{"numero_id": "bm-bmtnabi-1865-08-05-01", "volume": "bmtnabi_1865-08-05_01", "ocr_sha256": "53871cc0e677fcf40de62793f6d9a2efc34854a6a04023034baa1ba9fc9ff038", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1865/08/05_01/bmtnabi_1865-08-05_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650805-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1865-08-05-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-08-05_01#c001", "volume": "bmtnabi_1865-08-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "241", "page_fin": "241", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650805-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "241", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650805-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 466, "texte": "Inhalt.\nBeethoven's Briefe. Herausgegeben von Prof. Dr. Ludwig Nobl. Von A. H. Der kölner Männer-Gesangverein in Wies-\nbaden und Worms. Von L. B. Aus Dresden (Orgel-Concert Concert des leipziger akademischen Gesangvereins ~Paulusu).\nTages- und Unterhaltungsblatt (Köln*, Woldemar Bargiel Baden-Baden, Kirchen-Concert Aus Franken, Hiller's „Zerstörung\nvon Jerusalem\" Königsberg, Musikfest Basel,'Bach's Mattfiäus-Passion s'Gravenhage, Herr W. F. G. 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Die Sammlung hat ausser dem\nVerdienste des Veranstalters, zuerst die überall in Büchern\nund Zeitungen zerstreut zum Abdruck gekommenen Briefe\nchronologisch geordnet zu bringen, noch den Vorzug, eine\nAnzahl von Briefen aufzuweisen, die bisher noch nicht\ndurch den Druck veröffentlicht worden sind. In begeister-\nter Würdigung des hohen Werthes der brieflichen, ohne\nZwang und ohne Absicht so recht aus dem Innersten ge-\nkommenen Auslassungen des Meisters sagt Nohl im Vor-\nworte: „dass hier ein Geist wohnt, der uns mit Urgewalt\naus der dumpfen Schwüle des Sinnlichen emporrafft, der\ndas tiefste Innere des Menschen berührt und ihn zum vol-\nlen Bewusstsein des höheren Theiles, des Ewigen in ihm\nselbst, bringt.\" Wenn der Verfasser übrigens auf eine\nLebensgeschichte Beethoven's, die er zu schreiben vorhat,\nhinweisend, in derselben Einleitung sagt, dass er glaubte,\ndie Briefe ohne weitere als die notwendigsten sachlichen\nAnmerkungen bringen zu müssen, so können wir ihm\ndarin jedoch nicht beistimmen. Seine Motivirung dafür ist,\n»dass er es nicht wage, zwischen diese wunderbaren\nBrocken des genialen Briefstellers, der auch hier stets als\ngigantischer Titane auftritt, sich selbst einzuschieben\". Es\ngleichen die Briefe allerdings Edelsteinen und Erzen der\nseltsamsten Arten, die unpolirt, ungeschliffen, in Schlacken\ngehüllt, frisch ausgeschachtet vor uns liegen, in dieser Be-\nschaffenheit schon zu erkennen gebend, wie reich und\nwerthvoll die Tiefe, aus der sie gekommen. Allein gerade\nbei diesen Briefen drängt sich uns die Frage, ob die Heraus-\ngabe solcher Briefsammlungen unbedingt gut und willkom-\nmen zu heissen, mit grösserer Eindringlichkeit auf, als\nz. B. bei denen Mozart's und Mendelssohn's, ganz abge-\nsehen von Briefen, wie die Reichardt's, Spohr's, H. Heine's,\nFerd. Hiller's u. A., die im Hinblick auf die beabsichtigte\nVeröffentlichung geschrieben sind.\nUm die Frage, ob Briefsammlungen, wie die in Rede\nstehende, unbedingt werthvoll und wünschenswerth sind,\nzu erledigen, müssen wir darüber klar werden, was sie\nbezwecken. Sehen wir sie für Quellenbücher an, die uns\nauf bequeme Weise alles das bieten, zu dessen Kenntniss\nwir nur auf mühevollem und kostbarem Wege gelangen\nkönnten, so scheint es, als müssten wir demjenigen auf-\nrichtig dankbar sein, der diese Mühen und Kosten getra-\ngen. Wird ein Buch aber gedruckt, so geschieht das im\nHinblicke auf einen reichen Absatz. Dieser Absatz wird\nhier bei Musikfreunden, Musikern und Schriftstellern über\nMusik erzielt werden. Die Musikfreunde werden aus Liebe\nzu Beethoven mit freudiger Erregung die Briefe ergreifen,\ndie ja so offen da liegen, als wären sie an uns geschrieben.\nDie Musiker werden theils in dieser Wallung, theils aus\ndem Motive, welches die Musikgelehrten leitet, das Buch\ndurchlesen. Der Wissenschaft sind Briefe Material zur ver-\nständnissvollen Erklärung und Erfassung des Tondichters,\nwie Beethoven sich selbst gelegentlich nannte. Stellt ein\nSchriftsteller es sich zur Aufgabe, die Biographie eines\nKünstlers zu schreiben, so wird er jedes Wort zu berück-\nsichtigen haben; dem Musikgelehrten und nach bewusster\nKlarheit strebenden Künstler wird eine allgemeine Be-\nkanntschaft mit den wichtigsten Briefen unerlässlich sein;\n\n*) Herausgegeben von Dr. Ludwig Nohl, Professor für Ge-\nschichte und Aesthetik der Tonkunst an der Universität zu München«\nStuttgart, bei Cotta. 1865. XII und 371 S. Gr. 8."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "242", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650805-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5497, "texte": "ob jedoch dem anderen Theile der Leser und dieser ist\nsicher der zahlreichere die vollständigen, ohne Com-\nmentar übergebenen Briefsammlungen *i'on absolutem\nNutzen sein werden, das erscheint uns mehr als fraglich.\nUnbedingt stimmen wir dagegen, jeden unbedeutenden\nZettel und jeden Brief vollständig zu geben, und glauben,\ndamit wären die Briefsteller, könnten sie sich darüber aus-\nsprechen, sicher einverstanden. So Werthvolles Briefe ent-\nhalten mögen, die ihrer Anzahl und Folge nach doch im-\nmer nur der Zufall uns überliefert hat, sie können nicht\nden Anspruch machen, so erfüllend und bestimmend auf\nuns zu wirken, wie ein planvolles Werk. Das machen wir\nihnen auch nicht zum Vorwurfe; allein dasjenige darin,\nwas, abgesehen vom Reliquienwerthe, als werthlos be-\ntrachtet werden muss, kann sogar Wirkungen nach sich\nziehen, die wir im Interesse der Verstorbenen unmöglich\nwünschen können. In Briefen sind viele Stellen den Wahr-\nheiten zu vergleichen, welche man den Unerfahrenen mit\nguter Absicht vorenthält; sie ähneln gefährlichen Werk-\nzeugen, die nur in der Hand des geschickten Arbeiters\nihre heilvolle Anwendung finden können.\nBesonders findet das Gesagte seine Anwendung auf\nBeethoven's Briefe. Mancher, der sie gleich denen Mozart's\nund Mendelssohn's die übrigens gesichtet zur Heraus-\ngabe gelangten mit Hast ergreift und mit Begierde\ndurchfliegt, wird sie nicht mit ungetheilter Befriedigung\naus der Hand legen. Wer Beethoven aus seinen Compo-\nsitionen kennt, ist freilich gewöhnt, viel zu erwarten und\nmehr und mehr zu finden. Bei Beethoven nun, der\nuns im Gegensatze zu dem chimärischen Prometheus der\nSinnenwelt als der wahre, triumphirende Prometheus der\nKunst erscheint, dünkt es uns heilige Pflicht, darüber zu\nwachen, dass seinem Andenken kein Unrecht geschehe.\nEs ist aber nicht zu läugnen, dass Vieles in der Samm-\nlung, ohne den sachlichen Zusammenhang und ohne Be-\nrücksichtigung der persönlichen Verhältnisse aufgenommen,\nzu Schlüssen auf Beethoven's Charakter verführen könnte,\ndie durchaus falsch wären. Mozart's Wesen, das man als\neine verklärte Natürlichkeit auffassen kann, steht dem all-\ngemein Menschlichen so nahe, dass dessen Briefe dem\nDurchschnitts-Verständnisse fast überall entsprechen. Men-\ndelssohn's Wesen ist als Resultat der Zusammenwirkung\nfast allseitig harmonisch einwirkender Verhältnisse auf\neinen Genius, der bei aller Erhabenheit doch dem Positi-\nven stets Rechnung trug, anzusehen. Seine Briefe zeigen\ndesshalb, unbeschadet des hohen Idealismus, der sie durch-\nweht, die Klarheit in sich und Berücksichtigung des aus-\nser ihm, welche sie mit classischer Objectivität aus-\nstattet und dem Fachmanne wie dem Laien gleich lieb\nund verständlich macht. Anders bei Beethoven. Kein Com-\nponist hat so wie er gewusst, die sinnlichen Klangmittel\nden Ideen unterzuordnen, die Leidenschaften zu läutern\nund der Begeisterung unterthan zu machen, unser ganzes\nEmpfinden zu beherrschen und zur Selbstverklärung em-\nporzureissen; allein ausser J. S. Bach vielleicht, dessen\nLeben uns ferner und unenthüllter noch geblieben—eben\nerschien ja erst eine grössere Lebensbeschreibung von\nBitter—, hat es keinen gegeben, der sich so ausschliesslich\nder Kunst geweiht und allen anderen Menschen wie Le-\nbensbeziehungen so fremd gestanden, wie der Verfasser\nder Eroica, der Napoleon für einen Freiheits-Apostel hal-\nten konnte. Wir gehören nicht zu denjenigen, die in\nschwärmerischer Hingebung bei ihren Helden den Schat-\nten ganz wegläugnen wollen; wir sehen die Schattenlinien\nsehr wohl, allein wir wünschen, dass die Fehler im Falten-\nwurf der Gewandung nicht auf den tadellosen Leib ge-\nschoben werden. Gewiss sind Beethoven's Aussprüche an\nund für sich nicht alle gut zu heissen, allein richtig ge-\nwürdigt und nach dem Zusammenwirken seiner Persön-\nlichkeit und der äusseren Verhältnisse beurtheilt, werden\nsie eine Erklärung finden, die sie selbst nicht entschuldi-\ngen, Beethoven als Menschen aber vollständig rechtferti-\ngen. Denn es ist das wohl zu unterscheiden. Eine Sache\nkann an und für sich Missbilligung verdienen, ohne dass\nderen Urheber die Schuld davon trägt. Nohl's bestechen-\ndes Bild: „Die Fehler des Menschen sind die Nacht, wo\ner sich ausruht von seinen Tugenden\", so Wahres es ent-\nhält [?], genügt uns hier nicht. Die Folge der oben schon be-\nrührten Isolirung auf die Kunst der Töne war, dass Beet-\nhoven der Ausdruck in der Schriftsprache nicht so zu Ge-\nbote stand und dass seine Empfindungen ohne den wohlthäti-\ngen Gegeneinfluss des Verkehrs mit der Welt wenn\ndieser vage Ausdruck gestattet ist schroffer und über-\ntriebener wurden; dass er, vollständig im Unklaren über\nden realen Zusammenhang und die thatsächliche Con-\nstruction der menschlichen Gesellschaft, nur zu oft, von\nirrthümlichen Vorstellungen ausgehend, irrte; dass er end-\nlich, da er der Menschlichkeit seinen Tribut nicht vor-\nenthalten konnte, in seinen Beziehungen als Freund, Lie-\nbender und Verwandter häufig fehlte, weil er, der von\nder Euripidäischen den grössten\nTheil seines Lebens Ergriffene, im höheren Lichte wan-\ndelnd, hier wie ein Blinder oder wie ein Sehender im\nDunkeln den Weg verlor. Wer das nicht berücksichtigt,\nder kann Beethoven nicht richtig beurtheilen. Vom lesen-\nden Publicum ist aber thatsächlich nicht zu erwarten und\nauch nicht zu verlangen, dass es bei Lesung von Briefen,\ndie uns äusserlich in Buch-Gestalt als ein Ganzes überge-\nben werden, ergänzenden Reflexionen, die Kenntnisse\nund psychologische Begabung voraussetzen, sich unter-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "243", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650805-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5471, "texte": "ziehe. Bei den Briefen Beetboven's, die bekannt geworden\nsind, ist es uns zu oft begegnet, dass Kunstfreunde und\nKünstler sogar sich von dem Menschen in ihm enttäuscht,\nja, abgestossen fühlten und diesen vor dem höchsten Rich-\nter im Herzen ganz selbstlos dastehenden, nur den Idealen\nder reinsten Tugenden lebenden Urmenschen sehr ver-\nkannten.\nWir haben diesen Briefen, die sich in dem gewöhn-\nlichen Sinne der Besprechung entziehen und eigentlich\nnur durch eine Ankündigung den Lesern zur Mittheilung\nzu bringen gewesen wären, einen so grossen Raum in die-\nsem Blatte eingeräumt, weil sie uns Anlass zur Erörterung\nder Frage, ob Briefsammlungen überhaupt unbedingt gut\nzu heissen, gaben. Die Erledigung dieser Frage gestattet\nuns aber nicht, hiermit abzuschliessen. Wir folgen nicht\nnur einem persönlichen Drange, sondern es erscheint uns\ngeboten, einige Streiflichter darüber hinzuwerfen und die\nwesentlichsten Betrachtungen, zu welchen uns die Lecture\nderselben Anlass gab, noch folgen zu lassen. Wir begin-\nnen damit, die drei Schwächen, welche Beethoven vor-\ngeworfen werden, den Geiz, den persönlichen Hochmuth\nund seine Misanthropie, ins Auge zu fassen.