{"numero_id": "bm-bmtnabi-1865-07-29-01", "volume": "bmtnabi_1865-07-29_01", "ocr_sha256": "df72339964cb8c501a5eb22f3fdc4cef14c58646912114ea464d33d48bc994be", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1865/07/29_01/bmtnabi_1865-07-29_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650729-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1865-07-29-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-07-29_01#c001", "volume": "bmtnabi_1865-07-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "233", "page_fin": "233", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650729-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "233", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650729-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 248, "texte": "Inhalt.\nDie Wahrheit über Meyerbeer und die Africanerin. 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S. Nr. 29.)\nDen dritten Act das Schiff möchte ich gern mit\nStillschweigen übergehen, wenn ich nicht der Erste wäre,\nfür zwei oder drei wirklich ausgezeichnete Stücke um\nGnade zu bitten: die Orchester-Einleitung, ein gutes, pitto-\nreskes Stück Musik, den anmuthigen Frauenchor und das\nMatrosenlied: „0 saint Dominiquewelche beide einen\nDoppelchor von schöner Wirkung bilden, der in den drit-\nten Act der „Hugenotten\" passen würde; vielleicht noch\nden wilden Chor der Indianer, welche das Schiff stür-\nmen und in Selika ihre Königin erkennen. Aber wahr-\nlich! das Quartett und der Matrosenchor: „Debout!u, die\nBallade vom Sturmgott Adamastor, welche Nelusko singt,\nmit seinem verzweifelten Trallaia und dem dreimaligen,\nhöchst unmusicalischen, sardonischen Lachen, und welche\nwie ein Trinklied in hüpfendem 2/4-Tact und Triolen-Pas-\nsagen schliesst; die lange, schwer zu treffende, unmelodi-\nsche und trocken modulirende Phrase, mit welcher Ne-\nlusko die Wendung des Schiffes commandirt; ferner das\nDuett zwischen Vasco und Don Pedro, welches deutsch,\nund zwar sehr schön deutsch und mit interessanten Or-\nchester-Figuren anfängt, aber italiäniscb, und zwar sehr\nhässlich italiäniscb, endigt—desinit in piscem —; aber der\nGewittersturm und das abscheuliche Bacchanal hinterher\ndas alles ist, frei heraus gesagt, nur Waare für die\nRumpelkammer. Man sollte bei manchen Stellen darauf\nschwören, dass das Ohr des Maestro keinen Sinn mehr\nfür Wohllaut gehabt habe. Es gibt keine harten Accorde,\nkeine holperigen Tonfolgen, womit er nicht dem Ohre\nwehe thut. Das geht ihm überall so, wo er physische Er-\neignisse, Natur-Phänomene schildern will, wie in der plum-\npen und widrigen Ouvertüre zum „Pardon de Pfo'ermel\",\ndie seine Schmeichler sich nicht gescheut haben, haar-\nsträubender Weise mit der nPastoral-Sinfonie\" zu ver-\ngleichen !\nEs ist nicht zu bezweifeln [?], dass ein grosser Theil\nder Mängel, die wir hervorgehoben haben, beseitigt wor-\nden wäre, wenn Meyerbeer selbst die Proben zur Auffüh-\nrung geleitet hätte, und dass dann namentlich der dritte\nAct, der die grössten Schwierigkeiten für die Scenirung\nhat, aber keineswegs am meisten befriedigt, eine andere\nGestalt bekommen haben würde. Man braucht sich dess-\nhalb nur an die vollkommene Umgestaltung des vierten\nActes der „Hugenotten\" zu erinnern, welche derselbe in\nden letzten Proben erhielt. Die „Africanerin\" hat also in\ndieser Beziehung ein eigenes Schicksal gehabt. Der Autor\nhat sie fünfzehn bis achtzehn Jahre im Pulte behalten,\nwer weiss wie oft überarbeitet, mit Correcturen und Va-\nrianten übersäet, stets unentschlossen, sie auf die Scene\nzu bringen, entweder weil er trotz der Annahme des Li-\nbretto doch instinctmässig Misstrauen darein setzte, oder\nweil er die Vergleichung mit den „Hugenotten1- fürchtete,\nindem die Composition ungefähr in dieselbe Epoche fiel,\noder endlich, weil er die Hoffnung aufgab, einen Phönix\nder Tenöre und eine Perle der Soprane zu finden und\ntrotz alledem hat er nicht nur nicht daran gedacht, die\nPartitur von einer Menge von groben Gemeinplätzen und\nvon italiänischen Formeln zu reinigen, sondern auch ver-\ngessen, dass er Gefahr lief, dieses Schoosskind seiner Vor-\nliebe und Sorgfalt nicht selbst der Welt vorführen zu\nkönnen.\nDas Ergebniss davon ist, dass die „Africanerin\", wie\nwir sie jetzt sehen, trotz mancher Schönheiten eine Menge\nvon veralteten und verblichenen, hundert Mal da gewese-\nnen Dingen enthält. Damit soll aber nicht gesagt sein, dass\ndiese Dinge vor fünfzehn Jahren durch Jugend und Fri-\nsche geglänzt hätten; o nein, über die Erzeugnisse der\nKunst muss man sich andere Vorstellungen machen. Was"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "234", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650729-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5295, "texte": "in den Meisterwerken jung geblieben ist, war immer jung;\nwas alt geworden ist, war immer alt. Indessen würden\ndiese Mängel damals unter dem Schutze neuer Zusammen-\nstellungen, welche ja auch vielen schwachen Stellen im\n„Robert\" und in den „Hugenotten\" durchgehollen haben,\nmit durchgeschlüpft sein: jetzt aber haben dieselben Zu-\nsammenstellungen nicht mehr den Reiz der Neuheit, sie\nsind Gemeingut geworden. Die Runzeln der Africanerin\nzeigen sich um so sichtbarer, weil sie durch nichts mehr\nverschleiert werden.\nIm vierten Acte hat der Componist den höchsten\nSchwung, die am meisten poetischen Bilder, den zartesten\nund leidenschaftlichsten Ton getroffen. Hier ist fast nichts\nGemachtes und Erborgtes; der Stil ist fast ganz rein von\naller Legirung mit unedlem Metalle. Meyerbeer kommt\nimmer erst von Stufe zu Stufe zu solchen Schönheiten.\nEr nimmt nicht gleich einen herrlichen Anlauf, wie ein\nedles Racepferd: er dringt mit Mühe in seinen Gegenstand\nein, er muss sich allmählich aufregen, nach und nach\nwarm werden; er versucht seine Kräfte, er durchläuft mit\nGlanz einen bestimmten Abschnitt der Rennbahn, dann\ngeht ihm der Athem aus. Jener Abschnitt der Rennbahn\nist der fünfte Act des „Robert\", der dritte und besonders\nder vierte der „Hugenotten\" und der vierte der „Afri-\ncanerin\".\n[ln der Partitur dieses Actes lobt der Verfasser des\nArtikels jede Nummer den indischen Marsch, die „sehr\nschöne\" Balletmusik, die Anrufung Brahma's, „deren Be-\ngleitung wie Orgelton klingt\", die Arie Vasco's, die wil-\nden Chöre der Indier, die den Tod des Fremdlings ver-\nlangen. Er hat hier „die schauerliche Energie des vierten\nActes der Hugenotten wieder gefunden\"; „eine Melodie\nVasco's in Ges durkönnte man für eine von Mozart neh-\nmen\" u. s. w. Nur „eine Stretta von falschem und decla-\nmatorischem Ausdruck\" wünscht er hinweg; dagegen\nrühmt er in der Musik bei der Vermählungsfeier das\nGrossartige und meint, dass Meyerbeer selten im Ausdruck\nsolcher Situation sich so hoch wie hier erhoben habe, da\nsonst sein Genie mehr dramatisch sei. Das grosse Duett\nzwischen Selika und Vasco ist auch seiner Ansicht nach\nbewundernswert!!, doch „bedauert er dabei die Anwen-\ndung des Unisono, die er schon in einem früheren Duette\ngerügt hat und in einem folgenden nochmals rügen muss\nals ein Verfahren, welches nur Componislen anwenden,\ndie den Ausdruck mit der Klangkraft des materiellen\nTones verwechseln\".\nUeber den fünften Act sagt der Verfasser wenig. Das\nDuett zwischen den beiden Sopranen, Selika und Infes,\nnimmt nach ihm eine achtungswerthe Stellung ein. Als-\ndann fährt er fort:]\nSobald Selika sich mit dem Entschlüsse, zu sterben,\ndem Giftbaume nähert, stimmt das Orchester als eine\nArt von Grabgesang jene Phrase von 17 Tacten an, welche\ndas Publicum bezaubert. Nun, diese Melodie hat Fülle\nund Numerus, aber sie zeichnet sich weder durch Schön-\nheit noch durch Neuheit aus, sie hat im Gegentheil einen\nganz gewöhnlichen Charakter. Persönlich muss ich gegen\ndiese Reihe von Tacten dankbar sein, da sie für denjeni-\ngen, der sie aufmerksam anhört oder sie in der Partitur\nliest, einen der Hauptfehler, den ich Meyerbeer vorwerfe,\nin volles Licht stellt: die Verbindung einer gemeinen For-\nmel mit einer gewissen Feierlichkeit im Anfange der Pe-\nriode. Worauf beruht denn nun aber die Wirkung dieser\nPeriode auf die Menge? Einzig und allein auf der Zusam-\nmenstellung von Klangfarben, auf der Macht des Unisono,\nauf dem Klange der nackten Melodie ohne alle Harmonie\nund Begleitung, und vor Allem auf dem trefflichen Vor-\ntrage durch das Orchester. Sie wird ausgeführt von allen\nViolinen, Bratschen und Violoncellen, das heisst von 42\nBogen, unterstützt von 4 Fagotten und 2 Clarinetten, die\ndann alle zusammen wie ein einziger Meister spielen.\nHierauf folgt ein schönes Recitativ mit interessanten\nund poetischen Orchester-Figuren. Indess wäre doch mehr\nmelancholische Färbung in dem Lebewohl zu wünschen,\ndas Selika dem Leben und dem Geliebten sagt. Sie haucht\nihren letzten Seufzer das darf nicht verschwiegen wer-\nden in einem Walzer-Motiv aus! in einem leibhaftigen\ndeutschen Ländler, der an sich ganz hübsch ist und nach\ndem man in etwas langsamerem Tempo recht gut tanzen\nkönnte. Dieses Thema verbindet sich mit einem Chor un-\nsichtbarer Geister, und zuletzt kommt Nelusko, um mit\nseiner undankbaren Geliebten zu sterben.\nIch wiederhole, dass es sehr zu bedauern ist, dass\ndie Partitur nicht die letzten entscheidenden Verbesserun-\ngen durch die Hand des Componisten während der Pro-\nben erfahren hat.\nEs ist nur zu wahr, dass mit Ausnahme fast des gan-\nzen vierten Actes, eines grossen Theiles des dritten und\neiniger schönen Stellen in den anderen, in denen die In-\nspiration den Componisten emporhebt in die höhere Kunst-\nregion, der Stil der „Africanerin\" nur zu oft ungleich und\nlose zusammengereiht ist; es fehlt ihm an Einheit und lo-\ngischer Folge; er hat nicht jenes freie, feste und eigen-\ntümliche, klare und einheitliche Gepräge, welches uns\nsagt: das ist Beethoven, das ist Weber, das ist Rossini!\nEs ist ein buntscheckiger Stil, ein Amalgama aus verschie-\ndenartigen Elementen, ein Gewand von gut und schlecht\nassortirten Lappen aus den enlgegengesetztesten Schulen\nund Werkstätten. Das Ohr wird alle Augenblicke be-\ntroffen und verwirrt durch gelehrte Combinationen, trockene"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "235", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650729-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5342, "texte": "und geschraubte Modulationen, eckige Linien, gemeine\nund schwülstige italiänische Floskeln, die den besten\nStücken ankleben: assuitur pannus.Es ist eine unaufhör-\nliche Mosaik, und dabei was für Reminiscenzen! Alle\nAugenblicke begegnet man Bekannten aus „Robert\", den\n„Hugenotten\", dem „Nordstern\".\n[Nach dem Ausspruche, dass „Vollkommenheit des\ndramatischen Kunstwerkes nur den Werken einer Periode\neigen ist, zu der Meyerbeer nicht mehr gehört\", weist der\nVerfasser nach ihrem relativen VVerthe der „Africanerin\"\nihre Stelle nach den „Hugenotten\" und „Robert\" an und\nbezeichnet den „Propheten\", den „Nordstern\" und die\n„Wallfahrt nach Ploermel\" als „drei Stufen der abneh-\nmenden Periode des Meisters\". Hieran schliesst er dann\nfolgenden Epilog:]\nWerfen wir einen umfassenden Blick auf die ganze\nKünstler-Laufbahn Meyerbeer's, so sondern sich leicht die\ndrei Perioden derselben: die erste, wo er sich in den For-\nmen des rein deutschen, schulgerechten Stils versucht, dann\ndie italiänische, wo er das schwere Gepäck der Schule ab-\nwirft, sich die Rossini'sche Weise mehr geschmeidig als\ngeschickt aneignet und die ohne Mühe erlangten Erfolge,\nohne darüber zu erröthen, hinnimmt.