{"numero_id": "bm-bmtnabi-1865-10-14-01", "volume": "bmtnabi_1865-10-14_01", "ocr_sha256": "610bffb079170f2c0609c4885721b1cdc77dd48f9703b513f29c531a4e6eb480", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1865/10/14_01/bmtnabi_1865-10-14_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651014-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1865-10-14-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-10-14_01#c001", "volume": "bmtnabi_1865-10-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "321", "page_fin": "321", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651014-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "321", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651014-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 468, "texte": "Inhalt.\nGastspiel von Adelina Patti in Köln. Ueber Kirchenmusik in Wien. Aus Berlin (Geburtstag der Königin Opern-\nAufführungen). Karl Formes (vollständig wiederhergestellt). Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Conservatorium der\nMusik, Max Bruch, Gebrüder Müller Mannheim, Fräul. Aurelia Wlzeck Weimar, Capellmeiste'r Lassen Stuttgart, Ludwig Uhland's\nDenkmal Miska Hauser Prof. Grädener München, Conservatorium der Musik Wien, Tenorist Kreutzer, Concerte u. s. w.)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-10-14-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-10-14_01#c002", "volume": "bmtnabi_1865-10-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "321", "page_fin": "323", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651014-01.2.2", "titre_corps": "Gastspiel von Adelina Patti in Köln.", "titre_sommaire": "Gastspiel von Adelina Patti in Köln.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "321", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651014-01.1.1", "debut_caractere": 470, "fin_caractere_exclue": 4289, "texte": "Gastspiel von Adelina Patti in Köln.\nOhne in Ueberschwänglichkeit zu verfallen, können\nwir sagen, dass der Theater-Abend am 3. October ein\nEreigniss für die hiesige Bühne war, und dasselbe wird\nman überall, wo Adelina Patti zum ersten Male auftritt,\nmit Recht behaupten können. Warum? Etwa weil diese\nSängerin alle in den Hintergrund stellt, die jemals da ge-\nwesen? 0 nein: denn wenn auch der augenblickliche En-\nthusiasmus, den sie erregt, leicht alles vergessen lässt, was\nman jemals gehört hat, so dürfte doch ein solcher Aus-\nspruch schwer zu beweisen sein, da man die Geister der\ngrossen Sängerinnen nicht wieder herauf beschwören kann.\nAber die Erinnerung an diese, besonders an eine Fanny\nPersiani und an eine Henriette Sontag, und im Lichte die-\nser Erinnerung an die Vergangenheit die Betrachtung des\nDunkels der Gegenwart, das ist es, was Adelina's Er-\nscheinung in unserer Zeit zu einem Ereignisse in der\nKunstwelt erhebt. Als wir diese Wiedergabe der Melo-\ndieen Bellini's in der „Nachtwandlerin\" hörten, frag-\nten wir uns unwillkürlich, ob unsere Sinne uns nicht\ntäuschten? Denn wie aus längst vergangenen Zeiten weh-\nten uns diese Töne wie miider Luftbauch aus italischem\nHimmel an, wie der Wiederhall jenes Gesanges, der in\nder Ausbildung der glücklichsten Anlagen durch Methode\nund Tradition die Kunst in die Natur aufgehen liess und\ndie Wahrheit des Ausdrucks aus dem reinen Quell des\nGefühls schöpfte.\nWer weiss nicht, dass dieser italiänische Gesang jetzt\nverloren ist, dass selbst bei den Besseren ein affectirtes\nContrastiren mit den Extremen der Stärke und Schwäche\ndes Tones und ein Haschen nach äusseren Effecten an des-\nsen Stelle, getreten ist, dass die Kraft in Schrei, der Aus-\ndruck der Empfindung in unnatürliches Heulen und Tre-\nmoliren ausgeartet ist! Und nun tritt uns auf einmal ein\nzartes, liebliches Wesen auf der Bühne entgegen, eine Er-\nscheinung, die ganz Anmuth und Grazie ist und deren An-\nblick schon die bange Ahnung zurückdrängt, dass so viel\nLiebreiz auch der Unnatur verfallen sein könne, und je\nmehr sie ihre überall gleiche und biegsame sympathische\nStimme ertönen lässt, desto mehr schwindet jene bange\nSorge, wir lauschen mit Entzücken ihren Tönen und ge-\nben uns endlich einmal wieder dem reinen Genüsse eines\nGesanges hin, den nichts trübt und nichts stört, der von\njeder Affectation, jedem schreienden Accent, jedem widri-\ngen Gezitter, jedem falschen Pathos frei ist und nur die\nwirklich künstlerischen Mittel, und zwar in ihrer Vollkom-\nmenheit, anwendet, um das wahre Schöne zur Erscheinung\nzu bringen. Diese Mittel sind eine glockenreine Intonation\nin allen Lagen, ein unwandelbar sicherer Ansatz, eine\nmessa di voce, welche als eine wesentliche Bedingung des\nAusdrucks aus den Kehlen unserer jetzigen Sängerinnen\nin dieser Vollendung ganz verschwunden ist