\nMit dem Alter sehen wir Beethoven emsiger nach der\nGelegenheit des Gelderwerbs greifen, an hohe Häupter\nund einflussreiche Personen nur in der Absicht, für seine\nWerke besonders günstigen Absatz zu erzielen, Briefe\nschreiben. Das Geld, was er wirklich erwarb, sammelte\ner im Stillen, allein nicht wie ein Geizhals zur heimlichen\nFreude daran, nicht des Genusses halber, denn er bedurfte\nder „unteren Nahrung\" nur wenig (Brief 355). „Nur,\" wie\ner Brief 311 an Nägeli, auf dessen Werk er selbst sub-\nscribirte, zur Entschuldigung dafür, dass er nicht mehr\nthäte, anführte, „weil er als Vater für die Zukunft des\nals Sohn adoptirten Neffen sorgen müsse.\" Er hinterliess\nihm ein kleines Vermögen, dessen Grösse ihm bedeutend\nerscheinen musste, da er so sparsam war, dass er als Grund-\nsatz z. B. aufstellte: „Mag kommen, wer will, zu Hause\nmuss man nicht angezogen sein.\" (Brief 346.) Ihm Geiz,\nLiebe also zum Gelde zusprechen, ist ein psychologischer\nFehler; eher könnte man sagen, er fürchtete es, wie eine\nfeindliche Macht; nannte er es doch Brief 248 an v. Kön-\nneritz „die unterirdischen Mächte\". Trotzdem sehen wir\nBeethoven des Geldes halber sich nie weiter als bis zum\nSchweigen herbeilassen; ja, im geschäftlichen Verkehr\nnimmt er auf die Verleger Rücksichten, die ihm hoch an-\nzurechnen sind. Er bietet ihnen grössere Werke billiger,\nals kleine an; ja, er schreibt der letzteren häufiger, obwohl\ner wiederholt sagte, er möchte nur grosse schreiben. Und\ndas geschah nicht aus Eigennutz, auf geschäftliche Vor-\nschläge etwa eingehend, das lehrt Brief 25 an Hofmeister,\nin dem es heisst: „Mir vorzuschlagen, eine solche Sonate\nzu machen (nun folgen satirische Einfälle), hoho! da wird\nnichts draus!\", sondern nur aus Rücksicht. Nicht einmal\nkönnen wir zugeben, dass in seiner durchaus kindlichen\nAnschauung der socialen Verhältnisse sich vielleicht die\nAnsicht gebildet haben mochte, er wäre berechtigt, gewisse\nGeldlorderungen zu stellen. In seiner Jugend verlangte er\neben genug zum Leben, d. h. zum Schaffen und Arbeiten\nzu haben; später war es der als Sohn angenommene Neffe,\ndem er in überspanntem Pflichtgefühle, das uns eher lie-\nbenswürdig als sonst irgendwie erscheint, ein Vermögen\nhinterlassen zu müssen meinte.\nNoch unliebenswürdiger mag Beethoven Manchem in\nden an Freunde und Anhänger gerichteten Briefen erschie-\nnen sein, die oft geradezu rücksichtslos und verletzend sind.\nZuerst ist Vieles hier, nicht bloss Briefe, wie 98 an den\nGrafen Zmeskall von Domänowitz: „Verfluchter, geladener\nD.—nicht Musikgraf, sondern Fressgraf, Dineengraf, Sou-\npeengraf\" als Scherz zu nehmen. Sein unerreichbarer\nHumor sprühte auch in seinen Briefstil hinein und dictirte\nihm oft höchst witzige Einfälle in die Feder, ohne dass er\nsich dabei fragte, ob sie den Betroffenen, der sein Persön-\nliches nicht so weit hintenan setzen konnte, um an dem\nGeistesspiele Freude zu empfinden, verletzen mochten. Dass\ner nicht kränken wollte, weder durch den komischen Ko-\nthurn, auf den er seine eigene Person stellte, noch durch\ndas auf die Anderen Bezügliche, geht aus seinen Verwah-\nrungen dagegen und dem Staunen deutlich hervor, welches\nbei der Wahrnehmung einer unbeabsichtigt angethanen\nKränkung über ihn kam. Man halte gegen diese Briefe die\nrührenden und hingebenden Freundschafts-Ergüsse an\nAmenda, Breuning, Wegeier. Die kurzen, harten und kal-\nten Zettel mögen durch ähnliche mündliche oder verloren\ngegangene schriftliche Auslassungen reichlich aufgewogen\nworden sein. Andere Briefe an Personen, zu denen er in\nlängerer intimer Beziehung stand, in denen nicht nur die-\nser herzlose Ton uns frappirt, sondern die wirklich in un-\nfreundlicher Wallung geschrieben sind, erhalten durch\nden dritten Vorwurf, der seinem Charakter gemacht wird,\nihre Erklärung.\nDieser nennt das Misstrauen. Leicht ist es aber durch\ndas über Beethoven Ergangene zu erklären. Dass einem\nMenschen, dem im Umgange mit dem Göttlichen die Fähig-\nkeit abhanden kam, die factische Welt zu begreifen, auch\nnoch der Sinn genommen wurde, welcher den gerade dazu\nso wichtigen Gesprächsverkehr vermittelt, bleibt uns ein\ntrauriges Räthsel der göttlichen Vorsehung. Wie konnte\ner in den kurzen Mussepausen, die er dem Verkehr mit\nden Menschen widmete, sich schnell genug belehren, um\neinen Maassstab für eine ruhige, Alles berücksichtigende\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "244", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650805-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5417, "texte": "Beurtheilung zu gewinnen! Bach hat mehr geschrieben,\nund wir legen seinen Werken im Ganzen grösseren musi-\ncalischen Gebalt zu; allein bei Beethoven ist in der Folge\nseiner Compositionen eine so gewaltige Entwicklung des\nMenschen vor sich gegangen, dass er darum mehr, ja, zu\nviel mit sich selbst zu verarbeiten hatte, um noch für An-\nderes Sinn zu behalten. Sein Leben ging ganz in der Mu-\nsik auf; was der reiche Schatz seiner Innerlichkeit und die\nWelt ihm boten, war der Rohstoff zu seinen musicalischen\nErzeugnissen, jedes neue Werk stellt einen Schritt vorwärts\nin der Entfaltung des wieder werdenden Menschen dar;\ndenn seine Musik ist im wahrsten Sinne des Ausdrucks\nreine Emanation des Göttlichen im Menschen, das zwar im\nIrdischen fusst, desselben sich aber immer zu entäussern\nscheint, um den Ikarus-Flug nach oben anzutreten. Beet-\nhoven nimmt eine Ausnahmestellung unter allen Künstlern\nein; bei ihm war das Misstrauen nur zu natürlich. Wohl\ndem, der eher darüber weinen möchte, als ihn dessen an-\nklagen.\nZur Bekräftigung unserer Aussprüche wollen wir noch\neinige Stellen citiren, die von einschlagendem Werthe da-\nfür sind; wir machen jedoch nicht den Anspruch, alle da-\nhin bezüglichen gesammelt zu haben, sondern bemühten\nuns nur, die nothwendigsten herauszuziehen.\nBrief 382 an Wegeier heisst es: „Im Kopfe mache\nich öfter die Antwort: doch wenn ich sie machen will,\nwerfe ich die Feder meistens weg, weil ich nicht so zu\nschreiben im Stande bin, wie ich fühle nicht ohne viel\nThränen erhältst Du diesen Brief.\" Wie die homerischen\nHelden schämte auch er sich der Thränen nicht. Hier le-\nsen wir aber, wie er selbst sich der Feder nicht mächtig\nwusste. '■,••• 4.\nEinige komische Züge mögen hier Platz finden, die\ndarthun, wie wenig praktisch er war. Seelenadel und Stan-\ndesadel wusste er bekanntlich nicht zu unterscheiden; seine\nnächste Umgebung, die Dienerschaft, erschien ihm immer\nin ganz fabelhafter Gestalt. Brief 270 verlangt er von der\nRegierung, dass sie die Kamine untersuche; Brief 304 gibt\nihm ganz Oesterreich nichts als Verdruss; Brief 235 bittet\ner um Umsetzung einer Actie und schliesst damit, dass er\nentdeckt, er brauche nur einen Coupon abzuschneiden,\nGeld zu bekommen, u. dgl. m. Der complicirte Organismus\nder socialen Welt war ihm ein unlösbares Räthsel.\nGing alles Conventionelle über seinen Horizont, so\nwar er den ursprünglich menschlichen Empfindungen in\nhohem Grade zugänglich. Wie frei von Egoismus sein\nHerz war, das erfahren wir aber hier in rührendster Weise.\nIn den Briefen an Julie Guicciardi spricht er zwar von dem\nGlücke des Besitzes, nach dem er sich sehne, obwohl wir\nwissen, dass er in diesem Falle, wie in einem späteren, die\nSchuld daran trug, wenn ihm das Glück nicht zu Theil\nwurde. Wer die Ergüsse seiner erotischen Aufwallung\nliest, den ergreift sympathisch die leidenschaftliche Erre-\ngung, aus der sie hervorgegangen, und doch galt ihm der\nGenuss des Liebesglückes so wenig, dass er ihn zu errin-\ngen die Mühen scheute. Beethoven wich sonst vor der Ar-\nbeit wahrlich nicht zurück, er war auch nicht der Mann,\ndurch äussere Gründe sich bestimmen zu lassen. Sein Lie-\nben war so rein und frei von den niederen Trieben, er\nbedurfte keiner Verbindung in diesem Sinne. Nur so sind\nauch die Briefe an Bettina von Arnim zu verstehen, deren\nTon zwischen Freundschaft und Liebe hin und her\nschwankt, als Ergüsse eines Herzens, das mit der kräftig-\nsten Leidenschaft die höchste moralische Reinheit in sich\nvereinte. Aehnlich scheint es uns mit seinen Freundschafts-\nVerhältnissen gewesen zu sein. Rücksichtslos zeiht er sich\nimmer der Undankbarkeit und ist vollste Hingebung; doch\nerfahren wir nicht, dass er in einem realen Zusammen-\nhange freundschaftlicher Natur dauernd gestanden. Der\nhöchste Anspruch, den er an seine Freunde gemacht ha-\nben mag, wird der gewesen sein, dass er sein überströ-\nmendes Herz oder seine übersprudelnde Laune vor ihnen\nausschütten durfte. Nur wo er ganz Hingebung sein durfte,\nda war er consequent und unermüdlich. Von dem Augen-\nblicke an, wo er den Neffen als seinen Sohn betrachtete,\nschreckte er vor keiner Mühe zurück und lebte er so-\nfern er nicht schuf nur im Gedanken mit und für ihn.\nBrief 371 schrieb er: „Tausend Mal umarme ich Dich und\nküsse Dich—folge mir nur, und Liebe wie Glück der Seele,\nmit menschlichem Glücke gepaart, wird uns zur Seite\nstehen.\" Bei dem Gedanken, dass der allerdings ganz ver-\nkommene Neffe seiner unwerth sein könnte, ruft er, gleich-\nzeitig bekundend, dass er Alles nur musicalisch zu nehmen\nweiss, Brief 362 aus: „Welch unerhörte Dissonanz, wenn\nDu falsch wärest!\" und Brief 351 ermahnt er ihn, sein\nlieber, einziger Sohn zu sein, seine Tugenden ohne seine\nFehler nachzuahmen.\nSeine Laune, deren wir mehrfach Erwähnung thaten,\nsprudelt überall, wo er ganz frei sich gibt, in musicalischen\nScherzen, Wortspielen und Neckereien mit den Nagel auf\nden Kopf treffender Originalität heraus. Bot der Name\nihm Gelegenheit, so ergriff er sie als die zunächst liegende,\nund Damen tritt er stets als Galan gegenüber. Die Be-\nziehung der Liebe von Mann zu Frau war ihm gerade so\nviel werth, dass er viel und gern darüber scherzte. Daraus\nschliessen zu wollen, dass er tiefer davon ergriffen wurde,\nwäre ein psychologischer Fehler.\nDer rein liebenswürdigen Seiten bietet sein Charakter\naber so viele! Von der philharmonischen Gesellschaft ver-\nlangt er für seine Compositionen nichts (Brief 280), denn"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "245", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650805-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3663, "texte": "er unterscheidet zwischen Geschäften und Kunst-Instituten\nin dieser Beziehung streng. Seine Briefe an Varenna zei-\ngen, mit welcher Freude und Uneigennützigkeit er den\nArmen dienteCzerny muss sich ein genossenes Mittag-\nessen bezahlen lassen. Giannatasio del Rio, dem Erzieher\nseines Neffen, zahlte er gern die vierfache Pension. Dich-\ntern versagt er nie seine Anerkennung, sondern trägt sie\nihnen mit einer Begeisterung entgegen, die ihm, dem\nSchöpfer so vieler höchster Kunstwerke, nicht hoch genug\nangerechnet werden kann. Kunstgenossen, wie Zelter in\nBerlin, behandelt er stets ganz uneigennützig. Brief 273\nan Abbe Stadler nennt er sich Mozart's grössten Verehrer,\nund zwar, obwohl der grösste Theil von Mozart's Opern-\ntexten ihn antipathisch berührte. Was er von seiner eige-\nnen Musik hielt, das lehrt Brief 307 an Schott. Dort heisst\nes in Erwiederung gespendeter Anerkennung: „Was ist\nAlles gegen den grössten Tonmeister oben—oben—oben,\nwo hier unten nur Spott getrieben wird.