\nIn der dritten geräth er, da die italiänische Form sich\nüberlebt hat, nicht auf eine Verschmelzung der italiäni-\nschen und deutschen Art und Weise, von welcher, wenn er\ndavon durchdrungen, er selbst geblieben wäre, sondern\nauf den Gedanken einer Verbindung beider Systeme, einer\nVerbindung der äusseren Melodie des einen mit der Har-\nmonie und Instrumentirung und dem innerlichen Charak-\nter des anderen, auf ein Amalgama von Rossini und\nWeber in dem Rahmen der bestimmten und fest ausge-\nprägten Formen der französischen Oper.\nIn dieser Periode wird Meyerbeer förmlich Franzose\nan Sprache, Geist, Gewohnheiten, gefälligem, zuvorkom-\nmendem Wesen, feiner und mit Anstand und Rücksicht\nverbundener Conversation. Er studirte den Geschmack\nund die verschiedenen Neigungen des Publicums, übersah\nund verachtete keine und suchte unablässig nach den Mit-\nteln semer Kunst, wodurch er Alle befriedigen, allen Bil-\ndungsclassen gefallen, gleichsam in den Salons aller Etagen\nwillkommen sein könnte. Wieder deutsch geworden in den\nDingen, welche auf Menschen von tieferer musicalischer\nBildung wirken, blieb er Italiäner in allem Anderen, das\nden gewöhnlichen Neigungen des grossen Haufens schmei-\nchelt. Ich sagte, er sei Franzose geworden, und er ist es\nvielleicht zu sehr geworden, wie in Italien zu sehr Italiäner.\nSeine bewundernswerthe Leichtigkeit in der Aneignung\nfremder Sprachen unterstützte ihn bei seinen Umwandlun-\ngen, aber hat ihm am Ende einen schlechten Dienst ge-\nleistet. Da er zu deutsch, zu italiänisch, zu französisch\nwurde, so leidet sein endlich fertiger Stil an den Extremen\naller dieser Bichtungen. Mit Ausnahme einiger Momente\nvon wirklicher Eingebung, wo sein musicalischer Gedanke\nsich erhebt und seine Form sich reinigt, wird sein Talent\nimmer das unvertilgbare Mal seines doppelten Ursprungs\ntragen; sein Name und seine Signatur bleiben doppelt.\nRossini heisst Gioacchino Rossini, Weber Karl Maria von\nWeber, Beethoven Ludwig van Beethoven, Mozart Wolf-\ngang Amadeus; Meyerbeer heisst Meyerbeer:\nder Vorname so italiänisch, der Zuname so deutsch wie\nmöglich.\nEin einheitliches, festes, unveränderliches System in\nseiner Kunst darf man bei Meyerbeer nicht suchen. Seine\nganze Geschicklichkeit besteht darin, die Bewegung und\ndie Richtung der Geister, ja, selbst die Mode, nach den\nverschiedenen Zeiten und Ländern zu studiren und wie der\nSteuermann die Richtung des Windes zu beobachten. Er\nmodelt seine künstlerischen Grundsätze nach jedem neuen\nGesichtspunkte um.\nDie Ursache dieser Umwandlungen ist aber bei ihm\nweit weniger die allmähliche, stufenweise und nalurge-\nmässe Entwicklung des Künstlers als eines solchen, son-\ndern vielmehr Berechnung des Verstandes, und die Ursache\ndieser Berechnung es wird endlich Zeit, es gerade heraus\nzu sagen ist ein unersättlicher Durst nach Erfolg, ein\nhitziges Beifallsfieber, eine Sucht nach augenblicklichem,\nunmittelbarem, egoistischem Erfolge. „Erfolg um jeden\nPreis!\" war seine Losung. Alles wurde diesem Ziele, das\ndurch alle nur möglichen Mittel erreicht werden musste,\ngeopfert. Des Erfolges wegen schmiegt er sich in die ita-\nliänische Weise: und welches Erfolges wegen? Nicht um\njenen Ruhm ist es ihm zu thun, der naturgemäss aus der\nanerkannten Schönheit eines Kunstwerkes dem Schöpfer\ndesselben zu Theil wird, nein, er will einen vorbereiteten,\nstudirten, lange und weit her gesuchten Erfolg, einen Erfolg,\nder seine falschen prismatischen Lichter auf das Werk\nwirft, der ein Vergrösserungsglas zwischen Werk und Pu-\nblicum hinstellt und durch die Uebertreibung der Vorzüge\ndes Werkes allein schon einen hässlichen Schatten aul die\nWerke Anderer wirft, die das Unglück haben, mit dem\nseinigen parallel zu laufen. Meyerbeer verstand die Kunst,\ndie Werke Anderer durch den umgekehrten Operngucker\nbetrachten zu lassen und das Vergrösserungsglas für die\nseinigen vorzubehalten. Niemals hat ein Mensch die Lehre\nvom Erfolge mit solcher Ueberlegenheit praktisch ange-\nwandt! Niemals hat ein Mensch die Kunst besessen, aul\nsein Jahrhundert mit dem ganzen Gewichte eines grossen\nRufes, einer hohen Stellung und eines kolossalen Vermö-\ngens so wie er zu drücken! Wohl hatte Weber Recht, als\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "236", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650729-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5444, "texte": "er in der Zeit, wo sein Studiengenosse zu den Italiänern\nübergelaufen war und sich in seinen Triumphen berauschte,\nausrief: „Verdammte Sucht, um Beifall zu buhlen!\"\nMeyerbeer wollte nichts Anderes: und dadurch erklärt\nsich Alles in seinem Leben, das eben so vor- und umsich-\ntig, so sludirt und berechnet und so complicirt war, wie\nsein Talent. Das Bedürfniss, die Welt unaufhörlich von\nsich reden zu machen, nöthigte.ihm eine Rolle auf, die er\nbis zu seinem Ende mit unruhiger und unerschrockener\nAusdauer gespielt hat und die ihn zwang, so viele Masken\nanzunehmen, als er Menschen sah, mit denen er in Ver-\nbindung trat. Denn Jeden betrachtete er als ein Mittel,\nals ein Werkzeug seines Erfolges, das er zu rechter Zeit\nund am rechten Orte in Bewegung setzen und wirken\nlassen könne.\nEr hat nach Ruhm gestrebt, aber nicht nach jenem\nRuhme, der das Grab in reinem, ruhigem Strahl umleuch-\ntet, sondern nach dem Ruhme des Augenblickes. Die Lor-\nbern Weber s in Deutschland, Rossini's in Italien und\nFrankreich liessen ihn nicht schlafen, und er hat nicht\neher Ruhe gehabt, wenn er diese überhaupt je gekannt, bis\ner in der Meinung der Welt durch sein Geschick, durch\nsein Savoir faire,durch die unermesslichen Hüllsquellen,\ndie ihm zu Gebote standen, eine bei Weitem grössere Stelle\neinnahm, als zu welcher er berechtigt war. Natürlich ge-\nhört Talent, grosses Talent dazu, urn es dahin zu bringen,\nallein die Triebfedern, die man ausser dem Talente in Be-\nwegung setzt, helfen auch viel dazu. Es gibt Kritiker und\nSchriftsteller, die Meyerbeer auf Eine Höhe mit Mozart,\nGluck, Beethoven, Weber, Rossini stellen: sie haben ihre\nGründe, um so zu sprechen, und das Volk glaubt ihnen.\nWer aber von dem Marke jener Meister sich genährt hat,\nwird das nie sagen.\nSollen wir nun noch fragen, welches seine Ueberzeu-\ngung in Bezug auf die Tonkunst war? Wie ist es mög-\nlich, eine Ueberzeugung bei demjenigen vorauszusetzen,\nder durch häufigen Missbrauch seines Talentes sich be-\nwusst sein musste, dass er den Geschmack verderbe? der\nnur sein eigenes Ich in seiner Kunst geliebt, nicht aber\ndas Schöne, das Wahre, das von Gott Stammende, wel-\nchem der wahre Künstler sein Ich zum Opfer bringt?\nNiemals ist es Meyerbeer eingefallen, sich zu sagen:\n„Ich will immer mehr und mehr nach dem wahren Schö-\nnen streben, ich will ein Werk für die Kunst schreiben,\nnicht um dem Publicum, sondern um mir selbst zu genü-\ngen, um wo möglich meinem Ideale von reiner Kunst-\nschönheit Leben zu geben.\" Niemals hat er das Publicum\nund die verschiedenen Classen im Publicum aus den Augen\nverloren. Du liebst deutsche Instrumenlirung, malerisches\nColorit? Da, das ist für dich! Du willst grell Phantasti-\nsches? Da hast du, was du wünschest! Dir gefallen ita-\nliänische Rouladen und Läppereien? Da sind sie! Du ver-\nmissest die niedliche Coquetterie der komischen Oper? Du\nsollst sie haben! Das waren seine Gedanken beim Schrei-\nben. Er hatte einen Willen, einen kräftigen Willen, der\nihm Alles unterthan machte, aber dieser Wille war nichts\nAnderes, als das Mittel, seinem eigenen Ich die ausschliess-\nliche Herrschaft zu sichern. Er hat nie zu sich selbst ge-\nsagt: „Ich will, selbst um den Preis des Erfolges, zum\nSchönen dringen!\" sondern: „Ich will den Erfolg, selbst\num den Preis des Schönen!\"\nVon einem solchen Künstler kann man kein Werk\nverlangen, das von Anfang bis zu Ende ein Meisterwerk\nsei, wie Figaro s Hochzeit, die Zauberflöte, Don Juan, II\nMatrimonio, II Barbiere, Fidelio, Freischütz, Oberon.\nUeberall fühlt man bei den Opern Meyerbeer's die Arbeit,\neine geschickte, feine, zuweilen bewundernswürdige Ar-\nbeit, aber nie, selbst an den schönsten Stellen, findet man\njenes schwer zu bezeichnende Etwas von Vollendung, wel-\nches die Werke unsterblich macht. Wir wissen jetzt, wess-\nhalb Meyerbeer von Ungleichheit strotzt. Uebrigens ist er\nkeine musicalische Natur ersten Ranges; es wohnt in ihm\nnicht jene göttliche Gluth, noch jene fruchtbare heilige\nQuelle, aus der die Melodie von selbst strömt, wie bei\nMozart, Beethoven und Rossini, jenen drei grossen Melo-\ndisten. Nicht alles, was aus seinem chemischen Schmelz-\ntiegel hervorgeht,- ist reines Gold. Und da ihm eine ge-\nheime Stimme im Innern sagt, dass es am Grundquell\nfehle, so gibt es kein Auskunftsmittelchen, keine List, keine\nKlügelei, keinen pfiffigen Kunstgriff, zu dem sein Talent\nnicht Zuflucht nähme, um Andere und sich selbst zu täu-\nschen; ein Talent, welches übrigens von Natur zaghaft\nund behutsam, nur wenn es seiner Sache sicher ist, vor-\nwärts geht, nichts aufs Spiel setzt, und nur dann erst etwas\nwagt, wenn Alles für den Erfolg vorbereitet ist.\nWas seine Orchestersachen betrifft, so kann davon\nnicht die Rede sein, so anspruchsvoll sie auch sind und so\ngrosses Verständniss der Klangwirkungen er auch beses-\nsen. Zur Sinfonie gehört aber ein Musiker sui generis,\nd. h. ein Musiker, der Alles aus eigenem Born schöpft.\nMan hat von mir die Wahrheit über Meyerbeer ver-\nlangt, wenigstens das, was ich für die Wahrheit halte.\nIch habe sie gesagt, wie man sie übrigens im Stillen schon\nlängst gesagt hat; es ist aber Zeit, sie laut zu sagen. Ich\nmache nicht den thörichten Anspruch auf Unfehlbarkeit,\nich kann mich täuschen; ich verlange nur von Jedem, dass\ner seine Meinung eben so frei ausspricht. Man wird mich\nzu grosser Strenge zeihen. Ich glaube über ihn so gespro-\nchen zu haben, wie man über ihn nach einem Jahre,\nvielleicht nach einem halben Jahre, sprechen wird. Aller-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "237", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650729-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 248, "texte": "Dings hat man bisher [in Frankreich!] noch nicht mit jener\nFreiheit über ihn gesprochen, die man mir heute gestattet\nund die ich benutze. Wenn ein Künstler in seinem Leben\nSchmeichler gesucht hat, so verdient er, nach seinem Tode\nRichter zu finden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-07-29-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-07-29_01#c003", "volume": "bmtnabi_1865-07-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "237", "page_fin": "239", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650729-01.2.3", "titre_corps": "Joseph Lenz.", "titre_sommaire": "Joseph Lenz.", "signature_source": "Die Redaction", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "237", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650729-01.1.5", "debut_caractere": 250, "fin_caractere_exclue": 5246, "texte": "Joseph Lenz.\n(Nekrolog.)