{"numero_id": "bm-bmtnabi-1865-09-09-01", "volume": "bmtnabi_1865-09-09_01", "ocr_sha256": "3f5ed3b2681c41966e2b63cf2152a5e46b8d5fe8f3f510defcaf8129ea7a541a", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1865/09/09_01/bmtnabi_1865-09-09_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650909-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1865-09-09-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-09-09_01#c001", "volume": "bmtnabi_1865-09-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "381", "page_fin": "381", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650909-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "381", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650909-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 470, "texte": "Inhalt.\nDie Form des ersten Satzes der Sonate. (Schluss.) Drittes Concert des rheinischen Sängervereins in Crefeld am 27.\nx/\nAugust 1865. Aus Wiesbaden (Litolff's Concert Abschiedsfest für Capellmeister J. B. Hagen). Anzeige (Franz Derckum,\nSonate für Pianoforte und Violine, Op. 13 Sonate eben so, Op. 14. Tages- und Unterhaltungsblatt (Hannover, Hoftheater,\nHof-Capellmeister Jean Bott Fräulein Marlow Wien, Aufführung von „Die Eselshautu Beckmann Otto Bach u. s. w.)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-09-09-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-09-09_01#c002", "volume": "bmtnabi_1865-09-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "381", "page_fin": "383", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650909-01.2.2", "titre_corps": "Die Form des ersten Satzes der Sonate.", "titre_sommaire": "Die Form des ersten Satzes der Sonate.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "381", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650909-01.1.1", "debut_caractere": 472, "fin_caractere_exclue": 4363, "texte": "Die Form des ersten Satzes der Sonate.\n(Schluss. S. Nr. 35 )\nb.Der zweite Theil, Mittelsalz oder Durch-\nführung genannt, besteht aus einer ausgedehnten, in\ngrossen Werken sehr mannigfach zusammengesetzten Pe-\nriodengruppe, in welcher der Themen- und Motiv-Stoff\ndes ersten Theiles themalisch verarbeitet wird. Unter the-\nmatischer Arbeit versteht man die Kunst, ein gegebenes\nMotiv derart zu einer selbständigen musicalischen Gestal-\ntung zu entwickeln, dass diese zwar als etwas Neues da-\nsteht, ohne jedoch ihren Zusammenhang mit dem ur-\nsprünglichen Grundstoffe, aus dem sie entstanden, verken-\nnen zu lassen. Indem dieser Mittelsatz in umfänglichen\nSonaten, namentlich aber in Quartetten und Symphonieen,\noft eine beträchtliche Anzahl Perioden umfasst, ist einer-\nseits der Ausübung der Kunst des Themalisirens ein wei-\ntes Feld geöffnet, andererseits aber auch für den Compo-\nnisten die Voraussetzung gegeben, dass er dieser Kunst,\neinen Gedanken einheitlich und mannigfaltig auszugestal-\nten, vollkommen mächtig sei. Dass hierbei nicht Kunst-\nfertigkeit für sich allein herrschen darf, sondern jederzeit,\neben so gut wie in der freien Erfindung, im Dienste der\nPhantasie und des künstlerischen Gefühls stehen muss,\nwenn nicht etwas bei aller Glätte und geschickten Füh-\nrung Inhaltsleeres zu Stande kommen soll, versteht sich\nvon selbst. Und man darf nur die Mittelsätze cyklischer\nFormen Beethoven's und anderer grossen Componisten\nansehen, um leicht zu der Ueberzeugung zu gelangen, dass\ndieser Mittelsatz eigentlich der interessanteste und bedeu-\ntungsvollste Theil*) des ganzen ersten Satzes ist. Der Pe-\nriodenbau zeigt hier die mannigfaltigsten Gliederungen;\ngedehntere und gedrängtere Bildungen, fest geschlossene,\neinander ein bestimmtes Gleichgewicht haltende Sätze\nwechseln ab mit in einander überlliessenden gangartigen\nund herumschweifenden, gewisser Maassen noch nicht zur\nConcentration gelangten Formationen, so dass die ganze\nTonbewegung analog erscheint dem sich hebenden und\nsenkenden Wellenschlage, den vorwärts drängenden oder\naus erlangter Ruhe wiederum von Neuem sich erhebenden\nBewegungen eines durch bestimmte Empfindungen erreg-\nten Gefühls. Die Modulation innerhalb der Durchfüh-\nrung ist völlig frei, geht oft ohne lange Vorbereitung, oder\ngar ganz plötzlich, in entfernte Tonarten über, um diese\nalsbald mit wiederum neuen zu vertauschen. Dass solches,\nwie überall, so auch hier, nach den Gesetzen richtiger und\nnatürlicher Harmonie-Verbindung geschehen muss, bedarf\nkeiner Erinnerung. Die beiden Haupt-Tonarten des ersten\nTheiles, also Tonica und Dominant- oder\nTonart, sollen aber von der Durchführung ausgeschlossen\nbleiben, unbedingt wenigstens die Tonica, denn sie gehört\nzu den tonlichen Charakterismen des Haupt-Thema's, darf\ndesshalb nicht abgenutzt werden, damit sie in der Repe-\ntition mit dem Haupt-Thema wieder um so frischer ein-\ntrete. Gegen das Ende der Durchführung wendet sich die\nModulation zur Halb-Cadenz auf der Dominante, vermit-\ntels deren die Repetition des ersten Theiles vorbereitet\nwird; wird hierbei die Tonica etwa noch kurz vor Eintri\ndes Haupt-Thema's berührt, so geschieht es nur auf dem\nBasse der Dominante (als Quartsext-Accord), oder in\nSätzen als Moll- Accord, um eben die tonliche Wirkung\nihres Wiedereintrittes nicht zu schwächen. Ein Schema\nlässt sich für diesen Mittelsatz selbstverständlich nicht\ngeben, denn bei seiner ganzen Organisation ist dem Ton-\nsetzer im Uebrigen völlig freie Hand gelassen.\ny c.Der dritte Theil, die Repetition, ist die Wie-\nderholung des ersten Theiles, doch nicht in ganz unverän-\n\n*) Der „interessanteste\", ja; der „bedeutungsvollste\" bleibt für\nden Inhalt des Ganzen immer der erste Theil des ganzen Satzes.\nFür die Erkenntniss des Genies des Componisten aber ist die\nDurchführung der eigentliche Barometer, und in so fern ist sie\nder bedeutendste Theil des ersten Satzes. Die Redaction."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "382", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650909-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5094, "texte": "derter Gestalt. Der Begriff der Repetition hat in unserer\nmodernen Sonate eine von dem in der alten Arie gelten-\nden etwas abweichende Bedeutung angenommen. In der\nälteren Arie ist die Repetition genaue Wiederholung des\nersten Theiles; es kam darauf an, den Mittelsatz so anzu-\nlegen und zu lenken, dass er genaue Wiederkehr des er-\nsten Theiles mit Nothwendigkeit forderte, der alsdann eine\nim Verhältnisse zu seinem ersten Auftreten noch erhöhte\nWirkung machte. In der Instrumental-Musik und beson-\nders in der modernen Sonate und Symphonie (auch schon\nin der neueren Arie) aber pflegt die Repetition vom ersten\nTheile in mancher Hinsicht abzuweichen; die Haupttheile,\nalso erstes und zweites Thema, Uebergang und Schluss-\ngruppe, treten allerdings wieder auf und, mit sehr seltenen\nAusnahmen (eigentlich nur zuweilen in der grossen Ouver-\ntüre), auch in derselben Reibenfolge. Die Form-Umrisse\nsind also dieselben, folglich die Umbildungen mehr inne-\nrer Art; erstens bestehen sie in kürzerer und strafferer\nZusammenfassung der Tongedanken; ihrem Begriffe,\ngleichsam als Resultat der gesammten Entwicklung im\nganzen Satze, zufolge gibt die Repetition einzelne Theile\n(z. B. den Uebergang, auch das erste und zweite Thema)\ngemeinhin concentrirter, prägt dafür aber Alles möglichst\nbestimmt aus, so dass der Hauptinhalt des Satzes um so\nfester zusammengeschlossen erscheint und um so kräftiger\nhervortritt. Die Schlussgruppe hingegen wird nicht selten\nnoch erweitert, indem vor dem wirklichen Schlüsse als-\ndann noch Anklänge, gewöhnlich an das erste, mitunter\nauch an das zweite Thema auftreten (die Reminiscenz\ngenannt), woraul dann erst der eigentliche Schluss erfolgt,\ndem zuweilen noch ein neues, bekräftigendes Motiv ange-\nfügt wird. Dessgleichen werden Begleitung, Harmonisi-\nrung und bei Orchestersätzen jederzeit die Instrumentirung\ngeändert. Die einzelnen Mittel dieser ganzen inneren Um-\ngestaltung lassen sich hier nicht im Einzelnen angeben,\nsondern es kann nur angedeutet werden, dass die Repe-\ntition die Gefühls- und Tonbewegung des ganzen Satzes,\nje nach Absicht des Tonsetzers, entweder in Steigerung\noder Beruhigung zum Abschlüsse zu bringen hat. Manche\nComponisten der Gegenwart suchen die Verworrenheit\nihrer Tonsätze, in denen ein neuer Gedanke den anderen\nverdrängt, ohne aus ihm hervorzugehen, nicht mit ihrer\nUnfähigkeit, einen musicalischen Gedanken zu entwickeln,\nzu rechtfertigen, sondern damit, dass sie sagen, in der\nMusik dürfe ein Gedanke überhaupt nicht wiederholt wer-\nden. Dieser unrichtigen Ansicht redet also die Forderung\neiner abgeänderten Repetition in der Sonate keineswegs\ndas Wort; es ist etwas ganz Anderes, ein neues Tonbild\nauf das andere häufen, als durch verschiedene Modifica-\ntionen des Colorits, der Schattirung, Betonung und forma-\nlen Bildung eines und desselben Tonbildes ein und dasselbe\nGrundgefühl zu entweder verstärktem oder beruhigtem\nAusdrucke zu bringen. Die in der Repetition vorherr-\nschende Tonart ist die Tonica mit ihrer leitereigenen Mo-\ndulation, verschieden vom ersten Theile, in dem sie nur\nder Haupt-Thema-Gruppe zu Grunde lag; zweites Thema\nund Schlussgruppe stehen ebenfalls in der Tonica, nicht\nmehr in der Dominant-Tonart oder Parallele, die\nCadenz des Ueberganges ist ein Halbschluss auf der Do-\nminante der Haupt-Tonart. / Der letzte Schluss des Satzes\nerfolgt natürlich auf der Tonica (nicht selten mit voran-\ngehendem Trugschlüsse) und ist der einzige im ganzen\nSonatensatze vorkommende, breit ausgeführte, vollkom-\nmene tonische Ganzschluss. Tritt der tonische Ganzschluss\nim Verlaufe des Satzes auf, was mit Ausnahme des Haupt-\nThemaschlusses und der Cadenzen in der ganz in der To-\nnica stehenden Repetition eigentlich gar nicht geschehen\nsoll, so soll er wenigstens nicht andauern, sondern bald\nvorübergehen, indem sonst die Tonbewegung zu entschie-\nden unterbrochen wird. Nachstehend ein Schema des er-\nsten Sonatensatzes:\nErster Satz:\nErster TheiL Mittelsatz.\nHaupt- Ueber- Zweites Schluss- Thematische Verarbeitung der\nThema- gang. Thema, gruppe. Motive des ersten\ngruppe. Theilos.\nTonica. Modula- Dominant- oder Freie Modulation. Rückkehr in\ntion in Parallel-Z>itr- die Tonica.\ndie Tonart.\nRepetition.\n, * .\nHaupt- Ueber- Zweites Schlussgruppe.\nThema- gang. Thema. Reminiscenz,\ngruppe. Schluss.\nv —^'\nHerrschaft der Tonica.\nEine Gattung von Tonwerken besteht aus diesem er-\nsten Sonatensatze allein, die Ouvertüre nämlich, d. h.