{"numero_id": "bm-bmtnabi-1865-06-10-01", "volume": "bmtnabi_1865-06-10_01", "ocr_sha256": "eceae56157ae2903189267ef73ce18592fde8524766bacad593423667a4b3e8c", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1865/06/10_01/bmtnabi_1865-06-10_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650610-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1865-06-10-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-06-10_01#c001", "volume": "bmtnabi_1865-06-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "177", "page_fin": "177", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650610-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "177", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650610-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 471, "texte": "Inhalt.\nDas 42. niederrheinische Musikfest. \"I. Johann Sebastian Bach. Von C. H. Bitter. Aus Osnabrück (Hillers\nOratorium nDie Zerstörung von Jerusalem\"). Aus Aachen (Aufführung von Mendelssohn s „Eliasw). Gesang- und Musikschule von\nJulius Stockhausen in Hamburg. Tages- und Unt er h altungs b lat t (Weimar, „Cid\", Oper von P. Cornelius Darmstadt,\nMeyerbeer's „Africanerin\" Gera, Schluss der Concert-Saison Leipzig, Oratorium „Belsazaru von K. Reinecke Basel u. s. w.)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-06-10-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-06-10_01#c002", "volume": "bmtnabi_1865-06-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "177", "page_fin": "179", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650610-01.2.2", "titre_corps": "Das 42. niederrheinische Musikfest.", "titre_sommaire": "Das 42. niederrheinische Musikfest.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "177", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650610-01.1.1", "debut_caractere": 473, "fin_caractere_exclue": 4278, "texte": "Das 42. niederrheinische Musikfest.\nI.\nAn den drei Pfingsttagen, den 4., 5. und 6. Juni,\nwurde das 42. niederrheinische Musikfest durch drei\ngrosse Abend-Concerte in Köln gefeiert. Es ist eine er-\nfreuliche und in der Geschichte der Tonkunst bedeutende\nErscheinung, dass die Feier dieses Festes am Rheine nun\nbald ein halbes Jahrhundert lang besteht und mit einer\noder zwei kurzen, durch politische Zustände veranlassten\nUnterbrechungen alljährlich Statt gefunden hat. Diese\nThatsache ist um so erhebender für das deutsche National-\nBewusstsein, als dieses Fest ohne alle Anregung und Unter-\nstützung durch hohe Protection oder durch Musik-Institute,\ndie ihre Gründung und ihr Bestehen fürstlicher Munificenz\nverdanken, aus dem Volke und für das Volk entstanden und\ngewachsen ist, als ein reines Erzeugniss der Kunstliebe\nund des Unternehmungsgeistes für die Sache begeisterter\nMänner, die nach und nach in den niederrheinischen\nStädten Elberfeld, Düsseldorf, Aachen und Köln seit 1818\nzusammentraten zur Gründung des Festes, und seitdem\ndurch neue, in Kunstsinn und Opferwilligkeit den Stiftern\ngleichgeartete Vertreter der musicalischen Bildung am\nRheine und der entschiedenen Richtung derselben auf die\nedelsten Gattungen der Tonkunst sich immer wieder er-\ngänzt haben. Weihen wir desshalb denen, welche bereits\ndahingeschieden sind und nicht mehr gesehen haben, zu\nwelchem mächtigen, alljährlich vollere, frische Kronen\ntreibenden Baume der junge Stamm emporgewachsen ist,\nden sie vertrauensvoll ins rheinische Land pflanzten, wei-\nhen wir ihnen eine dankbare Erinnerung und zollen wir\nallen denen, welche bis zu dem diesjährigen Feste mit\neinem so grossen Aufwände von Zeit die Mühen und Sor-\ngen für Anordnung und Durchführung einer stets würdi-\ngen Feier desselben übernommen haben, die vollste An-\nerkennung, die ein so uneigennütziges Opfer und ein so\nwahres Verdienst um die Kunst in so hohem Grade for-\ndern dürfen. Allen diesen Kunstfreunden sind wir um so\nmehr öffentlichen Dank schuldig, als sie die freiwillige\nUebernahme ihres Amtes doch nicht vor mancherlei Ver-\ndriesslichkeiten und absonderlichen Ansprüchen schützt\nund sie ihren bebten Lohn nur in dem Gelingen des jedes-\nmaligen Festes finden dürfen.\nNun, dieser Lohn ist denn auch dieses Mal den An-\nordnern und dem Dirigenten des Festes in vollem Maasse\ngeworden, denn die Aufführungen an den drei Pfingst-\ntagen zählen zweifelsohne zu dem Grossartigsten und Be-\nsten, das man in dieser Beziehung hören kanu, nament-\nlich gilt dieses von den Ausführungen des Oratoriums\n„Israel in Aegypten\", dessen Chöre mit Orchester und\nOrgel vielleicht noch nie so prachtvoll geklungen (wie uns\ndenn auch ein namhafter Musiker aus London versicherte,\ndass sie alles hinter sich Hessen, was man in England in\nden grossen Aufführungen leiste), ferner von den Ouver-\ntüren (Mendelssohn's zum „Paulus\", Beethoven's »Co-\nriolan\" und Weber's „Oberon\") und den beiden Sin-\nfonieen von Beethoven (Nr. VII) und Hiller; ja, was Mil-\nlers Sinfonie betrifft, so geben wir dem Urtheile sehr\ntüchtiger Dirigenten von auswärts, zu denen auch Pasde-\nloup aus Paris gehört, vollkommen Recht, die da in dem\nVortrage dieser trefflichen, aber sehr schwierigen Com-\nposition eine wahrhaft bewundernswerthe und die höchste\nLeistung des Orchesters am ganzen Feste erkannten. Es\nwar, als hätten alle diese Künstler schon Jahre lang zu-\nsammen unter einem und demselben Dirigenten gespielt.\nDas 42. niederrheinische Musikfest versammelte in\nden diesjährigen Pfingstagen die Künstler und Freunde\nder Tonkunst zum zwölften M«de seit dessen Gründung\nin der Stadt Köln. Es dürfte desshalb ein Rückblick aut\ndie eilf früheren Programme anziehende Vergleichungs-\npunkte in Hinsicht auf die örtlichen Verhältnisse und au!\ndie Ansichten, welche die Wahl der aufzuführenden Werke"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "178", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650610-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4725, "texte": "bestimmten, gewähren. Wir erwähnen jedoch nur die grös-\nseren Werke und die jedesmaligen Fest-Dirigenten.\nEs kamen in Köln zur Aufführung:\n1821. „Das Weltgericht\" von F.Schneider. „Der\n100. Psalm\" von Händel. Das „Vaterunser\" von Nau-\nmann. „Sinfonie V\" von Beethoven. Dirigent: Norb.\nBurgmüller j\\\n1824. „Die Sündflut\" von F. Schneider. „Credo\"\naus der C-e?wr-Messe von Beethoven (als Hymne mit\nRochlitz's deutschem Texte). „103. Psalm\" von Fesca.\n„Sinfonie in Favon F. Ries. Dirigent: F. Schneider\n1828. „Jephta\" von Bernh. Klein. „Herbst und\nWinter\" von J. Haydn. „24. Psalm\" von F. Schnei-\nder. „Sinfonie IV\" von Beethoven. Dirigenten: Kleinf.\nF. Ries f. Leibi.\n1832. „Samson\" von Händel. „Friedens-Cantate\"\nvon F. W. Berner. „Jubel-Cantate\" von C. M. von\nWeber. „Sinfonie VII\" von Beethoven. Dirigent: F.\nRies f.\n1835. „Salomon\" von Händel (mit Orgel). Milton's\n„Morgengesang\" von Reichardt. „Hymne\" von Che-\nrub ini. „Sinfonie V\" von Beethoven. Dirigent F.Men-\ndelssohn f.\n1838. „Josua\" von Händel. J. S. Bach: „Himmel-\nfahrts-Cantate\". „Der glorreiche Augenblick\" (Preis der\nTonkunst) von Beethoven. „Sinfonie in (drei Sätze)\nvon Mozart. Dirigent: F. Mendelssohn.\n1841. „David\" von B.Klein. „Messein von Che-\nrubini. „Der 100. Psalm\" von Händel. „Sinfonie IX\"\nvon Beethoven. Dirigent: Conradin Kreutzer\n1844. „Jephta\" von Händel. in\nvon Beethoven. „IV. Hymne\" von Cherubini. „Sin-\nfonie in Cu von Mozart. Dirigent: H. Dorn.\n1847. „Messias\" von Händel. „Der 114. Psalm\"\nvon Mendelssohn. „Olympia, 11. Act\" von Spontini.\n„Sinfonie IV\" von G. Onslow. „Sinfonie VII\" von Beet-\nhoven. Dirigenten: Spontini f. Onslow f. Dorn.\n1858. „Saul\" von F. Hill er. aus der\nMesse\" von Händel. „Scenen aus Armida\" von Gluck.\n„Die erste Walpurgisnacht\" von Mendelssohn. „Sinfo-\nnie III\" von Beethoven. Dirigent: F. Hiller.\n1862. „Salomon\" von Händel. Sanctus undOsanna\naus der „H-moll-Messe\" von J. S. Bach. „Scenen aus\nIphigenie in Aulis\" von Gluck. „Die Nacht\", Hymne\nvon F. Hiller. „Sinfonie IX\" von Beethoven. „Sinfo-\nnie in Du von Haydn. Dirigent F. Hiller.\nBei dem diesjährigen Feste war der Bestand der Mit-\nwirkenden folgender:\nDas Orchester zählte 52 Violinen, 20 Violen, 21\nVioloncelle, 14 Contrabässe, je 4 Flöten, Oboen, Clari-\nnetten, Fagotte, 6 Hörner, 3 Trompeten, 3 Posaunen, 1\nTuba, Pauken und Triangel—zusammen 138 Instrumen-\ntalisten; dazu die Orgel, gespielt vom königlich preussi-\nschen Musik-Director und Dom-Organisten zu Köln, Herrn\nFranz Weber. Fest-Dirigent war Herr Capellmeister\nFerdinand Hiller; Vorgeiger am ersten Pulte die\nHerren Concertmeister von Königs low und Jap ha\naus Köln.\nAn allen Streich- und Blas-Instrumenten, in grosser\nAnzahl beim Geigen-Quartett, waren bedeutende Künst-\nler, fast alle nicht bloss Sinfonie-, sondern Concertspieler\nbethätigt, von denen wir unter Anderen erwähnen an den\nViolinen die Herren Concertmeister Bargher I. aus\nDetmold, Bargher 11. aus Münster, Bender aus Düs-\nseldorf, Herlitz aus Dessau, Krill aus Groningen, Kroll-\nmann aus Oldenburg, Laudenbach und Peters aus\nKöln, Rapoldi aus Rotterdam, Schulz aus Detmold,\nSeiss aus Barmen, Zahn aus Schwerin, die Kammer-\nmusici und Virtuosen Burhenne, Hartl, Rover, Schi-\nver aus Hannover, Derckum aus Köln, Langhans aus\nParis, Haubold aus Leipzig, Mertens aus Antwerpen,\nPinelli aus Rom, Venth aus Köln u. s. w.; an den\nBratschen die Musik-Directoren Kierwald aus Goes,\nWacker aus Corbach, Wolff aus Crefeld, die Virtuosen\nde Bas aus Brüssel, Mecum u. s. w. aus Köln; —an den\nVioloncellen die Concertmeister Ebert aus Oldenburg,\nGeul aus Dortrecht, Possoz aus Antwerpen, deSwert\naus Düsseldorf, die Virtuosen Forberg aus Düsseldorf,\nGrabow aus Leipzig, Höcke aus Köln, A. Schmit aus\nKöln, de Swert 11. aus Brüssel u. s. w.; an den Con-\ntrabässen Herr Professor Bernier aus Brüssel, A.\nBreuer aus Köln, Simon, Kammer-Virtuose aus Son-\ndershausen, Wein dl, Concertmeister aus Oldenburg,\nu. s. w.\nDer Chor bestand aus 182 Sopranistinnen, 154 Al-\ntistinnen, 113Tenören und 172 Bässen zusammen 621,\ndie im Textbuche verzeichnet sind und von denen etwa\n20 nicht eingetroffen sein mögen, so dass der wirkliche\nBestand des gesammten Personals auf der grossen Ton-\nbühne, die durch Jugendfrische, geschmackvolle Tracht,\nBlumen- und Kranzzierden der Damen einen rechten Früb-\nlings-Anblick gewährte, die Zahl von 750 Mitwirkenden\nerreichte. Der Chor, meist in zwei Chöre getheill, feierte\nseinen Haupt-Triumph im Oratorium „Israel in Aegypten\".\nDie Sologesang-Partieen waren folgender Maas-\nsen besetzt: Sopran Frau Lemmens-Sherrington aus\nLondon, Fräulein Pauline Wiesemann aus Köln; Alt\nFräulein Francisca Schreck aus Bonn; Tenor Herr\nGustav Walter aus Wien; Bariton und Bass Herr Ju-\nlius Stockhausen aus Hamburg, Herr Max Stäge-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "179", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650610-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4651, "texte": "mann aus Hannover. Piano forte-Solo: Frau Wil-\nhelmine Szarvady-Clauss aus Paris.