{"numero_id": "bm-bmtnabi-1865-05-20-01", "volume": "bmtnabi_1865-05-20_01", "ocr_sha256": "90ebc415f8e3089bab2151b37e1d89b890c3506038701cb722adf1b53b8682d9", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1865/05/20_01/bmtnabi_1865-05-20_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650520-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1865-05-20-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-05-20_01#c001", "volume": "bmtnabi_1865-05-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "153", "page_fin": "153", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650520-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "153", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650520-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 365, "texte": "Inhalt.\nMusicalische Zustände in New-York. (Die Componisten Die Musiklehrer Sinfonie-Concerte.) Actenstücke aus\nMünchen. Aus Bielefeld (Musik-Aufführungen während der verflossenen Saison). Von S. Aus Crefeld (Die Dilettanten-Oper).\nTages- und Unterhaltungsblatt (Köln, üebersicht über die Thätigkeit des Stadttheaters seit Antritt der Direction des Herrn\nM. Ernst)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-05-20-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-05-20_01#c002", "volume": "bmtnabi_1865-05-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "153", "page_fin": "155", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650520-01.2.2", "titre_corps": "Musicalische Zustände in New-York.", "titre_sommaire": "Musicalische Zustände in New-York.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "153", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650520-01.1.1", "debut_caractere": 367, "fin_caractere_exclue": 4174, "texte": "Musicalische Zustände in New-York.\n(Die Componisten Die Musiklehrer Sinfonie-\n-0 on c erte).\nNew-York, 19. April 1865.\nIn jedem Menschen, welcher irgend literarische, dich-\nterische oder überhaupt schaffende Kraft in seinem Kopfe\nspürt oder zu spüren glaubt, ist seit der Erfindung der\nBuchdruckerkunst der Drang unwiderstehlich, sich ge-\ndruckt zu sehen. Die „Carlchen Miessnick\" des berliner\nKladderadatsch sind nicht erfunden, sondern sie leben\nwirklich und haben Fleisch und Bein. Wie in der Litera-\ntur jeder Unter-Tertianer, welcher die Feder halten kann,\nglaubt, er sei berufen, ein Schriftsteller oder Dichter zu\nwerden, und sich an ein Freiheitsgedicht macht, oder ein\nblutdürstiges Drama schreibt, so ist es auch in der Musik.\nJeder junge Mensch, welchem eine Melodie durch den\nKopf geht und welcher Bertini's erste Liebungen durchge-\nspielt hat, glaubt im Stande zu sein, zu componiren, und\nwirft sich in America in der Regel auf Polka's oder Polka-\nMazurka's, welche er ohne Rücksicht auf Harmonie, Sym-\nmetrie oder Melodie in die Welt schleudert, nachdem er\nsie irgend einer Dame dedicirt hat, die er sich auserkoren.\nDie Freude, sich gedruckt zu sehen, und der Triumph,\nwelchen er bei der überglücklichen Schönen geniesst, ent-\nschädigen ihn für die Kosten, welche das HerausgSben\ndes gerade nicht unsterblichen Werkes verursacht.\nIn America sind nämlich die Musicalien-Verleger vor-\nsichtig und riskiren nicht gern etwas, wenn sie nicht ge-\nrade dazu gezwungen sind. Sie publiciren Musicalien von\nunbekannten oder nicht sehr populären Componisten nur\nauf Kosten der letzteren, und lassen sich ausserdem noch\nfür die Güte, überhaupt den Verlag zu besorgen, Procente\ngeben. Bei den meisten Compositionen wird das Titelblatt\nbesonders berücksichtigt und in theurem und sehr buntem\nFarbendrucke gemacht, so dass es scheint, als sei die hin-\nten folgende Composition lediglich zu dem Zwecke ge-\nmacht, um einen Bilderbogen zu verkaufen. Das kostet\naber viel Geld und wird nicht bei den Compositionen an-\ngewandt, welche nur bestimmt sind, als Ladenhüter einige\nZeit auf dem Tische zu liegen und später als Maculatur\nverkauft zu werden. Diese letzteren Compositionen werden\nauf schlechtes Papier und mit einer, so grossen Menge von\nFehlern gedruckt, dass sie vollständig unspielbar werden. Die\nkleinen Künstler unter den Componisten machen dadurch,\ndass sie die Kosten für ihre Unsterblichkeit aus eigener\nTasche zu bezahlen haben, sehr bald die Erfahrung, dass\nder Ruhm ein theures Geschäft ist, und ziehen sich nach\neinem oder zwei Versuchen zurück.\nNicht so aber eine andere und gefährlichere Classe.\nnämlich die Componisten, welche für den musicalischen\nPöbel schreiben und Balladen, Polka's und andere Tänze\nleisten, bei deren Anhörung einem Japaner selbst die\nHaare zu Berge stehen würden. Diese Leute machen mit-\nunter durch die vollständige musicalische Gemeinheit ihrer\nCompositionen einen gewissen Eindruck auf das grosse Pu-\nblicum, und ihre Werke verkaufen sich gut bei der Masse.\nDadurch ist auch ihr Erfolg bei den Verlegern gesichert\nund dieselben nehmen ihnen allen Schund ab, welcher von\nihnen componirt wird *). Kommt noch dazu, dass, wie schon\noben bemerkt wurde, die Ausstattung der Composition so\nist, dass sie durch ihr buntes Aussehen in die Augen fallen\nmuss, so ist der Erfolg noch sicherer, und der Componist\nerhält einen bedeutend höheren Preis für seinen Schund,\nso dass er im Stande ist, mehr Unheil anzustiften, als zehn\ngeschickte Componisten gut machen können. Die vollstän-\ndige Urteilslosigkeit eines grossen Theiles der americani-\nschen Recensenten und der Umstand, dass der Componist\ndurch eine gut bezahlte Anzeige auch eine tüchtige Re-\n\n*) Man ist versucht, der spöttisch lächelnden Europa zuzurufen:\n„Quid ridesf Mutato nomine de te\nFabula narratur.u Ho rat."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "154", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650520-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5593, "texte": "clame machen kann, tragen dazu bei, diese Leute geradezu\ngefährlich zu machen, denn sie bewirken eine Geschmacks-\nrichtung nach der schlimmsten Seite hin.\nDie Menge solcher Componisten, welche vom General-\nbass so viel verstehen, wie ein Taiping vom Caviar, ist in\nAmerica ungeheuer, und namentlich besitzen Frauen, wel-\nche kaum das Ciavier kennen, nicht die in Deutschland\nübliche fromme Scheu, sich zurückzuhalten, sondern sie\nsetzen das Feld der Musik in America erbarmungslos unter\nWasser. Der Blaustrumpf in der Musik ist in America fast\nnoch schlimmer, als der literarische Blaustrumpf, und es\nist wahrhaft schrecklich, in die Gesellschaft eines solchen\nWesens zu gelangen, welches mit der Wuth des Vampyrs\ndas Blut aus seinen Opfern saugt. Die Höflichkeit, welche\nman besonders hier zu Lande gegen das schöne Geschlecht\nzu haben gezwungen ist, schliesst jede Möglichkeit eines\nTadels vollständig aus; man kann bei dem Anhören der\n„Schöpfungen\" der Dame im Innern die Fäuste ballen, so\nschwer dieses Kunststück auch sein mag, und trotz alledem\nmuss man dennoch aushalten und darf nicht sagen: „Mein\nFräulein, das, was Sie da spielen oder singen, ist der ab-\nsoluteste Blödsinn, den ich je gehört habe! Wenn Sie ein\nwenig Gefühl für die Leiden Ihrer Mitmenschen hätten,\nso würden Sie sofort Ihren Mund halten!\" Männern kann\nman doch wenigstens die Aufforderung, sich zum Teufel\nzu scheren, in mehr oder minder höflicher Form zukom-\nmen lassen, aber mit den Frauen ist das ein nicht so leich-\ntes Ding. Eben so schlimm ist man mit den Componisten\ndaran, welche ihre Composition dem Kritiker persönlich\nbringen und ihn ersuchen, dem Werke eine freundliche\nBesprechung zu widmen. Man fühlt ein menschliches Re-\ngen bei diesen artigen und augenscheinlich bescheidenen\nMenschen, deren Compositionen an das Grässlichste strei-\nfen, das je die Vorstellung schaffen konnte, und die allge-\nmeine Menschlichkeit tritt in harten Kampf mit der Pflicht.\nDagegen darf man den arroganten Burschen gegen-\nüber nicht zaudern, energisch aufzutreten, welclfe sich an\ngrössere Compositionen wagen und glauben, sie gehörten\nunter die bedeutenden Componisten der Jetztzeit. Als ein\nüberdreister, übrigens höchst talentvoller Pianist sich nicht\nentblödete, auf einem Bilde, welches die bedeutendsten\nClavier-Componisten darstellte, sein eigenes Portrait dicht\nneben das Liszt's setzen zu lassen, war Jedermann über\ndas Uebermaass der Frechheit erstaunt; aber eben so\nschlimm sind die musicalischen Sudler, welche für eine\nSumme Geldes ihre Physiognomieen in eine illustrirte Zei-\ntung setzen lassen und dazu eine von ihnen approbirte Le-\nbensbeschreibung nebst rühmlicher Erwähnung ihrer Lei-\nstungen als ausübende Künstler und Componisten drucken\nlassen, so dass man kaum weiss, ob die Frechheit oder\ndie Dummheit solcher Leute grösser ist. Es lässt sich nicht\nläugnen, dass diese Menschen bei einem grossen Theile\ndes americanischen Publicums Einfluss haben, und gerade\ndarum sollten sie von jeder möglichen Wirksamkeit in mu-\nsicalischer Beziehung ausgeschlossen werden. Diese Men-\nschen sind die Hemmschuhe für jeden Fortschritt in der\nMusik,\" sie sind schlimmer als die Componisten von Liedern\nwie „Dixie's Land* und ähnlichen Machwerken, denn bei\nihnen geht die Unfähigkeit mit der Prätention Hand in\nHand, und sie beanspruchen Anerkennung und eine her-\nvorragende Stellung in musicalischen Kreisen.\nFreilich ist dies alles dem Umstände zuzuschreiben,\ndass America musicalisch noch sehr jung und dass die Zahl\nder eingeborenen Componisten, welche überhaupt Ver-\nständniss für irgend etwas Besseres haben, überaus gering\nist. Dennoch -ist eine kleine Zahl americanischer Musiker\nin New-York namentlich vorhanden, welche mit bedeuten-\nder Kenntniss der classischen und romantischen Schule ein\nnicht gemeines Talent zur Composition besitzen und Treff-\nliches leisten. Diese Leute aber sind bescheiden in ihrem\nAuftreten und nicht dazu geschaffen, mit starker Hand die\nDreistigkeit und Hohlheit der kleinen Künstler zu zer-\nschmettern. Sie leben sich und der Kunst, und ihre refor-\nmatorische Thätigkeit nach aussen hin ist beinahe gleich\nNull. Die Reformation, welche dem Lande nöthig ist, zu\nschaffen, sind unzweifelhaft die deutschen Musiker berulen,\nwelche sich nicht bloss in einer behäbigen Selbstgenügsam-\nkeit und einem Streben, die nothwendigen Genüsse des\nKörpers zu befriedigen, auf sich selbst beschränken, son-\ndern auch zum Ganzen streben. Und solcher Leute gibt es\nglücklicher Weise wenigstens ein Dutzend in America.\nWenn zwölf Leute von geringer Bildung und schlichter\nHerkunft durch ihre Begeisterung im Stande gewesen sind,\ndas Christenthum selbst gegen die weltliche Uebermacht\ndes römischen Kaiserthums zu errichten, warum sollten\nnicht zwölf begabte Männer mit Begeisterung und der Kraft,\nzu wirken, dem guten Geschmacke in America helfen und\ndie Unwissenheit der kleinen Künstler in ihrer ganzen\nNacktheit zeigen können? Diese vollständig auszurotten, ist\nfreilich unmöglich, denn wie jedes Unkraut besitzen sie eine\nungeheure Vitalität, aber man kann sie einschränken und\nweniger schädlich machen, als sie sind, und dazu sollte je-\nder deutsche Musiker in America hülfreiche Hand leisten.