\ndie in wirklicher Kunstform ausgebildete, nicht die aus\nverschiedenen Melodieen nur an einander gereihte Opern-\nEinleitung. Nur in einem Punkte unterscheidet sie sich\nvom Sonatensatze: der erste Theil wird bei der Ouvertüre\nnicht zwei Mal gespielt, sondern nur ein Mal, und geht\ndann gleich in die Durchführung über.\nIn der Sonate tritt an Stelle der hier beschriebenen\nForm des ersten Satzes hin und wieder ein Thema mit\nVariationen, in der Symphonie nicht. Hingegen geht in\nder letzteren (sehr selten in der Sonate), auch im Streich-\nQuartette, dem ersten Satze häufig ein\nd. Einleitungssatz von langsamer Bewegung vor-\naus. In manchen Fällen ist er nur ganz kurz, etwa eine"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "383", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650909-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 631, "texte": "Doppel-Periode oder etwas darüber, in anderen ausge-\ndehnter, 24, 36 und mehr Tacte, aus einem Hauptge-\ndanken entwickelt, dem zuweilen auch noch ein unterge-\nordnetes zweites Motiv sich entgegensetzt. Meist haben\ndiese Einleitungen einen ernsten, spannenden, auch wohl\nfeierlichen Charakter, um Aufmerksamkeit und Spannung\nauf das Kommende zu erwecken. Sie stehen in der Haupt-\nTonart, doch häufig in Moll,wenn auch das ganze Ton-\nstück in Dur steht; die Modulation ist frei und nicht sel-\nten sogar ziemlich reich und bewegt, die Tonica wirkt\nalsdann mit Eintritt des Haupt-Thema's des ersten Satzes\num so frischer und kräftiger."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-09-09-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-09-09_01#c003", "volume": "bmtnabi_1865-09-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "383", "page_fin": "385", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650909-01.2.3", "titre_corps": "Drittes Concert des rheinischen Sängervereins in Crefeld am 27. August 1865.", "titre_sommaire": "Drittes Concert des rheinischen Sängervereins in Crefeld am 27. August 1865.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "383", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650909-01.1.3", "debut_caractere": 633, "fin_caractere_exclue": 5087, "texte": "Drittes Concert des rheinischen Sängervereins in\nCrefeld am 27. August 1865.\nWir werden uns wohl wahren, diesem Berichte die\nUeberschrift „Sängerfest\" zu geben, denn alsdann möchte\ner in dem „Lande der täglichen Feste\", wie ein englisches\nBlatt unser jetziges Deutschland nennt, nur Wenige fin-\nden, die ihn nicht sogleich bei Seite legten. Und das sollte\nuns wegen des schönen Kunstgenusses, der uns geworden,\nund wegen der neuen Werke rheinischer Componisten,\nderen Aufführung ihn hauptsächlich gewährte, leid thun.\nDie Stadt Crefeld veranstaltete das Concert am 27.\nAugust als diesjähriger Vorort des rheinischen Sän-\ngervereins, welcher die fünf ältesten und in künstleri-\nscher Hinsicht gediegensten Gesellschaften für Männerge-\nsang am Niederrheine umfasst: den kölner Männer-Ge-\nsangverein, die aachener und crefelder Liedertafel, die\nbonner Concordia und den neusser Männer-Gesangverein.\nDie elberfelder Liedertafel, bei der Stiftung des Vereins\nmit betbeiligt, hat sich, wie es scheint, wieder zurückge-\nzogen, wenigstens war sie in Crefeld nicht vertreten.\nDieser Kranz von gebildeten Liederfreunden gibt jähr-\nlich nur ein Concert an dem jedes Mal nach freier Reihen-\nfolge voraus bestimmten Vororte. Das erste fand 1863 in\nKöln, das zweite 1864 in Aachen und jetzt das dritte in\nCrefeld Statt. Diese Concerte haben die Bestimmung, der\nVerflachung und Ausartung des Männergesanges in Bän-\nkelsängerei entgegen zu treten und den Beweis zu liefern,\ndass das Streben des Vereins ein rein künstlerisches ist,\nbei welchem nicht nur den Programmen alles Gewöhn-\nliche, Triviale und bis zum Ueberdrusse Abgeleierte fern\nbleibt und dagegen hauptsächlich grössere Compositionen\nmit Orchesterbegleitung ihre Stelle darin finden, sondern\nauch das äussere Resultat der Kunst gewidmet wird, in-\ndem der Ueberschuss des Ertrages zu Preis-Erlhei-\nlungen an Componisten von Werken für Soli jeder Art\n(also auch für Frauenstimmen), Männerchor und Or-\nchester bestimmt ist.\nDie jährliche Zusammenkunft der fünf verbündeten\nGesangvereine setzt also das Festliche derselben nicht in\nAeusserlichkeiten, sondern in den künstlerischen Zweck,\nund es ist dann ein wirkliches Fest, das die Sänger den\nZuhörern und sich selbst bereiten, wenn dieser Zweck\ndurch Wahl trefflicher Werke und Auslührungen, die als\nResultate ernster Studien und echt musicalischen Sinnes\nerscheinen, erreicht wird. Alsdann wird die geistige Wech-\nselwirkung zwischen Sänger- und Zuhörerschaft eine ganz\nanders festliche Stimmung erzeugen, als Fahnen und Auf-\nzüge und Kränze und Seidel im Gedränge von Tausenden\nzu bewirken vermögen.\nDas hat sich denn auch wieder bei dem dritten Feste\ndes Vereins in Crefeld am 27. August vollkommen bewährt.\nDie dortige Centralhalle, von hübschen Garten-Anlagen\numgeben, bietet ein geräumiges und akustisch nicht un-\ngünstiges Concert-Local dar. Die Zahl der Ausführenden\nüberstieg nicht drei Hundert, von denen 54 das Orchester\nbildeten —im Ganzen ein in gutem Stimmen-Verhältnisse\nerscheinendes und hinlängliches Personal, um der Klang-\nfülle und Kraft gerecht zu werden, ohne durch übergrosse\nMenge die Präcision und Feinheit der Ausführung zu be-\neinträchtigen. Dieses letztere zeigte sich besonders bei dem\nVortrage der zwei Lieder, welche die Gesammtheit ohne\nOrchester sang: Mendelssohn's „Sommerlied\" und Schü-\n„Lotosblume\", von denen Schumann's Lied, ob-\nschon gewiss nicht für einen so grossen Chor geschrieben,\ndennoch so gut gesungen wurde, dass das Publicum stür-\nmisch dessen Wiederholung begehrte. Der Saal war ganz\ngefüllt, besonders auch das schöne Geschlecht glänzend\nvertreten. Unter den auswärtigen Männern vom Fach be-\nmerkten wir Capellmeister Hiller ans Köln, Capellmei-\nster Dieterich aus Oldenburg, Concertmeister Wenig-\nmann aus Aachen u. s. w.\nAlle Gesammt-Aufführungen dirigirle Herr Max\nBruch, mit Ausnahme der Cantate von Joseph Bram-\nbach, welche der Componist selbst leitete.\nSpontini's Ouvertüre zur „Olympia\" eröffnete das\nConcert. Das geniale Werk, in der guten älteren Form\ngeschrieben, welche, wie bei Gluck und Mozart, den Geist\nder folgenden Opernmusik repräsentirt, ohne deren Mo-\ntive zu benutzen, wurde recht feurig ausgeführt.\nVon Vocalwerken mit Orchester brachte das Pro-\ngramm: „Dithyrambe\" von Julius Rietz, „Die\nMacht des Gesanges\" von Jos. Brambach und die\n„Scenen aus der Frithjof-Sage\" von Max Bruch.\nAusserdem wurden nur die oben genannten zwei Lieder\nvom Gesammt-Cbor und andere zwei durch den Männer-\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "384", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650909-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5421, "texte": "Gesangverein von Neuss (Dirigent Herr F. Hartmann)\ngesungen, indem statutgemäss stets nur einem Vereine\nein Einzelvortrag gestattet ist. Das Programm wurde auch\ndadurch besonders interessant, dass es zwei Werke von\njüngeren rheinischen Componisten aus neuester Zeit ent-\nhielt. Beide waren Stipendiaten der frankfurter Mozart-\nStiftung gewesen und haben ihre Studien unter l'erdinand\nHiller's Leitung vollendet. Durch die hier aufgeführten\nCompositionen, so wie durch ihre früher erschienenen,\nhaben sie gezeigt, dass sie in den ciassischen Meistern und\nFormen den Urquell des wahren Musicalisch-Schönen er-\nkennen, und dass auch die romantische Schule auf der\nGrundlage jener allein dauernde Producte der Kunst er-\nzeugen kann; dass es nicht darauf ankommt, an die Stelle\nder von den älteren Meistern vollendet ausgebildeten For-\nmen andere zu setzen, sondern sie mit Geist und Phanta-\nsie zu erfüllen.\nZufällig enthielt das Programm zwei Compositionen\nSchiller'scher Gedichte. Schiller's Poesie ist nicht leicht in\nMusik zu setzen, und wie Rietz in der „Dithyrambe\" und\nMendelssohn in dem Hymnus „An die Künstler\" die\nSchwierigkeiten, welche die Vereinigung einer reichen\nPhantasie mit einer gedankenschweren Reflexion im Texte\ndem einheitlichen musicalischen Ausdrucke darbieten, nicht\nganz haben überwinden können, so ist auch Brambach's\nComposition der „Macht des Gesanges\", musicalisch\ngenommen, ein recht ansprechendes, melodisch fliessendes\nWerk, allein den gewaltigen Bildern und den in diesem\nGedichte besonders auffallenden lyrischen Gedankensprün-\ngen gegenüber befriedigt es weniger. Es ist übrigens die-\nses Werk eine frühere Arbeit des talentvollen Compo-\nnisten, der in seiner preisgekrönten „Velleda\" (Gedicht\nvon Pfarrius, für Sopran-, Tenor- und Bariton-Soli, Män-\nnerchor und Orchester, zuerst aufgeführt 1864 in Aachen)\nmit Erfolg höhere Bahnen betreten hat. Ausgeführt wur-\nden beide Compositionen (von Rietz und von Brambach)\nrecht gut*).\nDer Verein von Neuss sang die zwei Lieder: „Stürm-\nbeschwörung\" von Dürrner und „An den Wald\" von\nF. Möhring, mit frischen und wohlgeübten Stimmen;\nallein weder die Texte noch die Compositionen konnten\nneben den übrigen Nummern des Programms bestehen.\nEin Lied, das, wie das erste, den Kehrvers\nhat, darf nicht neben dem kirchlichen Charakter auch die\n„mit grimm'gem Unverstände (!) sich bewegenden Wel-\nlen\" malen wollen. Das zweite Gedicht (?) sagt sogar vom\nPirschen des Waidmanns: „Es ist kein herzlos Tödten:\nvon heisser Lieb' zum scheuen Wild zeigt seiner Wang'\nErröthen\" u. vS. w. Wann werden die Liedertafeln ein-\nsehen, däss gerade beim Liede Poesie und Musik einander\nwürdig sein müssen, um in einander aufzugeben?\nDen zweiten Theil des Concertes füllten die „Scenen\naus der Frithjofsage\", von Max Bruch nachdem\nTexte von E. Tegner in Musik gesetzt*). Diese Compo-\nsition bildet ein grosses, zusammenhangendes, dramatisch-\nlyrisches Ganzes, welches eine Zusammenstellung der\nHaupt-Momente der Sage aus der ersten Hälfte von Teg-\nner's schönem Gedichte enthält. Die erste Scene führt un 9\ngleich mitten in die Handlung hinein, indem sie die Rück-\nkehr Frithjof's zur Heimat nach glücklich bestandenem\nAbenteuer bei Argantyr schildert; daran knüpfen sich in\nfünf folgenden Scenen die tragischen Momente von Frith-\njof's Rache an König Helge und seinen Priestern, die seine\nBraut Ingeborg an den alten König Ring verhandelt ha-\nben, der Brand von Baldur's Tempel, die Verbannung und\nder Schmerz des Helden und sein Aufraffen zu neuen See-\nfahrten nach fernen Zonen.