{"numero_id": "bm-bmtnabi-1865-05-27-01", "volume": "bmtnabi_1865-05-27_01", "ocr_sha256": "b46d61e2c0b88dab31d55086d85443cbb235f4df7fbf41fccfa59a84e42b00f3", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1865/05/27_01/bmtnabi_1865-05-27_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650527-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1865-05-27-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-05-27_01#c001", "volume": "bmtnabi_1865-05-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "161", "page_fin": "161", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650527-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "161", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650527-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 333, "texte": "Inhalt.\nDie Africanerin. Bemerkungen eines deutschen Musikers in Paris. Von x. Aus Bremen (Bach's Matthäus-Passion\nDie Sing-Akademie Concerte). Aus Leipzig (Oper „Perdita\" von Barbieri Die Sing-Akademie unter Leitung von J. von\nBernuth). Von O. P. Tages- und Unterhaltungsblatt (München, Tragische Geschichte von Tristan und Isolde)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-05-27-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-05-27_01#c002", "volume": "bmtnabi_1865-05-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "161", "page_fin": "164", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650527-01.2.2", "titre_corps": "Die Africanerin.", "titre_sommaire": "Die Africanerin.", "signature_source": "X", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "161", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650527-01.1.1", "debut_caractere": 335, "fin_caractere_exclue": 2897, "texte": "Die Africanerin.\n\nParis, den 19. Mai 1865*).\nVon einem eigentlichen Erfolge, einem\nlegitime, kann nicht die Rede sein. Die Claque gibt sich\nallerdings die undenklichste Mühe, arbeitet bewunderungs-\nwürdig, beklatscht jede Tirade, die es nur irgend zuiässt,\naber das wahre, unabhängige Publicum zeichnet nur drei\nStellen (man kann nicht einmal sagen: Stücke) in der\nganzen, fast fünf Stunden dauernden Oper lebhaft aus,\nund das sind: 1) der Chor der Bischöfe (I. Act), der die\nConseils-Sitzung einleitet; 2) das Duett zwischen Vasco\nund Selika (IV. Act) und schliesslich die vielbesprochene,\nvielgerühmte kurze Orchester-Einleitung zur\nmancenillier (V. Act). Mit einigen Beschränkungen schliesse\nich mich dem Urtheile des Publicums an, welches auch\nhier wieder einmal mit richtigem Instinct das relativ Ge-\nniessbarste herausgefühlt hat.\nDer Choeur des Eveques lautet folgender Maassen:\n*) Wir geben diese Bemerkungen eines gediegenen, in Paris\nlebenden deutschen Musikers als eine willkommene Ergänzung\ndes Berichtes unseres geschätzten Correspondenten in Paris, den wir\nin den Nummern 18 und 19 d. 81. mitgetheilt haben. Da sie im\nWesentlichen mit den Urtheilen in jenem Berichte übereinstimmen,\nso haben wir keinen Grund, den schärferen Ausdruck der mit in-\nteressanten Beispielen belegten Kritik zu mildern. Amicus Plato etc.\nSed magis amica veritas. Die Redaction.\nDer Schluss heisst dann:\nDer Text lautet:\nToi que le monde revere,\nSeigneur, viens nous inspirer!\nQue ta Celeste lumiere\n(Brille pour nous eclairer!\n0 mon Dieu, sois notre guide,\nAu sein de l'obscurite.)\nC'est en toi seul et\n. Von zehn kräftigen Bässen gesungen, klingt das aller-\ndings imposant, und man darf wohl annehmen, dass es\neben der schöne Klang und der fast militärische Aplomb\nsind, die nach den vorhergegangenen höchst matten Num-\nmern den Leuten in Paris Freude machen. Dennoch bin\nich gottlos genug, gegen sämmtliche hiesige Verehrer die-\nses Chors zu behaupten, dass er weder weihevoll und\nwürdig, noch charakteristisch sei. Die letzten Tacte finde\nich geradezu ordinär und so vieler heiliger Bischöfe voll-\nkommen unwürdig. Stellen Sie Sich noch dazu vor, dass\nder Rhythmus der zwei einleitenden Tacte, den man aus\nhunderttausend schlechten Opern zum Ueberdruss kennt,\nin den Bläsern durchgeht, und Sie werden eine ziemlich\ndeutliche Vorstellung von dem famosen\nhaben. Wenn das kein falsches Pathos ist, so will ich\nverdammt sein, mein Leben lang Tristan und Isolde zu\nhören!\nDas Duett zwischen Vasco und Selika im vierten\nActe wurde von einzelnen Leuten schon nach den letzten"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "162", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650527-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3447, "texte": "Proben dem Hugenotten-Duette an die Seile gestellt; man\nverstieg sich sogar zu der Höhe, es noch schöner und\nnoch genialer und noch hinreissender zu finden. Von alle-\ndem kann keine Rede sein; weder die Situation, noch die\nMusik halten den Vergleich mit jener wirklich grossarti-\ngen und mit Recht berühmten Scene in den Hugenotten\naus. Immerhin ist aber dieses Duo ein hervorragendes\nStück, und eine Oase in der Wüste anders kann ich es\nnicht bezeichnen. Es ist, gerade herausgesagt, das einzige\nStück das mich in der ganzen Africanerin sympathisch\nberührt, die einzige Nummer, die wenigstens in der Haupt-\nsache schön und natürlich empfunden ist, die nicht durch\nhundert kleinliche, lächerliche, verächtliche Effectmittel-\nchen den musicalischen Menschen beleidigt und zurück-\nstösst. Allenfalls wäre noch der Chor des SchifFsvolkes im\ndritten Acte: „0 grand Saint Dominique/\" zu nennen:\nwenn der Mittelsatz in 3/4-Tact (.F-dur) nicht so verzwei-\nfelt Kücken'sch klänge und wenn auch das Hinzutreten\nder Frauenstimmen einen mehr als äusserlichen Effect\nmachte!\nDoch pour revenir ä n die Situation\ndes Duetts (im vierten Acte) ist eine der wenigen musica-\nlischen, welche die Oper darbot. Vasco vergisst auf einige\nAugenblicke seine Entdeckungs-Plane und seine Ines, die\ner ohnehin nur anstandshalber zu lieben scheint, und er-\nklärt der unglücklichen Selika seine Liebe, die allerdings\nnicht stichhaltig ist; jedenfalls ist er aber in dem Augen-\nblicke von der Aufrichtigkeit seiner Neigung überzeugt\nund geniesst somit denselben Vortheil, von dem Goethe\nlustig genug spricht: „So log und trog ich mich bei allen\nhübschen Gesichtern so hin, und hatte dabei den Vortheil,\nim Augenblicke immer selbst zu glauben, was ich sagte.\"\nSelika sieht zum ersten Male ihre Liebe erwiedert und ju-\nbelt auf in selbstvergessener Freude. Nach einer ganz\nhübschen, aber unbedeutenden Cantilene Vasco's (Es-dur,\n9/8-Tacl) und einem jubelnden Aufschrei Selika's: „Er\nliebt mich!\" folgt der 4/4-Satz, Fis-dur, der den Erfolg\ndes Duetts mit Recht festgestellt hat. Hier haben Sie ihn:\nDie Worte heissen:\nSelika:\nVers toi, mon idole,\nOuiy mon coeur s'envole!\nJe t'aime et j'immole\nJusqu'au souvenir.\nMon delire augm\nD'amourfremissant-e,\nMonäme est b\nJe me sens mourir.\nDie Melodie strömt schön dahin und erfreut durch\nihre Reinheit. Schade, dass der siebente Tact so trivial ist.\nMadame Saxe und Herr Naudin singen diese Stelle ganz\nvorzüglich und erreichen eine grosse Wirkung damit.\nNach mehrfacher Wiederholung dieses Satzes schliesst\ndas Duo pp, in der Art des O-dur-Duetts in der Euryanthe\nzwischen Euryanthe und Adolar. Das Liebespaar hält sich\n„in seligster Entrücktheit\" umfangen, und hohe Violinen\nmit Sordinen, dazwischen liegende zarte Flöten, wie auch\nBratschen und Clarinetten bemühen sich um die Wette,\nuns den hohen Grad dieser Entrücktheit klar zu machen.\nVielleicht ist auch zu Ihnen die Mär von dem „wunder-\nbaren\" Accord am Schlüsse gedrungen: nun, dieser wun-\nderbare Accord aus anderen Welten ist ganz einfach der\nkleine Septimen-Accord auf e, der sich zwischen mehre-\nren .Ms-e?wr-Dreiklängen wirklich recht gut und charak-\nteristisch ausnimmt:\nIch komme nun zu dem berühmten Unisono, welches\ndie letzte Scene einleitet. Die Verwandlung erfolgt: man\nsieht in der Mitte der Bübne den Giftbaum, im Hinter-\ngrunde das Meer. Selika erscheint während des Orchester-\nVorspiels, welches so lautet:\n(Violinen sul 0} Bratschen, Violoncelli und Fagotte.)"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "163", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650527-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4726, "texte": "Hier wird jedem Vorurtheilsfreien sofort das Missver-\nhältniss zwischen Intention und Ausführung auffallen.\nMeyerbeer hat in richtigem Versländnisse der folgenden\nScene die Stimmung mit fremdartigen Mitteln fixiren wol-\nlen. Gut: der Klang ist da und besticht dasjenige Ohr,\ndas nichts will als schönen Klang. Andere aber verlangen\nvor Allem, dass der Klang dem Geiste dienen soll; wenn\nalso der Gedanke nichtssagend ist und die Stimmung ent-\nweder unvollkommen ausspricht oder ihr geradezu wi-\nderspricht, so werden die herrlichsten Klangfarben und\ndie raffinirtesten Darstellungsmittel ihn nicht besser ma-\nchen und über seine Hohlheit und Inhaltlosigkeit höch-\nstens die ungebildeten Hörer täuschen können. Das ge-\nrühmte Präludium stellt sich sofort als eine Reihe gewöhn-\nlicher italiänischer Gesang-Phrasen dar. Die zwei ersten\nTacte lassen auf eine schöne, breite Entwicklung hoffen,\nder dritte und vierte Tact fallen schon vollständig ab, und\ndie nächsten vier Tacte, so wie alles Folgende würden\nbesser in eine Salon-Phantasie hineinpassen, als in diese\nScene. Darüber kann unter Leuten, die sich über das klar\nsind, was sie unter Reinheit der Melodie zu verstehen\nm\nhaben, kein Zweifel obwalten. Der musicaliscbe Inhalt\ndieser sechszehn Tacte, abgesehen von seiner Phrasen-\nhaftigkeit und Leere, hat mit dem geistigen Inhalt der\nScene, die dadurch vorbereitet werden soll, wenig oder\nnichts zu thun. In Deutschland wird man schwerlich an-\nders urtheilen.