\" Sein Blick war\nstets nach oben gerichtet, und so schreibt er Brief 313\nan Streicher: „Bei Bearbeitung der Messe war mir Haupt-\nsache, sowohl bei Singenden als Zuhörenden religiöse Ge-\nfühle zu erwecken und dauernd zu machen.\" Wie bekla-\ngenswerth ist es, dass die zweite, bereits concipirte Messe\n—nicht der dritten zu gedenken, deren Composition auch\nschon in seinem Vorhaben lag nicht mehr zur Vollen-\ndung kam! Den frühen Tod Beethoven's beklagen, hiesse\nsich gegen das Schicksal auflehnen; mit gerechtem Be-\ndauern lesen wir aber Brief 46, in dem er sich der Hof-\ntheater-Direction unter Bedingungen anbietiet, die einen\ngrossen Theil seiner Compositions-Thätigkeit der Oper zu-\ngewendet hätten. Für letztere behielt er trotz der Unan-\nnehmlichkeiten, welche ihm der „Fidelio\" bereitet hatte,\neine solche Vorliebe, dass er mit Grillparzer (Brief 284)\nund der Milder-Hauptmann (Brief 125) über Operntexte\ncorrespondirte. Hätten die Umstände dieser Neigung Vor-\nschub geleistet, so würde der mächtige Einfluss der\nBühne für die Musik sowohl als für die Bildung des Pu-\nblicums unberechenbare Vortheile nach sich gezogen ha-\nben. Der interessanten Briefe, wie 315, der von einem\nOratorium: „Der Sieg des Kreuzes\", von Bernard handelt,\nwie 237 und 242, die dem Verleger Peters eine Gesammt-\nAusgabe seiner Werke proponiren, enthält die Sammlung\nnoch viele. Die rührendste Nummer ist jedoch die 26.,\ndas „Für meine Brüder Karl und Johann\" überschriebene,\nvielseitig bekannt gewordene Testament. Aus ihm gewin-\nnen wir die höchste Achtung vor ihm als Menschen.\nDas Epigramm des französischen Esprits, der grösste\nMann höre im Schlafrocke vor seinem Kammerdiener auf,\ngross zu sein, mag sein Wahres haben, wenn jedes Wort\nBehufs Ausscheidung des Tadelnswerthen mit kritischer\nSäure Übergossen wird. Wer diesen Standpunkt verlässt\nund das Grosse aufsucht, wenn es auch nicht in untadel-\nhafter bassung aultritt, weil er es liebt, dem wird sich die\nGrösse nie verläugnen. Freilich ist das Alltagsleben nicht\nangethan, ihr Gelegenheit zur Entfaltung zu geben, es\nsteht in so wenig Beziehung zu ihr, widerstrebt ihr nur zu\nhäufig. Wer denkt nicht hierbei an Schiller's Pegasus im\nJoche, der allerdings vor dem Pfluge der Alltagsarbeit\nnicht zu brauchen ist! Allein, wem der Sinn nicht abgeht,\nder wird aus den Ungeberdigkeiten und dem Ungeschick,\nwie sie bei Beethoven so oft hervortreten, den göttlichen\nRiesen nicht minder herauserkennen, als aus den Wortspie-\nlen, launigen Einfällen und den im spätesten Alter noch\njugendfrischen, von der wärmsten Gluth leidenschaftlicher\nErregung durchdrungenen Ergiessungen des nach Freund-\nschaft und Liebe verlangenden Herzschlages.\n\nA. H."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-08-05-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-08-05_01#c003", "volume": "bmtnabi_1865-08-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "245", "page_fin": "246", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650805-01.2.3", "titre_corps": "Der kölner Männer-Gesangverein in Wiesbaden und Worms.", "titre_sommaire": "Der kölner Männer-Gesangverein in Wiesbaden und Worms.", "signature_source": "L. B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "245", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650805-01.1.5", "debut_caractere": 3665, "fin_caractere_exclue": 5264, "texte": "Der kölner Männer-Gesangverein in Wiesbaden\nund Worms.\n\nDie Sängerfahrten des genannten Vereins unterschei-\nden sich von anderen ähnlichen, welche nur Erholung vom\nGeschäfts- und Berufsleben und Erheiterung durch Gesang\nbeabsichtigen, durch die stets mit denselben verbundenen\nwohlthätigen und gemeinnützigen Zwecke. Namentlich\nreicht durch sie die Tonkunst der Baukunst die Schwester-\nhand und bringt gern ihr Opfer dar zum Neubau oder\nzur Wiederherstellung der Dome an den Ufern des Rhei-\nnes, eingedenk der Zeit, wo man die Musica vor Allem\nals untrennbar vom Gottesdienste betrachtete, und feurige\nKohlen auf das Haupt derjenigen sammelnd, die sie jetzt\naus den Kirchen verbannen wollen.\nSo galt denn auch die diesmalige Fahrt drei Concer-\nten, die am 22. Juli in Wiesbaden, am 23. und 24. in\nWorms gegeben wurden, dort, um zum Ausbau der Thürme\nder neuen katholischen Kirche zum dritten Male ein Scherf-\nlein beizutragen, hier, um zum zweiten Male den Ertrag\nzur völligen Wiederherstellung der Liebfrauen-Kirche,\neines der schönsten Denkmäler der deutschen Baukunst,\nzu überweisen. An beiden Orten ist „das Gute durch das\nSchöne\" in erfreulichem Maasse erreicht worden. Das Con-\ncert im Cursaale zu Wiesbaden hat zwischen 14- bis 1500\nGulden, die zwei Concerte in der Kirche zu Worms über\n4000 Gulden eingetragen.\nWenn dergleichen Concerte eben ihres Zweckes we-\ngen einer eigentlich kritischen Besprechung sich entziehen,\nso können wir doch nicht unterlassen, den wahrhaft begei-\nsterten Beifall zu constatiren, welcher den künstlerischen\nLeistungen des Vereins unter der bekannten trefflichen"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "246", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650805-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3910, "texte": "Leitung seines Dirigenten Franz Weber in beiden Or-\nten und von ganz verschiedenartigen Zuhörerschaften im\nvollsten Maasse zu Theil wurde. In Wiesbaden fand das\nConcert in dem Cursaale um 7 Uhr Abends Statt. Ihre\nHoheiten der Herzog und die Herzogin wohnten demsel-\nben von Anfang bis Ende bei; ausserdem bemerkte man\nin der glänzenden Versammlung eine Auswahl aus den\nhöheren Kreisen der Gesellschaft, unter ihnen die Fürstin\nMetternich und andere durch Geburt und Kunstsinn aus-\ngezeichnete Damen. In der Pause geruhte das Durchlauch-\ntigste herzogliche Paar sich gegen Herrn Musik-Director\nWeber huldvoll über die Leistungen des Vereins zu äus-\nsern, und Se. Hoheit der Herzog übergab Herrn Weber\ndas Kreuz des Adolfs-Ordens mit den Worten: »Tragen\nSie dies zum Andenken an diese Stunde.\" Auf Verlangen\nSr. Hoheit wurden dem Programme »Lützow's wilde Jagd\"\nund Claudius' „Rheinweinlied\" hinzugefügt.\nIn Worms waren die Concerte von Sonntag und Mon-\ntag Nachmittag überfüllt aus Stadt und weiter Umgegend;\nes war ein wirklich erhebender Anblick, vom Chor herab,\nwo die Sänger standen, die herrlichen Hallen der Kirche\nund die Kopf an Kopf gedrängte Masse von Zuhörern aus\nallen Ständen zu überschauen. Auch wirkte die schöne\nArchitektur des Gotteshauses und die überaus stille und\naufmerksame Haltung der beinahe zwei Tausend Menschen,\ndie den Tönen mit wahrer Andacht lauschten, erhebend\nauf die Sänger, und sie sangen noch besser, als am vori-\ngen Tage.\nDie Programme enthielten eine gute und im Ganzen\n(mit Ausnahme einer einzigen Nummer) auch passende\nAuswahl von Gesängen, unter denen Kreutzer's »Tag des\nHerrn\", Mozart's Ave verum,Verdoni's Schü-\nmanns „Lotosblume\", Abt's Mendelssohn's\n»Froher Wandersmann\", Wilhelm's »Frühlingszeit\" und\ndie Lieder von F. Hiller und von F. Möhring für Sopran-\nSolo und Männerchor und einige Volkslieder die vorzüg-\nlichsten Compositionen und Leistungen waren, die dann\nauch so lebhaften Beifall fanden, dass ein paar von den\nLiedern, in denen Fräulein Elise Rempel die Sopran-\nstimme recht schön vortrug, wiederholt werden mussten.\nAuch die übrigen Solisten, die Herren Vereins-Mitglieder\nPütz, Wolf, Dr. Sack und das Solo-Quartett, wurden ver-\ndienter Maassen ausgezeichnet.\nWir fügen diesem Berichte nur noch eine Bemerkung\nbei, die wir im Interesse der Kunst und des Vereins nicht\nunterdrücken können.\nDem kölner Männer-Gesangvereine eignet die Devise:\n»Noblesse öblige!u in vollstem Maasse. Er darf desshalb\nnie vergessen, dass er bei seinen auswärtigen Concerten\nnicht bloss den guten Zweck im Auge haben darf, sondern\nauch stets daran denken muss, dass er vor allen anderen\ndie Mission hat, den künstlerischen Chorgesang\nund nicht bloss dessen erheiternde oder für gute Werke\nerspriessliche Seite zu vertreten, sondern der verwerflichen\nGeschmacksrichtung, welcher leider so viele Sängervereine\nfröhnen, entgegen zu wirken. Desshalb ist die grösste Ge-\nwissenhaftigkeit bei der Feststellung seiner Programme\nPflicht für ihn; nach Beifall der Menge durch so genannte\npopuläre Gesänge mit Tanz-Rhythmen u. s. w.— die ech-\nten Volkslieder natürlich ausgenommen, welche zu ver-\nherrlichen erst recht in seine Aufgabe fällt—darf er nicht\nstreben, denn jedes seiner Concerte zeigt, wie auch die\nbesprochenen drei letzten wieder, dass Compositionen von\nMeistern, wie die oben genannten, auch die grossen Mas-\nsen elektrisiren und dabei die Genugthuung geben, dass\nmit diesen Massen zugleich die musicalische und überhaupt\nim edelsten Sinne gebildete Zuhörerschaft begeistert ein-\nstimmt. Auch weiss man in der That nicht, was man von\nder Achtung vor der Kritik halten soll, wenn dasselbe\nLied, welches die Kritik schon früher als ein des Reper-\ntoires des berühmten Vereins unwürdiges bezeichnet hat\nein Urtheil, in welches jeder Musiker und der grösste\nTheil der Sänger selbst einstimmt—, trotzdem auf dem\nProgramme zweier Concerte von dreien wieder erscheint!\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-08-05-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-08-05_01#c004", "volume": "bmtnabi_1865-08-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "246", "page_fin": "247", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650805-01.2.4", "titre_corps": "Aus Dresden.", "titre_sommaire": "Aus Dresden.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "246", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650805-01.1.6", "debut_caractere": 3912, "fin_caractere_exclue": 5093, "texte": "Aus Dresden.\nDen 27. Juli 1865.\nGestern Nachmittag fand in der Kreuzkirche ein Or-\ngel-Concert Statt, welches uns einen der Fest-Componisten\ndes Sängerbundes-Festes, Herrn J. A. van Eyken aus\nElberfeld, als einen der hervorragendsten Vertreter des\nmodernen Orgelspiels zeigte. Leider war, wie beinahe\nvorauszusehen, die Aufführung nur wenig zahlreich be-\nsucht; um so dankbarer sind wir dem Veranstalter dersel-\nben, dass er sich durch die seinem Unternehmen ungünsti-\ngen Umstände von demselben nicht abhalten liess. Herr\nvan Eyken hat uns einen herrlichen Kunstgenuss bereitet;\ner ist in hohem Grade Meister seines Instrumentes und von\neiner seltenen Vielseitigkeit. Sein Programm enthielt\nWerke von Bach, Mozart und Schumann, so wie eigene\nCompositionen, und jede Nummer fand durch ihn eine\nihrem Charakter so treu entsprechende Wiedergabe, wie\ndies nur bei einem auf der Höbe der Kunstentwicklung\nund des Kunstverständnisses stehenden Künstler möglich\nist. In dieser Richtung und durch seine Befähigung, das\nTonwerk in wahrhaft plastischer Klarheit, die namentlich\nin den Fugen glänzend zur Geltung gelangte, vorzuführen,\nerinnerte uns Herr van Eyken lebhaft an Hans von Bülow,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "247", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650805-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2598, "texte": "dessen Pianospiel nach unserem Dafürhalten nach diesen\nbeiden Seiten einzig dasteht. Natürlich bedingt diese her-\nvorragende Künstler-Eigenschaft, dass der Vortrag bei\naller glänzenden Technik gleicher Maassen von Effect-\nhascherei wie Prätention sich fern halte. Und wie bei Bü-\nlow ist dies ebenfalls bei Herrn van Eyken der Fall.