{"numero_id": "bm-bmtnabi-1865-06-24-01", "volume": "bmtnabi_1865-06-24_01", "ocr_sha256": "15537366565d1aa2da4deb9a40e8c5e88881c958720c544f3d121f16960574a8", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1865/06/24_01/bmtnabi_1865-06-24_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650624-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1865-06-24-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-06-24_01#c001", "volume": "bmtnabi_1865-06-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "193", "page_fin": "193", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650624-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "193", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650624-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 441, "texte": "Inhalt.\nDas 42. niederrheinische Musikfest. 111. Gedanken über die Tonkünstler-Versammlung zu Dessau. I. Allgemeines.\nDas Musikfest in Braunschweig am 10., 11. und 12. Juni 1865. Von Dr. Oscar Paul. Wagner's Tristan und Isolde in München.\nTages- und Unterhaltungsblatt (Mainz, das fünfte mittelrheinische Musikfest Danzig, Berichtigung Darmstadt, Ordensver-\nleihung Johann Walther's Choralbuch Musikfest zu Sydenham Stockholm, Theaterbrand)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-06-24-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-06-24_01#c002", "volume": "bmtnabi_1865-06-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "193", "page_fin": "196", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650624-01.2.2", "titre_corps": "Das 42. niederrheinische Musikfest.", "titre_sommaire": "Das 42. niederrheinische Musikfest.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "193", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650624-01.1.1", "debut_caractere": 443, "fin_caractere_exclue": 4130, "texte": "Das 42. niederrheinische Musikfest.\nIII.\n(I. s. Nr. 23. 11. Nr. 24.)\nDas Concert am zweiten Festabende hatte die Namen\nHaydn, Beethoven, Schumann auf seinem Pro-\ngramme, und von Jedem Compositionen, die zu den besten\ngehören, die sie geschrieben haben. Die Auswahl war\nalso eine vorzügliche, das Programm ein glänzendes. Und\ndennoch zeigte es sich im Verlaufe des Abends, wie\nschwierig es ist, den rein künstlerischen und den prakti-\nschen Forderungen an ein Musikfest-Programm zugleich\nzu genügen. Denn trotz des tiefen Gehalts, oder vielleicht\ndurch den tiefen Gehalt von Werken wie Beetboven's Co-\nriolan-Ouverture, Schumann's Musik zu Scenen aus Faust\n*\n(dritte Abtheilung) und Beetboven's Sinfonie in\nwelche den ersten Theil des Concertes füllten, war dieser\nerste Theit zu lang und die Spannung der Zuhörenden\nund theilweise auch der Ausführenden so sehr in Anspruch\nnehmend, dass dies dem zweiten Theile, in welchem der\n„Sommer\" und „Herbst\" aus Haydn's „Jahreszeiten\" zur\nAufführung kam, offenbar Abbruch that.\nDas Orchester feierte an diesem zweiten Festtage sei-\nnen Triumph; der Chor erreichte hingegen die Höhe\nnicht, welche er am vorigen Tage behauptet hatte, was\nfreilich zum Theil auch an den Vocal-Compositionen des\nzweiten Abends lag, welche der erhabenen Grösse und\nüberwältigenden Macht von Händel's Chören nicht gleich\nkommen, von denen ewig gelten wird: „Das hören die\nVölker und sind erstaunt.\"\nGleich die Eröffnung des Concertes durch Beetboven's\nOuvertüre zur Tragödie „Coriolan\" war eine vorzügliche\nLeistung des Orchesters. Beethoven hat sie im Jahre 1807,\neinem der fruchtbarsten an Meisterwerken Sinfonie in\nB-dur, die drei Violin-Quartette, Op. 59—, geschrieben,\nzu dem „Coriolan\" von H. Jos. von Collin (f 1811), dem\ner dadurch zu einer Unsterblichkeit verholfen hat, indem\ndie freilich mehr rhetorischen als wirklich dramatischen\nWerke dieses Dichters der Vergessenheit anheim gefallen\nsind, was sie indess namentlich sein „Regulus\"—nicht\nin demselben Maasse verdienen, wie manche neuere, nur\ndurch kritische Gevatterschaft über der Flut gehaltene\nDramen. Beethoven's Ouvertüre ist eine von den wenigen\nTrauerspiel-Ouverturen, welche den Zuhörer wirklich in\ndie Stimmung versetzen, welche das bestimmt bezeichnete\nDrama verlangt; wie erweckt nicht der Anfang die Vor-\nstellung von aristokratischem Trotze, wenn die gerissenen\nAccorde nach den gehaltenen Noten krachen, als wenn\nBiesenarme Eichenzweige vom Stamme brächen! Wir\nempfinden sogleich, hier sei Biegen oder Brechen die Lo-\nsung. Und dann wieder die süssen Melodieen, welche von\nVersöhnung und Liebe sprechen, und zuletzt der Schluss\nmit dem verhallenden Hauptmotiv, mit dessen Tönen der\ngrollende Trotz schwindet. Die Ausführung war vortreff-\nlich; besonders zeichneten sich die Violoncelli durch den\nVortrag der bekannten schwierigen Figurenreihe aus.\nAuf diese Ouvertüre folgte die dritte Abtheilung von\nSchumann's Musik zu Scenen aus Goethe's Faust.\nUnsere Zeitung hat sich schon früher in verschiedenen\nAufsätzen über die Composition von Schumann's Faust-\nScenen ausgesprochen.\nDie dritte Abtheilung bildet für sich ein geschlossenes\nWerk, was Schumann selbst dadurch anerkannt hat, dass\ner „für die Aufführung der einzelnen dritten Abtbeilung\neinen längeren einleitenden Anfang und einen grösseren\nzweiten Schlusschor\" geschrieben hat. Sie enthält die Scenen\nim Himmel, welche die Tragödie schliessen. Die Anacho-\nreten bilden den Uebergang in die jenseitige Welt; es ist\nein Gang durch Waldung und Schlucht mit mildem Ge-\nsänge, in welchem die einzelnen Stimmen gleichsam einan-\nder zeigen, was sie schauen. Die Gestalten der drei heili-\ngen Patres, die der Dichter dann aus den himmlischen"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "194", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650624-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5346, "texte": "Chören hervortreten lässt, bringen poetische Mittelglieder\nund Steigerungen, welche der Componist zu musicalisch\nschönen Ruhepunkten und Gegensätzen im drängenden\nGetriebe der Chöre benutzt und dabei sein grosses Talent\nfür charakteristische Declamation bewährt hat. Darauf\nfolgt der grosse Chor der Engel: „Gerettet ist das edle\nGlied\", während sie, „schwebend in der höheren Atmo-\nsphäre, Faustens Unsterbliches tragen\"; das Ganze bildet\nein Gesammtstück, in dessen energischen Hauptsatz die\nanmuthigen Gesänge der jüngeren Engel und der seligen\nKnaben theils durch einzelne und vereinte Solostimmen,\ntheils durch Halbchöre auf reizende Weise verflochten\nsind. Der Doctor Marianus, unter dessen Hülle Goethe\nden verklärten Faust einführt, erscheint in Schumann's\nTönen in milderer, wärmerer Verklärung, als beim Dich-\nter; namentlich hat Schumann's Musik den Satz: „Dir, der\nUnberührbaren, ist es nicht benommen\", aus seiner pro-\nsaischen Verständigkeit zu melodisch edlerer Gestalt em-\nporgehoben.\nDer dramatische Schlussist die Versöhnung des\ntor Marianus (Faust) mit der (Gret-\nchen) durch die Mater gloriosa.Mit dem hinzutretenden\nChor seliger Knaben bildet Gretchens Gesang und das\nsich aufschwingende, in langsamen Halbtönen steigende\nGebet Faust's, der ihr und der Maria folgt, einen sehr\nschönen, olfenbar wiederum den Text zu Höherem ver-\nklärenden Schluss. Ihm schliesst sich dann der „mystische\nChor\": „Alles Vergängliche ist nur ein Gleichniss\", an,\naus dem Schumann ein grossartiges musicalisches Finale\ngemacht hat, das freilich neben den wirklichen Schönhei-\nten manches Seltsame enthält. Ueberhaupt können sich in\nBezug auf das ganze Werk gegen die Auffassung nicht\nnur des Einzelnen, sondern ganzer Theile gewichtige Be-\ndenken regen. Wenn wir uns aber auf den Standpunkt\ndes Componisten stellen und seine individuelle Auffassung\neinmal gelten lassen, was er beanspruchen kann, so reisst\nuns die Durchführung dieser Auffassung durch ihren mu-\nsicalischen Werth über jene Bedenken hinweg, und wir\nerkennen in dieser Musik, namentlich in der dritten Ab-\ntheilung, das Schaffen eines Genius, der die Erinnerung\nan den Heros der neueren Musik, an Beethoven in seinen\nletzten Werken, in uns wach ruft.\nDie Ausführung dieser Musik hat ihre grossen Schwie-\nrigkeiten. Sie wurden im Ganzen mit Glück überwunden,\nwenn auch Einzelnes theils präciser, theils ausdrucksvoller\ngewünscht werden konnte. Die Chöre: „Waldung, sie\nschwankt heran\", und: „Gerettet ist das edle Glied\",\nmachten grossen Eindruck durch Sicherheit und Vortrag,\nwie denn überhaupt der Fleiss, mit welchem die eigen-\ntümliche Musik studirt war, alles Lob verdient. Von klei-\nneren Ensemblestücken, in denen Fräulein Pauline Wie-\nsemann die erste Sopranstimme sang, klangen das Alle-\ngretto: „Jene Rosen\", und der Chor seliger Knaben recht\nhübsch. Frau Lern mens fand in den wenigen Tacten der\nPartie des Gretchen keine Gelegenheit, sich auszuzeichnen,\neben so wenig die Herren Walter und Stägemann,\ndie übrigens ihren Pater ecsta„auf- und abschwe-\nbend\" und Pater profundus „in der tiefen Region\" ganz\n„strack\" zur Geltung brachten. Begünstigter vom Compo-\nnisten ist der Pater Seraphicus und der Doctor Marianus,\nbeide dem Bariton zugelheilt und von Herrn Stockhau«\nsen in so ausgezeichnet schöner Weise gesungen, dass\nsein Vortrag die Gesänge dieser halb irdischen, halb himm-\nlischen Wesen zu wunderbar ergreifenden gemacht haben\nwürde, wenn ihre Melodieen auch'nicht so schön wären,\nwie sie wirklich sind. Es vermählt sich bei diesem Sänger\nein gewisser sinnlicher Reiz der Stimme, der noch ein-\nschmeichelnder geworden, als er schon früher war, mit\ndem geistigen Wesen des Tones, welches weder durch ein\nVibrato, das überhaupt nie diese Wirkung erzielen kann,\nnoch durch einen Missbrauch der messa di voce, noch\ndurch eine affectirte Accentuation an die falschen Mittel\nerinnert, durch die andere Sänger einen höheren Ausdruck\nerzielen wollen, sondern allein durch die methodische Er-\nzeugung, Bildung und Aushauchung des Tones hervorge-\nbracht wird, vermöge deren dieser Ton durch die Kunst\ndem Willen des Sängers unterthan gemacht worden ist\nund die jedesmalige Färbung annehmen muss, welche\nGeist und Seele diesen wesenlosen und doch lebendigen\nStoff auszustrahlen zwingen. Diese Kunst ist aber Stock-\nhausen zur anderen Natur geworden; das ist freilich ohne\nangeborenes Talent nicht möglich: aber wie viele stimm-\nbegabte Kunstjünger vergeuden nicht heutzutage die Gabe\nder Mutter Natur auf unverantwortliche Weise, und wie\nwenige haben auch nur eine Vorstellung von dem Ge-\nsänge, dessen künstlerisches Ziel wir so eben anzudeuten\nversuchten! Mit wahrer Freude haben wir daher vernom-\nmen, dass Herr Stockhausen in Hamburg eine Gesang-\nund Musikschule gründen will, die er bereits am 1.\nSeptember d. J. eröffnen wird; es muss der Kunst zum\nunendlichen Vortheile gereichen, wenn ein solcher Meister\nsich entschliesst, eine Schule zu bilden, welche seine\nGrundsätze weiter trägt.\nFragt man uns nun nach dem Eindrucke von Schu-\nmann's Faustmusik auf das Publicum, so darf ein gewis-\nsenhafter Berichterstatter nicht verschweigen, dass sie\ndurch Einzelnes allerdings sichtbar wirkte, im Ganzen aber\nnicht in dem Maasse die Zuhörerschaft erregte, wie wir\nes in Erinnerung an die Aufführung des vollständigen\nWerkes am 14. Januar 1862, welche die erste in Deutsch-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "195", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650624-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5283, "texte": "land war, erwartet hatten. Freilich wirkten dieses Mal\nauch äussere Umstände ungünstig ein, vor Allem die wirk-\nlich kaum erträgliche heisse Temperatur im Saale und\nder Nachklang der grossartigen Aufführung des vorigen\nTages; Beides wirkte in der That abspannend, so dass\nauch das zweite Vocalwerk dieses Abends, die sonst immer\nzündenden „Jahreszeiten\" von Vater Haydn, von de-\nnen „der Sommer\" und „der Herbst\" aufgeführt wur-\nden, man möchte sagen, nur einen Succes d'estime davon-\ntrugen und fast nur durch die Sologesänge (Frau Lem-\nmens und die Herren Walter und Stockhausen) das\nPublicum zu lebhaftem Beifalle anregten.