{"numero_id": "bm-bmtnabi-1865-09-23-01", "volume": "bmtnabi_1865-09-23_01", "ocr_sha256": "6d743d71043516caeba29767169cedd192353a9edac61e10c3460281762b26be", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1865/09/23_01/bmtnabi_1865-09-23_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650923-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1865-09-23-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-09-23_01#c001", "volume": "bmtnabi_1865-09-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "297", "page_fin": "297", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650923-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "297", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650923-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 459, "texte": "Inhalt.\nDie rhythmische Reihe bei den Alten und Modernen. Fünftactiger Rhythmus bei Beethoven. Von Rud. Westphal.\nZwei bisher ungedruckte Briefe von Ludwig van Beethoven. Die musicalische Kritik. Tages- und Unterhaltungsblatt\n(Darmstadt, Ordens-Verleihung Hamburg, Musikfest-Vorbereitungen Chemnitz, Musik-Aufführung Amsterdam, „Messias\", Joachim\nGaetano Claudeiii Neue Oper von Julius Beer Lyon, Raph. 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Da\nstellen Wir Modernen doch höhere Anforderungen an den\nmusicalischen Rhythmus. Ja, für den ausserhalb der Kunst\nstehenden natürlichen Rhythmus finden wir es genügend,\nwenn sich Arsen und Thesen und somit Tacte an einander\nreihen, aber für die Musik verlangen wir mehr als die\nAufeinanderfolge der nach Arsis und Thesis gegliederten\nTacte. Wir mögen nämlich keinem Musikstücke das Zuge-\nständniss machen, dass es ein rhythmisches Kunstwerk sei,\nwenn nicht immer mehrere der auf einander folgenden\nTacte sich zu höheren rhythmischen Einheiten zusammen-\nfassen lassen. Unsere Musiker nennen diese rhythmischen\nAbschnitte höherer Ordnung die periodischen Vorder- und\nNachsätze. Es soll stets eine bestimmte Anzahl von Tacten\ndurch die Einheit eines in ihnen dargestellten Abschnittes\nder Melodie als eine zusammengehörige, untrennbare\nGruppe sich darstellen, und weit entfernt, uns an der\nGleichheit der auf einander folgenden einzelnen Tacte ge-\nnügen zu lassen, sind wir nur dann in Beziehung auf den\nRhythmus zufriedengestellt, wenn auch in den Zeit-Ab-\nschnitten, in welche das rhythmische Ganze durch diese\nGruppen sich enger zusammenschliessender Tacte zerfällt,\neine bestimmte Ordnung und Gleichmässigkeit beobachtet\nist. Wir wollen die Ordnung der Zeittheile nicht bloss in\nder Reihenfolge der einzelnen Tacte und ihrer Tacttheile,\nsondern auch in der Aufeinanderfolge der periodischen\nVorder- und Nachsätze repräsentirt sehen, ja, wir gehen\nso weit, dass wir vorwiegend in die Ordnung dieser letz-\nteren Art das eigentlich rhythmische Moment einer\nComposition setzen. Und wie wir von den zum Einzeltacte\ngehörenden Tacttheilen den einen (schweren) Tacttheil\ndurch stärkere Intension, die wir einem der in ihm ent-\nhaltenen Töne geben, über den anderen hervorheben, und\nwie wir durch diesen Ictus des Einzeltactes die ihn aus-\nfüllenden Töne als eine zusammengehörige Gruppe mar-\nkiren und von denen des vorausgehenden und folgenden\nTactes abscheiden, so geben wir Einem der zu einem Vor-\nder- oder Nachsatze vereinigten Einzeltacte wiederum\neinen stärkeren Ictus, als den übrigen, und durch diesen\nHaupt-Ictus markiren wir die ganze Tactgruppe als ein\nvon der vorausgehenden und nachfolgenden geschiedenes\nselbständiges Ganzes. Ein passender und leichter Name\nfür das etwas unbequeme „periodischer Vorder- wie Nach-\nsatz\" ist der der rhythmischen Reihe; es verdient der-\nselbe allgemeine Aufnahme in der Kunstsprache der Mu-\nsiker zu erhalten. [lst längst geschehen.]\nUnd die musische Kunst der Griechen? Wusste sie\nvon diesen rhythmischen Reihen nichts? Fiat sie sich bloss\nmit Tacten und deren Arsen und Thesen begnügt, ohne"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "298", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650923-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5283, "texte": "sie zu einer höheren rhythmischen Ordnung zu vereinigen?\nDie Darstellung der Aristoxenischen Tactlehre setzt uns\nin den Stand, hierauf die richtige Antwort zu geben. Die\nrhythmische Theorie der Griechen und demnach auch die\nPraxis ihrer musischen Kunst hält den Begriff der rhyth-\nmischen Reihe eben so streng, wenn nicht noch strenger\nfest, als wir Modernen. Aristoxenus nennt zwar die\nund deren orjfieiaals die völlig ausreichenden Bestand-\ntheile des Rhythmus, aber eben das Wort\nbezeichnet als Kunst-Ausdruck der antiken\nRhythmik nicht bloss das, was wir Modernen\ndie Tacte nennen, sondern es ist zugleich der\nAusdruck für unseren Begriff der rhythmischen\nReihe.\nUeberschauen wir die Zahl der nach der Darstellung\ndes Aristoxenus bei den Alten vorkommenden Tacte der\nGrösse und der Tactart nach (es sind ihrer 19), so finden\nwir dort zunächst solche Tacte, welche wir Modernen als\neinfache oder unzusammengesetzte Tacte bezeichnen. Nach\nAristoxenus werden sie auch bei den Allen unzusammen-\ngesetzte Tacte, ctovv&ZTOi tcodeg, genannt. Ihnen tritt\neine ungleich grössere Zahl von Tacten gegenüber, welche\nin der allen Kunstsprache zusammengesetzte Tacte,\n■d-et 01 noöeg,genannt wurden. Auch wir Modernen ha-\nben zusammengesetzte Tacte. Wir finden dieselben sämmt-\nlich unter den nööeg Gvv&eroider Alten wieder. Aber\nnach Abzug derselben bleibt unter den\nnoch immer eine nicht unbedeutende Zahl zurück, für\nwelche wir in unserer Tact-Kategorie keine Analoga fin-\nden. Wir müssen diese Analoga unter unseren rhythmi-\nschen Reihen suchen, und auch denjenigen\nnoöeg, welchen sich gleich grosse und gleich gegliederte\nzusammengesetzte Tacte der Modernen zur Seite stellen'\nlassen, muss, nach der Anwendung zu urtheilen, welche\ndie uns noch theilweise vorliegende Praxis der Alten von\nihnen machte, die Bedeutung von rhythmischen Reihen\nzuerkannt werden.\nHierbei will uns freilich Manches nicht recht einleuch-\nten. Bei uns Modernen ist die fast ganz allgemeine Anord-\nnung der Tacte zu periodischen Sätzen oder Reihen diese,\ndass immer vier Tacte zu einem Vorder- oder Nachsatze\nzusammengefasst werden. Diese Reihenform ist nun frei-\nlich auch bei den Alten vertreten (in den tetrapodischen\nReihen). Aber wir erblicken hier noch so manche andere.\nUnter ihnen machen uns die Dipodieen, in so fern dies\nselbständige Reihen sein sollen, keine Schwierigkeit, denn\nauch bei uns machen bisweilen nicht vier, sondern zwei\nunzusammengesetzte Tacte eine Reihe für sich aus, was\naus dem melodischen Inhalte deutlich genug zu erkennen\nist. Befremdlicher sind uns die vielen dreitheiligen Reihen,\ndarunter auch eine von drei Dipodieen. Es wird uns, denke\nich, nicht leicht fallen, hierzu Analoga in unserer musica-\nlischen Periodenbildung zu finden*), wenn anders wirklich\nje drei Dipodieen durch den musicalischen Inhalt sich zu\neinem periodischen Vorder- und Nachsatze zusammen-\nschliessen sollen.\nAber noch auffälliger ist es uns, dass die Alten in ihrer\nuns ganz fremden Vorliebe für Fünftheiligkeit der rhyth-\nmischen Abschnitte so weit gehen, dass sie nicht bloss den\n5/s- und 5/VTact haben, sondern auch je fünf einfache\nTacte zu einer einheitlichen Reihe zusammensetzen. Am\nleichtesten können wir uns von diesen päonischen oder\nhemiolischen Formen, wie sie die Alten nannten, mit ih-\nrem 5/4-Tacte oder Päon epibatus befreunden, zumal ihn\ndie Theorie des Aristoxenus nach den in dem Voraus-\ngehenden gewonnenen Ergebnissen gerade so auffasst, wie\nBoieldieu in seiner „Weissen Dame\", nämlich als eine\nZusammensetzung des 3/4- und 2/4-Tactes. Auch den 5/s-\nTact lassen wir hingehen, da auch unsere modernen Com-\nponisten einige Versuche, ihn anzuwenden, gemacht haben.\nAber mag auch der 5/4-Tact, so denken wir, immerhin\ngeläufig genug sein, dass er selbst in unseren Volksliedern\nsich nachweisen lässt (der ehrwürdige 5/4-Khythmus des\n„Prinz Eugen, der edle Ritter\" verdient in jeder Hinsicht\nvor der Cavatine der „Weissen Dame\" den Vorzug), so\nwollen wir doch nicht einsehen, wie es möglich gewesen,\ndass man jemals in der Melodiebildung an der Vereinigung\nvon fünf 2/4-, oder 3/s-,oder gar 5/8-Tacten zu fünfthei-\nligen Sätzen Gefallen gefunden haben könne. Die erfah-\nrensten unserer Musik-Theoretiker stellen das in Abrede.\nUnd doch könnte es sich leicht herausstellen, dass Aristo-\nxenus in der Anerkennung verschiedenartiger pentapodi-\nscher (fünftheiliger) Reihen der musicalischen Praxis sei-\nnes Volkes eine grössere Aufmerksamkeit und schärfere\nBeobachtung hat zu Theil werden lassen, als die heutigen\nMusik-Theoretiker den in unserer Musik vorkommenden\nrhythmischen Formen. Ich will hier nicht auf den Rhyth-\nmus unserer Volksmelodieen hinweisen, nicht auf die fünf-\ntbeiligen Reihen des schwäbischen Liedes: „Gang i ans\nBrünnele\", die freilich von den norddeutschen Herausge-\nbern meist in viertheilige abgeändert werden, es gibt auch\nin unserer eigentlichen Kunst-Musik Compositionen, wo\nfünftheilige Reihen nicht bloss einzeln als beiläufige Er-\nweiterungen einer viertactigen Reihe vorkommen, sondern\nwelche in ihrem Rhythmus recht eigentlich auf fünftactige\nReihenbildung basirt sind. Eine solche Composition ist\n\n*) Zu den dreitheiligen Rhythmen wohl, z. B. im Scherzo der\nneunten Sinfonie von Beethoven. (Vergl. Hiller's Rhythmische\nStudien für Pianoforte.) Die Redaction."