\nWie in Europa, so ist auch hier für Hausmusik das\nPianoforte das bevorzugte oder vielmehr das allein culti-\nvirte Instrument. Doch da sage ich wieder zu viel, denn\nes muss eigentlich nur heissen, das Instrument, das man\nals hübsches Möbel und musicalischen Luxus-Artikel in je-\ndem anständigen Hause findet. Die wirkliche Cultur des-\nselben erreicht aber bei hiesigen Dilettanten nur sehr selten"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "155", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650520-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5333, "texte": "einen so hohen Grad künstlerischer Vollendung, wie er in\nDeutschland häufig ist. Lehrer dafür gibt es die Hülle und\ndie Fülle: in New-York leben 48 und in Brooklyn 11\nDeutsche, welche man als gute Ciavierlehrer und meist\nauch als tüchtige Musiker bezeichnen kann, denn es sind\nNamen unter ihnen wie Theodor Eisfeld, der die phil-\nharmonischen Concerte, Theodor Thomas, der die Sin-\nfonie- Concerte dirigirt, ferner Karl Anschütz, Karl\nBergmann, Robert Goldbeck, Wilhelm Döhler,\nFriedr. Krüger, Oehrlein, F. L. Ritter, Pinkert\nu. s. w. Ausserdem laufen Glavierlehrer noch zu Hunder-\nten von Haus zu Haus in der Stadt umher, nach deren Fä-\nhigkeit oder Berechtigung zu fragen thöricht wäre, unter\nihnen auch eine Menge, die den Tag über Stunden geben\nund des Nachts in Bier- und Tanzhäusern Ciavier spielen.\nDass sie die wunderlichsten Quellen der Reclame und son-\nstiger Mittel, Aufsehen zu machen, nicht sparen, fällt hier\nnicht auf. So hat z. B. ein übrigens ganz guter Lehrer nicht\neher viel zu thun bekommen, als bis er seine Vornamen\nJupiter Zeus H. in den Zeitungen bekannt machte.\nDer Pianoforte-Fabriken und Magazine sind so viele\nhier, dass jedes neue Etablissement, deren freilich immer\nwieder auftauchen, einen schweren Stand hat. Die meisten\nFabricanten sind Deutsche. Es ist Mode, dass sie ihre An-\nkündigungen mit einer Menge von Zeugnissen von Kennern\nschmücken: diese nehmen es denn auch nicht eben genau,\nund so kommt es denn, dass man z. B. in Nr. 8 der neuen\ndeutschen „New-Yorker Musik-Zeitung\",eines von Theo-\ndor Hagen gut redigirten Blattes, liest, dass „Weber's\nPianoforte unzweifelhaft das beste in America ist\nund dass dasselbe unübertroffen in der Welt dasteht\",\nunterschrieben u. A. von C. Anschütz, C. Bergmann, M.\nMaretzek, Tb. Thomas und Rob. Goldbeck—und dass es\nauf der lolgenden Seite derselben Nummer heisst:\n„Wir erklären frei und ohne Rückhalt, dass die Piano's\nder Herren Steinway & Söhne alle übrigen Instru-\nmente übertreffen\"—wieder unterschrieben von den-\nselben eben genannten fünf Herren neben zehn andern!\nDas ist echt americanisch, und wer da glaubte, solche\nHandlungsweise brächte die Herren Zeugen um ihren Cre-\ndit, der kennt America nicht.\nDieselbe Zeitungs-Nummer bringt einen kurzen Be-\nricht über das letzte Sinfonie-Concert, den ich Ihnen mit-\ntheile, um daraus zu ersehen, dass es bei uns auch gelehrte\nProgramme gibt, denen es dann in der öffentlichen Mei-\nnung eben so geht, wie zuweilen da drüben, nur dass man\nsich hier mit mehr Freiheit, aber auch mit mehr Recht,\nals bei Ihnen, darüber ausspricht, denn America muss erst\nnoch viel in der Musik lernen, ehe man ihm zumuthen\nkann, Bach zu verstehen:\n„Herr Thomas beschloss den Cyklus seiner Sinfonie-\nSoireen auf eine würdige Weise. Er begann mit Bach und\nendete mit Beethoven. Und wenn irgendwo, können wir\nhier sagen: Ende gut, Alles gut. Es war wirklich interes-\nsant, den Umschwung im Gefühle des Publicums zu sehen,\nals plötzlich Beethoven's Freudentöne der siebenten Sinfonie\nangestimmt wurden. Wie der Zauberstab, der der sandi-\ngen Wüste den Quell klaren Wassers abzugewinnen ver-\nmag, so klangen diese Töne in der Sandwüste der Musik,\nwelche wir an diesem Concert-Abende zu durchwandern\nhatten. Zwar wurde Bach's, Mozart's und Schumann's Ge-\nnius gehuldigt, aber nicht alles, was diese Meister geschrie-\nben haben, ist geeignet, höhere Regungen in uns anzufa-\nchen. Mindestens klang ihre Musik im Vergleiche zu der\nBeethoven'schen an diesem Abende trocken und leblos. Wir\nwollen damit nicht sagen, dass die Passacaglia von Bach,\nmit welcher die Soiree eröffnet wurde, nicht ein Tonstück\nsei, in welchem sich die ganze Kunst Bach's entfaltete, aber\nso wenig wir heute noch eine Passacaglia tanzen, so wenig\nkann uns auch die Musik derselben zusagen. Dieses Aus-\nspinnen eines einzigen kleinen Motivs in alle nur erdenk-\nliche Variationen ist etwas so ganz Verschiedenes von den\nResultaten moderner Kunstanschauung, dass wir trotz aller\nBewunderung für die Polyphonie Bach's doch nur ein\nhistorisches Interesse für diese Art Aeusserungen seines\nGenius haben können.\n„Und was kann uns denn so sehr an Mozart's Concert\nfür Violine und Bratsche fesseln, welches in diesem Con-\ncerte von den Herren Thomas und Matzka gespielt wurde?\nWo finden wir darin die Anknüpfungspunkte für unsere\nheutige musicalische Anschauungsweise, für unser heutiges\nmusicalisches Gefühl? Wir finden sie nicht, wir begegnen\njenem ruhigen musicalischen Gebahren, das seine vollstän-\ndige Befriedigung in der glatten Form und im Wohllaute\nfindet; aber wo ist in diesem Werke jene Leidenschaftlich-\nkeit des Ausdrucks, die einst Mozart zum Vorwurfe gemacht\nwurde, im Gegensatze zu der geregelten Musik Haydn's?\n„Die Ouvertüre oder besser musicalische Illustration\nSchumann's des Schiller'schen Drama's „Die Braut von\nMessina\" ist allerdings unserer modernen Gefühlsweise\nnahe genug gerückt, aber leidenschaftlicher Ausdruck allein\nohne genügenden Ideengehalt thut's auch nicht, und den\nletzteren vermissen wir gerade in diesem Werke Schumann's,\ndas sonst manche feine Züge der Charakteristik aufzuwei-\nsen hat. Sicherlich, all diese Musik konnte nicht Stich\nhalten gegen die mächtigen Töne der siebenten Sinfonie,\ngegen diese ideenvolle Frische und Ursprünglichkeit, gegen\ndiese ewig wahren und unerschöpflichen Bilder der Phan-\ntasie\" u. s. w.\n[']"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-05-20-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-05-20_01#c003", "volume": "bmtnabi_1865-05-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "156", "page_fin": "158", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650520-01.2.3", "titre_corps": "Actenstücke aus München.", "titre_sommaire": "Actenstücke aus München.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "156", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650520-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5290, "texte": "Actenstücke aus München.\nDie münchener Aufführung von Richard Wag-\nner's „Tristan und Isolde\" ist jedenfalls ein musik-\nbistorisches Ereigniss, erstens, weil sie der Beweis einer\nseltenen Gunst eines deutschen Königs für die Tonkunst\nist, zweitens, weil sie ein Urtheil über Wagner's Talent\noder noch eigentlicher über Wagner's System herbeifüh-\nren kann; denn nach seinen eigenen Aeusserungen ist die-\nses musicalische Drama sein bestes Werk, weil es mit\ngrösserer Consequenz als „Tannhäuser\" und „Lohengrin\"\nnach seinen in den Schriften „Das Drama der Zukunft\",\n„Drei Opern-Gedichte\" u. s. w, dargelegten Grundsätzen\ngedichtet und componirt ist.\nBei den Vorbereitungen zur Aufführung fiel ein Vor-\nspiel vor, dessen wir nicht erwähnt haben, wenngleich wir\neben so wenig wie irgend Einer die Aeusserung von Bü-\nlow's weder der Aristokratie der Geburt noch der Aristo-\nkratie der Kunst gemäss fanden. Da aber die Zeitungen\nden Klatsch überall hin verbreitet haben, so stehe wenig-\nstens auch von Bülow's Erklärung darüber („Neueste\nNachrichten\", München, den 7. Mai) hier.\n„(An den Redacteur des genannten Blattes.) Der wohl-\nmeinende und höfliche Ton, in welchem Euer Wohlgebo-\nren mich zu einer Erklärung bezüglich der in heutiger\nNummer Ihres geschätzten Blattes besprochenen Anschul-\ndigung auffordern, verpflichtet mich, dieser Aufforderung\nunverzügliche Folge zu leisten. Es ist völlig richtig, dass\nich nach Beendigung der Orchesterprobe vom 2. Mai\neines Ausdrucks mich bedient habe, den ich nicht an-\nstehe,-als einen höchst unparlamentarischen zu bezeichnen,\num so weniger, als ihm hiesigen Ortes ein weit brutalerer\nSinn untergelegt wird, als anderwärts. Dennoch wollte es\nmir bis zum Lesen von Euer Wohlgeboren Aufforderung\nmüssig erscheinen, dem öffentlichen Missverständnisse\ndurch die Versicherung entgegenzutreten, dass ich nicht\nim entferntesten eine Gesammt-Verunglimpfung des ge-\nbildeten münchener Publicums beabsichtigt habe. Ist es\nja ausgemacht, dass der Künstler, namentlich der Presse\ngegenüber, keine andere Stütze besitzt, als das Publicum;\nhat ja mein hochverehrter Freund, Herr Richard Wagner,\nin dem münchener Publicum vorzugsweise eine solche ge-\nfunden, haben ja selbst meine öffentlichen Leistungen sich\nder freundlichen Theilnahme dieses Publicums zu erfreuen\ngehabt! Demgemäss habe ich bei meiner aus dem Zu-\nsammenhange gerissenen, wesentlich getrübten Aeusserung\nauch nur diejenigen böswilligen Theaterbesucher im\nSinne gehabt (und haben können), welche verdächtig sind,\nan den in Wort und Schrift gegen den hochverehrten\nMeister gesponnenen Verleumdungen und Intriguen Theil\ngenommen zu haben. Der mir entschlüpfte unglückliche\nAusdruck wurde im Halbdunkel der Scene von Zeugen\nvernommen, welche meinem Blicke beinahe entzogen wa-\nren und von den vorhergegangenen Worten nur fragmen-\ntarische Kenntniss erlangt hatten. Dieser Umstand dient\nden Verbreitern des Missverständnisses zur Entschuldigung,\ner mindert darum aber nicht die schmerzliche Betrübniss,\nwelche ich darüber empfinde, eine Unachtsamkeit im Pri-\nvatgespräche, welche schlimmsten Falles als eine allzu\nderbe Exclamation gerügt werden mag, in so aufreizend\nund übertreibend entstellender Weise „„an die grosse\nGlocke gehängt zu sehen\"\", dass mir nur die Alternative\nübrig blieb, mich des Mangels an Gesittung oder an ge-\nsundem Menschenverstände bezichtigen zu lassen. Euer\nWohlgeboren haben mir die Möglichkeit eröffnet, dem\nmünchener Publicum diese Aufklärung zu geben. Geneh-\nmigen Sie hiefür den Ausdruck meines verbindlichsten\nDankes u. s. w.\"\nVor der Generalprobe vor eingeladenen Zuhörern\n(wie bei Meyerbeer's „ Africanerin\" in Paris) hielt Ri-\nchard Wagner folgende Ansprache:\n„Meine Herren und Freunde vom königlichen Hof-\nOrchester! Ich bitte Sie um einige Augenblicke Aufmerk-\nsamkeit. Wenn ich während der beschwerlichen Proben\nSie dann und wann durch ein scherzhaftes Wort zu er-\nheitern suchte, habe ich Ihnen jetzt nur Ernstes zu sagen.\n—Zuerst muss ich Ihnen mittheilen, dass ich mir die Ehre\nversagen muss, mich diesmal an Ihre Spitze zu stellen. Und\nes ist dies eine grosse Ehre, der ich entsage: nur wich-\ntige Gründe können mich, das ermessen Sie wohl, zu die-\nser Entsagung bestimmen. Der erste dieser Gründe ist\nfür mich betrübender Art: er rührt von meiner Gesund-\nheit her. Ich bin leidender, als Manchem es den Anschein\nhaben mag; die ungemeine Aufregung und Anstrengung,\ndie für mich die persönliche Leitung des Orchesters mit\nsich führen würde, könnten mich leicht ausser Stand\nsetzen, ohne Störungen zu bereiten, Ihrer Leistung vorzu-\nstehen. Ich bitte Sie, der Wahrhaftigkeit dieser meiner\nBefürchtung vollen Glauben beizumessen! Der zweite\nGrund ist dagegen erhebend und schön: ich bin Ihnen zum\nGelingen nicht mehr nöthig! Wenn Sie mich recht ver-\nstehen, so sage ich Ihnen hiermit den zartesten Lobspruch.\nSie haben mich nicht nöthig. Mein Werk ist in Ihnen auf-\ngegangen, aus Ihnen tritt es mir wieder entgegen: ich*\nkann es ruhig gemessen. Dies ist ein einziges Glück. Das\nSchönste ist erreicht, der Künstler darf über seinem Kunst-\nwerke vergessen werden! Was die theuren Künstler, die\nmir als Freunde hieher nachfolgten, mit so hingebender\nLiebe sich aneigneten, muss dieser Liebe werth gewesen\nsein; was Sie mit so ausserordentlichem Fleisse, mit eher-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "157", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650520-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5483, "texte": "ner Geduld, unter den mühseligsten Uebungen zur vollen,\nschönen Erscheinung förderten, muss dieser Mühe sich\nverlohnt haben. Schwierigkeiten, wie sie noch nie geboten\nwurden, sind überwunden: die Aufgabe ist gelöst und die\nErlösung des Künstlers ist erreicht Vergessenheit! Ver-\ngessen seiner Person! Wie gern sehe ich mich selbst ver-\ngessen! habe doch auch ich zu vergessen, Vieles und Man-\nches, worunter meine Person litt. Dieses beglückende und\nbefreiende Vergessen rufe ich jetzt auch für meinen theu-\nren Freund an, der meinen Ehrenplatz an Ihrer Spitze\neinnimmt: möge auch seine Person über seiner Leistung\nvergessen werden, der Sie gewiss mit mir die vollste ge-\nbührende Anerkennung zollen!