und bei Ade-\nlina Patti bis zum verschwebenden Hauche zauberisch rein\nund wohllautend bleibt, ein gefühlvoller Ausdruck, der in\nden Adagio's der Nachtwandlerin im zweiten und dritten\nActe zu einer wahren Sprache der Seele wurde, und dann\nwas der Name Patti schon von selbst verkündet\neine fabelhafte Leichtigkeit und technische Vollendung in\njeder Art von Coloratur und Verzierung bis zum blen-\ndendsten Staccato und correcten, höchst angenehmen Tril-\nler. Dieses Ganze von Gesang, zu welchem eine geniale\nNatur und eine treffliche Methode, welche die Künstlerin\nvor jeder Geschmacklosigkeit bewahrt bat, sich verschmol-\nzen haben, wird nun durch eine Darstellungsgabe noch\ngehoben, welche ein entschiedenes Talent zum Schauspiel\nsowohl in Auffassung des Charakters der Rolle, als in\nihrer Durchführung bis in jede Einzelheit bekundet.\nIn der That, durch den Enthusiasmus für Adelina\nPatti haben die Pariser denn doch einmal wieder bewie-\nsen, dass sie das wahre Schöne noch recht gut zu schätzen\nwissen."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "322", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651014-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5486, "texte": "Am Donnerstag den 5. d. Mts. hörten wir darauf die\nKünstlerin als Rosine im „Barbier von Sevilla\", und\ndurch diese zweite Rolle hat sie das Publicum, welches\ndas ganze Haus in allen Räumen füllte, vollends zu allge-\nmeiner Bewunderung hingerissen, die sich bei unseren\nsonst nicht leicht zu entzündenden Theaterbesuchern in\nallen nur möglichen Ovationen, als da sind unwillkürlich\nausbrechender Applaus, Hervorruf, Blumenspenden, Fan-\nfaren des Orchesters u. s. w., kund gab. Noch höher aber,\nals diese lauten Beweise der unwiderstehlichen Wirkung\nihrer Leistungen, dürfte es anzuschlagen sein, dass bei dem\nAustausch der Meinungen aller musicalisch Gebildeten und\nin der Bühnenwelt Bewanderten die Wagschale zu ihren\nGunsten so schwer wog, dass alle über die Vollendung\nihres Gesanges und über die anmuthige Darstellung der\nRolle vollkommen einig waren, und gar manche kritische\nNaturen, die sonst höchstens ein beifälliges Kopfnicken\nspenden, von Enlzücktsein sprachen. Nun, eine reizendere\nErscheinung als diese Rosine, und einen Gesang, der in\nden kunstvollsten Melismen und Fiorituren als eine so na-\ntürliche Eingebung augenblicklicher Empfindung oder\nLaune, oder eigener Freude am Singen erschiene, wie das\nbei ihr der Fall ist, kann man sich auch kaum vorstellen.\nKurz, diese jugendliche Künstlerin widerlegt die Erfah-\nrung, dass die heutigen italiänischen Sänger und Sän-\ngerinnen Rossini's Musik nicht mehr singen können, auf\nglänzende Weise und hat bereits jetzt schon eine Höhe im\nVortrage dieser und ähnlicher Musik erreicht, wie sie die\nmeisten von ihren Vorgängerinnen erst in viel späteren\nJahren erklommen haben. Für uns hat sie dies nicht allein,\nwir möchten sagen: fast nicht in so hohem Grade durch\nden Glanzpunkt der Rolle, durch die erste Arie, bewiesen,\nals durch die überaus correcte und vortreffliche Durch-\nführung der ganzen Partie auch in allen Ensembles, wo-\nmit selbstredend nicht gesagt sein soll, dass ihr Vortrag\nder Arie: „Una voce poco fäu,nicht auch in ihrer Lei-\nstung der Glanzpunkt des Abends gewesen wäre. Denn\nbei den willkürlichen Zusätzen und Verzierungen dersel-\nben, die bekanntlich vor strengen Richtern keine Gnade\nfinden, müssen wir die historische Entwicklung dieser Ver-\nzierungen und die Lage einer jeden Künstlerin, welche\njetzt die Rosine singt, berücksichtigen. Wenn Rossini der\nerste italiänische Componist war, der die Ornamente des\nGesanges, die bis auf ihn dem Geschmacke des Sängers\nüberlassen wurden, in Noten ausschrieb, so meinten den-\nnoch bald die Sängerinnen, dass es auch bei diesen vorge-\nschriebenen Figuren auf ein paar Noten mehr oder weni-\nger nicht ankäme, und so ganz Unrecht hatten sie auch\nwohl nicht. Wenn dann so durch und durch musicalische\nGesanggrössen, wie z. B. Madame Viardot-Garcia und\ntutie quante ihres Ranges, den Ton angaben und das Pu-\nblicum verwöhnt haben, was soll da eine junge Sängerin\nthun? Ei nun, sie soll es eben machen wie Adelina Patti,\nd. h. nur geschmackvolle Aenderungen anbringen, die den\nCharakter des Musikstückes nicht alteriren, und soll sie\nmeisterhaft ausführen, so dass sie die Runzeln auf der\nStirn des Kritikers gerade so hinweg singt, wie das freund-\nliche Antlitz eines hübschen Mädchens sie hinweg lächelt.