{"numero_id": "bm-bmtnabi-1865-06-03-01", "volume": "bmtnabi_1865-06-03_01", "ocr_sha256": "6140399261acd4b53397315c864c3a609a6c427e4de114a5f6fbd9f6408ae11d", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1865/06/03_01/bmtnabi_1865-06-03_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650603-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1865-06-03-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-06-03_01#c001", "volume": "bmtnabi_1865-06-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "169", "page_fin": "169", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650603-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "169", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650603-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 465, "texte": "Inhalt.\nHändel's Israel in Aegypten. Judith Pasta (Nekrolog). Aus Braunschweig (Vorbereitungen zum Musikfeste).\nVerdi und Wagner. Tages- und Unterhaltungsblatt (Berlin, „Die schöne Helena\", Stabat Mater von F. Kiel, Frau Crelinger\nMainz, Musikfest-Vorbereitungen Karlsruhe, Abonnements-Concerte *— Stuttgart, Theater Finanzielles zu „Tristan und Isolde\"\nWien, Frau Bach-Marschner, Oper, Anzahl der Theater, Ed. Hanslick Prag, Frau Dustmann Guido-Feier Franz Liszt)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-06-03-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-06-03_01#c002", "volume": "bmtnabi_1865-06-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "169", "page_fin": "171", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650603-01.2.2", "titre_corps": "Händel’s Israel in Aegypten", "titre_sommaire": "Händel’s Israel in Aegypten", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "169", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650603-01.1.1", "debut_caractere": 467, "fin_caractere_exclue": 4250, "texte": "Händel’s Israel in Aegypten\n*)•\nDieses Oratorium hat eine eigenthümliche Entstehung\nund besondere Schicksale gehabt. Als Händel im Jahre\n1738 den „Saul\" geschrieben und ihn am 27. September\nbeendigt hatte, begann er vier Tage darauf, am 1. Octo-\nber, „Israel in Aegypten\", und zwar denjenigen Theil des\nWerkes, welcher jetzt den zweiten bildet. Er wählte\nzum Stoff den „Lobgesang Moses' und der Kinder Israels\nam rotben Meere\" und legte mit geringen Auslassungen\ndas 15. Capitel des 2.'Buches Moses (V. 1 —2l) als Text\nzum Grunde; am 11. October war die Partitur fertig.\nDarauf ging er nach vier Tagen, am 15. October, an die\nComposition des ersten Theiles, in welchem er den Stoff\ndurch die Sendung Moses' nach Aegypten und die Schil-\nderung der Wunder und Plagen, durch die Pharao in den\nAuszug der Israeliten zu willigen bewogen wurde, in Zu-\nsammenstellung von Textesworten aus den Psalmen 68,\n105 und 106 ergänzte und am Schlüsse auch schon den\nAuszug selbst und den Untergang der Verfolger im Meere\nerwähnte, als Veranlassung des folgenden Lobgesanges.\nDiesen Theil vollendete er am 28. October, so dass er\nalso das ganze Oratorium binnen 25, oder wenn man\nChrysander's Angabe**): „als ein Ganzes war das Werk\nam 1. November beendigt\", berücksichtigt, binnen 27 Ta-\ngen geschrieben hat.\nSchon bei der Beschäftigung mit dem „Saul\" hatte\ner den Gedanken, das im Jahre 1737 (im December) ge-\nschriebene Anthem auf den Tod der Königin Caroline da-\nbei zu benutzen, gab ihn aber wieder auf. Jetzt schien\nihm „Israel\" zu kurz lür die Ausfüllung eines Abends,\nund so entschloss er sich, das ganze Futteral Anthem als\nersten Theil unter dem Titel: »Klage der Israeliten\num Joseph's Tod\", der ersten Aufführung des „Israel\"\nzuzugeben. Diese Aufführung fand den 4. April 1739\nStatt; bei den späteren liess er das Trauer-Anthem wie-\nder weg, und versuchte überhaupt auf mancherlei Weise\noft wunderlich genug dem londoner Publicum, bei\nwelchem der „Israel\", in Deutschland als eines der genial-\nsten und erhabensten Meisterwerke anerkannt, keinen\nErfolg hatte, das Werk mundrecht zu machen. Wir kom-\nmen auf die Geschichte der Aufführungen in England zu-\nrück, weil sie besonders für diejenigen lehrreich ist, die\nda den Deutschen die Eigenschaft, Händel zu erkennen,\nim Gegensatze zu den Engländern abzusprechen lieben,\nwährend ein so constatirtes Missfallen, wieHändel's „Israel\"\nes in England erlebte, und das Liegenlassen anderer Ora-\ntorien von ibm in England, die in Deutschland häußg\nund mit Erfolg gegeben werden, ein klarer Beweis vom\nGegentheil ist.\nWenn Chrysander (Händel 11. S. 445) mit Recht\ngegen die „schmachvolle Verungestaltung\" des eben er-\nwähnten Funeral Anthem zu einem Passions-Oratorium\ndurch die Deutschen als: „Empfindungen am Grabe Jesu\",\neifert, dabei aber dem Rationalismus einen Theil der Schuld\nzuschiebt und am Ende ausruft: „In einem Lande, wo sol-\nches möglich war\" (Weh' uns Verdammten!), „wer möchte\nsich wundern, dass Händel hier so langsam durchdringen,\ndass seine wahren Ideale bei uns so spät erkannt werden\"\nso hat er vergessen, erstens, dass der gläubigste Mysti-\ncismus viel ärgere, weil widrig sinnliche Beziehungen auf\nChristus in den Texten alter Kirchen-Compositionen erzeugt\nhat; zweitens, dass Händel selbst seine Musik, deren Ueber-\ntragung auf Christus „als einen Menschen erniedrigt wurde,\nweil sie nur dazu dient, eine edle Fürstin in höchster\n\n*) Da Händel's „Israel in Aegypten\" morgen, am ersten\nAbende des 42. niederrheinischen Musikfestes, hier in Köln\naufgeführt wird, so entnehmen wir dem Vorworte zum Text-\nbuche für 1865 die obigen Bemerkungen über das Werk, welche\nauch für weitere Kreise nicht ohne Interesse sein dürften.\n**) Vorwort zur Lieferung XVI: „Israel in Aegypten\",\nin der Ausgabe der deutschen Händel-Gesellschaft."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "170", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650603-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5332, "texte": "weiblicher Zartheit und Schönheit erscheinen zulassen\"\ndass Händel selbst diese Musik, wie oben erwähnt, auf\nden ägyptischen Statthalter Joseph übertragen hat (oder\nwar das dem Händel vielleicht auch nur dadurch „mög-\nlich'', dass er ein Deutscher war?); endlich, dass in Eng-\nland ein Werk wie „Israel\" keinen Erfolg hatte, und dass\ndort bis auf den heutigen Tag nur drei bis vier Oratorien\nHändel's ganz, von anderen nur Fragmente und noch an-\ndere gar nicht aufgeführt worden. Wir meinen, Händel\ndürfte, wenn er noch lebte, mit den Deutschen zufriedener\nsein, wie mit den Engländern. Was das „späte und\nlangsame\" Durchdringen Händel's „bei uns\" (wir gehö-\nren am Rheine doch auch dazu!) betrifft, so bemerken wir\nnur, dass Händel seit 1819 bis heute dreiunddreis-\nsig Mal auf unseren 42 Musikfesten in vollständigen Auf-\nführungen vorgekommen ist und jedes Mal die Zuhörer\nbegeistert hat. Die erste Aufführung des Messias war\nPfingsten 1819, mithin vor 46 Jahren, 40 Jahre vor Er-\nscheinung des 11. Bandes von Chrysander's Händel.\nEinen wichtigeren Punkt als die äusserliche Zugabe\noder Weglassung des Anthems bildet ein von\ndessen zehn Sätzen Händel fünf bis sechs zu vier Chören\nund zwei Duetten in seinem „Israel\" benutzt hat. Die\nThatsache ist wichtig, denn jenes ist hand-\nschriftlich auf der Bibliothek der\nciety in London vor etwa zehn Jahren entdeckt worden.\nEnglische Kritiker, z. B. Schölcher und Macfarren, wollten\ndessen Composition für Händel selbst in Anspruch nehmen,\nwas indess Chrysander (Bd. I. S. 168—177) gründlich\nwiderlegt. Auch die Zeitschrift „Das Athenäum\" trat da-\ngegen auf und sagt am Schlüsse des betreffenden Artikels:\n„Wir vermuthen, dass der Riese so reich war, dass er\nsich berechtigt fühlte, von da oder dort zu stehlen.\" Schöl-\ncher zweifelt am Ende auch und meint, der Riese könnte\nes doch wohl so gemacht haben, wie die Grossen mit den\nKleinen zu verfahren pflegen.\nChrysander weist mit der grössten Wahrscheinlichkeit\naus inneren und äusseren Gründen nach, der Name\nJErba, der auf dem Manuscripte steht,\neinem um 1690 blühenden berühmten Meister Dionigi\nErba aus Mailand gehöre, von dem denn wohl mit Si-\ncherheit anzunehmen, dass er das gesetzt habe.\nDie Thatsache, dass Händel einige Nummern daraus in\nden Bereich seines Oratoriums gezogen und nach seiner\nWeise umgestaltet habe, läugnet er nicht, ereifert sich aber\nfurchtbar gegen Schölcher und das Athenäum wegen ihrer\nhumoristischen Ausdrücke von Raub und Diebstahl. Die-\nser Eifer befeuert ihn so, dass er behauptet: „Das, was\nHändel Note für Note beibehielt, und das andere, das er\nin ungeahnter Weise gänzlich neu gestaltete, Alles ist sein\neigen geworden. Es war der Drang seiner künstlerischen\nNatur, Tongedanken, die er in halber Gestaltung und was\ndamit gewöhnlich zusammenhängt, auf einem ihnen frem-\nden Gebiete liegen sah (?), nicht untergehen zu lassen.\nDass er sogleich erkannte, wo sie hingehörten, und sie\nihm in vollkommener Gestalt als Verkündiger grosser Be-\ngebenheiten vorstanden, ist das Unbegreifliche dabei. Hier\nwirkte sein Geist wie eine Naturgewalt\" u. s. w. Zuletzt\nerklärt er Händel's Verfahren für ganz gleich mit dem,\nwas Shakespeare in der Bearbeitung von Novellen zu Dra-\nmen gethan, wobei denn doch ein gewaltiger Unterschied\nobwaltet. Welche Richter soll denn diese blendende Ver-\nteidigung der Aneignung fremden Eigenthums „aus in-\nnerem Drange und aus der Erkenntniss, wo es besser\nhingehöre\", überzeugen? Dergleichen Deductionen gehö-\nren der Manie von Biographen an, die ihren Helden nicht\nnur über die Menschen seiner Zeit und seines Faches, son-\ndern über das Menschliche überhaupt erheben wollen und\ndie geheime innere Werkstatt seines Schaffens eben so\ngenau zu kennen meinen, wie ihre eigene Studirstube. In-\ndessen man muss solche Auswüchse an einem so übersaf-\ntigen Baume des Lebens, wie ihn Chrysander für Händel\npflanzt, schon mit in den Kauf nehmen, um sich an den\nFrüchten desselben zu erfreuen.\nUns ist es nur um die Thatsache zu thun, die, wie\neine Menge anderer Beispiele zeigt, wie Händel sich selbst\nund zuweilen auch Andere benutzte, und damit einen Be-\nweis gibt, wie schwierig es ist, den so genannten „noth-\nwendigen\" Gang eines Genies aus dessen Werken darle-\ngen zu wollen. Noch ein Beispiel anderer Art wollen wir\nin dieser Beziehung erwähnen. In dem erhabenen Chor\nin E-moll:„Das hören die Völker und sind erstaunt\",\nhatte Händel die Textesstelle: „Alledie Bewohner Canaans\nergreift die Angst\", bei der Composition in der Eile über-\nsehen und sprang von Tact 23 gleich auf Tact 56. Erst\nspäterhin bemerkte er es und schuf nun den wunderschö-\nnen Mittelsatz auf jene vergessenen Worte, 33 Tacte, die\nin H-moll schliessen, worauf dann der Einsatz in G-dur,\nder schon da war, eine ganz andere Wirkung erhält, bei\nder Jedermann darauf schwören sollte, dass sie in dem\nEntwürfe des Ganzen berechnet gewesen wäre. Die 33\nTacte sind auf vier besondere Blätter in der Partitur ge-\nschrieben und durch ein NB. an ihre Stelle gewiesen.\n(Mendelssohn im Vorworte der Ausgabe für die lon-\ndoner Händel-Gesellschaft.)\nWir haben bereits erwähnt, dass das englische Publi-\ncum bei der ersten Aufführung die Grösse des Werkes\nnicht zu fassen vermochte. Schon für die zweite kündigte\nHändel an: „Das Oratorium wird verkürzt und mit Solo-\ngesängen durchmischt.\" Und was waren das für Gesänge?"