{"numero_id": "bm-bmtnabi-1865-05-13-01", "volume": "bmtnabi_1865-05-13_01", "ocr_sha256": "0b2541cdfb2885b013e9145753ba9681db5aad77910a18516483a57d9dab3bb5", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1865/05/13_01/bmtnabi_1865-05-13_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650513-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1865-05-13-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-05-13_01#c001", "volume": "bmtnabi_1865-05-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "145", "page_fin": "145", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650513-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "145", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650513-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 472, "texte": "Inhalt.\nDie Africanerin (Schluss). Richard Wagner's Vorschläge zu einer Muster-Oper und einer Kunstschule in München.\nAuguste Crelinger +• Von H. Th. K. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Das 42. niederrheinische Musikfest, Con-\ncert des kölner Männer-Gesangvereins Eegensburg, Musikzustände, Oper Dr. Ambros Berlin, Fräulein de Alma \"j - Wien, Carl-\ntheater, Gagen-Etat der k. k. Hofoper in Wien Prag, Hiller's „Zerstörung von Jerusalem\" Antwerpen, Hiller's „Lorelei\")."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-05-13-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-05-13_01#c002", "volume": "bmtnabi_1865-05-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "145", "page_fin": "148", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650513-01.2.2", "titre_corps": "Die Africanerin.", "titre_sommaire": "Die Africanerin.", "signature_source": "B. 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Endpunkt der italiänischen\nManier Meyerbeer's war „11 Crociato in Egittou im Jahre\n1824. „Robert der Teufel\", die erste Frucht des musi-\ncalischen Eklekticismus, dem sich der Meister in Paris\nhingab und damit durch eine mit Ueberlegung und Ab-\nsiebt gewählte und verfolgte Richtung auf neue Effecte\nsich selbst Fesseln anlegte, die sein Genie nicht immer glück-\nlich durchbrach, erschien 1831 auf der Bühne; die „Hu-\ngenotten\" 1836; „Ein Feldlager in Schlesien\" 1840 in\nBerlin; „Der Prophet\" 1849 wieder in Paris; „Der\nNordstern\" 1854; „Le Pardon de Pbermel\" 1859.\nSeit geraumer Zeit war es ein öffentliches Geheimniss,\ndass Meyerbeer die Partitur einer Oper von Scribe unter\ndem Titel »Die Africanerin\" in Arbeit oder auch schon\nvollendet habe, und dass ihn allein der Mangel an geeig-\nneten Sängern hindere, sie aufführen zu lassen. Man gab\nihr im vergangenen Jahre bereits ein Alter von fünfzehn,\nja, von zwanzig Jahren, so dass es zweifelhaft schien, ob\nihre Entstehung nicht noch vor den „Propheten\" oder\nwenigstens gleich nach demselben zu setzen sei, jedenfalls\nvor den „Nordstern\". Nach diesen Gerüchten wäre mithin\n„Die Africanerin\" die vierte grosse pariser Oper Meyer-\nbeer's gewesen, und während der Beschäftigung mit ihr\nhabe er sich durch die Compositionen des „Nordsterns\",\nin den er mehrere Nummern des „Feldlagers\" hinüber-\nnahm, und des „Pardon de Pbermet erholt.\nNun tritt aber das Journal mit der be-\nstimmten Behauptung auf, dass die jetzige Africanerin die\nneue Bearbeitung Scribe's eines ähnlichen Stoffes sei und\naus dem Jahre 1854 herrühre; erst seitdem habe sich\ndenn auch Meyerbeer mit der Composition derselben be-\nschäftigt. Das wäre also unmittelbar nach der Vollendung\ndes „Nordsterns\" gewesen, welcher den 16. Februar 1854\nzum ersten Male gegeben wurde.\nWie dem nun auch sei, die Frage scheint bei Meyer-\nbeer, dessen künstlerische Entwicklung mit den „Huge-\nnotten\" bereits vollkommen abgeschlossen war, sehr gleich-\ngültig. Die „Africanerin\" gibt uns, so viel ich nach An-\nhörung von drei Vorstellungen zu behaupten Grund zu\nhaben meine, Meyerbeer ganz und gar so, wie wir ihn seit\n„Robert\" kennen, mit allen seinen genialen Vorzügen und\nallen seinen kleinlichen Schwächen wieder. Von einer\nneuen Phase seiner künstlerischen Entwicklung, wovon\nEinige träumen, ist auch nicht die leiseste Spur vorhanden.\nMeyerbeer hat in der Africanerin eben so wenig einen\nStil, als in seinen anderen Opern; er ist auch hier wieder\nder Inbegriff aller Stilarten von Gluck bis aul Rossini und\nAuber. Das Einzige, was man bereits im „Nordstern\" und\nin der „Dinorah\" bemerkt, nämlich dass er mit dem alten\nTrachten nach Neuem bis zum Ralfinirten und Bizarren\ndoch ein gewisses Streben nach populärer Ausdrucksweise,\nnach Verständlichkeit und Fasslichkeit, ja, Geläliigkeit\nverbindet, das ist auch in der „Africanerin\" sichtbar. Ob\nihm dies Streben gelungen? Aufrichtig gesagt: stellenweise\nnur zu sehr! Es sind Dinge in dieser nachgelassenen Oper,\ndie sowohl in Bezug auf den Gang der Melodie, als auf\ndie begleitenden Mittel der Instrumentirung (bei denen\nz. B. Brummstimmen und ein andermal das Hämmern mit\ndem Holz des Bogens auf die Saiten-Instrumente nicht\nverschmäht werden) so sehr dem Trivialen verfallen, dass\nsie nicht bloss in der ersten besten italiänischen Oper ihren\nPlatz finden würden, sondern an der Stelle, wo sie jetzt\nstehen, das Werk geradezu verunzieren. Da sich ganze\nNummern diese Rüge in jedes aufrichtigen Musikers Augen\nzuziehen müssen, z. B. zwei Duette, eines im zweiten und\neines im dritten Acte, so begreift man nicht, warum bei"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "146", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650513-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5444, "texte": "der abspannenden Länge der Oper—denn auch die dritte\nVorstellung dauerte, trotz der vorgenommenen Kürzungen,\ndennoch von 7'/4 Uhr bis 12 Uhr 20 Minuten man\nsolche Stücke nicht dem Rothstifte verfallen lässt! Entwe-\nder muss die Oper halbirt und an zwei hinter einander\nfolgenden Abenden gegeben werden, wie Wagner's Nibe-\nlungen an dreien oder vieren, oder ein Drittel der Parti-\ntur muss gestrichen werden. Dass letzteres möglich ist und\nhöchst wahrscheinlich dem Werke Vortheil brächte, das\nist freilich gerade kein Lob, aber man darf es auch nicht\nbloss als Tadel des Werkes auffassen, denn kein mensch-\nliches Gehirn und Gemüth hält die Anstrengung aus, sechs\nbis sieben Stunden lang Musik zu hören und unverwandt\nins Gaslicht und auf die Pracht der Decorationen und der\nCostume zu schauen. Selbst Bewunderer von allem, was\nMeyerbeer heisst, wie z. B. Hippolyte Prevost in der\nFrance, warnen die Regie, der Ermüdung nicht Macht\nüber die Bewunderung zu geben; es sei gefährlich, sich\nzu spät zu durchgreifenden Verkürzungen zu entscheiden,\nweil unterdessen die einmal empfundenen Eindrücke sich\nfestsetzen und dann schwer wieder zu bekämpfen sind.\nEine Ouvertüre hat,die Oper nicht: die Einleitung\nbenutzt mit feiner Instrumentirung von Blas-Instrumenten,\nHarfe und auf den hohen Tönen schwirrenden Violinen\nzwei Motive der In&s, eines aus ihrer ersten Romanze, in\nwelcher sie sich an den Abschied Vasco's von ihr erinnert,\nund das zweite aus dem Septett im zweiten Acte, womit\nsie ihm seine Freiheit ankündigt. Hiernach scheint es fast,\nals habe der Componist die In&s als Haupt-Partie gedacht,\nwas sie aber dem Gedichte nach gar nicht ist. Nach dem\nAufzuge des Vorhanges singt Inös nach einem kurzen reci-\ntativischen Dialog die Romanze, welche ihr Geliebter einst\nzum Abschiede sang: „Adieu, rive du Tage\". Die Me-\nlodie ist weich und schön, aber als Ines ihre eigenen Em-\npfindungen daran knüpft, wird sie walzerähnlich und ge-\nwöhnlich und schliesst gar mit einer ganz unpassenden\nRoulade!\nDer Einzug des hohen Rathes und der zwölf Bischöfe\ngibt Gelegenheit zu einem scharf und punktirt rhythmi-\nsirten Marsche. Die Scene beginnt mit einer Art von Ge-\nbet, einer Anrufung des heiligen Geistes durch die Bi-\nschöfe einem imposanten Unisono von Dassstimmen.\nAlles, was bis zum Actschlusse folgt, bildet ein grosses\nFinale, in welchem die Gegensätze zwischen den Fanati-\nkern des Alten und den Anhängern des Neuen zu effect-\nvollen Chören benutzt sind, deren mächtige Wirkung sich\nerst in der Wiederholung des Unisono und zuletzt in dem\nFluche: „Anatheme!\" gipfelt. Die Melodie Vasco's, welche\ndas Hauptmotiv des letzten Ensembles bildet, gehört kei-\nneswegs zu den originelsten: sie hat etwas Italiänisches\nvon der gewöhnlichen Sorte, allein die Verarbeitung und\nEntwicklung ist meisterhaft und macht diese Nummer zu\neiner der imposantesten der ganzen Oper. Man vergleicht\nsie mit der grossen Scene im vierten Acte der Hugenotten\nsie hat etwas Aehnliches in der Form, besonders auch\ndurch den eben so wie dort in abgebrochener Cadenz nach\neiner Pause herbeigeführten Schluss: allein das Haupt-\nmotiv kann sich mit dem in den Hugenotten nicht messen.\nIm zweiten Acte erkennt man die Hand des Meisters\nmehr in der Manier der Factur, als im wirklich Schönen;\ndasselbe herrscht nicht mehr vor, seine einzelnen und sel-\ntenen Züge werden durch das Ganze mehr unterdrückt,\nals gehoben. Der Gesang der Selika, die bei dem schla-\nfenden Vasco allein ist, hat eine matte, charakterlose Me-\nlodie in A-moll, welche durch das Violin-Solo nicht geho-\nben wird, noch weniger durch den von Anderen und von\nMeyerbeer selbst verbrauchten Wettkampf von Flöte und\nSingstimme in gekünstelten Figuren. Mehr Eindruck macht\ndie Bariton-Arie des Nelusko, der den schlafenden Vasco\nermorden will, wie denn überhaupt die Holle dieses Ma-\nlayen, oder was er sonst sein mag, die einzige ist, welche\nder Meister dramatisch-musicalisch zu charakterisiren ver-\nsucht hat, wiewohl der Componist in den Ensembles der\nbegonnenen Charakteristik auch nicht treu geblieben ist.\nDie genannte Arie ist im Anfange sehr schön, geht aber\nnachher ins Gesuchte über, so dass die Bemerkung eines\nJournals: „Ce morceau nous\nque trouve\", den Nagel auf den Kopf trifft. Das folgende\nDuett zwischen Selika und Vasco, das mit der geographi-\nschen Lection anfängt, ist eine der schwächsten Nummern:\nText und Musik stehen auf gleich niedriger Stufe. Das\nSeptett, welches bei Inks' und Don Pedro's Eintritt be-\nginnt und das Finale des zweiten Actes bildet, lässt an\nwahrem musicalischen Gehalt und namentlich an Charak-\nteristik der verschiedensten Empfindungen der Betheilig-\nten (vergl. den Inhalt der Scene in der vorigen Nummer)\nviel zu wünschen übrig. Der Anfang desselben ist schwach,\nund die Verwunderung Selika's über den weissen Teint der\nIn&s, bei deren Anblick sie ausruft:\nveines se glisse/\" wird durch die chromatische absteigende\nTonleiter der Flöte noch komischer. Nachher erhebt sich\ndie Musik etwas mehr, allein das eigentliche Finale ist\nganz auf italiänische Manier geschrieben, d. b. der Com-\nponist kümmert sich nicht im Geringsten um die Charak-\nteristik der Personen, sondern nur um die Geltendmachung\nder Haupt Melodie, zu deren Sang- und Klangbarkeit\nalle ohne Unterschied mitwirken müssen. Da indess die\nSteigerung in solchen Fällen zu verbraucht ist, so lässt\nMeyerbeer diesmal das Orchester zuletzt ganz schwei-\ngen und die Stimmen allein gehen, unter denen die"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "147", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650513-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5085, "texte": "Melodie des Lebewohls, welches Ines dem Vasco sagt,\ndominirt.\nDieser Schluss überrascht, und die Melodie der In&s:\n„Sois libre et mes adie\npelle!\" die schon in der Introduction benutzt war, ist\nschön: sie verschwindet aber zu sehr in dem Ganzen,\nund dieses ist nicht im Stande, die Zuhörerschaft zu er-\nwärmen.