{"numero_id": "bm-bmtnabi-1865-09-30-01", "volume": "bmtnabi_1865-09-30_01", "ocr_sha256": "8359d171d85f4e7b76df30ffec67528edc3160f83dee552b1010da2d408b36c9", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1865/09/30_01/bmtnabi_1865-09-30_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650930-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1865-09-30-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-09-30_01#c001", "volume": "bmtnabi_1865-09-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "305", "page_fin": "305", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650930-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "305", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650930-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 367, "texte": "Inhalt.\nDas Verhältniss der Wissenschaft zur Musik. Von Alb. Hahn. I. Die musicalische Kritik. 11. Das diesjährige Ge-\nsangfest des Sieg-Rheinischen Lehrer-Gesangvereins. Theater in Köln. Tages- und Unterhai tu ngsblatt (Köln, Orgel-Concert\nvon J. G. Herzog, Abonnements-Concerte der Concert-Gesellschaft Regensburg, Musikgeschichte Regensburgs von Dr. Mettenleiter)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-09-30-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-09-30_01#c002", "volume": "bmtnabi_1865-09-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "305", "page_fin": "308", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650930-01.2.2", "titre_corps": "Das Verhältniss der Wissenschaft zur Musik.", "titre_sommaire": "Das Verhältniss der Wissenschaft zur Musik.", "signature_source": "Alb. 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Frei-\nlich waren die Grundlagen, welche die Akustik bisher\ndem Künstler darbot, nicht fest genug, ihn zu ermuthigen,\ndass er sein theoretisches Gebäude darauf zu errichten\nversuchen mochte. Dieser Grund fällt jetzt fort. In den\nletzten Jahrzehenden haben die grössten Mathematiker,\nPhysiker und Physiologen die überraschendsten Eroberun-\ngen auf diesem Gebiete gemacht. Die ersten Geister der\nWissenschaft, Männer, von denen wir beispielsweise Ca-\nguiard la Tour, Dove, Ohm, Fourier, Young, Corti, Köl-\nliker, Willis, M. Schultze nennen, haben daran gearbeitet,\nund H. Helmholtz, Professor der Physiologie in Hei-\ndelberg, hat in seinem grossen, bereits in zweiter Auflage\nerschienenen Werke: „Die Lehre von den Tonempfin-\ndungen als physiologische Grundlage für die Theorie der\nMusik\", die Resultate seiner Collegen mit den seinigen\nzusammenfassend, die Akustik nicht nur als physikalische\nund physiologische Wissenschaft in ein abgeschlossenes\nSystem gebracht, sondern auch den kühnen Versuch ge-\nmacht, seinerseits, d. h. von dem Standpunkte des Gelehr-\nten aus, die Brücke zum Kunstgebiete hinüberzuschlagen,\nauf der er dem Künstler zu begegnen meint. Der physi-\nkalischen Akustik gönnt gern ein jeder Musiker ihr, wie\ner meint, Kathederleben, wenn sie nur in ihren Hörsälen\nverbleibe. Der Uebergang auf das Gebiet der sinnlichen\nEmpfindung mag Manchem schon weniger behagen, weil\ner seinen Sinnen lieber unmittelbar, als geleitet von Re-\nflectionen, sich anvertraut. Der letzte Schritt aber, ihm\ndie Hand zu bieten, ihm für die Theorie der Musik psy-\nchologische Wahrnehmungen zur Begründung und Er-\nklärung zu geben, wird der Mehrzahl, wagen wir sogar,\nzu behaupten, nach den früheren zahlreichen, vergeblichen\nVersuchen dieser Art kaum mehr als ein ungläubiges\nKopfschütteln abringen.\nWenn wir auch nicht so unbedingt zu Helmholtz als\nGelehrtem in seinen Aussprüchen über Musik halten, wie\nz. 8., um gleich einen recht kühnen Griff zu thun, zu\nBeethoven als Künstler in seinen Schöpfungen, wenn wir\nsogar gern einräumen, dass er bei der nothwendig herbei-\ngezogenen Geschichte der Musik wie der musicalischen\nGrammatik nicht vollständig den Ansprüchen ge/echt wer-\nden kann, die an den Historiker und Theoretiker von Fach\ngemacht werden müssen, so können wir seine Resultate\nauf physikalischem und physiologischem Gebiete dagegen\nals unangreifbar und erschöpfend darstellen, und müssen\nauch bezeugen, dass die Begründung der Theorie den Zu-\nsammenhang zwischen Wissenschaft und Kunst zum er-\nsten Male so vollständig herstellt, dass die letztere Unrecht\nthäte, denselben zu ignoriren und die Vortheile von sich\nzu weisen, welche in vielen Hinsichten eine bewusste Ein-\nsicht in den natürlichen Organismus des Ton-Materials\nbringen kann.\nUnangreifbar nennen wir die Besultate der\nWissenschaft, weil sie in so fern in dreifacher Bezie-\nhung hergeleitet und bewiesen dastehen, als der höhere\nCalcul, Experimente und die musicalische Empirie sich in\nihnen begegnen, als die Hauptsätze durch Integralrech-\nnungen aufgefunden, auf dem Wege der Experimental-\nphysik zur directen Darstellung gebracht werden können\nund sich auch in der musicalischen Praxis befolgt wieder-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "306", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650930-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5390, "texte": "finden. Ein Beispiel mag dafür herbeigezogen werden.\nEin Kleiekörnchen, auf einer Violinsaite befestigt, d. h.\neinfach auf dieselbe aufgestreut, beschreibt, wenn diese\nSaite angestrichen wird und ertönt, eine Curve, welche\ndie Schwingungsform der schwingenden Saite darstellt.\nDiese Curve ist aufgezeichnet und vermöge des höheren\nCalculs berechnet worden. Die Integrirung ergab, dass\ndie Curve eine Summe von mehreren Epicykloiden, d. h.\nCurven war, wie sie der Pendel beschreibt. Solche Cur-\nven entsprechen einfachen Tönen, der Klang der Violin-\nsaite müsste also, der Berechnung nach, deren Richtigkeit\nfeststeht, die Summe jener Töne repräsentiren. Dass die\nSaite nicht bloss den Eigenton angibt, haben die mit fei-\nnem Gehör begabten, beobachtenden Violinspieler z. B.\nwohl schon sinnlich empfunden; sie alle wissen, dass die\neingestrichene A-Saite z. B. heftig mit schwingt, wenn auf\nder 6r-Saite das um eine Octave tiefere angestrichen\nwird, was eben nur möglich ist, wenn das tiefere seine\nOctave ebenfalls in sich enthält. Die Experimental-Physik\ngibt den Beweis dafür. Sie hat Instrumente erfunden, die\nnur von einem bestimmten Tone in Mitschwingung ver-\nsetzt werden. Bei der Beobachtung ergab sich zur Probe,\ndass die auf die berechneten, im Klange der Violinsaite\nzugleich vorhanden sein sollenden Töne abgestimmten In-\nstrumente wirklich ansprachen. Wir sehen durch den\nGeist, d. h. durch Berechnung, und durch die Sinne, d. h.\ndurch anschauliche Versuche festgestellt, dass der Klang\nder Violinsaite neben dem Eigentone noch mehrere andere\nTöne enthält; das kann für die Musik, obschon den mei-\nsten Spielern und Componisten diese Thatsache wohl kaum\nzum Bewusstsein gekommen sein nicht gleichgültig\nsein, und es ist das auch nicht. Die Lehre der Instrumen-\ntation steht sogar durchaus im Einklänge mit den Aus-\nsprüchen der Wissenschaft. Eine Composition kann ab-\nstract gedacht werden, wie sie, in Noten aufgeschrieben,\nvon dem Auge gelesen wird; d. h. also, indem man sich\nnur erklingen vorstellt, was Schwarz und Weiss dasteht,\nnicht, was bei der Wiedergabe auf einem bestimmten\nInstrumente sich als zum Gehör kommend ergibt; so\nmüsste bei der Instrumentirung dieses Musikstückes, wenn\ndie Instrumente neben den Eigenlönen noch verschie-\ndene andere Töne erklingen lassen, je nach der Wahl\nder Instrumente der Effect ein ganz anderer sein. Jeder\nMusiker ist von der Richtigkeit dieser Behauptung, welche\nhier als Schlussfolgerung auftritt, längst überzeugt. Man\ndenke sich im ersten Satze der grossen C-efer-Sonate von\nBeethoven nach der Durcharbeitung im Mitteitheile, vor\ndem Eintritt des ersten Theil-Tbema's, die dort\nbat die linke Hand eine ganz tiefe, die rechte-eine hohe\nLage, und beide sind in der schnellsten Bewegung von\neinem Fagott und einer Flöte geblasen: sie würde fast\ngar keine musicalisch zu nennende Wirkung mehr haben\nund ganz unverständlich sein. Wir glauben daher den\nwissenschaftlich gebildeten Musikern mit Hinweisung\ndarauf, dass die wissenschaftlichen Resultate von H. Helm-\nholtz auf das genaueste mit den besten Instrumentations-\nlehren, denen von A. B. Marx und H. Berlioz, überein-\nstimmen, das Studium des oben angeführten Werkes nicht\nwarm genug ans Herz legen zu können. Nichts schärft\nund kräftigt den Sinn so schnell und sicher, als ein be-\nwusstes Erkennen der letzten Gründe, wie hier die Ein-\nsicht, dass die Klangfarbe zurückzuführen ist auf das Mit-\ntönen ganzer Reihen von Tönen, die wir als schwache\nund leichte Mixtur-Register anzusehen haben. Eben so\nwie der Maler allerdings schliesslich mit seinem indivi-\nduellen Geschmacke und Urtheile die Mischfarben zu wäh-\nlen hat, wird auch der Musiker schliesslich mit dem Ge-\nhör die Klangverhältnisse gleichsam herausfühlen müssen;\nallein wie dem Maler die wissenschaftliche Kenntniss der\nreinen Farben und deren Mischungen hierbei eine grosse\nHülfe sein wird, so wird auch der Musiker in den wis-\nsenschaftlichen Thesen eine wesentliche Förderung er-\nfahren.\nErschöpfend nennen wir die Resultate oben\nin so fern, als sie ein in den Grundzügen fertiges System\nuns hinstellen und die offen gelassenen Fragen theils un-\nwesentlich sind, theils durch Hypothesen beantwortet wer-\nden. deren Evidenz einleuchtet und deren Lösung wir\nauch sicher in naher Zukunft durch die Forschungen der\nWissenschaft entgegen zu sehen haben.\nWas die Fassung dieses Epoche machenden Werkes\nanbetrifft, so ist diese natürlich eine wissenschaftliche;\ndoch sind die nur dem strengsten Fachgelehrten zugäng-\nlichen Berechnungen, Beschreibungen von Instrumenten,\nresp. andere Betrachtungen, in eng gedruckten Beilagen\n(40 S. Druck) an das Ende zusammengebracht, und ist\ndas Werk in einem Stile geschrieben, der es jedem Ge-\nbildeten nicht nur zugänglich macht, sondern ihn interes-\nsirt und fesselt.\nWir haben bei diesem Aufsatze nun nicht eine Em-\npfehlung des Werkes vor, sondern wollen, allerdings im\nAnschlüsse an dasselbe, da es alle Resultate der gelehrten\nForschungen dieses Gebietes in sich vereint, das Verbält-\nniss der Wissenschaft zur Musik, wie es unser Titel sagt,\nprüfen. Unser Standpunkt ist pro primo der des prakti-\nschen Musikers; wir stehen als solcher auf dem thatsäch-\nlichen Boden unserer Zeit, wollen als Historiker\nnoch als Aesthetiker gleich nach bestimmten speculativen\noder philosophirenden Grundsätzen verfahren, sondern\neinerseits ganz objectiv die Hauptsachen hervorheben, an-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "307", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650930-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5406, "texte": "dererseits den Nutzen bezeichnen, welchen die Musik ha-\nben kann, wenn sie von den Daten Kenntniss nimmt.