\nDiese Zusammenstellung gibt uns nicht nur eine Reibe\nvon ergreifenden und fesselnden Bildern, sondern sie bietet\nzugleich der musicalischen Behandlung grossartige drama-\ntische Situationen dar, zwischen welchen lyrische Empfin-\ndungen, wie Ingeborg's klagende Gesänge und Frithjof's\nAbschied von der Heimat, einen Wechsel der Stimmung\nerzeugen, der jener Art von Monotonie vorbeugt, welche\nauch durch fortwährende, massenhaft verwendete Klang-\nfülle entstehen kann. Das Ganze bildet somit ein Vocal-\nwerk in dramatisch-lyrischer Form, in welchem zwei Per-\nsonen auftreten, Ingeborg (Sopran) und Frithjof (Bariton),\nwährend die Chöre der Gefährten des Helden, der Prie-\nster des Gottes Baidur und des Volkes den Hintergrund\nbilden. Natürlich mussten Alle mehr oder weniger han-\ndelnd erscheinen, was einige Umbildungen und Ergän-\nzungen des Textes nothwendig machte, der übrigens im\nGanzen nach den besten Uebersetzungen des Originals\nbeibehalten ist.\n\n*) „Die Macht dos Gesanges\" von Fr. Schiller. Cantate\nfür Männerchor, Soli und Orchester, componirt und dem Lieder-\nkranze in Frankfurt a. M. gewidmet von C. Jos. Brambach. Op.\n6. Mainz, bei B. Schott1 s Söhnen. Clavier-Auszug 1 Fl. 48 Kr. 44\nS. kl. Fol., Singstimmen 1 Fl. 48 Kr. (Partitur und Orchesterstim-\nmen durch die Verlagshandlung zu beziehen.) Die Cantate hat\nfünf Nummern, von denen Nr. 2 Solo für Bariton, Nr. 3 Solo für\nBariton mit Chor, Nr. 4 Andante für kleineren und grösseren Chor,\nNr. 5 Solo-Quartett mit Chor ist.\n*) „Frithjof.\" Scenen aus der Frithjof-Sage von E«.\nFür Männerchor, Solostimmen (Sopran und Bariton) und\nOrchester componirt von Max Bruch. Op. 23. Frau Clara Schu-\nmann zugeeignet. Breslau, bei Leuckart (Const. Sander). Clavier-\nAuszug 2 Thlr. 15 Sgr. 58 S. Gr. Fol. Die Partitur erscheint in\ndiesen Tagen. Chorstimmen 20 Sgr. Ueber das Werk selbst vgl.\nNiederrh. M.-Ztg,, Jahrg. 1864, Nr. 50 und 51."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "385", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650909-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2249, "texte": "Herrn Bruch hat Tegner's Poesie zu einer musicali-\nschen Composition begeistert, welche wir unbedingt für\ndas beste Werk neuerer Zeit, und nicht bloss in dieser\nGattung, erklären müssen, wie dies denn auch der überall\nunbestrittene Erfolg desselben bei den bisherigen\nrungen in Aachen, Leipzig und Wien bestätigt hat. Der\nComponist der Oper „Loreley\" bekundet durch seinen\n„Frithjof\", der, obwohl schon früher angelegt, erst im\nvorigen Jahre durch Umarbeitung und Vervollständigung\nseine jetzige Gestalt erhielt, einen grossen Fortschritt, der\nfür jeden Freund des wahrhaft Schönen um so erheben-\nder ist, als hier unter der jüngeren Generation der Ton-\nkünstler eine Kraft erscheint, welche durch die That zeigt,\ndass das wahre musicalische Genie ergrübelter Reizmittel,\nerzwungener Combinationen und ausgeklügelter neuer\nFormen nicht bedarf, um Grosses zu leisten und das Pu-\nblicum hinzureissen. In Bruch's „Frithjof\" ist die erste\nBedingung schöner Musik, der Wohlklang, nie verletzt;\nbei reichem Strome echt deutscher Melodie nicht bloss in\nder Erfindung langer Motive, sondern auch in deren gross-\nartiger Entwicklung, wird der Guss des Ganzen nirgends\ndurch Künstelei gehemmt oder durch gesuchte Harmonieen\noder gar Disharmonieen scbarf und rauh gemacht, er\nbleibt stets ein natürlicher, überflutet nie die Form, ge-\nschweige denn, dass er sie, ohne welche in der Kunst nichts\nSchönes existiren kann, gar zerbreche.\nDer Eindruck der Aufführung, die ganz vorzüglich\nwar, zeigte sich als ein so sichtbar ergreifender und er-\nhebender, wie man ihn nicht häufig erlebt. Der Chor war\nvortrefflich und auch das Orchester blieb keineswegs zu-\nrück. Fräulein Marie Büschgens aus Crefeld hat die\nPartie der Ingeborg so schön gesungen, wie wir diese\nschon früher von uns geschätzte Sängerin noch nie gehört\nhaben; ihre Stimme ist noch voller und wohltönender ge-\nworden, und Auffassung und Vortrag waren vorzüglich.\nDem „Frithjof\" hauchte Herr Max Stägemann von\nHannoverdas wahre Leben ein; sowohl für den muthigen\nund zürnenden Helden, als für den tief fühlenden Lieben-\nden und von der Heimat Scheidenden wusste dieser treff-\nliche Künstler den rechten Ton und die rechte Färbung\ndes Vortrags zu finden. Die ganze Aufführung war die\nKrone des Abends."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-09-09-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-09-09_01#c004", "volume": "bmtnabi_1865-09-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "385", "page_fin": "386", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650909-01.2.4", "titre_corps": "Aus Wiesbaden.", "titre_sommaire": "Aus Wiesbaden.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "385", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650909-01.1.5", "debut_caractere": 2251, "fin_caractere_exclue": 5158, "texte": "Aus Wiesbaden.\nAm 25. August fand im Gursaale ein grosses Concert\nunter Litolff's Leitung zum Besten des Ausbaues der\nTbürme der katholischen Kirche Statt. Ausführende wa-\nren; die „Section choraleu(Männerchor) der Universität\nLüttich, Fräulein Lichtraay, Herr Otto, das hiesige\n1 heater-0 r c h e s t e r in bedeutender Verstärkung und\nder Damenchor der hiesigen Oper. Die „Section Cho-\nräle\" ist eine Vereinigung von Studirenden der Universität\nzum Zwecke der Pflege des Männergesanges. Ihr Dirigent\nist Herr 1 erry, Professor des Conservatoriums zu Lüttich.\nDass bei dem Wechsel, dem ein solcher Chor durch den\nfortwährenden Ab- und Zugang von Studenten unterwor-\nfen ist, die systematische Heranbildung wie bei stabilen\nVereinen nicht erwartet werden kann, ist klar; dennoch\nhat sich derselbe schon zu einer nicht zu unterschätzenden\nLeistungsfähigkeit hinaufpotenzirt. Die Vorträge sind ne-\nben äusserer Eleganz, Reinheit, Stimmenfrische und Kraft\nvon unverkennbarem esprit durchdrungen, der Männer\nvon Energie, thatkräftigem Streben und höherer Bildung\ncharakterisirt, welches letztere sich auch noch in den fei-\nnen gesellschaftlichen Formen, in denen sich die Studenten\nbewegten, bekundete.\nDas Concert zerfiel in zwei Abiheilungen, die erste\nunter Terry's, die zweite unter Litolff's Leitung. Die\nbrillante Ouvertüre zu „Diane vom Herzoge\nErnst von Sachsen-Coburg-Gotha eröffnete das Concert.\nIhr folgte ein Salve Regina von Terry für vier Stimmen\n(Soli), Chor und Orchester. Es ist ein schönes Werk, im\naltkirchlichen Stile gehalten. Ausgeführt wurde es von\nFräulein Lichtmay nebst den Soli der\ndem Damenchor der Oper und dem Theater-Orchester.\nHieran schloss sich Lotto's „Ccncerto\" für Violine und\nOrchester. Die Composition ist im ersten Theile ziemlich\nwesenlos, etudenmässig, im zweiten gut und im dritten\nTheile originel in den weichen, slawischen Motiven. Dann\nsang Fräulein Lichtmay die grosse Scene und Arie aus\n„Freischütz\". Hierauf folgte die „Hymne an Bacchus\" aus\nMendelssohn's „Antigone\", echt dithyrambische Compo-\nsition und von der „Section Cmit Schwung vorge-\ntragen. Den Scbluss der ersten Abtheilung bildete Litolff's\nAndante religioso et Scherzo aus dessen viertem\nein Glanzpunkt des Concertes und ein Werk, in dem Uep-\npigkeit, vereint mit Grazie, Geist, in schöne, originelle For-\nmen gekleidet, wunderbare Instruraental-Effecte einen rei-\nzenden Reigen bilden. Die zweite Abtheilung wurde mit\nLitolff's Ouvertüre zu „Maximilßobespierre\" eröffnet.\nDie nächste Nummer, Grande Scene aus der „Africanerin\"\n(mit der berühmten Unisono-Introduction), gab uns ein\nBild, was diese Oper im Allgemeinen sein mag: ein bis\nzum Peinlichen sich ergehendes Suchen nach abnormen\nInstrumental-Effecten ohne die gewichtige Melodieen-Un-\nterlage, wie sie „Robert\" und „Hugenotten\" aufstellen.\nFräulein Lichtmay sang die Nummer übrigens sehr\nschön. Nunmebr folgte der Männercbor aus dem zweiten"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "386", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650909-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3558, "texte": "Acte der Oper „Nabel\" von Litolff; dann spielte Herr\nLotto das bekannte Rondo von Paganini,\nund den Beschluss machte das Finale aus „Nabel\", von\nder „Sectio n chorale'ausgeführt. Der Beifall, den der\nMännerchor erhielt, war ein verdienter und wurde von\nden Sängern mit grosser Bescheidenheit entgegengenom-\nmen, die nicht, wie sie sagten, in das Land des Männer-\ngesanges gekommen wären, um als Concurrenten aufzu-\ntreten, sondern, sich gleichzeitig selbst ein Vergnügen be-\nreitend, einem guten Zwecke einen Tribut zu steuern.\nDie hiesigen Vereine „Union\" und „Liederkranz\"\ngaben den Lüttichern ein Fest auf dem Neroberge, wobei\nsie ihnen eine Fahne zum Andenken schenkten. Litolff\nhielt dabei eine glänzende Rede von Verbrüderung aller\nVölker durch die Musik und anderen Ueberschwänglich-\nkeiten mehr, wie sie immer noch bei solchen Gelegenhei-\nten vorkommen.\nEine Vereinigung anderer Art trug den Charakter der\nHerzlichkeit. Es war das Abscbiedsfest, welches dem von\nWiesbaden scheidenden Capellmeister J. B. Hagen gege-\nben wurde.\nWenn auch bereits das Theater-Publicum dem schei-\ndenden Meister durch die ihm in seiner Abschieds-Vorstel-\nlung dargebrachten Ovationen seine innigsten Sympathieen\nauf die unzweideutigste Weise ausgedrückt hatte, so woll-\nten es seine vielen Freunde und Verehrer, namentlich die\nMitglieder des Cäcilien-Vereins, dessen musicalischer Vor-\nstand Hagen bekanntlich während vieler Jahre war, es\nsich doch nicht nehmen lassen, ihm noch besonders eine\nAbschiedsfeier zu veranstalten.\nZu diesem Zwecke hatte sich am 26. August eine\näusserst zahlreiche Gesellschaft, welcher sich viele Mitglie-\nder der hiesigen Oper und des Orchesters angeschlossen,\nzu einem Festmahle vereinigt, um noch ein letztes Mal vor\nseinem Scheiden mit dem allgemein verehrten Manne in\nalter herzlicher und inniger Weise zu verkehren.