\nDer dritte Act, der auf dem Schiffe spielt, beginnt\nmit einem lieblichen Frauenchor: „L'air du matin que\nl'on respire, Porte le ealme dans nos sens.\" Ein Kanonen-\nschuss weckt die Matrosen auf dem Verdecke. Trommel-\nwirbel und Orchester-Crescendo; Chor der Matrosen:\n„Debout! debout! ä l'ouvragef Solo eines Tenors mit Be-\ngleitung von Brummstimmen Männerchor: „Gebet zu\ndem heiligen Dominicus\", auf dem Verdecke, der Frauen-\nchor im unteren Räume des Schiffes: religiöse, choral-\nmässige Farbe hat dieses Stück, das mit einem Unisono\nder Männer beginnt und dessen Harmonie den Septimen-\nAccord vermeidet. Die Solo-Soprane von Inks und Selika\nschweben darüber. Dazu Sonnenaufgang und Läuten der\nSchiffsglocken. Alles effectvoll und auch musicalisch schön.\nEs ist das Beste im dritten Acte; was folgt, ist Spectakel\nund Lärm weiter nichts. Nelusko singt dem Schiffsvolke\neine Ballade vqn dem Sturmgotte Adamastor vor, fällt\naber durch diesen Bolero mit obligatem Holzgeklapper\nder Violinbogen auf die Saiten total aus seiner Rolle. In\nOffenbach's Les deux Aveugleslässt man sich das gefal-\nlen: hier aber erscheint es als eine unwürdige Spielerei.\nAls darauf Sturm, Gewitter und Brand losgehen, das\nSchiff aufläuft und die Eingeborenen der Insel es erobern,\ndabei einen Chor voll Mordlust singen und dazu eine afri-\ncanische Polka tanzen, ist die Musik eben so confus wie\ndie Handlung, und ihre ganze Aufgabe besteht nur darin,\nmit dem tobenden Lärm auf der Bühne durch Lärm im\nOrchester zu wetteifern, was denn auch redlich geleistet\nwird.\nMittlerweile ist es halb eilf geworden, und wir sind\nbeim vierten Acte angelangt. Prachtvolle Aufzüge mit\nBallet eröffnen ihn. Zuerst der Oberpriester mit seinen\nBrahminen (denn von jetzt an ist Alles rein indisch), dann\nPriesterinnen des Brahma, Wischnu und Scliiwa, Bajade-\nren, Amazonen, endlich Selika als Königin, und zugleich\nmit ihr eine Musikbande mit Sax-Instrumenten auf der\nBühne, wie im Propheten. Die Märsche und die Ballet-\nmusik sind charakteristisch und ansprechend; der Tanz\nder Neger, die sich durch die Reihen der Bajaderen win-\nden, ist neu und hübsch.\nDer Eintritt Vasco's und die Arie, in welcher er das\ngeahnte Paradies bewundert:\nOui, les voilä, ce n'est\nOes bords heureux que je voyais en songe!\nwird durch ein sehr schönes V orspiel eingeleitet, eine Me-\nlodie der Clarinette mit der originellen Begleitung der\nFlöten und Violinen in hohen Tönen und dann und wann\neintretenden leisen Paukenwirbeln. Die Arie selbst hat\nverschiedene interessante Motive. Die Scene, in welcher\nSelika Vasco als ihren Gatten kund gibt, um ihm das Le-\nben zu retten, hat dadurch, dass sie Nelusko zum Zeugen\nauffordert:\n.... Toi seul pourrais\nMais songes-y, s'il meur\nAehnlichkeit mit der Beschwörungsscene im Propheten,\nwo Johann seine Mutter eben so zu einer Lüge zu bewe-\ngen weiss, wie hier Selika den mit sich selbst kämpfenden\nNelusko. Musicalisch genommen, ist die Scene gut behan-\ndelt. Nach der Vermählungs-Feierlichkeit folgt dann das\ngrosse Duett zwischen Selika und Vasco, das schnell be-\nrühmt geworden ist und allgemein für das Juwel der Par-\ntitur gilt. Freilich fällt bei dem Vergleiche mit dem im\nGrunde unvergleichlichen Duette in den Hugenotten zu-\nnächst die Situation in der Africanerin gewaltig gegen das\nVorbild ab; allein wenn man die Charakterlosigkeit Vas-\nco's vergisst, so ist der Ausdruck der Empfindungen aller-\ndings ähnlich wie dort, nur dass hier umgekehrt das Ge-\nständniss von Vasco's Liebe Selika in Entzücken versetzt:\nAh ne dis pas, que tu m'aimes\nCe mot m'egare moi-\nwährend dort Raoul durch Valentinens Wort: „Je t'aime\",\nvon Glück berauscht wird. Welche von beiden Situationen\nedler, ergreifender und folglich schöner ist, bedarf keiner\nAuseinandersetzung. Ich bin indessen weit entfernt, dem\nBeifalle, den der rein musicalische Werth des Duetts der\nAfricanerin hervorgerufen hat, entgegen zu treten: es ist\nmelodisch und harmonisch schön und des Genies von\nMeyerbeer vollkommen würdig. Es gibt aber Kunstwerke,\nbei deren Anschauung irgend ein Mangel an Wahrheit\noder an sittlicher Reinheit den vollen Genuss am Schönen\nwenigstens bei uns Deutschen stört, und so wird es\nin Deutschland bei Anhörung dieses Duetts Manchem ge-\nrade so, wie mir ergehen, dass er nämlich ein gewisses\nEtwas dabei vermisst, was den Genuss erst zu einem edlen\nerhebt; so wie es jetzt sich aus der Handlung des Drama's\nentwickelt, drängt sich der Gedanke, dass Vasco's Ent-\nzücken Wirkung des indischen Liebestrankes oder gar\nbloss sinnlicher Regung ist, zu störend auf. Die Franzosen\nwürden wahrscheinlich über ein solches moralisches Be-\ndenken spotten, weil sie nicht begreifen, dass dabei von\neinem künstlerischen Moral-Begriffe die Rede ist, und\nweil sie den Ausspruch eines ihrer grössten Geister: „Rien\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "148", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650513-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1974, "texte": "n'est beau que le vrai/\" vergessen haben. Den Schluss\ndes vierten Actes bildet eine Invocation des Oberpriesters\nan Brahma und ein lieblicher Frauenchor der Almeen\nund Bajaderen, in welchen hinter der Scene die Stimme\nder Ines, die «um Tode geführt werden soll, mit der\nMelodie der ersten Romanze:\nhineinklingt.\nEs ist keine Frage, dass die allgemeine Stimme, welche\ndiesen Act für den besten der Oper erklärt, Recht hat.\nIm fünften Acte hält sich die Musik im Ganzen auf\nder Höhe des vierten, und ihre einzelnen Schönheiten\nwürden noch mehr empfunden werden, wenn Auge und\nOhr nicht bereits zu ermaltet wären. Er begann ursprüng-\nlich mit einer grossen Virtuosen-Arie der Ines, welche\nman gestrichen hat. Das Duett der zwei Nebenbuhlerinnen,\ndie beide für den Scribe'schen Vasco unbegreiflicher Weise\nin den Tod gehen wollen, hat recht schöne Stellen, deren\neine nur durch Rouladen verunziert wird, die hier nicht\ndie geringste Berechtigung haben; auch könnte der Schluss\nbedeutender sein.\nNachdem Selika Inös und Vasco unter sicherem Ge-\nleite nach dem Schiffe entsendet, verwandelt sich die Scene,\nund den Auftritt der Königin, die zu sterben beschlossen\nhat, kündet ein Vorspiel im Orchester an, das durch seine\nbreite und edle Melodie und besonders durch die eigen-\nthümliche Klangwirkung stets einen ergreifenden Eindruck\nmacht, dessen schöne Wirkung leider durch die Unart\ndes Dacapo-Ykxxhsjedes Mal unterbrochen wird. Es sind\nsechszehn Tacte im Unisono derselben Octav von den Vio-\nlinen auf der (r-Seite, den Bratschen und Violoncellen,\ntiefen Clarinetten und hohen Fagotten ausgeführt. Diese\nKlangwirkung ist neu4) und schön.\nDie Vision Selika's, eine Version des Thema's: „Das\nAuge sieht den Himmel offen\", wird als die einzige wirk-\nlich poetische Situation des ganzen Drama's von der Musik\nschön unterstützt und gehoben, wozu sich die Melodieen\ndes Gesanges mit der duftigen Instrumentirung und den\nSoli der Violoncelle, Flöten und der Harfen vereinigen.\n\nB. P."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-05-13-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-05-13_01#c003", "volume": "bmtnabi_1865-05-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "148", "page_fin": "150", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650513-01.2.3", "titre_corps": "R. Wagner's Vorschläge zu einer Muster-Oper und einer Kunstschule in München", "titre_sommaire": "R. Wagner's Vorschläge zu einer Muster-Oper und einer Kunstschule in München", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "148", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650513-01.1.4", "debut_caractere": 1976, "fin_caractere_exclue": 5289, "texte": "R. Wagner's Vorschläge zu einer Muster-Oper und\neiner Kunstschule in München\n**\\\nr\nMünchen, Ende April 1865.\n• •\nAuf den ausdrücklichen Wunsch des Königs hat Ri-\nchard Wagner einen Bericht über die Reform des hie-\nsigen Conservatoriums dem Könige vorgelegt. Er ist 82\nFolioseiten stark und vom 31. März datirt. Es war uns\ndurch Zufall ermöglicht, einen Blick in den Bericht zu\nwerfen, und wir theilen Ihnen daraus Folgendes mit. '\nZuerst vergleicht er die Conservatorien von Neapel,\nMailand und Paris mit den in Deutschland bestehenden\nund kommt zu dem Schlüsse, dass die ersteren die Tra-\ndition einer grossen Kunstzeit lebendig erhalten und selbst\naus ihren Verirrungen noch das alte Schöne und Gute\ndurchblicken lassen, während die Conservatorien in Deutsch-\nland nichts leisten, weil sie keine Traditionen haben und\nein classischer Stil überhaupt in Deutschland nie existirte,\nsondern die gesammte deutsche Musik- und Gesangs-Dar-\nstellung von je her nur eine fehlerhafte Nachahmung des\nitaliänischen und französischen Stiles gewesen ist. Selbst\ndie classischsten deutschen Opern werden in Deutschland\nincorrect ausgeführt, weil die Tradition mangelt, wie sie\neinst von ihren Componisten zur Aufführung gebracht\nworden sind. Hierzu kommt die Einmengung der fremden\nStilarten in die deutsche Musik und der Mangel eines Cen-\ntraipunktes für die deutsche Oper, von welchem aus der\nEinfluss auf die übrigen deutschen Bühnen ausgehen\nkönnte. Diese Uebel können nur durch Gründung einer\nAnstalt gehoben werden, welche periodische Muster-Auf-\nführungen gibt. Zu diesen Muster-Aufführungen müssten\ndie jedesmalig vorhandenen besten und gebildetsten künst-\nlerischen Kräfte der deutschen Theater zusammengefasst\nwerden. Wagner glaubt hier mit seiner Nibelungen-Oper\ngründlich den Anfang machen zu können, und wir ersehen\naus seinem Berichte drei positive Thatsachen, die in der\nletzten Zeit oft bestritten worden sind. Erstens, dass er\ndiese Oper nicht auf dem königlichen Hof- und National-\ntheater zur Aufführung bringen will; zweitens, dass „in\nBetreff der ästhetischen Zweckmässigkeit der scenischen\nund akustischen Construction\" ein mustergültiges Theater\nhergestellt werden soll, und dass König Ludwig 11. hierzu\n„einem berühmten und in diesem Fache vorzüglich erfah-\nrenen Architekten\" die Aufgabe gestellt hat, „einen inne-\nren Theaterraum zu construiren, in welchem einerseits die\nästhetisch unschöne und störende Sichtbarkeit des Orche-\nsters bei möglicher Steigerung einer edlen Klangwirkung\ndesselben vermieden und andererseits namentlich durch\n\n*) Nicht so ganz: denn sie liat ein ähnliches Vorbild oder we-\nnigstens Beispiel in dem Adagio von Spohr's aus\ndem Jahre 1828. Anmerk. der Redaction.\n**) Diese Correspondenz aus München möge zur Erläuterung\ndes „Briefes von R. Wagner\" in der vorigen Nummer dieser\nZeitschrift dienen. Es scheint, dass die Veranstaltung der Auffüh-\nrung von „Tristan und Isolde\" auf dem Theater der königlichen\nResidenz eine £rste Folge der Berücksichtigung der Wünsche Wag-\nner's ist, die er in dem Berichte an den König von Baiern, des-\nsen Inhalt oben den Hauptsachen nach mitgetheilt wird, ausgespro-\nchen hat. Vielleicht hat man sie als einen Versuch zu betrachten,\nwie weit die Huld des kunstliebenden Monarchen sich auch auf die\nanderen Projecte Wagner's ausdehnen könne."