{"numero_id": "bm-bmtnabi-1865-08-12-01", "volume": "bmtnabi_1865-08-12_01", "ocr_sha256": "4ea989df1e09a4ab4fe1c3130eaae4fef27731990ea3e9507cca0a7c8f141d82", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1865/08/12_01/bmtnabi_1865-08-12_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650812-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1865-08-12-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-08-12_01#c001", "volume": "bmtnabi_1865-08-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "249", "page_fin": "249", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650812-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "249", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650812-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 452, "texte": "Inhalt.\nSzent (Die heilige Elisabeth.) Oratorium in zwei Theilen von Otto Roquette, Musik von Franz Liszt.\nDie deutschen Orgelbauer. Von L. Bischoff. Aus Wiesbaden (Oper und Cursaal-Concerte). Ein Concert von Alexander von La-\nzarew. Tages- und Unterhaltungsblatt (Fräulein Adele Kinkel Wiesbaden, Concert von Litolff Leipzig, Zöllnerbund\nBenedix München, Conservatorium für Musik Wien, Gastspiel von Dr. Gunz, Symphonie-Concert Auszeichnung u. s. w.)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-08-12-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-08-12_01#c002", "volume": "bmtnabi_1865-08-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "249", "page_fin": "251", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650812-01.2.2", "titre_corps": "Szent Erzsébet.", "titre_sommaire": "Szent Erzsébet.", "signature_source": "P. Lloyd", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "249", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650812-01.1.1", "debut_caractere": 454, "fin_caractere_exclue": 4193, "texte": "Szent Erzsébet.\nOratorium in zwei Theilen von Otto Roquette, Musik von\nFranz Liszt.\n\n(Die heilige Elisabeth.)\nDiese neueste und nach der graner Festmesse um-\nfangreichste Schöpfung unseres Landsmannes soll bekannt-\nlich den Haupttheil des bevorstehenden Musikfestes bilden;\nes dürfte daher wohl angezeigt sein, den vielen Lesern,\nwelche sich für das Unternehmen interessiren, schon vor\nder Ausführung eine kurze Analyse des in jeder Beziehung\nmerkwürdigen und bedeutenden Werkes zu bieten.\nDer Dichter schildert in sechs für sich abgeschlos-\nsenen Nummern einzelne Episoden aus dem Leben der\nElisabeth, Tochter Andreas' 11. von Ungarn; die Sprache\nist fast durchgehends sehr schön und schwungvoll, die\nVerse fliessen in harmonischer Weise, nirgends lassen sich\nblosse banale Phrasen erkennen, und darum muss man\ndem Dichter es nicht sehr übel nehmen, wenn die histo-\nrische Treue der licentia poeticahat weichen müssen. Ein\nungarischer Magnat bringt das Rind, „des Ungarlandes\nholde Blüthe\", welches schon bei seiner Geburt für den\njungen Landgrafen Ludwig von Thüringen bestimmt\nworden, auf die Wartburg. Landgraf Hermann, seine\nRitter und das Volk begrüssen die künftige Landesfürstin\nin feierlicher Weise; die Rinder der Edlen nahen und sin-\ngen dem Rinde von den Spielen, die sie ersonnen, von der\nLust auf den duftigen Wiesen und im schattigen Walde,\nvon den Märchen und Sagen des schönen Landes; der\nganze Chor vereinigt sich schliesslich zu dem Wunsche:\n„Sie herrsche lang' und leb' in Ehren\". —Jahre sind\nverschwunden, und wir sehen in der zweiten Nummer\nElisabeth als das Weib des Landgrafen Ludwig. Er ist\nauf der Heimkehr von der Jagd; unter rauschenden Hör-\nner-Fanfaren besingt er die Freuden des Waidwerkes,\naber auch die stilleren Reize seiner schönen Heimat. Im\nWalde begegnet ihm Elisabeth; sie weicht dem Blicke des\ngeliebten Mannes aus, zitternd schlägt sie die Augen zu\nBoden, denn gegen sein Gebot hat sie die sichere Halle\nverlassen, allein wandelt sie auf öden Pfaden, um den Ar-\nmen Speise und Trank zu bringen; sie sucht es zu verber-\ngen, und auf sein zürnendes Andrängen spricht sie von\nRosen, die sie gepflückt. Ludwig will sie sehen; da presst\nihr die Angst ob der gesprochenen Lüge das Geständniss\nder Wahrheit aus, knieend bittet sie um Vergebung: aber,\nWunder! Brod und Wein sind in Rosen verwandelt, und\nim heiligen Scheine verklärt steht der Liebling der Engel.\nBeide singen nun in ergreifend rührender Weise von der\nGnade des Höchsten, die sich in dem Wunder kund ge-\nthan, und das hinzugekommene Volk fällt schüchtern erst,\nallmählich aber voller ein in den Dank und preiset den\nEngel, der sich verkörpert hat in der Elisabeth. Denn:\n„Leuchtend umkosen Strahlen Dich ganz,\nHimmlischer Rosen ewiger Kranz!\"\nund in prophetischer Weise rühmen sie die „seligen Loose,\nwelche in dem herrlichen Bilde der Rose erfüllt sind\".\nIm dritten Bilde erscheinen die Kreuzritter und\nfordern auf zum „Zuge in das heilige Land, ins Palmen-\nland, wo des Erlösers Wiege stand\"; sie steigern ihren\nEifer zu einer glühenden, fast fanatischen Begeisterung,\ndenn Gott will es! Ludwig erklärt den versammelten Va-\nsallen seinen Entschluss, mitzuziehen, und verlangt von\nihnen den Schwur der Treue für Elisabeth und seine Rin-\nder, den sie begeistert leisten. Elisabeth aber bricht in\nrührende Riagen aus über die Trennung von dem Gelieb-\nten; düstere Ahnung erfüllt ihren Gesang, und kein Tro-\nsteswort des Gatten vermag sie zu beruhigen, eben so\nwenig, wie er sich durch ihr Flehen, durch den Hinweis\nauf die hülflosen Rinder von seinem Entschlüsse abwendig\nmachen lässt. Ein kurzer, scharf mahnender Ruf der Rreuz-\nritter: „Gott will es!\" unterbricht die ergreifende Scene.\nDie folgende Nummer enthüllt ein finsteres Bild. Die"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "250", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650812-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5123, "texte": "Mutter Ludwig's, Landgräfin Sophie, lässt ihren Sene-\nschall entbieten: ihm vertraut sie die Runde von dem Tode\ndes Sohnes; damit ist die Schranke gefallen, welche sie\nvon dem Besitze der Macht geschieden hatte. Herrsch-\nsüchtig und rachgierig, hat sie die Schwiegertochter ge-\nhasst, und diesen glühenden Hass will sie jetzt befriedigen,\nindem sie Elisabeth als Bettlerin aus dem Schlosse stossen\nwird. Was hilft es, dass Elisabeth als Königstochter der\n„Fürstin Ehre\" verlangt; was hilft es, dass sie weiter\nfleht für sich und ihre Kinder, dass sie in unendlichem\nSchmerze ausbricht in die Klage: „Ich kann die Heimat\nnicht verlassen, in der so viel des Glücks ich fand!\" —un-\nerbittlich bleibt Sophie. Ein Wetter steigt empor, und\nmitten im Brausen des Sturmes muss die arme Heilige in\ndie schwarze Nacht hinaus, während Sophie im dämoni-\nschen Jubel aufjauchzt: „Gestillt ist mein Verlangen, mein\ndie Macht!\" Aber der Himmel rächt sich: „es wächst der\nSturm, die festen Mauern zittern, der Blitze wilde Pracht\ndurchzuckt das Dach, und krachend stürzt des Thurmes\nZinne, ein Flammenmeer verzehrt das Schloss; Entsetzen,\no fürchterliche Nacht!\" Was nun dem Dichter versagt\nwar, das vollendet der Componist; er malt den Aufruhr\nder Natur, das vernichtende Toben der Elemente, Alles\nist losgelassen aber es muss ausrasen: die Wuth ist ge-\nbrochen, ermattet sinkt die Natur zusammen, und in seli-\nger Verklärung ertönt das Friedens-Motiv, welches immer\ndie Elisabeth begleitet: „Quasi und lässt\nuns empfinden, dass Gottes Engel die Heilige nicht ver-\nlassen haben.\nUnd sie war trotz Kummer und Leiden nicht verlas-\nsen; wir erblicken jetzt Elisabeth im Gebete. Buhig und\nergeben denkt sie an das Glück, welches sie in so reichem\nMaasse genossen an der Seite des Geliebten; ihre Ruhe\nist sein Werk, „der aus den Sternen zu ihr spricht!\" Sie\ndankt Gott für alles Glück und allen Schmerz und für die\nbaldige Vereinigung mit dem dahingegangenen Gatten;\nGott wird seine Hand legen auf das Haupt der Kinder,\ndie man ihr geraubt; „Mache Du sie ihres Vaters werth!\"\nDas Bild der Heimat enthüllt sich der Seele: „Aus gold'-\nnem Nebel dämmernd steigt mein Vaterland, wie Silber-\nschwäne entführen Wolken mich und zeigen mir der El-\ntern Thräne um ihr fernes Kind!\" in höchster Ekstase\nruft sie aus:\n„Herr, lass' Deinen Segen thauen\nAuf meines Vaterlandes Auen!\"\nJetzt nahen sich die Armen schüchtern; einzelne Stim-\nmen erzählen nach einander und rühmen in leise klagen-\ndem Tone ihre Wohlthaten: die Hungrigen hat sie ge-\nspeist und getränkt, die Nackten bekleidet, die Verzagten\ngetröstet, die Kranken gepflegt und die verlassenen Todten\neingesegnet in geweihtem Grunde. Im ganzen Chor er-\nschallt ein banger Zweifel: „Wer wird sie ersetzen, wenn\nder Herr sie zu sich entbot? Aber auch vor Gottes Thron\nwird sie sich der Armen erbarmen in ihrem Gebete!\"\nElisabeth sinkt ermattet auf das Lager, doch nicht Erden-\nnacht, ein seliges Gefühl durchströmt die Brust; es heben\nweh'nde Schwingen leicht sie empor, als sollte schon der\nselige Flug beginnen zum ewigen Lichte! Sie sieht ver-\nklärt des Freundes Lichtgestalt, er ruft—sie kommt, und\nin die Vaterhände des Herrn, welcher sie zum sel'gen\nEnde geleitet, befiehlt sie ihren Geist. Ein geisterhaft ver-\nhallender Flötenhauch schildert den letzten Seufzer. Wie\naus himmlischen Höhen ertönt der Engelchor: „Die Hülle\nbleibt in Erdenruh', die Seele steigt als Unsersgleichen\nunsterblich reinem Lichte zu. Der Schmerz ist aus und\nHimmelsrosen sind entsprossen der qualerfüllten Dornen-\nau!\" Nur ein Harmonium begleitet den Gesang, erst am\nSchlüsse tritt das Streich-Quartett mit der Harfe hinzu,\num in den leisesten Arpeggien und Tremoli im eigent-\nlichsten Sinne des Wortes zu verduften.\nNach einem längeren Orchester-Zwischenspiele, worin\nder Componist durch Vorführung der Haupt-Motive ge-\nwisser Maassen eine Rundschau der bisherigen Situationen\nliefert, lässt nun der Dichter im Schlussbilde den Kaiser\nHeinrich 11. (?) (sollte wohl Friedrich 11. Heissen) auf-\ntreten. Mit seinem ganzen Hofe will er zur Gruft der Hei-\nligen wallen, um als letzte Huldigung die Königstochter\nzu Grabe zu tragen. Es ertönt ein Trauermarsch, dessen\nHaupt-Motiv der Armenchor der vorigen Nummer bildet;\nwährend es in rhythmischer Mannigfaltigkeit durchgeführt\nwird, singt der Chor in gehaltenen Noten: „Elisabeth, du\nHeilige, sei die Schützerin uns allen, die wir in Leid und\nTrübsal wallen; o, wolle segnend uns geleiten, dass wir\ndas ferne Ziel erreichen.\" Im echten Kirchentone erklingt\nnun zum Schlüsse von den Lippen der ungarischen und\ndeutschen Bischöfe die Apotheose der Heimgegangenen:\nNova, novis lux illuxit\nNova Stella, quam produxit\nNobilis Hungaria.