölf Bischöfe. (Gebet: Gross-Inquisitor und Chor.)\nAus Diaz' Schiffbruche hat sich nur Ein Mann gerettet.\n„Er erscheine!\" Es ist Vasco de Gama (Tenor). Er über-\nreicht Don Pedro eine Denkschrift und bittet um ein\nSchiff, um die Länder jenseit der Spitze von Africa zu\nentdecken. Dass sie existiren, bestätigten ihm zwei mauri-\nsche oder indische Sclaven; die Nationalität bleibt eben so\nwie die Geographie die ganze Oper hindurch unentschie-\nden, da der Dichter von der Freiheit seiner Phantasie den\nweitesten Gebrauch macht. Vasco hat beide gekauft: wo\nund mit welchem Gelde der Schiffbrüchige das fertig ge-\nbracht, wer wird danach fragen! Kurz, sie spielen die\nHauptrollen im Stücke. Es sind Selika (die Africanerin)\nund Nelusko, beide wie wir durch kleine Apartes er-\nfahren aus demselben Lande, einer glückseligen Insel,\nallwo Selika Königin (Sopran) und Nelusko (Bariton)\nein mächtiger Vasall derselben war. Jedoch kennt Vasco\nihren Irüheren Stand nicht, und vor den Rath geführt,\nhüllen sie sich in stolzes Schweigen. (Vorher Quartett:\n' ' v\nVasco, Alvar [Tenor], Diego, Don Pedro.) Wir erfahren\nnur, dass ihre Gesichtsfarbe braun ist und dass\nsie Brahma verehren.\nDer hohe Rath überlegt Vasco's Antrag: der Gross-\nInquisitor erklärt ihn für „gottlos\", weil nichts von\njenen Ländern in der heiligen Schrift steht. (Ensemble:\nPedro u. s. w. und die alten Räthe auf der einen, Don\nAlvar und die jüngeren auf der anderen Seite.) Vasco,\nwieder vorgelassen, vernimmt, dass sein Antrag als „un-\nsinnig\" verworfen sei. Er wehrt sich zornig dagegen,\nnennt den Gerichtshof blind und neidisch; man droht ihm\nmit Bestrafung; er erwiedert:\nOui! vom avez raison, mes bourreaux!\nVous qui redontez la lum\nEnfermez-la dans les cachots.\nGrosses Ensemble, an dessen Schlüsse der Gross-Inqui-\nsitor den Bannfluch über Vasco ausspricht.\nZweiter Act. Vasco im Kerker. Die Inquisition\nmuss damals noch nicht so streng gewesen sein (nach\nScribe), denn Selika ist bei dem Gefangenen, und nach-\nher haben noch viele Andere freien Zutritt zu ihm. In der\nMitte steht ein breiter Pfeiler, an weichem eine grosse\nLandkarte hängt, wahrscheinlich zur Zerstreuung des Ver-\nhafteten, der sich ja viel mit Geographie beschäftigte.\nLange Schlaf- und Traumscene. Selika spricht von ihrer\nLiebe zu dem Schlafenden. Sein lauter Traum verräth ihr,\ndass er eine Andere, Infes, liebt; trotz ihres Schmerzes\ndarüber entschliesst sie sich doch, seinen unruhigen Traum\ndurch ein Schlummerlied zu mildern. Als sie sich über ihn\nneigt und ihre Lippen eben seine Stirn berühren wollen,\nerblickt sie Nelusko, der sich herein schleicht, und eilt,\nsich hinter den Pfeiler zu verbergen. Nelusko will den ver-\nhassten „Christen\", in welchem er noch dazu einen Ne-\nbenbuhler ahnt, denn er liebt Selika, ermorden. Selika\nstürzt ihm entgegen. Langes, meist declamatorisches Duett,\nwobei Vasco, trotz der leidenschaftlichen Ausbrüche Bei-\nder, immer ruhig fort schläft. Da Nelusko weder auf die\nBitten, noch auf die Refehle seiner Königin hört und wie-\nder auf Vasco losstürzt, weckt diese durch einen Schrei\nihren „Herrn\", und auf dessen Befehl entfernt sich Ne-\nlusko, der auf einmal wieder furchtsamer Sclave wird.\nVasco betrachtet die Landkarte. In seine Entwürfe\nversenkt, deutet er eine Richtung nach links an; Selika\nruft: „Nein, das führt dich zum Verderben! Hier, rechts,\nliegt eine grosse Insel, mein Vaterland, von dem mich der\nSturm an die Küste verschlagen, wo du mich gekauft\nhast.\" Vasco ist über die geographischen Kenntnisse sei-\nner Sclavin entzückt, nennt sie (Duett) seinen Schutzengel,\nverspricht, sich nie von ihr zu trennen, verheisst ihr selige\nTage und schliesst sie in seine Arme. Da öffnet sich die"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "139", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650506-01.1.3", "texte": "Thür und Ines, Don Pedro und Nelusko treten herein.\nSelika tritt der Nebenbuhlerin mit Gluth entgegen, aber\nVasco hält sie zurück; sie gehorcht, schaut neidisch\nsentiment d'envie)auf In&s,- betrachtet dann ihre eigenen\nHände und sagt bei Seite: Qu'ei („Wie weiss\nist sie!\") Das ist denn doch in der That ein zu komisches\nIntermezzo der ernstesten Situation! Aber Geduld: es\nkommt noch besser. Ines verkündet dem Vasco de Gama\nseine Freiheit, die sie vom Könige für ihn erbeten, und\nwill sich wieder entfernen; Vasco hält sie zurück, und um\nihren Argwohn gegen ihn zu entkräften schenkt er ihr\ndie Sclavin Selika (Quintett: In&s, Selika, Vasco, Nelusko,\nDon Pedro) und den Nelusko dazu! Don Pedro sagt: ,\ndeux je vous les paye! Par —und nun erst ver-\nkündet er triumphirend, dass In&s seine.Gattin ist und der\nKönig ihm drei Schiffe zur Entdeckungsreise bewilligt\nCT\nhat. (Finale.) Vasco sinkt vernichtet auf einen Sessel nie-\nder. Wer aber kann ihn bedauern?