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "171", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650603-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3872, "texte": "Sie sind in der Original-Partitur mit Bleistift an den be-\ntreffenden Stellen nebst den Namen der Sänger und Sän-\ngerinnen notirt. (Mendelssohn im Vorworte undSchöl-\ncher S. 208.) Es sind eine englische Arie und drei ita-\n-1 i ä n i s c h e: „ Angelico splendor\" „ Cor fedele ex G\"\nnLa speranza laconstanza\", alle für Sopran. Das „Cor\nfedele\" wurde nach dem prächtigen Chor: „Deine Rechte,\no Herr, thut grosse Wunder\", „Angelico splendor\" nach\ndem gewaltigen: „Aber die Fluten überwältigten sie, dass\nauch nicht Einer übrig blieb\", gesungen. Sollte man so\netwas für möglich halten? Nun, vielleicht wird uns auch\nnoch bewiesen, dass es unmöglich war!\nAuch dieses verzweifelte Mittel half dem Werke nicht\nauf, und im Ganzen wurde es in London nur acht und in\nOxford ein Mal bei Händei's Lebzeiten aufgeführt. Später-\nhin kam es öfter, meist aber nur in Fragmenten, an die\nReihe, allein die abscheulichen Entstellungen durch Ein-\nlagen haben bis in die neueste Zeit nicht aufgehört. Im\nJahre 1765 wurde „Israel\" in Coventgarden mit 12 Arien\nund 14 Recitativen aus italiänisehen Opern Händei's auf-\ngeführt; in den Oratorien-Concerten von Smith wurden\ndiese Potpourri's fortgesetzt und z. B. einer Melodie auf:\nnDi Cupidoimpiego i vanniu(„lch leihe mir Cupido's\nFlügel\") die Worte: „Great Jehovah unter-\ngelegt; ja, im Jahre 1816 kündigte G. Smart den „Israel\"\nmit mehreren eingelegten Recitativen und Gesängen, unter\ndenen auch die in der Original-Partitur von Händel be-\nzeichneten waren, in London an. Noch mehr: auf dem\nMusikfeste zu Narwich im Jahre 1838 wurde „Israel\"\nmit neun Einlagen aus italiänisehen Opern gegeben, davon\neine sogar aus zwei Arien aus „Julius Cäsar\" und aus\n„Scipio\" zusammengeschweisst war! Es existirt sogar eine\nenglische Ausgabe mit diesen Nummern, und noch im\nJah re 1840 wurde das Werk mit denselben zwei Mal in\nLondon gegeben.\nUnd trotz alledem sollen wir Deutsche gegen die Eng-\nländer in der Würdigung Händei's zurückstehen? Wir\nfragen: wären solche Misshandlungen eines Händel'schen\nOratoriums in Deutschland in unserem Jahrhundert mög-\nlich? Bei uns bedarf es wahrlich der Auffrischung der\nOratorien durch italiänische Opern-Arien nicht; „Israel\nin Aegypten\" ist als eines der erhabensten Werke der\nTonkunst in Deutschland stets mit Begeisterung aufgenom-\nmen worden, während es erst seit zehn Jahren zu London\nin Hullah's Repertoire eingereiht worden und nun endlich\nauch dort in seiner wahren Gestalt gegeben wird, jedoch\nimmer noch meist nur Fragmente daraus.\nDas erste Verdienst um die Verbreitung des' Werkes\nbei uns bat Herr Prof. K. Breidenstein in Bonn, der\nim Jahre 1826 einen Ciavier-Auszug mit englischem und\ndeutschem Texte (von ihm selbst übertragen) bei N. Sim-\nrock herausgab, den er dem Prof. Zelter, dem Dirigenten\nder berliner Sing-Akademie, widmete.\nMendelssohn hatte in England sechs Recitative\nund eine Arie für Sopran in einer Partitur des „Israel\"\nbei G. Smart gefunden, sie aber nicht in die von ihm be-\nsorgte Ausgabe lür die londoner Händel-Gesellschaft auf-\ngenommen. Diese sechs Stücke hat jetzt Jul. Stern in\nBerlin seinem Ciavier-Auszuge des „Israel\" (Berlin, bei\nSchlesinger-Lienau) aus Mendelssohn s Nachlasse einver-\nleibt. Dagegen hat Mendelssohn eine Orgelstimme der\nenglischen Ausgabe beigegeben. Wenn Herr Chrysander\nsagt, „dass sie leider nicht in Händei's Weise gehalten\nsei\" (Vorwort zur leipziger Ausgabe), was er im zweiten\nBande der Jahrbücher lür musicalische Wissenschaft nach-\nweisen werde, so wollen wir doch bei dem Glauben an\nMendelssohn und sein unzweifelhaftes Talent, sich in den\nGeist älterer Meister zu versenken, uns inzwischen beruhi-\ngen und der verheissenen Beweisführung um so mehr\nentgegensehen, als wir begierig sind, an welchen charak-\nteristischen Merkmalen der wenigen, höchst bescheidenen\nZusätze Mendelssohn s die Verstösse gegen Handel s Geist\nnachgewiesen werden sollen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-06-03-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-06-03_01#c003", "volume": "bmtnabi_1865-06-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "171", "page_fin": "172", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650603-01.2.3", "titre_corps": "Judith Pasta.", "titre_sommaire": "Judith Pasta.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "171", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650603-01.1.3", "debut_caractere": 3874, "fin_caractere_exclue": 5032, "texte": "Judith Pasta.\n(Nekrolog.)\nIm Anfange des Monats April ist Judith Pasta,\neine der grossen italiänisehen Gesanges-Berühmtheiten aus\nder ersten Hälfte unseres Jahrhunderts, auf ihrem Land-\nsitze am Comersee gestorben.\nSie war im Jahre 1798 zu Como von israelitischen\nEltern geboren und trat im Alter von fünfzehn Jahren in\ndas Conservatorium zu Mailand ein, dessen Leitung da-\n-4 l •\nmals Asioli hatte. Ihre grosse und mächtige Stimme\nsträubte sich lange gegen die kunstgemässe Schule, was\nTonbildung und Coloratur betrifft, und auch späterhin,\nals sie auf der Höhe ihres Ruhmes stand, behielt ihre\nStimme im Anfange einer Partie immer noch etwas Be-\nlegtes oder Verschleiertes, das erst nach einigen Scenen\nverschwand.\nNachdem sie 1815 das Conservatorium verlassen,\ntrat sie in Brescia, Parma, Livorno auf Theatern zweiten\nRanges auf, obne besondere Aufmerksamkeit zu erregen.\nDie berühmte Catalani aber erkannte ihr Talent und\nstellte sie in Paris bei der italiänisehen Oper, welche sie\ndamals leitete, im Jahre 1816 an. Allein die Pariser,\nwelche späterhin dieselbe Sängerin enthusiastisch feierten,\nerinnerten sich kaum, sie schon früher gehört zu haben.\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "172", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650603-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4235, "texte": "Im folgenden Jahre sang sie in London, und auch dort\nbrachte sie keinen besonderen Eindruck hervor.\nSie ging nach ihrem Vaterlande zurück, und es war,\nals wenn die Berührung mit dem heimischen Boden und\nder Himmel Italiens die Knospe eines Talentes, dessen\nAhnung sie stets in sich getragen, auf einmal entfaltet\nhätten, denn von jener Zeit an kam sie zum Bewusstsein\nihrer Natur, welche sie auf die dramatische Charakteristik\nin Gesang und Spiel hinwies. In den Jahren 1819 und\n1820 begann ihr Ruf durch ihre Leistungen in Venedig\nund in Mailand, und im Herbste 1821 erregte sie denn\nauch in Paris bei der italiänischen Oper Aufsehen. Der\nausserordentliche Erfolg, den sie im Jahre 1822 zu Ve-\nrona während des Congresses hatte, bereitete ihr in Paris\neinen glänzenden Empfang.\nSeit dieser Zeit bis zu Ende des Jahres 1826 sang\nsie jedes Jahr in den Saisons zu Paris und London und\nbegründete ihren europäischen Ruf als eine der grössten\ndramatischen Sängerinnen. Ihr Gesang war zwar nicht\nkünstlerisch vollendet, und die Coloratur, wiewohl sie\nihrer mächtig geworden, liess doch an vollkommener Cor-\nrectheit noch etwas zu wünschen übrig; aber sie wusste\njeder Rolle den angemessenen eigenthümlichen und indi-\nviduellen Charakter zu geben, und verstand in ihren Ton\nso tiefes Gefühl und so ergreifenden Ausdruck zu legen,\ndass sie die Zuhörerschaft je nach ihrem Willen erschüt-\nterte oder entzückte und in jeder Gestalt den höchsten\nGrad dramatischer Wahrheit erreichte. Trotzdem, dass\nsie durchaus nicht besonders musicalisch war, erfand sie\ndoch, um Abwechslung in die Rossini'sche Tonleiter-Co-\nloratur zu bringen, jene Art der Gesang-Verzierungen,\ndie sich in harmonischen Intervallen, wie bei der Instru-\nmentalmusik in gebrochenen Accorden, bewegen, und\nbrachte damit grosse Wirkung hervor. Eine ihrer Haupt-\nrollen war damals die Desdemona in Rossini's „Othello\".\nIm Jahre 1827 verliess sie die Oper in Paris, weil\nsie mit Rossini sich entzweite, und ging nach Italien zu-\nrück. Pacini schrieb für sie die Niobe, Bellini die Sonnam-\nbula und die Norma, ausserdem war Anna Bolena eine\nihrer besten Rollen. In Neapel nahm das Publicum ihre\nLeistungen nicht so enthusiastisch auf, wie sie es gewohnt\nwar, aber in Bologna, Mailand, Verona, dann in Triest\nund in Wien fand sie durch grossartige Triumphe Ersatz\ndafür. '\nIn den Jahren 1833 und 1834 sang sie wieder in\nParis. Strengere Richter bemerkten eine Abnahme der\nStimme, namentlich in Bezug auf die Reinheit der Into-\nnation, welche zuweilen und dann fast den ganzen Abend\nhindurch zu tief gewesen sein soll. Allein ihr dramatisches\nTalent hatte eine Höhe erreicht, welche die interessan-\ntesten Vergleichungspunkte mit der Malibran darbot,\nwelche so eben die glänzendsten Erfolge gehabt hatte. Es\ngab nur Eine Stimme darüber, dass z. B. ihre Amina in\nder Sonnambula und ihre Anna Bolena so verschiedene\nCharakter-Darstellungen waren, eben so ihre Norma und\nihre Desdemona, dass man nicht glauben konnte, dieselbe\nKünstlerin zu sehen. Wenn man der Malibran in dem rein\nMusicalischen und in der Kunst des Gesanges einen unbe-\nstreitbaren Vorrang einräumen musste, und es ihr auch\nnicht an leuchtenden Blitzen dramatischen Genie's fehlte,\nso liess sich doch nicht läugnen, dass die Pasta eine grös-\nsere Auffassungsgabe und eine harmonischere Einheit in\nder Durchführung ihrer Auffassung besass.\nSeit 1829 sang die Pasta in Italien noch auf einigen\ngrossen Theatern, brachte aber den Winter gewöhnlich\nin Mailand und den Sommer auf ihrer reizenden Villa am\nComersee zu. Wiewohl sie sich schon ganz von der Bühne\nzurückgezogen hatte, widerstand sie doch im Jahre 1840\nden überaus glänzenden Anerbietungen des kaiserlich rus-\nsischen Hofes nicht und ging nach Petersburg. Diese ihre\nletzte Kunstreise brachte ihr 200,000 Francs ein, allein\nder künstlerische Erfolg entsprach dem materiellen nicht\nin gleichem Verhältnisse.\nBellini sagte von ihr, sie sei die einzige Sängerin, der\nman eine Rolle nur zu übergeben brauche, ohne sich wei-\nter darum zu bekümmern. Sie selbst indess genügte sich\nnur selten und erklärte oft, dass sie dem Ideal des Schö-\nnen, das sie im Herzen trüge, wenn sie sich in eine Rolle\nvertieft hätte, durch den Ausdruck niemals hätte gleich-\nkommen können."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-06-03-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-06-03_01#c004", "volume": "bmtnabi_1865-06-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "172", "page_fin": "173", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650603-01.2.4", "titre_corps": "Aus Braunschweig.", "titre_sommaire": "Aus Braunschweig.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "172", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650603-01.1.4", "debut_caractere": 4237, "fin_caractere_exclue": 5087, "texte": "Aus Braunschweig.\nDen 22. Mai 1865.\nDie Vorbereitungen zu dem am 10., 11. und 12.\nJuni hierselbst Statt findenden Musikfeste sind nahezu\nbeendet. Erfreulicher Weise werden sich fast alle in den\nTheater-Ferien hier anwesenden Mitglieder der herzogli-\nchen Hofcapelle an der Mitwirkung betheiligen; 68 Han-\nnoveraner, 17 Detmolder mit Capellmeister Bargheer\nan der Spitze, so wie einige andere namhafte Künstler\nkommen von auswärts. Es dürfte sich daher nicht leicht\nwieder Gelegenheit bieten, ein gleich stark und gleich aus-\ngezeichnet besetztes Orchester hier zu hören. In der That\nkann man sich vorher von dem imposanten Zusammen-\nklange eines Orchesters von circa 40 Violinen u. s. w.