\nDen geistvollen Künstler bekundeten auch die Compo-\nsitionen des Concertgebers, namentlich seine Sonate Nr. 3,\neine originelle und durch ihre reichen Schattirungen sich\nauszeichnende Arbeit.\nDas Programm war folgendes: Präludium und Fuge\n(F-moll) von J. S. Bach, Abendlied aus Op. 85 von R.\nSchumann, Sonate Nr. 3 von J. A. van Eyken, Phantasie\n(F-moll) von Mozart, Choral-Vorspiel „Wachet auf, ruft\nuns die Stimme\" von J. S. Bach und Toccata und Fuge\nüber den Namen BACH vom Concertgeber.\nDer grösste Theil der Sängergäste hat uns bereits\nverlassen; aber obgleich die Musik-Productionen während\nder letzten Tage so ausserordentlich zahlreich waren, sind\nwir doch dem akademischen Gesangvereine „Paulus\"\naus Leipzig zu aufrichtigem Danke verpflichtet, dass er\nvor seinem Scheiden von unserer Feststadt noch einen Gast-\nabend veranstaltete. Derselbe war im Garten des Lincke'-\nschen Bades projectirt, musste aber, weil heftige Regen-\ngüsse störend dazwischen traten, im Saale dieses Etablisse-\nments abgehalten werden, und war von einem eben so\nzahlreichen als ausgewählten Publicum besucht. Wurde\ndie Bemerkung gemacht, dass der Gesang einzelner Ver-\neine beim Feste nicht entsprechend berücksichtigt und\ndadurch versäumt worden sei, den Männergesang in seiner\nkünstlerischen Vollendung zu zeigen, so ist dies letztere\ndem „Paulus\" bei seinem gestrigen Gastabende unter Lei-\ntung seines bekannten Dirigenten, Herrn Musik-Directors\nDr. H. Langer, in vollkommenster Weise gelungen. Er\nerreichte dies nicht minder durch die classische Auswahl\nseiner Lieder (Mendelssohn, K. Reinecke u. s. w.), als durch\ndie geist- und schwungvolle, wie musicalisch feine Wieder-\ngabe derselben. In hohem Grade musste auch nach den\nvorausgegangenen Strapazen die ungebrochene Kraft und\nFrische der Stimmen in Verwunderung setzen, was insbe-\nsondere von den Tenören gilt. Der Dankbarkeit der ein-\ngeladenen Gäste für den so liebenswürdig gebotenen Ge-\nnuss verlieh einer derselben in einem: „Hoch dem ewig\njugendlichen Paulus!\" Ausdruck. Später legte Herr Staats-\nanwalt Held Rechnung ab, was das Fest gekostet und\nwas es gebracht. Gekostet habe es viel, aber doch wenig\ngegen das reiche Einkommen, den Dank Tausender, die\nBegeisterung für die Kunst, die Liebe zum deutschen\nVaterlande."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-08-05-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-08-05_01#c005", "volume": "bmtnabi_1865-08-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "247", "page_fin": "248", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650805-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "247", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650805-01.1.7", "debut_caractere": 2600, "fin_caractere_exclue": 6351, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln, 3. August. Herr W oldemar Bargiel, welcher seit\nfünf Jahren an dem hiesigen Conservatorium der Musik als Lehrer\nder Harmonie und des Pianofortespiels mit grossem Nutzen gewirkt\nhat und der musicalischen Welt durch seine Compositionen. welche\nalle ein ausgezeichnetes Talent in edelster Richtung offenbaren,\nrühmlichst bekannt ist, hat einen ehrenvollen Ruf nach Rotter-\ndam als Director der dortigen Musikschule und des Gesangvereins\nerhalten und angenommen.\n** Baüen-Italien, 27. Juli. Gestern Nachmittags 3 Uhr\nfand hier ein grosses Kirchen-Concert Statt, gegeben von der gross-\nherzoglich badischen Hof-Kirchenmusik zu Karlsruhe in der hiesigen\nevangelischen Kirche, unter gefälliger Mitwirkung der Frau Viardot-\nGarcia, des k. preuss. Hof-Opernsängers Herrn Woworsky, des Vio-\nlin-Virtuosen Herrn Heermann, des Herrn Professors Wuille (Clari-\nnettisten) von Strassburg, des Hof-Organisten Herrn Barner und\nHerrn *** von Karlsruhe, zum Besten des Ausbaues der evangeli-\nschen Kirche dahier. Die Leitung des Concertes hatte der Director\nder grossherzoglichen Hof-Kirchenmusik, Herr H. Giehue, über-\nnommen. Das treffliche Programm wurde, wie schon die Namen der\nmitwirkenden Künstler verbürgen, eben so vortrefflich ausgeführt.\nEs enthielt: I. 1. Toccata für Orgel von J. S. Bach: Herr Barner.\n2. Zwei Chöre a capella:a) „Sicutcervtis Motette von\nJ. P. da Palestrina; b) „Christus factus est11, Passionsgesang von\nFei. 3. Kirchenarie für Alt von A. Stradella: Frau Viar-\ndot. 4. „Ave verum corpusI\"für Chor und Orgel von W. A. Mozart.\n5. „Ave Maria\" für Tenor mit Clarinett-Begleitung von L. Cheru-\nbini: die Herren Woworsky und Wuille. G. Der 43. Psalm:\n„Richte mich, Gott\", für achtstimmigen Chor von F. Mendelssohn.\nll. 7. a) Choral-Vorspiel: „Schmücke dich, o liebe Seele\", für\nOrgel, b) Andante für Violine und Orgel von J. S. Bach: die Herren\nBarner und Heermann. 8. Zwei geistliche Lieder für Bariton:\na) „Wenn ich an Dein Blut gedenke\", b) „An Deinem Kreuzes-\nstamme\" von J. W. Frank: Herr ***. 9. „Tenebrae factae sunt\",\nChor a capella von Joh. Mich. Haydn. 10. Sonate für Orgel (C-moll)\nvon F. Mendelssohn: Herr Barner. 11. a) Arie aus „Messias\" von\nG. F. Händel, b) Psalm von Benedict Marcello: Frau Viardot.\n12. „Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit\", Kirchcn-Cantate für Soli,\nChor und Orgel von J. S. Bach: Frau Viardot, Herr Wowors ky\nund Herr ***.\n* AHN Franken, 30. Juli. Am 26. Juli schloss das akade-\nmische Musik-Institut zu Würzburg sein Sommer-Semester mit der\nvollständigen Wiedergabe von Hiller's „Zerstörung von Jeru-\nsalem\". Der akustisch sehr günstige Musiksaal hatte manchen Mu-\nsikfreund vom Lande trotz der Hitze angezogen, und gespannt\nlauschte das Publicum der Entwicklung des wirklich prachtvollen\nWerkes, das so klar, dramatisch, gewaltig und grossartig ist, wie\nwenige, welche die Neuzeit hervorgebracht. Das ist Musik, wirk-\nliche, echte, fliessende, natürliche Musik, die vom Herzen kommt\nund zum Herzen geht. Man muss gestehen, dieser Mann beherrscht\ndas Reich der Idee, es dient ihm nach seinem Gefallen, er ergreift\nalle Seiten des fühlenden Menschenherzens. Wir haben schon manche\nAufführungen dieses Oratoriums gehört, aber in Chor und Orchester\nnoch keine vollendetere, was um so bemerkenswerther ist, als nur\ndie Zöglinge des Instituts (von den Solisten und Lehrern theilweise\nabgesehen) mitwirkten, eine imponirende Menge, welche die höchste\nWirkung erzielte. Der Vortrag und das tiefe Verständniss war durch-\nweg vorzüglich, besonders hervorragend aber der zweite Theil, der\nmit einem höchst bemerkenswerthen Feuer, ja, mit Begeisterung bis\nzum Schlüsse gesungen wurde; dahin gehören besonders der An-\nfangschor: rSchon brausten sie daher\", dann der Meisterchor, der"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "248", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650805-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5646, "texte": "die Zerstörung schildert. Wirklich ergreifend wurde (wie fast alle\nKlaggesänge) mit deutlicher Aussprache des Textes vorgetragen der\nGesang der abziehenden Juden: „Wir ziehn gebeugt\".- Unter den\nSoli ragten die Tenor-Partieen aufs vorteilhafteste hervor. Die\nPräcision aller Einsätze, namentlich im Sopran, das unverkennbare\nVerständniss aller Mitwirkenden unter der sicheren Leitung des\nHerrn Musik-Directors Bratsch erzielten eine so harmonische Ge-\nsammtleistungj dass sie empfänglichen Ohren noch lange in der leb-\nhaftesten Erinnerung sein wird. Die Hoffnung, den berühmten Com-\nponisten selbst hier zu sehen, wurde leider nicht erfüllt.\nDas Schriftchen über „Die Geigenmacher der alten ita-\nliänischen Schule\" von N. L. Diehl (Hamburg, bei Richter)\nist in zweiter Auflage erschienen» Vgl. Jahrg. 1864, Nr. 40.\nAuf dem in Königsberg vom 7.-9. Juni abgehaltenen Musik-\nfeste wurden folgende Werke aufgeführt: Am ersten Tage Händel's\nCäcilien-Ode; Bach's Concert für drei Claviere (D-moll); Cantate\nfür Alt: „Schlage doch\"; zwei Sanctus für Chor und Orchester; von\nGluck Scene aus Orpheus; von Mozart Concert-Arie für Bass; von\nHaydn „Der Sturm\", Chor. Am zweiten Tage: Beethoven's Missa\nsolemnis. Der dritte Tag endlich brachte Mendelssohn's Ouver-\ntüre „Meeresstille\" u. s. w.; Schuberts Clavier-Phantasie für Or-\nchester von Liszt und „Der Wanderer\"; Schumann's Neujahrslied;\nOuvertüre von Maurer; 13. Psalm von Liszt.\nBasel* Die erste Aufführung der Matthäus-Passion in der\nSchweiz hat am 16. „Juni vor einem sehr zahlreichen Publicum in\nunserem Münster Statt gefunden und einen durchschlagenden Erfolg\ngehabt. Wir verstehen hierunter die Bekehrung des grossen Publi-\ncums, das bisher vom Vorurtheile gegen Bach's „Gelehrsamkeit\" sich\nnicht hatte losmachen können, zur Anerkennung der Alles überra-\ngenden Grösse dieses Werkes. Zwar war durch die Johannis-Passion\n1861 schon ein bedeutender Schritt zu diesem vom Gesangvereine\nangestrebten Ziele geschehen, aber zum vollen Durchbruche in grös-\nseren Kreisen kam es erst diesmal. Der Dank gebührt selbstver-\nständlich vor Allen den beiden Solisten Stockhausen und Schnei-\nder, welche, wie das neuliche bremer Eeferat sagte, als Träger\nihrer Partieen weltbekannt sind. Die übrigen Soli waren in den\nHänden einheimischer Kräfte, unter denen wir nur Frau E. Me-\nrian-Genast nennen wollen. Theodor Kirchner's Orgel-Be-\ngleitung ist gleichfalls als meisterhaft zu rühmen. Obschon man ihr\ndie vollkommene Beherrschung nicht nur der Aufgabe der Orgel,\nsondern des ganzen Werkes, und die Freiheit der Wiedergabe an-\nfühlte, so war doch keine Rede von zu starkem Hervortreten oder\ngar von Ueberdecken des Chors, so wenig als von subjectiver Wie-\ndergabe, welche von dem Ihrigen zu Bach hinzugethan hätte. Die\nSecco-Recita*ive wurden mit Ciavier (Musik-Director A. Walter)\nund Bass begleitet. Die Oboi da caccia mit zwei englischen Hör-\nnern besetzt. Behufs präcisen Eintrittes des Cantus firmus im An-\niangschor liess man auf Kirchner's Anregung eine Trompete mit-\ngehen. Wir können nicht sagen, dass die 80 Knabenstimmen da-\ndurch (wie an anderen Orten durch die Posaunen) erheblich gedeckt\nworden wären, allein der sehr schöne Effect des Cantus firmus im\nSchlusschor des ersten Theiles, wo diese 80 Knaben den Chor-So-\npran verstärkten (ohne weitere Stütze), liess die Trompete gern ver-\nmissen. Einen sehr wesentlichen Antheil am Gelingen der Auffüh-\nrung hat auch die vorzügliche Akustik unseres Münsters, die von\nauswärtigen Gästen rühmend hervorgehoben worden ist. Der Zuhö-\nrerkreis war durch beträchtlichen Zuzug aus der Schweiz und aus\ndem Elsass verstärkt. Nicht Wenige darunter hatten schon die vor-\nletzte Probe, mehrere Hunderte die Hauptprobe besucht, um das\nWerk durch mehrmaliges Hören besser kennen zu lernen. [So be-\nrichtet die leipziger „Allg. Musikalische Zeitung\" und fügt noch eine\nausführliche Mittheilung über Joh. Brahms' Compositionen und\nSpiel in einem Privat-Cirkel hinzu. Auffallender Weise wird der\nName des Dirigenten der Passion gar nicht genannt, eben so\nwenig des Chors und des Orchesters gedacht, welche drei für eine\ndurchschlagende Aufführung der Passion doch wohl die Haupt-Fac-\ntoren sein dürften.]\nZu dem grossen Musikfeste, das aus Anlass des Jubiläums des\nPesth-Ofener Musikvereins vom 15. bis 20. August in Pesth\nStatt finden wird, haben bereits mehr als vierzig Musikvereine ihre\nTheilnahme zugesagt. Zur Aufführung kommt unter Anderem Liszt' s\nOratorium „Erzsebet\" unter der persönlichen Leitung des Componisten.