\nNur Beethoven's VII. Sinfonie bekämpfte sieg-\nreich sowohl die Erinnerung an „Israel in Aegypten\" als\ndie Schwüle der Temperatur, die in der That in ein Ge-\nwitter ausbrach, d. h. in den Donner des Applauses, den\ndie vortreffliche Ausführung nach jedem Satze hervorrief.\nIhr gebührte die Palme des Abends, welche das Orchester\nund der Dirigent zu theilen hatten, denn wie Ferdinand\nHiller seine geistvolle und poetische Auffassung der Beet-\nhoven'schen Sinfonieen von Neuem glänzend bewährte, so\ngenau, ausdrucks- und schwungvoll führte auch die Künst-\nlerschar im Orchester die Intentionen des Meisters aus.\nFreilich meint der musicalische Referent des\nBruzelles, dass diese Sinfonie „eben kein Meisterstück\nBeethoven's sei\"; allein derselbe hat auch bei der Auffüh-\nrung von Händel's „Israel\" in dem Chor: „Dasßoss und\nden Reiter\", „un certain desordre qu'il fallait dans les\nmouvementsu („eine gewisse Unordnung in den Tempo's\")\nvermisst und nennt jenen schwungvoll erhabenen Lobge-\nsang „une tempete\nDas dritte Fest-Concert begann mit der Ouvertüre\nzur „Zauberflöte\" von W. A. Mozart. Das unsterbliche\nWerk, welches in seinen wenigen Tacten mehr Genie und\nmehr musicaliscbes Wissen und Können enthält, als manche\nfaustdicke Partitur anderer Musiker, wurde vorzüglich gut\nausgeführt, das Tempo natürlich nicht übereilt, wie das\nbei Hiller nie zu befürchten ist, und jede feine Schattirung\nberücksichtigt. Nur ein einziges Mal waren Flöte und Fa-\ngott im Ausdrucke des Ligatonicht ganz einverstanden. Be-\nsondere Erwähnung verdient die mässige Betonung des\nSforzando des vierten Viertels in den Pianostellen, woge-\ngen so oft durch ein zu scharfes Einbauen gefehlt wird.\nAuf die Ouvertüre folgte der herrliche Vortrag der\nTenor-Arie: „Dies Bildnissist bezaubernd schön\", durch\nHerrn Walter von Wien, der im zweiten Theile des\nConcertes auch noch zwei Lieder von Rubinstein und\nSchumann mit grossem Beifalle vortrug.\nFernere Solo-Gesangvorträge boten Frau Lemmens-\nSherrington und Herr Julius Stockhausen. Die\ngenannte Künstlerin entfaltete in einer Arie mit obligater\nFlöte aus Händel's Allcgro e Pensieroso („Der Frohsinnige\nund Schwermüthige\") eine ganz ungemeine technische\nFertigkeit in trefflichem Triller und colorirtem Gesänge,\nin Figuren aller Art, welche ihr rauschenden Beifall ge-\nwannen, obwohl die Composition kalt Hess und man sich\nam Ende trotz der Bewunderung doch verwundert fragte,\nwas man denn eigentlich gehört habe? Noch mehr Enthu-\nsiasmus erregte sie und mit Recht, wiewohl es nur ein\nKunststück ist, Yiolinsachen zu singen, das die Catalani\naufgebracht, die Sontag und Andere mit Glück nachge-\nahmt haben durch die Variationen von Rode, wobei\ndie berühmte Künstlerin im Vortrage des Thema's einen\nschönen, vollendet künstlerisch gebildeten Ausdruck und\nin den Variationen ein sicheres Spiel mit allen stets leicht\nansprechenden Tonfiguren bekundete.\nHerr Stock hausen wiederholte auf den Wunsch\neines grossen Theiles der Zuhörer mit Herrn Stägemann\ndas heroische Duett aus Händel's „Israel\", natürlich unter\ndemselben Jubel des Publicums, wie am ersten Tage.\nAusserdem entzückte er durch den Vortrag zweier Lieder\naus Tieck's Magelone von Johannes Brahms, wobei die\nBemerkung, die wir bei seinem Vortrage der Partieen in\nSchumann's „Faust\" machten, sich bewahrheitete: sein\nGesang verklärte die Compositionen, die uns an und für\nsich nicht besonders zusagen konnten. Auf den nicht ruhen-\nden Beifallssturm und Hervorruf wiederholte Herr Stock-\nhausen das zweite dieser Lieder. Natürlich war das Publi-\ncum darüber erfreut; wir dürfen aber doch nicht ver-\nschweigen, dass es lieber ein Lied von Schubert oder Schu-\nmann in so unnachahmlichem Vortrage gehört hätte, der\ndem Zuhörer zugleich mit der Melodie im Herzen geblie-\nben wäre.\nDie erste grössere Production. des Abends war das\nConcert für Pianoforte und Orchester in G-dur\nvon Beethoven, gespielt durch Frau Wilhelmine\nSzarvady-Clauss aus Paris.\nFrau Szarvady ist eine Künstlerin, die sowohl mit fei-\nnem Geschmack als mit richtiger Beurtheilung ihres Pu-\nblicums die Compositionen zu wählen versteht, die ihr zum\nStoffe dienen sollen, aus welchem ihr Talent ein Bild her-\nvorzaubert, bei dem man nicht mehr unterscheiden kann,\nob die sprechende Aehnlichkeit mit dem Original des Mei-\nsters oder die lebendige Farbengebung desselben durch\ndie Künstlerin mehr zu bewundern ist. So oft wir sie öf-\nfentlich gehört haben, hat sie sich noch nie in der Wahl\nder Musikstücke vergriffen, denn sie räumt weder der\nMode, noch der Convenienz, noch der Parole einer Coterie\nund der Sucht, für eine bestimmte Schule Propaganda\nzu machen, EinOuss darauf ein, sondern wählt, in Berüct-\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "196", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650624-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4636, "texte": "sichtigung ihrer Individualität, mit demselben Künstler-\nGewissen, womit sie dieselben ausführt, die Werke, welche\nsie vorträgt. Das hat sie denn auch jetzt wieder in Köln\nbewiesen, wo sie zu ihrer Hauptleistung das -\ncert von Beethoven bestimmte, eine Composition, deren\nwunderbare Eigenthümlichkeit ihrem ganzen Wesen so\nausserordentlich zusagt, dass wir dieses Werk noch nie\nmit so reinem künstlerischem Sinne und mit so keuschem\nVortrage, welcher die Schönheiten gleichsam nur selbst\nsprechen lässt, ohne sie schminken zu wollen, haben aus-\nführen hören. Auffassung und in Bezug auf Technik wahr-\nhaft classisches Spiel gingen Hand in Hand, um in jedem\nSatze des Concertes jenen Zauber auf die Zuhörer zu üben,\nden eben nur der Verein der geistigen Eigenschaften,\nwelche das Material des Tones beseelen, mit der mechani-\nschen Kunst, welche dem Gedanken Flügel gibt, hervor-\nbringen kann. Aus solchem Vortrage mögen sich aber\nauch die Ciavierspieler die Lehre nehmen, dass nicht das\nvollgriffige Zusammenpacken der Accordfolgen zu orche-\nstraler Parodie, sondern das vollendet gleichmässige und\npoetisch nuancirte Tonleiterspiel die wahre Grundlage und\ndie Krone der pianistischen Technik ist. Dass Frau Szar-\nvady aber auch Meisterin des romantischen Ausdrucks der\nneueren Schule, das heisst der guten neueren, ist, bewies\nsie durch den Vortrag einiger Salonstücke von Chopin\nund Heller, denen sie nach stürmischem Hervorrufe noch\nein Lied ohne Worte von Mendelssohn zugab —Alles mit\neiner Behandlung des Instrumentes, die den Hörer mit\nreizend duftenden Tonblüthen überschüttete.\nGewiss ist die Behandlung des Spielers bei jedem In-\nstrumente die Hauptsache, allein wenn das Instrument wi-\ndersteht, ist die geschickteste Hand und das glänzendste\nTalent verloren. Frau Scarvady spielte aber dieses Mal\neinen Flügel, der in der That alle Eigenschaften, die man\nvon einem jetzigen Pianoforte verlangt, in sich vereinigt.\nDieses Instrument aus der Kunstwerkstatt von Pleyel\nund Wolff in Paris entwickelte einen runden, überall\nweichen und doch vollen, bis in den letzten Winkel des\nSaales ausgiebigen Ton, dessen Kraft auch bei dem stärk-\nsten Angriffe niemals zum brausenden Geräusch ausartete,\nsondern stets jene dem Ohre wohlthuende Fülle beibehielt,\nwelche die mechanische Wirkung von Hammerwerk und\nTastatur ganz vergessen lässt und den Eindruck macht,\nals ginge die Intention des Spielers, wie bei dem Bläser,\nunmittelbar in den Ton des Instrumentes über. Wir ha-\nben an einigen früheren Pleyel'schen Instrumenten die\nhöchsten Octaven nicht so vorzüglich- gefunden, die jetzi-\ngen aber haben, nach dem im Gürzenich Gehörten zu ur-\ntbeilen, eine ganz vorzügliche Egalität des Klanges vom\ntiefsten Bass bis zur höchsten Region, in welcher man\nz. B. selbst im Fortissimo des Trillers dem Prüfsteine\nder höchsten Octave niemals etwas Holzartiges, sondern\nnur Klang der Saiten vernimmt. Dabei hat das Instrument\nvor den grossen Erards die vortrefflich exacte Dämpfung\nvoraus, die namentlich in kleineren Sälen zum reinen und\nschönen Vortrage wesentlich nötbig ist. Wir können un-\nseren Industriellen in der Rheinprovinz, die im Ciavierbau\nauch bereits so grosse Fortschritte gemacht haben, nur\nrathen, den Bau der Pleyel'schen Instrumente zu studiren.\nDas zweite grosse Musikwerk, das der dritte Festtag\nbrachte, war die Sinfonie in von Ferdinand\nHiller mit dem Motto: „Es muss doch Frühling werden.\"\nDie ausgezeichnete Ausführung derselben haben, wir be-\nreits erwähnt; der Erfolg war ein überaus glänzender,\ndenn nach jedem Satze brach das ganze Publicum in rau-\nschenden Applaus und am Schlüsse in Hochs auf den Com-\nponisten aus, ein Erfolg bei einer Zuhörerschaft, auf deren\nUrtheil der Tondichter stolz sein kann. In denselben En-\nthusiasmus hatte schon in den Proben der Chor und das\nOrchester eingestimmt, wie das auch am Concert-Abende\nwieder der Fall war, und unter den Blumen und Kränzen,\ndie dem Componisten und Fest-Dirigenten zugeworfen\nwurden, befand sich auch ein Xranz mit der Inschrift:\nHommage ä F. Hiller. Les\nIs. de Swert. de Bas. H. Possos. Mertens*).\nDie Töne des schönen Festes sind verklungen, denn\ndas ist das Geschick der musicalischen und der dramati-\nschen Kunst, dass ihre Erscheinungen nur dem Augen-\nblicke gehören; kein Marmor, keine Farbe bannt sie fest,\nsie sind schäumende Welle, ja, weniger als das, schwin-\ngender Lufthauch—keine Macht der Erde kann ihnen zu-\nrufen: „Verweilet doch, ihr seid so schön!\" Aber verges-\nsen werden die Töne dieses Festes nicht werden von allen,\ndie Empfänglichkeit für musicalische Schönheit besitzen\nund an diesen Tagen einen wirklich Genuss em-\npfunden haben**)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-06-24-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-06-24_01#c003", "volume": "bmtnabi_1865-06-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "196", "page_fin": "197", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650624-01.2.3", "titre_corps": "Gedanken über die Tonkünstler-Versammlung zu Dessau.", "titre_sommaire": "Gedanken über die Tonkünstler-Versammlung zu Dessau.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "196", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650624-01.1.4", "debut_caractere": 4638, "fin_caractere_exclue": 5051, "texte": "Gedanken über die Tonkünstler-Versammlung\nzu Dessau.\nI. Allgemeines.\nWir Dessauer haben das Glück gehabt, eine „Ton-\nkünstler-Versammlung, veranstaltet vom Allgemeinen deut-\n\n*) Wir kommen auf die Sinfonie von F. Hiller zurück.\n**) Von fremden Künstlern als Zuhörer beim Feste sind die\nHerren Volkmann aus Pesth und Golinelli aus Bologna, deren\nAnwesenheit mir erst jetzt bekannt geworden ist, nachzutragen.\nL. B."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "197", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650624-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5299, "texte": "sehen Musikvereine*, vom 25. bis 28. Mai inclusive in\nunseren Mauern zu haben. Wir nennen diesen Umstand\nein Glück, weil wir dadurch von der Furcht befreit wor-\nden sind, als werde durch die so genannte neudeutsche\nSchule der Geschmack an den alten Classikern und ihrem\nNachwüchse verdrängt werden können. In diese Furcht\nwaren wir durch das Geschrei in musicalischen Schriften\nund Recensionen über Werke jener Richtung gesetzt wor-\nden. Nun haben wir einen Theil solcher Werke selbst\ngehört und sind getröstet durch die Ueberzeugung, dass\ndies die Musik nicht ist, vor der die Alten zu zittern und\ndas Feld zu räumen haben.