\nIn vollster Begeisterung stürmt endlich die versam-\nmelte Menge mit, und brausend schliesst die bereits er-\nwähnte Melodie im hellen, prächtig glänzenden E-dur das\nGanze mit den Worten:\nTu pro nobis, mater pia,\nBoga Regem omnium,\nTJt post hoc exilium\nNobis det vera gaudia. Amen!\nDer Leser wird aus dem kurzen Auszuge ersehen,\ndass der Dichter dem Componisten prächtig vorgearbeitet\nhat, indem er ihm ausgezeichnet schöne und musicalisch"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "251", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650812-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3941, "texte": "dankbare Situationen lieferte, lyrische sowohl als drama-\ntische, und was für einen Liszt die Hauptsache war—\nvor allen Dingen auch religiöse. Diese hat denn auch\nder Componist mit der ihm eigerithümlichen Gluth der\nBegeisterung und des mystischen Versenkens erfasst und\ndemgemäss durch Töne illustrirt. Liszt hat, wie bereits\nmitgetheilt wurde, mehrere alte Melodieen für sein Werk\nbenutzt; dadurch erhielt dasselbe den nicht genug zu\nschätzenden Vorzug, dass es melodisch klarer und im Pe-\nriodenbau auch beim ersten Anhören verständlicher ist,\nals viele seiner grösseren Orchester-Dichtungen, zumal da\nnaturgemäss auch die eigenen Melodieen den gegebenen\nim Charakter und in der Form entsprechen mussten. Mit\ngrosser Meisterschaft sind sie dann harmonisch und rhyth-\nmisch behandelt, und so oft auch die eine oder andere\nhervortritt, so hat sie doch immer eine neue, der jedesma-\nligen Situation entsprechende Fassung. Freilich muthet\nder Componist dem bequemen Zuhörer häufig harmoni-\nsche Absonderlichkeiten zu; sein Ohr muss sich entschlies-\nsen, in unmittelbarer Aufeinanderfolge die verschiedensten\nTonarten aufzufassen, aber das ist nun einmal der Cha-\nrakterzug der Liszt'schen Muse: in Accord-Bildungen und\nFolgen duldet er keine der hergebrachten Schranken, und\nweiss dabei, dass der Zuhörer ihm folgen muss und am\nEnde auch sich daran gewöhnen wird. Unter den be-\nnutzten Melodieen ragt vor Allem die schon erwähnte\nfünfte Antiphonie in festo sanctae Elisabeth: „Quasi Stella\nmatutina\", hervor. Sie klingt rührend einfach, schwär-\nmerisch fromm, ist aber auch des höchsten begeisterten\nAufschwungs fähig; darum bildet sie das Motiv der ganzen\nOrchester-Einleitung, darum tritt sie überall mit der Eli-\nsabeth in den Vordergrund und zieht sich wie ein rother\nFaden durch das ganze Oratorium in den für die jewei-\nlige Situation passenden Tonarten, indem sie gleichzeitig\ndie wunderbarsten Contraste gewährt. Die zweite Melodie\nist ein altes ungarisches Kirchenlied: „Szent örsebet\naszszony eletirül\"; sie ist viel ernster gehalten, eine tiefe\nKlage spricht aus ihr und dabei fesselt sie durch ihren\neigentümlichen Rhythmus. Wir hören dieselbe, als die\nArmen an das Sterbelager der Heiligen eilen, als der Kai-\nser sich anschickt, den geweihten Leib in die Gruft zu\nsenken, und ihr gleichzeitiges Erklingen mit der vorigen\nist von der ergreifendsten Wirkung. Ferner benutzte Liszt\neine alte ungarische Volks-Melodie von festlichem und\nfeierlichem Charakter; mit ihr führt der Magnat die Kö-\nnigstochter auf die Wartburg, mit ihr huldigt das Volk\nder Fürstin, sie ertönt, als der Stolz der Königstochter der\nfinsteren Schwiegermutter gegenüber sich in ihr regt, als\nendlich dem Geiste der Sterbenden die Heimat erscheint.\nDie vierte grössere Melodie ist ein uraltes deutsches Pilger-\nLied aus der Zeit der Kreuzzüge: „Scböpler, Herr Jesu,\nSchöpfer aller Dinge!\" welches besonders in seinem zwei-\nten Theile von erschütternder Kraft isl; darum hat der\nComponist sie im zweiten Satze des Kreuzritter-Marsches\nverwendet, den wir, nebenbei gesagt, eine kolossale Num-\nmer nennen können; es ist darin ein harmonischer und\norchestraler Aufwand in der höchsten Potenz. Endlich hat\nder Componist auch in diesem Werke, wie schon in der\ngraner Messe, dem Schluss-Cbor der Dante-Sinfonie und\nin der „Hunnenscblacht\", die bekannte Intonation g, a, c\n(gregorianischer Gesang) als Motiv benutzt; in dieser Ton-\nfolge rufen die Kreuzritter ihr „Gott will es!\" Liszt selbst\nnennt es in einer Anmerkung ein „tonisches Symbol des\nKreuzes\".\nNach dem Eindrucke, den das Studium der Partitur\nauf uns gemacht hat, sind wir nun überzeugt, dass dieses\nWerk überall einen wahrhaft grossartigen Erfolg haben\nwird; um wie viel mehr muss es hier sein, in dem Vater-\nlande der „S 'zent Urzsebet\",hier, wo die belebende, ja,\nelectrisirende Hand seines Schöpfers der todten Partitur\nvolles, glühendes Leben einflössen wird.\nPetsb, den 1. August.\n\n— ϱ (P. Lloyd.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-08-12-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-08-12_01#c003", "volume": "bmtnabi_1865-08-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "251", "page_fin": "253", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650812-01.2.3", "titre_corps": "Die deutschen Orgelbauer.", "titre_sommaire": "Die deutschen Orgelbauer.", "signature_source": "L. Bischoff", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "251", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650812-01.1.3", "debut_caractere": 3943, "fin_caractere_exclue": 5339, "texte": "Die deutschen Orgelbauer.\n\nWenn die Kunst des Orgelbaues in unserem an Er-\nfindungen von Neuem und Vervollkommnungen des Alten\nso reichen Zeitalter nicht mit dem Aufschwünge des Ma-\nschinenwesens wetteifern kann, zumal da das letztere\nleichter Aufsehen erregt und sieht- und greifbarere Re-\nsultate liefert, so ist sie doch keineswegs hinter den Fort-\nschritten zurückgeblieben, welche der Bau musiealiseber\nInstrumente überhaupt in neuerer Zeit gemacht hat. Frei-\nlich erregten die Fortschritte in der Fabrication dieser\nletzteren, da sie mehr auf Erfindungen beruhten, wie z. B.\nbei allen Blech-Instrumenten und grossentheils auch bei\nden Ciavieren aller Art, lautere Anerkennung und leich-\ntere Verbreitung, als die Resultate der Bestrebungen der\nOrgelbauer, da ihr Tonwerkzeug an die Stelle, wo es auf-\ngebaut, gebunden ist, und dann auch, weil die Orgel in\nihren wesentlichsten Theilen und in ihrer Eigenthümlich-\nkeit im Grunde schon seit Jahrhunderten feste Gestalt\ngewonnen hat, und es sich bei ihr weniger um neue Er-\nfindungen, als um zweckmässige akustische und mechani-\nsche Verbesserungen und Vervollkommnungen handelt.\nWährend die Engländer besonders auf mechanische Ver-\nbesserungen bedacht waren, wohin z. B. Barker's Erfin-\ndung des pneumatischen Hebels gehört, die Franzosen\nmehr auf Erzeugung neuer Klangwirkungen ausgingen\nund darin, wiewohl im Allgemeinen der Orgelbau in\n\n[1"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "252", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650812-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3833, "texte": "Frankreich auch jetzt noch nicht auf der Höhe der Zeit\nsteht, im Einzelnen, z. B. durch Cavaille-Col, sehr Löb-\nliches leisteten, haben die deutschen Orgelbauer dahin ge-\nstrebt, das gute Alte mit demjenigen Neuen, das sich\npraktisch bewährte, zu vereinigen, oft aber auch das Neue\nnur als einen Sporn betrachtet, durch Vervollkommnung\ndes Alten dasselbe zu erreichen. Letzteres ist ihnen z. B.\nmit der Verbesserung der Spielart auch ohne Anwendung\ndes pneumatischen Apparates gelungen, denn die neuen\nOrgeln von Gebrüder Ibach in Barmen, J. F. Schulze's\nSöhne in Paulinzelle, Walker in Ludwigsburg und An-\nderen spielen sich mit derselben Leichtigkeit, als die Or-\ngeln von Merklin und Schütze, die wir übrigens auch\nzu den deutschen Orgelbauern rechnen müssen, obwohl\nsie ihre Etablissements in Brüssel und Paris haben. Was\naber die Intonation der Orgel im Ganzen, nicht bloss in\neinzelnen, mehr oder weniger gelungenen Stimmen, be-\ntrifft, so haben die Deutschen darin eine Stufe der Voll-\nkommenheit erreicht, welche ihnen zu hoher Ehre gereicht\nund auch vom Auslande auf entschiedene Weise aner-\nkannt wird. .\nSo haben die Ibach in Barmen für Spanien, die\nHavannah, Holland (neuerdings in Breda) und Belgien (in\nGent) bedeutende Aufträge ausgeführt, Schulze's Söhne\ndie grosse Orgel in Doncaster*) gebaut und in Folge des-\nsen noch einige andere in England, und Walker und\nBuchholz haben ihren wohlbegründeten Buf durch tüch-\ntige Werke auch über Deutschlands Gränzen hinaus ver-\nbreitet.\nIn der Rheinprovinz haben wir vor einiger Zeit ein\nWerk von J. F. Schulze's Söhnen kennen gelernt, wel-\nches von der Kunstverständigkeit und praktischen Tüch-\ntigkeit der Erbauer ein schönes Zeugniss gibt. Es ist dies\ndie neue Orgel in der grösseren evangelischen Kirche zu\nSolingen. Diese berühmte Fabrikstadt gehört auch zu\ndenjenigen, glücklicher Weise nicht seltenen, Städten von\nRheinland und Westfalen, welche den Beweis liefern, dass\ndie Industrie nicht bloss Geld zu erwerben, sondern es\nauch für das Gemeinwohl zu verwenden weiss, was dort\nin dem letzten Jahrzehend die Bauten eines Krankenhau-\nses, einer Bürgerschule, eines neuen Kirchthurmes, eines\nSchützenhauses und zuletzt einer neuen Orgel auf erfreu-\nliche Weise darthun.\nDie Orgel hat folgende Disposition:\nA. Hauptwerk.\n1. Principal 16 Fuss.\n2. Principal 8 Fuss.\n3. Bordun 16 Fuss.\n4. Gamba 8 Fuss.\n5. Gedackt 8 Fuss.\n6. Hohlllöte 8 Fuss.\n7. Octave 4 Fuss.\n8. Rohrflöte 4 Fuss.\n9. Quinte 22/3 Fuss.\n10. Cornet vierfach.\n11. Mixtur 2 Fuss, fünffach.\n12. Trompete 8 Fuss.\nB. Zweites Manual.\n13. Geigen-Principal 8 Fuss.\n14. Lieblich Gedackt 16 Fuss.\n15. Gerashorn 8 Fuss.\n16. Gedackt 8 Fuss.\n17. Principal 4 Fuss.\n18. Fluteharmon 4 Fuss.\n19. Nasard 22/3 Fuss.\n20. Flautino2 Fuss.\n21. Oboe 8 Fuss.\nC. Drittes Manual.\n22. Viola d'Amouß Fuss.\n23. Flauto amabß Fuss.\n24. Flauto dolceß Fuss.\n25. Coelestina 4 Fuss.\n26. Gedacktflöte 4 Fuss.\nPedal.\n27. Violon 16 Fuss.\n28. Violoncello 8 Fuss.\n29. Subbass 16 Fuss;\n30. Gedacktbass 8 Fuss.\n31. Posaune 16 Fuss.\n32. Trompete 8 Fuss.\n33. Quinte 102/3 Fuss.\n34. Quinte Fuss.\n35. Octavbass 8 Fuss.\n36. Octave 4 Fuss\nund die gewöhnlichen Nebenzüge.\nDie Manual-Claviaturen haben 54 Tasten von bis\ndreigestrichen f; die Pedal-Claviatur 27 Tasten von bis\neingestrichen d.\nGesammt-Preis 4200 Thlr., einschliesslich 100 Thlr.\nfür Verrückung und Verbreiterung des Gehäuses.\nDie Orgel zeichnet sich besonders durch den kräfti-\ngen Eindruck und die Tonfülle des vollen Werkes aus,\nwozu besonders der helle Klang der Principalstimmen in\nden Manualen und das ganze Pedal, namentlich die sechs-\nzehnfüssige Posaune und die achlfüssige Trompete, welche\nsehr gut ausgefallen sind, beitragen. Eben so wirken die\nRegister, welche die Holz-Blas-Instrumente repräsentiren,\nbei Ausfüllung der Harmonie und Verdoppelung der Stirn-\n\n*) Vergl. 1864, Nr. 30."