\nund einer mächtigen, jetzt in der Aufstellung begriffenen\nOrgel kaum einen Begriff machen. Die in doppelter Be-\nsetzung von Hannover kommenden Bläser bedingen die"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "173", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650603-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4629, "texte": "dort eingeführte pariser Normalstimmung: ein Umstand,\nwelcher den Solo- und auch den Chorstimmen bei Aus-\nführung der älteren Werke und besonders der durch ihre\nhohe Lage schwierigen Neunten Sinfonie sehr zu Statten\nkommen wird.\nDie hiesigen tüchtigen Chorkräfte geben sich unter\nunseres bewährten Franz Abt Leitung mit regem Eifer\ndem Studium der aufzuführenden Werke hin und halten\nwöchentlich zwei Gesammt-, so wie zwei Einzelproben, je\nfür Damen und Herren wahrlich ein Opfer, das dem\nechten Enthusiasmus für die Sache entstammt und die\nwärmste Anerkennung verdient. Auch die Leistungen der\nauswärtigen Vereine werden das Ihrige zum Gelingen des\nFestes beitragen, wie z. B. unsere Schwesterstadt Wol-\nlenbüttel unter Sei mar Müller's Leitung mit leuchten-\ndem Beispiele vorangeht.\nVon den Solisten steht Frau Dustmann bei den Braun-\nschweigern noch im besten Andenken. Seitdem sie als\nLouise Meier an unserer Bühne mit ausserordentlichem\nBeifalle gastirte, hat sie an Tonfülle und Adel der Auf-\nlassung bedeutend gewonnen und ist jetzt die gefeierte\nPrimadonna des wiener Hof-Operntbeaters. Von ebenda-\nher kommt Fräulein Caroline Bettelheim, ausgezeich-\nnet durch eine wunderbar sympathische Altstimme und\ngrosse musicalische Durchbildung. Die junge Dame, gleich\ntrefflich als Pianistin, wird, um hieher zu kommen, ihr\nlondoner Gastspiel unterbrechen. Herr Walter, erster\nTenorist in Wien, hat kürzlich durch glänzende Gastrollen\nin Frankfurt am Main und Köln seinen Ruf auch in Nord-\ndeutschland begründet. Herr Karl Hill, Concertsänger\nin Frankfurt am Main, ist uns vom vorigen Winter her\nvortheilhalt bekannt.\nBedenken wir endlich, dass diese ausgezeichneten\nSolo-, Chor- und Orchesterkräfte von Männern wie Fi-\nscher, Herbeck und Abt ins Treffen geführt werden,\nso dürfen wir in der That mit Zuversicht einem auserle-\nsenen musicalischen Genüsse entgegensehen.\nDie Direction der grösseren Werke, Samson und\nNeunte Sinfonie, hat Herr Hof-Capellmeister Abt mit lie-\nbenswürdiger Courtoisie den Herren Herbeck und Fischer,\nals Auswärtigen, überlassen. Das erstere, unserem Publi-\ncum schon längst liebgewordene Werk tritt uns dieses\nMal in neuem oder vielmehr altem Gewände entgegen, in\nso fern die Aufführung nach der von der deutschen Hän-\ndel-Gesellschaft herausgegebenen Original-Partitur erfolgt.\nEs ist jedem Componisten, geschweige denn einem Händel\ngegenüber nicht mehr als recht und billig, dass man sein\nWerk so aufführt, wie er es geschaffen; abgesehen von\nKürzungen, welche er ja selbst bald hier, bald da, je nach\nBedürfniss und den disponibeln Gesangskräften, sich er-\nlaubt hat. Was würde der intelligente Hörer wenn\nman vielleicht aus Mangel an Blas-Instrumenten diese bei\neiner Beethoven'schen Sinfonie durch Orgel ersetzen wollte?\nUnd doch ist die Verunglimpfung, welcher die Bearbeiter\ndurch vollständig moderne Instrumentation, durch sinn-\nentstellende Uebersetzung, durch unglaubliche Tempo\\er-\nänderung, endlich durch Weglassung ganzer Persönlich-\nkeiten bei den Händel'schen Partituren und speciel heim\nSamson sich schuldig gemacht haben, wahrlich keine ge-\nringere ! H ören wir desshalb eine würdige Aufführung,\ndie Ouvertüre und Chöre, abgesehen vom Orchester, durch\nOrgel-, die Arien durch Ciavier- (zu Händel's Zeiten Clavi-\ncembalo-) Begleitung unterstützt, mit derjenigen Aufmerk-\nsamkeit an, welche ein für alle Zeiten lebendes Werk\nverdient.\nDie Neunte bezeichnet den Gipfelpunkt von Beetho-\nven's Hauptwerken, von seinen Sinfonieen, und damit den\nGipfelpunkt der neueren Musik überhaupt. Wie aller Or-\nten, wird und muss dieselbe auch hier, wenn das Ver-\nständniss durch den Besuch der Proben angebahnt ist,\nalles, was lür Musik Sinn hat, mit sich fortreissen. Dass\nder Concert-Verein sein Programm aus längst accreditirten\nWerken zusammengesetzt und dabei die bedenkliche\nneueste Richtung der Musik nicht berücksichtigt hat, kann\nnicht Wunder nehmen, da derselbe mit einem solchen\nimmerhin gewagten Unternehmen sich selbst erst das Ter-\nrain erobern muss und bei einem auf die Theilnahme des\nGanzen zählenden Feste keinen Partei-Standpunkt einneh-\nmen darf.\nGreifen wir aus dem reichhaltigen Programm (in wel-\nchem wir nur einen Instrumental-Solovortrag ungern ver-\nmissen) noch die Hymne, das schwungvollste Werk unse-\nres trefflichen W. Meves, das Bach'sche einen\nmächtigen, von Orchester und Orgel getragenen sechs-\nstimmigen Chor, und endlich\ndie Iphigenie-Scenen, eine Glanzleistung der Frau Dust-\nmann, heraus, so können wir nicht umhin, unsere Erwar-\ntungen hoch zu spannen und zu wünschen, dass ein glück-\nliches Gelingen die allseitigen opferfreudigen Bestrebun-\ngen belohnen möge."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-06-03-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-06-03_01#c005", "volume": "bmtnabi_1865-06-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "173", "page_fin": "174", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650603-01.2.5", "titre_corps": "Verdi und Wagner.", "titre_sommaire": "Verdi und Wagner.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "173", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650603-01.1.5", "debut_caractere": 4631, "fin_caractere_exclue": 4975, "texte": "Verdi und Wagner.\nWir haben in diesen Blättern bei verschiedenen Ge-\nlegenheiten auf die Aehnlichkeit im Streben und in der\nManier der Ausführung desselben in den Opern-Compo-\nsitionen Verdi's und Wagner's, natürlich mit den iModifi-\ncationen, welche Nationalität und Tiefe des Studiums be-\ndingen, hingewiesen, und haben damit, wie zu erwarten"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "174", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650603-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3222, "texte": "war, bei den Tendenzgläubigen, welche das Können\ndurch das Wollen für gesichert halten, arg angestossen.\nDass wir aber mit dieser Ansicht nicht allein stehen, er-\nsehen wir jetzt aus den wiener „ Recensionen\", einem\nBlatte, welches von allen übrigen Musik-Zeitungen fast\nallein noch die Wahrheit in Bezug auf Wagner und Ge-\nnossen zu sagen gewohnt ist. In ihrem Berichte über die\nerste Aufführung der Schicksals-Oper Verdi's: „La Jorsa\ndel destino\",zu Wien, in welcher zuletzt der Geliebte der\nSchwester ihren Bruder und dieser, zum To*de verwundet,\ndie jammernde Schwester ersticht, lesen wir Folgendes:\n„Zu diesem Schauerstoffe hat nun Maestro Verdi eine\nMusik geschrieben, welche zwar keine Ansprüche aul viel-\nfache Sympathieen im Publicum erheben darf, für den\nspeciellen Musikfreund aber und den aufmerksamen Be-\nobachter des Entwicklungsganges seines Talentes von be-\ndeutendem Interesse ist.\n„Konnte schon im „Ballo jene Wen-\ndung in Verdi's Manier, deren Anfänge bereits im\nletto\" und im „Trovatore\"bemerkt wurden, ganz ent-\nschieden constatirt werden wir meinen die Wendung\nvon der rohen, aber melodiösen italiänischen Schablone zu\nder erfindungsärmeren, aber charakteristischen und theil-\nweise maassvollen und edleren Gestaltung in mehr neu-\nfranzösischer Art —, so ist dies in doppeltem Sinne an un-\nserer neuesten Verdi'schen Bekanntschaft zu bemerken, in\ngutem, wie in üblem Sinne. destino\" ist\neben weit ärmer an schönen oder auch nur prägnanten\nGedanken, als alles, was wir bis nun aus Verdi's Feder\nkennen, zugleich aber auch weit weniger lärmend, weit\nsorgfältiger gearbeitet, weit mehr „ „Situationsmusik\"\",\nwenn wir mit Einem Worte ihr wesentliches Element be-\nzeichnen sollen. Wir erblicken darin gleichzeitig einen Fort-\nschritt in Verdi's musicalischer Bildung, fast eine Umkehr\nin seiner Einsicht von dem Wesen der Kunst, zugleich\naber einen Erfindungs-Bankerott, der die besten Intentio-\nnen zur Unwirksamkeit verurtheilt. Es bleibt eben immer\neine bedenkliche Sache um das so genannte „ „bessere\nStreben\"\", wenn es nicht durch ein Aequivalent an prak-\ntisch ausgiebiger Wirkungskraft gedeckt wird. Es ist sehr\nschön von Meister Verdi, wenn er in sich geht und sich\nmit seiner unläugbaren Effect- und Bühnenkenntniss dem\nCharakteristischen zuneigt; nur mit dem Opfer jeglicher\nMelodie, jedes frischen sinnlichen Eindrucks wollen wir\ndiese italiänische Gelehrsamkeit nicht erkaufen. Abermals\nmüssen wir hier an Richard Wagner denken, den wir\nin Deutschland dieselben tendentiösen Wege, nur mit mehr\nBewusstsein und Selbstgefühl, wandeln sehen.\n„In der That ist die neue Verdi'sche Oper in zahllose\nRecitative und Arioso's zerhackt, welche zu der einstigen\nitaliänischen Eintheilungs-Schablone nahezu einen Gegen-\nsatz bilden. Dadurch aber, dass man etwas Ueberlebtes\noder auch ganz Verfehltes einfach auf den Kopf stellt, wird\ndem Uebel gewiss nicht abgeholfen. So kann denn Verdi\ndem Schicksale nicht entgehen, .mit seinen neuesten cha-\nrakteristischen „„Opern-Dramen\"\" einfach langweilig zu\nwerden, zum Mindesten dem grösseren Theile des Publi-\ncums war diese undramatischste aller Empfindungen offen-\nbar die nächstliegende. An schönen Einzelstellen fehlt es\nder Oper allerdings nicht\" u. s. w."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-06-03-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-06-03_01#c006", "volume": "bmtnabi_1865-06-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "174", "page_fin": "176", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650603-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "174", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650603-01.1.6", "debut_caractere": 3224, "fin_caractere_exclue": 6064, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nBerlin, 19. Mai. Eine wahrhafte Völkerwanderung bezeich-\nnete am 13. d. Mts. den Weg zum Friedrich-Wilhelmstädtischen\nTheater, um der ersten Aufführung der Offenbach'schen komischen\nOper: „Die schöne Helena\", die unter persönlicher Leitung des\nComponisten Statt fand, beizuwohnen. Die Bearbeitung des Textes,\nder in heiteren Zügen die Entstehung des trojanischen Krieges be-\nhandelt, ist in der witzigen Uebertragung des Kladderadatsch-Re-\ndacteurs Dohm eine geschickte und glückliche. Nachdem in einem\nscenischen Prologe (von Fräulein Ungar als Thalia und Herrn\nHolzstamm als Apollo vorgetragen) die Absichten des Verfassers\nin witziger Weise dargelegt waren, rollte sich das Stück, reich an\nkomischen Anspielungen und Beziehungen zu den Begebenheiten\ndes Tages, gespickt mit drolligen Pointen, ab. Dass es Offenbach\nan pikanten Motiven nicht fehlt, versteht sich von selbst. Im ersten\nActe war, nachdem bereits die Erzählung des Paris von der Ver-\ntheilung des Apfels sehr gefallen hatte, der Eintritt der beiden\nAjax, des Achill, des Agamemnon und des Menelaus von so komi-\nscher Wirkung, dass die ganze Scene auf Verlangen wiederholt\nwerden musste; nachher erregte wieder der Satz im Finale: „Es ist\nder Apfelmann44, die volle Anerkennung, eben so die Stelle: „Er muss\nnach Kreta\". Im zweiten Acte zeichnet sich gleich der Frauenchor\ndurch sein Motiv, an die Auber'sche Schule erinnernd, aus; dann\ndie reizenden Couplets der Helena, die Spielscene am Pharaotisch\nu. s. w. Im letzten Acte treten besonders hervor: Helena's Arie,\nein technisch schwieriges, aber sehr dankbares Musikstück, das Ter-\nzett (in welchem sehr glücklich das Männer-Terzett aus Rossini's\n„Teil\" benutzt ist), das Couplet des Kalchas und das Finale. Die\nDarstellung gehört zu den besten dieser Bühne; die Direction hatte\ndas Stück in Decorationen und geschmackvollen Costumen wahr-\nhaft glänzend ausgestattet. Herr Commissionsrath Wallner hat\nvor einigen Tagen mit Herrn OfFenbach einen Contract abgeschlos-\nsen, welcher letzteren verpflichtet, vom Tage des Contract-Abschlus-\nses an seine neuen Compositionen zuerst dem Wallner-Theater einzu-\nreichen. Herr Wallner hat sich seinerseits zu einer sehr glänzenden\nHonorirung des Herrn OfFenbach verpflichtet.