{"numero_id": "bm-bmtnabi-1865-07-08-01", "volume": "bmtnabi_1865-07-08_01", "ocr_sha256": "d4793649b145947a50c09374019a9d21970c4dc3e77b6d879553357e553b21f0", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1865/07/08_01/bmtnabi_1865-07-08_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650708-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1865-07-08-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-07-08_01#c001", "volume": "bmtnabi_1865-07-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "209", "page_fin": "209", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650708-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "209", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650708-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 443, "texte": "Inhalt.\nDas fünfte mittelrheinische Musikfest. Das Musikfest in Braunschweig am 10., 11. und 12. Juni 1865. Von Dr. Oscar\nPaul. (Schluss.) Sinfonie in E-moll „Es muss doch Frühling werden\" von Ferdinand Hiller. Noch einige Aphorismen von Daumer.\nTages- und Unterhaltungsblall (Ems, Jakob Offenbach Baden-Baden, Capellmeister Dr. Rietz Rob. 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August und 1. September 1856 unter der\nDirection der dortigen Hof-Capellmeister C. A. Mangold\nund L. Schindelmeisser Statt. Händel's „Messias\" und\nBeethoven's heroische Sinfonie bildeten die Haupt-Auffüh-\nrungen. Neben ausgezeichneten Sängern waren die Instru-\nmental-Solo-Vorträge durch Vieuxtemps, C. Paur und\nKrüger (Harfe) vertreten.\nDas zweite Fest brachte zu Mannheim im Juni 1857\nunter Ferd. Hiller's Direction den „Elias\" von Mendels-\nsohn und Beethoven's neunte Sinfonie. Unter den Solisten\nglänzten unter Anderen Fräulein Bochkolz-Falconi\nund der Violinist Laub.— In Wiesbaden wurde im Sep-\ntember 1858 das dritte Fest durch die Aufführungen von\nJ. Haydn's „Schöpfung\", Mendelssohn's 114. Psalm und\nF. Schubert's grosser C-eifor-Sinfonie unter Leitung der\nHerren Vincenz Lachner aus Mannheim und J. B. Ha-\ngen aus Wiesbaden gefeiert. Zu den Solisten gehörten\nder Tenorist Karl Schneider und der Pianist Dionys\nPruckner.\nDie Zeitumstände des folgenden Jahres waren be-\nkanntlich nicht zu festlichen Ergötzungen angethan; allein\nim Jahre 1860 veranstaltete das in Mainz ein wie-\nderum sehr zahlreich besuchtes und glänzend gelungenes\nFest am 22. und 23. Juli. Zur Aufführung kamen Hän-\ndel's „Israel in Aegypten\", Mendelssohn's „Die erste Wal-\npurgisnacht\", Scenen aus Gluck's „Alceste\", Beethoven's\nOuvertüre Op. 124 und dessen fünfte Sinfonie unter der\nDirection von Friedrich Marpurg. Die Solisten trugen\ndie ausgezeichneten Namen Louise Dustmann, Fran-\ncisca Schreck, Schnorr von Carolsfeld, Kinder-\nmann, G. Becker.\nTrotz des grossen und verdienten Erfolges, den dieses\nvierte Musikfest am Mittelrheine errang, gerieth die Fort-\nsetzung doch ins Stocken. Die Verhältnisse, welche das\njunge Kunst-Institut, das bereits so gute Proben seiner\nLebensfähigkeit gegeben hatte, in der ferneren Entwick-\nlung zurückhielten, sind uns nicht bekannt; höchst ehren-\nwerth ist es aber, dass nach einer vierjährigen Pause die\nStadt Mainz sich entschlossen hat, in diesem Jahre das\nfünfte von den mittelrheinischen Festen zu feiern und da-\nmit hoffentlich eine neue Reihe derselben zu begründen.\nDer Erfolg des Concertes am ersten Tage, Sonntag den\n2. Juli, durch den Beifall des Publicums und der in Menge\nanwesenden Musiker von Fach bestätigt, wird jedenfalls\neine Anregung zur Fortsetzung sein.\nIn Mainz wird die grosse Fruchthalle bei solchen Mu-\nsik-Aufführungen zum Concertsaale eingerichtet, und man\nmacht aus dem hinlänglich grossen Räume, der nebst Ga-\nlerieen immerhin an zweitausend Menschen fassen kann,\nein recht freundliches und zweckmässig eingerichtetes Lo-\ncal. Die akustischen Verhältnisse lassen indess zu wün-\nschen übrig, namentlich für den Klang der Solostimmen\nund auch wohl der Violinen, während die zahlreichen und\nkräftigen Chorstimmen nebst den Blas-Instrumenten dem\nEigensinne der Stein- und Holzmassen mit mehr Erfolg\ntrotzen.\nZu dem Chor hatten nicht bloss die vier verbündeten\nStädte, sondern auch Vereine aus der ganzen Umgegend\nihr mehr oder weniger zahlreiches Contingent gesandt,\nwie z. B. Alzey (Dirigent Ad. Felchner), Castel (11. Rupp),\nWorms (Ed. Steinwarz). Darmstadt war durch den Mu-\nsikverein (C. A. Mangold) mit 107, Mannheim (Naret-\nKoning) mit 73, Wiesbaden (J. B. Hagen) mit 72 Theil-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "210", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650708-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5340, "texte": "nehmern vertreten. Den Hauptstamm lieferte natürlich\nMainz; ihn bildeten die Mitglieder des Cäcilienvereins\n(A. Werner), des Damen-Gesangvereins und der Lieder-\ntafel (Friedr. Lux 197) und der vier Männer-Gesang-\nvereine, wozu noch im Alt 76 Knabenstimmen kamen.\nDieser so zusammengesetzte Chor bildete eine nicht\nbloss imposante, sondern auch klang- und gesangtüchtige\nMasse, welche unter der Leitung des Fest-Dirigenten Herrn\nCapellmeislers Friedrich Lux trefflich eingeübt war\nund dadurch das Gelingen der Ausführung des Orato-\nriums „Judas Maccabäus\" von Händel im voraus sicherte,\nwie diese denn auch durch Präcision und frischen kräftigen\nStimmklang eine recht gute war, welche in Bezug auf den\nChor den Vergleich mit anderen grossen Aufführungen\nam Niederrheine nicht zu scheuen braucht. Das Verhält-\nniss der vier Stimmen zu einander war gut, Sopran und\nAlt standen sich in dem Maasse gleich, wie es die Tonlage be-\ndingt, namentlich hielt der Sopran seine reine und durch-\nschlagende Höhe bis zum letzten Tone am zweiten Abende\nmuthig fest, wo er in dem Schluss-Chore von Mendels-\nsohns Lobgesang noch ganz besonders glänzte, während\nder Alt vorzüglich in den Händel'schen Chören und in\ndem Choral: „Nun danket alle Gott!\" im Lobgesange sich\nauszeichnete. Von den Männerstimmen war der Tenor so\nkräftig, wie man ihn selten hört; der Bass hätte im Ver-\nhältnisse zu ihm in der Tiefe mehr Klang haben können.\nDass aber die Männerstimmen überhaupt so zahlreich be-\nsetzt waren, bot die erfreuliche Erscheinung dar, dass die\nMänner-Gesangvereine, die an manchen anderen Orten\nsich spröde gegen musikfestliche Aufführungen mit vollem\nChor verhalten, in Mainz eine sehr rege Theilnahme ge-\nzeigt hatten, die sie auch zu fleissigem Besuche der Pro-\nben angehalten haben muss, indem sonst die vorhandene\nPräcision der Einsätze u. s. w. nicht Statt gefunden haben\nwürde. Nur ein einziges Mal schwankte der Chor durch\ndie Schuld der Männerstimmen, wobei sich Herr Lux als\nein wackerer Dirigent zeigte und das Tonschiff durch kräf-\ntige Hand am Steuerruder sehr bald wieder auf die rich-\ntige Bahn brachte. Das Zahlenverhältniss des Chors war:\n178 im Sopran, 212 im Alt, 154 im Tenor und 250\nim Bass zusammen 794.\nDas Orchester zählte 57 Violinen, 20 Bratschen, 18\nVioloncelle, 15 Contrabässe und verdoppelte Blas-Instru-\nmente; die Verdoppelung der Posaunen zu 6 war des Gu-\nten oder vielmehr des Blechs zu viel. Eine Orgel von 18\nStimmen aus der rühmlichst bekannten Kunst-Werkstätte\nder Gebrüder Ibach in Barmen und Bonn, gespielt von\nHerrn Musik-Director Franz Weber aus Köln, vervoll-\nständigte den Instrumental- und Chorklang, und es ist sehr\nanerkennenswerth, dass das Comit6 sich zu einer Aufstel-\nlung derselben bloss zu dem Zwecke des Festes entschlos-\nsen hat, da man jetzt auch in Deutschland, wie schon\nlängst in England, bei Aufführung von Oratorien den\nKlang dieses mächtigen Instrumentes vermisst, weil man\nschon öfter seine herrliche Wirkung bei ähnlichen Gele-\ngenheiten erfahren hat. Wiewohl nun die Orgel in Mainz\nnur 18 Stimmen (Pedal einschliesslich) hatte, so vermählte\nsich ihr Klang doch wirksam mit den übrigen Tonmassen\nund bezeugte von Neuem, eben so wie die Orgeln in den\nSälen zu Barmen, Elberfeld und besonders im Gürzenich\nzu Köln, dass die Herren Ibach die Aufgabe der Intonation\nund Stimmungshaltung, welche bei Concert-Orgeln\nsehr schwierig ist, auch, durch Erfahrungen in dieser Hin-\nsicht belehrt, vorzüglich gut zu lösen wissen. Das Orchester\nzählte 155 Personen, so dass im Ganzen 956 Mitwirkende\ndie Tonbühne füllten.\nAm ersten Tage, wo das Wetter am Morgen noch\nschwankend war und das Concert begann schon um\nhalb 11 Uhr, freilich etwas sehr früh —, war die Halle\nnicht ganz mit Zuhörern gefüllt; am zweiten Tage hinge-\ngen war das ganze Haus sowohl in der Frühprobe als in\ndem Concerte am Nachmittage ausverkauft. Unter den\nZuhörern bemerkten wir unter den musicalischen Notabi-\nlitäten und Orchester- und Vereins-Dirigenten unter An-\nderen die Herren Hiller, Bruch, Hompesch aus Köln,\nBrambach aus Bonn, Reiss aus Kassel, Dietrich aus Ol-\ndenburg, Vierling aus Berlin, Lenz aus Coblenz, van Eycken\naus Elberfeld, v. Perfall und Wüllner aus München, Scholz\naus Hannover, Müller, Ignaz Lachner, Goltermann aus\nFrankfurt am Main, C. A. Mangold und Neswada aus\nDarmstadt, Hagen, Jahn, Raff aus Wiesbaden, Naret-Ko-\nning aus Mannheim, die Virtuosen Ole Bull, Jaell, Wie-\nniawski u. s. w.\nAus dem Gesagten geht schon hervor, dass die Auf-\nführung des Oratoriums „Judas Maccabäus\" eine sehr\nbefriedigende und würdige war. Dass ihr die Ouvertüre\nzur „Zauberflöte\" voranging, erfuhr vielfache Missbilli-\ngung, und auch uns würde (wenn überhaupt noch eine\nOuvertüre gemacht werden sollte, da ja das Oratorium eine\nsolche hat) ein Orchesterstück von anderem Charakter,\nz. B. von Gluck, passender erschienen sein. Wahrschein-\nlich hat der Wunsch, ein Musikfest-Programm nicht ohne\nden Namen Mozart erscheinen zu lassen, und die Ansicht,\ndass die Ouvertüre eine Eröffnungsmusik zu dem Feste\nüberhaupt darbieten solle, auf die Wahl Einfluss gehabt.\nVon den Sängern, denen die Solo-Partieen im Orato-\nrium anvertraut waren, sind die Herren Karl Hill von\nFrankfurt am Main und Gustav Walter von Wien auch\nhier am Rheine bereits so vortheilhaft bekannt, dass wir\nkaum nöthig haben, das zu bestätigen, was wir bereits"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "211", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650708-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4984, "texte": "bei anderen Gelegenheiten über die schönen Stimmen und\ndas grosse Gesangs-Talent dieser trefflichen Künstler\ndenn zu einem solchen hat sich auch Hill längst aufge-\nschwungen—gesagt haben. Je höher die Stufe ist, welche\nsie erreicht haben, desto mehr müssen wir ihnen den Rath\ngeben, einen wesentlichen Theil der Gesangbildung, die\nAussprache, noch mehr zu vervollkommnen, als sie es be-\nreits gelhan haben, und alle kleinen Mängel, die hier und\nda noch vorkommen, zu beseitigen. Es betreffen diese\nnicht sowohl die Vocale, als die Consonanten. Die Tenor-\nPartie des „Israeliten\" sang Herr August Ruff aus Mainz,\nder bei Herrn Koch in Köln seine Studien macht und\ngute Hoffnungen erweckt.