— Und nun noch ein Wort\nüber den Charakter unserer Proben. Heute werden wir\ndas Werk unter uns vollständig wie zu einer ersten Auf-\nführung behandeln. Wir wollen unsere Kräfte prüfen, einer\nnächsten Recapitulations-Probe die Correctur etwa noch\nangetroffener Mängel vorbehalten und so heute das volle\nGefühl der künstlerischen Leistung uns verschaffen. Für\ndie erste wirkliche Aufführung bleibt uns dann nur übrig,\ndie Wirkung auf das eigentliche Publicum denn heute\nbefinden wir uns nur vor eingeladenen Zuhörern einer\nProbe—kennen zu lernen. Ich hege keine Bangigkeit vor\ndieser Berührung mit dem wirklichen Publicum. Das deut-\nsche Publicum war es, welches mich gegen die sonder-\nbarsten Anfeindungen der Parteien überall aufrecht er-\nhielt; auch dem münchener Publicum darf ich zuversicht-\nlich vertrauen. Sie waren noch kürzlich Zeugen, wie es\nmich gegen unwürdige Angriffe und Ehrenkränkungen\naufrecht erhielt. Doch ist vielleicht der Hass nicht überall\nzu tilgen: gegen ihn wenden wir das Mittel an, welches\nuns Tristan und Isolde kennen lehrt. Isolde glaubt Tristan\nzu hassen und reicht ihm den Todestrank: doch das Schick-\nsal wandelt ihn in den Trank der Liebe. Dem gifterfüllten\nHerzen, das etwa auch unserem Werke nahen sollte, rei-\nchen wir den Liebestrank. An Ihnen ist es, diesen Liebes-\nzauber auszuüben: ich lege mein Werk in Ihre Hand!\"\nDarauf folgte Herrn von Bülow's Ansprache:\n„Gestatten Sie auch mir, hochgeehrte Herren und\nKunstgenossen, heute öffentlich den Empfindungen Aus-\ndruck zu geben, welche mich bewegen, seitdem ich die\nAuszeichnung geniesse, in Ihrem Kreise zur Ausführung\ndes Kunstwerkes mitzuwirken, dessen Darstellung heute\nzur Einweihung gelangt. Die hohe Ehre, deren mich Herr\nRichard Wagner gewürdigt hat, indem er mir die Leitung\neiner seiner herrlichsten wie schwierigsten Tondichtungen\nanvertraute, erfüllt mich mit stolzer Freude und inniger\nDankbarkeit um so mehr, als sie mich in den Verkehr mit\nden ersten Künstlern Deutschlands geführt hat, in den\nVerkehr mit dem glanzvollen Kunst-Institute, welches die\nköniglich baieriscbe Hofcapelle repräsentirt. Dieser Ver-\nkehr hat meine Bewunderung für Sie, hochgeehrte Herren,\nnur gesteigert; der echt künstlerische Eifer, der ideale\nErnst, die liebevolle, selbstvergessene Hingebung an die\nSache, welche ich an jedem Einzelnen dieser verehrlichen\nCorporation kennen gelernt, hat mein Herz hoch erhoben,\nund Ihre vielfach bewiesene Bereitwilligkeit, das mir von\ndem grossen Meister geschenkte Vertrauen auch Ihrerseits\nzu gewähren, gewisser Maassen zu bestätigen, hat mich\ntief dankbarlich gerührt. Genehmigen Sie die Versicherung\nmeiner wärmsten Sympathie, meiner aufrichtigsten Hoch-\nachtung; genehmigen Sie die Versicherung meiner steten\nDankbarkeit für die gütige Unterstützung, durch welche\nSie es mir ermöglicht haben, der mir gestellten so ehren-\nvollen Aufgabe gerecht zu werden. Unsere Verbindung zu\ngemeinsamem Wirken wird binnen Kurzem sich lösen\ndie Erinnerung an das mir durch dieselbe bereitete Glück\nwird aber ewig frisch und freudig in meinem Gedächtnisse\nleben und zu den reinsten und schönsten Erinnerungen\nmeiner künstlerischen Laufbahn zählen. Erlauben Sie mir,\nzu hoffen, dass diese Erinnerung auch von Ihrer Seite eine\ndurch keinerlei Missverständnisse getrübte bleiben werde,\nund bewahren Sie mir gütigst für die öffentlichen Auffüh-\nrungen das ehrende Zutrauen und die freundliche Un-\nterstützung, die Sie während der Proben erwiesen haben\ndem zeitweiligen Dirigentenstabe Richard\nWagner's.\"\nAus diesen scheinbar bescheidenen Actenstücken des Pu-\ndels Kern herauszufinden, ist nicht schwer. Ueber den Er-\nfolg jener Generalprobe schreibt die Allg. Ztg. v. 12. Mai:\n„In der Oper Tristan und Isolde ist unstreitig der\nerste Act, welcher auf dem Schiffe spielt, mit welchem\nHeld Tristan seinem Könige die Isolde als Braut zuführt,\nder wirksamste. Der ganze zweite Act vergebt in diesem\nwonneseligen Liebestaumel, der zu unerträglicher Länge\nwird, bis König Marke das liebende Paar beim Monden-\nscheine im Walde ertappt und dem treulosen Helden eine\ndeclamatorische Strafpredigt von entsetzlicher Dauer hält.\nDen letzten Act auf Tristan's Burg in der Bretagne füllt\nbeinahe ganz die bis zur Raserei gesteigerte Sehnsucht des\nverwundeten Tristan nach seiner Isolde, bis ihn der Tod\nvon der Wirkung des „„furchtbaren Trankes\"\" befreit.\nDa die gestrige Generalprobe einer Muster-Vorstellung\ngleich kam, so kann man sich über den musicalischen\nWerth dieses Tonwerkes auch bereits ein Urtheil erlau-\nben. Sie werden darüber ohne Zweifel umfassende Berichte\nvon Fachmännern erhalten. Zum aufrichtigen Bedauern des\nEinsenders, der nicht zu den principiellen Gegnern der\n„ „Zukunftsmusik\"\" gehört, muss derselbe sagen, dass\nfast alle Urtheile bewährter Kenner, die er gehört, nicht"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650520-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 833, "texte": "nur ungünstig, sondern geradezu verdammend lauten. Ri-\nchard Wagner hat hier seine Tendenz: auf jede Melodie\nzu verzichten und die rein declamatorische Musik mit ent-\nsprechender Instrumentirung dem Sinne und Wortlaute\ndes dramatischen Vorganges vollständig anzupassen, auf die\näusserste Spitze getrieben. Von Gesang ist in dieser so ge-\nnannten Oper wirklich nicht die Rede. Die Stimmen der\nSänger und das stark eingreifende Orchester sind einfach\nverurtheilt, mit dem oft ganz sinnlosen Libretto zu seufzen\nund zu klagen, zu jubeln und zu jauchzen, zu wüthen und\nfast zu brüllen. Die Musik ist nur der Begleiter gefühl-\nvoller oder leidenschaftlicher Worte. Mit Recht gilt diese\nOper als der Gipfel der „ „Zukunftsmusik\"\", und sie wird,\nje nachdem sie bleibende Anerkennung oder Verdammung\nfindet, auch mit ihr stehen oder fallen.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-05-20-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-05-20_01#c004", "volume": "bmtnabi_1865-05-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "158", "page_fin": "159", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650520-01.2.4", "titre_corps": "Aus Bielefeld.", "titre_sommaire": "Aus Bielefeld.", "signature_source": "s", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650520-01.1.6", "debut_caractere": 835, "fin_caractere_exclue": 5253, "texte": "Aus Bielefeld.\n\nDen 12. Mai 1865.\nIst unser Ort auch schon ziemlich entlegen von Köln,\nso verfolgen wir doch alles Musicalische, was bei Ihnen\ngeschieht, mit dem regsten Interesse und erheben uns\ndaran. Ruht das Musikleben in diesem Theile Deutsch-\nlands doch auf wesentlich anderen Grundlagen, als in den\nResidenzen, wo fürstliche Dotationen und die Mittel der\nRegierungen die Kosten decken. Hier ist es ein freiwilli-\nges Zusammentreten der Musikfreunde, welche neben den\nEinnahmen vom Publicum die bei echten Kunst-Instituten\nan allen Orten stets nöthigen Subventionen aufbringen.\nDa die Durchführung des Idealen auf Erden von dem\nRealen abhängig ist, so bildet sich hier ein neues Ver-\nhältniss der Kunst und der Künstler aus den materiellen\nGrundbedingungen. Darum haben die kleineren Orte um\nso mehr Grund, sich lernend an die grösseren und na-\nmentlich an Köln anzuschliessen, das uns bereits zeigt, wie\nGrossartiges geleistet werden kann, wenn man das Prak-\ntische mit dem Idealen so zu vereinen weiss, dass von kei-\nnen Concessionen an den Ungeschmack die Rede ist und\nder Kunstfreund mit wahrem Vergnügen liest, was bei\nIhnen geschieht. Erlauben Sie einem solchen, in der Ab-\nsicht, im guten Sinne anzuregen, auch einige Worte über\ndas Musikleben der hiesigen Stadt, welcher er angehört.\nVorigen Sommer verliess uns unser Musik-Director\nL. Hoffmann, ein tüchtiger Ciavierspieler, guter Diri-\ngent und gewandter Componist, weil ihm die Möglichkeit\ngeworden, ganz seiner Müsse zu leben, und ihm die Diri-\ngenten- Xhätigkeit für sich keine Befriedigung zu gewähren\nschien. Er lebt jetzt in Dresden.\nDie Wahl fiel nach einem Concerte, welches Herr\nAlbert H ahn aus Berlin, ein früherer Schüler Ihres\nConservatoriums, in der geräumigen Tonhalle im Mai 1864\ngab, in dem er sich gleich als einen ungewöhnlich begabten\nDirigenten erwies, so entschieden auf ihn, dass es gar nicht\nzu weiteren Erörterungen kam. Besonders erfreut waren\nwir darüber, da wir in dem Concerte in Frau Bertha\nHahn eine Clavierspielerin kennen lernten, die mit vollen-\ndeter Technik einen echt künstlerischen Vortrag verbindet,\nder uns alle hinriss. Wir haben sie seitdem in Concerten\nvon Beethoven und Weber, grossen und kleinen Compo-\nsitionen Beethoven's, Mozart's, Chopin's und\nAnderer gehört und sind stets von Neuem von der hohen\nkünstlerischen Begabung, mit der Frau Hahn jede Com-\nposition wiedergibt, entzückt worden. Herr Hahn hat in\ndiesem Winter nicht nur alle Erwartungen, die wir auf\nihn als Dirigenten setzten, befriedigt, er hat auch im all-\ngemeinsten Sinne so günstig auf die Verhältnisse einge-\nwirkt, dass diese einen grossen Aufschwung genommen\nhaben. Gelingt es uns, ihn länger an unsere Stadt zu fes-\nseln, so zweifeln wir nicht daran, dass wir einer neuen\nAera entgegensehen. Mit der grössten Uneigennützigkeit\nsteht ihm stets nur das Beste des städtischen Kunstlebens\nvor Augen. Möge die freudige Begeisterung aller Kunst-\nfreunde und die Thatsache, dass die Leistungen schon in\ndiesem Winter sich bereits weit über ihren früheren Stand\nerhoben haben, ihm ein Ersatz für die Mühen sein, denen\ner sich unterzieht.\nDie bedeutendsten Ereignisse des Winters waren die\nAufführung der „Zerstörung Jerusalems\" von F. Hiller,\nzu der der Componist freundlichst selbst herüberkam, dann\ndes „Messias\" und des „Freischütz\". Die Chöre gingen\nso exact, wie wir noch keine hier gehört. Die Soli wur-\nden von Frau v. J., einer geschätzten Dilettantin (Schwe-\nster unserer Landsmännin Sophie Cruvelli, jetzigen Ba-\nronin Vigier in Nizza), Fräulein Schönheim aus Berlin,\neiner Schülerin unseres Musik-Directors Hahn, mit wohl-\nthuendem, tragendem Organe und, was Technik und Vor-\ntrag anbetrifft, lobenswerther Schule, Fräulein Sahlfeld,\neiner stimmbegabten und ihrem Lehrer, dem königlichen\nCapellmeister Fischer in Hannover, Ehre machenden So-\npranistin, Fräulein Gindele vom Hoftheater in Braun-\nschweig, einer mit wunderbar schöner Stimme begabten\nAltistin, die in einem kleineren Concerte durch Lieder-\nVortrag namentlich sich auszeichnete, dem königlichen\nHof-Opernsänger Pirk aus Hannover, einem lyrischen\nTenor mit rührendem Schmelz der Stimme, Herrn Zin-\nkernagel, ebenfalls Schüler des Capellmeisters Fischer,\ndem Hof-Opernsänger Bietzacher aus Hannover, dessen\nwundervolles Organ, namentlich was imponirenden und\ngewaltig ergreifenden Vortrag anbetrifft, sich gleich gün-\nstig zu den heterogenen Partieen des Caspar und des"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650520-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3484, "texte": "Bass-Solo im „Messias\" stellte, und dem Opernsänger\nJansen aus Düsseldorf, der mit liebenswürdiger Bereit-\nwilligkeit den Jeremias in Einem Tage noch übernahm,\ngesungen. Neben vielen bekannten und häufiger gehörten\nChorstücken kamen „Des Tages Weihe\" von Fr. Schu-\nbert mit Begleitung von Ciavier, Violine und Cello, das\n„Zigeunerleben\" von Roh. Schumann, instrumentirt von\nGraedener, Ave Maria von C. Reinecke, Hymne für\nFrauenchor von Fr. Schubert, „0 weint um sie\" und „Die\nLerchen\" von F. Hiller zur Aufführung.