\nOrnamente, welche den Charakter nicht alteriren sag-\nten wir. Das ist die Hauptsache; denn jene Arie ist für\ndie Rosine eben so charakteristisch, als die Arie des Fi-\ngaro für den Barbier; es ist ein grosser Irrthum, wenn\nman sie zur Concert-Arie macht, sie gehört durchaus auf\ndie Bühne, und wer ihren Vortrag durch Adelina Patti\ngehört und gesehen hat, wie sie neben und selbst durch\ndie wunderbare Technik das ganze Wesen der Rosine in\nGesang und Mimik als ein reizendes, lebensvolles Bild vor\nuns hinstellt, der wird dieselbe Arie im Concerte gar nicht\nmehr hören wollen. Den eigentlichen Concertgesang gab\nuns die Künstlerin in den beiden Ginlagen im zweiten\nActe, dem Echo-Liede von Eckert, das sie mit reiner und\ndeutlicher Aussprache des deutschen Textes sang, und in\ndem Bravour-Walzer von Strakosch: in beiden bewunder-\nten wir ihre eminente Virtuosität, in dem Liede nament-\nlich bei den arpeggienartig gebrochenen Accord-Figuren,\nin dem Walzer bei den auf- und absteigenden, drei Mal\num einen Ton erhöhten rapiden und doch so correcten\nTonleitern in gelöstem Vortrage der sich von al-\nlem Aehnlichen, was wir von französischen Sängerinnen\ngehört haben, vortheilhaft unterscheidet.\nMan sagt, die Rosine sei die beste Rolle der berühm-\nten Künstlerin: es mag sein doch fehlt in dieser Partie\ndas Element des getragenen und ernsten dramatischen Ge-\nsanges, in welchem Adelina Patti, wie wir in der „Nacht-\nwandlerin\" gesehen, gleich gross ist, so dass wir wohl\nihrem Vater, der sie begleitet, Recht geben dürften, wenn\ner die „Lucia\" für ihre beste Rolle erklärt. Wiesehr\nAdelina Patti die ernste Musik, sogar die Oratorien, liebt\nund auch darin durch ihren Gesang entzückt, hat sie die-\nsen Sommer bei dem Musikfeste in Birmingham bewiesen,\nwo sie unter Anderem durch den Vortrag von Arien aus\nHändel's „Messias\" und „Judas Maccabäus\" einen wahren\nTriumph gefeiert hat. Unsere bescheidenen kritischen Be-\ndenken in dieser Beziehung hat sie mit grosser Freund-\nlichkeit durch den Vortrag von zweien dieser Arien am\nCiavier widerlegt.\nAdelina Patti hat am Montag mit der „Lucia\" von\nDonizetti ihr Gastspiel beendet und uns nur eine schwache\nHoffnung gelassen, vielleicht gegen Ende des Monats, wenn\nsie von Amsterdam durch Deutschland nach Florenz reist,"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "323", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651014-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2444, "texte": "Köln wenigstens auf einen Tag wieder zu besuchen. Wir\nwissen uns kaum zu erinnern, ein so überfülltes Haus, wie\nam Montag, hier je gesehen zu haben. Es ist merkwürdig,\nwie das musicalische Drama die Oberhand über das reci-\ntirende in den meisten grossen Städten erlangt bat. Das\nWunder,\nwenn sich der Strom zur Bude drängt,\nund mit gewaltig wiederholten Wehen\nsich durch die enge Gnadenpforte zwängt,\ndies Wunder wirkt auf so verschiedene Leute\nder Dichter nicht mehr, sondern der Sänger oder die San-\ngerin. Es ist mitunter spasshaft, diese „verschiedenen\nLeute\", die an einem solchen Niemann- oder Patti-Abende\ndas Theater füllen, zu beobachten, um zu sehen, bis in\nwelche Schichten des Publicums die Lust an der Oper und\ndie Neugier gedrungen! So sassen am Montag in unserer\nNähe drei Damen auf Zweithaler-Plätzen, welche bei je-\ndem Fallen des Vorhangs die Loge verlassen wollten und\nin echt kölnischem Dialekt nach erhaltener Belehrung ihre\nFreude ausdrückten, dass das Stück noch nicht aus sei.\nDie Leistung der Signorina Patti als Lucia in Aulfas-\nsung, Darstellung und Gesang hat nicht nur in den glän-\nzendsten Momenten der Rolle einen unglaublichen Enthu-\nsiasmus erregt, sondern auch den Eindruck hinterlassen,\nden ein wahres Kunstwerk auf Verstand und Gemüth\nmacht. Jede Stellung, es mochte darin Bewegung oder\nRuhe liegen, wurde durch die Haltung der Künstlerin ein\nplastisches Bild, welches Blick und Mimik belebten und\nverschönerten, und ihr Gesang vereinigte alle von uns be-\nreits erwähnten seltenen Vorzüge zu einer künstlerischen\nEinheit, die ein Ganzes von so wunderbarer Vollendung\nhervorbrachte, dass wir doch auch, wie viele Andere, die\nRolle der Lucia für eine ihrer herrlichsten Schöpfungen,\nwo nicht für ihre schönste, halten. Unter den übrigen\nMitwirkenden zeichnete sich Herr Behr in der Rolle des\nalten Erziehers der Lucia, welche durch seine edle Be-\nhandlung in Gesang und Spiel eine weit grössere Bedeu-\ntung erhielt, als sie sonst zu haben pflegt, aus und erwarb\nwohlverdienten Hervorruf. Die Herren Schelper und\nRiese, beide mit klangvollen Stimmen begabt, haben\nFortschritte gemacht; es wäre aber schade, wenn sie das\ngute Material, das ihnen die Natur verliehen, nicht durch\nanhaltende Studien zu veredeln suchten. Auch empfehlen\nwir ihnen Oskar Gut mann' s „Grundsätze der ästheti-\nschen Bildung des menschlichen Körpers\", ein sehr prak-\ntisches Büchlein, welches kein Schauspieler unbeachtet\nlassen sollte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-10-14-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-10-14_01#c003", "volume": "bmtnabi_1865-10-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "323", "page_fin": "324", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651014-01.2.3", "titre_corps": "Ueber Kirchenmusik in Wien.", "titre_sommaire": "Ueber Kirchenmusik in Wien.