\nEine glänzende Zuhörerschaft füllte den Saal bis in\ndie letzten Räume und zeigte namentlich am ersten Con-\ncert-Abende und auch bei den Sinfonie-Aufführungen am\nzweiten und dritten Abende eine so gehobene und sich so\nenthusiastisch offenbarende Stimmung, dass sie selbst vor\nden immer ungewöhnlich regen Kundgebungen des Bei-\nfalls auf unseren Musikfesten sich auszeichnete. Vom Aus-\nlande hatten vor Allen Belgien und auch Holland zahl-\nreiche Theilpehmer hieher gesandt, welche ganze Reihen\nvon Plätzen einnahmen: aus Brüssel, Lüttich, Antwerpen\nu. s. w. waren an zweihundert Künstler und Kunstfreunde\nzugegen.\nEinen sehr willkommenen und gewichtvollen Bestand-\nteil des Publicums machten die Musiker von Fach aus,\ndie fremden Componisten, Dirigenten und Vertreter der\nKritik, welche einen wahren Tonkünstler-Congress beim\nFeste bildeten. Wir sahen unter Anderen die Herren Pas-\ndeloup, Gouvy, Hecquet aus Paris; Samuel, Kuf-\nferath, Benoist, Aug. Dupont, de Glimes aus\nBrüssel; Lern mens aus London; Soubre aus Lüttich;\nRieh. Hol aus Utrecht; Stockhausen aus Colmar;\nHerb eck aus Wien; Mangold aus Darmstadt; Lux,\nFöckerer aus Mainz; Fischer, Scholz aus Hannover;\nDeppe aus Hamburg; Reinthaler aus Bremen; Die-\nterich aus Oldenburg; G. Schmitt aus Schwerin;\nSteinwarz aus Worms; Breunung aus Aachen; Lenz\naus Coblenz; van Eycken aus Elberfeld; Grimm, Mi-\ncbalek aus Münster; Pätsch aus Siegen; Tausch aus\nDüsseldorf; Wolff aus Crefeld, Standke aus Lennep\nu. s. w. u. s. w.\nDen ersten Festabend füllte das Oratorium „Israel\nin Aegypten\" von Händel. (Ueber das Historische des\nWerkes s. den Artikel: „Händel's Israel\" u. s. w. in\nNr. 22 d. 81. vom 3. Juni.)\nNachdem schon die Hauptproben am Freitag und be-\nsonders am Samstag ein zahlreiches Publicum angezogen\nhatten, wurde am Sonntag Abend die Zuhörerschaft gleich\nbei Beginn durch die Ausführung von Mendelssohn's Ou-\nvertüre zum „Paulus\", welche die ausgezeichnete Zusam-\nmensetzung des Orchesters offenbarte, in eine höchst gün-\nstige Stimmung versetzt. Die vortreffliche, in jeder Hin-\nsicht exaete und schwungvolle Aufführung des Oratoriums\nerhöhte mit jeder Nummer diese Stimmung bis zu wieder-\nholt ausbrechender Begeisterung nicht nur bei denen, die\nvielleicht zum ersten Male die künstlerischen Leistungen\nsolcher Massen auf sich wirken liessen, sondern bei allen\nlängst als stetige Theilnehmer unserer Musikfeste bekann-\nten Kunstfreunden und vor Allen bei der Menge von Män-\nnern vom Fach, von bewährten Priestern der Tonkunst,\ndie von nah und fern herbeigekommen waren. Das herr-\nliche Werk stieg durch die begeisterte Mitwir-\nkung von mehr als siebenhundert Sängern und Instrumen-\ntalisten unter der energischen und vom Geiste Händel's\nbeseelten Führung des Fest-Dirigenten Ferdinand Hil-\nler, wie ein monumentaler Palast aus der Erde zaube-\nrisch emporgehoben, vor uns auf, und mit jedem neuen\nChor entwickelte sich der kolossale Bau immer prächtiger\nund wundervoller. Wohl brachten die beiden folgenden\nTage noch seltene Kunstgenüsse, aber etwas Grossartige-\nres als diese Aufführung von Händel's Werk konnten wir\nnicht hören: darüber ist bei allen Anwesenden nur Eine\nStimme, denn die Pracht der Durchführung der grossen\nDoppelchöre und der jedes Mal erschütternde Eindruck\nder Kraft und Wucht der Einsätze vom ganzen Chor und\nOrchester und dem Alles wie mit mächtigem Wogenrau-\nschen bewältigenden Orgelklange kann nur selten wieder\nso gehört werden. Das Publicum brach nach allen grossen\nChor-Abschnitten stets so unwillkürlich in lautesten Bei-\nfall aus, dass man fühlte, wie mächtig eine solche Musik,\ndie der Glanz des vorigen Jahrhunderts war, in unsere\nZeit hineinragt und durch ihre ewige Schönheit und Grösse\nAlles ergreift ufid zur Bewunderung zwingt. Die Solo-\nVorträge verherrlichten den Glanz der Aufführung. Fräu-\nlein Schreck erhielt zuerst durch den vollendet schönen\nVortrag der Alt-Arie: „Hoffnung lindert unsre Schmer-\nzen\", stürmisch wiederholten Applaus; das Duett: „Der\nHerr ist der starke Held\", durch die Herren Stock hau-\nsen und Stägemann wahrhaft heldenmässig gesungen,\nerregte einen Ausbruch von Beifall, wie wir ihn selten ge-\nhört, und musste wiederholt werden; die Becitative und\ndie Arie: „So dachte der Feind\", für Tenor wurden von\nHerrn W alter mit künstlerischer Sicherheit und Schwung\nvorgetragen, und Frau Lemmens-Sherrington liess\nuns durch den Gesang des freudig sich aufschwingenden\n„Alleluja\" (aus Händel's „Esther\"), der ihr lebhaften Ap-\nplaus brachte, voraussehen, welchen Genuss uns ihre vir-\ntuosen Vorträge an den beiden folgenden Tagen bereiten\nwürden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-06-10-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-06-10_01#c003", "volume": "bmtnabi_1865-06-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "179", "page_fin": "181", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650610-01.2.3", "titre_corps": "Johann Sebastian Bach.", "titre_sommaire": "Johann Sebastian Bach.", "signature_source": "C. H. Bitter", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "179", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650610-01.1.3", "debut_caractere": 4653, "fin_caractere_exclue": 4924, "texte": "Johann Sebastian Bach.\nVon C. H. Bitter\n*).\nI.\nWir beeilen uns, dieses Werk, eine Arbeit des kö-\nniglich preussischen Geheimen Regierungsrathes C. H.\n\n*) Berlin, 1865. Ferdinand Schneider. II Bände. Mit\neinem Portrait Bach s und sechs lithographirten Facsimiles (in Nor\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "180", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650610-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5199, "texte": "Bitter, die sichtbar einer ernsten Kunstliebe und Vertie-\nfung in Bach's Leben und Werke entsprungen ist, anzu-\nzeigen.\nDer Herr Verfasser bescheidet sich, dass er dadurch\nnicht zu erschöpfen geglaubt habe, was über J. S. Bach\nzu sagen wäre: allein er hat sich bemüht, dasjenige, was\nüber seine Lebensgeschichte vorhanden war, zusammen-\nzutragen und zu ordnen, Unrichtiges zu verbessern und\nzu beseitigen, die vorhandenen Lücken auszufüllen und, so\nweit als es möglich war, nicht Gekanntes hinzuzufügen.\nJe mehr er von den Schwierigkeiten der Aufgabe\ndurchdrungen ist, um so dankbarer gedenkt er der Unter-\nstützung derer, mit denen ihn seine Arbeit in Berührung\nbrachte. „Ich nenne\" sagt er im Vorworte „bei die-\nser Veranlassung mit der aufrichtigsten Erkenntlichkeit\nden Herrn Ober-Bürgermeister von Voss zu Halle, den\nMagistrat zu Mühlhausen, den Herrn Stadt-Cantor Stade\ntu Arnstadt, den zeitigen Superintendenten an der Thomas-\nkirche zu Leipzig, Herrn Lechler, und den Pfarrer zu\nSt. Nicolai daselbst, Herrn Ahlefeld, vor Allen den\nHochl. Rath der Stadt Leipzig, in dessen Archive mir die\nwohlwollende Vermittlung Sr. Excellenz des königl. säch-\nsischen Gesandten in Berlin, Herrn Grafen von Hohen-\nthal, Eingang verschafft hatte.\n„Ich gedenke ferner mit besonderem Danke der über\ndie Erfüllung selbst ausgedehnter Pflichten weit hinaus-\ngehenden Gefälligkeit des Gustos der königlichen Bibliothek\nzu Berlin, Herrn Dr. Espagne, welchem ich die Kennt-\nniss der reichen Schätze verdanke, die in den Werken des\ngrossen Tondichters dort niedergelegt sind.\n„Nicht weniger aber habe ich der freundlichen und\nwohlwollenden Unterstützung zu gedenken, welche mir in\nmeinen Arbeiten durch den Herrn Musik-Director Rust\nzu Berlin, den sorgfältigen, in den Geist und die inneren\nwie äusseren Verhältnisse der Bach'schen Werke so tief\neingedrungenen Bearbeiter der grossen Ausgabe der Bach-\nGesellschaft, so wie endlich durch Herrn Alfred Dörf-\nfel, Besitzer eines musicalischen Leih-Instituts zu Leipzig,\nin reichstem Maasse zu Theil geworden ist.\n„An alle aber, welche über die mir bekannten Kreise\nhinaus im Stande sein möchten, durch Forschung und Mit-\ntheilung ferneres Material zur Vervollständigung dieser\nLebensgeschichte eines so grossen Künstlers beizutragen,\nergeht hiermit die dringende Bitte, dies im Wege der all-\ngemeinen Veröffentlichung oder durch Mittheilungen an den\nVerfasser nicht zu verabsäumen. Sie werden dadurch\neine Schuld abtragen helfen, mit welcher das deutsche\nVaterland einem seiner edelsten Söhne bisher in Rückstand\ngeblieben ist.\"\nUeber die Grundsätze, welche er bei seiner biographi-\nschen Arbeit befolgt hat, äussert sich der Verfasser fol-\ngender Maassen:\n„Ich habe geglaubt, mich bei der Schilderung des\nLebens und Wirkens des gelehrtesten aller Tonsetzer und\nContrapunktisten, die je gelebt haben, aller abstracten\nBetrachtungen enthalten zu müssen. Aus der objectiven\nDarstellung seines Lebensganges und aus der Darlegung\ndessen, was er in seinen zahlreichen Werken niedergelegt\nhat, wird man besser, als aus jeder, wenn auch noch so\ntiefsinnigen philosophischen Entwicklung erkennen, was\ner der Kunst im Allgemeinen, der deutschen Kunst aber\nvor Allem gewesen ist.\n„Es war mein Bestreben, seine Erscheinung der gros-\nsen Zahl derer näher zu rücken, die sich zwar nicht durch-\nweg den gelehrten Musikern und Fachkünstlern hinzu-\nrechnen können, denen aber doch die tiefe und erhabene\nKunst des grossen Meisters nicht ein mit sieben Siegeln\nverschlossenes Buch geblieben ist.\n„Ich habe zugleich danach gestrebt, das Interesse für\njene zahlreichen Werke desselben, welche im Allgemeinen\nnoch wenig gekannt sind, überall da anzuregen, wo das\nSchöne nicht um des sinnlichen Reizes, sondern um des\nedleren Gehaltes willen gesucht wird, jenes Schöne, das\nso oft an uns unbeachtet, als etwas Fremdes, Unbekann-\ntes vorüberzieht, wenn es nicht in prunkvolle und glän-\nzende Gewände gekleidet wird.\"\nFerner gehören zur Orientirung über das Werk fol-\ngende Stellen der Einleitung:\n„Wie sehr Bach's Kunstrichtung von unserem heuti-\ngen Standpunkte aus als vereinsamt angesehen werden\nmöge, in seiner Zeit war sie dies nicht. Sebastian Bach\nwar eben, wie alle grossen Männer, ein Ergebniss seines\nJahrhunderts. Er war aber auch zugleich der Ausfluss\neiner seit Generationen in der Familie erkennbaren beson-\nderen Naturanlage für die ernste Musik. Sein Erscheinen,\nsein Auftreten hatte nichts Phänomenales an sich. In sei-\nner Person vereinigten sich nur alle jene Bedingungen,\nwelche nothwendiger Weise vorhanden sein müssen, um\neine gewisse Anlage und eine bestimmte Richtung in der\nKunstthätigkeit zu ihrer höchsten Vollkommenheit auszu-\nbilden*).\n\nten- und Buchstabenschrift). Der Frau Grossherzogin Luise\nvon Baden K. H. gewidmet. I. Bd. XII und 450 S. 8. einschliess-\nlich Anhang I. 11. Bd. 381 S. 8. nebst Anhang 11. S. I—LXXYIII\nund „Haupt-Zusammenstellung aller von J. S. Bach hinterlassenen\nWerke\". S. 80-121. 8.\n*) Von diesem Gesichtspunkte aus kann man auch mit einem\nwesentlichen Theile des Inhalts einverstanden sein, den die geist-\nvolle Kritik in Bagge's verdienstvoller leipz. Allg. Musik-Zeitung,\nNr. 35 bis 38, Jahrg. 1863, über E. O. Lindner's „Abhandlungen"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "181", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650610-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4731, "texte": "„Johann Sebastian Bach war einer der grössten Cla-\nvierspieler, die je gelebt haben, und ist der grösste Orgel-\nspieler aller Zeiten gewesen. Seinem Andenken ist dieser\nRuhm geblieben. Die ausübende Kunst freilich, wie gross\nund gewaltig sie gewesen sein mochte, ist mit ihm in das\nGrab gesunken. Sie war zu Ende, als die Glieder zu er-\nV\nstarren begannen, welche sonst in so unerhörter Meister-\nschaft jene Tonmassen zu erhabenen Weihegesängen aus-\nklingen liessen. als die Augen erblindeten, der Geist\nerlahmte, der ihnen Feuer, Kraft und Grösse verliehen\nhatte.