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "299", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650923-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3130, "texte": "der erste Satz in der Beethoven'schen\nSonate. Schon mancher Musiker hat mir hier widerspro-\nchen, aber im Interesse der Aristoxenischen Tradition ist\nes nothwendig, dass ich auf jenes Stück als eine moderne\nParallele zum päonischen Rhythmus der Alten aufmerk-\nsam mache. Ich habe die ersten 28 Tacte, nach periodi-\nschen Reihen gruppirt, dem Auge vorgeführt; nach einem\nZwischensatze wird dann von Tact 43 an eine ähnliche\nReihen-Anordnung, wie in jenen 28 Tacten, nur kürzer,\nwiederholt.\nDie erste Reihe ist ein Vorspiel, eine lediglich kruma-\ntische Einleitung. Schon dieses Vorspiel enthält fünf Tacte.\nDer Schluss der Reihe ist der Auftact der folgenden, und\neben so ist es, um dies gleich hier vorauszunehmen, am\nSchlüsse jeder folgenden Reihe. Mit diesem Auftacte be-\nginnt das eigentliche peXog. Die erste Reihe der Melodie\nist mit vier Tacten abgeschlossen, aber es ist für die Vor-\nliebe, welche Beethoven in dieser Composition für päoni-\nsche Gliederung zeigt, im höchsten Grade charakteristisch,\ndass trotzdem diese erste Reihe durch die noch\num einen fünften Tact erweitert wird. Also auch diese\nzweite Reibe ist eine Pentapodie. Die dritte wieder eine\nPentapodie, und zwar hier auch in der Melodie. Dann\nfolgen aul die drei Pentapodieen zwei tetrapodische (vier-\ntheilige) Reihen, bis endlich Beethoven an sechster Stelle\nwieder mit einer Pentapodie diesen ersten Theil abschliesst.\nIch denke, eine andere rhythmische Anordnung, als die\nvon mir angegebene, lässt sich für den genau Prüfenden\nin jenen 28 Tacten gar nicht finden [?]. Die Melodie oder\ndas Metrum sondert die Reihen scharf genug von einander.\nUm die metrischen Reihen dem Prüfenden um so klarer\nvorzuführen, habe ich mich die schwere Arbeit nicht ver-\ndriessen lassen, das schöne Sonett, welches Griepenkerl\nzu unserem Adagio geschrieben, in die entsprechenden\nMetra umzuformen und den Noten hinzuzufügen. Möge\ndie dadurch entstandene Verschlechterung desselben der\nrein wissenschaftliche Zweck entschuldigen.\nIn derselben Weise haben wir uns nun die grösseren\npäonischen Tacte, d. h. die pentapodischen Reihen zu den-\nken, welche Aristoxenus für die antike Musik statuirt.\nSogar das Ethos, welches die Alten ihrem päonischen\nRhythmengeschlechte zuschreiben, kann man sich einiger\nMaassen an jenen Beethoven'schen Pentapodieen veran-\nschaulichen. Es versteht sich, dass wir uns nach ihnen nur\ndie aus geraden und dreitheiligen Einzel-Tacten bestehen-\nden Pentapodieen vorstellig machen können; denn Penta-\npodieen oder fünftactige Reihen aus Einzel-Tacten, die\nwiederum fünftheilig sind, gehen allerdings über das\nMaass unserer Anschauungsfähigkeit einiger Maassen hin-\naus. Und doch müssen wir es dem Aristoxenus glauben,\ndass auch sie in der antiken Kunst gebildet wurden. Ein\nmoderner Bearbeiter der antiken Rhythmik behauptet so-\ngar, die Alten hätten nur fünftactige Reihen aus lünfzei-\nligen Tacten gekannt, die Pentapodieen aus drei- und vier-\nzeiligen Tacten glaubt er ihnen absprechen zu müssen. Er\nsetzt hiedurch seinen vielen den rhythmischen Erfahrun-\ngen so sorglos Hohn sprechenden Behauptungen allerdings\ndie Krone auf.\n*)•\n\nRud. Westphal"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-09-23-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-09-23_01#c004", "volume": "bmtnabi_1865-09-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "299", "page_fin": "301", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650923-01.2.3", "titre_corps": "Zwei bisher ungedruckte Briefe von Ludwig van Beethoven.", "titre_sommaire": "Zwei bisher ungedruckte Briefe von Ludwig van Beethoven.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "299", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650923-01.1.3", "debut_caractere": 3132, "fin_caractere_exclue": 3616, "texte": "Zwei bisher ungedruckte Briefe von Ludwig\nvan Beethoven.\nDie folgenden zwei Briefe, welche auch in Nohl's\nSammlung fehlen, sind uns vom Componisten Herrn W.\nSpeyer in Frankfurt am Main gütigst im Original mitge-\ntheilt worden. In dem Begleitschreiben gibt Herr Speyer\nseine Quellen mit den Worten an:\n„Den einen Brief habe ich im Mai des Jahres 1825\nvon N. Simrock in Bonn, den anderen von Frau Witwe\n\n*) System der antiken Rhythmik. Breslau, C. Sander.\n18G5. XII und 194 S. Gr. 8.\nf]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "300", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650923-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2212, "texte": "Ries, Schwiegermutter meines ältesten Sohnes, empfan-\ngen.\" Ausserdem beweist die unverkennbare, mitunter\nschwer zu entziffernde Handschrift Beethoven'» ihre Echt-\nheit. Sie sind genau, ohne irgend eine orthographische\nAenderung abgedruckt.\nDie Redaction.\n1.\nWien am 18ten März 1820.\nLieber Herr Simrock!\nIch weiss nicht, ob ich mich im vorigen Briefe recht\nüber alles geäussert—ich schreibe ihnen daher nur kurz,\ndass ich auch wohl, wenn Sie es für nöthig finden, ihnen\nden Termin zur Herausgabe der Variationen verlängern\nkann*) was die Messe betrift, so habe ich es reiflich\nüberlegt u. könnte ihnen selbe wohl für das mir von ihnen\nangebotene Honor. von 100 Louisdor geben, wenn sie\nvieleicht einige Bedingungen, welche ich ihnen vorschla-\ngen werde, u. eben, wie ich glaube, ihnen nicht beschwer-\nlich fallen werden, eingehen wollten? Den Plan über die\nHerausgabe haben wir hier schon durchgegangen und\nglauben wohl, dass die Sache, jedoch mit gewissen Mo-\ndifikationen bald in's Werk gesezt werde können, wel-\nches sehr nöthig ist, daher ich denn auch eilen werde,\nihnen baldigst die nöthigen Aenderungen vorzuschlagen\nDa ich weiss, dass die Kaufleute das Postgeld gerne\nsparen, so füge ich hier 2 österreichische Volkslieder als\nWechsel bey, womit sie schalten u. walten können nach\nBelieben, die Begleitung ist von mir ich denke eine\nVolkslieder Jagd ist besser als eine Menschen : Jagd der\nso gepriesenen Helden\n(Die erwähnten Beilagen bestehen in zwei mit Noten\nund Text beschriebenen Blättern. Unter der letzten Noten-\nzeile des zweiten steht folgender Schluss des Briefes:)\nMein Kopist ist eben nicht da, ich hoffe sie werden\nes wohl lesen können d. g. könnten Sie manche von\nmir haben, wofür sie mir eine andere Gefälligkeit erwei-\nsen können\nin Eil der Ihrige\nBeethoven.\nEnde abgerissen, so dass die ersten vier Tacte nicht mehr\ndeutlich zu lesen sind.)\nI.\nDas liebe Käzchen.\nII.\nDer Knabe auf dem Berge.\n\n*) d. h. länger als 6 Monathe.\nAdresse: An Herrn Simrock\nberühmten Kunstverleger\nin Bonn\n(am Niederrheine).\nAuf der Rückseite des Couverts steht: ouvres la lettre\navec bien de menagement.\n(Trotz dieser Warnung ist das eine Notenblatt mit der\nUeberschrift: „Der Knabe auf dem Berge\", am oberen"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "301", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650923-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2122, "texte": "2.\nde Vienne.\nA\nMonsieur Ferdinand Ries\nchez B, A. Goldschmidt et comp.\nä\nLondres\nen Angleterre.\nWien am 25. Febr. 1823.\nMein lieber werther Ries!\nIch ergreife diese Gelegenheit durch den Herrn\nBauer Kaiserl. Königl. Gesandschafts-secretär ihnen zu\nschreiben, ich weiss nicht mit der wie ich es hal-\nten soll, sobald ich nur ein weiteres wort von ihnen er-\nhalte, freilich wäre es nöthig auch Anweisung dabey, so\nhat mir schon eben dieser H. Bauer, welcher eben so geist-\nreich als gütig ist, versprochen, dass man sie von hier aus\nauf's schnellste nach London besorgen wird, indem ich\nsie nur im fürstl. Esterhazischen Hause abzugeben habe\nebenfalls erhalten sie hier die versprochene overture,\nwill die philarm. Gesellschaft sie behalten ebenfalls auf\n18 Monathe, so steht sie ihr zu Diensten, noch hat sie\nNiemand, erhält auch Niemand selbe, bis ich von ihnen\nhierüber Antwort erhalte, ist die philarm. Gesellschaft so\narm wie ich, so hat sie mir gar nichts zu geben, ist sie\naber reicher, wie ich wohl glaube und es ihr von Herzen\nwünsche und gönne, so überlasse ich ihr ganz, wie sie es\nmit mir der overture halber halten will zugleich erhal-\nten Sie 6 bagatellenoder Kleinigkeit, u. wieder fünf\nzusammengehörend in 2 Theile. Verschachern sie selbe\nso gut sie können, ich hoffe, sie haben die beyden So-\nnaten erhalten, u. bitte ebenfalls das Schacherthum\ndamit auszuüben, denn ich brauche es, der Winter u.\nMehrere Umstände haben mich wieder zurückgesetzt u.\nbeynahe immer von der Feder leben zu müssen, ist keine\nKleinigkeit, künftiges Frühjahr 1824 bin ich in London,\num ihre Frau zu küssen, darüber haben wir noch genug\nZeit uns zu schreiben, hätte ich nur ihre Dedication er-\nhalten, so widmete ich ihnen gleich diese overture, falls\nSie in London Beyfall finden würde nun leben sie wohl,\nmein lieber Freund, eilen sie wegen der sinfonie, u. was\nsie für die Sonaten und bagatellen erhalten, überhaupt an\nGeld übermachen sie bald hieher. Es ist willkommen.