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "323", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651014-01.1.3", "debut_caractere": 2446, "fin_caractere_exclue": 5068, "texte": "Ueber Kirchenmusik in Wien.\nDie wiener „Recensionen\" (Nr. 39) enthalten einige\nBemerkungen über die Kirchenmusik in Wien, denen wir\nin unseren Diöcesen von Köln und Münster und Mainz\naus dem Grunde weitere Verbreitung zu geben wünschen,\nweil sie zeigen, dass man in Wien zwar den unkirchlichen\nCharakter von manchen Werken, die unverantwortlicher\nWeise noch in Kirchen gemacht werden, eben so wie\nüberall verurtheilt, dass aber die Geistlichkeit keineswegs\ndas Kind mit dem Bade ausschüttet und die Vereinigung\nvon Vocal- und Instrumental-Musik überhaupt verbannt,\nsondern nur geläutert wissen will; ferner dass Frauen-\nstimmen nach wie vor in der Kirche singen und sogar\nDamen aus den höchsten Ständen es nicht verschmähen,\ndurch ihren Gesang den Gottesdienst zu verschönern, ohne\ndass von der erzbischöflichen Behörde der Satz aufgestellt\nwird, das sei gegen die katholische Lehre.\nEs heisst in jenem Aufsatze, nachdem von den musi-\ncalischen Zuständen Wiens seit Haydn, Mozart und Beet-\nhoven die Rede gewesen, dass die Kirchenmusik der welt-\nlichen Tonkunst gegenüber dort etwas stiefmütterlich behan-\ndelt worden sei und es noch werde, und doch habe die Musik,\nwie jede Kunst, den Zweck, den Menschen über sich zu\nerheben und wo könne dieser Zweck besser erreicht\nwerden, als in der Kirche, wohin der Geist schon die\nStimmung mit sich bringt?\nWas die Composition als solche betrifft heisst\nes weiter—, so müssen wir gestehen, dass in jetziger Zeit\nmit wenigen Ausnahmen sehr Unkirchliches geleistet wird.\nDer noch vor einigen Jahren in der Salonmusik herr-\nschende Geschmack hat auch in der Kirche prädominirt\nund macht noch jetzt theilweise seinen Einfluss geltend.\nEin Offertorium von Weiss oder ein Graduale von Neu-\npauer unterscheidet sich sehr unwesentlich von einer ita-\nliänischen Cavatine. Auch die Oboe-Ranken und Clarinett-\nGuirlanden eines Assmayer und Randhartinger er-\nweisen sich nicht als geeignet, die Andacht der Menschen-\nseele zu steigern. Freilich bringt die Individualität des\nComponisten den kirchlichen oder unkirchlichen Geist mit\nsich. Diejenigen, welche keinen Beruf zum Kirchenstile in\nsich fühlen, deren Gedanken schon an und für sich der\nreligiösen Weihe entbehren, und welche doch darin sich\nversuchen wollen, mögen mindestens die traditionel ge-\nwordenen Formen desselben einhalten und so durch den\n✓\nErnst der Gestalt die Lebhaftigkeit der Materie dämpfen.\nAuf diese Art werden sie doch nicht so störend wirken,\nwie es in Italien der Fall ist, wo eine Polka das Et in-\ncarnaius, ein kecker Dreiviertel-Tact das Sanctus profa-\nnirt, wo es so weit gekommen ist, dass man die Kirche\n\n[*l"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "324", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651014-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4515, "texte": "des Nachmittags in einen Concertsaal verwandelt, und wo\ndie gottgeweihten Hallen von Arien und Recitativen aus\n„Traviata\" und „Rigoletto\" wiedertönen. Von solchem\nTreiben kann man sich nur mit Indignation abwenden,\nund wir hoffen, deutscher Ernst werde nie dorthin gelan-\ngen, wohin italiänischer leichter Sinn geführt hat. Noch\nhaben wir mehrere der Männer, welche uns durch Wort\nund That zeigen, wie wahrhafte Kirchenmusik beschaffen\nsein soll. Vor Allen ragt Rotter empor, welcher Tiefe\nder Empfindung und Eleganz der Gedanken mit Strenge\nder Form glücklich zu verbinden weiss; und wenn er auch\nhier und da in seiner Instrumentation etwas stereotyp ist,\nso bleibt seine Musik doch stets eine durchaus würdige,\ndem heiligen Zwecke entsprechende. Auch Horak und\nRobert Führer bewegen sich consequent innerhalb der\nGränzen des kirchlich Anständigen, wenn wir auch ihre\nLehrer und Vorbilder zu uns sprechen hören.