\nDie Damen Melitta Alvsleben aus Dresden und\nPhilippine von Edelsberg aus München füllten die\nSopran- und Alt-Partie in den Soli und Duetten mit Bei-\nfall aus, ohne jedoch einen begeisternden und nachhaltigen\nEindruck zu machen, was wohl hauptsächlich an Uebung\nin demjenigen Ausdrucke, den der oratorische Gesang\nerfordert, liegen mag. Fräulein Alvsleben hat eine nicht\ngrosse, aber sehr liebliche hohe Sopranstimme, die mit einer\nkrystallreinen Intonation und einer nicht unbedeutenden\nColoraturfertigkeit vereinigt ist. Sie spricht gut aus und\nsingt correct, lässt aber in den lyrisch-melodischen Stellen\ntiefere Empfindung vermissen. In der Arie {A-dur): „Er\nnahm den Raub von Königen\", vermissten wir ungern die\nkleinen Trillerverzierungen und überzeugten uns doch in\nder Probe am zweiten Tage, in der Fräulein Alvsleben die\nAdler-Arie aus der „Schöpfung\" probirte (die jedoch im\nConcerte selbst ausfiel), dass sie dieselben recht schön zu\nmachen versteht. Für die Duette von Sopran und Alt hin-\nderte der gar zu verschiedene Timbre der beiden Stimmen\ndas innige Verschmelzen. Fräulein von Edelsberg hat be-\nkanntlich eine von jenen seltenen Altstimmen, welche den\neigentümlichen und bei ihr sehr vollen und schönen Klang\ndes Alts auch bis in die nächsten Töne des Sopran-Regi-\nsters fortsetzen; wir meinen aber, sie könnte und sollte\ndamit Wirkungen erzielen, die sie nicht bloss der Stimme,\nsondern auch der Beseelung derselben durch den Vortrag\nverdanken müsste. Eine der schönsten Arien für Alt (A-dur\nmit Violoncell-Solo Nr. 14) blieb weg, was uns leid that;\nso wenig wir Auslassungen in den Händel'scben Oratorien\nunbedingt verdammen, so hätten wir doch an dieser Stelle\nerst beide Arien (Alt und Sopran) und dann den verkürz-\nten Uebergang zum Duett (so wie er gemacht wurde)\ngewünscht.\nDen ersten Tag beschloss von 5 Öhr ab eine heitere\nFestfahrt nach dem Rheingau auf bunt bewimpelten und\nbei der Rückkehr zur Stadt glänzend erleuchteten Dampf-\nschiffen.\nHeber die Aufführungen am zweiten Festtage bleibt\nnach allem diesem nur noch Weniges zu sagen, vor Allem,\ndass sie ebenfalls recht gelungen waren, ja, theilweise,\nz. B. im „Lobgesang\" von Mendelssohn, nicht bloss kein\nNachlassen in den Chören, sondern in einzelnen Nummern\nnoch mehr Schwung und Feuer, als am vorigen Tage,\nwahrzunehmen war. Das Concert eröffnete Beethoven's\nPastoral-Sinfonie, deren Ausführung in Berücksichtigung\nder Vereinigung von Instrumentalisten aus Nord und Süd\nund einer einzigen Probe mit dem vollständigen Orchester\nrecht befriedigend genannt werden kann; besonders durch-\nschlagend oder einschlagend wirkte der Gewittersturm,\nbei dessen Ausführung neben der Kraft die dabei durch-\naus nothwendige exacteste Präcision nichts zu wünschen\nübrig liess. Anders war es freilich mit einzelnen Feinheiten\ndes Ausdrucks (die nicht in der Hand des Dirigenten lie-\ngen) in den anderen Sätzen, besonders im Andante und\nScherzo, wo unter Anderem hauptsächlich der Mangel an\nrichtigem Vortrage der synkopirten Noten und der Phra-\nsirung sich nicht angenehm bemerkbar machten.\nHerr Walter, dem der einzige Solo-Vortrag, der\nvorkam, anvertraut war, erregte durch Mozart's: „Dies\nBildnissist bezaubernd schön\", stürmischen Beifall, der\nnicht ruhte, bis er die Arie wiederholte, was sehr freund-\nlich von ihm war.\nEin Psalm für Frauenstimmen von Franz Lachner\nmachte trotz der Ausstattung mit vier Harfen, Hörnern\nund Orgel keinen rechten Eindruck und passte auch nicht\nfür ein Musikfest. Wenn wir uns nicht irren, so ist er vor\nJahren nur mit Clavierbegleitung geschrieben.\nMendelssohn's Cantate „Lobgesang\" wurde, wie schon\nerwähnt, sehr gut ausgeführt, nur wollten die drei Sinfo-\nniesätze nach der Pastoral-Sinfonie nicht recht munden.\nDie Cantate selbst aber riss durch Glanz der Aufführung\nund bis zum letzten Momente recht sichtbare Gesanges-\nfreude aller Mitwirkenden das Publicum wieder zum En-\nthusiasmus und durch lebhaftesten Applaus ausgesproche-\nnen Dank für den schönen Kunstgenuss an den beiden\nFesttagen hin.\nNach dem Schlüsse wurde Herrn Capellmeister Lux\neine wohlverdiente Huldigung durch den Vortrag eines\nGedichtes durch eine junge Dame, Ueberreichung eines\nLorberkranzes und sehr werthvoller Ehrengeschenke als\nZeichen der Dankbarkeit unter dem schallenden Beifalle\ndes ganzen Saales zu Theil.\nn"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-07-08-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-07-08_01#c003", "volume": "bmtnabi_1865-07-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "212", "page_fin": "213", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650708-01.2.3", "titre_corps": "Das Musikfest in Braunschweig am 10., 11. und 12. 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Diese gewaltige Ouvertüre von Beethoven\nwurde in der That unter Direction des Capellmeisters\nFischer mit trefflichster Präcision ausgeführt, und das\nStreich-Quartett entfaltete eine Macht, wie wir sie nur\nauf niederrheinischen Musikfesten kennen lernten.\nIn eben so würdiger Ausführung kamen Scenen aus\n„Iphigenie auf Tauris\" von Gluck zu Gehör, wo Frau\nDustmann als Iphigenie mit der vollen Kraft ihrer dra-\nmatischen Begabung und mit dem schönsten Timbre ihres\nhelltönenden Organs in Wahrheit Alles bezauberte. Be-\nkanntlich ist beregte Partie die Glanzleistung genannter\nKünstlerin, welche um so wirkungsvoller hervortrat, als\nHerr Hill eben so, wie im vorigen Jahre zu Aachen, den\nOrest mit erschütterndem Ausdrucke zur Geltung brachte,\nwährend Herr Walter den Pylades sehr gut, nur\nbisweilen etwas weichlich sang; der Chor der Prie-\nsterinnen klang mitunter allzu bescheiden, obwohl im\nUebrigen vollständige Correctheit zu Tage trat. Hierbei\nführen wir an, dass wir in den Händen vieler Zuhörer den\nhandlichen und billigen Clavier-Auszug der Gluck'schen\n„Iphigenie\", welcher bei Peters in Leipzig erschienen\nist, zum Nachlesen bemerkten.\nIn einer von Fräulein Bettel heim vorgetragenen\nArie von Rossi kamen die Schönheiten der wunderbar\numfangreichen und mächtigen Stimme dieser von Mutter\nNatur mit äusseren Vorzügen reich ausgestatteten Künst-\nlerin zu herrlichster Entfaltung, und wir müssten unseren\nBericht weit ausspinnen, wenn wir alle Eigentümlichkei-\nten des merkwürdig grossen Organs charakterisiren woll-\nten. Nur das Eine wollen wir anführen, dass die Stimme\nin schöner Register-Ausgleichung vom kleinen bis zum\nzweigestrichenen b reicht, ein Umfang, wie wir ihn sonst\nbei anderen Künstlerinnen nicht wahrgenommen haben.\nAls Novität für uns hörten wir eine „Hymne an\ndie Gottheit\" für Solo, Chor und Orchester von dem\nbraunschweiger Componisten Meves, und wir freuen\nuns, stilvolle Einheit und wohlberechnete Klangschönheit\nan diesem ohne alle Prätention auftretenden Werke rüh-\nmen zu können, wenn auch die originelle Erfindung kei-\nneswegs in den Vordergrund gestellt werden darf. Das\nHauptwerk des Concertes war Beethoven's neunte Sinfo-\nnie, bei deren Durchführung zwar einige Kleinigkeiten in\nBezug auf die Trompeten und Hörner zu rügen sein dürf-\nten, deren Inhalt aber im Ganzen partiturgelreu und mit\nBegeisterung wiedergegeben wurde. Besonders schön war\ndie Ausführung des letzten Satzes, wo das Ensemble der\nvier Solisten, unter denen hier Frau üustmann ganz be-\nsonders hervorzuheben ist, im Vereine mit dem glanzrei-\nchen Chor, vcn welchem die Soprane das zweigestrichene\na mit tadelloser Reinheit und Leichtigkeit ansetzten und\naushielten, unter rauschendem Beifalle zur Anerkennung\ngelangte. Auch ist zu bemerken, dass Herr Fischer die\nRecitative der Bässe nicht schleppend nahm, wie es z. B.\nin Leipzig gewöhnlich geschieht, sondern dieselben mit\nrichtiger Auffassung in bewegtem Zeitmaasse spielen liess.\nIm Scherzo hätten wir den weltberühmten Paukenschläger\nPfundt aus Leipzig zu hören gewünscht, da der Paukist\nsein anvertrautes Pfund nicht nach allen Seiten hin ver-\nwertete.\nDie erste Abtheilung des dritten Concertes eröffnete\ndie Freischütz-Ouverture und beschloss die „Litaney\" von\nFranz Schubert, für gemischten Chor von Herbeck bear-\nbeitet, ein Stück von köstlicher Wirkung und bei aller in-\nteressanten Harmonik von so liebenswürdiger Einfachheit,\ndass auch kleinere Vereine dasselbe leicht auszuführen im\nStande sind. In der zweiten Abtheilung wurde mit der\nAnakreon-Ouverture von Cherubini begonnen und einem\nChor aus dem HändePschen „Judas Maccabäus\" geschlos-\nsen. Zwischen genannten Stücken traten nun die einzelnen\nSolisten auf, wesshalb auch—wie am Niederrheine die-\nses letzte Concert „Künstler-Concert\" genannt wurde.\nHerr Karl Hill sang eine Arie aus „Elias\" und\nLieder von Schubert und Schumann mit aller künstleri-\nschen Meisterschaft, und mussle auf Verlangen ein Lied\n(von Abt) zugeben. Eben so erging es dem zwischen einem\nlyrischen und dramatischen Tenor die Mitte haltenden\nSänger Herrn Walter, dessen Vortrag der Arie aus der\n„Zauberflöte\" („Dies Bildnissist bezaubernd schön\") und\nzweier Lieder von Schubert und Schumann nebst beregter\nZugabe die Sympathie aller Herzen errang. Auch Frau\nDustmann war freundlich genug, das „Haideroslein\"\nvon Schubert da capozu singen, nachdem sie bereits eine\nArie aus „Jessonda\" und „Frühlingslied\" von Mendels-\nsohn mit dem grössten Beifalle vorgetragen hatte. Den\nhöchsten Triumph für Ihre musicalische Begabung feierte\nFräulein Caroline Bettelheim, indem dieselbe nicht\nallein als Sängerin mit der grossen Coloratur-Arie der\nRosine aus dem „Barbier\" (welche überdies ihrem Naturel\nnicht ganz angemessen war) und mit Liedern von Schubert\ndas Publicum zu den reichsten Beifallsspenden hinriss, son-\ndern weil sie auch durch den Vortrag der Variationen in"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "213", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650708-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2171, "texte": "E von Händel und eines Stückes „Im Turnier\" von Gold-\nmark als eine Pianistin glänzte, deren Technik gleichmäs-\nsig durchgebildet und wohl geeignet ist, das singende Ele-\nment auch auf dem Flügel zur Geltung zu bringen. Dess-\nlialb hätte uns eine andere Wahl als die des letztgenannten\nStückes vorteilhafter gedünkt, und wir hätten Fräulein\nBeUelheim lieber in duftigen Blumengärten wandeln sehen,\nals dass wir wahrzunehmen genöthigt waren, mit welcher\nVorsicht sie durch gefährliches Turnierlanzenwerfen\nschlüpfen musste. In dem schönen canonischen Quartelte\naus Beethovens „Fidelio\" wetteiferten noch einmal die\nvier ausgezeichneten Solisten Frau Dust mann, Fräulein\nBettelheim, Herr Walter und Herr Hill um den\nSiegespreis, und wenn wir hier um alle zusammen eine\nGuirlande winden, anstatt dem Einzelnen einen Kranz aufs\nHaupt zu drücken, so glauben wir den Gesinnungen sämmt-\nlicher Zuhörer öffentlichen Ausdruck gegeben zu haben.