\nWenn wir annehmen dürfen, dass Förderung der\nMusik Zweck des deutschen Musikvereins ist, so wünschen\nwir ihm in diesem löblichen Streben alles Glück. Aber\ner wird diesen Zweck verfehlen, wenn er, anstatt bei den\nAlten anzuknüpfen und mit ihnen Hand in Hand zu gehen,\nverwegen und tollkühn über sie hinwegspringt, sie förm-\nlich ignorirt, sie todtschweigt und damit sagt: „Wir\nwollen von euch nichts mehr wissen; ihr steht auf einem\nüberwundenen Standpunkte.\" So ist wenigstens bei der\ndiesjährigen Versammlung verfahren worden. Unter den\ncirca vierzig Musikstücken, die in vier Concerten zur Auf-\nführung kamen, hatte man neben einigen allen Kirchen-\nliedern nur dem alten J. S. Bach mit einigen Orgelsätzen\nein Plätzchen eingeräumt; Gluck, Händel, Haydn, Mozart\nund Beethoven mussten schweigen. Ohne unseren Alt-\nmeister, Dr. Fr. Schneider, über die eben Genannten setzen\nzu wollen, so hätte doch Pietät und Klugheit gefordert,\ndass wenigstens von diesem etwas zu Gehör gebracht\nwurde, von ihm, der hier dreissig Jahre lang an Herstel-\nlung eines gediegenen Musikzustandes segensreich gewirkt\nund unter Anderem eine Capelle hinterlassen hat, mit der\nman die neuen halsbrechenden Wunderdinge ohne beson-\ndere Schwierigkeit ausführen konnte und den sein Herzog\nund die Bewohner unserer Stadt hochschätzen und mit\nStolz den Ihrigen nennen.\nAber freilich würden er und das grosse Sechsgestirn\nvon Gluck bis Beethoven mit ihren „Elephantenbeinen\"\ndas Meiste dieses mückenbeinigen Krims-Krams todt ge-\ntrampelt haben, und in so fern war es klug, diese Alten\ngar nicht in den Concertsaal zu lassen; die hätten doch\nnur Unfug angerichtet.\nHieraus geht genügend hervor, dass der fragliche\nVerein nicht „Förderung der Musik im Allgemeinen\" ver-\nfolgt, sondern nur seiner Musik zum Regimente verhelfen\nwill und zu dem Ende seine wandernden Casino's Propa-\nganda machen lässt. Aber auch diesen Zweck muss der\nVerein verfehlen, da seine Musik nicht die rechten Mittel\nanwendet. Zersprengung aller Form, wie in den neuen\nOuvertüren, Verwerfung der interessanten Fortspinnung\neines. Motivs und dafür Melodie an Melodie reihen, wie\nim Orpheus von F. Liszt, Anhäufung von Missklängen und\nungewöhnlicher Harmonieenfolge, wie in der Ouvertüre\nvon Berlioz—kann wohl eine neue, aber keine gute Musik\nhervorbringen. Wenn wir mit einem Musikkenner die\nComponisten in drei Kategorieen theilen, von denen die\neinen mit kleinen Mitteln Grosses, die anderen mit grossen\nMitteln Kleines, die dritten mit gewöhnlichen Mitteln Ge-\nwöhnliches erreichen, so rangiren die Vereins-Componisten\nmeistentheils in die zweite Kategorie; man darf da nur\nden 29. Psalm von Schulz-Beuthen und die Hunnenschlacht\nvon F. Liszt hören.\nMan schreie und schreibe für solche Herren noch so\nviel in die Welt hinein, Muster-Componisten werden sie\ndadurch doch nicht. An ihren Früchten sollt ihr sie er-\nkennen! Wir glauben und wünschen auch keinen Still-\nstand in der Kunst, sondern eine Fortbildung ohne Sprung,\nden es ohnehin in Kunst und Wissenschaft nicht geben\nkann. Aber noch fehlt der neue musiealisebe Messias, und\nwenn er kommt, so wird er auf einem ganz anderen Wege\neinherschreiten, als dem, den ihm der Musikverein vor-\nzeichnen möchte.\nZweckmässig und von seinem Standpunkte aus löblich\nist es, dass der Verein Werke neuer Componisten ans\nLicht bringt, vorausgesetzt, dass diese Componisten Mit-\nglieder des Vereins sind und in seinem Geiste schreiben.\nDies verdient von der classiscben Richtung Nachabmungl\nDie rheinischen Musikfeste z. B. sind bei ihrer lobens-\nwertben Vorführung der Werke unserer grossen Todten\nzu ausschliesslich gegen heranwachsende Talente, welche\ndurch diesen Missstand am Ende in das feindliche Lager\ngetrieben werden. Man beherzige dies!*)\nUnser hiesiges Publicum, inclusive Capelle, ist musi-\ncalisch conservativ, hat in dieser neuen Musikart keinen\nErsatz für die Alten, geschweige denn einen Fortschritt\nin der Kunst erblickt, und wünscht, dass die Zeit, wo diese\nMusik einmal herrschen könnte, in möglichst weiter Zu-\nkunft oder nie anbrechen möge.\n\n*) Der geehrte Herr Correspondent kann sich aus den Pro-\ngrammen der niederrheinischen Musikfeste in diesen Blättern über-\nzeugen, dass er in Beziehung auf seine obige Aeusserung sich im\nIrrthume befindet. Unsere Musikfeste haben seit 1818 neben den\nälteren Meisterwerken auch stets Compositionen von jedesmaligen\nZeitgenossen gebracht, und oft sogar solche, welche für das Fest\ngeschrieben waren und als Manuscript aufgeführt wurden. Jetzt\ngehören freilich ihre Verfasser auch zu den Todten. Wir nennen\ndavon nur von Ihrem Meister Friedrich Schneider „Das Welt-\ngericht\" 1821, „Die Sündflut\", Manuscript, 1824, „Vocalmesseu 1826/"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-06-24-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-06-24_01#c004", "volume": "bmtnabi_1865-06-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "198", "page_fin": "199", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650624-01.2.4", "titre_corps": "Das Musikfest in Braunschweig am 10., 11. und 12. Juni 1865.", "titre_sommaire": "Das Musikfest in Braunschweig am 10., 11. und 12. 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Ein solches Zusammenströmen obschon\nselbstverständlich in kleinerem Maassstabe als bei den\nniederrheinischen Musikfesten fand auch in dem durch\nseine liebenswürdigen, gemüthlichen Bewohner bekannten\nBraunschweig Statt, und wir müssen constatiren, dass\nwir daselbst keine nervenkranke Isolde erblicken konnten,\nderen Zustand dem Feste eine tragisch-declamatorische\nRichtung gegeben hätte. Auch vermissten wir durchaus\nnicht einen Abb6 mit symphonisch-dichterischen Klagen\nüber die weltliche Charakterlosigkeit, sondern wir freuten\nuns, einen wackeren deutschen Abt zu finden, welcher\nim Vereine mit anderen Capacitäten des lieben Braun-\nschweig beschlossen hatte, ein recht gesundes, deutsches\nMusikfest zu feiern. Dass diese Feier in der würdigsten\nWeise zu Stande kam, dafür gebührt den opferwilligen,\nden eigenen materiellen Nachtheil nicht beachtenden Män-\nnern von Herz und Geist, in deren Händen die geschäft-\nliche Leitung und cavaliere Repräsentation lagen, die un-\ngeteilteste Anerkennung. Es sind ausser Herrn Abt die\nHerren Adolph Schmidt, Dr. HansSommer, Eduard\nSchade, Voigtländer, Major Holland, v. Schmidt-\nPhiseldeck, von Unger und Andere, denen Braun-\nschweig hauptsächlich die künstlerischen Genüsse der letz-\nten Tage zu danken hat und die mit Recht im Hinblick\nauf bekämpfte Widerwärtigkeiten mit Goethe sagen dürfen:\n„ Herrlicher's ist nichts ersonnen;\nUns ist diese Schlacht gewonnen.\"\nAls Dirigenten fungirten der in Braunschweig beliebte\nwiener Hof-Capellmeister Herb eck, der braunschweiger\nAbt und der hannover'sche Fischer, letztere beiden\nauch Hof-Capellmeister. Am ersten Festtage eröffnete\nHerr Abt als Dirigent des schönen, sechsstimmigen Sanctus\naus der H-moll-Messe für Chor, Orchester und Orgel von\nJ. S. Bach die Feier, und wir erkannten freudig, dass der\nAbt den tiefen Bach nicht bloss gesehen, sondern sich darin\nauch gründlich gespiegelt hatte. Die Auffassung war in je-\nder Beziehung dem Geiste des Tonschöpfers entsprechend\nund gelangte auch durch die später zu charakterisirenden\nKräfte zu vollkommenster Wirkung. Das Hauptwerk des\nTages und auch des ganzen Festes war Händel's Oratorium\n„Samson\". Der verdienstvolle Biograph Händel's, Herr\nDr. F. Chrysander, hat dieses Werk in der Vorrede zur\nPartitur der deutschen Händel-Gesellschaft vom historischen\nGesichtspunkte aus zur Genüge beleuchtet, wesshalb es hier\nbei dem knapp zugemessenen Räume zu den Ueberflüssig-\nkeiten gehören würde, noch einmal diese helle Beleuch-\ntung zu reflectiren. Man denke sich dieses grandiose Ora-\ntorium nun von 171 Sopran-, 100 Alt-, 76 Tenor- und\n93 Bassstimmen, zusammen 440 Chorstimmen, wozu ein\nOrchester von 105 Mitwirkenden (Orgel, Ciavier, 21 erste\nViolinen, 16 zweite Violinen, 11 Bratschen, 12 Celli, 11\nContrabässe, 4 Flöten, 4 Oboen, 4 Clarinetten, 4 Fagot-\nten, 7 Hörner, 4 Trompeten, 3 Posaunen, 1 Paar Pauken,\n1 Tuba) kommt, ausgeführt. Um den eigensten Intentionen\nHändel's gerecht zu werden, hatte man in der zum voll-\nständigen Concertsaale umgewandelten Egydienkirche, de-\nren Resonanz in der That eine gewaltige ist, eine vom\nMusik-Director und Orgel-Inspector Herrn Selmar Müller\nin Wolfenbüttel entworfene und vom Orgelbaumeister\nEuler (Firma Gebrüder Euler) aus Gottsbüren in Kur-\nhessen in der vorzüglichsten Weise angefertigte Orgel mit\n24 Stimmen aufgestellt, welche sich in den mächtigen\nChören von imposanter Wirkung erwies. Ausserdem wur-\nden die Recitative mit Flügelbegleitung ausgeführt, da\nHändel für dieselben ausdrücklich Clavicembalo-Accom-\npagnement vorgeschrieben hat, und auch in einigen En-\nsemblestellen vereinte sich der Flügelton mit den kräftigen\nChor- und Orcbestermassen aus Halberstadt, Hildesheim,\nQuedlinburg, Wolfenbüttel, Braunschweig, Hannover,\nDetmold u. s. w., ohne von letzteren erdrückt zu werden,\nwas man als einen schlagenden Beweis für die vortreff-\nliche Bauart und Klangausgiebigkeit der Flügel-Instrumente\n\n„Das verlorene Paradies\", Manuscript, 1827, „Der 24. PsalmM 1828a\nsechs Nummern aus dem nWeltgerichte\" 1834, von C. M. von\nWeber „Kampf und Sieg 1822 und 1823, von L. Spohr „Die\nletzten Dinge\", Manuscript, 1826, „Vater unser\" 1840, F. E*\nFesca „Der 103. Psalm\" 1824, Ferd. Ries „Sinfonie in jEsu,\nManuscript, 1825, „Sinfonie in F-duru und „Der Sieg des Glaubens\"\n1829, „Die Könige in Israel\", Manuscript, 1837, „Sinfonie in C-molla\n1838, zwei neue Ouvertüren, Bernh. Klein „Jephta\" 1828,\n„David\" 1841, F. Mendelssohn „Fest-Ouverture\", Manuscript\n(ist nicht gedruckt worden), 1833, „Paulus\", Manuscript, 1836, „Der\n42. Psalm\" 1839, „Lobgesang\" 1842, „Walpurgisnacht\" 1845,\nJ. Rietz zwei neue Ouvertüren, Reissiger „Psalm\", Manu-\nscript, 1843, G. Onslow „Sinfonie\" 1847 u. s. w. Und dieses\nYerzeichniss geht nur bis 1847! Nach der Wiederaufnahme der Feste\nim Jahre 1851 begegnen wir häufig den Namen Rob. Schumann,\nFranz Lachner, Ferdinand Hiller, ja, sogar Berlioz und\nLiszt (1857)1 Allein Proben mit Erstlings-Compositionen u. s. w.\nzu machen, dazu darf ein Institut, wie das niederrheinische Musik-\nfest, nicht übergehen; einen Gesangchor von 600 Personen und ein\nOrchester von den tüchtigsten Künstlern darf man nicht mit Ver-\nsuchen beschäftigen: das müssen wir Instituten überlassen, die be-\nsonders zu diesem Zwecke gegründet werden sollten. Wir glaubten,\ndass der „Tonkünstler-Verein\" dazu Bahn brechen würde: es scheint\naber, dass allzu einseitige Grundsätze bei der Auswahl der Compo-\nsitionen vorherrschen, um der Sache einflussreichen Erfolg zu ver-\nschaffen! Die Redaction."