\nWas die Aufführung kirchlicher Werke betrifft,\nso steht dieselbe häufig unter dem Niveau der Mittelmäs-\nsigkeit, sowohl hinsichtlich der Wahl der Stücke, als auch\nder Executirung derselben. Oft hängt das Repertoire eines\nganzen Jahres von dem Befehle einer solosüchtigen\nDame ab, deren sentimentales Seufzen stets von winseln-\nden Violinen und pipenden Flöten begleitet wird. Wir\nwollen dies durchaus nicht als Regel aufstellen und geben\ngern zu, dass mancher Chorregent durch politische\nGründe bewogen wird, dem Willen der Damen, wel-\nche ihm ihre gesanglichen Kräfte leihen, zu ent-\nsprechen; aber etwas ökonomischer sollte man mit den\nSolospenden umgehen, und wenn man endlich, gezwun-\ngen durch den angedrohten Verlust einer schätzbaren\nAcquisition, der Eitelkeit Weihrauch streuen muss, so hat\nman doch unter den älteren besseren Tonstücken Auswahl\nedler Musik genug und braucht nicht eben ein Preyer'-\nsches Lied als Graduale misshandeln zu lassen. Welch\nreichhaltiges Material bietet z. B. Mendelssohn, dessen\nIndividualität dem Kirchengesange so sehr zusagt, worin\nsein Genius die schönsten Blüthen getrieben hat, wo ihn\ndie Vorwürfe, welche man ihm in vielen seiner Compo-\nsitionen gemacht, am wenigsten treffen! Ein eben so\nzweckloser als das Ohr beleidigender Missbrauch ist das\nUeberstürzen der Tempi, welchem mehrere unserer be-\nrühmtesten Chöre unterworfen sind. Oft beginnt das\nim mässigen Ällegretto und endet beim Et incarnatus in\neinem Vivace, um dann in athemloser Hast prestissimo\ndurch das Et vitam venturi zu jagen. Einst hörten wir\nnach einer Instrumental-Messe, welche kaum eine kleine\nhalbe Stunde in Anspruch genommen hatte, folgendes\nZwiegespräch: »Herr Capellmeister, das waren doch etwas\nzu rasende Tempi, welche Sie heute angegeben haben?\"\n„Nicht wahr? Ja, das soll mir Einer in Wien nachmachen;\nes ist keine Kleinigkeit, so rasch fertig zu werden.\"\nDies ein kleiner Beitrag zur Illustration unserer heutigen\nChorzustände. Doch wollen wir der Gerechtigkeit Steuer\ngeben und gestehen, dass ein reges Streben zur Hebung\nder Kirchenmusik hier und da deutlich fühlbar ist. Dies\ngilt namentlich von den Herren Kumenecker, Krei-\npel, Wolf, Kosch und Ed er, welch letzterem wir auch\nGlück dazu wünschen, dass es ihm gegönnt ist, seine\nKräfte aus den Reihen der Aristokratie zu requiriren.\nWolf wünschen wir nur, sein Versuch, Mendelssohn'sche\nMusik in die katholische Kirche zu verpflanzen, möge aus-\ngedehnte Nachahmung finden.\nSchliesslich sei noch erwähnt, dass das schönste und\nerhebendste Instrument, die Orgel, am schlimmsten be-\nhandelt wird. Freilich ist ihr nach katholischem Ritus nur\neine untergeordnete Rolle im Gottesdienste zugewiesen,\nund der Organist findet daher wenig Veranlassung, sein\nSpiel einiger Minuten wegen zu veredeln. Allein unter den\nvielen orgelnden Individuen finden wir nur wenige Orga-\nnisten, welche es durch jahrelanges, eifriges Studium zu\neiner vollen Herrschaft über dieses unstreitig schwierigste\nInstrument gebracht haben und den Tönen desselben einen\nwahrhaft übernatürlichen Klang zu entlocken wissen. Doch\nhaben wir den Trost, dass es der ausgezeichneten Schule\nunseres allverebrten Meisters Simon Sechter gelingen\nwerde, ein Contingent zu stellen, das sich neben Rotter\nund einigen anderen tüchtigen Organisten hören lassen\nkönne. Diese Hoffnung hält uns vorläufig noch von italiä-\nnischen Zuständen entfernt.\"\nWir fügen hinzu, dass das Programm des Kirchen-\nmusik-Vereins zu St. Karl Borromäus vom 15. Octo-\nber bis Ende December 16 Messen (unter Anderen von\nAiblinger, Führer, Haydn, Mozart, Abt Vogler, Neukomm,\nvan Bree) ankündigt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-10-14-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-10-14_01#c004", "volume": "bmtnabi_1865-10-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "324", "page_fin": "325", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651014-01.2.4", "titre_corps": "Aus Berlin.", "titre_sommaire": "Aus Berlin.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "324", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651014-01.1.4", "debut_caractere": 4517, "fin_caractere_exclue": 5123, "texte": "Aus Berlin.\nDer Geburtstag der Königin wurde am Samstag den\n30. v. Mts. im Opernhause durch einen Prolog und die\nAufführung der „Euryanthe\" von Weber gefeiert. Schon\nin der vorigen Saison hat die gesammte musicalische Kritik\nBerlins sowohl auf den Fleiss und das Studium, welche\nCapellmeister Taubert an das romantische Werk ver-\nwandt, wie auf die trefflichen Leistungen der Mitwirken-\nden hingewiesen; nichts desto weniger steht der Antheil\ndes Publicums in gar keinem Verhältnisse zu dem Werthe\nder Partitur und den künstlerischen Anstrengungen ihrer\nTräger. Die Oper bleibt „Caviar für das Volk\". Desto"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "325", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651014-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4076, "texte": "dankbarer ist jene treue Schar, die bei den Werken der\nedlen deutschen Meister ausharrt, für den ihr gebotenen\nGenuss. Frau Harriers-Wippern (Euryanthe) und\nFräulein S anter (Eglantine) brachten durch die Sympathie\nihrer schönen Stimmen in dem grossen Duo des ersten\nActes eine ausserordentliche musicalische Wirkung hervor.