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "149", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650513-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4757, "texte": "Erfindung von Beleuchtungs-Vorrichtungen die scenischen\nDecorationen zu wirklich malerisch-künstlerischer Bedeu-\ntung erhoben würden\" u. s. w. Drittens endlich, dass der\nKönig den Vorschlag des Architekten, diese provisorische\nConstruction in einen der Flügel des hiesigen Glaspalastes\nsetzen zu dürfen, sobald sich dies als thunlich herausge-\nstellt, genehmigt hat. Ferner gehört dazu, aus dem deut-\nschen Opernsänger-Personale „diejenigen vorzüglich be-\ngabten und gut gebildeten Darsteller auszulesen, welche\nzur gegebenen Zeit für den besonderen Zweck, unge-\nstört von anderen Einflüssen, sein Werk einstudiren, um\nes in einer Reihe mustergültiger Aufführungen dem hierzu\neinzuladenden Publicum vorzuführen\". Von der Vorzüg-\no\nlichkeit dieser Aufführungen, die in wiederkehrenden Zeit-\nräumen zu wiederholen wären, hofft der Verfasser, dass\nsie der Ausgangspunkt einer Institution sein würden, „de-\nren Wirksamkeit von den gedeihlichsten Einflüssen auf\ndie deutsche Kunst werden müsste\".\nVon allen, auch den bestbezahlten deutschen Sängern\nkann keiner singen und hat noch weniger ein Verständ-\nniss von dem, was er singt! Es bedarf also, um diese end-\nlich die deutsche Musik begründende Oper zur Auffüh-»\nrung bringen zu können, erst der Heranbildung von Sän-\ngern. Hierzu soll eine Musikschule gegründet werden, de-\nren wichtigster Theil natürlich die Gesangschule sein muss.\nVor Allem muss aber die deutsche Sprache erst an-\nders werden; man muss sie singen können, d. h. man muss\nso dichten und componiren, dass der Sänger die deutschen\nWorte auch aussprechen kann*), was bis jetzt bei keinem\nder Fall ist. Die Tendenz der neuen Musikschule muss\nsonach einzig auf die Vortragsweise gerichtet sein u. s. w.\nVon dem deutschen Concertwesen hält R. Wagner so\nviel wie gar nichts. Der grosse Einfluss auf das Publicum\ngeht nach ihm lediglich von der Bühne aus, und das Con-\ncertwesen ist nur eine kunstliche Treibhauskunst ohne alle\nNachwirkung. Ja, man versteht es ja nicht einmal, die\nSinfonieen, Oratorien u. s. w. richtig zur Aufführung zu\nbringen, weil die Tradition fehlt.\nVor Allem ist es also nothwendig, eine correcte Vor-\ntragsweise der classischen Werke festzustellen, und diese\nkann wieder nur aus der von R. Wagner beabsichtigten\nKunstschule hervorgehen. Die Zöglinge derselben müssen\nvon Zeit zu Zeit solche Aufführungen veranstalten, das\nPublicum hierbei Zutritt haben.\nDie Kunstschule muss aber auch ihre Wirkung auf\ndas recitirende Drama erstrecken, denn die Schauspieler\nsind nie im Stande gewesen und sind es auch heute noch\nnicht, die Verse Schiller's und Goethes vorzutragen so,\nwie sie vorgetragen werden müssen. Dass wir in Deutsch-\nland Darsteller haben, die alle anderen ausserdeutschen\nhimmelweit hinter sich zurücklassen, gerade dieser Um-\nstand ist Herrn R. Wagner eine sehr betrübende Erschei-\nnung. Denn die Vielseitigkeit der deutschen Darsteller, die\nnicht bloss das deutsche, sondern auch das englische, das\ngriechische Drama in ihren Bereich ziehen, ist ihm eine\ntraurige Verirrung, und es wird ihm unmöglich, aus den\nReihen der heutigen Schauspieler einen richtigen Lehrer\nfür Sprache und Declamation classischer Versarten em-\npfehlen zu können.\nR. Wagner geht-nun auf die innere Einrichtung des\nConservatoriums selbst ein und macht hier sehr praktische\nVorschläge, bis auf den der Gründung eines speciellen\nJournals für die Musikschule.\nAm Schlüsse seines Berichtes wendet er sich direct\nan den König:\n„Es ist mir durch meine Anlage und meinen Bil-\ndungsgang bestimmt worden, den auffallenden Abstand\n\n*) Um deutlicher zu machen, was der Wort- und Tondichter\nE. Wagner damit vielleicht sagen wollte, wird es gut sein, hier\neinige Versproben, z. B. aus Wagner's 140 enggedruckte Seiten\nstarkem Operntexte „Die Meistersinger von Nürnberg\", beizufügen:\nJohannistag, Johannistag!\nDen feiert ein Jeder, wie er mag.\nDer Meister freit,\nder Bursche freit!\nDa gibt's Geschlamb und G-eschlumpfer!\nDer Alte freit\ndie junge Maid,\nder Bursch die alte Jumbfer!\noder:\nNun gilt es Kunst,\ndass mit Vergunst\nohn1 all1 schädlich gemeinen Dunst\nihm glücke des Preises Gewunst,\nwer begehrt mit wahrer Inbrunst\num die Jungfrau zu freien.\nEine andere Strophe lautet:\nHaben Dich\nklang Gesumme wieder:\ngoldene Wagen\nauf den Bergen ritten sie;\nWürste und Magen\nauf den Häusern brieten sie:\nund mich Thoren zog man ein,\ntünchte mich;\nach, ich brenne wieder!\nBraut mir kalten Flieder!\nDavid zählt des Meisters Tön' und Weisen auf:\nDer „kurze\", „lang\" und „überlang\" Ton,\nDie „Schreibpapier-\", „Schwarz Dintenweis'\";\nDer „rothe\", „blau\" und „grüne\" Ton,\nDie „Hageblüh\"-, „Strohhalm\"-,\nDie „englisch Zinnu-, die „Zimmtröhren\"-Weis\\\nDie „Frosch\"-, die Kälber\"-, die „Stieglitz\"-Weis'\nUnd so geht es noch 11 Verse weiter.\nAnmerk. des Correspondenten."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650513-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1472, "texte": "der öffentlichen Leistungen im Gebiete des mir vertraut\ngewordenen Kunstzweiges und den Anforderungen des\ndeutschen Genius, wie sie sich aus den Werken und Ten-\ndenzen unserer grossen Meister herausgestellt haben, mit\nder Deutlichkeit mir zum Bewusstsein zu bringen, dass\nhieraus für mich ein innerer Zwang zur unausgesetzten\nAnregung der hiefür nöthigen Reformen entstanden, unter\nwelchem ich bisher, mehr als die Welt einsehen kann, zu\nleiden hatte.\" Diesem „Zwange\" habe er durch eine Reihe\nvon Kunstschriften Ausdruck gegeben, die ihm nur Wi-\nderwärtigkeiten zuzogen, weil er nicht verstanden worden.\nNun aber sehe er sich dem Ziele seiner Wünsche nahe:\nder Geist, den König Ludwig seinem Streben zugewendet,\nmache ihm dessen Realisirung sicher und lasse ihn beru-\nhigt in die Zukunft schauen.\nOb es ihm gelingen wird, die hier niedergelegten Ideen\nins Leben zu rufen, ob es wirklich mit der deutschen Mu-\nsik so schlecht bestellt ist, dass sie nicht einmal eine deut-\nsche Oper richtig aufzuführen im Stande ist, ob sie einen\nErlöser aus diesem Banne nöthig hat, und ob R. Wagner\nwirklich dieser Erlöser ist—darüber haben wir hier nicht\nzu urtheilen. Für uns galt es nur, der musicalischen Welt\nvon einem Actenstücke Kunde zu geben, das zur Zeit noch\nin den Händen nur sehr weniger Personen sich befindet\nund das durch die bevorzugte Stellung, die sein Verfasser\nhier in München einnimmt, eine höhere Bedeutung ge-\nwinnt, als sonst derlei Vorschläge zu haben pflegen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-05-13-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-05-13_01#c004", "volume": "bmtnabi_1865-05-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "150", "page_fin": "151", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650513-01.2.4", "titre_corps": "Auguste Crelinger †.", "titre_sommaire": "Auguste Crelinger †.", "signature_source": "H. Th. R", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650513-01.1.6", "debut_caractere": 1474, "fin_caractere_exclue": 5281, "texte": "Auguste Crelinger †.\n\nAm 11. April starb in Berlin nach kurzem Kranken-\nlager die berühmte Schauspielerin Frau Auguste Cre-\nlinger. Obgleich sich die Künstlerin in den letzten Jah-\nren fast gänzlich von der Bühne zurückgezogen hatte, so\nwird doch ihr Tod die lebhafteste Theilnahme erregen.\nIn Frau Auguste Crelinger hat die berliner Hofbühne eine\nihrer herrlichsten Säulen verloren. Von den unscheinbar-\nsten Anfängen an, in welchen nur Wenige, unter denen\nfreilich Iffland, die künstlerische Grösse ahnten, hat die\nKünstlerin alle Stadien einer organischen Entwicklung\ndurchlaufen. Sie hat sich in ihrer Laufbahn die Gemüther\naller Classen zu erobern und dauernd festzuhalten gewusst.\nAuguste Crelinger hatte ihre Thätigkeit dem classi-\nschen Drama vorzüglich zugewandt und hier Gestalten\nvon höchstem, dauerndem Werthe geschaffen. Man darf\nes der Künstlerin nachrühmen, dass sie es sich niemals\nmit ihrer Kunst leicht gemacht hat, sondern dieselbe mit\neiner fast religiösen Gewissenhaftigkeit ausübte. Hierin\ndarf sie Allen als ein höchstes Vorbild erscheinen. In der\nThat vereinigten sich auch bei unserer Künstlerin herr-\nliche, seltene Eigenschaften zu einer würdevollen Totalität.\nEine hohe Gestalt, ein prachtvolles, feuriges Auge, ein\nklangvoller Ton und ein durchdringender Verstand gaben\nihren Gestalten eine seltene Weihe. Die Künstlerin konnte\nsich mit Genugthuung sagen, dass sie Jahre lang den edel-\nsten Kreis der Kenner und das intelligente Publicum um\nsich zu versammeln und zu fesseln gewusst hat.\nAuguste Crelinger hat während ihres ganzen Lebens\nsowohl in Proben als bei den Aufführungen stets die\ngrösste Gewissenhaftigkeit geübt, dabei war sie von aller\nkleinlichen Eitelkeit entfernt und gestattete einem begrün-\ndeten Tadel die dankbarste Aufnahme. Ihr Andenken wird\n«4 . I*4 '4\nsich lebendig erhalten, so lange noch Menschen leben,\nwelche Gelegenheit hatten, dieselbe in ihrem Schaffen zu\nbewundern, und so lange der Sinn für Kunst lebendig\nsein wird.\nAuguste Crelinger kann als ein ermuthigendes Bei-\nspiel für alle diejenigen dienen, welche bei einer bedeu-\ntenden Begabung und einem reichen Talente Jahre lang\nin unscheinbarer Stellung existiren, bis endlich ihr Licht\n'plötzlich hervorbricht. So lebte Frau Crelinger als Fräulein\nDüring Jahre lang unter Iffland in der Verborgenheit;\nfast Niemand, Iffland ausgenommen, ahnte den Edelstein,\nwelcher hier verborgen war. Schreiber dieser Zeilen er-\ninnert sich noch sehr wohl, von den Kindern der beiden\nSchwestern des berühmten Diplomaten v. Genz, welcher\nmit Iffland verkehrte, gehört zu haben, dass er ihren Kla-\ngen über die Unbeholfenheit des Fräuleins Düring mit\nden Worten begegnete: „Seien Sie ganz ruhig, in dieser\nPerson steckt ein grosses tragisches Talent!\" Diese Aeus-\nserung beweist Iffland's grossen Kennerblick. Diejenige\nRolle, welche zum ersten Male beim Publicum diese\nWahrheit der Iffland'schen Aeusserung bestätigte, war\ndie Adelheid in Goethe's „Götz von Berlichingen\". Hier\nriss die Künstlerin die Zuschauer in der grossen, bekannt-\nlich von Goethe erst später hinzugedichteten Scene, in\nwelcher wir das Bild der innerlich zerstörten Adelheid\nempfangen, zu begeistertem Beifalie hin. Von diesem\nAugenblicke an hatte die Künstlerin ihren Credit gewon-\nnen, und man traute ihr auch grössere künstlerische Auf-\ngaben zu. Die beiden grossen Rollen, welche den Ruhm\nunserer Künstlerin in und ausserhalb Berlins begründet,\nwaren Donna Diana und Sbakespeare's Julie Rollen,\nwelche die Künstlerin sehr lange mit dem grössten Erfolge\ngespielt hat. Zu diesen Rollen gesellte sich dann später als\neine Leistung ersten Ranges die Iphigenia in Goethe's\n„Iphigenia auf Tauris\", welcher die Künstlerin erst all-\nmählich entgegenreifte. Dazu kam dann noch eine grosse\nclassische Aufgabe: ihre Volumnia in Shakespeare's „Co-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650513-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 970, "texte": "riolan\". Wir empfingen hier das volle Bild der hehren,\nstolzen und doch wieder so beredten römischen Matrone.\nKein Dichter hatte unserer Künstlerin mehr zu ver-\ndanken, als Raupach. Da er ihre Kraft kannte, so theilte\ner ihr auch in fast allen seinen Werken die Hauptrolle zu,\nwelche er oft im Hinblicke auf die Künstlerin für sie ge-.\nschrieben hat. Ja, die Erfolge manches seiner Dramen\nverdankte er eigentlich nur dem bedeutenden Talente der\nCrelinger, wobei wir nur an die „Tochter der Luft\" er-\ninnern wollen, deren Erfolg zum grossen Theile der Mu-\nsterleistung unserer Künstlerin zugeschrieben werden muss.\nDas Gebiet des Humors war ihr versagt; hier sah\nman es ihr sogar an, wie viel weniger heimisch sie sich\nauf diesem Boden fühlte, als auf tragischem Gebiete. Im\nAugenblicke ist die Stellung, welche die Künstlerin in\nletzterer Beziehung eingenommen hatte, erledigt. Hoffen\nwir, dass eine würdige Nachfolgerin dieselbe bald in Be-\nsitz nehmen wird.\n\nH. Th. R."