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "253", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650812-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3262, "texte": "men im vollen Werke ganz befriedigend, während manche\nderselben einzeln genommen vielleicht etwas weicher und\nsympathischer klingen könnten und bei Combinationen\nderselben die Klangfarbe der Flöten dominirt, welche\nzwar von schönem Tone, aber doch in nur wenig verschie-\ndenen Nuancen ertönen. Jedoch soll damit kein eigent-\nlicher Tadel ausgesprochen werden, zumal bei der Bestim-\nmung der Orgel für die Kirche, wo das volle Werk die\nHauptsache ist, während bei einer Orgel für den Concert-\nsaal die Stimmen, welche den Uebergang des Geigentones\nder Principale zu dem Flötentone vermitteln und den Klang\nder Fagotte, Homer und Clarinetten im Orchester nach-\nzuahmen bestimmt sind, eine besondere Beachtung verdie-\nnen würden, wie wir sie recht gelungen bei den Orgeln\nvon Cavaille-Col und Ibach finden. Uebrigens ist bei sol-\nchen Vergleichen immer gar sehr zu berücksichtigen, über\nwelche Mittel der Meister bei der Anordnung der Dispo-\nsition und bei der Ausführung in Bezug auf das Material\nzu verfügen hatte; denn in dieser Hinsicht ist der Orgel-\nbauer schlimmer daran, wie jeder andere Instrumenten-\nmacher. Der Pianoforte-Fabricant baut seine Flügel, Pia-\nnino's und Claviere je nach seinem besten Wissen und\nKönnen und stellt seine fertige Arbeit dem Käufer zu\neinem Preise hin, den er im Verhältnisse zu den Selbst-\nkosten bestimmt. Der Orgelbauer muss sich aber nach\nder Decke strecken, deren Maass der Auftraggeber be-\nstimmt, und so finden wir denn häufig, wie wir es fast\nbei allen Revisionen selbst erfahren haben und auch in\nSolingen bei Schulze's Orgel wiederum bemerkten, dass\ndie Orgelbauer über die Disposition theilweise auf ihre\neigenen Kosten ihrem Werke zu Liebe hinausgehen.\nDie Arbeit an der Solinger Orgel ist überall sorgfältig\nund gewissenhaft ausgeführt, die Mechanik leicht spielbar,\ndie Ansprache prompt, die Windzuführung reichlich und4\ngeschickt bewerkstelligt. Die Revision, ausgeführt durch\nHerrn J. A. van Eyken, Haupt-Organisten zu Elberfeld,\nHerrn Franz Weber, königlichen Musik-Director und\nDom-Organisten in Köln, und den Unterzeichneten, ergab\ndaher für die Herren Gebrüder Schulze ein sehr ehren-\nvolles Zeugniss.\nZur Einweihung der Orgel fand ein Kirchen-Concert\nStatt, in welchem Herr van Eyken die Eigenschaften des\nneuen Instrumentes durch Vorträge von Compositionen\nvon J. S. Bach, Beethoven, Mendelssohn und einer eigenen\n(Variationen über das holländische Volkslied) mit bekann-\nter Meisterschaft ins Licht setzte. Eine Ueberraschung für\nuns war die Ausführung dreier Chöre: Haydn's „Die\nHimmel erzählen\", Mendelssohn's „Wie lieblich sind die\nBoten\" und Händel's „Halleluja\" durch die Damen und\nHerren der solinger Gesangvereine „Orpheus\" und „Sän-\ngerbund1\", unter Leitung ihres Dirigenten, Herrn Fried-\nrich Leubert; der präcise und gelungene Vortrag zeigte,\nwas musicalischer Sinn, Fleiss und gute Anleitung auch\nin kleinen Kreisen mit nicht zahlreichen Kräften zu leisten\nim Stande sind. Und es ist sehr unrecht, wenn Musiker\n\\on Fach auf solche Dilettanten- Vereine vornehm herab-\nsehen: es kommt dabei überall nur auf das Was und das\nWie, nicht auf die Menge der Theilnehmer an: gute\nMusik und mit Frnst und Liebe einstudirt, wird ihren\nbildenden und veredelnden Einfluss niemals verläugnen.\n\nL. Bisechoff."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-08-12-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-08-12_01#c004", "volume": "bmtnabi_1865-08-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "253", "page_fin": "254", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650812-01.2.4", "titre_corps": "Aus Wiesbaden.", "titre_sommaire": "Aus Wiesbaden.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "253", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650812-01.1.5", "debut_caractere": 3264, "fin_caractere_exclue": 5123, "texte": "Aus Wiesbaden.\n(Oper und Cursaal-C oncerte.)\nUnsere Bühnen-Verwaltung lässt es sich angelegen\nsein, theils durch Neueinstudiren älterer Opern, theils\ndurch Insceneselzung neuerer Werke das Publicum zu\nbefriedigen, welches freilich im Sommer die verschieden-\nsten Nationalitäten und Gesellschafts-Classen, mithin auch\ndie verschiedensten Geschmacksrichtungen in sich ver-\neinigt. Es war daher ein Wagniss, diesem Publicum neben\nder „Zauberflöte\" auch Gluck's „Iphigenie in Tauris\"\nvorzuführen; indess wurde doch das ehrenwerthe künst-\nlerische Streben bei drei Vorstellungen, wenn auch nicht\ndurch volle Häuser, doch durch ziemlich zahlreichen Be-\nsuch belohnt. Frau Bertram-Meyer führte die Haupt-\nrolle in Gesang und Darstellung mit anerkennenswerthem\nTalente durch, ihre Stimme ist jedoch in den hohen Tö-\nnen, in welchen sich die Partie bewegt, etwas scharf ge-\nworden und bedarf in dieser Tonregion einer sehr vor-\nsichtigen Behandlung. Neben dieser braven dramatischen\nSängerin ist Frau Brenner als Coloratursängerin wirk-\nsam, hat es aber nicht vermocht, sich den hiesigen Boden\nzu erobern. Warum nicht? Das wissen die Götter oder\nihre irdischen Stellvertreter hierselbst! Denn diese Dame\nverbindet mit einer schönen Stimme eine tüchtige techni-\nsche Ausbildung, die sich in jeder Art von Coloratur und\nim Triller offenbart. Dabei weiss sie sich sehr gut auf der\nBühne zu benehmen. Die Kenner zu befriedigen, wird\nihre Nachfolgerin, Fräulein Langlois vom Hoftheater zu\nKassel, die wir in ihren Gastrollen hörten, Mühe haben,\ndenn der Unterschied zwischen einer correcten und deut-\nlichen Coloratur und einer zum Theil verwischten und im\nTone ungleichen ist jedem Unparteiischen doch gar zu\nfühlbar. In den Herren Caffieri und Borchers besitzt\nunsere Bühne ein paar Tenoristen, von denen namentlich\nHerr Caffieri durch umfangreiche und volltönende Stimme"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "254", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650812-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2501, "texte": "ausgezeichnet wirkt; er und der vortreffliche Bariton Herr\nBertram sind ohne Zweifel die eigentlichen Stützen der\nhiesigen Oper. Freilich ist der tiefe, sonore Bass des Herrn\nKlein (Sarastro) heutzutage eine staunenswerthe Selten-\nheit: aber leider wird das Wohlgefallen daran durch das\nhäufige Detoniren gestört.\nVon neueren Opern ist Maillart's „Lara\", mit\nschöner Ausstattung in Scene gegangen, zwar in drei bis\nvier Vorstellungen zahlreich besucht gewesen, da diese in\ndie endlich beginnende Blüthe der Saison und der ab-\nund zuströmenden Vergnügungs-Reisenden fielen, hat aber\nin keiner derselben gezündet; kaum dass Herr Caffieri für\nseine Anstrengungen, der Titelrolle allgemeine Theilnahme\nzu gewinnen, eben so wie Frau Brenner für den Vortrag\nder eingelegten Triller-Arie aus Le pre aux Cleves per-\nsönlichen Beifall davon trugen. Bei der furchtbar lärmen-\nden Instrumentirung dieser Oper sind in dem kleinen\nTheater, wo das Orchester Alles überbraust, die Sänger\nzu bedauern; auch fehlt es im Orchester an Violinen, die\ndem so stark besetzten Blech die Wage halten könnten,\ndenn von den Streich-Instrumenten, so gut sie auch sind,\nhört man in den Tutti's ausser den Contrabässen fast nichts.\nDie Programme der Cursaal-Concerte bleiben wie\nimmer auf Virtuositäten und Namen berechnet, in deren\nWahl die Administration im Ganzen glücklich ist, freilich\nauch nicht ohne einzelne Missgriflfe. Bemerkenswerth war\ndas ausserordentliche Concert am 26. vorigen Monats zur\nNachfeier des herzoglichen Geburtsfestes. Das Programm\nbrachte Beethoven's Ouvertüre Op. 124, vom Theater-\nOrchester unter Direction des Herrn Capellmeisters Ha-\ngen gut ausgeführt, F. Hill er's Concert (Herr\nAlfred Ja eil), Violoncell-Concert von Piatti (von ihm\nselbst gespielt), Violin-Concert von Paganini (Herr Wil-\nhelmi drei ganze Concerte im Cursaale eine Sel-\ntenheit! Den grössten Erfolg hatte Jaell mit Hiller's\nConcert und mit zwei Salonstücken (deren eines eine Pa-\nraphrase des Choeur des Eveques aus der „Africanerin\");\nenthusiastischer Applaus und wiederholter Hervorruf folg-\nten hier, wie überall, seinen eminenten Leistungen. Aus-\nser diesen Instrumental-Virtuosen trug Fräulein von\nEdelsberg mit ihrer klangvollen Altstimme zwei Lieder\nund die Arie aus der „Favorite\" und der Tenorist Herr\nNachbauer aus Darmstadt Tamino's Arie und einige\nLieder mit Beifall vor. Herr Wilhelmi von hier schwingt\nsich immer mehr zum Range eines bedeutenden Violi-\nnisten empor: aber Paganini-Musik? was ist sie ohne\nPaganini?"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-08-12-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-08-12_01#c005", "volume": "bmtnabi_1865-08-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "254", "page_fin": "255", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650812-01.2.5", "titre_corps": "Ein Concert von Alexander von Lazarew.", "titre_sommaire": "Ein Concert von Alexander von Lazarew.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "254", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650812-01.1.6", "debut_caractere": 2503, "fin_caractere_exclue": 5900, "texte": "Ein Concert von Alexander von Lazarew.\nDa unsere Musik-Zeitung einen Theil ihrer Aufgabe auch darin\nsieht, die Documente für die musicalischen Richtungen unserer Zeit\nden gegenwärtigen Lesern vorzulegen und den zukünftigen Freunden\nder Geschichte der Tonkunst im neunzehnten Jahrhundert aufzube-\nwahren, so theilen wir folgendes Concert-Programm seinem we-\nsentlichen Inhalte nach als charakteristisches Actenstück mit. Es\nkommt dabei nicht darauf an, dass das betreffende Concert bereits\nim vergangenen Winter gegeben wurde, sondern nur darauf, dass es\nwirklich im Jahre 1865 Statt fand, und zwar zu Berlin am 15.\nJanuar im Saale der Sing-Akademie, mit Unterstützung des königl.\nOpern-Chors und des königl. Opern-Orchesters. Sämmtliche Compo-\nsitionen sind von Herrn von Lazarew, der auch das ganze Concert\ndirigirte*\nErste Abtheilung.\nDie Schöpfung der Welt.\nOratorium für grosses Orchester.\n1. Erster Tag der Schöpf u n g. Maestoso : Die Macht Gottes.\nDer Geist Gottes schwebt auf der Tiefe. Die Stimme Gottes. Der\nWille Gottes. Grave Largo: Das Chaos und Gott sprach: „Es werde\nLicht!\" und es ward Licht. Andantino religioso: Hymnus der Mächte\ndes Himmels.\n2. Zweiter Tag der Schöpfung. Maestoso: Schöpfung der\nErde, von Gewässern umgeben. Gegenwart Gottes, von Erzengeln\nund Engeln getragen, und Gott sprach: „Es sammle sich das Wasser\nunter dem Himmel an besondere Oertor!