\ns'Gri*aveitliage* Herr W. F. G. Nicolai hat wegen seiner\nBerufsgeschäfte als Director der königlichen Musikschule hierselbst\n(an des verstorbenen Capellmeisters Heinrich Lübeck Stelle) die bis-\nher von ihm geführte Direction des Gesangvereins in Rotterdam\nund die Professur der Theorie an der Musikschule daselbst nieder-\ngeht.\nDer berühmte Flötist Jean Louis Tulou (nicht Tulon, wie\nviele deutsche Blätter irrthümlich schreiben) ist den 23. Juli zu\nNantes, wo er seit mehreren Jahren lebte, gestorben. Am 12. Sept.\n1786 geboren, erhielt er im pariser Conservatorium schon 1799 den\nzweiten und 1800 den ersten Preis. Sein Lehrer war Wunderlich.\n1804 wurde er Orchester-Mitglied der italiänischen Oper, 1813 an\nWunderlich's Stelle erster Flötist der grossen Oper und 1820 Pro-\nfessor am Conservatorium.\nliOildoil. Die italiänische Oper in Coventgarden hat am 29.\nJuli geschlossen, nachdem sie zuletzt noch die „Africanerin\" (ita-\nliänische Uebersetzung von Nicodemo) 4 Mal gegeben. Fräulein\nLucca gab die Titelrolle.\nZu Liverpool starb den 15. Juni J. Z. Hermann, Dirigent\nder philharmonischen Gesellschaft und ausgezeichneter Ciavierlehrer."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "241", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650805-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nBeethoven's Briefe. Herausgegeben von Prof. Dr. Ludwig Nobl. Von A. H. Der kölner Männer-Gesangverein in Wies-\nbaden und Worms. Von L. B. Aus Dresden (Orgel-Concert Concert des leipziger akademischen Gesangvereins ~Paulusu).\nTages- und Unterhaltungsblatt (Köln*, Woldemar Bargiel Baden-Baden, Kirchen-Concert Aus Franken, Hiller's „Zerstörung\nvon Jerusalem\" Königsberg, Musikfest Basel,'Bach's Mattfiäus-Passion s'Gravenhage, Herr W. F. G. Nicolai u. s. w.).\n\nBeethoven’s Briefe\n\n*).\nVor Kurzem veranstaltete Nohl die Herausgabe einer\nSammlung von Mozart's Briefen, und nun liegen Beetho-\nven's Briefe, von ihm zum ersten Male vollständig zusam-\nmengetragen, schon wieder als eine neue, mit manchen\nMühen verknüpfte Arbeit vor uns. Die Vorrede ist aus\nder Schweiz datirt, wo sich der Verfasser, unterstützt von\nder Freigebigkeit des Königs von Baiern, zur Wiederher-\nstellung seiner angegriffenen Gesundheit befindet. Das\nerste Blatt des Buches enthält die Widmung: „Dem Mei-\nster Richard Wagner\". Die Sammlung hat ausser dem\nVerdienste des Veranstalters, zuerst die überall in Büchern\nund Zeitungen zerstreut zum Abdruck gekommenen Briefe\nchronologisch geordnet zu bringen, noch den Vorzug, eine\nAnzahl von Briefen aufzuweisen, die bisher noch nicht\ndurch den Druck veröffentlicht worden sind. In begeister-\nter Würdigung des hohen Werthes der brieflichen, ohne\nZwang und ohne Absicht so recht aus dem Innersten ge-\nkommenen Auslassungen des Meisters sagt Nohl im Vor-\nworte: „dass hier ein Geist wohnt, der uns mit Urgewalt\naus der dumpfen Schwüle des Sinnlichen emporrafft, der\ndas tiefste Innere des Menschen berührt und ihn zum vol-\nlen Bewusstsein des höheren Theiles, des Ewigen in ihm\nselbst, bringt.\" Wenn der Verfasser übrigens auf eine\nLebensgeschichte Beethoven's, die er zu schreiben vorhat,\nhinweisend, in derselben Einleitung sagt, dass er glaubte,\ndie Briefe ohne weitere als die notwendigsten sachlichen\nAnmerkungen bringen zu müssen, so können wir ihm\ndarin jedoch nicht beistimmen. Seine Motivirung dafür ist,\n»dass er es nicht wage, zwischen diese wunderbaren\nBrocken des genialen Briefstellers, der auch hier stets als\ngigantischer Titane auftritt, sich selbst einzuschieben\". Es\ngleichen die Briefe allerdings Edelsteinen und Erzen der\nseltsamsten Arten, die unpolirt, ungeschliffen, in Schlacken\ngehüllt, frisch ausgeschachtet vor uns liegen, in dieser Be-\nschaffenheit schon zu erkennen gebend, wie reich und\nwerthvoll die Tiefe, aus der sie gekommen. Allein gerade\nbei diesen Briefen drängt sich uns die Frage, ob die Heraus-\ngabe solcher Briefsammlungen unbedingt gut und willkom-\nmen zu heissen, mit grösserer Eindringlichkeit auf, als\nz. B. bei denen Mozart's und Mendelssohn's, ganz abge-\nsehen von Briefen, wie die Reichardt's, Spohr's, H. Heine's,\nFerd. Hiller's u. A., die im Hinblick auf die beabsichtigte\nVeröffentlichung geschrieben sind.\nUm die Frage, ob Briefsammlungen, wie die in Rede\nstehende, unbedingt werthvoll und wünschenswerth sind,\nzu erledigen, müssen wir darüber klar werden, was sie\nbezwecken. Sehen wir sie für Quellenbücher an, die uns\nauf bequeme Weise alles das bieten, zu dessen Kenntniss\nwir nur auf mühevollem und kostbarem Wege gelangen\nkönnten, so scheint es, als müssten wir demjenigen auf-\nrichtig dankbar sein, der diese Mühen und Kosten getra-\ngen. Wird ein Buch aber gedruckt, so geschieht das im\nHinblicke auf einen reichen Absatz. Dieser Absatz wird\nhier bei Musikfreunden, Musikern und Schriftstellern über\nMusik erzielt werden. Die Musikfreunde werden aus Liebe\nzu Beethoven mit freudiger Erregung die Briefe ergreifen,\ndie ja so offen da liegen, als wären sie an uns geschrieben.\nDie Musiker werden theils in dieser Wallung, theils aus\ndem Motive, welches die Musikgelehrten leitet, das Buch\ndurchlesen. Der Wissenschaft sind Briefe Material zur ver-\nständnissvollen Erklärung und Erfassung des Tondichters,\nwie Beethoven sich selbst gelegentlich nannte. Stellt ein\nSchriftsteller es sich zur Aufgabe, die Biographie eines\nKünstlers zu schreiben, so wird er jedes Wort zu berück-\nsichtigen haben; dem Musikgelehrten und nach bewusster\nKlarheit strebenden Künstler wird eine allgemeine Be-\nkanntschaft mit den wichtigsten Briefen unerlässlich sein;\n\n*) Herausgegeben von Dr. Ludwig Nohl, Professor für Ge-\nschichte und Aesthetik der Tonkunst an der Universität zu München«\nStuttgart, bei Cotta. 1865. XII und 371 S. Gr. 8."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "242", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650805-01.1.2", "texte": "ob jedoch dem anderen Theile der Leser und dieser ist\nsicher der zahlreichere die vollständigen, ohne Com-\nmentar übergebenen Briefsammlungen *i'on absolutem\nNutzen sein werden, das erscheint uns mehr als fraglich.\nUnbedingt stimmen wir dagegen, jeden unbedeutenden\nZettel und jeden Brief vollständig zu geben, und glauben,\ndamit wären die Briefsteller, könnten sie sich darüber aus-\nsprechen, sicher einverstanden. So Werthvolles Briefe ent-\nhalten mögen, die ihrer Anzahl und Folge nach doch im-\nmer nur der Zufall uns überliefert hat, sie können nicht\nden Anspruch machen, so erfüllend und bestimmend auf\nuns zu wirken, wie ein planvolles Werk. Das machen wir\nihnen auch nicht zum Vorwurfe; allein dasjenige darin,\nwas, abgesehen vom Reliquienwerthe, als werthlos be-\ntrachtet werden muss, kann sogar Wirkungen nach sich\nziehen, die wir im Interesse der Verstorbenen unmöglich\nwünschen können. In Briefen sind viele Stellen den Wahr-\nheiten zu vergleichen, welche man den Unerfahrenen mit\nguter Absicht vorenthält; sie ähneln gefährlichen Werk-\nzeugen, die nur in der Hand des geschickten Arbeiters\nihre heilvolle Anwendung finden können.\nBesonders findet das Gesagte seine Anwendung auf\nBeethoven's Briefe. Mancher, der sie gleich denen Mozart's\nund Mendelssohn's die übrigens gesichtet zur Heraus-\ngabe gelangten mit Hast ergreift und mit Begierde\ndurchfliegt, wird sie nicht mit ungetheilter Befriedigung\naus der Hand legen. Wer Beethoven aus seinen Compo-\nsitionen kennt, ist freilich gewöhnt, viel zu erwarten und\nmehr und mehr zu finden. Bei Beethoven nun, der\nuns im Gegensatze zu dem chimärischen Prometheus der\nSinnenwelt als der wahre, triumphirende Prometheus der\nKunst erscheint, dünkt es uns heilige Pflicht, darüber zu\nwachen, dass seinem Andenken kein Unrecht geschehe.\nEs ist aber nicht zu läugnen, dass Vieles in der Samm-\nlung, ohne den sachlichen Zusammenhang und ohne Be-\nrücksichtigung der persönlichen Verhältnisse aufgenommen,\nzu Schlüssen auf Beethoven's Charakter verführen könnte,\ndie durchaus falsch wären. Mozart's Wesen, das man als\neine verklärte Natürlichkeit auffassen kann, steht dem all-\ngemein Menschlichen so nahe, dass dessen Briefe dem\nDurchschnitts-Verständnisse fast überall entsprechen. Men-\ndelssohn's Wesen ist als Resultat der Zusammenwirkung\nfast allseitig harmonisch einwirkender Verhältnisse auf\neinen Genius, der bei aller Erhabenheit doch dem Positi-\nven stets Rechnung trug, anzusehen. Seine Briefe zeigen\ndesshalb, unbeschadet des hohen Idealismus, der sie durch-\nweht, die Klarheit in sich und Berücksichtigung des aus-\nser ihm, welche sie mit classischer Objectivität aus-\nstattet und dem Fachmanne wie dem Laien gleich lieb\nund verständlich macht. Anders bei Beethoven. Kein Com-\nponist hat so wie er gewusst, die sinnlichen Klangmittel\nden Ideen unterzuordnen, die Leidenschaften zu läutern\nund der Begeisterung unterthan zu machen, unser ganzes\nEmpfinden zu beherrschen und zur Selbstverklärung em-\nporzureissen; allein ausser J. S. Bach vielleicht, dessen\nLeben uns ferner und unenthüllter noch geblieben—eben\nerschien ja erst eine grössere Lebensbeschreibung von\nBitter—, hat es keinen gegeben, der sich so ausschliesslich\nder Kunst geweiht und allen anderen Menschen wie Le-\nbensbeziehungen so fremd gestanden, wie der Verfasser\nder Eroica, der Napoleon für einen Freiheits-Apostel hal-\nten konnte. Wir gehören nicht zu denjenigen, die in\nschwärmerischer Hingebung bei ihren Helden den Schat-\nten ganz wegläugnen wollen; wir sehen die Schattenlinien\nsehr wohl, allein wir wünschen, dass die Fehler im Falten-\nwurf der Gewandung nicht auf den tadellosen Leib ge-\nschoben werden. Gewiss sind Beethoven's Aussprüche an\nund für sich nicht alle gut zu heissen, allein richtig ge-\nwürdigt und nach dem Zusammenwirken seiner Persön-\nlichkeit und der äusseren Verhältnisse beurtheilt, werden\nsie eine Erklärung finden, die sie selbst nicht entschuldi-\ngen, Beethoven als Menschen aber vollständig rechtferti-\ngen. Denn es ist das wohl zu unterscheiden. Eine Sache\nkann an und für sich Missbilligung verdienen, ohne dass\nderen Urheber die Schuld davon trägt. Nohl's bestechen-\ndes Bild: „Die Fehler des Menschen sind die Nacht, wo\ner sich ausruht von seinen Tugenden\", so Wahres es ent-\nhält [?], genügt uns hier nicht. Die Folge der oben schon be-\nrührten Isolirung auf die Kunst der Töne war, dass Beet-\nhoven der Ausdruck in der Schriftsprache nicht so zu Ge-\nbote stand und dass seine Empfindungen ohne den wohlthäti-\ngen Gegeneinfluss des Verkehrs mit der Welt wenn\ndieser vage Ausdruck gestattet ist schroffer und über-\ntriebener wurden; dass er, vollständig im Unklaren über\nden realen Zusammenhang und die thatsächliche Con-\nstruction der menschlichen Gesellschaft, nur zu oft, von\nirrthümlichen Vorstellungen ausgehend, irrte; dass er end-\nlich, da er der Menschlichkeit seinen Tribut nicht vor-\nenthalten konnte, in seinen Beziehungen als Freund, Lie-\nbender und Verwandter häufig fehlte, weil er, der von\nder Euripidäischen den grössten\nTheil seines Lebens Ergriffene, im höheren Lichte wan-\ndelnd, hier wie ein Blinder oder wie ein Sehender im\nDunkeln den Weg verlor. Wer das nicht berücksichtigt,\nder kann Beethoven nicht richtig beurtheilen. Vom lesen-\nden Publicum ist aber thatsächlich nicht zu erwarten und\nauch nicht zu verlangen, dass es bei Lesung von Briefen,\ndie uns äusserlich in Buch-Gestalt als ein Ganzes überge-\nben werden, ergänzenden Reflexionen, die Kenntnisse\nund psychologische Begabung voraussetzen, sich unter-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "243", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650805-01.1.3", "texte": "ziehe. Bei den Briefen Beetboven's, die bekannt geworden\nsind, ist es uns zu oft begegnet, dass Kunstfreunde und\nKünstler sogar sich von dem Menschen in ihm enttäuscht,\nja, abgestossen fühlten und diesen vor dem höchsten Rich-\nter im Herzen ganz selbstlos dastehenden, nur den Idealen\nder reinsten Tugenden lebenden Urmenschen sehr ver-\nkannten.