\nIn gleicher Weise verdient Herr Emil Weiss aus\nGöttingen (am Conservatorium zu Leipzig gebildet) für die\nausgezeichnete Behandlung der Orgel am ganzen Feste\nuneingeschränkte Anerkennung, die sich auch am dritten\ntesttage nach dem Vortrage einer Sonate von Ritter durch\nlebhafte Acclamationen bekundete, nachdem die verdienst-\nvollen drei Capellmeister Herr Abt, Herr Herbeck und\nHerr Fischer bereits mit Lorberkränzen, Blumen und\nBeifallsspenden förmlich überschüttet worden waren.\nDas ganze Fest wurde mit einer Zusammenkunft in\ndem zum prächtigsten Saale umgewandelten Theater fröh-\nlich beendet, wo auch der Muse Terpsichore die unaus-\nbleibliche Verehrung zu Theil ward. Gewiss werden sich\nan die schönen Tage die Mitwirkenden und Gäste noch\nlange Zeit erinnern, unter welchen letzteren wir bemerk-\nten: Dr. Chrysander, Reinthaler aus Bremen, Bargheer\naus Detmold, Selmar Müller aus Wolfenbültel, Hahn aus\nBielefeld, Braune aus Fialberstadt, Lang aus Hannover, Pas-\ndeloup aus Paris, Tanneberg aus Halberstadt, Nick aus Hil-\ndesheim, Droenewolf aus Quedlinburg, Wehner u. A.\nMöchten dem braunschweiger' Feste bald mehrere\nmitteldeutsche Musikfeste folgen, damit das Märchen, wie\nin Goethe's Faust, nicht sagen kann: „Es war einmal\"."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-07-08-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-07-08_01#c004", "volume": "bmtnabi_1865-07-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "213", "page_fin": "215", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650708-01.2.4", "titre_corps": "Sinfonie in E-moll „Es muss doch Frühling werden“ von Ferdinand Hilter", "titre_sommaire": "Sinfonie in E-moll „Es muss doch Frühling werden“ von Ferdinand Hilter", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "213", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650708-01.1.5", "debut_caractere": 2173, "fin_caractere_exclue": 4679, "texte": "Sinfonie in E-moll „Es muss doch Frühling werden“\nvon Ferdinand Hilter\n*).\nDiese Sinfonie, das grösste Instrumentalwerk Hiller's,\nhörten wir zum ersten Male kurz nach ihrer Entstehung,\ndie in eine Zeit fiel, in welcher die Ueberschrift: „Es muss\ndoch Frühling werden!\" in ihrem wahren Sinne leichter\nals jetzt aufgefasst werden konnte und vor Missdeutungen\nsicherer war, wie sich deren auch nach der letzten Auf-\nführung derselben am dritten Tage des niederrheinischen\nMusikfestes in einigen Berichten ausländischer Zeitungen\nnoch gezeigt haben.\nMan muss vor Allem nicht mit der Erwartung an das\nAnhören dieser Sinfonie gehen, darin ein Tongemälde zu\nfinden, das in uns etwa die Empfindungen beim Nahen\ndes Frühlings, bei seinem endlichen Durcbbruche durch\ndas Eis des Winters, erwecken oder wohl gar in neu-pro-\ngrammalistischer Weise Winter- und Frühlings-Scenen\nin abwechselnd schauerlichen und sentimentalen Tonma-\nlereien darstellen solle. Der darüber gesetzte Sinnspruch\nspricht nur die Idee aus, welche den Componisten ange-\nregt hat zu einem grossartigen, rein musicalischen Werke,\nund diese Idee hat er eben so wenig wie der Dichter,\ndem das Motto entlehnt ist, von der Oberfläche der all-\njährlichen Erscheinungen der Natur hergenommen, son-\ndern aus der liefe des Lebens in einer bestimmten Ent-\nwicklungs-Periode der Menschheit geschöpft.\nIm Jahre 1848 erschienen (bei Cotta in Stuttgart)\nEmanuel Geibel's „J uniuslieder\". Unter ihnen\nfolgendes:\nH 0 ff D U n g.\nUnd dräut der Winter noch so sehr\nMit trotzigen Geberden,\nUnd streut er Eis und Schnee umher,\nEs muss doch Frühling werden.\nUnd drängen die Nebel noch so dicht\nSich vor den Blick der Sonne,\nSie wecket doch mit ihrem Licht\nEinmal die Welt zur Wonne.\nBlast nur, ihr Stürme, blast mit Macht,\nMir soll darob nicht bangen.\nAuf leisen Sohlen über Nacht\nKommt doch der Lenz gegangen.\nDa wacht die Erde grünend auf,\nWeiss nicht, wie ihr geschehen,\nUnd lacht in den sonnigen Himmel hinauf\nUnd möchte vor Lust vergehen.\nSie flicht sich blühende Kränze ins Haar\nUnd schmückt sich mit Rosen und Aehren,\nUnd lässt die Brünnlein rieseln klar,\nAls wären es Freudenzähren.\nDrum still, und wie es frieren mag,\n0 Herz, gib dich zufrieden:\nEs ist ein grosser Maientag\nDer ganzen Welt beschieden!\nUnd wenn dir oft auch bangt und graut,\nAls sei die- Holl' auf Erden,\nNur unverzagt auf Gott vertraut:\nEs muss doch Frühling werden!\n\n) Partitur und Orchesterstimmen. Mainz, Vorlag von Schott\nund Söhne. Partitur 10 Fl. 48 Kr. Orchesterstimmen 16 Fl. 12 Kr,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "214", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650708-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5352, "texte": "Dieses Gedicht war es, welches Hiller nicht zu dessen\nUebersetzung in Noten, sondern zur Verklärung des Ge-\ndankens, den es ausspricht, in Tönen begeisterte, in Tö-\nnen, dem Stoffe derjenigen Kunst, die unter allen am mei-\nsten im Stande ist, auf den inneren Menschen zu wirken,\nund auf wunderbare Weise mit jenem Sehnen und Ringen\nnach einem Ideale sich zu verschmelzen, welches die Her-\nzen bewegt und den ganzen Menschen in eine Stimmung\nversetzt, die ihn für edle und grosse Gedanken empfäng-\nlich macht. Gerade die Unbestimmtheit jenes Ahnens des\nIdealen ist es, was die Verlebendigung desselben durch\ndie Musik im menschlichen Gemüthe möglich macht, denn\ndie Musik kann ja ihre Aufgabe in dieser Beziehung nie-\nmals anders als durch Annäherung lösen, jede greifbare\nAbbildung oder Darstellung, jede wörtliche Verdol-\nmetschung des Gedankens wie des Gefühls liegt ihr fern.\nDie Annahme vom Gegentheil verführt eben zu jenen An-\nsichten vom gegenständlichen Wesen der Musik, in welche\ndie neueste Schule sich verirrt und welche in letzter Con-\nsequenz zur Sprache zurückführen und die Musik als\nKunst aufheben.\nDer Künstler steht aber inmitten seiner Zeit, und so\nwar es ganz natürlich, dass bei Emanuel Geibel und bei\nFerdinand Hiller das Ideale seinen Quell in dem Auf-\nschwünge der Völker fand, dass es die Göttin der Freiheit\nwar, die ihnen vorschwebte; ob sie sie nur im Traume\nsahen, wie Egmont im Goethe'schen Drama, oder ihr\nwirkliches Nahen im Geiste schauten, ist gleich: kurz,\nsie glaubten an ihre Erscheinung, und nur für das,\nworan er glaubt, kann der Künstler die wahre Begeiste-\nrung zum Schaffen finden.\n„Es muss doch Frühling werden\", doch, trotz allem,\nwas Winter ist; also das Ringen von allem, was nicht\nbloss in der Natur Frühling heisst, gegen alles, was nicht\nbloss in der Natur Winter heisst, der bewegte, aufregende\nKampf um ein neues, frisches, junges Leben und die\nsteigende Hoffnung auf die Segnungen desselben, das\nwar die Idee, die Hiller aus Geibel's Gedicht auffasste\nund die ihn zum Schaffen seines Werkes mit jenem inne-\nren Drange trieb, der in dem Bewusstsein seiner Zeit und\nin seiner Künstler-Individualität wurzelte. Da konnte er\nkein idyllisches Säuseln und Träufeln gebrauchen: auf\nSturmwolken fahren die Elemente daher, die eine neue\nWelt gebären wollen, in Wettern spricht der Herr zu den\nVölkern der Erde. So musste diese Tonschöpfung na-\nmentlich im ersten Satze, der den Charakter des Ganzen\nhauptsächlich ausspricht jede Malerei verschmähen und\nschwingt sich auf zu einem Hymnus zum Preise der Idee\nder Freiheit. Darum von vorn herein gleich die kurzen,\nenergischen Figuren und einschlagenden Accorde in feuri-\ngem Tempo und fortan immer reicheres Entwickeln auf-\nregender Bewegung in Führungen und Figuren, die zu\nnichts weniger als zu den gewöhnlichen gehören und den-\nnoch nirgends durch gesuchte harmonische Combinationen\noder schroffe Accordfolgen die Nerven mehr als das Ohr\nerschüttern, nirgends den obersten Grundsatz der Kunst,\ndass sie das Schöne zum Gegenstande hat, dem Streben\nnach Neuem und Frappantem aufopfern. Dazwischen er-\nklin gen schöne, melodische Motive. Wie wenn der dun-\nkele Himmel sich plötzlich öffnet und dem Sonnenblicke\nRaum gibt, dass er sich golden auf die Fluren wirft, so\ntönen diese Melodieen wie Stimmen der Boten eines na-\nhenden Frühlings, wie Sehnsucht und Hoffnung auf eine\nschönere Zeit; sie weben sich in einander in Nachahmun-\ngen und überraschenden Wiederaufnahmen, welche aller-\ndings zuweilen kühn in den nächsten Intervallen auftreten,\naber bei ausdrucksvoller Phrasirung und Accentuation die\nVorstellung einer drängenden Empfindung geben, die dem\nCharakter des Ganzen angemessen ist. Doch übertönt sie\nwieder der Sturmwind, der den Sonnenblicken noch keine\nbleibende Stätte gönnt und die Schatten der Wolken wie-\nder über die Fluren jagt.\nDer bedeutendsten jener Melodieen, die sich in auf-\nsteigender Scala bewegt, hat der Componist durch den\ndrängenden Rhythmus in synkopirten Noten, den Hiller so\ntrefflich, und zwar ohne dissonirende Vorhalte zu benutzen\nweiss, einen eigenthümlichen Reiz verliehen; sie kehrt als\nein mittleres Motiv öfter wieder, ringt sich durch Sturm und\nWetter hindurch, aber nicht in weichlicher Klage, sondern\nim Ausdrucke einer männlichen Sehnsucht nach Thaten, ja,\nmit dem Bewusstsein des Gelingens ruft sie recht eigent-\nlich aus: „Es muss doch Frühling werden!\"— Gegenden\nSchluss des ersten Satzes drängt sich die Idee des Ganzen\nnoch einmal enger zusammen, und eine überraschend\nschöne Modulation, auf der aber der Tondichter nur einen\nAugenblick verweilt, strahlt gleichsam noch einmal die\nZuversicht auf den „Maientag\" aus, „der der ganzen Welt\nbeschieden ist\".