\nMan schreibt aus Berlin viel Vortheilhaftes über ein Stabat\nMater von Friedr. Kiel, welches im letzten Winter dort aufge-\nführt worden ist und, wie früher das Requiem desselben Compo-\nnisten, grossen Beifall erhalten hat. Das Stabat ist für Soli und\ndreistimmigen Chor von Frauen mit vollständigem Orchester ge-\nschrieben. 0 quam tristis ist Sopran-Solo, Pia mater, fons amorU\nAlt-Solo, Virgo virginum praeclara Terzett für drei Frauenstimmen,\nletztere das beste von den Solostücken sein soll, während\ndie übrigen Soli gegen die Chöre an künstlerischem Inhalt zu-\nrückträten."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "175", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650603-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7106, "texte": "Im Verlage von J. Guttentag in Berlin erscheint so eben:\n„Robert Schumann. Sein Leben und seine Werke.\" Dargestellt\nvon August Reissmann.\nFrau Crelinger's Repertoire. Frau Auguste Crelinger\nstellte auf der berliner Hofbühne 372 Rollen dar. Die meisten Wie-\nderholungen erfuhren Donna Diana (79), Herzogin von Marlborough\n(67 J, Eboli (63), Gräfin Terzky (63), Orsina (59), Lady Milford (54),\nMaria Stuart (46), Jungfrau von Orleans (44), Shakespeare1 s\nJulia (40).\njVlftfiliz« Die Vorbereitungen für das am 2. und 3. Juli hier\nStatt findende fünfte mittelrheinische Musik fest nehmen\nihren ununterbrochenen und günstigen Fortgang. Schon wird in der\nFruchthalle an der Herstellung der Musik-Tribune gearbeitet, welche\nein Orchester von circa 130—140 Mann, einen Sängerchor von 900\nStimmen und eine Orgel mit 20 Registern aus dem Atelier des\nHerrn Ibach in Barmen aufnehmen wird. Mit der Aufstellung der\nOrgel wird Anfangs Juni begonnen werden. Für die vorkommenden\nGesang-Soli sind die Damen Fräulein Melitta Alvsleben vom\nk. Hoftheater in Dresden (Sopran), Fräulein Philippine v. Edels-\nberg vom k. Hoftheater in München (Alt) und die Herren Gustav\nWalter vom k. k. Hof-Operntheater in Wien (Tenor) und Karl\nHill von Frankfurt am Main gewonnen. Alles lässt hoffen, dass\ndas kommende Fest dem im Jahre 1860 ebenfalls hier Statt gefun-\ndenen vierten mittelrheinischen Musikfeste in keiner Beziehung nach-\nstehen werde, indem auch für die Gewinnung vorzüglicher Orchester-\nkräfte aus Nähe und Ferne das Mögliche aufgeboten wird. Zur Ueber-\nnahme der Orgel-Partie hat sich der k. Musik-Director Herr Franz\nWeber in Köln bereit erklärt.\nHerr Dumont, bisher Capellmeister am städtischen Theater\nin Riga, ist vom Ausschusse der Theater-Actien-Gesellschaft für die\nnächste Saison als erster Capellmeister am hiesigen Stadttheater\nengagirt worden.\nIm zweiten Abonnements-Concerte der grossher-\nzoglichen Hof-Kirchenmusik am 20. März in der grossherzoglichen\nSchlosskirche kamen vor: I. 1. Präludium und Fuge für die Orgel\n(F-moll) von G. Fr. Händel (Hoforganist Barner). 2. Zwei Chöre\na capella: Adoramus von J. P. da Palestrina; O bone Jesu von\nThomas Baj. 3. Ave Maria für Tenor mit Clarinett-Begleitung von\nLudwig Cherubini (Hof-Opernsänger Brandes und Hofmusicus Roth).\n4. Trio für die Orgel von Joh. Ludw. Krebs. 5. „Tenebrae factae\nBuntu von Joh. Mich. Haydn. 6. Hymne für eine Sopranstimme,\nChor und Orgel von F. Mendelssohn-Bartholdy (Frau Braunhofer).\n11. 7. Busslied für Tenor aus Geliert's geistlichen Liedern von\nL. van Beethoven. 8. Choral-Vorspiel und Choral: „Wachet auf,\nruft uns die Stimme,\" u. s. w. für Orgel von Joh. Seb. Bach. 9.\nPsalm für Sopran und Bass von Benedict Marcello. 10. Zwei Chöre\no capella: a. Ave Maria von Jac. Arcadelt; b. Sanctus von Deme-\ntrius Bortniansky. 11. Arie für Sopran aus dem Elias von F. Men-\ndelssohn-Bartholdy. 12. „Bleib' bei uns, Herr!\" Kirchcn-Cantate für\nSoli, Chor und Orgel von Joh. Seb. Bach.\nIm dritten Abonnements-Concerte: I. 1. Präludium und Fuge\nfür die Orgel (E-moll) von Joh. Seb. Bach. 2. Zwei Chöre a ca-\npella: a. „O crux ave\" von J. P. da Palestrina; b. „O vos omnesu\nvon Th. L. da Vittoria. 3. Ave Maria für Sopran von H. Marsch-\nner (Frau Mina Steinmüller, k. Hannover sche Kammersängerin). 4.\nAdagio und Andante für Orgel und Violine von Joh. Seb. Bach\n(Barner und Hofmusicus Pechatscbeck). 5. Geistliche Lieder für\nBariton: a. „Wenn ich an Dein Blut gedenke\", b. „An Deinem\nKreuzesstamm\", von J. W. Franck. 6. Incarnatus und Crucißxus\nfür achtstimmigen Chor von L. Cherubini. 11. 7. Zwei Choräle\nvon Mich. Prätorius und von H. L. Hassler. 8. Arie für Sopran aus\ndem „Messias\" von G. Fr. Händel (Frau Mina Steinmüller). 9. La-\nmentationen für Chor von Greg. Allegri, nebst hinzucomponirtem\n„Jerusalem\" (fünfstimmig) von Joh. Biordi. 10. Quintett aus dem\nPassions-Oratorium „Die Pilgrime auf von J. A. Hasse.\n11. Pastorale für die Orgel von Joh. Seb. Bach*\nIm vierten Concerte des Cäcilien-Vereins am 1. Mai kam zur\nAufführung: Grosse Passionsmusik nach dem Evangelisten Matthäus\nvon Joh. Seb. Bach. Die Solo-Partieen wurden gesungen von der\nk. würtembergischen Ilof-Opernsängeriu Fräulein Marschalk Alt),\nHerrn Hof-Opernsänger Brandes (Evangelist), Herrn Kammeränger\nOberhoffer (Jesus) so wie verschiedenen anderen Gesangeskräften.\nAm 18. Mai wurde hier Rossini's „Barbier von Sevilla\"\nmit Recitativen gegeben, ein treffliches Mittel, um ihn aus der Bur-\nleske wieder in eine Oper zu veredeln, wofür man der intelligenten\nDirection des Hoftheaters dankbar sein muss. Freilich ist's mit der\nWiederherstellung der Recitative allein noch nicht gethan, wenn das\nBtihnen-I ersonal bei den Uebertreibungen bleibt, durch welche auch\ndie Italiäner selbst jetzt die reizende Oper zu einer Carnevalsposse\nmachen.\nStuttgart, Vor einiger Zeit stand Abert's seit drei Jahren\nnicht mehr gegebene Oper „König Enziou in Aussicht; sie war bereits\nzwei Mal wirklich angesetzt, ist aber neuerdings wieder vom Reper-\ntoire verschwunden, und es wird vermuthlich einem Verlegenheits-\nfallo überlassen bleiben, auf sie zurückzugreifen. In der Stellung\ndes Capellmeisters Eckert ist durch Berufung des Herrn L'Arronge\n(Sohn des Komikers) als Musik-Director eine Aenderung eingetreten.\nDie 1 ragweite dieser Ernennung lässt sich noch nicht ermessen, da\ndas Engagement vorerst auf zwei Monate erfolgt ist; bedauert aber\nmuss es werden, dass Herr Abert hierbei übergangen ist.\nAus Leipzig. „Stellen Sie gefälligst in Ihrem Blatte die Preis-\nfrage: „,,Gibt es eine obseöne Musik und existirt bereits der Be-\nweis, dass dieses Element in die Musik eingeführt worden?\"\"\nSobald uns der anonyme Einsender eine stichhaltige Beweisführung,\ndie wohl möglich sein dürfte, einsendet, werden wir ihr den ge-\nbührenden Preis durch Abdruck derselben zuerkennen.\nDer nürnberger Oratorien-Verein, im vorigen Herbste durch\nHerrn Cantor G. Emmerling gegründet, hat am 2. Mai mit der\nAufführung von Spohr's „Der Fall Babylons\" debutirt und sich des\ngeärnteten Beifalles würdig gezeigt.\nFinanzielles zu „Tristan und Isolde\". Herr und Frau\nSchnorr sollen gelegentlich der Aufführung von „Tristan und Isolde\"\nin München je 2000 Fl., Herr Mitterwurzer und Herr Zott-\nmayer je 1600 Fl. als Entschädigung für Reise und Aufenthalt er-\nhalten ; ferner wurde als Spielhonorar für jede der drei bestimmten\nAufführungen zugesichert: je 500 Fl. Herrn und Frau Schnorr,\n300 Fl. Fräulein Dein et, je 200 Fl. Herren Heinrich und Si-\nmons, je 100 Fl. Herren Hart mann und Bohlig. Wie Alfred\nMeissner in der „Neuen Freien Pressew berichtet, sollen die Vorbe-\nreitungen zur Aufführung schon auf mehr als 30,000 Fl. sich be-\nlaufen.\nDie münchener Liedertafel hat beschlossen, an dem Bäckerhause\nam Sonneneck (Burggasse Nr. 6), in dessen zweitem Stocke Meister\nMozart im Jahre 1780 die Oper „Idomeneo\" componirte, ein gros-\nses Erz-Medaillon mit dem Bilde des unsterblichen Tondichters, eine\nArbeit des Bildhauers Geiger, aufzustellen und dasselbe unter ent-\nsprechenden Feierlichkeiten zu enthüllen. Von Seiten des Hausbe-\nsitzers wie des Magistrats wurde bereits die Erlaubniss zur Aufstel-\nlung gegeben."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "176", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650603-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4066, "texte": "llien» Herr Dr. Bach ersucht, zu berichtigen, dass die\nNachricht, seine Gemahlin, Frau Bach-Marschner, beabsichtige,\nvon ihrer Gesanges-Professur am Conservatorium zurückzutreten,\nder Begründung entbehre.\nEine Offenbarung für die nächste deutsche Oper ist vor einigen\nTagen in der „Wiener Abendpost\" erschienen. Wir ersehen daraus,\ndass die neuen Opern „Des Sängers Fluch\" von Langert und „Der\nDeserteur\" von Hill er „Aussicht haben, zur Darstellung zu kom-\nmen\", und dass ausserdem „Lara\" von Mai Hart „Berücksichtigung\nfinden soll\". Auch wird versichert, dass für die Erwerbung der\n„Africanerin\" „alle Anstrengungen gemacht werden\". Wenn man\nsich an alles erinnert, was schon „in Aussicht\" gestanden und wo-\nfür man schon „alle Anstrengungen\" gemacht hat, so kann man\nleider an so relativ glänzende Yerheissungen nur geringe Hoffnun-\ngen knüpfen. Dass aber dem Taglioni'schen Ballet „Flick und Flock\"\n„weder poetische Erfindung\" noch „dramatisch gegliederte Hand-\nlung\" nachgerühmt werden kann, das glauben wir der „Abendpost\"\naufs Wort. Die „eingeleiteten\" Gastspiele sind: Tenor Herr Garso\naus Kassel, dramatische Sängerin Fräulein Klotz aus Bremen, Bass-\nBuffo Herr Behl* aus Rötterdam und Frau Kainz-Prause aus Prag,\nsämmtlich auf Engagement; ausserdem im Juli Herr Gunz aus Han-\nnover und im November Fräulein Stehle aus München, welche unter\nAnderem in der durchgefallenen Oper „Das Glöckchen des Eremi-\nten\" singen soll.\nIn der österreichischen Monarchie befinden sich derzeit (mit\nAusnahme des venetianischen Gebietes) 59 Theater, darunter 16 er-\nsten Ranges, d. h. solche, welche das ganze Jahr hindurch Vorstel-\nlungen geben, ferner 19 Theater zweiten Ranges, oder solche, die\nnur sechs Monate Vorstellungen geben, endlich 24 Theater dritten\nRanges, die nur eine unbestimmte Zeit Vorstellungen geben, so ge-\nnannte Saison- und Curtheater. Diesen Theatern stehen 57 Direc-\ntoren vor, und die Zahl der hier wirkenden Schauspieler aller Fä-\ncher beläuft sich auf 2400.