\nDass die Anzahl der Schwingungen die Höhe, deren\nStärke die Kraft und deren Form den Klang des Tones\nergeben, ist lange bekannt; während aber die beiden er-\nsten Beschaffenheiten sich auf einfache, einer weiteren Er-\nklärung nicht bedürftige Zahlen-Verhältnisse zurückführen\nliessen, blieb die letzte eine unbestimmte, wie man sagte,\nvon dem subjectiven Gefühle des Musikers allein festzu-\nstellende Eigenthümlichkeit, die man vollständig auf das\nGebiet der Psychologie zu beziehen und von hier aus allein\nzu begründen habe. Dass dem nicht mehr so ist, hat das\nBeispiel bereits angedeutet; die Wichtigkeit des neuen\nTheorems ist aber eine so grosse, dass wir, um möglichst\nallgemein und namentlich die Musiker zu überzeugen, in\npopulärer Weise kurz zu erklären versuchen wollen, wie\nman die Schwingungen berechnen und wie man die Jahr-\ntausende von den Gelehrten überhörten, durch den Grund-\nton allerdings überdeckten und überfluteten Obertöne dem\nSinne zum Bewusstsein bringen kann.\nBefestigt man an die Zinke einer Stimmgabel ein Stift-\nchen und führt die Gabel, während sie schwingt, so über\neine schwarz berusste Fläche, dass die Spitze den Buss\nfortschiebt, so entsteht auf dem schwarzen Grunde eine\nweisse, geschwungene Linie, welche genau die Bewegun-\ngen der Zinke beschreibt. Der Baum, den die Linie durch-\nmisst, entspricht der Zeit. Man hat nun graphisch, d. h.\nin Linien, die Bewegungen und die Zeit, in der sie Statt\nfinden, dargestellt, und eben so wie man die Curven-Bah-\nnen der Gestirne mit untrüglicher Sicherheit bestimmt, so\nberechnet man jetzt auch die Schwingungen. Die Curven\nwerden durch Abstände von einer geraden Linie und einer\nsenkrechten darauf bestimmt (Coordinaten und Abscissen),\nz. B. in der Entfernung von von der senkrechten ist\nsie 1 \"über der wagerechten entfernt, in der von ist\nsie unter derselben u. s. w. Befinden sich nun zwei\nCurven gleichzeitig in dem Baume, so addiren sie sich in\nder Weise zu einander, dass in denselben Entfernungen\nvon 1, 2, 3 . . . Zollen von der senkrechten, die Abstände\nvon 1 darüber, 1 darunter .... von der wagerechten zu-\nsammenaddirt werden. Und so ist es zu verstehen, wenn\nes heisst, dass eine Curve als Summe mehrerer auftritt.\nEs sind eben die Abstände aller Curven von der wage-\nrechten, in den gleichen Entfernungen von dem Loth na-\ntürlich, so zusammenaddirt, dass die darüber und darunter\nsich summiren, wenn sie nach oben oder nach unten lie-\ngen; sich dagegen aufheben, befinden sie sich gleichzeitig\nnach oben und nach unten. Die Berechnungen selbst ent-\nziehen sich einer populären Darstellung.\n♦\nDie Instrumente, mit denen man selbst den schwäch-\nsten Ton ausfindet, sind so einfach, dass deren Auffindung\nlebhaft an die Geschichte des Columbus-Eies erinnert.\nDie Schallwellen übertragen sich an die Umgebungen, so-\nfern diese die Eigenschaft besitzen, von ihnen erschüttert\nwerden und so sie fortpflanzen zu können. Diese Eigen-\nschaft besitzen die Gegenstände, als da sind Luftarten,\nflüssige und feste Körper, in sehr verschiedenem Maasse,\ndie Luft im höchsten, daher sie auch im Allgemeinen als\ndas Medium des Klanges angesehen wird. Andere Gegen-\nstände dagegen besitzen z. B. die Eigenschaft, nur einen\nbestimmten Ton oder einen in hervorragender Stärke mit-\nzuklingen. Das hat Jeder im praktischen Leben an Fen-\nsterscheiben, an Theilen der Instrumente, die er spielt,\nund dergleichen erfahren. Helmholtz ist es gelungen, in\nseinen Besonatoren Instrumente zum Erkennen der\nschwächsten Töne herzustellen, die allen Ansprüchen ge-\nnügen. Diese Besonatoren sind einfache Glaskugeln oder\nCylinder mit einem dürren Halse, dessen Ende, durch war-\nmen Siegellack umgeben, so in das Ohr eingepasst wird,\ndass es, in dasselbe eingesetzt, das Gehör gegen die an-\ndere Luft hermetisch abschliesst. Die Luftmasse in Ver-\nbindung mit dem Gehörgange und dem Trommelfell bildet\nein elastisches System, dessen Grundton, sobald er ausser-\nhalb einstimmt, mit hervorragender Stärke angegeben\nwird, während die anderen Töne dadurch behindert und\ngedämpft werden. Solche Glaskugeln können zu jeder be-\nliebigen Tonhöhe angefertigt werden, so dass man jeden\nTon, ist er auch noch so verborgen, mit ihnen aufsuchen\nkann. Sie gleichen den Brillen, indem sie dem Ohr den\nsinnlichen Eindruck von aussen her vergrössern; die Be-\nschränkung, der Brillen und Besonatoren unterworfen\nsind, besteht beim Auge in der Abgränzung des kleinen\nGesichtsfeldes, wie es dem Brillenglase entspricht, beim\nOhr darin, dass nur ein bestimmter Ton verstärkt wird.\nDie Vocale entstehen durch die Bildung bestimmter\nHohlräume des Mundes, von denen das z. B. auf einge-\nstrichen babgestimmt ist, so dass der Mund bei richtig\nausgesprochenem oeinen auf eingestrichen gestimmten\nnatürlichen Besonator bildet. Spricht man es ein wenig\nnach u,d. h. dunkler aus, so sinkt die Stimmung auf ein-\ngestrichen a, den Ton unserer Stimmgabeln. Es kann sich\nauf diese Weise ein Jeder, indem er nur den Mund auf\ndunkel-o stellt, eine Anschauung von der Wirkung der\nBesonatoren machen, indem er die schwingende Stimm-\ngabel an die Oeffnung bringt, deren Ton sogleich eine\nbedeutende Verstärkung erfährt.\nMit Hülfe dieser beiden Wege hat man nun gefunden,\ndass die meisten Klänge nicht nur aus dem stärksten\nGrundtone allein bestehen, sondern gleicher Zeit höhere\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "308", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650930-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1616, "texte": "Töne mit erklingen lassen, deren Schwingungen in den\nverschiedensten Verhältnissen zum Grundtone stehen. Die-\njenigen, welchen die einfachen Zahlen 2, 3, 4 u. s. f. zu\nGrunde liegen, sind die in der Musik verwendbarsten; sie\nbilden mit dem Grundtone die von A. B. Marx so ge-\nnannte Natur-Harmonie, als z.B. 0. (eingestrichen:)\ne g b(zweigestrichen:) c.Die musicalische Praxis hat bei\ndem vollen Werke der Orgel in den Mixturen, wie auch\nzur Erzeugung eigenthümlicher Klangfarben-Register\n(Rohrflöte), diese Eigenthümlichkeit bereits praktisch\ndurch thatsächliche Hinzufügung von solchen Tönen ent-\nsprechenden Pfeifen benutzt, und die theoretischen Gegner\ndavon werden durch die wissenschaftliche Feststellung der\nObertöne jetzt unwiderlegbar geschlagen. Die Instrumente,\nwelche wir haben, geben die vorgeschriebenen Noten in\nihrem Klange: ohne Obertöne, mit allen Obertönen, oder\nnur mit einem Theile derselben. Dadurch entsteht eine\nsehr grosse Anzahl von Varianten für den Klang, der ent-\nsprechend wir auch eine sehr grosse Zahl im Klange von\neinander abweichender Instrumente besitzen.\nDie Instrumentationslehre erhält dadurch ganz andere\nGrundlagen. Besässen die Conservatorien die nöthigen\nApparate, den Schülern die Obertöne der verschiedenen\nInstrumente zum Gehör und so zum Bewusstsein zu brin-\ngen, so würde deren Ohr feiner und schärfer werden,\nund das Gedächtniss für die Klangfarben, dieser Haupt-\nFaclor der Instrumentirungs-Kunst, würde durch die Ana-\nlysen als mnemotechnische Hülfsmittel schneller sich heraus-\nbilden, wie bisher, wo der Musiker sich rein auf sein Ge-\nfühl zurückzubeziehen hatte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-09-30-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-09-30_01#c003", "volume": "bmtnabi_1865-09-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "308", "page_fin": "309", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650930-01.2.3", "titre_corps": "Die musicalische Kritik.", "titre_sommaire": "Die musicalische Kritik.", "signature_source": "L. 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Die ganze Grösse, Strenge,\nerhabene Einfachheit der biblischen Erzählung und An-\nschauung finden \"wir in seiner Musik wieder: er ist der\nwahre Sänger der Hebräer, ihr musicalischer Homer,\ndenn nie hat ein Componist ihren Glauben, ihren Cha-\nrakter, ihre Thaten mit mehr Wahrheit wiedergegeben.\nHändel feiert in Gesängen voll Majestät den Jehovah des\nMoses, den Gott, der gebietet, straft und belohnt.\n„Die Wirkung dieser Oratorien und vor allen des\n„ „Israel in Aegypten\"\" ist daher auch eine allgemeine und\nungeheure. Hört man diese übermenschliche Musik, so\nglaubt man ein ungeheures Gebäude vor sich aufsteigen\nzu sehen, dessen kolossale Proportionen ein jeder Chor\nimmer mächtiger enthüllt. Die Grösse, die in diesem gan-\nzen Werke herrscht, der Reiz gewisser Stellen, welche\nden hohen Ernst und die Strenge mildern, der ausdrucks-\nvolle Charakter der Einzelheiten, die Reinheit und ausser-\nordentliche Klarheit der Form, die wundervolle Ver-\nschmelzung der Vocal- und Instrumentalmassen machen\naus „„Israel in Aegypten\"\" das Meisterwerk Händel's.\"\nUeber Schumanns Musik zum „Faust\" sagt der\nBericht unter Anderem:\n„Schumann hat aus Goethe's „„Faust\"\" Fragmente\ngewählt, die auf ihn einen besonderen Eindruck machten,\nund hat daraus ein musicalrsches Werk geschaffen, dessen\nOriginalität unbestreitbar ist. Im dritten Theile hat die\ntiefe mystische Natur der Poesie ihn besonders angezogen,\nund diese Poesie hat in ihm einen genialen musicalischen\nDolmetscher gefunden. Natürlich musste der Meister\nfür einen so ausser dem Gewöhnlichen sich bewegenden\nText besondere Ausdrucksweisen erfinden, und es ist ihm\ndies in so weit gelungen, dass seine Musik jedenfalls zu\nden poetischsten und bedeutendsten Werken der neueren\nSchule gehört.\"\nUeber Hiller's Sinfonie heisst es:\n„Hiller's Sinfonie hat einen grossen Erfolg gehabt.\nDas Programm, welches der Componist sich gewählt hat,\nist ein reizendes Gedicht von Em. Geibel, „„Hoff-\nnung\"\" überschrieben.\n„Dieses Gedicht hat durch seinen allgemeinen Inhalt\nund die gegensätzlichen Gedanken, die es enthält, schönen\nStoff zu musicalischer Behandlung gegeben, den Hiller in\nvier Sätzen trefflich benutzt hat. Sein Werk ist in so fern\nechte Programm-Musik, als er keineswegs darauf ausgeht,\nEinzelnes und Gegenständliches durch charakteristische\nTöne zu definiren, sondern sich im Allgemeinen mit dem\npoetischen Hauptgedanken, der ihn begeistert hat, iden-\ntificirt.\" ' ' 1 '' '\nDer zweite Theil des Berichtes des Herrn Benoit be-\nschäftigt sich mit Vorschlägen an den Minister zur Ins-\nwerksetzung von Musikfesten nach deutscher Weise in\nBelgien. Welchen Geist diese Vorschläge athmen, mögen\ndie Leser aus den Schlusssätzen des Berichtes ersehen:\n„Diese jährlichen Musikfeste würden für Belgien eine\nwahre Wohlthat sein: sie würden die Werke deutscher\nTonkunst zum grossen Nutzen und zur Freude der gebil-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "309", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650930-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1120, "texte": "ten Massen popularisiren, welche sich bis jetzt mehr mit\nitaliänischen und französischen Musik-Producten familiari-\nsirt haben.\n„Unsere nationale Kunst würde sich an dieser reinen\nund lauteren Quelle erfrischen und verjüngen, ihre Ent-\nwicklung würde schnell erstarken und bald neben den\ngrossen Schulen der Tonkunst, welche den Beifall der\nWelt theilen, glänzen.\"\nSo weit Herr Benoit.\nIn der Sache selbst können wir mittheilen, dass be-\nreits nächstens in Brüssel ein Versuch mit einem grossen\nMusikfeste gemacht werden wird.