\nDem ersten Satze schliesst sich das Adagio in C-dur\nan, dem ein Ällegro vivace— in geradem Tacte—\nfolgt; beide bilden mit dem feurigen, sehr schwungvollen,\nnur vielleicht etwas zu lang ausgearbeiteten Finale in\nclur die Durchführung und Abrundung des Ganzen zu\neinem musicalischen Kunstwerke, welches sieb, bei aller\nNeuheit der Erfindung und vollständiger Benutzung der\nMittel moderner Instrumentirung, in den Formen der clas-\nsischen Meister mit besonnener Freiheit bewegt. Die Be-\nziehungen der drei letzten Sätze auf den Hauptgedanken,\nder sich im ersten Allegro ausspricht, sind überall erkenn-\nbar, natürlich mit denjenigen Modificationen, welche der"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "215", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650708-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2145, "texte": "musicalische Charakter der verschiedenen Sinfoniesätze be-\ndingt: sie treten keineswegs der Einheit des Ganzen ent-\ngegen. Für das Adagio gilt noch besonders, was über das\nIn- und Nebeneinander der melodischen Motive bemerkt\nworden ist; dieses Verweben derselben, unterstützt durch\ndie treffliche Benutzung der Individualität der Instrumente,\nist mit grosser Kunst durchgeführt, erscheint aber im Hö-\nren einfach und spricht zum Gemüthe. Das\n(Scherzo) ist ein funkelnder Stein im Kranze des Ganzen\nund dürfte leicht neben dem ersten Allegro der genialste\nSatz der Sinfonie sein. Für die Orchester-Dirigenten\nmachen wir aber die Bemerkung, dass zu wirkungs-\nvoller Ausführung des Werkes eine starke Besetzung\nder Bogen-Instrumente, besonders der Violinen, notwen-\ndig ist.\nWir können diesen Artikel nicht scbliessen, ohne an\ndie Zeit zurückzudenken, wo F. Hiller diese Sinfonie hier\nin Köln kurz nach dem Antritte seiner, hiesigen Stellung,\nin der er nun bereits eine mit kurzer Unterbrechung fast\nsechszehnjährige so einflussreiche Wirksamkeit geübt hat,\nzuerst in dem Gesellschafts-Concerte vom 11. December\n1849 aufführte. Er hat sie nachher zum Behuf einer\nAufführung im Jahre 1854 theilweise revidirt und umge-\narbeitet, seitdem aber nichts mehr hinzu noch davon ge-\nthan. Weil Hiller aber die Eigenheit hat, sich zwar wäh-\nrend der Arbeit ganz ausschliesslich in ein und dasselbe\nWerk zu versenken, sobald es aber fertig ist, sich wenig\noder gar nicht um dessen ferneres Schicksal zu kümmern,\nund er folglich auch nie die Kunst verstanden hat, seine\nWerke selbst, wie man zu sagen pflegt, „an den Mann\nzu bringen\", so ist diese Sinfonie erst neuerlich durch den\nVerlag von B. Scbott's Söhnen in Mainz (in ausgezeichne-\nter Ausstattung als Op. 67 vom Componisten der\nSociety in London zugeeignet—\nS. 1—86; Adagio, S. 87—114; Allegro vivace, S.\n115 —175; Finale,S. 176—266) Eigenthum der mu-\nsicalischen Welt und diese dadurch um ein Werk reicher\ngeworden, welches die gegenwärtige Aera der Orchester-\nmusik auf edle und durch Inhalt und Form, im Gegen-\nsatze zu so manchen heutigen Producten in derselben Gat-\ntung, würdigste Weise vertritt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-07-08-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-07-08_01#c005", "volume": "bmtnabi_1865-07-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "215", "page_fin": "216", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650708-01.2.5", "titre_corps": "Noch einige Aphorismen von Daumer.", "titre_sommaire": "Noch einige Aphorismen von Daumer.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "215", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650708-01.1.7", "debut_caractere": 2147, "fin_caractere_exclue": 5144, "texte": "Noch einige Aphorismen von Daumer.\nVon modernen Compositionen hat man gesagt und\ngerühmt, es strebe hier die Musik, ihre Gränzen zu durch-\nbrechen und sich zur Sprache zu erheben. Das ist das\nVerkehrteste, was man sich denken kann. Es heisst das so\nviel, als: das Sein, das Leben, die sich selbst bedeutende\nWahrheit und Wirklichkeit strebt danach, nicht mehr dies\nzu sein, sondern bloss noch etwas anzudeuten, was sie nicht\nselbst ist, ein an sich leeres und nichtiges Zeichen für An-\nderes zu sein. Was braucht sich denn die Musik zur\nSprache zu erheben, da wir die Sprache schon vollständig\nbesitzen und in alle mögliche Anwendung bringen? Wenn\nes so steht, wie beim Vorbringen solcher Phrasen ange-\nnommen wird, so lasse man die Musik und bleibe einfach\nbei der Sprache, die in so vollem Maasse schon ist, was\ndie Musik erst werden soll und zu werden ringt.\nDas Umgekehrte ist das Richtige. Die Sprache möchte\ngern Musik werden und wird es in den Fällen, wo ein\nGedicht in einen Gesang, ein Drama in eine Oper verwan-\ndelt wird. Als das, was zu bereichern, zu vervollständigen,\nzu beleben ist, erscheint hier offenbar die Sprache, die\nPoesie; in dieser muss daher ein Mangel sein, dem die\nMusik abzuhelfen im Stande ist. Was ist das für einer?\nDie Poesie ist und bleibt für sich selbst immer nur die\nAndeutung und Abbildung einer Sache, eines Gegenstan-\ndes oder Vorganges durch das Wort, die Sprache, als\nZeichen, und durch die mittels desselben erregte Vorstel-\nlung. Es fehlt ihr in dieser Beziehung an Objectivität,\nWirklichkeit, Leben. Dieses Element findet sich in der Mu-\nsik; durch diese wird die für sich abstracte Vorstellung\nin dieses gewaltige Element eingetaucht und nun erst lebt\nsie im vollsten, effectvollsten Sinne des Wortes das fühlt\nJedermann.\nEin genialer Componist mag wohl auch aus einem\nunbedeutenden Gedichte, aus einem stümperhaften Opern-\ntexte etwas Gutes zu machen im Stande sein. Die Musik\nkommt da der schwachen und mangelhaften Poesie zu\nHülfe. Nicht so ist es auch umgekehrt. Einer reiz- und\neffectlosen Musik lässt sich durch Poesie nicht aufhelfen.\nEine Dichtung der schönsten Art wird die schlechte Mu-\nsik, der man sie unterlegt, nicht überwiegen, sie wird viel-\nmehr selbst leiden und wirkungslos werden, wie wenn\nman ein schönes Gemälde in trübes, schlammiges Wasser\ntaucht*). Warum? Das Gedicht besteht bloss aus Gedan-\nken und aus Zeichen, die solche ausdrücken: es ist ein\nbloss Ideales; die Musik aber ist ein Reales und durch\nseine mächtige, effectvoll eingreifende Realität Ueberwie-\ngendes, kann daher als solches das Gedicht, den Text in\n\n*) Schiller schrieb den 11. Mai 1798 an Goethe: „Wenn\nSie zur Fortsetzung der Zauberflöte keinen recht geschickten und\nbeliebten Componisten haben, so setzen Sie Sich in Gefahr, ein un-\ndankbares Publicum zu finden. Denn kein Text rettet die Oper,\nwenn die Musik nicht gelungen ist; vielmehr lässt man den Poeten\ndie verfehlte Wirkung mit entgelten.\" Briefwechsel zwischen Schil-\nler und Goethe, IV. S. 199."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "216", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650708-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2343, "texte": "den Hintergrund drängen und die alleinige Herrschaft be-\nhaupten, durch das Gedicht aber, das nur ein Schatten da-\ngegen, nicht zurückgedrängt und minder auffallend ge-\nmacht werden. Vielmehr wird ein dem Poeten gelungenes\nLied, ein trefflicher Operntext durch eine schlechte Com-\nposition total zu Grunde gerichtet, da sich hier Niemand\nan dem Worte des Dichters zu ergötzen und damit über\ndie musicalische Pfuscherei zu trösten im Stande ist.\nIn der Bibel heisst es, Gott habe den ersten Menschen\naus Erde geformt und so zu einem beseelten Wesen ge-\nmacht. Ein ähnliches Wunder zu thun, ist dem Virtuosen\nund nur ihm möglich. Sein Instrument lebt gewisser\nMaassen, indem er es behandelt; Paganini's Geige z. B.\nwar mit Leben und Geist erfüllt. Der singende Vogel und\nMensch macht aus sich selbst ein Instrument, und dieses\nlebt. Das ist indessen nicht so auffallend, weil Vogel und\nMensch schon ohnedies lebendig sind, wiewohl in dem sin-\ngenden eine besondere Art von Lebendigkeit waltet. Wenn\naber das sonst todte Instrument mit Leben, Seele, Geist\nerfüllt wird, dann ist die Sache wunderbarer. „Verschwin-\ndet\", sagt Hegel, „die Aeusserlichkeit des Instrumentes\ndurchaus, dringt die innere Musik ganz durch die äussere\nRealität hindurch, so erscheint das Instrument als ein voll-\nendet durchgeführtes, eigenstes Organ der Künstlerseele.\nln diesem Falle geniessen wir die höchste Spitze\nmusicalischer Lebendigkeit, das wundervolle Geheimniss,\ndass ein äusseres Werkzeug zum vollkommen beseelten\nOrgane wird\" u. s. w. Im Virtuosen steht der Mensch so-\nmit dem Schöpfer in so fern gleich, dass er ein Gebilde\nseiner Hand wenigstens mit momentanem Leben erfüllt,\nihm nicht nur gleichsam, sondern in fühlbar realer Wahr-\nheit seine Seele, seinen Geist einhaucht. Man kann auch\nwohl von einem Maler oder Bildhauer sagen, er beseele\nseine Gestalten; aber das hat einen ganz anderen Sinn, in\nso fern da nur von einem künstlich erzeugten Scheine\ndie Rede ist. Der Ton, den wir hören, hat nicht die Natur\ndes Scheines, sondern der Wirklichkeit; und wenn nun\nüberdies gar noch das an sich todte Werkzeug der künst-\nlerischen Tonerzeugung ein gewisser Maassen individuelles\nLeben bekommt, und somit alle Aeusserlichkeit und Starr-\nheit besiegt, aller Tod überwunden ist, so ist dies das\nWunder aller Wunder im Reiche des Menschlichen und\nNatürlichen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-07-08-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-07-08_01#c006", "volume": "bmtnabi_1865-07-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "216", "page_fin": "216", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650708-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "216", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650708-01.1.8", "debut_caractere": 2345, "fin_caractere_exclue": 4770, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\n£illS, 4. Juli. Jakob Offenbach hält sich hier auf, um\ndie Cur zu gebrauchen. Da man aber nicht vergessen hat, dass er\ndort den grössten Theil seines „Orpheus\" und mehrere allerliebste\nOperetten für die erste Aufführung auf dem niedlichen kleinen\nTheater im Cursaale hierselbst geschrieben hat, so hofft die zahl-\nreich hier versammelte musicalische Welt aus den höheren Ständen\ndennoch auf eine neue Gabe ähnlicher Art.\nHerr Capellmeister Dr. Rietz befindet sich gegenwärtig in'Ba-\nden-Baden auf der Villa der berühmten Sängerin Frau Viardot-\nGarcia. Herr Rietz hat sich nämlich der mühevollen Aufgabe un-\nterzogen, die neue Ausgabe von Mozart's „Don Juan\" bei Breitkopf\nund Härtel nach der Original-Partitur einzurichten, welche vor Jah-\nren für 6000 Fr. in den Besitz obiger Dame gelangte.\nRobert Volkmann hat während seines jetzigen Aufenthaltes\nin Deutschland seinen einzigen Bruder, Pastor Volkmann zu Gers-\ndorf, in dessen Gesellschaft er noch die Tonkünstler-Versammlung\nin Dessau besuchte, durch den Tod verloren.\nStuttgart, 26. Juni. Gestern Abend wurde in der Stifts-\nkirche durch den Verein für classische Kirchenmusik, unter Ver-\nstärkung des Chors, mit dem Orchester der k. Hofcapelle und der\nOrgel (Herr Ed. Tod) Mendelssohn's „Elias\" unter Leitung des\nHerrn Prof. Faisst aufgeführt. Solisten die Damen Leisinger,\nJäger, Marschalk, die Herren A. Jäger und Schütky.