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "199", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650624-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2025, "texte": "aus der Fabrik der Herren Steinweg und Söhne in Braun-\nschvveig und New-York ansehen kann. Wenn wir noch\nanführen, dass die Soli von der genialen Frau Dust mann\n(Sopran), von Fräulein Bettelheim, welche vielleicht\nunter allen Sängerinnen die schönste Altstimrae besitzt und\ndabei durch und durch musicalisch ist, von dem köstlichen\nTenoristen Walter mit seiner vortrefflichen Ausbildung\nO\ndes Ueberganges von der Bruststimme in die Kopfstimme\n(alle drei Genannten aus Wien), und endlich von dem Ora-\ntoriensänger Hill aus Frankfurt mit seinem markigen\nTone und seiner edlen Vortragsweise ausgeführt wurden,\ndann wird man uns wohl glauben, dass der ganze Ton-\nkörper trefflich geeignet war, das Händel'sche Werk nach\nallen Seiten hin zur Geltung zu bringen, zumal er durch\ngewandte und sichere Direction des Herrn Herbeck aus\nWien Seele und Leben erhielt. In ein paar Chören hätte\nvielleicht ein gemässigteres Tempo noch vortheilhaftere\nWirkung erzielt, weil die schon erwähnte ausserordent-\nliche Resonanz der Tonhalle für langsamere Ausführung\nder Tonfiguren von Massen geeigneter sein dürfte, obwohl\ndas Zeitmaass an sich Händel's Intentionen nicht entge-\ngenstand. Auch hätte wohl an einigen Stellen das Ciavier\nund nicht die Orgel nach Angabe Chrysander's eintreten\nmüssen. Im Ganzen betrachtet, war die Aufführung eine\nsolche, dass wir dieselbe mit Freuden als die erste, den\neigensten Intentionen Händel's entsprechende in „ Mittel-\ndeutschland\" begrüssen dürfen; und bei späteren „mittel-\ndeutschen Musikfesten\" wird man sich gewiss noch der\nBegeisterung erinnern, die von Seiten des Publicums dem\ntonscböpferischen Riesen Händel und dessen tüchtigen In-\nterpreten gezollt worden ist, unter denen die wackeren\nChöre mit den frisch und hell klingenden Sopranstimmen\nund den vollen und weichen Altstimmen besonders er-\nwähnt werden müssen. In den Männerstimmen leistete man\nim Ganzen zwar recht Tüchtiges, doch dürfen einige un-\ngenaue Einsätze und überstürzte Melodie-Phrasen nicht\nverschwiegen werden.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-06-24-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-06-24_01#c005", "volume": "bmtnabi_1865-06-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "199", "page_fin": "200", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650624-01.2.5", "titre_corps": "Wagner’s Tristan und Isoide in München", "titre_sommaire": "Wagner’s Tristan und Isoide in München", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "199", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650624-01.1.7", "debut_caractere": 2027, "fin_caractere_exclue": 6792, "texte": "Wagner’s Tristan und Isoide in München\n*).\nIn jedem Falle muss man anerkennen, dass die Aufführung die-\nser Schöpfung (am 10. und 13. Juni) eines der bedeutendsten Mo-\nmente in der Kunst- und Culturgeschichte abgibt. Die Physiologie\nkann sich nach diesem Ereignisse einen zuverlässigen Maassstab\nbilden, was heutiges Tages menschliche Lungen, Kehlen, Ohren und\nNerven zu ertragen fähig sind; für den Psychologen entspringt\ndaraus eine Lehre, bis wie weit sich der Wahn zu versteigen ver-\nmag; die hier betheiligte Kunst aber erhält jetzt sichere und wich-\ntige Aufschlüsse über ihr Wesen und ihre Bestimmung. Es ist uns\njetzt aus eigenem Hören und Sehen bekannt, was alles der Deutsche\naus seiner Musik gemacht hat, und wir dürfen mit gutem Grunde\nan unsere lieben componirenden Landsleute die inständigste Bitte\nrichten, es ja nicht noch ein Mal, wenigstens nicht in solcher Form\nund Weise, zu zeigen; wir wollen gern auf das „Höchste und Tiefste\nder Kunst Verzicht leisten, wenn es sich schlechterdings nur in\ndem Stile einer Tristan-Melodik kundgeben kann.\nJedenfalls ist es von grossem Gewicht, dass sich nun das viel\nberufene Problem zu einer Lösung gebracht hat. Eine ganz eigen-\ntümliche Gestaltung der Verhältnisse musste es fügen, dass dieser\ndenkwürdige Act sich in den Mauern einer Stadt vollzog, die wohl\nals deutsche Metropole für die bildenden Künste weithin berühmt,\ndoch in der Musik, ungeachtet trefflicher Mittel und Leistungen,\nbisher keine hervorragende Rolle gespielt hat. Und an diesem Orte,\nder so wenig Sympathieen für die extreme Richtung der neuen Ro-\nmantik bezeigt, dass er sich sogar noch abwehrend gegen die Stil-\nweise Schumann's verhält, an diesem Orte hat zufälliger Weise die\nZukunftspartei ihren letzten Haltpunkt gewonnen. Auf deinem Thea-\nter ist das Werk mit einer Vollendung, einem Aufwände an Fleiss\nnnd Mitteln unter der Leitung seines Schöpfers selbst aufgeführt\nworden, dass das Urtheil sich ganz frei von allen Bedingungen hin-\nstellen darf. München hat gesprochen, und sein Wort hat bewiesen,\ndass die Zukunftsrichtung in ihren letzten Consequenzen in der\nThat eine Zukunft, aber wohlgemerkt nur für München und sein\nWeichbild, besitzt. Das Publicum applaudirte nicht nur\nfrenetisch, sondern rief den Schöpfer des Werkes während des\nAbends volle vier Mal, Wagner, den es noch wenige Tage zuvor\ninsultiren wollte und während des ganzen Winters auf alle Weise\nmaltraitirt hatte, und Wagner war liebenswürdig genug, drei Mal\nzu erscheinen. Die zweite Vorstellung hatte in der That den Aus-\nschlag gegeben, denn bei der ersten Aufführung hatte der Vater der\nIsolde nicht gewagt, seine Tochter ohne eine Ausstattung von mehr\nals 300 Billets dem Publicum vorzustellen ; am zweiten Abende da-\ngegen hörte man nur von 50 der Universität zugeschickten Frei-\nkarten ausser dem grossen Zins, den Tristan seinen zahlreichen\nGönnern entrichten muss. Desshalb vielleicht zeigte das Haus bei\nder zweiten Vorstellung grosse Lücken. Man war am Abende der\nersten Vorstellung stutzig über das mässig besetzte Parterre und die\nfast leere Galerie, die sich erst während des Stückes einiger Maas-\nsen füllte. Diesen Umstand erklärte am nächsten Tage ein Gerücht\nvon einer eigenthümlichen Demonstration gegen Bülow, welche an\njenem Abende beabsichtigt war; die Polizei war davon zu rechter\nZeit benachrichtigt worden.\nMan kann die Stimmung und die Zustände vor der Aufführung\nin München mit der Zeit der Gluckisten und Picinisten in Paris\nvergleichen: in einem Punkte jedoch hält der Vergleich mit jener\npariser Musik-Revolution nicht Stich. Die Gluckisten und Anti-\nGluckisten blaguirten um die Wette, schlugen sich im Theater,\nschimpften und pfiffen sieh aus, aber von einer eigentlich gemaass-\nregelten Vorstellung wird uns aus jenen Tagen nichts berichtet, und\nnie haben die Franzosen der königlichen Loge den Applaus\nabgelauscht. Es hat eben jedes Land seine eigenen Sitten.\nIn Bezug auf die Musik heisst es unter Anderem: „Und bei\nalledem ist diesem so widerwärtigen Werke der Stempel einer un-\ngewöhnlich genialen Kraft aufgedrückt. Manche Sätze und Accente\nvon grosser Schönheit strahlen wie freundliche Sterne mit hellem\nGlänze aus dem finstern Ton-Chaos hervor und erwecken ein schmerz-\nliches Bedauern, dass ihr Schöpfer, durch die Sucht nach Origina-\n\n*) Da unser Correspondent ad hoc aus Gründen, bei denen die\nGemüthlichkeit aufhört, nicht vier Wochen lang in München auf die\nendliche Erscheinung „Tristan's\" warten mochte, so entnehmen wir\ndem Berichte des Herrn E. Schelle in der „Presse\" diejenigen\nNotizen, welche vorzugsweise die äusseren Umstände bei der Auf-\nführung betreffen, da wir über den Inhalt des Buches bereits in. Nr.\n24 des Jahres 1859 und in Nr. 1 des Jahres 1861 ausführlich ge-\nsprochen haben. Die Redaction."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "200", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650624-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1824, "texte": "lität verführt, sich von dem reinen Ideale seiner Kunst abwandte.\nDer Kenner, wenn er der Gerechtigkeit die Ehre geben will, muss\ngestehen, dass die Partitur des Tristan, abgesehen von ihrer ver-\nwerflichen Richtung, mit Fleiss und Liebe gearbeitet, dass sie ihrer\ngesammten Factur nach ein Meisterwerk ist. Der Dichter in Wagner\nlii -n\nhat den Musiker verdorben; dem Dichter, diesem erzschlechten la-\ntron, haben wir es zu danken, dass der Meister, der vielleicht dazu\nberufen war, dem deutschen Musik-Drama seine natürliche, nationale\nForm zu geben, uns am 10. Juni einen kranken Tristan zusandte,\nder im besten Falle den Zins in baarer Langeweile zahlt.\"\nDer Schluss des Artikels lautet: „Um so mehr verdienen die\ndarstellenden Künstler die höchste Anerkennung, die ihre Kraft an\nein so undankbares Werk verschwenden mussten. Namentlich traten\ndie Leistungen des Schnorr'schen Ehepaares (Tristan und Isolde)\nmit wahrhaft glänzender Vollendung hervor; ihm stand Herr Mit-\nterwurzer (Kurwenal) in gesanglicher Beziehung ebenbürtig zur\nSeite, wenngleich er im Spiele mitunter etwas übertrieb; Herr Zott-\nmayer konnte der pitoyablen Figur des Königs Marke nicht ge-\nrecht werden, den Vorzug einer deutlichen Aussprache muss man\naber diesem Künstler nachrühmen. Fräulein Dein et war endlich\nals Brangäne eine liebenswürdige Erscheinung. Das Orchester wett-\neiferte unter der bewundernswerten Leitung Bülow's mit den\nSängern an Fleiss und gutem Willen, und die Direction hatte für\neine glänzende, stilvolle Ausstattung gesorgt, die einer besseren\nSache werth war.\n„Sollte auch das Erdenwallen Tristan's kurz sein: brillant we-\nnigstens ist es gewesen, und mit Zins hat wahrlich der Held be-\nlahlt, was er gekostet; denn er hat den Münchenern die Wonne\neiner „„Welten-entronnenen Entrücktheit\"\", eine unzahlbare Wonne,\nbereitet."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-06-24-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-06-24_01#c006", "volume": "bmtnabi_1865-06-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "200", "page_fin": "200", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650624-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "200", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650624-01.1.8", "debut_caractere": 1826, "fin_caractere_exclue": 6107, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nDas fünfte mittelrheinisch-e Musikfest findet zu Mains\ndurch die verbündeten Gesangvereine der Städte Darmstadt, Mainz,\nMannheim und Wiesbaden u. s. w. am Sonntag den 2. und Montag\nden 3. Juli in der grossen Fruchthalle Statt, unter Mitwirkung von\nFräulein Melitta Alvsleben von Dresden und Philippine von\nEdelsberg von München, und der Herren Karl Hill von Frank-\nfurt, Gustav Walter von Wien, Franz Weber von Köln (Orgel)\nund August Ruff von Mainz, mit einem Chor von 800 Sängerin-\nnen und Sängern, einem Orchester von 140 Personen und mit Be-\ngleitung der von den Gebrüdern Ibach zu Bonn erbauten Orgel,\nunter Leitung des Capellmeisters Herrn Friedrich Lux von Mainz.\nI. Sonntag, 2. Juli, Vormittags lO1/? Uhr: Ouvertüre zur „Zau-\nberflöte\" und „Judas Maccabäus\" von Händel. Nachmittags Fest-\nfahrt auf dem Rheine. IL Montag, 3. Juli, Nachmittags 2*/2\nUhr: 1) Pastoral-Sinfonie von L. van Beethoven; 2) Adoramus te\nvon Palestrina und Jesu dulcis memoria von Vittoria (a capella)\\\n3) Arie aus der „Zauberflöte\" (Herr G. Walter); 4) 63. Psalm für\nFrauenstimmen mit Begleitung von Harfen, Hörnern und Orgel von\nFranz Lachner; 5) Lobgesang, Sinfonie-Cantate von Felix Mendels-\nsohn-Bartholdy. Preise der Plätze: a) für beide Concerte: Bal-\ncon-Loge 7 Fl., Sperrsitz 5 Fl., Seiten-Loge 3 Fl. 30 Kr.; b) für\nein Concert: 4 FL, 3 FL, 2 FL, Stehplatz 1 FL; c) zu den Haupt-\nproben: Sitzplätze 1 FL, Stehplätze 30 Kr.\nDmtzig, 30. Mai. Zur Berichtigung der auf Seite 119 des\n13. Jahrgangs enthaltenen Mittheilung in Betreff der J. S. Bach*-\nschen Passionsmusik nach dem Evangelisten Johannes diene Fol-\ngendes: Dieses Werk ist am Charfreitage 1841 (oder 1842) beim\nGottesdienste in der Johanniskirche zu Danzig von mir aufgeführt\nworden. Vermuthlich hat Herr v. Wasielewski, ein geborener Dan-\nziger, mir persönlich befreundet und damals hier noch weilend, da-\nbei im Orchester mitgewirkt und dadurch den ersten Impuls bekom-\nmen, später sie in Bonn aufzuführen. Ludwig Granzin, Organist\nund Musik-Director zu St. Johann.\n* Darmstaflt, 22. Juni. Se. K. Höh. der Grossherzog von\nHessen hat dem Hof-Capellmeister L. Schlösser „in Anerkennung\nseiner vorzüglichen Leistungen in allen Zweigen der Tonkunst und\ndes rastlosen Diensteifers in der Hofcapelle\" das Ritterkreuz erster\nClasse vom Orden Philipp's des Grossmüthigen zu verleihen geruht.\nHerr Otto Kade, Dirigent des Schlosschores in Schwerin, ver-\nöffentlicht in Nr. 39 der „Wissenschaftlichen Beilage der Leipziger\nZeitung\" einen Aufsatz über Johann Walther's „erstes vierstimmiges\nprotestantisches Choralbuch vom Jahre 1524\". Es ist dem Verfasser\ngelungen, dasselbe wieder vollkommen herzustellen, und er fordert\nzur Neu-Herausgabe desselben auf, wozu das dreihundertjährige\nKünstler-Jubiläum des Altmeisters, welches in das nächste Jahr\nfällt, die passendste Veranlassung bietet.