\" Allegretto: Und es ge-\nschähe also. Forzando: Das Fluten des Wassers. Fianissimo in Blech-\nInstrumenten: fernes Echo. Meno (?): Ende der Schöpfung.\n3. Dritter Tag der Schöpfung. Andante: Scheidung der\nErde vom Wasser. Die Stimme Gottes: „Es lasse die Erde aufgehen\nGras und Kraut!\" Andantino Placido: Verkündigung des Willens\nGottes durch die Mächte des Himmels. Andantino: Das Aufgehen\nder Kräuter und der Bäume. Meno: Ende der Schöpfung.\n4. Vierter Tag der Schöpfung. Andante maestoso: Die\nGegenwart Gottes. Allegretto grazioso (Canoni): Der Lauf der Pla-\nneten. Aufgang der Sonne und des Mondes. Allegretto religioso :\nHymne. Die göttliche Macht. Meno: Das Ende der Schöpfung.\n5. Fünfter Tag der Schöpfung. 1. Hälfte. Maestoso: Die\nGegenwart Gottes, umgeben von den himmlischen Mächten.\nZweite Ab'th eilung.\n6. „Die Liebe\", Piece für Pianoforte.\n7. „Gruss an die Pr in zes sin\", Piece für Blech-Instrumente.\n8. „Der erste Kuss der Liebe\", Piece für Pianoforte und\nSaiten-Instrumente.\n9. „Gruss an England.\" Gesang-Solo und Orchester.\n10. Psalm 1.16, Vers 13: „Ich will den heilsamen Kelch neh-\nmen und des Herrn Namen predigen. Halleluja!\" Für Gesang (vier-\nstimmig), Sopran, Alt, Tenor, Bass (Soli).\n11. „Axion estin\" (Text griechisch), Chor.\nDritte Abt h eilung.\n. «-\nDas jüngste Gerieht.\nZum ersten Male ctffiop-let mit allen Soli und Chören.\nOratorium (Text deutsch), Soli, Chor und grosses Orchester.\nMusicalischer Ausdruck folgender Momente:\n12. Oratorium Nr. 1. Andante moderato und Allegretto: In-\ntroduetion. Andaritino: Chor der Alten und Jünglinge im Heiligen-\nscheine. Allegretto: Die Stimme der Alten und der Chor derselben,\nbegleitet von entferntem Dämonengelächter. Andante und Allegretto\nreligioso: Das Gebet der Sünderin und die Stimme des Alten, Chor\nder Alten und der Engel. Andantino religioso placido (Quintett):\nGebet. Andante: Gebet der Sünder, Stimme des Alten und Chor der\nAlten. Allegretto agitato: Gebet der Sünderin. Andante: der Him-\nmel verwirft ihr Gebet. Allegretto: Gebet und Chor."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "255", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650812-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2430, "texte": "]3) Oratorium Nr. 2. Andante moderato: Die Gegenwart\nGottes, umgeben von den himmlischen Mächten. A tempo di Mar-\nda: Auftritt der himmlischen Heerscharen. Allegretto: Gebet der\nSünderin, vom Himmel verworfen. Allegretto religioso: Chor der Al-\nten und Jünglinge im Heiligenscheine, welche den Lobgesang Gottes\nim Himmel erklingen lassen. Andante religioso: Quintett und Chor,\nLobgesang der Himmelsbewohner. Allegro brioso: Die Erde thut\nsich auf, die Gräber fallen aus einander, die Todten erheben sich.\nAndante religioso (Quintett und Chor): Das Gebet der Völker zu\n• K\ndem Herrn der Heerscharen. Andantino: Stimme der Erzengel. A\ntempo di Marcia: Der *Lobgesang der himmlischen Heerscharen.\nAllegretto agitato und Dleno: Gebtst der Sünderin, vom Himmel ver-\nworfen, und Chor der Alten und Jünglinge ; Lobgesang der Him-\nmelsbewohner.\n14. Oratorium Nr. 3. Maestoso: Die Stimme Gottes erschallt\nin den Himmeln, es hören andächtig zu die Mächte des Himmels,\nEngel, Erzengel, Cherubim und Seraphim; es freuen sich die Ge-\nrechten und zittern die Sünder. Largo: Posaunenschall. Adagio pla-\ncido: Gebet der Sünder. Piu largo: Posaunenschall, Stimme der\nVorsehung. Quartett, Adagio: Gebet der Sünder, vom Himmel ver-\nworfen. Allegretto und A tempo di Marcia: Engel, Erzengel und\nalle himmlischen Mächte fordern die Menschen vor das Gericht, und\ndie Menschen treten vor das Gericht; Erscheinung Gottes. Adagio\nreligioso (Quartett): Das Gericht der Gerechten. Maestoso: Verflu-\nchung der Sünder. Presto brioso: Die Dämonen führen die Sünder\nin das ewige Feuer. Allegretto religioso; Largo Allegretto und An-\ndante: Das letzte Gebet der Sünder, Duett und Chor.\n15. Miserere (Text italiänisch), dem Maestro Rossini gewid-\nmet. Soli, Chor und grosses Orchester.\nEingehender Betrachtungen über dieses Programm bedarf es\nnicht. Nur Eines wollen wir noch erwähnen, dass zur Zeit der Auf-\nführung gedruckt zu lesen gewesen sein soll: „Da Haydn's Schö-\npfung sich überlebt?* habe, so sei der Gedanke, das grosse Welt-\nMysterium durch die Welt der Töne vor die Phantasie zu führen,\neben so neu als originel.\" Dagegen lässt sich nichts sagen »ein\nOratorium für Orchester\", das ist noch nicht da gewesen! Zur\nErgänzung noch „das jüngste Gericht\" und der Rath des Thea-\nter-Directors im Prolog zum Faust ist befolgt:\n„So schreitet denn -\nDen ganzen Kreis der Schöpfung aus,\nUnd wandelt mit bedächt'ger Schnelle\nVom Himmel durch die Welt zur Hölle.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-08-12-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-08-12_01#c006", "volume": "bmtnabi_1865-08-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "255", "page_fin": "256", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650812-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "255", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650812-01.1.7", "debut_caractere": 2432, "fin_caractere_exclue": 7091, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nFräulein Adele Kinkel, eine Tochter des Dichters, wird dem-\nnächst eine Kunstreise nach Deutschland antreten. Die grosse mu-\nsicalische Begabung ihrer Mutter hat sich auf sie vererbt, und bei\nihrem jetzt erfolgten Ausscheiden aus der londoner musicalischen\nAkademie hat sie den ersten Preis für Composition, die silberne\nMedaille, davongetragen, deren nur zwei in jedem Jahre vergeben\nwerden.\nZu Wiesbaden wird Litolff am 25. August ein grosses Con-\ncert veranstalten, dessen Ertrag auch, wie das Concert des kölner\nMänner-Gesangvereins, zum Ausbau der Thürme der katholischen\nKirche bestimmt ist. Fräulein Lichtmay und der Violinist Lotto\nwerden mitwirken. Den Männerchor sollen die Choristen vom Thea-\nter in Wiesbaden und die Studenten-Liedertafel von Lüttich bilden.\nDer leipziger „Zollnerbund\" hat seinem Dirigenten Dr. Langer\nbei Gelegenheit seines Geburtstages, unter A eranstaltung einer grös-\nseren Festlichkeit, in Anerkennung seiner langjährigen Verdienste\num den Männergesang eine Lebensversicherungs-Prämie von 5000\nriilin. überreicht eine viel vernünftigere, praktischere Aufmerk-\nsamkeit, als alle Poeale, Lorberkränze, Tactstöcke u. s. w.\nBenedix, der fruchtbare Lustspieldichter, hat wieder ein drei-\nactiges Stück: „Die zärtlichen Verwandten\", zur Versendung vor-\nbereitet.\njfliaiielieii« Das hiesige Conservatorium für Musik hört mit\ndem 1. August d. J. auf, in seiner bisherigen Gestalt zu bestehen,\nund es wird nun zur Reorganisation desselben geschritten werden\nnach dem Plane, der von einer hierzu gewählten Commission nach\nden Vorschlägen R. Wagner's ausgearbeitet worden ist. Ueber die\ndarauf bezüglichen Berathungen und Beschlüsse theilte die ..Bayeri-\nsche ZeitungI*'1*' unlängst Folgendes mit: „Von einer Reducirung der\nAnstalt aut eine blosse Gesangschule wurde Umgang genommen und\nvielmehr die Ansicht zur Geltung gebracht, dass die bestehende An-\nstalt aufrecht zu erhalten, aber von Grund aus zu reformiren sei.\nDas Conservatorium ist Staatsanstalt und aus Staatsmitteln dotirt,\nes soll daher nicht ein Conglomerat von einzelnen Musikstunden\nsein, um junge Leute im Geigen, Singen, Ciavierspielen u. s. w. zu\nunterrichten, was der Privat-Betriebsamkeit anbeim gestellt wird,\nsondern der Staat soll bei der Musik, wie ganz ähnlich bei der bil-\ndenden Kunst, borge tragen, dass eine organische, künstlerisch-wis-\nsenschaftliche Gesammtbildung auch dem praktischen Tonkünstler\ndurch eine höhere Unterrichts-Anstalt dargeboten werde, weil es die\n1 rivatlehrer eben nicht zu einem solchen planvollen Zusammenwir-\nken der» verschiedensten Kräfte bringen können. Das Conservatorium\nhat demnach auch die praktische Aufgabe, nicht nur tüchtige Künst-\nler lür 1 heater und Concert, sondern auch einen ausgezeichneten\nStamm von Musiklehrern, von Dirigenten für die Vereine, von guten\nOrganisten und Chorsängern für die Kirche heranzubilden und somit\nbefruchtend auf das musicalische Volksleben des ganzen Landes zu\nwirken.\" [lst das denn etwas Anderes, als was jedes wirkliche\nConservatorium zum Zwecke hat?] Die ganze Anstalt soll daher\nnach den beabsichtigten Erweiterungen des Organismus in drei\nSchulen zerfallen. 1) Gesangschule: obligatorisch die Chor-\ngesangschule; Specialfächer: Sologesang, dramatischer Vortrag und\ntheatralische Darstellung. 2) Instrumentalschule: obligatorisch\nder elementare Clavier-Unterricht; Specialfächer: Ciavier, Violine,\nViola, Violoncell in der höheren Ausbildung für den Künstler- und\nLehrberuf, Orgel mit Studium des Orgelbaues für die kirchlichen\nBedürfnisse, wie für den Concert-Vortrag. 3) Theoretische\nSchule: a) Harmonielehre (obligatorisch), Contrapunkt, Formen-\nlehre und Instrumentation; b) Geschichte der Musik (obligatorisch\nallgemeine Geschichte der Musik); Specialfächer: Geschichte der\nGesangmusik und Geschichte der Instrumentalmusik. Das gesammte\nLehrer-Personal soll im Allgemeinen besser honorirt werden, als es\nbisher geschehen konnte, namentlich aber die vier Hauptlehrer so\ngestellt werden, dass sie ihr Lehramt am Conservatorium als ihren\nHauptberuf erfassen können und sollen. Dem bisherigen provisori-\nschen Vorstande, Herrn Priesterhaus-Director Nissl, wurde für seine\numsichtige Besorgung der Directorial-Geschäfte während des ganzen\nSchuljahres von Seiten des Cultus-Ministeriums besondere Anerken-\nnung ausgesprochen.\nWien. Die zweite Gastrolle des Dr. Gunz als Arnold im\n„Teil\" hat die Vorzüge, die sich gelegentlich des ersten Auftretens\nder Würdigung empfohlen hatten, bewährt: correcten musicalischen\nVortrag, reine Intonation, deutliche Aussprache und hübsche Reprä-\nsentation ; allein in Bezug auf Energie und dramatisches Feuer blieb"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "256", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650812-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2532, "texte": "er an mancher Stelle hinter seiner Aufgabe zurück. Das erste Duett\n(mit Teil) brachte, ungeachtet er die Wiederholung des Satzes: „0\nMathilde\", in As sang, die erwartete Wirkung nicht hervor, was\nzum Theil am Vortrage lag, theilweise aber auch in der der Stei-\ngerung des Effectes einträglichen Behandlung der Register seinen\nGrund hatte. Herr Gunz hat die Gewohnheit, die Mittellage gröss-\ntenteils offen zu nehmen, um eine kräftige, helle Tonentwick-\nlung zu gewinnen. Gegen diese Tonfarbe nahmen sich aber die\nhohen Noten auffallend matt aus, was nicht der Fall gewesen wäre,\nwenn der Sänger sich vorwiegend des gedeckten Ansatzes bedient\nhätte. Gelungener gestalteten sich die lyrischen Partieen des zweiten\nActes, und sowohl im Duette mit Mathilde, wie im Terzette über-\nwogen die mit schöner Empfindung zum Ausdruck gebrachten Stel-\nlen. Der Beifall, den Herr Gunz nach diesen beiden Nummern ärn-\ntete, war ein lebhafter und verdienter. Musterhaft war Fräulein\nKrauss als Mathilde, vorzüglich Herr Meyerh ofer als Melch-\nthal, sehr anmuthig die Fräulein Tellheim und Bettel heim.