\nDritter Act. Ein Schiff nimmt die ganze Breite der\nBühne ein. Man sieht das Verdeck und darunter einen\nTheil des Innern, rechts Don Pedro's, links In£s' Zim-\nmer, in welchem Selika unter den Frauen der Gattin\ndes Admirals ist. Auf dem Verdeck Matrosen und Ne-\nlusko am Steuer. Frauenchor, Matrosenchor, Sonnenauf-\ngang. Nelusko führt das Schiff den Klippen der ihm be-\nkannten Insel (Madagaskar?) entgegen und singt dabei dem\nSchiffsvolke eine Ballade vom Adamastor, dem Könige der\nStürme, vor. Alvar erblickt ein anderes Schiff in der Ferne,\neine Barke desselben nähert sich, Vasco de Gama be-\ntritt das Verdeck. Er hat ein Schiff auf eigene Hand aus-\ngerüstet und'dem Admiral den Vorsprung abgewonnen;\njetzt kommt er, um diesen und mit ihm Infes zu retten vor\ndem unvermeidlichen Schiffbruche. Aber Don Pedro glaubt\nihm nicht Ausbruch gegenseitiger Wuth, Vasco fordert\nihn zum Zweikampfe, Sturm und Gewitter, Don Pedro\nlässt den Vasco an den Mast binden und die Soldaten auf\nihn anlegen, die Frauen sind ausser sich krach! das\nSchiff ist auf eine Klippe gelaufen, zugleich erklimmen\nzahllose Indianer den Bord unter wildem Kriegsgesange\nund heben ihre Waffen über die gefesselten Portugiesen,\na's— sie in Selika ihre Königin erkennen und vor ihr\nniederfallen. Mit ihnen fällt glücklicher Weise auch der\nVorhang über diese des besten Melodramen-Theaters\nwürdige Scene. Dieser Act ist der kostbarste, aber das\nenttäuschte Publicum nahm ihn mit eisiger Kälte und\ntheilweise mit Heiterkeit auf, und es fehlte nicht an\nWitzen, die dem Baumeister riethen, sein Schiff noch\neinmal auf das Werft zu bringen oder lieber die Trüm-\nmer zu verkaufen, da es doch nicht zu kalfatern sei.\nVierter Act. Wir sind auf der rätselhaften Insel.\nHuldigung der Eingeborenen. Selika schwört auf dem gol-\ndenen Buche Brahma's, die Gesetze des Landes zu halten.\nAlle Portugiesen sind, bis auf Einen, bereits geopfert, die\nFrauen werden so eben hinter der Scene zum Tode «e-\n-führt. Der eine noch lebende ist natürlich Vasco de\nGama, der, sobald das Theater leer ist, ganz unbefangen\naultrilt und in einer Arie die Pracht des Landes bewun-\ndert. Leider stören ihn sehr bald Braminen und Krieger\nin seinen Betrachtungen; schon heben sie die Axt über\nihn, als Selika auf den Stufen des Tempels erscheint\nund ihnen Halt! zuruft. Doch kann sie ihn nach ihrem\nSchwur als Königin nicht vom Tode retten. Da erklärt\nsie ihn für ihren Galten und bringt selbst den wilden Ne-\nlusko dahin, die Vermählung zu bezeugen (denn diese\nScribe'schen Indier sind so geartet, dass sie aus Liebe\nAllem entsagen, dem Glücke und dem Hasse und der\nWahrheit)! Nach dem Gesetze der Braminen muss eine\nin Iremdem Lande geschlossene Ehe eine neue Sanction\ndurch sie erhalten: das geschieht Ballet, Bajaderen\nu. s. w. Die Vermählten empfangen aus der Hand des\nOberpriesters den hochzeitlichen Liebestrank. Priester und\nVolk lassen sie allein, und nun folgt das Duett, welches\nnach dem allgemeinen Urtheile die beste Nummer der\nMusik ist. Wie falsch aber ist die Situation! Vasco hat\nseine Ines wieder vergessen, fragt gar nicht, ob sie noch\nlebt, und schwärmt in ekstatischer Liebe für Selika! Als\naber, während die indischen Frauen Selika in Schleier\ngehüllt zum Tempel führen, aus der Ferne ein Chor der\nportugiesischen Frauen und die Stimme der Ines ertönen,\nerbebt er und will zu ihr eilen. Doch die Indierinnen bil-\nden mit ihren.Schleiern einen Wall und drängen ihn nach\ndem Tempel hin. Der Vorhang fällt.\nFünfter Act. Die Gärten vor Selika's Palast: Pracht\ntropischer Natur. Vasco hat eine heimliche Zusammen-\nkunft mit Inös gehabt. Selika weiss es und Jässt Inäs vor\nsich führen. Wechselseitiger Erguss entsagender Gross-\nmuth und gleicher qualvoller Gefühle der Liebe. Selika\ngibt Vasco, der in dem letzten Acte gar nicht mehr er-\nscheint (das Beste, was er thun konnte!], und Ines frei\nund befiehlt dem Nelusko, Beide nach dem Schiffe Vasco's\nzu geleiten, das noch in Sicht ist. Verwandlung: Vor-\ngebirge am Meere, in der Milte der Scene ein prachtvol-\nler Baum. Es ist der Giftbaum (mancenillier), dessen Blü-\nthenduft die Menschen einschläfert und tödtet. Selika naht\nsich ihm, pflückt von den herabhangenden Zweigen seine\nBlüthen, glaubt, einen unsichtbaren Chor (choeur aerieri),\nder aber wirklich gesungen wird, zu hören und träumt\nin holdem Wahnsinn von Vasco's Rückkehr. Ein Kano-\nnenschuss schreckt sie auf, sie richtet den matten Blick\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "140", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650506-01.1.4", "texte": "noch einmal nach dem Meere und stirbt. Nelusko kehrt\nzurück, verlässt sie nicht und stirbt mit ihr. Am Horizonte\ndas verschwindende Segel des portugiesischen Schiffes.