\n\nJoseph Lenz war am 25. Mai 1813 zu Coblenz\ngeboren. Sein Vater, Notar in Coblenz, war ein grosser\nMusikfreund, besass eine der reichhaltigsten musicalischen\nBibliotheken und pflegte musicalisches Leben und Treiben\nin seinem Hause nach den besten Richtungen hin. Früh\nschon wurde daher der Verstorbene neben der wirksam-\nsten Sorge für seine wissenschaftliche Ausbildung der Mu-\nsik zugeführt, und erhielt er, kaum acht Jahre alt, in dem\ndamaligen ersten Violinisten der coblenzer Capelle, Kra-\ndochwill, einen trefflichen Lehrer. Unter der Leitung des-\nselben entwickelten sich seine Fähigkeiten für die Violine\nso rasch, dass er, eben zwölf Jahre alt, in den coblenzer\nConcerten mit Erfolg öffentlich auftreten konnte. In der\nCultivirung des Violinspiels concentrirte sich damals seine\nmusicalische Thätigkeit. Wöchentliche Quartett-Auffüh-\nrungen im Lenz'scben Hause, an denen neben anderen\nausgezeichneten Künstlern der später so berühmt gewor-\ndene Concertmeister Franz Hartmann in Köln thätigen\nAntheil nahm, gewährten lange Jahre den coblenzer Mu-\nsikfreunden den seltensten Genuss. Am Ende seiner Gym-\nnasial-Laufbahn hatte der junge Lenz es bereits so weit\ngebracht, dass er ausgezeichneten Spielern des Rheinlan-\ndes an die Seite gestellt werden konnte. Voller, runder,\nsehr ausgiebiger, der feinsten Modificationen fähiger Ton,\nbedeutende Technik, Zartheit und Innigkeit des Vortrages,\ngepaart mit Kraft und Feuer, liessen in dem jungen Künst-\nler Vorzüge erkennen, die er später zur Vollendung brachte.\nUnvergesslich bleibt seinen Freunden der Genuss, den er\nihnen durch den Vortrag der beliebtesten Compositionen\nder damaligen Zeit, namentlich der Spohr'schen Violin-\nConcerte, in den coblenzer Winter-Concerten verschaffte.\nDiese Concerte wurden damals von dem trefflichen\nStaats-Procurator Anschütz in einer Weise geleitet, die\ndem coblenzer Musik-Institute eine hervorragende Stelle\nunter den rheinischen Concert-Instituten sicherte. Anschütz,\neiner der ausgezeichnetsten Dirigenten und Gesanglehrer,\ndem die Stadt Coblenz ein unvergängliches Andenken zollt,\nverstand es noch, Sänger und Sängerinnen vom zartesten\nJugendalter an selbständig heranzubilden. Anschütz hatte\ndarum bis in die letzte Zeit seiner Wirksamkeit stets eine\nAnzahl durch ihre Stimmmittel und musicalischen Leistun-\ngen gleich ausgezeichneter Schüler aufzuweisen, so dass er\ndes fahrenden Virtuosenthüms, welches heute Alles be-\nherrscht und bis in die kleinsten Städte eindringt, sehr\nwohl entbehren konnte, ohne dass der Gediegenheit seiner\nLeistungen dadurch Abbruch geschehen wäre.\nDer Einfluss von Anschütz machte sich auf Lenz in\nseiner bildungsfähigsten Zeit auf die Richtung seines\nKunstgeschmackes und musicalischen Strebens in der gün-\nstigsten Weise geltend. Mit dem zurückgelegten Maturitäts-\nExarnen hatten sich die hervorragenden musicalischen An-\nlagen und Fähigkeiten so bedeutend herausgestellt, dass\nsein Vater seinem Entschlüsse, seine ganze Thätigkeit der\nMusik zu widmen, nicht hindernd in den Weg treten\nwollte. Lenz verliess Coblenz 1832, um an dem Conser-\nvatorium in Paris seine musicalischen Studien fortzusetzen.\nDa aber damals keine Ausländer in dasselbe aufgenom-\nmen wurden, so studirte er bei Reicha Composition und\nbei Habenek Violine, tjeberraschend war die Verände-\nrung, die sein zweijähriger Aufenthalt in Paris bei seiner\nRückkehr in seine Vaterstadt an ihm wahrnehmen liess.\nAlle diejenigen glücklichen Eigenschaften, die bis dahin\nnoch in ihm geschlummert und ihm später eine so benei-\ndenswerthe Stellung unter seinen Mitbürgern und in wei-\nteren Kreisen verschafft haben, traten nun entschieden\nund in einer durch seine Individualität bestimmten Weise\nhervor. Lebhaft angeregter und anregender Geist, leichte\nund doch durchdringende Auffassung, verbunden mit der\nFähigkeit, das Empfundene und Erfahrene in der glück-\nlichsten Form wiederzugeben und nutzbar zu machen,\nfeurige Einbildungskraft, feiner Geschmack, scharfes und\ntreffendes Urlheil liessen unzweifelhaft in ihm einen jungen\nMann von ungewöhnlicher Begabung und den schönsten\nHoffnungen erkennen.\nIn die nun folgende Zeit seines Aufenthaltes in Coblenz\nfällt seine hauptsächlichste Thätigkeit auf dem Gebiete der\nschaffenden Kunst. Nachdem er bereits früher einige\nOuvertüren in dem von ihm geleiteten Instrumental-Ver-\neine mit Beifall zur Aufführung gebracht hatte, erfreute\ner jetzt den Kreis seiner näheren Bekannten mit einer\nReihe trefflicher Lieder, wozu ihm eine von Freundeshand\nzugegangene Bearbeitung Byron'scher Gesänge und der\nSchatz Rückert'scher Poesieen den Text lieferten. Frische\nund reiche Empfindungsgabe, Wahrheit und Tiefe der\nAuffassung des Grundtones des Gedichtes, edle Melodieen\nund feine Charakteristik reihen diese Lieder (ich nenne\ndarunter das erste: „Oft in stiller Mitternacht\", und die\nBallade: „Herr Oloff reitet spät und weif) den schönsten\nunserer Lieder-Compositionen an, und haben dieselben\nbisheran in unseren musicalischen Kreisen ihren Platz"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "238", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650729-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5402, "texte": "neben den besten ehrenvoll behauptet. Eine Einsicht in\ndiese Compositionen veranlasste Mendelssohn, auf der\nDurchreise nach Leipzig den jungen Künstler einzuladen,\nihn dortbin zu begleiten. Lenz folgte dieser Einladung,\num an der Hand des grossen Meisters seine musicalische\nAusbildung zu vollenden. Um so mehr überraschte nach\neinem Jahre die Kunde, dass Lenz Leipzig und der musi-\ncalischen Laufbahn den Rücken gekehrt habe, um in\nBreslau das Studium der Jurisprudenz zu beginnen. Es ist\nmir nicht gestattet gewesen, in die Ursachen dieses plötz-\nlichen Wechsels einzudringen; mag es sein, dass Lenz seine\nangeborene Befähigung zur Erreichung der Stufe eines\nMeisters der Tonkunst verkannte und aus einem unge-\nrechtfertigten Misstrauen gegen sich selbst es vorzog, der\nMusik als Fach-Studium zu entsagen, um nicht die Reihe\nsekundärer Geister, wie sie das charakteristische Merkmal\nder Gegenwart bilden, zu vermehren.\nIn Breslau wurde Lenz bald an die Spitze des akade-\nmischen Musikvereins gestellt, in welcher Stellung er sich\nder allgemeinsten Anerkennung erfreute. Aus der Zeit\nseines dortigen Aufenthaltes (1838 bis 1841) datirt seine\npreisgekrönte Composition des bekannten Becker'schen\nGedichtes: „Sie sollen ihn nicht haben\", welche leider mit\nder ganzen Flut der Compositionen dieses, einer musicali-\nschen Bearbeitung kaum fähigen (?) Gedichtes der Ver-\ngessenheit anheim gefallen ist. Die Lenz'sche Melodie zeich-\nnet sich durch Frische, Schwung und Kraft aus und bildet\nzugleich bei der vortrefflichen Instrumentation des Gesang-\nstückes, ganz abgesehen von dem Texte, einen der schön-\nsten und effectvollsten Märsche, die wir besitzen.\nSein erstes juristisches Examen absolvirte Lenz in\nBerlin und begann dann seine praktische juristische Lauf-\nbahn an dem königlichen Landgerichte seiner Vaterstadt\nCoblenz, wo er bald wieder die Seele des musicalischen\nLebens und Treibens wurde. In diese Periode fällt noch\ndie Composition eines in der Liebfrauenkirche zur Auffüh-\nrung gebrachten und mit ungewöhnlichem Beifalle aufge-\nnommenen Stabat Mater für Männerchor, Solostimmen\nund Streich-Orchester. Das Manuscript dieses Werkes\nwurde von einem Freunde zurückbehalten und als Anden-\nken verwahrt, so dass es nicht wieder zum Vorschein ge-\nkommen ist.\nDas Zurücktreten des Staats-Procuralors Anschütz\nund seines talentvollen Sohnes Karl Anschütz von der Di-\nrection des Musik-Instituts eröffnete eine Vacanz, die aller\nAugen aul Lenz richten liess. Lenz, dem gebieterischen\nZuge seines Innern folgend, gab die juristische Laufbahn\naul, um sie 1847 mit der ihm von der Königlichen Re-\ngierung angebotenen Director-Stelie des Musik-Instituts zu\nvertauschen. YVie er sich in dieser Wirksamkeit nicht nur\nin seiner Vaterstadt diefallgemeinste Anerkennung erwarb,\nsondern sich auch in weiteren maassgebenden Kreisen den\nRuf eines tüchtigen Meisters und Dirigenten verschafft, ist\nallgemein bekannt. Einen Glanzpunkt in derselben bezeich-\nnet die von ihm im Jahre 1858 veranstaltete Jubelfeier\n\\\ndes fünfzigjährigen Bestehens des Musik-Instituts, ein mu-\nsicalisches Fest, welches sich den schönsten und gelungen-\nsten Aufführungen in den Rheinlanden würdig anreihte.\nIhre Majestät die Königin Augusta, deren hoher Protection\nsich Lenz auf eine für ihn so ehrenvolle Weise zu erfreuen\nhatte, beehrte das Fest mit ihrer Gegenwart und liess ihm\nbei dieser Gelegenheit die Insignien des ihm vom Könige\nverliehenen Rothen Adler-Ordens vierter Classe zustellen.\nDas letzte Concert, welches Allerhöchstdieselbe mit ihrem\nBesuche beehrte, war das erste Concert des vergangenen\nWinters (1864 —1865) und zugleich das sechszigste,\nwelches Ihre Majestät unter der Direction von Lenz durch\nihre Anwesenheit verherrlichte.\nMitten in der glücklichsten Lebensstellung, auch als\nStadtrath für die allgemeinen Interessen seiner Vaterstadt\nthätig, geliebt und geschätzt in allen Classen der Gesell-\nschaft, ereilte ihn ein plötzlicher Tod im Kreise seiner An-\ngehörigen. Ein warmes und bleibendes Andenken ist ihm\nin den Herzen seiner dankbaren Vaterstadt und seiner\nzahlreichen Freunde und Verehrer gesichert.\nJoseph Lenz verschied, wie wir bereits in Nr. 28 ge-\nmeldet haben, am 11. Juli, Abends 11 Uhr.\nWelche Theilnahme sein unerwartetes Ende in Coblenz\nfand, zeigte das am 14. d. Mts. Statt gefundene Begräb-\nniss. Man sah unter denen, die dem Verstorbenen die letzte\nEhre erwiesen, den Ober-Präsidenten, den Stadt-Comman-\ndanten, den Chef des Generalstabes, den Landrath, den\nOber-Bürgermeister, so wie alle Stadtverordneten und an-\ngesehenen Bürger der Stadt Coblenz. Ihre Majestät die Kö-\nnigin Augusta hatte den Landrath und Kammerherrn\nFreiherrn v. Frentz beauftragt, den hinterbliebenen Fami-\nlien-Mitgliedern ihr Beileid kundzugeben. Die verschiede-\nnen Gesangvereine gaben durch Gesang von Trauerliedern\nihre Theilnahme zu erkennen. Von dem Sterbehause bis\nzur Kirche sang der St.-Castor-Gesangverein das\nrere\" mit Musik-Begleitung, und auf dem Wege von der\nKirche durch die Stadt das „Ruhe sanft beschattet\". Nach\nder Einsegnung der Leiche erscholl von der Orgelbübne\nherab das von Karl Anschütz componirte herrliche Lied:\n»Wenn Menschenhülfe dir gebriebt\", wozu der Verewigte\ndie Orchester-Begleitung geschrieben, von dem gesamm-\nten Männerchor des Musik-Instituts und dessen Orchester\nausgeführt, während über der Gruft auf dem dichtgedräng-\nten Kirchhofe die Concordia die Klänge eines Troslliedes,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "239", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650729-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 797, "texte": "von Franz Gretscher componirt, so wie des Mozart'schen\n„Lacrymosa\"erschallen liess und die Liedertafel als letz-\nten Scheidegruss dem Verewigten das Kuhlau'sche „Unter\nallen Wipfeln ist Ruh\" weihte.