\nWichtiger aber, als nolhwendige Vorbereitung für\ndie Zukunft, ist das Unternehmen des Herrn Samuel,\nProfessors am Conservatorium in Brüssel (der auch als\nTheoretiker und Kritiker eine ausgezeichnete Stelle ein-\nnimmt), populäre Concerte, nach Art der Concerte von\nPasdeloup in Paris, in Brüssel zu veranstalten. Jedenfalls\nwird die Ausführung dieses Unternehmens viel zur Ent-\nwicklung der Geschmacksrichtung der Massen in Belgien\nbeitragen, da Herr Samuel ebenfalls den Zweck hat, sei-\nnen Landsleuten Gelegenheit zu geben, aus dem kastali-\nschen Quell der deutschen Musen zu schöpfen.\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-09-30-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-09-30_01#c004", "volume": "bmtnabi_1865-09-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "309", "page_fin": "311", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650930-01.2.4", "titre_corps": "Das diesjährige Gesangfest des Sieg-Rheinischen Lehrer- Gesangvereins.", "titre_sommaire": "Das diesjährige Gesangfest des Sieg-Rheinischen Lehrer- Gesangvereins.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "309", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650930-01.1.5", "debut_caractere": 1122, "fin_caractere_exclue": 4889, "texte": "Das diesjährige Gesangfest des Sieg-Rheinischen\nLehrer- Gesangvereins.\nDas Gesangfest fand wiederum in Brühl Statt, und\nwie die Aufführungen in früheren Jahren, hatten auch\ndie diesjährigen Gesang-Compositionen des sechszehnten\nund siebenzehnten Jahrhunderts zum Gegenstande, denen\ndieses Mal zwei Stücke von Musik-Director Toepler an-\ngeschlossen waren. Das Programm bestand in einer von\ndemselben um den Verein so hoch verdienten Lehrer theil-\nweise mit Orgelbegleitung versehenen einstimmigen, latei-\nnischen Choralmesse mit nachbenannten Einlagen: 1) Ecce,\nDeuz, für vier Männerstimmen von M. Toepler; 2)\ntatus sum,für vier Männerstimmen von Andr. Willaert;\n3) Komm', heiliger Geist! für fünfstimmigen gemischten\nChor, aus dem Ende des 16. Jahrhunderts, Componist unbe-\nkannt; 4) 0 beata, für fünfstimmigen gemischten Chor\nvon Palestrina; 5) Sicut cervus, für vierstimmigen ge-\nmischten Chor von Palestrina; 6) für\nvierstimmigen gemischten Chor von M. Toepler; 7) Ave\nMaria, für vierstimmigen Männerchor von Orlandus\nLassus, und 8) Laudate nome für gemischten\nDoppelchor zu acht Stimmen von Zachariis. Nummer\n2, 7, 8 stehen im Hefle von 1864*), die übrigen im dies-\njährigen**). Es dürfte vielleicht zu beachten sein, dass das\nProgramm Einiges für Männerstimmen enthält (schon frü-\nhere Hefte bieten Schätzbares: Cantate Domino von L.\nHassler, 0 sctcrum conviviumvon Viadana,\nvon Orl. Lassus), da der pure Männergesang mit Stücken\ndieses Stils sonst fast gar nicht bedacht ist. Ausser den\nacht Nummern wurde auch ein Orgelsatz von M. G. Fi-\nscher, dem Erfurter (Nr. 15, aus Op. 15), vorgetragen.\nDas ausführende Personal bildeten dieses Mal ungefähr\n• _ o\n230 Kinder, beigebracht aus 12 Landschulen, eben so\nviele Lehrer, 8 Schulpflege-Bezirken angehörend. Die Zu-\nhörer waren ziemlich zahlreich, besonders hatten sich viele\ngeistliche Herren eingefunden.\nDie Aufführung war eine recht erhebende, und die\nZuhörer, welche auch im vorigen Jahre dem Feste beige-\nwohnt hatten, bezeichneten die diesjährige als merklich\ngelungener; namentlich hat sich eine klangvollere, rei-\nnere, sicherere Intonation Seitens der Rinder zu erkennen\ngegeben, womit denn auch einem in diesen Blättern im\nvorigen Jahre geäusserten Wunsche bereits nähere Erfül-\nlung zu Theil wurde. Es erklärt sich dies dadurch, dass\nüber die Hälfte der Kinder schon im vorigen Jahre mit-\ngesungen hatte, also dieses Jahr.stämmiger und geübter\nwar, wogegen damals, nach einer zweijährigen Unterbre-\nchung des Festes, lauter Neulinge mitwirkten. Dann spen-\ndete man dem Tenor Lob, welcher sich durch klangvolle,\ngetragene Tongebung vortheilhaft bemerkbar machte.\nDie Präcision befriedigte durchschnittlich, und der Chor\nzeigte sich bei dem Accelerando und Ritardando und bei\ndem Steigern und Dämpfen der Stärke recht lenksam,\nwas bei der einmaligen Probe (4'/z Stunde, einschliesslich\nPause) und in Rücksicht der zahlreichen Bruchtbeile (s.\noben) und der sehr ungleichen Kräfte des Vereins in ho-\nhem Grade anzuerkennen war.\nWas die einzelnen Stücke angeht, so kann man die\nAusführung der Nummern 1, 3, 6, 7, 8 als die vollen-\ndetste bezeichnen. Nr. 2 machte weniger Eindruck aus\nMangel an entschiedener Declamation, und bei Nr. 4,\nbeata etc.,waren die beiden Oberstimmen gegen die übri-\ngen zu dünn und matt, was dem an sich so herrlichen\nStücke schadete. Dieser Uebelstand war die Folge der\nTheilung des Soprans in zwei Stimmen. Nun hätte aller-\ndings in den anderen Stimmen die Sängerzahl vermindert\nwerden können, was gewiss der Dirigent eben so gut ge-\nwusst hat, wie die Musiker von Fach unter den Zuhörern:\n\n*) Vergl. Niederrh. Musik-Zeitung, 1864, Nr. 35.\n**) „Gesänge zum Gebrauche für die Mitglieder des Sieg-Rhei-\nnischen Lehrer-Gesangvereins.\" Bonn, Druck von C. Georgi. 1865.\n20 S. kl. Fol."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "310", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650930-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5288, "texte": "aber diese ahnen meistens nicht, welche Schwierigkeiten\ndie obwaltenden Verhältnisse solchen Anordnungen entge-\ngenstellen, da man froh sein muss, mit einer einzigen\nProbe aus den vorhandenen Bruchtheilen, wie sie nun\neinmal sind, ein Ganzes zu Stande zu bringen. Gross-\nartig erschienen Nr. 3 und 5, bei welchen die ungetheilte\nKinderschar die Oberstimme fest und rein vortrug. Hecht\nschwungvoll wurden Nr. 6 (in der Tonhöhe von es) und\nNr. 8 (in der Tonhöhe von ausgeführt; namentlich\nsang bei Nr. 6 die Kinderschar und, von diesen vielleicht\nangeregt, auch der Mannerchor den Vers „Sit salus Uli8\nmit einer wahren Begeisterung. Der nach der vorletzten\nNummer, dem Ave Maria, zur Rast der Sänger einge-\nlegte, anmuthig dahinfliessende Orgelsatz erwies sich an\ndieser Stelle ganz passend.\nDer in Wechselchören zwischen Kindern und Män-\nnern vorgetragene einstimmige, lateinische Choral ertönte\nsicher und mit Ausdruck, mit Ausnahme des\nwelches etwas matt und unsicher war; alles Uebrige liess\ndie Befolgung des Grundsatzes erkennen, welcher in dem\nVorworte des diesjährigen Vereins-Heftes bezüglich dieser\nGesangesgattung ausgesprochen ist. Herr Toepler sagt\nnämlich daselbst: „Wenn auch bereits bei mehreren Fe-\nsten der einstimmige Choral dominirend auftrat, so dürfte\nein abermaliges Zurückgreifen auf diesen ehrwürdigen\nHaupttheil des katholischen Kirchengesanges immerhin\ngeboten sein, da dessen Vortrag und Orgelbegleitung in\nden Kirchen im Allgemeinen noch lange nicht in der\nWeise Statt finden, dass anregende, nachzuahmende Auf-\nführungen entbehrlich wären. Bezüglich des Vortrages\nsind es namentlich Accent, Rhythmus der Melodie und\nTempo, welche noch viel zu wünschen übrig lassen. Der\nChoral muss entschieden in der Betonung des Sprechens,\nsodann in einem mehr freien, an die Sprache sich an-\nschliessenden, nicht gleichgemessenen Rhythmus und, im\nGanzen genommen, etwas bewegt und lebhaft gesungen\nwerden. Da diese Vortragsweise, verbunden mit glatter,\nklangreicher, reiner Intonation, eine gründliche Unterwei-\nsung und ernste Uebung bedingt, so ist es freilich nicht\nzu verwundern, dass unsere meistens sehr mangelhaft or-\nganisirten Choral-Chöre noch immer so Unvollkommenes\nleisten. Was die Orgelbegleitung betrifft, so dürfen nur\ndie dem Wesen des Chorals entsprechenden Harmonieen\nund Modulationen angewendet werden; alles Moderne\nmuss fern bleiben. Dreiklänge mit untermischten Durch-\ngängen und Vorhalten, auf Grundlage der Kirchen-Ton-\narten, geben das beste Material zu dem harmonischen Ge-\nwände des Chorals. Orgelspieler war der Seminarlehrer\nHerr Hoffmann.8\nSchliessen wir nun noch einige Betrachtungen über\nden Verein überhaupt und über die leitenden Gedanken\ndesselben hier an, so sind die Leistungen allerdings un-\nvollkommen und werden es auch bleiben; das liegt in der\nOrganisation des Vereins.- Aber soll desshalb nichts für\ndie Zwecke desselben geschehen? Trotz dieser Unvoll-\nkommenheit darf der Verein dennoch mit Recht von sich\nsagen, einen erheblichen Einlluss auf den katholischen\nKirchengesang und auf das katholische Orgelspiel ausge-\nübt zu haben. Vor einem Viertel-Jahrhundert sah es in\ndieser Beziehung noch schlecht aus. Seit dem Jahre 1847,\nwo die energische Einwirkung mit öffentlichen Aufführun-\ngen zunächst des lateinischen und deutschen einstimmigen\nKirchen-Chorals durch ihn begann, wird dieser Gesang\nmerklich besser gepflegt, und an vielen Orten singt man\nschon befriedigend, da die Lehrer Geschick und Geschmack\ngewannen und die Herren Geistlichen durch die Anhörung\nüber den wahren Kirchengesang und dessen Vortrag ein\nrichtiges Urtheil erhielten, was ihnen ja, als Vorstehern\nder Kirchen, nothwendig ist. Auch das Orgelspiel über-\nhaupt und die Begleitung des Chorals insbesondere musste\nauf dem nämlichen Wege gewinnen, weil in dieser Be-\nziehung auf den Festen immer nur Mustergültiges zu Ge-\nhör gebracht wurde; und es gereichte von da an zur Un-\nehre, einem entgegengesetzten Geschmacke zu huldigen.\nEs soll damit nicht gesagt sein, dass das Bessere nur\ndurch den Verein gekommen ist: aber das ist doch wahr,\ndass dasjenige, was auf eine würdige Weise öffentlich\ngeboten und allgemein als das Richtige anerkannt wird,\nweit sicherer wirkt, als blosse Worte und stille, private\nVersuche.\nSollte das Fest fortbestehen und Reiz behalten, so\ndurfte man bei dem niederen Kirchengesange (Choral) nicht\nstehen bleiben, sondern musste zum harmonischen Ge-\nsänge greifen, wenn auch der Choral nebenher keineswegs\naus den Augen zu verlieren war, wie ja das diesjährige\nFest wieder beweist. Und das war für den Verein ein\nUnternehmen, das für seine Kräfte fast vermessen genannt\nwerden muss. Die neue höhere Kirchenmusik kann auf\ndie Benennung „echte Kirchenmusik\" keinen Anspruch\nmachen. Eine kirchlichere Richtung musste demnach an-\ngebahnt werden. Der Hauptgesang des katholischen Cul-\ntus ist und bleibt der alte lateinische Choral und daneben\ndessen Schwester, das alte deutsche Kirchenlied. Die Ton-\nkunst der Kirche muss eines Geistes sein. Diesem Grund-\nsatze gemäss hat sich ehedem die mehrstimmige Kirchen-\nmusik, und zwar aus jenem einfachen Gesänge, entwickelt\nund im sechszehnten und .siebenzehnten Jahrhundert herr-\nlich entfaltet. Was ist nun wohl bei Anbahnung einer\nkirchlichem Richtung natürlicher, als den im achtzehnten"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "311", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650930-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2098, "texte": "Jahrhundert abgerissenen Faden der echten Kirchenmusik\nwieder aufzunehmen, d. h. jene besseren Werke wieder\nzur Ausführung zu bringen, damit man deren inneres und\näusseres Wesen erfasse, sich an den frommen Ergüssen\nerwärme, entzünde und dann suche, in dem nämlichen\nGeiste Aehnliches zu schaffen, bei welchem letzteren es\nnicht gerade nothwendig sein wird, pedantisch an den al-\nten Formen festzuhalten, wenn auch immerhin, wie bei\nder kirchlichen Wortsprache, eine der Kirche angemessene\nAusdrucksweise zu bewahren sein wird.