\n(Schluss folgt.)\n\nDie bevorstehende erste Aufführung der Oper\n„Tristan und Isolde“ in München.\nBrief Richard Wagner’s an den Herausgeber des „Botschafter“\nin Wien.\nWerther Freund!\nNoch immer sind Sie der einzige Redacteur einer\ngrösseren politischen Zeitung, auf dessen Unterstützung ich\nrechnen kann, wenn ich in irgend einer Beziehung mich\nvor der OefFentlichkeit vertreten zu lassen habe. Es ist\nlür mich ein wahres Glück, dass uns eine ältere Freund-\nschaft verbindet; ich wüsste sonst auch diesmal nicht, zu\nwelchem Mittel ich zu greifen hätte, um, wie ich es sehr\nwünschen muss, die weithin zerstreuten ernstlicheren\nFreunde meiner Kunst davon zu benachrichtigen, dass\nihnen wirklich mit Nächstem die Gelegenheit geboten wer-\nden soll, eine Aufführung meines „Trista n und Isolde\"\nzu erleben. Indem ich Sie also herzlich bitte, für die mög-\nlichste Verbreitung dieser Notiz zu wirken, erlauben Sie\nzugleich, bei dieser Gelegenheit mir die kleine Genug-\ntuung zu geben, Sie auf die eigenthümliche Bedeutung,\nwelche ich der nun wirklich bevorstehenden Aufführung\nmeines Werkes beilegen darf, hinzuweisen. Vielleicht lie-\nfere ich, wenn ich Ihnen kurz die Geschichte der bisheri-\ngen Verhinderungen derselben erzähle, einen nicht unbe-\nachtenswerthen Beitrag zu unserer modernen Kunstge-\nschichte überhaupt.\nIm Sommer 1857 fasste ich den Entschluss, mich in\nder musicalischen Ausführung meines Nibelungenwerkes\ndurch die Vornahme einer kürzeren Arbeit, welche mich\nwieder mit dem Theater in Berührung setzen sollte, zu\nunterbrechen. „Tristan und Isolde\" ward noch in diesem\nJahre begonnen, die Vollendung aber unter allerhand stö-\nrenden Einflüssen bis in den Sommer 1859 verzögert. In\nBetreff einer ersten Aufführung, an die ich nur unter der\nAnnahme meiner persönlichen Betheiligung dabei denken\nkonnte, hatte ich, da ich damals noch vom Gebiete des\ndeutschen Bundes ausgeschlossen war, im Sinne, mit\neinem Theater-Director mich über eine deutsche Opern-\nUnternebmung für einige Sommer-Monate inStrassburg zu\nverständigen. Der Director des grossherzoglichen Theaters\nin Karlsruhe, Herr Dr. Eduard Devrient, den ich dess-\nhalb um Rath frug, stellte mir die grossen Schwierigkei-\nten einer solchen Unternehmung vor, und rieth mir dage-\ngen, abzuwarten, ob es den edelsinnigen Bemühungen des\nGrossherzogs von Baden gelingen werde, für die nöthige\nZeit des Studiums meines Werkes mich nach Karlsruhe\nzu berufen, wo man mir dann gern alle Mittel zu einer\nguten Aufführung bereit halten würde. Leider blieben die\nhiefür in Dresden gethanen Schritte meines durchlauch-\ntigsten Gönners ohne den gewünschten Erfolg; mein per-\nsönliches Fernbleiben von Karlsruhe erschwerte die nö-\nthige Verständigung mit den zur Darstellung meines Wer-\nkes bestimmten Sängern derart, dass bei den grossen und\ndurchaus ungewohnten Schwierigkeiten der gestellten Auf-\ngabe von da an, wo meine persönliche Anwesenheit in\nKarlsruhe sich als eine Unmöglichkeit herausstellte, von\nferneren Versuchen zu ihrer Lösung abgesehen werden\nmusste. Wäre damals meine Berufung nach Karlsruhe\nmöglich geworden, so hätte ich gerade dort diejenigen\nSänger für die Hauptrollen des Tristan vorgefunden, wel-\nche selbst nach sechs Jahren, bei nun mir gewonnener\ngänzlicher Freiheit der Wahl, als einzig zur Lösung mei-\nner Aufgaben befähigt, aus dem zahlreichen Personale der\ndeutschen Operntheater von mir berufen werden konnten.\nIch bezeichne hiermit das mir seitdem innig befreundete,\nvortreffliche Künstler-Ehepaar Schnorr v. Carolsfeld.\nWelcher Umwege es nun für mich bedurfte, um das\ndamals mir ganz nahe gelegene, einzig durch oben be-\nzeichnete Bedenken Verhinderte zu erreichen, mögen Sie\nmit lächelndem Staunen erfahren.