\nDer Himmel segne Sie und lasse mich nur auch dazu\n« men, irgend ihnen eine Gefälligkeit zu erweisen.\nMit den Freundschaftlichsten Gesinnungen\nihr\nBeethoven."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-09-23-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-09-23_01#c007", "volume": "bmtnabi_1865-09-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "301", "page_fin": "303", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650923-01.2.4", "titre_corps": "Die musicalische Kritik.", "titre_sommaire": "Die musicalische Kritik.", "signature_source": "Die Redaction", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "301", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650923-01.1.5", "debut_caractere": 2124, "fin_caractere_exclue": 4669, "texte": "Die musicalische Kritik.\n\nWien, im August 1865.\nMan kann sich nicht besser überzeugen, welchen Hän-\nden jetzt mitunter die musicalische Kritik selbst von nam-\nhaften Blättern anvertraut wird, als wenn man die ver-\nschiedenen Berichte über Aufführungen liest, denen man\nselbst mit Aufmerksamkeit beigewohnt hat. Sie haben\nschon oft die Bemerkung gemacht, dass gar manche Lite-\nraten ohne alle musicalische Kenntnisse und ohne auf\nKunststudien beruhende musicalisch-ästhetiscbe Bildung\nsich anmaassen, über Werke der Tonkunst und deren\nDarstellung abzusprechen. Bei dieser Gattung von Schrift-\nstellern findet man denn heutzutage am häufigsten die\nSucht, pikant zu schreiben und durch eine meist sehr ver-\nunglückte Nachahmung des französischen Figaro-Stils ihre\nUnwissenheit in der Sache vergessen zu machen.\nNun habe ich aber lange nichts gelesen, was in dieser\nArt theils ergötzlicher, theils empörender wäre, als ein\nBericht in der hiesigen „Neuen Freien Presse\", der\nbei Gelegenheit des letzten niederrheinischen Musikfestes\nin Köln, an welches ich und alle Musiker und Kunst-\nfreunde eine so dankbare und erhebende Erinnerung be-\nwahren, sich in einer Weise über Werke der Tonkunst\nergeht, die zu charakteristisch für die Manier jener Pfu-\nscher in Kunstkritik ist, um nicht als Beweisstück in den\nAnnalen der Musik aufbewahrt zu werden. Desshalb theile\nich Ihnen einen Auszug daraus mit, bei dessen Ansicht\nSie und die Leser sich besonders noch darüber wundern\nwerden, dass so ungewaschenes Zeug in dem Feuilleton\neiner Zeitung eine Stelle finden konnte, in welchem sonst\nder Name eines Eduard Hanslick uns an ganz andere mu-\nsicalische Aufsätze gewöhnt hat.\nZuerst Etwas über HändeFs „Israel in Aegypten\".\n„Ein Oratorium von G. F. Händel! Bei dem blos-\nsen Namen fliegt Einem der Hut vom Kopfe. Ja, das Hesse\nman sich schon gefallen, wenn nur die Ohren mitflögen.\nAber die Ohren kleben fest und halten sich aus herge-\nbrachter Ehrfurcht weit offen, um all die erhabenen Ein-\ndrücke in den dröhnenden Hirnschädel zu spediren. Vier\nvolle Stunden dauert die Erhabenheit, und ich setze eine\nin Leder gebundene Pracht-Ausgabe des Klopstock'schen\nMessias als Prämie für den ehrlichen Mann aus, der mir\nbei seiner christlich-germanischen Seele zuschwören will,\nwährend dieser vierstündigen Erhabenheit nicht ein einzi-\nges Mal bedauert zu haben, dass die Ironie des Herrgotts\nihm zwei Ohren zum Hören und nur Einen Mund zum\nGähnen beschert!\n„Soll das etwa heissen, „„Israel in Aegypten\"\" sei\nein langweiliges Tonwerk? Gewiss nicht: aber ein lang-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "302", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650923-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5301, "texte": "gestrecktes und in seiner Länge allzu gleichförmiges Werk.\nUnd die Gleichförmigkeit ist nur ein Mal in die Wochen\ngekommen, wie folgende französische Geburts-Anzeige\ndarthut:\n„ „L'ennui naquit un jour \"\n„Ein jedes wahre Kunstwerk verdankt zeitlichen Ein-\nflüssen seine Entstehung. Des Künstlers Herz schlägt mit\ndem Herzen der Menschheit, und desshalb allein kann man\ndie Entwicklung der Kunst als den Stundenzeiger der Ge-\nschichte ansehen. Ist der Zeiger heute weiter vorgeschrit-\nten, als vor hundert und etlichen Jahren? Ich weiss es\nnicht; aber bestimmt weiss ich, dass in unseren, auf den\nWogen des Materialismus dahindampfenden, von Hegel\nund Strauss durchzweifelten Tagen ein vom streng bibli-\nschen Geiste eingegebenes und in diesem Geiste mit star-\nrer Consequenz durchgeführtes Kunstwerk nicht mehr ver-\nständlich ist. Im Bereich der Musik ist die heilige Cäcilia\neine ziemlich verbrauchte Person; man gri'isst sie wohl noch\nin der Kirche, aber sie wird nicht mehr zu Gaste geladen\nam häuslichen Heerde.\n„ Eine Composition wie das Händel'sche Oratorium will\nnicht nur als Kunstwerk, sondern vor Allem als Glaubens-\nact aufgefasst sein und dazu fehlt uns der Händel. Es\nist nicht blosse Musik, es ist Religion, und zwar anglicani-\nscher Protestantismus mit Fugen. Die dreiunddreissig\nNummern des Oratoriums sind dreiunddreissig gläubige\nKniefälle, und wie das Werk knieend gedacht und gedich-\ntet worden, so sollte es auch knieend angehört und be-\nwundert werden. Die Crinoline ist der entschie-\ndene Gegensatz solcher Musik (!).\n„Aus dem also angedeuteten dogmatischen Grundge-\ndanken des Oratoriums erklärt sich denn auch der durch-\ngehende Charakter der musicalischen Behandlung. Von\ndramatischem Wechsel, von individualisirender Gestaltung\nkeine Spur religiöse Erhabenheit, gottgefällige Anbe-\ntung von einem Ende zum anderen. Streng verbannt ist\nder sündhafte Schimmer irdischer Menschlichkeit: der Liebe\nJubel, der Freude Gelächter, des Hasses Wuthschrei\nsie alle werden in gleichgefugter Hingebung auf den Altar\ndes Oratoriums niedergelegt. Denn es gilt nicht, zu singen,\nsondern zu beten.\n„Wenn ich nicht fürchtete, mich der Verachtung al-\nler Gegenwarts- und Zukunfts-Musiker auszusetzen, so\nwürde ich die Ungeheuerlichkeit aussprechen, dass bei\neinem solchen Werke von Stil im laienhaft ästhetischen\nSinne des Wortes eigentlich nicht die Rede sein kann. Der\nSuperlativ an sich macht noch lange keinen Stil. Aus Pur-\npur lässt sich ein Königsmantel fertigen, aber eine pur-\npurne Unterhose wäre auch bei einem Könige lächerlich.\nBei Händel aber ist Alles von Purpur und Gold, das ein-\nfachste Gewand, das gewöhnlichste Geschirr. Die gleiche\nPracht der Darstellung, das ganze mächtige Arsenal der\nTöne, von der Löwenstimme der Orgel und des Basses\nherab bis zur Piccoloflöte und zum Knaben-So-\npran, wird für die höchsten, wie für die niedrigsten Ob-\njecte aufgeboten. „ „Der Herr, der starke Held\"\" wird in\ngleichem Tone, mit derselben dröhnenden Herrlichkeit be-\nsungen, wie Heuschrecken und Fliegen, die Mücken und\nder Aussatz, welche die Aegyptier heimsuchten. Nach dem\nfrommen Geiste, der das Oratorium so hoch erhebt, wie\nnur ein Menschengebet zu steigen vermag, ist das natür-\nlich und gerechtfertigt. Aber specifisch künstlerisch genom-\nmen ist es doch eine eigene Sache um diese mit dem ma-\njestätischen Pomp der Orgel und Fuge vorgeführten ägyp-\ntischen Plagen. Da denkt man an nichts als Fliegen,\nMücken, Maden und andere winzige Thierchen, und nun\nein Riesen-Instrument wie die Orgel wo bleibt da die\nProportion!\n„Und wenn Sie mich nun fragen, was meines langen\nDaseins kurzer Sinn bedeuten solle, so antworte ich Ihnen,\ndass meiner aufrichtigen Ueberzeugung nach ein Werk wie\n„„Israel in Aegypten\"'' in seiner Ganzheit heute nicht\nmehr aufführbar ist. Es geschieht offenbar nur aus Pietät\nfür den grossen Namen des Tondichters und den hundert-\njährigen Ruf seines Werkes, dass man es nicht wagt, aus\ndem musicalischen Rosenkranze die ewig hellen, im rein-\nsten Wasser glänzenden Perlen herauszulesen und das\nUebrige bei Seite zu lassen. Aber es ist eine falsch verstan-\ndene Pietät, welche auf die Dauer und bei der wachsen-\nden Läuterung des allgemeinen Geschmacks dem Ansehen\ndes Meisters nur schaden kann.\n„Und was bei den Fachmusikern und Contrapunktisten\nPietät, das ist bei der grossen Mehrzahl des Publicums so-\nciale Ehrensache. Was man nicht versteht, ist schön, und\nvor jeder Fuge muss man sich bekreuzen. Die Verehrung\nHändel's von A bis Z, das X einbegriffen, gehört zum gu-\nten Tone. Kein wohlerzogener Mensch wagt es, seine Lan-\ngeweile einzugestehen, und wenn Einer beim Gähnen er-\ntappt wird, so sagt er rasch Ah! um die gravirende Mund-\nöffnung zu rehabilitiren. Dennoch möchte ich wohl wissen,\nwie viele von den 1500 Zuhörern im Gürzenich zu Köln,\ndenen die dreiunddreissig Nummern des Oratoriums drei-\nunddreissig erhabene Gefühle abforderten, bei der siebenten\nNummer noch zahlungsfähig waren. Es gäbe eine curiose\nStatistik, wenn sie mit Aufrichtigkeit hergestellt würde.\"\nNun etwas ganz Neues über Beethoven's Ouvertüre\nzu Co riolan. Bisher hat man den Coriolan der Geschichte\nund der Tragödie von Collin, zu welcher Beethoven diese\nOuvertüre geschrieben, für einen starren Aristokraten und\nden musicalischen Prolog Beethoven's für charakteristisch"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "303", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650923-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5028, "texte": "eben in dieser Beziehung gehalten. Man war im Irrlhum.