\nVon K ammermusik sei nur das Stadler'sche Quin-\ntett von Mozart erwähnt. Für Bassethorn beabsichtigt, für\nClarinette aber ausgeführt, lernten wir es hier in einer\nTransscription für das Violoncello kennen. Es zeichnet\nsich durch reiche Motive, Mozart'sche Durcharbeitung und\nfast modernen romantischen Anflug aus und gefiel sehr;\nnur will es uns bedünken, dass die Gleichartigkeit der\nKlangfarben des Violoncells und des begleitenden Quar-\ntetts der Intention nicht entspricht und zur Herstellung des\nContrastes, wie er ursprünglich bei der Clarinette als Solo-\nInstrument dem Componisten vorschwebte, es passender\nwäre, die Begleitung zum Violoncell für Ciavier zu arran-\ngiren. Ausserdem concertirten die Gebrüder Müller und\närnteten durch die bekannte Vollendung ihres Ensemble-\nspiels reichen Beifall.\nVon Orchesterwerken kamen Sinfonieen und\nOuvertüren von Mozart, Beethoven, Mendelssohn, Boiel-\ndieu und Anderen zur Aufführung. Das Orchester leistete\nbei den ungünstigen Bedingungen sein Möglichstes, denn\nes ist zusammengesetzt aus der Rossberg'schen Capelle,\nDilettanten und einzelnen Musikern von hier und aus der\nUmgegend. Immerhin bleibt es die Achilles-Ferse unseres\nMusiklebens.\nAusser den genannten Künstlern lernten wir noch\nFräulein von Jansard, eine liebliche Sopranstimme mit\nreizender Coloratur, namentlich geeignet für Cabinets-\nstückchen, Fräulein Murjahn, Sopranistin aus Bremen,\nHerrn Dr. R. aus Köln, einen eben so musicalischen als\nstimmbegabten Dilettanten, und Herrn Gulomy, fürst-\nlichen Capellmeister aus Bückeburg, einen vorzüglichen\nGeiger, der namentlich in der „Teufelstriller-Sonate\" und\n„Monde des lutins\" brillirte, kennen. Im Ganzen haben\nzwölf grössere Concerte Statt gefunden: zwei Oratorien,\neine Oper, sechs für Orchester, Kammermusik und So-\nlisten, zwei der vereinigten Männer-Gesangvereine, in denen\njedoch nur Lieder zu Gehör kamen, und ein musicalischer\nFastnachts-Abend. Die Oper wurde im Costume und auf\nder Bühne gegeben. Der musicalische Fastnachts-Abend\nbrachte uns das Dorfmusicanten-Sextett von Mozart, des-\nsen feiner Humor der grossen Masse des Publicums zu\nentgehen schien, die Vogel-Cantate von Frau Johanna\nKinkel, die im Costume mit einigen von unserem Musik-\nDirector, Behufs wirkungsvollerer dramatischer Wieder-\ngabe, getroffenen Veränderungen das zahlreiche Publicum\nin die heiterste Stimmung versetzte, und die Dorfschul-\nscene.aus der Weigel'schen Oper „Das Dorf im Gebirge\",\nneben vielen komischen Liedern, von denen eines von\nHerrn A. C. in schlagendem Witze die localen Verhält-\nnisse schilderte.\nWir schliessen mit dem Wunsche, dass der musicali-\nsche Aufschwung nachhaltig werde. Vieles ist geschehen,\nallein noch Vieles bleibt zu thun, wollen wir nicht hinter\nIhren rheinischen Städten zurückbleiben, die mit so gros-\nser Kunstliebe, persönlicher Hingebung und bedeutender\nmaterieller Opferbereitschaft sich ein wahres Verdienst\num die Kunst erwerben und weiten Kreisen darin voran-\nleuchten./\n\ns."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-05-20-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-05-20_01#c005", "volume": "bmtnabi_1865-05-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "159", "page_fin": "160", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650520-01.2.5", "titre_corps": "Aus Crefeld.", "titre_sommaire": "Aus Crefeld.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650520-01.1.7", "debut_caractere": 3486, "fin_caractere_exclue": 5606, "texte": "Aus Crefeld.\n(Die D i lettanten-0 per.)\nDen 12. Mai 1865.\nNachdem in den im Laufe des Winters abgehaltenen Abonne-\nments-Concerten neben kleineren Werken durch den Singverein\nunter Leitung des Musik-Directors Herrn Wolff Händers „Messias\"\nund „Elias\" zur würdigen Aufführung gelangten, wurde\nuns zum Schlüsse der Saison von der hiesigen Dilettanten-Opern-\nGesellschaft noch ein für unsere Stadt seltener Genuss durch die\nAufführung der Oper „Martha\" von Flotow geboten. Da unser Stadt-\ntheater, welches nur Schau- und Lustspiele bot, trotz der grössten\nAnstrengungen des Directors und der tüchtigsten Leistungen seiner\nTruppe in Folge der für unsere Stadt so ungünstigen Zeitverhält-\nnisse nur durch eine besondere Subvention bis zu Ende der Saison\nerhalten werden konnte, so entschloss sich genannte Gesellschaft,\ndas Ihrige dazu beizutragen und durch die Zusage zweier Auffüh-\nrungen zum Besten des Stadttheaters einen namhaften Vorschuss zu\ngarautiren. Das gute Andenken, in welchem die in den letzten Jah-\nren bereits zur Aufführung gelangten, Lortzing's „Czaar und Zim-\nmermann\" und Boieldieu's „Weisse Dame\", standen, Hess mit Recht\nfür obigen Zweck auf eine bedeutende Einnahme rechnen*). Der\nKürze der Zeit wegen und um die Concert-Proben nicht zu benach-\nteiligen, wurde „Martha\" gewählt, da das Studium der Chöre nur\ngeringe Schwierigkeiten bietet und die Oper durch ihre leichtver-\nständlichen, gefälligen Melodieen und reizenden Situationen stets ein\nLiebling des Publicums bleiben wird.\nUnter den musicalischen Aufführungen, welche uns hierselbst\ngeboten werden, nehmen diejenigen, mit welchen die Dilettanten-\nOpern-Gesellschaft uns in Thaliens Tempel ladet, einen würdigen\nPlatz ein, und so viel wir beurtheilen können, stehen diese musica-\nlisch-dramatischen Productionen in ihrer Art bis jetzt einzig da.\nWo ist eine zweite Stadt, in welcher sich wie jetzt ein Chor von\nzwanzig jungen Damen und dreissig Herren aus den angesehensten\nFamilien, dem Singvereine und der Liedertafel angehörig, bereit\nfindet, zu irgend einem wohlthätigen oder die Kunst unterstützenden^\n\n*) Dieselbe betrug 878 Thlr. 10 Sgr."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "160", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650520-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3184, "texte": "Zwecke auf der städtischen Bühne eine Oper zu geben? Wo finden\nsich unter den Dilettanten die passenden Kräfte,-um die Soli zu be-\nsetzen? Wo endlich der Dirigent, welcher wie Herr Musik-Director\nWolff mit unermüdlichem Eifer die Schwierigkeiten einer solchen\nAufführung überwindet? (Vergl. oben „Aus Bielefeld*'.)\nSo waren denn auch die drei Aufführungen, welche am 23.\nund 25. April und am 4. Mai Statt fanden, für das musikliebende\nPublicum wahre Festtage, gehoben durch das Interesse, welches die\nverschiedenen Familienkreise an den Mitwirkenden nahmen. Die\nTitelrolle hatte mit gewohnter Freundlichkeit Fräulein Maria\nBüschgens, unsere sehr geschätzte Concertsängerin, übernommen.\nSie fand darin die beste Gelegenheit, ihre schöne, volle Stimme in\nden getragenen Melodieen und ihre tüchtige Schule in den Colora-\nturen zur Geltung zu bringen, zugleich aber auch ihr angeborenes\nDarstellungs-Talent zu entfalten. Die Duette und Scenen mit Lyonel\nHessen in Spiel und Gesang nichts zu wünschen übrig; denn auch\nder Vertreter des in ländlicher Stille aufgewachsenen, einem höheren\nStande entsprossenen Lyonel, der in seiner Jugend die Elternliebe\nentbehren musste und sich nun um so leidenschaftlicher einer auf-\nkeimenden Neigung für die ihn bezaubernde Martha hingibt, hatte\nseine Rolle, die seinem Charakter und seinen Stimmmitteln ganz\nentsprach, richtig aufgefasst.\nDaneben war die Partie des Plumket, des treuen Freundes und\nderb-biedern Naturmenschen, nicht allein in den besten Händen,\nsondern, was den gesanglichen Theil betrifft, auch in der richtigen\nKehle, welche das Porter-Lied mit herrlicher Stimme und mit Be-\ngeisterung vortrug. Besonders hatte sich auch das Duett mit Nancy\nim letzten Acte grossen Beifalls zu erfreuen. Diese letztere Partie\nhatte durch Verhinderung der betreffenden Dilettantin an den ersten\nbeiden Abenden durch Frau Egli vom Stadttheater in Düsseldorf\nund bei der letzten Vorstellung durch Fräulein Greil, ebendaher,\nbesetzt werden müssen, und trugen beide Damen zu dem schönen\nErfolge des Ganzen bei. Lord Tristan vervollständigte den Kranz\nder Solisten durch ein feines Spiel und eine treffliche Bassstimme,\nwelche die Terzette im ersten und zweiten Acte recht zur Geltung\nkommen liess. Endlich belebten der Richter und die Mägde durch\nhumoristischen Vortrag ihrer kleinen Soli die Marktscene ungemein,\nund die Chöre lebten sich in die Situation hinein und spielten Und\nsangen mit gleicher Lust.\nEin solcher Chor von circa sechszig frischen Stimmen im\nSchmuck der Jugendjahre und prächtigem Costume erreicht eine\nmusicalische Wirkung, wie sie auf einer Provincialbiihne nicht leicht\nzu finden sein dürfte, und so klang denn auch das Finale des drit-\nten Actes mit dem: „Mag der Himmel Euch vergeben!\" wahrhaft\ngrossartig. Dass das Publicum, welches trotz der herrlichen Früh-\nlings-Witterung an den drei Abenden das Haus füllte, es an stür-\nmischen Beifallsbezeigungen und Hervorrufen nicht fehlen liess, ver-\nsteht sich von selbst, und bei der Schluss-Vorstellung wurden Diri-\ngent, Solisten und Chor mit Kränzen und Blumen überschüttet, die\nAlle wohl verdient hatten für die vielen Opfer, welche sie der Kunst\nin den letzten Wochen gebracht."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-05-20-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-05-20_01#c006", "volume": "bmtnabi_1865-05-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "160", "page_fin": "160", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650520-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "160", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650520-01.1.8", "debut_caractere": 3186, "fin_caractere_exclue": 6565, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolli« Herr M. Ernst hat eine kurze Uebersicht über die\nThätigkeit des Stadttheaters vom Antritte seiner Direction den 16.\nSeptember 1863 bis Schluss der diesjährigen Winter-Saison, d. i. 1.\nMai 1865, veröffentlicht. In dieser Zeit fanden 352 Opern-Vorstel-\nlungen Statt, in denen 51 verschiedene und 7 neue Opern zur Auf-\nführung gebracht wurden. Ausserdem 1 Operette. Davon fallen auf\nKöln 303, auf Bonn 39 und auf Aachen 10 Opern-Vorstellungen.\nVon den in Köln gegebenen 303 Opern-Vorstellungen waren 215 im\nAbonnement, 88 ausser Abonnement. Im Schauspiel fanden 242\nVorstellungen Statt. Davon fallen auf Köln 105 im Abonnement,\n100 ausser Abonnement, auf Bonn 37 Vorstellungen.\nOper. a. Deutsche Oper und Operette. Von Beethoven:\nFidelio 14 Mal; Max Bruch: Loreley (neu) 15; Flotow: Martha 6,\nStradella 3; Ferdinand Hiller: Der Deserteur (neu) 3*); Kreutzer:\nNachtlager 8; Klerr: Böse Nachbarin (Operette, neu) 5; Lortzing:\nCzaar und Zimmermann 8, Undine (mit neuen Decorationen) 25;\nMarschner: Hans Heiling 5; Meyerbeer: Die Hugenotten 10, Robert\nder Teufel 5, Prophet 5; W. A. Mozart: Don Juan 15, Zauberflöte\n6, Figaro's Hochzeit 10, Belmonte und Constanze 1; Otto Nicolai:\nDie lustigen Weiber von Windsor 7; L. Spohr: Jessonda 5; Richard\nWagner: Tannhäuser 2, Cola Rienzi (neu) 3; C. M. von Weber:\nFreischütz 15, Euryanthe 2, Oberon (mit neuen Decorationenj 23 Mal.