\nWir haben diesen Briefen, die sich in dem gewöhn-\nlichen Sinne der Besprechung entziehen und eigentlich\nnur durch eine Ankündigung den Lesern zur Mittheilung\nzu bringen gewesen wären, einen so grossen Raum in die-\nsem Blatte eingeräumt, weil sie uns Anlass zur Erörterung\nder Frage, ob Briefsammlungen überhaupt unbedingt gut\nzu heissen, gaben. Die Erledigung dieser Frage gestattet\nuns aber nicht, hiermit abzuschliessen. Wir folgen nicht\nnur einem persönlichen Drange, sondern es erscheint uns\ngeboten, einige Streiflichter darüber hinzuwerfen und die\nwesentlichsten Betrachtungen, zu welchen uns die Lecture\nderselben Anlass gab, noch folgen zu lassen. Wir begin-\nnen damit, die drei Schwächen, welche Beethoven vor-\ngeworfen werden, den Geiz, den persönlichen Hochmuth\nund seine Misanthropie, ins Auge zu fassen.\nMit dem Alter sehen wir Beethoven emsiger nach der\nGelegenheit des Gelderwerbs greifen, an hohe Häupter\nund einflussreiche Personen nur in der Absicht, für seine\nWerke besonders günstigen Absatz zu erzielen, Briefe\nschreiben. Das Geld, was er wirklich erwarb, sammelte\ner im Stillen, allein nicht wie ein Geizhals zur heimlichen\nFreude daran, nicht des Genusses halber, denn er bedurfte\nder „unteren Nahrung\" nur wenig (Brief 355). „Nur,\" wie\ner Brief 311 an Nägeli, auf dessen Werk er selbst sub-\nscribirte, zur Entschuldigung dafür, dass er nicht mehr\nthäte, anführte, „weil er als Vater für die Zukunft des\nals Sohn adoptirten Neffen sorgen müsse.\" Er hinterliess\nihm ein kleines Vermögen, dessen Grösse ihm bedeutend\nerscheinen musste, da er so sparsam war, dass er als Grund-\nsatz z. B. aufstellte: „Mag kommen, wer will, zu Hause\nmuss man nicht angezogen sein.\" (Brief 346.) Ihm Geiz,\nLiebe also zum Gelde zusprechen, ist ein psychologischer\nFehler; eher könnte man sagen, er fürchtete es, wie eine\nfeindliche Macht; nannte er es doch Brief 248 an v. Kön-\nneritz „die unterirdischen Mächte\". Trotzdem sehen wir\nBeethoven des Geldes halber sich nie weiter als bis zum\nSchweigen herbeilassen; ja, im geschäftlichen Verkehr\nnimmt er auf die Verleger Rücksichten, die ihm hoch an-\nzurechnen sind. Er bietet ihnen grössere Werke billiger,\nals kleine an; ja, er schreibt der letzteren häufiger, obwohl\ner wiederholt sagte, er möchte nur grosse schreiben. Und\ndas geschah nicht aus Eigennutz, auf geschäftliche Vor-\nschläge etwa eingehend, das lehrt Brief 25 an Hofmeister,\nin dem es heisst: „Mir vorzuschlagen, eine solche Sonate\nzu machen (nun folgen satirische Einfälle), hoho! da wird\nnichts draus!\", sondern nur aus Rücksicht. Nicht einmal\nkönnen wir zugeben, dass in seiner durchaus kindlichen\nAnschauung der socialen Verhältnisse sich vielleicht die\nAnsicht gebildet haben mochte, er wäre berechtigt, gewisse\nGeldlorderungen zu stellen. In seiner Jugend verlangte er\neben genug zum Leben, d. h. zum Schaffen und Arbeiten\nzu haben; später war es der als Sohn angenommene Neffe,\ndem er in überspanntem Pflichtgefühle, das uns eher lie-\nbenswürdig als sonst irgendwie erscheint, ein Vermögen\nhinterlassen zu müssen meinte.\nNoch unliebenswürdiger mag Beethoven Manchem in\nden an Freunde und Anhänger gerichteten Briefen erschie-\nnen sein, die oft geradezu rücksichtslos und verletzend sind.\nZuerst ist Vieles hier, nicht bloss Briefe, wie 98 an den\nGrafen Zmeskall von Domänowitz: „Verfluchter, geladener\nD.—nicht Musikgraf, sondern Fressgraf, Dineengraf, Sou-\npeengraf\" als Scherz zu nehmen. Sein unerreichbarer\nHumor sprühte auch in seinen Briefstil hinein und dictirte\nihm oft höchst witzige Einfälle in die Feder, ohne dass er\nsich dabei fragte, ob sie den Betroffenen, der sein Persön-\nliches nicht so weit hintenan setzen konnte, um an dem\nGeistesspiele Freude zu empfinden, verletzen mochten. Dass\ner nicht kränken wollte, weder durch den komischen Ko-\nthurn, auf den er seine eigene Person stellte, noch durch\ndas auf die Anderen Bezügliche, geht aus seinen Verwah-\nrungen dagegen und dem Staunen deutlich hervor, welches\nbei der Wahrnehmung einer unbeabsichtigt angethanen\nKränkung über ihn kam. Man halte gegen diese Briefe die\nrührenden und hingebenden Freundschafts-Ergüsse an\nAmenda, Breuning, Wegeier. Die kurzen, harten und kal-\nten Zettel mögen durch ähnliche mündliche oder verloren\ngegangene schriftliche Auslassungen reichlich aufgewogen\nworden sein. Andere Briefe an Personen, zu denen er in\nlängerer intimer Beziehung stand, in denen nicht nur die-\nser herzlose Ton uns frappirt, sondern die wirklich in un-\nfreundlicher Wallung geschrieben sind, erhalten durch\nden dritten Vorwurf, der seinem Charakter gemacht wird,\nihre Erklärung.\nDieser nennt das Misstrauen. Leicht ist es aber durch\ndas über Beethoven Ergangene zu erklären. Dass einem\nMenschen, dem im Umgange mit dem Göttlichen die Fähig-\nkeit abhanden kam, die factische Welt zu begreifen, auch\nnoch der Sinn genommen wurde, welcher den gerade dazu\nso wichtigen Gesprächsverkehr vermittelt, bleibt uns ein\ntrauriges Räthsel der göttlichen Vorsehung. Wie konnte\ner in den kurzen Mussepausen, die er dem Verkehr mit\nden Menschen widmete, sich schnell genug belehren, um\neinen Maassstab für eine ruhige, Alles berücksichtigende\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "244", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650805-01.1.4", "texte": "Beurtheilung zu gewinnen! Bach hat mehr geschrieben,\nund wir legen seinen Werken im Ganzen grösseren musi-\ncalischen Gebalt zu; allein bei Beethoven ist in der Folge\nseiner Compositionen eine so gewaltige Entwicklung des\nMenschen vor sich gegangen, dass er darum mehr, ja, zu\nviel mit sich selbst zu verarbeiten hatte, um noch für An-\nderes Sinn zu behalten. Sein Leben ging ganz in der Mu-\nsik auf; was der reiche Schatz seiner Innerlichkeit und die\nWelt ihm boten, war der Rohstoff zu seinen musicalischen\nErzeugnissen, jedes neue Werk stellt einen Schritt vorwärts\nin der Entfaltung des wieder werdenden Menschen dar;\ndenn seine Musik ist im wahrsten Sinne des Ausdrucks\nreine Emanation des Göttlichen im Menschen, das zwar im\nIrdischen fusst, desselben sich aber immer zu entäussern\nscheint, um den Ikarus-Flug nach oben anzutreten. Beet-\nhoven nimmt eine Ausnahmestellung unter allen Künstlern\nein; bei ihm war das Misstrauen nur zu natürlich. Wohl\ndem, der eher darüber weinen möchte, als ihn dessen an-\nklagen.\nZur Bekräftigung unserer Aussprüche wollen wir noch\neinige Stellen citiren, die von einschlagendem Werthe da-\nfür sind; wir machen jedoch nicht den Anspruch, alle da-\nhin bezüglichen gesammelt zu haben, sondern bemühten\nuns nur, die nothwendigsten herauszuziehen.\nBrief 382 an Wegeier heisst es: „Im Kopfe mache\nich öfter die Antwort: doch wenn ich sie machen will,\nwerfe ich die Feder meistens weg, weil ich nicht so zu\nschreiben im Stande bin, wie ich fühle nicht ohne viel\nThränen erhältst Du diesen Brief.\" Wie die homerischen\nHelden schämte auch er sich der Thränen nicht. Hier le-\nsen wir aber, wie er selbst sich der Feder nicht mächtig\nwusste. '■,••• 4.\nEinige komische Züge mögen hier Platz finden, die\ndarthun, wie wenig praktisch er war. Seelenadel und Stan-\ndesadel wusste er bekanntlich nicht zu unterscheiden; seine\nnächste Umgebung, die Dienerschaft, erschien ihm immer\nin ganz fabelhafter Gestalt. Brief 270 verlangt er von der\nRegierung, dass sie die Kamine untersuche; Brief 304 gibt\nihm ganz Oesterreich nichts als Verdruss; Brief 235 bittet\ner um Umsetzung einer Actie und schliesst damit, dass er\nentdeckt, er brauche nur einen Coupon abzuschneiden,\nGeld zu bekommen, u. dgl. m. Der complicirte Organismus\nder socialen Welt war ihm ein unlösbares Räthsel.\nGing alles Conventionelle über seinen Horizont, so\nwar er den ursprünglich menschlichen Empfindungen in\nhohem Grade zugänglich. Wie frei von Egoismus sein\nHerz war, das erfahren wir aber hier in rührendster Weise.\nIn den Briefen an Julie Guicciardi spricht er zwar von dem\nGlücke des Besitzes, nach dem er sich sehne, obwohl wir\nwissen, dass er in diesem Falle, wie in einem späteren, die\nSchuld daran trug, wenn ihm das Glück nicht zu Theil\nwurde. Wer die Ergüsse seiner erotischen Aufwallung\nliest, den ergreift sympathisch die leidenschaftliche Erre-\ngung, aus der sie hervorgegangen, und doch galt ihm der\nGenuss des Liebesglückes so wenig, dass er ihn zu errin-\ngen die Mühen scheute. Beethoven wich sonst vor der Ar-\nbeit wahrlich nicht zurück, er war auch nicht der Mann,\ndurch äussere Gründe sich bestimmen zu lassen. Sein Lie-\nben war so rein und frei von den niederen Trieben, er\nbedurfte keiner Verbindung in diesem Sinne. Nur so sind\nauch die Briefe an Bettina von Arnim zu verstehen, deren\nTon zwischen Freundschaft und Liebe hin und her\nschwankt, als Ergüsse eines Herzens, das mit der kräftig-\nsten Leidenschaft die höchste moralische Reinheit in sich\nvereinte. Aehnlich scheint es uns mit seinen Freundschafts-\nVerhältnissen gewesen zu sein. Rücksichtslos zeiht er sich\nimmer der Undankbarkeit und ist vollste Hingebung; doch\nerfahren wir nicht, dass er in einem realen Zusammen-\nhange freundschaftlicher Natur dauernd gestanden. Der\nhöchste Anspruch, den er an seine Freunde gemacht ha-\nben mag, wird der gewesen sein, dass er sein überströ-\nmendes Herz oder seine übersprudelnde Laune vor ihnen\nausschütten durfte. Nur wo er ganz Hingebung sein durfte,\nda war er consequent und unermüdlich. Von dem Augen-\nblicke an, wo er den Neffen als seinen Sohn betrachtete,\nschreckte er vor keiner Mühe zurück und lebte er so-\nfern er nicht schuf nur im Gedanken mit und für ihn.\nBrief 371 schrieb er: „Tausend Mal umarme ich Dich und\nküsse Dich—folge mir nur, und Liebe wie Glück der Seele,\nmit menschlichem Glücke gepaart, wird uns zur Seite\nstehen.\" Bei dem Gedanken, dass der allerdings ganz ver-\nkommene Neffe seiner unwerth sein könnte, ruft er, gleich-\nzeitig bekundend, dass er Alles nur musicalisch zu nehmen\nweiss, Brief 362 aus: „Welch unerhörte Dissonanz, wenn\nDu falsch wärest!\" und Brief 351 ermahnt er ihn, sein\nlieber, einziger Sohn zu sein, seine Tugenden ohne seine\nFehler nachzuahmen.\nSeine Laune, deren wir mehrfach Erwähnung thaten,\nsprudelt überall, wo er ganz frei sich gibt, in musicalischen\nScherzen, Wortspielen und Neckereien mit den Nagel auf\nden Kopf treffender Originalität heraus. Bot der Name\nihm Gelegenheit, so ergriff er sie als die zunächst liegende,\nund Damen tritt er stets als Galan gegenüber. Die Be-\nziehung der Liebe von Mann zu Frau war ihm gerade so\nviel werth, dass er viel und gern darüber scherzte. Daraus\nschliessen zu wollen, dass er tiefer davon ergriffen wurde,\nwäre ein psychologischer Fehler.