\nDenn bei unserem Kunstkritiker heisst es:\n„0, wer solche Musik und die Gefühle, welche sie in\nHerz und Hirn rege macht, in Worte kleiden könnte! Ver-\nzehrendes Feuer würde er sprechen und blendendes Licht\nund Fahnen, Schwerter und Freiheitsbäume und siegendes\nLeben und seligen Tod. Wenn Mirabeau, Danton und Ca-\nmilie I) esmoulins ihre ganze Seele, ihr ganzes Wollen und\nSollen, ihr Wissen und Gewissen in eine flammende Phrase\nhätten zusammengefasst das wäre ein Text geworden\nzu Beethoven's Coriolan!\" (!!)\n„Von den leuchtenden Höhen Beethoven's herab ge-\nleitete uns die dritte Abtheilung der Schumann'schen Mu-\nsik zum „ „Faust\" \" in den Goethe'schen Geheimraths-\nhimmel. Ich gehöre nicht zu den „ „reuigZarten\"\", denen\nes je wohl geworden in den kühlen, symmetrischen Hallen\ndieses transscendentalen Tempelbaues, und Schumann's\nmusicalischer Commentar hat mich nicht heimischer darin\ngemacht. Schumann hat die Verse seines Dichters nur mit\neinem alltäglichen Gewände bekleidet\" u. s. w.\n(Als Gegenstück etwas Ueberschwängliches über Beet-\nhoven!—) „Glücklicher Weise führte uns das Programm\naus dem Goethe-Schumann'schen Treibhause in Beetho-\nven's Urwald zurück. Wenn Sie irgend etwas Grösseres,\nSchöneres kennen, als die siebente Symphonie (in\nbitte, sagen Sie mir's nicht, denn ich möchte meinem\nhöchsten Empfinden gern einen mir bekannten Namen\nlassen. So eine Beethoven'sche Symphonie, und namentlich\ndiese siebente, ist das ganze Menschenherz, die ganze\nMenschheit in Musi k. In h inreissenden Tönen durchlebt\nder Zuhörer alles, was jemals geliebt und gehasst, gedacht\nund gehofft, geträumt und gezweifelt worden. Es ist wie\neine Verklärung der Vergangenheit, ein Traum der Ge-\ngenwart, ein Evangelium der Zukunft. Es durchbeben und\ndurchschauern uns die höchsten Erinnerungen des Gedan-\nkens, die süssesten Ahnungen der Seele. Das ist der wahre\nFaust, die wahre Himmel und Erde umfassende Encyklo-\npädie der Menschheit. Im Anfange war Beethoven, und\nwenn es dereinst im Worte leben wird, was sein grosses\nHerz in klingender Ahnung ausgehaucht und woran es\nzersprungen, dann wird unsere Aufgabe erfüllt, sein, und\ndie Menschheit darf r-uhig zu Grabe gehen! . . .\"\nEndlich lässt sich Judex a quo noch über F. Hiller's\nSinfonie: „Es muss doch Frühling werden\", vernehmen.\nDass er Geibel's Gedicht und Hiller's Musik verstanden\nhabe, dürfen wir nicht erwarten: dass er sich aber bei so\narger Urtheilslosigkeit auf so cynische Weise ausdrückt,\nwird geradezu widerlich.\n„Es muss doch Frühling werden.\" „Das ist kühn ge-\nsagt, aber ich hege die feste Ueberzeugung, dass der Früh-\nling, wenn er die langweilige Herausforderung des Herrn\nHiller anhören müsste, erst recht niemals nach Köln kom-\nmen würde. Die Melodieen drehen und winden sich in\ndem überlangen und doch so leeren Tonstücke wie grau-\ngefärbte Raupen, aber keine Nachtigall singt in maigrü-\nnem Busche, kein Sonnenstrahl glänzt in blauer Luft, kein\nBlümlein blüht auf duftender Halde. Es überkommt Einen\nwinterlicher Katzenjammer bei dieser angeblichen Früh-\nlings-Hymne, die sich in die Länge zieht wie ein grau-\nwollener Strumpf und in die Breite wie eine Flanell-Jacke.\nHerr Miller gilt in Köln am liheine für einen Propheten,\naber zu einem Wetter-Propheten stempelt ihn seine Früh-\nlings-Symphonie gewiss nicht.\"\nDer Aufsatz ist unterzeichnet: Michel Berend. Sieb\nselbst charakterisirt aber Herr M. B. in der Einleitung auf\nfolgende Weise:\n„Dem Barbaren, den Sie (die Redaetion der Neuen\nI* reien Presse) als Beporter nach Korinth geschickt, würde\nman verzeihen, wenn er die Maske des Enthusiasten vor-\nnähme und um den Preis schrankenloser Bewunderung\nüber die Incompetenz gnädig hinwegsehen wollte. Eine\nBeifall klatschende Hand darf ungewaschen sein, und Nie-\nmand bekümmert sich darum, ob ein Bravo aus berufenem\nMunde stamme. Das Lob braucht keinen Pass. Der Esel\nist sogar ein nicht ungern gesehenes Mitglied des musica-\nlischen Publicums, so lange er zum Tacte des allgemeinen\nWonnerausches die Ohren mit rhythmischer Gelehrigkeit\nsenkt und hebt, so lange sein Ya harmonisch einstimmt in\nden Jubel des patentirten Dilettantismus. Aber wehe, wehe\ndem Esel, der ein selbständiger Esel sein und seinen lan-\ngen Ohren eine persönliche Geltung verschaffen will! 0,\nüber das unverschämte Thier! Zum Applaudiren ist der\nEsel da, aber wenn er sich anmaassen will, zu hören, zu\nwägen, zu urtheilen, so wird er höhnend zur Tempelthür\nhinaus- und zur Stallthür hineingewiesen. Das ist ein Salz,\nfür dessen Gültigkeit alle musicalischen Kritiker einstehen;\naber erstens ist es ihrerseits nicht uneigennützig, und zwei-\ntens hängt es von jedem Einzelnen ab, dagegen anzukäm-\npfen. Von diesem Standpunkte empfehle ich Ihren Lesern\ndie nachfolgenden Eindrücke eines nicht vorschriftsmässig\nbegeisterten Esels auf dem kölner Musikfeste.\"\nWer wollte solchem Selbstgeständnisse entgegen-\ntreten!\nEinige andere Urtheile über die oben genannten\nWerke müssen wir für die nächste Nummer zurücklegen.\n\nDie Redaction."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-09-23-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-09-23_01#c008", "volume": "bmtnabi_1865-09-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "304", "page_fin": "304", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650923-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "304", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650923-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4491, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nDaran stallt, 30. August. In Folge directer Aufforderung,\nzur Hebung und Förderung der auf europäische Weise organisirten\nMilitärmusik des Bey yon Tunis beizutragen, hat der grossheizogliche\nHof-Capellmeister Schlösser eine Anzahl Musikstücke für diesen\nZweck componirt und dem Bey gewidmet. In Anerkennung dafür\nhat ihm Se. Hoheit mit einem sehr ehrenvollen Diplom den Orden\nNishan, Officiers-Classe, verliehen und durch das betreffende Con-\nsulat von Paris zustellen lassen.\nAus Hamburg schreibt man uns über die Vorbereitungen zu\neiner Art Musikfest, welches in der ersten Woche des October un-\nter Leitung des Herrn Otten daselbst Statt finden wird. Für den\nersten Tag, Dinstag den 3. October, ist der „Elias\" bestimmt (Frau\nMichaeli aus Kopenhagen, Frau Joachim, die Herren Schnei-\nder und Stock hausen), für die zweite Aufführung, Freitag den\n6. October, die grosse Messe von Beethoven (Michaeli, Joachim,\nSchneider und Schultze). Wahrscheinlich spielt Joachim das Solo\nim Benedictus. Die herrliche grosse Orgel in der Michaeliskirche\nwird in beiden Werken mitwirken.\nChemnitz. Am 15. September fand hier eine grössere Mu-\nsik-Aufführung zum Vortheile der Chorcassen-Stiftung für die St.\nJohanniskirche Statt, wobei die drei hiesigen Kirchenchöre, die\nstädtische Capelle und die Sing-Akademie mitwirkten und folgende\nCompositionen zur Aufführung kamen: Toccata für Orgel von J. S.\nBach, für grosses Orchester eingerichtet von Esser, Hof-Capell-\nmeister in Wien; der 117. Psalm für zwei Chöre, Op. 19, von R.\nFranz, und Messe für Solo, Chor und Orchester, Op. 147, Nr. 10\nder nachgelassenen Werke von R. Schumann.\nAmsterdam. Die hiesige Abtheilung des Vereins zur Be-\nförderung der Tonkunst wird im nächsten W inter den „Messias\"\nvon Händel aufführen.\nJoachim beabsichtigt, in der beginnenden Saison eine längere\nConcertreise durch Holland anzutreten.\n1\nDer Violoncellist Gaetano Claudeiii in Neapel ist gestorben.\nDie neue Oper von Julius Beer, welche das lyrische Thea-\nter im Herbste zur Aufführung bringt, heisst „Der Zaunkönig\" und\nist das Sujet nach einer Chronik aus dem fünfzehnten Jahrhundert\nbearbeitet.\nHerr Raphael Felix, welcher die Veranlassung zu den Tu-\nmulten in Lyon geworden ist, hat seine Entlassung als Theater-\nDirector gegeben. Die Wiedereröffnung der beiden subventionirten\nTheater in Lyon wird am Mittwoch unter der provisorischen Lei-\ntung eines Herrn Lamy Statt finden. Die Debüts, welche Herr\nFelix abgeschafft hatte, werden wieder eingeführt.\nGounod's „Königin von Saba\" in London. Ein Benefiz-\nConcert brachte am 26. August im Krystall-Palaste Gounod s „Kö-\nnigin von Sabau in Form einer Cantate unter dem Titel „Irene\".\nHaupt-Mitwirkende waren: Frau Lemmens-Sherrington (Irene, grie-\nchische Prinzessin), W. H. Cummings, L. Vinning, Lewis Thomas.\nDie weniger wichtigen Nummern blieben weg und das Textbuch\ngab die nöthige Auskunft über den Gang der Handlung. Chor und\nOrchester waren bedeutend verstärkt und das Ganze mit Sorgfalt\n• einstudirt.\nIn Gloucester hat vom 4. bis zum 8. September das grosse\nMusikfest der vereinigten Städte Gloucester, Worchester und Here-\nFord Statt gefunden. Es war das 142. seit der Gründung. An jedem\nTage gab es zwei Concerte, ein geistliches am Vormittage in der\nKathedrale und ein weltliches am Abende in der grossen Chire Hall.\nDie Einnahme der vier Tage belief sich auf 8-* 9000 Thlr. Der\nReinertrag ist zu wohlthätigen Zwecken bestimmt. Unter den Mit-\nwirkenden glänzten die Namen Tietjens, Louise Pyne, Ru-\ndersdorf, Wilkinson und Elton, Gunz, Cummings, Le-\nwis, Thomas, Santley, die Pianistin Arabella Goddard. Das\nProgramm war englisch, d. h. überladen mit allen möglichen Com-\npositionen vom „Messias\" an bis zum Kusswalzer und der letzten\nKose. In den vier geistlichen Concerten allein wurde gesungen;\n1) Die letzten Dinge von Spohr und der erste Theil des „Paulus\".