\nDie wenigen Nummern, die überhaupt eine eingehende\nBesprechung rechtfertigen, habe ich Ihnen genannt. Alles\nAndere hat mir einen unaussprechlich matten Eindruck\ngemacht; das Schlummerlied Selika's, die Arie Nelusko's,\nder Marsch und die Chöre der Indier (die schon in der\nCultur so weit vorgeschritten sind, dass sie eine vollstän-\ndige Regimentsmusik mit auf die Bühne bringen), der Ma-\ntrosenchor, die Ensembles u. s. w.—alle diese Stücke zeu-\ngen von Armuth der Erfindung und sind meyerbeerisch im\nschlimmeren Sinne. Sie vermehren das Register der Sün-\nden gegen den heiligen Geist der Tonkunst, welche den\nhochbegabten Mann so schwer anklagen, dass man in Ge-\nfahr ist, das Grosse in seinen Leistungen zu übersehen\noder ungenügend zu würdigen.\nWie konnte aber auch Meyerbeer diesen Text com-\nponiren? Er, der alles, was auf der Bühne im guten und\nim schlimmen Sinne wirken kann, besser kannte, wie ir-\ngend,ein Anderer! Das Buch wird allgemein als eines der\nschlechtesten betrachtet, die je aus Scribe's Feder geflos-\nsen sind. Es fehlt durchaus an dramatischem Leben und\nan musicalischen Situationen. Interessen sind in den Mittel-\npunkt gestellt, die auf dem Theater ziemlich kalt lassen.\nDie Charaktere der Hauptpersonen sind schwankend und\nnicht geeignet, irgendwie ein unmittelbares Interesse zu\nerwecken. Vasco de Gama ist nichts weiter als ein Amo-\nroso vom gewöhnlichen Schlage, der fortwährend zwischen\nder weissen und der schwarzen Geliebten hin und her\nschwankt und uns nebenbei durch seine geographischen\nAuseinandersetzungen und viele Redensarten von gloire\nund immortalitelangweilt. Selika, die Africanerin, liebt\nVasco eher mit der klettenhaften Anhänglichkeit eines\nKäthchen's von Heilbronn, als mit der grossartigen, gewal-\ntigen Gluth, die wir bei einem Kinde ihres Stammes glau-\nben voraussetzen zu dürfen. Sie bringt es nicht einmal zu\neiner tüchtigen Eifersucht:—Schmerz, Wehmuth, Mitleid,\nDankbarkeit u. s. w. siegen jedes Mal, und schliesslich gibt\nsie, klar erkennend, dass Vasco doch nicht zu halten ist,\nihn und Ines frei und stirbt selbst im fünften Acte. Nelusko\nist vom Dichter mit kräftigeren Zügen ausgestattet, leider\nhat aber der Cornponist nicht vermocht, die charakteristi-\nschen Töne für dieses seltsame Gemisch von Wildheit und\nTreue, von Fanatismus und Anhänglichkeit zu finden. Ines,\nso wie die übrigen Personen sind ganz unbedeutend und\nnichtssagend. Auf die Diction im Einzelnen hat Scribe of-\nfenbar grosse Sorgfalt verwandt. Die Verse sind oft sehr\nhübsch und bei Weitem nicht so banal, wie in anderen\nseiner Opernbücher. Was hilft das aber, wenn das innere\ndramatische Leben fehlt! Das famose Schiff hat Fiasco\ngemacht. Die Decoration ist recht hübsch, aber die so ge-\nnannte Bewegung des Schiffes besteht nur darin, dass es\nunter gewaltigem Krachen des Holzwerkes und des gan-\nzen künstlichen Aufbaues einen fast unmerklichen Ruck\nnach der Seite macht. Das Schiff kracht—und das Publi-\ncum lacht! Ich lache auch und befürchte ernstlich, dass\ndas Schiff nicht den grossen Erfolg der Ziege haben\nwerde. Da übrigens durch Vasco de Gama die Entdecker\nund Weltumsegier als Opernstoffe in Mode kommen wer-\nden, so sollte man auch daran denken, die Expeditionen\nzur Entdeckung der Durchfahrt am Nordpol auf die Bühne\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "164", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650527-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 800, "texte": "zu bringen. Man hätte alles, „was zum Glück nöthig ist\"\n(s. Goelhe in Mendelssohn's Reisebriefen, I.): Eskimo-Bal-\nlets, Eisbären-Jagden, Matrosen in den verschiedenen Sta-\ndien des Erfrierens und Verhungerns man könnte Ca-\npitän Franklin in einem Liebesverhältnisse mit einer rei-\nzenden Grönländerin darstellen. Oder was meinen Sie zu\nder Ermordung des Capitäns Cook auf Otaheiti? Die Kö-\nnigin der Wilden lässt ihn natürlich aus Eifersucht ermor-\nden, und der Elagegesang besteht aus einem grossartigen\nUnisono, welches mindestens eine Stunde dauern muss;\ndenn ohne Unisono's thun wir es jetzt nicht mehr. Kurz,\ndie Africanerin öffnet uns einen Blick in eine solche Fülle\nneuer Stoffe, dass die Klage der Componisten über die\nSchwierigkeit, ein passendes Opernbuch zu finden, ver-\nhallen muss.\n\nX."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-05-27-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-05-27_01#c010", "volume": "bmtnabi_1865-05-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "164", "page_fin": "166", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650527-01.2.3", "titre_corps": "Aus Bremen.", "titre_sommaire": "Aus Bremen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "164", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650527-01.1.4", "debut_caractere": 802, "fin_caractere_exclue": 5249, "texte": "Aus Bremen.\n(Bach*s Matthäus-Passion — Die Sing-Akadeinie —\nConcerte.\nIst es für einen Concertbericht, namentlich für ein Re-\nferat über die Charlreitags-Aufführung, nicht schon zu spät?\nHier in Brennen lebt sie noch in frischer Erinnerung, nicht\nnur als derSchluss der grösseren Aufführungen, sondern\nweil über ihr ein glücklicher Stern waltete, der Vieles der-\nselben wohl für immer in dem Andenken der Musikfreunde\nbefestigt hat. ßach's Matthäus-Passion wurde zum dritten\nMale zur Ausführung gebracht. Der Dom, welcher in sei-\nnen weiten Bäumen mit Zuhörern gefüllt war, bewies,\ndass die Zugkraft des Werkes noch nicht abgenommen\nhatte, wenn man auch einräumen mag — und wo gäbe es\nnicht Derartiges einzuräumen—, dass der Feier des Char-\nfreitags an und für sich, besonders aber den ausgezeichne-\nten Solisten, ein Theil der Attraction zugeschrieben werden\nmuss. Seit Hiller's Ver sacrurnim Februar hatte sich\ndie Sing-Akademie nur mit der Passionsmusik beschäftigt.\nWurde dies von mancher Seite auch bedauert, so hatte es\ndoch die gute Folge, dass der Chor völlig schlagfertig und\nin den musicalischen Inhalt eingelebt, zur Aufführung\nschritt. Er erreichte hiedurch einen fliessenden und natür-\nlichen Vortrag, dem die Schattirungen nicht fehlten, ohne\ndass man ein ängstliches Bemühen bemerkte. Die Herren\nStockhausen und Schneider hatten schon bei der ersten\nAufführung mitgewirkt, bei der zweiten war man in der\nWahl der Christus-Partie nicht glücklich gewesen; so war\ndie diesjährige, bei welcher man die Erfahrungen der frü-\nheren auch rücksichtlich der Orgel und des Knabenchors\nwohl benutzte, die abgerundetste, da auch die Frauen-\nPartieen in Fräulein Assmann aus Barmen und einer be-\ngabten Dilettantin aus Bremen glückliche Vertreterinnen\ngefunden hatten.\nHerr Schneider hat sich die volle Frische seines lieb-\nlichen Organs und die Wärme seines Vortrages zu bewah-\nren gewusst; seine weiche, gefühlvolle Natur stimmt zu\ndem Wesen des Jüngers, der in innerster Erregung die\nLeidenszeit des Herrn beschreibt. Er sang ausser dem Evan-\ngelisten und der bekannten Tenor-Arie mit Chor und\nOboen-Solo noch die Cavatine: „Mein Jesus schweigt.\"\nWir wurden hierbei wieder in der Ueberzeugung bestärkt,\ndass man so wenig als möglich von den Arien weglassen\nund wo möglich die Passion ganz, aber an zwei Abenden\nhinter einander getheilt geben soll, sobald man gute und\ndes Werkes mächtige Solisten hat. Stockhausen's Ge-\nsang erschien noch grösser und vollkommener, als früher;\nda war die Milde, die Hoheit, die erschütternde Wahrheit\ndes Herrn: jedes Wort vollkommen natürlich, unübertreff-\nlich schön, ohne alle Affectation, ohne alles äusserlich ge-\nmachte, declamirte Wesen. Man möchte allen Sängern sa-\ngen: Gehet hin und lernet von ihm, er ist der Meister.—\nAusser der letzten Arie des zweiten Theiles: „Mache dich\nmein Herze rein\", dieser Perle unter den Bach'schen Bass-\nArien, die so herrlich ein zartes, hingebendes Gefühl aus-\nspricht, in dem sich jungfräuliche Lieblichkeit des Empfin-\ndens mit männlichem Ernste paart, sang Stockhausen noch\ndas Recitativ und Arie: „Der Heiland fällt vor seinem Va-\nter nieder\" u. s. w. Wir erinnern uns nicht, etwas Vollen-\ndeteres gehört zu haben, als u. A. die Worte: „Denn sein\nMund, der von Milch und Honig fliesset, hat des Leidens\nherbe Qual durch den ersten Trunk versüsset.\" Der alte\nMeister hat hier den Kelch melodisch süssester Romantik\nzum köstlichen Genüsse hingezaubert, ein Zauber, dem man\nsich nicht entziehen kann, wenn man den Inhalt in so voll-\nendeter Wiedergabe empfängt. Neben Stockhausen's Ge-\nsänge hatte die Trägerin der Alt-Partie einen schweren\nStand; doch die gesunde und schöne Natur, die treue Hin-\ngabe an die Intentionen des Componisten hoben die jugend-\nliche Sängerin über die Gefahr hinweg; sie wusste das In-\nteresse an ihrem Gesänge bis zu Ende rege zu erhalten.\nDer Eindruck der ganzen Passionsmusik unter diesen Um-\nständen war ein ergreifender und allgemeiner, und nicht\nwenig erhöhte ihn auch äusserlich die stimmungsvolle Um-\ngebung, die herrliche Kirche, die majestätische Orgel, die\nChoräle, die an diesem Orte doppelt weihevoll klingen\nund jenes Gefühl hervorrufen, in dem sich künstlerisches\nund religiöses Empfinden mit einander verbindet.\nIm November hatte die Sing-Akademie ebenfalls\nim Dome eine Aufführung vonHändel's Samson gebracht,\nin grösserer Vollständigkeit, als man bisher hier gehört\nhatte, unter Mitwirkung von Dr. Gunz und Fräul. Eicke."