\n„Bleibend für uns und für alle Zeiten aber ist, was\ner als Tonsetzer geschaffen hat. Voll von jenem uner-\nschöpflichen Reichthume, von jener wunderbaren Origina-\nlität, wie sie nur den Meistern ersten Ranges eigen ist,\ngehört er, gleich Mozart, der geringen Zahl derjenigen\nMänner an, welche Jahrhunderte nicht wieder zu erzeugen\nvermögen.\n„Vier Generationen hindurch vor ihm war die Musik,\nund zwar die ernste, kirchliche Musik, in der ausgebrei-\nteten Familie heimisch gewesen, der er angehörte.\n„Es ist eine lehrreiche und interessante Beobachtung,\nvermöge deren wir diese Familie so viele Menschenalter\nhindurch, zahlreich und weit verzweigt, wie sie war, diese\nschöne Natur-Anlage ausbilden, zu ihrem Lebenszwecke\nerheben sehen. Die Musik ward damals für nicht viel etwas\nBesseres als eine „„Profession\"\" erachtet und ging, ähn-\nlich wie die zünftigen Gewerbe, von dem Vater auf den\nSohn über. Dennoch finden wir in der Familie Bach's die\nKunst als solche geübt. Der gewerbsmässige Betrieb, wie\ner zu jener Zeit nur zu oft sich in den Vordergrund drängte,\ntrat in ihr gegen diese edlere Richtung weit zurück.\n„Nur dadurch wurde es möglich, dass jene Familien-\ngabe ihren Gipfel- und Culminationspunkt in unserem\nMeister erreichen konnte. Wir werden sehen, wie dieser,\nalle Bedingungen derselben in sich vereinigend, zugleich\ndie musicalisch-kirchliche Richtung seiner Zeit mit evan-\ngelischem Bewusstsein und mit sittlicher Reinheit in sich\naufnimmt, beide zur höchsten Vollkommenheit entwickelt.\n„Die Musik, in so weit sie als Kunst geübt wurde,\nwar damals wesentlich in der Kirche zu Hause. Die Re-\nformation hatte ihr in den protestantischen Ländern das\nneue Element des von der Gemeinde gesungenen Chorals\nund der dazu gehörigen Orgelbegleitung hinzugefügt. Das\nStreben der Organisten, diese Art des gottesdienstlichen\nGesanges auf eine würdige und sinnige Weise zu beben,\nzu schmücken, hatte vorzugsweise dazu beigetragen, den\nkünstlichen Contrapunkt auszubilden, das Orgelspiel zu\nentwickeln und zu vervollkommnen. . In der protestantischen\nKirche war auf diese Art die kunstreiche Behandlung des\nChorals zu einer Art von Wissenschaft erhoben worden,\nwelche, der Würde, Grösse und dem feierlichen Ernste\ndes Gegenstandes entsprechend, grosse Meister in nicht\ngeringer Zahl hatte entstehen lassen, und welche für alle\ndiejenigen eine nothwendige Existenz-Bedingung wurde,\nwelche in dem Dienste dieser Kirche ihre Lebensstellung\nsuchten. Zu diesen gehörten die Vorfahren Sebastian\nBach's. So waren schon lange vor ihm in seiner Familie\nalle jene Vorzüge heimisch gewesen, welche wir später in\nseiner Person bis zu den äussersten Gränzen der Vollen-\ndung entwickelt sehen werden.\n„Es war fast eine innere Nothwendigkeit, dass diese\nbesondere Kunstrichtung sich in einem vorzugsweise be-\ngabten, von der Natur begünstigten Gliede der Familie in\nausgeprägter Vollkommenheit darstellen musste. Eben so\nerscheint es aber auch naturgemäss, dass von hier ab die\nübermässig entwickelte Kraft zu erlöschen beginnt. Wie\nVortreffliches die Söhne Bach's geleistet haben mögen, es\nwar in ihnen doch schon die Verflachung jener gewaltigen\nKunststellung erkennbar, welche ihren Vater so sehr aus-\ngezeichnet hatte. Der zu seiner Zeit Alles beherrschende\npolyphone Charakter der Musik begann von ihm ab nach\nund nach sich der heute vorherrschenden Monopbonie zu\nnähern, allmählich in diese überzugehen.\"\n\nzur Tonkunst\" entwickelt, wenn wir auch nicht alle Consequen-\nzen billigen möchten, welche der Verfasser aus dem von ihm auf-\ngestellten Systeme zieht. Wir glauben den Werth, den die neuere\nKunst gewonnen hat, nicht zu unterschätzen. Dass aber in ihr eine\nVerflachung bemerkbar wird, und dass diese nur durch ein ermun-\ntertes Anlehnen an die Principien (nicht die Formen) beseitigt wer-\nden wird, nach denen die älteren Meister, unter ihnen auch Bach,\nihre Werke schufen, kann kaum zweifelhaft sein. In der Kunst gibt\nes keine Reaction im politischen Sinne und keinen dieser entgegen-\nstehenden Liberalismus. Es gibt nur Kriterien des mehr oder minder\nVollendeten, des Schönen, Erhabenen, Grossen. Diese allein sind\nmaassgebend für das kritische Urtheil. [Sehr wahr!]"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-06-10-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-06-10_01#c004", "volume": "bmtnabi_1865-06-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "181", "page_fin": "182", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650610-01.2.4", "titre_corps": "Aus Osnabrück.", "titre_sommaire": "Aus Osnabrück.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "181", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650610-01.1.5", "debut_caractere": 4733, "fin_caractere_exclue": 5301, "texte": "Aus Osnabrück.\nHiller’s Oratorium: „Die Zerstörung von Jerusalem“.\nDen 1. Juni 1865.\nWir dürfen der ganzen Aufführung die Anerkennung\nnicht versagen, dass sie in jeder Beziehung eine vorzüg-\nliche war und auf alle Anwesenden einen grossartigen\nEffect gemacht hat. Die schwierige Partie des Jeremias\nwurde von Herrn Hof-Opernsänger Stägemann vortreff-\nlich durchgeführt. Welche Fülle des Tones und sonorer\nKraft, gepaart mit Milde in der Höhe, und welcher tief-\ndurchdachte Vortrag! Neben ihm hatte Herr Hof-Opern-\nsänger Pirk drei Tenor-Partieen zu vertreten (Zedekia,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "182", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650610-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3691, "texte": "Achikam und Flüchtling; und eroberte unsere Herzen so-\nwohl durch die Lieblichkeit seines lyrischen Tenors, als\ndurch das edle Gefühl, das er in die Töne zu bauchen,\ndurch die vortreffliche Declamation, die er den Worten\nzu geben vermochte. Manche unserer Liedertäfler hätten\nzugegen sein sollen, um zu hören, wie der Sänger spre-\nchen muss im Gesänge; von den beiden Künstlern aus\nHannover hätten sie es lernen können, denn da wurde\nkein Buchstabe verschwiegen, sondern lautete jedes Wort\nso, dass man keines gedruckten Textes bedurfte. Aber\nüber die beiden Sänger von Fach wollen wir nicht un-\ndankbar der Dilettantin vergessen, die mit ihnen im schö-\nnen Vereine auf das würdigste ihren Platz auszufüllen ver-\nstand und ihren seelenvollen Alt mit grosser Ausgiebigkeit\nzur Geltung brachte. Wir glauben keinen Fehlgriff zu\nthun, wenn wir das Duett: „0, wär' mein Haupt eine\nWasserquelle\", die wahre Krone des Abends nennen. Das\nwar Vortrag, das war Seele im Gesänge! Und darum\ndurfte es auch Niemanden Wunder nehmen, dass selbst\nMänner sich nicht enthalten konnten, eine Thräne im Auge\nzu zerdrücken. Nicht minder schwierig aber als die Partie\ndes Propheten ist die der Königin, und wir müssen Fräu-\nlein Schön heim aus Bielefeld, einer talentvollen Schü-\nlerin der Frau Cornet in Hamburg und des Herrn Hahn\nin Bielefeld, die Genugthuung zollen, dass sie ihrer Auf-\ngabe gewachsen war; jugendlich frische Stimme, gute\nSchule, reine Intonation und richtige Declamation sind\nEigenschaften, die ein Recht haben, Beifall zu fordern.\nSo viel von den Solisten. Aber auch der Chor hat sich\nselbst übertroffen. Dass rein und präcis gesungen und im\nrichtigen Momente schlagfertig eingetreten wurde, das\nhaben wir schon mehr erlebt; allein dass der ganze Chor\nmit so überraschender Uebereinstimmung Schatten und\nLicht in seinen Vortrag verwebt, wie das gestern wenig-\nstens in einigen Chören, wir scheuen uns nicht, zu sagen:\nmeisterhaft geschah, das ist in Osnabrück doch wohl noch\netwas Neues. Wir nennen in dieser Beziehung insonderheit\ndie Nummern: „Eine Seele, tief gebeuget\", ferner: „Wir\nzittern ob des Sehers Dräu'n\", und: „Wir zieh'n gebeugt,\ndas Joch auf unserm Nacken\". Waren es bei diesen Chö-\nren vorzugsweise die Damen Israels, denen unser dank-\nbares Lob gebührt, so haben doch auch die Herren Ba-\nbylonier in ihren martialischen Männerchören unsere Zu-\nfriedenheit sehr wohl verdient, zumal sie doch auch als\nIsraeliten im fugirten wie im nicht fugirten Chor den Da-\nmen eine ritterliche Hülfe zu leisten keinen Augenblick\nversäumt haben.\nWenn wir hiernach uns zum Orchester wenden wol-\nlen, so drücken wir zunächst unsere vollste Befriedigung\nüber die äussere amphitheatralische Anordnung aus. Die\nHerren Musiker aber machten ihrem erhabenen Stand-\npunkte alle Ehre und bewiesen deutlich, dass die Ton-\nschöplüng, welche sie vortrugen, ihre ganze Begeisterung\nwachgerufen hatte. Wir läugnen es nicht, wir haben ein-\nzelne Fehler bemerkt, im Orchester sowohl als bei Sän-\ngern, aber sie waren keineswegs von solcher Art, dass sie\nuns zu einer Rüge hätten Anlass geben können. Wir dan-\nken dem Orchester für seine tüchtige Leistung, insonder-\nheit auch für die grosse Mässigung, mit welcher der Ge-\nsang begleitet wurde, ohne die Präcision in irgend einer\nWeise zu verletzen. Wie oft dachten wir gestern Abend:\n„Welcher Unterschied im Orchester zwischen sonst und\njetzt!\" Man muss etwas erlebt haben, um das zu wissen.\nSchliesslich dürfen wir auch dem Herrn Dirigenten\nfür seine Leitung die Anerkennung nicht versagen, da\nihm allein zum grössten Theile der Preis des glücklichen\nGelingens gebührt. Ueber die Schönheit der Composition\nnoch Worte zu machen, würde anmaassend erscheinen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-06-10-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-06-10_01#c005", "volume": "bmtnabi_1865-06-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "182", "page_fin": "183", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650610-01.2.5", "titre_corps": "Aus Aachen.", "titre_sommaire": "Aus Aachen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "182", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650610-01.1.6", "debut_caractere": 3693, "fin_caractere_exclue": 5154, "texte": "Aus Aachen.\nDen 1. Juni 1865.\nAm Sonntag den 28. Mai schloss unsere Winter-\nConcertzeit bei schönstem Frühlingswetter durch die Auf-\nführung von Mendelsso hn's „Elias\" unter der Di-\nrection des Herrn Capellmeisters Ferdinand Breunung,\nwelcher durch das sorgfältige Einstudiren und die einsich-\ntige und energische Leitung des Ganzen die günstige Mei-\nnung unseres nicht leicht zu befriedigenden Publicums,\nwelche er schon durch die Direction der «Walpurgis-\nnacht\" und der achten Beethoven'schen Sinfonie im vor-\nletzten Concerte von seinem Talente erregt hatte, vollkom-\nmen befestigte. Der Chor war bei der vorgerückten schö-\nnen Jahreszeit nicht so zahlreich, wie gewöhnlich, allein\nes wurde frisch und lebendig gesungen, so dass es eine\nFreude war, zuzuhören. Vorzüglich ausdrucksvoll wurden\ndie Chöre weicheren Inhalts vorgetragen, während die\nsicheren und präcisen Einsätze bei allen besonders lobens-\nwerth waren. Das vortreffliche Orchester war wie immer\nvollkommen bei der Sache und trug wesentlich zu dem\nGlänze der Aufführung bei.