\n2) Ausgewählte Nummern aus verschiedenen Oratorien von Händel,\nStabat Mater von Rossini, Lobgesang von Mendelssohn, Christus\nam Oelberge und das ganze Requiem von Mozart. 3. Elias. 4. Mes-\nsias. Das Programm der Abend-Concerte bot ein nicht minder\nreichhaltiges Gemisch der verschiedensten Ton werke aller Art. Bei-\nspielsweise kam am zweiten Abende zur Aufführung: Clavier-Con-\ncert en sol von Mendelssohn, der Frühling aus den Jahreszeiten, die\nWalpurgisnacht, verschiedene Nummern aus Wilhelm Teil und die\ngrosse Scene aus dem fünften Acte der Africanerin. Sämmtliche\nConcerte wurden von Herrn Wesley dirigirt."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "297", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650923-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie rhythmische Reihe bei den Alten und Modernen. Fünftactiger Rhythmus bei Beethoven. Von Rud. Westphal.\nZwei bisher ungedruckte Briefe von Ludwig van Beethoven. Die musicalische Kritik. Tages- und Unterhaltungsblatt\n(Darmstadt, Ordens-Verleihung Hamburg, Musikfest-Vorbereitungen Chemnitz, Musik-Aufführung Amsterdam, „Messias\", Joachim\nGaetano Claudeiii Neue Oper von Julius Beer Lyon, Raph. Felix Gounod's „Königin von Saba\" in London Gloucester).\n\nDie rhythmische Reihe bei den Alten und Modernen.\nFünftactiger Rhythmus bei Beethoven.\n\nWer die bei Psellus §. 8 erhaltene Stelle des Aristoxe-\nnus von den Bestandteilen des Rhythmus liest, der kann\nleicht zu der Ansicht kommen, dass es entweder Aristoxe-\nnus an hinreichender Beobachtungsgabe fehlte, um einige\nder wesentlichsten Elemente des Rhythmus zu erfassen,\noder aber, dass die Compositionen der Alten in Beziehung\nauf den Rhythmus einer Eigentümlichkeit ermangelten,\ndie für unser modernes rhythmisches Gefühl ein so not-\nwendiges Moment ist, dass wir uns ohne dasselbe den mu-\nsicalischen Rhythmus gar nicht einmal denken mögen.\nDort definirt nämlich Aristoxenus den Rhythmus als ein\naus Tacten und Tacttheilen bestehendes System; zwar ist\ndieser Satz, wie aus seinen Worten hervorgeht, nur die\nRecapitulation einer im Vorausgehenden ausführlicher er-\nörterten Darstellung, aber es ist doch anzunehmen, dass\nAristoxenus bei dieser Recapitulation unter den Bestand-\nteilen des Rhythmus kein Element, dem er wirkliche\nBedeutsamkeit zuschreibt, unerwähnt gelassen haben wird.\nAlso lediglich Tacte und Tacttheile waren die Elemente,\nderen Zusammenstellung oder Aufeinanderfolge nach der\nTheorie der Alten bereits den Rhythmus hervorrief? Da\nstellen Wir Modernen doch höhere Anforderungen an den\nmusicalischen Rhythmus. Ja, für den ausserhalb der Kunst\nstehenden natürlichen Rhythmus finden wir es genügend,\nwenn sich Arsen und Thesen und somit Tacte an einander\nreihen, aber für die Musik verlangen wir mehr als die\nAufeinanderfolge der nach Arsis und Thesis gegliederten\nTacte. Wir mögen nämlich keinem Musikstücke das Zuge-\nständniss machen, dass es ein rhythmisches Kunstwerk sei,\nwenn nicht immer mehrere der auf einander folgenden\nTacte sich zu höheren rhythmischen Einheiten zusammen-\nfassen lassen. Unsere Musiker nennen diese rhythmischen\nAbschnitte höherer Ordnung die periodischen Vorder- und\nNachsätze. Es soll stets eine bestimmte Anzahl von Tacten\ndurch die Einheit eines in ihnen dargestellten Abschnittes\nder Melodie als eine zusammengehörige, untrennbare\nGruppe sich darstellen, und weit entfernt, uns an der\nGleichheit der auf einander folgenden einzelnen Tacte ge-\nnügen zu lassen, sind wir nur dann in Beziehung auf den\nRhythmus zufriedengestellt, wenn auch in den Zeit-Ab-\nschnitten, in welche das rhythmische Ganze durch diese\nGruppen sich enger zusammenschliessender Tacte zerfällt,\neine bestimmte Ordnung und Gleichmässigkeit beobachtet\nist. Wir wollen die Ordnung der Zeittheile nicht bloss in\nder Reihenfolge der einzelnen Tacte und ihrer Tacttheile,\nsondern auch in der Aufeinanderfolge der periodischen\nVorder- und Nachsätze repräsentirt sehen, ja, wir gehen\nso weit, dass wir vorwiegend in die Ordnung dieser letz-\nteren Art das eigentlich rhythmische Moment einer\nComposition setzen. Und wie wir von den zum Einzeltacte\ngehörenden Tacttheilen den einen (schweren) Tacttheil\ndurch stärkere Intension, die wir einem der in ihm ent-\nhaltenen Töne geben, über den anderen hervorheben, und\nwie wir durch diesen Ictus des Einzeltactes die ihn aus-\nfüllenden Töne als eine zusammengehörige Gruppe mar-\nkiren und von denen des vorausgehenden und folgenden\nTactes abscheiden, so geben wir Einem der zu einem Vor-\nder- oder Nachsatze vereinigten Einzeltacte wiederum\neinen stärkeren Ictus, als den übrigen, und durch diesen\nHaupt-Ictus markiren wir die ganze Tactgruppe als ein\nvon der vorausgehenden und nachfolgenden geschiedenes\nselbständiges Ganzes. Ein passender und leichter Name\nfür das etwas unbequeme „periodischer Vorder- wie Nach-\nsatz\" ist der der rhythmischen Reihe; es verdient der-\nselbe allgemeine Aufnahme in der Kunstsprache der Mu-\nsiker zu erhalten. [lst längst geschehen.]\nUnd die musische Kunst der Griechen? Wusste sie\nvon diesen rhythmischen Reihen nichts? Fiat sie sich bloss\nmit Tacten und deren Arsen und Thesen begnügt, ohne"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "298", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650923-01.1.2", "texte": "sie zu einer höheren rhythmischen Ordnung zu vereinigen?\nDie Darstellung der Aristoxenischen Tactlehre setzt uns\nin den Stand, hierauf die richtige Antwort zu geben. Die\nrhythmische Theorie der Griechen und demnach auch die\nPraxis ihrer musischen Kunst hält den Begriff der rhyth-\nmischen Reihe eben so streng, wenn nicht noch strenger\nfest, als wir Modernen. Aristoxenus nennt zwar die\nund deren orjfieiaals die völlig ausreichenden Bestand-\ntheile des Rhythmus, aber eben das Wort\nbezeichnet als Kunst-Ausdruck der antiken\nRhythmik nicht bloss das, was wir Modernen\ndie Tacte nennen, sondern es ist zugleich der\nAusdruck für unseren Begriff der rhythmischen\nReihe.\nUeberschauen wir die Zahl der nach der Darstellung\ndes Aristoxenus bei den Alten vorkommenden Tacte der\nGrösse und der Tactart nach (es sind ihrer 19), so finden\nwir dort zunächst solche Tacte, welche wir Modernen als\neinfache oder unzusammengesetzte Tacte bezeichnen. Nach\nAristoxenus werden sie auch bei den Allen unzusammen-\ngesetzte Tacte, ctovv&ZTOi tcodeg, genannt. Ihnen tritt\neine ungleich grössere Zahl von Tacten gegenüber, welche\nin der allen Kunstsprache zusammengesetzte Tacte,\n■d-et 01 noöeg,genannt wurden. Auch wir Modernen ha-\nben zusammengesetzte Tacte. Wir finden dieselben sämmt-\nlich unter den nööeg Gvv&eroider Alten wieder. Aber\nnach Abzug derselben bleibt unter den\nnoch immer eine nicht unbedeutende Zahl zurück, für\nwelche wir in unserer Tact-Kategorie keine Analoga fin-\nden. Wir müssen diese Analoga unter unseren rhythmi-\nschen Reihen suchen, und auch denjenigen\nnoöeg, welchen sich gleich grosse und gleich gegliederte\nzusammengesetzte Tacte der Modernen zur Seite stellen'\nlassen, muss, nach der Anwendung zu urtheilen, welche\ndie uns noch theilweise vorliegende Praxis der Alten von\nihnen machte, die Bedeutung von rhythmischen Reihen\nzuerkannt werden.\nHierbei will uns freilich Manches nicht recht einleuch-\nten. Bei uns Modernen ist die fast ganz allgemeine Anord-\nnung der Tacte zu periodischen Sätzen oder Reihen diese,\ndass immer vier Tacte zu einem Vorder- oder Nachsatze\nzusammengefasst werden. Diese Reihenform ist nun frei-\nlich auch bei den Alten vertreten (in den tetrapodischen\nReihen). Aber wir erblicken hier noch so manche andere.\nUnter ihnen machen uns die Dipodieen, in so fern dies\nselbständige Reihen sein sollen, keine Schwierigkeit, denn\nauch bei uns machen bisweilen nicht vier, sondern zwei\nunzusammengesetzte Tacte eine Reihe für sich aus, was\naus dem melodischen Inhalte deutlich genug zu erkennen\nist. Befremdlicher sind uns die vielen dreitheiligen Reihen,\ndarunter auch eine von drei Dipodieen. Es wird uns, denke\nich, nicht leicht fallen, hierzu Analoga in unserer musica-\nlischen Periodenbildung zu finden*), wenn anders wirklich\nje drei Dipodieen durch den musicalischen Inhalt sich zu\neinem periodischen Vorder- und Nachsatze zusammen-\nschliessen sollen.\nAber noch auffälliger ist es uns, dass die Alten in ihrer\nuns ganz fremden Vorliebe für Fünftheiligkeit der rhyth-\nmischen Abschnitte so weit gehen, dass sie nicht bloss den\n5/s- und 5/VTact haben, sondern auch je fünf einfache\nTacte zu einer einheitlichen Reihe zusammensetzen. Am\nleichtesten können wir uns von diesen päonischen oder\nhemiolischen Formen, wie sie die Alten nannten, mit ih-\nrem 5/4-Tacte oder Päon epibatus befreunden, zumal ihn\ndie Theorie des Aristoxenus nach den in dem Voraus-\ngehenden gewonnenen Ergebnissen gerade so auffasst, wie\nBoieldieu in seiner „Weissen Dame\", nämlich als eine\nZusammensetzung des 3/4- und 2/4-Tactes. Auch den 5/s-\nTact lassen wir hingehen, da auch unsere modernen Com-\nponisten einige Versuche, ihn anzuwenden, gemacht haben.