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "165", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650527-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5496, "texte": "Durch die Wiederherstellung verschiedener Tenor- und\nSopran-Arien nach der Original-Partitur trat der Charak-\nter des Helden und der Delilah in ein helleres Licht, in\nvielseitigere Beleuchtung; von vorzüglicher Wirkung war\nu. A. die Coloratur-Arie: „Warum liegt Juda's Gott im\nSchlafe!\" und die lockende Sopran-Arie: „So wie die Taube\neinsam klagt\", eben so die Ausbreitung der Anfangsscenen\ndes Baalsfestes. Die Episode mit dem philisläischen Riesen\nwar weggelassen.\nIn dem Cyklus der eilf „Privat-Concerte\" ist über die\nhervorragendste neue Erscheinung Hiller's,\nschon berichtet worden; ihr gegenüber stand eine Auffüh-\nrung des Cherubini'schen Reguiso sehr auch die Mu-\nsikkenner von der Hoheit des Werkes erbaut waren, so\nwar das grosse Publicum doch weniger damit einverstan-\nden, welches äusseren Schmuck, Abwechslung und die ge-\nliebten Soli vermisste, und dem die Sache im Concertsaale\nzu düster vorkam. Von den neuen Jnstrumentalwerken hat\nLachner'si? woß-Suite weitaus den grössten Eindruck her-\nvorgebracht; der Beifall steigerte sich bis zum\ndes vierten Satzes, ein Ereigniss, das in Bremen bei einer\nneuen Sinfonie noch nicht da war, und führte zu einer\nWiederholung des Werkes im Sinfonie-Concerte. Auch\nAbert's Columbus-Sinfonie wurde günstig aufgenommen,\ndie Ausstellungen betrafen das Programmartige der Musik,\nnamentlich des letzten Satzes; man würde sich dem musi-\ncalischen Inhalte des Werkes noch unbefangener hingeben,\nwenn nicht das Suchen nach der Verbindung der Töne mit\nden Ueberschriften störte, namentlich die Haupt-Ueber-\nschrift „Columbus\" einen Ideengang anregte, der im Werke\nselbst keine Verwirklichung findet, denn Sturm und Empö-\nrung des letzten Satzes scheinen wie zufällig hineingebracht,\nund der Charakter des Columbus selbst findet keine An-\ndeutung. Von neuen Ouvertüren ging Rubinstein's B-dur\nziemlich spurlos vorüber; weit mehr Anklang fand eine\nWiederholung der Iphigenia-Ouverture von Scholz, ein\nsinniges und feines Werk voll ansprechender Züge, wenn\nes auch den Hörer nicht mächtig fortreisst, eben so eine\nneue interessante Ouvertüre von Deppe zu Don Carlos un-\nter des Componisten Leitung; sie ist wirkungsvoll instru-\nmentirt, hat originelle Gedanken in gelungener Ausfüh-\nrung, der geistige Inhalt des Werkes, der Zusammenhang\nmit dem Schiller'schen Drama lassen sich herausfühlen,\nwenigstens die schmeichlerische Eboli und der düstere Phi-\nlipp sind glücklich angedeutet. Die übrigen Orchesterwerke\nverlheilten sich auf die Namen Mozart, Cherubini, Beet-\nhoven, Weber, Schubert, Mendelssohn, Schumann, Rietz;\nkleinere Chorsachen von Mendelssohn und Reinthaler. Un-\nter den Gästen, Virtuosen und Sängern, erregte das meiste\nInteresse Joachim mit seinem neuen Violin-Concerte. Die\nKritik hat anderwärts nur reservirt anerkennend darüber\ngesprochen; wir fanden in demselben nicht nur einen Fort-\nschritt gegen das ungarische, sondern einen gesunden und\ngeistvoll gedachten Organismus von echter Schönheit vor.\nJe höher der Componist eines Concertes sich die Aufgabe\nstellt, je mehr er seinen Sinn dem Idealen zuwendet, desto\nschwieriger wird es, äusserlich glänzend zu erscheinen;\neiner edlen, auf Harmonie beruhenden Schönheit ergeht\nes auch hier zuweilen wie im Leben, sie wird nicht so-\ngleich, sondern erst bei öfterem Anschauen als solche er-\nkannt und geschätzt. Joachim s Werk ist nicht von blen-\ndender Schönheit, aber es gesellt zu den Vorzügen feiner\nArbeit jenen gemüthvollen Zug warmer Melodie und zum\nHerzen sprechender Empfindung, ein Wesen, das nicht\nüberrascht, aber einen wohlthuenden Eindruck hinterlässt.\nAuch Capellmeister B ott aus Meiningen spielte neben einem\nSpohr'schen Concerte ein eigenes Rondo und Capriccio, in\ndem er den Schüler Spohr's nicht verläugnet; obwohl in\nsehr weicher Empfindung und mildem, fast eintönigem Co-\nlorit gehalten, schmeichelt es sich doch dem Ohr lieblich\nein und wird gewiss, namentlich bei so meisterhaftem Vor-\ntrage, sich überall die weichgeschaffenen Seelen gewinnen.\nDie übrigen Sologeiger: Auer, Wilhelmy, der Cellist\nDr. Swert, sind wohlbekannte Namen aus der aufstreben-\nden, brillanten jungen Virtuosenwelt; ihnen schliesst sich\nder Schüler Joachim's, Herr Schierer aus Hannover, an,\nein Geiger von feiner Technik und Noblesse des Vortrags,\nder bei weiterer Entwicklung sehr Gutes verspricht. Das\nCiavier war vertreten vor Allen durch Frau Schumann,\nwelche Beethoven's Es-</w-Concert und Weber's Concert-\nstück vortrug; durch Fräulein von Asten (Beethoven Nr.\n1 und kleine Sachen von Schumann und Chopin), die sich\ndurch zarten Anschlag und anmuthigen Geschmack im\nVortrage auszeichnete; ferner durch Herrn Wal lenstein\naus Frankfurt am Main, einen in derThat glänzenden Spie-\nler von echt künstlerischer Richtung und vielseitiger Be-\ngabung; er brachte HummePs zu Ehren\nund bewies, dass dasselbe sehr wohl noch spielbar und\nlebensfähig ist; auch eine Flöte haben wir als Solo-Instru-\nment gehört: wenn sie freilich so gespielt wird, wie Herr\nDe Vroy aus Paris sie spielt, kann man sie sich ausnahms-\nweise gefallen lassen. Die concertirenden Sängerinnen wa-\nren Fräulein Orgeni zwei Mal untergrosser Anerkennung\nihres anmuthigen Talentes, ferner die Damen Fräulein\nBusk, Fräulein de Conet, Fräulein Gastoldi, Frau\nDr. Köster, Fräulein Eicke, Fräulein Metzdorff und\ndie Herren Bietzacher und Stock hausen. Die hervor-\nragenden Kräfte sind Ihnen bekannt. Stockhausen erwei-\nterte sein Repertoire durch den prachtvollen Vortrag der\nArie des Lysiart aus Euryanthe. Die Vorträge der Frau"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "166", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650527-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1818, "texte": "Dr. Köster waren vom höchsten Interesse, namentlich wenn\nman sie als die Trägerin der classischen Kunst und mit der\nErinnerung an ihre zwanzigjährigen Leistungen würdigt.\nAusser dem Cyklus der Abonnements-Concerte fanden\nauch diese Saison wieder sechs Sinfonie-Concerte ebenfalls\nunter Reinthaler's Leitung Statt, welche interessante Pro-\ngramme durch Zusammenstellung von neuen und alten,\nzum Theil selten gehörten classischen Orchesterwerken\nboten. Neu war für Bremen u. A. Schumann's Es-dur-\nSinfonie, die sich viele Freunde erwarb, und Gouvy's an-\nmuthige und fein empfundene .F-üfwr-Sinfonie, die eben-\nfalls sehr ansprach; im letzten Concerte, welches unter\nMitwirkung von Männerchor Statt zu finden pflegt, kamen\nu. A. die Dithyrambe von Rietz und ein neues Chorlied\nvon Reinthaler, „Octoberlied\", mit vielem Beifalle zur Aus-\nführung. Die grosse Anzahl der Concerte dürfte sich viel-\nleicht nicht zum Schaden eines weiteren künstlerischen Ge-\ndeihens einschränken lassen: doch fehlt noch immer in\nBremen das äussere Mittel dazu, ein allen Bedürfnissen\nentsprechender grosser Concertsaal, da der Unionssaal\nhöchstens 750 Zuhörer fasst, die bei Chor-Aufführungen\nin qualvoller Enge und Hitze zusammengedrängt sitzen und\nstehen. Die Aufführung des Hiller'schen Oratoriums „Die\nZerstörung\" durch den Gesangverein des Herrn Engel\nwurde schon berichtet; aus den drei übrigen Soireen, die\ndieser Gesangverein im Unionssaale mit Begleitung des Flü-\ngels und in Verbindung mit Solo-Vorträgen einheimischer\nund fremder Künstler gab, nennen wir als Novitäten die\nAufführung des Psalmes von Bargiel, ferner des Franz\nLachner'schen Psalmes für Männerchor, das Hauptmann'-\nsche Salve Regina,Gade's Cund von Max Bruch\n„Die Birken und Erlen\" und „Die Flucht der heiligen Fa-\nmilie\", welche letztere besonders angesprochen hat."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-05-27-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-05-27_01#c011", "volume": "bmtnabi_1865-05-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "166", "page_fin": "168", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650527-01.2.4", "titre_corps": "Aus Leipzig.", "titre_sommaire": "Aus Leipzig.", "signature_source": "O. P", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "166", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650527-01.1.6", "debut_caractere": 1820, "fin_caractere_exclue": 5208, "texte": "Aus Leipzig.\n\n(Oper „Perditau von Barbieri Die Sing-Akademie unter\nLeitung von J. von Bernuth.)\n- Den 10. Mai 1865.\nC. de Barbieri dirigirte gestern im Stadttheater vor\neinem nicht ausserordentlich zahlreichen Publicum seine\nneue Oper „Perdita\", deren von Karl Gross angefertig-\ntes Libretto aus Scenen des Shakespeare'schen Winter-\nmärchens, untermischt mit der Phantasie des Verfertigers,\nzurecht gemacht ist. Obwohl dieses Libretto vielfache Ab-\nweichungen von dem Inhalte des Originals zeigt, so wol-\nlen wir des Raumes wegen hier doch nicht auf dieselben\neingehen, glauben auch, dass jedem Gebildeten Shake-\nspeare's Schöpfung so bekannt ist, um bei Kenntnissnahme\ndes Operntextes sofort die Unterschiede erfassen zu kön-\nnen. Wenn nun in letzterem auch manche Ungeschickt-\nheiten bei Behandlung des Stoffes erkennbar sind, so ist\ndoch dem Musiker hinreichend Gelegenheit geboten, sich\ndie in der Oper nothwendige musicalische Hegemonie zu\nverschaffen. Dass diese Herr de Barbieri über Herrn Gross\nerlangt hat, dürfte wohl kaum bezweifelt werden, obwohl\nwir in seinem Werke grösstentheils nur den italiänisch-\nmusicalischen Eklektiker finden, welcher bald die Denk-\nweise eines Verdi und Donizetti, bald auch die eines\nMeyerbeer und Rossini abspiegelt. Wo er letzteren zum\nVorbilde genommen hat, liefert er selbstverständlich das\nBeste, wozu wir namentlich das Finale der ganzen Oper\nrechnen. Auch im zweiten Acte ist Einiges vorhanden,\nworan der Musiker Interesse nehmen kann. Musicalische\nBedeutung, welche bei vorhandenem Talente nur durch\ndie gewiegte deutsche Schule mit ihrer kräftigen Poly-\nphonie zu erlangen ist, dürfte allerdings keiner einzigen\nNummer zugesprochen werden. Der absolute Wohlklang\njedoch, so wie auch die routinirte Verwerthung der instru-\nmentalen und vocalen Mittel verschaffen, wie wir gestern\nwahrnehmen konnten, der Oper einen Erfolg, welchem\nwir im Interesse des Herrn de Barbieri und der verschie-\ndenen Theater-Directionen rechte Nachhaltigkeit wünschen.