\nWas die „Coblenzer Zeitung\" in einem Nachrufe an\nLenz über sein ausgezeichnetes Directions-Talent sagt, un-\nterschreiben wir in jeder Beziehung nach der bei verschie-\ndenen Gelegenheiten gewonnenen persönlichen Ueberzeu-\ngung, und haben uns auch in diesen Blättern öfter darüber\nausgesprochen. Ueber Joh. Andr. Anschütz, den\nGründer des coblenzer Musik-Instituts, vergleiche dessen\nNekrolog in Nr. 3 des Jahrgangs 1856. Ueber das\nMusik-Institut selbst und die zweitägigen Aufführungen\nbeim Jubelfeste desselben am 9. und 10. October 1858\nvergleiche Nr. 38 und 43 des Jahrgangs 1858.\n\nDie Redaction."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-07-29-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-07-29_01#c004", "volume": "bmtnabi_1865-07-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "239", "page_fin": "240", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650729-01.2.4", "titre_corps": "Das Händelfest in Boston.", "titre_sommaire": "Das Händelfest in Boston.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "239", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650729-01.1.7", "debut_caractere": 799, "fin_caractere_exclue": 7239, "texte": "Das Händelfest in Boston.\nEinem ist sie die hohe, die herrliche Göttin; dem Andern\nEine milchende Kuh, die ihn mit Butter versorgt.\nSchiller.\nDas „Reich der Träume\", in welchem nach Schiller's Behaup-\ntung der Dichter verweilt, scheint in America eine terra incognita\nzu sein, denn man ist praktischer und weiss, dass sich das Träumen\nallein nicht bezahlt. Kunst und Geschäft liegen hier nicht allein\nnicht aus einander, sondern so nahe neben einander, dass sie sich\nberühren und dass mitunter die Kunst in das Geschäft und das\nGeschäft in die Kunst hinübergreift. Bei allen Kunst-Unternehmun-\ngen, welche von Americanern begonnen werden, ist die erste Frage:\n„Bezahlt sich das Ding?\" „Does it payf\" und wenn das nicht der\nFall ist, so mag der Kunstwerth, welchen das Unternehmen hat, zum\nTeufel gehen. Nur in Einer Stadt America's war, wie es hiess, der\nAltar des Apollo aus der reinsten Verehrung errichtet worden, nur\nEine Stadt nähre die heilige Flamme der Kunst, und nur Eine\nStadt sei das Athen von America. Diese Stadt ist Boston. Von\nBoston aus soll nicht allein die americanische Literatur ihren Ur-\nsprung haben, sondern auch die Kunst, und zwar namentlich die\nMusik. Die Bostoner rühmen sich, zu haben, was New-York selbst\njetzt noch in sehr beschränktem Maassstabe hat, nämlich einen\ngrossen Concertsaal; die Bostoner schickten nach Europa und Hes-\nsen sich von Walker eine grosse Orgel bauen, über welche in allen\nZeitungen von den Minen Oregons bis zur äussersten Spitze Dela-\nware's geschrieben und geschrieen wurde, dass es eine Freude war;\ndie Bürger von Boston bildeten so zu sagen eine musicalische Ge-\nmeinde, kurz, Boston dünkte sich der Vorort für Kunst in America.\nUnter Anderem ist Boston sehr stolz auf eine Gesellschaft, welche\nseit dem Jahre 1815 besteht und jedenfalls also ein ehrwürdiges\nAlter hat. Die Gesellschaft fühlte sich von dem Geiste getrieben,\nohne irgend eine äussere Veranlassung, in diesem Jahre, und zwar\nin der Woche vom 22. bis zum 29. Mai, ein Händelfest zu geben.\nWar die äussere Veranlassung, wie wir sagten, noch nicht da, so\nexistirte doch eine innere, sehr gewichtige, und diese war in dem\nZustande der Finanzen der Gesellschaft zu finden. Der Krieg hat\nin America nicht bloss verzehrt, sondern auch sehr viele Leute er-\nnährt, und darunter diejenigen Patrioten, welche es verstanden, für\ndie Soldaten Geld zu sammeln und dann eine wahrscheinlich still-\nschweigend für festgesetzt gehaltene Provision für sich zu behalten.\nWarum sollte nicht für dae Händelfest auch der bequeme Vorwand\ngebraucht werden, dass man für die Sanitäts-Commission sammeln\nwolle? Aber die Händel- und llaydn-Gesellschaft war offener und\nehrlicher, als die Leute, welche Ilypokrisie unter der Maske des\nI atriotismus tiieben, und sie erklärte von vorn herein, dass sie das\nFest veranstalten wolle, um die Hälfte des Ertrages für sich zu be-\nhalten und die andere Hälfte der Commission zu geben.\nDas Fest sollte acht I age dauern und im grossartigsten Maass-\nstabe eingerichtet werden, welcher in America möglich war. Ein\nChor von 750 Sängern und ein Orchester von 120 Musikern wurde\nengagirt, und unter den engagirten Sängerinnen und Sängern befan-\nden sich Frau Himmer, Frau van Zandt und die Herren Himmer,\nHermanns, Rudolphsen und Andere. Fast alle guten Musiker, welche\nvon New-York abkommen konnten, waren ebenfalls engagirt, so dass\nin dieser Hinsicht nichts zu wünschen übrig blieb. Sieben Abend-\nund drei Nachmittags-Concerte sollten gehalten werden und das\nEntree zu den ersteren 2 Doli. 50 C., zu den letzteren 1 Doli. 50 C.\nkosten. Die Leitung des Ganzen war dem Herrn Karl Zerrahn. einem\ntüchtigen und ernsten Musiker, übertragen worden. Um so mehr ist\nes zu verwundern, dass das Programm sich durch Geschmacklosig-\nkeit auszeichnete und mit einem Leichtsinne entworfen war3 welcher\nfast an Frevel gränzte; wir brauchen z. B. nur anzuführen, dass\nbei diesem Händelfeste Frau van Zandt die Arie aus der „Tra-\nviata\" singen durtte! Es ist leicht möglich, dass Herr Zerrahn mit\ndem Comitd zu kämpfen hatte, welches die Arrangements besorgte;\nindessen ist es fraglich, ob es nicht im Interesse der Würde der\nmusicalischen Proiession von America gewesen wäre, wenn Herr\nZerrahn lieber den Tactstock niedergelegt hätte, als sich zum Werk-\nzeuge unverständiger und nur der Spcculation Rechnung tragender\nMenschen zu machen. Ferner muss es auffallen, dass, während die\nHalle, in welcher das Concert Statt fand, die grösste und beste\nOrgel in America enthält, nicht eine einzige Solo-Piece für die Orgel\ngespielt wurde. So könnten wir noch der Ausstellungen mehr machen.\nAber der grösste und unbegreiflichste aller Humbugs, die über-\nraschendste Tactlosigkeit liegt in der folgenden Thatsache. Am\nMontag, als das Concert beginnen sollte, trat der Dirigent mit dem\nStabe auf seinen Platz und sagte einige Worte, welche jedoch zu\nleise gesprochen waren, um verstanden zu werden. Plötzlich sah er\ndas Publicum starr an, setzte sich in eine graeiöse Position und\nblieb steit stehen. Die Leute, welche in dem Saale waren, waren\neben so starr vor Erstaunen, als es ihnen auf einmal durch den Kopf\nfuhr, was die Ursache des plötzlichen Erstarrens sei. Das Orche-\nster liess sich photographiren! Nach der Operation begann\ndas Concert mit der Ouvertüre: „Eine feste Burg ist unser Gott!\"\nvon Nicolai, bei welcher der ganze Chor den die Einleitung bilden-\nden Choral mitsang. Nach dieser Einleitung hielt der Director der\nGesellschaft eine Rede. Eine Lobrede auf Händel? Nein und aber-\nmals nein! Was hätte Händel bei dem Feste zu thun gehabt? Der\nDoctor .sprach über die Geschichte der Händel- und Haydn-Gesell-\nschaft, über Musik im Allgemeinen und ihren veredelnden Einfluss\nauf Mensch und Vieh, über die ungeheuren Erfolge der Gesellschaft\nfür Förderung der Musik in America, kurz, er war, wie der Dich-\nter sagt:\n„Tief durchschauert von dem heil gen Wehen\nEigener Bewunderung.\"\nNach dieser Rede wurde Mendelssohn's Lobgesang recht gut\nvorgetragen, bei welchem die Soli von Fräulein Houston, Herrn\nHazlewood und Fräulein Goodenow gesungen wurden. Die Orgel\nspielte Herr Lang. Am Abende wurde die „Schöpfung\" gemacht,\nin welcher Fräulein Brainard, Frau van Zandt, Herr Farley und\nHerr Rudolphsen die Soli sangen. Karl Formes war nicht erschie-\nnen, weil das gegen Verabredung einige ihm unliebsame\nSänger engagirt hatte. Warum das nicht den Knall-Effect\nanwandte, welcher vor einigen Jahren hier in der Acadeiny ange-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "240", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650729-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2266, "texte": "wandt wurde, als bei den Worten: „Es werde Licht!** das Gas in\ndem matt erleuchteten Saale voll angeschraubt wurde, begreiten wir\nnicht, da dies doch im Einklänge mit den sonstigen Arrangements\ngestanden haben würde. Es versteht sich von selbst, dass die Sän-\nger, mit Ausnahme des Herrn Rudolphsen, die Arbeit ausführten,\nHaydn's Composition nach ihrem eigenen Geschmacke wesentlich zu\nverbessern. Am nächsten Tage wurde ein Abend-Concert gehalten,\nin welchem Beethoven's siebente Sinfonie, die Ouvertüre zum „Som-\nmernachtstraum\", der Fackeltanz von Meyerbeer aufgeführt wurden.\nEndlich ward aus Morgen und Abend der dritte Tag, und jetzt\nwurde Händel zugelassen, und zwar wurde „Israel in Aegypten\"\ngegeben, aber wie? Durch die Abwesenheit des Herrn Formes musste\nman die Soli für Bass und das Duett auslassen, und die Zusammen-\nstellung der Stimmen war schlecht, da die Soprane und Contra-Alts\nviel zu schwach waren. Kurz, das Oratorium wurde bedauerlich\nschlecht ausgeführt und machte Fiasco. Zum Ersätze dafür wurde\nnach dem Schlüsse der Lobgesang noch einmal aufgeführt!\nAm Nachmittage war ein anderes Concert gewesen, in welchem\ndie Schubert'ache Sinfonie in 0, Beethoven's Ouvertüre zu Leonore\n(Nr. 'S) und die Tannhäuser-Ouverture gemacht wurden. An diesem\ndenkwürdigen Nachmittage ereignete es sich, dass Frau van Zandt\ndie Arie aus der „Traviata\" sang und, was noch schlimmer ist, ein\nda capo erhielt. Am nächsten Tage wieder Nachlnittags-Concert,\nbestehend aus Beethoven's „Eroica\", den „Preludes\" von Liszt und\nden Ouvertüren zu „Teil\" und „Euryanthe\". Die Sinfonie ging ab-\nsolut schlecht, und der Vortrag erinnerte an die Geschichte aus den\n„Fliegenden Blättern\", in welcher der Dilettant dem ärgerlich ge-\nwordenen Dirigenten sagt: „Der Bass ist mein! auf dem kann ich\nspielen, was ich will!\" Eine Frau Cary sang eine Arie aus dem\n„Giuramento\" bedeutend unter allem Mercadante. Fräul. Phillips\nsang „0 mio Fernando\", und dann kam eine Art von Castraten-\nsang, indem ein junger Mensch, welcher dem Kirchenchor der „Tri-\nnity-Gemeinde\" in New-York angehört, die Gnaden-Arie sang! Spä-\nter sang derselbe „Künstler\" Gottschalk's Wiegenlied. An den zwei\nfolgenden Tagen wurde gar noch der „Elias\" und der „Messias\"\nvorgeführt! (New-Yorker Musik-Zeitung.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-07-29-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-07-29_01#c005", "volume": "bmtnabi_1865-07-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "240", "page_fin": "240", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650729-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "240", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650729-01.1.8", "debut_caractere": 2268, "fin_caractere_exclue": 4168, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nDresden. Der berühmte Tenorist Schnorr von Caro Is-\nfeld ist am 21. Juli hier am Typhus gestorben.\nDas Stadtthoater in Breslau ist am 19. ein Kaub der Flam-\nmen geworden. Nur die leeren Umfassungsmauern sind noch zu\nsehen, während innen Alles gänzlich ausgebrannt ist. Ein grosses\nGlück muss es genannt werden, dass das Feuer erst nach der Vor-\nstellung. ausbrach. Abends um halb 11 Uhr, als die Vorstellung zu\nEnde war es war die „Jüdin\" gegeben worden —, war noch keine\nSpur einer Feuersgefahr zu bemerken. Als der Theaterwächter sich\nzur Ruhe begeben wollte, nahm er urplötzlich einen Feuerschein\nwahr und eilte auf die Bühne, auf welche aus der Höhe schon\nbrennende Holzstücke herabfielen. Bald darauf hörte er einen furcht-\nbaren Knall, und in wenigen Secunden standen schon Coulissen,\nDecke u. s. w. in Flammen, so dass er schleunigst auf seine eigene\nRettung bedacht sein musste. Durch den Brand des Theaters sind\nalle Contracte gelöst, sämmtliche Mitglieder daher ohne Stelle. Das\nTheatergebäude ist bei der städtischen Feuer-Societät mit überhaupt\n112,120 Thlr. versichert; davon sind 88,ODO Thlr. rückversichert, so\ndass für die Stadt voraussichtlich nur ein Schaden von 24,120 Thlr.