\nIn dieser Erwägung begann der Verein im Jahre 1850\nseine Aufführungen alter mehrstimmiger Kirchenmusik,\nallerdings anfänglich höchst mühevoll und äusserst unvoll-\nkommen (weil der Vortrag dieser alten Werke fremd war),\naber unter grossem Beifalle und allseitiger Ermunterung.\nUnd seit jener Zeit entstand hauptsächlich die rege Bewe-\ngung auf dem Gebiete der jkatholischen Kirchenmusik:\nman berichtete in verschiedenen deutschen Blättern über\ndie brühler Aufführungen, man stritt für und gegen die\nEinführung der alten Kirchenmusik, an verschiedenen Or-\nten ist sie wirklich zur Aufnahme gekommen, ja, sogar\nConcert-Programme bringen Proben. Da bis dahin in den\nausübenden Kreisen diese Musikgattung nicht vorkam, so\nist es der Verein, der trotz seiner schwachen Mittel auch\nhier die Anregung gegeben hat.\nDie brühler Aufführungen könnten jetzt vielleicht be-\nschlossen werden, da die Kathedralen angefangen haben,\nsich der Sache zu bemächtigen; doch halten wir ein Fest-\nhalten daran für wünschenswert!], denn fortwährende öf-\nfentliche Anregung ist immerhin nützlich. Alle Lehrer-Se-\nminarien sollten Mittelpunkte für dergleichen Vereine sein,\nweil sie Pflanzschulen nicht nur für die weltliche Volks-\nbildung, sondern auch für Kirchengesang und .Orgel sein\nmüssen. Auch tragen die Vereine zur musicalischen Bil-\ndung des Lehrerstandes überhaupt bei, und da die jungen\nGeistlichen jetzt mehr mit der Kirchenmusik bekannt wer-\nden, so darf der Lehrer dem Geistlichen nicht unwissend\ngegenüberstehen. Endlich wird doch auch manch leicht\nausführbares Material verbreitet."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-09-30-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-09-30_01#c005", "volume": "bmtnabi_1865-09-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "311", "page_fin": "312", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650930-01.2.5", "titre_corps": "Theater in Köln.", "titre_sommaire": "Theater in Köln.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "311", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650930-01.1.7", "debut_caractere": 2100, "fin_caractere_exclue": 6667, "texte": "Theater in Köln.\nDen 29. S e p t e m b e r 1865.\n*\nDie ersten Aufführungen von Opern im Stadtiheater, welches\nunter der Directiön des Herrn Ernst seit den letzten Tagen des\nAugust wieder eröffnet ist, berechtigten, sowohl was das Ganze der\nVorstellungen, als was die Leistungen der einzelnen Mitglieder be-\ntrifft, zu der erfreulichen Wahrnehmung, dass die Directiön mit den\nvorhandenen Kräften eine Oper herzustellen vermag, welche seit\nJahren vielleicht zum ersten Male dem Spruche: „Köln soll und\nmuss ein seiner würdiges Theater haben 1\" gerecht zu werden ver-\nheisst. Wer die gegenwärtigen Bühnen-Zustände kennt, wer da weiss,\nwie man auf unserer ersten Hof- und Residenz-Bühne die „Zauber-\nflöte\" ohne eine singende Königin der Nacht gibt, mit Tenoristen\nohne namhaftes Resultat experimentirt, Anfänger engagirt, um doch\nwenigstens die Iloflnung auf guten Nachwuchs beim Publicum zu\nnähren, wie tief die Aufführungen von komischen Opern auf den\ndortigen Theatern zweiten Ranges unter dem künstlerischen Niveau\nstehen, wer da weiss, dass die besten Sängerinnen und Sänger an\nden meisten deutschen Bühnen nur diejenigen sind, die ihren Ruhm\nbtreits nach Jahrzehenden messen: der wird gestehen, dass ein\nVerein von Kräften, wie ihn die kölner Oper für diesen Winter be-\nsitzt, alle Ansprüche, die mit gerechter Würdigung der obwaltenden\nA erhciltnisse gemacht werden können, auf anerkennungswerthe Weise\nbefriedigt.\nDie Dilection fährt bis jetzt fort, durch Wahl und Ausführung\nder Opern das günstige Vorurtheil, welches die ersten Vorstellungen\nerregt hatten, nicht nur wahr zu machen, sondern durch die gestei-\ngerte eigene 1 hätigkeit und das eifrige Mitwirken des ganzen Per-\nsonals immer mehr zu rechtfertigen, Eine vorzügliche Anerkennung\nfordert das Zusammenspiel, die Herstellung eines Ganzen, das ge-\noidnete Ineinandergreifen aller auf der Scene Betheiligten, wobei die\nWirksamkeit des Ober-Regisseurs Herrn Behr unverkennbar ist und\nbesondere Auszeichnung verdient. Aber nicht nur in dieser Hinsicht\nhat unser J lieater an diesem erfahrenen Bühnenkenner eine treffliche\nAcquisition gemacht, er ist auch als Sänger und Darsteller ein sehr\nschätzenswerther Künstler, wie er neuerdings durch die sehr gute\nDurchführung der Rollen des „Wasserträgers\" und des „Falstaff\"\nbewiesen hat.\nBlicken wir auf das Opern-Repertoire der vergangenen ersten\nvier Wochen zurück, so wird ein jeder Theaterfreund zugeben, dass\n„Freischütz\", „Wasserträger\", „Jüdin\", „Fidelio\", „Figaro's Hoch-\nzeit\", „Czaar und Zimmermann\", „Trovatore\", „Dinorah\", „Die lu-\nstigen Weiber von Windsor\" eine so stattliche Reihe von Vorstel-\nlungen bilden, wie man sie binnen einem so kurzen Zeiträume an\nnicht vielen Theatern findet.\nIm „Freischütz\" und im „Fidelio\" lernten wir in Frau Vog-\ngenliub er (Agathe Leonore) eine angehende dramatische Sän-\ngerin kennen, welche mit einer schönen Mezzo-Sopränstimme ein\nunverkennbares Talent verbindet, und die sehr wohlwollende Auf-\nnahme, die sie beim Publicum durch lebhaften Applaus und Hervor-\nruf in beiden Rollen fand, in vieler Hinsicht rechtfertigte. Wir glau-\nben dieser jungen Dame bei fortgesetzten Studien in der Gesang-\nkunst eine bedeutende Laufbahn prophezeien zu können, da sie mit\nihren musicalischen Mitteln auch eine schöne Erscheinung und eine\nentschiedene Anlage zur Schauspielerin verbindet. Sehr angesprochen\nhat uns in beiden Leistungen derselben eine gewisse künstlerische\nBescheidenheit im Gesänge, welche von richtiger Erkenntniss ihrer\nKräfte zeugt und sie glücklicher Weise abhält, durch forcirte Accen-\ntuation oder gar willkürliche Zusätze und italiänische Fermatensucht\ndie Schönheit der deutschen Meisterwerke zu verunstalten. So be-\nrührte es uns z. B. sehr wohlthuend, dass sie in der grossen Scene\ndes Fidelio: „Abscheulicher, was hast du vor!\" die Schluss-Cadenz\nauf der Dominaute („Könnt' ich zur Stelle dringen\") so sang, wie\nsie Beethoven geschrieben, und sie nicht durch das hohe h, welches\nselbst berühmte Leonoren aus Sucht nach Effect bei der Menge hier\nanzuschlagen pflegen, entstellte.\nFrau Voggenhuber hat als Recha in der „Jüdin\" alles Gute,\ndas wir oben von ihr gesagt haben, bestätigt: sie hatte sehr schöne\nMomente, in denen ihr Talent recht sichtbar hervortrat. Die Stimme\nbewährt sich als eine, wenn auch nicht ausgezeichnet kraftvolle,\ndoch auch dem leidenschaftlichen, dramatischen Vortrage gewach-\nsene; etwas mehr Weichheit und Schmelz dürfte den rein lyrischen\nGesangstellen noch mehr Poesie geben. Das schöne Maass, welches\ndiese Sängerin im Gegensatze der neueren Schrei-Methode zu halten"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "312", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650930-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1095, "texte": "Weiss, wünschten wir auch bei dem tieferen Brustregister angewen-\ndet zu hören, damit sich die Sängerin vor der unkünstlerischen Ma-\nnier bewahre, die in dem offenen Breitziehen der Töne einige Al-\ntistinnen der Gegenwart nicht zu ihrem Vortheile charakterisirt.\nHerr Weidemann hat die schwierige Partie des „Eleazar\",\ndie dem Sänger fast übermenschliche Anstrengungen zumuthet,\nwelche bei dem Flusse der schönen Melodieen für den Zuhörer fast\nverschwinden, mit kräftiger, unermüdeter Stimme durchgeführt und\nhat uns auch in der Darstellung keineswegs unbefriedigt gelassen.\nAllerdings hat die Stimme nicht «nehr jene Frische, die Herrn Wei-\ndemann lange Zeit zum Liebling des leipziger Publicums machte:\naber wachsen denn die Tenoristen mit jugendlich frischen Stimmen\naus der JSrde, so dass es, nach dem Reden einzelner Kunstrichter,\nfür einen Theater-Director nur darauf ankommt, zuzugreifen?\nIn der nächsten Woche wird Signorina Adelina Patti ihr\nGastspiel vorläufig auf drei Rollen festgesetzt beginnen: Dins-\ntag den 3. October „Aminau, Donnerstag den 5. „Rosina\", Mon-\ntag den 9. „Lucia\"."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-09-30-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-09-30_01#c006", "volume": "bmtnabi_1865-09-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "312", "page_fin": "312", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650930-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "312", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650930-01.1.8", "debut_caractere": 1097, "fin_caractere_exclue": 4722, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. Am Montag hatten wir das Vergnügen, in der Trini-\ntatiskirche eine Reihe von Orgel-Vorträgen zu hören, welche\nder durch seine Orgel-Compositionen rühmlichst bekannte Herr\nJ. Gr. Herzog, k. Professor der Musik an der Universität zu Er-\nlangen, früher Organist und Lehrer am Conservatorium zu Mün-\nchen, vor einem eingeladenen Publicum ausführte. Herr Herzog er-\nregte hauptsächlich durch den meisterhaften Vortrag der grossen\nfreien Concert-Fuge in G von Krebs und durch sein letztes freies\nPräludium die grösste Theilnahme der Zuhörer. Zugleich machen\nwir auf sein neuestes Werk: Sechs Fugen für orgel (oder Piano-\nforte mit Pedal), Op. 37, in 2 Heften, Erfurt und Leipzig, bei Kör-\nner als auf eine gediegene Arbeit aufmerksam.\nDie Concert-Gesellschaft macht bekannt, dass in der bevorste-\nhenden Saison in dem grossen Saale des Gürzenich, unter der Lei-\ntung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferdinand Hiller,\nzehn Abonnements-Concerte Statt finden, und zwar am 17. und 31.\nOctober, 14. und 28. November, 12. December 1865, 16. Januar\n1866, 6. und 20. Februar, 6. und 25. März (Palmsonnntag). Es wer-\nden nur feste numerirte Plätze zu dem bisherigen Preise von 7\nThlrn. ausgegeben, die in der Musicalienhandlung des Herrn Bernh.\nBreuer grosse Budengasse Nr. 1 gegen Baarzahlung zu haben\nsind. Die bis zum 7. October genommenen Plätze werden am 8.\nOctober drei Mal öffentlich verloost.