\nDas des bremer „Schützenfestes\" wandte sich an sechs\nder bedeutendsten Dichter Deutschlands, um ein passendes Festlied\nzu erhalten. Die Entscheidung des ComWs ist nun für Hermann\nLingg ausgefallen. Bezüglich der Composition dieses Liedes schlug\ndas Comite denselben Weg ein und wählte schliesslich unter sechs\nCompositionen die von Franz Wüllner, der bekanntlich seit\neinigen Monaten als Capellmeister an der königlichen Hofcapelle in\nMünchen weilt.\nWien. Se. K. Höh. Herr Erzherzog Leopold hat die in sei-\nnem Besitze befindlichen „dreiundachtzig Originalbriefe Beethoven's\nan den Erzherzog Rudolph\", welche jüngst durch Herrn v. Kochel\nveröffentlicht wurden, der „Gesellschaft der österreichischen Musik-\nfreunde\" zum Geschenke gemacht. Diese werthvolle Gabe, begleitet\nvon einem verbindlichen Schreiben des Herrn Erzherzogs an den\nPräsidenten der Gesellschaft, General v. Dratschmiedt, wurde von\nLetzterem in der jüngsten Sitzung der Direction überreicht und mit\neinhelligen lauten Freudenbezeigungen begrüsst."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "209", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650708-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDas fünfte mittelrheinische Musikfest. Das Musikfest in Braunschweig am 10., 11. und 12. Juni 1865. Von Dr. Oscar\nPaul. (Schluss.) Sinfonie in E-moll „Es muss doch Frühling werden\" von Ferdinand Hiller. Noch einige Aphorismen von Daumer.\nTages- und Unterhaltungsblall (Ems, Jakob Offenbach Baden-Baden, Capellmeister Dr. Rietz Rob. Volkmann Stutt-\ngart, Mendelssohn's „Elias\" Bremen, Preis-Festlied Wien, Originalbriefe von Beethoven).\n\nDas fünfte mittelrheiniscke Musikfest.\nIm Jahre 1856 traten die Städte Darmstadt, Mann-\nheim, Wiesbaden und Mainz zusammen, um die zahlrei-\nchen und tüchtigen musicalischen Kräfte, welche sie in\nihren Gesangvereinen und Orchestern besitzen, alljährlich\nzur Feier eines Musikfestes nach dem Vorbilde des nieder-\nrheinischen zu vereinigen.\nSo fand das erste Musikfest am Mittelrheine zu Darm-\nstadt am 31. August und 1. September 1856 unter der\nDirection der dortigen Hof-Capellmeister C. A. Mangold\nund L. Schindelmeisser Statt. Händel's „Messias\" und\nBeethoven's heroische Sinfonie bildeten die Haupt-Auffüh-\nrungen. Neben ausgezeichneten Sängern waren die Instru-\nmental-Solo-Vorträge durch Vieuxtemps, C. Paur und\nKrüger (Harfe) vertreten.\nDas zweite Fest brachte zu Mannheim im Juni 1857\nunter Ferd. Hiller's Direction den „Elias\" von Mendels-\nsohn und Beethoven's neunte Sinfonie. Unter den Solisten\nglänzten unter Anderen Fräulein Bochkolz-Falconi\nund der Violinist Laub.— In Wiesbaden wurde im Sep-\ntember 1858 das dritte Fest durch die Aufführungen von\nJ. Haydn's „Schöpfung\", Mendelssohn's 114. Psalm und\nF. Schubert's grosser C-eifor-Sinfonie unter Leitung der\nHerren Vincenz Lachner aus Mannheim und J. B. Ha-\ngen aus Wiesbaden gefeiert. Zu den Solisten gehörten\nder Tenorist Karl Schneider und der Pianist Dionys\nPruckner.\nDie Zeitumstände des folgenden Jahres waren be-\nkanntlich nicht zu festlichen Ergötzungen angethan; allein\nim Jahre 1860 veranstaltete das in Mainz ein wie-\nderum sehr zahlreich besuchtes und glänzend gelungenes\nFest am 22. und 23. Juli. Zur Aufführung kamen Hän-\ndel's „Israel in Aegypten\", Mendelssohn's „Die erste Wal-\npurgisnacht\", Scenen aus Gluck's „Alceste\", Beethoven's\nOuvertüre Op. 124 und dessen fünfte Sinfonie unter der\nDirection von Friedrich Marpurg. Die Solisten trugen\ndie ausgezeichneten Namen Louise Dustmann, Fran-\ncisca Schreck, Schnorr von Carolsfeld, Kinder-\nmann, G. Becker.\nTrotz des grossen und verdienten Erfolges, den dieses\nvierte Musikfest am Mittelrheine errang, gerieth die Fort-\nsetzung doch ins Stocken. Die Verhältnisse, welche das\njunge Kunst-Institut, das bereits so gute Proben seiner\nLebensfähigkeit gegeben hatte, in der ferneren Entwick-\nlung zurückhielten, sind uns nicht bekannt; höchst ehren-\nwerth ist es aber, dass nach einer vierjährigen Pause die\nStadt Mainz sich entschlossen hat, in diesem Jahre das\nfünfte von den mittelrheinischen Festen zu feiern und da-\nmit hoffentlich eine neue Reihe derselben zu begründen.\nDer Erfolg des Concertes am ersten Tage, Sonntag den\n2. Juli, durch den Beifall des Publicums und der in Menge\nanwesenden Musiker von Fach bestätigt, wird jedenfalls\neine Anregung zur Fortsetzung sein.\nIn Mainz wird die grosse Fruchthalle bei solchen Mu-\nsik-Aufführungen zum Concertsaale eingerichtet, und man\nmacht aus dem hinlänglich grossen Räume, der nebst Ga-\nlerieen immerhin an zweitausend Menschen fassen kann,\nein recht freundliches und zweckmässig eingerichtetes Lo-\ncal. Die akustischen Verhältnisse lassen indess zu wün-\nschen übrig, namentlich für den Klang der Solostimmen\nund auch wohl der Violinen, während die zahlreichen und\nkräftigen Chorstimmen nebst den Blas-Instrumenten dem\nEigensinne der Stein- und Holzmassen mit mehr Erfolg\ntrotzen.\nZu dem Chor hatten nicht bloss die vier verbündeten\nStädte, sondern auch Vereine aus der ganzen Umgegend\nihr mehr oder weniger zahlreiches Contingent gesandt,\nwie z. B. Alzey (Dirigent Ad. Felchner), Castel (11. Rupp),\nWorms (Ed. Steinwarz). Darmstadt war durch den Mu-\nsikverein (C. A. Mangold) mit 107, Mannheim (Naret-\nKoning) mit 73, Wiesbaden (J. B. Hagen) mit 72 Theil-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "210", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650708-01.1.2", "texte": "nehmern vertreten. Den Hauptstamm lieferte natürlich\nMainz; ihn bildeten die Mitglieder des Cäcilienvereins\n(A. Werner), des Damen-Gesangvereins und der Lieder-\ntafel (Friedr. Lux 197) und der vier Männer-Gesang-\nvereine, wozu noch im Alt 76 Knabenstimmen kamen.\nDieser so zusammengesetzte Chor bildete eine nicht\nbloss imposante, sondern auch klang- und gesangtüchtige\nMasse, welche unter der Leitung des Fest-Dirigenten Herrn\nCapellmeislers Friedrich Lux trefflich eingeübt war\nund dadurch das Gelingen der Ausführung des Orato-\nriums „Judas Maccabäus\" von Händel im voraus sicherte,\nwie diese denn auch durch Präcision und frischen kräftigen\nStimmklang eine recht gute war, welche in Bezug auf den\nChor den Vergleich mit anderen grossen Aufführungen\nam Niederrheine nicht zu scheuen braucht. Das Verhält-\nniss der vier Stimmen zu einander war gut, Sopran und\nAlt standen sich in dem Maasse gleich, wie es die Tonlage be-\ndingt, namentlich hielt der Sopran seine reine und durch-\nschlagende Höhe bis zum letzten Tone am zweiten Abende\nmuthig fest, wo er in dem Schluss-Chore von Mendels-\nsohns Lobgesang noch ganz besonders glänzte, während\nder Alt vorzüglich in den Händel'schen Chören und in\ndem Choral: „Nun danket alle Gott!\" im Lobgesange sich\nauszeichnete. Von den Männerstimmen war der Tenor so\nkräftig, wie man ihn selten hört; der Bass hätte im Ver-\nhältnisse zu ihm in der Tiefe mehr Klang haben können.\nDass aber die Männerstimmen überhaupt so zahlreich be-\nsetzt waren, bot die erfreuliche Erscheinung dar, dass die\nMänner-Gesangvereine, die an manchen anderen Orten\nsich spröde gegen musikfestliche Aufführungen mit vollem\nChor verhalten, in Mainz eine sehr rege Theilnahme ge-\nzeigt hatten, die sie auch zu fleissigem Besuche der Pro-\nben angehalten haben muss, indem sonst die vorhandene\nPräcision der Einsätze u. s. w. nicht Statt gefunden haben\nwürde. Nur ein einziges Mal schwankte der Chor durch\ndie Schuld der Männerstimmen, wobei sich Herr Lux als\nein wackerer Dirigent zeigte und das Tonschiff durch kräf-\ntige Hand am Steuerruder sehr bald wieder auf die rich-\ntige Bahn brachte. Das Zahlenverhältniss des Chors war:\n178 im Sopran, 212 im Alt, 154 im Tenor und 250\nim Bass zusammen 794.\nDas Orchester zählte 57 Violinen, 20 Bratschen, 18\nVioloncelle, 15 Contrabässe und verdoppelte Blas-Instru-\nmente; die Verdoppelung der Posaunen zu 6 war des Gu-\nten oder vielmehr des Blechs zu viel. Eine Orgel von 18\nStimmen aus der rühmlichst bekannten Kunst-Werkstätte\nder Gebrüder Ibach in Barmen und Bonn, gespielt von\nHerrn Musik-Director Franz Weber aus Köln, vervoll-\nständigte den Instrumental- und Chorklang, und es ist sehr\nanerkennenswerth, dass das Comit6 sich zu einer Aufstel-\nlung derselben bloss zu dem Zwecke des Festes entschlos-\nsen hat, da man jetzt auch in Deutschland, wie schon\nlängst in England, bei Aufführung von Oratorien den\nKlang dieses mächtigen Instrumentes vermisst, weil man\nschon öfter seine herrliche Wirkung bei ähnlichen Gele-\ngenheiten erfahren hat. Wiewohl nun die Orgel in Mainz\nnur 18 Stimmen (Pedal einschliesslich) hatte, so vermählte\nsich ihr Klang doch wirksam mit den übrigen Tonmassen\nund bezeugte von Neuem, eben so wie die Orgeln in den\nSälen zu Barmen, Elberfeld und besonders im Gürzenich\nzu Köln, dass die Herren Ibach die Aufgabe der Intonation\nund Stimmungshaltung, welche bei Concert-Orgeln\nsehr schwierig ist, auch, durch Erfahrungen in dieser Hin-\nsicht belehrt, vorzüglich gut zu lösen wissen. Das Orchester\nzählte 155 Personen, so dass im Ganzen 956 Mitwirkende\ndie Tonbühne füllten.\nAm ersten Tage, wo das Wetter am Morgen noch\nschwankend war und das Concert begann schon um\nhalb 11 Uhr, freilich etwas sehr früh —, war die Halle\nnicht ganz mit Zuhörern gefüllt; am zweiten Tage hinge-\ngen war das ganze Haus sowohl in der Frühprobe als in\ndem Concerte am Nachmittage ausverkauft. Unter den\nZuhörern bemerkten wir unter den musicalischen Notabi-\nlitäten und Orchester- und Vereins-Dirigenten unter An-\nderen die Herren Hiller, Bruch, Hompesch aus Köln,\nBrambach aus Bonn, Reiss aus Kassel, Dietrich aus Ol-\ndenburg, Vierling aus Berlin, Lenz aus Coblenz, van Eycken\naus Elberfeld, v. Perfall und Wüllner aus München, Scholz\naus Hannover, Müller, Ignaz Lachner, Goltermann aus\nFrankfurt am Main, C. A. Mangold und Neswada aus\nDarmstadt, Hagen, Jahn, Raff aus Wiesbaden, Naret-Ko-\nning aus Mannheim, die Virtuosen Ole Bull, Jaell, Wie-\nniawski u. s. w.\nAus dem Gesagten geht schon hervor, dass die Auf-\nführung des Oratoriums „Judas Maccabäus\" eine sehr\nbefriedigende und würdige war. Dass ihr die Ouvertüre\nzur „Zauberflöte\" voranging, erfuhr vielfache Missbilli-\ngung, und auch uns würde (wenn überhaupt noch eine\nOuvertüre gemacht werden sollte, da ja das Oratorium eine\nsolche hat) ein Orchesterstück von anderem Charakter,\nz. B. von Gluck, passender erschienen sein. Wahrschein-\nlich hat der Wunsch, ein Musikfest-Programm nicht ohne\nden Namen Mozart erscheinen zu lassen, und die Ansicht,\ndass die Ouvertüre eine Eröffnungsmusik zu dem Feste\nüberhaupt darbieten solle, auf die Wahl Einfluss gehabt.