\nWie leicht zu begreifen, war die Stimmung aller\nTbeilnehmer eine wehmuthsvolle, die noch erhöht wurde,\nals der zeitige Vorstand des Cäcilien-Vereins in einer er-\ngreifenden Rede, sich anlehnend an die ersten Zeilen eines\nbekannten Mendelssobn'schen Liedes, in welcher er die\ngrossen Verdienste Hagen's um die Blüthe des Vereins\nbesonders hervorhob, im Namen sämmtlicher Mitglieder\nAbschied von ihm nahm und zuirf Schlüsse ein Hoch auf\nden scheidenden Freund ausbrachte, in welches die ganze\nTafelrunde begeistert einstimmte. Hagen erhob sich hier-\nauf, und nachdem es ihm endlich gelungen, Herr seiner\ntiefen Rührung zu werden und seinen Empfindungen Aus-\ndruck zu geben, dankte er der Gesellschaft in herzlichen\nWorten für die vielen Beweise der Freundschaft und Theil-\nnähme, die allein im Stande gewesen, den Schmerz der\nTrennung minder unerträglich zu machen. Wie die Erin-\nnerung an die schöne Zeit seines hiesigen Lebens, trotz\nZeit und Entfernung, immer mächtig in ihm fortleben und\nsein höchstes Gut bleiben würde, so bitte er, dass man\nauch des fernen Freundes mit der alten Liebe und Freund-\nschaft gedenken möchte. Für ihn gebe es nur noch ein\nGlück, das ihn seine Verbannung minder schmerzlich em-\npfinden liesse, das wäre der Gedanke, dereinst wieder in\ndie Mitte seiner vielen Freunde nach seinem trauten, lieben\nWiesbaden zurückkehren zu dürfen, und in dieser Hoff-\nnung leere er sein Glas auf das Wohl seiner Freunde, des\nCäcilien-Vereins und des ihm zur lieben Heimat geworde-\nnen Wiesbaden.\nHierauf überreichte eine Deputation des Cäcilien-Ver-\neins als ein sichtbares Zeichen der Anerkennung dem Ca-\npellmeister Hagen ein kostbares, reichgeschmücktes Album\nmit den Bildern seiner zahlreichen Freunde."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-09-09-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-09-09_01#c005", "volume": "bmtnabi_1865-09-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "386", "page_fin": "387", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650909-01.2.5", "titre_corps": "Anzeige.", "titre_sommaire": "Anzeige.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "386", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650909-01.1.6", "debut_caractere": 3560, "fin_caractere_exclue": 4965, "texte": "Anzeige.\nFranz Derckum, Sonate für Pianoforte und\nVioline. Herrn Mich. DuMont zugeeignet. Op.\n13. Köln, bei M. Schloss. Pr. 1 Thlr. 17 7* Sgr.\nPartitur 27 S. fol.\nmet. Op. 14. Köln, bei M. Schloss. Pr. 1 Thlr.\n1772 Sgr. 27 S. fol.\nDie Erscheinung einer Composition, wie die vorlie-\ngende, ist in unserer Zeit eine Seltenheit; denn in der\nTonkunst, namentlich in der Ciaviermusik, ist auf der einen\nSeite das Gesuchte, Geschraubte, dabei mit Schwierigkei-\nten überladene, auf der anderen das absolut Gehaltlose,\nTriviale und in Tongeklingel Ausgeartete so sehr an der\nTagesordnung oder an der Tagesmode, dass man an die\nMöglichkeit einer einfachen Musik, die nichts als Musik\nsein will, kaum noch glaubt. Sonate que me veux-iu? wird\nhier die stolze Brut der bereits flüggen oder eben aus dem\nEi kriechenden Zukunftsvögel zugleich mit den Seiltänzern\nauf der Claviatur ausrufen. Denn in der That, die Ersten\nwerden in diesen Sonaten durch keine Art von Deutung\nein Programm entdecken können, und ein schweres Aer-\ngerniss daran nehmen, dass in ihnen die Form nicht im\ngeringsten versteckt und verhüllt ist, sondern überall klar\nhervortritt, dass sie ferner darin nichts als musicalische\nGedanken finden und keine von aussen herbeigeholte ge-\ngenständliche Veranlassung zu inhaltschwerer Charakte-\nristik des Nichtmusicalischen. Die Virtuosen werden aber\nvollends die Achseln zucken und mit der Ueberzeugung,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "387", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650909-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4027, "texte": "Dass damit kein Effect zu machen sei, die beiden Noten-\nhefte bei Seite legen. Sie würden sie übrigens doch spie-\nlen und vielleicht sogar dafür schwärmen, wenn sie ihre\neinfache Form durch einen alten Namen, wie Scarlatti,\nCouperin, Kirnberger u. s. w., die auf ihren Concert-Pro-\ngrammen als Rococozierden figuriren, einschwärzen könn-\nten. Da nun aber Derckum's Sonaten unglücklicher Weise\nmehr mozartisch sind, als bachisch, so werden sie keine\nGnade vor der ganzen blasirten Reihe von Musikern und\nbesonders Pianisten finden, welche von Bach auf Beetho-\nven und Schumann springen und Haydn und Mozart über-\nschlagen.\nBeide Sonaten von Derckum Op. 13 Op.\n14 Es-dur—haben, obwohl in der Erfindung der Motive\nund Themen verschieden, in der Art der Ausführung eine\ngrosse Aehnlichkeit unter einander, d. h. einen beiden ge-\nmeinsamen Stil, dessen hervorstechendste Eigenschaften\nmelodischer Fluss, harmonische Klarheit und classisch\nschulgerechte, aber keineswegs schulmeisterlich behandelte\nForm sind. Wenn wir die Sonaten eben mozartisch nann-\nten, so beziehen wir dieses Wort auf jene drei charakte-\nristischen Kennzeichen der Schreibart Mozart's, die uns\nhier gewisser Maassen in neuem Gewände auf recht an-\nmuthige Weise wieder einmal ansprechen. Auch in Bezug\nauf die Glieder der cykliscben Form hat sich der Compo-\nnist an die ursprünglichen drei Sätze der Sonate: Allegro,\nAdagio (Andante), Finale gehalten und das von Beethoven\nerst eingeführte Scherzo verschmäht. Er hat sich durch\ndiese Beschränkungen die Sache keineswegs leicht gemacht:\nim Gegentheil, es ist viel schwerer, die mozartische Form\nmit neuem Inhalt und mit interessanter, klarer Arbeit zu\nfüllen, als das Papier schwarz und voll von Noten zu ma-\nchen, in denen dann auch bei den Besten Form und\nRhythmus und Harmonie und vielleicht auch sogar etwas\nMelodie stecken, aber erst nach langem Suchen herausge-\nfunden werden können.\nDie ganze Gattung der Duette für Ciavier und Violine\nverdankt ihren Ursprung hauptsächlich dem Dilettantis-\nmus; die Sonate war die erste Form solcher Duette, von\nHaydn und Mozart gewiss häufig auf besondere Veranlas-\nsung für Schüler und Liebhaber, vielleicht noch mehr für\nSchülerinnen und Dilettantinnen componirt. Wie schon\nMozart in einigen seiner späteren Arbeiten und nach ihm\nBeethoven sie zu einer bedeutenden Kunstgattung erho-\nben, ist eben so bekannt, als wie tief sie die Fabricanten\nvon Potpourri's und so genannten Phantasieen (zumal über\nOpern-Motive!) in neuerer Zeit herabgedrückt haben. Bei\nder ungeheuren Verbreitung des Pianoforte's hat sich die\nLiebhaberei am Zusammenspiel mit der Violine nicht nur\nerhalten, sondern sie ist viel allgemeiner geworden, beson-\nders auch bei den Damen. Für diese Art von Hausmusik\nsind nun Derckum's Sonaten recht eigentlich geschaffen\nund als ein treffliches Gegenmittel gegen die leichtfertigen\nund, man möchte wirklich sagen: den Einfluss der Musik\nauf das Gemülh zu einem demoralisirenden machenden\nSalon-Compositionen zu benutzen. Ja, wir ziehen sie in\ndieser Hinsicht den anspruchsvolleren Compositionen ähn-\nlicher Gattung von neueren Meistern, wie Schumann,\nGade, Franck u. s. w. vor, weil sie ohne Frage leichteren\nEingang in die Familie finden werden, da sie weder ge-\nlehrt, noch prunkend gearbeitet, auch nicht auf leiden-\nschaftliche Aufregung der Nerven berechnet sind, sondern\nbeide Instrumente sich angenehm verschlingen oder im\nAustausch von Melodieen einander ablösen, harmonisch\nund modulatorisch stets interessant, ohne jemals durch ir-\ngend einen Ueberreiz von Klängen, die dem Zerreissen\neines Stückes Zeug gleichen, dem Ohre und dem Sinne\nfür das Schöne wehe zu thun. Wir empfehlen diese rein\nmusicalischen Bilder, die auch ohne Ueberschriften sich\nFreunde erwerben und ihnen allerlei Liebes sagen wer-\nden, allen denen, die Freude an gemeinschaftlicher Kunst-\nübung und gemeinschaftlichem Kunstgenüsse in geistver-\nwandten Kreisen finden, zur Beachtung. Die Ausführung\nbietet keine Schwierigkeiten, verlangt aber einen aus-\ndrucksvollen Vortrag."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-09-09-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-09-09_01#c006", "volume": "bmtnabi_1865-09-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "387", "page_fin": "388", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650909-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "387", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650909-01.1.7", "debut_caractere": 4029, "fin_caractere_exclue": 5501, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nDas königliche Hoftheater in Hannover wurde Sonntag den\n27. August, nachdem die Sommer-Ferien zu Ende gegangen, mit\nGounod's „Faustu eröffnet. Herr Nie mann wurde sehr freundlich\nempfangen und im Laufe des Abends oft durch Beifall ausgezeich-\nnet. Der Hof-Capellmeister Jean Bott in Meiningen ist von\ndem Könige von Hannover zum Capellmeister des Hoftheaters er-\nnannt worden und hat noch die Verpflichtung übernommen, in eini-\ngen Abonnements- und Hof-Concerten Solo zu spielen, welche\nFunctionen bis jetzt Herr Joachim hatte.\nDie todt angesagte Sängerin des Stuttgarter Hoftheaters, Fräulein\nMarlow, befindet sich seit verflossenem Sonntage vollständig wohl-\nbehalten in Stuttgart.\nDer Componist Max Zenger in München, welcher durch seine\nOper „Die Foscari\", verschiedene Lieder, Kammer- und Concertmu-\nsik u, s. w. bekannt ist, hat nun eine neue Oper in vier Acten:\n„Ruy Blas\", vollendet. Der Text ist eine freie Bearbeitung des\ngleichnamigen Drama's von Victor Hugo, desselben Stückes, wozu\nMendelssohn-Bartholdy die bekannte Ouvertüre geschrieben hat.\nWieil. Das Kind der jüngsten Theater-Reclame, „Die Esels-\nhaut\", ist Freitag den 26* August im Theater an der Wien mit\nglücklichem Erfolge über die Bühne gegangen. Die grosse Spectakel-\nfeerie in vier Acten und sechszehn Bildern hat angesprochen; doch\nwem gehört der Preis des Abends? Den verschwiegenen Verbrechern\ndes französischen Textes oder den verheimlichten Helfershelfern der"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "388", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650909-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2912, "texte": "deutseben Bearbeitung? Nie und nimmer; der Kranz des Siegers ge-\nbührt den Decorationsmalern, die eine Reihe herrlicher, farbenpräch-\ntiger Decorationen in reizenden Fernsiebten und luxuriösen Gemä-\nchern lieferten, dem Maler, der die Skizzen zu den reichen Costu-\nmen entwarf, dem Maschinisten, der überraschende Kunststücke bot,\nu. s. w. Für's Auge wurde Alles gethan, für's Ohr gar nichts, und\nhier trifft eine grosse Schuld den Capellmeister Müller, der zu\ndieser viel Musik erfordernden Feerie eine Partitur lieferte, die an\nMelodieen-Armuth und Oedigkeit sich überbietet. lm Jahre 1814,\nalso vor einundfünfzig Jahren, wurde schon einmal im Theater an\nder Wien das Ausstattungsstück „Die Eselshaut\" gegeben. Das Sujet\nist ganz dasselbe Märchen, welches der heutigen Bearbeitung zu\nGrunde liegt, und dass auch damals für eine brillante Ausstattung\ngesorgt war, dafür bürgt der Name des Grafen Palffy, welcher be-\nkanntlich um jene Zeit das Theater an der Wien dirigirte. Die Mu-\nsik zu dem Stücke hatte der berühmte Hummel componirt. Das\nBuch befindet sich noch heute in der Bibliothek des Carl-Theaters,\nin welche es Director Carl bei seiner Uebersiedlung von der Wien\nin die Leopoldstadt mitgenommen hatte. Auf dem Titelblatte ist kein\nVerfasser oder Bearbeiter genannt, es heisst bloss: „Die Eselshaut\nu. s. w., nach dem Französischen.