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-05-13-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-05-13_01#c005", "volume": "bmtnabi_1865-05-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "151", "page_fin": "152", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650513-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650513-01.1.7", "debut_caractere": 972, "fin_caractere_exclue": 7056, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. Das 42. niederrh einische findet zu\nKöln am 4., 5. und 6. Juni 1865 im grossen Gürzenichsaale unter\nLeitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferdinand Hiller\nund unter Mitwirkung der Frau Lemmens-Sh er ring ton* aus Lon-\ndon, der Frau Wilhelmine S zarvady-C1 auss aus Paris, der\nFräulein Francisca Schreck aus Bonn und Pauline Wiese-\nmann aus Köln, der Herren Musik-Director Julius Stockhau-\nsen aus Hamburg, Max Staegemann vom k. Hoftheater zu Han-\nnover, Gustav Walter vom k. k. Hof-Operntheater zu Wien und\ndes k. Musik-Directörs Franz Weber aus Köln Statt.\nProgramm. I. Sonntag, 4. Juni: 1. Ouvertüre zum Ora-\ntorium „Paulus\" von F. Mendelssohn-Bartholdy. 2. „Israel in Egyp-\nten\", grosses Oratorium von G. F. Händel für Doppelchor, Solo-\nstimmen, Orchester und Orgel.\n11. Montag, 5. Juni: 1. Ouvertüre zu von L.\nvan Beethoven. 2. Finale {dritter Theil) aus „Faust\" von R. Schu-\nmann. 3. Sinfonie Nr. VII von L. van Beethoven. 4. „Sommer\" und\n„Herbst\" aus den „Jahreszeiten\" von J. Haydn.\n111. Dinstag, 6. Juni; 1. Ouvertüre zur „Zauberflöte\" von\nWt A. Mozart. 2. Clavier-Concert in G-dur von L. van Beethoven,\nvorgetragen von Frau S z arvady-Clauss. 3. Sinfonie „Es muss\ndoch Frühling werden\" von F. Hiller.. 4. Chöre und Gesang-Solo-\n\\orträge. 5. Ouvertüre zu „Oberon\" von C. M. von Weber.\nDer Abonnementspreis für einen festen numerirten Platz zu\nallen drei Concerten beträgt bis zum 20. Mai incl. vier Thaler, vom\n21. Mai ab fünf Thaler. Die bis zum 20. Mai abonnirten Plätze\nwerden Sonntag den 21. Mai öffentlich verloost. Die Abonnements-\nliste liegt von heute ab in der Musicalienhandlung von B. Breuer\n(grosse Budengasse Nr. 1) offen. Auswärtige, die ihre Bestellungen\nportofrei und unter Beifügung der Beträge an das Comite-Mitglied\nHerrn Julius Nacken (Rheinaustrasse Nr. 13) einsenden wollen, er-\nhalten ihre Karten nebst Platz-Anweisung nach der Yerloosung zu-\ngeschickt. Köln, den 24. April 1865. Das Comite des Nieder-\nrheinischen Musikfestes.\nAm 7. d. Mts. gab der kölner Männer-Gesangverein\nunter der Leitung von Franz Weber im grossen Saale des Gür-\nzenich ein Concert zum Besten des Baufonds der neuen' St.-Mau-\nritius-Kii che. Der düsseldorfer Künstler-Un terstützungs -\nVerein hatte die Gefälligkeit, dabei fünf lebende Bilder zu\nstellen, welche durch passende Instrumental- und Gesangmusikstücke\ntheils vorbereitet, theils begleitet wurden und als wahrhaft künst-\nlerische Leistungen einen vortrefflichen Eindruck auf die zahlreiche\nZuhörerschaft, welche den ganzen Saal füllte, machten. Am meisten\ngefielen „Das Schifflein\" nach Uhland von J. Schex, rHirt und\nHirtin\" nach Uhland von Bendemann, und „Episode aus dem Sturme\nauf die Düppeler Schanzen\" nach W. Camphausen. Die Ouvertüre\nzu Oberon (vor dem „Schifflein\", zu welchem Fräulein Elise Bem-\nPel das Lied der Meermädchen sang) und zu den „Lustigen Wei-\nbern\" von 0. Nicolai (vor dem Bilde „Falstaff in der Schenke\")\nwuiden von der Capelle des 33. Infanterie-Regiments unter der Di-\nrection von Herrn Laudenbach gut ausgeführt. Von den Männer-\nchören war uns „Ossianc>, Solo mit Chor von J. Beschnitt, neu,\ndas wie alle übrigen Lieder mit der bekannten Meisterschaft des\nVereins gesungen wurde, aber nicht sehr ansprach. Neu waren auch\nzwei Männerchöre mit Sopran-Solo von F. Möhring: „Wald-\nandacbt\" und „Frühlingsglaube\", recht anmuthige Compositionen, in\ndenen Fräulein Rempel die Sopran-Partie durch schönen Klang\nder Stimme und ausdrucksvollen Vortrag zur Geltung brachte.\nHerbeck s „Waldliedu mit gut ausgeführter Hörnerbegleitung,\nSilcher's „In die Ferneu und Dfirmer's „Das Mädchen von\nGowrie wurden mit Recht durch lebhaften Applaus ausgezeichnet.\nAuffallend war es, dass der ganz vortrefflich gesungene und in Text\nund Musik so schöne Chor: „Dir inöcht' ich diese Lieder weihen\",\nvon Uhland und Conradin Kreutzer, bei den Zuhörern ohne\nein Zeichen des Beifalls vorüberging! Bei den Wöber'schen Kriegs-\nliedern ist für das „Schwertlied\" bei vielen Vereinen ein Vortrag\nmit wechselnden Tempi eingerissen, der ganz und gar gegen die\nvon Weber selbst stammende Tradition ist. Es wäre sehr zu wün-\nschen, dass man zu dieser zurückkehrte.\nim April. Ich habe Ihnen beim Herannahen\ndes Schlusses der Winter-Saison manches Erfreuliche aus dem hie-\nsigen Musikleben, aber auch manches Unerfreuliche zu berichten.\nDie erste Stelle nimmt die Aufführung des Mendelssohn'schen Ora-\ntoriums „Elias\" ein. Erfreulich war dabei die Aufopferung von Sei-\nten des Dirigenten, Dom-Organisten Hanisch, der hiesigen Musik-\nSeminare, vieler Dilettanten u. s. w. Die Aufführung selbst war im\nGanzen gelungen. Herr Regierungs-Accessist Wagner sang den\nElias. Seine Stimme ist, wenn auch klangvoll, doch zu schwach für\neine solche Partie. Im ersten Theile sang er mit möglichster Energie\nbesonders gut Nr. 9, die Aufforderung an die Baalspriester; dage-\ngen waren die Recitative und Arien des zweiten Theiles viel -zu\nweich aufgefasst. Die Stelle in der grossen Arie; „Es ist genug!\"\nbeim Eintreten des beschleunigten Tempo: „Ich habe geeifert um\nden Herrn\", ging verloren. Der Gegensatz war verwischt. Die So-\npran-Partie war durch Frau Dr. Stöhr am besten vertreten, beson-\nders die Witwe ausgezeichnet gesungen. Fräulein Magdalena\nAgeron aus München, welche den Alt-Part sang, hat eine sehr\nschöne Stimme; sie sang recht gut, nur ihre schönen tiefen Töne\nforcirte sie zu stark. Herr Fränkl (Tenor) sang rein und voll, aber\netwas • steif. Der hervorragendste Moment der Aufführung war das\nTerzett der drei Oberstimmen ohne Begleitung, Nr. 28: „Hebe deine\nAugen auf!\" Hatte schon in der Hauptprobe das zu Beifallsbezei-\ngungen sehr wenig aufgelegte, wegen der vorgerückten Zeit etwas\nverdriessliche Orchester sich so sehr hinreissen lassen, dass es ein\nlautes „Bravo\" rief, so war ich als beobachtender Zuschauer um so\ngespannter, den Effect bei der Aufführung zu beobachten. Es brach\ndenn auch zum ersten Male (wenn man den Schluss des ersten\nTheiles als quasi selbstverständlich ausnimmt) der Applaus mit Ge-\nwalt los, der mir um so echter erscheinen musste, als ich bemerktef"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "152", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650513-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6193, "texte": "Dass der wundervoll schöne Chor: „Siehe, der Hüter Israels!\" fast\ngänzlich verloren ging. Offenbar dachte der grösste Theil des Pu-\nblicums an das schöne Terzett, flüsterte, fragte, wer die drei Sänger\n(„Engel\") gewesen. Ich will einen grossen Theil des Effectes auf\nRechnung der Composition setzen, ihre Einfachheit, Zartheit, auf\nden Gegensatz gegen den Pomp der Chöre u. s. w.: trotzdem bleibt\nfür die drei Engel des Ruhmes genug. Wer waren diese drei Engel?\nDrei zwölfjährige Knaben, frische Studenten aus den hiesigen Musik-\nSeminarien. Ich glaube fest, hätten drei Mädchenstimmen gesungen,\nkeine Seele hätte Bravo gerufen. Worin lag der Zauber der drei\nKnabenstimmen ? Sie sangen schmucklos, ohne alle Kunst, wenn\nman die grosse Kunst abrechnet, richtig zu declamiren und mit einer\nSicherheit aufzutreten, wie man sie von Knaben erwarten muss, die\nJahr aus, Jahr ein a capella (Palestrina und seine Zeit- und Kunst-\ngenossen), ohne alle Begleitung eines Instrumentes singen und an\nalle alten und modernen Schlüssel und ans Transponiren so gewöhnt\nsind, wie ans tägliche Brod. Ich glaube, diese Sicherheit, die Nai-\nvetät, verbunden mit dem Klangreiz schöner, heller, frischer Stim-\nmen, hat das Publicum bezaubert, das nicht weiss, dass man solch\nherrliche Terzette fast jeden Sonntag in den hiesigen Kirchen hören\nkann; freilich müsste es da oft die rauhe Schale einer alten Com-\nposition zerknacken, um den süssen Kern herauszuschälen. Gegen\nEnde des Oratoriums waren Chor, Orchester und Publicum, das sich\nzahlreicher als je eingefunden hatte, müde. Würde sich an den\nChor: „Und der Prophet Elias brach hervor\", ein kürzerer Schluss\nanfügen, so träte eine solche Ermüdung nicht ein. Die letzten fünf\nNummern wurden wenig mehr beachtet. Das Orchester war im Gan-\nzen brav, doch kamen unverzeihliche Lässigkeiten von Seiten Ein-\nzelner vor. Von den Statt gehabten Concerten hebe ich die zwei\nSoireen für Kammermusik des Herrn Violinisten Beer hervor, weil\ndarin doch einiges Classische zum Vortrage kam. Das Musikvereins-\nConcert ging in den Virtuosen-Leistungen des münchener Violon-\ncellisten Müller (dessen selbstcomponirte Phantasie eine Kette von\nEtüden war), der münchener Opernsängerin Fräulein Deinet und\ndes Fräuleins Sophie Hummler (Violin-Virtuosin), die auch ein\neigenes Concert gab und bei dem fürstlich Taxis'schen Hofe mit\ngrossem Beifalle spielte, auf. Die früheren drei Orchester-Vereins-\nConcerte sind auf ein einziges zusammengeschmolzen, und selbst\ndieses war sehr schwach besucht. Da nur disse Concerte Sinfonieen,\nüberhaupt classische grössere Tonwerke zu Gehör bringen, so ist\naus der Thatsache ihres Eingehens wegen ungenügender Theilnahme\nder sicherste Schluss auf die Geschmacksrichtung des hiesigen Pu-\nblicums zu machen. Einst war es viel anders hier. Die Ursachen\ndieses auffälligen Rückschrittes? Neben der Richtung der Zeit trägt\ndie Schuld die Zerklüftung der hiesigen Musikkräfte in die vielen\nund vielerlei Vereine für Musik und Gesang, ganz besonders aber\ndoch darüber will ich vor der Hand noch schweigen, in der\nErwartung, es werde denn doch einmal eine Wendung zum Besseren\neintreten. Die Oper ist zufriedenstellend, der Romeo, die No-\nrina, der Fidelio des Fräuleins Michalesi, um Einzelnes zu erwäh-\nnen, der Don Juan, Templer, Teil des Herrn Mayer aus München\n(er sang aus Gefälligkeit öfter) waren vortreffliche Leistungen. Die\nbeiden Tenöre ergänzten sich; was dem einen an Spiel mangelte,\nersetzte der andere durch die bessere Stimme. Fräulein Leonoff er-\nhielt als Marie im Waffenschmied, als Regimentstochter, neuestens\nals Julie im Romeo sehr grossen und ganz verdienten Beifall; ihre\nStimme ist eine der schönsten und frischesten, die ich je gehört\nhabe. Herr Clement, der in der letzten Zeit die Stelle des Bass-\nBuffo Herrn Scharf vertrat, ist ein gutgeschulter Sänger und Dar-\nsteller. Der Bassist Herr Kögel und der Bariton Herr Kreutner\nwaren gut.\nDr. Ambros in Prag erhält von der Akademie der Wissen-\nschaften eine Unterstützung von 1000 Fl. zu seiner musicalischen\nForschungsreise nach Italien, wo er Mailand, Rom, Neapel u. s. w.\nzu besuchen gedenkt. Seine Geschichte der Musik wird von Giovanni\nValle in Treviso ins Italiänische übersetzt.\nBei*li«l. Die Oper hat am 10. d, Mts. einen grossen Verlust\ndurch den Tod der k. Sängerin Fräulein de Ahna erlitten.\nWien. Im Carltheater wird dem Vernehmen nach bald nach\nerfolgter Aufführung der „Alten Junggesellen\" die Parodie „Dinorel\"\nund eine Operette von Zaytz:. „Lazzaroni\", gegeben werden. In be-\nnannter Parodie besorgt, wegen Verhinderung der Ziege, ein Esel\ndie betreffende Leistung. Ferner soll Duwiecki's Operette: „Die Pa-\ngen der Königin Marie\", welche in Lemberg, wo der Componist als\nCapellmeister angestellt ist, sehr gefallen hat, im Carltheater zur\nAufführung gelangen. Herr Duwiecki war vor Kurzem hier und soll\nsich mit Herrn Treumann geeinigt haben. Endlich werden auf ein-\nander folgende Gastspiele der Herren Reichenbach aus Hamburg,\nWeihrauch, Lobe, L'Arronge angekündigt. Letzterer gastirt mit sei-\nner Frau, mit Herrn Lobe aber Fräulein Raabe. Herr Weihrauch\nbringt eine Posse mit, die den Titel führt: „Die Afiicanerin\".