\nVon den Sängern, denen die Solo-Partieen im Orato-\nrium anvertraut waren, sind die Herren Karl Hill von\nFrankfurt am Main und Gustav Walter von Wien auch\nhier am Rheine bereits so vortheilhaft bekannt, dass wir\nkaum nöthig haben, das zu bestätigen, was wir bereits"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "211", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650708-01.1.3", "texte": "bei anderen Gelegenheiten über die schönen Stimmen und\ndas grosse Gesangs-Talent dieser trefflichen Künstler\ndenn zu einem solchen hat sich auch Hill längst aufge-\nschwungen—gesagt haben. Je höher die Stufe ist, welche\nsie erreicht haben, desto mehr müssen wir ihnen den Rath\ngeben, einen wesentlichen Theil der Gesangbildung, die\nAussprache, noch mehr zu vervollkommnen, als sie es be-\nreits gelhan haben, und alle kleinen Mängel, die hier und\nda noch vorkommen, zu beseitigen. Es betreffen diese\nnicht sowohl die Vocale, als die Consonanten. Die Tenor-\nPartie des „Israeliten\" sang Herr August Ruff aus Mainz,\nder bei Herrn Koch in Köln seine Studien macht und\ngute Hoffnungen erweckt.\nDie Damen Melitta Alvsleben aus Dresden und\nPhilippine von Edelsberg aus München füllten die\nSopran- und Alt-Partie in den Soli und Duetten mit Bei-\nfall aus, ohne jedoch einen begeisternden und nachhaltigen\nEindruck zu machen, was wohl hauptsächlich an Uebung\nin demjenigen Ausdrucke, den der oratorische Gesang\nerfordert, liegen mag. Fräulein Alvsleben hat eine nicht\ngrosse, aber sehr liebliche hohe Sopranstimme, die mit einer\nkrystallreinen Intonation und einer nicht unbedeutenden\nColoraturfertigkeit vereinigt ist. Sie spricht gut aus und\nsingt correct, lässt aber in den lyrisch-melodischen Stellen\ntiefere Empfindung vermissen. In der Arie {A-dur): „Er\nnahm den Raub von Königen\", vermissten wir ungern die\nkleinen Trillerverzierungen und überzeugten uns doch in\nder Probe am zweiten Tage, in der Fräulein Alvsleben die\nAdler-Arie aus der „Schöpfung\" probirte (die jedoch im\nConcerte selbst ausfiel), dass sie dieselben recht schön zu\nmachen versteht. Für die Duette von Sopran und Alt hin-\nderte der gar zu verschiedene Timbre der beiden Stimmen\ndas innige Verschmelzen. Fräulein von Edelsberg hat be-\nkanntlich eine von jenen seltenen Altstimmen, welche den\neigentümlichen und bei ihr sehr vollen und schönen Klang\ndes Alts auch bis in die nächsten Töne des Sopran-Regi-\nsters fortsetzen; wir meinen aber, sie könnte und sollte\ndamit Wirkungen erzielen, die sie nicht bloss der Stimme,\nsondern auch der Beseelung derselben durch den Vortrag\nverdanken müsste. Eine der schönsten Arien für Alt (A-dur\nmit Violoncell-Solo Nr. 14) blieb weg, was uns leid that;\nso wenig wir Auslassungen in den Händel'scben Oratorien\nunbedingt verdammen, so hätten wir doch an dieser Stelle\nerst beide Arien (Alt und Sopran) und dann den verkürz-\nten Uebergang zum Duett (so wie er gemacht wurde)\ngewünscht.\nDen ersten Tag beschloss von 5 Öhr ab eine heitere\nFestfahrt nach dem Rheingau auf bunt bewimpelten und\nbei der Rückkehr zur Stadt glänzend erleuchteten Dampf-\nschiffen.\nHeber die Aufführungen am zweiten Festtage bleibt\nnach allem diesem nur noch Weniges zu sagen, vor Allem,\ndass sie ebenfalls recht gelungen waren, ja, theilweise,\nz. B. im „Lobgesang\" von Mendelssohn, nicht bloss kein\nNachlassen in den Chören, sondern in einzelnen Nummern\nnoch mehr Schwung und Feuer, als am vorigen Tage,\nwahrzunehmen war. Das Concert eröffnete Beethoven's\nPastoral-Sinfonie, deren Ausführung in Berücksichtigung\nder Vereinigung von Instrumentalisten aus Nord und Süd\nund einer einzigen Probe mit dem vollständigen Orchester\nrecht befriedigend genannt werden kann; besonders durch-\nschlagend oder einschlagend wirkte der Gewittersturm,\nbei dessen Ausführung neben der Kraft die dabei durch-\naus nothwendige exacteste Präcision nichts zu wünschen\nübrig liess. Anders war es freilich mit einzelnen Feinheiten\ndes Ausdrucks (die nicht in der Hand des Dirigenten lie-\ngen) in den anderen Sätzen, besonders im Andante und\nScherzo, wo unter Anderem hauptsächlich der Mangel an\nrichtigem Vortrage der synkopirten Noten und der Phra-\nsirung sich nicht angenehm bemerkbar machten.\nHerr Walter, dem der einzige Solo-Vortrag, der\nvorkam, anvertraut war, erregte durch Mozart's: „Dies\nBildnissist bezaubernd schön\", stürmischen Beifall, der\nnicht ruhte, bis er die Arie wiederholte, was sehr freund-\nlich von ihm war.\nEin Psalm für Frauenstimmen von Franz Lachner\nmachte trotz der Ausstattung mit vier Harfen, Hörnern\nund Orgel keinen rechten Eindruck und passte auch nicht\nfür ein Musikfest. Wenn wir uns nicht irren, so ist er vor\nJahren nur mit Clavierbegleitung geschrieben.\nMendelssohn's Cantate „Lobgesang\" wurde, wie schon\nerwähnt, sehr gut ausgeführt, nur wollten die drei Sinfo-\nniesätze nach der Pastoral-Sinfonie nicht recht munden.\nDie Cantate selbst aber riss durch Glanz der Aufführung\nund bis zum letzten Momente recht sichtbare Gesanges-\nfreude aller Mitwirkenden das Publicum wieder zum En-\nthusiasmus und durch lebhaftesten Applaus ausgesproche-\nnen Dank für den schönen Kunstgenuss an den beiden\nFesttagen hin.\nNach dem Schlüsse wurde Herrn Capellmeister Lux\neine wohlverdiente Huldigung durch den Vortrag eines\nGedichtes durch eine junge Dame, Ueberreichung eines\nLorberkranzes und sehr werthvoller Ehrengeschenke als\nZeichen der Dankbarkeit unter dem schallenden Beifalle\ndes ganzen Saales zu Theil.\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "212", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650708-01.1.4", "texte": "Das Musikfest in Braunschweig am 10., 11. und\n12. Juni 1865.\nVon Dr. Oscar Paul.\n(Schluss. S. Nr. 25.)\nAuch das zweite Fest-Concert bot der ungefähr 2000\nKöpfe zählenden Zuhörerschaft einen seltenen Genuss, in-\ndem sich Leonore Nr. 111 gleich zu Anfange in so strah-\nlender Schönheit präsentirte, dass wohl kein Herz kalt\nbleiben konnte. Diese gewaltige Ouvertüre von Beethoven\nwurde in der That unter Direction des Capellmeisters\nFischer mit trefflichster Präcision ausgeführt, und das\nStreich-Quartett entfaltete eine Macht, wie wir sie nur\nauf niederrheinischen Musikfesten kennen lernten.\nIn eben so würdiger Ausführung kamen Scenen aus\n„Iphigenie auf Tauris\" von Gluck zu Gehör, wo Frau\nDustmann als Iphigenie mit der vollen Kraft ihrer dra-\nmatischen Begabung und mit dem schönsten Timbre ihres\nhelltönenden Organs in Wahrheit Alles bezauberte. Be-\nkanntlich ist beregte Partie die Glanzleistung genannter\nKünstlerin, welche um so wirkungsvoller hervortrat, als\nHerr Hill eben so, wie im vorigen Jahre zu Aachen, den\nOrest mit erschütterndem Ausdrucke zur Geltung brachte,\nwährend Herr Walter den Pylades sehr gut, nur\nbisweilen etwas weichlich sang; der Chor der Prie-\nsterinnen klang mitunter allzu bescheiden, obwohl im\nUebrigen vollständige Correctheit zu Tage trat. Hierbei\nführen wir an, dass wir in den Händen vieler Zuhörer den\nhandlichen und billigen Clavier-Auszug der Gluck'schen\n„Iphigenie\", welcher bei Peters in Leipzig erschienen\nist, zum Nachlesen bemerkten.\nIn einer von Fräulein Bettel heim vorgetragenen\nArie von Rossi kamen die Schönheiten der wunderbar\numfangreichen und mächtigen Stimme dieser von Mutter\nNatur mit äusseren Vorzügen reich ausgestatteten Künst-\nlerin zu herrlichster Entfaltung, und wir müssten unseren\nBericht weit ausspinnen, wenn wir alle Eigentümlichkei-\nten des merkwürdig grossen Organs charakterisiren woll-\nten. Nur das Eine wollen wir anführen, dass die Stimme\nin schöner Register-Ausgleichung vom kleinen bis zum\nzweigestrichenen b reicht, ein Umfang, wie wir ihn sonst\nbei anderen Künstlerinnen nicht wahrgenommen haben.\nAls Novität für uns hörten wir eine „Hymne an\ndie Gottheit\" für Solo, Chor und Orchester von dem\nbraunschweiger Componisten Meves, und wir freuen\nuns, stilvolle Einheit und wohlberechnete Klangschönheit\nan diesem ohne alle Prätention auftretenden Werke rüh-\nmen zu können, wenn auch die originelle Erfindung kei-\nneswegs in den Vordergrund gestellt werden darf. Das\nHauptwerk des Concertes war Beethoven's neunte Sinfo-\nnie, bei deren Durchführung zwar einige Kleinigkeiten in\nBezug auf die Trompeten und Hörner zu rügen sein dürf-\nten, deren Inhalt aber im Ganzen partiturgelreu und mit\nBegeisterung wiedergegeben wurde. Besonders schön war\ndie Ausführung des letzten Satzes, wo das Ensemble der\nvier Solisten, unter denen hier Frau üustmann ganz be-\nsonders hervorzuheben ist, im Vereine mit dem glanzrei-\nchen Chor, vcn welchem die Soprane das zweigestrichene\na mit tadelloser Reinheit und Leichtigkeit ansetzten und\naushielten, unter rauschendem Beifalle zur Anerkennung\ngelangte. Auch ist zu bemerken, dass Herr Fischer die\nRecitative der Bässe nicht schleppend nahm, wie es z. B.\nin Leipzig gewöhnlich geschieht, sondern dieselben mit\nrichtiger Auffassung in bewegtem Zeitmaasse spielen liess.\nIm Scherzo hätten wir den weltberühmten Paukenschläger\nPfundt aus Leipzig zu hören gewünscht, da der Paukist\nsein anvertrautes Pfund nicht nach allen Seiten hin ver-\nwertete.\nDie erste Abtheilung des dritten Concertes eröffnete\ndie Freischütz-Ouverture und beschloss die „Litaney\" von\nFranz Schubert, für gemischten Chor von Herbeck bear-\nbeitet, ein Stück von köstlicher Wirkung und bei aller in-\nteressanten Harmonik von so liebenswürdiger Einfachheit,\ndass auch kleinere Vereine dasselbe leicht auszuführen im\nStande sind. In der zweiten Abtheilung wurde mit der\nAnakreon-Ouverture von Cherubini begonnen und einem\nChor aus dem HändePschen „Judas Maccabäus\" geschlos-\nsen. Zwischen genannten Stücken traten nun die einzelnen\nSolisten auf, wesshalb auch—wie am Niederrheine die-\nses letzte Concert „Künstler-Concert\" genannt wurde.