\nAber mag auch der 5/4-Tact, so denken wir, immerhin\ngeläufig genug sein, dass er selbst in unseren Volksliedern\nsich nachweisen lässt (der ehrwürdige 5/4-Khythmus des\n„Prinz Eugen, der edle Ritter\" verdient in jeder Hinsicht\nvor der Cavatine der „Weissen Dame\" den Vorzug), so\nwollen wir doch nicht einsehen, wie es möglich gewesen,\ndass man jemals in der Melodiebildung an der Vereinigung\nvon fünf 2/4-, oder 3/s-,oder gar 5/8-Tacten zu fünfthei-\nligen Sätzen Gefallen gefunden haben könne. Die erfah-\nrensten unserer Musik-Theoretiker stellen das in Abrede.\nUnd doch könnte es sich leicht herausstellen, dass Aristo-\nxenus in der Anerkennung verschiedenartiger pentapodi-\nscher (fünftheiliger) Reihen der musicalischen Praxis sei-\nnes Volkes eine grössere Aufmerksamkeit und schärfere\nBeobachtung hat zu Theil werden lassen, als die heutigen\nMusik-Theoretiker den in unserer Musik vorkommenden\nrhythmischen Formen. Ich will hier nicht auf den Rhyth-\nmus unserer Volksmelodieen hinweisen, nicht auf die fünf-\ntbeiligen Reihen des schwäbischen Liedes: „Gang i ans\nBrünnele\", die freilich von den norddeutschen Herausge-\nbern meist in viertheilige abgeändert werden, es gibt auch\nin unserer eigentlichen Kunst-Musik Compositionen, wo\nfünftheilige Reihen nicht bloss einzeln als beiläufige Er-\nweiterungen einer viertactigen Reihe vorkommen, sondern\nwelche in ihrem Rhythmus recht eigentlich auf fünftactige\nReihenbildung basirt sind. Eine solche Composition ist\n\n*) Zu den dreitheiligen Rhythmen wohl, z. B. im Scherzo der\nneunten Sinfonie von Beethoven. (Vergl. Hiller's Rhythmische\nStudien für Pianoforte.) Die Redaction."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "299", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650923-01.1.3", "texte": "der erste Satz in der Beethoven'schen\nSonate. Schon mancher Musiker hat mir hier widerspro-\nchen, aber im Interesse der Aristoxenischen Tradition ist\nes nothwendig, dass ich auf jenes Stück als eine moderne\nParallele zum päonischen Rhythmus der Alten aufmerk-\nsam mache. Ich habe die ersten 28 Tacte, nach periodi-\nschen Reihen gruppirt, dem Auge vorgeführt; nach einem\nZwischensatze wird dann von Tact 43 an eine ähnliche\nReihen-Anordnung, wie in jenen 28 Tacten, nur kürzer,\nwiederholt.\nDie erste Reihe ist ein Vorspiel, eine lediglich kruma-\ntische Einleitung. Schon dieses Vorspiel enthält fünf Tacte.\nDer Schluss der Reihe ist der Auftact der folgenden, und\neben so ist es, um dies gleich hier vorauszunehmen, am\nSchlüsse jeder folgenden Reihe. Mit diesem Auftacte be-\nginnt das eigentliche peXog. Die erste Reihe der Melodie\nist mit vier Tacten abgeschlossen, aber es ist für die Vor-\nliebe, welche Beethoven in dieser Composition für päoni-\nsche Gliederung zeigt, im höchsten Grade charakteristisch,\ndass trotzdem diese erste Reihe durch die noch\num einen fünften Tact erweitert wird. Also auch diese\nzweite Reibe ist eine Pentapodie. Die dritte wieder eine\nPentapodie, und zwar hier auch in der Melodie. Dann\nfolgen aul die drei Pentapodieen zwei tetrapodische (vier-\ntheilige) Reihen, bis endlich Beethoven an sechster Stelle\nwieder mit einer Pentapodie diesen ersten Theil abschliesst.\nIch denke, eine andere rhythmische Anordnung, als die\nvon mir angegebene, lässt sich für den genau Prüfenden\nin jenen 28 Tacten gar nicht finden [?]. Die Melodie oder\ndas Metrum sondert die Reihen scharf genug von einander.\nUm die metrischen Reihen dem Prüfenden um so klarer\nvorzuführen, habe ich mich die schwere Arbeit nicht ver-\ndriessen lassen, das schöne Sonett, welches Griepenkerl\nzu unserem Adagio geschrieben, in die entsprechenden\nMetra umzuformen und den Noten hinzuzufügen. Möge\ndie dadurch entstandene Verschlechterung desselben der\nrein wissenschaftliche Zweck entschuldigen.\nIn derselben Weise haben wir uns nun die grösseren\npäonischen Tacte, d. h. die pentapodischen Reihen zu den-\nken, welche Aristoxenus für die antike Musik statuirt.\nSogar das Ethos, welches die Alten ihrem päonischen\nRhythmengeschlechte zuschreiben, kann man sich einiger\nMaassen an jenen Beethoven'schen Pentapodieen veran-\nschaulichen. Es versteht sich, dass wir uns nach ihnen nur\ndie aus geraden und dreitheiligen Einzel-Tacten bestehen-\nden Pentapodieen vorstellig machen können; denn Penta-\npodieen oder fünftactige Reihen aus Einzel-Tacten, die\nwiederum fünftheilig sind, gehen allerdings über das\nMaass unserer Anschauungsfähigkeit einiger Maassen hin-\naus. Und doch müssen wir es dem Aristoxenus glauben,\ndass auch sie in der antiken Kunst gebildet wurden. Ein\nmoderner Bearbeiter der antiken Rhythmik behauptet so-\ngar, die Alten hätten nur fünftactige Reihen aus lünfzei-\nligen Tacten gekannt, die Pentapodieen aus drei- und vier-\nzeiligen Tacten glaubt er ihnen absprechen zu müssen. Er\nsetzt hiedurch seinen vielen den rhythmischen Erfahrun-\ngen so sorglos Hohn sprechenden Behauptungen allerdings\ndie Krone auf.\n*)•\n\nRud. Westphal\n\nZwei bisher ungedruckte Briefe von Ludwig\nvan Beethoven.\nDie folgenden zwei Briefe, welche auch in Nohl's\nSammlung fehlen, sind uns vom Componisten Herrn W.\nSpeyer in Frankfurt am Main gütigst im Original mitge-\ntheilt worden. In dem Begleitschreiben gibt Herr Speyer\nseine Quellen mit den Worten an:\n„Den einen Brief habe ich im Mai des Jahres 1825\nvon N. Simrock in Bonn, den anderen von Frau Witwe\n\n*) System der antiken Rhythmik. Breslau, C. Sander.\n18G5. XII und 194 S. Gr. 8.\nf]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "300", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650923-01.1.4", "texte": "Ries, Schwiegermutter meines ältesten Sohnes, empfan-\ngen.\" Ausserdem beweist die unverkennbare, mitunter\nschwer zu entziffernde Handschrift Beethoven'» ihre Echt-\nheit. Sie sind genau, ohne irgend eine orthographische\nAenderung abgedruckt.\nDie Redaction.\n1.\nWien am 18ten März 1820.\nLieber Herr Simrock!\nIch weiss nicht, ob ich mich im vorigen Briefe recht\nüber alles geäussert—ich schreibe ihnen daher nur kurz,\ndass ich auch wohl, wenn Sie es für nöthig finden, ihnen\nden Termin zur Herausgabe der Variationen verlängern\nkann*) was die Messe betrift, so habe ich es reiflich\nüberlegt u. könnte ihnen selbe wohl für das mir von ihnen\nangebotene Honor. von 100 Louisdor geben, wenn sie\nvieleicht einige Bedingungen, welche ich ihnen vorschla-\ngen werde, u. eben, wie ich glaube, ihnen nicht beschwer-\nlich fallen werden, eingehen wollten? Den Plan über die\nHerausgabe haben wir hier schon durchgegangen und\nglauben wohl, dass die Sache, jedoch mit gewissen Mo-\ndifikationen bald in's Werk gesezt werde können, wel-\nches sehr nöthig ist, daher ich denn auch eilen werde,\nihnen baldigst die nöthigen Aenderungen vorzuschlagen\nDa ich weiss, dass die Kaufleute das Postgeld gerne\nsparen, so füge ich hier 2 österreichische Volkslieder als\nWechsel bey, womit sie schalten u. walten können nach\nBelieben, die Begleitung ist von mir ich denke eine\nVolkslieder Jagd ist besser als eine Menschen : Jagd der\nso gepriesenen Helden\n(Die erwähnten Beilagen bestehen in zwei mit Noten\nund Text beschriebenen Blättern. Unter der letzten Noten-\nzeile des zweiten steht folgender Schluss des Briefes:)\nMein Kopist ist eben nicht da, ich hoffe sie werden\nes wohl lesen können d. g. könnten Sie manche von\nmir haben, wofür sie mir eine andere Gefälligkeit erwei-\nsen können\nin Eil der Ihrige\nBeethoven.\nEnde abgerissen, so dass die ersten vier Tacte nicht mehr\ndeutlich zu lesen sind.)\nI.\nDas liebe Käzchen.\nII.\nDer Knabe auf dem Berge.\n\n*) d. h. länger als 6 Monathe.\nAdresse: An Herrn Simrock\nberühmten Kunstverleger\nin Bonn\n(am Niederrheine).\nAuf der Rückseite des Couverts steht: ouvres la lettre\navec bien de menagement.\n(Trotz dieser Warnung ist das eine Notenblatt mit der\nUeberschrift: „Der Knabe auf dem Berge\", am oberen"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "301", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650923-01.1.5", "texte": "2.\nde Vienne.\nA\nMonsieur Ferdinand Ries\nchez B, A. Goldschmidt et comp.\nä\nLondres\nen Angleterre.\nWien am 25. Febr. 1823.\nMein lieber werther Ries!\nIch ergreife diese Gelegenheit durch den Herrn\nBauer Kaiserl. Königl. Gesandschafts-secretär ihnen zu\nschreiben, ich weiss nicht mit der wie ich es hal-\nten soll, sobald ich nur ein weiteres wort von ihnen er-\nhalte, freilich wäre es nöthig auch Anweisung dabey, so\nhat mir schon eben dieser H. Bauer, welcher eben so geist-\nreich als gütig ist, versprochen, dass man sie von hier aus\nauf's schnellste nach London besorgen wird, indem ich\nsie nur im fürstl. Esterhazischen Hause abzugeben habe\nebenfalls erhalten sie hier die versprochene overture,\nwill die philarm. Gesellschaft sie behalten ebenfalls auf\n18 Monathe, so steht sie ihr zu Diensten, noch hat sie\nNiemand, erhält auch Niemand selbe, bis ich von ihnen\nhierüber Antwort erhalte, ist die philarm. Gesellschaft so\narm wie ich, so hat sie mir gar nichts zu geben, ist sie\naber reicher, wie ich wohl glaube und es ihr von Herzen\nwünsche und gönne, so überlasse ich ihr ganz, wie sie es\nmit mir der overture halber halten will zugleich erhal-\nten Sie 6 bagatellenoder Kleinigkeit, u. wieder fünf\nzusammengehörend in 2 Theile. Verschachern sie selbe\nso gut sie können, ich hoffe, sie haben die beyden So-\nnaten erhalten, u. bitte ebenfalls das Schacherthum\ndamit auszuüben, denn ich brauche es, der Winter u.\nMehrere Umstände haben mich wieder zurückgesetzt u.