\"\nDie von Flotow für das Carl-Theater componirte Operette\nführt den Titel: „Das Burgfräulein\"«\nB eck mann wurde in Salzburg vom Könige von Preussen em-\npfangen und erhielt den Kronen-Orden dritter Classe.\nHerr Otto Bach hat so eben eine zweiactige komische Oper\nvollendet, deren Text Le Sage's „Gil Blas\" entnommen ist.\nJLlssaboil« Ein Journal veröffentlicht die Liste der mate-\nriellen Beifallsbezeigungen, die der Sängerin Volpini als „Martha\"\nin diesem Sommer an einein einzigen Abende zu Theil wurden.\nBeim Auftreten 18 Sträusse,\n2 Kränze,\n2000 Kosen,\nGedichte.\n„ Terzett I. Actes 20 Sträusse,\nGedichte.\n„ Quartett 11. Actes 10 Sträusse,\n1 Kranz.\nBei der „letzten Kose\" Sträusse und Tau-\nben ohne Zahl.\nBeim Ende des IL Actes 15 Sträusse.\n„ 111. Acte 35 Sträusse,\n3 Kränze.\nBei der Romanze aus der Sonnambula. .. 5 Sträusse,\n1 Kranz.\nBeim IV. Acte 6 Salven Applaus,\n26 Sträusse,\n3 Kränze,\n6 Pensdes mit Na-\nmenszug,\nGedichte,\nSchauer von Kosen.\nIm Ganzen 190 Bouquets, 17 Hervorrufe, 11 Kränze, Hunderte von\nTauben, unzählige Gedichte u. s. w.\nFerdinand Laub hat eine Professur am neu constituirten\nmoskauer Conservatorium mit einem Jahrgehalte von 3500 Kübeln\nangenommen. An demselben Institute, dessen Director Nikolaus\nRubin stein ist, wurden auch die Herren Anton Door, Karl\nTausig und der Pianist Joseph Wieniawski als Professoren\nmit bedeutendem Gehalte angestellt.\nMoniuszko in Warschau beendet eine neue Oper: „Das\nGespensterschloss\", welche in Kurzem dort in Scene gehen wird.\nSeine frühere Oper „Halka\" soll dieser Tage zum hundertsten Male\ngegeben worden."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "381", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650909-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie Form des ersten Satzes der Sonate. (Schluss.) Drittes Concert des rheinischen Sängervereins in Crefeld am 27.\nx/\nAugust 1865. Aus Wiesbaden (Litolff's Concert Abschiedsfest für Capellmeister J. B. Hagen). Anzeige (Franz Derckum,\nSonate für Pianoforte und Violine, Op. 13 Sonate eben so, Op. 14. Tages- und Unterhaltungsblatt (Hannover, Hoftheater,\nHof-Capellmeister Jean Bott Fräulein Marlow Wien, Aufführung von „Die Eselshautu Beckmann Otto Bach u. s. w.).\n\nDie Form des ersten Satzes der Sonate.\n(Schluss. S. Nr. 35 )\nb.Der zweite Theil, Mittelsalz oder Durch-\nführung genannt, besteht aus einer ausgedehnten, in\ngrossen Werken sehr mannigfach zusammengesetzten Pe-\nriodengruppe, in welcher der Themen- und Motiv-Stoff\ndes ersten Theiles themalisch verarbeitet wird. Unter the-\nmatischer Arbeit versteht man die Kunst, ein gegebenes\nMotiv derart zu einer selbständigen musicalischen Gestal-\ntung zu entwickeln, dass diese zwar als etwas Neues da-\nsteht, ohne jedoch ihren Zusammenhang mit dem ur-\nsprünglichen Grundstoffe, aus dem sie entstanden, verken-\nnen zu lassen. Indem dieser Mittelsatz in umfänglichen\nSonaten, namentlich aber in Quartetten und Symphonieen,\noft eine beträchtliche Anzahl Perioden umfasst, ist einer-\nseits der Ausübung der Kunst des Themalisirens ein wei-\ntes Feld geöffnet, andererseits aber auch für den Compo-\nnisten die Voraussetzung gegeben, dass er dieser Kunst,\neinen Gedanken einheitlich und mannigfaltig auszugestal-\nten, vollkommen mächtig sei. Dass hierbei nicht Kunst-\nfertigkeit für sich allein herrschen darf, sondern jederzeit,\neben so gut wie in der freien Erfindung, im Dienste der\nPhantasie und des künstlerischen Gefühls stehen muss,\nwenn nicht etwas bei aller Glätte und geschickten Füh-\nrung Inhaltsleeres zu Stande kommen soll, versteht sich\nvon selbst. Und man darf nur die Mittelsätze cyklischer\nFormen Beethoven's und anderer grossen Componisten\nansehen, um leicht zu der Ueberzeugung zu gelangen, dass\ndieser Mittelsatz eigentlich der interessanteste und bedeu-\ntungsvollste Theil*) des ganzen ersten Satzes ist. Der Pe-\nriodenbau zeigt hier die mannigfaltigsten Gliederungen;\ngedehntere und gedrängtere Bildungen, fest geschlossene,\neinander ein bestimmtes Gleichgewicht haltende Sätze\nwechseln ab mit in einander überlliessenden gangartigen\nund herumschweifenden, gewisser Maassen noch nicht zur\nConcentration gelangten Formationen, so dass die ganze\nTonbewegung analog erscheint dem sich hebenden und\nsenkenden Wellenschlage, den vorwärts drängenden oder\naus erlangter Ruhe wiederum von Neuem sich erhebenden\nBewegungen eines durch bestimmte Empfindungen erreg-\nten Gefühls. Die Modulation innerhalb der Durchfüh-\nrung ist völlig frei, geht oft ohne lange Vorbereitung, oder\ngar ganz plötzlich, in entfernte Tonarten über, um diese\nalsbald mit wiederum neuen zu vertauschen. Dass solches,\nwie überall, so auch hier, nach den Gesetzen richtiger und\nnatürlicher Harmonie-Verbindung geschehen muss, bedarf\nkeiner Erinnerung. Die beiden Haupt-Tonarten des ersten\nTheiles, also Tonica und Dominant- oder\nTonart, sollen aber von der Durchführung ausgeschlossen\nbleiben, unbedingt wenigstens die Tonica, denn sie gehört\nzu den tonlichen Charakterismen des Haupt-Thema's, darf\ndesshalb nicht abgenutzt werden, damit sie in der Repe-\ntition mit dem Haupt-Thema wieder um so frischer ein-\ntrete. Gegen das Ende der Durchführung wendet sich die\nModulation zur Halb-Cadenz auf der Dominante, vermit-\ntels deren die Repetition des ersten Theiles vorbereitet\nwird; wird hierbei die Tonica etwa noch kurz vor Eintri\ndes Haupt-Thema's berührt, so geschieht es nur auf dem\nBasse der Dominante (als Quartsext-Accord), oder in\nSätzen als Moll- Accord, um eben die tonliche Wirkung\nihres Wiedereintrittes nicht zu schwächen. Ein Schema\nlässt sich für diesen Mittelsatz selbstverständlich nicht\ngeben, denn bei seiner ganzen Organisation ist dem Ton-\nsetzer im Uebrigen völlig freie Hand gelassen.\ny c.Der dritte Theil, die Repetition, ist die Wie-\nderholung des ersten Theiles, doch nicht in ganz unverän-\n\n*) Der „interessanteste\", ja; der „bedeutungsvollste\" bleibt für\nden Inhalt des Ganzen immer der erste Theil des ganzen Satzes.\nFür die Erkenntniss des Genies des Componisten aber ist die\nDurchführung der eigentliche Barometer, und in so fern ist sie\nder bedeutendste Theil des ersten Satzes. Die Redaction."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "382", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650909-01.1.2", "texte": "derter Gestalt. Der Begriff der Repetition hat in unserer\nmodernen Sonate eine von dem in der alten Arie gelten-\nden etwas abweichende Bedeutung angenommen. In der\nälteren Arie ist die Repetition genaue Wiederholung des\nersten Theiles; es kam darauf an, den Mittelsatz so anzu-\nlegen und zu lenken, dass er genaue Wiederkehr des er-\nsten Theiles mit Nothwendigkeit forderte, der alsdann eine\nim Verhältnisse zu seinem ersten Auftreten noch erhöhte\nWirkung machte. In der Instrumental-Musik und beson-\nders in der modernen Sonate und Symphonie (auch schon\nin der neueren Arie) aber pflegt die Repetition vom ersten\nTheile in mancher Hinsicht abzuweichen; die Haupttheile,\nalso erstes und zweites Thema, Uebergang und Schluss-\ngruppe, treten allerdings wieder auf und, mit sehr seltenen\nAusnahmen (eigentlich nur zuweilen in der grossen Ouver-\ntüre), auch in derselben Reibenfolge. Die Form-Umrisse\nsind also dieselben, folglich die Umbildungen mehr inne-\nrer Art; erstens bestehen sie in kürzerer und strafferer\nZusammenfassung der Tongedanken; ihrem Begriffe,\ngleichsam als Resultat der gesammten Entwicklung im\nganzen Satze, zufolge gibt die Repetition einzelne Theile\n(z. B. den Uebergang, auch das erste und zweite Thema)\ngemeinhin concentrirter, prägt dafür aber Alles möglichst\nbestimmt aus, so dass der Hauptinhalt des Satzes um so\nfester zusammengeschlossen erscheint und um so kräftiger\nhervortritt. Die Schlussgruppe hingegen wird nicht selten\nnoch erweitert, indem vor dem wirklichen Schlüsse als-\ndann noch Anklänge, gewöhnlich an das erste, mitunter\nauch an das zweite Thema auftreten (die Reminiscenz\ngenannt), woraul dann erst der eigentliche Schluss erfolgt,\ndem zuweilen noch ein neues, bekräftigendes Motiv ange-\nfügt wird. Dessgleichen werden Begleitung, Harmonisi-\nrung und bei Orchestersätzen jederzeit die Instrumentirung\ngeändert. Die einzelnen Mittel dieser ganzen inneren Um-\ngestaltung lassen sich hier nicht im Einzelnen angeben,\nsondern es kann nur angedeutet werden, dass die Repe-\ntition die Gefühls- und Tonbewegung des ganzen Satzes,\nje nach Absicht des Tonsetzers, entweder in Steigerung\noder Beruhigung zum Abschlüsse zu bringen hat. Manche\nComponisten der Gegenwart suchen die Verworrenheit\nihrer Tonsätze, in denen ein neuer Gedanke den anderen\nverdrängt, ohne aus ihm hervorzugehen, nicht mit ihrer\nUnfähigkeit, einen musicalischen Gedanken zu entwickeln,\nzu rechtfertigen, sondern damit, dass sie sagen, in der\nMusik dürfe ein Gedanke überhaupt nicht wiederholt wer-\nden. Dieser unrichtigen Ansicht redet also die Forderung\neiner abgeänderten Repetition in der Sonate keineswegs\ndas Wort; es ist etwas ganz Anderes, ein neues Tonbild\nauf das andere häufen, als durch verschiedene Modifica-\ntionen des Colorits, der Schattirung, Betonung und forma-\nlen Bildung eines und desselben Tonbildes ein und dasselbe\nGrundgefühl zu entweder verstärktem oder beruhigtem\nAusdrucke zu bringen. Die in der Repetition vorherr-\nschende Tonart ist die Tonica mit ihrer leitereigenen Mo-\ndulation, verschieden vom ersten Theile, in dem sie nur\nder Haupt-Thema-Gruppe zu Grunde lag; zweites Thema\nund Schlussgruppe stehen ebenfalls in der Tonica, nicht\nmehr in der Dominant-Tonart oder Parallele, die\nCadenz des Ueberganges ist ein Halbschluss auf der Do-\nminante der Haupt-Tonart. / Der letzte Schluss des Satzes\nerfolgt natürlich auf der Tonica (nicht selten mit voran-\ngehendem Trugschlüsse) und ist der einzige im ganzen\nSonatensatze vorkommende, breit ausgeführte, vollkom-\nmene tonische Ganzschluss. Tritt der tonische Ganzschluss\nim Verlaufe des Satzes auf, was mit Ausnahme des Haupt-\nThemaschlusses und der Cadenzen in der ganz in der To-\nnica stehenden Repetition eigentlich gar nicht geschehen\nsoll, so soll er wenigstens nicht andauern, sondern bald\nvorübergehen, indem sonst die Tonbewegung zu entschie-\nden unterbrochen wird. Nachstehend ein Schema des er-\nsten Sonatensatzes:\nErster Satz:\nErster TheiL Mittelsatz.