\nverbleiben dürfte. Die breslauer Stadtverordneten-Versammlung hat\nbeschlossen, den Magistrat zu ersuchen, den durch den Theaterbrand\nin Noth gerathenen Personen die für den Augenblick nothwendige\nUnterstützung zu gewähren, und die Bewilligung der Mittel näch-\nträglich zu beantragen. Die Entstehungs-Ursache des Brandes soll,\nnach einer glaubwürdigen Version, in einer Gas-Explosion liegen.\nDie Theater-Capelle hat bei dem Brande alle ihre Instrumente ein-\ngebüsst und dadurch einen Verlust von 1200 Thlrn. erlitten. Der\nWerth des verbrannten Gutes beträgt 2000 Thlr., doch sind für 800\nThlr. Instrumente versichert. Ausserdem büsst die Capelle für 100\nThlr. Musicalien ein."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "233", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650729-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie Wahrheit über Meyerbeer und die Africanerin. Von Joseph d'Ortigue (Schluss). Joseph iienz (Nekrolog).\nDas Händelfest in Boston. Tages- und Unterhaltungsblatt (Dresden, Tenorist Schnorr von Carolsfeld f Breslau, Brand\ndes Stadttbeaters).\n\nDie Wahrheit über Meyerbeer und die Africanerin.\nVon Joseph d’Ortigue.\n(Schluss. S. Nr. 29.)\nDen dritten Act das Schiff möchte ich gern mit\nStillschweigen übergehen, wenn ich nicht der Erste wäre,\nfür zwei oder drei wirklich ausgezeichnete Stücke um\nGnade zu bitten: die Orchester-Einleitung, ein gutes, pitto-\nreskes Stück Musik, den anmuthigen Frauenchor und das\nMatrosenlied: „0 saint Dominiquewelche beide einen\nDoppelchor von schöner Wirkung bilden, der in den drit-\nten Act der „Hugenotten\" passen würde; vielleicht noch\nden wilden Chor der Indianer, welche das Schiff stür-\nmen und in Selika ihre Königin erkennen. Aber wahr-\nlich! das Quartett und der Matrosenchor: „Debout!u, die\nBallade vom Sturmgott Adamastor, welche Nelusko singt,\nmit seinem verzweifelten Trallaia und dem dreimaligen,\nhöchst unmusicalischen, sardonischen Lachen, und welche\nwie ein Trinklied in hüpfendem 2/4-Tact und Triolen-Pas-\nsagen schliesst; die lange, schwer zu treffende, unmelodi-\nsche und trocken modulirende Phrase, mit welcher Ne-\nlusko die Wendung des Schiffes commandirt; ferner das\nDuett zwischen Vasco und Don Pedro, welches deutsch,\nund zwar sehr schön deutsch und mit interessanten Or-\nchester-Figuren anfängt, aber italiäniscb, und zwar sehr\nhässlich italiäniscb, endigt—desinit in piscem —; aber der\nGewittersturm und das abscheuliche Bacchanal hinterher\ndas alles ist, frei heraus gesagt, nur Waare für die\nRumpelkammer. Man sollte bei manchen Stellen darauf\nschwören, dass das Ohr des Maestro keinen Sinn mehr\nfür Wohllaut gehabt habe. Es gibt keine harten Accorde,\nkeine holperigen Tonfolgen, womit er nicht dem Ohre\nwehe thut. Das geht ihm überall so, wo er physische Er-\neignisse, Natur-Phänomene schildern will, wie in der plum-\npen und widrigen Ouvertüre zum „Pardon de Pfo'ermel\",\ndie seine Schmeichler sich nicht gescheut haben, haar-\nsträubender Weise mit der nPastoral-Sinfonie\" zu ver-\ngleichen !\nEs ist nicht zu bezweifeln [?], dass ein grosser Theil\nder Mängel, die wir hervorgehoben haben, beseitigt wor-\nden wäre, wenn Meyerbeer selbst die Proben zur Auffüh-\nrung geleitet hätte, und dass dann namentlich der dritte\nAct, der die grössten Schwierigkeiten für die Scenirung\nhat, aber keineswegs am meisten befriedigt, eine andere\nGestalt bekommen haben würde. Man braucht sich dess-\nhalb nur an die vollkommene Umgestaltung des vierten\nActes der „Hugenotten\" zu erinnern, welche derselbe in\nden letzten Proben erhielt. Die „Africanerin\" hat also in\ndieser Beziehung ein eigenes Schicksal gehabt. Der Autor\nhat sie fünfzehn bis achtzehn Jahre im Pulte behalten,\nwer weiss wie oft überarbeitet, mit Correcturen und Va-\nrianten übersäet, stets unentschlossen, sie auf die Scene\nzu bringen, entweder weil er trotz der Annahme des Li-\nbretto doch instinctmässig Misstrauen darein setzte, oder\nweil er die Vergleichung mit den „Hugenotten1- fürchtete,\nindem die Composition ungefähr in dieselbe Epoche fiel,\noder endlich, weil er die Hoffnung aufgab, einen Phönix\nder Tenöre und eine Perle der Soprane zu finden und\ntrotz alledem hat er nicht nur nicht daran gedacht, die\nPartitur von einer Menge von groben Gemeinplätzen und\nvon italiänischen Formeln zu reinigen, sondern auch ver-\ngessen, dass er Gefahr lief, dieses Schoosskind seiner Vor-\nliebe und Sorgfalt nicht selbst der Welt vorführen zu\nkönnen.\nDas Ergebniss davon ist, dass die „Africanerin\", wie\nwir sie jetzt sehen, trotz mancher Schönheiten eine Menge\nvon veralteten und verblichenen, hundert Mal da gewese-\nnen Dingen enthält. Damit soll aber nicht gesagt sein, dass\ndiese Dinge vor fünfzehn Jahren durch Jugend und Fri-\nsche geglänzt hätten; o nein, über die Erzeugnisse der\nKunst muss man sich andere Vorstellungen machen. Was"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "234", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650729-01.1.2", "texte": "in den Meisterwerken jung geblieben ist, war immer jung;\nwas alt geworden ist, war immer alt. Indessen würden\ndiese Mängel damals unter dem Schutze neuer Zusammen-\nstellungen, welche ja auch vielen schwachen Stellen im\n„Robert\" und in den „Hugenotten\" durchgehollen haben,\nmit durchgeschlüpft sein: jetzt aber haben dieselben Zu-\nsammenstellungen nicht mehr den Reiz der Neuheit, sie\nsind Gemeingut geworden. Die Runzeln der Africanerin\nzeigen sich um so sichtbarer, weil sie durch nichts mehr\nverschleiert werden.\nIm vierten Acte hat der Componist den höchsten\nSchwung, die am meisten poetischen Bilder, den zartesten\nund leidenschaftlichsten Ton getroffen. Hier ist fast nichts\nGemachtes und Erborgtes; der Stil ist fast ganz rein von\naller Legirung mit unedlem Metalle. Meyerbeer kommt\nimmer erst von Stufe zu Stufe zu solchen Schönheiten.\nEr nimmt nicht gleich einen herrlichen Anlauf, wie ein\nedles Racepferd: er dringt mit Mühe in seinen Gegenstand\nein, er muss sich allmählich aufregen, nach und nach\nwarm werden; er versucht seine Kräfte, er durchläuft mit\nGlanz einen bestimmten Abschnitt der Rennbahn, dann\ngeht ihm der Athem aus. Jener Abschnitt der Rennbahn\nist der fünfte Act des „Robert\", der dritte und besonders\nder vierte der „Hugenotten\" und der vierte der „Afri-\ncanerin\".\n[ln der Partitur dieses Actes lobt der Verfasser des\nArtikels jede Nummer den indischen Marsch, die „sehr\nschöne\" Balletmusik, die Anrufung Brahma's, „deren Be-\ngleitung wie Orgelton klingt\", die Arie Vasco's, die wil-\nden Chöre der Indier, die den Tod des Fremdlings ver-\nlangen. Er hat hier „die schauerliche Energie des vierten\nActes der Hugenotten wieder gefunden\"; „eine Melodie\nVasco's in Ges durkönnte man für eine von Mozart neh-\nmen\" u. s. w. Nur „eine Stretta von falschem und decla-\nmatorischem Ausdruck\" wünscht er hinweg; dagegen\nrühmt er in der Musik bei der Vermählungsfeier das\nGrossartige und meint, dass Meyerbeer selten im Ausdruck\nsolcher Situation sich so hoch wie hier erhoben habe, da\nsonst sein Genie mehr dramatisch sei. Das grosse Duett\nzwischen Selika und Vasco ist auch seiner Ansicht nach\nbewundernswert!!, doch „bedauert er dabei die Anwen-\ndung des Unisono, die er schon in einem früheren Duette\ngerügt hat und in einem folgenden nochmals rügen muss\nals ein Verfahren, welches nur Componislen anwenden,\ndie den Ausdruck mit der Klangkraft des materiellen\nTones verwechseln\".\nUeber den fünften Act sagt der Verfasser wenig. Das\nDuett zwischen den beiden Sopranen, Selika und Infes,\nnimmt nach ihm eine achtungswerthe Stellung ein. Als-\ndann fährt er fort:]\nSobald Selika sich mit dem Entschlüsse, zu sterben,\ndem Giftbaume nähert, stimmt das Orchester als eine\nArt von Grabgesang jene Phrase von 17 Tacten an, welche\ndas Publicum bezaubert. Nun, diese Melodie hat Fülle\nund Numerus, aber sie zeichnet sich weder durch Schön-\nheit noch durch Neuheit aus, sie hat im Gegentheil einen\nganz gewöhnlichen Charakter. Persönlich muss ich gegen\ndiese Reihe von Tacten dankbar sein, da sie für denjeni-\ngen, der sie aufmerksam anhört oder sie in der Partitur\nliest, einen der Hauptfehler, den ich Meyerbeer vorwerfe,\nin volles Licht stellt: die Verbindung einer gemeinen For-\nmel mit einer gewissen Feierlichkeit im Anfange der Pe-\nriode. Worauf beruht denn nun aber die Wirkung dieser\nPeriode auf die Menge? Einzig und allein auf der Zusam-\nmenstellung von Klangfarben, auf der Macht des Unisono,\nauf dem Klange der nackten Melodie ohne alle Harmonie\nund Begleitung, und vor Allem auf dem trefflichen Vor-\ntrage durch das Orchester. Sie wird ausgeführt von allen\nViolinen, Bratschen und Violoncellen, das heisst von 42\nBogen, unterstützt von 4 Fagotten und 2 Clarinetten, die\ndann alle zusammen wie ein einziger Meister spielen.\nHierauf folgt ein schönes Recitativ mit interessanten\nund poetischen Orchester-Figuren. Indess wäre doch mehr\nmelancholische Färbung in dem Lebewohl zu wünschen,\ndas Selika dem Leben und dem Geliebten sagt. Sie haucht\nihren letzten Seufzer das darf nicht verschwiegen wer-\nden in einem Walzer-Motiv aus! in einem leibhaftigen\ndeutschen Ländler, der an sich ganz hübsch ist und nach\ndem man in etwas langsamerem Tempo recht gut tanzen\nkönnte. Dieses Thema verbindet sich mit einem Chor un-\nsichtbarer Geister, und zuletzt kommt Nelusko, um mit\nseiner undankbaren Geliebten zu sterben.\nIch wiederhole, dass es sehr zu bedauern ist, dass\ndie Partitur nicht die letzten entscheidenden Verbesserun-\ngen durch die Hand des Componisten während der Pro-\nben erfahren hat.\nEs ist nur zu wahr, dass mit Ausnahme fast des gan-\nzen vierten Actes, eines grossen Theiles des dritten und\neiniger schönen Stellen in den anderen, in denen die In-\nspiration den Componisten emporhebt in die höhere Kunst-\nregion, der Stil der „Africanerin\" nur zu oft ungleich und\nlose zusammengereiht ist; es fehlt ihm an Einheit und lo-\ngischer Folge; er hat nicht jenes freie, feste und eigen-\ntümliche, klare und einheitliche Gepräge, welches uns\nsagt: das ist Beethoven, das ist Weber, das ist Rossini!\nEs ist ein buntscheckiger Stil, ein Amalgama aus verschie-\ndenartigen Elementen, ein Gewand von gut und schlecht\nassortirten Lappen aus den enlgegengesetztesten Schulen\nund Werkstätten. Das Ohr wird alle Augenblicke be-\ntroffen und verwirrt durch gelehrte Combinationen, trockene"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "235", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650729-01.1.3", "texte": "und geschraubte Modulationen, eckige Linien, gemeine\nund schwülstige italiänische Floskeln, die den besten\nStücken ankleben: assuitur pannus.Es ist eine unaufhör-\nliche Mosaik, und dabei was für Reminiscenzen! Alle\nAugenblicke begegnet man Bekannten aus „Robert\", den\n„Hugenotten\", dem „Nordstern\".