\nDer rein liebenswürdigen Seiten bietet sein Charakter\naber so viele! Von der philharmonischen Gesellschaft ver-\nlangt er für seine Compositionen nichts (Brief 280), denn"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "245", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650805-01.1.5", "texte": "er unterscheidet zwischen Geschäften und Kunst-Instituten\nin dieser Beziehung streng. Seine Briefe an Varenna zei-\ngen, mit welcher Freude und Uneigennützigkeit er den\nArmen dienteCzerny muss sich ein genossenes Mittag-\nessen bezahlen lassen. Giannatasio del Rio, dem Erzieher\nseines Neffen, zahlte er gern die vierfache Pension. Dich-\ntern versagt er nie seine Anerkennung, sondern trägt sie\nihnen mit einer Begeisterung entgegen, die ihm, dem\nSchöpfer so vieler höchster Kunstwerke, nicht hoch genug\nangerechnet werden kann. Kunstgenossen, wie Zelter in\nBerlin, behandelt er stets ganz uneigennützig. Brief 273\nan Abbe Stadler nennt er sich Mozart's grössten Verehrer,\nund zwar, obwohl der grösste Theil von Mozart's Opern-\ntexten ihn antipathisch berührte. Was er von seiner eige-\nnen Musik hielt, das lehrt Brief 307 an Schott. Dort heisst\nes in Erwiederung gespendeter Anerkennung: „Was ist\nAlles gegen den grössten Tonmeister oben—oben—oben,\nwo hier unten nur Spott getrieben wird.\" Sein Blick war\nstets nach oben gerichtet, und so schreibt er Brief 313\nan Streicher: „Bei Bearbeitung der Messe war mir Haupt-\nsache, sowohl bei Singenden als Zuhörenden religiöse Ge-\nfühle zu erwecken und dauernd zu machen.\" Wie bekla-\ngenswerth ist es, dass die zweite, bereits concipirte Messe\n—nicht der dritten zu gedenken, deren Composition auch\nschon in seinem Vorhaben lag nicht mehr zur Vollen-\ndung kam! Den frühen Tod Beethoven's beklagen, hiesse\nsich gegen das Schicksal auflehnen; mit gerechtem Be-\ndauern lesen wir aber Brief 46, in dem er sich der Hof-\ntheater-Direction unter Bedingungen anbietiet, die einen\ngrossen Theil seiner Compositions-Thätigkeit der Oper zu-\ngewendet hätten. Für letztere behielt er trotz der Unan-\nnehmlichkeiten, welche ihm der „Fidelio\" bereitet hatte,\neine solche Vorliebe, dass er mit Grillparzer (Brief 284)\nund der Milder-Hauptmann (Brief 125) über Operntexte\ncorrespondirte. Hätten die Umstände dieser Neigung Vor-\nschub geleistet, so würde der mächtige Einfluss der\nBühne für die Musik sowohl als für die Bildung des Pu-\nblicums unberechenbare Vortheile nach sich gezogen ha-\nben. Der interessanten Briefe, wie 315, der von einem\nOratorium: „Der Sieg des Kreuzes\", von Bernard handelt,\nwie 237 und 242, die dem Verleger Peters eine Gesammt-\nAusgabe seiner Werke proponiren, enthält die Sammlung\nnoch viele. Die rührendste Nummer ist jedoch die 26.,\ndas „Für meine Brüder Karl und Johann\" überschriebene,\nvielseitig bekannt gewordene Testament. Aus ihm gewin-\nnen wir die höchste Achtung vor ihm als Menschen.\nDas Epigramm des französischen Esprits, der grösste\nMann höre im Schlafrocke vor seinem Kammerdiener auf,\ngross zu sein, mag sein Wahres haben, wenn jedes Wort\nBehufs Ausscheidung des Tadelnswerthen mit kritischer\nSäure Übergossen wird. Wer diesen Standpunkt verlässt\nund das Grosse aufsucht, wenn es auch nicht in untadel-\nhafter bassung aultritt, weil er es liebt, dem wird sich die\nGrösse nie verläugnen. Freilich ist das Alltagsleben nicht\nangethan, ihr Gelegenheit zur Entfaltung zu geben, es\nsteht in so wenig Beziehung zu ihr, widerstrebt ihr nur zu\nhäufig. Wer denkt nicht hierbei an Schiller's Pegasus im\nJoche, der allerdings vor dem Pfluge der Alltagsarbeit\nnicht zu brauchen ist! Allein, wem der Sinn nicht abgeht,\nder wird aus den Ungeberdigkeiten und dem Ungeschick,\nwie sie bei Beethoven so oft hervortreten, den göttlichen\nRiesen nicht minder herauserkennen, als aus den Wortspie-\nlen, launigen Einfällen und den im spätesten Alter noch\njugendfrischen, von der wärmsten Gluth leidenschaftlicher\nErregung durchdrungenen Ergiessungen des nach Freund-\nschaft und Liebe verlangenden Herzschlages.\n\nA. H.\n\nDer kölner Männer-Gesangverein in Wiesbaden\nund Worms.\n\nDie Sängerfahrten des genannten Vereins unterschei-\nden sich von anderen ähnlichen, welche nur Erholung vom\nGeschäfts- und Berufsleben und Erheiterung durch Gesang\nbeabsichtigen, durch die stets mit denselben verbundenen\nwohlthätigen und gemeinnützigen Zwecke. Namentlich\nreicht durch sie die Tonkunst der Baukunst die Schwester-\nhand und bringt gern ihr Opfer dar zum Neubau oder\nzur Wiederherstellung der Dome an den Ufern des Rhei-\nnes, eingedenk der Zeit, wo man die Musica vor Allem\nals untrennbar vom Gottesdienste betrachtete, und feurige\nKohlen auf das Haupt derjenigen sammelnd, die sie jetzt\naus den Kirchen verbannen wollen.\nSo galt denn auch die diesmalige Fahrt drei Concer-\nten, die am 22. Juli in Wiesbaden, am 23. und 24. in\nWorms gegeben wurden, dort, um zum Ausbau der Thürme\nder neuen katholischen Kirche zum dritten Male ein Scherf-\nlein beizutragen, hier, um zum zweiten Male den Ertrag\nzur völligen Wiederherstellung der Liebfrauen-Kirche,\neines der schönsten Denkmäler der deutschen Baukunst,\nzu überweisen. An beiden Orten ist „das Gute durch das\nSchöne\" in erfreulichem Maasse erreicht worden. Das Con-\ncert im Cursaale zu Wiesbaden hat zwischen 14- bis 1500\nGulden, die zwei Concerte in der Kirche zu Worms über\n4000 Gulden eingetragen.\nWenn dergleichen Concerte eben ihres Zweckes we-\ngen einer eigentlich kritischen Besprechung sich entziehen,\nso können wir doch nicht unterlassen, den wahrhaft begei-\nsterten Beifall zu constatiren, welcher den künstlerischen\nLeistungen des Vereins unter der bekannten trefflichen"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "246", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650805-01.1.6", "texte": "Leitung seines Dirigenten Franz Weber in beiden Or-\nten und von ganz verschiedenartigen Zuhörerschaften im\nvollsten Maasse zu Theil wurde. In Wiesbaden fand das\nConcert in dem Cursaale um 7 Uhr Abends Statt. Ihre\nHoheiten der Herzog und die Herzogin wohnten demsel-\nben von Anfang bis Ende bei; ausserdem bemerkte man\nin der glänzenden Versammlung eine Auswahl aus den\nhöheren Kreisen der Gesellschaft, unter ihnen die Fürstin\nMetternich und andere durch Geburt und Kunstsinn aus-\ngezeichnete Damen. In der Pause geruhte das Durchlauch-\ntigste herzogliche Paar sich gegen Herrn Musik-Director\nWeber huldvoll über die Leistungen des Vereins zu äus-\nsern, und Se. Hoheit der Herzog übergab Herrn Weber\ndas Kreuz des Adolfs-Ordens mit den Worten: »Tragen\nSie dies zum Andenken an diese Stunde.\" Auf Verlangen\nSr. Hoheit wurden dem Programme »Lützow's wilde Jagd\"\nund Claudius' „Rheinweinlied\" hinzugefügt.\nIn Worms waren die Concerte von Sonntag und Mon-\ntag Nachmittag überfüllt aus Stadt und weiter Umgegend;\nes war ein wirklich erhebender Anblick, vom Chor herab,\nwo die Sänger standen, die herrlichen Hallen der Kirche\nund die Kopf an Kopf gedrängte Masse von Zuhörern aus\nallen Ständen zu überschauen. Auch wirkte die schöne\nArchitektur des Gotteshauses und die überaus stille und\naufmerksame Haltung der beinahe zwei Tausend Menschen,\ndie den Tönen mit wahrer Andacht lauschten, erhebend\nauf die Sänger, und sie sangen noch besser, als am vori-\ngen Tage.\nDie Programme enthielten eine gute und im Ganzen\n(mit Ausnahme einer einzigen Nummer) auch passende\nAuswahl von Gesängen, unter denen Kreutzer's »Tag des\nHerrn\", Mozart's Ave verum,Verdoni's Schü-\nmanns „Lotosblume\", Abt's Mendelssohn's\n»Froher Wandersmann\", Wilhelm's »Frühlingszeit\" und\ndie Lieder von F. Hiller und von F. Möhring für Sopran-\nSolo und Männerchor und einige Volkslieder die vorzüg-\nlichsten Compositionen und Leistungen waren, die dann\nauch so lebhaften Beifall fanden, dass ein paar von den\nLiedern, in denen Fräulein Elise Rempel die Sopran-\nstimme recht schön vortrug, wiederholt werden mussten.\nAuch die übrigen Solisten, die Herren Vereins-Mitglieder\nPütz, Wolf, Dr. Sack und das Solo-Quartett, wurden ver-\ndienter Maassen ausgezeichnet.\nWir fügen diesem Berichte nur noch eine Bemerkung\nbei, die wir im Interesse der Kunst und des Vereins nicht\nunterdrücken können.\nDem kölner Männer-Gesangvereine eignet die Devise:\n»Noblesse öblige!u in vollstem Maasse. Er darf desshalb\nnie vergessen, dass er bei seinen auswärtigen Concerten\nnicht bloss den guten Zweck im Auge haben darf, sondern\nauch stets daran denken muss, dass er vor allen anderen\ndie Mission hat, den künstlerischen Chorgesang\nund nicht bloss dessen erheiternde oder für gute Werke\nerspriessliche Seite zu vertreten, sondern der verwerflichen\nGeschmacksrichtung, welcher leider so viele Sängervereine\nfröhnen, entgegen zu wirken. Desshalb ist die grösste Ge-\nwissenhaftigkeit bei der Feststellung seiner Programme\nPflicht für ihn; nach Beifall der Menge durch so genannte\npopuläre Gesänge mit Tanz-Rhythmen u. s. w.— die ech-\nten Volkslieder natürlich ausgenommen, welche zu ver-\nherrlichen erst recht in seine Aufgabe fällt—darf er nicht\nstreben, denn jedes seiner Concerte zeigt, wie auch die\nbesprochenen drei letzten wieder, dass Compositionen von\nMeistern, wie die oben genannten, auch die grossen Mas-\nsen elektrisiren und dabei die Genugthuung geben, dass\nmit diesen Massen zugleich die musicalische und überhaupt\nim edelsten Sinne gebildete Zuhörerschaft begeistert ein-\nstimmt. Auch weiss man in der That nicht, was man von\nder Achtung vor der Kritik halten soll, wenn dasselbe\nLied, welches die Kritik schon früher als ein des Reper-\ntoires des berühmten Vereins unwürdiges bezeichnet hat\nein Urtheil, in welches jeder Musiker und der grösste\nTheil der Sänger selbst einstimmt—, trotzdem auf dem\nProgramme zweier Concerte von dreien wieder erscheint!\n\nL. B.\n\nAus Dresden.\nDen 27. Juli 1865.\nGestern Nachmittag fand in der Kreuzkirche ein Or-\ngel-Concert Statt, welches uns einen der Fest-Componisten\ndes Sängerbundes-Festes, Herrn J. A. van Eyken aus\nElberfeld, als einen der hervorragendsten Vertreter des\nmodernen Orgelspiels zeigte. Leider war, wie beinahe\nvorauszusehen, die Aufführung nur wenig zahlreich be-\nsucht; um so dankbarer sind wir dem Veranstalter dersel-\nben, dass er sich durch die seinem Unternehmen ungünsti-\ngen Umstände von demselben nicht abhalten liess. Herr\nvan Eyken hat uns einen herrlichen Kunstgenuss bereitet;\ner ist in hohem Grade Meister seines Instrumentes und von\neiner seltenen Vielseitigkeit. Sein Programm enthielt\nWerke von Bach, Mozart und Schumann, so wie eigene\nCompositionen, und jede Nummer fand durch ihn eine\nihrem Charakter so treu entsprechende Wiedergabe, wie\ndies nur bei einem auf der Höbe der Kunstentwicklung\nund des Kunstverständnisses stehenden Künstler möglich\nist. In dieser Richtung und durch seine Befähigung, das\nTonwerk in wahrhaft plastischer Klarheit, die namentlich\nin den Fugen glänzend zur Geltung gelangte, vorzuführen,\nerinnerte uns Herr van Eyken lebhaft an Hans von Bülow,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "247", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650805-01.1.7", "texte": "dessen Pianospiel nach unserem Dafürhalten nach diesen\nbeiden Seiten einzig dasteht. Natürlich bedingt diese her-\nvorragende Künstler-Eigenschaft, dass der Vortrag bei\naller glänzenden Technik gleicher Maassen von Effect-\nhascherei wie Prätention sich fern halte. Und wie bei Bü-\nlow ist dies ebenfalls bei Herrn van Eyken der Fall.\nDen geistvollen Künstler bekundeten auch die Compo-\nsitionen des Concertgebers, namentlich seine Sonate Nr. 3,\neine originelle und durch ihre reichen Schattirungen sich\nauszeichnende Arbeit.\nDas Programm war folgendes: Präludium und Fuge\n(F-moll) von J. S. Bach, Abendlied aus Op. 85 von R.\nSchumann, Sonate Nr. 3 von J. A. van Eyken, Phantasie\n(F-moll) von Mozart, Choral-Vorspiel „Wachet auf, ruft\nuns die Stimme\" von J. S. Bach und Toccata und Fuge\nüber den Namen BACH vom Concertgeber.