\nKegeiislmi'g. 15. September. Im Verlaufe dieses Herbstes\nnoch wird eine Musikgeschichte Regensburgs von Dr. Met-\ntenleiter in der Buchhandlung Bösenecker dahier erscheinen. Das\nWerk, welches unendlich mühsam lediglich aus Quellen und Archi-\nvalicn herausgewachsen ist, zerfällt in zwei Theile, deren jeder zwei\nBücher umfasst. Der erste Theil behandelt das theoretische Material,\nund zwar nach zwei Richtungen: Theoretische Grundsätze über Mu-\nsik überhaupt und über liturgische Musik insbesondere. Hier kom-\nmen alle Regensburger, welche über Musik geschrieben haben, nach\nder Zeitfolge zur Betrachtung, angefangen von dem Prior des Klo-\nsters St. Emmeran, dem seligen Wilhelm von Hirsau (11. Jahrhun-\ndert) bis herauf zu dem fürstlich Thum und Taxisschen Capellmei-\nster Jos. Riepel (f 1782). Es ist ein erstaunlicher Reichthum, den\nder Verfasser aus bislang unbekannten oder unbeachteten Codices,\nManuscripten u. s. w. zu Tage gefördert hat. Die Geschichte der\nMusik kann es ihm nicht genug danken. Der liturgische Theil\nzählt die fast unerschöpflichen Choralwerke in Manuscript auf, welche\nan verschiedenen Orten in Regensburg sich vorfanden. Für den\nCantus Gregorianus sind die Deductionen und Ausführungen des\nVerfassers von unendlicher Bedeutung. Der zweite Theil gibt im\nersten Buche die Geschichte der kirchlichen, im zweiten der welt-\nlichen Musik-Institute. Es kommen in Betracht die Cathedrale (Dom-\nschule, Sängerschule), St. Erameran, die alte Capelle, St. Johann,\ndas protestantische Cantorat (Oymnas. poet., Alumneum); die dra-\nmatische Musik, Passions-, Weihnachts-, Fastnachts-Spiele, Schul-\nKomödien, Singspiel, Oper; die fürstlich Thum und Taxissche Hof-\ncapelle, Concert- und Militärmusik, das Institut der Stadtpfeifer\nu. s. w. Dass die beiden verstorbenen musicalischen Grössen Re-\ngensburgs, Can. Proske und J. G. Mettenleiter, besonders bedacht\nund die ihnen gewidmeten Artikel von ganz besonderem Interesse\nsind, ist selbstverständlich. Das Werk ist bereits bis auf das letzte\nDrittel fertig gedruckt und wird, wenn dem vielseitig und anstren-\ngend beschäftigten Verfasser kein Hinderniss mehr hemmend in den\nWeg tritt, längstens bis Ende October versandt werden können."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "305", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650930-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDas Verhältniss der Wissenschaft zur Musik. Von Alb. Hahn. I. Die musicalische Kritik. 11. Das diesjährige Ge-\nsangfest des Sieg-Rheinischen Lehrer-Gesangvereins. Theater in Köln. Tages- und Unterhai tu ngsblatt (Köln, Orgel-Concert\nvon J. G. Herzog, Abonnements-Concerte der Concert-Gesellschaft Regensburg, Musikgeschichte Regensburgs von Dr. Mettenleiter).\n\nDas Verhältniss der Wissenschaft zur Musik.\nVon Alb. Hahn.\nI.\nDie Bande, welche die Gelehrten der Akustik und die\nMusiker umschlangen, sind zu verschiedenen Zeiten sehr\nverschieden starke gewesen. Es gab Perioden, wo die Mu-\nsiker sich von der Wissenschaft für die Thätigkeit in ihrem\nGebiete geradezu Raths erholten, obwohl dieser Satz für\ndie wirklichen Genies wohl niemals seine Geltung gehabt\nhaben mag. Dagegen hat man zu anderen Zeit-Abschnit-\nten der Wissenschaft jedes Recht abgesprochen, bei Kunst-\nfragen ihr Gewicht mit in die Wagschale zu legen. Frei-\nlich waren die Grundlagen, welche die Akustik bisher\ndem Künstler darbot, nicht fest genug, ihn zu ermuthigen,\ndass er sein theoretisches Gebäude darauf zu errichten\nversuchen mochte. Dieser Grund fällt jetzt fort. In den\nletzten Jahrzehenden haben die grössten Mathematiker,\nPhysiker und Physiologen die überraschendsten Eroberun-\ngen auf diesem Gebiete gemacht. Die ersten Geister der\nWissenschaft, Männer, von denen wir beispielsweise Ca-\nguiard la Tour, Dove, Ohm, Fourier, Young, Corti, Köl-\nliker, Willis, M. Schultze nennen, haben daran gearbeitet,\nund H. Helmholtz, Professor der Physiologie in Hei-\ndelberg, hat in seinem grossen, bereits in zweiter Auflage\nerschienenen Werke: „Die Lehre von den Tonempfin-\ndungen als physiologische Grundlage für die Theorie der\nMusik\", die Resultate seiner Collegen mit den seinigen\nzusammenfassend, die Akustik nicht nur als physikalische\nund physiologische Wissenschaft in ein abgeschlossenes\nSystem gebracht, sondern auch den kühnen Versuch ge-\nmacht, seinerseits, d. h. von dem Standpunkte des Gelehr-\nten aus, die Brücke zum Kunstgebiete hinüberzuschlagen,\nauf der er dem Künstler zu begegnen meint. Der physi-\nkalischen Akustik gönnt gern ein jeder Musiker ihr, wie\ner meint, Kathederleben, wenn sie nur in ihren Hörsälen\nverbleibe. Der Uebergang auf das Gebiet der sinnlichen\nEmpfindung mag Manchem schon weniger behagen, weil\ner seinen Sinnen lieber unmittelbar, als geleitet von Re-\nflectionen, sich anvertraut. Der letzte Schritt aber, ihm\ndie Hand zu bieten, ihm für die Theorie der Musik psy-\nchologische Wahrnehmungen zur Begründung und Er-\nklärung zu geben, wird der Mehrzahl, wagen wir sogar,\nzu behaupten, nach den früheren zahlreichen, vergeblichen\nVersuchen dieser Art kaum mehr als ein ungläubiges\nKopfschütteln abringen.\nWenn wir auch nicht so unbedingt zu Helmholtz als\nGelehrtem in seinen Aussprüchen über Musik halten, wie\nz. 8., um gleich einen recht kühnen Griff zu thun, zu\nBeethoven als Künstler in seinen Schöpfungen, wenn wir\nsogar gern einräumen, dass er bei der nothwendig herbei-\ngezogenen Geschichte der Musik wie der musicalischen\nGrammatik nicht vollständig den Ansprüchen ge/echt wer-\nden kann, die an den Historiker und Theoretiker von Fach\ngemacht werden müssen, so können wir seine Resultate\nauf physikalischem und physiologischem Gebiete dagegen\nals unangreifbar und erschöpfend darstellen, und müssen\nauch bezeugen, dass die Begründung der Theorie den Zu-\nsammenhang zwischen Wissenschaft und Kunst zum er-\nsten Male so vollständig herstellt, dass die letztere Unrecht\nthäte, denselben zu ignoriren und die Vortheile von sich\nzu weisen, welche in vielen Hinsichten eine bewusste Ein-\nsicht in den natürlichen Organismus des Ton-Materials\nbringen kann.\nUnangreifbar nennen wir die Besultate der\nWissenschaft, weil sie in so fern in dreifacher Bezie-\nhung hergeleitet und bewiesen dastehen, als der höhere\nCalcul, Experimente und die musicalische Empirie sich in\nihnen begegnen, als die Hauptsätze durch Integralrech-\nnungen aufgefunden, auf dem Wege der Experimental-\nphysik zur directen Darstellung gebracht werden können\nund sich auch in der musicalischen Praxis befolgt wieder-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "306", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650930-01.1.2", "texte": "finden. Ein Beispiel mag dafür herbeigezogen werden.\nEin Kleiekörnchen, auf einer Violinsaite befestigt, d. h.\neinfach auf dieselbe aufgestreut, beschreibt, wenn diese\nSaite angestrichen wird und ertönt, eine Curve, welche\ndie Schwingungsform der schwingenden Saite darstellt.\nDiese Curve ist aufgezeichnet und vermöge des höheren\nCalculs berechnet worden. Die Integrirung ergab, dass\ndie Curve eine Summe von mehreren Epicykloiden, d. h.\nCurven war, wie sie der Pendel beschreibt. Solche Cur-\nven entsprechen einfachen Tönen, der Klang der Violin-\nsaite müsste also, der Berechnung nach, deren Richtigkeit\nfeststeht, die Summe jener Töne repräsentiren. Dass die\nSaite nicht bloss den Eigenton angibt, haben die mit fei-\nnem Gehör begabten, beobachtenden Violinspieler z. B.\nwohl schon sinnlich empfunden; sie alle wissen, dass die\neingestrichene A-Saite z. B. heftig mit schwingt, wenn auf\nder 6r-Saite das um eine Octave tiefere angestrichen\nwird, was eben nur möglich ist, wenn das tiefere seine\nOctave ebenfalls in sich enthält. Die Experimental-Physik\ngibt den Beweis dafür. Sie hat Instrumente erfunden, die\nnur von einem bestimmten Tone in Mitschwingung ver-\nsetzt werden. Bei der Beobachtung ergab sich zur Probe,\ndass die auf die berechneten, im Klange der Violinsaite\nzugleich vorhanden sein sollenden Töne abgestimmten In-\nstrumente wirklich ansprachen. Wir sehen durch den\nGeist, d. h. durch Berechnung, und durch die Sinne, d. h.\ndurch anschauliche Versuche festgestellt, dass der Klang\nder Violinsaite neben dem Eigentone noch mehrere andere\nTöne enthält; das kann für die Musik, obschon den mei-\nsten Spielern und Componisten diese Thatsache wohl kaum\nzum Bewusstsein gekommen sein nicht gleichgültig\nsein, und es ist das auch nicht. Die Lehre der Instrumen-\ntation steht sogar durchaus im Einklänge mit den Aus-\nsprüchen der Wissenschaft. Eine Composition kann ab-\nstract gedacht werden, wie sie, in Noten aufgeschrieben,\nvon dem Auge gelesen wird; d. h. also, indem man sich\nnur erklingen vorstellt, was Schwarz und Weiss dasteht,\nnicht, was bei der Wiedergabe auf einem bestimmten\nInstrumente sich als zum Gehör kommend ergibt; so\nmüsste bei der Instrumentirung dieses Musikstückes, wenn\ndie Instrumente neben den Eigenlönen noch verschie-\ndene andere Töne erklingen lassen, je nach der Wahl\nder Instrumente der Effect ein ganz anderer sein. Jeder\nMusiker ist von der Richtigkeit dieser Behauptung, welche\nhier als Schlussfolgerung auftritt, längst überzeugt. Man\ndenke sich im ersten Satze der grossen C-efer-Sonate von\nBeethoven nach der Durcharbeitung im Mitteitheile, vor\ndem Eintritt des ersten Theil-Tbema's, die dort\nbat die linke Hand eine ganz tiefe, die rechte-eine hohe\nLage, und beide sind in der schnellsten Bewegung von\neinem Fagott und einer Flöte geblasen: sie würde fast\ngar keine musicalisch zu nennende Wirkung mehr haben\nund ganz unverständlich sein. Wir glauben daher den\nwissenschaftlich gebildeten Musikern mit Hinweisung\ndarauf, dass die wissenschaftlichen Resultate von H. Helm-\nholtz auf das genaueste mit den besten Instrumentations-\nlehren, denen von A. B. Marx und H. Berlioz, überein-\nstimmen, das Studium des oben angeführten Werkes nicht\nwarm genug ans Herz legen zu können. Nichts schärft\nund kräftigt den Sinn so schnell und sicher, als ein be-\nwusstes Erkennen der letzten Gründe, wie hier die Ein-\nsicht, dass die Klangfarbe zurückzuführen ist auf das Mit-\ntönen ganzer Reihen von Tönen, die wir als schwache\nund leichte Mixtur-Register anzusehen haben. Eben so\nwie der Maler allerdings schliesslich mit seinem indivi-\nduellen Geschmacke und Urtheile die Mischfarben zu wäh-\nlen hat, wird auch der Musiker schliesslich mit dem Ge-\nhör die Klangverhältnisse gleichsam herausfühlen müssen;\nallein wie dem Maler die wissenschaftliche Kenntniss der\nreinen Farben und deren Mischungen hierbei eine grosse\nHülfe sein wird, so wird auch der Musiker in den wis-\nsenschaftlichen Thesen eine wesentliche Förderung er-\nfahren.\nErschöpfend nennen wir die Resultate oben\nin so fern, als sie ein in den Grundzügen fertiges System\nuns hinstellen und die offen gelassenen Fragen theils un-\nwesentlich sind, theils durch Hypothesen beantwortet wer-\nden. deren Evidenz einleuchtet und deren Lösung wir\nauch sicher in naher Zukunft durch die Forschungen der\nWissenschaft entgegen zu sehen haben.\nWas die Fassung dieses Epoche machenden Werkes\nanbetrifft, so ist diese natürlich eine wissenschaftliche;\ndoch sind die nur dem strengsten Fachgelehrten zugäng-\nlichen Berechnungen, Beschreibungen von Instrumenten,\nresp. andere Betrachtungen, in eng gedruckten Beilagen\n(40 S. Druck) an das Ende zusammengebracht, und ist\ndas Werk in einem Stile geschrieben, der es jedem Ge-\nbildeten nicht nur zugänglich macht, sondern ihn interes-\nsirt und fesselt.\nWir haben bei diesem Aufsatze nun nicht eine Em-\npfehlung des Werkes vor, sondern wollen, allerdings im\nAnschlüsse an dasselbe, da es alle Resultate der gelehrten\nForschungen dieses Gebietes in sich vereint, das Verbält-\nniss der Wissenschaft zur Musik, wie es unser Titel sagt,\nprüfen. Unser Standpunkt ist pro primo der des prakti-\nschen Musikers; wir stehen als solcher auf dem thatsäch-\nlichen Boden unserer Zeit, wollen als Historiker\nnoch als Aesthetiker gleich nach bestimmten speculativen\noder philosophirenden Grundsätzen verfahren, sondern\neinerseits ganz objectiv die Hauptsachen hervorheben, an-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "307", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650930-01.1.3", "texte": "dererseits den Nutzen bezeichnen, welchen die Musik ha-\nben kann, wenn sie von den Daten Kenntniss nimmt.