\n[Nach dem Ausspruche, dass „Vollkommenheit des\ndramatischen Kunstwerkes nur den Werken einer Periode\neigen ist, zu der Meyerbeer nicht mehr gehört\", weist der\nVerfasser nach ihrem relativen VVerthe der „Africanerin\"\nihre Stelle nach den „Hugenotten\" und „Robert\" an und\nbezeichnet den „Propheten\", den „Nordstern\" und die\n„Wallfahrt nach Ploermel\" als „drei Stufen der abneh-\nmenden Periode des Meisters\". Hieran schliesst er dann\nfolgenden Epilog:]\nWerfen wir einen umfassenden Blick auf die ganze\nKünstler-Laufbahn Meyerbeer's, so sondern sich leicht die\ndrei Perioden derselben: die erste, wo er sich in den For-\nmen des rein deutschen, schulgerechten Stils versucht, dann\ndie italiänische, wo er das schwere Gepäck der Schule ab-\nwirft, sich die Rossini'sche Weise mehr geschmeidig als\ngeschickt aneignet und die ohne Mühe erlangten Erfolge,\nohne darüber zu erröthen, hinnimmt.\nIn der dritten geräth er, da die italiänische Form sich\nüberlebt hat, nicht auf eine Verschmelzung der italiäni-\nschen und deutschen Art und Weise, von welcher, wenn er\ndavon durchdrungen, er selbst geblieben wäre, sondern\nauf den Gedanken einer Verbindung beider Systeme, einer\nVerbindung der äusseren Melodie des einen mit der Har-\nmonie und Instrumentirung und dem innerlichen Charak-\nter des anderen, auf ein Amalgama von Rossini und\nWeber in dem Rahmen der bestimmten und fest ausge-\nprägten Formen der französischen Oper.\nIn dieser Periode wird Meyerbeer förmlich Franzose\nan Sprache, Geist, Gewohnheiten, gefälligem, zuvorkom-\nmendem Wesen, feiner und mit Anstand und Rücksicht\nverbundener Conversation. Er studirte den Geschmack\nund die verschiedenen Neigungen des Publicums, übersah\nund verachtete keine und suchte unablässig nach den Mit-\nteln semer Kunst, wodurch er Alle befriedigen, allen Bil-\ndungsclassen gefallen, gleichsam in den Salons aller Etagen\nwillkommen sein könnte. Wieder deutsch geworden in den\nDingen, welche auf Menschen von tieferer musicalischer\nBildung wirken, blieb er Italiäner in allem Anderen, das\nden gewöhnlichen Neigungen des grossen Haufens schmei-\nchelt. Ich sagte, er sei Franzose geworden, und er ist es\nvielleicht zu sehr geworden, wie in Italien zu sehr Italiäner.\nSeine bewundernswerthe Leichtigkeit in der Aneignung\nfremder Sprachen unterstützte ihn bei seinen Umwandlun-\ngen, aber hat ihm am Ende einen schlechten Dienst ge-\nleistet. Da er zu deutsch, zu italiänisch, zu französisch\nwurde, so leidet sein endlich fertiger Stil an den Extremen\naller dieser Bichtungen. Mit Ausnahme einiger Momente\nvon wirklicher Eingebung, wo sein musicalischer Gedanke\nsich erhebt und seine Form sich reinigt, wird sein Talent\nimmer das unvertilgbare Mal seines doppelten Ursprungs\ntragen; sein Name und seine Signatur bleiben doppelt.\nRossini heisst Gioacchino Rossini, Weber Karl Maria von\nWeber, Beethoven Ludwig van Beethoven, Mozart Wolf-\ngang Amadeus; Meyerbeer heisst Meyerbeer:\nder Vorname so italiänisch, der Zuname so deutsch wie\nmöglich.\nEin einheitliches, festes, unveränderliches System in\nseiner Kunst darf man bei Meyerbeer nicht suchen. Seine\nganze Geschicklichkeit besteht darin, die Bewegung und\ndie Richtung der Geister, ja, selbst die Mode, nach den\nverschiedenen Zeiten und Ländern zu studiren und wie der\nSteuermann die Richtung des Windes zu beobachten. Er\nmodelt seine künstlerischen Grundsätze nach jedem neuen\nGesichtspunkte um.\nDie Ursache dieser Umwandlungen ist aber bei ihm\nweit weniger die allmähliche, stufenweise und nalurge-\nmässe Entwicklung des Künstlers als eines solchen, son-\ndern vielmehr Berechnung des Verstandes, und die Ursache\ndieser Berechnung es wird endlich Zeit, es gerade heraus\nzu sagen ist ein unersättlicher Durst nach Erfolg, ein\nhitziges Beifallsfieber, eine Sucht nach augenblicklichem,\nunmittelbarem, egoistischem Erfolge. „Erfolg um jeden\nPreis!\" war seine Losung. Alles wurde diesem Ziele, das\ndurch alle nur möglichen Mittel erreicht werden musste,\ngeopfert. Des Erfolges wegen schmiegt er sich in die ita-\nliänische Weise: und welches Erfolges wegen? Nicht um\njenen Ruhm ist es ihm zu thun, der naturgemäss aus der\nanerkannten Schönheit eines Kunstwerkes dem Schöpfer\ndesselben zu Theil wird, nein, er will einen vorbereiteten,\nstudirten, lange und weit her gesuchten Erfolg, einen Erfolg,\nder seine falschen prismatischen Lichter auf das Werk\nwirft, der ein Vergrösserungsglas zwischen Werk und Pu-\nblicum hinstellt und durch die Uebertreibung der Vorzüge\ndes Werkes allein schon einen hässlichen Schatten aul die\nWerke Anderer wirft, die das Unglück haben, mit dem\nseinigen parallel zu laufen. Meyerbeer verstand die Kunst,\ndie Werke Anderer durch den umgekehrten Operngucker\nbetrachten zu lassen und das Vergrösserungsglas für die\nseinigen vorzubehalten. Niemals hat ein Mensch die Lehre\nvom Erfolge mit solcher Ueberlegenheit praktisch ange-\nwandt! Niemals hat ein Mensch die Kunst besessen, aul\nsein Jahrhundert mit dem ganzen Gewichte eines grossen\nRufes, einer hohen Stellung und eines kolossalen Vermö-\ngens so wie er zu drücken! Wohl hatte Weber Recht, als\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "236", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650729-01.1.4", "texte": "er in der Zeit, wo sein Studiengenosse zu den Italiänern\nübergelaufen war und sich in seinen Triumphen berauschte,\nausrief: „Verdammte Sucht, um Beifall zu buhlen!\"\nMeyerbeer wollte nichts Anderes: und dadurch erklärt\nsich Alles in seinem Leben, das eben so vor- und umsich-\ntig, so sludirt und berechnet und so complicirt war, wie\nsein Talent. Das Bedürfniss, die Welt unaufhörlich von\nsich reden zu machen, nöthigte.ihm eine Rolle auf, die er\nbis zu seinem Ende mit unruhiger und unerschrockener\nAusdauer gespielt hat und die ihn zwang, so viele Masken\nanzunehmen, als er Menschen sah, mit denen er in Ver-\nbindung trat. Denn Jeden betrachtete er als ein Mittel,\nals ein Werkzeug seines Erfolges, das er zu rechter Zeit\nund am rechten Orte in Bewegung setzen und wirken\nlassen könne.\nEr hat nach Ruhm gestrebt, aber nicht nach jenem\nRuhme, der das Grab in reinem, ruhigem Strahl umleuch-\ntet, sondern nach dem Ruhme des Augenblickes. Die Lor-\nbern Weber s in Deutschland, Rossini's in Italien und\nFrankreich liessen ihn nicht schlafen, und er hat nicht\neher Ruhe gehabt, wenn er diese überhaupt je gekannt, bis\ner in der Meinung der Welt durch sein Geschick, durch\nsein Savoir faire,durch die unermesslichen Hüllsquellen,\ndie ihm zu Gebote standen, eine bei Weitem grössere Stelle\neinnahm, als zu welcher er berechtigt war. Natürlich ge-\nhört Talent, grosses Talent dazu, urn es dahin zu bringen,\nallein die Triebfedern, die man ausser dem Talente in Be-\nwegung setzt, helfen auch viel dazu. Es gibt Kritiker und\nSchriftsteller, die Meyerbeer auf Eine Höhe mit Mozart,\nGluck, Beethoven, Weber, Rossini stellen: sie haben ihre\nGründe, um so zu sprechen, und das Volk glaubt ihnen.\nWer aber von dem Marke jener Meister sich genährt hat,\nwird das nie sagen.\nSollen wir nun noch fragen, welches seine Ueberzeu-\ngung in Bezug auf die Tonkunst war? Wie ist es mög-\nlich, eine Ueberzeugung bei demjenigen vorauszusetzen,\nder durch häufigen Missbrauch seines Talentes sich be-\nwusst sein musste, dass er den Geschmack verderbe? der\nnur sein eigenes Ich in seiner Kunst geliebt, nicht aber\ndas Schöne, das Wahre, das von Gott Stammende, wel-\nchem der wahre Künstler sein Ich zum Opfer bringt?\nNiemals ist es Meyerbeer eingefallen, sich zu sagen:\n„Ich will immer mehr und mehr nach dem wahren Schö-\nnen streben, ich will ein Werk für die Kunst schreiben,\nnicht um dem Publicum, sondern um mir selbst zu genü-\ngen, um wo möglich meinem Ideale von reiner Kunst-\nschönheit Leben zu geben.\" Niemals hat er das Publicum\nund die verschiedenen Classen im Publicum aus den Augen\nverloren. Du liebst deutsche Instrumenlirung, malerisches\nColorit? Da, das ist für dich! Du willst grell Phantasti-\nsches? Da hast du, was du wünschest! Dir gefallen ita-\nliänische Rouladen und Läppereien? Da sind sie! Du ver-\nmissest die niedliche Coquetterie der komischen Oper? Du\nsollst sie haben! Das waren seine Gedanken beim Schrei-\nben. Er hatte einen Willen, einen kräftigen Willen, der\nihm Alles unterthan machte, aber dieser Wille war nichts\nAnderes, als das Mittel, seinem eigenen Ich die ausschliess-\nliche Herrschaft zu sichern. Er hat nie zu sich selbst ge-\nsagt: „Ich will, selbst um den Preis des Erfolges, zum\nSchönen dringen!\" sondern: „Ich will den Erfolg, selbst\num den Preis des Schönen!\"\nVon einem solchen Künstler kann man kein Werk\nverlangen, das von Anfang bis zu Ende ein Meisterwerk\nsei, wie Figaro s Hochzeit, die Zauberflöte, Don Juan, II\nMatrimonio, II Barbiere, Fidelio, Freischütz, Oberon.\nUeberall fühlt man bei den Opern Meyerbeer's die Arbeit,\neine geschickte, feine, zuweilen bewundernswürdige Ar-\nbeit, aber nie, selbst an den schönsten Stellen, findet man\njenes schwer zu bezeichnende Etwas von Vollendung, wel-\nches die Werke unsterblich macht. Wir wissen jetzt, wess-\nhalb Meyerbeer von Ungleichheit strotzt. Uebrigens ist er\nkeine musicalische Natur ersten Ranges; es wohnt in ihm\nnicht jene göttliche Gluth, noch jene fruchtbare heilige\nQuelle, aus der die Melodie von selbst strömt, wie bei\nMozart, Beethoven und Rossini, jenen drei grossen Melo-\ndisten. Nicht alles, was aus seinem chemischen Schmelz-\ntiegel hervorgeht,- ist reines Gold. Und da ihm eine ge-\nheime Stimme im Innern sagt, dass es am Grundquell\nfehle, so gibt es kein Auskunftsmittelchen, keine List, keine\nKlügelei, keinen pfiffigen Kunstgriff, zu dem sein Talent\nnicht Zuflucht nähme, um Andere und sich selbst zu täu-\nschen; ein Talent, welches übrigens von Natur zaghaft\nund behutsam, nur wenn es seiner Sache sicher ist, vor-\nwärts geht, nichts aufs Spiel setzt, und nur dann erst etwas\nwagt, wenn Alles für den Erfolg vorbereitet ist.\nWas seine Orchestersachen betrifft, so kann davon\nnicht die Rede sein, so anspruchsvoll sie auch sind und so\ngrosses Verständniss der Klangwirkungen er auch beses-\nsen. Zur Sinfonie gehört aber ein Musiker sui generis,\nd. h. ein Musiker, der Alles aus eigenem Born schöpft.\nMan hat von mir die Wahrheit über Meyerbeer ver-\nlangt, wenigstens das, was ich für die Wahrheit halte.\nIch habe sie gesagt, wie man sie übrigens im Stillen schon\nlängst gesagt hat; es ist aber Zeit, sie laut zu sagen. Ich\nmache nicht den thörichten Anspruch auf Unfehlbarkeit,\nich kann mich täuschen; ich verlange nur von Jedem, dass\ner seine Meinung eben so frei ausspricht. Man wird mich\nzu grosser Strenge zeihen. Ich glaube über ihn so gespro-\nchen zu haben, wie man über ihn nach einem Jahre,\nvielleicht nach einem halben Jahre, sprechen wird. Aller-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "237", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650729-01.1.5", "texte": "Dings hat man bisher [in Frankreich!] noch nicht mit jener\nFreiheit über ihn gesprochen, die man mir heute gestattet\nund die ich benutze. Wenn ein Künstler in seinem Leben\nSchmeichler gesucht hat, so verdient er, nach seinem Tode\nRichter zu finden.\n\nJoseph Lenz.\n(Nekrolog.)