\nProfessor Ed. Hanslick' s treffliche kleine Schrift: „Vom Mu-\nsicalisch-Schönen\" (Leipzig, R. Weigel), welche sich von Seiten der\nFachmänner wie des grösseren Publicums bereits bei ihrem wieder-\nholten früheren Erscheinen einer gleich freundlichen Aufnahme zu\nerfreuen hatte, ist unlängst in dritter, verbesserter Auflage heraus-\ngekommen. Es sind einige weitere Ausführungen und Bemerkungen\nhinzugelügt, ohne dass jedoch die ursprüngliche Physiognomie da-\ndurch etwas von ihrem Charakter eingebüsst hätte. In Bezug auf\nseine Auffassung des Begriffes der musicalischen Schönheit weist\nder Verfasser auf Emanuel GeibePs Distichon bin:\n„Warum glückt es Dir nie, Musik mit Worten zu schildern?\nWeil sie, ein rein Element, Bild und Gedanken verschmäht.\nSelbst das Gefühl ist nur wie ein sanft durchscheinender Fluss-\nX\nI grund,\nDrauf ihr klingender Strom schwellend und sinkend entrollt.\"\n„Wenn\", fügt Hanslick mit gutem Rechte hinzu, „vielleicht\ndieses schöne Sinngedicht (wie ich vermuthe) obendrein unter dem\nnachhallenden Eindrucke dieser Schrift entstand, so muss sich meine\nvon poetischen Gemüthern zumeist verketzerte Anschauung doch\nauch mit wahrer Poesie leidlich vertragen.\"\nFrau Dustmann-Meier eröffnete am 5. Mai am ständischen\nTheater in Prag ein Gastspiel mit der Rolle der „Norma\" und\nwurde vom Publicum stürmisch empfangen.\nEine Guido-Feier. Zu Ehren Guido's von Arezzo veran-\nstaltete diese Stadt am 29. April ein Erinnerungsfest. Pacini hatte\ndazu eine Cantate componirt, welche mit vielem Erfolge aufgeführt\nwurde. Auch wurde dabei der Violinist Becker gehört, der eigens\naus Florenz dahin berufen worden war.\nFranz Liszt ist wirklich Abbate geworden. Der Gross-Almo-\nsenier des Papstes, Monsignor Hohenlohe, hat ihm die ersten\nWeihen ertheilt. Nun erwartet man, dass bald die Ernennung\ndes Abbate Liszt zum Canonicus von St. Peter und dann zum Di-\nrector der päpstlichen Capelle folgen werde.\nIn Brüssel ist Mermet's Oper „Roland a Roncevauxu am 11.\nMai in Scene gegangen und mit grossem Beifalle aufgenommen wor-\nden. Der Componist hatte sich zur Vorstellung eingefunden."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "169", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650603-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nHändel's Israel in Aegypten. Judith Pasta (Nekrolog). Aus Braunschweig (Vorbereitungen zum Musikfeste).\nVerdi und Wagner. Tages- und Unterhaltungsblatt (Berlin, „Die schöne Helena\", Stabat Mater von F. Kiel, Frau Crelinger\nMainz, Musikfest-Vorbereitungen Karlsruhe, Abonnements-Concerte *— Stuttgart, Theater Finanzielles zu „Tristan und Isolde\"\nWien, Frau Bach-Marschner, Oper, Anzahl der Theater, Ed. Hanslick Prag, Frau Dustmann Guido-Feier Franz Liszt).\n\nHändel’s Israel in Aegypten\n*)•\nDieses Oratorium hat eine eigenthümliche Entstehung\nund besondere Schicksale gehabt. Als Händel im Jahre\n1738 den „Saul\" geschrieben und ihn am 27. September\nbeendigt hatte, begann er vier Tage darauf, am 1. Octo-\nber, „Israel in Aegypten\", und zwar denjenigen Theil des\nWerkes, welcher jetzt den zweiten bildet. Er wählte\nzum Stoff den „Lobgesang Moses' und der Kinder Israels\nam rotben Meere\" und legte mit geringen Auslassungen\ndas 15. Capitel des 2.'Buches Moses (V. 1 —2l) als Text\nzum Grunde; am 11. October war die Partitur fertig.\nDarauf ging er nach vier Tagen, am 15. October, an die\nComposition des ersten Theiles, in welchem er den Stoff\ndurch die Sendung Moses' nach Aegypten und die Schil-\nderung der Wunder und Plagen, durch die Pharao in den\nAuszug der Israeliten zu willigen bewogen wurde, in Zu-\nsammenstellung von Textesworten aus den Psalmen 68,\n105 und 106 ergänzte und am Schlüsse auch schon den\nAuszug selbst und den Untergang der Verfolger im Meere\nerwähnte, als Veranlassung des folgenden Lobgesanges.\nDiesen Theil vollendete er am 28. October, so dass er\nalso das ganze Oratorium binnen 25, oder wenn man\nChrysander's Angabe**): „als ein Ganzes war das Werk\nam 1. November beendigt\", berücksichtigt, binnen 27 Ta-\ngen geschrieben hat.\nSchon bei der Beschäftigung mit dem „Saul\" hatte\ner den Gedanken, das im Jahre 1737 (im December) ge-\nschriebene Anthem auf den Tod der Königin Caroline da-\nbei zu benutzen, gab ihn aber wieder auf. Jetzt schien\nihm „Israel\" zu kurz lür die Ausfüllung eines Abends,\nund so entschloss er sich, das ganze Futteral Anthem als\nersten Theil unter dem Titel: »Klage der Israeliten\num Joseph's Tod\", der ersten Aufführung des „Israel\"\nzuzugeben. Diese Aufführung fand den 4. April 1739\nStatt; bei den späteren liess er das Trauer-Anthem wie-\nder weg, und versuchte überhaupt auf mancherlei Weise\noft wunderlich genug dem londoner Publicum, bei\nwelchem der „Israel\", in Deutschland als eines der genial-\nsten und erhabensten Meisterwerke anerkannt, keinen\nErfolg hatte, das Werk mundrecht zu machen. Wir kom-\nmen auf die Geschichte der Aufführungen in England zu-\nrück, weil sie besonders für diejenigen lehrreich ist, die\nda den Deutschen die Eigenschaft, Händel zu erkennen,\nim Gegensatze zu den Engländern abzusprechen lieben,\nwährend ein so constatirtes Missfallen, wieHändel's „Israel\"\nes in England erlebte, und das Liegenlassen anderer Ora-\ntorien von ibm in England, die in Deutschland häußg\nund mit Erfolg gegeben werden, ein klarer Beweis vom\nGegentheil ist.\nWenn Chrysander (Händel 11. S. 445) mit Recht\ngegen die „schmachvolle Verungestaltung\" des eben er-\nwähnten Funeral Anthem zu einem Passions-Oratorium\ndurch die Deutschen als: „Empfindungen am Grabe Jesu\",\neifert, dabei aber dem Rationalismus einen Theil der Schuld\nzuschiebt und am Ende ausruft: „In einem Lande, wo sol-\nches möglich war\" (Weh' uns Verdammten!), „wer möchte\nsich wundern, dass Händel hier so langsam durchdringen,\ndass seine wahren Ideale bei uns so spät erkannt werden\"\nso hat er vergessen, erstens, dass der gläubigste Mysti-\ncismus viel ärgere, weil widrig sinnliche Beziehungen auf\nChristus in den Texten alter Kirchen-Compositionen erzeugt\nhat; zweitens, dass Händel selbst seine Musik, deren Ueber-\ntragung auf Christus „als einen Menschen erniedrigt wurde,\nweil sie nur dazu dient, eine edle Fürstin in höchster\n\n*) Da Händel's „Israel in Aegypten\" morgen, am ersten\nAbende des 42. niederrheinischen Musikfestes, hier in Köln\naufgeführt wird, so entnehmen wir dem Vorworte zum Text-\nbuche für 1865 die obigen Bemerkungen über das Werk, welche\nauch für weitere Kreise nicht ohne Interesse sein dürften.\n**) Vorwort zur Lieferung XVI: „Israel in Aegypten\",\nin der Ausgabe der deutschen Händel-Gesellschaft."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "170", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650603-01.1.2", "texte": "weiblicher Zartheit und Schönheit erscheinen zulassen\"\ndass Händel selbst diese Musik, wie oben erwähnt, auf\nden ägyptischen Statthalter Joseph übertragen hat (oder\nwar das dem Händel vielleicht auch nur dadurch „mög-\nlich'', dass er ein Deutscher war?); endlich, dass in Eng-\nland ein Werk wie „Israel\" keinen Erfolg hatte, und dass\ndort bis auf den heutigen Tag nur drei bis vier Oratorien\nHändel's ganz, von anderen nur Fragmente und noch an-\ndere gar nicht aufgeführt worden. Wir meinen, Händel\ndürfte, wenn er noch lebte, mit den Deutschen zufriedener\nsein, wie mit den Engländern. Was das „späte und\nlangsame\" Durchdringen Händel's „bei uns\" (wir gehö-\nren am Rheine doch auch dazu!) betrifft, so bemerken wir\nnur, dass Händel seit 1819 bis heute dreiunddreis-\nsig Mal auf unseren 42 Musikfesten in vollständigen Auf-\nführungen vorgekommen ist und jedes Mal die Zuhörer\nbegeistert hat. Die erste Aufführung des Messias war\nPfingsten 1819, mithin vor 46 Jahren, 40 Jahre vor Er-\nscheinung des 11. Bandes von Chrysander's Händel.\nEinen wichtigeren Punkt als die äusserliche Zugabe\noder Weglassung des Anthems bildet ein von\ndessen zehn Sätzen Händel fünf bis sechs zu vier Chören\nund zwei Duetten in seinem „Israel\" benutzt hat. Die\nThatsache ist wichtig, denn jenes ist hand-\nschriftlich auf der Bibliothek der\nciety in London vor etwa zehn Jahren entdeckt worden.\nEnglische Kritiker, z. B. Schölcher und Macfarren, wollten\ndessen Composition für Händel selbst in Anspruch nehmen,\nwas indess Chrysander (Bd. I. S. 168—177) gründlich\nwiderlegt. Auch die Zeitschrift „Das Athenäum\" trat da-\ngegen auf und sagt am Schlüsse des betreffenden Artikels:\n„Wir vermuthen, dass der Riese so reich war, dass er\nsich berechtigt fühlte, von da oder dort zu stehlen.\" Schöl-\ncher zweifelt am Ende auch und meint, der Riese könnte\nes doch wohl so gemacht haben, wie die Grossen mit den\nKleinen zu verfahren pflegen.\nChrysander weist mit der grössten Wahrscheinlichkeit\naus inneren und äusseren Gründen nach, der Name\nJErba, der auf dem Manuscripte steht,\neinem um 1690 blühenden berühmten Meister Dionigi\nErba aus Mailand gehöre, von dem denn wohl mit Si-\ncherheit anzunehmen, dass er das gesetzt habe.\nDie Thatsache, dass Händel einige Nummern daraus in\nden Bereich seines Oratoriums gezogen und nach seiner\nWeise umgestaltet habe, läugnet er nicht, ereifert sich aber\nfurchtbar gegen Schölcher und das Athenäum wegen ihrer\nhumoristischen Ausdrücke von Raub und Diebstahl. Die-\nser Eifer befeuert ihn so, dass er behauptet: „Das, was\nHändel Note für Note beibehielt, und das andere, das er\nin ungeahnter Weise gänzlich neu gestaltete, Alles ist sein\neigen geworden. Es war der Drang seiner künstlerischen\nNatur, Tongedanken, die er in halber Gestaltung und was\ndamit gewöhnlich zusammenhängt, auf einem ihnen frem-\nden Gebiete liegen sah (?), nicht untergehen zu lassen.\nDass er sogleich erkannte, wo sie hingehörten, und sie\nihm in vollkommener Gestalt als Verkündiger grosser Be-\ngebenheiten vorstanden, ist das Unbegreifliche dabei. Hier\nwirkte sein Geist wie eine Naturgewalt\" u. s. w. Zuletzt\nerklärt er Händel's Verfahren für ganz gleich mit dem,\nwas Shakespeare in der Bearbeitung von Novellen zu Dra-\nmen gethan, wobei denn doch ein gewaltiger Unterschied\nobwaltet. Welche Richter soll denn diese blendende Ver-\nteidigung der Aneignung fremden Eigenthums „aus in-\nnerem Drange und aus der Erkenntniss, wo es besser\nhingehöre\", überzeugen? Dergleichen Deductionen gehö-\nren der Manie von Biographen an, die ihren Helden nicht\nnur über die Menschen seiner Zeit und seines Faches, son-\ndern über das Menschliche überhaupt erheben wollen und\ndie geheime innere Werkstatt seines Schaffens eben so\ngenau zu kennen meinen, wie ihre eigene Studirstube. In-\ndessen man muss solche Auswüchse an einem so übersaf-\ntigen Baume des Lebens, wie ihn Chrysander für Händel\npflanzt, schon mit in den Kauf nehmen, um sich an den\nFrüchten desselben zu erfreuen.\nUns ist es nur um die Thatsache zu thun, die, wie\neine Menge anderer Beispiele zeigt, wie Händel sich selbst\nund zuweilen auch Andere benutzte, und damit einen Be-\nweis gibt, wie schwierig es ist, den so genannten „noth-\nwendigen\" Gang eines Genies aus dessen Werken darle-\ngen zu wollen. Noch ein Beispiel anderer Art wollen wir\nin dieser Beziehung erwähnen. In dem erhabenen Chor\nin E-moll:„Das hören die Völker und sind erstaunt\",\nhatte Händel die Textesstelle: „Alledie Bewohner Canaans\nergreift die Angst\", bei der Composition in der Eile über-\nsehen und sprang von Tact 23 gleich auf Tact 56. Erst\nspäterhin bemerkte er es und schuf nun den wunderschö-\nnen Mittelsatz auf jene vergessenen Worte, 33 Tacte, die\nin H-moll schliessen, worauf dann der Einsatz in G-dur,\nder schon da war, eine ganz andere Wirkung erhält, bei\nder Jedermann darauf schwören sollte, dass sie in dem\nEntwürfe des Ganzen berechnet gewesen wäre. Die 33\nTacte sind auf vier besondere Blätter in der Partitur ge-\nschrieben und durch ein NB. an ihre Stelle gewiesen.