\nDas alle drei Jahre wiederkehrende Musikfest zum Anden-\nken an Händel findet im Krystallpalaste zu Sydenham am 26,,\n28. und 30. Juni unter der Anordnung der Sacred Harmonie So-\nciety und der Direction von Costa Statt. Die Tonbühne, im Durch-\nmesser doppelt so gross als der Raum in der Paulskirche, ist mit\nbesonderen akustischen Vorrichtungen .gebaut. Mitwirkende: 4000\nPersonen. Aufführungen: I. Der Messias. 11. Selection (Auswahl\naus Händel'schen Werken). 111. Israel in Aegypten. Solisten:\nAdelina Patti, Frau Rudersdorf, Lemmens-Sherrington,\nParepa, Sainton-Dolby; die Herren Sims Reeves, Cum-\nmings, Weiss, Santley, Schmidt (von Wien). Organist Herr\nBrownsmith. Numerirte Plätze für die drei Tage: 3 und 21/ i\nGuineas; für den einzelnen Tag 25 Shill. und 1 Guinea.\nAm 21. vor. Mts. ist das neue Theater in Stockholm ein\nRaub der Flammen geworden. Die Intensität des Brandes und die\nRaschheit, mit welcher er um sich griff, waren solcher Art, dass es\nnicht möglich war, das Feuer zu bewältigen. Zuschauer waren\nglücklicher Weise nicht mehr im Hause, aber in den Coulissen be-\nfanden sich noch einige Personen, welche nur mit grosser Mühe\nsich retten konnten. Eine Schauspielerin sprang im ersten Momente\ndes Schreckens aus dem Fenster und erlitt mehrere Quetschungen.\nMan glaubt, dass sich das Gas entzündet habe und dadurch der\nBrand verursacht worden sei. Das Theater war ein hölzernes Ge-\nbäude. . . 1 \" \" ! : '"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "193", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650624-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDas 42. niederrheinische Musikfest. 111. Gedanken über die Tonkünstler-Versammlung zu Dessau. I. Allgemeines.\nDas Musikfest in Braunschweig am 10., 11. und 12. Juni 1865. Von Dr. Oscar Paul. Wagner's Tristan und Isolde in München.\nTages- und Unterhaltungsblatt (Mainz, das fünfte mittelrheinische Musikfest Danzig, Berichtigung Darmstadt, Ordensver-\nleihung Johann Walther's Choralbuch Musikfest zu Sydenham Stockholm, Theaterbrand).\n\nDas 42. niederrheinische Musikfest.\nIII.\n(I. s. Nr. 23. 11. Nr. 24.)\nDas Concert am zweiten Festabende hatte die Namen\nHaydn, Beethoven, Schumann auf seinem Pro-\ngramme, und von Jedem Compositionen, die zu den besten\ngehören, die sie geschrieben haben. Die Auswahl war\nalso eine vorzügliche, das Programm ein glänzendes. Und\ndennoch zeigte es sich im Verlaufe des Abends, wie\nschwierig es ist, den rein künstlerischen und den prakti-\nschen Forderungen an ein Musikfest-Programm zugleich\nzu genügen. Denn trotz des tiefen Gehalts, oder vielleicht\ndurch den tiefen Gehalt von Werken wie Beetboven's Co-\nriolan-Ouverture, Schumann's Musik zu Scenen aus Faust\n*\n(dritte Abtheilung) und Beetboven's Sinfonie in\nwelche den ersten Theil des Concertes füllten, war dieser\nerste Theit zu lang und die Spannung der Zuhörenden\nund theilweise auch der Ausführenden so sehr in Anspruch\nnehmend, dass dies dem zweiten Theile, in welchem der\n„Sommer\" und „Herbst\" aus Haydn's „Jahreszeiten\" zur\nAufführung kam, offenbar Abbruch that.\nDas Orchester feierte an diesem zweiten Festtage sei-\nnen Triumph; der Chor erreichte hingegen die Höhe\nnicht, welche er am vorigen Tage behauptet hatte, was\nfreilich zum Theil auch an den Vocal-Compositionen des\nzweiten Abends lag, welche der erhabenen Grösse und\nüberwältigenden Macht von Händel's Chören nicht gleich\nkommen, von denen ewig gelten wird: „Das hören die\nVölker und sind erstaunt.\"\nGleich die Eröffnung des Concertes durch Beetboven's\nOuvertüre zur Tragödie „Coriolan\" war eine vorzügliche\nLeistung des Orchesters. Beethoven hat sie im Jahre 1807,\neinem der fruchtbarsten an Meisterwerken Sinfonie in\nB-dur, die drei Violin-Quartette, Op. 59—, geschrieben,\nzu dem „Coriolan\" von H. Jos. von Collin (f 1811), dem\ner dadurch zu einer Unsterblichkeit verholfen hat, indem\ndie freilich mehr rhetorischen als wirklich dramatischen\nWerke dieses Dichters der Vergessenheit anheim gefallen\nsind, was sie indess namentlich sein „Regulus\"—nicht\nin demselben Maasse verdienen, wie manche neuere, nur\ndurch kritische Gevatterschaft über der Flut gehaltene\nDramen. Beethoven's Ouvertüre ist eine von den wenigen\nTrauerspiel-Ouverturen, welche den Zuhörer wirklich in\ndie Stimmung versetzen, welche das bestimmt bezeichnete\nDrama verlangt; wie erweckt nicht der Anfang die Vor-\nstellung von aristokratischem Trotze, wenn die gerissenen\nAccorde nach den gehaltenen Noten krachen, als wenn\nBiesenarme Eichenzweige vom Stamme brächen! Wir\nempfinden sogleich, hier sei Biegen oder Brechen die Lo-\nsung. Und dann wieder die süssen Melodieen, welche von\nVersöhnung und Liebe sprechen, und zuletzt der Schluss\nmit dem verhallenden Hauptmotiv, mit dessen Tönen der\ngrollende Trotz schwindet. Die Ausführung war vortreff-\nlich; besonders zeichneten sich die Violoncelli durch den\nVortrag der bekannten schwierigen Figurenreihe aus.\nAuf diese Ouvertüre folgte die dritte Abtheilung von\nSchumann's Musik zu Scenen aus Goethe's Faust.\nUnsere Zeitung hat sich schon früher in verschiedenen\nAufsätzen über die Composition von Schumann's Faust-\nScenen ausgesprochen.\nDie dritte Abtheilung bildet für sich ein geschlossenes\nWerk, was Schumann selbst dadurch anerkannt hat, dass\ner „für die Aufführung der einzelnen dritten Abtbeilung\neinen längeren einleitenden Anfang und einen grösseren\nzweiten Schlusschor\" geschrieben hat. Sie enthält die Scenen\nim Himmel, welche die Tragödie schliessen. Die Anacho-\nreten bilden den Uebergang in die jenseitige Welt; es ist\nein Gang durch Waldung und Schlucht mit mildem Ge-\nsänge, in welchem die einzelnen Stimmen gleichsam einan-\nder zeigen, was sie schauen. Die Gestalten der drei heili-\ngen Patres, die der Dichter dann aus den himmlischen"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "194", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650624-01.1.2", "texte": "Chören hervortreten lässt, bringen poetische Mittelglieder\nund Steigerungen, welche der Componist zu musicalisch\nschönen Ruhepunkten und Gegensätzen im drängenden\nGetriebe der Chöre benutzt und dabei sein grosses Talent\nfür charakteristische Declamation bewährt hat. Darauf\nfolgt der grosse Chor der Engel: „Gerettet ist das edle\nGlied\", während sie, „schwebend in der höheren Atmo-\nsphäre, Faustens Unsterbliches tragen\"; das Ganze bildet\nein Gesammtstück, in dessen energischen Hauptsatz die\nanmuthigen Gesänge der jüngeren Engel und der seligen\nKnaben theils durch einzelne und vereinte Solostimmen,\ntheils durch Halbchöre auf reizende Weise verflochten\nsind. Der Doctor Marianus, unter dessen Hülle Goethe\nden verklärten Faust einführt, erscheint in Schumann's\nTönen in milderer, wärmerer Verklärung, als beim Dich-\nter; namentlich hat Schumann's Musik den Satz: „Dir, der\nUnberührbaren, ist es nicht benommen\", aus seiner pro-\nsaischen Verständigkeit zu melodisch edlerer Gestalt em-\nporgehoben.\nDer dramatische Schlussist die Versöhnung des\ntor Marianus (Faust) mit der (Gret-\nchen) durch die Mater gloriosa.Mit dem hinzutretenden\nChor seliger Knaben bildet Gretchens Gesang und das\nsich aufschwingende, in langsamen Halbtönen steigende\nGebet Faust's, der ihr und der Maria folgt, einen sehr\nschönen, olfenbar wiederum den Text zu Höherem ver-\nklärenden Schluss. Ihm schliesst sich dann der „mystische\nChor\": „Alles Vergängliche ist nur ein Gleichniss\", an,\naus dem Schumann ein grossartiges musicalisches Finale\ngemacht hat, das freilich neben den wirklichen Schönhei-\nten manches Seltsame enthält. Ueberhaupt können sich in\nBezug auf das ganze Werk gegen die Auffassung nicht\nnur des Einzelnen, sondern ganzer Theile gewichtige Be-\ndenken regen. Wenn wir uns aber auf den Standpunkt\ndes Componisten stellen und seine individuelle Auffassung\neinmal gelten lassen, was er beanspruchen kann, so reisst\nuns die Durchführung dieser Auffassung durch ihren mu-\nsicalischen Werth über jene Bedenken hinweg, und wir\nerkennen in dieser Musik, namentlich in der dritten Ab-\ntheilung, das Schaffen eines Genius, der die Erinnerung\nan den Heros der neueren Musik, an Beethoven in seinen\nletzten Werken, in uns wach ruft.\nDie Ausführung dieser Musik hat ihre grossen Schwie-\nrigkeiten. Sie wurden im Ganzen mit Glück überwunden,\nwenn auch Einzelnes theils präciser, theils ausdrucksvoller\ngewünscht werden konnte. Die Chöre: „Waldung, sie\nschwankt heran\", und: „Gerettet ist das edle Glied\",\nmachten grossen Eindruck durch Sicherheit und Vortrag,\nwie denn überhaupt der Fleiss, mit welchem die eigen-\ntümliche Musik studirt war, alles Lob verdient. Von klei-\nneren Ensemblestücken, in denen Fräulein Pauline Wie-\nsemann die erste Sopranstimme sang, klangen das Alle-\ngretto: „Jene Rosen\", und der Chor seliger Knaben recht\nhübsch. Frau Lern mens fand in den wenigen Tacten der\nPartie des Gretchen keine Gelegenheit, sich auszuzeichnen,\neben so wenig die Herren Walter und Stägemann,\ndie übrigens ihren Pater ecsta„auf- und abschwe-\nbend\" und Pater profundus „in der tiefen Region\" ganz\n„strack\" zur Geltung brachten. Begünstigter vom Compo-\nnisten ist der Pater Seraphicus und der Doctor Marianus,\nbeide dem Bariton zugelheilt und von Herrn Stockhau«\nsen in so ausgezeichnet schöner Weise gesungen, dass\nsein Vortrag die Gesänge dieser halb irdischen, halb himm-\nlischen Wesen zu wunderbar ergreifenden gemacht haben\nwürde, wenn ihre Melodieen auch'nicht so schön wären,\nwie sie wirklich sind. Es vermählt sich bei diesem Sänger\nein gewisser sinnlicher Reiz der Stimme, der noch ein-\nschmeichelnder geworden, als er schon früher war, mit\ndem geistigen Wesen des Tones, welches weder durch ein\nVibrato, das überhaupt nie diese Wirkung erzielen kann,\nnoch durch einen Missbrauch der messa di voce, noch\ndurch eine affectirte Accentuation an die falschen Mittel\nerinnert, durch die andere Sänger einen höheren Ausdruck\nerzielen wollen, sondern allein durch die methodische Er-\nzeugung, Bildung und Aushauchung des Tones hervorge-\nbracht wird, vermöge deren dieser Ton durch die Kunst\ndem Willen des Sängers unterthan gemacht worden ist\nund die jedesmalige Färbung annehmen muss, welche\nGeist und Seele diesen wesenlosen und doch lebendigen\nStoff auszustrahlen zwingen. Diese Kunst ist aber Stock-\nhausen zur anderen Natur geworden; das ist freilich ohne\nangeborenes Talent nicht möglich: aber wie viele stimm-\nbegabte Kunstjünger vergeuden nicht heutzutage die Gabe\nder Mutter Natur auf unverantwortliche Weise, und wie\nwenige haben auch nur eine Vorstellung von dem Ge-\nsänge, dessen künstlerisches Ziel wir so eben anzudeuten\nversuchten! Mit wahrer Freude haben wir daher vernom-\nmen, dass Herr Stockhausen in Hamburg eine Gesang-\nund Musikschule gründen will, die er bereits am 1.\nSeptember d. J. eröffnen wird; es muss der Kunst zum\nunendlichen Vortheile gereichen, wenn ein solcher Meister\nsich entschliesst, eine Schule zu bilden, welche seine\nGrundsätze weiter trägt.\nFragt man uns nun nach dem Eindrucke von Schu-\nmann's Faustmusik auf das Publicum, so darf ein gewis-\nsenhafter Berichterstatter nicht verschweigen, dass sie\ndurch Einzelnes allerdings sichtbar wirkte, im Ganzen aber\nnicht in dem Maasse die Zuhörerschaft erregte, wie wir\nes in Erinnerung an die Aufführung des vollständigen\nWerkes am 14. Januar 1862, welche die erste in Deutsch-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "195", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650624-01.1.3", "texte": "land war, erwartet hatten. Freilich wirkten dieses Mal\nauch äussere Umstände ungünstig ein, vor Allem die wirk-\nlich kaum erträgliche heisse Temperatur im Saale und\nder Nachklang der grossartigen Aufführung des vorigen\nTages; Beides wirkte in der That abspannend, so dass\nauch das zweite Vocalwerk dieses Abends, die sonst immer\nzündenden „Jahreszeiten\" von Vater Haydn, von de-\nnen „der Sommer\" und „der Herbst\" aufgeführt wur-\nden, man möchte sagen, nur einen Succes d'estime davon-\ntrugen und fast nur durch die Sologesänge (Frau Lem-\nmens und die Herren Walter und Stockhausen) das\nPublicum zu lebhaftem Beifalle anregten.