\nDer Teil des Herrn Bignio verhält sich zu jenem Beck's wie\neine Photographie zu einer kolossalen Statue.\nDer Bass-Buffo Herr Behr hat sein Gastspiel am Hof-Opern-\ntheater als Bürgermeister in Lortzing's „Czaar und Zimmermann\"\nbegonnen.\nAm 1. August fand das erste „Symphonie-Concert\" des Herrn\nCarlberg mit seiner aus fünfzig Köpfen bestehenden Musik-Capelle\nim Blumensaale der Gartenbau-Gesellschaft Statt. Der Anfang war\num 7 Uhr, der Eintrittspreis 30 Kr. Zur Aufführung gelangten die\nSinfonieen in Es von Haydn und in A-moll von Mendelssohn, die\nOuvertüren zu „Euryanthe\" von Weber und zu „Fidelio\" von Beet-\nhoven, die Polonaise aus Meyerbeer's „Struensee\" und ein „Nacht-\ngesang\" für Streich-Instrumente von Jean Vogt.\nDer König von Italien hat den Violin-Virtuosen Jean Becker\nfür die Widmung eines Violin-Concertes mit einer kostbaren Brillant-\nnadel beschenkt.\nPüjris* Anton Rubinstein hat in einer Soiree bei Ros-\nsini Samstag den 29. Juli gespielt.\nFräulein Licbtmay ist in der grossen Oper in Paris als Va-\nlentine in den „Hugenotten\" mit günstigem Erfolge aufgetreten.\nDie Orchester-Mitglieder der grossen Oper in Paris haben in\neiner ausführlich motivirten Eingabe von der Direction Erhöhung\nihrer wirklich gar zu kärglichen Gagen verlangt. Diese von ihnen\nverlangte Erhöhung soll sich für das Jahr auf eine Summe von\nnahe an 65,000 Fr. belaufen. Ein einzelner Sänger wurde nicht\nselten schon theurer bezahlt. (Ein Künstler-Strike!)"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "249", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650812-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nSzent (Die heilige Elisabeth.) Oratorium in zwei Theilen von Otto Roquette, Musik von Franz Liszt.\nDie deutschen Orgelbauer. Von L. Bischoff. Aus Wiesbaden (Oper und Cursaal-Concerte). Ein Concert von Alexander von La-\nzarew. Tages- und Unterhaltungsblatt (Fräulein Adele Kinkel Wiesbaden, Concert von Litolff Leipzig, Zöllnerbund\nBenedix München, Conservatorium für Musik Wien, Gastspiel von Dr. Gunz, Symphonie-Concert Auszeichnung u. s. w.).\n\nSzent Erzsébet.\nOratorium in zwei Theilen von Otto Roquette, Musik von\nFranz Liszt.\n\n(Die heilige Elisabeth.)\nDiese neueste und nach der graner Festmesse um-\nfangreichste Schöpfung unseres Landsmannes soll bekannt-\nlich den Haupttheil des bevorstehenden Musikfestes bilden;\nes dürfte daher wohl angezeigt sein, den vielen Lesern,\nwelche sich für das Unternehmen interessiren, schon vor\nder Ausführung eine kurze Analyse des in jeder Beziehung\nmerkwürdigen und bedeutenden Werkes zu bieten.\nDer Dichter schildert in sechs für sich abgeschlos-\nsenen Nummern einzelne Episoden aus dem Leben der\nElisabeth, Tochter Andreas' 11. von Ungarn; die Sprache\nist fast durchgehends sehr schön und schwungvoll, die\nVerse fliessen in harmonischer Weise, nirgends lassen sich\nblosse banale Phrasen erkennen, und darum muss man\ndem Dichter es nicht sehr übel nehmen, wenn die histo-\nrische Treue der licentia poeticahat weichen müssen. Ein\nungarischer Magnat bringt das Rind, „des Ungarlandes\nholde Blüthe\", welches schon bei seiner Geburt für den\njungen Landgrafen Ludwig von Thüringen bestimmt\nworden, auf die Wartburg. Landgraf Hermann, seine\nRitter und das Volk begrüssen die künftige Landesfürstin\nin feierlicher Weise; die Rinder der Edlen nahen und sin-\ngen dem Rinde von den Spielen, die sie ersonnen, von der\nLust auf den duftigen Wiesen und im schattigen Walde,\nvon den Märchen und Sagen des schönen Landes; der\nganze Chor vereinigt sich schliesslich zu dem Wunsche:\n„Sie herrsche lang' und leb' in Ehren\". —Jahre sind\nverschwunden, und wir sehen in der zweiten Nummer\nElisabeth als das Weib des Landgrafen Ludwig. Er ist\nauf der Heimkehr von der Jagd; unter rauschenden Hör-\nner-Fanfaren besingt er die Freuden des Waidwerkes,\naber auch die stilleren Reize seiner schönen Heimat. Im\nWalde begegnet ihm Elisabeth; sie weicht dem Blicke des\ngeliebten Mannes aus, zitternd schlägt sie die Augen zu\nBoden, denn gegen sein Gebot hat sie die sichere Halle\nverlassen, allein wandelt sie auf öden Pfaden, um den Ar-\nmen Speise und Trank zu bringen; sie sucht es zu verber-\ngen, und auf sein zürnendes Andrängen spricht sie von\nRosen, die sie gepflückt. Ludwig will sie sehen; da presst\nihr die Angst ob der gesprochenen Lüge das Geständniss\nder Wahrheit aus, knieend bittet sie um Vergebung: aber,\nWunder! Brod und Wein sind in Rosen verwandelt, und\nim heiligen Scheine verklärt steht der Liebling der Engel.\nBeide singen nun in ergreifend rührender Weise von der\nGnade des Höchsten, die sich in dem Wunder kund ge-\nthan, und das hinzugekommene Volk fällt schüchtern erst,\nallmählich aber voller ein in den Dank und preiset den\nEngel, der sich verkörpert hat in der Elisabeth. Denn:\n„Leuchtend umkosen Strahlen Dich ganz,\nHimmlischer Rosen ewiger Kranz!\"\nund in prophetischer Weise rühmen sie die „seligen Loose,\nwelche in dem herrlichen Bilde der Rose erfüllt sind\".\nIm dritten Bilde erscheinen die Kreuzritter und\nfordern auf zum „Zuge in das heilige Land, ins Palmen-\nland, wo des Erlösers Wiege stand\"; sie steigern ihren\nEifer zu einer glühenden, fast fanatischen Begeisterung,\ndenn Gott will es! Ludwig erklärt den versammelten Va-\nsallen seinen Entschluss, mitzuziehen, und verlangt von\nihnen den Schwur der Treue für Elisabeth und seine Rin-\nder, den sie begeistert leisten. Elisabeth aber bricht in\nrührende Riagen aus über die Trennung von dem Gelieb-\nten; düstere Ahnung erfüllt ihren Gesang, und kein Tro-\nsteswort des Gatten vermag sie zu beruhigen, eben so\nwenig, wie er sich durch ihr Flehen, durch den Hinweis\nauf die hülflosen Rinder von seinem Entschlüsse abwendig\nmachen lässt. Ein kurzer, scharf mahnender Ruf der Rreuz-\nritter: „Gott will es!\" unterbricht die ergreifende Scene.\nDie folgende Nummer enthüllt ein finsteres Bild. Die"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "250", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650812-01.1.2", "texte": "Mutter Ludwig's, Landgräfin Sophie, lässt ihren Sene-\nschall entbieten: ihm vertraut sie die Runde von dem Tode\ndes Sohnes; damit ist die Schranke gefallen, welche sie\nvon dem Besitze der Macht geschieden hatte. Herrsch-\nsüchtig und rachgierig, hat sie die Schwiegertochter ge-\nhasst, und diesen glühenden Hass will sie jetzt befriedigen,\nindem sie Elisabeth als Bettlerin aus dem Schlosse stossen\nwird. Was hilft es, dass Elisabeth als Königstochter der\n„Fürstin Ehre\" verlangt; was hilft es, dass sie weiter\nfleht für sich und ihre Kinder, dass sie in unendlichem\nSchmerze ausbricht in die Klage: „Ich kann die Heimat\nnicht verlassen, in der so viel des Glücks ich fand!\" —un-\nerbittlich bleibt Sophie. Ein Wetter steigt empor, und\nmitten im Brausen des Sturmes muss die arme Heilige in\ndie schwarze Nacht hinaus, während Sophie im dämoni-\nschen Jubel aufjauchzt: „Gestillt ist mein Verlangen, mein\ndie Macht!\" Aber der Himmel rächt sich: „es wächst der\nSturm, die festen Mauern zittern, der Blitze wilde Pracht\ndurchzuckt das Dach, und krachend stürzt des Thurmes\nZinne, ein Flammenmeer verzehrt das Schloss; Entsetzen,\no fürchterliche Nacht!\" Was nun dem Dichter versagt\nwar, das vollendet der Componist; er malt den Aufruhr\nder Natur, das vernichtende Toben der Elemente, Alles\nist losgelassen aber es muss ausrasen: die Wuth ist ge-\nbrochen, ermattet sinkt die Natur zusammen, und in seli-\nger Verklärung ertönt das Friedens-Motiv, welches immer\ndie Elisabeth begleitet: „Quasi und lässt\nuns empfinden, dass Gottes Engel die Heilige nicht ver-\nlassen haben.\nUnd sie war trotz Kummer und Leiden nicht verlas-\nsen; wir erblicken jetzt Elisabeth im Gebete. Buhig und\nergeben denkt sie an das Glück, welches sie in so reichem\nMaasse genossen an der Seite des Geliebten; ihre Ruhe\nist sein Werk, „der aus den Sternen zu ihr spricht!\" Sie\ndankt Gott für alles Glück und allen Schmerz und für die\nbaldige Vereinigung mit dem dahingegangenen Gatten;\nGott wird seine Hand legen auf das Haupt der Kinder,\ndie man ihr geraubt; „Mache Du sie ihres Vaters werth!\"\nDas Bild der Heimat enthüllt sich der Seele: „Aus gold'-\nnem Nebel dämmernd steigt mein Vaterland, wie Silber-\nschwäne entführen Wolken mich und zeigen mir der El-\ntern Thräne um ihr fernes Kind!\" in höchster Ekstase\nruft sie aus:\n„Herr, lass' Deinen Segen thauen\nAuf meines Vaterlandes Auen!\"\nJetzt nahen sich die Armen schüchtern; einzelne Stim-\nmen erzählen nach einander und rühmen in leise klagen-\ndem Tone ihre Wohlthaten: die Hungrigen hat sie ge-\nspeist und getränkt, die Nackten bekleidet, die Verzagten\ngetröstet, die Kranken gepflegt und die verlassenen Todten\neingesegnet in geweihtem Grunde. Im ganzen Chor er-\nschallt ein banger Zweifel: „Wer wird sie ersetzen, wenn\nder Herr sie zu sich entbot? Aber auch vor Gottes Thron\nwird sie sich der Armen erbarmen in ihrem Gebete!\"\nElisabeth sinkt ermattet auf das Lager, doch nicht Erden-\nnacht, ein seliges Gefühl durchströmt die Brust; es heben\nweh'nde Schwingen leicht sie empor, als sollte schon der\nselige Flug beginnen zum ewigen Lichte! Sie sieht ver-\nklärt des Freundes Lichtgestalt, er ruft—sie kommt, und\nin die Vaterhände des Herrn, welcher sie zum sel'gen\nEnde geleitet, befiehlt sie ihren Geist. Ein geisterhaft ver-\nhallender Flötenhauch schildert den letzten Seufzer. Wie\naus himmlischen Höhen ertönt der Engelchor: „Die Hülle\nbleibt in Erdenruh', die Seele steigt als Unsersgleichen\nunsterblich reinem Lichte zu. Der Schmerz ist aus und\nHimmelsrosen sind entsprossen der qualerfüllten Dornen-\nau!\" Nur ein Harmonium begleitet den Gesang, erst am\nSchlüsse tritt das Streich-Quartett mit der Harfe hinzu,\num in den leisesten Arpeggien und Tremoli im eigent-\nlichsten Sinne des Wortes zu verduften.\nNach einem längeren Orchester-Zwischenspiele, worin\nder Componist durch Vorführung der Haupt-Motive ge-\nwisser Maassen eine Rundschau der bisherigen Situationen\nliefert, lässt nun der Dichter im Schlussbilde den Kaiser\nHeinrich 11. (?) (sollte wohl Friedrich 11. Heissen) auf-\ntreten. Mit seinem ganzen Hofe will er zur Gruft der Hei-\nligen wallen, um als letzte Huldigung die Königstochter\nzu Grabe zu tragen. Es ertönt ein Trauermarsch, dessen\nHaupt-Motiv der Armenchor der vorigen Nummer bildet;\nwährend es in rhythmischer Mannigfaltigkeit durchgeführt\nwird, singt der Chor in gehaltenen Noten: „Elisabeth, du\nHeilige, sei die Schützerin uns allen, die wir in Leid und\nTrübsal wallen; o, wolle segnend uns geleiten, dass wir\ndas ferne Ziel erreichen.