\nHerr Karl Hill sang eine Arie aus „Elias\" und\nLieder von Schubert und Schumann mit aller künstleri-\nschen Meisterschaft, und mussle auf Verlangen ein Lied\n(von Abt) zugeben. Eben so erging es dem zwischen einem\nlyrischen und dramatischen Tenor die Mitte haltenden\nSänger Herrn Walter, dessen Vortrag der Arie aus der\n„Zauberflöte\" („Dies Bildnissist bezaubernd schön\") und\nzweier Lieder von Schubert und Schumann nebst beregter\nZugabe die Sympathie aller Herzen errang. Auch Frau\nDustmann war freundlich genug, das „Haideroslein\"\nvon Schubert da capozu singen, nachdem sie bereits eine\nArie aus „Jessonda\" und „Frühlingslied\" von Mendels-\nsohn mit dem grössten Beifalle vorgetragen hatte. Den\nhöchsten Triumph für Ihre musicalische Begabung feierte\nFräulein Caroline Bettelheim, indem dieselbe nicht\nallein als Sängerin mit der grossen Coloratur-Arie der\nRosine aus dem „Barbier\" (welche überdies ihrem Naturel\nnicht ganz angemessen war) und mit Liedern von Schubert\ndas Publicum zu den reichsten Beifallsspenden hinriss, son-\ndern weil sie auch durch den Vortrag der Variationen in"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "213", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650708-01.1.5", "texte": "E von Händel und eines Stückes „Im Turnier\" von Gold-\nmark als eine Pianistin glänzte, deren Technik gleichmäs-\nsig durchgebildet und wohl geeignet ist, das singende Ele-\nment auch auf dem Flügel zur Geltung zu bringen. Dess-\nlialb hätte uns eine andere Wahl als die des letztgenannten\nStückes vorteilhafter gedünkt, und wir hätten Fräulein\nBeUelheim lieber in duftigen Blumengärten wandeln sehen,\nals dass wir wahrzunehmen genöthigt waren, mit welcher\nVorsicht sie durch gefährliches Turnierlanzenwerfen\nschlüpfen musste. In dem schönen canonischen Quartelte\naus Beethovens „Fidelio\" wetteiferten noch einmal die\nvier ausgezeichneten Solisten Frau Dust mann, Fräulein\nBettelheim, Herr Walter und Herr Hill um den\nSiegespreis, und wenn wir hier um alle zusammen eine\nGuirlande winden, anstatt dem Einzelnen einen Kranz aufs\nHaupt zu drücken, so glauben wir den Gesinnungen sämmt-\nlicher Zuhörer öffentlichen Ausdruck gegeben zu haben.\nIn gleicher Weise verdient Herr Emil Weiss aus\nGöttingen (am Conservatorium zu Leipzig gebildet) für die\nausgezeichnete Behandlung der Orgel am ganzen Feste\nuneingeschränkte Anerkennung, die sich auch am dritten\ntesttage nach dem Vortrage einer Sonate von Ritter durch\nlebhafte Acclamationen bekundete, nachdem die verdienst-\nvollen drei Capellmeister Herr Abt, Herr Herbeck und\nHerr Fischer bereits mit Lorberkränzen, Blumen und\nBeifallsspenden förmlich überschüttet worden waren.\nDas ganze Fest wurde mit einer Zusammenkunft in\ndem zum prächtigsten Saale umgewandelten Theater fröh-\nlich beendet, wo auch der Muse Terpsichore die unaus-\nbleibliche Verehrung zu Theil ward. Gewiss werden sich\nan die schönen Tage die Mitwirkenden und Gäste noch\nlange Zeit erinnern, unter welchen letzteren wir bemerk-\nten: Dr. Chrysander, Reinthaler aus Bremen, Bargheer\naus Detmold, Selmar Müller aus Wolfenbültel, Hahn aus\nBielefeld, Braune aus Fialberstadt, Lang aus Hannover, Pas-\ndeloup aus Paris, Tanneberg aus Halberstadt, Nick aus Hil-\ndesheim, Droenewolf aus Quedlinburg, Wehner u. A.\nMöchten dem braunschweiger' Feste bald mehrere\nmitteldeutsche Musikfeste folgen, damit das Märchen, wie\nin Goethe's Faust, nicht sagen kann: „Es war einmal\".\n\nSinfonie in E-moll „Es muss doch Frühling werden“\nvon Ferdinand Hilter\n*).\nDiese Sinfonie, das grösste Instrumentalwerk Hiller's,\nhörten wir zum ersten Male kurz nach ihrer Entstehung,\ndie in eine Zeit fiel, in welcher die Ueberschrift: „Es muss\ndoch Frühling werden!\" in ihrem wahren Sinne leichter\nals jetzt aufgefasst werden konnte und vor Missdeutungen\nsicherer war, wie sich deren auch nach der letzten Auf-\nführung derselben am dritten Tage des niederrheinischen\nMusikfestes in einigen Berichten ausländischer Zeitungen\nnoch gezeigt haben.\nMan muss vor Allem nicht mit der Erwartung an das\nAnhören dieser Sinfonie gehen, darin ein Tongemälde zu\nfinden, das in uns etwa die Empfindungen beim Nahen\ndes Frühlings, bei seinem endlichen Durcbbruche durch\ndas Eis des Winters, erwecken oder wohl gar in neu-pro-\ngrammalistischer Weise Winter- und Frühlings-Scenen\nin abwechselnd schauerlichen und sentimentalen Tonma-\nlereien darstellen solle. Der darüber gesetzte Sinnspruch\nspricht nur die Idee aus, welche den Componisten ange-\nregt hat zu einem grossartigen, rein musicalischen Werke,\nund diese Idee hat er eben so wenig wie der Dichter,\ndem das Motto entlehnt ist, von der Oberfläche der all-\njährlichen Erscheinungen der Natur hergenommen, son-\ndern aus der liefe des Lebens in einer bestimmten Ent-\nwicklungs-Periode der Menschheit geschöpft.\nIm Jahre 1848 erschienen (bei Cotta in Stuttgart)\nEmanuel Geibel's „J uniuslieder\". Unter ihnen\nfolgendes:\nH 0 ff D U n g.\nUnd dräut der Winter noch so sehr\nMit trotzigen Geberden,\nUnd streut er Eis und Schnee umher,\nEs muss doch Frühling werden.\nUnd drängen die Nebel noch so dicht\nSich vor den Blick der Sonne,\nSie wecket doch mit ihrem Licht\nEinmal die Welt zur Wonne.\nBlast nur, ihr Stürme, blast mit Macht,\nMir soll darob nicht bangen.\nAuf leisen Sohlen über Nacht\nKommt doch der Lenz gegangen.\nDa wacht die Erde grünend auf,\nWeiss nicht, wie ihr geschehen,\nUnd lacht in den sonnigen Himmel hinauf\nUnd möchte vor Lust vergehen.\nSie flicht sich blühende Kränze ins Haar\nUnd schmückt sich mit Rosen und Aehren,\nUnd lässt die Brünnlein rieseln klar,\nAls wären es Freudenzähren.\nDrum still, und wie es frieren mag,\n0 Herz, gib dich zufrieden:\nEs ist ein grosser Maientag\nDer ganzen Welt beschieden!\nUnd wenn dir oft auch bangt und graut,\nAls sei die- Holl' auf Erden,\nNur unverzagt auf Gott vertraut:\nEs muss doch Frühling werden!\n\n) Partitur und Orchesterstimmen. Mainz, Vorlag von Schott\nund Söhne. Partitur 10 Fl. 48 Kr. Orchesterstimmen 16 Fl. 12 Kr,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "214", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650708-01.1.6", "texte": "Dieses Gedicht war es, welches Hiller nicht zu dessen\nUebersetzung in Noten, sondern zur Verklärung des Ge-\ndankens, den es ausspricht, in Tönen begeisterte, in Tö-\nnen, dem Stoffe derjenigen Kunst, die unter allen am mei-\nsten im Stande ist, auf den inneren Menschen zu wirken,\nund auf wunderbare Weise mit jenem Sehnen und Ringen\nnach einem Ideale sich zu verschmelzen, welches die Her-\nzen bewegt und den ganzen Menschen in eine Stimmung\nversetzt, die ihn für edle und grosse Gedanken empfäng-\nlich macht. Gerade die Unbestimmtheit jenes Ahnens des\nIdealen ist es, was die Verlebendigung desselben durch\ndie Musik im menschlichen Gemüthe möglich macht, denn\ndie Musik kann ja ihre Aufgabe in dieser Beziehung nie-\nmals anders als durch Annäherung lösen, jede greifbare\nAbbildung oder Darstellung, jede wörtliche Verdol-\nmetschung des Gedankens wie des Gefühls liegt ihr fern.\nDie Annahme vom Gegentheil verführt eben zu jenen An-\nsichten vom gegenständlichen Wesen der Musik, in welche\ndie neueste Schule sich verirrt und welche in letzter Con-\nsequenz zur Sprache zurückführen und die Musik als\nKunst aufheben.\nDer Künstler steht aber inmitten seiner Zeit, und so\nwar es ganz natürlich, dass bei Emanuel Geibel und bei\nFerdinand Hiller das Ideale seinen Quell in dem Auf-\nschwünge der Völker fand, dass es die Göttin der Freiheit\nwar, die ihnen vorschwebte; ob sie sie nur im Traume\nsahen, wie Egmont im Goethe'schen Drama, oder ihr\nwirkliches Nahen im Geiste schauten, ist gleich: kurz,\nsie glaubten an ihre Erscheinung, und nur für das,\nworan er glaubt, kann der Künstler die wahre Begeiste-\nrung zum Schaffen finden.\n„Es muss doch Frühling werden\", doch, trotz allem,\nwas Winter ist; also das Ringen von allem, was nicht\nbloss in der Natur Frühling heisst, gegen alles, was nicht\nbloss in der Natur Winter heisst, der bewegte, aufregende\nKampf um ein neues, frisches, junges Leben und die\nsteigende Hoffnung auf die Segnungen desselben, das\nwar die Idee, die Hiller aus Geibel's Gedicht auffasste\nund die ihn zum Schaffen seines Werkes mit jenem inne-\nren Drange trieb, der in dem Bewusstsein seiner Zeit und\nin seiner Künstler-Individualität wurzelte. Da konnte er\nkein idyllisches Säuseln und Träufeln gebrauchen: auf\nSturmwolken fahren die Elemente daher, die eine neue\nWelt gebären wollen, in Wettern spricht der Herr zu den\nVölkern der Erde. So musste diese Tonschöpfung na-\nmentlich im ersten Satze, der den Charakter des Ganzen\nhauptsächlich ausspricht jede Malerei verschmähen und\nschwingt sich auf zu einem Hymnus zum Preise der Idee\nder Freiheit. Darum von vorn herein gleich die kurzen,\nenergischen Figuren und einschlagenden Accorde in feuri-\ngem Tempo und fortan immer reicheres Entwickeln auf-\nregender Bewegung in Führungen und Figuren, die zu\nnichts weniger als zu den gewöhnlichen gehören und den-\nnoch nirgends durch gesuchte harmonische Combinationen\noder schroffe Accordfolgen die Nerven mehr als das Ohr\nerschüttern, nirgends den obersten Grundsatz der Kunst,\ndass sie das Schöne zum Gegenstande hat, dem Streben\nnach Neuem und Frappantem aufopfern. Dazwischen er-\nklin gen schöne, melodische Motive. Wie wenn der dun-\nkele Himmel sich plötzlich öffnet und dem Sonnenblicke\nRaum gibt, dass er sich golden auf die Fluren wirft, so\ntönen diese Melodieen wie Stimmen der Boten eines na-\nhenden Frühlings, wie Sehnsucht und Hoffnung auf eine\nschönere Zeit; sie weben sich in einander in Nachahmun-\ngen und überraschenden Wiederaufnahmen, welche aller-\ndings zuweilen kühn in den nächsten Intervallen auftreten,\naber bei ausdrucksvoller Phrasirung und Accentuation die\nVorstellung einer drängenden Empfindung geben, die dem\nCharakter des Ganzen angemessen ist. Doch übertönt sie\nwieder der Sturmwind, der den Sonnenblicken noch keine\nbleibende Stätte gönnt und die Schatten der Wolken wie-\nder über die Fluren jagt.\nDer bedeutendsten jener Melodieen, die sich in auf-\nsteigender Scala bewegt, hat der Componist durch den\ndrängenden Rhythmus in synkopirten Noten, den Hiller so\ntrefflich, und zwar ohne dissonirende Vorhalte zu benutzen\nweiss, einen eigenthümlichen Reiz verliehen; sie kehrt als\nein mittleres Motiv öfter wieder, ringt sich durch Sturm und\nWetter hindurch, aber nicht in weichlicher Klage, sondern\nim Ausdrucke einer männlichen Sehnsucht nach Thaten, ja,\nmit dem Bewusstsein des Gelingens ruft sie recht eigent-\nlich aus: „Es muss doch Frühling werden!\"— Gegenden\nSchluss des ersten Satzes drängt sich die Idee des Ganzen\nnoch einmal enger zusammen, und eine überraschend\nschöne Modulation, auf der aber der Tondichter nur einen\nAugenblick verweilt, strahlt gleichsam noch einmal die\nZuversicht auf den „Maientag\" aus, „der der ganzen Welt\nbeschieden ist\".