\nNur Beethoven's VII. Sinfonie bekämpfte sieg-\nreich sowohl die Erinnerung an „Israel in Aegypten\" als\ndie Schwüle der Temperatur, die in der That in ein Ge-\nwitter ausbrach, d. h. in den Donner des Applauses, den\ndie vortreffliche Ausführung nach jedem Satze hervorrief.\nIhr gebührte die Palme des Abends, welche das Orchester\nund der Dirigent zu theilen hatten, denn wie Ferdinand\nHiller seine geistvolle und poetische Auffassung der Beet-\nhoven'schen Sinfonieen von Neuem glänzend bewährte, so\ngenau, ausdrucks- und schwungvoll führte auch die Künst-\nlerschar im Orchester die Intentionen des Meisters aus.\nFreilich meint der musicalische Referent des\nBruzelles, dass diese Sinfonie „eben kein Meisterstück\nBeethoven's sei\"; allein derselbe hat auch bei der Auffüh-\nrung von Händel's „Israel\" in dem Chor: „Dasßoss und\nden Reiter\", „un certain desordre qu'il fallait dans les\nmouvementsu („eine gewisse Unordnung in den Tempo's\")\nvermisst und nennt jenen schwungvoll erhabenen Lobge-\nsang „une tempete\nDas dritte Fest-Concert begann mit der Ouvertüre\nzur „Zauberflöte\" von W. A. Mozart. Das unsterbliche\nWerk, welches in seinen wenigen Tacten mehr Genie und\nmehr musicaliscbes Wissen und Können enthält, als manche\nfaustdicke Partitur anderer Musiker, wurde vorzüglich gut\nausgeführt, das Tempo natürlich nicht übereilt, wie das\nbei Hiller nie zu befürchten ist, und jede feine Schattirung\nberücksichtigt. Nur ein einziges Mal waren Flöte und Fa-\ngott im Ausdrucke des Ligatonicht ganz einverstanden. Be-\nsondere Erwähnung verdient die mässige Betonung des\nSforzando des vierten Viertels in den Pianostellen, woge-\ngen so oft durch ein zu scharfes Einbauen gefehlt wird.\nAuf die Ouvertüre folgte der herrliche Vortrag der\nTenor-Arie: „Dies Bildnissist bezaubernd schön\", durch\nHerrn Walter von Wien, der im zweiten Theile des\nConcertes auch noch zwei Lieder von Rubinstein und\nSchumann mit grossem Beifalle vortrug.\nFernere Solo-Gesangvorträge boten Frau Lemmens-\nSherrington und Herr Julius Stockhausen. Die\ngenannte Künstlerin entfaltete in einer Arie mit obligater\nFlöte aus Händel's Allcgro e Pensieroso („Der Frohsinnige\nund Schwermüthige\") eine ganz ungemeine technische\nFertigkeit in trefflichem Triller und colorirtem Gesänge,\nin Figuren aller Art, welche ihr rauschenden Beifall ge-\nwannen, obwohl die Composition kalt Hess und man sich\nam Ende trotz der Bewunderung doch verwundert fragte,\nwas man denn eigentlich gehört habe? Noch mehr Enthu-\nsiasmus erregte sie und mit Recht, wiewohl es nur ein\nKunststück ist, Yiolinsachen zu singen, das die Catalani\naufgebracht, die Sontag und Andere mit Glück nachge-\nahmt haben durch die Variationen von Rode, wobei\ndie berühmte Künstlerin im Vortrage des Thema's einen\nschönen, vollendet künstlerisch gebildeten Ausdruck und\nin den Variationen ein sicheres Spiel mit allen stets leicht\nansprechenden Tonfiguren bekundete.\nHerr Stock hausen wiederholte auf den Wunsch\neines grossen Theiles der Zuhörer mit Herrn Stägemann\ndas heroische Duett aus Händel's „Israel\", natürlich unter\ndemselben Jubel des Publicums, wie am ersten Tage.\nAusserdem entzückte er durch den Vortrag zweier Lieder\naus Tieck's Magelone von Johannes Brahms, wobei die\nBemerkung, die wir bei seinem Vortrage der Partieen in\nSchumann's „Faust\" machten, sich bewahrheitete: sein\nGesang verklärte die Compositionen, die uns an und für\nsich nicht besonders zusagen konnten. Auf den nicht ruhen-\nden Beifallssturm und Hervorruf wiederholte Herr Stock-\nhausen das zweite dieser Lieder. Natürlich war das Publi-\ncum darüber erfreut; wir dürfen aber doch nicht ver-\nschweigen, dass es lieber ein Lied von Schubert oder Schu-\nmann in so unnachahmlichem Vortrage gehört hätte, der\ndem Zuhörer zugleich mit der Melodie im Herzen geblie-\nben wäre.\nDie erste grössere Production. des Abends war das\nConcert für Pianoforte und Orchester in G-dur\nvon Beethoven, gespielt durch Frau Wilhelmine\nSzarvady-Clauss aus Paris.\nFrau Szarvady ist eine Künstlerin, die sowohl mit fei-\nnem Geschmack als mit richtiger Beurtheilung ihres Pu-\nblicums die Compositionen zu wählen versteht, die ihr zum\nStoffe dienen sollen, aus welchem ihr Talent ein Bild her-\nvorzaubert, bei dem man nicht mehr unterscheiden kann,\nob die sprechende Aehnlichkeit mit dem Original des Mei-\nsters oder die lebendige Farbengebung desselben durch\ndie Künstlerin mehr zu bewundern ist. So oft wir sie öf-\nfentlich gehört haben, hat sie sich noch nie in der Wahl\nder Musikstücke vergriffen, denn sie räumt weder der\nMode, noch der Convenienz, noch der Parole einer Coterie\nund der Sucht, für eine bestimmte Schule Propaganda\nzu machen, EinOuss darauf ein, sondern wählt, in Berüct-\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "196", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650624-01.1.4", "texte": "sichtigung ihrer Individualität, mit demselben Künstler-\nGewissen, womit sie dieselben ausführt, die Werke, welche\nsie vorträgt. Das hat sie denn auch jetzt wieder in Köln\nbewiesen, wo sie zu ihrer Hauptleistung das -\ncert von Beethoven bestimmte, eine Composition, deren\nwunderbare Eigenthümlichkeit ihrem ganzen Wesen so\nausserordentlich zusagt, dass wir dieses Werk noch nie\nmit so reinem künstlerischem Sinne und mit so keuschem\nVortrage, welcher die Schönheiten gleichsam nur selbst\nsprechen lässt, ohne sie schminken zu wollen, haben aus-\nführen hören. Auffassung und in Bezug auf Technik wahr-\nhaft classisches Spiel gingen Hand in Hand, um in jedem\nSatze des Concertes jenen Zauber auf die Zuhörer zu üben,\nden eben nur der Verein der geistigen Eigenschaften,\nwelche das Material des Tones beseelen, mit der mechani-\nschen Kunst, welche dem Gedanken Flügel gibt, hervor-\nbringen kann. Aus solchem Vortrage mögen sich aber\nauch die Ciavierspieler die Lehre nehmen, dass nicht das\nvollgriffige Zusammenpacken der Accordfolgen zu orche-\nstraler Parodie, sondern das vollendet gleichmässige und\npoetisch nuancirte Tonleiterspiel die wahre Grundlage und\ndie Krone der pianistischen Technik ist. Dass Frau Szar-\nvady aber auch Meisterin des romantischen Ausdrucks der\nneueren Schule, das heisst der guten neueren, ist, bewies\nsie durch den Vortrag einiger Salonstücke von Chopin\nund Heller, denen sie nach stürmischem Hervorrufe noch\nein Lied ohne Worte von Mendelssohn zugab —Alles mit\neiner Behandlung des Instrumentes, die den Hörer mit\nreizend duftenden Tonblüthen überschüttete.\nGewiss ist die Behandlung des Spielers bei jedem In-\nstrumente die Hauptsache, allein wenn das Instrument wi-\ndersteht, ist die geschickteste Hand und das glänzendste\nTalent verloren. Frau Scarvady spielte aber dieses Mal\neinen Flügel, der in der That alle Eigenschaften, die man\nvon einem jetzigen Pianoforte verlangt, in sich vereinigt.\nDieses Instrument aus der Kunstwerkstatt von Pleyel\nund Wolff in Paris entwickelte einen runden, überall\nweichen und doch vollen, bis in den letzten Winkel des\nSaales ausgiebigen Ton, dessen Kraft auch bei dem stärk-\nsten Angriffe niemals zum brausenden Geräusch ausartete,\nsondern stets jene dem Ohre wohlthuende Fülle beibehielt,\nwelche die mechanische Wirkung von Hammerwerk und\nTastatur ganz vergessen lässt und den Eindruck macht,\nals ginge die Intention des Spielers, wie bei dem Bläser,\nunmittelbar in den Ton des Instrumentes über. Wir ha-\nben an einigen früheren Pleyel'schen Instrumenten die\nhöchsten Octaven nicht so vorzüglich- gefunden, die jetzi-\ngen aber haben, nach dem im Gürzenich Gehörten zu ur-\ntbeilen, eine ganz vorzügliche Egalität des Klanges vom\ntiefsten Bass bis zur höchsten Region, in welcher man\nz. B. selbst im Fortissimo des Trillers dem Prüfsteine\nder höchsten Octave niemals etwas Holzartiges, sondern\nnur Klang der Saiten vernimmt. Dabei hat das Instrument\nvor den grossen Erards die vortrefflich exacte Dämpfung\nvoraus, die namentlich in kleineren Sälen zum reinen und\nschönen Vortrage wesentlich nötbig ist. Wir können un-\nseren Industriellen in der Rheinprovinz, die im Ciavierbau\nauch bereits so grosse Fortschritte gemacht haben, nur\nrathen, den Bau der Pleyel'schen Instrumente zu studiren.\nDas zweite grosse Musikwerk, das der dritte Festtag\nbrachte, war die Sinfonie in von Ferdinand\nHiller mit dem Motto: „Es muss doch Frühling werden.\"\nDie ausgezeichnete Ausführung derselben haben, wir be-\nreits erwähnt; der Erfolg war ein überaus glänzender,\ndenn nach jedem Satze brach das ganze Publicum in rau-\nschenden Applaus und am Schlüsse in Hochs auf den Com-\nponisten aus, ein Erfolg bei einer Zuhörerschaft, auf deren\nUrtheil der Tondichter stolz sein kann. In denselben En-\nthusiasmus hatte schon in den Proben der Chor und das\nOrchester eingestimmt, wie das auch am Concert-Abende\nwieder der Fall war, und unter den Blumen und Kränzen,\ndie dem Componisten und Fest-Dirigenten zugeworfen\nwurden, befand sich auch ein Xranz mit der Inschrift:\nHommage ä F. Hiller. Les\nIs. de Swert. de Bas. H. Possos. Mertens*).\nDie Töne des schönen Festes sind verklungen, denn\ndas ist das Geschick der musicalischen und der dramati-\nschen Kunst, dass ihre Erscheinungen nur dem Augen-\nblicke gehören; kein Marmor, keine Farbe bannt sie fest,\nsie sind schäumende Welle, ja, weniger als das, schwin-\ngender Lufthauch—keine Macht der Erde kann ihnen zu-\nrufen: „Verweilet doch, ihr seid so schön!\" Aber verges-\nsen werden die Töne dieses Festes nicht werden von allen,\ndie Empfänglichkeit für musicalische Schönheit besitzen\nund an diesen Tagen einen wirklich Genuss em-\npfunden haben**).\n\nGedanken über die Tonkünstler-Versammlung\nzu Dessau.\nI. Allgemeines.\nWir Dessauer haben das Glück gehabt, eine „Ton-\nkünstler-Versammlung, veranstaltet vom Allgemeinen deut-\n\n*) Wir kommen auf die Sinfonie von F. Hiller zurück.\n**) Von fremden Künstlern als Zuhörer beim Feste sind die\nHerren Volkmann aus Pesth und Golinelli aus Bologna, deren\nAnwesenheit mir erst jetzt bekannt geworden ist, nachzutragen.\nL. B."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "197", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650624-01.1.5", "texte": "sehen Musikvereine*, vom 25. bis 28. Mai inclusive in\nunseren Mauern zu haben. Wir nennen diesen Umstand\nein Glück, weil wir dadurch von der Furcht befreit wor-\nden sind, als werde durch die so genannte neudeutsche\nSchule der Geschmack an den alten Classikern und ihrem\nNachwüchse verdrängt werden können. In diese Furcht\nwaren wir durch das Geschrei in musicalischen Schriften\nund Recensionen über Werke jener Richtung gesetzt wor-\nden. Nun haben wir einen Theil solcher Werke selbst\ngehört und sind getröstet durch die Ueberzeugung, dass\ndies die Musik nicht ist, vor der die Alten zu zittern und\ndas Feld zu räumen haben.\nWenn wir annehmen dürfen, dass Förderung der\nMusik Zweck des deutschen Musikvereins ist, so wünschen\nwir ihm in diesem löblichen Streben alles Glück. Aber\ner wird diesen Zweck verfehlen, wenn er, anstatt bei den\nAlten anzuknüpfen und mit ihnen Hand in Hand zu gehen,\nverwegen und tollkühn über sie hinwegspringt, sie förm-\nlich ignorirt, sie todtschweigt und damit sagt: „Wir\nwollen von euch nichts mehr wissen; ihr steht auf einem\nüberwundenen Standpunkte.