\nUm mir die Möglichkeit einer ersten Aufführung von\n„Tristan und Isolde\" unter meiner persönlichen Betheili-\ngung zu verschaffen, siedelte ich im Herbste 1859 nach\nParis über. Mein Plan ging dahin, für Mai und Juni\n1860 eine deutsche Muster-Operngesellschaft nach Paris\nzu berufen; das italiänische Operntheater, welches um\ndiese Zeit alljährlich frei wird, sollte für ihre Aufführun-\ngen gemiethet werden. Da ich die meisten der mir be-\nkannten und befreundeten Künstler im Allgemeinen bereit\nfand, meiner Einladung Beachtung zu schenken, musste\nich vor Allem an die materielle Ermöglichung der Unter-\nnehmung denken. Ein geschäftlicher Leiter war in der\nPerson eines der Eigenthümer des italiänischen Opern-\ntheaters unschwer zu finden; schwieriger war es, die finan-\ncielle Garantie eines Capitalisten zu verschaffen. Zur Ueber-\nnahme derselben musste einem wohlwollenden reichen\nManne, dem Freunde eines meiner pariser Freunde, Muth\ngemacht werden; auf eigene Gefahr hin richtete ich drei\ngrosse Concerte im italiänischen Operntheater ein, in wel-\nchen ich Bruchstücke meiner Musik von einem grossen\nOrchester und wie dies in Paris nicht anders möglich\nist—mit sehr bedeutenden Unkosten ausführen Hess. Der\nunläugbare, grosse und bedeutende Eindruck dieser Con-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "141", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650506-01.1.5", "texte": "certe auf das Publicum hatte für mich einzig den Sinn,\ndas Vertrauen jenes zur Unterstützung meiner beabsich-\ntigten Opern-Unternehmung in das Auge gefassten vermö-\ngenden Mannes zu gewinnen. Unglücklicher Weise war\ngerade dieser ältliche Herr gänzlich verhindert, den Con-\ncerten beizuwohnen: die Berechnung meines Freundes\nscheiterte. Während sich ausserdem herausstellte, dass das\nrichtige Zusammentreffen der von mir einzuladenden deut-\nschen Sänger der ihnen nur verschiedentlich freigestellten\nZeit wegen nicht zu vermitteln war, und schon die Opfer\nund Anstrengungen, welche mich diese drei Concerte ge-\nkostet hatten, mich von weiteren Wagnissen dieser Art\nabschreckten, stellte sich der Erfolg meines Auftretens in\nParis nach einer anderen Seite hin zu meiner Ueberra-\nschung ergebnissvoll heraus. Der Kaiser der Franzosen\ngab den Befehl zur Aufführung meines „Tannhäuser\" in\nder grossen Oper. Sie kennen genauer, in welche neue,\nsonderbare Verwirrungen mich diese mit ziemlichem Ge-\nräusch in Europa begleitete Unternehmung verwickelte: sie\nkostete mich ein tief zerstreuendes Jahr meines Lebens.\nWährend ich mit einem grossen Erfolge, wäre er selbst\nmöglich gewesen, nicht eigentlich gewusst hätte, was an-\nfangen, fühlte ich mich mitten unter dem Wüthen des\nentsetzlichsten Misserfolgs wie von einer verderblichen Stö-\nrung befreit, die mich bis dahin auf meinem wahren\nWege aufgehalten hatte, und dieser Weg führte mich, da\nParis mir andererseits wenigstens zur Wiedererschliessung\nDeutschlands verholfen hatte, sofort nach Karlsruhe, um\ndort die endliche Ermöglichung einer ersten Aufführung\nmeines „Tristan\" zu betreiben.\nEs war Mai 1861 geworden. Sofort der gnädigsten\nund fördernsten Gesinnungen des durchlauchtigsten gross-\nherzoglichen Paares versichert, hatte ich dagegen den\nwährenddem Statt gefundenen Fortgang des Künstler-\npaares Schnorr zu beklagen, welches eine dauernde An-\nstellung in Dresden angenommen hatte. Ich sollte nun,\nder geneigten Absicht meines edlen Gönners gemäss, mir\ndie Sänger nach meinem Wunsche aussuchen, die man zu\neiner musterhaften Aufführung meines Werkes nach Karls-\nruhe berufen könnte. Der Besuch von Dresden war mir\ndamals noch nicht gestattet: ich eilte nach Wien, um die\ndortigen Kräfte näher zu prüfen. Sie, lieber Uhl, erlebten\nmit mir die damals Statt findende schöne, für mich—'erste\nAufführung meines „Lohengrin\", und finden begreiflich,\ndass alles, was ich an diesem berauschenden Mai-Abende\nerlebte, meinem gestörten Lebenslaufe plötzlich eine neue\nRichtung geben musste. Die vortrefflichen Sänger der kai-\nserlichen Oper für eine Aufführung meines „Tristan\" in\nKarlsruhe überlassen zu bekommen, stellte sich sofort als\neine Unmöglichkeit heraus. Dagegen lag es mir nun nahe,\ndem Anerbieten der obersten Behörde des kaiserlichen\nTheaters, den „Tristan\" alsbald in Wien unter meiner\npersönlichen Mitwirkung selbst zur Aufführung zu bringen,\nmit keinem Bedenken entgegen zu treten. Sie wissen,\nworin mein Hauptbedenken bestehen musste. Dem belieb-\nten Sänger Ander, dessen neulicher Tod uns alle mit so\nherzlicher Trauer erfüllte, musste die ungemein anstren-\ngende Aufgabe der Darstellung der Hauptrolle des „Tri-\nstan\" jedenfalls zu viel zumuthen. Da alle übrigen Par-\ntieen aber vortrefflich zu besetzen waren, konnte ich mich\ndazu verstehen, die nöthigen Aenderungen, Kürzungen\nund Aneignungen vorzunehmen, welche die Lösung seiner\nAufgabe auch diesem Sänger ermöglichen sollte. Im\nHerbste 1861 sollten die Proben beginnen. Sie entsin-\nnen sich, dass eine andauernde Stimmkrankheit Ander für\ndiesen ganzen Winter zu irgend welcher anstrengenden\nBeschäftigung unfähig machte; ein anderer Sänger war\num diese Zeit nicht zu gewinnen: Tichatscheck, Schnorr,\nbeide in Dresden, konnten nicht abkommen. Das Unterneh-\nmen musste auf ein Jahr verschoben werden.