\n(Mendelssohn im Vorworte der Ausgabe für die lon-\ndoner Händel-Gesellschaft.)\nWir haben bereits erwähnt, dass das englische Publi-\ncum bei der ersten Aufführung die Grösse des Werkes\nnicht zu fassen vermochte. Schon für die zweite kündigte\nHändel an: „Das Oratorium wird verkürzt und mit Solo-\ngesängen durchmischt.\" Und was waren das für Gesänge?"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "171", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650603-01.1.3", "texte": "Sie sind in der Original-Partitur mit Bleistift an den be-\ntreffenden Stellen nebst den Namen der Sänger und Sän-\ngerinnen notirt. (Mendelssohn im Vorworte undSchöl-\ncher S. 208.) Es sind eine englische Arie und drei ita-\n-1 i ä n i s c h e: „ Angelico splendor\" „ Cor fedele ex G\"\nnLa speranza laconstanza\", alle für Sopran. Das „Cor\nfedele\" wurde nach dem prächtigen Chor: „Deine Rechte,\no Herr, thut grosse Wunder\", „Angelico splendor\" nach\ndem gewaltigen: „Aber die Fluten überwältigten sie, dass\nauch nicht Einer übrig blieb\", gesungen. Sollte man so\netwas für möglich halten? Nun, vielleicht wird uns auch\nnoch bewiesen, dass es unmöglich war!\nAuch dieses verzweifelte Mittel half dem Werke nicht\nauf, und im Ganzen wurde es in London nur acht und in\nOxford ein Mal bei Händei's Lebzeiten aufgeführt. Später-\nhin kam es öfter, meist aber nur in Fragmenten, an die\nReihe, allein die abscheulichen Entstellungen durch Ein-\nlagen haben bis in die neueste Zeit nicht aufgehört. Im\nJahre 1765 wurde „Israel\" in Coventgarden mit 12 Arien\nund 14 Recitativen aus italiänisehen Opern Händei's auf-\ngeführt; in den Oratorien-Concerten von Smith wurden\ndiese Potpourri's fortgesetzt und z. B. einer Melodie auf:\nnDi Cupidoimpiego i vanniu(„lch leihe mir Cupido's\nFlügel\") die Worte: „Great Jehovah unter-\ngelegt; ja, im Jahre 1816 kündigte G. Smart den „Israel\"\nmit mehreren eingelegten Recitativen und Gesängen, unter\ndenen auch die in der Original-Partitur von Händel be-\nzeichneten waren, in London an. Noch mehr: auf dem\nMusikfeste zu Narwich im Jahre 1838 wurde „Israel\"\nmit neun Einlagen aus italiänisehen Opern gegeben, davon\neine sogar aus zwei Arien aus „Julius Cäsar\" und aus\n„Scipio\" zusammengeschweisst war! Es existirt sogar eine\nenglische Ausgabe mit diesen Nummern, und noch im\nJah re 1840 wurde das Werk mit denselben zwei Mal in\nLondon gegeben.\nUnd trotz alledem sollen wir Deutsche gegen die Eng-\nländer in der Würdigung Händei's zurückstehen? Wir\nfragen: wären solche Misshandlungen eines Händel'schen\nOratoriums in Deutschland in unserem Jahrhundert mög-\nlich? Bei uns bedarf es wahrlich der Auffrischung der\nOratorien durch italiänische Opern-Arien nicht; „Israel\nin Aegypten\" ist als eines der erhabensten Werke der\nTonkunst in Deutschland stets mit Begeisterung aufgenom-\nmen worden, während es erst seit zehn Jahren zu London\nin Hullah's Repertoire eingereiht worden und nun endlich\nauch dort in seiner wahren Gestalt gegeben wird, jedoch\nimmer noch meist nur Fragmente daraus.\nDas erste Verdienst um die Verbreitung des' Werkes\nbei uns bat Herr Prof. K. Breidenstein in Bonn, der\nim Jahre 1826 einen Ciavier-Auszug mit englischem und\ndeutschem Texte (von ihm selbst übertragen) bei N. Sim-\nrock herausgab, den er dem Prof. Zelter, dem Dirigenten\nder berliner Sing-Akademie, widmete.\nMendelssohn hatte in England sechs Recitative\nund eine Arie für Sopran in einer Partitur des „Israel\"\nbei G. Smart gefunden, sie aber nicht in die von ihm be-\nsorgte Ausgabe lür die londoner Händel-Gesellschaft auf-\ngenommen. Diese sechs Stücke hat jetzt Jul. Stern in\nBerlin seinem Ciavier-Auszuge des „Israel\" (Berlin, bei\nSchlesinger-Lienau) aus Mendelssohn s Nachlasse einver-\nleibt. Dagegen hat Mendelssohn eine Orgelstimme der\nenglischen Ausgabe beigegeben. Wenn Herr Chrysander\nsagt, „dass sie leider nicht in Händei's Weise gehalten\nsei\" (Vorwort zur leipziger Ausgabe), was er im zweiten\nBande der Jahrbücher lür musicalische Wissenschaft nach-\nweisen werde, so wollen wir doch bei dem Glauben an\nMendelssohn und sein unzweifelhaftes Talent, sich in den\nGeist älterer Meister zu versenken, uns inzwischen beruhi-\ngen und der verheissenen Beweisführung um so mehr\nentgegensehen, als wir begierig sind, an welchen charak-\nteristischen Merkmalen der wenigen, höchst bescheidenen\nZusätze Mendelssohn s die Verstösse gegen Handel s Geist\nnachgewiesen werden sollen.\n\nJudith Pasta.\n(Nekrolog.)\nIm Anfange des Monats April ist Judith Pasta,\neine der grossen italiänisehen Gesanges-Berühmtheiten aus\nder ersten Hälfte unseres Jahrhunderts, auf ihrem Land-\nsitze am Comersee gestorben.\nSie war im Jahre 1798 zu Como von israelitischen\nEltern geboren und trat im Alter von fünfzehn Jahren in\ndas Conservatorium zu Mailand ein, dessen Leitung da-\n-4 l •\nmals Asioli hatte. Ihre grosse und mächtige Stimme\nsträubte sich lange gegen die kunstgemässe Schule, was\nTonbildung und Coloratur betrifft, und auch späterhin,\nals sie auf der Höhe ihres Ruhmes stand, behielt ihre\nStimme im Anfange einer Partie immer noch etwas Be-\nlegtes oder Verschleiertes, das erst nach einigen Scenen\nverschwand.\nNachdem sie 1815 das Conservatorium verlassen,\ntrat sie in Brescia, Parma, Livorno auf Theatern zweiten\nRanges auf, obne besondere Aufmerksamkeit zu erregen.\nDie berühmte Catalani aber erkannte ihr Talent und\nstellte sie in Paris bei der italiänisehen Oper, welche sie\ndamals leitete, im Jahre 1816 an. Allein die Pariser,\nwelche späterhin dieselbe Sängerin enthusiastisch feierten,\nerinnerten sich kaum, sie schon früher gehört zu haben.\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "172", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650603-01.1.4", "texte": "Im folgenden Jahre sang sie in London, und auch dort\nbrachte sie keinen besonderen Eindruck hervor.\nSie ging nach ihrem Vaterlande zurück, und es war,\nals wenn die Berührung mit dem heimischen Boden und\nder Himmel Italiens die Knospe eines Talentes, dessen\nAhnung sie stets in sich getragen, auf einmal entfaltet\nhätten, denn von jener Zeit an kam sie zum Bewusstsein\nihrer Natur, welche sie auf die dramatische Charakteristik\nin Gesang und Spiel hinwies. In den Jahren 1819 und\n1820 begann ihr Ruf durch ihre Leistungen in Venedig\nund in Mailand, und im Herbste 1821 erregte sie denn\nauch in Paris bei der italiänischen Oper Aufsehen. Der\nausserordentliche Erfolg, den sie im Jahre 1822 zu Ve-\nrona während des Congresses hatte, bereitete ihr in Paris\neinen glänzenden Empfang.\nSeit dieser Zeit bis zu Ende des Jahres 1826 sang\nsie jedes Jahr in den Saisons zu Paris und London und\nbegründete ihren europäischen Ruf als eine der grössten\ndramatischen Sängerinnen. Ihr Gesang war zwar nicht\nkünstlerisch vollendet, und die Coloratur, wiewohl sie\nihrer mächtig geworden, liess doch an vollkommener Cor-\nrectheit noch etwas zu wünschen übrig; aber sie wusste\njeder Rolle den angemessenen eigenthümlichen und indi-\nviduellen Charakter zu geben, und verstand in ihren Ton\nso tiefes Gefühl und so ergreifenden Ausdruck zu legen,\ndass sie die Zuhörerschaft je nach ihrem Willen erschüt-\nterte oder entzückte und in jeder Gestalt den höchsten\nGrad dramatischer Wahrheit erreichte. Trotzdem, dass\nsie durchaus nicht besonders musicalisch war, erfand sie\ndoch, um Abwechslung in die Rossini'sche Tonleiter-Co-\nloratur zu bringen, jene Art der Gesang-Verzierungen,\ndie sich in harmonischen Intervallen, wie bei der Instru-\nmentalmusik in gebrochenen Accorden, bewegen, und\nbrachte damit grosse Wirkung hervor. Eine ihrer Haupt-\nrollen war damals die Desdemona in Rossini's „Othello\".\nIm Jahre 1827 verliess sie die Oper in Paris, weil\nsie mit Rossini sich entzweite, und ging nach Italien zu-\nrück. Pacini schrieb für sie die Niobe, Bellini die Sonnam-\nbula und die Norma, ausserdem war Anna Bolena eine\nihrer besten Rollen. In Neapel nahm das Publicum ihre\nLeistungen nicht so enthusiastisch auf, wie sie es gewohnt\nwar, aber in Bologna, Mailand, Verona, dann in Triest\nund in Wien fand sie durch grossartige Triumphe Ersatz\ndafür. '\nIn den Jahren 1833 und 1834 sang sie wieder in\nParis. Strengere Richter bemerkten eine Abnahme der\nStimme, namentlich in Bezug auf die Reinheit der Into-\nnation, welche zuweilen und dann fast den ganzen Abend\nhindurch zu tief gewesen sein soll. Allein ihr dramatisches\nTalent hatte eine Höhe erreicht, welche die interessan-\ntesten Vergleichungspunkte mit der Malibran darbot,\nwelche so eben die glänzendsten Erfolge gehabt hatte. Es\ngab nur Eine Stimme darüber, dass z. B. ihre Amina in\nder Sonnambula und ihre Anna Bolena so verschiedene\nCharakter-Darstellungen waren, eben so ihre Norma und\nihre Desdemona, dass man nicht glauben konnte, dieselbe\nKünstlerin zu sehen. Wenn man der Malibran in dem rein\nMusicalischen und in der Kunst des Gesanges einen unbe-\nstreitbaren Vorrang einräumen musste, und es ihr auch\nnicht an leuchtenden Blitzen dramatischen Genie's fehlte,\nso liess sich doch nicht läugnen, dass die Pasta eine grös-\nsere Auffassungsgabe und eine harmonischere Einheit in\nder Durchführung ihrer Auffassung besass.\nSeit 1829 sang die Pasta in Italien noch auf einigen\ngrossen Theatern, brachte aber den Winter gewöhnlich\nin Mailand und den Sommer auf ihrer reizenden Villa am\nComersee zu. Wiewohl sie sich schon ganz von der Bühne\nzurückgezogen hatte, widerstand sie doch im Jahre 1840\nden überaus glänzenden Anerbietungen des kaiserlich rus-\nsischen Hofes nicht und ging nach Petersburg. Diese ihre\nletzte Kunstreise brachte ihr 200,000 Francs ein, allein\nder künstlerische Erfolg entsprach dem materiellen nicht\nin gleichem Verhältnisse.\nBellini sagte von ihr, sie sei die einzige Sängerin, der\nman eine Rolle nur zu übergeben brauche, ohne sich wei-\nter darum zu bekümmern. Sie selbst indess genügte sich\nnur selten und erklärte oft, dass sie dem Ideal des Schö-\nnen, das sie im Herzen trüge, wenn sie sich in eine Rolle\nvertieft hätte, durch den Ausdruck niemals hätte gleich-\nkommen können.\n\nAus Braunschweig.\nDen 22. Mai 1865.\nDie Vorbereitungen zu dem am 10., 11. und 12.\nJuni hierselbst Statt findenden Musikfeste sind nahezu\nbeendet. Erfreulicher Weise werden sich fast alle in den\nTheater-Ferien hier anwesenden Mitglieder der herzogli-\nchen Hofcapelle an der Mitwirkung betheiligen; 68 Han-\nnoveraner, 17 Detmolder mit Capellmeister Bargheer\nan der Spitze, so wie einige andere namhafte Künstler\nkommen von auswärts. Es dürfte sich daher nicht leicht\nwieder Gelegenheit bieten, ein gleich stark und gleich aus-\ngezeichnet besetztes Orchester hier zu hören. In der That\nkann man sich vorher von dem imposanten Zusammen-\nklange eines Orchesters von circa 40 Violinen u. s. w.\nund einer mächtigen, jetzt in der Aufstellung begriffenen\nOrgel kaum einen Begriff machen. Die in doppelter Be-\nsetzung von Hannover kommenden Bläser bedingen die"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "173", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650603-01.1.5", "texte": "dort eingeführte pariser Normalstimmung: ein Umstand,\nwelcher den Solo- und auch den Chorstimmen bei Aus-\nführung der älteren Werke und besonders der durch ihre\nhohe Lage schwierigen Neunten Sinfonie sehr zu Statten\nkommen wird.