\nb. Französische und italiänische Oper. Auber: Gustav\noder der Maskenball 3 Mal, Stumme von Portici 8, Maurer und\nSchlosser 2, Fra Diavolo 7; Bellini: Norma 3, Puritaner 1, Nacht-\nwandlerin 1; Boieldieu: Die weisse Frau 8; Cherubini: Der Wasser-\nträger S; Felicien David: Lalla Rookh (neu) 6; Donizetti: Lucia\nvon Lammermoor 5, Lucretia Borgia 3, Regimentstochter 3, Dom\nSebastian (neu) 2; Gounod: Faust und Margarethe 16; Halevy: Die\nJüdin 7, Musketiere der Königin 5; Herold: Zampa 1; M^hul: Jo-\nseph in Aegypten 6; Maillart: Glöcklein des Eremiten 2, Lara (neu)\n10; Offenbach: Rhein-Nixen (neu) 2, Orpheus in der Unterwelt 6;\nRossini: Barbier von Sevilla 6, Teil 9, Othello 3; Verdi: Der Trou-\nbadour 17, Rigoletto 6 Mal.\nGastspiele in der Oper. Fräulein Desiree Artöt 3 Mal;\nFräulein Pauline Lucca vom k. Hoftheater in Berlin 2; Frau Her-\nrenburg-Tuczek vom k. Hoftheater in Berlin 3; Fräulein Barn vom\nHoftheater in Schwerin I; Frau Bertram-Meyer vom Hoftheater in\nWiesbaden 2; Frau Caggiati vom Hoftheater in Hannover 1; Frau\nBürde-Ney vom Hoftheater in Dresden 4; Frau Zademak-Doria 3;\nFräulein Lichtmay von Rotterdam 5; Frau Ellinger von Rotterdam\n12; Frau Dustmann-Meyer vom k. k. Hoftheater in Wien 8; Fräu-\nlein Bähr (als Debütantin) 3; Herr Chevalier Carrion 5; Herr Karl\nFormes 2; Herr Theodor Formes 2; Herr Robiceck vom Hoftheater\nin Stuttgart 2; Herr Ellinger von Rotterdam 3; Herr Becker vom\nHoftheater in Mannheim 1 ; Herr Niemann vom k. Hoftheater in\nHannover 10; Herr Gustav Walter vom k. k. Hoftheater in Wien\n6 Mal.\nDie italiänische Oper von Paris gab in den Monaten\nJuni, Juli, August 15 Vorstellungen. Capellmeister Orsini; Baragli,\nlenor; Sterbini, Bariton; Antonnucci, Bass; Vitali, Prima-Donna;\nDemeric Lablache, Prima-Donna.\nIm Ballet gastirten: Fräulein Friedberg, Fräulein Katharina\nLanner, Herr Pohl, Herr Alberti, Herr Francesco, Herr Donato.\n*) Wegen Ausscheidung des Tenoristen Herrn Hagen konnten\nweitere Wiederholungen nicht Statt finden."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "153", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650520-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nMusicalische Zustände in New-York. (Die Componisten Die Musiklehrer Sinfonie-Concerte.) Actenstücke aus\nMünchen. Aus Bielefeld (Musik-Aufführungen während der verflossenen Saison). Von S. Aus Crefeld (Die Dilettanten-Oper).\nTages- und Unterhaltungsblatt (Köln, üebersicht über die Thätigkeit des Stadttheaters seit Antritt der Direction des Herrn\nM. Ernst).\n\nMusicalische Zustände in New-York.\n(Die Componisten Die Musiklehrer Sinfonie-\n-0 on c erte).\nNew-York, 19. April 1865.\nIn jedem Menschen, welcher irgend literarische, dich-\nterische oder überhaupt schaffende Kraft in seinem Kopfe\nspürt oder zu spüren glaubt, ist seit der Erfindung der\nBuchdruckerkunst der Drang unwiderstehlich, sich ge-\ndruckt zu sehen. Die „Carlchen Miessnick\" des berliner\nKladderadatsch sind nicht erfunden, sondern sie leben\nwirklich und haben Fleisch und Bein. Wie in der Litera-\ntur jeder Unter-Tertianer, welcher die Feder halten kann,\nglaubt, er sei berufen, ein Schriftsteller oder Dichter zu\nwerden, und sich an ein Freiheitsgedicht macht, oder ein\nblutdürstiges Drama schreibt, so ist es auch in der Musik.\nJeder junge Mensch, welchem eine Melodie durch den\nKopf geht und welcher Bertini's erste Liebungen durchge-\nspielt hat, glaubt im Stande zu sein, zu componiren, und\nwirft sich in America in der Regel auf Polka's oder Polka-\nMazurka's, welche er ohne Rücksicht auf Harmonie, Sym-\nmetrie oder Melodie in die Welt schleudert, nachdem er\nsie irgend einer Dame dedicirt hat, die er sich auserkoren.\nDie Freude, sich gedruckt zu sehen, und der Triumph,\nwelchen er bei der überglücklichen Schönen geniesst, ent-\nschädigen ihn für die Kosten, welche das HerausgSben\ndes gerade nicht unsterblichen Werkes verursacht.\nIn America sind nämlich die Musicalien-Verleger vor-\nsichtig und riskiren nicht gern etwas, wenn sie nicht ge-\nrade dazu gezwungen sind. Sie publiciren Musicalien von\nunbekannten oder nicht sehr populären Componisten nur\nauf Kosten der letzteren, und lassen sich ausserdem noch\nfür die Güte, überhaupt den Verlag zu besorgen, Procente\ngeben. Bei den meisten Compositionen wird das Titelblatt\nbesonders berücksichtigt und in theurem und sehr buntem\nFarbendrucke gemacht, so dass es scheint, als sei die hin-\nten folgende Composition lediglich zu dem Zwecke ge-\nmacht, um einen Bilderbogen zu verkaufen. Das kostet\naber viel Geld und wird nicht bei den Compositionen an-\ngewandt, welche nur bestimmt sind, als Ladenhüter einige\nZeit auf dem Tische zu liegen und später als Maculatur\nverkauft zu werden. Diese letzteren Compositionen werden\nauf schlechtes Papier und mit einer, so grossen Menge von\nFehlern gedruckt, dass sie vollständig unspielbar werden. Die\nkleinen Künstler unter den Componisten machen dadurch,\ndass sie die Kosten für ihre Unsterblichkeit aus eigener\nTasche zu bezahlen haben, sehr bald die Erfahrung, dass\nder Ruhm ein theures Geschäft ist, und ziehen sich nach\neinem oder zwei Versuchen zurück.\nNicht so aber eine andere und gefährlichere Classe.\nnämlich die Componisten, welche für den musicalischen\nPöbel schreiben und Balladen, Polka's und andere Tänze\nleisten, bei deren Anhörung einem Japaner selbst die\nHaare zu Berge stehen würden. Diese Leute machen mit-\nunter durch die vollständige musicalische Gemeinheit ihrer\nCompositionen einen gewissen Eindruck auf das grosse Pu-\nblicum, und ihre Werke verkaufen sich gut bei der Masse.\nDadurch ist auch ihr Erfolg bei den Verlegern gesichert\nund dieselben nehmen ihnen allen Schund ab, welcher von\nihnen componirt wird *). Kommt noch dazu, dass, wie schon\noben bemerkt wurde, die Ausstattung der Composition so\nist, dass sie durch ihr buntes Aussehen in die Augen fallen\nmuss, so ist der Erfolg noch sicherer, und der Componist\nerhält einen bedeutend höheren Preis für seinen Schund,\nso dass er im Stande ist, mehr Unheil anzustiften, als zehn\ngeschickte Componisten gut machen können. Die vollstän-\ndige Urteilslosigkeit eines grossen Theiles der americani-\nschen Recensenten und der Umstand, dass der Componist\ndurch eine gut bezahlte Anzeige auch eine tüchtige Re-\n\n*) Man ist versucht, der spöttisch lächelnden Europa zuzurufen:\n„Quid ridesf Mutato nomine de te\nFabula narratur.u Ho rat."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "154", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650520-01.1.2", "texte": "clame machen kann, tragen dazu bei, diese Leute geradezu\ngefährlich zu machen, denn sie bewirken eine Geschmacks-\nrichtung nach der schlimmsten Seite hin.\nDie Menge solcher Componisten, welche vom General-\nbass so viel verstehen, wie ein Taiping vom Caviar, ist in\nAmerica ungeheuer, und namentlich besitzen Frauen, wel-\nche kaum das Ciavier kennen, nicht die in Deutschland\nübliche fromme Scheu, sich zurückzuhalten, sondern sie\nsetzen das Feld der Musik in America erbarmungslos unter\nWasser. Der Blaustrumpf in der Musik ist in America fast\nnoch schlimmer, als der literarische Blaustrumpf, und es\nist wahrhaft schrecklich, in die Gesellschaft eines solchen\nWesens zu gelangen, welches mit der Wuth des Vampyrs\ndas Blut aus seinen Opfern saugt. Die Höflichkeit, welche\nman besonders hier zu Lande gegen das schöne Geschlecht\nzu haben gezwungen ist, schliesst jede Möglichkeit eines\nTadels vollständig aus; man kann bei dem Anhören der\n„Schöpfungen\" der Dame im Innern die Fäuste ballen, so\nschwer dieses Kunststück auch sein mag, und trotz alledem\nmuss man dennoch aushalten und darf nicht sagen: „Mein\nFräulein, das, was Sie da spielen oder singen, ist der ab-\nsoluteste Blödsinn, den ich je gehört habe! Wenn Sie ein\nwenig Gefühl für die Leiden Ihrer Mitmenschen hätten,\nso würden Sie sofort Ihren Mund halten!\" Männern kann\nman doch wenigstens die Aufforderung, sich zum Teufel\nzu scheren, in mehr oder minder höflicher Form zukom-\nmen lassen, aber mit den Frauen ist das ein nicht so leich-\ntes Ding. Eben so schlimm ist man mit den Componisten\ndaran, welche ihre Composition dem Kritiker persönlich\nbringen und ihn ersuchen, dem Werke eine freundliche\nBesprechung zu widmen. Man fühlt ein menschliches Re-\ngen bei diesen artigen und augenscheinlich bescheidenen\nMenschen, deren Compositionen an das Grässlichste strei-\nfen, das je die Vorstellung schaffen konnte, und die allge-\nmeine Menschlichkeit tritt in harten Kampf mit der Pflicht.\nDagegen darf man den arroganten Burschen gegen-\nüber nicht zaudern, energisch aufzutreten, welclfe sich an\ngrössere Compositionen wagen und glauben, sie gehörten\nunter die bedeutenden Componisten der Jetztzeit. Als ein\nüberdreister, übrigens höchst talentvoller Pianist sich nicht\nentblödete, auf einem Bilde, welches die bedeutendsten\nClavier-Componisten darstellte, sein eigenes Portrait dicht\nneben das Liszt's setzen zu lassen, war Jedermann über\ndas Uebermaass der Frechheit erstaunt; aber eben so\nschlimm sind die musicalischen Sudler, welche für eine\nSumme Geldes ihre Physiognomieen in eine illustrirte Zei-\ntung setzen lassen und dazu eine von ihnen approbirte Le-\nbensbeschreibung nebst rühmlicher Erwähnung ihrer Lei-\nstungen als ausübende Künstler und Componisten drucken\nlassen, so dass man kaum weiss, ob die Frechheit oder\ndie Dummheit solcher Leute grösser ist. Es lässt sich nicht\nläugnen, dass diese Menschen bei einem grossen Theile\ndes americanischen Publicums Einfluss haben, und gerade\ndarum sollten sie von jeder möglichen Wirksamkeit in mu-\nsicalischer Beziehung ausgeschlossen werden. Diese Men-\nschen sind die Hemmschuhe für jeden Fortschritt in der\nMusik,\" sie sind schlimmer als die Componisten von Liedern\nwie „Dixie's Land* und ähnlichen Machwerken, denn bei\nihnen geht die Unfähigkeit mit der Prätention Hand in\nHand, und sie beanspruchen Anerkennung und eine her-\nvorragende Stellung in musicalischen Kreisen.\nFreilich ist dies alles dem Umstände zuzuschreiben,\ndass America musicalisch noch sehr jung und dass die Zahl\nder eingeborenen Componisten, welche überhaupt Ver-\nständniss für irgend etwas Besseres haben, überaus gering\nist. Dennoch -ist eine kleine Zahl americanischer Musiker\nin New-York namentlich vorhanden, welche mit bedeuten-\nder Kenntniss der classischen und romantischen Schule ein\nnicht gemeines Talent zur Composition besitzen und Treff-\nliches leisten. Diese Leute aber sind bescheiden in ihrem\nAuftreten und nicht dazu geschaffen, mit starker Hand die\nDreistigkeit und Hohlheit der kleinen Künstler zu zer-\nschmettern. Sie leben sich und der Kunst, und ihre refor-\nmatorische Thätigkeit nach aussen hin ist beinahe gleich\nNull. Die Reformation, welche dem Lande nöthig ist, zu\nschaffen, sind unzweifelhaft die deutschen Musiker berulen,\nwelche sich nicht bloss in einer behäbigen Selbstgenügsam-\nkeit und einem Streben, die nothwendigen Genüsse des\nKörpers zu befriedigen, auf sich selbst beschränken, son-\ndern auch zum Ganzen streben. Und solcher Leute gibt es\nglücklicher Weise wenigstens ein Dutzend in America.\nWenn zwölf Leute von geringer Bildung und schlichter\nHerkunft durch ihre Begeisterung im Stande gewesen sind,\ndas Christenthum selbst gegen die weltliche Uebermacht\ndes römischen Kaiserthums zu errichten, warum sollten\nnicht zwölf begabte Männer mit Begeisterung und der Kraft,\nzu wirken, dem guten Geschmacke in America helfen und\ndie Unwissenheit der kleinen Künstler in ihrer ganzen\nNacktheit zeigen können? Diese vollständig auszurotten, ist\nfreilich unmöglich, denn wie jedes Unkraut besitzen sie eine\nungeheure Vitalität, aber man kann sie einschränken und\nweniger schädlich machen, als sie sind, und dazu sollte je-\nder deutsche Musiker in America hülfreiche Hand leisten.