\nmer 1862 verzweifelte ich bereits an der Möglichkeit einer\nWiederaufnahme des Werkes in Wien, als die Direction\nzu meiner Ueberraschung mir anzeigte, Herr Ander fühle\nsich vollkommen wieder hergestellt und erkläre sich zur\nWiederaufnahme des Studiums von „Tristan und Isolde\"\nbereit.\nIn diesem Sommer lernte ich die vorzüglichen, mir\nungemein sympathischen Leistungen des trefflichen Schnorr\nvon Carolsfeld, eines singenden wirklichen Musikers und\nDramatikers, kennen; er und seine Gemahlin, das als\nwahre und edle Künstlerin in Karlsruhe zuvor gefeierte\nehemalige Fräulein Garrigues, hatten die Haupt-Partieen\nmeines Werkes sich bereits aus reiner Neigung, mit gröss-\nter Liebe und innigstem Verständnisse so weit angeeignet,\ndass wir, als sie mich am Rheine, wo ich mich damals\nvorübergehend aulhielt, besuchten, in meinem kleinen\nZimmer zu Bülow's unnachahmlicher Clavier-Begleitung\nvollständige musicalische Aufführungen davon Statt finden\nlassen konnten. Dies ging in meinem Zimmer vor, wäh-\nrend auf keinem Theater mir die Möglichkeit, das Gleiche\nzu thun, geboten werden konnte. Auch Dresden, wo alle\nMittel zur Ausführung meines Werkes vorhanden waren,\ndurfte ich nun zwar wieder betreten; als ich im Herbste\ndes gleichen Jahres mich nur für einige Tage dort ein-\nfand, musste ich aber an der besonderen Haltung der kö-\nniglichen General-Direction des dortigen Hoftheaters sofort\nerkennen, dass an ein Befassen mit mir und meinem\nWerke dort nicht im entferntesten auch nur zu denken sei.\nWelche Hoffnungen ich mir überhaupt auf die Directio-\nnen der grösseren deutschen Theater zu machen hatte,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "142", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650506-01.1.6", "texte": "lernte ich ausserdem noch näher kennen, als ich nicht\nlange nachher bei Gelegenheit einer Durchreise durch\nBerlin mich dem General-Intendanten der königlich preus-\nsischen Hoftheater zum Besuche anmelden liess und dieser\neinfach meinen Besuch sich verbat.\nUnter solchen Umständen musste ich denn aufs Neue\nmeine, wenn auch sehr geschwächten Hoffnungen auf Wien\nrichten. Hier hatte seit den ersten Verzögerungen des\n„Tristan\" die musicalische Presse sich mit besonderer\nVorliebe der Aufgabe hingegeben, zu beweisen, dass mein\nWerk überhaupt unausführbar sei, kein Sänger könne\nmeine Noten treffen, noch behalten; dieses Thema war zur\nLosung für alles, was über mich berichtete, schrieb oder\nsprach, durch ganz Deutschland geworden. Eine französi-\nsche Sängerin, allerdings Madame Viardot, drückte mir\neines Tages ihre Verwunderung darüber aus, wie es nur\nmöglich wäre, dass solche Behauptungen, irgend etwas sei\nnicht zu treffen u. dgl., von uns gemacht werden könnten;\nob denn die Musiker in Deutschland nicht auch musica-\nlisch wären? Nun, hierauf wusste ich nicht recht, was ich\nsagen sollte, namentlich zur Belehrung der, Künstlerin,\nwelche einst in Paris gelegentlich einen ganzen Act der\nIsolde ausdrucksvoll vom Blatte gesungen hatte. In Wahr-\nheit war es auch mit meinen deutschen Sängern gar nicht\nso schlimm bestellt: auch meine wiener Sänger machten\nmir endlich, durch meines werthen Freundes, Capellmei-\nsters Esser, ungemein intelligenten Fleiss und Eifer an-\ngeleitet, die grosse Freude, die ganzeOper mir fehlerfrei und\nwirklich ergreifend am Ciavier vorzusingen. Wie es ihnen\nspäter beikommen konnte, wiederum zu behaupten, sie\nhätten ihre Partieen nicht erlernen können denn so ist\nv # .\nmir berichtet worden —, bleibt mir ein Räthsel, über des-\nsen Lösung ich mir den Kopf nicht zerbrechen will; viel-\nleicht geschah es aus Gefälligkeit gegen unsere berühmten\nwiener und anderweitigen Musik-Kritiker, denen nun ein-\nmal auffallend viel daran gelegen war, mein Werk für\nunausführbar angesehen zu wissen, und welche die dennoch\nermöglichte Aufführung geradeswegs beleidigen musste;\nvielleicht aber auch ist, was mir berichtet worden ist, selbst\nwieder unwahr: Alles ist möglich, denn in der deutschen\nPresse geht es heutzutage nicht immer ganz christlich her.\nGenug: in Moskau erhielt ich im März 1863 eine Mitthei-\nlung der k. k. Hofopern-Direction, nach welcher ich mit\nmeiner Rückkehr nach Wien zu den um diese Zeit anbe-\nraumten General-Proben des „Tristan\" mich nicht zu be-\neilen hatte, da Krankheitsstörungen eingetreten seien,\nwelche die Aufführung vor den Theater-Ferien unmöglich\nmachten. Diese Ferien gingen vorüber und von „Tristan\"\nwar nicht mehr die Rede. Ich glaube, es herrschte im\nPersonale allgemein die Ansicht, Ander würde auch beim\nbesten Willen seine Partie nicht „aushalten\", geschweige\ndenn öfter durchführen können. Unter solch misslichen\nUmständen konnte die „Oper\" auch unmöglich der Di-\nrection als ein Gewinn für das „Repertoire\" gelten. Ich\nfand dies und vieles Andere so ganz richtig und in der\nNatur der Dinge begründet, dass ich mich endlich gar\nnicht mehr um Aufklärung über das verschiedentlich mir\nHinterbrachte bekümmerte. Aufrichtig gesagt: ich hatte\nes satt und dachte nicht mehr daran.