\nGagen-Etat der k. k. Hofoper zu Wien. Im vergange-\nnen Winter hatte die genannte Oper folgende Jahres-Gagen an die\nersten Mitglieder zu zahlen. An die Damen Dust mann 14,000,\nKraus 13,000, Bettelheim 10,000, Destinn 8000, Tellheim\n6000, Hoff 4000, Murska 16,000, Couqui (erste Solotänzerin)\n18,000 Fl. An die Herren Ander 12,000, Wachtel 18,000,\nWalter 12,000, Ferenczy 10,000, Erl 4000, Dolfz 4000,\nBeck 18,000, Bigniö 7000, Hrabaneck 6000, Schmidt 8000,\nDraxler 8000, Rocicky 7000, Meyerhofer 7000 Fl.\nIn Prag wurde Ferd. Hiller1 s Oratorium „Die Zerstörung\nvon Jerusalem\" bei dem Oster-Concerte des Musiker-Vereins auf-\ngeführt.\nAntwerpen« In einem Concerte der deutschen Lieder-\ntafel unter Direction des Herrn Possoz wurde F. Hiller's\n„Lorelei\" mit ausserordentlichem Beifalle aufgeführt. Fräulein\nLichtmay sang die Lorelei, ein Dilettant den jungen Fischer; die\nDamen und Herren des Chors hatten die reizende Composition mit\nVorliebe studirt, auch das Orchester that sein Bestes, so dass das\nGanze einen schönen Kunstgenuss darbot."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "145", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650513-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie Africanerin (Schluss). Richard Wagner's Vorschläge zu einer Muster-Oper und einer Kunstschule in München.\nAuguste Crelinger +• Von H. Th. K. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Das 42. niederrheinische Musikfest, Con-\ncert des kölner Männer-Gesangvereins Eegensburg, Musikzustände, Oper Dr. Ambros Berlin, Fräulein de Alma \"j - Wien, Carl-\ntheater, Gagen-Etat der k. k. Hofoper in Wien Prag, Hiller's „Zerstörung von Jerusalem\" Antwerpen, Hiller's „Lorelei\").\n\nDie Africanerin.\n\n(Schluss. S. Nr. 18.)\nWas nun die Musik betrifft, so würde es zunächst\nfreilich interessant sein, die Epoche genau zu kennen, in\nwelcher die Partitur der Africanerin, wenigstens in ihren\nHaupttheilen, entstanden ist. Endpunkt der italiänischen\nManier Meyerbeer's war „11 Crociato in Egittou im Jahre\n1824. „Robert der Teufel\", die erste Frucht des musi-\ncalischen Eklekticismus, dem sich der Meister in Paris\nhingab und damit durch eine mit Ueberlegung und Ab-\nsiebt gewählte und verfolgte Richtung auf neue Effecte\nsich selbst Fesseln anlegte, die sein Genie nicht immer glück-\nlich durchbrach, erschien 1831 auf der Bühne; die „Hu-\ngenotten\" 1836; „Ein Feldlager in Schlesien\" 1840 in\nBerlin; „Der Prophet\" 1849 wieder in Paris; „Der\nNordstern\" 1854; „Le Pardon de Pbermel\" 1859.\nSeit geraumer Zeit war es ein öffentliches Geheimniss,\ndass Meyerbeer die Partitur einer Oper von Scribe unter\ndem Titel »Die Africanerin\" in Arbeit oder auch schon\nvollendet habe, und dass ihn allein der Mangel an geeig-\nneten Sängern hindere, sie aufführen zu lassen. Man gab\nihr im vergangenen Jahre bereits ein Alter von fünfzehn,\nja, von zwanzig Jahren, so dass es zweifelhaft schien, ob\nihre Entstehung nicht noch vor den „Propheten\" oder\nwenigstens gleich nach demselben zu setzen sei, jedenfalls\nvor den „Nordstern\". Nach diesen Gerüchten wäre mithin\n„Die Africanerin\" die vierte grosse pariser Oper Meyer-\nbeer's gewesen, und während der Beschäftigung mit ihr\nhabe er sich durch die Compositionen des „Nordsterns\",\nin den er mehrere Nummern des „Feldlagers\" hinüber-\nnahm, und des „Pardon de Pbermet erholt.\nNun tritt aber das Journal mit der be-\nstimmten Behauptung auf, dass die jetzige Africanerin die\nneue Bearbeitung Scribe's eines ähnlichen Stoffes sei und\naus dem Jahre 1854 herrühre; erst seitdem habe sich\ndenn auch Meyerbeer mit der Composition derselben be-\nschäftigt. Das wäre also unmittelbar nach der Vollendung\ndes „Nordsterns\" gewesen, welcher den 16. Februar 1854\nzum ersten Male gegeben wurde.\nWie dem nun auch sei, die Frage scheint bei Meyer-\nbeer, dessen künstlerische Entwicklung mit den „Huge-\nnotten\" bereits vollkommen abgeschlossen war, sehr gleich-\ngültig. Die „Africanerin\" gibt uns, so viel ich nach An-\nhörung von drei Vorstellungen zu behaupten Grund zu\nhaben meine, Meyerbeer ganz und gar so, wie wir ihn seit\n„Robert\" kennen, mit allen seinen genialen Vorzügen und\nallen seinen kleinlichen Schwächen wieder. Von einer\nneuen Phase seiner künstlerischen Entwicklung, wovon\nEinige träumen, ist auch nicht die leiseste Spur vorhanden.\nMeyerbeer hat in der Africanerin eben so wenig einen\nStil, als in seinen anderen Opern; er ist auch hier wieder\nder Inbegriff aller Stilarten von Gluck bis aul Rossini und\nAuber. Das Einzige, was man bereits im „Nordstern\" und\nin der „Dinorah\" bemerkt, nämlich dass er mit dem alten\nTrachten nach Neuem bis zum Ralfinirten und Bizarren\ndoch ein gewisses Streben nach populärer Ausdrucksweise,\nnach Verständlichkeit und Fasslichkeit, ja, Geläliigkeit\nverbindet, das ist auch in der „Africanerin\" sichtbar. Ob\nihm dies Streben gelungen? Aufrichtig gesagt: stellenweise\nnur zu sehr! Es sind Dinge in dieser nachgelassenen Oper,\ndie sowohl in Bezug auf den Gang der Melodie, als auf\ndie begleitenden Mittel der Instrumentirung (bei denen\nz. B. Brummstimmen und ein andermal das Hämmern mit\ndem Holz des Bogens auf die Saiten-Instrumente nicht\nverschmäht werden) so sehr dem Trivialen verfallen, dass\nsie nicht bloss in der ersten besten italiänischen Oper ihren\nPlatz finden würden, sondern an der Stelle, wo sie jetzt\nstehen, das Werk geradezu verunzieren. Da sich ganze\nNummern diese Rüge in jedes aufrichtigen Musikers Augen\nzuziehen müssen, z. B. zwei Duette, eines im zweiten und\neines im dritten Acte, so begreift man nicht, warum bei"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "146", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650513-01.1.2", "texte": "der abspannenden Länge der Oper—denn auch die dritte\nVorstellung dauerte, trotz der vorgenommenen Kürzungen,\ndennoch von 7'/4 Uhr bis 12 Uhr 20 Minuten man\nsolche Stücke nicht dem Rothstifte verfallen lässt! Entwe-\nder muss die Oper halbirt und an zwei hinter einander\nfolgenden Abenden gegeben werden, wie Wagner's Nibe-\nlungen an dreien oder vieren, oder ein Drittel der Parti-\ntur muss gestrichen werden. Dass letzteres möglich ist und\nhöchst wahrscheinlich dem Werke Vortheil brächte, das\nist freilich gerade kein Lob, aber man darf es auch nicht\nbloss als Tadel des Werkes auffassen, denn kein mensch-\nliches Gehirn und Gemüth hält die Anstrengung aus, sechs\nbis sieben Stunden lang Musik zu hören und unverwandt\nins Gaslicht und auf die Pracht der Decorationen und der\nCostume zu schauen. Selbst Bewunderer von allem, was\nMeyerbeer heisst, wie z. B. Hippolyte Prevost in der\nFrance, warnen die Regie, der Ermüdung nicht Macht\nüber die Bewunderung zu geben; es sei gefährlich, sich\nzu spät zu durchgreifenden Verkürzungen zu entscheiden,\nweil unterdessen die einmal empfundenen Eindrücke sich\nfestsetzen und dann schwer wieder zu bekämpfen sind.\nEine Ouvertüre hat,die Oper nicht: die Einleitung\nbenutzt mit feiner Instrumentirung von Blas-Instrumenten,\nHarfe und auf den hohen Tönen schwirrenden Violinen\nzwei Motive der In&s, eines aus ihrer ersten Romanze, in\nwelcher sie sich an den Abschied Vasco's von ihr erinnert,\nund das zweite aus dem Septett im zweiten Acte, womit\nsie ihm seine Freiheit ankündigt. Hiernach scheint es fast,\nals habe der Componist die In&s als Haupt-Partie gedacht,\nwas sie aber dem Gedichte nach gar nicht ist. Nach dem\nAufzuge des Vorhanges singt Inös nach einem kurzen reci-\ntativischen Dialog die Romanze, welche ihr Geliebter einst\nzum Abschiede sang: „Adieu, rive du Tage\". Die Me-\nlodie ist weich und schön, aber als Ines ihre eigenen Em-\npfindungen daran knüpft, wird sie walzerähnlich und ge-\nwöhnlich und schliesst gar mit einer ganz unpassenden\nRoulade!\nDer Einzug des hohen Rathes und der zwölf Bischöfe\ngibt Gelegenheit zu einem scharf und punktirt rhythmi-\nsirten Marsche. Die Scene beginnt mit einer Art von Ge-\nbet, einer Anrufung des heiligen Geistes durch die Bi-\nschöfe einem imposanten Unisono von Dassstimmen.\nAlles, was bis zum Actschlusse folgt, bildet ein grosses\nFinale, in welchem die Gegensätze zwischen den Fanati-\nkern des Alten und den Anhängern des Neuen zu effect-\nvollen Chören benutzt sind, deren mächtige Wirkung sich\nerst in der Wiederholung des Unisono und zuletzt in dem\nFluche: „Anatheme!\" gipfelt. Die Melodie Vasco's, welche\ndas Hauptmotiv des letzten Ensembles bildet, gehört kei-\nneswegs zu den originelsten: sie hat etwas Italiänisches\nvon der gewöhnlichen Sorte, allein die Verarbeitung und\nEntwicklung ist meisterhaft und macht diese Nummer zu\neiner der imposantesten der ganzen Oper. Man vergleicht\nsie mit der grossen Scene im vierten Acte der Hugenotten\nsie hat etwas Aehnliches in der Form, besonders auch\ndurch den eben so wie dort in abgebrochener Cadenz nach\neiner Pause herbeigeführten Schluss: allein das Haupt-\nmotiv kann sich mit dem in den Hugenotten nicht messen.\nIm zweiten Acte erkennt man die Hand des Meisters\nmehr in der Manier der Factur, als im wirklich Schönen;\ndasselbe herrscht nicht mehr vor, seine einzelnen und sel-\ntenen Züge werden durch das Ganze mehr unterdrückt,\nals gehoben. Der Gesang der Selika, die bei dem schla-\nfenden Vasco allein ist, hat eine matte, charakterlose Me-\nlodie in A-moll, welche durch das Violin-Solo nicht geho-\nben wird, noch weniger durch den von Anderen und von\nMeyerbeer selbst verbrauchten Wettkampf von Flöte und\nSingstimme in gekünstelten Figuren. Mehr Eindruck macht\ndie Bariton-Arie des Nelusko, der den schlafenden Vasco\nermorden will, wie denn überhaupt die Holle dieses Ma-\nlayen, oder was er sonst sein mag, die einzige ist, welche\nder Meister dramatisch-musicalisch zu charakterisiren ver-\nsucht hat, wiewohl der Componist in den Ensembles der\nbegonnenen Charakteristik auch nicht treu geblieben ist.\nDie genannte Arie ist im Anfange sehr schön, geht aber\nnachher ins Gesuchte über, so dass die Bemerkung eines\nJournals: „Ce morceau nous\nque trouve\", den Nagel auf den Kopf trifft. Das folgende\nDuett zwischen Selika und Vasco, das mit der geographi-\nschen Lection anfängt, ist eine der schwächsten Nummern:\nText und Musik stehen auf gleich niedriger Stufe. Das\nSeptett, welches bei Inks' und Don Pedro's Eintritt be-\nginnt und das Finale des zweiten Actes bildet, lässt an\nwahrem musicalischen Gehalt und namentlich an Charak-\nteristik der verschiedensten Empfindungen der Betheilig-\nten (vergl. den Inhalt der Scene in der vorigen Nummer)\nviel zu wünschen übrig. Der Anfang desselben ist schwach,\nund die Verwunderung Selika's über den weissen Teint der\nIn&s, bei deren Anblick sie ausruft:\nveines se glisse/\" wird durch die chromatische absteigende\nTonleiter der Flöte noch komischer. Nachher erhebt sich\ndie Musik etwas mehr, allein das eigentliche Finale ist\nganz auf italiänische Manier geschrieben, d. b. der Com-\nponist kümmert sich nicht im Geringsten um die Charak-\nteristik der Personen, sondern nur um die Geltendmachung\nder Haupt Melodie, zu deren Sang- und Klangbarkeit\nalle ohne Unterschied mitwirken müssen. Da indess die\nSteigerung in solchen Fällen zu verbraucht ist, so lässt\nMeyerbeer diesmal das Orchester zuletzt ganz schwei-\ngen und die Stimmen allein gehen, unter denen die"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "147", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650513-01.1.3", "texte": "Melodie des Lebewohls, welches Ines dem Vasco sagt,\ndominirt.