\n\nJoseph Lenz war am 25. Mai 1813 zu Coblenz\ngeboren. Sein Vater, Notar in Coblenz, war ein grosser\nMusikfreund, besass eine der reichhaltigsten musicalischen\nBibliotheken und pflegte musicalisches Leben und Treiben\nin seinem Hause nach den besten Richtungen hin. Früh\nschon wurde daher der Verstorbene neben der wirksam-\nsten Sorge für seine wissenschaftliche Ausbildung der Mu-\nsik zugeführt, und erhielt er, kaum acht Jahre alt, in dem\ndamaligen ersten Violinisten der coblenzer Capelle, Kra-\ndochwill, einen trefflichen Lehrer. Unter der Leitung des-\nselben entwickelten sich seine Fähigkeiten für die Violine\nso rasch, dass er, eben zwölf Jahre alt, in den coblenzer\nConcerten mit Erfolg öffentlich auftreten konnte. In der\nCultivirung des Violinspiels concentrirte sich damals seine\nmusicalische Thätigkeit. Wöchentliche Quartett-Auffüh-\nrungen im Lenz'scben Hause, an denen neben anderen\nausgezeichneten Künstlern der später so berühmt gewor-\ndene Concertmeister Franz Hartmann in Köln thätigen\nAntheil nahm, gewährten lange Jahre den coblenzer Mu-\nsikfreunden den seltensten Genuss. Am Ende seiner Gym-\nnasial-Laufbahn hatte der junge Lenz es bereits so weit\ngebracht, dass er ausgezeichneten Spielern des Rheinlan-\ndes an die Seite gestellt werden konnte. Voller, runder,\nsehr ausgiebiger, der feinsten Modificationen fähiger Ton,\nbedeutende Technik, Zartheit und Innigkeit des Vortrages,\ngepaart mit Kraft und Feuer, liessen in dem jungen Künst-\nler Vorzüge erkennen, die er später zur Vollendung brachte.\nUnvergesslich bleibt seinen Freunden der Genuss, den er\nihnen durch den Vortrag der beliebtesten Compositionen\nder damaligen Zeit, namentlich der Spohr'schen Violin-\nConcerte, in den coblenzer Winter-Concerten verschaffte.\nDiese Concerte wurden damals von dem trefflichen\nStaats-Procurator Anschütz in einer Weise geleitet, die\ndem coblenzer Musik-Institute eine hervorragende Stelle\nunter den rheinischen Concert-Instituten sicherte. Anschütz,\neiner der ausgezeichnetsten Dirigenten und Gesanglehrer,\ndem die Stadt Coblenz ein unvergängliches Andenken zollt,\nverstand es noch, Sänger und Sängerinnen vom zartesten\nJugendalter an selbständig heranzubilden. Anschütz hatte\ndarum bis in die letzte Zeit seiner Wirksamkeit stets eine\nAnzahl durch ihre Stimmmittel und musicalischen Leistun-\ngen gleich ausgezeichneter Schüler aufzuweisen, so dass er\ndes fahrenden Virtuosenthüms, welches heute Alles be-\nherrscht und bis in die kleinsten Städte eindringt, sehr\nwohl entbehren konnte, ohne dass der Gediegenheit seiner\nLeistungen dadurch Abbruch geschehen wäre.\nDer Einfluss von Anschütz machte sich auf Lenz in\nseiner bildungsfähigsten Zeit auf die Richtung seines\nKunstgeschmackes und musicalischen Strebens in der gün-\nstigsten Weise geltend. Mit dem zurückgelegten Maturitäts-\nExarnen hatten sich die hervorragenden musicalischen An-\nlagen und Fähigkeiten so bedeutend herausgestellt, dass\nsein Vater seinem Entschlüsse, seine ganze Thätigkeit der\nMusik zu widmen, nicht hindernd in den Weg treten\nwollte. Lenz verliess Coblenz 1832, um an dem Conser-\nvatorium in Paris seine musicalischen Studien fortzusetzen.\nDa aber damals keine Ausländer in dasselbe aufgenom-\nmen wurden, so studirte er bei Reicha Composition und\nbei Habenek Violine, tjeberraschend war die Verände-\nrung, die sein zweijähriger Aufenthalt in Paris bei seiner\nRückkehr in seine Vaterstadt an ihm wahrnehmen liess.\nAlle diejenigen glücklichen Eigenschaften, die bis dahin\nnoch in ihm geschlummert und ihm später eine so benei-\ndenswerthe Stellung unter seinen Mitbürgern und in wei-\nteren Kreisen verschafft haben, traten nun entschieden\nund in einer durch seine Individualität bestimmten Weise\nhervor. Lebhaft angeregter und anregender Geist, leichte\nund doch durchdringende Auffassung, verbunden mit der\nFähigkeit, das Empfundene und Erfahrene in der glück-\nlichsten Form wiederzugeben und nutzbar zu machen,\nfeurige Einbildungskraft, feiner Geschmack, scharfes und\ntreffendes Urlheil liessen unzweifelhaft in ihm einen jungen\nMann von ungewöhnlicher Begabung und den schönsten\nHoffnungen erkennen.\nIn die nun folgende Zeit seines Aufenthaltes in Coblenz\nfällt seine hauptsächlichste Thätigkeit auf dem Gebiete der\nschaffenden Kunst. Nachdem er bereits früher einige\nOuvertüren in dem von ihm geleiteten Instrumental-Ver-\neine mit Beifall zur Aufführung gebracht hatte, erfreute\ner jetzt den Kreis seiner näheren Bekannten mit einer\nReihe trefflicher Lieder, wozu ihm eine von Freundeshand\nzugegangene Bearbeitung Byron'scher Gesänge und der\nSchatz Rückert'scher Poesieen den Text lieferten. Frische\nund reiche Empfindungsgabe, Wahrheit und Tiefe der\nAuffassung des Grundtones des Gedichtes, edle Melodieen\nund feine Charakteristik reihen diese Lieder (ich nenne\ndarunter das erste: „Oft in stiller Mitternacht\", und die\nBallade: „Herr Oloff reitet spät und weif) den schönsten\nunserer Lieder-Compositionen an, und haben dieselben\nbisheran in unseren musicalischen Kreisen ihren Platz"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "238", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650729-01.1.6", "texte": "neben den besten ehrenvoll behauptet. Eine Einsicht in\ndiese Compositionen veranlasste Mendelssohn, auf der\nDurchreise nach Leipzig den jungen Künstler einzuladen,\nihn dortbin zu begleiten. Lenz folgte dieser Einladung,\num an der Hand des grossen Meisters seine musicalische\nAusbildung zu vollenden. Um so mehr überraschte nach\neinem Jahre die Kunde, dass Lenz Leipzig und der musi-\ncalischen Laufbahn den Rücken gekehrt habe, um in\nBreslau das Studium der Jurisprudenz zu beginnen. Es ist\nmir nicht gestattet gewesen, in die Ursachen dieses plötz-\nlichen Wechsels einzudringen; mag es sein, dass Lenz seine\nangeborene Befähigung zur Erreichung der Stufe eines\nMeisters der Tonkunst verkannte und aus einem unge-\nrechtfertigten Misstrauen gegen sich selbst es vorzog, der\nMusik als Fach-Studium zu entsagen, um nicht die Reihe\nsekundärer Geister, wie sie das charakteristische Merkmal\nder Gegenwart bilden, zu vermehren.\nIn Breslau wurde Lenz bald an die Spitze des akade-\nmischen Musikvereins gestellt, in welcher Stellung er sich\nder allgemeinsten Anerkennung erfreute. Aus der Zeit\nseines dortigen Aufenthaltes (1838 bis 1841) datirt seine\npreisgekrönte Composition des bekannten Becker'schen\nGedichtes: „Sie sollen ihn nicht haben\", welche leider mit\nder ganzen Flut der Compositionen dieses, einer musicali-\nschen Bearbeitung kaum fähigen (?) Gedichtes der Ver-\ngessenheit anheim gefallen ist. Die Lenz'sche Melodie zeich-\nnet sich durch Frische, Schwung und Kraft aus und bildet\nzugleich bei der vortrefflichen Instrumentation des Gesang-\nstückes, ganz abgesehen von dem Texte, einen der schön-\nsten und effectvollsten Märsche, die wir besitzen.\nSein erstes juristisches Examen absolvirte Lenz in\nBerlin und begann dann seine praktische juristische Lauf-\nbahn an dem königlichen Landgerichte seiner Vaterstadt\nCoblenz, wo er bald wieder die Seele des musicalischen\nLebens und Treibens wurde. In diese Periode fällt noch\ndie Composition eines in der Liebfrauenkirche zur Auffüh-\nrung gebrachten und mit ungewöhnlichem Beifalle aufge-\nnommenen Stabat Mater für Männerchor, Solostimmen\nund Streich-Orchester. Das Manuscript dieses Werkes\nwurde von einem Freunde zurückbehalten und als Anden-\nken verwahrt, so dass es nicht wieder zum Vorschein ge-\nkommen ist.\nDas Zurücktreten des Staats-Procuralors Anschütz\nund seines talentvollen Sohnes Karl Anschütz von der Di-\nrection des Musik-Instituts eröffnete eine Vacanz, die aller\nAugen aul Lenz richten liess. Lenz, dem gebieterischen\nZuge seines Innern folgend, gab die juristische Laufbahn\naul, um sie 1847 mit der ihm von der Königlichen Re-\ngierung angebotenen Director-Stelie des Musik-Instituts zu\nvertauschen. YVie er sich in dieser Wirksamkeit nicht nur\nin seiner Vaterstadt diefallgemeinste Anerkennung erwarb,\nsondern sich auch in weiteren maassgebenden Kreisen den\nRuf eines tüchtigen Meisters und Dirigenten verschafft, ist\nallgemein bekannt. Einen Glanzpunkt in derselben bezeich-\nnet die von ihm im Jahre 1858 veranstaltete Jubelfeier\n\\\ndes fünfzigjährigen Bestehens des Musik-Instituts, ein mu-\nsicalisches Fest, welches sich den schönsten und gelungen-\nsten Aufführungen in den Rheinlanden würdig anreihte.\nIhre Majestät die Königin Augusta, deren hoher Protection\nsich Lenz auf eine für ihn so ehrenvolle Weise zu erfreuen\nhatte, beehrte das Fest mit ihrer Gegenwart und liess ihm\nbei dieser Gelegenheit die Insignien des ihm vom Könige\nverliehenen Rothen Adler-Ordens vierter Classe zustellen.\nDas letzte Concert, welches Allerhöchstdieselbe mit ihrem\nBesuche beehrte, war das erste Concert des vergangenen\nWinters (1864 —1865) und zugleich das sechszigste,\nwelches Ihre Majestät unter der Direction von Lenz durch\nihre Anwesenheit verherrlichte.\nMitten in der glücklichsten Lebensstellung, auch als\nStadtrath für die allgemeinen Interessen seiner Vaterstadt\nthätig, geliebt und geschätzt in allen Classen der Gesell-\nschaft, ereilte ihn ein plötzlicher Tod im Kreise seiner An-\ngehörigen. Ein warmes und bleibendes Andenken ist ihm\nin den Herzen seiner dankbaren Vaterstadt und seiner\nzahlreichen Freunde und Verehrer gesichert.\nJoseph Lenz verschied, wie wir bereits in Nr. 28 ge-\nmeldet haben, am 11. Juli, Abends 11 Uhr.\nWelche Theilnahme sein unerwartetes Ende in Coblenz\nfand, zeigte das am 14. d. Mts. Statt gefundene Begräb-\nniss. Man sah unter denen, die dem Verstorbenen die letzte\nEhre erwiesen, den Ober-Präsidenten, den Stadt-Comman-\ndanten, den Chef des Generalstabes, den Landrath, den\nOber-Bürgermeister, so wie alle Stadtverordneten und an-\ngesehenen Bürger der Stadt Coblenz. Ihre Majestät die Kö-\nnigin Augusta hatte den Landrath und Kammerherrn\nFreiherrn v. Frentz beauftragt, den hinterbliebenen Fami-\nlien-Mitgliedern ihr Beileid kundzugeben. Die verschiede-\nnen Gesangvereine gaben durch Gesang von Trauerliedern\nihre Theilnahme zu erkennen. Von dem Sterbehause bis\nzur Kirche sang der St.-Castor-Gesangverein das\nrere\" mit Musik-Begleitung, und auf dem Wege von der\nKirche durch die Stadt das „Ruhe sanft beschattet\". Nach\nder Einsegnung der Leiche erscholl von der Orgelbübne\nherab das von Karl Anschütz componirte herrliche Lied:\n»Wenn Menschenhülfe dir gebriebt\", wozu der Verewigte\ndie Orchester-Begleitung geschrieben, von dem gesamm-\nten Männerchor des Musik-Instituts und dessen Orchester\nausgeführt, während über der Gruft auf dem dichtgedräng-\nten Kirchhofe die Concordia die Klänge eines Troslliedes,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "239", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650729-01.1.7", "texte": "von Franz Gretscher componirt, so wie des Mozart'schen\n„Lacrymosa\"erschallen liess und die Liedertafel als letz-\nten Scheidegruss dem Verewigten das Kuhlau'sche „Unter\nallen Wipfeln ist Ruh\" weihte.