\nbeynahe immer von der Feder leben zu müssen, ist keine\nKleinigkeit, künftiges Frühjahr 1824 bin ich in London,\num ihre Frau zu küssen, darüber haben wir noch genug\nZeit uns zu schreiben, hätte ich nur ihre Dedication er-\nhalten, so widmete ich ihnen gleich diese overture, falls\nSie in London Beyfall finden würde nun leben sie wohl,\nmein lieber Freund, eilen sie wegen der sinfonie, u. was\nsie für die Sonaten und bagatellen erhalten, überhaupt an\nGeld übermachen sie bald hieher. Es ist willkommen.\nDer Himmel segne Sie und lasse mich nur auch dazu\n« men, irgend ihnen eine Gefälligkeit zu erweisen.\nMit den Freundschaftlichsten Gesinnungen\nihr\nBeethoven.\n\nDie musicalische Kritik.\n\nWien, im August 1865.\nMan kann sich nicht besser überzeugen, welchen Hän-\nden jetzt mitunter die musicalische Kritik selbst von nam-\nhaften Blättern anvertraut wird, als wenn man die ver-\nschiedenen Berichte über Aufführungen liest, denen man\nselbst mit Aufmerksamkeit beigewohnt hat. Sie haben\nschon oft die Bemerkung gemacht, dass gar manche Lite-\nraten ohne alle musicalische Kenntnisse und ohne auf\nKunststudien beruhende musicalisch-ästhetiscbe Bildung\nsich anmaassen, über Werke der Tonkunst und deren\nDarstellung abzusprechen. Bei dieser Gattung von Schrift-\nstellern findet man denn heutzutage am häufigsten die\nSucht, pikant zu schreiben und durch eine meist sehr ver-\nunglückte Nachahmung des französischen Figaro-Stils ihre\nUnwissenheit in der Sache vergessen zu machen.\nNun habe ich aber lange nichts gelesen, was in dieser\nArt theils ergötzlicher, theils empörender wäre, als ein\nBericht in der hiesigen „Neuen Freien Presse\", der\nbei Gelegenheit des letzten niederrheinischen Musikfestes\nin Köln, an welches ich und alle Musiker und Kunst-\nfreunde eine so dankbare und erhebende Erinnerung be-\nwahren, sich in einer Weise über Werke der Tonkunst\nergeht, die zu charakteristisch für die Manier jener Pfu-\nscher in Kunstkritik ist, um nicht als Beweisstück in den\nAnnalen der Musik aufbewahrt zu werden. Desshalb theile\nich Ihnen einen Auszug daraus mit, bei dessen Ansicht\nSie und die Leser sich besonders noch darüber wundern\nwerden, dass so ungewaschenes Zeug in dem Feuilleton\neiner Zeitung eine Stelle finden konnte, in welchem sonst\nder Name eines Eduard Hanslick uns an ganz andere mu-\nsicalische Aufsätze gewöhnt hat.\nZuerst Etwas über HändeFs „Israel in Aegypten\".\n„Ein Oratorium von G. F. Händel! Bei dem blos-\nsen Namen fliegt Einem der Hut vom Kopfe. Ja, das Hesse\nman sich schon gefallen, wenn nur die Ohren mitflögen.\nAber die Ohren kleben fest und halten sich aus herge-\nbrachter Ehrfurcht weit offen, um all die erhabenen Ein-\ndrücke in den dröhnenden Hirnschädel zu spediren. Vier\nvolle Stunden dauert die Erhabenheit, und ich setze eine\nin Leder gebundene Pracht-Ausgabe des Klopstock'schen\nMessias als Prämie für den ehrlichen Mann aus, der mir\nbei seiner christlich-germanischen Seele zuschwören will,\nwährend dieser vierstündigen Erhabenheit nicht ein einzi-\nges Mal bedauert zu haben, dass die Ironie des Herrgotts\nihm zwei Ohren zum Hören und nur Einen Mund zum\nGähnen beschert!\n„Soll das etwa heissen, „„Israel in Aegypten\"\" sei\nein langweiliges Tonwerk? Gewiss nicht: aber ein lang-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "302", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650923-01.1.6", "texte": "gestrecktes und in seiner Länge allzu gleichförmiges Werk.\nUnd die Gleichförmigkeit ist nur ein Mal in die Wochen\ngekommen, wie folgende französische Geburts-Anzeige\ndarthut:\n„ „L'ennui naquit un jour \"\n„Ein jedes wahre Kunstwerk verdankt zeitlichen Ein-\nflüssen seine Entstehung. Des Künstlers Herz schlägt mit\ndem Herzen der Menschheit, und desshalb allein kann man\ndie Entwicklung der Kunst als den Stundenzeiger der Ge-\nschichte ansehen. Ist der Zeiger heute weiter vorgeschrit-\nten, als vor hundert und etlichen Jahren? Ich weiss es\nnicht; aber bestimmt weiss ich, dass in unseren, auf den\nWogen des Materialismus dahindampfenden, von Hegel\nund Strauss durchzweifelten Tagen ein vom streng bibli-\nschen Geiste eingegebenes und in diesem Geiste mit star-\nrer Consequenz durchgeführtes Kunstwerk nicht mehr ver-\nständlich ist. Im Bereich der Musik ist die heilige Cäcilia\neine ziemlich verbrauchte Person; man gri'isst sie wohl noch\nin der Kirche, aber sie wird nicht mehr zu Gaste geladen\nam häuslichen Heerde.\n„ Eine Composition wie das Händel'sche Oratorium will\nnicht nur als Kunstwerk, sondern vor Allem als Glaubens-\nact aufgefasst sein und dazu fehlt uns der Händel. Es\nist nicht blosse Musik, es ist Religion, und zwar anglicani-\nscher Protestantismus mit Fugen. Die dreiunddreissig\nNummern des Oratoriums sind dreiunddreissig gläubige\nKniefälle, und wie das Werk knieend gedacht und gedich-\ntet worden, so sollte es auch knieend angehört und be-\nwundert werden. Die Crinoline ist der entschie-\ndene Gegensatz solcher Musik (!).\n„Aus dem also angedeuteten dogmatischen Grundge-\ndanken des Oratoriums erklärt sich denn auch der durch-\ngehende Charakter der musicalischen Behandlung. Von\ndramatischem Wechsel, von individualisirender Gestaltung\nkeine Spur religiöse Erhabenheit, gottgefällige Anbe-\ntung von einem Ende zum anderen. Streng verbannt ist\nder sündhafte Schimmer irdischer Menschlichkeit: der Liebe\nJubel, der Freude Gelächter, des Hasses Wuthschrei\nsie alle werden in gleichgefugter Hingebung auf den Altar\ndes Oratoriums niedergelegt. Denn es gilt nicht, zu singen,\nsondern zu beten.\n„Wenn ich nicht fürchtete, mich der Verachtung al-\nler Gegenwarts- und Zukunfts-Musiker auszusetzen, so\nwürde ich die Ungeheuerlichkeit aussprechen, dass bei\neinem solchen Werke von Stil im laienhaft ästhetischen\nSinne des Wortes eigentlich nicht die Rede sein kann. Der\nSuperlativ an sich macht noch lange keinen Stil. Aus Pur-\npur lässt sich ein Königsmantel fertigen, aber eine pur-\npurne Unterhose wäre auch bei einem Könige lächerlich.\nBei Händel aber ist Alles von Purpur und Gold, das ein-\nfachste Gewand, das gewöhnlichste Geschirr. Die gleiche\nPracht der Darstellung, das ganze mächtige Arsenal der\nTöne, von der Löwenstimme der Orgel und des Basses\nherab bis zur Piccoloflöte und zum Knaben-So-\npran, wird für die höchsten, wie für die niedrigsten Ob-\njecte aufgeboten. „ „Der Herr, der starke Held\"\" wird in\ngleichem Tone, mit derselben dröhnenden Herrlichkeit be-\nsungen, wie Heuschrecken und Fliegen, die Mücken und\nder Aussatz, welche die Aegyptier heimsuchten. Nach dem\nfrommen Geiste, der das Oratorium so hoch erhebt, wie\nnur ein Menschengebet zu steigen vermag, ist das natür-\nlich und gerechtfertigt. Aber specifisch künstlerisch genom-\nmen ist es doch eine eigene Sache um diese mit dem ma-\njestätischen Pomp der Orgel und Fuge vorgeführten ägyp-\ntischen Plagen. Da denkt man an nichts als Fliegen,\nMücken, Maden und andere winzige Thierchen, und nun\nein Riesen-Instrument wie die Orgel wo bleibt da die\nProportion!\n„Und wenn Sie mich nun fragen, was meines langen\nDaseins kurzer Sinn bedeuten solle, so antworte ich Ihnen,\ndass meiner aufrichtigen Ueberzeugung nach ein Werk wie\n„„Israel in Aegypten\"'' in seiner Ganzheit heute nicht\nmehr aufführbar ist. Es geschieht offenbar nur aus Pietät\nfür den grossen Namen des Tondichters und den hundert-\njährigen Ruf seines Werkes, dass man es nicht wagt, aus\ndem musicalischen Rosenkranze die ewig hellen, im rein-\nsten Wasser glänzenden Perlen herauszulesen und das\nUebrige bei Seite zu lassen. Aber es ist eine falsch verstan-\ndene Pietät, welche auf die Dauer und bei der wachsen-\nden Läuterung des allgemeinen Geschmacks dem Ansehen\ndes Meisters nur schaden kann.\n„Und was bei den Fachmusikern und Contrapunktisten\nPietät, das ist bei der grossen Mehrzahl des Publicums so-\nciale Ehrensache. Was man nicht versteht, ist schön, und\nvor jeder Fuge muss man sich bekreuzen. Die Verehrung\nHändel's von A bis Z, das X einbegriffen, gehört zum gu-\nten Tone. Kein wohlerzogener Mensch wagt es, seine Lan-\ngeweile einzugestehen, und wenn Einer beim Gähnen er-\ntappt wird, so sagt er rasch Ah! um die gravirende Mund-\nöffnung zu rehabilitiren. Dennoch möchte ich wohl wissen,\nwie viele von den 1500 Zuhörern im Gürzenich zu Köln,\ndenen die dreiunddreissig Nummern des Oratoriums drei-\nunddreissig erhabene Gefühle abforderten, bei der siebenten\nNummer noch zahlungsfähig waren. Es gäbe eine curiose\nStatistik, wenn sie mit Aufrichtigkeit hergestellt würde.\"\nNun etwas ganz Neues über Beethoven's Ouvertüre\nzu Co riolan. Bisher hat man den Coriolan der Geschichte\nund der Tragödie von Collin, zu welcher Beethoven diese\nOuvertüre geschrieben, für einen starren Aristokraten und\nden musicalischen Prolog Beethoven's für charakteristisch"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "303", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650923-01.1.7", "texte": "eben in dieser Beziehung gehalten. Man war im Irrlhum.\nDenn bei unserem Kunstkritiker heisst es:\n„0, wer solche Musik und die Gefühle, welche sie in\nHerz und Hirn rege macht, in Worte kleiden könnte! Ver-\nzehrendes Feuer würde er sprechen und blendendes Licht\nund Fahnen, Schwerter und Freiheitsbäume und siegendes\nLeben und seligen Tod. Wenn Mirabeau, Danton und Ca-\nmilie I) esmoulins ihre ganze Seele, ihr ganzes Wollen und\nSollen, ihr Wissen und Gewissen in eine flammende Phrase\nhätten zusammengefasst das wäre ein Text geworden\nzu Beethoven's Coriolan!