\" So ist wenigstens bei der\ndiesjährigen Versammlung verfahren worden. Unter den\ncirca vierzig Musikstücken, die in vier Concerten zur Auf-\nführung kamen, hatte man neben einigen allen Kirchen-\nliedern nur dem alten J. S. Bach mit einigen Orgelsätzen\nein Plätzchen eingeräumt; Gluck, Händel, Haydn, Mozart\nund Beethoven mussten schweigen. Ohne unseren Alt-\nmeister, Dr. Fr. Schneider, über die eben Genannten setzen\nzu wollen, so hätte doch Pietät und Klugheit gefordert,\ndass wenigstens von diesem etwas zu Gehör gebracht\nwurde, von ihm, der hier dreissig Jahre lang an Herstel-\nlung eines gediegenen Musikzustandes segensreich gewirkt\nund unter Anderem eine Capelle hinterlassen hat, mit der\nman die neuen halsbrechenden Wunderdinge ohne beson-\ndere Schwierigkeit ausführen konnte und den sein Herzog\nund die Bewohner unserer Stadt hochschätzen und mit\nStolz den Ihrigen nennen.\nAber freilich würden er und das grosse Sechsgestirn\nvon Gluck bis Beethoven mit ihren „Elephantenbeinen\"\ndas Meiste dieses mückenbeinigen Krims-Krams todt ge-\ntrampelt haben, und in so fern war es klug, diese Alten\ngar nicht in den Concertsaal zu lassen; die hätten doch\nnur Unfug angerichtet.\nHieraus geht genügend hervor, dass der fragliche\nVerein nicht „Förderung der Musik im Allgemeinen\" ver-\nfolgt, sondern nur seiner Musik zum Regimente verhelfen\nwill und zu dem Ende seine wandernden Casino's Propa-\nganda machen lässt. Aber auch diesen Zweck muss der\nVerein verfehlen, da seine Musik nicht die rechten Mittel\nanwendet. Zersprengung aller Form, wie in den neuen\nOuvertüren, Verwerfung der interessanten Fortspinnung\neines. Motivs und dafür Melodie an Melodie reihen, wie\nim Orpheus von F. Liszt, Anhäufung von Missklängen und\nungewöhnlicher Harmonieenfolge, wie in der Ouvertüre\nvon Berlioz—kann wohl eine neue, aber keine gute Musik\nhervorbringen. Wenn wir mit einem Musikkenner die\nComponisten in drei Kategorieen theilen, von denen die\neinen mit kleinen Mitteln Grosses, die anderen mit grossen\nMitteln Kleines, die dritten mit gewöhnlichen Mitteln Ge-\nwöhnliches erreichen, so rangiren die Vereins-Componisten\nmeistentheils in die zweite Kategorie; man darf da nur\nden 29. Psalm von Schulz-Beuthen und die Hunnenschlacht\nvon F. Liszt hören.\nMan schreie und schreibe für solche Herren noch so\nviel in die Welt hinein, Muster-Componisten werden sie\ndadurch doch nicht. An ihren Früchten sollt ihr sie er-\nkennen! Wir glauben und wünschen auch keinen Still-\nstand in der Kunst, sondern eine Fortbildung ohne Sprung,\nden es ohnehin in Kunst und Wissenschaft nicht geben\nkann. Aber noch fehlt der neue musiealisebe Messias, und\nwenn er kommt, so wird er auf einem ganz anderen Wege\neinherschreiten, als dem, den ihm der Musikverein vor-\nzeichnen möchte.\nZweckmässig und von seinem Standpunkte aus löblich\nist es, dass der Verein Werke neuer Componisten ans\nLicht bringt, vorausgesetzt, dass diese Componisten Mit-\nglieder des Vereins sind und in seinem Geiste schreiben.\nDies verdient von der classiscben Richtung Nachabmungl\nDie rheinischen Musikfeste z. B. sind bei ihrer lobens-\nwertben Vorführung der Werke unserer grossen Todten\nzu ausschliesslich gegen heranwachsende Talente, welche\ndurch diesen Missstand am Ende in das feindliche Lager\ngetrieben werden. Man beherzige dies!*)\nUnser hiesiges Publicum, inclusive Capelle, ist musi-\ncalisch conservativ, hat in dieser neuen Musikart keinen\nErsatz für die Alten, geschweige denn einen Fortschritt\nin der Kunst erblickt, und wünscht, dass die Zeit, wo diese\nMusik einmal herrschen könnte, in möglichst weiter Zu-\nkunft oder nie anbrechen möge.\n\n*) Der geehrte Herr Correspondent kann sich aus den Pro-\ngrammen der niederrheinischen Musikfeste in diesen Blättern über-\nzeugen, dass er in Beziehung auf seine obige Aeusserung sich im\nIrrthume befindet. Unsere Musikfeste haben seit 1818 neben den\nälteren Meisterwerken auch stets Compositionen von jedesmaligen\nZeitgenossen gebracht, und oft sogar solche, welche für das Fest\ngeschrieben waren und als Manuscript aufgeführt wurden. Jetzt\ngehören freilich ihre Verfasser auch zu den Todten. Wir nennen\ndavon nur von Ihrem Meister Friedrich Schneider „Das Welt-\ngericht\" 1821, „Die Sündflut\", Manuscript, 1824, „Vocalmesseu 1826/"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "198", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650624-01.1.6", "texte": "Das Musikfest in Braunschweig am 10., 11. und\n12. Juni 1865.\nVon Dr. Oscar Paul.\nDer diesjährige Frühling ist mit Musikfesten gesegnet\ngewesen, und es haben letztere die Kunstfreunde aus der\nNähe und Ferne zum gemeinschaftlichen Geniessen her-\nbeigerufen. Ein solches Zusammenströmen obschon\nselbstverständlich in kleinerem Maassstabe als bei den\nniederrheinischen Musikfesten fand auch in dem durch\nseine liebenswürdigen, gemüthlichen Bewohner bekannten\nBraunschweig Statt, und wir müssen constatiren, dass\nwir daselbst keine nervenkranke Isolde erblicken konnten,\nderen Zustand dem Feste eine tragisch-declamatorische\nRichtung gegeben hätte. Auch vermissten wir durchaus\nnicht einen Abb6 mit symphonisch-dichterischen Klagen\nüber die weltliche Charakterlosigkeit, sondern wir freuten\nuns, einen wackeren deutschen Abt zu finden, welcher\nim Vereine mit anderen Capacitäten des lieben Braun-\nschweig beschlossen hatte, ein recht gesundes, deutsches\nMusikfest zu feiern. Dass diese Feier in der würdigsten\nWeise zu Stande kam, dafür gebührt den opferwilligen,\nden eigenen materiellen Nachtheil nicht beachtenden Män-\nnern von Herz und Geist, in deren Händen die geschäft-\nliche Leitung und cavaliere Repräsentation lagen, die un-\ngeteilteste Anerkennung. Es sind ausser Herrn Abt die\nHerren Adolph Schmidt, Dr. HansSommer, Eduard\nSchade, Voigtländer, Major Holland, v. Schmidt-\nPhiseldeck, von Unger und Andere, denen Braun-\nschweig hauptsächlich die künstlerischen Genüsse der letz-\nten Tage zu danken hat und die mit Recht im Hinblick\nauf bekämpfte Widerwärtigkeiten mit Goethe sagen dürfen:\n„ Herrlicher's ist nichts ersonnen;\nUns ist diese Schlacht gewonnen.\"\nAls Dirigenten fungirten der in Braunschweig beliebte\nwiener Hof-Capellmeister Herb eck, der braunschweiger\nAbt und der hannover'sche Fischer, letztere beiden\nauch Hof-Capellmeister. Am ersten Festtage eröffnete\nHerr Abt als Dirigent des schönen, sechsstimmigen Sanctus\naus der H-moll-Messe für Chor, Orchester und Orgel von\nJ. S. Bach die Feier, und wir erkannten freudig, dass der\nAbt den tiefen Bach nicht bloss gesehen, sondern sich darin\nauch gründlich gespiegelt hatte. Die Auffassung war in je-\nder Beziehung dem Geiste des Tonschöpfers entsprechend\nund gelangte auch durch die später zu charakterisirenden\nKräfte zu vollkommenster Wirkung. Das Hauptwerk des\nTages und auch des ganzen Festes war Händel's Oratorium\n„Samson\". Der verdienstvolle Biograph Händel's, Herr\nDr. F. Chrysander, hat dieses Werk in der Vorrede zur\nPartitur der deutschen Händel-Gesellschaft vom historischen\nGesichtspunkte aus zur Genüge beleuchtet, wesshalb es hier\nbei dem knapp zugemessenen Räume zu den Ueberflüssig-\nkeiten gehören würde, noch einmal diese helle Beleuch-\ntung zu reflectiren. Man denke sich dieses grandiose Ora-\ntorium nun von 171 Sopran-, 100 Alt-, 76 Tenor- und\n93 Bassstimmen, zusammen 440 Chorstimmen, wozu ein\nOrchester von 105 Mitwirkenden (Orgel, Ciavier, 21 erste\nViolinen, 16 zweite Violinen, 11 Bratschen, 12 Celli, 11\nContrabässe, 4 Flöten, 4 Oboen, 4 Clarinetten, 4 Fagot-\nten, 7 Hörner, 4 Trompeten, 3 Posaunen, 1 Paar Pauken,\n1 Tuba) kommt, ausgeführt. Um den eigensten Intentionen\nHändel's gerecht zu werden, hatte man in der zum voll-\nständigen Concertsaale umgewandelten Egydienkirche, de-\nren Resonanz in der That eine gewaltige ist, eine vom\nMusik-Director und Orgel-Inspector Herrn Selmar Müller\nin Wolfenbüttel entworfene und vom Orgelbaumeister\nEuler (Firma Gebrüder Euler) aus Gottsbüren in Kur-\nhessen in der vorzüglichsten Weise angefertigte Orgel mit\n24 Stimmen aufgestellt, welche sich in den mächtigen\nChören von imposanter Wirkung erwies. Ausserdem wur-\nden die Recitative mit Flügelbegleitung ausgeführt, da\nHändel für dieselben ausdrücklich Clavicembalo-Accom-\npagnement vorgeschrieben hat, und auch in einigen En-\nsemblestellen vereinte sich der Flügelton mit den kräftigen\nChor- und Orcbestermassen aus Halberstadt, Hildesheim,\nQuedlinburg, Wolfenbüttel, Braunschweig, Hannover,\nDetmold u. s. w., ohne von letzteren erdrückt zu werden,\nwas man als einen schlagenden Beweis für die vortreff-\nliche Bauart und Klangausgiebigkeit der Flügel-Instrumente\n\n„Das verlorene Paradies\", Manuscript, 1827, „Der 24. PsalmM 1828a\nsechs Nummern aus dem nWeltgerichte\" 1834, von C. M. von\nWeber „Kampf und Sieg 1822 und 1823, von L. Spohr „Die\nletzten Dinge\", Manuscript, 1826, „Vater unser\" 1840, F. E*\nFesca „Der 103. Psalm\" 1824, Ferd. Ries „Sinfonie in jEsu,\nManuscript, 1825, „Sinfonie in F-duru und „Der Sieg des Glaubens\"\n1829, „Die Könige in Israel\", Manuscript, 1837, „Sinfonie in C-molla\n1838, zwei neue Ouvertüren, Bernh. Klein „Jephta\" 1828,\n„David\" 1841, F. Mendelssohn „Fest-Ouverture\", Manuscript\n(ist nicht gedruckt worden), 1833, „Paulus\", Manuscript, 1836, „Der\n42. Psalm\" 1839, „Lobgesang\" 1842, „Walpurgisnacht\" 1845,\nJ. Rietz zwei neue Ouvertüren, Reissiger „Psalm\", Manu-\nscript, 1843, G. Onslow „Sinfonie\" 1847 u. s. w. Und dieses\nYerzeichniss geht nur bis 1847! Nach der Wiederaufnahme der Feste\nim Jahre 1851 begegnen wir häufig den Namen Rob. Schumann,\nFranz Lachner, Ferdinand Hiller, ja, sogar Berlioz und\nLiszt (1857)1 Allein Proben mit Erstlings-Compositionen u. s. w.\nzu machen, dazu darf ein Institut, wie das niederrheinische Musik-\nfest, nicht übergehen; einen Gesangchor von 600 Personen und ein\nOrchester von den tüchtigsten Künstlern darf man nicht mit Ver-\nsuchen beschäftigen: das müssen wir Instituten überlassen, die be-\nsonders zu diesem Zwecke gegründet werden sollten. Wir glaubten,\ndass der „Tonkünstler-Verein\" dazu Bahn brechen würde: es scheint\naber, dass allzu einseitige Grundsätze bei der Auswahl der Compo-\nsitionen vorherrschen, um der Sache einflussreichen Erfolg zu ver-\nschaffen! Die Redaction."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "199", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650624-01.1.7", "texte": "aus der Fabrik der Herren Steinweg und Söhne in Braun-\nschvveig und New-York ansehen kann. Wenn wir noch\nanführen, dass die Soli von der genialen Frau Dust mann\n(Sopran), von Fräulein Bettelheim, welche vielleicht\nunter allen Sängerinnen die schönste Altstimrae besitzt und\ndabei durch und durch musicalisch ist, von dem köstlichen\nTenoristen Walter mit seiner vortrefflichen Ausbildung\nO\ndes Ueberganges von der Bruststimme in die Kopfstimme\n(alle drei Genannten aus Wien), und endlich von dem Ora-\ntoriensänger Hill aus Frankfurt mit seinem markigen\nTone und seiner edlen Vortragsweise ausgeführt wurden,\ndann wird man uns wohl glauben, dass der ganze Ton-\nkörper trefflich geeignet war, das Händel'sche Werk nach\nallen Seiten hin zur Geltung zu bringen, zumal er durch\ngewandte und sichere Direction des Herrn Herbeck aus\nWien Seele und Leben erhielt. In ein paar Chören hätte\nvielleicht ein gemässigteres Tempo noch vortheilhaftere\nWirkung erzielt, weil die schon erwähnte ausserordent-\nliche Resonanz der Tonhalle für langsamere Ausführung\nder Tonfiguren von Massen geeigneter sein dürfte, obwohl\ndas Zeitmaass an sich Händel's Intentionen nicht entge-\ngenstand. Auch hätte wohl an einigen Stellen das Ciavier\nund nicht die Orgel nach Angabe Chrysander's eintreten\nmüssen. Im Ganzen betrachtet, war die Aufführung eine\nsolche, dass wir dieselbe mit Freuden als die erste, den\neigensten Intentionen Händel's entsprechende in „ Mittel-\ndeutschland\" begrüssen dürfen; und bei späteren „mittel-\ndeutschen Musikfesten\" wird man sich gewiss noch der\nBegeisterung erinnern, die von Seiten des Publicums dem\ntonscböpferischen Riesen Händel und dessen tüchtigen In-\nterpreten gezollt worden ist, unter denen die wackeren\nChöre mit den frisch und hell klingenden Sopranstimmen\nund den vollen und weichen Altstimmen besonders er-\nwähnt werden müssen. In den Männerstimmen leistete man\nim Ganzen zwar recht Tüchtiges, doch dürfen einige un-\ngenaue Einsätze und überstürzte Melodie-Phrasen nicht\nverschwiegen werden.