\nDie Inscenesetzung war vortrefflich und musste die-\nselbe von Seiten des Publicums die ungetheilteste Aner-\nkennung erhalten. Eben so wetteiferten auch unsere Büh-\nnenkräfte unter einander, dem sicheren, gewandten Tactir-\nstabe mit grösster Aufmerksamkeit bei aller lebhaften\nAction zu folgen und den Intentionen des Tonsetzers in\nbester Weise gerecht zu werden. Frau Kainz-Prause,\nin deren Hände die Hauptpartie, Hermione, gegeben war,\nentfaltete die ganze Kraft ihres an sich trefflichen Organs,\ndessen Wirkung nur durch einiges unzeitiges Athemholen\nund mitunter durch falschen Tonansatz ein wenig abge-\nschwächt wurde. Recht tüchtig sangen und spielten Fräu-\nlein Kropp (Perdita) und Fräulein Karg (Paulina), wäh-\nrend Herr Grimminger wieder durch Detonations-Ge-\nbrechen die Zuhörerschaft verstimmen musste. Herr The-\nlen entledigte sich bis auf einige Gaumentöne seiner nicht\nleichten Aufgabe recht gut, und die Herren Hertzsch\nund Schild boten ganz befriedigende Leistungen, während\ndie übrigen Nebendarsteller und der Chor Manches zu\nwünschen übrig liessen.\nDie Zeit wird es lehren, ob sich die Oper mit ihren\nunangenehmen Längen auf dem Repertoire erhalten kann.\nUnsererseits können wir den Wunsch nicht unterdrücken,\ndass man auch bald einmal sein Augenmerk auf Erzeug-\nnisse deutscher Tonsetzer richten und dass man z. B. Fer-\ndinand Hiller's, Lachner's, Abert's und Bruch's u. s. w."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "167", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650527-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5498, "texte": "Werken grössere Beachtung zollen möge. Die deutsche\nNation hat vor allen Dingen die Pflicht, ihren Landsleuten\ndie gebührende Achtung an den Tag zu legen, und wir\nmeinen, es würde namentlich in dem musicalischen Leipzig\ndurch solche Werthschätzung der Direction kein Schaden\nerwachsen.\nDie hiesige Sing-Akademie, welche in neuester\nZeit durch Zuziehung inactiver Mitglieder eine umfangrei-\nchere Wirksamkeit und höhere Bedeutung für die Allge-\nmeinheit erlangt hat, veranstaltete am 10. Mai unter Lei-\ntung ihres vom redlichsten Streben beseelten Dirigenten,\ndes Herrn von Ber nuth, ihre erste Aufführung im Saale\ndes Gewandhauses, und zwar hatte man zu derselben die\n„Vier Jahrszeiten\" von Joseph Haydn gewählt, welches\nWerk im Frühjahre 1801 zum ersten Male unter Di-\nrection des Tonschöpfers im fürstlich Schwarzenberg'schen\nPalaste zu Wien aufgeführt ward. Finden wir in diesem\nWerke, dessen Text von Baron van Swieten nach Thom-\nson angefertigt wurde, auch manchmal etwas materialistisch\ngefärbte musicalische Malerei, vor der sich ein Tonsetzer\nim Ganzen zu hüten hat, so bildet dieselbe doch nur ein\nuntergeordnetes Moment; „der tiefe Geist, die Kraft des\nGemüthes, der Schwung der Phantasie,-die Heiligkeit des\nWillens, die Blüthe schöner Bildung, welche der Tonsetzer\nim Ganzen und Einzelnen entfaltet das sind die Haupt-\nRücksichten bei der Kritik dieses Werkes.\" Wir finden\nein ungemeines Ausströmen des Geistes bei der meister-\nhaften Benutzung der einfachsten Kunstmilte], ein treff-\nliches Auffassen der Idee im Ganzen und Einzelnen, be-\nsonders aber einen geheiligten Willen, der das Leben nach\nallen Richtungen von der würdigsten Seite erkannte und\ndas schöne Gemüth adelt, das nur in den höchsten Idealen\nund in Gott lebt, zu welchem sich bei jeder Gelegenheit\nder Blick wendet. Es ist ein vortreffliches Bild der interes-\nsantesten Scenen des häuslichen Lebens in jeder Jahres-\nzeit, mit so vieler Wahrheit, Reinheit und so anziehend\ndargestellt, wie es uns nur ein Tondichter mit schönstem\nGemüthe, mit blühendster Phantasie geben kann. Dem\nScherze mischt sich so viel Ernst bei, dieser wird durch\njenen so gemildert, die wichtigsten Betrachtungen geben\nzur rechten Zeit der Darstellung so viel Tiefe, so viel\nFrommes und lösen sich wieder in die liebliche Quelle\nreinsten Vergnügens auf, kurz, das an und für sich eben\nnicht bedeutende Gedicht hat durch des Tonmeisters\ngrosse Kunst eine poetische Verklärung erhalten, dass wir\ndiese Bearbeitung als classisch und für junge Tonsetzer als\nMuster betrachten können, wie man einen nicht immer\ngünstigen Text durch das subjectiv-musicalische Erfassen\nder Grund-Idee und durch das formvolle, künstlerische Ver-\narbeiten derselben zu intensiver Kraft emporheben kann.\n• Die Sing-Akademie hatte bei ihren Bestrebungen, die-\nses herrliche Werk zu würdiger Ausführung zu bringen,\ndem Vernehmen nach mit mancherlei Hindernissen zu\nkämpfen. Zuvörderst wurde durch die Abhaltungen der\neinzelnen Orchester-Mitglieder und durch spätes Eintreffen\nder Solisten eine vollständige Generalprobe unmöglich.\nAuch musste der ursprünglich engagirte Tenorist Herr\nSchild plötzlich noch Weiser werden, für welchen in der\nfreundlichsten Weise Herr Denner aus Kassel nach tele-\ngraphischer Berufung die Partie des Lucas durchführte.\nTrotz alledem gereicht es der Sing-Akademie zur grössten\nEhre, dass sie dem Publicum eine Leistung geboten hat,\ndie wir in Bezug auf gemischten Chorgesang als die über-\nhaupt vorzüglichste bezeichnen müssen, welche seit schon\nlanger Zeit im Gewandhaussaale entgegengenommen wor-\nden ist. Es war eine wahre Freude für Ohr und Herz,\ndie frischen, markigen Sopranstimmen bis ins zweigestri-\nchene bin grösstentheils reinster Fülle emporsteigen zu\nhören, und eben so secundirte der wohlbesetzte Alt in\nsolcher einheitlichen Präcision, dass wir von diesem Frauen-\nstimmen-Ensemble freudigst überrascht waren. Die Män-\nnerstimmen sind zwar noch etwas schwächer besetzt, der\nKern ist aber ebenfalls ein so tüchtiger, dass es nur der\nZuziehung noch einiger Studentenstimmen bedarf (deren\nwir ja nicht wenige haben und die so gern gute Musik\nals wackere Musensöhne unterstützen helfen), um mit der\nZeit ein wirklich vollendetes Ensemble zu ermöglichen.\nZu diesen mit der richtigsten Auffassung geleiteten und\nwohl vorbereiteten Chormitteln kamen noch die trefflichen\nSolokräfte, unter denen Fräulein Santer aus Berlin bei\nDurchführung der wunderreizenden Partie der Hanne eine\nso köstliche, in den hohen Lagen namentlich so edel klin-\ngende und bis etwa auf den Triller eine so vorzüglich\ngeschulte Stimme mit stets der Situation angepasster\nAuffassung entfaltete, wie es uns seit langer Zeit bei einer\nConcertsängerin nicht vorgekommen ist. Wollen wir noch\neine Beiläufigkeit erwähnen, so ist es die edle Erscheinung\nder Sängerin, durch welche wir in der That an die plasti-\nschen Figuren der „schönstimmigen\" Muse Kalliope erin-\nnert wurden. Auch Herr Bietzacher aus Hannover\n(Bass) wirkte durch sein mächtiges Organ, durch seine\necht musicalische Vortragsweise in der wohllhuendsten\nWeise, und wir hoffen, diesem trefflichen Künstler noch\nrecht oft zu begegnen. Eben so heissen wir Herrn Den-\nner aus Kassel als Interpreten der Tenor-Partie freund-\nlichst willkommen. Sein feines Gefühl und seine musica-\nlisch-saubere Technik liessen ein paar gepresste Töne im\nhöchsten Begister vollständig vergessen. Endlich sei auch\ndem nicht stark genug besetzten Orchester mit seinem\nvorzüglichen Concertmeister David unsere volle Anerken-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "168", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650527-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 661, "texte": "nung gezollt, und hoffen wir, dass noch recht oft ein Zu-\nsammenwirken des Gewandhaus-Orchesters, des\nMittelpunktes unseres musicalischen Lebens in der „In-\nstrumental-Musik\", und der „Sing-Akademie\", der\nTrägerin unseres musicalischen Lebens im gemischten\nChorgesange, mit Beiseitesetzung aller etwaigen Eifersüch-\nteleien ermöglicht werde. Dann werden sich mit der Zeit\nauch nach Neubau eines grossen§Saales „mitteldeutsche\nMusikfeste\" veranstalten lassen, welche sowohl von der\n„Allgemeinen Musicalischen Zeitung\" in Leipzig, als auch\nvom Referenten dieses in anderen Fachblättern angeregt\nworden sind und gewiss auch ferner befürwortet werden\nsollen.\n\n0. P."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-05-27-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-05-27_01#c012", "volume": "bmtnabi_1865-05-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "168", "page_fin": "168", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650527-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "168", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650527-01.1.8", "debut_caractere": 663, "fin_caractere_exclue": 2562, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMünchen. Tragische Geschichte von Tristan und Isolde.\nDen 11. Mai. Generalprobe.