\nDieser Schluss überrascht, und die Melodie der In&s:\n„Sois libre et mes adie\npelle!\" die schon in der Introduction benutzt war, ist\nschön: sie verschwindet aber zu sehr in dem Ganzen,\nund dieses ist nicht im Stande, die Zuhörerschaft zu er-\nwärmen.\nDer dritte Act, der auf dem Schiffe spielt, beginnt\nmit einem lieblichen Frauenchor: „L'air du matin que\nl'on respire, Porte le ealme dans nos sens.\" Ein Kanonen-\nschuss weckt die Matrosen auf dem Verdecke. Trommel-\nwirbel und Orchester-Crescendo; Chor der Matrosen:\n„Debout! debout! ä l'ouvragef Solo eines Tenors mit Be-\ngleitung von Brummstimmen Männerchor: „Gebet zu\ndem heiligen Dominicus\", auf dem Verdecke, der Frauen-\nchor im unteren Räume des Schiffes: religiöse, choral-\nmässige Farbe hat dieses Stück, das mit einem Unisono\nder Männer beginnt und dessen Harmonie den Septimen-\nAccord vermeidet. Die Solo-Soprane von Inks und Selika\nschweben darüber. Dazu Sonnenaufgang und Läuten der\nSchiffsglocken. Alles effectvoll und auch musicalisch schön.\nEs ist das Beste im dritten Acte; was folgt, ist Spectakel\nund Lärm weiter nichts. Nelusko singt dem Schiffsvolke\neine Ballade vqn dem Sturmgotte Adamastor vor, fällt\naber durch diesen Bolero mit obligatem Holzgeklapper\nder Violinbogen auf die Saiten total aus seiner Rolle. In\nOffenbach's Les deux Aveugleslässt man sich das gefal-\nlen: hier aber erscheint es als eine unwürdige Spielerei.\nAls darauf Sturm, Gewitter und Brand losgehen, das\nSchiff aufläuft und die Eingeborenen der Insel es erobern,\ndabei einen Chor voll Mordlust singen und dazu eine afri-\ncanische Polka tanzen, ist die Musik eben so confus wie\ndie Handlung, und ihre ganze Aufgabe besteht nur darin,\nmit dem tobenden Lärm auf der Bühne durch Lärm im\nOrchester zu wetteifern, was denn auch redlich geleistet\nwird.\nMittlerweile ist es halb eilf geworden, und wir sind\nbeim vierten Acte angelangt. Prachtvolle Aufzüge mit\nBallet eröffnen ihn. Zuerst der Oberpriester mit seinen\nBrahminen (denn von jetzt an ist Alles rein indisch), dann\nPriesterinnen des Brahma, Wischnu und Scliiwa, Bajade-\nren, Amazonen, endlich Selika als Königin, und zugleich\nmit ihr eine Musikbande mit Sax-Instrumenten auf der\nBühne, wie im Propheten. Die Märsche und die Ballet-\nmusik sind charakteristisch und ansprechend; der Tanz\nder Neger, die sich durch die Reihen der Bajaderen win-\nden, ist neu und hübsch.\nDer Eintritt Vasco's und die Arie, in welcher er das\ngeahnte Paradies bewundert:\nOui, les voilä, ce n'est\nOes bords heureux que je voyais en songe!\nwird durch ein sehr schönes V orspiel eingeleitet, eine Me-\nlodie der Clarinette mit der originellen Begleitung der\nFlöten und Violinen in hohen Tönen und dann und wann\neintretenden leisen Paukenwirbeln. Die Arie selbst hat\nverschiedene interessante Motive. Die Scene, in welcher\nSelika Vasco als ihren Gatten kund gibt, um ihm das Le-\nben zu retten, hat dadurch, dass sie Nelusko zum Zeugen\nauffordert:\n.... Toi seul pourrais\nMais songes-y, s'il meur\nAehnlichkeit mit der Beschwörungsscene im Propheten,\nwo Johann seine Mutter eben so zu einer Lüge zu bewe-\ngen weiss, wie hier Selika den mit sich selbst kämpfenden\nNelusko. Musicalisch genommen, ist die Scene gut behan-\ndelt. Nach der Vermählungs-Feierlichkeit folgt dann das\ngrosse Duett zwischen Selika und Vasco, das schnell be-\nrühmt geworden ist und allgemein für das Juwel der Par-\ntitur gilt. Freilich fällt bei dem Vergleiche mit dem im\nGrunde unvergleichlichen Duette in den Hugenotten zu-\nnächst die Situation in der Africanerin gewaltig gegen das\nVorbild ab; allein wenn man die Charakterlosigkeit Vas-\nco's vergisst, so ist der Ausdruck der Empfindungen aller-\ndings ähnlich wie dort, nur dass hier umgekehrt das Ge-\nständniss von Vasco's Liebe Selika in Entzücken versetzt:\nAh ne dis pas, que tu m'aimes\nCe mot m'egare moi-\nwährend dort Raoul durch Valentinens Wort: „Je t'aime\",\nvon Glück berauscht wird. Welche von beiden Situationen\nedler, ergreifender und folglich schöner ist, bedarf keiner\nAuseinandersetzung. Ich bin indessen weit entfernt, dem\nBeifalle, den der rein musicalische Werth des Duetts der\nAfricanerin hervorgerufen hat, entgegen zu treten: es ist\nmelodisch und harmonisch schön und des Genies von\nMeyerbeer vollkommen würdig. Es gibt aber Kunstwerke,\nbei deren Anschauung irgend ein Mangel an Wahrheit\noder an sittlicher Reinheit den vollen Genuss am Schönen\nwenigstens bei uns Deutschen stört, und so wird es\nin Deutschland bei Anhörung dieses Duetts Manchem ge-\nrade so, wie mir ergehen, dass er nämlich ein gewisses\nEtwas dabei vermisst, was den Genuss erst zu einem edlen\nerhebt; so wie es jetzt sich aus der Handlung des Drama's\nentwickelt, drängt sich der Gedanke, dass Vasco's Ent-\nzücken Wirkung des indischen Liebestrankes oder gar\nbloss sinnlicher Regung ist, zu störend auf. Die Franzosen\nwürden wahrscheinlich über ein solches moralisches Be-\ndenken spotten, weil sie nicht begreifen, dass dabei von\neinem künstlerischen Moral-Begriffe die Rede ist, und\nweil sie den Ausspruch eines ihrer grössten Geister: „Rien\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "148", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650513-01.1.4", "texte": "n'est beau que le vrai/\" vergessen haben. Den Schluss\ndes vierten Actes bildet eine Invocation des Oberpriesters\nan Brahma und ein lieblicher Frauenchor der Almeen\nund Bajaderen, in welchen hinter der Scene die Stimme\nder Ines, die «um Tode geführt werden soll, mit der\nMelodie der ersten Romanze:\nhineinklingt.\nEs ist keine Frage, dass die allgemeine Stimme, welche\ndiesen Act für den besten der Oper erklärt, Recht hat.\nIm fünften Acte hält sich die Musik im Ganzen auf\nder Höhe des vierten, und ihre einzelnen Schönheiten\nwürden noch mehr empfunden werden, wenn Auge und\nOhr nicht bereits zu ermaltet wären. Er begann ursprüng-\nlich mit einer grossen Virtuosen-Arie der Ines, welche\nman gestrichen hat. Das Duett der zwei Nebenbuhlerinnen,\ndie beide für den Scribe'schen Vasco unbegreiflicher Weise\nin den Tod gehen wollen, hat recht schöne Stellen, deren\neine nur durch Rouladen verunziert wird, die hier nicht\ndie geringste Berechtigung haben; auch könnte der Schluss\nbedeutender sein.\nNachdem Selika Inös und Vasco unter sicherem Ge-\nleite nach dem Schiffe entsendet, verwandelt sich die Scene,\nund den Auftritt der Königin, die zu sterben beschlossen\nhat, kündet ein Vorspiel im Orchester an, das durch seine\nbreite und edle Melodie und besonders durch die eigen-\nthümliche Klangwirkung stets einen ergreifenden Eindruck\nmacht, dessen schöne Wirkung leider durch die Unart\ndes Dacapo-Ykxxhsjedes Mal unterbrochen wird. Es sind\nsechszehn Tacte im Unisono derselben Octav von den Vio-\nlinen auf der (r-Seite, den Bratschen und Violoncellen,\ntiefen Clarinetten und hohen Fagotten ausgeführt. Diese\nKlangwirkung ist neu4) und schön.\nDie Vision Selika's, eine Version des Thema's: „Das\nAuge sieht den Himmel offen\", wird als die einzige wirk-\nlich poetische Situation des ganzen Drama's von der Musik\nschön unterstützt und gehoben, wozu sich die Melodieen\ndes Gesanges mit der duftigen Instrumentirung und den\nSoli der Violoncelle, Flöten und der Harfen vereinigen.\n\nB. P.\n\nR. Wagner's Vorschläge zu einer Muster-Oper und\neiner Kunstschule in München\n**\\\nr\nMünchen, Ende April 1865.\n• •\nAuf den ausdrücklichen Wunsch des Königs hat Ri-\nchard Wagner einen Bericht über die Reform des hie-\nsigen Conservatoriums dem Könige vorgelegt. Er ist 82\nFolioseiten stark und vom 31. März datirt. Es war uns\ndurch Zufall ermöglicht, einen Blick in den Bericht zu\nwerfen, und wir theilen Ihnen daraus Folgendes mit. '\nZuerst vergleicht er die Conservatorien von Neapel,\nMailand und Paris mit den in Deutschland bestehenden\nund kommt zu dem Schlüsse, dass die ersteren die Tra-\ndition einer grossen Kunstzeit lebendig erhalten und selbst\naus ihren Verirrungen noch das alte Schöne und Gute\ndurchblicken lassen, während die Conservatorien in Deutsch-\nland nichts leisten, weil sie keine Traditionen haben und\nein classischer Stil überhaupt in Deutschland nie existirte,\nsondern die gesammte deutsche Musik- und Gesangs-Dar-\nstellung von je her nur eine fehlerhafte Nachahmung des\nitaliänischen und französischen Stiles gewesen ist. Selbst\ndie classischsten deutschen Opern werden in Deutschland\nincorrect ausgeführt, weil die Tradition mangelt, wie sie\neinst von ihren Componisten zur Aufführung gebracht\nworden sind. Hierzu kommt die Einmengung der fremden\nStilarten in die deutsche Musik und der Mangel eines Cen-\ntraipunktes für die deutsche Oper, von welchem aus der\nEinfluss auf die übrigen deutschen Bühnen ausgehen\nkönnte. Diese Uebel können nur durch Gründung einer\nAnstalt gehoben werden, welche periodische Muster-Auf-\nführungen gibt. Zu diesen Muster-Aufführungen müssten\ndie jedesmalig vorhandenen besten und gebildetsten künst-\nlerischen Kräfte der deutschen Theater zusammengefasst\nwerden. Wagner glaubt hier mit seiner Nibelungen-Oper\ngründlich den Anfang machen zu können, und wir ersehen\naus seinem Berichte drei positive Thatsachen, die in der\nletzten Zeit oft bestritten worden sind. Erstens, dass er\ndiese Oper nicht auf dem königlichen Hof- und National-\ntheater zur Aufführung bringen will; zweitens, dass „in\nBetreff der ästhetischen Zweckmässigkeit der scenischen\nund akustischen Construction\" ein mustergültiges Theater\nhergestellt werden soll, und dass König Ludwig 11. hierzu\n„einem berühmten und in diesem Fache vorzüglich erfah-\nrenen Architekten\" die Aufgabe gestellt hat, „einen inne-\nren Theaterraum zu construiren, in welchem einerseits die\nästhetisch unschöne und störende Sichtbarkeit des Orche-\nsters bei möglicher Steigerung einer edlen Klangwirkung\ndesselben vermieden und andererseits namentlich durch\n\n*) Nicht so ganz: denn sie liat ein ähnliches Vorbild oder we-\nnigstens Beispiel in dem Adagio von Spohr's aus\ndem Jahre 1828. Anmerk. der Redaction.\n**) Diese Correspondenz aus München möge zur Erläuterung\ndes „Briefes von R. Wagner\" in der vorigen Nummer dieser\nZeitschrift dienen. Es scheint, dass die Veranstaltung der Auffüh-\nrung von „Tristan und Isolde\" auf dem Theater der königlichen\nResidenz eine £rste Folge der Berücksichtigung der Wünsche Wag-\nner's ist, die er in dem Berichte an den König von Baiern, des-\nsen Inhalt oben den Hauptsachen nach mitgetheilt wird, ausgespro-\nchen hat. Vielleicht hat man sie als einen Versuch zu betrachten,\nwie weit die Huld des kunstliebenden Monarchen sich auch auf die\nanderen Projecte Wagner's ausdehnen könne."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "149", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650513-01.1.5", "texte": "Erfindung von Beleuchtungs-Vorrichtungen die scenischen\nDecorationen zu wirklich malerisch-künstlerischer Bedeu-\ntung erhoben würden\" u. s. w. Drittens endlich, dass der\nKönig den Vorschlag des Architekten, diese provisorische\nConstruction in einen der Flügel des hiesigen Glaspalastes\nsetzen zu dürfen, sobald sich dies als thunlich herausge-\nstellt, genehmigt hat. Ferner gehört dazu, aus dem deut-\nschen Opernsänger-Personale „diejenigen vorzüglich be-\ngabten und gut gebildeten Darsteller auszulesen, welche\nzur gegebenen Zeit für den besonderen Zweck, unge-\nstört von anderen Einflüssen, sein Werk einstudiren, um\nes in einer Reihe mustergültiger Aufführungen dem hierzu\neinzuladenden Publicum vorzuführen\". Von der Vorzüg-\no\nlichkeit dieser Aufführungen, die in wiederkehrenden Zeit-\nräumen zu wiederholen wären, hofft der Verfasser, dass\nsie der Ausgangspunkt einer Institution sein würden, „de-\nren Wirksamkeit von den gedeihlichsten Einflüssen auf\ndie deutsche Kunst werden müsste\".