\nWas die „Coblenzer Zeitung\" in einem Nachrufe an\nLenz über sein ausgezeichnetes Directions-Talent sagt, un-\nterschreiben wir in jeder Beziehung nach der bei verschie-\ndenen Gelegenheiten gewonnenen persönlichen Ueberzeu-\ngung, und haben uns auch in diesen Blättern öfter darüber\nausgesprochen. Ueber Joh. Andr. Anschütz, den\nGründer des coblenzer Musik-Instituts, vergleiche dessen\nNekrolog in Nr. 3 des Jahrgangs 1856. Ueber das\nMusik-Institut selbst und die zweitägigen Aufführungen\nbeim Jubelfeste desselben am 9. und 10. October 1858\nvergleiche Nr. 38 und 43 des Jahrgangs 1858.\n\nDie Redaction.\n\nDas Händelfest in Boston.\nEinem ist sie die hohe, die herrliche Göttin; dem Andern\nEine milchende Kuh, die ihn mit Butter versorgt.\nSchiller.\nDas „Reich der Träume\", in welchem nach Schiller's Behaup-\ntung der Dichter verweilt, scheint in America eine terra incognita\nzu sein, denn man ist praktischer und weiss, dass sich das Träumen\nallein nicht bezahlt. Kunst und Geschäft liegen hier nicht allein\nnicht aus einander, sondern so nahe neben einander, dass sie sich\nberühren und dass mitunter die Kunst in das Geschäft und das\nGeschäft in die Kunst hinübergreift. Bei allen Kunst-Unternehmun-\ngen, welche von Americanern begonnen werden, ist die erste Frage:\n„Bezahlt sich das Ding?\" „Does it payf\" und wenn das nicht der\nFall ist, so mag der Kunstwerth, welchen das Unternehmen hat, zum\nTeufel gehen. Nur in Einer Stadt America's war, wie es hiess, der\nAltar des Apollo aus der reinsten Verehrung errichtet worden, nur\nEine Stadt nähre die heilige Flamme der Kunst, und nur Eine\nStadt sei das Athen von America. Diese Stadt ist Boston. Von\nBoston aus soll nicht allein die americanische Literatur ihren Ur-\nsprung haben, sondern auch die Kunst, und zwar namentlich die\nMusik. Die Bostoner rühmen sich, zu haben, was New-York selbst\njetzt noch in sehr beschränktem Maassstabe hat, nämlich einen\ngrossen Concertsaal; die Bostoner schickten nach Europa und Hes-\nsen sich von Walker eine grosse Orgel bauen, über welche in allen\nZeitungen von den Minen Oregons bis zur äussersten Spitze Dela-\nware's geschrieben und geschrieen wurde, dass es eine Freude war;\ndie Bürger von Boston bildeten so zu sagen eine musicalische Ge-\nmeinde, kurz, Boston dünkte sich der Vorort für Kunst in America.\nUnter Anderem ist Boston sehr stolz auf eine Gesellschaft, welche\nseit dem Jahre 1815 besteht und jedenfalls also ein ehrwürdiges\nAlter hat. Die Gesellschaft fühlte sich von dem Geiste getrieben,\nohne irgend eine äussere Veranlassung, in diesem Jahre, und zwar\nin der Woche vom 22. bis zum 29. Mai, ein Händelfest zu geben.\nWar die äussere Veranlassung, wie wir sagten, noch nicht da, so\nexistirte doch eine innere, sehr gewichtige, und diese war in dem\nZustande der Finanzen der Gesellschaft zu finden. Der Krieg hat\nin America nicht bloss verzehrt, sondern auch sehr viele Leute er-\nnährt, und darunter diejenigen Patrioten, welche es verstanden, für\ndie Soldaten Geld zu sammeln und dann eine wahrscheinlich still-\nschweigend für festgesetzt gehaltene Provision für sich zu behalten.\nWarum sollte nicht für dae Händelfest auch der bequeme Vorwand\ngebraucht werden, dass man für die Sanitäts-Commission sammeln\nwolle? Aber die Händel- und llaydn-Gesellschaft war offener und\nehrlicher, als die Leute, welche Ilypokrisie unter der Maske des\nI atriotismus tiieben, und sie erklärte von vorn herein, dass sie das\nFest veranstalten wolle, um die Hälfte des Ertrages für sich zu be-\nhalten und die andere Hälfte der Commission zu geben.\nDas Fest sollte acht I age dauern und im grossartigsten Maass-\nstabe eingerichtet werden, welcher in America möglich war. Ein\nChor von 750 Sängern und ein Orchester von 120 Musikern wurde\nengagirt, und unter den engagirten Sängerinnen und Sängern befan-\nden sich Frau Himmer, Frau van Zandt und die Herren Himmer,\nHermanns, Rudolphsen und Andere. Fast alle guten Musiker, welche\nvon New-York abkommen konnten, waren ebenfalls engagirt, so dass\nin dieser Hinsicht nichts zu wünschen übrig blieb. Sieben Abend-\nund drei Nachmittags-Concerte sollten gehalten werden und das\nEntree zu den ersteren 2 Doli. 50 C., zu den letzteren 1 Doli. 50 C.\nkosten. Die Leitung des Ganzen war dem Herrn Karl Zerrahn. einem\ntüchtigen und ernsten Musiker, übertragen worden. Um so mehr ist\nes zu verwundern, dass das Programm sich durch Geschmacklosig-\nkeit auszeichnete und mit einem Leichtsinne entworfen war3 welcher\nfast an Frevel gränzte; wir brauchen z. B. nur anzuführen, dass\nbei diesem Händelfeste Frau van Zandt die Arie aus der „Tra-\nviata\" singen durtte! Es ist leicht möglich, dass Herr Zerrahn mit\ndem Comitd zu kämpfen hatte, welches die Arrangements besorgte;\nindessen ist es fraglich, ob es nicht im Interesse der Würde der\nmusicalischen Proiession von America gewesen wäre, wenn Herr\nZerrahn lieber den Tactstock niedergelegt hätte, als sich zum Werk-\nzeuge unverständiger und nur der Spcculation Rechnung tragender\nMenschen zu machen. Ferner muss es auffallen, dass, während die\nHalle, in welcher das Concert Statt fand, die grösste und beste\nOrgel in America enthält, nicht eine einzige Solo-Piece für die Orgel\ngespielt wurde. So könnten wir noch der Ausstellungen mehr machen.\nAber der grösste und unbegreiflichste aller Humbugs, die über-\nraschendste Tactlosigkeit liegt in der folgenden Thatsache. Am\nMontag, als das Concert beginnen sollte, trat der Dirigent mit dem\nStabe auf seinen Platz und sagte einige Worte, welche jedoch zu\nleise gesprochen waren, um verstanden zu werden. Plötzlich sah er\ndas Publicum starr an, setzte sich in eine graeiöse Position und\nblieb steit stehen. Die Leute, welche in dem Saale waren, waren\neben so starr vor Erstaunen, als es ihnen auf einmal durch den Kopf\nfuhr, was die Ursache des plötzlichen Erstarrens sei. Das Orche-\nster liess sich photographiren! Nach der Operation begann\ndas Concert mit der Ouvertüre: „Eine feste Burg ist unser Gott!\"\nvon Nicolai, bei welcher der ganze Chor den die Einleitung bilden-\nden Choral mitsang. Nach dieser Einleitung hielt der Director der\nGesellschaft eine Rede. Eine Lobrede auf Händel? Nein und aber-\nmals nein! Was hätte Händel bei dem Feste zu thun gehabt? Der\nDoctor .sprach über die Geschichte der Händel- und Haydn-Gesell-\nschaft, über Musik im Allgemeinen und ihren veredelnden Einfluss\nauf Mensch und Vieh, über die ungeheuren Erfolge der Gesellschaft\nfür Förderung der Musik in America, kurz, er war, wie der Dich-\nter sagt:\n„Tief durchschauert von dem heil gen Wehen\nEigener Bewunderung.\"\nNach dieser Rede wurde Mendelssohn's Lobgesang recht gut\nvorgetragen, bei welchem die Soli von Fräulein Houston, Herrn\nHazlewood und Fräulein Goodenow gesungen wurden. Die Orgel\nspielte Herr Lang. Am Abende wurde die „Schöpfung\" gemacht,\nin welcher Fräulein Brainard, Frau van Zandt, Herr Farley und\nHerr Rudolphsen die Soli sangen. Karl Formes war nicht erschie-\nnen, weil das gegen Verabredung einige ihm unliebsame\nSänger engagirt hatte. Warum das nicht den Knall-Effect\nanwandte, welcher vor einigen Jahren hier in der Acadeiny ange-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "240", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650729-01.1.8", "texte": "wandt wurde, als bei den Worten: „Es werde Licht!** das Gas in\ndem matt erleuchteten Saale voll angeschraubt wurde, begreiten wir\nnicht, da dies doch im Einklänge mit den sonstigen Arrangements\ngestanden haben würde. Es versteht sich von selbst, dass die Sän-\nger, mit Ausnahme des Herrn Rudolphsen, die Arbeit ausführten,\nHaydn's Composition nach ihrem eigenen Geschmacke wesentlich zu\nverbessern. Am nächsten Tage wurde ein Abend-Concert gehalten,\nin welchem Beethoven's siebente Sinfonie, die Ouvertüre zum „Som-\nmernachtstraum\", der Fackeltanz von Meyerbeer aufgeführt wurden.\nEndlich ward aus Morgen und Abend der dritte Tag, und jetzt\nwurde Händel zugelassen, und zwar wurde „Israel in Aegypten\"\ngegeben, aber wie? Durch die Abwesenheit des Herrn Formes musste\nman die Soli für Bass und das Duett auslassen, und die Zusammen-\nstellung der Stimmen war schlecht, da die Soprane und Contra-Alts\nviel zu schwach waren. Kurz, das Oratorium wurde bedauerlich\nschlecht ausgeführt und machte Fiasco. Zum Ersätze dafür wurde\nnach dem Schlüsse der Lobgesang noch einmal aufgeführt!\nAm Nachmittage war ein anderes Concert gewesen, in welchem\ndie Schubert'ache Sinfonie in 0, Beethoven's Ouvertüre zu Leonore\n(Nr. 'S) und die Tannhäuser-Ouverture gemacht wurden. An diesem\ndenkwürdigen Nachmittage ereignete es sich, dass Frau van Zandt\ndie Arie aus der „Traviata\" sang und, was noch schlimmer ist, ein\nda capo erhielt. Am nächsten Tage wieder Nachlnittags-Concert,\nbestehend aus Beethoven's „Eroica\", den „Preludes\" von Liszt und\nden Ouvertüren zu „Teil\" und „Euryanthe\". Die Sinfonie ging ab-\nsolut schlecht, und der Vortrag erinnerte an die Geschichte aus den\n„Fliegenden Blättern\", in welcher der Dilettant dem ärgerlich ge-\nwordenen Dirigenten sagt: „Der Bass ist mein! auf dem kann ich\nspielen, was ich will!\" Eine Frau Cary sang eine Arie aus dem\n„Giuramento\" bedeutend unter allem Mercadante. Fräul. Phillips\nsang „0 mio Fernando\", und dann kam eine Art von Castraten-\nsang, indem ein junger Mensch, welcher dem Kirchenchor der „Tri-\nnity-Gemeinde\" in New-York angehört, die Gnaden-Arie sang! Spä-\nter sang derselbe „Künstler\" Gottschalk's Wiegenlied. An den zwei\nfolgenden Tagen wurde gar noch der „Elias\" und der „Messias\"\nvorgeführt! (New-Yorker Musik-Zeitung.)\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nDresden. Der berühmte Tenorist Schnorr von Caro Is-\nfeld ist am 21. Juli hier am Typhus gestorben.\nDas Stadtthoater in Breslau ist am 19. ein Kaub der Flam-\nmen geworden. Nur die leeren Umfassungsmauern sind noch zu\nsehen, während innen Alles gänzlich ausgebrannt ist. Ein grosses\nGlück muss es genannt werden, dass das Feuer erst nach der Vor-\nstellung. ausbrach. Abends um halb 11 Uhr, als die Vorstellung zu\nEnde war es war die „Jüdin\" gegeben worden —, war noch keine\nSpur einer Feuersgefahr zu bemerken. Als der Theaterwächter sich\nzur Ruhe begeben wollte, nahm er urplötzlich einen Feuerschein\nwahr und eilte auf die Bühne, auf welche aus der Höhe schon\nbrennende Holzstücke herabfielen. Bald darauf hörte er einen furcht-\nbaren Knall, und in wenigen Secunden standen schon Coulissen,\nDecke u. s. w. in Flammen, so dass er schleunigst auf seine eigene\nRettung bedacht sein musste. Durch den Brand des Theaters sind\nalle Contracte gelöst, sämmtliche Mitglieder daher ohne Stelle. Das\nTheatergebäude ist bei der städtischen Feuer-Societät mit überhaupt\n112,120 Thlr. versichert; davon sind 88,ODO Thlr. rückversichert, so\ndass für die Stadt voraussichtlich nur ein Schaden von 24,120 Thlr.\nverbleiben dürfte. Die breslauer Stadtverordneten-Versammlung hat\nbeschlossen, den Magistrat zu ersuchen, den durch den Theaterbrand\nin Noth gerathenen Personen die für den Augenblick nothwendige\nUnterstützung zu gewähren, und die Bewilligung der Mittel näch-\nträglich zu beantragen. Die Entstehungs-Ursache des Brandes soll,\nnach einer glaubwürdigen Version, in einer Gas-Explosion liegen.\nDie Theater-Capelle hat bei dem Brande alle ihre Instrumente ein-\ngebüsst und dadurch einen Verlust von 1200 Thlrn. erlitten. Der\nWerth des verbrannten Gutes beträgt 2000 Thlr., doch sind für 800\nThlr. Instrumente versichert. Ausserdem büsst die Capelle für 100\nThlr. Musicalien ein."}]}