\" Im echten Kirchentone erklingt\nnun zum Schlüsse von den Lippen der ungarischen und\ndeutschen Bischöfe die Apotheose der Heimgegangenen:\nNova, novis lux illuxit\nNova Stella, quam produxit\nNobilis Hungaria.\nIn vollster Begeisterung stürmt endlich die versam-\nmelte Menge mit, und brausend schliesst die bereits er-\nwähnte Melodie im hellen, prächtig glänzenden E-dur das\nGanze mit den Worten:\nTu pro nobis, mater pia,\nBoga Regem omnium,\nTJt post hoc exilium\nNobis det vera gaudia. Amen!\nDer Leser wird aus dem kurzen Auszuge ersehen,\ndass der Dichter dem Componisten prächtig vorgearbeitet\nhat, indem er ihm ausgezeichnet schöne und musicalisch"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "251", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650812-01.1.3", "texte": "dankbare Situationen lieferte, lyrische sowohl als drama-\ntische, und was für einen Liszt die Hauptsache war—\nvor allen Dingen auch religiöse. Diese hat denn auch\nder Componist mit der ihm eigerithümlichen Gluth der\nBegeisterung und des mystischen Versenkens erfasst und\ndemgemäss durch Töne illustrirt. Liszt hat, wie bereits\nmitgetheilt wurde, mehrere alte Melodieen für sein Werk\nbenutzt; dadurch erhielt dasselbe den nicht genug zu\nschätzenden Vorzug, dass es melodisch klarer und im Pe-\nriodenbau auch beim ersten Anhören verständlicher ist,\nals viele seiner grösseren Orchester-Dichtungen, zumal da\nnaturgemäss auch die eigenen Melodieen den gegebenen\nim Charakter und in der Form entsprechen mussten. Mit\ngrosser Meisterschaft sind sie dann harmonisch und rhyth-\nmisch behandelt, und so oft auch die eine oder andere\nhervortritt, so hat sie doch immer eine neue, der jedesma-\nligen Situation entsprechende Fassung. Freilich muthet\nder Componist dem bequemen Zuhörer häufig harmoni-\nsche Absonderlichkeiten zu; sein Ohr muss sich entschlies-\nsen, in unmittelbarer Aufeinanderfolge die verschiedensten\nTonarten aufzufassen, aber das ist nun einmal der Cha-\nrakterzug der Liszt'schen Muse: in Accord-Bildungen und\nFolgen duldet er keine der hergebrachten Schranken, und\nweiss dabei, dass der Zuhörer ihm folgen muss und am\nEnde auch sich daran gewöhnen wird. Unter den be-\nnutzten Melodieen ragt vor Allem die schon erwähnte\nfünfte Antiphonie in festo sanctae Elisabeth: „Quasi Stella\nmatutina\", hervor. Sie klingt rührend einfach, schwär-\nmerisch fromm, ist aber auch des höchsten begeisterten\nAufschwungs fähig; darum bildet sie das Motiv der ganzen\nOrchester-Einleitung, darum tritt sie überall mit der Eli-\nsabeth in den Vordergrund und zieht sich wie ein rother\nFaden durch das ganze Oratorium in den für die jewei-\nlige Situation passenden Tonarten, indem sie gleichzeitig\ndie wunderbarsten Contraste gewährt. Die zweite Melodie\nist ein altes ungarisches Kirchenlied: „Szent örsebet\naszszony eletirül\"; sie ist viel ernster gehalten, eine tiefe\nKlage spricht aus ihr und dabei fesselt sie durch ihren\neigentümlichen Rhythmus. Wir hören dieselbe, als die\nArmen an das Sterbelager der Heiligen eilen, als der Kai-\nser sich anschickt, den geweihten Leib in die Gruft zu\nsenken, und ihr gleichzeitiges Erklingen mit der vorigen\nist von der ergreifendsten Wirkung. Ferner benutzte Liszt\neine alte ungarische Volks-Melodie von festlichem und\nfeierlichem Charakter; mit ihr führt der Magnat die Kö-\nnigstochter auf die Wartburg, mit ihr huldigt das Volk\nder Fürstin, sie ertönt, als der Stolz der Königstochter der\nfinsteren Schwiegermutter gegenüber sich in ihr regt, als\nendlich dem Geiste der Sterbenden die Heimat erscheint.\nDie vierte grössere Melodie ist ein uraltes deutsches Pilger-\nLied aus der Zeit der Kreuzzüge: „Scböpler, Herr Jesu,\nSchöpfer aller Dinge!\" welches besonders in seinem zwei-\nten Theile von erschütternder Kraft isl; darum hat der\nComponist sie im zweiten Satze des Kreuzritter-Marsches\nverwendet, den wir, nebenbei gesagt, eine kolossale Num-\nmer nennen können; es ist darin ein harmonischer und\norchestraler Aufwand in der höchsten Potenz. Endlich hat\nder Componist auch in diesem Werke, wie schon in der\ngraner Messe, dem Schluss-Cbor der Dante-Sinfonie und\nin der „Hunnenscblacht\", die bekannte Intonation g, a, c\n(gregorianischer Gesang) als Motiv benutzt; in dieser Ton-\nfolge rufen die Kreuzritter ihr „Gott will es!\" Liszt selbst\nnennt es in einer Anmerkung ein „tonisches Symbol des\nKreuzes\".\nNach dem Eindrucke, den das Studium der Partitur\nauf uns gemacht hat, sind wir nun überzeugt, dass dieses\nWerk überall einen wahrhaft grossartigen Erfolg haben\nwird; um wie viel mehr muss es hier sein, in dem Vater-\nlande der „S 'zent Urzsebet\",hier, wo die belebende, ja,\nelectrisirende Hand seines Schöpfers der todten Partitur\nvolles, glühendes Leben einflössen wird.\nPetsb, den 1. August.\n\n— ϱ (P. Lloyd.)\n\nDie deutschen Orgelbauer.\n\nWenn die Kunst des Orgelbaues in unserem an Er-\nfindungen von Neuem und Vervollkommnungen des Alten\nso reichen Zeitalter nicht mit dem Aufschwünge des Ma-\nschinenwesens wetteifern kann, zumal da das letztere\nleichter Aufsehen erregt und sieht- und greifbarere Re-\nsultate liefert, so ist sie doch keineswegs hinter den Fort-\nschritten zurückgeblieben, welche der Bau musiealiseber\nInstrumente überhaupt in neuerer Zeit gemacht hat. Frei-\nlich erregten die Fortschritte in der Fabrication dieser\nletzteren, da sie mehr auf Erfindungen beruhten, wie z. B.\nbei allen Blech-Instrumenten und grossentheils auch bei\nden Ciavieren aller Art, lautere Anerkennung und leich-\ntere Verbreitung, als die Resultate der Bestrebungen der\nOrgelbauer, da ihr Tonwerkzeug an die Stelle, wo es auf-\ngebaut, gebunden ist, und dann auch, weil die Orgel in\nihren wesentlichsten Theilen und in ihrer Eigenthümlich-\nkeit im Grunde schon seit Jahrhunderten feste Gestalt\ngewonnen hat, und es sich bei ihr weniger um neue Er-\nfindungen, als um zweckmässige akustische und mechani-\nsche Verbesserungen und Vervollkommnungen handelt.\nWährend die Engländer besonders auf mechanische Ver-\nbesserungen bedacht waren, wohin z. B. Barker's Erfin-\ndung des pneumatischen Hebels gehört, die Franzosen\nmehr auf Erzeugung neuer Klangwirkungen ausgingen\nund darin, wiewohl im Allgemeinen der Orgelbau in\n\n[1"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "252", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650812-01.1.4", "texte": "Frankreich auch jetzt noch nicht auf der Höhe der Zeit\nsteht, im Einzelnen, z. B. durch Cavaille-Col, sehr Löb-\nliches leisteten, haben die deutschen Orgelbauer dahin ge-\nstrebt, das gute Alte mit demjenigen Neuen, das sich\npraktisch bewährte, zu vereinigen, oft aber auch das Neue\nnur als einen Sporn betrachtet, durch Vervollkommnung\ndes Alten dasselbe zu erreichen. Letzteres ist ihnen z. B.\nmit der Verbesserung der Spielart auch ohne Anwendung\ndes pneumatischen Apparates gelungen, denn die neuen\nOrgeln von Gebrüder Ibach in Barmen, J. F. Schulze's\nSöhne in Paulinzelle, Walker in Ludwigsburg und An-\nderen spielen sich mit derselben Leichtigkeit, als die Or-\ngeln von Merklin und Schütze, die wir übrigens auch\nzu den deutschen Orgelbauern rechnen müssen, obwohl\nsie ihre Etablissements in Brüssel und Paris haben. Was\naber die Intonation der Orgel im Ganzen, nicht bloss in\neinzelnen, mehr oder weniger gelungenen Stimmen, be-\ntrifft, so haben die Deutschen darin eine Stufe der Voll-\nkommenheit erreicht, welche ihnen zu hoher Ehre gereicht\nund auch vom Auslande auf entschiedene Weise aner-\nkannt wird. .\nSo haben die Ibach in Barmen für Spanien, die\nHavannah, Holland (neuerdings in Breda) und Belgien (in\nGent) bedeutende Aufträge ausgeführt, Schulze's Söhne\ndie grosse Orgel in Doncaster*) gebaut und in Folge des-\nsen noch einige andere in England, und Walker und\nBuchholz haben ihren wohlbegründeten Buf durch tüch-\ntige Werke auch über Deutschlands Gränzen hinaus ver-\nbreitet.\nIn der Rheinprovinz haben wir vor einiger Zeit ein\nWerk von J. F. Schulze's Söhnen kennen gelernt, wel-\nches von der Kunstverständigkeit und praktischen Tüch-\ntigkeit der Erbauer ein schönes Zeugniss gibt. Es ist dies\ndie neue Orgel in der grösseren evangelischen Kirche zu\nSolingen. Diese berühmte Fabrikstadt gehört auch zu\ndenjenigen, glücklicher Weise nicht seltenen, Städten von\nRheinland und Westfalen, welche den Beweis liefern, dass\ndie Industrie nicht bloss Geld zu erwerben, sondern es\nauch für das Gemeinwohl zu verwenden weiss, was dort\nin dem letzten Jahrzehend die Bauten eines Krankenhau-\nses, einer Bürgerschule, eines neuen Kirchthurmes, eines\nSchützenhauses und zuletzt einer neuen Orgel auf erfreu-\nliche Weise darthun.\nDie Orgel hat folgende Disposition:\nA. Hauptwerk.\n1. Principal 16 Fuss.\n2. Principal 8 Fuss.\n3. Bordun 16 Fuss.\n4. Gamba 8 Fuss.\n5. Gedackt 8 Fuss.\n6. Hohlllöte 8 Fuss.\n7. Octave 4 Fuss.\n8. Rohrflöte 4 Fuss.\n9. Quinte 22/3 Fuss.\n10. Cornet vierfach.\n11. Mixtur 2 Fuss, fünffach.\n12. Trompete 8 Fuss.\nB. Zweites Manual.\n13. Geigen-Principal 8 Fuss.\n14. Lieblich Gedackt 16 Fuss.\n15. Gerashorn 8 Fuss.\n16. Gedackt 8 Fuss.\n17. Principal 4 Fuss.\n18. Fluteharmon 4 Fuss.\n19. Nasard 22/3 Fuss.\n20. Flautino2 Fuss.\n21. Oboe 8 Fuss.\nC. Drittes Manual.\n22. Viola d'Amouß Fuss.\n23. Flauto amabß Fuss.\n24. Flauto dolceß Fuss.\n25. Coelestina 4 Fuss.\n26. Gedacktflöte 4 Fuss.\nPedal.\n27. Violon 16 Fuss.\n28. Violoncello 8 Fuss.\n29. Subbass 16 Fuss;\n30. Gedacktbass 8 Fuss.\n31. Posaune 16 Fuss.\n32. Trompete 8 Fuss.\n33. Quinte 102/3 Fuss.\n34. Quinte Fuss.\n35. Octavbass 8 Fuss.\n36. Octave 4 Fuss\nund die gewöhnlichen Nebenzüge.\nDie Manual-Claviaturen haben 54 Tasten von bis\ndreigestrichen f; die Pedal-Claviatur 27 Tasten von bis\neingestrichen d.\nGesammt-Preis 4200 Thlr., einschliesslich 100 Thlr.\nfür Verrückung und Verbreiterung des Gehäuses.\nDie Orgel zeichnet sich besonders durch den kräfti-\ngen Eindruck und die Tonfülle des vollen Werkes aus,\nwozu besonders der helle Klang der Principalstimmen in\nden Manualen und das ganze Pedal, namentlich die sechs-\nzehnfüssige Posaune und die achlfüssige Trompete, welche\nsehr gut ausgefallen sind, beitragen. Eben so wirken die\nRegister, welche die Holz-Blas-Instrumente repräsentiren,\nbei Ausfüllung der Harmonie und Verdoppelung der Stirn-\n\n*) Vergl. 1864, Nr. 30."