\nVon allen, auch den bestbezahlten deutschen Sängern\nkann keiner singen und hat noch weniger ein Verständ-\nniss von dem, was er singt! Es bedarf also, um diese end-\nlich die deutsche Musik begründende Oper zur Auffüh-»\nrung bringen zu können, erst der Heranbildung von Sän-\ngern. Hierzu soll eine Musikschule gegründet werden, de-\nren wichtigster Theil natürlich die Gesangschule sein muss.\nVor Allem muss aber die deutsche Sprache erst an-\nders werden; man muss sie singen können, d. h. man muss\nso dichten und componiren, dass der Sänger die deutschen\nWorte auch aussprechen kann*), was bis jetzt bei keinem\nder Fall ist. Die Tendenz der neuen Musikschule muss\nsonach einzig auf die Vortragsweise gerichtet sein u. s. w.\nVon dem deutschen Concertwesen hält R. Wagner so\nviel wie gar nichts. Der grosse Einfluss auf das Publicum\ngeht nach ihm lediglich von der Bühne aus, und das Con-\ncertwesen ist nur eine kunstliche Treibhauskunst ohne alle\nNachwirkung. Ja, man versteht es ja nicht einmal, die\nSinfonieen, Oratorien u. s. w. richtig zur Aufführung zu\nbringen, weil die Tradition fehlt.\nVor Allem ist es also nothwendig, eine correcte Vor-\ntragsweise der classischen Werke festzustellen, und diese\nkann wieder nur aus der von R. Wagner beabsichtigten\nKunstschule hervorgehen. Die Zöglinge derselben müssen\nvon Zeit zu Zeit solche Aufführungen veranstalten, das\nPublicum hierbei Zutritt haben.\nDie Kunstschule muss aber auch ihre Wirkung auf\ndas recitirende Drama erstrecken, denn die Schauspieler\nsind nie im Stande gewesen und sind es auch heute noch\nnicht, die Verse Schiller's und Goethes vorzutragen so,\nwie sie vorgetragen werden müssen. Dass wir in Deutsch-\nland Darsteller haben, die alle anderen ausserdeutschen\nhimmelweit hinter sich zurücklassen, gerade dieser Um-\nstand ist Herrn R. Wagner eine sehr betrübende Erschei-\nnung. Denn die Vielseitigkeit der deutschen Darsteller, die\nnicht bloss das deutsche, sondern auch das englische, das\ngriechische Drama in ihren Bereich ziehen, ist ihm eine\ntraurige Verirrung, und es wird ihm unmöglich, aus den\nReihen der heutigen Schauspieler einen richtigen Lehrer\nfür Sprache und Declamation classischer Versarten em-\npfehlen zu können.\nR. Wagner geht-nun auf die innere Einrichtung des\nConservatoriums selbst ein und macht hier sehr praktische\nVorschläge, bis auf den der Gründung eines speciellen\nJournals für die Musikschule.\nAm Schlüsse seines Berichtes wendet er sich direct\nan den König:\n„Es ist mir durch meine Anlage und meinen Bil-\ndungsgang bestimmt worden, den auffallenden Abstand\n\n*) Um deutlicher zu machen, was der Wort- und Tondichter\nE. Wagner damit vielleicht sagen wollte, wird es gut sein, hier\neinige Versproben, z. B. aus Wagner's 140 enggedruckte Seiten\nstarkem Operntexte „Die Meistersinger von Nürnberg\", beizufügen:\nJohannistag, Johannistag!\nDen feiert ein Jeder, wie er mag.\nDer Meister freit,\nder Bursche freit!\nDa gibt's Geschlamb und G-eschlumpfer!\nDer Alte freit\ndie junge Maid,\nder Bursch die alte Jumbfer!\noder:\nNun gilt es Kunst,\ndass mit Vergunst\nohn1 all1 schädlich gemeinen Dunst\nihm glücke des Preises Gewunst,\nwer begehrt mit wahrer Inbrunst\num die Jungfrau zu freien.\nEine andere Strophe lautet:\nHaben Dich\nklang Gesumme wieder:\ngoldene Wagen\nauf den Bergen ritten sie;\nWürste und Magen\nauf den Häusern brieten sie:\nund mich Thoren zog man ein,\ntünchte mich;\nach, ich brenne wieder!\nBraut mir kalten Flieder!\nDavid zählt des Meisters Tön' und Weisen auf:\nDer „kurze\", „lang\" und „überlang\" Ton,\nDie „Schreibpapier-\", „Schwarz Dintenweis'\";\nDer „rothe\", „blau\" und „grüne\" Ton,\nDie „Hageblüh\"-, „Strohhalm\"-,\nDie „englisch Zinnu-, die „Zimmtröhren\"-Weis\\\nDie „Frosch\"-, die Kälber\"-, die „Stieglitz\"-Weis'\nUnd so geht es noch 11 Verse weiter.\nAnmerk. des Correspondenten."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650513-01.1.6", "texte": "der öffentlichen Leistungen im Gebiete des mir vertraut\ngewordenen Kunstzweiges und den Anforderungen des\ndeutschen Genius, wie sie sich aus den Werken und Ten-\ndenzen unserer grossen Meister herausgestellt haben, mit\nder Deutlichkeit mir zum Bewusstsein zu bringen, dass\nhieraus für mich ein innerer Zwang zur unausgesetzten\nAnregung der hiefür nöthigen Reformen entstanden, unter\nwelchem ich bisher, mehr als die Welt einsehen kann, zu\nleiden hatte.\" Diesem „Zwange\" habe er durch eine Reihe\nvon Kunstschriften Ausdruck gegeben, die ihm nur Wi-\nderwärtigkeiten zuzogen, weil er nicht verstanden worden.\nNun aber sehe er sich dem Ziele seiner Wünsche nahe:\nder Geist, den König Ludwig seinem Streben zugewendet,\nmache ihm dessen Realisirung sicher und lasse ihn beru-\nhigt in die Zukunft schauen.\nOb es ihm gelingen wird, die hier niedergelegten Ideen\nins Leben zu rufen, ob es wirklich mit der deutschen Mu-\nsik so schlecht bestellt ist, dass sie nicht einmal eine deut-\nsche Oper richtig aufzuführen im Stande ist, ob sie einen\nErlöser aus diesem Banne nöthig hat, und ob R. Wagner\nwirklich dieser Erlöser ist—darüber haben wir hier nicht\nzu urtheilen. Für uns galt es nur, der musicalischen Welt\nvon einem Actenstücke Kunde zu geben, das zur Zeit noch\nin den Händen nur sehr weniger Personen sich befindet\nund das durch die bevorzugte Stellung, die sein Verfasser\nhier in München einnimmt, eine höhere Bedeutung ge-\nwinnt, als sonst derlei Vorschläge zu haben pflegen.\n\nAuguste Crelinger †.\n\nAm 11. April starb in Berlin nach kurzem Kranken-\nlager die berühmte Schauspielerin Frau Auguste Cre-\nlinger. Obgleich sich die Künstlerin in den letzten Jah-\nren fast gänzlich von der Bühne zurückgezogen hatte, so\nwird doch ihr Tod die lebhafteste Theilnahme erregen.\nIn Frau Auguste Crelinger hat die berliner Hofbühne eine\nihrer herrlichsten Säulen verloren. Von den unscheinbar-\nsten Anfängen an, in welchen nur Wenige, unter denen\nfreilich Iffland, die künstlerische Grösse ahnten, hat die\nKünstlerin alle Stadien einer organischen Entwicklung\ndurchlaufen. Sie hat sich in ihrer Laufbahn die Gemüther\naller Classen zu erobern und dauernd festzuhalten gewusst.\nAuguste Crelinger hatte ihre Thätigkeit dem classi-\nschen Drama vorzüglich zugewandt und hier Gestalten\nvon höchstem, dauerndem Werthe geschaffen. Man darf\nes der Künstlerin nachrühmen, dass sie es sich niemals\nmit ihrer Kunst leicht gemacht hat, sondern dieselbe mit\neiner fast religiösen Gewissenhaftigkeit ausübte. Hierin\ndarf sie Allen als ein höchstes Vorbild erscheinen. In der\nThat vereinigten sich auch bei unserer Künstlerin herr-\nliche, seltene Eigenschaften zu einer würdevollen Totalität.\nEine hohe Gestalt, ein prachtvolles, feuriges Auge, ein\nklangvoller Ton und ein durchdringender Verstand gaben\nihren Gestalten eine seltene Weihe. Die Künstlerin konnte\nsich mit Genugthuung sagen, dass sie Jahre lang den edel-\nsten Kreis der Kenner und das intelligente Publicum um\nsich zu versammeln und zu fesseln gewusst hat.\nAuguste Crelinger hat während ihres ganzen Lebens\nsowohl in Proben als bei den Aufführungen stets die\ngrösste Gewissenhaftigkeit geübt, dabei war sie von aller\nkleinlichen Eitelkeit entfernt und gestattete einem begrün-\ndeten Tadel die dankbarste Aufnahme. Ihr Andenken wird\n«4 . I*4 '4\nsich lebendig erhalten, so lange noch Menschen leben,\nwelche Gelegenheit hatten, dieselbe in ihrem Schaffen zu\nbewundern, und so lange der Sinn für Kunst lebendig\nsein wird.\nAuguste Crelinger kann als ein ermuthigendes Bei-\nspiel für alle diejenigen dienen, welche bei einer bedeu-\ntenden Begabung und einem reichen Talente Jahre lang\nin unscheinbarer Stellung existiren, bis endlich ihr Licht\n'plötzlich hervorbricht. So lebte Frau Crelinger als Fräulein\nDüring Jahre lang unter Iffland in der Verborgenheit;\nfast Niemand, Iffland ausgenommen, ahnte den Edelstein,\nwelcher hier verborgen war. Schreiber dieser Zeilen er-\ninnert sich noch sehr wohl, von den Kindern der beiden\nSchwestern des berühmten Diplomaten v. Genz, welcher\nmit Iffland verkehrte, gehört zu haben, dass er ihren Kla-\ngen über die Unbeholfenheit des Fräuleins Düring mit\nden Worten begegnete: „Seien Sie ganz ruhig, in dieser\nPerson steckt ein grosses tragisches Talent!\" Diese Aeus-\nserung beweist Iffland's grossen Kennerblick. Diejenige\nRolle, welche zum ersten Male beim Publicum diese\nWahrheit der Iffland'schen Aeusserung bestätigte, war\ndie Adelheid in Goethe's „Götz von Berlichingen\". Hier\nriss die Künstlerin die Zuschauer in der grossen, bekannt-\nlich von Goethe erst später hinzugedichteten Scene, in\nwelcher wir das Bild der innerlich zerstörten Adelheid\nempfangen, zu begeistertem Beifalie hin. Von diesem\nAugenblicke an hatte die Künstlerin ihren Credit gewon-\nnen, und man traute ihr auch grössere künstlerische Auf-\ngaben zu. Die beiden grossen Rollen, welche den Ruhm\nunserer Künstlerin in und ausserhalb Berlins begründet,\nwaren Donna Diana und Sbakespeare's Julie Rollen,\nwelche die Künstlerin sehr lange mit dem grössten Erfolge\ngespielt hat. Zu diesen Rollen gesellte sich dann später als\neine Leistung ersten Ranges die Iphigenia in Goethe's\n„Iphigenia auf Tauris\", welcher die Künstlerin erst all-\nmählich entgegenreifte. Dazu kam dann noch eine grosse\nclassische Aufgabe: ihre Volumnia in Shakespeare's „Co-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650513-01.1.7", "texte": "riolan\". Wir empfingen hier das volle Bild der hehren,\nstolzen und doch wieder so beredten römischen Matrone.\nKein Dichter hatte unserer Künstlerin mehr zu ver-\ndanken, als Raupach. Da er ihre Kraft kannte, so theilte\ner ihr auch in fast allen seinen Werken die Hauptrolle zu,\nwelche er oft im Hinblicke auf die Künstlerin für sie ge-.\nschrieben hat. Ja, die Erfolge manches seiner Dramen\nverdankte er eigentlich nur dem bedeutenden Talente der\nCrelinger, wobei wir nur an die „Tochter der Luft\" er-\ninnern wollen, deren Erfolg zum grossen Theile der Mu-\nsterleistung unserer Künstlerin zugeschrieben werden muss.\nDas Gebiet des Humors war ihr versagt; hier sah\nman es ihr sogar an, wie viel weniger heimisch sie sich\nauf diesem Boden fühlte, als auf tragischem Gebiete. Im\nAugenblicke ist die Stellung, welche die Künstlerin in\nletzterer Beziehung eingenommen hatte, erledigt. Hoffen\nwir, dass eine würdige Nachfolgerin dieselbe bald in Be-\nsitz nehmen wird.\n\nH. Th. R.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. Das 42. niederrh einische findet zu\nKöln am 4., 5. und 6. Juni 1865 im grossen Gürzenichsaale unter\nLeitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferdinand Hiller\nund unter Mitwirkung der Frau Lemmens-Sh er ring ton* aus Lon-\ndon, der Frau Wilhelmine S zarvady-C1 auss aus Paris, der\nFräulein Francisca Schreck aus Bonn und Pauline Wiese-\nmann aus Köln, der Herren Musik-Director Julius Stockhau-\nsen aus Hamburg, Max Staegemann vom k. Hoftheater zu Han-\nnover, Gustav Walter vom k. k. Hof-Operntheater zu Wien und\ndes k. Musik-Directörs Franz Weber aus Köln Statt.\nProgramm. I. Sonntag, 4. Juni: 1. Ouvertüre zum Ora-\ntorium „Paulus\" von F. Mendelssohn-Bartholdy. 2. „Israel in Egyp-\nten\", grosses Oratorium von G. F. Händel für Doppelchor, Solo-\nstimmen, Orchester und Orgel.\n11. Montag, 5. Juni: 1. Ouvertüre zu von L.\nvan Beethoven. 2. Finale {dritter Theil) aus „Faust\" von R. Schu-\nmann. 