\nDen 16. Mai. Die Oper Tristan und Isolde, welche wegen\nplötzlichen Unwohlseins der Frau Schnorr von Carolsfeld gestern\nnicht Statt finden konnte, und nun heute Abend zur Ausführung ge-\nlangen sollte, kann wegen fortgesetzten Unwohlseins der Frau Schnorr\nauch heute noch nicht gegeben werden. Eine überaus grosse Anzahl\nFremder, zum Theil aus weitester Ferne, und unter ihnen sehr viele\nMusik-Notabilitäten, sind zu dieser Opern-Vorstellung eigens hier\neingetroffen ; sie mochten nicht wenig bedauern, dass die erste Vor-\nstellung für gestern unterbleiben musste. (Bayr. Ztg.)\nDen 18. Mai. Se. Maj. der König ist gestern Mittag nach\nSchloss Berg am Starnberger See zu längerem Landaufenthalt\nabgereist. (B. Z.)\nDen 20. Mai schreibt man der National-Zeitung aus Mün-\nchen: „Tristan und Isolde ist definitiv beseitigt. Der junge König\nweilt auf unbestimmte Zeit am Starnberger See, Wagner hat vor\nder Hand keinen Verkehr mit ihm, von Bülow hat mit dem Theater\nnichts mehr zu thun und Herr und Frau von Schnorr sind abge-\nreist. Der Inhalt der Oper ist die Ursache hiervon. Die höchst über-\ntriebenen und in einem Acte fast eine Stunde währenden Liebeleien\nwurden von • gewisser Seite als undarstellbar bezeichnet, man hat\nAlles daran gewendet, um den jungen König von der Sache abzu-\nbringen, und es ist gelungen!\"\nDen 24. Mai. In den Annalen des Theaters dürfte wohl kaum\nein so entschiedenes Unglück verzeichnet sein, als dasjenige, wel-\nches R. Wagner bezüglich der ersten Aufführung seiner Oper Tristan\nund Isolde hat. So musste die endlich auf übermorgen Abend\nanberaumte erste Vorstellung der Oper abermals verschoben wer-\nden in Folge abermaligen Unwohlseins der Frau von Schnorr, und\nlässt sich vorerst noch nicht sagen, wann dieselbe wird Statt finden\nkönnen. .(Augsb. Allg. Ztg.)"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "161", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650527-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie Africanerin. Bemerkungen eines deutschen Musikers in Paris. Von x. Aus Bremen (Bach's Matthäus-Passion\nDie Sing-Akademie Concerte). Aus Leipzig (Oper „Perdita\" von Barbieri Die Sing-Akademie unter Leitung von J. von\nBernuth). Von O. P. Tages- und Unterhaltungsblatt (München, Tragische Geschichte von Tristan und Isolde).\n\nDie Africanerin.\n\nParis, den 19. Mai 1865*).\nVon einem eigentlichen Erfolge, einem\nlegitime, kann nicht die Rede sein. Die Claque gibt sich\nallerdings die undenklichste Mühe, arbeitet bewunderungs-\nwürdig, beklatscht jede Tirade, die es nur irgend zuiässt,\naber das wahre, unabhängige Publicum zeichnet nur drei\nStellen (man kann nicht einmal sagen: Stücke) in der\nganzen, fast fünf Stunden dauernden Oper lebhaft aus,\nund das sind: 1) der Chor der Bischöfe (I. Act), der die\nConseils-Sitzung einleitet; 2) das Duett zwischen Vasco\nund Selika (IV. Act) und schliesslich die vielbesprochene,\nvielgerühmte kurze Orchester-Einleitung zur\nmancenillier (V. Act). Mit einigen Beschränkungen schliesse\nich mich dem Urtheile des Publicums an, welches auch\nhier wieder einmal mit richtigem Instinct das relativ Ge-\nniessbarste herausgefühlt hat.\nDer Choeur des Eveques lautet folgender Maassen:\n*) Wir geben diese Bemerkungen eines gediegenen, in Paris\nlebenden deutschen Musikers als eine willkommene Ergänzung\ndes Berichtes unseres geschätzten Correspondenten in Paris, den wir\nin den Nummern 18 und 19 d. 81. mitgetheilt haben. Da sie im\nWesentlichen mit den Urtheilen in jenem Berichte übereinstimmen,\nso haben wir keinen Grund, den schärferen Ausdruck der mit in-\nteressanten Beispielen belegten Kritik zu mildern. Amicus Plato etc.\nSed magis amica veritas. Die Redaction.\nDer Schluss heisst dann:\nDer Text lautet:\nToi que le monde revere,\nSeigneur, viens nous inspirer!\nQue ta Celeste lumiere\n(Brille pour nous eclairer!\n0 mon Dieu, sois notre guide,\nAu sein de l'obscurite.)\nC'est en toi seul et\n. Von zehn kräftigen Bässen gesungen, klingt das aller-\ndings imposant, und man darf wohl annehmen, dass es\neben der schöne Klang und der fast militärische Aplomb\nsind, die nach den vorhergegangenen höchst matten Num-\nmern den Leuten in Paris Freude machen. Dennoch bin\nich gottlos genug, gegen sämmtliche hiesige Verehrer die-\nses Chors zu behaupten, dass er weder weihevoll und\nwürdig, noch charakteristisch sei. Die letzten Tacte finde\nich geradezu ordinär und so vieler heiliger Bischöfe voll-\nkommen unwürdig. Stellen Sie Sich noch dazu vor, dass\nder Rhythmus der zwei einleitenden Tacte, den man aus\nhunderttausend schlechten Opern zum Ueberdruss kennt,\nin den Bläsern durchgeht, und Sie werden eine ziemlich\ndeutliche Vorstellung von dem famosen\nhaben. Wenn das kein falsches Pathos ist, so will ich\nverdammt sein, mein Leben lang Tristan und Isolde zu\nhören!\nDas Duett zwischen Vasco und Selika im vierten\nActe wurde von einzelnen Leuten schon nach den letzten"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "162", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650527-01.1.2", "texte": "Proben dem Hugenotten-Duette an die Seile gestellt; man\nverstieg sich sogar zu der Höhe, es noch schöner und\nnoch genialer und noch hinreissender zu finden. Von alle-\ndem kann keine Rede sein; weder die Situation, noch die\nMusik halten den Vergleich mit jener wirklich grossarti-\ngen und mit Recht berühmten Scene in den Hugenotten\naus. Immerhin ist aber dieses Duo ein hervorragendes\nStück, und eine Oase in der Wüste anders kann ich es\nnicht bezeichnen. Es ist, gerade herausgesagt, das einzige\nStück das mich in der ganzen Africanerin sympathisch\nberührt, die einzige Nummer, die wenigstens in der Haupt-\nsache schön und natürlich empfunden ist, die nicht durch\nhundert kleinliche, lächerliche, verächtliche Effectmittel-\nchen den musicalischen Menschen beleidigt und zurück-\nstösst. Allenfalls wäre noch der Chor des SchifFsvolkes im\ndritten Acte: „0 grand Saint Dominique/\" zu nennen:\nwenn der Mittelsatz in 3/4-Tact (.F-dur) nicht so verzwei-\nfelt Kücken'sch klänge und wenn auch das Hinzutreten\nder Frauenstimmen einen mehr als äusserlichen Effect\nmachte!\nDoch pour revenir ä n die Situation\ndes Duetts (im vierten Acte) ist eine der wenigen musica-\nlischen, welche die Oper darbot. Vasco vergisst auf einige\nAugenblicke seine Entdeckungs-Plane und seine Ines, die\ner ohnehin nur anstandshalber zu lieben scheint, und er-\nklärt der unglücklichen Selika seine Liebe, die allerdings\nnicht stichhaltig ist; jedenfalls ist er aber in dem Augen-\nblicke von der Aufrichtigkeit seiner Neigung überzeugt\nund geniesst somit denselben Vortheil, von dem Goethe\nlustig genug spricht: „So log und trog ich mich bei allen\nhübschen Gesichtern so hin, und hatte dabei den Vortheil,\nim Augenblicke immer selbst zu glauben, was ich sagte.\"\nSelika sieht zum ersten Male ihre Liebe erwiedert und ju-\nbelt auf in selbstvergessener Freude. Nach einer ganz\nhübschen, aber unbedeutenden Cantilene Vasco's (Es-dur,\n9/8-Tacl) und einem jubelnden Aufschrei Selika's: „Er\nliebt mich!\" folgt der 4/4-Satz, Fis-dur, der den Erfolg\ndes Duetts mit Recht festgestellt hat. Hier haben Sie ihn:\nDie Worte heissen:\nSelika:\nVers toi, mon idole,\nOuiy mon coeur s'envole!\nJe t'aime et j'immole\nJusqu'au souvenir.\nMon delire augm\nD'amourfremissant-e,\nMonäme est b\nJe me sens mourir.\nDie Melodie strömt schön dahin und erfreut durch\nihre Reinheit. Schade, dass der siebente Tact so trivial ist.\nMadame Saxe und Herr Naudin singen diese Stelle ganz\nvorzüglich und erreichen eine grosse Wirkung damit.\nNach mehrfacher Wiederholung dieses Satzes schliesst\ndas Duo pp, in der Art des O-dur-Duetts in der Euryanthe\nzwischen Euryanthe und Adolar. Das Liebespaar hält sich\n„in seligster Entrücktheit\" umfangen, und hohe Violinen\nmit Sordinen, dazwischen liegende zarte Flöten, wie auch\nBratschen und Clarinetten bemühen sich um die Wette,\nuns den hohen Grad dieser Entrücktheit klar zu machen.\nVielleicht ist auch zu Ihnen die Mär von dem „wunder-\nbaren\" Accord am Schlüsse gedrungen: nun, dieser wun-\nderbare Accord aus anderen Welten ist ganz einfach der\nkleine Septimen-Accord auf e, der sich zwischen mehre-\nren .Ms-e?wr-Dreiklängen wirklich recht gut und charak-\nteristisch ausnimmt:\nIch komme nun zu dem berühmten Unisono, welches\ndie letzte Scene einleitet. Die Verwandlung erfolgt: man\nsieht in der Mitte der Bübne den Giftbaum, im Hinter-\ngrunde das Meer. Selika erscheint während des Orchester-\nVorspiels, welches so lautet:\n(Violinen sul 0} Bratschen, Violoncelli und Fagotte.)"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "163", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650527-01.1.3", "texte": "Hier wird jedem Vorurtheilsfreien sofort das Missver-\nhältniss zwischen Intention und Ausführung auffallen.\nMeyerbeer hat in richtigem Versländnisse der folgenden\nScene die Stimmung mit fremdartigen Mitteln fixiren wol-\nlen. Gut: der Klang ist da und besticht dasjenige Ohr,\ndas nichts will als schönen Klang. Andere aber verlangen\nvor Allem, dass der Klang dem Geiste dienen soll; wenn\nalso der Gedanke nichtssagend ist und die Stimmung ent-\nweder unvollkommen ausspricht oder ihr geradezu wi-\nderspricht, so werden die herrlichsten Klangfarben und\ndie raffinirtesten Darstellungsmittel ihn nicht besser ma-\nchen und über seine Hohlheit und Inhaltlosigkeit höch-\nstens die ungebildeten Hörer täuschen können. Das ge-\nrühmte Präludium stellt sich sofort als eine Reihe gewöhn-\nlicher italiänischer Gesang-Phrasen dar. Die zwei ersten\nTacte lassen auf eine schöne, breite Entwicklung hoffen,\nder dritte und vierte Tact fallen schon vollständig ab, und\ndie nächsten vier Tacte, so wie alles Folgende würden\nbesser in eine Salon-Phantasie hineinpassen, als in diese\nScene. Darüber kann unter Leuten, die sich über das klar\nsind, was sie unter Reinheit der Melodie zu verstehen\nm\nhaben, kein Zweifel obwalten. Der musicaliscbe Inhalt\ndieser sechszehn Tacte, abgesehen von seiner Phrasen-\nhaftigkeit und Leere, hat mit dem geistigen Inhalt der\nScene, die dadurch vorbereitet werden soll, wenig oder\nnichts zu thun. In Deutschland wird man schwerlich an-\nders urtheilen.