\nHaupt- Ueber- Zweites Schluss- Thematische Verarbeitung der\nThema- gang. Thema, gruppe. Motive des ersten\ngruppe. Theilos.\nTonica. Modula- Dominant- oder Freie Modulation. Rückkehr in\ntion in Parallel-Z>itr- die Tonica.\ndie Tonart.\nRepetition.\n, * .\nHaupt- Ueber- Zweites Schlussgruppe.\nThema- gang. Thema. Reminiscenz,\ngruppe. Schluss.\nv —^'\nHerrschaft der Tonica.\nEine Gattung von Tonwerken besteht aus diesem er-\nsten Sonatensatze allein, die Ouvertüre nämlich, d. h.\ndie in wirklicher Kunstform ausgebildete, nicht die aus\nverschiedenen Melodieen nur an einander gereihte Opern-\nEinleitung. Nur in einem Punkte unterscheidet sie sich\nvom Sonatensatze: der erste Theil wird bei der Ouvertüre\nnicht zwei Mal gespielt, sondern nur ein Mal, und geht\ndann gleich in die Durchführung über.\nIn der Sonate tritt an Stelle der hier beschriebenen\nForm des ersten Satzes hin und wieder ein Thema mit\nVariationen, in der Symphonie nicht. Hingegen geht in\nder letzteren (sehr selten in der Sonate), auch im Streich-\nQuartette, dem ersten Satze häufig ein\nd. Einleitungssatz von langsamer Bewegung vor-\naus. In manchen Fällen ist er nur ganz kurz, etwa eine"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "383", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650909-01.1.3", "texte": "Doppel-Periode oder etwas darüber, in anderen ausge-\ndehnter, 24, 36 und mehr Tacte, aus einem Hauptge-\ndanken entwickelt, dem zuweilen auch noch ein unterge-\nordnetes zweites Motiv sich entgegensetzt. Meist haben\ndiese Einleitungen einen ernsten, spannenden, auch wohl\nfeierlichen Charakter, um Aufmerksamkeit und Spannung\nauf das Kommende zu erwecken. Sie stehen in der Haupt-\nTonart, doch häufig in Moll,wenn auch das ganze Ton-\nstück in Dur steht; die Modulation ist frei und nicht sel-\nten sogar ziemlich reich und bewegt, die Tonica wirkt\nalsdann mit Eintritt des Haupt-Thema's des ersten Satzes\num so frischer und kräftiger.\n\nDrittes Concert des rheinischen Sängervereins in\nCrefeld am 27. August 1865.\nWir werden uns wohl wahren, diesem Berichte die\nUeberschrift „Sängerfest\" zu geben, denn alsdann möchte\ner in dem „Lande der täglichen Feste\", wie ein englisches\nBlatt unser jetziges Deutschland nennt, nur Wenige fin-\nden, die ihn nicht sogleich bei Seite legten. Und das sollte\nuns wegen des schönen Kunstgenusses, der uns geworden,\nund wegen der neuen Werke rheinischer Componisten,\nderen Aufführung ihn hauptsächlich gewährte, leid thun.\nDie Stadt Crefeld veranstaltete das Concert am 27.\nAugust als diesjähriger Vorort des rheinischen Sän-\ngervereins, welcher die fünf ältesten und in künstleri-\nscher Hinsicht gediegensten Gesellschaften für Männerge-\nsang am Niederrheine umfasst: den kölner Männer-Ge-\nsangverein, die aachener und crefelder Liedertafel, die\nbonner Concordia und den neusser Männer-Gesangverein.\nDie elberfelder Liedertafel, bei der Stiftung des Vereins\nmit betbeiligt, hat sich, wie es scheint, wieder zurückge-\nzogen, wenigstens war sie in Crefeld nicht vertreten.\nDieser Kranz von gebildeten Liederfreunden gibt jähr-\nlich nur ein Concert an dem jedes Mal nach freier Reihen-\nfolge voraus bestimmten Vororte. Das erste fand 1863 in\nKöln, das zweite 1864 in Aachen und jetzt das dritte in\nCrefeld Statt. Diese Concerte haben die Bestimmung, der\nVerflachung und Ausartung des Männergesanges in Bän-\nkelsängerei entgegen zu treten und den Beweis zu liefern,\ndass das Streben des Vereins ein rein künstlerisches ist,\nbei welchem nicht nur den Programmen alles Gewöhn-\nliche, Triviale und bis zum Ueberdrusse Abgeleierte fern\nbleibt und dagegen hauptsächlich grössere Compositionen\nmit Orchesterbegleitung ihre Stelle darin finden, sondern\nauch das äussere Resultat der Kunst gewidmet wird, in-\ndem der Ueberschuss des Ertrages zu Preis-Erlhei-\nlungen an Componisten von Werken für Soli jeder Art\n(also auch für Frauenstimmen), Männerchor und Or-\nchester bestimmt ist.\nDie jährliche Zusammenkunft der fünf verbündeten\nGesangvereine setzt also das Festliche derselben nicht in\nAeusserlichkeiten, sondern in den künstlerischen Zweck,\nund es ist dann ein wirkliches Fest, das die Sänger den\nZuhörern und sich selbst bereiten, wenn dieser Zweck\ndurch Wahl trefflicher Werke und Auslührungen, die als\nResultate ernster Studien und echt musicalischen Sinnes\nerscheinen, erreicht wird. Alsdann wird die geistige Wech-\nselwirkung zwischen Sänger- und Zuhörerschaft eine ganz\nanders festliche Stimmung erzeugen, als Fahnen und Auf-\nzüge und Kränze und Seidel im Gedränge von Tausenden\nzu bewirken vermögen.\nDas hat sich denn auch wieder bei dem dritten Feste\ndes Vereins in Crefeld am 27. August vollkommen bewährt.\nDie dortige Centralhalle, von hübschen Garten-Anlagen\numgeben, bietet ein geräumiges und akustisch nicht un-\ngünstiges Concert-Local dar. Die Zahl der Ausführenden\nüberstieg nicht drei Hundert, von denen 54 das Orchester\nbildeten —im Ganzen ein in gutem Stimmen-Verhältnisse\nerscheinendes und hinlängliches Personal, um der Klang-\nfülle und Kraft gerecht zu werden, ohne durch übergrosse\nMenge die Präcision und Feinheit der Ausführung zu be-\neinträchtigen. Dieses letztere zeigte sich besonders bei dem\nVortrage der zwei Lieder, welche die Gesammtheit ohne\nOrchester sang: Mendelssohn's „Sommerlied\" und Schü-\n„Lotosblume\", von denen Schumann's Lied, ob-\nschon gewiss nicht für einen so grossen Chor geschrieben,\ndennoch so gut gesungen wurde, dass das Publicum stür-\nmisch dessen Wiederholung begehrte. Der Saal war ganz\ngefüllt, besonders auch das schöne Geschlecht glänzend\nvertreten. Unter den auswärtigen Männern vom Fach be-\nmerkten wir Capellmeister Hiller ans Köln, Capellmei-\nster Dieterich aus Oldenburg, Concertmeister Wenig-\nmann aus Aachen u. s. w.\nAlle Gesammt-Aufführungen dirigirle Herr Max\nBruch, mit Ausnahme der Cantate von Joseph Bram-\nbach, welche der Componist selbst leitete.\nSpontini's Ouvertüre zur „Olympia\" eröffnete das\nConcert. Das geniale Werk, in der guten älteren Form\ngeschrieben, welche, wie bei Gluck und Mozart, den Geist\nder folgenden Opernmusik repräsentirt, ohne deren Mo-\ntive zu benutzen, wurde recht feurig ausgeführt.\nVon Vocalwerken mit Orchester brachte das Pro-\ngramm: „Dithyrambe\" von Julius Rietz, „Die\nMacht des Gesanges\" von Jos. Brambach und die\n„Scenen aus der Frithjof-Sage\" von Max Bruch.\nAusserdem wurden nur die oben genannten zwei Lieder\nvom Gesammt-Cbor und andere zwei durch den Männer-\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "384", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650909-01.1.4", "texte": "Gesangverein von Neuss (Dirigent Herr F. Hartmann)\ngesungen, indem statutgemäss stets nur einem Vereine\nein Einzelvortrag gestattet ist. Das Programm wurde auch\ndadurch besonders interessant, dass es zwei Werke von\njüngeren rheinischen Componisten aus neuester Zeit ent-\nhielt. Beide waren Stipendiaten der frankfurter Mozart-\nStiftung gewesen und haben ihre Studien unter l'erdinand\nHiller's Leitung vollendet. Durch die hier aufgeführten\nCompositionen, so wie durch ihre früher erschienenen,\nhaben sie gezeigt, dass sie in den ciassischen Meistern und\nFormen den Urquell des wahren Musicalisch-Schönen er-\nkennen, und dass auch die romantische Schule auf der\nGrundlage jener allein dauernde Producte der Kunst er-\nzeugen kann; dass es nicht darauf ankommt, an die Stelle\nder von den älteren Meistern vollendet ausgebildeten For-\nmen andere zu setzen, sondern sie mit Geist und Phanta-\nsie zu erfüllen.\nZufällig enthielt das Programm zwei Compositionen\nSchiller'scher Gedichte. Schiller's Poesie ist nicht leicht in\nMusik zu setzen, und wie Rietz in der „Dithyrambe\" und\nMendelssohn in dem Hymnus „An die Künstler\" die\nSchwierigkeiten, welche die Vereinigung einer reichen\nPhantasie mit einer gedankenschweren Reflexion im Texte\ndem einheitlichen musicalischen Ausdrucke darbieten, nicht\nganz haben überwinden können, so ist auch Brambach's\nComposition der „Macht des Gesanges\", musicalisch\ngenommen, ein recht ansprechendes, melodisch fliessendes\nWerk, allein den gewaltigen Bildern und den in diesem\nGedichte besonders auffallenden lyrischen Gedankensprün-\ngen gegenüber befriedigt es weniger. Es ist übrigens die-\nses Werk eine frühere Arbeit des talentvollen Compo-\nnisten, der in seiner preisgekrönten „Velleda\" (Gedicht\nvon Pfarrius, für Sopran-, Tenor- und Bariton-Soli, Män-\nnerchor und Orchester, zuerst aufgeführt 1864 in Aachen)\nmit Erfolg höhere Bahnen betreten hat. Ausgeführt wur-\nden beide Compositionen (von Rietz und von Brambach)\nrecht gut*).\nDer Verein von Neuss sang die zwei Lieder: „Stürm-\nbeschwörung\" von Dürrner und „An den Wald\" von\nF. Möhring, mit frischen und wohlgeübten Stimmen;\nallein weder die Texte noch die Compositionen konnten\nneben den übrigen Nummern des Programms bestehen.\nEin Lied, das, wie das erste, den Kehrvers\nhat, darf nicht neben dem kirchlichen Charakter auch die\n„mit grimm'gem Unverstände (!) sich bewegenden Wel-\nlen\" malen wollen. Das zweite Gedicht (?) sagt sogar vom\nPirschen des Waidmanns: „Es ist kein herzlos Tödten:\nvon heisser Lieb' zum scheuen Wild zeigt seiner Wang'\nErröthen\" u. vS. w. Wann werden die Liedertafeln ein-\nsehen, däss gerade beim Liede Poesie und Musik einander\nwürdig sein müssen, um in einander aufzugeben?\nDen zweiten Theil des Concertes füllten die „Scenen\naus der Frithjofsage\", von Max Bruch nachdem\nTexte von E. Tegner in Musik gesetzt*). Diese Compo-\nsition bildet ein grosses, zusammenhangendes, dramatisch-\nlyrisches Ganzes, welches eine Zusammenstellung der\nHaupt-Momente der Sage aus der ersten Hälfte von Teg-\nner's schönem Gedichte enthält. Die erste Scene führt un 9\ngleich mitten in die Handlung hinein, indem sie die Rück-\nkehr Frithjof's zur Heimat nach glücklich bestandenem\nAbenteuer bei Argantyr schildert; daran knüpfen sich in\nfünf folgenden Scenen die tragischen Momente von Frith-\njof's Rache an König Helge und seinen Priestern, die seine\nBraut Ingeborg an den alten König Ring verhandelt ha-\nben, der Brand von Baldur's Tempel, die Verbannung und\nder Schmerz des Helden und sein Aufraffen zu neuen See-\nfahrten nach fernen Zonen.