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "253", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650812-01.1.5", "texte": "men im vollen Werke ganz befriedigend, während manche\nderselben einzeln genommen vielleicht etwas weicher und\nsympathischer klingen könnten und bei Combinationen\nderselben die Klangfarbe der Flöten dominirt, welche\nzwar von schönem Tone, aber doch in nur wenig verschie-\ndenen Nuancen ertönen. Jedoch soll damit kein eigent-\nlicher Tadel ausgesprochen werden, zumal bei der Bestim-\nmung der Orgel für die Kirche, wo das volle Werk die\nHauptsache ist, während bei einer Orgel für den Concert-\nsaal die Stimmen, welche den Uebergang des Geigentones\nder Principale zu dem Flötentone vermitteln und den Klang\nder Fagotte, Homer und Clarinetten im Orchester nach-\nzuahmen bestimmt sind, eine besondere Beachtung verdie-\nnen würden, wie wir sie recht gelungen bei den Orgeln\nvon Cavaille-Col und Ibach finden. Uebrigens ist bei sol-\nchen Vergleichen immer gar sehr zu berücksichtigen, über\nwelche Mittel der Meister bei der Anordnung der Dispo-\nsition und bei der Ausführung in Bezug auf das Material\nzu verfügen hatte; denn in dieser Hinsicht ist der Orgel-\nbauer schlimmer daran, wie jeder andere Instrumenten-\nmacher. Der Pianoforte-Fabricant baut seine Flügel, Pia-\nnino's und Claviere je nach seinem besten Wissen und\nKönnen und stellt seine fertige Arbeit dem Käufer zu\neinem Preise hin, den er im Verhältnisse zu den Selbst-\nkosten bestimmt. Der Orgelbauer muss sich aber nach\nder Decke strecken, deren Maass der Auftraggeber be-\nstimmt, und so finden wir denn häufig, wie wir es fast\nbei allen Revisionen selbst erfahren haben und auch in\nSolingen bei Schulze's Orgel wiederum bemerkten, dass\ndie Orgelbauer über die Disposition theilweise auf ihre\neigenen Kosten ihrem Werke zu Liebe hinausgehen.\nDie Arbeit an der Solinger Orgel ist überall sorgfältig\nund gewissenhaft ausgeführt, die Mechanik leicht spielbar,\ndie Ansprache prompt, die Windzuführung reichlich und4\ngeschickt bewerkstelligt. Die Revision, ausgeführt durch\nHerrn J. A. van Eyken, Haupt-Organisten zu Elberfeld,\nHerrn Franz Weber, königlichen Musik-Director und\nDom-Organisten in Köln, und den Unterzeichneten, ergab\ndaher für die Herren Gebrüder Schulze ein sehr ehren-\nvolles Zeugniss.\nZur Einweihung der Orgel fand ein Kirchen-Concert\nStatt, in welchem Herr van Eyken die Eigenschaften des\nneuen Instrumentes durch Vorträge von Compositionen\nvon J. S. Bach, Beethoven, Mendelssohn und einer eigenen\n(Variationen über das holländische Volkslied) mit bekann-\nter Meisterschaft ins Licht setzte. Eine Ueberraschung für\nuns war die Ausführung dreier Chöre: Haydn's „Die\nHimmel erzählen\", Mendelssohn's „Wie lieblich sind die\nBoten\" und Händel's „Halleluja\" durch die Damen und\nHerren der solinger Gesangvereine „Orpheus\" und „Sän-\ngerbund1\", unter Leitung ihres Dirigenten, Herrn Fried-\nrich Leubert; der präcise und gelungene Vortrag zeigte,\nwas musicalischer Sinn, Fleiss und gute Anleitung auch\nin kleinen Kreisen mit nicht zahlreichen Kräften zu leisten\nim Stande sind. Und es ist sehr unrecht, wenn Musiker\n\\on Fach auf solche Dilettanten- Vereine vornehm herab-\nsehen: es kommt dabei überall nur auf das Was und das\nWie, nicht auf die Menge der Theilnehmer an: gute\nMusik und mit Frnst und Liebe einstudirt, wird ihren\nbildenden und veredelnden Einfluss niemals verläugnen.\n\nL. Bisechoff.\n\nAus Wiesbaden.\n(Oper und Cursaal-C oncerte.)\nUnsere Bühnen-Verwaltung lässt es sich angelegen\nsein, theils durch Neueinstudiren älterer Opern, theils\ndurch Insceneselzung neuerer Werke das Publicum zu\nbefriedigen, welches freilich im Sommer die verschieden-\nsten Nationalitäten und Gesellschafts-Classen, mithin auch\ndie verschiedensten Geschmacksrichtungen in sich ver-\neinigt. Es war daher ein Wagniss, diesem Publicum neben\nder „Zauberflöte\" auch Gluck's „Iphigenie in Tauris\"\nvorzuführen; indess wurde doch das ehrenwerthe künst-\nlerische Streben bei drei Vorstellungen, wenn auch nicht\ndurch volle Häuser, doch durch ziemlich zahlreichen Be-\nsuch belohnt. Frau Bertram-Meyer führte die Haupt-\nrolle in Gesang und Darstellung mit anerkennenswerthem\nTalente durch, ihre Stimme ist jedoch in den hohen Tö-\nnen, in welchen sich die Partie bewegt, etwas scharf ge-\nworden und bedarf in dieser Tonregion einer sehr vor-\nsichtigen Behandlung. Neben dieser braven dramatischen\nSängerin ist Frau Brenner als Coloratursängerin wirk-\nsam, hat es aber nicht vermocht, sich den hiesigen Boden\nzu erobern. Warum nicht? Das wissen die Götter oder\nihre irdischen Stellvertreter hierselbst! Denn diese Dame\nverbindet mit einer schönen Stimme eine tüchtige techni-\nsche Ausbildung, die sich in jeder Art von Coloratur und\nim Triller offenbart. Dabei weiss sie sich sehr gut auf der\nBühne zu benehmen. Die Kenner zu befriedigen, wird\nihre Nachfolgerin, Fräulein Langlois vom Hoftheater zu\nKassel, die wir in ihren Gastrollen hörten, Mühe haben,\ndenn der Unterschied zwischen einer correcten und deut-\nlichen Coloratur und einer zum Theil verwischten und im\nTone ungleichen ist jedem Unparteiischen doch gar zu\nfühlbar. In den Herren Caffieri und Borchers besitzt\nunsere Bühne ein paar Tenoristen, von denen namentlich\nHerr Caffieri durch umfangreiche und volltönende Stimme"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "254", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650812-01.1.6", "texte": "ausgezeichnet wirkt; er und der vortreffliche Bariton Herr\nBertram sind ohne Zweifel die eigentlichen Stützen der\nhiesigen Oper. Freilich ist der tiefe, sonore Bass des Herrn\nKlein (Sarastro) heutzutage eine staunenswerthe Selten-\nheit: aber leider wird das Wohlgefallen daran durch das\nhäufige Detoniren gestört.\nVon neueren Opern ist Maillart's „Lara\", mit\nschöner Ausstattung in Scene gegangen, zwar in drei bis\nvier Vorstellungen zahlreich besucht gewesen, da diese in\ndie endlich beginnende Blüthe der Saison und der ab-\nund zuströmenden Vergnügungs-Reisenden fielen, hat aber\nin keiner derselben gezündet; kaum dass Herr Caffieri für\nseine Anstrengungen, der Titelrolle allgemeine Theilnahme\nzu gewinnen, eben so wie Frau Brenner für den Vortrag\nder eingelegten Triller-Arie aus Le pre aux Cleves per-\nsönlichen Beifall davon trugen. Bei der furchtbar lärmen-\nden Instrumentirung dieser Oper sind in dem kleinen\nTheater, wo das Orchester Alles überbraust, die Sänger\nzu bedauern; auch fehlt es im Orchester an Violinen, die\ndem so stark besetzten Blech die Wage halten könnten,\ndenn von den Streich-Instrumenten, so gut sie auch sind,\nhört man in den Tutti's ausser den Contrabässen fast nichts.\nDie Programme der Cursaal-Concerte bleiben wie\nimmer auf Virtuositäten und Namen berechnet, in deren\nWahl die Administration im Ganzen glücklich ist, freilich\nauch nicht ohne einzelne Missgriflfe. Bemerkenswerth war\ndas ausserordentliche Concert am 26. vorigen Monats zur\nNachfeier des herzoglichen Geburtsfestes. Das Programm\nbrachte Beethoven's Ouvertüre Op. 124, vom Theater-\nOrchester unter Direction des Herrn Capellmeisters Ha-\ngen gut ausgeführt, F. Hill er's Concert (Herr\nAlfred Ja eil), Violoncell-Concert von Piatti (von ihm\nselbst gespielt), Violin-Concert von Paganini (Herr Wil-\nhelmi drei ganze Concerte im Cursaale eine Sel-\ntenheit! Den grössten Erfolg hatte Jaell mit Hiller's\nConcert und mit zwei Salonstücken (deren eines eine Pa-\nraphrase des Choeur des Eveques aus der „Africanerin\");\nenthusiastischer Applaus und wiederholter Hervorruf folg-\nten hier, wie überall, seinen eminenten Leistungen. Aus-\nser diesen Instrumental-Virtuosen trug Fräulein von\nEdelsberg mit ihrer klangvollen Altstimme zwei Lieder\nund die Arie aus der „Favorite\" und der Tenorist Herr\nNachbauer aus Darmstadt Tamino's Arie und einige\nLieder mit Beifall vor. Herr Wilhelmi von hier schwingt\nsich immer mehr zum Range eines bedeutenden Violi-\nnisten empor: aber Paganini-Musik? was ist sie ohne\nPaganini?\n\nEin Concert von Alexander von Lazarew.\nDa unsere Musik-Zeitung einen Theil ihrer Aufgabe auch darin\nsieht, die Documente für die musicalischen Richtungen unserer Zeit\nden gegenwärtigen Lesern vorzulegen und den zukünftigen Freunden\nder Geschichte der Tonkunst im neunzehnten Jahrhundert aufzube-\nwahren, so theilen wir folgendes Concert-Programm seinem we-\nsentlichen Inhalte nach als charakteristisches Actenstück mit. Es\nkommt dabei nicht darauf an, dass das betreffende Concert bereits\nim vergangenen Winter gegeben wurde, sondern nur darauf, dass es\nwirklich im Jahre 1865 Statt fand, und zwar zu Berlin am 15.\nJanuar im Saale der Sing-Akademie, mit Unterstützung des königl.\nOpern-Chors und des königl. Opern-Orchesters. Sämmtliche Compo-\nsitionen sind von Herrn von Lazarew, der auch das ganze Concert\ndirigirte*\nErste Abtheilung.\nDie Schöpfung der Welt.\nOratorium für grosses Orchester.\n1. Erster Tag der Schöpf u n g. Maestoso : Die Macht Gottes.\nDer Geist Gottes schwebt auf der Tiefe. Die Stimme Gottes. Der\nWille Gottes. Grave Largo: Das Chaos und Gott sprach: „Es werde\nLicht!\" und es ward Licht. Andantino religioso: Hymnus der Mächte\ndes Himmels.\n2. Zweiter Tag der Schöpfung. Maestoso: Schöpfung der\nErde, von Gewässern umgeben. Gegenwart Gottes, von Erzengeln\nund Engeln getragen, und Gott sprach: „Es sammle sich das Wasser\nunter dem Himmel an besondere Oertor!\" Allegretto: Und es ge-\nschähe also. Forzando: Das Fluten des Wassers. Fianissimo in Blech-\nInstrumenten: fernes Echo. Meno (?): Ende der Schöpfung.\n3. Dritter Tag der Schöpfung. Andante: Scheidung der\nErde vom Wasser. Die Stimme Gottes: „Es lasse die Erde aufgehen\nGras und Kraut!\" Andantino Placido: Verkündigung des Willens\nGottes durch die Mächte des Himmels. Andantino: Das Aufgehen\nder Kräuter und der Bäume. Meno: Ende der Schöpfung.\n4. Vierter Tag der Schöpfung. Andante maestoso: Die\nGegenwart Gottes. Allegretto grazioso (Canoni): Der Lauf der Pla-\nneten. Aufgang der Sonne und des Mondes. Allegretto religioso :\nHymne. Die göttliche Macht. Meno: Das Ende der Schöpfung.\n5. Fünfter Tag der Schöpfung. 1. Hälfte. Maestoso: Die\nGegenwart Gottes, umgeben von den himmlischen Mächten.\nZweite Ab'th eilung.\n6. „Die Liebe\", Piece für Pianoforte.\n7. „Gruss an die Pr in zes sin\", Piece für Blech-Instrumente.\n8. „Der erste Kuss der Liebe\", Piece für Pianoforte und\nSaiten-Instrumente.\n9. „Gruss an England.\" Gesang-Solo und Orchester.\n10. Psalm 1.16, Vers 13: „Ich will den heilsamen Kelch neh-\nmen und des Herrn Namen predigen. Halleluja!\" Für Gesang (vier-\nstimmig), Sopran, Alt, Tenor, Bass (Soli).\n11. „Axion estin\" (Text griechisch), Chor.\nDritte Abt h eilung.\n. «-\nDas jüngste Gerieht.\nZum ersten Male ctffiop-let mit allen Soli und Chören.