\nDie wenigen Nummern, die überhaupt eine eingehende\nBesprechung rechtfertigen, habe ich Ihnen genannt. Alles\nAndere hat mir einen unaussprechlich matten Eindruck\ngemacht; das Schlummerlied Selika's, die Arie Nelusko's,\nder Marsch und die Chöre der Indier (die schon in der\nCultur so weit vorgeschritten sind, dass sie eine vollstän-\ndige Regimentsmusik mit auf die Bühne bringen), der Ma-\ntrosenchor, die Ensembles u. s. w.—alle diese Stücke zeu-\ngen von Armuth der Erfindung und sind meyerbeerisch im\nschlimmeren Sinne. Sie vermehren das Register der Sün-\nden gegen den heiligen Geist der Tonkunst, welche den\nhochbegabten Mann so schwer anklagen, dass man in Ge-\nfahr ist, das Grosse in seinen Leistungen zu übersehen\noder ungenügend zu würdigen.\nWie konnte aber auch Meyerbeer diesen Text com-\nponiren? Er, der alles, was auf der Bühne im guten und\nim schlimmen Sinne wirken kann, besser kannte, wie ir-\ngend,ein Anderer! Das Buch wird allgemein als eines der\nschlechtesten betrachtet, die je aus Scribe's Feder geflos-\nsen sind. Es fehlt durchaus an dramatischem Leben und\nan musicalischen Situationen. Interessen sind in den Mittel-\npunkt gestellt, die auf dem Theater ziemlich kalt lassen.\nDie Charaktere der Hauptpersonen sind schwankend und\nnicht geeignet, irgendwie ein unmittelbares Interesse zu\nerwecken. Vasco de Gama ist nichts weiter als ein Amo-\nroso vom gewöhnlichen Schlage, der fortwährend zwischen\nder weissen und der schwarzen Geliebten hin und her\nschwankt und uns nebenbei durch seine geographischen\nAuseinandersetzungen und viele Redensarten von gloire\nund immortalitelangweilt. Selika, die Africanerin, liebt\nVasco eher mit der klettenhaften Anhänglichkeit eines\nKäthchen's von Heilbronn, als mit der grossartigen, gewal-\ntigen Gluth, die wir bei einem Kinde ihres Stammes glau-\nben voraussetzen zu dürfen. Sie bringt es nicht einmal zu\neiner tüchtigen Eifersucht:—Schmerz, Wehmuth, Mitleid,\nDankbarkeit u. s. w. siegen jedes Mal, und schliesslich gibt\nsie, klar erkennend, dass Vasco doch nicht zu halten ist,\nihn und Ines frei und stirbt selbst im fünften Acte. Nelusko\nist vom Dichter mit kräftigeren Zügen ausgestattet, leider\nhat aber der Cornponist nicht vermocht, die charakteristi-\nschen Töne für dieses seltsame Gemisch von Wildheit und\nTreue, von Fanatismus und Anhänglichkeit zu finden. Ines,\nso wie die übrigen Personen sind ganz unbedeutend und\nnichtssagend. Auf die Diction im Einzelnen hat Scribe of-\nfenbar grosse Sorgfalt verwandt. Die Verse sind oft sehr\nhübsch und bei Weitem nicht so banal, wie in anderen\nseiner Opernbücher. Was hilft das aber, wenn das innere\ndramatische Leben fehlt! Das famose Schiff hat Fiasco\ngemacht. Die Decoration ist recht hübsch, aber die so ge-\nnannte Bewegung des Schiffes besteht nur darin, dass es\nunter gewaltigem Krachen des Holzwerkes und des gan-\nzen künstlichen Aufbaues einen fast unmerklichen Ruck\nnach der Seite macht. Das Schiff kracht—und das Publi-\ncum lacht! Ich lache auch und befürchte ernstlich, dass\ndas Schiff nicht den grossen Erfolg der Ziege haben\nwerde. Da übrigens durch Vasco de Gama die Entdecker\nund Weltumsegier als Opernstoffe in Mode kommen wer-\nden, so sollte man auch daran denken, die Expeditionen\nzur Entdeckung der Durchfahrt am Nordpol auf die Bühne\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "164", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650527-01.1.4", "texte": "zu bringen. Man hätte alles, „was zum Glück nöthig ist\"\n(s. Goelhe in Mendelssohn's Reisebriefen, I.): Eskimo-Bal-\nlets, Eisbären-Jagden, Matrosen in den verschiedenen Sta-\ndien des Erfrierens und Verhungerns man könnte Ca-\npitän Franklin in einem Liebesverhältnisse mit einer rei-\nzenden Grönländerin darstellen. Oder was meinen Sie zu\nder Ermordung des Capitäns Cook auf Otaheiti? Die Kö-\nnigin der Wilden lässt ihn natürlich aus Eifersucht ermor-\nden, und der Elagegesang besteht aus einem grossartigen\nUnisono, welches mindestens eine Stunde dauern muss;\ndenn ohne Unisono's thun wir es jetzt nicht mehr. Kurz,\ndie Africanerin öffnet uns einen Blick in eine solche Fülle\nneuer Stoffe, dass die Klage der Componisten über die\nSchwierigkeit, ein passendes Opernbuch zu finden, ver-\nhallen muss.\n\nX.\n\nAus Bremen.\n(Bach*s Matthäus-Passion — Die Sing-Akadeinie —\nConcerte.\nIst es für einen Concertbericht, namentlich für ein Re-\nferat über die Charlreitags-Aufführung, nicht schon zu spät?\nHier in Brennen lebt sie noch in frischer Erinnerung, nicht\nnur als derSchluss der grösseren Aufführungen, sondern\nweil über ihr ein glücklicher Stern waltete, der Vieles der-\nselben wohl für immer in dem Andenken der Musikfreunde\nbefestigt hat. ßach's Matthäus-Passion wurde zum dritten\nMale zur Ausführung gebracht. Der Dom, welcher in sei-\nnen weiten Bäumen mit Zuhörern gefüllt war, bewies,\ndass die Zugkraft des Werkes noch nicht abgenommen\nhatte, wenn man auch einräumen mag — und wo gäbe es\nnicht Derartiges einzuräumen—, dass der Feier des Char-\nfreitags an und für sich, besonders aber den ausgezeichne-\nten Solisten, ein Theil der Attraction zugeschrieben werden\nmuss. Seit Hiller's Ver sacrurnim Februar hatte sich\ndie Sing-Akademie nur mit der Passionsmusik beschäftigt.\nWurde dies von mancher Seite auch bedauert, so hatte es\ndoch die gute Folge, dass der Chor völlig schlagfertig und\nin den musicalischen Inhalt eingelebt, zur Aufführung\nschritt. Er erreichte hiedurch einen fliessenden und natür-\nlichen Vortrag, dem die Schattirungen nicht fehlten, ohne\ndass man ein ängstliches Bemühen bemerkte. Die Herren\nStockhausen und Schneider hatten schon bei der ersten\nAufführung mitgewirkt, bei der zweiten war man in der\nWahl der Christus-Partie nicht glücklich gewesen; so war\ndie diesjährige, bei welcher man die Erfahrungen der frü-\nheren auch rücksichtlich der Orgel und des Knabenchors\nwohl benutzte, die abgerundetste, da auch die Frauen-\nPartieen in Fräulein Assmann aus Barmen und einer be-\ngabten Dilettantin aus Bremen glückliche Vertreterinnen\ngefunden hatten.\nHerr Schneider hat sich die volle Frische seines lieb-\nlichen Organs und die Wärme seines Vortrages zu bewah-\nren gewusst; seine weiche, gefühlvolle Natur stimmt zu\ndem Wesen des Jüngers, der in innerster Erregung die\nLeidenszeit des Herrn beschreibt. Er sang ausser dem Evan-\ngelisten und der bekannten Tenor-Arie mit Chor und\nOboen-Solo noch die Cavatine: „Mein Jesus schweigt.\"\nWir wurden hierbei wieder in der Ueberzeugung bestärkt,\ndass man so wenig als möglich von den Arien weglassen\nund wo möglich die Passion ganz, aber an zwei Abenden\nhinter einander getheilt geben soll, sobald man gute und\ndes Werkes mächtige Solisten hat. Stockhausen's Ge-\nsang erschien noch grösser und vollkommener, als früher;\nda war die Milde, die Hoheit, die erschütternde Wahrheit\ndes Herrn: jedes Wort vollkommen natürlich, unübertreff-\nlich schön, ohne alle Affectation, ohne alles äusserlich ge-\nmachte, declamirte Wesen. Man möchte allen Sängern sa-\ngen: Gehet hin und lernet von ihm, er ist der Meister.—\nAusser der letzten Arie des zweiten Theiles: „Mache dich\nmein Herze rein\", dieser Perle unter den Bach'schen Bass-\nArien, die so herrlich ein zartes, hingebendes Gefühl aus-\nspricht, in dem sich jungfräuliche Lieblichkeit des Empfin-\ndens mit männlichem Ernste paart, sang Stockhausen noch\ndas Recitativ und Arie: „Der Heiland fällt vor seinem Va-\nter nieder\" u. s. w. Wir erinnern uns nicht, etwas Vollen-\ndeteres gehört zu haben, als u. A. die Worte: „Denn sein\nMund, der von Milch und Honig fliesset, hat des Leidens\nherbe Qual durch den ersten Trunk versüsset.\" Der alte\nMeister hat hier den Kelch melodisch süssester Romantik\nzum köstlichen Genüsse hingezaubert, ein Zauber, dem man\nsich nicht entziehen kann, wenn man den Inhalt in so voll-\nendeter Wiedergabe empfängt. Neben Stockhausen's Ge-\nsänge hatte die Trägerin der Alt-Partie einen schweren\nStand; doch die gesunde und schöne Natur, die treue Hin-\ngabe an die Intentionen des Componisten hoben die jugend-\nliche Sängerin über die Gefahr hinweg; sie wusste das In-\nteresse an ihrem Gesänge bis zu Ende rege zu erhalten.\nDer Eindruck der ganzen Passionsmusik unter diesen Um-\nständen war ein ergreifender und allgemeiner, und nicht\nwenig erhöhte ihn auch äusserlich die stimmungsvolle Um-\ngebung, die herrliche Kirche, die majestätische Orgel, die\nChoräle, die an diesem Orte doppelt weihevoll klingen\nund jenes Gefühl hervorrufen, in dem sich künstlerisches\nund religiöses Empfinden mit einander verbindet.\nIm November hatte die Sing-Akademie ebenfalls\nim Dome eine Aufführung vonHändel's Samson gebracht,\nin grösserer Vollständigkeit, als man bisher hier gehört\nhatte, unter Mitwirkung von Dr. Gunz und Fräul. Eicke."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "165", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650527-01.1.5", "texte": "Durch die Wiederherstellung verschiedener Tenor- und\nSopran-Arien nach der Original-Partitur trat der Charak-\nter des Helden und der Delilah in ein helleres Licht, in\nvielseitigere Beleuchtung; von vorzüglicher Wirkung war\nu. A. die Coloratur-Arie: „Warum liegt Juda's Gott im\nSchlafe!