\nDiese Zusammenstellung gibt uns nicht nur eine Reibe\nvon ergreifenden und fesselnden Bildern, sondern sie bietet\nzugleich der musicalischen Behandlung grossartige drama-\ntische Situationen dar, zwischen welchen lyrische Empfin-\ndungen, wie Ingeborg's klagende Gesänge und Frithjof's\nAbschied von der Heimat, einen Wechsel der Stimmung\nerzeugen, der jener Art von Monotonie vorbeugt, welche\nauch durch fortwährende, massenhaft verwendete Klang-\nfülle entstehen kann. Das Ganze bildet somit ein Vocal-\nwerk in dramatisch-lyrischer Form, in welchem zwei Per-\nsonen auftreten, Ingeborg (Sopran) und Frithjof (Bariton),\nwährend die Chöre der Gefährten des Helden, der Prie-\nster des Gottes Baidur und des Volkes den Hintergrund\nbilden. Natürlich mussten Alle mehr oder weniger han-\ndelnd erscheinen, was einige Umbildungen und Ergän-\nzungen des Textes nothwendig machte, der übrigens im\nGanzen nach den besten Uebersetzungen des Originals\nbeibehalten ist.\n\n*) „Die Macht dos Gesanges\" von Fr. Schiller. Cantate\nfür Männerchor, Soli und Orchester, componirt und dem Lieder-\nkranze in Frankfurt a. M. gewidmet von C. Jos. Brambach. Op.\n6. Mainz, bei B. Schott1 s Söhnen. Clavier-Auszug 1 Fl. 48 Kr. 44\nS. kl. Fol., Singstimmen 1 Fl. 48 Kr. (Partitur und Orchesterstim-\nmen durch die Verlagshandlung zu beziehen.) Die Cantate hat\nfünf Nummern, von denen Nr. 2 Solo für Bariton, Nr. 3 Solo für\nBariton mit Chor, Nr. 4 Andante für kleineren und grösseren Chor,\nNr. 5 Solo-Quartett mit Chor ist.\n*) „Frithjof.\" Scenen aus der Frithjof-Sage von E«.\nFür Männerchor, Solostimmen (Sopran und Bariton) und\nOrchester componirt von Max Bruch. Op. 23. Frau Clara Schu-\nmann zugeeignet. Breslau, bei Leuckart (Const. Sander). Clavier-\nAuszug 2 Thlr. 15 Sgr. 58 S. Gr. Fol. Die Partitur erscheint in\ndiesen Tagen. Chorstimmen 20 Sgr. Ueber das Werk selbst vgl.\nNiederrh. M.-Ztg,, Jahrg. 1864, Nr. 50 und 51."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "385", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650909-01.1.5", "texte": "Herrn Bruch hat Tegner's Poesie zu einer musicali-\nschen Composition begeistert, welche wir unbedingt für\ndas beste Werk neuerer Zeit, und nicht bloss in dieser\nGattung, erklären müssen, wie dies denn auch der überall\nunbestrittene Erfolg desselben bei den bisherigen\nrungen in Aachen, Leipzig und Wien bestätigt hat. Der\nComponist der Oper „Loreley\" bekundet durch seinen\n„Frithjof\", der, obwohl schon früher angelegt, erst im\nvorigen Jahre durch Umarbeitung und Vervollständigung\nseine jetzige Gestalt erhielt, einen grossen Fortschritt, der\nfür jeden Freund des wahrhaft Schönen um so erheben-\nder ist, als hier unter der jüngeren Generation der Ton-\nkünstler eine Kraft erscheint, welche durch die That zeigt,\ndass das wahre musicalische Genie ergrübelter Reizmittel,\nerzwungener Combinationen und ausgeklügelter neuer\nFormen nicht bedarf, um Grosses zu leisten und das Pu-\nblicum hinzureissen. In Bruch's „Frithjof\" ist die erste\nBedingung schöner Musik, der Wohlklang, nie verletzt;\nbei reichem Strome echt deutscher Melodie nicht bloss in\nder Erfindung langer Motive, sondern auch in deren gross-\nartiger Entwicklung, wird der Guss des Ganzen nirgends\ndurch Künstelei gehemmt oder durch gesuchte Harmonieen\noder gar Disharmonieen scbarf und rauh gemacht, er\nbleibt stets ein natürlicher, überflutet nie die Form, ge-\nschweige denn, dass er sie, ohne welche in der Kunst nichts\nSchönes existiren kann, gar zerbreche.\nDer Eindruck der Aufführung, die ganz vorzüglich\nwar, zeigte sich als ein so sichtbar ergreifender und er-\nhebender, wie man ihn nicht häufig erlebt. Der Chor war\nvortrefflich und auch das Orchester blieb keineswegs zu-\nrück. Fräulein Marie Büschgens aus Crefeld hat die\nPartie der Ingeborg so schön gesungen, wie wir diese\nschon früher von uns geschätzte Sängerin noch nie gehört\nhaben; ihre Stimme ist noch voller und wohltönender ge-\nworden, und Auffassung und Vortrag waren vorzüglich.\nDem „Frithjof\" hauchte Herr Max Stägemann von\nHannoverdas wahre Leben ein; sowohl für den muthigen\nund zürnenden Helden, als für den tief fühlenden Lieben-\nden und von der Heimat Scheidenden wusste dieser treff-\nliche Künstler den rechten Ton und die rechte Färbung\ndes Vortrags zu finden. Die ganze Aufführung war die\nKrone des Abends.\n\nAus Wiesbaden.\nAm 25. August fand im Gursaale ein grosses Concert\nunter Litolff's Leitung zum Besten des Ausbaues der\nTbürme der katholischen Kirche Statt. Ausführende wa-\nren; die „Section choraleu(Männerchor) der Universität\nLüttich, Fräulein Lichtraay, Herr Otto, das hiesige\n1 heater-0 r c h e s t e r in bedeutender Verstärkung und\nder Damenchor der hiesigen Oper. Die „Section Cho-\nräle\" ist eine Vereinigung von Studirenden der Universität\nzum Zwecke der Pflege des Männergesanges. Ihr Dirigent\nist Herr 1 erry, Professor des Conservatoriums zu Lüttich.\nDass bei dem Wechsel, dem ein solcher Chor durch den\nfortwährenden Ab- und Zugang von Studenten unterwor-\nfen ist, die systematische Heranbildung wie bei stabilen\nVereinen nicht erwartet werden kann, ist klar; dennoch\nhat sich derselbe schon zu einer nicht zu unterschätzenden\nLeistungsfähigkeit hinaufpotenzirt. Die Vorträge sind ne-\nben äusserer Eleganz, Reinheit, Stimmenfrische und Kraft\nvon unverkennbarem esprit durchdrungen, der Männer\nvon Energie, thatkräftigem Streben und höherer Bildung\ncharakterisirt, welches letztere sich auch noch in den fei-\nnen gesellschaftlichen Formen, in denen sich die Studenten\nbewegten, bekundete.\nDas Concert zerfiel in zwei Abiheilungen, die erste\nunter Terry's, die zweite unter Litolff's Leitung. Die\nbrillante Ouvertüre zu „Diane vom Herzoge\nErnst von Sachsen-Coburg-Gotha eröffnete das Concert.\nIhr folgte ein Salve Regina von Terry für vier Stimmen\n(Soli), Chor und Orchester. Es ist ein schönes Werk, im\naltkirchlichen Stile gehalten. Ausgeführt wurde es von\nFräulein Lichtmay nebst den Soli der\ndem Damenchor der Oper und dem Theater-Orchester.\nHieran schloss sich Lotto's „Ccncerto\" für Violine und\nOrchester. Die Composition ist im ersten Theile ziemlich\nwesenlos, etudenmässig, im zweiten gut und im dritten\nTheile originel in den weichen, slawischen Motiven. Dann\nsang Fräulein Lichtmay die grosse Scene und Arie aus\n„Freischütz\". Hierauf folgte die „Hymne an Bacchus\" aus\nMendelssohn's „Antigone\", echt dithyrambische Compo-\nsition und von der „Section Cmit Schwung vorge-\ntragen. Den Scbluss der ersten Abtheilung bildete Litolff's\nAndante religioso et Scherzo aus dessen viertem\nein Glanzpunkt des Concertes und ein Werk, in dem Uep-\npigkeit, vereint mit Grazie, Geist, in schöne, originelle For-\nmen gekleidet, wunderbare Instruraental-Effecte einen rei-\nzenden Reigen bilden. Die zweite Abtheilung wurde mit\nLitolff's Ouvertüre zu „Maximilßobespierre\" eröffnet.\nDie nächste Nummer, Grande Scene aus der „Africanerin\"\n(mit der berühmten Unisono-Introduction), gab uns ein\nBild, was diese Oper im Allgemeinen sein mag: ein bis\nzum Peinlichen sich ergehendes Suchen nach abnormen\nInstrumental-Effecten ohne die gewichtige Melodieen-Un-\nterlage, wie sie „Robert\" und „Hugenotten\" aufstellen.\nFräulein Lichtmay sang die Nummer übrigens sehr\nschön. Nunmebr folgte der Männercbor aus dem zweiten"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "386", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650909-01.1.6", "texte": "Acte der Oper „Nabel\" von Litolff; dann spielte Herr\nLotto das bekannte Rondo von Paganini,\nund den Beschluss machte das Finale aus „Nabel\", von\nder „Sectio n chorale'ausgeführt. Der Beifall, den der\nMännerchor erhielt, war ein verdienter und wurde von\nden Sängern mit grosser Bescheidenheit entgegengenom-\nmen, die nicht, wie sie sagten, in das Land des Männer-\ngesanges gekommen wären, um als Concurrenten aufzu-\ntreten, sondern, sich gleichzeitig selbst ein Vergnügen be-\nreitend, einem guten Zwecke einen Tribut zu steuern.\nDie hiesigen Vereine „Union\" und „Liederkranz\"\ngaben den Lüttichern ein Fest auf dem Neroberge, wobei\nsie ihnen eine Fahne zum Andenken schenkten. Litolff\nhielt dabei eine glänzende Rede von Verbrüderung aller\nVölker durch die Musik und anderen Ueberschwänglich-\nkeiten mehr, wie sie immer noch bei solchen Gelegenhei-\nten vorkommen.\nEine Vereinigung anderer Art trug den Charakter der\nHerzlichkeit. Es war das Abscbiedsfest, welches dem von\nWiesbaden scheidenden Capellmeister J. B. Hagen gege-\nben wurde.\nWenn auch bereits das Theater-Publicum dem schei-\ndenden Meister durch die ihm in seiner Abschieds-Vorstel-\nlung dargebrachten Ovationen seine innigsten Sympathieen\nauf die unzweideutigste Weise ausgedrückt hatte, so woll-\nten es seine vielen Freunde und Verehrer, namentlich die\nMitglieder des Cäcilien-Vereins, dessen musicalischer Vor-\nstand Hagen bekanntlich während vieler Jahre war, es\nsich doch nicht nehmen lassen, ihm noch besonders eine\nAbschiedsfeier zu veranstalten.\nZu diesem Zwecke hatte sich am 26. August eine\näusserst zahlreiche Gesellschaft, welcher sich viele Mitglie-\nder der hiesigen Oper und des Orchesters angeschlossen,\nzu einem Festmahle vereinigt, um noch ein letztes Mal vor\nseinem Scheiden mit dem allgemein verehrten Manne in\nalter herzlicher und inniger Weise zu verkehren.\nWie leicht zu begreifen, war die Stimmung aller\nTbeilnehmer eine wehmuthsvolle, die noch erhöht wurde,\nals der zeitige Vorstand des Cäcilien-Vereins in einer er-\ngreifenden Rede, sich anlehnend an die ersten Zeilen eines\nbekannten Mendelssobn'schen Liedes, in welcher er die\ngrossen Verdienste Hagen's um die Blüthe des Vereins\nbesonders hervorhob, im Namen sämmtlicher Mitglieder\nAbschied von ihm nahm und zuirf Schlüsse ein Hoch auf\nden scheidenden Freund ausbrachte, in welches die ganze\nTafelrunde begeistert einstimmte. Hagen erhob sich hier-\nauf, und nachdem es ihm endlich gelungen, Herr seiner\ntiefen Rührung zu werden und seinen Empfindungen Aus-\ndruck zu geben, dankte er der Gesellschaft in herzlichen\nWorten für die vielen Beweise der Freundschaft und Theil-\nnähme, die allein im Stande gewesen, den Schmerz der\nTrennung minder unerträglich zu machen. Wie die Erin-\nnerung an die schöne Zeit seines hiesigen Lebens, trotz\nZeit und Entfernung, immer mächtig in ihm fortleben und\nsein höchstes Gut bleiben würde, so bitte er, dass man\nauch des fernen Freundes mit der alten Liebe und Freund-\nschaft gedenken möchte. Für ihn gebe es nur noch ein\nGlück, das ihn seine Verbannung minder schmerzlich em-\npfinden liesse, das wäre der Gedanke, dereinst wieder in\ndie Mitte seiner vielen Freunde nach seinem trauten, lieben\nWiesbaden zurückkehren zu dürfen, und in dieser Hoff-\nnung leere er sein Glas auf das Wohl seiner Freunde, des\nCäcilien-Vereins und des ihm zur lieben Heimat geworde-\nnen Wiesbaden.