\nDie Stimme des Herrn Woworsky, welcher den Adolar\nsang, erholt sich offenbar, seitdem die Bürde erster Tenor-\nPartieen nicht mehr auf seinem Organe lastet.\nWachtel hat mit seinem Manrico in Verdis „Trou-\nbadour\" enthusiasmirt; vortrefflich sang Fräulein Pau-\nline Lucca die Leonore; der Andrang zu dieser Vorstel-\nlung war so massenhaft, dass das Agio eines Parquet-Bil-\nlets auf zehn Thaler stieg.\nBogumil Dawison begann im WoltersdorfPschen\nTheater als Hans Jürge und in „Die Unglücklichen\" von\nKotzebue ein Gastspiel, für das grosse Vorbereitungen\ngetroffen wurden. Dasselbe ist für drei Monate projectirt,\nund der Künstler erhält für diesen Zeitraum eine Gage\nvon 10,000 Thlrn.\nFräulein Aglaja Orgeni trat in der „Nachtwand-,\nlerin\" als Amina im k. Operntheater auf, womit sie zu-\ngleich ihre theatralische Laufbahn eröffnete. Die vielfach\nverbreiteten Gerüchte über ihre Leistungen, die sie als die\nbegabteste Schülerin der Viardot-Garcia bezeichneten, hat-\nten die Neugierde lebhaft erregt. Aus diesem ersten Ver-\nsuche dürfte eben so viel festzustellen sein, dass sie eine\nangenehme Erscheinung, gross und schlank ist und ein leb-\nhaftes Auge hat; ihre Gesichtszüge haben jezt noch einige\nMonotonie, wogegen sie sich im Spiel bereits gewandter\nzeigte. Die Technik ihres Gesanges erscheint bis auf die\nAussprache schön. Das aber, was sie namentlich im ersten\nActe bot, liess sie als geschickte Coloratursängerin erschei-\nnen, die ihrer Lehrerin zur Ehre gereicht; ihre Läufe und\nTriller sind klar und sicher, die Verzierungen werden ge-\nschmackvoll und mit Verständniss durchgeführt, wie sie\nauch bei Wiederholungen stets Neues zu bieten weiss. Am\ngeübtesten ist sie im Piano, worin Vieles vollständig glückte\nund zu schönen Erwartungen für die Zukunft berechtigt. Mit\nder Aufnahme des gutbesetzten Hauses konnte sie wohl zu-\nfrieden sein: der Beifall war namentlich nach dem ersten\nActe wiederholt und allgemein. Auch wurde sie nochmals\nam Schlüsse der Vorstellung mit Herrn Wachtel, der\nden Elvino maassvoll und mit schöner Intonation durch-\nführte, gerufen.\nEinem Vernehmen aus guter Quelle nach soll an die\nStelle der gestorbenen Sängerin de Ahna Fräulein von\nEdelsberg aus München engagirt worden sein.\nIn dem Wilhelmstädtischen Theater macht das\nGastspiel des Ehepaares Jauner von Dresden volle Häuser.\nEigentlich kann aber nur von der Frau Jauner-Krall\ndie Rede sein, indem ihr Gatte im Schauspiel als Künstler\ndieser in ihrem Genre trefflichen Sängerin nicht ebenbür-\ntig ist. Diese Dame, die früher, so viel wir wissen, auch\nals dramatische Sängerin heroische Partieen gab, tritt hier\nals brillante Coloratursängerin auf und hat selbst einige\nStücke aus dem Repertoire von Carlotta Patti, z. B.\nAubers „Lachlied\", in das ihrige aufgenommen. Ausser-\ndem macht sie mit der Arie: „Ich singe nicht\", aus\nIsouard's „Lotterieloos\", dem Schattenwalzer der „Dino-\nrah\" und dem unvermeidlichen von Arditi\ngute Geschäfte beim Publicum. Die erste Aufführung von\nH. Dorn's Operette: „Gewitter bei Sonnenschein\", fand\neine sehr freundliche Aufnahme, wozu das natürliche und\nlebendige Spiel, so wie der frische und auch technisch\nvorzügliche Gesang der Frau Jauner als „Rosette\" viel\nbeitrug, zumal da die übrige Besetzung viel zu wünschen\nübrig liess. Von älteren Singspielen wählt sie besonders\nMozart's „Schauspiel-Director\", wo sie durch Mozartische\nEinlagen erfreut, und Fioravanti's „Dorfsängerinnen\". Im\nAllgemeinen wurden indess diesen Sommer hindurch die\nOpern und Operetten auf allen unseren Theatern zweiten\nRanges auf sehr unbefriedigende und unkünstlerische\nWeise gegeben.\nDie grosse Oper wird übrigens seit ihrer Wieder-\neröffnung bis jetzt auch nur dann zahlreich besucht, wenn\nFräulein Lucca und Herr Wachtel zusammen darin\nauftreten."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-10-14-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-10-14_01#c005", "volume": "bmtnabi_1865-10-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "325", "page_fin": "326", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651014-01.2.5", "titre_corps": "Karl Formes.", "titre_sommaire": "Karl Formes.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "325", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651014-01.1.5", "debut_caractere": 4078, "fin_caractere_exclue": 5035, "texte": "Karl Formes.