\nWie in Europa, so ist auch hier für Hausmusik das\nPianoforte das bevorzugte oder vielmehr das allein culti-\nvirte Instrument. Doch da sage ich wieder zu viel, denn\nes muss eigentlich nur heissen, das Instrument, das man\nals hübsches Möbel und musicalischen Luxus-Artikel in je-\ndem anständigen Hause findet. Die wirkliche Cultur des-\nselben erreicht aber bei hiesigen Dilettanten nur sehr selten"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "155", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650520-01.1.3", "texte": "einen so hohen Grad künstlerischer Vollendung, wie er in\nDeutschland häufig ist. Lehrer dafür gibt es die Hülle und\ndie Fülle: in New-York leben 48 und in Brooklyn 11\nDeutsche, welche man als gute Ciavierlehrer und meist\nauch als tüchtige Musiker bezeichnen kann, denn es sind\nNamen unter ihnen wie Theodor Eisfeld, der die phil-\nharmonischen Concerte, Theodor Thomas, der die Sin-\nfonie- Concerte dirigirt, ferner Karl Anschütz, Karl\nBergmann, Robert Goldbeck, Wilhelm Döhler,\nFriedr. Krüger, Oehrlein, F. L. Ritter, Pinkert\nu. s. w. Ausserdem laufen Glavierlehrer noch zu Hunder-\nten von Haus zu Haus in der Stadt umher, nach deren Fä-\nhigkeit oder Berechtigung zu fragen thöricht wäre, unter\nihnen auch eine Menge, die den Tag über Stunden geben\nund des Nachts in Bier- und Tanzhäusern Ciavier spielen.\nDass sie die wunderlichsten Quellen der Reclame und son-\nstiger Mittel, Aufsehen zu machen, nicht sparen, fällt hier\nnicht auf. So hat z. B. ein übrigens ganz guter Lehrer nicht\neher viel zu thun bekommen, als bis er seine Vornamen\nJupiter Zeus H. in den Zeitungen bekannt machte.\nDer Pianoforte-Fabriken und Magazine sind so viele\nhier, dass jedes neue Etablissement, deren freilich immer\nwieder auftauchen, einen schweren Stand hat. Die meisten\nFabricanten sind Deutsche. Es ist Mode, dass sie ihre An-\nkündigungen mit einer Menge von Zeugnissen von Kennern\nschmücken: diese nehmen es denn auch nicht eben genau,\nund so kommt es denn, dass man z. B. in Nr. 8 der neuen\ndeutschen „New-Yorker Musik-Zeitung\",eines von Theo-\ndor Hagen gut redigirten Blattes, liest, dass „Weber's\nPianoforte unzweifelhaft das beste in America ist\nund dass dasselbe unübertroffen in der Welt dasteht\",\nunterschrieben u. A. von C. Anschütz, C. Bergmann, M.\nMaretzek, Tb. Thomas und Rob. Goldbeck—und dass es\nauf der lolgenden Seite derselben Nummer heisst:\n„Wir erklären frei und ohne Rückhalt, dass die Piano's\nder Herren Steinway & Söhne alle übrigen Instru-\nmente übertreffen\"—wieder unterschrieben von den-\nselben eben genannten fünf Herren neben zehn andern!\nDas ist echt americanisch, und wer da glaubte, solche\nHandlungsweise brächte die Herren Zeugen um ihren Cre-\ndit, der kennt America nicht.\nDieselbe Zeitungs-Nummer bringt einen kurzen Be-\nricht über das letzte Sinfonie-Concert, den ich Ihnen mit-\ntheile, um daraus zu ersehen, dass es bei uns auch gelehrte\nProgramme gibt, denen es dann in der öffentlichen Mei-\nnung eben so geht, wie zuweilen da drüben, nur dass man\nsich hier mit mehr Freiheit, aber auch mit mehr Recht,\nals bei Ihnen, darüber ausspricht, denn America muss erst\nnoch viel in der Musik lernen, ehe man ihm zumuthen\nkann, Bach zu verstehen:\n„Herr Thomas beschloss den Cyklus seiner Sinfonie-\nSoireen auf eine würdige Weise. Er begann mit Bach und\nendete mit Beethoven. Und wenn irgendwo, können wir\nhier sagen: Ende gut, Alles gut. Es war wirklich interes-\nsant, den Umschwung im Gefühle des Publicums zu sehen,\nals plötzlich Beethoven's Freudentöne der siebenten Sinfonie\nangestimmt wurden. Wie der Zauberstab, der der sandi-\ngen Wüste den Quell klaren Wassers abzugewinnen ver-\nmag, so klangen diese Töne in der Sandwüste der Musik,\nwelche wir an diesem Concert-Abende zu durchwandern\nhatten. Zwar wurde Bach's, Mozart's und Schumann's Ge-\nnius gehuldigt, aber nicht alles, was diese Meister geschrie-\nben haben, ist geeignet, höhere Regungen in uns anzufa-\nchen. Mindestens klang ihre Musik im Vergleiche zu der\nBeethoven'schen an diesem Abende trocken und leblos. Wir\nwollen damit nicht sagen, dass die Passacaglia von Bach,\nmit welcher die Soiree eröffnet wurde, nicht ein Tonstück\nsei, in welchem sich die ganze Kunst Bach's entfaltete, aber\nso wenig wir heute noch eine Passacaglia tanzen, so wenig\nkann uns auch die Musik derselben zusagen. Dieses Aus-\nspinnen eines einzigen kleinen Motivs in alle nur erdenk-\nliche Variationen ist etwas so ganz Verschiedenes von den\nResultaten moderner Kunstanschauung, dass wir trotz aller\nBewunderung für die Polyphonie Bach's doch nur ein\nhistorisches Interesse für diese Art Aeusserungen seines\nGenius haben können.\n„Und was kann uns denn so sehr an Mozart's Concert\nfür Violine und Bratsche fesseln, welches in diesem Con-\ncerte von den Herren Thomas und Matzka gespielt wurde?\nWo finden wir darin die Anknüpfungspunkte für unsere\nheutige musicalische Anschauungsweise, für unser heutiges\nmusicalisches Gefühl? Wir finden sie nicht, wir begegnen\njenem ruhigen musicalischen Gebahren, das seine vollstän-\ndige Befriedigung in der glatten Form und im Wohllaute\nfindet; aber wo ist in diesem Werke jene Leidenschaftlich-\nkeit des Ausdrucks, die einst Mozart zum Vorwurfe gemacht\nwurde, im Gegensatze zu der geregelten Musik Haydn's?\n„Die Ouvertüre oder besser musicalische Illustration\nSchumann's des Schiller'schen Drama's „Die Braut von\nMessina\" ist allerdings unserer modernen Gefühlsweise\nnahe genug gerückt, aber leidenschaftlicher Ausdruck allein\nohne genügenden Ideengehalt thut's auch nicht, und den\nletzteren vermissen wir gerade in diesem Werke Schumann's,\ndas sonst manche feine Züge der Charakteristik aufzuwei-\nsen hat. Sicherlich, all diese Musik konnte nicht Stich\nhalten gegen die mächtigen Töne der siebenten Sinfonie,\ngegen diese ideenvolle Frische und Ursprünglichkeit, gegen\ndiese ewig wahren und unerschöpflichen Bilder der Phan-\ntasie\" u. s. w.\n[']"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "156", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650520-01.1.4", "texte": "Actenstücke aus München.\nDie münchener Aufführung von Richard Wag-\nner's „Tristan und Isolde\" ist jedenfalls ein musik-\nbistorisches Ereigniss, erstens, weil sie der Beweis einer\nseltenen Gunst eines deutschen Königs für die Tonkunst\nist, zweitens, weil sie ein Urtheil über Wagner's Talent\noder noch eigentlicher über Wagner's System herbeifüh-\nren kann; denn nach seinen eigenen Aeusserungen ist die-\nses musicalische Drama sein bestes Werk, weil es mit\ngrösserer Consequenz als „Tannhäuser\" und „Lohengrin\"\nnach seinen in den Schriften „Das Drama der Zukunft\",\n„Drei Opern-Gedichte\" u. s. w, dargelegten Grundsätzen\ngedichtet und componirt ist.\nBei den Vorbereitungen zur Aufführung fiel ein Vor-\nspiel vor, dessen wir nicht erwähnt haben, wenngleich wir\neben so wenig wie irgend Einer die Aeusserung von Bü-\nlow's weder der Aristokratie der Geburt noch der Aristo-\nkratie der Kunst gemäss fanden. Da aber die Zeitungen\nden Klatsch überall hin verbreitet haben, so stehe wenig-\nstens auch von Bülow's Erklärung darüber („Neueste\nNachrichten\", München, den 7. Mai) hier.\n„(An den Redacteur des genannten Blattes.) Der wohl-\nmeinende und höfliche Ton, in welchem Euer Wohlgebo-\nren mich zu einer Erklärung bezüglich der in heutiger\nNummer Ihres geschätzten Blattes besprochenen Anschul-\ndigung auffordern, verpflichtet mich, dieser Aufforderung\nunverzügliche Folge zu leisten. Es ist völlig richtig, dass\nich nach Beendigung der Orchesterprobe vom 2. Mai\neines Ausdrucks mich bedient habe, den ich nicht an-\nstehe,-als einen höchst unparlamentarischen zu bezeichnen,\num so weniger, als ihm hiesigen Ortes ein weit brutalerer\nSinn untergelegt wird, als anderwärts. Dennoch wollte es\nmir bis zum Lesen von Euer Wohlgeboren Aufforderung\nmüssig erscheinen, dem öffentlichen Missverständnisse\ndurch die Versicherung entgegenzutreten, dass ich nicht\nim entferntesten eine Gesammt-Verunglimpfung des ge-\nbildeten münchener Publicums beabsichtigt habe. Ist es\nja ausgemacht, dass der Künstler, namentlich der Presse\ngegenüber, keine andere Stütze besitzt, als das Publicum;\nhat ja mein hochverehrter Freund, Herr Richard Wagner,\nin dem münchener Publicum vorzugsweise eine solche ge-\nfunden, haben ja selbst meine öffentlichen Leistungen sich\nder freundlichen Theilnahme dieses Publicums zu erfreuen\ngehabt! Demgemäss habe ich bei meiner aus dem Zu-\nsammenhange gerissenen, wesentlich getrübten Aeusserung\nauch nur diejenigen böswilligen Theaterbesucher im\nSinne gehabt (und haben können), welche verdächtig sind,\nan den in Wort und Schrift gegen den hochverehrten\nMeister gesponnenen Verleumdungen und Intriguen Theil\ngenommen zu haben. Der mir entschlüpfte unglückliche\nAusdruck wurde im Halbdunkel der Scene von Zeugen\nvernommen, welche meinem Blicke beinahe entzogen wa-\nren und von den vorhergegangenen Worten nur fragmen-\ntarische Kenntniss erlangt hatten. Dieser Umstand dient\nden Verbreitern des Missverständnisses zur Entschuldigung,\ner mindert darum aber nicht die schmerzliche Betrübniss,\nwelche ich darüber empfinde, eine Unachtsamkeit im Pri-\nvatgespräche, welche schlimmsten Falles als eine allzu\nderbe Exclamation gerügt werden mag, in so aufreizend\nund übertreibend entstellender Weise „„an die grosse\nGlocke gehängt zu sehen\"\", dass mir nur die Alternative\nübrig blieb, mich des Mangels an Gesittung oder an ge-\nsundem Menschenverstände bezichtigen zu lassen. Euer\nWohlgeboren haben mir die Möglichkeit eröffnet, dem\nmünchener Publicum diese Aufklärung zu geben. Geneh-\nmigen Sie hiefür den Ausdruck meines verbindlichsten\nDankes u. s. w.\"\nVor der Generalprobe vor eingeladenen Zuhörern\n(wie bei Meyerbeer's „ Africanerin\" in Paris) hielt Ri-\nchard Wagner folgende Ansprache:\n„Meine Herren und Freunde vom königlichen Hof-\nOrchester! Ich bitte Sie um einige Augenblicke Aufmerk-\nsamkeit. Wenn ich während der beschwerlichen Proben\nSie dann und wann durch ein scherzhaftes Wort zu er-\nheitern suchte, habe ich Ihnen jetzt nur Ernstes zu sagen.\n—Zuerst muss ich Ihnen mittheilen, dass ich mir die Ehre\nversagen muss, mich diesmal an Ihre Spitze zu stellen. Und\nes ist dies eine grosse Ehre, der ich entsage: nur wich-\ntige Gründe können mich, das ermessen Sie wohl, zu die-\nser Entsagung bestimmen. Der erste dieser Gründe ist\nfür mich betrübender Art: er rührt von meiner Gesund-\nheit her. Ich bin leidender, als Manchem es den Anschein\nhaben mag; die ungemeine Aufregung und Anstrengung,\ndie für mich die persönliche Leitung des Orchesters mit\nsich führen würde, könnten mich leicht ausser Stand\nsetzen, ohne Störungen zu bereiten, Ihrer Leistung vorzu-\nstehen. Ich bitte Sie, der Wahrhaftigkeit dieser meiner\nBefürchtung vollen Glauben beizumessen! Der zweite\nGrund ist dagegen erhebend und schön: ich bin Ihnen zum\nGelingen nicht mehr nöthig! Wenn Sie mich recht ver-\nstehen, so sage ich Ihnen hiermit den zartesten Lobspruch.\nSie haben mich nicht nöthig. Mein Werk ist in Ihnen auf-\ngegangen, aus Ihnen tritt es mir wieder entgegen: ich*\nkann es ruhig gemessen. Dies ist ein einziges Glück. Das\nSchönste ist erreicht, der Künstler darf über seinem Kunst-\nwerke vergessen werden! Was die theuren Künstler, die\nmir als Freunde hieher nachfolgten, mit so hingebender\nLiebe sich aneigneten, muss dieser Liebe werth gewesen\nsein; was Sie mit so ausserordentlichem Fleisse, mit eher-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "157", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650520-01.1.5", "texte": "ner Geduld, unter den mühseligsten Uebungen zur vollen,\nschönen Erscheinung förderten, muss dieser Mühe sich\nverlohnt haben. Schwierigkeiten, wie sie noch nie geboten\nwurden, sind überwunden: die Aufgabe ist gelöst und die\nErlösung des Künstlers ist erreicht Vergessenheit! Ver-\ngessen seiner Person! Wie gern sehe ich mich selbst ver-\ngessen! habe doch auch ich zu vergessen, Vieles und Man-\nches, worunter meine Person litt. Dieses beglückende und\nbefreiende Vergessen rufe ich jetzt auch für meinen theu-\nren Freund an, der meinen Ehrenplatz an Ihrer Spitze\neinnimmt: möge auch seine Person über seiner Leistung\nvergessen werden, der Sie gewiss mit mir die vollste ge-\nbührende Anerkennung zollen!