\nSo war denn mein „Tristan und Isolde\" zur Fabel\ngeworden. Ich ward hier und da freundlich behandelt,\nman lobte „Tannhäuser\" und „Lohengrin\": im Uebrigen\nschien es mit mir aus zu sein.\nDas Schicksal hatte es aber anders beschlossen. Die\nAusführung jedes bis dahin entworfenen Planes, wäre sie\ngeglückt, hätte die Frage, um die es sich bei der Auffüh-\nrung dieses Werkes handelt, nicht vollkommen rein ge-\nlöst:— diese Lösung so rein, als irgend die Umstände der\nGegenwart es ermöglichen, zu bewirken, war mir dagegen\nvorbehalten. Als mich Alles verliess, schlug um so höher\nund wärmer ein edles Herz dem Ideale meiner Kunst; es\nrief dem Preis gegebenen Künstler zu: „Was Du schaffst,\nwill Ich!\" Und diesmal ward der Wille schöpferisch, denn\nes war der Wille eines Königs.\nDie wunderbare Schönheit der anregenden und för-\ndernden Kraft, die seit einem Jahre in mein Leben getre-\nten ist und sich meines ernstesten Dichtens und Trachtens\nmit lächelnd drängender Gewalt bemächtigt hat, kann ich\nmeinen Freunden nur durch die That ihres Waltens offen-\nbaren. Eine solche That kündige ich Ihnen heute an. Und\nwie die Kraft beschaffen ist, welche hier wirkt, mögen Sie\naus der Art ihrer Kundgebung schliessen, wenn ich Ihnen\nmelde, in welcher Weise der „Tristan\" meinen Freunden\nvorgeführt werden soll.\nDie Aufführungen von „Tristan und Isolde\", von de-\nnen drei wohl vollständig gesichert sind, werden gänzlich\nausnahmsvolle und mustergültige sein. Hierzu sind vor\n*\nAllem die Darsteller der beiden ungemein schwierigen\nHauptrollen in den Personen meiner theuren Freunde\nLudwig und Malvina Schnorr von Carolsfeld be-\nsonders nach München berufen; sie begleitet mein alt-\nvertrauter Kunst-Kampfgenosse Anton Mitterwurzer\nals Kurwenal treu und echt wie Einer. Somit, wie irgend\ndie Umstände es ermöglichten, ist für die Besetzung der\nübrigen Partieen in zweckmässigster Weise auf das gross-\nmüthigste gesorgt worden; jeder der Mitwirkenden ist mir\nfreundlich ergeben. Um von jeden störenden Einflüssen\neines täglich arbeitenden Theaterbetriebes frei gehalten zu\nwerden, ist uns das trauliche königliche Residenz-Theater\nzur ausschliesslichen Benutzung überlassen: Alles wird in"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "143", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650506-01.1.7", "texte": "ihm sorgsam für die Bedürfnisse einer innigen, klaren und\ntrautverständlichen Aufführung nach meinen Angaben\nhergerichtet. Hier steht uns fast täglich das herrliche kö-\nnigliche Hof-Orchester, Franz Lachner's musterhafte Schö-\npfung, für zahlreiche Proben zur Verfügung, bei welchen\nwir, nur auf die Erreichung der höchsten künstlerischen\nFeinheit und Correctheit des Vortrages achtend, volle\nMüsse und Zeit haben, dies ohne Anstrengung zu bewerk-\nstelligen. Um mir den fördernden Ueberblick über die\nLeistungen der Gesammtheit zu erleichtern, ist mir mein\nlieber Freund Hans von Bülow für die Leitung des\nOrchesters beigegeben—gerade er, der einst das Unmög-\nliche leistete, indem er einen spielbaren Clavier-Auszug\ndieser Partitur zu Stande brachte, von dem noch Keiner\nA 4 f t > I i • J !\nbegreift, wie er dies angefangen hat. Ihn, der mit dieser\nso vielen Musikern noch räthselhaft dünkenden Partitur\nbis zum Auswendigwissen jedes kleinsten Bruchtheiles der-\nselben vertraut ist und meine Intentionen bis in ihre zar-\ntesten Nuancen in sich aufgenommen hat dieses zweite\nIch zur Seite, kann ich mit jeder Einzelheit der musicali-\nschen wie scenischen Darstellung mich in der ruhig trau-\nlichen, künstlerischen Stimmung befassen, wie sie nur der\nliebevolle Verkehr mit innig befreundeten Künstlern selbst\nermöglicht. Für schöne Decorationen und höchst charak-\nteristische Costume ist mit einem Eifer gesorgt Worden,\nals gälte es nicht mehr einer Theater-Aufführung, sondern\neiner monumentalen Ausstellung.\nAuf diese Weise wie aus der Wüste unseres theatra-\nlischen Markttreibens in die erfrischende Oase eines an-\nmuthigen Kunst-Ateliers entrückt, bereiten wir das Werk\neiner dramatischen Aufführung vor, die rein als solche bei\nallen, die ihr anwohnen werden, Epoche machen muss.\nDiese Aufführungen, für jetzt wie gemeldet viel-\nleicht nur drei an der Zahl, sollen als Kunstfeste betrach-\ntet werden, zu welchen ich von nah und fern die Freunde\nmeiner Kunst einladen darf; sie werden demnach dem\nCharakter der gewöhnlichen Theater-Aufführungen ent-\nrückt und treten aus der üblichen Beziehung zwischen\ndem Theater und dem Publicum unserer Zeit heraus.