\nDie Sologesänge waren in den Händen von Fräulein\nJulie Rothenberger aus Köln und Fräulein Fran-\ncisca Schreck aus Bonn, Herrn Göbbels (Tenor) von\nhier, Herrn Karl Hill (Bass) von Frankfurt am Main\nund hiesiger Dilettanten. Fräulein Rothenberger sang die\nHauptnummern der Sopran-Partie (die Witwe, den Engel,\ndie Oberstimme im Terzett und im „Heilig\") mit derjeni-\ngen wohllautenden Reinheit, Sicherheit und Correctheit,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "183", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650610-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2395, "texte": "die man bei dieser Sängerin gewohnt ist. Die Stimme des\nFräuleins Schreck scheint in der That immer weicher und\nschöner zu werden, ohne an Kraft zu verlieren. Herr Göb-\nbels war sehr gut disponirt; seine Arien machten einen\nsehr wohlthuenden Eindruck. Ausgezeichnet in jeder Hin-\nsicht durch sonoren Klang der Stimme, Auffassung des\nCharakters und künstlerische Durchführung desselben\nwar Herr Hill in der Partie des „Elias\"; in seinen Arien\nwar der Vortrag überall schön und in den dramatischen\nund innerlich erregten Stellen besonders ergreifend, na-\nmentlich in der Scene mit der Witwe und in dem Gebete\num Regen, bei welchem eine geschätzte Dilettantin den\n„Knaben\" ganz vortrefflich sang, wie auch ihre Partie in\nden Ensembles, von denen wir noch das Doppel-Quartett\nerwähnen müssen, welches mit Ausnahme der Mitwirkung\ndes Fräuleins Schreck und des Herrn Göbbels von lauter\nDilettanten sehr gut gesungen würde.\nSo gestaltete sich Alles zu einer in hohem Grade ge-\nlungenen Ausführung, was auch das Publicum, das sich\nungeachtet der Maitage sehr zahlreich eingefunden hatte,\ndurch die gespannte Theilnahme, mit welcher es von An-\nfang bis Ende der Aufführung folgte, und durch lebhafte\nBeifallsbezeigungen anerkannte *).\nWir beeilen uns, der musicalischen Welt folgende\nAnkündigung einer Gesang - und Musikschule, welche\nHerr Julius Stockhausen in Hamburg errichten\nwird, mitzutheilen:\n„Ich beehre mich, anzuzeigen, dass ich am 1. Sep-\ntember dieses Jahres eine Gesangschule, verbunden\nmit Ciavier- und Harmonielehre, eröffnen werde. Der\nCursus zerfällt in zwei Haupt-Abtheilungen: I. Specielle\nAusbildung der Stimme; 11. Lehre des Vortrags in allen\nGattungen: im dramatischen, oratorischen und Concert-\ngesange. Der Unterricht kann nach Wunsch deutsch, fran-\nzösisch und englisch ertheilt werden. Da der Unterzeich-\nnete die Gesangs-Abtheilung selbst leitet, können vorläufig\nnur zwanzig Schüier und Schülerinnen aufgenom-\nmen w.erden. Der Unterricht währt vom 1. September bis\nzum 15. Juni. Der Preis beträgt jährlich 100 Thaler oder\n250 M. C. J. Stockhausen, Kammersänger Sr. Maj.\ndes Königs von Hannover, Dirigent des Philharmonischen\nVereins und der Sing-Akademie in Hamburg (3. Gurlitt-\nStrasse 3.)\n*) Den Aufsatz über die Wirksamkeit des Herrn Franz W üll-\nner in Aachen, gegenwärtigen Hof-Capellmeisters in München,\nmüssen wir für eine der nächsten Nummern versparen.\nDie Redaction."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-06-10-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-06-10_01#c006", "volume": "bmtnabi_1865-06-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "183", "page_fin": "184", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650610-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "183", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650610-01.1.7", "debut_caractere": 2397, "fin_caractere_exclue": 6197, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMan schreibt aus Weimar vom 23. Mai: „Die Oper r„Cid-*>\nvon I eter Cornelius ist bei ihrer ersten Aufführung nicht allein\nglücklich vom Stapel gelaufen, sondern hat bei dem sehr zahlreichen\nPublicum eine warme Aufnahme gefunden. Das Werk besitzt musi-\ncalische Schönheiten und zeigt mit dem Gedichte Hand in Hand\ngehende charakteristische Motive. Die Ausführung war eine sehr\ngelungene. Von den Darstellern ist es besonders das Milde'sclie Ehe-\npaar, dem ein Haupterfolg zu danken ist; es wird nicht leicht bes-\nsere Interpreten geben, welche so vollkommen in dem Werke auf-\ngegangen sind. Vielfacher Hervorruf ehrte den Tondichter, der auch\nam Schlüsse der Oper noch besonders von dem anwesenden Erb-\ngrossherzoge beglückwünscht wurde. Eine Wiederholung steht bald\nbevor. Allenfallsige Abänderungen werden wohl nicht ausbleiben,\nalsdann aber mag dem tüchtigen Werke ein glückliches Geleite auf\nden YY eg gegeben werden.\nDer Süddeutschen Musik-Zeitung schreibt man aus Därm-\nst ad t: „Director I esc her ist mit den Herren Neswadba, Ca-\npellmeister, Brandt, Maschinenmeister, und Schwedler. Maler,\nwieder von Paris und der Besichtigung der „„Africanerin\"\" zurück-\ngekehrt. Die Oper ist bereits angekauft und sie soll bis längstens\nNovember mit grösster Pracht in Scene gehen. Brandt hat ein neues\nModel des Schiffes erfunden und hergestellt, das sich durch sinn-\nreiche Construction, wie auch durch grössere Wirksamkeit vor dem\npariser auszeichnen wird. Ein Uebelstand der pariser Aufführung\nist der, dass man in diesem dritten Acte wohl die Hälfte eines\nSchiffes sieht und wie dieses sich dreht und zur Seite neigt, dabei\ndoch keine Spur von Wasser und Wellen, was der Illusion durch-\naus nicht förderlich ist. Brandt's neues Model wird diesem Uebel-\nstande abhelfen: sein Schiff wird sich nicht allein zur Seite neigen,\nsondern sinken, bis die Fluten des Meeres es zum grössten Theile\ndecken. Bereits soll derselbe mit mehreren Bühnen (Hamburg, Prag,\nNürnberg u. s. w.) Lieferungs-Verträge für diese neue Schiffs-Ma-\nschinerie abgeschlossen haben. [Wir glauben gern, dass das Schiff\ndes Vasco de Gama sehr täuschend auf das Felsenriff fahren wird,\naber wie es für Deutschland wieder flott gemacht werden soll, müs-\nsen wir bezweifeln.]\nGlera, 17. Mai. Mit dem heutigen Concerte schloss die dies-\njährige Saison des „Musicalischen Vereins für Gerau und brachte\ndasselbe zunächst die Pastoral-Sinfonie von Beethoven und als wei-\nteren Orchestersatz die Ouvertüre zum „Wasserträger\". Ausserdem\nenthielt das Programm das Concert-Duett für Pianoforte und Clari-\nnette von Weber, welches von unserem Concert-Dirigenten, Capell-\nmeister W. Tschirch, und einem Mitgliede des hiesigen Stadt-\nMusikcorps, dem Clarinettisten Benzel, zu vortrefflicher Ausfüh-\nrung gebracht wurde. Die Gesangchöre des Vereins waren diesmal\nnicht betheiligt, dagegen trug Fräulein Emma Hausehteck aus\nBerlin, von reichem Beifalle begleitet, einige Solo-Piecen vor, und\nzwar die Leonoren-Arie aus „Fidelio\", Casta Diva aus „Norma\"\nund zwei Lieder am Ciavier von Mendelssohn und R. Schumann.\nFräulein Hauschteck besitzt viel Stimmfonds, schönes Verständniss\nim Vortrage und gewandte, angenehme Coloratur, wrelche nament-\nlich in der Norma-Arie zur Geltung kam. Ausser den vorstehend\ngenannten wurden in dieser Saison an grösseren Orchester- und Ge-\nsangwerken aufgeführt: die Sinfonieen in B-dur und F-dur von\nBeethoven, die Suite in D-moll von Lachner, die Sinfonie in D-dur\nvon Mozart, die „Ruinen von Athen\" von Beethoven, das Oratorium\n„Elias\" von Mendelssohn u. s. w. Von auswärtigen und hiesigen\nKünstlern wurden in derselben Zeit Solo-Vorträge zu Gehör gebracht\nvom Musik-Director Thierbach aus Halle, Fräulein Scheuerlein und\nHerrn Nabich aus Leipzig, Herrn Hartmann aus Gotha, Herrn Krause"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "184", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650610-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5541, "texte": "aas Berlin, dessgleichen Frau Hofer vom hiesigen Hoftheater. Nicht\nunerwähnt wollen wir lassen, dass auch von den hiesigen Gesanges-\nkräften mehrere zu Soli gute Befähigung zeigten, unter denen vor\nallen Frau Kaufmann Clara Ferber zu nennen sein dürfte. Hoffen\nwir, dass auch fernerhin der Musicalische Verein in gleicher Thä-\ntigkeit fortschreiten möge ; zur Hebung der hiesigen Musik-Verhält-\nnisse hat er bereits unter Leitung des vorzüglichen Dirigenten, Herrn\nCapellmeisters W. Tschirch, in trefflicher Weise gewirkt.\nfjeipzig« Ueber ein neues Oratorium „Belsazar\", Dichtung\nvon Fr. Röber, componirt für Soli, Chor und Orchester von Karl\nReinecke, spricht sich O. Paul folgender Maassen aus: »Die\nDichtung des hier zum zweiten Male aufgeführten Werkes behan-\ndelt, wie schon der Titel besagt, denselben biblisch-historischen\nStoff, welchen wir im Händel schen „Belsazaru finden. (Vergl. un-\nseren Bericht über das niederrheinische Musikfest, Recensionen 1864.)\nDas Röber'sche Gedicht ist aber bei weitem magerer, als das von\nHändel benutzte, und stellt die dramatischen Vorgänge nicht hin-\nreichend in den Vordergrund. Von der Musik können wir im Allge-\nmeinen nichts Anderes sagen, als dass sich der Tonschöpfer in Be-\nhandlung des polyphonen Vocalsatzes, so wie des Orchestersatzes\nauch in diesem Werke als wackeren Musiker bewährt hat, dem von\nSeiten unseres Publicums allzu geringe Aufmerksamkeit gezollt wor-\nden ist. Freilich finden wir einige technische Schwächen, die aber\nso vereinzelt vorkommen, dass sie das Ganze nicht weiter beein-\nträchtigen. Diese Schwächen bestehen in einzelnen Führungen der\nVocalstimmen, welche bei den älteren Italiänern gänzlich verpönt\nwaren und eben so wenig durch den freieren Satz mit Orchester-\nUnterlage eines Händel oder Bach zu rechtfertigen sein möchten.\nDie Erfindung ist nicht gerade hervorragend und originel zu nen-\nnen, sie steht aber auf dem Grunde einer noblen Denkweise und\ndürfte nirgend den Vorwurf gewöhnlichen Schablonenwesens verdie-\nnen. Mit anderen Werken von Reinecke verglichen, möchten wir\ndiesem Concert-Oratorium unter jenen immerhin einen hervorragen-\nden Platz anweisen. Herr Karl Hill sang die Hauptpartie, welche\nin Auffassung und Technik keine leichte Aufgabe bietet, mit treff-\nlicher Meisterschaft, und wir können wohl mit Recht behaupten,\ndass dieser Dilettant als Künstler zu den besten Oratoriensängern\nder Gegenwart zählt. Trotzdem fand Reinecke's Schöpfung wenig\nAnklang, und es dürfte nach ausgedehnterem Bekanntwerden des\nHändel'schen „Belsazar\" für den weiteren Erfolg jener anständigen\nArbeit kaum Hoffnung vorhanden sein.I*.\n** JBfl&el« Freitag den 16. Juni findet die Aufführung der\nMatthäus-Passion Statt, nachdem 1861 der Gesangverein durch die\nAufführung der Johannis-Passion an die grösseren Werke Bach's\nherangetreten war. Da jene Aufführung im Münster mit Begleitung\nder grossen neuen Orgel (Herr Theodor Kirchner) und unter\nMitwirkung der Herren Karl Schneider und Julius Stock-\nhausen sehr gelungen war und einen ganz bedeutenden Eindruck\nhinterlassen hatte, so wurde die bevorstehende Aufführung in ganz\ngleicher Weise vorbereitet. Die genannten Künstler haben sich wie-\nder zur Mitwirkung bereit finden lassen, und ihnen reiht sich nun\ndie seither zur Unserigen gewordene Künstlerin Frau Dr. E. Me-\nrian-Genast mit freundlicher Bereitwilligkeit an. Mit dieser Auf-\nführung macht der Verein, der nun seit 21 Jahren unter der Lei-\ntung des Musik-Directors Herrn E. Reiter steht, wieder einen be-\ndeutungsvollen Schritt der Entwicklung, welche diese 21 Jahre um-\nschliessen, und wer die Schwierigkeiten kennt, welche sich in klei-\nneren Städten der Aufführung solcher Werke entgegenstellen, nament-\nlich in Folge der Absorption der Männerstimmen durch das Männer-\ngesangwesen, der wird Freude empfinden, dass trotz dieser Schwie-\nrigkeiten die Fahne der echten, grossen und ganzen Musik aufrecht-\nerhalten wird. \\ . • '\nPari«. 