— Und nun noch ein Wort\nüber den Charakter unserer Proben. Heute werden wir\ndas Werk unter uns vollständig wie zu einer ersten Auf-\nführung behandeln. Wir wollen unsere Kräfte prüfen, einer\nnächsten Recapitulations-Probe die Correctur etwa noch\nangetroffener Mängel vorbehalten und so heute das volle\nGefühl der künstlerischen Leistung uns verschaffen. Für\ndie erste wirkliche Aufführung bleibt uns dann nur übrig,\ndie Wirkung auf das eigentliche Publicum denn heute\nbefinden wir uns nur vor eingeladenen Zuhörern einer\nProbe—kennen zu lernen. Ich hege keine Bangigkeit vor\ndieser Berührung mit dem wirklichen Publicum. Das deut-\nsche Publicum war es, welches mich gegen die sonder-\nbarsten Anfeindungen der Parteien überall aufrecht er-\nhielt; auch dem münchener Publicum darf ich zuversicht-\nlich vertrauen. Sie waren noch kürzlich Zeugen, wie es\nmich gegen unwürdige Angriffe und Ehrenkränkungen\naufrecht erhielt. Doch ist vielleicht der Hass nicht überall\nzu tilgen: gegen ihn wenden wir das Mittel an, welches\nuns Tristan und Isolde kennen lehrt. Isolde glaubt Tristan\nzu hassen und reicht ihm den Todestrank: doch das Schick-\nsal wandelt ihn in den Trank der Liebe. Dem gifterfüllten\nHerzen, das etwa auch unserem Werke nahen sollte, rei-\nchen wir den Liebestrank. An Ihnen ist es, diesen Liebes-\nzauber auszuüben: ich lege mein Werk in Ihre Hand!\"\nDarauf folgte Herrn von Bülow's Ansprache:\n„Gestatten Sie auch mir, hochgeehrte Herren und\nKunstgenossen, heute öffentlich den Empfindungen Aus-\ndruck zu geben, welche mich bewegen, seitdem ich die\nAuszeichnung geniesse, in Ihrem Kreise zur Ausführung\ndes Kunstwerkes mitzuwirken, dessen Darstellung heute\nzur Einweihung gelangt. Die hohe Ehre, deren mich Herr\nRichard Wagner gewürdigt hat, indem er mir die Leitung\neiner seiner herrlichsten wie schwierigsten Tondichtungen\nanvertraute, erfüllt mich mit stolzer Freude und inniger\nDankbarkeit um so mehr, als sie mich in den Verkehr mit\nden ersten Künstlern Deutschlands geführt hat, in den\nVerkehr mit dem glanzvollen Kunst-Institute, welches die\nköniglich baieriscbe Hofcapelle repräsentirt. Dieser Ver-\nkehr hat meine Bewunderung für Sie, hochgeehrte Herren,\nnur gesteigert; der echt künstlerische Eifer, der ideale\nErnst, die liebevolle, selbstvergessene Hingebung an die\nSache, welche ich an jedem Einzelnen dieser verehrlichen\nCorporation kennen gelernt, hat mein Herz hoch erhoben,\nund Ihre vielfach bewiesene Bereitwilligkeit, das mir von\ndem grossen Meister geschenkte Vertrauen auch Ihrerseits\nzu gewähren, gewisser Maassen zu bestätigen, hat mich\ntief dankbarlich gerührt. Genehmigen Sie die Versicherung\nmeiner wärmsten Sympathie, meiner aufrichtigsten Hoch-\nachtung; genehmigen Sie die Versicherung meiner steten\nDankbarkeit für die gütige Unterstützung, durch welche\nSie es mir ermöglicht haben, der mir gestellten so ehren-\nvollen Aufgabe gerecht zu werden. Unsere Verbindung zu\ngemeinsamem Wirken wird binnen Kurzem sich lösen\ndie Erinnerung an das mir durch dieselbe bereitete Glück\nwird aber ewig frisch und freudig in meinem Gedächtnisse\nleben und zu den reinsten und schönsten Erinnerungen\nmeiner künstlerischen Laufbahn zählen. Erlauben Sie mir,\nzu hoffen, dass diese Erinnerung auch von Ihrer Seite eine\ndurch keinerlei Missverständnisse getrübte bleiben werde,\nund bewahren Sie mir gütigst für die öffentlichen Auffüh-\nrungen das ehrende Zutrauen und die freundliche Un-\nterstützung, die Sie während der Proben erwiesen haben\ndem zeitweiligen Dirigentenstabe Richard\nWagner's.\"\nAus diesen scheinbar bescheidenen Actenstücken des Pu-\ndels Kern herauszufinden, ist nicht schwer. Ueber den Er-\nfolg jener Generalprobe schreibt die Allg. Ztg. v. 12. Mai:\n„In der Oper Tristan und Isolde ist unstreitig der\nerste Act, welcher auf dem Schiffe spielt, mit welchem\nHeld Tristan seinem Könige die Isolde als Braut zuführt,\nder wirksamste. Der ganze zweite Act vergebt in diesem\nwonneseligen Liebestaumel, der zu unerträglicher Länge\nwird, bis König Marke das liebende Paar beim Monden-\nscheine im Walde ertappt und dem treulosen Helden eine\ndeclamatorische Strafpredigt von entsetzlicher Dauer hält.\nDen letzten Act auf Tristan's Burg in der Bretagne füllt\nbeinahe ganz die bis zur Raserei gesteigerte Sehnsucht des\nverwundeten Tristan nach seiner Isolde, bis ihn der Tod\nvon der Wirkung des „„furchtbaren Trankes\"\" befreit.\nDa die gestrige Generalprobe einer Muster-Vorstellung\ngleich kam, so kann man sich über den musicalischen\nWerth dieses Tonwerkes auch bereits ein Urtheil erlau-\nben. Sie werden darüber ohne Zweifel umfassende Berichte\nvon Fachmännern erhalten. Zum aufrichtigen Bedauern des\nEinsenders, der nicht zu den principiellen Gegnern der\n„ „Zukunftsmusik\"\" gehört, muss derselbe sagen, dass\nfast alle Urtheile bewährter Kenner, die er gehört, nicht"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650520-01.1.6", "texte": "nur ungünstig, sondern geradezu verdammend lauten. Ri-\nchard Wagner hat hier seine Tendenz: auf jede Melodie\nzu verzichten und die rein declamatorische Musik mit ent-\nsprechender Instrumentirung dem Sinne und Wortlaute\ndes dramatischen Vorganges vollständig anzupassen, auf die\näusserste Spitze getrieben. Von Gesang ist in dieser so ge-\nnannten Oper wirklich nicht die Rede. Die Stimmen der\nSänger und das stark eingreifende Orchester sind einfach\nverurtheilt, mit dem oft ganz sinnlosen Libretto zu seufzen\nund zu klagen, zu jubeln und zu jauchzen, zu wüthen und\nfast zu brüllen. Die Musik ist nur der Begleiter gefühl-\nvoller oder leidenschaftlicher Worte. Mit Recht gilt diese\nOper als der Gipfel der „ „Zukunftsmusik\"\", und sie wird,\nje nachdem sie bleibende Anerkennung oder Verdammung\nfindet, auch mit ihr stehen oder fallen.\"\n\nAus Bielefeld.\n\nDen 12. Mai 1865.\nIst unser Ort auch schon ziemlich entlegen von Köln,\nso verfolgen wir doch alles Musicalische, was bei Ihnen\ngeschieht, mit dem regsten Interesse und erheben uns\ndaran. Ruht das Musikleben in diesem Theile Deutsch-\nlands doch auf wesentlich anderen Grundlagen, als in den\nResidenzen, wo fürstliche Dotationen und die Mittel der\nRegierungen die Kosten decken. Hier ist es ein freiwilli-\nges Zusammentreten der Musikfreunde, welche neben den\nEinnahmen vom Publicum die bei echten Kunst-Instituten\nan allen Orten stets nöthigen Subventionen aufbringen.\nDa die Durchführung des Idealen auf Erden von dem\nRealen abhängig ist, so bildet sich hier ein neues Ver-\nhältniss der Kunst und der Künstler aus den materiellen\nGrundbedingungen. Darum haben die kleineren Orte um\nso mehr Grund, sich lernend an die grösseren und na-\nmentlich an Köln anzuschliessen, das uns bereits zeigt, wie\nGrossartiges geleistet werden kann, wenn man das Prak-\ntische mit dem Idealen so zu vereinen weiss, dass von kei-\nnen Concessionen an den Ungeschmack die Rede ist und\nder Kunstfreund mit wahrem Vergnügen liest, was bei\nIhnen geschieht. Erlauben Sie einem solchen, in der Ab-\nsicht, im guten Sinne anzuregen, auch einige Worte über\ndas Musikleben der hiesigen Stadt, welcher er angehört.\nVorigen Sommer verliess uns unser Musik-Director\nL. Hoffmann, ein tüchtiger Ciavierspieler, guter Diri-\ngent und gewandter Componist, weil ihm die Möglichkeit\ngeworden, ganz seiner Müsse zu leben, und ihm die Diri-\ngenten- Xhätigkeit für sich keine Befriedigung zu gewähren\nschien. Er lebt jetzt in Dresden.\nDie Wahl fiel nach einem Concerte, welches Herr\nAlbert H ahn aus Berlin, ein früherer Schüler Ihres\nConservatoriums, in der geräumigen Tonhalle im Mai 1864\ngab, in dem er sich gleich als einen ungewöhnlich begabten\nDirigenten erwies, so entschieden auf ihn, dass es gar nicht\nzu weiteren Erörterungen kam. Besonders erfreut waren\nwir darüber, da wir in dem Concerte in Frau Bertha\nHahn eine Clavierspielerin kennen lernten, die mit vollen-\ndeter Technik einen echt künstlerischen Vortrag verbindet,\nder uns alle hinriss. Wir haben sie seitdem in Concerten\nvon Beethoven und Weber, grossen und kleinen Compo-\nsitionen Beethoven's, Mozart's, Chopin's und\nAnderer gehört und sind stets von Neuem von der hohen\nkünstlerischen Begabung, mit der Frau Hahn jede Com-\nposition wiedergibt, entzückt worden. Herr Hahn hat in\ndiesem Winter nicht nur alle Erwartungen, die wir auf\nihn als Dirigenten setzten, befriedigt, er hat auch im all-\ngemeinsten Sinne so günstig auf die Verhältnisse einge-\nwirkt, dass diese einen grossen Aufschwung genommen\nhaben. Gelingt es uns, ihn länger an unsere Stadt zu fes-\nseln, so zweifeln wir nicht daran, dass wir einer neuen\nAera entgegensehen. Mit der grössten Uneigennützigkeit\nsteht ihm stets nur das Beste des städtischen Kunstlebens\nvor Augen. Möge die freudige Begeisterung aller Kunst-\nfreunde und die Thatsache, dass die Leistungen schon in\ndiesem Winter sich bereits weit über ihren früheren Stand\nerhoben haben, ihm ein Ersatz für die Mühen sein, denen\ner sich unterzieht.\nDie bedeutendsten Ereignisse des Winters waren die\nAufführung der „Zerstörung Jerusalems\" von F. Hiller,\nzu der der Componist freundlichst selbst herüberkam, dann\ndes „Messias\" und des „Freischütz\". Die Chöre gingen\nso exact, wie wir noch keine hier gehört. Die Soli wur-\nden von Frau v. J., einer geschätzten Dilettantin (Schwe-\nster unserer Landsmännin Sophie Cruvelli, jetzigen Ba-\nronin Vigier in Nizza), Fräulein Schönheim aus Berlin,\neiner Schülerin unseres Musik-Directors Hahn, mit wohl-\nthuendem, tragendem Organe und, was Technik und Vor-\ntrag anbetrifft, lobenswerther Schule, Fräulein Sahlfeld,\neiner stimmbegabten und ihrem Lehrer, dem königlichen\nCapellmeister Fischer in Hannover, Ehre machenden So-\npranistin, Fräulein Gindele vom Hoftheater in Braun-\nschweig, einer mit wunderbar schöner Stimme begabten\nAltistin, die in einem kleineren Concerte durch Lieder-\nVortrag namentlich sich auszeichnete, dem königlichen\nHof-Opernsänger Pirk aus Hannover, einem lyrischen\nTenor mit rührendem Schmelz der Stimme, Herrn Zin-\nkernagel, ebenfalls Schüler des Capellmeisters Fischer,\ndem Hof-Opernsänger Bietzacher aus Hannover, dessen\nwundervolles Organ, namentlich was imponirenden und\ngewaltig ergreifenden Vortrag anbetrifft, sich gleich gün-\nstig zu den heterogenen Partieen des Caspar und des"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650520-01.1.7", "texte": "Bass-Solo im „Messias\" stellte, und dem Opernsänger\nJansen aus Düsseldorf, der mit liebenswürdiger Bereit-\nwilligkeit den Jeremias in Einem Tage noch übernahm,\ngesungen. Neben vielen bekannten und häufiger gehörten\nChorstücken kamen „Des Tages Weihe\" von Fr. Schu-\nbert mit Begleitung von Ciavier, Violine und Cello, das\n„Zigeunerleben\" von Roh. Schumann, instrumentirt von\nGraedener, Ave Maria von C. Reinecke, Hymne für\nFrauenchor von Fr. Schubert, „0 weint um sie\" und „Die\nLerchen\" von F. Hiller zur Aufführung.