\nDem ersten Satze schliesst sich das Adagio in C-dur\nan, dem ein Ällegro vivace— in geradem Tacte—\nfolgt; beide bilden mit dem feurigen, sehr schwungvollen,\nnur vielleicht etwas zu lang ausgearbeiteten Finale in\nclur die Durchführung und Abrundung des Ganzen zu\neinem musicalischen Kunstwerke, welches sieb, bei aller\nNeuheit der Erfindung und vollständiger Benutzung der\nMittel moderner Instrumentirung, in den Formen der clas-\nsischen Meister mit besonnener Freiheit bewegt. Die Be-\nziehungen der drei letzten Sätze auf den Hauptgedanken,\nder sich im ersten Allegro ausspricht, sind überall erkenn-\nbar, natürlich mit denjenigen Modificationen, welche der"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "215", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650708-01.1.7", "texte": "musicalische Charakter der verschiedenen Sinfoniesätze be-\ndingt: sie treten keineswegs der Einheit des Ganzen ent-\ngegen. Für das Adagio gilt noch besonders, was über das\nIn- und Nebeneinander der melodischen Motive bemerkt\nworden ist; dieses Verweben derselben, unterstützt durch\ndie treffliche Benutzung der Individualität der Instrumente,\nist mit grosser Kunst durchgeführt, erscheint aber im Hö-\nren einfach und spricht zum Gemüthe. Das\n(Scherzo) ist ein funkelnder Stein im Kranze des Ganzen\nund dürfte leicht neben dem ersten Allegro der genialste\nSatz der Sinfonie sein. Für die Orchester-Dirigenten\nmachen wir aber die Bemerkung, dass zu wirkungs-\nvoller Ausführung des Werkes eine starke Besetzung\nder Bogen-Instrumente, besonders der Violinen, notwen-\ndig ist.\nWir können diesen Artikel nicht scbliessen, ohne an\ndie Zeit zurückzudenken, wo F. Hiller diese Sinfonie hier\nin Köln kurz nach dem Antritte seiner, hiesigen Stellung,\nin der er nun bereits eine mit kurzer Unterbrechung fast\nsechszehnjährige so einflussreiche Wirksamkeit geübt hat,\nzuerst in dem Gesellschafts-Concerte vom 11. December\n1849 aufführte. Er hat sie nachher zum Behuf einer\nAufführung im Jahre 1854 theilweise revidirt und umge-\narbeitet, seitdem aber nichts mehr hinzu noch davon ge-\nthan. Weil Hiller aber die Eigenheit hat, sich zwar wäh-\nrend der Arbeit ganz ausschliesslich in ein und dasselbe\nWerk zu versenken, sobald es aber fertig ist, sich wenig\noder gar nicht um dessen ferneres Schicksal zu kümmern,\nund er folglich auch nie die Kunst verstanden hat, seine\nWerke selbst, wie man zu sagen pflegt, „an den Mann\nzu bringen\", so ist diese Sinfonie erst neuerlich durch den\nVerlag von B. Scbott's Söhnen in Mainz (in ausgezeichne-\nter Ausstattung als Op. 67 vom Componisten der\nSociety in London zugeeignet—\nS. 1—86; Adagio, S. 87—114; Allegro vivace, S.\n115 —175; Finale,S. 176—266) Eigenthum der mu-\nsicalischen Welt und diese dadurch um ein Werk reicher\ngeworden, welches die gegenwärtige Aera der Orchester-\nmusik auf edle und durch Inhalt und Form, im Gegen-\nsatze zu so manchen heutigen Producten in derselben Gat-\ntung, würdigste Weise vertritt.\n\nNoch einige Aphorismen von Daumer.\nVon modernen Compositionen hat man gesagt und\ngerühmt, es strebe hier die Musik, ihre Gränzen zu durch-\nbrechen und sich zur Sprache zu erheben. Das ist das\nVerkehrteste, was man sich denken kann. Es heisst das so\nviel, als: das Sein, das Leben, die sich selbst bedeutende\nWahrheit und Wirklichkeit strebt danach, nicht mehr dies\nzu sein, sondern bloss noch etwas anzudeuten, was sie nicht\nselbst ist, ein an sich leeres und nichtiges Zeichen für An-\nderes zu sein. Was braucht sich denn die Musik zur\nSprache zu erheben, da wir die Sprache schon vollständig\nbesitzen und in alle mögliche Anwendung bringen? Wenn\nes so steht, wie beim Vorbringen solcher Phrasen ange-\nnommen wird, so lasse man die Musik und bleibe einfach\nbei der Sprache, die in so vollem Maasse schon ist, was\ndie Musik erst werden soll und zu werden ringt.\nDas Umgekehrte ist das Richtige. Die Sprache möchte\ngern Musik werden und wird es in den Fällen, wo ein\nGedicht in einen Gesang, ein Drama in eine Oper verwan-\ndelt wird. Als das, was zu bereichern, zu vervollständigen,\nzu beleben ist, erscheint hier offenbar die Sprache, die\nPoesie; in dieser muss daher ein Mangel sein, dem die\nMusik abzuhelfen im Stande ist. Was ist das für einer?\nDie Poesie ist und bleibt für sich selbst immer nur die\nAndeutung und Abbildung einer Sache, eines Gegenstan-\ndes oder Vorganges durch das Wort, die Sprache, als\nZeichen, und durch die mittels desselben erregte Vorstel-\nlung. Es fehlt ihr in dieser Beziehung an Objectivität,\nWirklichkeit, Leben. Dieses Element findet sich in der Mu-\nsik; durch diese wird die für sich abstracte Vorstellung\nin dieses gewaltige Element eingetaucht und nun erst lebt\nsie im vollsten, effectvollsten Sinne des Wortes das fühlt\nJedermann.\nEin genialer Componist mag wohl auch aus einem\nunbedeutenden Gedichte, aus einem stümperhaften Opern-\ntexte etwas Gutes zu machen im Stande sein. Die Musik\nkommt da der schwachen und mangelhaften Poesie zu\nHülfe. Nicht so ist es auch umgekehrt. Einer reiz- und\neffectlosen Musik lässt sich durch Poesie nicht aufhelfen.\nEine Dichtung der schönsten Art wird die schlechte Mu-\nsik, der man sie unterlegt, nicht überwiegen, sie wird viel-\nmehr selbst leiden und wirkungslos werden, wie wenn\nman ein schönes Gemälde in trübes, schlammiges Wasser\ntaucht*). Warum? Das Gedicht besteht bloss aus Gedan-\nken und aus Zeichen, die solche ausdrücken: es ist ein\nbloss Ideales; die Musik aber ist ein Reales und durch\nseine mächtige, effectvoll eingreifende Realität Ueberwie-\ngendes, kann daher als solches das Gedicht, den Text in\n\n*) Schiller schrieb den 11. Mai 1798 an Goethe: „Wenn\nSie zur Fortsetzung der Zauberflöte keinen recht geschickten und\nbeliebten Componisten haben, so setzen Sie Sich in Gefahr, ein un-\ndankbares Publicum zu finden. Denn kein Text rettet die Oper,\nwenn die Musik nicht gelungen ist; vielmehr lässt man den Poeten\ndie verfehlte Wirkung mit entgelten.\" Briefwechsel zwischen Schil-\nler und Goethe, IV. S. 199."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "216", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650708-01.1.8", "texte": "den Hintergrund drängen und die alleinige Herrschaft be-\nhaupten, durch das Gedicht aber, das nur ein Schatten da-\ngegen, nicht zurückgedrängt und minder auffallend ge-\nmacht werden. Vielmehr wird ein dem Poeten gelungenes\nLied, ein trefflicher Operntext durch eine schlechte Com-\nposition total zu Grunde gerichtet, da sich hier Niemand\nan dem Worte des Dichters zu ergötzen und damit über\ndie musicalische Pfuscherei zu trösten im Stande ist.\nIn der Bibel heisst es, Gott habe den ersten Menschen\naus Erde geformt und so zu einem beseelten Wesen ge-\nmacht. Ein ähnliches Wunder zu thun, ist dem Virtuosen\nund nur ihm möglich. Sein Instrument lebt gewisser\nMaassen, indem er es behandelt; Paganini's Geige z. B.\nwar mit Leben und Geist erfüllt. Der singende Vogel und\nMensch macht aus sich selbst ein Instrument, und dieses\nlebt. Das ist indessen nicht so auffallend, weil Vogel und\nMensch schon ohnedies lebendig sind, wiewohl in dem sin-\ngenden eine besondere Art von Lebendigkeit waltet. Wenn\naber das sonst todte Instrument mit Leben, Seele, Geist\nerfüllt wird, dann ist die Sache wunderbarer. „Verschwin-\ndet\", sagt Hegel, „die Aeusserlichkeit des Instrumentes\ndurchaus, dringt die innere Musik ganz durch die äussere\nRealität hindurch, so erscheint das Instrument als ein voll-\nendet durchgeführtes, eigenstes Organ der Künstlerseele.\nln diesem Falle geniessen wir die höchste Spitze\nmusicalischer Lebendigkeit, das wundervolle Geheimniss,\ndass ein äusseres Werkzeug zum vollkommen beseelten\nOrgane wird\" u. s. w. Im Virtuosen steht der Mensch so-\nmit dem Schöpfer in so fern gleich, dass er ein Gebilde\nseiner Hand wenigstens mit momentanem Leben erfüllt,\nihm nicht nur gleichsam, sondern in fühlbar realer Wahr-\nheit seine Seele, seinen Geist einhaucht. Man kann auch\nwohl von einem Maler oder Bildhauer sagen, er beseele\nseine Gestalten; aber das hat einen ganz anderen Sinn, in\nso fern da nur von einem künstlich erzeugten Scheine\ndie Rede ist. Der Ton, den wir hören, hat nicht die Natur\ndes Scheines, sondern der Wirklichkeit; und wenn nun\nüberdies gar noch das an sich todte Werkzeug der künst-\nlerischen Tonerzeugung ein gewisser Maassen individuelles\nLeben bekommt, und somit alle Aeusserlichkeit und Starr-\nheit besiegt, aller Tod überwunden ist, so ist dies das\nWunder aller Wunder im Reiche des Menschlichen und\nNatürlichen.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\n£illS, 4. Juli. Jakob Offenbach hält sich hier auf, um\ndie Cur zu gebrauchen. Da man aber nicht vergessen hat, dass er\ndort den grössten Theil seines „Orpheus\" und mehrere allerliebste\nOperetten für die erste Aufführung auf dem niedlichen kleinen\nTheater im Cursaale hierselbst geschrieben hat, so hofft die zahl-\nreich hier versammelte musicalische Welt aus den höheren Ständen\ndennoch auf eine neue Gabe ähnlicher Art.\nHerr Capellmeister Dr. Rietz befindet sich gegenwärtig in'Ba-\nden-Baden auf der Villa der berühmten Sängerin Frau Viardot-\nGarcia. Herr Rietz hat sich nämlich der mühevollen Aufgabe un-\nterzogen, die neue Ausgabe von Mozart's „Don Juan\" bei Breitkopf\nund Härtel nach der Original-Partitur einzurichten, welche vor Jah-\nren für 6000 Fr. in den Besitz obiger Dame gelangte.\nRobert Volkmann hat während seines jetzigen Aufenthaltes\nin Deutschland seinen einzigen Bruder, Pastor Volkmann zu Gers-\ndorf, in dessen Gesellschaft er noch die Tonkünstler-Versammlung\nin Dessau besuchte, durch den Tod verloren.\nStuttgart, 26. Juni. Gestern Abend wurde in der Stifts-\nkirche durch den Verein für classische Kirchenmusik, unter Ver-\nstärkung des Chors, mit dem Orchester der k. Hofcapelle und der\nOrgel (Herr Ed. Tod) Mendelssohn's „Elias\" unter Leitung des\nHerrn Prof. Faisst aufgeführt. Solisten die Damen Leisinger,\nJäger, Marschalk, die Herren A. Jäger und Schütky.\nDas des bremer „Schützenfestes\" wandte sich an sechs\nder bedeutendsten Dichter Deutschlands, um ein passendes Festlied\nzu erhalten. Die Entscheidung des ComWs ist nun für Hermann\nLingg ausgefallen. Bezüglich der Composition dieses Liedes schlug\ndas Comite denselben Weg ein und wählte schliesslich unter sechs\nCompositionen die von Franz Wüllner, der bekanntlich seit\neinigen Monaten als Capellmeister an der königlichen Hofcapelle in\nMünchen weilt.\nWien. Se. K. Höh. Herr Erzherzog Leopold hat die in sei-\nnem Besitze befindlichen „dreiundachtzig Originalbriefe Beethoven's\nan den Erzherzog Rudolph\", welche jüngst durch Herrn v. Kochel\nveröffentlicht wurden, der „Gesellschaft der österreichischen Musik-\nfreunde\" zum Geschenke gemacht. Diese werthvolle Gabe, begleitet\nvon einem verbindlichen Schreiben des Herrn Erzherzogs an den\nPräsidenten der Gesellschaft, General v. Dratschmiedt, wurde von\nLetzterem in der jüngsten Sitzung der Direction überreicht und mit\neinhelligen lauten Freudenbezeigungen begrüsst."}]}