\" (!!)\n„Von den leuchtenden Höhen Beethoven's herab ge-\nleitete uns die dritte Abtheilung der Schumann'schen Mu-\nsik zum „ „Faust\" \" in den Goethe'schen Geheimraths-\nhimmel. Ich gehöre nicht zu den „ „reuigZarten\"\", denen\nes je wohl geworden in den kühlen, symmetrischen Hallen\ndieses transscendentalen Tempelbaues, und Schumann's\nmusicalischer Commentar hat mich nicht heimischer darin\ngemacht. Schumann hat die Verse seines Dichters nur mit\neinem alltäglichen Gewände bekleidet\" u. s. w.\n(Als Gegenstück etwas Ueberschwängliches über Beet-\nhoven!—) „Glücklicher Weise führte uns das Programm\naus dem Goethe-Schumann'schen Treibhause in Beetho-\nven's Urwald zurück. Wenn Sie irgend etwas Grösseres,\nSchöneres kennen, als die siebente Symphonie (in\nbitte, sagen Sie mir's nicht, denn ich möchte meinem\nhöchsten Empfinden gern einen mir bekannten Namen\nlassen. So eine Beethoven'sche Symphonie, und namentlich\ndiese siebente, ist das ganze Menschenherz, die ganze\nMenschheit in Musi k. In h inreissenden Tönen durchlebt\nder Zuhörer alles, was jemals geliebt und gehasst, gedacht\nund gehofft, geträumt und gezweifelt worden. Es ist wie\neine Verklärung der Vergangenheit, ein Traum der Ge-\ngenwart, ein Evangelium der Zukunft. Es durchbeben und\ndurchschauern uns die höchsten Erinnerungen des Gedan-\nkens, die süssesten Ahnungen der Seele. Das ist der wahre\nFaust, die wahre Himmel und Erde umfassende Encyklo-\npädie der Menschheit. Im Anfange war Beethoven, und\nwenn es dereinst im Worte leben wird, was sein grosses\nHerz in klingender Ahnung ausgehaucht und woran es\nzersprungen, dann wird unsere Aufgabe erfüllt, sein, und\ndie Menschheit darf r-uhig zu Grabe gehen! . . .\"\nEndlich lässt sich Judex a quo noch über F. Hiller's\nSinfonie: „Es muss doch Frühling werden\", vernehmen.\nDass er Geibel's Gedicht und Hiller's Musik verstanden\nhabe, dürfen wir nicht erwarten: dass er sich aber bei so\narger Urtheilslosigkeit auf so cynische Weise ausdrückt,\nwird geradezu widerlich.\n„Es muss doch Frühling werden.\" „Das ist kühn ge-\nsagt, aber ich hege die feste Ueberzeugung, dass der Früh-\nling, wenn er die langweilige Herausforderung des Herrn\nHiller anhören müsste, erst recht niemals nach Köln kom-\nmen würde. Die Melodieen drehen und winden sich in\ndem überlangen und doch so leeren Tonstücke wie grau-\ngefärbte Raupen, aber keine Nachtigall singt in maigrü-\nnem Busche, kein Sonnenstrahl glänzt in blauer Luft, kein\nBlümlein blüht auf duftender Halde. Es überkommt Einen\nwinterlicher Katzenjammer bei dieser angeblichen Früh-\nlings-Hymne, die sich in die Länge zieht wie ein grau-\nwollener Strumpf und in die Breite wie eine Flanell-Jacke.\nHerr Miller gilt in Köln am liheine für einen Propheten,\naber zu einem Wetter-Propheten stempelt ihn seine Früh-\nlings-Symphonie gewiss nicht.\"\nDer Aufsatz ist unterzeichnet: Michel Berend. Sieb\nselbst charakterisirt aber Herr M. B. in der Einleitung auf\nfolgende Weise:\n„Dem Barbaren, den Sie (die Redaetion der Neuen\nI* reien Presse) als Beporter nach Korinth geschickt, würde\nman verzeihen, wenn er die Maske des Enthusiasten vor-\nnähme und um den Preis schrankenloser Bewunderung\nüber die Incompetenz gnädig hinwegsehen wollte. Eine\nBeifall klatschende Hand darf ungewaschen sein, und Nie-\nmand bekümmert sich darum, ob ein Bravo aus berufenem\nMunde stamme. Das Lob braucht keinen Pass. Der Esel\nist sogar ein nicht ungern gesehenes Mitglied des musica-\nlischen Publicums, so lange er zum Tacte des allgemeinen\nWonnerausches die Ohren mit rhythmischer Gelehrigkeit\nsenkt und hebt, so lange sein Ya harmonisch einstimmt in\nden Jubel des patentirten Dilettantismus. Aber wehe, wehe\ndem Esel, der ein selbständiger Esel sein und seinen lan-\ngen Ohren eine persönliche Geltung verschaffen will! 0,\nüber das unverschämte Thier! Zum Applaudiren ist der\nEsel da, aber wenn er sich anmaassen will, zu hören, zu\nwägen, zu urtheilen, so wird er höhnend zur Tempelthür\nhinaus- und zur Stallthür hineingewiesen. Das ist ein Salz,\nfür dessen Gültigkeit alle musicalischen Kritiker einstehen;\naber erstens ist es ihrerseits nicht uneigennützig, und zwei-\ntens hängt es von jedem Einzelnen ab, dagegen anzukäm-\npfen. Von diesem Standpunkte empfehle ich Ihren Lesern\ndie nachfolgenden Eindrücke eines nicht vorschriftsmässig\nbegeisterten Esels auf dem kölner Musikfeste.\"\nWer wollte solchem Selbstgeständnisse entgegen-\ntreten!\nEinige andere Urtheile über die oben genannten\nWerke müssen wir für die nächste Nummer zurücklegen.\n\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "304", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650923-01.1.8", "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nDaran stallt, 30. August. In Folge directer Aufforderung,\nzur Hebung und Förderung der auf europäische Weise organisirten\nMilitärmusik des Bey yon Tunis beizutragen, hat der grossheizogliche\nHof-Capellmeister Schlösser eine Anzahl Musikstücke für diesen\nZweck componirt und dem Bey gewidmet. In Anerkennung dafür\nhat ihm Se. Hoheit mit einem sehr ehrenvollen Diplom den Orden\nNishan, Officiers-Classe, verliehen und durch das betreffende Con-\nsulat von Paris zustellen lassen.\nAus Hamburg schreibt man uns über die Vorbereitungen zu\neiner Art Musikfest, welches in der ersten Woche des October un-\nter Leitung des Herrn Otten daselbst Statt finden wird. Für den\nersten Tag, Dinstag den 3. October, ist der „Elias\" bestimmt (Frau\nMichaeli aus Kopenhagen, Frau Joachim, die Herren Schnei-\nder und Stock hausen), für die zweite Aufführung, Freitag den\n6. October, die grosse Messe von Beethoven (Michaeli, Joachim,\nSchneider und Schultze). Wahrscheinlich spielt Joachim das Solo\nim Benedictus. Die herrliche grosse Orgel in der Michaeliskirche\nwird in beiden Werken mitwirken.\nChemnitz. Am 15. September fand hier eine grössere Mu-\nsik-Aufführung zum Vortheile der Chorcassen-Stiftung für die St.\nJohanniskirche Statt, wobei die drei hiesigen Kirchenchöre, die\nstädtische Capelle und die Sing-Akademie mitwirkten und folgende\nCompositionen zur Aufführung kamen: Toccata für Orgel von J. S.\nBach, für grosses Orchester eingerichtet von Esser, Hof-Capell-\nmeister in Wien; der 117. Psalm für zwei Chöre, Op. 19, von R.\nFranz, und Messe für Solo, Chor und Orchester, Op. 147, Nr. 10\nder nachgelassenen Werke von R. Schumann.\nAmsterdam. Die hiesige Abtheilung des Vereins zur Be-\nförderung der Tonkunst wird im nächsten W inter den „Messias\"\nvon Händel aufführen.\nJoachim beabsichtigt, in der beginnenden Saison eine längere\nConcertreise durch Holland anzutreten.\n1\nDer Violoncellist Gaetano Claudeiii in Neapel ist gestorben.\nDie neue Oper von Julius Beer, welche das lyrische Thea-\nter im Herbste zur Aufführung bringt, heisst „Der Zaunkönig\" und\nist das Sujet nach einer Chronik aus dem fünfzehnten Jahrhundert\nbearbeitet.\nHerr Raphael Felix, welcher die Veranlassung zu den Tu-\nmulten in Lyon geworden ist, hat seine Entlassung als Theater-\nDirector gegeben. Die Wiedereröffnung der beiden subventionirten\nTheater in Lyon wird am Mittwoch unter der provisorischen Lei-\ntung eines Herrn Lamy Statt finden. Die Debüts, welche Herr\nFelix abgeschafft hatte, werden wieder eingeführt.\nGounod's „Königin von Saba\" in London. Ein Benefiz-\nConcert brachte am 26. August im Krystall-Palaste Gounod s „Kö-\nnigin von Sabau in Form einer Cantate unter dem Titel „Irene\".\nHaupt-Mitwirkende waren: Frau Lemmens-Sherrington (Irene, grie-\nchische Prinzessin), W. H. Cummings, L. Vinning, Lewis Thomas.\nDie weniger wichtigen Nummern blieben weg und das Textbuch\ngab die nöthige Auskunft über den Gang der Handlung. Chor und\nOrchester waren bedeutend verstärkt und das Ganze mit Sorgfalt\n• einstudirt.\nIn Gloucester hat vom 4. bis zum 8. September das grosse\nMusikfest der vereinigten Städte Gloucester, Worchester und Here-\nFord Statt gefunden. Es war das 142. seit der Gründung. An jedem\nTage gab es zwei Concerte, ein geistliches am Vormittage in der\nKathedrale und ein weltliches am Abende in der grossen Chire Hall.\nDie Einnahme der vier Tage belief sich auf 8-* 9000 Thlr. Der\nReinertrag ist zu wohlthätigen Zwecken bestimmt. Unter den Mit-\nwirkenden glänzten die Namen Tietjens, Louise Pyne, Ru-\ndersdorf, Wilkinson und Elton, Gunz, Cummings, Le-\nwis, Thomas, Santley, die Pianistin Arabella Goddard. Das\nProgramm war englisch, d. h. überladen mit allen möglichen Com-\npositionen vom „Messias\" an bis zum Kusswalzer und der letzten\nKose. In den vier geistlichen Concerten allein wurde gesungen;\n1) Die letzten Dinge von Spohr und der erste Theil des „Paulus\".\n2) Ausgewählte Nummern aus verschiedenen Oratorien von Händel,\nStabat Mater von Rossini, Lobgesang von Mendelssohn, Christus\nam Oelberge und das ganze Requiem von Mozart. 3. Elias. 4. Mes-\nsias. Das Programm der Abend-Concerte bot ein nicht minder\nreichhaltiges Gemisch der verschiedensten Ton werke aller Art. Bei-\nspielsweise kam am zweiten Abende zur Aufführung: Clavier-Con-\ncert en sol von Mendelssohn, der Frühling aus den Jahreszeiten, die\nWalpurgisnacht, verschiedene Nummern aus Wilhelm Teil und die\ngrosse Scene aus dem fünften Acte der Africanerin. Sämmtliche\nConcerte wurden von Herrn Wesley dirigirt."}]}