\nMein huldreicher Beschützer will, dass diese bedeutungs-\nvollen Aufführungen nicht der gewöhnlichen Neugier, son-\ndern lediglich dem ernsteren Interesse an meiner Kunst\ngeboten werden sollen; somit bin ich ermächtigt, in alle\nFerne hin, so weit meine Kunst sich Herzen gewann, die\nEinladung zu diesen Aufführungen ergehen zu lassen.\nSie werden etwa in der zweiten Hälfte dieses\nMai Statt finden, und es sollen die Tage, so weit sie sich\nmit Sicherheit.vorausbestimmen lassen, durch die verbrei-\ntetsten Blätter zur rechten Zeit noch genau angezeigt wer-\nden. Wir nehmen an, dass, wer sich eine Reise nach Mün-\nchen eigens für diesen Zweck nicht verdriessen lässt, hier-\nmit keine oberflächliche Absicht verbindet, sondern da-\ndurch seine ernste Antheilnabme am Gelingen der Lösung\neiner bedeutenden und edlen künstlerischen Aufgabe be-\nzeigt; und Jeder, der sich in diesem wohlverstandenen\nSinne bei der königlichen Intendanz des Hof- und Natio-\nnal-Theaters in München anmeldet, wird sicher sein kön-\nnen, zu der von ihm bezeichneten Aufführung einen Platz\nim Theater sich aufbewahrt zu finden. Wie an Fremde,\nwird an die hier einheimischen Freunde meiner Kunst\neine gleichlautende und auf den gleichen Zweck gerichtete\nEinladung ergehen.\nDem etwaigen Spotte darüber, dass durch solche\nMaassnahmen eben nur für ein besonders befreundetes\nPublicum gesorgt zu werden scheine, welchem zu gefallen\nes allerdings dann keiner grossen Kunst bedürfe, werden\nwir ruhig entgegnen, dass es sich diesmal nicht um Ge-\nfallen oder Nichtgefallen, dieses wunderliche moderne\nTheater-Hazardspiel, handelt, sondern einzig darum, ob\nkünstlerische Aufgaben, wie die von mir in diesem Werke\ngestellten, zu-lösen sind, auf welche Weise sie zu lösen\nsind, und ob es sich der Mühe verlohne, sie zu lösen. Dass\nmit der letzten Frage nicht gemeint sein kann, zu erfah-\nren, ob mit dergleichen Aufführungen viel Geld zu machen\nsein könnte (denn dies ist der Sinn des heutigen Gefallens\noder Nichtgefallens im Theater), sondern lediglich, ob mit\nWerken der vorliegenden Art durch vorzügliche Auffüh-\nrungen die erwartete richtige Wirkung auf das gebildete\nmenschliche Gemüth überhaupt zu ermöglichen ist, dies\nwäre hier zu betonen: dass es sich also zunächst um die\nLösung reiner Kunst-Probleme handele, und zur Mitwir-\nkung bei ihrer Lösung somit nur diejenigen herbeizuziehen\nseien, welche durch ernsten Anlheil an der Sache wirklich\nvorbereitet und befähigt hierzu sind*). Ist das Problem\n\n*J Damit sind wir einverstanden. Allein dass nur die „Freunde\nseiner Kunst\" diesen allerdings erforderliehen ernsten Antheil neh-\nmen könnten und auch nur dazu „befähigt\" wären, das ist denn\ndoch wieder eine von jenen Anmaassungen, deren nur die unver-\nantwortlichste Selbstüberschätzung fähig ist, und die zugleich\nwenn sie wirklich so durchgeführt würde das Urtheil der beru-\nfenen Versammlung (das Prädicat im äusserlichen Sinne genommen)\nals ein völlig werthloses für die Sache, um die es doch Herrn\nWagner, wie er stets versichert, allein zu thun ist, hinstellen würde.\nEs geht aus dem obigen Briefe nicht klar hervor, was Herr Wagner\nunter „seiner\" Kunst, von welcher oben stets die Rede ist, ver-\nsteht; seine souveraine Geringschätzung aller bisherigen Musik lässt\naber schliessen, dass er mit jenem Ausdrucke nicht die Musik oder\ndie Poesie in dem allgemeinen Sinne, wie der Maler, Dichter, Mu-\nsiker von „seiner\" Kunst spricht, gemeint habe, sondern „seine\nbesondere\" Kunst, d. h. sein System dramatischer Poesie und Mu-\nsik. Es ist aber stets ein Zeichen, wo nicht der Armuth, doch des\nMisstrauens in die zwingende Kraft einer Schöpfung des Geistes,\nwenn man sie nur von ihren Freunden beurtheilt wissen will;"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "144", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650506-01.1.8", "texte": "gelöst, so wird die Frage sich erweitern, und, in welcher\nWeise wir dem eigentlichen Volke Antheil an dem Höch-\nsten und Tiefsten auch der Kunst gönnen und zu bereiten\nbestrebt sind, wird sich dann ebenfalls zeigen, wenngleich\nwir für jetzt das eigentliche stehende Theater-Publicum\nunserer Tage noch nicht unmittelbar hierbei in das Auge\nfassen zu dürfen glauben.