\" und die lockende Sopran-Arie: „So wie die Taube\neinsam klagt\", eben so die Ausbreitung der Anfangsscenen\ndes Baalsfestes. Die Episode mit dem philisläischen Riesen\nwar weggelassen.\nIn dem Cyklus der eilf „Privat-Concerte\" ist über die\nhervorragendste neue Erscheinung Hiller's,\nschon berichtet worden; ihr gegenüber stand eine Auffüh-\nrung des Cherubini'schen Reguiso sehr auch die Mu-\nsikkenner von der Hoheit des Werkes erbaut waren, so\nwar das grosse Publicum doch weniger damit einverstan-\nden, welches äusseren Schmuck, Abwechslung und die ge-\nliebten Soli vermisste, und dem die Sache im Concertsaale\nzu düster vorkam. Von den neuen Jnstrumentalwerken hat\nLachner'si? woß-Suite weitaus den grössten Eindruck her-\nvorgebracht; der Beifall steigerte sich bis zum\ndes vierten Satzes, ein Ereigniss, das in Bremen bei einer\nneuen Sinfonie noch nicht da war, und führte zu einer\nWiederholung des Werkes im Sinfonie-Concerte. Auch\nAbert's Columbus-Sinfonie wurde günstig aufgenommen,\ndie Ausstellungen betrafen das Programmartige der Musik,\nnamentlich des letzten Satzes; man würde sich dem musi-\ncalischen Inhalte des Werkes noch unbefangener hingeben,\nwenn nicht das Suchen nach der Verbindung der Töne mit\nden Ueberschriften störte, namentlich die Haupt-Ueber-\nschrift „Columbus\" einen Ideengang anregte, der im Werke\nselbst keine Verwirklichung findet, denn Sturm und Empö-\nrung des letzten Satzes scheinen wie zufällig hineingebracht,\nund der Charakter des Columbus selbst findet keine An-\ndeutung. Von neuen Ouvertüren ging Rubinstein's B-dur\nziemlich spurlos vorüber; weit mehr Anklang fand eine\nWiederholung der Iphigenia-Ouverture von Scholz, ein\nsinniges und feines Werk voll ansprechender Züge, wenn\nes auch den Hörer nicht mächtig fortreisst, eben so eine\nneue interessante Ouvertüre von Deppe zu Don Carlos un-\nter des Componisten Leitung; sie ist wirkungsvoll instru-\nmentirt, hat originelle Gedanken in gelungener Ausfüh-\nrung, der geistige Inhalt des Werkes, der Zusammenhang\nmit dem Schiller'schen Drama lassen sich herausfühlen,\nwenigstens die schmeichlerische Eboli und der düstere Phi-\nlipp sind glücklich angedeutet. Die übrigen Orchesterwerke\nverlheilten sich auf die Namen Mozart, Cherubini, Beet-\nhoven, Weber, Schubert, Mendelssohn, Schumann, Rietz;\nkleinere Chorsachen von Mendelssohn und Reinthaler. Un-\nter den Gästen, Virtuosen und Sängern, erregte das meiste\nInteresse Joachim mit seinem neuen Violin-Concerte. Die\nKritik hat anderwärts nur reservirt anerkennend darüber\ngesprochen; wir fanden in demselben nicht nur einen Fort-\nschritt gegen das ungarische, sondern einen gesunden und\ngeistvoll gedachten Organismus von echter Schönheit vor.\nJe höher der Componist eines Concertes sich die Aufgabe\nstellt, je mehr er seinen Sinn dem Idealen zuwendet, desto\nschwieriger wird es, äusserlich glänzend zu erscheinen;\neiner edlen, auf Harmonie beruhenden Schönheit ergeht\nes auch hier zuweilen wie im Leben, sie wird nicht so-\ngleich, sondern erst bei öfterem Anschauen als solche er-\nkannt und geschätzt. Joachim s Werk ist nicht von blen-\ndender Schönheit, aber es gesellt zu den Vorzügen feiner\nArbeit jenen gemüthvollen Zug warmer Melodie und zum\nHerzen sprechender Empfindung, ein Wesen, das nicht\nüberrascht, aber einen wohlthuenden Eindruck hinterlässt.\nAuch Capellmeister B ott aus Meiningen spielte neben einem\nSpohr'schen Concerte ein eigenes Rondo und Capriccio, in\ndem er den Schüler Spohr's nicht verläugnet; obwohl in\nsehr weicher Empfindung und mildem, fast eintönigem Co-\nlorit gehalten, schmeichelt es sich doch dem Ohr lieblich\nein und wird gewiss, namentlich bei so meisterhaftem Vor-\ntrage, sich überall die weichgeschaffenen Seelen gewinnen.\nDie übrigen Sologeiger: Auer, Wilhelmy, der Cellist\nDr. Swert, sind wohlbekannte Namen aus der aufstreben-\nden, brillanten jungen Virtuosenwelt; ihnen schliesst sich\nder Schüler Joachim's, Herr Schierer aus Hannover, an,\nein Geiger von feiner Technik und Noblesse des Vortrags,\nder bei weiterer Entwicklung sehr Gutes verspricht. Das\nCiavier war vertreten vor Allen durch Frau Schumann,\nwelche Beethoven's Es-</w-Concert und Weber's Concert-\nstück vortrug; durch Fräulein von Asten (Beethoven Nr.\n1 und kleine Sachen von Schumann und Chopin), die sich\ndurch zarten Anschlag und anmuthigen Geschmack im\nVortrage auszeichnete; ferner durch Herrn Wal lenstein\naus Frankfurt am Main, einen in derThat glänzenden Spie-\nler von echt künstlerischer Richtung und vielseitiger Be-\ngabung; er brachte HummePs zu Ehren\nund bewies, dass dasselbe sehr wohl noch spielbar und\nlebensfähig ist; auch eine Flöte haben wir als Solo-Instru-\nment gehört: wenn sie freilich so gespielt wird, wie Herr\nDe Vroy aus Paris sie spielt, kann man sie sich ausnahms-\nweise gefallen lassen. Die concertirenden Sängerinnen wa-\nren Fräulein Orgeni zwei Mal untergrosser Anerkennung\nihres anmuthigen Talentes, ferner die Damen Fräulein\nBusk, Fräulein de Conet, Fräulein Gastoldi, Frau\nDr. Köster, Fräulein Eicke, Fräulein Metzdorff und\ndie Herren Bietzacher und Stock hausen. Die hervor-\nragenden Kräfte sind Ihnen bekannt. Stockhausen erwei-\nterte sein Repertoire durch den prachtvollen Vortrag der\nArie des Lysiart aus Euryanthe. Die Vorträge der Frau"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "166", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650527-01.1.6", "texte": "Dr. Köster waren vom höchsten Interesse, namentlich wenn\nman sie als die Trägerin der classischen Kunst und mit der\nErinnerung an ihre zwanzigjährigen Leistungen würdigt.\nAusser dem Cyklus der Abonnements-Concerte fanden\nauch diese Saison wieder sechs Sinfonie-Concerte ebenfalls\nunter Reinthaler's Leitung Statt, welche interessante Pro-\ngramme durch Zusammenstellung von neuen und alten,\nzum Theil selten gehörten classischen Orchesterwerken\nboten. Neu war für Bremen u. A. Schumann's Es-dur-\nSinfonie, die sich viele Freunde erwarb, und Gouvy's an-\nmuthige und fein empfundene .F-üfwr-Sinfonie, die eben-\nfalls sehr ansprach; im letzten Concerte, welches unter\nMitwirkung von Männerchor Statt zu finden pflegt, kamen\nu. A. die Dithyrambe von Rietz und ein neues Chorlied\nvon Reinthaler, „Octoberlied\", mit vielem Beifalle zur Aus-\nführung. Die grosse Anzahl der Concerte dürfte sich viel-\nleicht nicht zum Schaden eines weiteren künstlerischen Ge-\ndeihens einschränken lassen: doch fehlt noch immer in\nBremen das äussere Mittel dazu, ein allen Bedürfnissen\nentsprechender grosser Concertsaal, da der Unionssaal\nhöchstens 750 Zuhörer fasst, die bei Chor-Aufführungen\nin qualvoller Enge und Hitze zusammengedrängt sitzen und\nstehen. Die Aufführung des Hiller'schen Oratoriums „Die\nZerstörung\" durch den Gesangverein des Herrn Engel\nwurde schon berichtet; aus den drei übrigen Soireen, die\ndieser Gesangverein im Unionssaale mit Begleitung des Flü-\ngels und in Verbindung mit Solo-Vorträgen einheimischer\nund fremder Künstler gab, nennen wir als Novitäten die\nAufführung des Psalmes von Bargiel, ferner des Franz\nLachner'schen Psalmes für Männerchor, das Hauptmann'-\nsche Salve Regina,Gade's Cund von Max Bruch\n„Die Birken und Erlen\" und „Die Flucht der heiligen Fa-\nmilie\", welche letztere besonders angesprochen hat.\n\nAus Leipzig.\n\n(Oper „Perditau von Barbieri Die Sing-Akademie unter\nLeitung von J. von Bernuth.)\n- Den 10. Mai 1865.\nC. de Barbieri dirigirte gestern im Stadttheater vor\neinem nicht ausserordentlich zahlreichen Publicum seine\nneue Oper „Perdita\", deren von Karl Gross angefertig-\ntes Libretto aus Scenen des Shakespeare'schen Winter-\nmärchens, untermischt mit der Phantasie des Verfertigers,\nzurecht gemacht ist. Obwohl dieses Libretto vielfache Ab-\nweichungen von dem Inhalte des Originals zeigt, so wol-\nlen wir des Raumes wegen hier doch nicht auf dieselben\neingehen, glauben auch, dass jedem Gebildeten Shake-\nspeare's Schöpfung so bekannt ist, um bei Kenntnissnahme\ndes Operntextes sofort die Unterschiede erfassen zu kön-\nnen. Wenn nun in letzterem auch manche Ungeschickt-\nheiten bei Behandlung des Stoffes erkennbar sind, so ist\ndoch dem Musiker hinreichend Gelegenheit geboten, sich\ndie in der Oper nothwendige musicalische Hegemonie zu\nverschaffen. Dass diese Herr de Barbieri über Herrn Gross\nerlangt hat, dürfte wohl kaum bezweifelt werden, obwohl\nwir in seinem Werke grösstentheils nur den italiänisch-\nmusicalischen Eklektiker finden, welcher bald die Denk-\nweise eines Verdi und Donizetti, bald auch die eines\nMeyerbeer und Rossini abspiegelt. Wo er letzteren zum\nVorbilde genommen hat, liefert er selbstverständlich das\nBeste, wozu wir namentlich das Finale der ganzen Oper\nrechnen. Auch im zweiten Acte ist Einiges vorhanden,\nworan der Musiker Interesse nehmen kann. Musicalische\nBedeutung, welche bei vorhandenem Talente nur durch\ndie gewiegte deutsche Schule mit ihrer kräftigen Poly-\nphonie zu erlangen ist, dürfte allerdings keiner einzigen\nNummer zugesprochen werden. Der absolute Wohlklang\njedoch, so wie auch die routinirte Verwerthung der instru-\nmentalen und vocalen Mittel verschaffen, wie wir gestern\nwahrnehmen konnten, der Oper einen Erfolg, welchem\nwir im Interesse des Herrn de Barbieri und der verschie-\ndenen Theater-Directionen rechte Nachhaltigkeit wünschen.