8. Juni. Die Operette rLe Mariage de Don Lopeu\nvon Ed. de Hartog (vergl. Nr. 16 vom 22. April d. J.), deren\nErfolg sich auf dem Thidtre lyrique befestigt, ist bei den Musik-\nverlegern Gebrüdern Gambogi erschienen. Den Text wird Dr. Ka-\niisch, der Uebersetzer von Offenbacb's „Orpheus\", ins Deutsche\nübertragen.\nOffenbach wird bei seinem Wiedereintritte in die Bouffes\nParisiens eine dreiactige Oper: „Les Bergersu, Text von Hector\nCremieux und Gilles, als Neuigkeit bringen.\nliOlldoil, 4. Juni. Von deutschen Künstlern ersten Ranges\nglänzen nicht nur, sondern beherrschen in ihrem Fache die Saison\nJoachim, Frau Schumann und Alfred Ja eil. Jaell ist nach\nseinen in Frankreich und Belgien im Fluge vollbrachten Triumphen\nseit etwa drei Wochen hier und hat in den Concerten der neuen\nphilharmonischen Gesellschaft, der Musical Union von Ella, dem\nKrystallpalaste u. s. w. gespielt, überall mit dem günstigsten Er-\ngebnisse. Den bedeutendsten, über das Gewohnte enthusiastisch be-\nkundeten Erfolg trug er in der New philharmonic Society durch den\nVortrag von Ferdinand Hiller's Concert (in Fis) für Ciavier\nund Orchester davon. Es wurde vom Orchester sehr gut begleitet,\nso dass auch in dieser Beziehung die Ausführung sich sehr vor-\nteilhaft vor der kurz vorhergegangenen Aufführung der E-moll-\nSinfonie Hillens iu der Musical Society auszeichnete. Der Spieler\nund die Composition wurden mit ausserordentlichem Beifalle aufge-\nnommen. Von Stücken für Kammermusik erregten besonders Schu-\nmann's Quartett und Schubert's Trio (Jaell, Joachim und Piatti,\nder „Sänger auf dem Violoncell\") und brillante Solo-Vorträge Furore."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "177", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650610-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDas 42. niederrheinische Musikfest. \"I. Johann Sebastian Bach. Von C. H. Bitter. Aus Osnabrück (Hillers\nOratorium nDie Zerstörung von Jerusalem\"). Aus Aachen (Aufführung von Mendelssohn s „Eliasw). Gesang- und Musikschule von\nJulius Stockhausen in Hamburg. Tages- und Unt er h altungs b lat t (Weimar, „Cid\", Oper von P. Cornelius Darmstadt,\nMeyerbeer's „Africanerin\" Gera, Schluss der Concert-Saison Leipzig, Oratorium „Belsazaru von K. Reinecke Basel u. s. w.).\n\nDas 42. niederrheinische Musikfest.\nI.\nAn den drei Pfingsttagen, den 4., 5. und 6. Juni,\nwurde das 42. niederrheinische Musikfest durch drei\ngrosse Abend-Concerte in Köln gefeiert. Es ist eine er-\nfreuliche und in der Geschichte der Tonkunst bedeutende\nErscheinung, dass die Feier dieses Festes am Rheine nun\nbald ein halbes Jahrhundert lang besteht und mit einer\noder zwei kurzen, durch politische Zustände veranlassten\nUnterbrechungen alljährlich Statt gefunden hat. Diese\nThatsache ist um so erhebender für das deutsche National-\nBewusstsein, als dieses Fest ohne alle Anregung und Unter-\nstützung durch hohe Protection oder durch Musik-Institute,\ndie ihre Gründung und ihr Bestehen fürstlicher Munificenz\nverdanken, aus dem Volke und für das Volk entstanden und\ngewachsen ist, als ein reines Erzeugniss der Kunstliebe\nund des Unternehmungsgeistes für die Sache begeisterter\nMänner, die nach und nach in den niederrheinischen\nStädten Elberfeld, Düsseldorf, Aachen und Köln seit 1818\nzusammentraten zur Gründung des Festes, und seitdem\ndurch neue, in Kunstsinn und Opferwilligkeit den Stiftern\ngleichgeartete Vertreter der musicalischen Bildung am\nRheine und der entschiedenen Richtung derselben auf die\nedelsten Gattungen der Tonkunst sich immer wieder er-\ngänzt haben. Weihen wir desshalb denen, welche bereits\ndahingeschieden sind und nicht mehr gesehen haben, zu\nwelchem mächtigen, alljährlich vollere, frische Kronen\ntreibenden Baume der junge Stamm emporgewachsen ist,\nden sie vertrauensvoll ins rheinische Land pflanzten, wei-\nhen wir ihnen eine dankbare Erinnerung und zollen wir\nallen denen, welche bis zu dem diesjährigen Feste mit\neinem so grossen Aufwände von Zeit die Mühen und Sor-\ngen für Anordnung und Durchführung einer stets würdi-\ngen Feier desselben übernommen haben, die vollste An-\nerkennung, die ein so uneigennütziges Opfer und ein so\nwahres Verdienst um die Kunst in so hohem Grade for-\ndern dürfen. Allen diesen Kunstfreunden sind wir um so\nmehr öffentlichen Dank schuldig, als sie die freiwillige\nUebernahme ihres Amtes doch nicht vor mancherlei Ver-\ndriesslichkeiten und absonderlichen Ansprüchen schützt\nund sie ihren bebten Lohn nur in dem Gelingen des jedes-\nmaligen Festes finden dürfen.\nNun, dieser Lohn ist denn auch dieses Mal den An-\nordnern und dem Dirigenten des Festes in vollem Maasse\ngeworden, denn die Aufführungen an den drei Pfingst-\ntagen zählen zweifelsohne zu dem Grossartigsten und Be-\nsten, das man in dieser Beziehung hören kanu, nament-\nlich gilt dieses von den Ausführungen des Oratoriums\n„Israel in Aegypten\", dessen Chöre mit Orchester und\nOrgel vielleicht noch nie so prachtvoll geklungen (wie uns\ndenn auch ein namhafter Musiker aus London versicherte,\ndass sie alles hinter sich Hessen, was man in England in\nden grossen Aufführungen leiste), ferner von den Ouver-\ntüren (Mendelssohn's zum „Paulus\", Beethoven's »Co-\nriolan\" und Weber's „Oberon\") und den beiden Sin-\nfonieen von Beethoven (Nr. VII) und Hiller; ja, was Mil-\nlers Sinfonie betrifft, so geben wir dem Urtheile sehr\ntüchtiger Dirigenten von auswärts, zu denen auch Pasde-\nloup aus Paris gehört, vollkommen Recht, die da in dem\nVortrage dieser trefflichen, aber sehr schwierigen Com-\nposition eine wahrhaft bewundernswerthe und die höchste\nLeistung des Orchesters am ganzen Feste erkannten. Es\nwar, als hätten alle diese Künstler schon Jahre lang zu-\nsammen unter einem und demselben Dirigenten gespielt.\nDas 42. niederrheinische Musikfest versammelte in\nden diesjährigen Pfingstagen die Künstler und Freunde\nder Tonkunst zum zwölften M«de seit dessen Gründung\nin der Stadt Köln. Es dürfte desshalb ein Rückblick aut\ndie eilf früheren Programme anziehende Vergleichungs-\npunkte in Hinsicht auf die örtlichen Verhältnisse und au!\ndie Ansichten, welche die Wahl der aufzuführenden Werke"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "178", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650610-01.1.2", "texte": "bestimmten, gewähren. Wir erwähnen jedoch nur die grös-\nseren Werke und die jedesmaligen Fest-Dirigenten.\nEs kamen in Köln zur Aufführung:\n1821. „Das Weltgericht\" von F.Schneider. „Der\n100. Psalm\" von Händel. Das „Vaterunser\" von Nau-\nmann. „Sinfonie V\" von Beethoven. Dirigent: Norb.\nBurgmüller j\\\n1824. „Die Sündflut\" von F. Schneider. „Credo\"\naus der C-e?wr-Messe von Beethoven (als Hymne mit\nRochlitz's deutschem Texte). „103. Psalm\" von Fesca.\n„Sinfonie in Favon F. Ries. Dirigent: F. Schneider\n1828. „Jephta\" von Bernh. Klein. „Herbst und\nWinter\" von J. Haydn. „24. Psalm\" von F. Schnei-\nder. „Sinfonie IV\" von Beethoven. Dirigenten: Kleinf.\nF. Ries f. Leibi.\n1832. „Samson\" von Händel. „Friedens-Cantate\"\nvon F. W. Berner. „Jubel-Cantate\" von C. M. von\nWeber. „Sinfonie VII\" von Beethoven. Dirigent: F.\nRies f.\n1835. „Salomon\" von Händel (mit Orgel). Milton's\n„Morgengesang\" von Reichardt. „Hymne\" von Che-\nrub ini. „Sinfonie V\" von Beethoven. Dirigent F.Men-\ndelssohn f.\n1838. „Josua\" von Händel. J. S. Bach: „Himmel-\nfahrts-Cantate\". „Der glorreiche Augenblick\" (Preis der\nTonkunst) von Beethoven. „Sinfonie in (drei Sätze)\nvon Mozart. Dirigent: F. Mendelssohn.\n1841. „David\" von B.Klein. „Messein von Che-\nrubini. „Der 100. Psalm\" von Händel. „Sinfonie IX\"\nvon Beethoven. Dirigent: Conradin Kreutzer\n1844. „Jephta\" von Händel. in\nvon Beethoven. „IV. Hymne\" von Cherubini. „Sin-\nfonie in Cu von Mozart. Dirigent: H. Dorn.\n1847. „Messias\" von Händel. „Der 114. Psalm\"\nvon Mendelssohn. „Olympia, 11. Act\" von Spontini.\n„Sinfonie IV\" von G. Onslow. „Sinfonie VII\" von Beet-\nhoven. Dirigenten: Spontini f. Onslow f. Dorn.\n1858. „Saul\" von F. Hill er. aus der\nMesse\" von Händel. „Scenen aus Armida\" von Gluck.\n„Die erste Walpurgisnacht\" von Mendelssohn. „Sinfo-\nnie III\" von Beethoven. Dirigent: F. Hiller.\n1862. „Salomon\" von Händel. Sanctus undOsanna\naus der „H-moll-Messe\" von J. S. Bach. „Scenen aus\nIphigenie in Aulis\" von Gluck. „Die Nacht\", Hymne\nvon F. Hiller. „Sinfonie IX\" von Beethoven. „Sinfo-\nnie in Du von Haydn. Dirigent F. Hiller.\nBei dem diesjährigen Feste war der Bestand der Mit-\nwirkenden folgender:\nDas Orchester zählte 52 Violinen, 20 Violen, 21\nVioloncelle, 14 Contrabässe, je 4 Flöten, Oboen, Clari-\nnetten, Fagotte, 6 Hörner, 3 Trompeten, 3 Posaunen, 1\nTuba, Pauken und Triangel—zusammen 138 Instrumen-\ntalisten; dazu die Orgel, gespielt vom königlich preussi-\nschen Musik-Director und Dom-Organisten zu Köln, Herrn\nFranz Weber. Fest-Dirigent war Herr Capellmeister\nFerdinand Hiller; Vorgeiger am ersten Pulte die\nHerren Concertmeister von Königs low und Jap ha\naus Köln.\nAn allen Streich- und Blas-Instrumenten, in grosser\nAnzahl beim Geigen-Quartett, waren bedeutende Künst-\nler, fast alle nicht bloss Sinfonie-, sondern Concertspieler\nbethätigt, von denen wir unter Anderen erwähnen an den\nViolinen die Herren Concertmeister Bargher I. aus\nDetmold, Bargher 11. aus Münster, Bender aus Düs-\nseldorf, Herlitz aus Dessau, Krill aus Groningen, Kroll-\nmann aus Oldenburg, Laudenbach und Peters aus\nKöln, Rapoldi aus Rotterdam, Schulz aus Detmold,\nSeiss aus Barmen, Zahn aus Schwerin, die Kammer-\nmusici und Virtuosen Burhenne, Hartl, Rover, Schi-\nver aus Hannover, Derckum aus Köln, Langhans aus\nParis, Haubold aus Leipzig, Mertens aus Antwerpen,\nPinelli aus Rom, Venth aus Köln u. s. w.; an den\nBratschen die Musik-Directoren Kierwald aus Goes,\nWacker aus Corbach, Wolff aus Crefeld, die Virtuosen\nde Bas aus Brüssel, Mecum u. s. w. aus Köln; —an den\nVioloncellen die Concertmeister Ebert aus Oldenburg,\nGeul aus Dortrecht, Possoz aus Antwerpen, deSwert\naus Düsseldorf, die Virtuosen Forberg aus Düsseldorf,\nGrabow aus Leipzig, Höcke aus Köln, A. Schmit aus\nKöln, de Swert 11. aus Brüssel u. s. w.; an den Con-\ntrabässen Herr Professor Bernier aus Brüssel, A.\nBreuer aus Köln, Simon, Kammer-Virtuose aus Son-\ndershausen, Wein dl, Concertmeister aus Oldenburg,\nu. s. w.\nDer Chor bestand aus 182 Sopranistinnen, 154 Al-\ntistinnen, 113Tenören und 172 Bässen zusammen 621,\ndie im Textbuche verzeichnet sind und von denen etwa\n20 nicht eingetroffen sein mögen, so dass der wirkliche\nBestand des gesammten Personals auf der grossen Ton-\nbühne, die durch Jugendfrische, geschmackvolle Tracht,\nBlumen- und Kranzzierden der Damen einen rechten Früb-\nlings-Anblick gewährte, die Zahl von 750 Mitwirkenden\nerreichte. Der Chor, meist in zwei Chöre getheill, feierte\nseinen Haupt-Triumph im Oratorium „Israel in Aegypten\".