\nFinden Sie nun, lieber Uhl, dass ich Sie von keinem\nganz unbedeutenden Runst-Vorgange unterhalten habe,\nund dass es sich der Mühe verlohnen dürfe, für die Ver-\nbreitung der hierin enthaltenen Ankündigung etwas zu\nthun, so bitte ich Sie, nach bestem Ermessen Ihre publi-\ncistischen Verbindungen hiefür zu benutzen. Ich bin be-\nscheiden genug, zu wissen, dass ich mit meiner Einladung\nmich nur an Wenige wende; aber ich weiss auch, dass\ndiese Wenigen überraschend weithin zerstreut sind. Ihnen,\nden Zerstreuten, möchte ich gern meinen Aufruf zukom-\nmen lassen; denn was sie zunächst zu einer seltenen Samm-\nlung beruft, sollte selbst die Kunstleistung hinter ihr\nzurückbleiben, jedenfalls eine so seltene, schöne und ruhm-\nreiche That, dass sie wohl weithin zu beachten sein sollte.\nUnsere Losung sei: Heil dem edlen Wirker dieser\nThat!\nMit den freundschaftlichsten Grüssen verbleibe ich\nfür immer\nIhr ergebener\nBichard Wagner.\nMünchen, 18. April 1865.\n\nunserer Meinung nach ist jede geistige That, in der Kunst und Wis-\nsenschaft eben so, wie im Leben und in der Politik, von vorn herein\nverdächtig, wenn sie das Urtheil der Oeffentlichkeit beschränkt wis-\nsen will auf die Freunde, auf die Anhänger, auf die Auserwählten,\nauf die Adepten. Wir halten es darin mit Luther: ist das Werk von\nGott, von dem göttlichen Geiste im Menschen, den wir Genie zu\nnennen pflegen, so wird es bestehen, wo nicht, so wird es unter-\ngehen. Nicht bloss die Unparteiischen, nein, auch die Feinde\nd. h. Feinde der Sache, des Systems, nicht der Person darf eine\ngute Sache, auf die wir vertrauen, nicht scheuen zum Urtheil zu\nberufen, denn wenn die Sache nicht die Kraft hat, sie zu bekehren,\nso ist das schlimm; was die Freunde, im voraus davon einge-\nnommen, dabei „empfinden\" und darüber sagen werden, das weiss\nman ja längst in diesem und allen ähnlichen Fällen voraus. Was\nden „Ernst\" der Theilnahme und vollends die „Befähigung\"\ndazu betrifft, so müssen wir fragen, ob Herr Wagner sich zur Com-\npetenz eines entscheidenden Urtheils über eine rein moralische Sache,\nwie der Ernst eines Mannes von Charakter ist, durch sein Leben,\nund zum Urtheil über die wissenschaftlich-musicalische Befähigung\neines tüchtigen Musikers durch seine musicalisch-philosophischen\nSchriften legitimirt habe. Was er vom gewöhnlichen Theater-Pu-\n,blicum und von „gefallen\" und „nicht gefallen\" sagt, passt gar\nnicht dahin und kann ihn nicht im Geringsten entschuldigen. Wenn\nHerr Wagner von den Tonkünstlern und dem musicalisch gebilde-\nten Publicum verlangt, dass sie bei ihm den redlichen Ernst seiner\nBestrebungen voraussetzen sollen, selbst wenn er sie für „das Höchste\nund Tiefste in der Kunst\" hält: so ist es seine Pflicht, auch bei\ndenen, die in diesen Bestrebungen Yerirrungen sehen, den Ernst der\nUeberzeugung zu achten, da nur das Ideal der Kunst, welches sie\nim Herzen tragen, sie zu seinen Gegnern macht. Thut er das nicht,\nso läuft seine ganze Verfahrungsweise auf das bis zum Lächerli-\nchen verbrauchte Brendel'sche Universalmittel gegen die Kritik\nhinaus: „Wer mich nicht lobt, der versteht mich nicht!\"\nT\nDie Redaction.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. {Herr Max Schratten holz, der seine musicalische\nAusbildung auf dem hiesigen Conservatorium erhalten hat, gab am\n2. d. Mts. eine Soiree im kleinen Gürzenichsaale, in welcher er\ndurch mehrere Vorträge, theils allein, theils mit Begleitung, sich als\neinen Clavierspieler von schönem Anschlage und bedeutender Fer-\ntigkeit bewährte. Ein anderer, ebenfalls talentvoller Zögling des\nConservatoriums, Herr Ludwig, gab erfreuliche Beweise seiner\nFortschritte als Violinspieler. Fräulein Pauline Wisemann hatte\ndie Freundlichkeit, die jungen Künstler durch den ausdrucksvollen\nVortrag einiger Lieder von Schubert, Hiller u. s. w. zu unterstützen.\nFräulein Francisca Barn, früher Schülerin des Herrn Koch\nhierselbst, beim Hoftheater zu Schwerin angestellt, hat in diesen\nTagen in Berlin, wohin sie zum Gastspiele an der königlichen\nOper eingeladen war, die Fides in Meyerbeer's „Prophet\" mit\ngrossem Beifalle gesungen, so dass sie nach dem vierten Acte drei\nMal gerufen wurde.\nIn Lennep wurde am 30. April Mozart's Requiem und der\nzweite Theil von Spohr's Oratorium „Die letzten Dinge\" unter\nLeitung des Herrn 0. Standtke aufgeführt.\n23. April. Im nächsten Monate feiert einer\nunserer Mitbürger, der als Künstler wie als Mensch gleich verdiente\nund geachtete Concertmeister Th. Schmidt, der ausgezeichnete\nClarinettist vom herzoglichen Theater-Orchester, sein fünfzigjähriges\nDienst-Jubiläum. Bei den vielen Sympathieen, deren sich derselbe\nin allen Kreisen erfreut, und bei seiner noch erfreulichen Körper-\nund Geistesfrische dürfte das Fest für den Jubilar ein recht hei-\nteres werden.\nFrankfurt am Jüdin« Die Original-Partitur von Mo-\nzart's „Schauspiel-Director\" ist seit Kurzem im Besitze des\nHerrn Karl Meinert in Frankfurt am Main."}]}