\nDass die Anzahl der Schwingungen die Höhe, deren\nStärke die Kraft und deren Form den Klang des Tones\nergeben, ist lange bekannt; während aber die beiden er-\nsten Beschaffenheiten sich auf einfache, einer weiteren Er-\nklärung nicht bedürftige Zahlen-Verhältnisse zurückführen\nliessen, blieb die letzte eine unbestimmte, wie man sagte,\nvon dem subjectiven Gefühle des Musikers allein festzu-\nstellende Eigenthümlichkeit, die man vollständig auf das\nGebiet der Psychologie zu beziehen und von hier aus allein\nzu begründen habe. Dass dem nicht mehr so ist, hat das\nBeispiel bereits angedeutet; die Wichtigkeit des neuen\nTheorems ist aber eine so grosse, dass wir, um möglichst\nallgemein und namentlich die Musiker zu überzeugen, in\npopulärer Weise kurz zu erklären versuchen wollen, wie\nman die Schwingungen berechnen und wie man die Jahr-\ntausende von den Gelehrten überhörten, durch den Grund-\nton allerdings überdeckten und überfluteten Obertöne dem\nSinne zum Bewusstsein bringen kann.\nBefestigt man an die Zinke einer Stimmgabel ein Stift-\nchen und führt die Gabel, während sie schwingt, so über\neine schwarz berusste Fläche, dass die Spitze den Buss\nfortschiebt, so entsteht auf dem schwarzen Grunde eine\nweisse, geschwungene Linie, welche genau die Bewegun-\ngen der Zinke beschreibt. Der Baum, den die Linie durch-\nmisst, entspricht der Zeit. Man hat nun graphisch, d. h.\nin Linien, die Bewegungen und die Zeit, in der sie Statt\nfinden, dargestellt, und eben so wie man die Curven-Bah-\nnen der Gestirne mit untrüglicher Sicherheit bestimmt, so\nberechnet man jetzt auch die Schwingungen. Die Curven\nwerden durch Abstände von einer geraden Linie und einer\nsenkrechten darauf bestimmt (Coordinaten und Abscissen),\nz. B. in der Entfernung von von der senkrechten ist\nsie 1 \"über der wagerechten entfernt, in der von ist\nsie unter derselben u. s. w. Befinden sich nun zwei\nCurven gleichzeitig in dem Baume, so addiren sie sich in\nder Weise zu einander, dass in denselben Entfernungen\nvon 1, 2, 3 . . . Zollen von der senkrechten, die Abstände\nvon 1 darüber, 1 darunter .... von der wagerechten zu-\nsammenaddirt werden. Und so ist es zu verstehen, wenn\nes heisst, dass eine Curve als Summe mehrerer auftritt.\nEs sind eben die Abstände aller Curven von der wage-\nrechten, in den gleichen Entfernungen von dem Loth na-\ntürlich, so zusammenaddirt, dass die darüber und darunter\nsich summiren, wenn sie nach oben oder nach unten lie-\ngen; sich dagegen aufheben, befinden sie sich gleichzeitig\nnach oben und nach unten. Die Berechnungen selbst ent-\nziehen sich einer populären Darstellung.\n♦\nDie Instrumente, mit denen man selbst den schwäch-\nsten Ton ausfindet, sind so einfach, dass deren Auffindung\nlebhaft an die Geschichte des Columbus-Eies erinnert.\nDie Schallwellen übertragen sich an die Umgebungen, so-\nfern diese die Eigenschaft besitzen, von ihnen erschüttert\nwerden und so sie fortpflanzen zu können. Diese Eigen-\nschaft besitzen die Gegenstände, als da sind Luftarten,\nflüssige und feste Körper, in sehr verschiedenem Maasse,\ndie Luft im höchsten, daher sie auch im Allgemeinen als\ndas Medium des Klanges angesehen wird. Andere Gegen-\nstände dagegen besitzen z. B. die Eigenschaft, nur einen\nbestimmten Ton oder einen in hervorragender Stärke mit-\nzuklingen. Das hat Jeder im praktischen Leben an Fen-\nsterscheiben, an Theilen der Instrumente, die er spielt,\nund dergleichen erfahren. Helmholtz ist es gelungen, in\nseinen Besonatoren Instrumente zum Erkennen der\nschwächsten Töne herzustellen, die allen Ansprüchen ge-\nnügen. Diese Besonatoren sind einfache Glaskugeln oder\nCylinder mit einem dürren Halse, dessen Ende, durch war-\nmen Siegellack umgeben, so in das Ohr eingepasst wird,\ndass es, in dasselbe eingesetzt, das Gehör gegen die an-\ndere Luft hermetisch abschliesst. Die Luftmasse in Ver-\nbindung mit dem Gehörgange und dem Trommelfell bildet\nein elastisches System, dessen Grundton, sobald er ausser-\nhalb einstimmt, mit hervorragender Stärke angegeben\nwird, während die anderen Töne dadurch behindert und\ngedämpft werden. Solche Glaskugeln können zu jeder be-\nliebigen Tonhöhe angefertigt werden, so dass man jeden\nTon, ist er auch noch so verborgen, mit ihnen aufsuchen\nkann. Sie gleichen den Brillen, indem sie dem Ohr den\nsinnlichen Eindruck von aussen her vergrössern; die Be-\nschränkung, der Brillen und Besonatoren unterworfen\nsind, besteht beim Auge in der Abgränzung des kleinen\nGesichtsfeldes, wie es dem Brillenglase entspricht, beim\nOhr darin, dass nur ein bestimmter Ton verstärkt wird.\nDie Vocale entstehen durch die Bildung bestimmter\nHohlräume des Mundes, von denen das z. B. auf einge-\nstrichen babgestimmt ist, so dass der Mund bei richtig\nausgesprochenem oeinen auf eingestrichen gestimmten\nnatürlichen Besonator bildet. Spricht man es ein wenig\nnach u,d. h. dunkler aus, so sinkt die Stimmung auf ein-\ngestrichen a, den Ton unserer Stimmgabeln. Es kann sich\nauf diese Weise ein Jeder, indem er nur den Mund auf\ndunkel-o stellt, eine Anschauung von der Wirkung der\nBesonatoren machen, indem er die schwingende Stimm-\ngabel an die Oeffnung bringt, deren Ton sogleich eine\nbedeutende Verstärkung erfährt.\nMit Hülfe dieser beiden Wege hat man nun gefunden,\ndass die meisten Klänge nicht nur aus dem stärksten\nGrundtone allein bestehen, sondern gleicher Zeit höhere\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "308", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650930-01.1.4", "texte": "Töne mit erklingen lassen, deren Schwingungen in den\nverschiedensten Verhältnissen zum Grundtone stehen. Die-\njenigen, welchen die einfachen Zahlen 2, 3, 4 u. s. f. zu\nGrunde liegen, sind die in der Musik verwendbarsten; sie\nbilden mit dem Grundtone die von A. B. Marx so ge-\nnannte Natur-Harmonie, als z.B. 0. (eingestrichen:)\ne g b(zweigestrichen:) c.Die musicalische Praxis hat bei\ndem vollen Werke der Orgel in den Mixturen, wie auch\nzur Erzeugung eigenthümlicher Klangfarben-Register\n(Rohrflöte), diese Eigenthümlichkeit bereits praktisch\ndurch thatsächliche Hinzufügung von solchen Tönen ent-\nsprechenden Pfeifen benutzt, und die theoretischen Gegner\ndavon werden durch die wissenschaftliche Feststellung der\nObertöne jetzt unwiderlegbar geschlagen. Die Instrumente,\nwelche wir haben, geben die vorgeschriebenen Noten in\nihrem Klange: ohne Obertöne, mit allen Obertönen, oder\nnur mit einem Theile derselben. Dadurch entsteht eine\nsehr grosse Anzahl von Varianten für den Klang, der ent-\nsprechend wir auch eine sehr grosse Zahl im Klange von\neinander abweichender Instrumente besitzen.\nDie Instrumentationslehre erhält dadurch ganz andere\nGrundlagen. Besässen die Conservatorien die nöthigen\nApparate, den Schülern die Obertöne der verschiedenen\nInstrumente zum Gehör und so zum Bewusstsein zu brin-\ngen, so würde deren Ohr feiner und schärfer werden,\nund das Gedächtniss für die Klangfarben, dieser Haupt-\nFaclor der Instrumentirungs-Kunst, würde durch die Ana-\nlysen als mnemotechnische Hülfsmittel schneller sich heraus-\nbilden, wie bisher, wo der Musiker sich rein auf sein Ge-\nfühl zurückzubeziehen hatte.\n\nDie musicalische Kritik.\n\nII.\n(Vgl. Nr. 38.)\nHerr M. Berend ist ein Deutscher, der dem Verneh-\nmen nach in Brüssel lebt. Wir haben in Nr. 38 gesehen,\nwie er über deutsche Musik spricht. Zu seiner Beschä-\nmung lassen wir die Hauptstellen aus dem Berichte, den\nein Belgier, Herr Pierre Benoit, an den belgischen\nMinister des Innern über dasselbe Fest abgestattet hat,\nfolgen. Es heisst darin:\n„Händel nimmt unstreitig den ersten Platz unter al-\nlen Oratorien-Componisten ein. Die ganze Grösse, Strenge,\nerhabene Einfachheit der biblischen Erzählung und An-\nschauung finden \"wir in seiner Musik wieder: er ist der\nwahre Sänger der Hebräer, ihr musicalischer Homer,\ndenn nie hat ein Componist ihren Glauben, ihren Cha-\nrakter, ihre Thaten mit mehr Wahrheit wiedergegeben.\nHändel feiert in Gesängen voll Majestät den Jehovah des\nMoses, den Gott, der gebietet, straft und belohnt.\n„Die Wirkung dieser Oratorien und vor allen des\n„ „Israel in Aegypten\"\" ist daher auch eine allgemeine und\nungeheure. Hört man diese übermenschliche Musik, so\nglaubt man ein ungeheures Gebäude vor sich aufsteigen\nzu sehen, dessen kolossale Proportionen ein jeder Chor\nimmer mächtiger enthüllt. Die Grösse, die in diesem gan-\nzen Werke herrscht, der Reiz gewisser Stellen, welche\nden hohen Ernst und die Strenge mildern, der ausdrucks-\nvolle Charakter der Einzelheiten, die Reinheit und ausser-\nordentliche Klarheit der Form, die wundervolle Ver-\nschmelzung der Vocal- und Instrumentalmassen machen\naus „„Israel in Aegypten\"\" das Meisterwerk Händel's.\"\nUeber Schumanns Musik zum „Faust\" sagt der\nBericht unter Anderem:\n„Schumann hat aus Goethe's „„Faust\"\" Fragmente\ngewählt, die auf ihn einen besonderen Eindruck machten,\nund hat daraus ein musicalrsches Werk geschaffen, dessen\nOriginalität unbestreitbar ist. Im dritten Theile hat die\ntiefe mystische Natur der Poesie ihn besonders angezogen,\nund diese Poesie hat in ihm einen genialen musicalischen\nDolmetscher gefunden. Natürlich musste der Meister\nfür einen so ausser dem Gewöhnlichen sich bewegenden\nText besondere Ausdrucksweisen erfinden, und es ist ihm\ndies in so weit gelungen, dass seine Musik jedenfalls zu\nden poetischsten und bedeutendsten Werken der neueren\nSchule gehört.\"\nUeber Hiller's Sinfonie heisst es:\n„Hiller's Sinfonie hat einen grossen Erfolg gehabt.\nDas Programm, welches der Componist sich gewählt hat,\nist ein reizendes Gedicht von Em. Geibel, „„Hoff-\nnung\"\" überschrieben.\n„Dieses Gedicht hat durch seinen allgemeinen Inhalt\nund die gegensätzlichen Gedanken, die es enthält, schönen\nStoff zu musicalischer Behandlung gegeben, den Hiller in\nvier Sätzen trefflich benutzt hat. Sein Werk ist in so fern\nechte Programm-Musik, als er keineswegs darauf ausgeht,\nEinzelnes und Gegenständliches durch charakteristische\nTöne zu definiren, sondern sich im Allgemeinen mit dem\npoetischen Hauptgedanken, der ihn begeistert hat, iden-\ntificirt.\" ' ' 1 '' '\nDer zweite Theil des Berichtes des Herrn Benoit be-\nschäftigt sich mit Vorschlägen an den Minister zur Ins-\nwerksetzung von Musikfesten nach deutscher Weise in\nBelgien. Welchen Geist diese Vorschläge athmen, mögen\ndie Leser aus den Schlusssätzen des Berichtes ersehen:\n„Diese jährlichen Musikfeste würden für Belgien eine\nwahre Wohlthat sein: sie würden die Werke deutscher\nTonkunst zum grossen Nutzen und zur Freude der gebil-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "309", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650930-01.1.5", "texte": "ten Massen popularisiren, welche sich bis jetzt mehr mit\nitaliänischen und französischen Musik-Producten familiari-\nsirt haben.