\nDie Sologesang-Partieen waren folgender Maas-\nsen besetzt: Sopran Frau Lemmens-Sherrington aus\nLondon, Fräulein Pauline Wiesemann aus Köln; Alt\nFräulein Francisca Schreck aus Bonn; Tenor Herr\nGustav Walter aus Wien; Bariton und Bass Herr Ju-\nlius Stockhausen aus Hamburg, Herr Max Stäge-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "179", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650610-01.1.3", "texte": "mann aus Hannover. Piano forte-Solo: Frau Wil-\nhelmine Szarvady-Clauss aus Paris.\nEine glänzende Zuhörerschaft füllte den Saal bis in\ndie letzten Räume und zeigte namentlich am ersten Con-\ncert-Abende und auch bei den Sinfonie-Aufführungen am\nzweiten und dritten Abende eine so gehobene und sich so\nenthusiastisch offenbarende Stimmung, dass sie selbst vor\nden immer ungewöhnlich regen Kundgebungen des Bei-\nfalls auf unseren Musikfesten sich auszeichnete. Vom Aus-\nlande hatten vor Allen Belgien und auch Holland zahl-\nreiche Theilpehmer hieher gesandt, welche ganze Reihen\nvon Plätzen einnahmen: aus Brüssel, Lüttich, Antwerpen\nu. s. w. waren an zweihundert Künstler und Kunstfreunde\nzugegen.\nEinen sehr willkommenen und gewichtvollen Bestand-\nteil des Publicums machten die Musiker von Fach aus,\ndie fremden Componisten, Dirigenten und Vertreter der\nKritik, welche einen wahren Tonkünstler-Congress beim\nFeste bildeten. Wir sahen unter Anderen die Herren Pas-\ndeloup, Gouvy, Hecquet aus Paris; Samuel, Kuf-\nferath, Benoist, Aug. Dupont, de Glimes aus\nBrüssel; Lern mens aus London; Soubre aus Lüttich;\nRieh. Hol aus Utrecht; Stockhausen aus Colmar;\nHerb eck aus Wien; Mangold aus Darmstadt; Lux,\nFöckerer aus Mainz; Fischer, Scholz aus Hannover;\nDeppe aus Hamburg; Reinthaler aus Bremen; Die-\nterich aus Oldenburg; G. Schmitt aus Schwerin;\nSteinwarz aus Worms; Breunung aus Aachen; Lenz\naus Coblenz; van Eycken aus Elberfeld; Grimm, Mi-\ncbalek aus Münster; Pätsch aus Siegen; Tausch aus\nDüsseldorf; Wolff aus Crefeld, Standke aus Lennep\nu. s. w. u. s. w.\nDen ersten Festabend füllte das Oratorium „Israel\nin Aegypten\" von Händel. (Ueber das Historische des\nWerkes s. den Artikel: „Händel's Israel\" u. s. w. in\nNr. 22 d. 81. vom 3. Juni.)\nNachdem schon die Hauptproben am Freitag und be-\nsonders am Samstag ein zahlreiches Publicum angezogen\nhatten, wurde am Sonntag Abend die Zuhörerschaft gleich\nbei Beginn durch die Ausführung von Mendelssohn's Ou-\nvertüre zum „Paulus\", welche die ausgezeichnete Zusam-\nmensetzung des Orchesters offenbarte, in eine höchst gün-\nstige Stimmung versetzt. Die vortreffliche, in jeder Hin-\nsicht exaete und schwungvolle Aufführung des Oratoriums\nerhöhte mit jeder Nummer diese Stimmung bis zu wieder-\nholt ausbrechender Begeisterung nicht nur bei denen, die\nvielleicht zum ersten Male die künstlerischen Leistungen\nsolcher Massen auf sich wirken liessen, sondern bei allen\nlängst als stetige Theilnehmer unserer Musikfeste bekann-\nten Kunstfreunden und vor Allen bei der Menge von Män-\nnern vom Fach, von bewährten Priestern der Tonkunst,\ndie von nah und fern herbeigekommen waren. Das herr-\nliche Werk stieg durch die begeisterte Mitwir-\nkung von mehr als siebenhundert Sängern und Instrumen-\ntalisten unter der energischen und vom Geiste Händel's\nbeseelten Führung des Fest-Dirigenten Ferdinand Hil-\nler, wie ein monumentaler Palast aus der Erde zaube-\nrisch emporgehoben, vor uns auf, und mit jedem neuen\nChor entwickelte sich der kolossale Bau immer prächtiger\nund wundervoller. Wohl brachten die beiden folgenden\nTage noch seltene Kunstgenüsse, aber etwas Grossartige-\nres als diese Aufführung von Händel's Werk konnten wir\nnicht hören: darüber ist bei allen Anwesenden nur Eine\nStimme, denn die Pracht der Durchführung der grossen\nDoppelchöre und der jedes Mal erschütternde Eindruck\nder Kraft und Wucht der Einsätze vom ganzen Chor und\nOrchester und dem Alles wie mit mächtigem Wogenrau-\nschen bewältigenden Orgelklange kann nur selten wieder\nso gehört werden. Das Publicum brach nach allen grossen\nChor-Abschnitten stets so unwillkürlich in lautesten Bei-\nfall aus, dass man fühlte, wie mächtig eine solche Musik,\ndie der Glanz des vorigen Jahrhunderts war, in unsere\nZeit hineinragt und durch ihre ewige Schönheit und Grösse\nAlles ergreift ufid zur Bewunderung zwingt. Die Solo-\nVorträge verherrlichten den Glanz der Aufführung. Fräu-\nlein Schreck erhielt zuerst durch den vollendet schönen\nVortrag der Alt-Arie: „Hoffnung lindert unsre Schmer-\nzen\", stürmisch wiederholten Applaus; das Duett: „Der\nHerr ist der starke Held\", durch die Herren Stock hau-\nsen und Stägemann wahrhaft heldenmässig gesungen,\nerregte einen Ausbruch von Beifall, wie wir ihn selten ge-\nhört, und musste wiederholt werden; die Becitative und\ndie Arie: „So dachte der Feind\", für Tenor wurden von\nHerrn W alter mit künstlerischer Sicherheit und Schwung\nvorgetragen, und Frau Lemmens-Sherrington liess\nuns durch den Gesang des freudig sich aufschwingenden\n„Alleluja\" (aus Händel's „Esther\"), der ihr lebhaften Ap-\nplaus brachte, voraussehen, welchen Genuss uns ihre vir-\ntuosen Vorträge an den beiden folgenden Tagen bereiten\nwürden.\n\nJohann Sebastian Bach.\nVon C. H. Bitter\n*).\nI.\nWir beeilen uns, dieses Werk, eine Arbeit des kö-\nniglich preussischen Geheimen Regierungsrathes C. H.\n\n*) Berlin, 1865. Ferdinand Schneider. II Bände. Mit\neinem Portrait Bach s und sechs lithographirten Facsimiles (in Nor\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "180", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650610-01.1.4", "texte": "Bitter, die sichtbar einer ernsten Kunstliebe und Vertie-\nfung in Bach's Leben und Werke entsprungen ist, anzu-\nzeigen.\nDer Herr Verfasser bescheidet sich, dass er dadurch\nnicht zu erschöpfen geglaubt habe, was über J. S. Bach\nzu sagen wäre: allein er hat sich bemüht, dasjenige, was\nüber seine Lebensgeschichte vorhanden war, zusammen-\nzutragen und zu ordnen, Unrichtiges zu verbessern und\nzu beseitigen, die vorhandenen Lücken auszufüllen und, so\nweit als es möglich war, nicht Gekanntes hinzuzufügen.\nJe mehr er von den Schwierigkeiten der Aufgabe\ndurchdrungen ist, um so dankbarer gedenkt er der Unter-\nstützung derer, mit denen ihn seine Arbeit in Berührung\nbrachte. „Ich nenne\" sagt er im Vorworte „bei die-\nser Veranlassung mit der aufrichtigsten Erkenntlichkeit\nden Herrn Ober-Bürgermeister von Voss zu Halle, den\nMagistrat zu Mühlhausen, den Herrn Stadt-Cantor Stade\ntu Arnstadt, den zeitigen Superintendenten an der Thomas-\nkirche zu Leipzig, Herrn Lechler, und den Pfarrer zu\nSt. Nicolai daselbst, Herrn Ahlefeld, vor Allen den\nHochl. Rath der Stadt Leipzig, in dessen Archive mir die\nwohlwollende Vermittlung Sr. Excellenz des königl. säch-\nsischen Gesandten in Berlin, Herrn Grafen von Hohen-\nthal, Eingang verschafft hatte.\n„Ich gedenke ferner mit besonderem Danke der über\ndie Erfüllung selbst ausgedehnter Pflichten weit hinaus-\ngehenden Gefälligkeit des Gustos der königlichen Bibliothek\nzu Berlin, Herrn Dr. Espagne, welchem ich die Kennt-\nniss der reichen Schätze verdanke, die in den Werken des\ngrossen Tondichters dort niedergelegt sind.\n„Nicht weniger aber habe ich der freundlichen und\nwohlwollenden Unterstützung zu gedenken, welche mir in\nmeinen Arbeiten durch den Herrn Musik-Director Rust\nzu Berlin, den sorgfältigen, in den Geist und die inneren\nwie äusseren Verhältnisse der Bach'schen Werke so tief\neingedrungenen Bearbeiter der grossen Ausgabe der Bach-\nGesellschaft, so wie endlich durch Herrn Alfred Dörf-\nfel, Besitzer eines musicalischen Leih-Instituts zu Leipzig,\nin reichstem Maasse zu Theil geworden ist.\n„An alle aber, welche über die mir bekannten Kreise\nhinaus im Stande sein möchten, durch Forschung und Mit-\ntheilung ferneres Material zur Vervollständigung dieser\nLebensgeschichte eines so grossen Künstlers beizutragen,\nergeht hiermit die dringende Bitte, dies im Wege der all-\ngemeinen Veröffentlichung oder durch Mittheilungen an den\nVerfasser nicht zu verabsäumen. Sie werden dadurch\neine Schuld abtragen helfen, mit welcher das deutsche\nVaterland einem seiner edelsten Söhne bisher in Rückstand\ngeblieben ist.\"\nUeber die Grundsätze, welche er bei seiner biographi-\nschen Arbeit befolgt hat, äussert sich der Verfasser fol-\ngender Maassen:\n„Ich habe geglaubt, mich bei der Schilderung des\nLebens und Wirkens des gelehrtesten aller Tonsetzer und\nContrapunktisten, die je gelebt haben, aller abstracten\nBetrachtungen enthalten zu müssen. Aus der objectiven\nDarstellung seines Lebensganges und aus der Darlegung\ndessen, was er in seinen zahlreichen Werken niedergelegt\nhat, wird man besser, als aus jeder, wenn auch noch so\ntiefsinnigen philosophischen Entwicklung erkennen, was\ner der Kunst im Allgemeinen, der deutschen Kunst aber\nvor Allem gewesen ist.\n„Es war mein Bestreben, seine Erscheinung der gros-\nsen Zahl derer näher zu rücken, die sich zwar nicht durch-\nweg den gelehrten Musikern und Fachkünstlern hinzu-\nrechnen können, denen aber doch die tiefe und erhabene\nKunst des grossen Meisters nicht ein mit sieben Siegeln\nverschlossenes Buch geblieben ist.\n„Ich habe zugleich danach gestrebt, das Interesse für\njene zahlreichen Werke desselben, welche im Allgemeinen\nnoch wenig gekannt sind, überall da anzuregen, wo das\nSchöne nicht um des sinnlichen Reizes, sondern um des\nedleren Gehaltes willen gesucht wird, jenes Schöne, das\nso oft an uns unbeachtet, als etwas Fremdes, Unbekann-\ntes vorüberzieht, wenn es nicht in prunkvolle und glän-\nzende Gewände gekleidet wird.\"\nFerner gehören zur Orientirung über das Werk fol-\ngende Stellen der Einleitung:\n„Wie sehr Bach's Kunstrichtung von unserem heuti-\ngen Standpunkte aus als vereinsamt angesehen werden\nmöge, in seiner Zeit war sie dies nicht. Sebastian Bach\nwar eben, wie alle grossen Männer, ein Ergebniss seines\nJahrhunderts. Er war aber auch zugleich der Ausfluss\neiner seit Generationen in der Familie erkennbaren beson-\nderen Naturanlage für die ernste Musik. Sein Erscheinen,\nsein Auftreten hatte nichts Phänomenales an sich. In sei-\nner Person vereinigten sich nur alle jene Bedingungen,\nwelche nothwendiger Weise vorhanden sein müssen, um\neine gewisse Anlage und eine bestimmte Richtung in der\nKunstthätigkeit zu ihrer höchsten Vollkommenheit auszu-\nbilden*).\n\nten- und Buchstabenschrift). Der Frau Grossherzogin Luise\nvon Baden K. H. gewidmet. I. Bd. XII und 450 S. 8. einschliess-\nlich Anhang I. 11. Bd. 381 S. 8. nebst Anhang 11. S. I—LXXYIII\nund „Haupt-Zusammenstellung aller von J. S. Bach hinterlassenen\nWerke\". S. 80-121. 8.\n*) Von diesem Gesichtspunkte aus kann man auch mit einem\nwesentlichen Theile des Inhalts einverstanden sein, den die geist-\nvolle Kritik in Bagge's verdienstvoller leipz. Allg. Musik-Zeitung,\nNr. 35 bis 38, Jahrg. 1863, über E. O. Lindner's „Abhandlungen"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "181", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650610-01.1.5", "texte": "„Johann Sebastian Bach war einer der grössten Cla-\nvierspieler, die je gelebt haben, und ist der grösste Orgel-\nspieler aller Zeiten gewesen. Seinem Andenken ist dieser\nRuhm geblieben. Die ausübende Kunst freilich, wie gross\nund gewaltig sie gewesen sein mochte, ist mit ihm in das\nGrab gesunken. Sie war zu Ende, als die Glieder zu er-\nV\nstarren begannen, welche sonst in so unerhörter Meister-\nschaft jene Tonmassen zu erhabenen Weihegesängen aus-\nklingen liessen. als die Augen erblindeten, der Geist\nerlahmte, der ihnen Feuer, Kraft und Grösse verliehen\nhatte.