\nDurch öffentliche Blätter und Privatbriefe aus den\nVereinigten Staaten erhalten wir die Kunde, dass unser\nLandsmann Karl Formes durch einen Sommer-Aufenthalt\nauf dem Lande und eine Cur nach der Vorschrift eines\nArztes, der seine Studien früher unter Diefenbach in Halle\ngemacht hat, seine volle Gesundheit und damit seine präch-\ntige Stimme in voller Kraft und Biegsamkeit wieder er-\nlangt hat ein Ereigniss, dessen Bestätigung seinen zahl-\nreichen Freunden in seiner Geburlsstadt Mülheim am\nKheine und in Köln, so wie in weiteren Kreisen, gewiss\nrecht erfreulich sein wird.\nFormes hatte sich nach dem Schlüsse der Opern-Un-\nternehmung des Herrn Grover nach Hyde Park bei Chi-\ncago zurückgezogen und dort mehrere Monate lang sich\nendlich Ruhe und Erholung gegönnt; denn es hatte in\nder That lange gedauert, bis er auf den Rath seiner\nFreunde hörte und selbst die richtige Einsicht in seinen\nphysischen Zustand bekam. Er hatte mit vielen grossen"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "326", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651014-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4562, "texte": "Sängern das geraein, dass er den Zeitpunkt übersah, wo\nsie aufhören oder wenigstens eine lange Pause eintreten\nlassen müssen. Seine feste Gesundheit, die ihm verstattete,\nden Ruhm des ersten Bassisten seiner Zeit so lange zu\ngeniessen, verleitete ihn, seine Anstrengungen zu übertrei-\nben und nicht zu gewahren, wie der Rost allmählich be-\ngann, das Metall seiner Stimme anzugreifen. Ein Aufsatz\nin der Illinois-Staats-Zeitung sagt darüber: „Wir hörten\nihn während dieser unglücklichen Periode häufig singen\nund konnten uns der Wehmuth nicht erwehren, wenn\nwir der früheren Zeiten gedachten und nun sahen, wie\nder Künstler selbst den Kranz seines Ruhmes entblätterte.\nDenn zu dem, was vorschreitende Jahre mit sich bringen,\nwar auch noch ein Halsübel getreten, das natürlich die\nStimme besonders afficirte.\"\nEs war daher überraschend, als in den letzten Tagen\ndes Monats August Formes seine Freunde in Chicago zu\neiner musicalischen Soiree auf Hyde Park House einlud.\nEine sehr gewählte Gesellschaft von fast zweihundert Per-\nsonen fuhr dorthin, wo sie bereits eine fast eben so zahl-\nreiche Zuhörerschaft aus der Umgegend, die von den an-\ngesehensten Familien bewohnt ist, fanden.\n„Nachdem Formes seine Gäste bewillkommt\", sagt die\nenglische Chicago-Tribüne vom 30. August d. J., „sang er\ndie Register-Arie des Leporello mit trefflichem Ausdruck\nund Humor und einer bei Weitem besseren Stimme, als\nwir in den letzten Jahren an ihm gewohnt waren. Nach-\nher sang er das Ständchen aus derselben Oper Don Juan\nund zuletzt den „ „Wanderer\"\" von Schubert, jenes präch-\ntige Gesangstück, worin er alle Eigenschaften seiner Stimme\nentfalten konnte. Der Hauptreiz des Vortrages bestand in\ndem Stile und Ausdruck desselben, obgleich auch abge-\nsehen davon seine hohen Töne rein und angenehm und\ndie Tiefe namentlich in den Schluss-Tacten klangvoll und\nkräftig waren. Während seines Aufenthaltes in Hyde Park\nhat er die Gefahren eines drohenden Uebels überstanden,\nund seine Stimme ist wieder so voll, biegsam und klang-\nvoll, wie je. Die übrigen Künstler und besonders Herr\nAnschütz, der am Pianoforte begleitete, verdienen eben-\nfalls Dank für den so genussvollen Abend, wiewohl sich\nfreilich das Haupt-Interesse auf Formes concentrirte.\"\nHierauf gab Formes am 4. September ein öffentliches\nConcert in Crosby's Opernhause in Chicago, worüber die\ndeutsche Illinois-Staats-Zeitung unter Anderem sagt:\n„Eine ausserordentlich zahlreiche und glänzende\nMenge hatte sich in Crosby's Opernhause versammelt, um\nsich an einem musicalischen Genüsse ganz besonderer Art\nzu erfreuen. Karl Formes, unser weltberühmter Lands-\nmann, gab sein grosses Concert, wir möchten es sein Er-\nöffnungs-Concert nennen, denn es beginnt mit dem-\nselben ein ganz neuer Abschnitt in dem Künstlerleben die-\nses gefeierten Sängers.\n„Nach wenigen Monaten der Ruhe und Pflege tritt\ner uns gänzlich regenerirt entgegen mit frischer, voller,\nmetallischer Stimme. Erstaunt gestehen seine zahlreichen\nFreunde und Bewunderer, dass Karl Formes nichts von sei-\nner ehemaligen Bassstimme verloren.\n„Wenn Chicago die Heimat des grossen Sängers\nwäre, so könnte das Publicum kein grösseres Interesse an\nseiner Wiederherstellung nehmen, als es factisch that. Be-\ngeistert war der Willkomm, als Karl Formes auf der\nBühne erschien, und es dauerte eine Zeit lang, bis der\nSturm der Freude sich legte. Sichtbar wurde der Künst-\nler von diesen Zeichen der Theilnahme ergriffen.\n„An dem prachtvollen Knabe'schen Flügel sass still\nund bescheiden ein kleiner, gebückter Mann mit grauen\nLocken, der häufig die Gläser seiner goldenen Brille in die\nHöhe schob und sich die Augen rieb auch er freute\nsich innig über die Wiedergenesung des Sängers, er freute\nsich vielleicht mehr, wie Einer im ganzen Saale, denn\nKarl Anschütz war es—stets der treueste Freund Karl\nFormes' von Beginn seiner Künstler-Laufbahn an.