\nDer grösste Theil der Sängergäste hat uns bereits\nverlassen; aber obgleich die Musik-Productionen während\nder letzten Tage so ausserordentlich zahlreich waren, sind\nwir doch dem akademischen Gesangvereine „Paulus\"\naus Leipzig zu aufrichtigem Danke verpflichtet, dass er\nvor seinem Scheiden von unserer Feststadt noch einen Gast-\nabend veranstaltete. Derselbe war im Garten des Lincke'-\nschen Bades projectirt, musste aber, weil heftige Regen-\ngüsse störend dazwischen traten, im Saale dieses Etablisse-\nments abgehalten werden, und war von einem eben so\nzahlreichen als ausgewählten Publicum besucht. Wurde\ndie Bemerkung gemacht, dass der Gesang einzelner Ver-\neine beim Feste nicht entsprechend berücksichtigt und\ndadurch versäumt worden sei, den Männergesang in seiner\nkünstlerischen Vollendung zu zeigen, so ist dies letztere\ndem „Paulus\" bei seinem gestrigen Gastabende unter Lei-\ntung seines bekannten Dirigenten, Herrn Musik-Directors\nDr. H. Langer, in vollkommenster Weise gelungen. Er\nerreichte dies nicht minder durch die classische Auswahl\nseiner Lieder (Mendelssohn, K. Reinecke u. s. w.), als durch\ndie geist- und schwungvolle, wie musicalisch feine Wieder-\ngabe derselben. In hohem Grade musste auch nach den\nvorausgegangenen Strapazen die ungebrochene Kraft und\nFrische der Stimmen in Verwunderung setzen, was insbe-\nsondere von den Tenören gilt. Der Dankbarkeit der ein-\ngeladenen Gäste für den so liebenswürdig gebotenen Ge-\nnuss verlieh einer derselben in einem: „Hoch dem ewig\njugendlichen Paulus!\" Ausdruck. Später legte Herr Staats-\nanwalt Held Rechnung ab, was das Fest gekostet und\nwas es gebracht. Gekostet habe es viel, aber doch wenig\ngegen das reiche Einkommen, den Dank Tausender, die\nBegeisterung für die Kunst, die Liebe zum deutschen\nVaterlande.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln, 3. August. Herr W oldemar Bargiel, welcher seit\nfünf Jahren an dem hiesigen Conservatorium der Musik als Lehrer\nder Harmonie und des Pianofortespiels mit grossem Nutzen gewirkt\nhat und der musicalischen Welt durch seine Compositionen. welche\nalle ein ausgezeichnetes Talent in edelster Richtung offenbaren,\nrühmlichst bekannt ist, hat einen ehrenvollen Ruf nach Rotter-\ndam als Director der dortigen Musikschule und des Gesangvereins\nerhalten und angenommen.\n** Baüen-Italien, 27. Juli. Gestern Nachmittags 3 Uhr\nfand hier ein grosses Kirchen-Concert Statt, gegeben von der gross-\nherzoglich badischen Hof-Kirchenmusik zu Karlsruhe in der hiesigen\nevangelischen Kirche, unter gefälliger Mitwirkung der Frau Viardot-\nGarcia, des k. preuss. Hof-Opernsängers Herrn Woworsky, des Vio-\nlin-Virtuosen Herrn Heermann, des Herrn Professors Wuille (Clari-\nnettisten) von Strassburg, des Hof-Organisten Herrn Barner und\nHerrn *** von Karlsruhe, zum Besten des Ausbaues der evangeli-\nschen Kirche dahier. Die Leitung des Concertes hatte der Director\nder grossherzoglichen Hof-Kirchenmusik, Herr H. Giehue, über-\nnommen. Das treffliche Programm wurde, wie schon die Namen der\nmitwirkenden Künstler verbürgen, eben so vortrefflich ausgeführt.\nEs enthielt: I. 1. Toccata für Orgel von J. S. Bach: Herr Barner.\n2. Zwei Chöre a capella:a) „Sicutcervtis Motette von\nJ. P. da Palestrina; b) „Christus factus est11, Passionsgesang von\nFei. 3. Kirchenarie für Alt von A. Stradella: Frau Viar-\ndot. 4. „Ave verum corpusI\"für Chor und Orgel von W. A. Mozart.\n5. „Ave Maria\" für Tenor mit Clarinett-Begleitung von L. Cheru-\nbini: die Herren Woworsky und Wuille. G. Der 43. Psalm:\n„Richte mich, Gott\", für achtstimmigen Chor von F. Mendelssohn.\nll. 7. a) Choral-Vorspiel: „Schmücke dich, o liebe Seele\", für\nOrgel, b) Andante für Violine und Orgel von J. S. Bach: die Herren\nBarner und Heermann. 8. Zwei geistliche Lieder für Bariton:\na) „Wenn ich an Dein Blut gedenke\", b) „An Deinem Kreuzes-\nstamme\" von J. W. Frank: Herr ***. 9. „Tenebrae factae sunt\",\nChor a capella von Joh. Mich. Haydn. 10. Sonate für Orgel (C-moll)\nvon F. Mendelssohn: Herr Barner. 11. a) Arie aus „Messias\" von\nG. F. Händel, b) Psalm von Benedict Marcello: Frau Viardot.\n12. „Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit\", Kirchcn-Cantate für Soli,\nChor und Orgel von J. S. Bach: Frau Viardot, Herr Wowors ky\nund Herr ***.\n* AHN Franken, 30. Juli. Am 26. Juli schloss das akade-\nmische Musik-Institut zu Würzburg sein Sommer-Semester mit der\nvollständigen Wiedergabe von Hiller's „Zerstörung von Jeru-\nsalem\". Der akustisch sehr günstige Musiksaal hatte manchen Mu-\nsikfreund vom Lande trotz der Hitze angezogen, und gespannt\nlauschte das Publicum der Entwicklung des wirklich prachtvollen\nWerkes, das so klar, dramatisch, gewaltig und grossartig ist, wie\nwenige, welche die Neuzeit hervorgebracht. Das ist Musik, wirk-\nliche, echte, fliessende, natürliche Musik, die vom Herzen kommt\nund zum Herzen geht. Man muss gestehen, dieser Mann beherrscht\ndas Reich der Idee, es dient ihm nach seinem Gefallen, er ergreift\nalle Seiten des fühlenden Menschenherzens. Wir haben schon manche\nAufführungen dieses Oratoriums gehört, aber in Chor und Orchester\nnoch keine vollendetere, was um so bemerkenswerther ist, als nur\ndie Zöglinge des Instituts (von den Solisten und Lehrern theilweise\nabgesehen) mitwirkten, eine imponirende Menge, welche die höchste\nWirkung erzielte. Der Vortrag und das tiefe Verständniss war durch-\nweg vorzüglich, besonders hervorragend aber der zweite Theil, der\nmit einem höchst bemerkenswerthen Feuer, ja, mit Begeisterung bis\nzum Schlüsse gesungen wurde; dahin gehören besonders der An-\nfangschor: rSchon brausten sie daher\", dann der Meisterchor, der"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "248", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650805-01.1.8", "texte": "die Zerstörung schildert. Wirklich ergreifend wurde (wie fast alle\nKlaggesänge) mit deutlicher Aussprache des Textes vorgetragen der\nGesang der abziehenden Juden: „Wir ziehn gebeugt\".- Unter den\nSoli ragten die Tenor-Partieen aufs vorteilhafteste hervor. Die\nPräcision aller Einsätze, namentlich im Sopran, das unverkennbare\nVerständniss aller Mitwirkenden unter der sicheren Leitung des\nHerrn Musik-Directors Bratsch erzielten eine so harmonische Ge-\nsammtleistungj dass sie empfänglichen Ohren noch lange in der leb-\nhaftesten Erinnerung sein wird. Die Hoffnung, den berühmten Com-\nponisten selbst hier zu sehen, wurde leider nicht erfüllt.\nDas Schriftchen über „Die Geigenmacher der alten ita-\nliänischen Schule\" von N. L. Diehl (Hamburg, bei Richter)\nist in zweiter Auflage erschienen» Vgl. Jahrg. 1864, Nr. 40.\nAuf dem in Königsberg vom 7.-9. Juni abgehaltenen Musik-\nfeste wurden folgende Werke aufgeführt: Am ersten Tage Händel's\nCäcilien-Ode; Bach's Concert für drei Claviere (D-moll); Cantate\nfür Alt: „Schlage doch\"; zwei Sanctus für Chor und Orchester; von\nGluck Scene aus Orpheus; von Mozart Concert-Arie für Bass; von\nHaydn „Der Sturm\", Chor. Am zweiten Tage: Beethoven's Missa\nsolemnis. Der dritte Tag endlich brachte Mendelssohn's Ouver-\ntüre „Meeresstille\" u. s. w.; Schuberts Clavier-Phantasie für Or-\nchester von Liszt und „Der Wanderer\"; Schumann's Neujahrslied;\nOuvertüre von Maurer; 13. Psalm von Liszt.\nBasel* Die erste Aufführung der Matthäus-Passion in der\nSchweiz hat am 16. „Juni vor einem sehr zahlreichen Publicum in\nunserem Münster Statt gefunden und einen durchschlagenden Erfolg\ngehabt. Wir verstehen hierunter die Bekehrung des grossen Publi-\ncums, das bisher vom Vorurtheile gegen Bach's „Gelehrsamkeit\" sich\nnicht hatte losmachen können, zur Anerkennung der Alles überra-\ngenden Grösse dieses Werkes. Zwar war durch die Johannis-Passion\n1861 schon ein bedeutender Schritt zu diesem vom Gesangvereine\nangestrebten Ziele geschehen, aber zum vollen Durchbruche in grös-\nseren Kreisen kam es erst diesmal. Der Dank gebührt selbstver-\nständlich vor Allen den beiden Solisten Stockhausen und Schnei-\nder, welche, wie das neuliche bremer Eeferat sagte, als Träger\nihrer Partieen weltbekannt sind. Die übrigen Soli waren in den\nHänden einheimischer Kräfte, unter denen wir nur Frau E. Me-\nrian-Genast nennen wollen. Theodor Kirchner's Orgel-Be-\ngleitung ist gleichfalls als meisterhaft zu rühmen. Obschon man ihr\ndie vollkommene Beherrschung nicht nur der Aufgabe der Orgel,\nsondern des ganzen Werkes, und die Freiheit der Wiedergabe an-\nfühlte, so war doch keine Rede von zu starkem Hervortreten oder\ngar von Ueberdecken des Chors, so wenig als von subjectiver Wie-\ndergabe, welche von dem Ihrigen zu Bach hinzugethan hätte. Die\nSecco-Recita*ive wurden mit Ciavier (Musik-Director A. Walter)\nund Bass begleitet. Die Oboi da caccia mit zwei englischen Hör-\nnern besetzt. Behufs präcisen Eintrittes des Cantus firmus im An-\niangschor liess man auf Kirchner's Anregung eine Trompete mit-\ngehen. Wir können nicht sagen, dass die 80 Knabenstimmen da-\ndurch (wie an anderen Orten durch die Posaunen) erheblich gedeckt\nworden wären, allein der sehr schöne Effect des Cantus firmus im\nSchlusschor des ersten Theiles, wo diese 80 Knaben den Chor-So-\npran verstärkten (ohne weitere Stütze), liess die Trompete gern ver-\nmissen. Einen sehr wesentlichen Antheil am Gelingen der Auffüh-\nrung hat auch die vorzügliche Akustik unseres Münsters, die von\nauswärtigen Gästen rühmend hervorgehoben worden ist. Der Zuhö-\nrerkreis war durch beträchtlichen Zuzug aus der Schweiz und aus\ndem Elsass verstärkt. Nicht Wenige darunter hatten schon die vor-\nletzte Probe, mehrere Hunderte die Hauptprobe besucht, um das\nWerk durch mehrmaliges Hören besser kennen zu lernen. [So be-\nrichtet die leipziger „Allg. Musikalische Zeitung\" und fügt noch eine\nausführliche Mittheilung über Joh. Brahms' Compositionen und\nSpiel in einem Privat-Cirkel hinzu. Auffallender Weise wird der\nName des Dirigenten der Passion gar nicht genannt, eben so\nwenig des Chors und des Orchesters gedacht, welche drei für eine\ndurchschlagende Aufführung der Passion doch wohl die Haupt-Fac-\ntoren sein dürften.]\nZu dem grossen Musikfeste, das aus Anlass des Jubiläums des\nPesth-Ofener Musikvereins vom 15. bis 20. August in Pesth\nStatt finden wird, haben bereits mehr als vierzig Musikvereine ihre\nTheilnahme zugesagt. Zur Aufführung kommt unter Anderem Liszt' s\nOratorium „Erzsebet\" unter der persönlichen Leitung des Componisten.\ns'Gri*aveitliage* Herr W. F. G. Nicolai hat wegen seiner\nBerufsgeschäfte als Director der königlichen Musikschule hierselbst\n(an des verstorbenen Capellmeisters Heinrich Lübeck Stelle) die bis-\nher von ihm geführte Direction des Gesangvereins in Rotterdam\nund die Professur der Theorie an der Musikschule daselbst nieder-\ngeht.\nDer berühmte Flötist Jean Louis Tulou (nicht Tulon, wie\nviele deutsche Blätter irrthümlich schreiben) ist den 23. Juli zu\nNantes, wo er seit mehreren Jahren lebte, gestorben. Am 12. Sept.\n1786 geboren, erhielt er im pariser Conservatorium schon 1799 den\nzweiten und 1800 den ersten Preis. Sein Lehrer war Wunderlich.\n1804 wurde er Orchester-Mitglied der italiänischen Oper, 1813 an\nWunderlich's Stelle erster Flötist der grossen Oper und 1820 Pro-\nfessor am Conservatorium.\nliOildoil. Die italiänische Oper in Coventgarden hat am 29.\nJuli geschlossen, nachdem sie zuletzt noch die „Africanerin\" (ita-\nliänische Uebersetzung von Nicodemo) 4 Mal gegeben. Fräulein\nLucca gab die Titelrolle.\nZu Liverpool starb den 15. Juni J. Z. Hermann, Dirigent\nder philharmonischen Gesellschaft und ausgezeichneter Ciavierlehrer."}]}