\n„Bleibend für uns und für alle Zeiten aber ist, was\ner als Tonsetzer geschaffen hat. Voll von jenem uner-\nschöpflichen Reichthume, von jener wunderbaren Origina-\nlität, wie sie nur den Meistern ersten Ranges eigen ist,\ngehört er, gleich Mozart, der geringen Zahl derjenigen\nMänner an, welche Jahrhunderte nicht wieder zu erzeugen\nvermögen.\n„Vier Generationen hindurch vor ihm war die Musik,\nund zwar die ernste, kirchliche Musik, in der ausgebrei-\nteten Familie heimisch gewesen, der er angehörte.\n„Es ist eine lehrreiche und interessante Beobachtung,\nvermöge deren wir diese Familie so viele Menschenalter\nhindurch, zahlreich und weit verzweigt, wie sie war, diese\nschöne Natur-Anlage ausbilden, zu ihrem Lebenszwecke\nerheben sehen. Die Musik ward damals für nicht viel etwas\nBesseres als eine „„Profession\"\" erachtet und ging, ähn-\nlich wie die zünftigen Gewerbe, von dem Vater auf den\nSohn über. Dennoch finden wir in der Familie Bach's die\nKunst als solche geübt. Der gewerbsmässige Betrieb, wie\ner zu jener Zeit nur zu oft sich in den Vordergrund drängte,\ntrat in ihr gegen diese edlere Richtung weit zurück.\n„Nur dadurch wurde es möglich, dass jene Familien-\ngabe ihren Gipfel- und Culminationspunkt in unserem\nMeister erreichen konnte. Wir werden sehen, wie dieser,\nalle Bedingungen derselben in sich vereinigend, zugleich\ndie musicalisch-kirchliche Richtung seiner Zeit mit evan-\ngelischem Bewusstsein und mit sittlicher Reinheit in sich\naufnimmt, beide zur höchsten Vollkommenheit entwickelt.\n„Die Musik, in so weit sie als Kunst geübt wurde,\nwar damals wesentlich in der Kirche zu Hause. Die Re-\nformation hatte ihr in den protestantischen Ländern das\nneue Element des von der Gemeinde gesungenen Chorals\nund der dazu gehörigen Orgelbegleitung hinzugefügt. Das\nStreben der Organisten, diese Art des gottesdienstlichen\nGesanges auf eine würdige und sinnige Weise zu beben,\nzu schmücken, hatte vorzugsweise dazu beigetragen, den\nkünstlichen Contrapunkt auszubilden, das Orgelspiel zu\nentwickeln und zu vervollkommnen. . In der protestantischen\nKirche war auf diese Art die kunstreiche Behandlung des\nChorals zu einer Art von Wissenschaft erhoben worden,\nwelche, der Würde, Grösse und dem feierlichen Ernste\ndes Gegenstandes entsprechend, grosse Meister in nicht\ngeringer Zahl hatte entstehen lassen, und welche für alle\ndiejenigen eine nothwendige Existenz-Bedingung wurde,\nwelche in dem Dienste dieser Kirche ihre Lebensstellung\nsuchten. Zu diesen gehörten die Vorfahren Sebastian\nBach's. So waren schon lange vor ihm in seiner Familie\nalle jene Vorzüge heimisch gewesen, welche wir später in\nseiner Person bis zu den äussersten Gränzen der Vollen-\ndung entwickelt sehen werden.\n„Es war fast eine innere Nothwendigkeit, dass diese\nbesondere Kunstrichtung sich in einem vorzugsweise be-\ngabten, von der Natur begünstigten Gliede der Familie in\nausgeprägter Vollkommenheit darstellen musste. Eben so\nerscheint es aber auch naturgemäss, dass von hier ab die\nübermässig entwickelte Kraft zu erlöschen beginnt. Wie\nVortreffliches die Söhne Bach's geleistet haben mögen, es\nwar in ihnen doch schon die Verflachung jener gewaltigen\nKunststellung erkennbar, welche ihren Vater so sehr aus-\ngezeichnet hatte. Der zu seiner Zeit Alles beherrschende\npolyphone Charakter der Musik begann von ihm ab nach\nund nach sich der heute vorherrschenden Monopbonie zu\nnähern, allmählich in diese überzugehen.\"\n\nzur Tonkunst\" entwickelt, wenn wir auch nicht alle Consequen-\nzen billigen möchten, welche der Verfasser aus dem von ihm auf-\ngestellten Systeme zieht. Wir glauben den Werth, den die neuere\nKunst gewonnen hat, nicht zu unterschätzen. Dass aber in ihr eine\nVerflachung bemerkbar wird, und dass diese nur durch ein ermun-\ntertes Anlehnen an die Principien (nicht die Formen) beseitigt wer-\nden wird, nach denen die älteren Meister, unter ihnen auch Bach,\nihre Werke schufen, kann kaum zweifelhaft sein. In der Kunst gibt\nes keine Reaction im politischen Sinne und keinen dieser entgegen-\nstehenden Liberalismus. Es gibt nur Kriterien des mehr oder minder\nVollendeten, des Schönen, Erhabenen, Grossen. Diese allein sind\nmaassgebend für das kritische Urtheil. [Sehr wahr!]\n\nAus Osnabrück.\nHiller’s Oratorium: „Die Zerstörung von Jerusalem“.\nDen 1. Juni 1865.\nWir dürfen der ganzen Aufführung die Anerkennung\nnicht versagen, dass sie in jeder Beziehung eine vorzüg-\nliche war und auf alle Anwesenden einen grossartigen\nEffect gemacht hat. Die schwierige Partie des Jeremias\nwurde von Herrn Hof-Opernsänger Stägemann vortreff-\nlich durchgeführt. Welche Fülle des Tones und sonorer\nKraft, gepaart mit Milde in der Höhe, und welcher tief-\ndurchdachte Vortrag! Neben ihm hatte Herr Hof-Opern-\nsänger Pirk drei Tenor-Partieen zu vertreten (Zedekia,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "182", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650610-01.1.6", "texte": "Achikam und Flüchtling; und eroberte unsere Herzen so-\nwohl durch die Lieblichkeit seines lyrischen Tenors, als\ndurch das edle Gefühl, das er in die Töne zu bauchen,\ndurch die vortreffliche Declamation, die er den Worten\nzu geben vermochte. Manche unserer Liedertäfler hätten\nzugegen sein sollen, um zu hören, wie der Sänger spre-\nchen muss im Gesänge; von den beiden Künstlern aus\nHannover hätten sie es lernen können, denn da wurde\nkein Buchstabe verschwiegen, sondern lautete jedes Wort\nso, dass man keines gedruckten Textes bedurfte. Aber\nüber die beiden Sänger von Fach wollen wir nicht un-\ndankbar der Dilettantin vergessen, die mit ihnen im schö-\nnen Vereine auf das würdigste ihren Platz auszufüllen ver-\nstand und ihren seelenvollen Alt mit grosser Ausgiebigkeit\nzur Geltung brachte. Wir glauben keinen Fehlgriff zu\nthun, wenn wir das Duett: „0, wär' mein Haupt eine\nWasserquelle\", die wahre Krone des Abends nennen. Das\nwar Vortrag, das war Seele im Gesänge! Und darum\ndurfte es auch Niemanden Wunder nehmen, dass selbst\nMänner sich nicht enthalten konnten, eine Thräne im Auge\nzu zerdrücken. Nicht minder schwierig aber als die Partie\ndes Propheten ist die der Königin, und wir müssen Fräu-\nlein Schön heim aus Bielefeld, einer talentvollen Schü-\nlerin der Frau Cornet in Hamburg und des Herrn Hahn\nin Bielefeld, die Genugthuung zollen, dass sie ihrer Auf-\ngabe gewachsen war; jugendlich frische Stimme, gute\nSchule, reine Intonation und richtige Declamation sind\nEigenschaften, die ein Recht haben, Beifall zu fordern.\nSo viel von den Solisten. Aber auch der Chor hat sich\nselbst übertroffen. Dass rein und präcis gesungen und im\nrichtigen Momente schlagfertig eingetreten wurde, das\nhaben wir schon mehr erlebt; allein dass der ganze Chor\nmit so überraschender Uebereinstimmung Schatten und\nLicht in seinen Vortrag verwebt, wie das gestern wenig-\nstens in einigen Chören, wir scheuen uns nicht, zu sagen:\nmeisterhaft geschah, das ist in Osnabrück doch wohl noch\netwas Neues. Wir nennen in dieser Beziehung insonderheit\ndie Nummern: „Eine Seele, tief gebeuget\", ferner: „Wir\nzittern ob des Sehers Dräu'n\", und: „Wir zieh'n gebeugt,\ndas Joch auf unserm Nacken\". Waren es bei diesen Chö-\nren vorzugsweise die Damen Israels, denen unser dank-\nbares Lob gebührt, so haben doch auch die Herren Ba-\nbylonier in ihren martialischen Männerchören unsere Zu-\nfriedenheit sehr wohl verdient, zumal sie doch auch als\nIsraeliten im fugirten wie im nicht fugirten Chor den Da-\nmen eine ritterliche Hülfe zu leisten keinen Augenblick\nversäumt haben.\nWenn wir hiernach uns zum Orchester wenden wol-\nlen, so drücken wir zunächst unsere vollste Befriedigung\nüber die äussere amphitheatralische Anordnung aus. Die\nHerren Musiker aber machten ihrem erhabenen Stand-\npunkte alle Ehre und bewiesen deutlich, dass die Ton-\nschöplüng, welche sie vortrugen, ihre ganze Begeisterung\nwachgerufen hatte. Wir läugnen es nicht, wir haben ein-\nzelne Fehler bemerkt, im Orchester sowohl als bei Sän-\ngern, aber sie waren keineswegs von solcher Art, dass sie\nuns zu einer Rüge hätten Anlass geben können. Wir dan-\nken dem Orchester für seine tüchtige Leistung, insonder-\nheit auch für die grosse Mässigung, mit welcher der Ge-\nsang begleitet wurde, ohne die Präcision in irgend einer\nWeise zu verletzen. Wie oft dachten wir gestern Abend:\n„Welcher Unterschied im Orchester zwischen sonst und\njetzt!\" Man muss etwas erlebt haben, um das zu wissen.\nSchliesslich dürfen wir auch dem Herrn Dirigenten\nfür seine Leitung die Anerkennung nicht versagen, da\nihm allein zum grössten Theile der Preis des glücklichen\nGelingens gebührt. Ueber die Schönheit der Composition\nnoch Worte zu machen, würde anmaassend erscheinen.\n\nAus Aachen.\nDen 1. Juni 1865.\nAm Sonntag den 28. Mai schloss unsere Winter-\nConcertzeit bei schönstem Frühlingswetter durch die Auf-\nführung von Mendelsso hn's „Elias\" unter der Di-\nrection des Herrn Capellmeisters Ferdinand Breunung,\nwelcher durch das sorgfältige Einstudiren und die einsich-\ntige und energische Leitung des Ganzen die günstige Mei-\nnung unseres nicht leicht zu befriedigenden Publicums,\nwelche er schon durch die Direction der «Walpurgis-\nnacht\" und der achten Beethoven'schen Sinfonie im vor-\nletzten Concerte von seinem Talente erregt hatte, vollkom-\nmen befestigte. Der Chor war bei der vorgerückten schö-\nnen Jahreszeit nicht so zahlreich, wie gewöhnlich, allein\nes wurde frisch und lebendig gesungen, so dass es eine\nFreude war, zuzuhören. Vorzüglich ausdrucksvoll wurden\ndie Chöre weicheren Inhalts vorgetragen, während die\nsicheren und präcisen Einsätze bei allen besonders lobens-\nwerth waren. Das vortreffliche Orchester war wie immer\nvollkommen bei der Sache und trug wesentlich zu dem\nGlänze der Aufführung bei.\nDie Sologesänge waren in den Händen von Fräulein\nJulie Rothenberger aus Köln und Fräulein Fran-\ncisca Schreck aus Bonn, Herrn Göbbels (Tenor) von\nhier, Herrn Karl Hill (Bass) von Frankfurt am Main\nund hiesiger Dilettanten. Fräulein Rothenberger sang die\nHauptnummern der Sopran-Partie (die Witwe, den Engel,\ndie Oberstimme im Terzett und im „Heilig\") mit derjeni-\ngen wohllautenden Reinheit, Sicherheit und Correctheit,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "183", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650610-01.1.7", "texte": "die man bei dieser Sängerin gewohnt ist. Die Stimme des\nFräuleins Schreck scheint in der That immer weicher und\nschöner zu werden, ohne an Kraft zu verlieren. Herr Göb-\nbels war sehr gut disponirt; seine Arien machten einen\nsehr wohlthuenden Eindruck. Ausgezeichnet in jeder Hin-\nsicht durch sonoren Klang der Stimme, Auffassung des\nCharakters und künstlerische Durchführung desselben\nwar Herr Hill in der Partie des „Elias\"; in seinen Arien\nwar der Vortrag überall schön und in den dramatischen\nund innerlich erregten Stellen besonders ergreifend, na-\nmentlich in der Scene mit der Witwe und in dem Gebete\num Regen, bei welchem eine geschätzte Dilettantin den\n„Knaben\" ganz vortrefflich sang, wie auch ihre Partie in\nden Ensembles, von denen wir noch das Doppel-Quartett\nerwähnen müssen, welches mit Ausnahme der Mitwirkung\ndes Fräuleins Schreck und des Herrn Göbbels von lauter\nDilettanten sehr gut gesungen würde.