\nVon K ammermusik sei nur das Stadler'sche Quin-\ntett von Mozart erwähnt. Für Bassethorn beabsichtigt, für\nClarinette aber ausgeführt, lernten wir es hier in einer\nTransscription für das Violoncello kennen. Es zeichnet\nsich durch reiche Motive, Mozart'sche Durcharbeitung und\nfast modernen romantischen Anflug aus und gefiel sehr;\nnur will es uns bedünken, dass die Gleichartigkeit der\nKlangfarben des Violoncells und des begleitenden Quar-\ntetts der Intention nicht entspricht und zur Herstellung des\nContrastes, wie er ursprünglich bei der Clarinette als Solo-\nInstrument dem Componisten vorschwebte, es passender\nwäre, die Begleitung zum Violoncell für Ciavier zu arran-\ngiren. Ausserdem concertirten die Gebrüder Müller und\närnteten durch die bekannte Vollendung ihres Ensemble-\nspiels reichen Beifall.\nVon Orchesterwerken kamen Sinfonieen und\nOuvertüren von Mozart, Beethoven, Mendelssohn, Boiel-\ndieu und Anderen zur Aufführung. Das Orchester leistete\nbei den ungünstigen Bedingungen sein Möglichstes, denn\nes ist zusammengesetzt aus der Rossberg'schen Capelle,\nDilettanten und einzelnen Musikern von hier und aus der\nUmgegend. Immerhin bleibt es die Achilles-Ferse unseres\nMusiklebens.\nAusser den genannten Künstlern lernten wir noch\nFräulein von Jansard, eine liebliche Sopranstimme mit\nreizender Coloratur, namentlich geeignet für Cabinets-\nstückchen, Fräulein Murjahn, Sopranistin aus Bremen,\nHerrn Dr. R. aus Köln, einen eben so musicalischen als\nstimmbegabten Dilettanten, und Herrn Gulomy, fürst-\nlichen Capellmeister aus Bückeburg, einen vorzüglichen\nGeiger, der namentlich in der „Teufelstriller-Sonate\" und\n„Monde des lutins\" brillirte, kennen. Im Ganzen haben\nzwölf grössere Concerte Statt gefunden: zwei Oratorien,\neine Oper, sechs für Orchester, Kammermusik und So-\nlisten, zwei der vereinigten Männer-Gesangvereine, in denen\njedoch nur Lieder zu Gehör kamen, und ein musicalischer\nFastnachts-Abend. Die Oper wurde im Costume und auf\nder Bühne gegeben. Der musicalische Fastnachts-Abend\nbrachte uns das Dorfmusicanten-Sextett von Mozart, des-\nsen feiner Humor der grossen Masse des Publicums zu\nentgehen schien, die Vogel-Cantate von Frau Johanna\nKinkel, die im Costume mit einigen von unserem Musik-\nDirector, Behufs wirkungsvollerer dramatischer Wieder-\ngabe, getroffenen Veränderungen das zahlreiche Publicum\nin die heiterste Stimmung versetzte, und die Dorfschul-\nscene.aus der Weigel'schen Oper „Das Dorf im Gebirge\",\nneben vielen komischen Liedern, von denen eines von\nHerrn A. C. in schlagendem Witze die localen Verhält-\nnisse schilderte.\nWir schliessen mit dem Wunsche, dass der musicali-\nsche Aufschwung nachhaltig werde. Vieles ist geschehen,\nallein noch Vieles bleibt zu thun, wollen wir nicht hinter\nIhren rheinischen Städten zurückbleiben, die mit so gros-\nser Kunstliebe, persönlicher Hingebung und bedeutender\nmaterieller Opferbereitschaft sich ein wahres Verdienst\num die Kunst erwerben und weiten Kreisen darin voran-\nleuchten./\n\ns.\n\nAus Crefeld.\n(Die D i lettanten-0 per.)\nDen 12. Mai 1865.\nNachdem in den im Laufe des Winters abgehaltenen Abonne-\nments-Concerten neben kleineren Werken durch den Singverein\nunter Leitung des Musik-Directors Herrn Wolff Händers „Messias\"\nund „Elias\" zur würdigen Aufführung gelangten, wurde\nuns zum Schlüsse der Saison von der hiesigen Dilettanten-Opern-\nGesellschaft noch ein für unsere Stadt seltener Genuss durch die\nAufführung der Oper „Martha\" von Flotow geboten. Da unser Stadt-\ntheater, welches nur Schau- und Lustspiele bot, trotz der grössten\nAnstrengungen des Directors und der tüchtigsten Leistungen seiner\nTruppe in Folge der für unsere Stadt so ungünstigen Zeitverhält-\nnisse nur durch eine besondere Subvention bis zu Ende der Saison\nerhalten werden konnte, so entschloss sich genannte Gesellschaft,\ndas Ihrige dazu beizutragen und durch die Zusage zweier Auffüh-\nrungen zum Besten des Stadttheaters einen namhaften Vorschuss zu\ngarautiren. Das gute Andenken, in welchem die in den letzten Jah-\nren bereits zur Aufführung gelangten, Lortzing's „Czaar und Zim-\nmermann\" und Boieldieu's „Weisse Dame\", standen, Hess mit Recht\nfür obigen Zweck auf eine bedeutende Einnahme rechnen*). Der\nKürze der Zeit wegen und um die Concert-Proben nicht zu benach-\nteiligen, wurde „Martha\" gewählt, da das Studium der Chöre nur\ngeringe Schwierigkeiten bietet und die Oper durch ihre leichtver-\nständlichen, gefälligen Melodieen und reizenden Situationen stets ein\nLiebling des Publicums bleiben wird.\nUnter den musicalischen Aufführungen, welche uns hierselbst\ngeboten werden, nehmen diejenigen, mit welchen die Dilettanten-\nOpern-Gesellschaft uns in Thaliens Tempel ladet, einen würdigen\nPlatz ein, und so viel wir beurtheilen können, stehen diese musica-\nlisch-dramatischen Productionen in ihrer Art bis jetzt einzig da.\nWo ist eine zweite Stadt, in welcher sich wie jetzt ein Chor von\nzwanzig jungen Damen und dreissig Herren aus den angesehensten\nFamilien, dem Singvereine und der Liedertafel angehörig, bereit\nfindet, zu irgend einem wohlthätigen oder die Kunst unterstützenden^\n\n*) Dieselbe betrug 878 Thlr. 10 Sgr."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "160", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650520-01.1.8", "texte": "Zwecke auf der städtischen Bühne eine Oper zu geben? Wo finden\nsich unter den Dilettanten die passenden Kräfte,-um die Soli zu be-\nsetzen? Wo endlich der Dirigent, welcher wie Herr Musik-Director\nWolff mit unermüdlichem Eifer die Schwierigkeiten einer solchen\nAufführung überwindet? (Vergl. oben „Aus Bielefeld*'.)\nSo waren denn auch die drei Aufführungen, welche am 23.\nund 25. April und am 4. Mai Statt fanden, für das musikliebende\nPublicum wahre Festtage, gehoben durch das Interesse, welches die\nverschiedenen Familienkreise an den Mitwirkenden nahmen. Die\nTitelrolle hatte mit gewohnter Freundlichkeit Fräulein Maria\nBüschgens, unsere sehr geschätzte Concertsängerin, übernommen.\nSie fand darin die beste Gelegenheit, ihre schöne, volle Stimme in\nden getragenen Melodieen und ihre tüchtige Schule in den Colora-\nturen zur Geltung zu bringen, zugleich aber auch ihr angeborenes\nDarstellungs-Talent zu entfalten. Die Duette und Scenen mit Lyonel\nHessen in Spiel und Gesang nichts zu wünschen übrig; denn auch\nder Vertreter des in ländlicher Stille aufgewachsenen, einem höheren\nStande entsprossenen Lyonel, der in seiner Jugend die Elternliebe\nentbehren musste und sich nun um so leidenschaftlicher einer auf-\nkeimenden Neigung für die ihn bezaubernde Martha hingibt, hatte\nseine Rolle, die seinem Charakter und seinen Stimmmitteln ganz\nentsprach, richtig aufgefasst.\nDaneben war die Partie des Plumket, des treuen Freundes und\nderb-biedern Naturmenschen, nicht allein in den besten Händen,\nsondern, was den gesanglichen Theil betrifft, auch in der richtigen\nKehle, welche das Porter-Lied mit herrlicher Stimme und mit Be-\ngeisterung vortrug. Besonders hatte sich auch das Duett mit Nancy\nim letzten Acte grossen Beifalls zu erfreuen. Diese letztere Partie\nhatte durch Verhinderung der betreffenden Dilettantin an den ersten\nbeiden Abenden durch Frau Egli vom Stadttheater in Düsseldorf\nund bei der letzten Vorstellung durch Fräulein Greil, ebendaher,\nbesetzt werden müssen, und trugen beide Damen zu dem schönen\nErfolge des Ganzen bei. Lord Tristan vervollständigte den Kranz\nder Solisten durch ein feines Spiel und eine treffliche Bassstimme,\nwelche die Terzette im ersten und zweiten Acte recht zur Geltung\nkommen liess. Endlich belebten der Richter und die Mägde durch\nhumoristischen Vortrag ihrer kleinen Soli die Marktscene ungemein,\nund die Chöre lebten sich in die Situation hinein und spielten Und\nsangen mit gleicher Lust.\nEin solcher Chor von circa sechszig frischen Stimmen im\nSchmuck der Jugendjahre und prächtigem Costume erreicht eine\nmusicalische Wirkung, wie sie auf einer Provincialbiihne nicht leicht\nzu finden sein dürfte, und so klang denn auch das Finale des drit-\nten Actes mit dem: „Mag der Himmel Euch vergeben!\" wahrhaft\ngrossartig. Dass das Publicum, welches trotz der herrlichen Früh-\nlings-Witterung an den drei Abenden das Haus füllte, es an stür-\nmischen Beifallsbezeigungen und Hervorrufen nicht fehlen liess, ver-\nsteht sich von selbst, und bei der Schluss-Vorstellung wurden Diri-\ngent, Solisten und Chor mit Kränzen und Blumen überschüttet, die\nAlle wohl verdient hatten für die vielen Opfer, welche sie der Kunst\nin den letzten Wochen gebracht.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolli« Herr M. Ernst hat eine kurze Uebersicht über die\nThätigkeit des Stadttheaters vom Antritte seiner Direction den 16.\nSeptember 1863 bis Schluss der diesjährigen Winter-Saison, d. i. 1.\nMai 1865, veröffentlicht. In dieser Zeit fanden 352 Opern-Vorstel-\nlungen Statt, in denen 51 verschiedene und 7 neue Opern zur Auf-\nführung gebracht wurden. Ausserdem 1 Operette. Davon fallen auf\nKöln 303, auf Bonn 39 und auf Aachen 10 Opern-Vorstellungen.\nVon den in Köln gegebenen 303 Opern-Vorstellungen waren 215 im\nAbonnement, 88 ausser Abonnement. Im Schauspiel fanden 242\nVorstellungen Statt. Davon fallen auf Köln 105 im Abonnement,\n100 ausser Abonnement, auf Bonn 37 Vorstellungen.\nOper. a. Deutsche Oper und Operette. Von Beethoven:\nFidelio 14 Mal; Max Bruch: Loreley (neu) 15; Flotow: Martha 6,\nStradella 3; Ferdinand Hiller: Der Deserteur (neu) 3*); Kreutzer:\nNachtlager 8; Klerr: Böse Nachbarin (Operette, neu) 5; Lortzing:\nCzaar und Zimmermann 8, Undine (mit neuen Decorationen) 25;\nMarschner: Hans Heiling 5; Meyerbeer: Die Hugenotten 10, Robert\nder Teufel 5, Prophet 5; W. A. Mozart: Don Juan 15, Zauberflöte\n6, Figaro's Hochzeit 10, Belmonte und Constanze 1; Otto Nicolai:\nDie lustigen Weiber von Windsor 7; L. Spohr: Jessonda 5; Richard\nWagner: Tannhäuser 2, Cola Rienzi (neu) 3; C. M. von Weber:\nFreischütz 15, Euryanthe 2, Oberon (mit neuen Decorationenj 23 Mal.\nb. Französische und italiänische Oper. Auber: Gustav\noder der Maskenball 3 Mal, Stumme von Portici 8, Maurer und\nSchlosser 2, Fra Diavolo 7; Bellini: Norma 3, Puritaner 1, Nacht-\nwandlerin 1; Boieldieu: Die weisse Frau 8; Cherubini: Der Wasser-\nträger S; Felicien David: Lalla Rookh (neu) 6; Donizetti: Lucia\nvon Lammermoor 5, Lucretia Borgia 3, Regimentstochter 3, Dom\nSebastian (neu) 2; Gounod: Faust und Margarethe 16; Halevy: Die\nJüdin 7, Musketiere der Königin 5; Herold: Zampa 1; M^hul: Jo-\nseph in Aegypten 6; Maillart: Glöcklein des Eremiten 2, Lara (neu)\n10; Offenbach: Rhein-Nixen (neu) 2, Orpheus in der Unterwelt 6;\nRossini: Barbier von Sevilla 6, Teil 9, Othello 3; Verdi: Der Trou-\nbadour 17, Rigoletto 6 Mal.\nGastspiele in der Oper. Fräulein Desiree Artöt 3 Mal;\nFräulein Pauline Lucca vom k. Hoftheater in Berlin 2; Frau Her-\nrenburg-Tuczek vom k. Hoftheater in Berlin 3; Fräulein Barn vom\nHoftheater in Schwerin I; Frau Bertram-Meyer vom Hoftheater in\nWiesbaden 2; Frau Caggiati vom Hoftheater in Hannover 1; Frau\nBürde-Ney vom Hoftheater in Dresden 4; Frau Zademak-Doria 3;\nFräulein Lichtmay von Rotterdam 5; Frau Ellinger von Rotterdam\n12; Frau Dustmann-Meyer vom k. k. Hoftheater in Wien 8; Fräu-\nlein Bähr (als Debütantin) 3; Herr Chevalier Carrion 5; Herr Karl\nFormes 2; Herr Theodor Formes 2; Herr Robiceck vom Hoftheater\nin Stuttgart 2; Herr Ellinger von Rotterdam 3; Herr Becker vom\nHoftheater in Mannheim 1 ; Herr Niemann vom k. Hoftheater in\nHannover 10; Herr Gustav Walter vom k. k. Hoftheater in Wien\n6 Mal.\nDie italiänische Oper von Paris gab in den Monaten\nJuni, Juli, August 15 Vorstellungen. Capellmeister Orsini; Baragli,\nlenor; Sterbini, Bariton; Antonnucci, Bass; Vitali, Prima-Donna;\nDemeric Lablache, Prima-Donna.\nIm Ballet gastirten: Fräulein Friedberg, Fräulein Katharina\nLanner, Herr Pohl, Herr Alberti, Herr Francesco, Herr Donato.\n*) Wegen Ausscheidung des Tenoristen Herrn Hagen konnten\nweitere Wiederholungen nicht Statt finden."}]}