\nDie hiesigen tüchtigen Chorkräfte geben sich unter\nunseres bewährten Franz Abt Leitung mit regem Eifer\ndem Studium der aufzuführenden Werke hin und halten\nwöchentlich zwei Gesammt-, so wie zwei Einzelproben, je\nfür Damen und Herren wahrlich ein Opfer, das dem\nechten Enthusiasmus für die Sache entstammt und die\nwärmste Anerkennung verdient. Auch die Leistungen der\nauswärtigen Vereine werden das Ihrige zum Gelingen des\nFestes beitragen, wie z. B. unsere Schwesterstadt Wol-\nlenbüttel unter Sei mar Müller's Leitung mit leuchten-\ndem Beispiele vorangeht.\nVon den Solisten steht Frau Dustmann bei den Braun-\nschweigern noch im besten Andenken. Seitdem sie als\nLouise Meier an unserer Bühne mit ausserordentlichem\nBeifalle gastirte, hat sie an Tonfülle und Adel der Auf-\nlassung bedeutend gewonnen und ist jetzt die gefeierte\nPrimadonna des wiener Hof-Operntbeaters. Von ebenda-\nher kommt Fräulein Caroline Bettelheim, ausgezeich-\nnet durch eine wunderbar sympathische Altstimme und\ngrosse musicalische Durchbildung. Die junge Dame, gleich\ntrefflich als Pianistin, wird, um hieher zu kommen, ihr\nlondoner Gastspiel unterbrechen. Herr Walter, erster\nTenorist in Wien, hat kürzlich durch glänzende Gastrollen\nin Frankfurt am Main und Köln seinen Ruf auch in Nord-\ndeutschland begründet. Herr Karl Hill, Concertsänger\nin Frankfurt am Main, ist uns vom vorigen Winter her\nvortheilhalt bekannt.\nBedenken wir endlich, dass diese ausgezeichneten\nSolo-, Chor- und Orchesterkräfte von Männern wie Fi-\nscher, Herbeck und Abt ins Treffen geführt werden,\nso dürfen wir in der That mit Zuversicht einem auserle-\nsenen musicalischen Genüsse entgegensehen.\nDie Direction der grösseren Werke, Samson und\nNeunte Sinfonie, hat Herr Hof-Capellmeister Abt mit lie-\nbenswürdiger Courtoisie den Herren Herbeck und Fischer,\nals Auswärtigen, überlassen. Das erstere, unserem Publi-\ncum schon längst liebgewordene Werk tritt uns dieses\nMal in neuem oder vielmehr altem Gewände entgegen, in\nso fern die Aufführung nach der von der deutschen Hän-\ndel-Gesellschaft herausgegebenen Original-Partitur erfolgt.\nEs ist jedem Componisten, geschweige denn einem Händel\ngegenüber nicht mehr als recht und billig, dass man sein\nWerk so aufführt, wie er es geschaffen; abgesehen von\nKürzungen, welche er ja selbst bald hier, bald da, je nach\nBedürfniss und den disponibeln Gesangskräften, sich er-\nlaubt hat. Was würde der intelligente Hörer wenn\nman vielleicht aus Mangel an Blas-Instrumenten diese bei\neiner Beethoven'schen Sinfonie durch Orgel ersetzen wollte?\nUnd doch ist die Verunglimpfung, welcher die Bearbeiter\ndurch vollständig moderne Instrumentation, durch sinn-\nentstellende Uebersetzung, durch unglaubliche Tempo\\er-\nänderung, endlich durch Weglassung ganzer Persönlich-\nkeiten bei den Händel'schen Partituren und speciel heim\nSamson sich schuldig gemacht haben, wahrlich keine ge-\nringere ! H ören wir desshalb eine würdige Aufführung,\ndie Ouvertüre und Chöre, abgesehen vom Orchester, durch\nOrgel-, die Arien durch Ciavier- (zu Händel's Zeiten Clavi-\ncembalo-) Begleitung unterstützt, mit derjenigen Aufmerk-\nsamkeit an, welche ein für alle Zeiten lebendes Werk\nverdient.\nDie Neunte bezeichnet den Gipfelpunkt von Beetho-\nven's Hauptwerken, von seinen Sinfonieen, und damit den\nGipfelpunkt der neueren Musik überhaupt. Wie aller Or-\nten, wird und muss dieselbe auch hier, wenn das Ver-\nständniss durch den Besuch der Proben angebahnt ist,\nalles, was lür Musik Sinn hat, mit sich fortreissen. Dass\nder Concert-Verein sein Programm aus längst accreditirten\nWerken zusammengesetzt und dabei die bedenkliche\nneueste Richtung der Musik nicht berücksichtigt hat, kann\nnicht Wunder nehmen, da derselbe mit einem solchen\nimmerhin gewagten Unternehmen sich selbst erst das Ter-\nrain erobern muss und bei einem auf die Theilnahme des\nGanzen zählenden Feste keinen Partei-Standpunkt einneh-\nmen darf.\nGreifen wir aus dem reichhaltigen Programm (in wel-\nchem wir nur einen Instrumental-Solovortrag ungern ver-\nmissen) noch die Hymne, das schwungvollste Werk unse-\nres trefflichen W. Meves, das Bach'sche einen\nmächtigen, von Orchester und Orgel getragenen sechs-\nstimmigen Chor, und endlich\ndie Iphigenie-Scenen, eine Glanzleistung der Frau Dust-\nmann, heraus, so können wir nicht umhin, unsere Erwar-\ntungen hoch zu spannen und zu wünschen, dass ein glück-\nliches Gelingen die allseitigen opferfreudigen Bestrebun-\ngen belohnen möge.\n\nVerdi und Wagner.\nWir haben in diesen Blättern bei verschiedenen Ge-\nlegenheiten auf die Aehnlichkeit im Streben und in der\nManier der Ausführung desselben in den Opern-Compo-\nsitionen Verdi's und Wagner's, natürlich mit den iModifi-\ncationen, welche Nationalität und Tiefe des Studiums be-\ndingen, hingewiesen, und haben damit, wie zu erwarten"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "174", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650603-01.1.6", "texte": "war, bei den Tendenzgläubigen, welche das Können\ndurch das Wollen für gesichert halten, arg angestossen.\nDass wir aber mit dieser Ansicht nicht allein stehen, er-\nsehen wir jetzt aus den wiener „ Recensionen\", einem\nBlatte, welches von allen übrigen Musik-Zeitungen fast\nallein noch die Wahrheit in Bezug auf Wagner und Ge-\nnossen zu sagen gewohnt ist. In ihrem Berichte über die\nerste Aufführung der Schicksals-Oper Verdi's: „La Jorsa\ndel destino\",zu Wien, in welcher zuletzt der Geliebte der\nSchwester ihren Bruder und dieser, zum To*de verwundet,\ndie jammernde Schwester ersticht, lesen wir Folgendes:\n„Zu diesem Schauerstoffe hat nun Maestro Verdi eine\nMusik geschrieben, welche zwar keine Ansprüche aul viel-\nfache Sympathieen im Publicum erheben darf, für den\nspeciellen Musikfreund aber und den aufmerksamen Be-\nobachter des Entwicklungsganges seines Talentes von be-\ndeutendem Interesse ist.\n„Konnte schon im „Ballo jene Wen-\ndung in Verdi's Manier, deren Anfänge bereits im\nletto\" und im „Trovatore\"bemerkt wurden, ganz ent-\nschieden constatirt werden wir meinen die Wendung\nvon der rohen, aber melodiösen italiänischen Schablone zu\nder erfindungsärmeren, aber charakteristischen und theil-\nweise maassvollen und edleren Gestaltung in mehr neu-\nfranzösischer Art —, so ist dies in doppeltem Sinne an un-\nserer neuesten Verdi'schen Bekanntschaft zu bemerken, in\ngutem, wie in üblem Sinne. destino\" ist\neben weit ärmer an schönen oder auch nur prägnanten\nGedanken, als alles, was wir bis nun aus Verdi's Feder\nkennen, zugleich aber auch weit weniger lärmend, weit\nsorgfältiger gearbeitet, weit mehr „ „Situationsmusik\"\",\nwenn wir mit Einem Worte ihr wesentliches Element be-\nzeichnen sollen. Wir erblicken darin gleichzeitig einen Fort-\nschritt in Verdi's musicalischer Bildung, fast eine Umkehr\nin seiner Einsicht von dem Wesen der Kunst, zugleich\naber einen Erfindungs-Bankerott, der die besten Intentio-\nnen zur Unwirksamkeit verurtheilt. Es bleibt eben immer\neine bedenkliche Sache um das so genannte „ „bessere\nStreben\"\", wenn es nicht durch ein Aequivalent an prak-\ntisch ausgiebiger Wirkungskraft gedeckt wird. Es ist sehr\nschön von Meister Verdi, wenn er in sich geht und sich\nmit seiner unläugbaren Effect- und Bühnenkenntniss dem\nCharakteristischen zuneigt; nur mit dem Opfer jeglicher\nMelodie, jedes frischen sinnlichen Eindrucks wollen wir\ndiese italiänische Gelehrsamkeit nicht erkaufen. Abermals\nmüssen wir hier an Richard Wagner denken, den wir\nin Deutschland dieselben tendentiösen Wege, nur mit mehr\nBewusstsein und Selbstgefühl, wandeln sehen.\n„In der That ist die neue Verdi'sche Oper in zahllose\nRecitative und Arioso's zerhackt, welche zu der einstigen\nitaliänischen Eintheilungs-Schablone nahezu einen Gegen-\nsatz bilden. Dadurch aber, dass man etwas Ueberlebtes\noder auch ganz Verfehltes einfach auf den Kopf stellt, wird\ndem Uebel gewiss nicht abgeholfen. So kann denn Verdi\ndem Schicksale nicht entgehen, .mit seinen neuesten cha-\nrakteristischen „„Opern-Dramen\"\" einfach langweilig zu\nwerden, zum Mindesten dem grösseren Theile des Publi-\ncums war diese undramatischste aller Empfindungen offen-\nbar die nächstliegende. An schönen Einzelstellen fehlt es\nder Oper allerdings nicht\" u. s. w.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nBerlin, 19. Mai. Eine wahrhafte Völkerwanderung bezeich-\nnete am 13. d. Mts. den Weg zum Friedrich-Wilhelmstädtischen\nTheater, um der ersten Aufführung der Offenbach'schen komischen\nOper: „Die schöne Helena\", die unter persönlicher Leitung des\nComponisten Statt fand, beizuwohnen. Die Bearbeitung des Textes,\nder in heiteren Zügen die Entstehung des trojanischen Krieges be-\nhandelt, ist in der witzigen Uebertragung des Kladderadatsch-Re-\ndacteurs Dohm eine geschickte und glückliche. Nachdem in einem\nscenischen Prologe (von Fräulein Ungar als Thalia und Herrn\nHolzstamm als Apollo vorgetragen) die Absichten des Verfassers\nin witziger Weise dargelegt waren, rollte sich das Stück, reich an\nkomischen Anspielungen und Beziehungen zu den Begebenheiten\ndes Tages, gespickt mit drolligen Pointen, ab. Dass es Offenbach\nan pikanten Motiven nicht fehlt, versteht sich von selbst. Im ersten\nActe war, nachdem bereits die Erzählung des Paris von der Ver-\ntheilung des Apfels sehr gefallen hatte, der Eintritt der beiden\nAjax, des Achill, des Agamemnon und des Menelaus von so komi-\nscher Wirkung, dass die ganze Scene auf Verlangen wiederholt\nwerden musste; nachher erregte wieder der Satz im Finale: „Es ist\nder Apfelmann44, die volle Anerkennung, eben so die Stelle: „Er muss\nnach Kreta\". Im zweiten Acte zeichnet sich gleich der Frauenchor\ndurch sein Motiv, an die Auber'sche Schule erinnernd, aus; dann\ndie reizenden Couplets der Helena, die Spielscene am Pharaotisch\nu. s. w. Im letzten Acte treten besonders hervor: Helena's Arie,\nein technisch schwieriges, aber sehr dankbares Musikstück, das Ter-\nzett (in welchem sehr glücklich das Männer-Terzett aus Rossini's\n„Teil\" benutzt ist), das Couplet des Kalchas und das Finale. Die\nDarstellung gehört zu den besten dieser Bühne; die Direction hatte\ndas Stück in Decorationen und geschmackvollen Costumen wahr-\nhaft glänzend ausgestattet. Herr Commissionsrath Wallner hat\nvor einigen Tagen mit Herrn OfFenbach einen Contract abgeschlos-\nsen, welcher letzteren verpflichtet, vom Tage des Contract-Abschlus-\nses an seine neuen Compositionen zuerst dem Wallner-Theater einzu-\nreichen. Herr Wallner hat sich seinerseits zu einer sehr glänzenden\nHonorirung des Herrn OfFenbach verpflichtet.\nMan schreibt aus Berlin viel Vortheilhaftes über ein Stabat\nMater von Friedr. Kiel, welches im letzten Winter dort aufge-\nführt worden ist und, wie früher das Requiem desselben Compo-\nnisten, grossen Beifall erhalten hat. Das Stabat ist für Soli und\ndreistimmigen Chor von Frauen mit vollständigem Orchester ge-\nschrieben. 0 quam tristis ist Sopran-Solo, Pia mater, fons amorU\nAlt-Solo, Virgo virginum praeclara Terzett für drei Frauenstimmen,\nletztere das beste von den Solostücken sein soll, während\ndie übrigen Soli gegen die Chöre an künstlerischem Inhalt zu-\nrückträten."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "175", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650603-01.1.7", "texte": "Im Verlage von J. Guttentag in Berlin erscheint so eben:\n„Robert Schumann. Sein Leben und seine Werke.