\nDie Inscenesetzung war vortrefflich und musste die-\nselbe von Seiten des Publicums die ungetheilteste Aner-\nkennung erhalten. Eben so wetteiferten auch unsere Büh-\nnenkräfte unter einander, dem sicheren, gewandten Tactir-\nstabe mit grösster Aufmerksamkeit bei aller lebhaften\nAction zu folgen und den Intentionen des Tonsetzers in\nbester Weise gerecht zu werden. Frau Kainz-Prause,\nin deren Hände die Hauptpartie, Hermione, gegeben war,\nentfaltete die ganze Kraft ihres an sich trefflichen Organs,\ndessen Wirkung nur durch einiges unzeitiges Athemholen\nund mitunter durch falschen Tonansatz ein wenig abge-\nschwächt wurde. Recht tüchtig sangen und spielten Fräu-\nlein Kropp (Perdita) und Fräulein Karg (Paulina), wäh-\nrend Herr Grimminger wieder durch Detonations-Ge-\nbrechen die Zuhörerschaft verstimmen musste. Herr The-\nlen entledigte sich bis auf einige Gaumentöne seiner nicht\nleichten Aufgabe recht gut, und die Herren Hertzsch\nund Schild boten ganz befriedigende Leistungen, während\ndie übrigen Nebendarsteller und der Chor Manches zu\nwünschen übrig liessen.\nDie Zeit wird es lehren, ob sich die Oper mit ihren\nunangenehmen Längen auf dem Repertoire erhalten kann.\nUnsererseits können wir den Wunsch nicht unterdrücken,\ndass man auch bald einmal sein Augenmerk auf Erzeug-\nnisse deutscher Tonsetzer richten und dass man z. B. Fer-\ndinand Hiller's, Lachner's, Abert's und Bruch's u. s. w."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "167", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650527-01.1.7", "texte": "Werken grössere Beachtung zollen möge. Die deutsche\nNation hat vor allen Dingen die Pflicht, ihren Landsleuten\ndie gebührende Achtung an den Tag zu legen, und wir\nmeinen, es würde namentlich in dem musicalischen Leipzig\ndurch solche Werthschätzung der Direction kein Schaden\nerwachsen.\nDie hiesige Sing-Akademie, welche in neuester\nZeit durch Zuziehung inactiver Mitglieder eine umfangrei-\nchere Wirksamkeit und höhere Bedeutung für die Allge-\nmeinheit erlangt hat, veranstaltete am 10. Mai unter Lei-\ntung ihres vom redlichsten Streben beseelten Dirigenten,\ndes Herrn von Ber nuth, ihre erste Aufführung im Saale\ndes Gewandhauses, und zwar hatte man zu derselben die\n„Vier Jahrszeiten\" von Joseph Haydn gewählt, welches\nWerk im Frühjahre 1801 zum ersten Male unter Di-\nrection des Tonschöpfers im fürstlich Schwarzenberg'schen\nPalaste zu Wien aufgeführt ward. Finden wir in diesem\nWerke, dessen Text von Baron van Swieten nach Thom-\nson angefertigt wurde, auch manchmal etwas materialistisch\ngefärbte musicalische Malerei, vor der sich ein Tonsetzer\nim Ganzen zu hüten hat, so bildet dieselbe doch nur ein\nuntergeordnetes Moment; „der tiefe Geist, die Kraft des\nGemüthes, der Schwung der Phantasie,-die Heiligkeit des\nWillens, die Blüthe schöner Bildung, welche der Tonsetzer\nim Ganzen und Einzelnen entfaltet das sind die Haupt-\nRücksichten bei der Kritik dieses Werkes.\" Wir finden\nein ungemeines Ausströmen des Geistes bei der meister-\nhaften Benutzung der einfachsten Kunstmilte], ein treff-\nliches Auffassen der Idee im Ganzen und Einzelnen, be-\nsonders aber einen geheiligten Willen, der das Leben nach\nallen Richtungen von der würdigsten Seite erkannte und\ndas schöne Gemüth adelt, das nur in den höchsten Idealen\nund in Gott lebt, zu welchem sich bei jeder Gelegenheit\nder Blick wendet. Es ist ein vortreffliches Bild der interes-\nsantesten Scenen des häuslichen Lebens in jeder Jahres-\nzeit, mit so vieler Wahrheit, Reinheit und so anziehend\ndargestellt, wie es uns nur ein Tondichter mit schönstem\nGemüthe, mit blühendster Phantasie geben kann. Dem\nScherze mischt sich so viel Ernst bei, dieser wird durch\njenen so gemildert, die wichtigsten Betrachtungen geben\nzur rechten Zeit der Darstellung so viel Tiefe, so viel\nFrommes und lösen sich wieder in die liebliche Quelle\nreinsten Vergnügens auf, kurz, das an und für sich eben\nnicht bedeutende Gedicht hat durch des Tonmeisters\ngrosse Kunst eine poetische Verklärung erhalten, dass wir\ndiese Bearbeitung als classisch und für junge Tonsetzer als\nMuster betrachten können, wie man einen nicht immer\ngünstigen Text durch das subjectiv-musicalische Erfassen\nder Grund-Idee und durch das formvolle, künstlerische Ver-\narbeiten derselben zu intensiver Kraft emporheben kann.\n• Die Sing-Akademie hatte bei ihren Bestrebungen, die-\nses herrliche Werk zu würdiger Ausführung zu bringen,\ndem Vernehmen nach mit mancherlei Hindernissen zu\nkämpfen. Zuvörderst wurde durch die Abhaltungen der\neinzelnen Orchester-Mitglieder und durch spätes Eintreffen\nder Solisten eine vollständige Generalprobe unmöglich.\nAuch musste der ursprünglich engagirte Tenorist Herr\nSchild plötzlich noch Weiser werden, für welchen in der\nfreundlichsten Weise Herr Denner aus Kassel nach tele-\ngraphischer Berufung die Partie des Lucas durchführte.\nTrotz alledem gereicht es der Sing-Akademie zur grössten\nEhre, dass sie dem Publicum eine Leistung geboten hat,\ndie wir in Bezug auf gemischten Chorgesang als die über-\nhaupt vorzüglichste bezeichnen müssen, welche seit schon\nlanger Zeit im Gewandhaussaale entgegengenommen wor-\nden ist. Es war eine wahre Freude für Ohr und Herz,\ndie frischen, markigen Sopranstimmen bis ins zweigestri-\nchene bin grösstentheils reinster Fülle emporsteigen zu\nhören, und eben so secundirte der wohlbesetzte Alt in\nsolcher einheitlichen Präcision, dass wir von diesem Frauen-\nstimmen-Ensemble freudigst überrascht waren. Die Män-\nnerstimmen sind zwar noch etwas schwächer besetzt, der\nKern ist aber ebenfalls ein so tüchtiger, dass es nur der\nZuziehung noch einiger Studentenstimmen bedarf (deren\nwir ja nicht wenige haben und die so gern gute Musik\nals wackere Musensöhne unterstützen helfen), um mit der\nZeit ein wirklich vollendetes Ensemble zu ermöglichen.\nZu diesen mit der richtigsten Auffassung geleiteten und\nwohl vorbereiteten Chormitteln kamen noch die trefflichen\nSolokräfte, unter denen Fräulein Santer aus Berlin bei\nDurchführung der wunderreizenden Partie der Hanne eine\nso köstliche, in den hohen Lagen namentlich so edel klin-\ngende und bis etwa auf den Triller eine so vorzüglich\ngeschulte Stimme mit stets der Situation angepasster\nAuffassung entfaltete, wie es uns seit langer Zeit bei einer\nConcertsängerin nicht vorgekommen ist. Wollen wir noch\neine Beiläufigkeit erwähnen, so ist es die edle Erscheinung\nder Sängerin, durch welche wir in der That an die plasti-\nschen Figuren der „schönstimmigen\" Muse Kalliope erin-\nnert wurden. Auch Herr Bietzacher aus Hannover\n(Bass) wirkte durch sein mächtiges Organ, durch seine\necht musicalische Vortragsweise in der wohllhuendsten\nWeise, und wir hoffen, diesem trefflichen Künstler noch\nrecht oft zu begegnen. Eben so heissen wir Herrn Den-\nner aus Kassel als Interpreten der Tenor-Partie freund-\nlichst willkommen. Sein feines Gefühl und seine musica-\nlisch-saubere Technik liessen ein paar gepresste Töne im\nhöchsten Begister vollständig vergessen. Endlich sei auch\ndem nicht stark genug besetzten Orchester mit seinem\nvorzüglichen Concertmeister David unsere volle Anerken-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "168", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650527-01.1.8", "texte": "nung gezollt, und hoffen wir, dass noch recht oft ein Zu-\nsammenwirken des Gewandhaus-Orchesters, des\nMittelpunktes unseres musicalischen Lebens in der „In-\nstrumental-Musik\", und der „Sing-Akademie\", der\nTrägerin unseres musicalischen Lebens im gemischten\nChorgesange, mit Beiseitesetzung aller etwaigen Eifersüch-\nteleien ermöglicht werde. Dann werden sich mit der Zeit\nauch nach Neubau eines grossen§Saales „mitteldeutsche\nMusikfeste\" veranstalten lassen, welche sowohl von der\n„Allgemeinen Musicalischen Zeitung\" in Leipzig, als auch\nvom Referenten dieses in anderen Fachblättern angeregt\nworden sind und gewiss auch ferner befürwortet werden\nsollen.\n\n0. P.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMünchen. Tragische Geschichte von Tristan und Isolde.\nDen 11. Mai. Generalprobe.\nDen 16. Mai. Die Oper Tristan und Isolde, welche wegen\nplötzlichen Unwohlseins der Frau Schnorr von Carolsfeld gestern\nnicht Statt finden konnte, und nun heute Abend zur Ausführung ge-\nlangen sollte, kann wegen fortgesetzten Unwohlseins der Frau Schnorr\nauch heute noch nicht gegeben werden. Eine überaus grosse Anzahl\nFremder, zum Theil aus weitester Ferne, und unter ihnen sehr viele\nMusik-Notabilitäten, sind zu dieser Opern-Vorstellung eigens hier\neingetroffen ; sie mochten nicht wenig bedauern, dass die erste Vor-\nstellung für gestern unterbleiben musste. (Bayr. Ztg.)\nDen 18. Mai. Se. Maj. der König ist gestern Mittag nach\nSchloss Berg am Starnberger See zu längerem Landaufenthalt\nabgereist. (B. Z.)\nDen 20. Mai schreibt man der National-Zeitung aus Mün-\nchen: „Tristan und Isolde ist definitiv beseitigt. Der junge König\nweilt auf unbestimmte Zeit am Starnberger See, Wagner hat vor\nder Hand keinen Verkehr mit ihm, von Bülow hat mit dem Theater\nnichts mehr zu thun und Herr und Frau von Schnorr sind abge-\nreist. Der Inhalt der Oper ist die Ursache hiervon. Die höchst über-\ntriebenen und in einem Acte fast eine Stunde währenden Liebeleien\nwurden von • gewisser Seite als undarstellbar bezeichnet, man hat\nAlles daran gewendet, um den jungen König von der Sache abzu-\nbringen, und es ist gelungen!\"\nDen 24. Mai. In den Annalen des Theaters dürfte wohl kaum\nein so entschiedenes Unglück verzeichnet sein, als dasjenige, wel-\nches R. Wagner bezüglich der ersten Aufführung seiner Oper Tristan\nund Isolde hat. So musste die endlich auf übermorgen Abend\nanberaumte erste Vorstellung der Oper abermals verschoben wer-\nden in Folge abermaligen Unwohlseins der Frau von Schnorr, und\nlässt sich vorerst noch nicht sagen, wann dieselbe wird Statt finden\nkönnen. .(Augsb. Allg. Ztg.)"}]}