\nSo gestaltete sich Alles zu einer in hohem Grade ge-\nlungenen Ausführung, was auch das Publicum, das sich\nungeachtet der Maitage sehr zahlreich eingefunden hatte,\ndurch die gespannte Theilnahme, mit welcher es von An-\nfang bis Ende der Aufführung folgte, und durch lebhafte\nBeifallsbezeigungen anerkannte *).\nWir beeilen uns, der musicalischen Welt folgende\nAnkündigung einer Gesang - und Musikschule, welche\nHerr Julius Stockhausen in Hamburg errichten\nwird, mitzutheilen:\n„Ich beehre mich, anzuzeigen, dass ich am 1. Sep-\ntember dieses Jahres eine Gesangschule, verbunden\nmit Ciavier- und Harmonielehre, eröffnen werde. Der\nCursus zerfällt in zwei Haupt-Abtheilungen: I. Specielle\nAusbildung der Stimme; 11. Lehre des Vortrags in allen\nGattungen: im dramatischen, oratorischen und Concert-\ngesange. Der Unterricht kann nach Wunsch deutsch, fran-\nzösisch und englisch ertheilt werden. Da der Unterzeich-\nnete die Gesangs-Abtheilung selbst leitet, können vorläufig\nnur zwanzig Schüier und Schülerinnen aufgenom-\nmen w.erden. Der Unterricht währt vom 1. September bis\nzum 15. Juni. Der Preis beträgt jährlich 100 Thaler oder\n250 M. C. J. Stockhausen, Kammersänger Sr. Maj.\ndes Königs von Hannover, Dirigent des Philharmonischen\nVereins und der Sing-Akademie in Hamburg (3. Gurlitt-\nStrasse 3.)\n*) Den Aufsatz über die Wirksamkeit des Herrn Franz W üll-\nner in Aachen, gegenwärtigen Hof-Capellmeisters in München,\nmüssen wir für eine der nächsten Nummern versparen.\nDie Redaction.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMan schreibt aus Weimar vom 23. Mai: „Die Oper r„Cid-*>\nvon I eter Cornelius ist bei ihrer ersten Aufführung nicht allein\nglücklich vom Stapel gelaufen, sondern hat bei dem sehr zahlreichen\nPublicum eine warme Aufnahme gefunden. Das Werk besitzt musi-\ncalische Schönheiten und zeigt mit dem Gedichte Hand in Hand\ngehende charakteristische Motive. Die Ausführung war eine sehr\ngelungene. Von den Darstellern ist es besonders das Milde'sclie Ehe-\npaar, dem ein Haupterfolg zu danken ist; es wird nicht leicht bes-\nsere Interpreten geben, welche so vollkommen in dem Werke auf-\ngegangen sind. Vielfacher Hervorruf ehrte den Tondichter, der auch\nam Schlüsse der Oper noch besonders von dem anwesenden Erb-\ngrossherzoge beglückwünscht wurde. Eine Wiederholung steht bald\nbevor. Allenfallsige Abänderungen werden wohl nicht ausbleiben,\nalsdann aber mag dem tüchtigen Werke ein glückliches Geleite auf\nden YY eg gegeben werden.\nDer Süddeutschen Musik-Zeitung schreibt man aus Därm-\nst ad t: „Director I esc her ist mit den Herren Neswadba, Ca-\npellmeister, Brandt, Maschinenmeister, und Schwedler. Maler,\nwieder von Paris und der Besichtigung der „„Africanerin\"\" zurück-\ngekehrt. Die Oper ist bereits angekauft und sie soll bis längstens\nNovember mit grösster Pracht in Scene gehen. Brandt hat ein neues\nModel des Schiffes erfunden und hergestellt, das sich durch sinn-\nreiche Construction, wie auch durch grössere Wirksamkeit vor dem\npariser auszeichnen wird. Ein Uebelstand der pariser Aufführung\nist der, dass man in diesem dritten Acte wohl die Hälfte eines\nSchiffes sieht und wie dieses sich dreht und zur Seite neigt, dabei\ndoch keine Spur von Wasser und Wellen, was der Illusion durch-\naus nicht förderlich ist. Brandt's neues Model wird diesem Uebel-\nstande abhelfen: sein Schiff wird sich nicht allein zur Seite neigen,\nsondern sinken, bis die Fluten des Meeres es zum grössten Theile\ndecken. Bereits soll derselbe mit mehreren Bühnen (Hamburg, Prag,\nNürnberg u. s. w.) Lieferungs-Verträge für diese neue Schiffs-Ma-\nschinerie abgeschlossen haben. [Wir glauben gern, dass das Schiff\ndes Vasco de Gama sehr täuschend auf das Felsenriff fahren wird,\naber wie es für Deutschland wieder flott gemacht werden soll, müs-\nsen wir bezweifeln.]\nGlera, 17. Mai. Mit dem heutigen Concerte schloss die dies-\njährige Saison des „Musicalischen Vereins für Gerau und brachte\ndasselbe zunächst die Pastoral-Sinfonie von Beethoven und als wei-\nteren Orchestersatz die Ouvertüre zum „Wasserträger\". Ausserdem\nenthielt das Programm das Concert-Duett für Pianoforte und Clari-\nnette von Weber, welches von unserem Concert-Dirigenten, Capell-\nmeister W. Tschirch, und einem Mitgliede des hiesigen Stadt-\nMusikcorps, dem Clarinettisten Benzel, zu vortrefflicher Ausfüh-\nrung gebracht wurde. Die Gesangchöre des Vereins waren diesmal\nnicht betheiligt, dagegen trug Fräulein Emma Hausehteck aus\nBerlin, von reichem Beifalle begleitet, einige Solo-Piecen vor, und\nzwar die Leonoren-Arie aus „Fidelio\", Casta Diva aus „Norma\"\nund zwei Lieder am Ciavier von Mendelssohn und R. Schumann.\nFräulein Hauschteck besitzt viel Stimmfonds, schönes Verständniss\nim Vortrage und gewandte, angenehme Coloratur, wrelche nament-\nlich in der Norma-Arie zur Geltung kam. Ausser den vorstehend\ngenannten wurden in dieser Saison an grösseren Orchester- und Ge-\nsangwerken aufgeführt: die Sinfonieen in B-dur und F-dur von\nBeethoven, die Suite in D-moll von Lachner, die Sinfonie in D-dur\nvon Mozart, die „Ruinen von Athen\" von Beethoven, das Oratorium\n„Elias\" von Mendelssohn u. s. w. Von auswärtigen und hiesigen\nKünstlern wurden in derselben Zeit Solo-Vorträge zu Gehör gebracht\nvom Musik-Director Thierbach aus Halle, Fräulein Scheuerlein und\nHerrn Nabich aus Leipzig, Herrn Hartmann aus Gotha, Herrn Krause"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "184", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650610-01.1.8", "texte": "aas Berlin, dessgleichen Frau Hofer vom hiesigen Hoftheater. Nicht\nunerwähnt wollen wir lassen, dass auch von den hiesigen Gesanges-\nkräften mehrere zu Soli gute Befähigung zeigten, unter denen vor\nallen Frau Kaufmann Clara Ferber zu nennen sein dürfte. Hoffen\nwir, dass auch fernerhin der Musicalische Verein in gleicher Thä-\ntigkeit fortschreiten möge ; zur Hebung der hiesigen Musik-Verhält-\nnisse hat er bereits unter Leitung des vorzüglichen Dirigenten, Herrn\nCapellmeisters W. Tschirch, in trefflicher Weise gewirkt.\nfjeipzig« Ueber ein neues Oratorium „Belsazar\", Dichtung\nvon Fr. Röber, componirt für Soli, Chor und Orchester von Karl\nReinecke, spricht sich O. Paul folgender Maassen aus: »Die\nDichtung des hier zum zweiten Male aufgeführten Werkes behan-\ndelt, wie schon der Titel besagt, denselben biblisch-historischen\nStoff, welchen wir im Händel schen „Belsazaru finden. (Vergl. un-\nseren Bericht über das niederrheinische Musikfest, Recensionen 1864.)\nDas Röber'sche Gedicht ist aber bei weitem magerer, als das von\nHändel benutzte, und stellt die dramatischen Vorgänge nicht hin-\nreichend in den Vordergrund. Von der Musik können wir im Allge-\nmeinen nichts Anderes sagen, als dass sich der Tonschöpfer in Be-\nhandlung des polyphonen Vocalsatzes, so wie des Orchestersatzes\nauch in diesem Werke als wackeren Musiker bewährt hat, dem von\nSeiten unseres Publicums allzu geringe Aufmerksamkeit gezollt wor-\nden ist. Freilich finden wir einige technische Schwächen, die aber\nso vereinzelt vorkommen, dass sie das Ganze nicht weiter beein-\nträchtigen. Diese Schwächen bestehen in einzelnen Führungen der\nVocalstimmen, welche bei den älteren Italiänern gänzlich verpönt\nwaren und eben so wenig durch den freieren Satz mit Orchester-\nUnterlage eines Händel oder Bach zu rechtfertigen sein möchten.\nDie Erfindung ist nicht gerade hervorragend und originel zu nen-\nnen, sie steht aber auf dem Grunde einer noblen Denkweise und\ndürfte nirgend den Vorwurf gewöhnlichen Schablonenwesens verdie-\nnen. Mit anderen Werken von Reinecke verglichen, möchten wir\ndiesem Concert-Oratorium unter jenen immerhin einen hervorragen-\nden Platz anweisen. Herr Karl Hill sang die Hauptpartie, welche\nin Auffassung und Technik keine leichte Aufgabe bietet, mit treff-\nlicher Meisterschaft, und wir können wohl mit Recht behaupten,\ndass dieser Dilettant als Künstler zu den besten Oratoriensängern\nder Gegenwart zählt. Trotzdem fand Reinecke's Schöpfung wenig\nAnklang, und es dürfte nach ausgedehnterem Bekanntwerden des\nHändel'schen „Belsazar\" für den weiteren Erfolg jener anständigen\nArbeit kaum Hoffnung vorhanden sein.I*.\n** JBfl&el« Freitag den 16. Juni findet die Aufführung der\nMatthäus-Passion Statt, nachdem 1861 der Gesangverein durch die\nAufführung der Johannis-Passion an die grösseren Werke Bach's\nherangetreten war. Da jene Aufführung im Münster mit Begleitung\nder grossen neuen Orgel (Herr Theodor Kirchner) und unter\nMitwirkung der Herren Karl Schneider und Julius Stock-\nhausen sehr gelungen war und einen ganz bedeutenden Eindruck\nhinterlassen hatte, so wurde die bevorstehende Aufführung in ganz\ngleicher Weise vorbereitet. Die genannten Künstler haben sich wie-\nder zur Mitwirkung bereit finden lassen, und ihnen reiht sich nun\ndie seither zur Unserigen gewordene Künstlerin Frau Dr. E. Me-\nrian-Genast mit freundlicher Bereitwilligkeit an. Mit dieser Auf-\nführung macht der Verein, der nun seit 21 Jahren unter der Lei-\ntung des Musik-Directors Herrn E. Reiter steht, wieder einen be-\ndeutungsvollen Schritt der Entwicklung, welche diese 21 Jahre um-\nschliessen, und wer die Schwierigkeiten kennt, welche sich in klei-\nneren Städten der Aufführung solcher Werke entgegenstellen, nament-\nlich in Folge der Absorption der Männerstimmen durch das Männer-\ngesangwesen, der wird Freude empfinden, dass trotz dieser Schwie-\nrigkeiten die Fahne der echten, grossen und ganzen Musik aufrecht-\nerhalten wird. \\ . • '\nPari«. 8. Juni. Die Operette rLe Mariage de Don Lopeu\nvon Ed. de Hartog (vergl. Nr. 16 vom 22. April d. J.), deren\nErfolg sich auf dem Thidtre lyrique befestigt, ist bei den Musik-\nverlegern Gebrüdern Gambogi erschienen. Den Text wird Dr. Ka-\niisch, der Uebersetzer von Offenbacb's „Orpheus\", ins Deutsche\nübertragen.\nOffenbach wird bei seinem Wiedereintritte in die Bouffes\nParisiens eine dreiactige Oper: „Les Bergersu, Text von Hector\nCremieux und Gilles, als Neuigkeit bringen.\nliOlldoil, 4. Juni. Von deutschen Künstlern ersten Ranges\nglänzen nicht nur, sondern beherrschen in ihrem Fache die Saison\nJoachim, Frau Schumann und Alfred Ja eil. Jaell ist nach\nseinen in Frankreich und Belgien im Fluge vollbrachten Triumphen\nseit etwa drei Wochen hier und hat in den Concerten der neuen\nphilharmonischen Gesellschaft, der Musical Union von Ella, dem\nKrystallpalaste u. s. w. gespielt, überall mit dem günstigsten Er-\ngebnisse. Den bedeutendsten, über das Gewohnte enthusiastisch be-\nkundeten Erfolg trug er in der New philharmonic Society durch den\nVortrag von Ferdinand Hiller's Concert (in Fis) für Ciavier\nund Orchester davon. Es wurde vom Orchester sehr gut begleitet,\nso dass auch in dieser Beziehung die Ausführung sich sehr vor-\nteilhaft vor der kurz vorhergegangenen Aufführung der E-moll-\nSinfonie Hillens iu der Musical Society auszeichnete. Der Spieler\nund die Composition wurden mit ausserordentlichem Beifalle aufge-\nnommen. Von Stücken für Kammermusik erregten besonders Schu-\nmann's Quartett und Schubert's Trio (Jaell, Joachim und Piatti,\nder „Sänger auf dem Violoncell\") und brillante Solo-Vorträge Furore."}]}