\n„Unsere nationale Kunst würde sich an dieser reinen\nund lauteren Quelle erfrischen und verjüngen, ihre Ent-\nwicklung würde schnell erstarken und bald neben den\ngrossen Schulen der Tonkunst, welche den Beifall der\nWelt theilen, glänzen.\"\nSo weit Herr Benoit.\nIn der Sache selbst können wir mittheilen, dass be-\nreits nächstens in Brüssel ein Versuch mit einem grossen\nMusikfeste gemacht werden wird.\nWichtiger aber, als nolhwendige Vorbereitung für\ndie Zukunft, ist das Unternehmen des Herrn Samuel,\nProfessors am Conservatorium in Brüssel (der auch als\nTheoretiker und Kritiker eine ausgezeichnete Stelle ein-\nnimmt), populäre Concerte, nach Art der Concerte von\nPasdeloup in Paris, in Brüssel zu veranstalten. Jedenfalls\nwird die Ausführung dieses Unternehmens viel zur Ent-\nwicklung der Geschmacksrichtung der Massen in Belgien\nbeitragen, da Herr Samuel ebenfalls den Zweck hat, sei-\nnen Landsleuten Gelegenheit zu geben, aus dem kastali-\nschen Quell der deutschen Musen zu schöpfen.\n\nL. B.\n\nDas diesjährige Gesangfest des Sieg-Rheinischen\nLehrer- Gesangvereins.\nDas Gesangfest fand wiederum in Brühl Statt, und\nwie die Aufführungen in früheren Jahren, hatten auch\ndie diesjährigen Gesang-Compositionen des sechszehnten\nund siebenzehnten Jahrhunderts zum Gegenstande, denen\ndieses Mal zwei Stücke von Musik-Director Toepler an-\ngeschlossen waren. Das Programm bestand in einer von\ndemselben um den Verein so hoch verdienten Lehrer theil-\nweise mit Orgelbegleitung versehenen einstimmigen, latei-\nnischen Choralmesse mit nachbenannten Einlagen: 1) Ecce,\nDeuz, für vier Männerstimmen von M. Toepler; 2)\ntatus sum,für vier Männerstimmen von Andr. Willaert;\n3) Komm', heiliger Geist! für fünfstimmigen gemischten\nChor, aus dem Ende des 16. Jahrhunderts, Componist unbe-\nkannt; 4) 0 beata, für fünfstimmigen gemischten Chor\nvon Palestrina; 5) Sicut cervus, für vierstimmigen ge-\nmischten Chor von Palestrina; 6) für\nvierstimmigen gemischten Chor von M. Toepler; 7) Ave\nMaria, für vierstimmigen Männerchor von Orlandus\nLassus, und 8) Laudate nome für gemischten\nDoppelchor zu acht Stimmen von Zachariis. Nummer\n2, 7, 8 stehen im Hefle von 1864*), die übrigen im dies-\njährigen**). Es dürfte vielleicht zu beachten sein, dass das\nProgramm Einiges für Männerstimmen enthält (schon frü-\nhere Hefte bieten Schätzbares: Cantate Domino von L.\nHassler, 0 sctcrum conviviumvon Viadana,\nvon Orl. Lassus), da der pure Männergesang mit Stücken\ndieses Stils sonst fast gar nicht bedacht ist. Ausser den\nacht Nummern wurde auch ein Orgelsatz von M. G. Fi-\nscher, dem Erfurter (Nr. 15, aus Op. 15), vorgetragen.\nDas ausführende Personal bildeten dieses Mal ungefähr\n• _ o\n230 Kinder, beigebracht aus 12 Landschulen, eben so\nviele Lehrer, 8 Schulpflege-Bezirken angehörend. Die Zu-\nhörer waren ziemlich zahlreich, besonders hatten sich viele\ngeistliche Herren eingefunden.\nDie Aufführung war eine recht erhebende, und die\nZuhörer, welche auch im vorigen Jahre dem Feste beige-\nwohnt hatten, bezeichneten die diesjährige als merklich\ngelungener; namentlich hat sich eine klangvollere, rei-\nnere, sicherere Intonation Seitens der Rinder zu erkennen\ngegeben, womit denn auch einem in diesen Blättern im\nvorigen Jahre geäusserten Wunsche bereits nähere Erfül-\nlung zu Theil wurde. Es erklärt sich dies dadurch, dass\nüber die Hälfte der Kinder schon im vorigen Jahre mit-\ngesungen hatte, also dieses Jahr.stämmiger und geübter\nwar, wogegen damals, nach einer zweijährigen Unterbre-\nchung des Festes, lauter Neulinge mitwirkten. Dann spen-\ndete man dem Tenor Lob, welcher sich durch klangvolle,\ngetragene Tongebung vortheilhaft bemerkbar machte.\nDie Präcision befriedigte durchschnittlich, und der Chor\nzeigte sich bei dem Accelerando und Ritardando und bei\ndem Steigern und Dämpfen der Stärke recht lenksam,\nwas bei der einmaligen Probe (4'/z Stunde, einschliesslich\nPause) und in Rücksicht der zahlreichen Bruchtbeile (s.\noben) und der sehr ungleichen Kräfte des Vereins in ho-\nhem Grade anzuerkennen war.\nWas die einzelnen Stücke angeht, so kann man die\nAusführung der Nummern 1, 3, 6, 7, 8 als die vollen-\ndetste bezeichnen. Nr. 2 machte weniger Eindruck aus\nMangel an entschiedener Declamation, und bei Nr. 4,\nbeata etc.,waren die beiden Oberstimmen gegen die übri-\ngen zu dünn und matt, was dem an sich so herrlichen\nStücke schadete. Dieser Uebelstand war die Folge der\nTheilung des Soprans in zwei Stimmen. Nun hätte aller-\ndings in den anderen Stimmen die Sängerzahl vermindert\nwerden können, was gewiss der Dirigent eben so gut ge-\nwusst hat, wie die Musiker von Fach unter den Zuhörern:\n\n*) Vergl. Niederrh. Musik-Zeitung, 1864, Nr. 35.\n**) „Gesänge zum Gebrauche für die Mitglieder des Sieg-Rhei-\nnischen Lehrer-Gesangvereins.\" Bonn, Druck von C. Georgi. 1865.\n20 S. kl. Fol."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "310", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650930-01.1.6", "texte": "aber diese ahnen meistens nicht, welche Schwierigkeiten\ndie obwaltenden Verhältnisse solchen Anordnungen entge-\ngenstellen, da man froh sein muss, mit einer einzigen\nProbe aus den vorhandenen Bruchtheilen, wie sie nun\neinmal sind, ein Ganzes zu Stande zu bringen. Gross-\nartig erschienen Nr. 3 und 5, bei welchen die ungetheilte\nKinderschar die Oberstimme fest und rein vortrug. Hecht\nschwungvoll wurden Nr. 6 (in der Tonhöhe von es) und\nNr. 8 (in der Tonhöhe von ausgeführt; namentlich\nsang bei Nr. 6 die Kinderschar und, von diesen vielleicht\nangeregt, auch der Mannerchor den Vers „Sit salus Uli8\nmit einer wahren Begeisterung. Der nach der vorletzten\nNummer, dem Ave Maria, zur Rast der Sänger einge-\nlegte, anmuthig dahinfliessende Orgelsatz erwies sich an\ndieser Stelle ganz passend.\nDer in Wechselchören zwischen Kindern und Män-\nnern vorgetragene einstimmige, lateinische Choral ertönte\nsicher und mit Ausdruck, mit Ausnahme des\nwelches etwas matt und unsicher war; alles Uebrige liess\ndie Befolgung des Grundsatzes erkennen, welcher in dem\nVorworte des diesjährigen Vereins-Heftes bezüglich dieser\nGesangesgattung ausgesprochen ist. Herr Toepler sagt\nnämlich daselbst: „Wenn auch bereits bei mehreren Fe-\nsten der einstimmige Choral dominirend auftrat, so dürfte\nein abermaliges Zurückgreifen auf diesen ehrwürdigen\nHaupttheil des katholischen Kirchengesanges immerhin\ngeboten sein, da dessen Vortrag und Orgelbegleitung in\nden Kirchen im Allgemeinen noch lange nicht in der\nWeise Statt finden, dass anregende, nachzuahmende Auf-\nführungen entbehrlich wären. Bezüglich des Vortrages\nsind es namentlich Accent, Rhythmus der Melodie und\nTempo, welche noch viel zu wünschen übrig lassen. Der\nChoral muss entschieden in der Betonung des Sprechens,\nsodann in einem mehr freien, an die Sprache sich an-\nschliessenden, nicht gleichgemessenen Rhythmus und, im\nGanzen genommen, etwas bewegt und lebhaft gesungen\nwerden. Da diese Vortragsweise, verbunden mit glatter,\nklangreicher, reiner Intonation, eine gründliche Unterwei-\nsung und ernste Uebung bedingt, so ist es freilich nicht\nzu verwundern, dass unsere meistens sehr mangelhaft or-\nganisirten Choral-Chöre noch immer so Unvollkommenes\nleisten. Was die Orgelbegleitung betrifft, so dürfen nur\ndie dem Wesen des Chorals entsprechenden Harmonieen\nund Modulationen angewendet werden; alles Moderne\nmuss fern bleiben. Dreiklänge mit untermischten Durch-\ngängen und Vorhalten, auf Grundlage der Kirchen-Ton-\narten, geben das beste Material zu dem harmonischen Ge-\nwände des Chorals. Orgelspieler war der Seminarlehrer\nHerr Hoffmann.8\nSchliessen wir nun noch einige Betrachtungen über\nden Verein überhaupt und über die leitenden Gedanken\ndesselben hier an, so sind die Leistungen allerdings un-\nvollkommen und werden es auch bleiben; das liegt in der\nOrganisation des Vereins.- Aber soll desshalb nichts für\ndie Zwecke desselben geschehen? Trotz dieser Unvoll-\nkommenheit darf der Verein dennoch mit Recht von sich\nsagen, einen erheblichen Einlluss auf den katholischen\nKirchengesang und auf das katholische Orgelspiel ausge-\nübt zu haben. Vor einem Viertel-Jahrhundert sah es in\ndieser Beziehung noch schlecht aus. Seit dem Jahre 1847,\nwo die energische Einwirkung mit öffentlichen Aufführun-\ngen zunächst des lateinischen und deutschen einstimmigen\nKirchen-Chorals durch ihn begann, wird dieser Gesang\nmerklich besser gepflegt, und an vielen Orten singt man\nschon befriedigend, da die Lehrer Geschick und Geschmack\ngewannen und die Herren Geistlichen durch die Anhörung\nüber den wahren Kirchengesang und dessen Vortrag ein\nrichtiges Urtheil erhielten, was ihnen ja, als Vorstehern\nder Kirchen, nothwendig ist. Auch das Orgelspiel über-\nhaupt und die Begleitung des Chorals insbesondere musste\nauf dem nämlichen Wege gewinnen, weil in dieser Be-\nziehung auf den Festen immer nur Mustergültiges zu Ge-\nhör gebracht wurde; und es gereichte von da an zur Un-\nehre, einem entgegengesetzten Geschmacke zu huldigen.\nEs soll damit nicht gesagt sein, dass das Bessere nur\ndurch den Verein gekommen ist: aber das ist doch wahr,\ndass dasjenige, was auf eine würdige Weise öffentlich\ngeboten und allgemein als das Richtige anerkannt wird,\nweit sicherer wirkt, als blosse Worte und stille, private\nVersuche.\nSollte das Fest fortbestehen und Reiz behalten, so\ndurfte man bei dem niederen Kirchengesange (Choral) nicht\nstehen bleiben, sondern musste zum harmonischen Ge-\nsänge greifen, wenn auch der Choral nebenher keineswegs\naus den Augen zu verlieren war, wie ja das diesjährige\nFest wieder beweist. Und das war für den Verein ein\nUnternehmen, das für seine Kräfte fast vermessen genannt\nwerden muss. Die neue höhere Kirchenmusik kann auf\ndie Benennung „echte Kirchenmusik\" keinen Anspruch\nmachen. Eine kirchlichere Richtung musste demnach an-\ngebahnt werden. Der Hauptgesang des katholischen Cul-\ntus ist und bleibt der alte lateinische Choral und daneben\ndessen Schwester, das alte deutsche Kirchenlied. Die Ton-\nkunst der Kirche muss eines Geistes sein. Diesem Grund-\nsatze gemäss hat sich ehedem die mehrstimmige Kirchen-\nmusik, und zwar aus jenem einfachen Gesänge, entwickelt\nund im sechszehnten und .siebenzehnten Jahrhundert herr-\nlich entfaltet. Was ist nun wohl bei Anbahnung einer\nkirchlichem Richtung natürlicher, als den im achtzehnten"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "311", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650930-01.1.7", "texte": "Jahrhundert abgerissenen Faden der echten Kirchenmusik\nwieder aufzunehmen, d. h. jene besseren Werke wieder\nzur Ausführung zu bringen, damit man deren inneres und\näusseres Wesen erfasse, sich an den frommen Ergüssen\nerwärme, entzünde und dann suche, in dem nämlichen\nGeiste Aehnliches zu schaffen, bei welchem letzteren es\nnicht gerade nothwendig sein wird, pedantisch an den al-\nten Formen festzuhalten, wenn auch immerhin, wie bei\nder kirchlichen Wortsprache, eine der Kirche angemessene\nAusdrucksweise zu bewahren sein wird.