3. Sinfonie Nr. VII von L. van Beethoven. 4. „Sommer\" und\n„Herbst\" aus den „Jahreszeiten\" von J. Haydn.\n111. Dinstag, 6. Juni; 1. Ouvertüre zur „Zauberflöte\" von\nWt A. Mozart. 2. Clavier-Concert in G-dur von L. van Beethoven,\nvorgetragen von Frau S z arvady-Clauss. 3. Sinfonie „Es muss\ndoch Frühling werden\" von F. Hiller.. 4. Chöre und Gesang-Solo-\n\\orträge. 5. Ouvertüre zu „Oberon\" von C. M. von Weber.\nDer Abonnementspreis für einen festen numerirten Platz zu\nallen drei Concerten beträgt bis zum 20. Mai incl. vier Thaler, vom\n21. Mai ab fünf Thaler. Die bis zum 20. Mai abonnirten Plätze\nwerden Sonntag den 21. Mai öffentlich verloost. Die Abonnements-\nliste liegt von heute ab in der Musicalienhandlung von B. Breuer\n(grosse Budengasse Nr. 1) offen. Auswärtige, die ihre Bestellungen\nportofrei und unter Beifügung der Beträge an das Comite-Mitglied\nHerrn Julius Nacken (Rheinaustrasse Nr. 13) einsenden wollen, er-\nhalten ihre Karten nebst Platz-Anweisung nach der Yerloosung zu-\ngeschickt. Köln, den 24. April 1865. Das Comite des Nieder-\nrheinischen Musikfestes.\nAm 7. d. Mts. gab der kölner Männer-Gesangverein\nunter der Leitung von Franz Weber im grossen Saale des Gür-\nzenich ein Concert zum Besten des Baufonds der neuen' St.-Mau-\nritius-Kii che. Der düsseldorfer Künstler-Un terstützungs -\nVerein hatte die Gefälligkeit, dabei fünf lebende Bilder zu\nstellen, welche durch passende Instrumental- und Gesangmusikstücke\ntheils vorbereitet, theils begleitet wurden und als wahrhaft künst-\nlerische Leistungen einen vortrefflichen Eindruck auf die zahlreiche\nZuhörerschaft, welche den ganzen Saal füllte, machten. Am meisten\ngefielen „Das Schifflein\" nach Uhland von J. Schex, rHirt und\nHirtin\" nach Uhland von Bendemann, und „Episode aus dem Sturme\nauf die Düppeler Schanzen\" nach W. Camphausen. Die Ouvertüre\nzu Oberon (vor dem „Schifflein\", zu welchem Fräulein Elise Bem-\nPel das Lied der Meermädchen sang) und zu den „Lustigen Wei-\nbern\" von 0. Nicolai (vor dem Bilde „Falstaff in der Schenke\")\nwuiden von der Capelle des 33. Infanterie-Regiments unter der Di-\nrection von Herrn Laudenbach gut ausgeführt. Von den Männer-\nchören war uns „Ossianc>, Solo mit Chor von J. Beschnitt, neu,\ndas wie alle übrigen Lieder mit der bekannten Meisterschaft des\nVereins gesungen wurde, aber nicht sehr ansprach. Neu waren auch\nzwei Männerchöre mit Sopran-Solo von F. Möhring: „Wald-\nandacbt\" und „Frühlingsglaube\", recht anmuthige Compositionen, in\ndenen Fräulein Rempel die Sopran-Partie durch schönen Klang\nder Stimme und ausdrucksvollen Vortrag zur Geltung brachte.\nHerbeck s „Waldliedu mit gut ausgeführter Hörnerbegleitung,\nSilcher's „In die Ferneu und Dfirmer's „Das Mädchen von\nGowrie wurden mit Recht durch lebhaften Applaus ausgezeichnet.\nAuffallend war es, dass der ganz vortrefflich gesungene und in Text\nund Musik so schöne Chor: „Dir inöcht' ich diese Lieder weihen\",\nvon Uhland und Conradin Kreutzer, bei den Zuhörern ohne\nein Zeichen des Beifalls vorüberging! Bei den Wöber'schen Kriegs-\nliedern ist für das „Schwertlied\" bei vielen Vereinen ein Vortrag\nmit wechselnden Tempi eingerissen, der ganz und gar gegen die\nvon Weber selbst stammende Tradition ist. Es wäre sehr zu wün-\nschen, dass man zu dieser zurückkehrte.\nim April. Ich habe Ihnen beim Herannahen\ndes Schlusses der Winter-Saison manches Erfreuliche aus dem hie-\nsigen Musikleben, aber auch manches Unerfreuliche zu berichten.\nDie erste Stelle nimmt die Aufführung des Mendelssohn'schen Ora-\ntoriums „Elias\" ein. Erfreulich war dabei die Aufopferung von Sei-\nten des Dirigenten, Dom-Organisten Hanisch, der hiesigen Musik-\nSeminare, vieler Dilettanten u. s. w. Die Aufführung selbst war im\nGanzen gelungen. Herr Regierungs-Accessist Wagner sang den\nElias. Seine Stimme ist, wenn auch klangvoll, doch zu schwach für\neine solche Partie. Im ersten Theile sang er mit möglichster Energie\nbesonders gut Nr. 9, die Aufforderung an die Baalspriester; dage-\ngen waren die Recitative und Arien des zweiten Theiles viel -zu\nweich aufgefasst. Die Stelle in der grossen Arie; „Es ist genug!\"\nbeim Eintreten des beschleunigten Tempo: „Ich habe geeifert um\nden Herrn\", ging verloren. Der Gegensatz war verwischt. Die So-\npran-Partie war durch Frau Dr. Stöhr am besten vertreten, beson-\nders die Witwe ausgezeichnet gesungen. Fräulein Magdalena\nAgeron aus München, welche den Alt-Part sang, hat eine sehr\nschöne Stimme; sie sang recht gut, nur ihre schönen tiefen Töne\nforcirte sie zu stark. Herr Fränkl (Tenor) sang rein und voll, aber\netwas • steif. Der hervorragendste Moment der Aufführung war das\nTerzett der drei Oberstimmen ohne Begleitung, Nr. 28: „Hebe deine\nAugen auf!\" Hatte schon in der Hauptprobe das zu Beifallsbezei-\ngungen sehr wenig aufgelegte, wegen der vorgerückten Zeit etwas\nverdriessliche Orchester sich so sehr hinreissen lassen, dass es ein\nlautes „Bravo\" rief, so war ich als beobachtender Zuschauer um so\ngespannter, den Effect bei der Aufführung zu beobachten. Es brach\ndenn auch zum ersten Male (wenn man den Schluss des ersten\nTheiles als quasi selbstverständlich ausnimmt) der Applaus mit Ge-\nwalt los, der mir um so echter erscheinen musste, als ich bemerktef"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "152", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650513-01.1.8", "texte": "Dass der wundervoll schöne Chor: „Siehe, der Hüter Israels!\" fast\ngänzlich verloren ging. Offenbar dachte der grösste Theil des Pu-\nblicums an das schöne Terzett, flüsterte, fragte, wer die drei Sänger\n(„Engel\") gewesen. Ich will einen grossen Theil des Effectes auf\nRechnung der Composition setzen, ihre Einfachheit, Zartheit, auf\nden Gegensatz gegen den Pomp der Chöre u. s. w.: trotzdem bleibt\nfür die drei Engel des Ruhmes genug. Wer waren diese drei Engel?\nDrei zwölfjährige Knaben, frische Studenten aus den hiesigen Musik-\nSeminarien. Ich glaube fest, hätten drei Mädchenstimmen gesungen,\nkeine Seele hätte Bravo gerufen. Worin lag der Zauber der drei\nKnabenstimmen ? Sie sangen schmucklos, ohne alle Kunst, wenn\nman die grosse Kunst abrechnet, richtig zu declamiren und mit einer\nSicherheit aufzutreten, wie man sie von Knaben erwarten muss, die\nJahr aus, Jahr ein a capella (Palestrina und seine Zeit- und Kunst-\ngenossen), ohne alle Begleitung eines Instrumentes singen und an\nalle alten und modernen Schlüssel und ans Transponiren so gewöhnt\nsind, wie ans tägliche Brod. Ich glaube, diese Sicherheit, die Nai-\nvetät, verbunden mit dem Klangreiz schöner, heller, frischer Stim-\nmen, hat das Publicum bezaubert, das nicht weiss, dass man solch\nherrliche Terzette fast jeden Sonntag in den hiesigen Kirchen hören\nkann; freilich müsste es da oft die rauhe Schale einer alten Com-\nposition zerknacken, um den süssen Kern herauszuschälen. Gegen\nEnde des Oratoriums waren Chor, Orchester und Publicum, das sich\nzahlreicher als je eingefunden hatte, müde. Würde sich an den\nChor: „Und der Prophet Elias brach hervor\", ein kürzerer Schluss\nanfügen, so träte eine solche Ermüdung nicht ein. Die letzten fünf\nNummern wurden wenig mehr beachtet. Das Orchester war im Gan-\nzen brav, doch kamen unverzeihliche Lässigkeiten von Seiten Ein-\nzelner vor. Von den Statt gehabten Concerten hebe ich die zwei\nSoireen für Kammermusik des Herrn Violinisten Beer hervor, weil\ndarin doch einiges Classische zum Vortrage kam. Das Musikvereins-\nConcert ging in den Virtuosen-Leistungen des münchener Violon-\ncellisten Müller (dessen selbstcomponirte Phantasie eine Kette von\nEtüden war), der münchener Opernsängerin Fräulein Deinet und\ndes Fräuleins Sophie Hummler (Violin-Virtuosin), die auch ein\neigenes Concert gab und bei dem fürstlich Taxis'schen Hofe mit\ngrossem Beifalle spielte, auf. Die früheren drei Orchester-Vereins-\nConcerte sind auf ein einziges zusammengeschmolzen, und selbst\ndieses war sehr schwach besucht. Da nur disse Concerte Sinfonieen,\nüberhaupt classische grössere Tonwerke zu Gehör bringen, so ist\naus der Thatsache ihres Eingehens wegen ungenügender Theilnahme\nder sicherste Schluss auf die Geschmacksrichtung des hiesigen Pu-\nblicums zu machen. Einst war es viel anders hier. Die Ursachen\ndieses auffälligen Rückschrittes? Neben der Richtung der Zeit trägt\ndie Schuld die Zerklüftung der hiesigen Musikkräfte in die vielen\nund vielerlei Vereine für Musik und Gesang, ganz besonders aber\ndoch darüber will ich vor der Hand noch schweigen, in der\nErwartung, es werde denn doch einmal eine Wendung zum Besseren\neintreten. Die Oper ist zufriedenstellend, der Romeo, die No-\nrina, der Fidelio des Fräuleins Michalesi, um Einzelnes zu erwäh-\nnen, der Don Juan, Templer, Teil des Herrn Mayer aus München\n(er sang aus Gefälligkeit öfter) waren vortreffliche Leistungen. Die\nbeiden Tenöre ergänzten sich; was dem einen an Spiel mangelte,\nersetzte der andere durch die bessere Stimme. Fräulein Leonoff er-\nhielt als Marie im Waffenschmied, als Regimentstochter, neuestens\nals Julie im Romeo sehr grossen und ganz verdienten Beifall; ihre\nStimme ist eine der schönsten und frischesten, die ich je gehört\nhabe. Herr Clement, der in der letzten Zeit die Stelle des Bass-\nBuffo Herrn Scharf vertrat, ist ein gutgeschulter Sänger und Dar-\nsteller. Der Bassist Herr Kögel und der Bariton Herr Kreutner\nwaren gut.\nDr. Ambros in Prag erhält von der Akademie der Wissen-\nschaften eine Unterstützung von 1000 Fl. zu seiner musicalischen\nForschungsreise nach Italien, wo er Mailand, Rom, Neapel u. s. w.\nzu besuchen gedenkt. Seine Geschichte der Musik wird von Giovanni\nValle in Treviso ins Italiänische übersetzt.\nBei*li«l. Die Oper hat am 10. d, Mts. einen grossen Verlust\ndurch den Tod der k. Sängerin Fräulein de Ahna erlitten.\nWien. Im Carltheater wird dem Vernehmen nach bald nach\nerfolgter Aufführung der „Alten Junggesellen\" die Parodie „Dinorel\"\nund eine Operette von Zaytz:. „Lazzaroni\", gegeben werden. In be-\nnannter Parodie besorgt, wegen Verhinderung der Ziege, ein Esel\ndie betreffende Leistung. Ferner soll Duwiecki's Operette: „Die Pa-\ngen der Königin Marie\", welche in Lemberg, wo der Componist als\nCapellmeister angestellt ist, sehr gefallen hat, im Carltheater zur\nAufführung gelangen. Herr Duwiecki war vor Kurzem hier und soll\nsich mit Herrn Treumann geeinigt haben. Endlich werden auf ein-\nander folgende Gastspiele der Herren Reichenbach aus Hamburg,\nWeihrauch, Lobe, L'Arronge angekündigt. Letzterer gastirt mit sei-\nner Frau, mit Herrn Lobe aber Fräulein Raabe. Herr Weihrauch\nbringt eine Posse mit, die den Titel führt: „Die Afiicanerin\".\nGagen-Etat der k. k. Hofoper zu Wien. Im vergange-\nnen Winter hatte die genannte Oper folgende Jahres-Gagen an die\nersten Mitglieder zu zahlen. An die Damen Dust mann 14,000,\nKraus 13,000, Bettelheim 10,000, Destinn 8000, Tellheim\n6000, Hoff 4000, Murska 16,000, Couqui (erste Solotänzerin)\n18,000 Fl. An die Herren Ander 12,000, Wachtel 18,000,\nWalter 12,000, Ferenczy 10,000, Erl 4000, Dolfz 4000,\nBeck 18,000, Bigniö 7000, Hrabaneck 6000, Schmidt 8000,\nDraxler 8000, Rocicky 7000, Meyerhofer 7000 Fl.\nIn Prag wurde Ferd. Hiller1 s Oratorium „Die Zerstörung\nvon Jerusalem\" bei dem Oster-Concerte des Musiker-Vereins auf-\ngeführt.\nAntwerpen« In einem Concerte der deutschen Lieder-\ntafel unter Direction des Herrn Possoz wurde F. Hiller's\n„Lorelei\" mit ausserordentlichem Beifalle aufgeführt. Fräulein\nLichtmay sang die Lorelei, ein Dilettant den jungen Fischer; die\nDamen und Herren des Chors hatten die reizende Composition mit\nVorliebe studirt, auch das Orchester that sein Bestes, so dass das\nGanze einen schönen Kunstgenuss darbot."}]}