\" Dargestellt\nvon August Reissmann.\nFrau Crelinger's Repertoire. Frau Auguste Crelinger\nstellte auf der berliner Hofbühne 372 Rollen dar. Die meisten Wie-\nderholungen erfuhren Donna Diana (79), Herzogin von Marlborough\n(67 J, Eboli (63), Gräfin Terzky (63), Orsina (59), Lady Milford (54),\nMaria Stuart (46), Jungfrau von Orleans (44), Shakespeare1 s\nJulia (40).\njVlftfiliz« Die Vorbereitungen für das am 2. und 3. Juli hier\nStatt findende fünfte mittelrheinische Musik fest nehmen\nihren ununterbrochenen und günstigen Fortgang. Schon wird in der\nFruchthalle an der Herstellung der Musik-Tribune gearbeitet, welche\nein Orchester von circa 130—140 Mann, einen Sängerchor von 900\nStimmen und eine Orgel mit 20 Registern aus dem Atelier des\nHerrn Ibach in Barmen aufnehmen wird. Mit der Aufstellung der\nOrgel wird Anfangs Juni begonnen werden. Für die vorkommenden\nGesang-Soli sind die Damen Fräulein Melitta Alvsleben vom\nk. Hoftheater in Dresden (Sopran), Fräulein Philippine v. Edels-\nberg vom k. Hoftheater in München (Alt) und die Herren Gustav\nWalter vom k. k. Hof-Operntheater in Wien (Tenor) und Karl\nHill von Frankfurt am Main gewonnen. Alles lässt hoffen, dass\ndas kommende Fest dem im Jahre 1860 ebenfalls hier Statt gefun-\ndenen vierten mittelrheinischen Musikfeste in keiner Beziehung nach-\nstehen werde, indem auch für die Gewinnung vorzüglicher Orchester-\nkräfte aus Nähe und Ferne das Mögliche aufgeboten wird. Zur Ueber-\nnahme der Orgel-Partie hat sich der k. Musik-Director Herr Franz\nWeber in Köln bereit erklärt.\nHerr Dumont, bisher Capellmeister am städtischen Theater\nin Riga, ist vom Ausschusse der Theater-Actien-Gesellschaft für die\nnächste Saison als erster Capellmeister am hiesigen Stadttheater\nengagirt worden.\nIm zweiten Abonnements-Concerte der grossher-\nzoglichen Hof-Kirchenmusik am 20. März in der grossherzoglichen\nSchlosskirche kamen vor: I. 1. Präludium und Fuge für die Orgel\n(F-moll) von G. Fr. Händel (Hoforganist Barner). 2. Zwei Chöre\na capella: Adoramus von J. P. da Palestrina; O bone Jesu von\nThomas Baj. 3. Ave Maria für Tenor mit Clarinett-Begleitung von\nLudwig Cherubini (Hof-Opernsänger Brandes und Hofmusicus Roth).\n4. Trio für die Orgel von Joh. Ludw. Krebs. 5. „Tenebrae factae\nBuntu von Joh. Mich. Haydn. 6. Hymne für eine Sopranstimme,\nChor und Orgel von F. Mendelssohn-Bartholdy (Frau Braunhofer).\n11. 7. Busslied für Tenor aus Geliert's geistlichen Liedern von\nL. van Beethoven. 8. Choral-Vorspiel und Choral: „Wachet auf,\nruft uns die Stimme,\" u. s. w. für Orgel von Joh. Seb. Bach. 9.\nPsalm für Sopran und Bass von Benedict Marcello. 10. Zwei Chöre\no capella: a. Ave Maria von Jac. Arcadelt; b. Sanctus von Deme-\ntrius Bortniansky. 11. Arie für Sopran aus dem Elias von F. Men-\ndelssohn-Bartholdy. 12. „Bleib' bei uns, Herr!\" Kirchcn-Cantate für\nSoli, Chor und Orgel von Joh. Seb. Bach.\nIm dritten Abonnements-Concerte: I. 1. Präludium und Fuge\nfür die Orgel (E-moll) von Joh. Seb. Bach. 2. Zwei Chöre a ca-\npella: a. „O crux ave\" von J. P. da Palestrina; b. „O vos omnesu\nvon Th. L. da Vittoria. 3. Ave Maria für Sopran von H. Marsch-\nner (Frau Mina Steinmüller, k. Hannover sche Kammersängerin). 4.\nAdagio und Andante für Orgel und Violine von Joh. Seb. Bach\n(Barner und Hofmusicus Pechatscbeck). 5. Geistliche Lieder für\nBariton: a. „Wenn ich an Dein Blut gedenke\", b. „An Deinem\nKreuzesstamm\", von J. W. Franck. 6. Incarnatus und Crucißxus\nfür achtstimmigen Chor von L. Cherubini. 11. 7. Zwei Choräle\nvon Mich. Prätorius und von H. L. Hassler. 8. Arie für Sopran aus\ndem „Messias\" von G. Fr. Händel (Frau Mina Steinmüller). 9. La-\nmentationen für Chor von Greg. Allegri, nebst hinzucomponirtem\n„Jerusalem\" (fünfstimmig) von Joh. Biordi. 10. Quintett aus dem\nPassions-Oratorium „Die Pilgrime auf von J. A. Hasse.\n11. Pastorale für die Orgel von Joh. Seb. Bach*\nIm vierten Concerte des Cäcilien-Vereins am 1. Mai kam zur\nAufführung: Grosse Passionsmusik nach dem Evangelisten Matthäus\nvon Joh. Seb. Bach. Die Solo-Partieen wurden gesungen von der\nk. würtembergischen Ilof-Opernsängeriu Fräulein Marschalk Alt),\nHerrn Hof-Opernsänger Brandes (Evangelist), Herrn Kammeränger\nOberhoffer (Jesus) so wie verschiedenen anderen Gesangeskräften.\nAm 18. Mai wurde hier Rossini's „Barbier von Sevilla\"\nmit Recitativen gegeben, ein treffliches Mittel, um ihn aus der Bur-\nleske wieder in eine Oper zu veredeln, wofür man der intelligenten\nDirection des Hoftheaters dankbar sein muss. Freilich ist's mit der\nWiederherstellung der Recitative allein noch nicht gethan, wenn das\nBtihnen-I ersonal bei den Uebertreibungen bleibt, durch welche auch\ndie Italiäner selbst jetzt die reizende Oper zu einer Carnevalsposse\nmachen.\nStuttgart, Vor einiger Zeit stand Abert's seit drei Jahren\nnicht mehr gegebene Oper „König Enziou in Aussicht; sie war bereits\nzwei Mal wirklich angesetzt, ist aber neuerdings wieder vom Reper-\ntoire verschwunden, und es wird vermuthlich einem Verlegenheits-\nfallo überlassen bleiben, auf sie zurückzugreifen. In der Stellung\ndes Capellmeisters Eckert ist durch Berufung des Herrn L'Arronge\n(Sohn des Komikers) als Musik-Director eine Aenderung eingetreten.\nDie 1 ragweite dieser Ernennung lässt sich noch nicht ermessen, da\ndas Engagement vorerst auf zwei Monate erfolgt ist; bedauert aber\nmuss es werden, dass Herr Abert hierbei übergangen ist.\nAus Leipzig. „Stellen Sie gefälligst in Ihrem Blatte die Preis-\nfrage: „,,Gibt es eine obseöne Musik und existirt bereits der Be-\nweis, dass dieses Element in die Musik eingeführt worden?\"\"\nSobald uns der anonyme Einsender eine stichhaltige Beweisführung,\ndie wohl möglich sein dürfte, einsendet, werden wir ihr den ge-\nbührenden Preis durch Abdruck derselben zuerkennen.\nDer nürnberger Oratorien-Verein, im vorigen Herbste durch\nHerrn Cantor G. Emmerling gegründet, hat am 2. Mai mit der\nAufführung von Spohr's „Der Fall Babylons\" debutirt und sich des\ngeärnteten Beifalles würdig gezeigt.\nFinanzielles zu „Tristan und Isolde\". Herr und Frau\nSchnorr sollen gelegentlich der Aufführung von „Tristan und Isolde\"\nin München je 2000 Fl., Herr Mitterwurzer und Herr Zott-\nmayer je 1600 Fl. als Entschädigung für Reise und Aufenthalt er-\nhalten ; ferner wurde als Spielhonorar für jede der drei bestimmten\nAufführungen zugesichert: je 500 Fl. Herrn und Frau Schnorr,\n300 Fl. Fräulein Dein et, je 200 Fl. Herren Heinrich und Si-\nmons, je 100 Fl. Herren Hart mann und Bohlig. Wie Alfred\nMeissner in der „Neuen Freien Pressew berichtet, sollen die Vorbe-\nreitungen zur Aufführung schon auf mehr als 30,000 Fl. sich be-\nlaufen.\nDie münchener Liedertafel hat beschlossen, an dem Bäckerhause\nam Sonneneck (Burggasse Nr. 6), in dessen zweitem Stocke Meister\nMozart im Jahre 1780 die Oper „Idomeneo\" componirte, ein gros-\nses Erz-Medaillon mit dem Bilde des unsterblichen Tondichters, eine\nArbeit des Bildhauers Geiger, aufzustellen und dasselbe unter ent-\nsprechenden Feierlichkeiten zu enthüllen. Von Seiten des Hausbe-\nsitzers wie des Magistrats wurde bereits die Erlaubniss zur Aufstel-\nlung gegeben."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "176", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650603-01.1.8", "texte": "llien» Herr Dr. Bach ersucht, zu berichtigen, dass die\nNachricht, seine Gemahlin, Frau Bach-Marschner, beabsichtige,\nvon ihrer Gesanges-Professur am Conservatorium zurückzutreten,\nder Begründung entbehre.\nEine Offenbarung für die nächste deutsche Oper ist vor einigen\nTagen in der „Wiener Abendpost\" erschienen. Wir ersehen daraus,\ndass die neuen Opern „Des Sängers Fluch\" von Langert und „Der\nDeserteur\" von Hill er „Aussicht haben, zur Darstellung zu kom-\nmen\", und dass ausserdem „Lara\" von Mai Hart „Berücksichtigung\nfinden soll\". Auch wird versichert, dass für die Erwerbung der\n„Africanerin\" „alle Anstrengungen gemacht werden\". Wenn man\nsich an alles erinnert, was schon „in Aussicht\" gestanden und wo-\nfür man schon „alle Anstrengungen\" gemacht hat, so kann man\nleider an so relativ glänzende Yerheissungen nur geringe Hoffnun-\ngen knüpfen. Dass aber dem Taglioni'schen Ballet „Flick und Flock\"\n„weder poetische Erfindung\" noch „dramatisch gegliederte Hand-\nlung\" nachgerühmt werden kann, das glauben wir der „Abendpost\"\naufs Wort. Die „eingeleiteten\" Gastspiele sind: Tenor Herr Garso\naus Kassel, dramatische Sängerin Fräulein Klotz aus Bremen, Bass-\nBuffo Herr Behl* aus Rötterdam und Frau Kainz-Prause aus Prag,\nsämmtlich auf Engagement; ausserdem im Juli Herr Gunz aus Han-\nnover und im November Fräulein Stehle aus München, welche unter\nAnderem in der durchgefallenen Oper „Das Glöckchen des Eremi-\nten\" singen soll.\nIn der österreichischen Monarchie befinden sich derzeit (mit\nAusnahme des venetianischen Gebietes) 59 Theater, darunter 16 er-\nsten Ranges, d. h. solche, welche das ganze Jahr hindurch Vorstel-\nlungen geben, ferner 19 Theater zweiten Ranges, oder solche, die\nnur sechs Monate Vorstellungen geben, endlich 24 Theater dritten\nRanges, die nur eine unbestimmte Zeit Vorstellungen geben, so ge-\nnannte Saison- und Curtheater. Diesen Theatern stehen 57 Direc-\ntoren vor, und die Zahl der hier wirkenden Schauspieler aller Fä-\ncher beläuft sich auf 2400.\nProfessor Ed. Hanslick' s treffliche kleine Schrift: „Vom Mu-\nsicalisch-Schönen\" (Leipzig, R. Weigel), welche sich von Seiten der\nFachmänner wie des grösseren Publicums bereits bei ihrem wieder-\nholten früheren Erscheinen einer gleich freundlichen Aufnahme zu\nerfreuen hatte, ist unlängst in dritter, verbesserter Auflage heraus-\ngekommen. Es sind einige weitere Ausführungen und Bemerkungen\nhinzugelügt, ohne dass jedoch die ursprüngliche Physiognomie da-\ndurch etwas von ihrem Charakter eingebüsst hätte. In Bezug auf\nseine Auffassung des Begriffes der musicalischen Schönheit weist\nder Verfasser auf Emanuel GeibePs Distichon bin:\n„Warum glückt es Dir nie, Musik mit Worten zu schildern?\nWeil sie, ein rein Element, Bild und Gedanken verschmäht.\nSelbst das Gefühl ist nur wie ein sanft durchscheinender Fluss-\nX\nI grund,\nDrauf ihr klingender Strom schwellend und sinkend entrollt.\"\n„Wenn\", fügt Hanslick mit gutem Rechte hinzu, „vielleicht\ndieses schöne Sinngedicht (wie ich vermuthe) obendrein unter dem\nnachhallenden Eindrucke dieser Schrift entstand, so muss sich meine\nvon poetischen Gemüthern zumeist verketzerte Anschauung doch\nauch mit wahrer Poesie leidlich vertragen.\"\nFrau Dustmann-Meier eröffnete am 5. Mai am ständischen\nTheater in Prag ein Gastspiel mit der Rolle der „Norma\" und\nwurde vom Publicum stürmisch empfangen.\nEine Guido-Feier. Zu Ehren Guido's von Arezzo veran-\nstaltete diese Stadt am 29. April ein Erinnerungsfest. Pacini hatte\ndazu eine Cantate componirt, welche mit vielem Erfolge aufgeführt\nwurde. Auch wurde dabei der Violinist Becker gehört, der eigens\naus Florenz dahin berufen worden war.\nFranz Liszt ist wirklich Abbate geworden. Der Gross-Almo-\nsenier des Papstes, Monsignor Hohenlohe, hat ihm die ersten\nWeihen ertheilt. Nun erwartet man, dass bald die Ernennung\ndes Abbate Liszt zum Canonicus von St. Peter und dann zum Di-\nrector der päpstlichen Capelle folgen werde.\nIn Brüssel ist Mermet's Oper „Roland a Roncevauxu am 11.\nMai in Scene gegangen und mit grossem Beifalle aufgenommen wor-\nden. Der Componist hatte sich zur Vorstellung eingefunden."}]}