\nIn dieser Erwägung begann der Verein im Jahre 1850\nseine Aufführungen alter mehrstimmiger Kirchenmusik,\nallerdings anfänglich höchst mühevoll und äusserst unvoll-\nkommen (weil der Vortrag dieser alten Werke fremd war),\naber unter grossem Beifalle und allseitiger Ermunterung.\nUnd seit jener Zeit entstand hauptsächlich die rege Bewe-\ngung auf dem Gebiete der jkatholischen Kirchenmusik:\nman berichtete in verschiedenen deutschen Blättern über\ndie brühler Aufführungen, man stritt für und gegen die\nEinführung der alten Kirchenmusik, an verschiedenen Or-\nten ist sie wirklich zur Aufnahme gekommen, ja, sogar\nConcert-Programme bringen Proben. Da bis dahin in den\nausübenden Kreisen diese Musikgattung nicht vorkam, so\nist es der Verein, der trotz seiner schwachen Mittel auch\nhier die Anregung gegeben hat.\nDie brühler Aufführungen könnten jetzt vielleicht be-\nschlossen werden, da die Kathedralen angefangen haben,\nsich der Sache zu bemächtigen; doch halten wir ein Fest-\nhalten daran für wünschenswert!], denn fortwährende öf-\nfentliche Anregung ist immerhin nützlich. Alle Lehrer-Se-\nminarien sollten Mittelpunkte für dergleichen Vereine sein,\nweil sie Pflanzschulen nicht nur für die weltliche Volks-\nbildung, sondern auch für Kirchengesang und .Orgel sein\nmüssen. Auch tragen die Vereine zur musicalischen Bil-\ndung des Lehrerstandes überhaupt bei, und da die jungen\nGeistlichen jetzt mehr mit der Kirchenmusik bekannt wer-\nden, so darf der Lehrer dem Geistlichen nicht unwissend\ngegenüberstehen. Endlich wird doch auch manch leicht\nausführbares Material verbreitet.\n\nTheater in Köln.\nDen 29. S e p t e m b e r 1865.\n*\nDie ersten Aufführungen von Opern im Stadtiheater, welches\nunter der Directiön des Herrn Ernst seit den letzten Tagen des\nAugust wieder eröffnet ist, berechtigten, sowohl was das Ganze der\nVorstellungen, als was die Leistungen der einzelnen Mitglieder be-\ntrifft, zu der erfreulichen Wahrnehmung, dass die Directiön mit den\nvorhandenen Kräften eine Oper herzustellen vermag, welche seit\nJahren vielleicht zum ersten Male dem Spruche: „Köln soll und\nmuss ein seiner würdiges Theater haben 1\" gerecht zu werden ver-\nheisst. Wer die gegenwärtigen Bühnen-Zustände kennt, wer da weiss,\nwie man auf unserer ersten Hof- und Residenz-Bühne die „Zauber-\nflöte\" ohne eine singende Königin der Nacht gibt, mit Tenoristen\nohne namhaftes Resultat experimentirt, Anfänger engagirt, um doch\nwenigstens die Iloflnung auf guten Nachwuchs beim Publicum zu\nnähren, wie tief die Aufführungen von komischen Opern auf den\ndortigen Theatern zweiten Ranges unter dem künstlerischen Niveau\nstehen, wer da weiss, dass die besten Sängerinnen und Sänger an\nden meisten deutschen Bühnen nur diejenigen sind, die ihren Ruhm\nbtreits nach Jahrzehenden messen: der wird gestehen, dass ein\nVerein von Kräften, wie ihn die kölner Oper für diesen Winter be-\nsitzt, alle Ansprüche, die mit gerechter Würdigung der obwaltenden\nA erhciltnisse gemacht werden können, auf anerkennungswerthe Weise\nbefriedigt.\nDie Dilection fährt bis jetzt fort, durch Wahl und Ausführung\nder Opern das günstige Vorurtheil, welches die ersten Vorstellungen\nerregt hatten, nicht nur wahr zu machen, sondern durch die gestei-\ngerte eigene 1 hätigkeit und das eifrige Mitwirken des ganzen Per-\nsonals immer mehr zu rechtfertigen, Eine vorzügliche Anerkennung\nfordert das Zusammenspiel, die Herstellung eines Ganzen, das ge-\noidnete Ineinandergreifen aller auf der Scene Betheiligten, wobei die\nWirksamkeit des Ober-Regisseurs Herrn Behr unverkennbar ist und\nbesondere Auszeichnung verdient. Aber nicht nur in dieser Hinsicht\nhat unser J lieater an diesem erfahrenen Bühnenkenner eine treffliche\nAcquisition gemacht, er ist auch als Sänger und Darsteller ein sehr\nschätzenswerther Künstler, wie er neuerdings durch die sehr gute\nDurchführung der Rollen des „Wasserträgers\" und des „Falstaff\"\nbewiesen hat.\nBlicken wir auf das Opern-Repertoire der vergangenen ersten\nvier Wochen zurück, so wird ein jeder Theaterfreund zugeben, dass\n„Freischütz\", „Wasserträger\", „Jüdin\", „Fidelio\", „Figaro's Hoch-\nzeit\", „Czaar und Zimmermann\", „Trovatore\", „Dinorah\", „Die lu-\nstigen Weiber von Windsor\" eine so stattliche Reihe von Vorstel-\nlungen bilden, wie man sie binnen einem so kurzen Zeiträume an\nnicht vielen Theatern findet.\nIm „Freischütz\" und im „Fidelio\" lernten wir in Frau Vog-\ngenliub er (Agathe Leonore) eine angehende dramatische Sän-\ngerin kennen, welche mit einer schönen Mezzo-Sopränstimme ein\nunverkennbares Talent verbindet, und die sehr wohlwollende Auf-\nnahme, die sie beim Publicum durch lebhaften Applaus und Hervor-\nruf in beiden Rollen fand, in vieler Hinsicht rechtfertigte. Wir glau-\nben dieser jungen Dame bei fortgesetzten Studien in der Gesang-\nkunst eine bedeutende Laufbahn prophezeien zu können, da sie mit\nihren musicalischen Mitteln auch eine schöne Erscheinung und eine\nentschiedene Anlage zur Schauspielerin verbindet. Sehr angesprochen\nhat uns in beiden Leistungen derselben eine gewisse künstlerische\nBescheidenheit im Gesänge, welche von richtiger Erkenntniss ihrer\nKräfte zeugt und sie glücklicher Weise abhält, durch forcirte Accen-\ntuation oder gar willkürliche Zusätze und italiänische Fermatensucht\ndie Schönheit der deutschen Meisterwerke zu verunstalten. So be-\nrührte es uns z. B. sehr wohlthuend, dass sie in der grossen Scene\ndes Fidelio: „Abscheulicher, was hast du vor!\" die Schluss-Cadenz\nauf der Dominaute („Könnt' ich zur Stelle dringen\") so sang, wie\nsie Beethoven geschrieben, und sie nicht durch das hohe h, welches\nselbst berühmte Leonoren aus Sucht nach Effect bei der Menge hier\nanzuschlagen pflegen, entstellte.\nFrau Voggenhuber hat als Recha in der „Jüdin\" alles Gute,\ndas wir oben von ihr gesagt haben, bestätigt: sie hatte sehr schöne\nMomente, in denen ihr Talent recht sichtbar hervortrat. Die Stimme\nbewährt sich als eine, wenn auch nicht ausgezeichnet kraftvolle,\ndoch auch dem leidenschaftlichen, dramatischen Vortrage gewach-\nsene; etwas mehr Weichheit und Schmelz dürfte den rein lyrischen\nGesangstellen noch mehr Poesie geben. Das schöne Maass, welches\ndiese Sängerin im Gegensatze der neueren Schrei-Methode zu halten"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "312", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650930-01.1.8", "texte": "Weiss, wünschten wir auch bei dem tieferen Brustregister angewen-\ndet zu hören, damit sich die Sängerin vor der unkünstlerischen Ma-\nnier bewahre, die in dem offenen Breitziehen der Töne einige Al-\ntistinnen der Gegenwart nicht zu ihrem Vortheile charakterisirt.\nHerr Weidemann hat die schwierige Partie des „Eleazar\",\ndie dem Sänger fast übermenschliche Anstrengungen zumuthet,\nwelche bei dem Flusse der schönen Melodieen für den Zuhörer fast\nverschwinden, mit kräftiger, unermüdeter Stimme durchgeführt und\nhat uns auch in der Darstellung keineswegs unbefriedigt gelassen.\nAllerdings hat die Stimme nicht «nehr jene Frische, die Herrn Wei-\ndemann lange Zeit zum Liebling des leipziger Publicums machte:\naber wachsen denn die Tenoristen mit jugendlich frischen Stimmen\naus der JSrde, so dass es, nach dem Reden einzelner Kunstrichter,\nfür einen Theater-Director nur darauf ankommt, zuzugreifen?\nIn der nächsten Woche wird Signorina Adelina Patti ihr\nGastspiel vorläufig auf drei Rollen festgesetzt beginnen: Dins-\ntag den 3. October „Aminau, Donnerstag den 5. „Rosina\", Mon-\ntag den 9. „Lucia\".\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. Am Montag hatten wir das Vergnügen, in der Trini-\ntatiskirche eine Reihe von Orgel-Vorträgen zu hören, welche\nder durch seine Orgel-Compositionen rühmlichst bekannte Herr\nJ. Gr. Herzog, k. Professor der Musik an der Universität zu Er-\nlangen, früher Organist und Lehrer am Conservatorium zu Mün-\nchen, vor einem eingeladenen Publicum ausführte. Herr Herzog er-\nregte hauptsächlich durch den meisterhaften Vortrag der grossen\nfreien Concert-Fuge in G von Krebs und durch sein letztes freies\nPräludium die grösste Theilnahme der Zuhörer. Zugleich machen\nwir auf sein neuestes Werk: Sechs Fugen für orgel (oder Piano-\nforte mit Pedal), Op. 37, in 2 Heften, Erfurt und Leipzig, bei Kör-\nner als auf eine gediegene Arbeit aufmerksam.\nDie Concert-Gesellschaft macht bekannt, dass in der bevorste-\nhenden Saison in dem grossen Saale des Gürzenich, unter der Lei-\ntung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferdinand Hiller,\nzehn Abonnements-Concerte Statt finden, und zwar am 17. und 31.\nOctober, 14. und 28. November, 12. December 1865, 16. Januar\n1866, 6. und 20. Februar, 6. und 25. März (Palmsonnntag). Es wer-\nden nur feste numerirte Plätze zu dem bisherigen Preise von 7\nThlrn. ausgegeben, die in der Musicalienhandlung des Herrn Bernh.\nBreuer grosse Budengasse Nr. 1 gegen Baarzahlung zu haben\nsind. Die bis zum 7. October genommenen Plätze werden am 8.\nOctober drei Mal öffentlich verloost.\nKegeiislmi'g. 15. September. Im Verlaufe dieses Herbstes\nnoch wird eine Musikgeschichte Regensburgs von Dr. Met-\ntenleiter in der Buchhandlung Bösenecker dahier erscheinen. Das\nWerk, welches unendlich mühsam lediglich aus Quellen und Archi-\nvalicn herausgewachsen ist, zerfällt in zwei Theile, deren jeder zwei\nBücher umfasst. Der erste Theil behandelt das theoretische Material,\nund zwar nach zwei Richtungen: Theoretische Grundsätze über Mu-\nsik überhaupt und über liturgische Musik insbesondere. Hier kom-\nmen alle Regensburger, welche über Musik geschrieben haben, nach\nder Zeitfolge zur Betrachtung, angefangen von dem Prior des Klo-\nsters St. Emmeran, dem seligen Wilhelm von Hirsau (11. Jahrhun-\ndert) bis herauf zu dem fürstlich Thum und Taxisschen Capellmei-\nster Jos. Riepel (f 1782). Es ist ein erstaunlicher Reichthum, den\nder Verfasser aus bislang unbekannten oder unbeachteten Codices,\nManuscripten u. s. w. zu Tage gefördert hat. Die Geschichte der\nMusik kann es ihm nicht genug danken. Der liturgische Theil\nzählt die fast unerschöpflichen Choralwerke in Manuscript auf, welche\nan verschiedenen Orten in Regensburg sich vorfanden. Für den\nCantus Gregorianus sind die Deductionen und Ausführungen des\nVerfassers von unendlicher Bedeutung. Der zweite Theil gibt im\nersten Buche die Geschichte der kirchlichen, im zweiten der welt-\nlichen Musik-Institute. Es kommen in Betracht die Cathedrale (Dom-\nschule, Sängerschule), St. Erameran, die alte Capelle, St. Johann,\ndas protestantische Cantorat (Oymnas. poet., Alumneum); die dra-\nmatische Musik, Passions-, Weihnachts-, Fastnachts-Spiele, Schul-\nKomödien, Singspiel, Oper; die fürstlich Thum und Taxissche Hof-\ncapelle, Concert- und Militärmusik, das Institut der Stadtpfeifer\nu. s. w. Dass die beiden verstorbenen musicalischen Grössen Re-\ngensburgs, Can. Proske und J. G. Mettenleiter, besonders bedacht\nund die ihnen gewidmeten Artikel von ganz besonderem Interesse\nsind, ist selbstverständlich. Das Werk ist bereits bis auf das letzte\nDrittel fertig gedruckt und wird, wenn dem vielseitig und anstren-\ngend beschäftigten Verfasser kein Hinderniss mehr hemmend in den\nWeg tritt, längstens bis Ende October versandt werden können."}]}