\n(Schluss folgt.)\n\nWagner’s Tristan und Isoide in München\n*).\nIn jedem Falle muss man anerkennen, dass die Aufführung die-\nser Schöpfung (am 10. und 13. Juni) eines der bedeutendsten Mo-\nmente in der Kunst- und Culturgeschichte abgibt. Die Physiologie\nkann sich nach diesem Ereignisse einen zuverlässigen Maassstab\nbilden, was heutiges Tages menschliche Lungen, Kehlen, Ohren und\nNerven zu ertragen fähig sind; für den Psychologen entspringt\ndaraus eine Lehre, bis wie weit sich der Wahn zu versteigen ver-\nmag; die hier betheiligte Kunst aber erhält jetzt sichere und wich-\ntige Aufschlüsse über ihr Wesen und ihre Bestimmung. Es ist uns\njetzt aus eigenem Hören und Sehen bekannt, was alles der Deutsche\naus seiner Musik gemacht hat, und wir dürfen mit gutem Grunde\nan unsere lieben componirenden Landsleute die inständigste Bitte\nrichten, es ja nicht noch ein Mal, wenigstens nicht in solcher Form\nund Weise, zu zeigen; wir wollen gern auf das „Höchste und Tiefste\nder Kunst Verzicht leisten, wenn es sich schlechterdings nur in\ndem Stile einer Tristan-Melodik kundgeben kann.\nJedenfalls ist es von grossem Gewicht, dass sich nun das viel\nberufene Problem zu einer Lösung gebracht hat. Eine ganz eigen-\ntümliche Gestaltung der Verhältnisse musste es fügen, dass dieser\ndenkwürdige Act sich in den Mauern einer Stadt vollzog, die wohl\nals deutsche Metropole für die bildenden Künste weithin berühmt,\ndoch in der Musik, ungeachtet trefflicher Mittel und Leistungen,\nbisher keine hervorragende Rolle gespielt hat. Und an diesem Orte,\nder so wenig Sympathieen für die extreme Richtung der neuen Ro-\nmantik bezeigt, dass er sich sogar noch abwehrend gegen die Stil-\nweise Schumann's verhält, an diesem Orte hat zufälliger Weise die\nZukunftspartei ihren letzten Haltpunkt gewonnen. Auf deinem Thea-\nter ist das Werk mit einer Vollendung, einem Aufwände an Fleiss\nnnd Mitteln unter der Leitung seines Schöpfers selbst aufgeführt\nworden, dass das Urtheil sich ganz frei von allen Bedingungen hin-\nstellen darf. München hat gesprochen, und sein Wort hat bewiesen,\ndass die Zukunftsrichtung in ihren letzten Consequenzen in der\nThat eine Zukunft, aber wohlgemerkt nur für München und sein\nWeichbild, besitzt. Das Publicum applaudirte nicht nur\nfrenetisch, sondern rief den Schöpfer des Werkes während des\nAbends volle vier Mal, Wagner, den es noch wenige Tage zuvor\ninsultiren wollte und während des ganzen Winters auf alle Weise\nmaltraitirt hatte, und Wagner war liebenswürdig genug, drei Mal\nzu erscheinen. Die zweite Vorstellung hatte in der That den Aus-\nschlag gegeben, denn bei der ersten Aufführung hatte der Vater der\nIsolde nicht gewagt, seine Tochter ohne eine Ausstattung von mehr\nals 300 Billets dem Publicum vorzustellen ; am zweiten Abende da-\ngegen hörte man nur von 50 der Universität zugeschickten Frei-\nkarten ausser dem grossen Zins, den Tristan seinen zahlreichen\nGönnern entrichten muss. Desshalb vielleicht zeigte das Haus bei\nder zweiten Vorstellung grosse Lücken. Man war am Abende der\nersten Vorstellung stutzig über das mässig besetzte Parterre und die\nfast leere Galerie, die sich erst während des Stückes einiger Maas-\nsen füllte. Diesen Umstand erklärte am nächsten Tage ein Gerücht\nvon einer eigenthümlichen Demonstration gegen Bülow, welche an\njenem Abende beabsichtigt war; die Polizei war davon zu rechter\nZeit benachrichtigt worden.\nMan kann die Stimmung und die Zustände vor der Aufführung\nin München mit der Zeit der Gluckisten und Picinisten in Paris\nvergleichen: in einem Punkte jedoch hält der Vergleich mit jener\npariser Musik-Revolution nicht Stich. Die Gluckisten und Anti-\nGluckisten blaguirten um die Wette, schlugen sich im Theater,\nschimpften und pfiffen sieh aus, aber von einer eigentlich gemaass-\nregelten Vorstellung wird uns aus jenen Tagen nichts berichtet, und\nnie haben die Franzosen der königlichen Loge den Applaus\nabgelauscht. Es hat eben jedes Land seine eigenen Sitten.\nIn Bezug auf die Musik heisst es unter Anderem: „Und bei\nalledem ist diesem so widerwärtigen Werke der Stempel einer un-\ngewöhnlich genialen Kraft aufgedrückt. Manche Sätze und Accente\nvon grosser Schönheit strahlen wie freundliche Sterne mit hellem\nGlänze aus dem finstern Ton-Chaos hervor und erwecken ein schmerz-\nliches Bedauern, dass ihr Schöpfer, durch die Sucht nach Origina-\n\n*) Da unser Correspondent ad hoc aus Gründen, bei denen die\nGemüthlichkeit aufhört, nicht vier Wochen lang in München auf die\nendliche Erscheinung „Tristan's\" warten mochte, so entnehmen wir\ndem Berichte des Herrn E. Schelle in der „Presse\" diejenigen\nNotizen, welche vorzugsweise die äusseren Umstände bei der Auf-\nführung betreffen, da wir über den Inhalt des Buches bereits in. Nr.\n24 des Jahres 1859 und in Nr. 1 des Jahres 1861 ausführlich ge-\nsprochen haben. Die Redaction."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "200", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650624-01.1.8", "texte": "lität verführt, sich von dem reinen Ideale seiner Kunst abwandte.\nDer Kenner, wenn er der Gerechtigkeit die Ehre geben will, muss\ngestehen, dass die Partitur des Tristan, abgesehen von ihrer ver-\nwerflichen Richtung, mit Fleiss und Liebe gearbeitet, dass sie ihrer\ngesammten Factur nach ein Meisterwerk ist. Der Dichter in Wagner\nlii -n\nhat den Musiker verdorben; dem Dichter, diesem erzschlechten la-\ntron, haben wir es zu danken, dass der Meister, der vielleicht dazu\nberufen war, dem deutschen Musik-Drama seine natürliche, nationale\nForm zu geben, uns am 10. Juni einen kranken Tristan zusandte,\nder im besten Falle den Zins in baarer Langeweile zahlt.\"\nDer Schluss des Artikels lautet: „Um so mehr verdienen die\ndarstellenden Künstler die höchste Anerkennung, die ihre Kraft an\nein so undankbares Werk verschwenden mussten. Namentlich traten\ndie Leistungen des Schnorr'schen Ehepaares (Tristan und Isolde)\nmit wahrhaft glänzender Vollendung hervor; ihm stand Herr Mit-\nterwurzer (Kurwenal) in gesanglicher Beziehung ebenbürtig zur\nSeite, wenngleich er im Spiele mitunter etwas übertrieb; Herr Zott-\nmayer konnte der pitoyablen Figur des Königs Marke nicht ge-\nrecht werden, den Vorzug einer deutlichen Aussprache muss man\naber diesem Künstler nachrühmen. Fräulein Dein et war endlich\nals Brangäne eine liebenswürdige Erscheinung. Das Orchester wett-\neiferte unter der bewundernswerten Leitung Bülow's mit den\nSängern an Fleiss und gutem Willen, und die Direction hatte für\neine glänzende, stilvolle Ausstattung gesorgt, die einer besseren\nSache werth war.\n„Sollte auch das Erdenwallen Tristan's kurz sein: brillant we-\nnigstens ist es gewesen, und mit Zins hat wahrlich der Held be-\nlahlt, was er gekostet; denn er hat den Münchenern die Wonne\neiner „„Welten-entronnenen Entrücktheit\"\", eine unzahlbare Wonne,\nbereitet.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nDas fünfte mittelrheinisch-e Musikfest findet zu Mains\ndurch die verbündeten Gesangvereine der Städte Darmstadt, Mainz,\nMannheim und Wiesbaden u. s. w. am Sonntag den 2. und Montag\nden 3. Juli in der grossen Fruchthalle Statt, unter Mitwirkung von\nFräulein Melitta Alvsleben von Dresden und Philippine von\nEdelsberg von München, und der Herren Karl Hill von Frank-\nfurt, Gustav Walter von Wien, Franz Weber von Köln (Orgel)\nund August Ruff von Mainz, mit einem Chor von 800 Sängerin-\nnen und Sängern, einem Orchester von 140 Personen und mit Be-\ngleitung der von den Gebrüdern Ibach zu Bonn erbauten Orgel,\nunter Leitung des Capellmeisters Herrn Friedrich Lux von Mainz.\nI. Sonntag, 2. Juli, Vormittags lO1/? Uhr: Ouvertüre zur „Zau-\nberflöte\" und „Judas Maccabäus\" von Händel. Nachmittags Fest-\nfahrt auf dem Rheine. IL Montag, 3. Juli, Nachmittags 2*/2\nUhr: 1) Pastoral-Sinfonie von L. van Beethoven; 2) Adoramus te\nvon Palestrina und Jesu dulcis memoria von Vittoria (a capella)\\\n3) Arie aus der „Zauberflöte\" (Herr G. Walter); 4) 63. Psalm für\nFrauenstimmen mit Begleitung von Harfen, Hörnern und Orgel von\nFranz Lachner; 5) Lobgesang, Sinfonie-Cantate von Felix Mendels-\nsohn-Bartholdy. Preise der Plätze: a) für beide Concerte: Bal-\ncon-Loge 7 Fl., Sperrsitz 5 Fl., Seiten-Loge 3 Fl. 30 Kr.; b) für\nein Concert: 4 FL, 3 FL, 2 FL, Stehplatz 1 FL; c) zu den Haupt-\nproben: Sitzplätze 1 FL, Stehplätze 30 Kr.\nDmtzig, 30. Mai. Zur Berichtigung der auf Seite 119 des\n13. Jahrgangs enthaltenen Mittheilung in Betreff der J. S. Bach*-\nschen Passionsmusik nach dem Evangelisten Johannes diene Fol-\ngendes: Dieses Werk ist am Charfreitage 1841 (oder 1842) beim\nGottesdienste in der Johanniskirche zu Danzig von mir aufgeführt\nworden. Vermuthlich hat Herr v. Wasielewski, ein geborener Dan-\nziger, mir persönlich befreundet und damals hier noch weilend, da-\nbei im Orchester mitgewirkt und dadurch den ersten Impuls bekom-\nmen, später sie in Bonn aufzuführen. Ludwig Granzin, Organist\nund Musik-Director zu St. Johann.\n* Darmstaflt, 22. Juni. Se. K. Höh. der Grossherzog von\nHessen hat dem Hof-Capellmeister L. Schlösser „in Anerkennung\nseiner vorzüglichen Leistungen in allen Zweigen der Tonkunst und\ndes rastlosen Diensteifers in der Hofcapelle\" das Ritterkreuz erster\nClasse vom Orden Philipp's des Grossmüthigen zu verleihen geruht.\nHerr Otto Kade, Dirigent des Schlosschores in Schwerin, ver-\nöffentlicht in Nr. 39 der „Wissenschaftlichen Beilage der Leipziger\nZeitung\" einen Aufsatz über Johann Walther's „erstes vierstimmiges\nprotestantisches Choralbuch vom Jahre 1524\". Es ist dem Verfasser\ngelungen, dasselbe wieder vollkommen herzustellen, und er fordert\nzur Neu-Herausgabe desselben auf, wozu das dreihundertjährige\nKünstler-Jubiläum des Altmeisters, welches in das nächste Jahr\nfällt, die passendste Veranlassung bietet.\nDas alle drei Jahre wiederkehrende Musikfest zum Anden-\nken an Händel findet im Krystallpalaste zu Sydenham am 26,,\n28. und 30. Juni unter der Anordnung der Sacred Harmonie So-\nciety und der Direction von Costa Statt. Die Tonbühne, im Durch-\nmesser doppelt so gross als der Raum in der Paulskirche, ist mit\nbesonderen akustischen Vorrichtungen .gebaut. Mitwirkende: 4000\nPersonen. Aufführungen: I. Der Messias. 11. Selection (Auswahl\naus Händel'schen Werken). 111. Israel in Aegypten. Solisten:\nAdelina Patti, Frau Rudersdorf, Lemmens-Sherrington,\nParepa, Sainton-Dolby; die Herren Sims Reeves, Cum-\nmings, Weiss, Santley, Schmidt (von Wien). Organist Herr\nBrownsmith. Numerirte Plätze für die drei Tage: 3 und 21/ i\nGuineas; für den einzelnen Tag 25 Shill. und 1 Guinea.\nAm 21. vor. Mts. ist das neue Theater in Stockholm ein\nRaub der Flammen geworden. Die Intensität des Brandes und die\nRaschheit, mit welcher er um sich griff, waren solcher Art, dass es\nnicht möglich war, das Feuer zu bewältigen. Zuschauer waren\nglücklicher Weise nicht mehr im Hause, aber in den Coulissen be-\nfanden sich noch einige Personen, welche nur mit grosser Mühe\nsich retten konnten. Eine Schauspielerin sprang im ersten Momente\ndes Schreckens aus dem Fenster und erlitt mehrere Quetschungen.\nMan glaubt, dass sich das Gas entzündet habe und dadurch der\nBrand verursacht worden sei. Das Theater war ein hölzernes Ge-\nbäude. . . 1 \" \" ! : '"}]}