\nOratorium (Text deutsch), Soli, Chor und grosses Orchester.\nMusicalischer Ausdruck folgender Momente:\n12. Oratorium Nr. 1. Andante moderato und Allegretto: In-\ntroduetion. Andaritino: Chor der Alten und Jünglinge im Heiligen-\nscheine. Allegretto: Die Stimme der Alten und der Chor derselben,\nbegleitet von entferntem Dämonengelächter. Andante und Allegretto\nreligioso: Das Gebet der Sünderin und die Stimme des Alten, Chor\nder Alten und der Engel. Andantino religioso placido (Quintett):\nGebet. Andante: Gebet der Sünder, Stimme des Alten und Chor der\nAlten. Allegretto agitato: Gebet der Sünderin. Andante: der Him-\nmel verwirft ihr Gebet. Allegretto: Gebet und Chor."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "255", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650812-01.1.7", "texte": "]3) Oratorium Nr. 2. Andante moderato: Die Gegenwart\nGottes, umgeben von den himmlischen Mächten. A tempo di Mar-\nda: Auftritt der himmlischen Heerscharen. Allegretto: Gebet der\nSünderin, vom Himmel verworfen. Allegretto religioso: Chor der Al-\nten und Jünglinge im Heiligenscheine, welche den Lobgesang Gottes\nim Himmel erklingen lassen. Andante religioso: Quintett und Chor,\nLobgesang der Himmelsbewohner. Allegro brioso: Die Erde thut\nsich auf, die Gräber fallen aus einander, die Todten erheben sich.\nAndante religioso (Quintett und Chor): Das Gebet der Völker zu\n• K\ndem Herrn der Heerscharen. Andantino: Stimme der Erzengel. A\ntempo di Marcia: Der *Lobgesang der himmlischen Heerscharen.\nAllegretto agitato und Dleno: Gebtst der Sünderin, vom Himmel ver-\nworfen, und Chor der Alten und Jünglinge ; Lobgesang der Him-\nmelsbewohner.\n14. Oratorium Nr. 3. Maestoso: Die Stimme Gottes erschallt\nin den Himmeln, es hören andächtig zu die Mächte des Himmels,\nEngel, Erzengel, Cherubim und Seraphim; es freuen sich die Ge-\nrechten und zittern die Sünder. Largo: Posaunenschall. Adagio pla-\ncido: Gebet der Sünder. Piu largo: Posaunenschall, Stimme der\nVorsehung. Quartett, Adagio: Gebet der Sünder, vom Himmel ver-\nworfen. Allegretto und A tempo di Marcia: Engel, Erzengel und\nalle himmlischen Mächte fordern die Menschen vor das Gericht, und\ndie Menschen treten vor das Gericht; Erscheinung Gottes. Adagio\nreligioso (Quartett): Das Gericht der Gerechten. Maestoso: Verflu-\nchung der Sünder. Presto brioso: Die Dämonen führen die Sünder\nin das ewige Feuer. Allegretto religioso; Largo Allegretto und An-\ndante: Das letzte Gebet der Sünder, Duett und Chor.\n15. Miserere (Text italiänisch), dem Maestro Rossini gewid-\nmet. Soli, Chor und grosses Orchester.\nEingehender Betrachtungen über dieses Programm bedarf es\nnicht. Nur Eines wollen wir noch erwähnen, dass zur Zeit der Auf-\nführung gedruckt zu lesen gewesen sein soll: „Da Haydn's Schö-\npfung sich überlebt?* habe, so sei der Gedanke, das grosse Welt-\nMysterium durch die Welt der Töne vor die Phantasie zu führen,\neben so neu als originel.\" Dagegen lässt sich nichts sagen »ein\nOratorium für Orchester\", das ist noch nicht da gewesen! Zur\nErgänzung noch „das jüngste Gericht\" und der Rath des Thea-\nter-Directors im Prolog zum Faust ist befolgt:\n„So schreitet denn -\nDen ganzen Kreis der Schöpfung aus,\nUnd wandelt mit bedächt'ger Schnelle\nVom Himmel durch die Welt zur Hölle.\"\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nFräulein Adele Kinkel, eine Tochter des Dichters, wird dem-\nnächst eine Kunstreise nach Deutschland antreten. Die grosse mu-\nsicalische Begabung ihrer Mutter hat sich auf sie vererbt, und bei\nihrem jetzt erfolgten Ausscheiden aus der londoner musicalischen\nAkademie hat sie den ersten Preis für Composition, die silberne\nMedaille, davongetragen, deren nur zwei in jedem Jahre vergeben\nwerden.\nZu Wiesbaden wird Litolff am 25. August ein grosses Con-\ncert veranstalten, dessen Ertrag auch, wie das Concert des kölner\nMänner-Gesangvereins, zum Ausbau der Thürme der katholischen\nKirche bestimmt ist. Fräulein Lichtmay und der Violinist Lotto\nwerden mitwirken. Den Männerchor sollen die Choristen vom Thea-\nter in Wiesbaden und die Studenten-Liedertafel von Lüttich bilden.\nDer leipziger „Zollnerbund\" hat seinem Dirigenten Dr. Langer\nbei Gelegenheit seines Geburtstages, unter A eranstaltung einer grös-\nseren Festlichkeit, in Anerkennung seiner langjährigen Verdienste\num den Männergesang eine Lebensversicherungs-Prämie von 5000\nriilin. überreicht eine viel vernünftigere, praktischere Aufmerk-\nsamkeit, als alle Poeale, Lorberkränze, Tactstöcke u. s. w.\nBenedix, der fruchtbare Lustspieldichter, hat wieder ein drei-\nactiges Stück: „Die zärtlichen Verwandten\", zur Versendung vor-\nbereitet.\njfliaiielieii« Das hiesige Conservatorium für Musik hört mit\ndem 1. August d. J. auf, in seiner bisherigen Gestalt zu bestehen,\nund es wird nun zur Reorganisation desselben geschritten werden\nnach dem Plane, der von einer hierzu gewählten Commission nach\nden Vorschlägen R. Wagner's ausgearbeitet worden ist. Ueber die\ndarauf bezüglichen Berathungen und Beschlüsse theilte die ..Bayeri-\nsche ZeitungI*'1*' unlängst Folgendes mit: „Von einer Reducirung der\nAnstalt aut eine blosse Gesangschule wurde Umgang genommen und\nvielmehr die Ansicht zur Geltung gebracht, dass die bestehende An-\nstalt aufrecht zu erhalten, aber von Grund aus zu reformiren sei.\nDas Conservatorium ist Staatsanstalt und aus Staatsmitteln dotirt,\nes soll daher nicht ein Conglomerat von einzelnen Musikstunden\nsein, um junge Leute im Geigen, Singen, Ciavierspielen u. s. w. zu\nunterrichten, was der Privat-Betriebsamkeit anbeim gestellt wird,\nsondern der Staat soll bei der Musik, wie ganz ähnlich bei der bil-\ndenden Kunst, borge tragen, dass eine organische, künstlerisch-wis-\nsenschaftliche Gesammtbildung auch dem praktischen Tonkünstler\ndurch eine höhere Unterrichts-Anstalt dargeboten werde, weil es die\n1 rivatlehrer eben nicht zu einem solchen planvollen Zusammenwir-\nken der» verschiedensten Kräfte bringen können. Das Conservatorium\nhat demnach auch die praktische Aufgabe, nicht nur tüchtige Künst-\nler lür 1 heater und Concert, sondern auch einen ausgezeichneten\nStamm von Musiklehrern, von Dirigenten für die Vereine, von guten\nOrganisten und Chorsängern für die Kirche heranzubilden und somit\nbefruchtend auf das musicalische Volksleben des ganzen Landes zu\nwirken.\" [lst das denn etwas Anderes, als was jedes wirkliche\nConservatorium zum Zwecke hat?] Die ganze Anstalt soll daher\nnach den beabsichtigten Erweiterungen des Organismus in drei\nSchulen zerfallen. 1) Gesangschule: obligatorisch die Chor-\ngesangschule; Specialfächer: Sologesang, dramatischer Vortrag und\ntheatralische Darstellung. 2) Instrumentalschule: obligatorisch\nder elementare Clavier-Unterricht; Specialfächer: Ciavier, Violine,\nViola, Violoncell in der höheren Ausbildung für den Künstler- und\nLehrberuf, Orgel mit Studium des Orgelbaues für die kirchlichen\nBedürfnisse, wie für den Concert-Vortrag. 3) Theoretische\nSchule: a) Harmonielehre (obligatorisch), Contrapunkt, Formen-\nlehre und Instrumentation; b) Geschichte der Musik (obligatorisch\nallgemeine Geschichte der Musik); Specialfächer: Geschichte der\nGesangmusik und Geschichte der Instrumentalmusik. Das gesammte\nLehrer-Personal soll im Allgemeinen besser honorirt werden, als es\nbisher geschehen konnte, namentlich aber die vier Hauptlehrer so\ngestellt werden, dass sie ihr Lehramt am Conservatorium als ihren\nHauptberuf erfassen können und sollen. Dem bisherigen provisori-\nschen Vorstande, Herrn Priesterhaus-Director Nissl, wurde für seine\numsichtige Besorgung der Directorial-Geschäfte während des ganzen\nSchuljahres von Seiten des Cultus-Ministeriums besondere Anerken-\nnung ausgesprochen.\nWien. Die zweite Gastrolle des Dr. Gunz als Arnold im\n„Teil\" hat die Vorzüge, die sich gelegentlich des ersten Auftretens\nder Würdigung empfohlen hatten, bewährt: correcten musicalischen\nVortrag, reine Intonation, deutliche Aussprache und hübsche Reprä-\nsentation ; allein in Bezug auf Energie und dramatisches Feuer blieb"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "256", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650812-01.1.8", "texte": "er an mancher Stelle hinter seiner Aufgabe zurück. Das erste Duett\n(mit Teil) brachte, ungeachtet er die Wiederholung des Satzes: „0\nMathilde\", in As sang, die erwartete Wirkung nicht hervor, was\nzum Theil am Vortrage lag, theilweise aber auch in der der Stei-\ngerung des Effectes einträglichen Behandlung der Register seinen\nGrund hatte. Herr Gunz hat die Gewohnheit, die Mittellage gröss-\ntenteils offen zu nehmen, um eine kräftige, helle Tonentwick-\nlung zu gewinnen. Gegen diese Tonfarbe nahmen sich aber die\nhohen Noten auffallend matt aus, was nicht der Fall gewesen wäre,\nwenn der Sänger sich vorwiegend des gedeckten Ansatzes bedient\nhätte. Gelungener gestalteten sich die lyrischen Partieen des zweiten\nActes, und sowohl im Duette mit Mathilde, wie im Terzette über-\nwogen die mit schöner Empfindung zum Ausdruck gebrachten Stel-\nlen. Der Beifall, den Herr Gunz nach diesen beiden Nummern ärn-\ntete, war ein lebhafter und verdienter. Musterhaft war Fräulein\nKrauss als Mathilde, vorzüglich Herr Meyerh ofer als Melch-\nthal, sehr anmuthig die Fräulein Tellheim und Bettel heim.\nDer Teil des Herrn Bignio verhält sich zu jenem Beck's wie\neine Photographie zu einer kolossalen Statue.\nDer Bass-Buffo Herr Behr hat sein Gastspiel am Hof-Opern-\ntheater als Bürgermeister in Lortzing's „Czaar und Zimmermann\"\nbegonnen.\nAm 1. August fand das erste „Symphonie-Concert\" des Herrn\nCarlberg mit seiner aus fünfzig Köpfen bestehenden Musik-Capelle\nim Blumensaale der Gartenbau-Gesellschaft Statt. Der Anfang war\num 7 Uhr, der Eintrittspreis 30 Kr. Zur Aufführung gelangten die\nSinfonieen in Es von Haydn und in A-moll von Mendelssohn, die\nOuvertüren zu „Euryanthe\" von Weber und zu „Fidelio\" von Beet-\nhoven, die Polonaise aus Meyerbeer's „Struensee\" und ein „Nacht-\ngesang\" für Streich-Instrumente von Jean Vogt.\nDer König von Italien hat den Violin-Virtuosen Jean Becker\nfür die Widmung eines Violin-Concertes mit einer kostbaren Brillant-\nnadel beschenkt.\nPüjris* Anton Rubinstein hat in einer Soiree bei Ros-\nsini Samstag den 29. Juli gespielt.\nFräulein Licbtmay ist in der grossen Oper in Paris als Va-\nlentine in den „Hugenotten\" mit günstigem Erfolge aufgetreten.\nDie Orchester-Mitglieder der grossen Oper in Paris haben in\neiner ausführlich motivirten Eingabe von der Direction Erhöhung\nihrer wirklich gar zu kärglichen Gagen verlangt. Diese von ihnen\nverlangte Erhöhung soll sich für das Jahr auf eine Summe von\nnahe an 65,000 Fr. belaufen. Ein einzelner Sänger wurde nicht\nselten schon theurer bezahlt. (Ein Künstler-Strike!)"}]}