\nHierauf überreichte eine Deputation des Cäcilien-Ver-\neins als ein sichtbares Zeichen der Anerkennung dem Ca-\npellmeister Hagen ein kostbares, reichgeschmücktes Album\nmit den Bildern seiner zahlreichen Freunde.\n\nAnzeige.\nFranz Derckum, Sonate für Pianoforte und\nVioline. Herrn Mich. DuMont zugeeignet. Op.\n13. Köln, bei M. Schloss. Pr. 1 Thlr. 17 7* Sgr.\nPartitur 27 S. fol.\nmet. Op. 14. Köln, bei M. Schloss. Pr. 1 Thlr.\n1772 Sgr. 27 S. fol.\nDie Erscheinung einer Composition, wie die vorlie-\ngende, ist in unserer Zeit eine Seltenheit; denn in der\nTonkunst, namentlich in der Ciaviermusik, ist auf der einen\nSeite das Gesuchte, Geschraubte, dabei mit Schwierigkei-\nten überladene, auf der anderen das absolut Gehaltlose,\nTriviale und in Tongeklingel Ausgeartete so sehr an der\nTagesordnung oder an der Tagesmode, dass man an die\nMöglichkeit einer einfachen Musik, die nichts als Musik\nsein will, kaum noch glaubt. Sonate que me veux-iu? wird\nhier die stolze Brut der bereits flüggen oder eben aus dem\nEi kriechenden Zukunftsvögel zugleich mit den Seiltänzern\nauf der Claviatur ausrufen. Denn in der That, die Ersten\nwerden in diesen Sonaten durch keine Art von Deutung\nein Programm entdecken können, und ein schweres Aer-\ngerniss daran nehmen, dass in ihnen die Form nicht im\ngeringsten versteckt und verhüllt ist, sondern überall klar\nhervortritt, dass sie ferner darin nichts als musicalische\nGedanken finden und keine von aussen herbeigeholte ge-\ngenständliche Veranlassung zu inhaltschwerer Charakte-\nristik des Nichtmusicalischen. Die Virtuosen werden aber\nvollends die Achseln zucken und mit der Ueberzeugung,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "387", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650909-01.1.7", "texte": "Dass damit kein Effect zu machen sei, die beiden Noten-\nhefte bei Seite legen. Sie würden sie übrigens doch spie-\nlen und vielleicht sogar dafür schwärmen, wenn sie ihre\neinfache Form durch einen alten Namen, wie Scarlatti,\nCouperin, Kirnberger u. s. w., die auf ihren Concert-Pro-\ngrammen als Rococozierden figuriren, einschwärzen könn-\nten. Da nun aber Derckum's Sonaten unglücklicher Weise\nmehr mozartisch sind, als bachisch, so werden sie keine\nGnade vor der ganzen blasirten Reihe von Musikern und\nbesonders Pianisten finden, welche von Bach auf Beetho-\nven und Schumann springen und Haydn und Mozart über-\nschlagen.\nBeide Sonaten von Derckum Op. 13 Op.\n14 Es-dur—haben, obwohl in der Erfindung der Motive\nund Themen verschieden, in der Art der Ausführung eine\ngrosse Aehnlichkeit unter einander, d. h. einen beiden ge-\nmeinsamen Stil, dessen hervorstechendste Eigenschaften\nmelodischer Fluss, harmonische Klarheit und classisch\nschulgerechte, aber keineswegs schulmeisterlich behandelte\nForm sind. Wenn wir die Sonaten eben mozartisch nann-\nten, so beziehen wir dieses Wort auf jene drei charakte-\nristischen Kennzeichen der Schreibart Mozart's, die uns\nhier gewisser Maassen in neuem Gewände auf recht an-\nmuthige Weise wieder einmal ansprechen. Auch in Bezug\nauf die Glieder der cykliscben Form hat sich der Compo-\nnist an die ursprünglichen drei Sätze der Sonate: Allegro,\nAdagio (Andante), Finale gehalten und das von Beethoven\nerst eingeführte Scherzo verschmäht. Er hat sich durch\ndiese Beschränkungen die Sache keineswegs leicht gemacht:\nim Gegentheil, es ist viel schwerer, die mozartische Form\nmit neuem Inhalt und mit interessanter, klarer Arbeit zu\nfüllen, als das Papier schwarz und voll von Noten zu ma-\nchen, in denen dann auch bei den Besten Form und\nRhythmus und Harmonie und vielleicht auch sogar etwas\nMelodie stecken, aber erst nach langem Suchen herausge-\nfunden werden können.\nDie ganze Gattung der Duette für Ciavier und Violine\nverdankt ihren Ursprung hauptsächlich dem Dilettantis-\nmus; die Sonate war die erste Form solcher Duette, von\nHaydn und Mozart gewiss häufig auf besondere Veranlas-\nsung für Schüler und Liebhaber, vielleicht noch mehr für\nSchülerinnen und Dilettantinnen componirt. Wie schon\nMozart in einigen seiner späteren Arbeiten und nach ihm\nBeethoven sie zu einer bedeutenden Kunstgattung erho-\nben, ist eben so bekannt, als wie tief sie die Fabricanten\nvon Potpourri's und so genannten Phantasieen (zumal über\nOpern-Motive!) in neuerer Zeit herabgedrückt haben. Bei\nder ungeheuren Verbreitung des Pianoforte's hat sich die\nLiebhaberei am Zusammenspiel mit der Violine nicht nur\nerhalten, sondern sie ist viel allgemeiner geworden, beson-\nders auch bei den Damen. Für diese Art von Hausmusik\nsind nun Derckum's Sonaten recht eigentlich geschaffen\nund als ein treffliches Gegenmittel gegen die leichtfertigen\nund, man möchte wirklich sagen: den Einfluss der Musik\nauf das Gemülh zu einem demoralisirenden machenden\nSalon-Compositionen zu benutzen. Ja, wir ziehen sie in\ndieser Hinsicht den anspruchsvolleren Compositionen ähn-\nlicher Gattung von neueren Meistern, wie Schumann,\nGade, Franck u. s. w. vor, weil sie ohne Frage leichteren\nEingang in die Familie finden werden, da sie weder ge-\nlehrt, noch prunkend gearbeitet, auch nicht auf leiden-\nschaftliche Aufregung der Nerven berechnet sind, sondern\nbeide Instrumente sich angenehm verschlingen oder im\nAustausch von Melodieen einander ablösen, harmonisch\nund modulatorisch stets interessant, ohne jemals durch ir-\ngend einen Ueberreiz von Klängen, die dem Zerreissen\neines Stückes Zeug gleichen, dem Ohre und dem Sinne\nfür das Schöne wehe zu thun. Wir empfehlen diese rein\nmusicalischen Bilder, die auch ohne Ueberschriften sich\nFreunde erwerben und ihnen allerlei Liebes sagen wer-\nden, allen denen, die Freude an gemeinschaftlicher Kunst-\nübung und gemeinschaftlichem Kunstgenüsse in geistver-\nwandten Kreisen finden, zur Beachtung. Die Ausführung\nbietet keine Schwierigkeiten, verlangt aber einen aus-\ndrucksvollen Vortrag.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nDas königliche Hoftheater in Hannover wurde Sonntag den\n27. August, nachdem die Sommer-Ferien zu Ende gegangen, mit\nGounod's „Faustu eröffnet. Herr Nie mann wurde sehr freundlich\nempfangen und im Laufe des Abends oft durch Beifall ausgezeich-\nnet. Der Hof-Capellmeister Jean Bott in Meiningen ist von\ndem Könige von Hannover zum Capellmeister des Hoftheaters er-\nnannt worden und hat noch die Verpflichtung übernommen, in eini-\ngen Abonnements- und Hof-Concerten Solo zu spielen, welche\nFunctionen bis jetzt Herr Joachim hatte.\nDie todt angesagte Sängerin des Stuttgarter Hoftheaters, Fräulein\nMarlow, befindet sich seit verflossenem Sonntage vollständig wohl-\nbehalten in Stuttgart.\nDer Componist Max Zenger in München, welcher durch seine\nOper „Die Foscari\", verschiedene Lieder, Kammer- und Concertmu-\nsik u, s. w. bekannt ist, hat nun eine neue Oper in vier Acten:\n„Ruy Blas\", vollendet. Der Text ist eine freie Bearbeitung des\ngleichnamigen Drama's von Victor Hugo, desselben Stückes, wozu\nMendelssohn-Bartholdy die bekannte Ouvertüre geschrieben hat.\nWieil. Das Kind der jüngsten Theater-Reclame, „Die Esels-\nhaut\", ist Freitag den 26* August im Theater an der Wien mit\nglücklichem Erfolge über die Bühne gegangen. Die grosse Spectakel-\nfeerie in vier Acten und sechszehn Bildern hat angesprochen; doch\nwem gehört der Preis des Abends? Den verschwiegenen Verbrechern\ndes französischen Textes oder den verheimlichten Helfershelfern der"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "388", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650909-01.1.8", "texte": "deutseben Bearbeitung? Nie und nimmer; der Kranz des Siegers ge-\nbührt den Decorationsmalern, die eine Reihe herrlicher, farbenpräch-\ntiger Decorationen in reizenden Fernsiebten und luxuriösen Gemä-\nchern lieferten, dem Maler, der die Skizzen zu den reichen Costu-\nmen entwarf, dem Maschinisten, der überraschende Kunststücke bot,\nu. s. w. Für's Auge wurde Alles gethan, für's Ohr gar nichts, und\nhier trifft eine grosse Schuld den Capellmeister Müller, der zu\ndieser viel Musik erfordernden Feerie eine Partitur lieferte, die an\nMelodieen-Armuth und Oedigkeit sich überbietet. lm Jahre 1814,\nalso vor einundfünfzig Jahren, wurde schon einmal im Theater an\nder Wien das Ausstattungsstück „Die Eselshaut\" gegeben. Das Sujet\nist ganz dasselbe Märchen, welches der heutigen Bearbeitung zu\nGrunde liegt, und dass auch damals für eine brillante Ausstattung\ngesorgt war, dafür bürgt der Name des Grafen Palffy, welcher be-\nkanntlich um jene Zeit das Theater an der Wien dirigirte. Die Mu-\nsik zu dem Stücke hatte der berühmte Hummel componirt. Das\nBuch befindet sich noch heute in der Bibliothek des Carl-Theaters,\nin welche es Director Carl bei seiner Uebersiedlung von der Wien\nin die Leopoldstadt mitgenommen hatte. Auf dem Titelblatte ist kein\nVerfasser oder Bearbeiter genannt, es heisst bloss: „Die Eselshaut\nu. s. w., nach dem Französischen.\"\nDie von Flotow für das Carl-Theater componirte Operette\nführt den Titel: „Das Burgfräulein\"«\nB eck mann wurde in Salzburg vom Könige von Preussen em-\npfangen und erhielt den Kronen-Orden dritter Classe.\nHerr Otto Bach hat so eben eine zweiactige komische Oper\nvollendet, deren Text Le Sage's „Gil Blas\" entnommen ist.\nJLlssaboil« Ein Journal veröffentlicht die Liste der mate-\nriellen Beifallsbezeigungen, die der Sängerin Volpini als „Martha\"\nin diesem Sommer an einein einzigen Abende zu Theil wurden.\nBeim Auftreten 18 Sträusse,\n2 Kränze,\n2000 Kosen,\nGedichte.\n„ Terzett I. Actes 20 Sträusse,\nGedichte.\n„ Quartett 11. Actes 10 Sträusse,\n1 Kranz.\nBei der „letzten Kose\" Sträusse und Tau-\nben ohne Zahl.\nBeim Ende des IL Actes 15 Sträusse.\n„ 111. Acte 35 Sträusse,\n3 Kränze.\nBei der Romanze aus der Sonnambula. .. 5 Sträusse,\n1 Kranz.\nBeim IV. Acte 6 Salven Applaus,\n26 Sträusse,\n3 Kränze,\n6 Pensdes mit Na-\nmenszug,\nGedichte,\nSchauer von Kosen.\nIm Ganzen 190 Bouquets, 17 Hervorrufe, 11 Kränze, Hunderte von\nTauben, unzählige Gedichte u. s. w.\nFerdinand Laub hat eine Professur am neu constituirten\nmoskauer Conservatorium mit einem Jahrgehalte von 3500 Kübeln\nangenommen. An demselben Institute, dessen Director Nikolaus\nRubin stein ist, wurden auch die Herren Anton Door, Karl\nTausig und der Pianist Joseph Wieniawski als Professoren\nmit bedeutendem Gehalte angestellt.\nMoniuszko in Warschau beendet eine neue Oper: „Das\nGespensterschloss\", welche in Kurzem dort in Scene gehen wird.\nSeine frühere Oper „Halka\" soll dieser Tage zum hundertsten Male\ngegeben worden."}]}