\n„Wir haben niemals, so lange wir uns erinnern, einem\nähnlichen Concerte beigewohnt. Das Publicum war so ver-\ngnügt und dankbar, es spendete so freigebig den reichsten\nApplaus, nicht als wäre man im Concertsaale, sondern als\nfeierte man ein grosses, frohes Familienfest. Es wäre dess-\nhalb Unrecht, wenn wir mit der Brille des Kritikers die\nLeistungen der unterstützenden Künstler betrachteten, und\nwir beschränken uns darauf, zu sagen, dass der ganze Ge-\nnuss des Abends durch nichts gestört wurde und wohl\nselten ein Publicum zufriedener den Concertsaal verliess.\n„Karl Formes wird, wie wir hören, mit nächstem\n*\nMonate eine Kunstreise nach dem Süden antreten und in\nden bedeutendsten Städten Concerte veranstalten.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-10-14-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-10-14_01#c006", "volume": "bmtnabi_1865-10-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "326", "page_fin": "328", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651014-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "326", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651014-01.1.6", "debut_caractere": 4564, "fin_caractere_exclue": 5291, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolli« Der Unterricht am Cons ervatorium der Musik\nunter F. Hill er' s Direction hat wieder begonnen. Die Schülerzahl\nist durch die Aufnahme-Prüfung für den begonnenen Cursus erfreu-\nlich vermehrt worden. An die Stelle des Herrn Bargiel, dessen\nAbgang nach Rotterdam wir gemeldet haben, ist Herr Ernst Ru-\ndorff aus Berlin getreten.\nDie Stelle des verstorbenen Lenz, Directors des Musik-Insti-\ntuts zu Coblenz, ist dem Componisten Herrn Max Bruch über-\ntragen worden»\nUeber das Gastspiel der Signorina Adelina Patti s. oben.\nDas in der vorigen Nummer angekündigte Quartettspiel der\nGebrüder Müller wird in Köln an drei Abenden im Saale\ndes Hotel Disch Statt finden: Mittwoch den 25., Freitag den"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "327", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651014-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7351, "texte": "-27.3 Montag den 30, October. Abonnementskarten zu 2 Thlrn. für\nalle drei Abende sind in der Musicalienhandlung des Herrn Breuer\nzu haben.\nDie mannlieimer Blätter sind voll von dem Erfolge des De-\nbüts (September) einer jungen Sängerin, Fräulein Aurelia Wlzeck,\nTochter der vortrefflichen Soubrette Frau Wlzeck am mannheimer\nTheater. Die junge Dame, welche als Amine in der Nachtwandlerin\nauftrat, verdankt ihre Ausbildung dem Herrn C. M. Wolf an der\nk. Opernschule zu Wien. Sie besitzt einen hohen Sopran von gros-\nser Biegsamkeit und scheint durch Talent und Persönlichkeit be-\nsonders auf den Coloraturgesang hingewiesen. Das Mannli. Journal\nist wohl gar zu überschwänglich in seinem Berichte, denn wenn\nFräulein Wlzeck alle die dort genannten technischen Vorzüge des\nGesanges besitzt, so ist sie bereits eine der grössten Künstlerinnen.\nAlles Zuviel schadet!\nHerr Capellmeister Lassen in Weimar, von dem gemeldet\nwurde, dass er seine dortige Stellung aufgeben werde, bleibt wieder,\nda die zwischen ihm und der Intendanz bestandene Differenz, her-\nvorgerufen dadurch, dass Lassen ohne Urlaubsbewilligung zur Auf-\nführung von „Tristan und Isolde\" nach München gereist war, aus-\ngeglichen ist.\n22. Sept. In den Liederhalle-Anlagen hatte sich\ngestern ein zahlreicher Kreis der hiesigen Einwohner versammelt,\ndie Sänger des Liederkranzes und der übrigen Sänger-Gesellschaften\nleiteten unter Speidel's Direction mit dem Liede: „Das ist der\nTag des Herrn!\" die weihevolle Stimmung ein, und am Schlüsse\ndes Liedes fiel die Hülle, welche bisher die hier aufgestellte Erz-\nbüste Ludwig Uhland's umgeben hatte. So steht nun das Stutt-\ngarter Uhland-Denkmal, eine Zierde der Stadt, so wie des Lieder-\nhalle-Gartens, bescheiden und anspruchlos, wie der Dichter ja selbst\nes war, aber nach dem einstimmigen Urtheile vortrefflich gelungen.\nJ. G. Fischer bestieg die Stufen des Denkmals und sprach die\nWeiherede. Nach dem folgenden Gesänge trat Uhland's ältester\nFreund, der achtzigjährige Dichter Karl Mayer, vor das Denkmal\nund trug ein eben so einfaches als empfindungsvolles Gedicht vor.\nWeitere Uhland'sche Lieder folgten von den Sängern, meist in Com-\npositionen des Meisters, der so tief in Uhland's Geist eingedrungen\nund nach Uhland's eigenem Ausspruche so viel gethan, um seine\nLieder beim ganzen Volke einzubürgern, Conradin Kreutzer.\nAuch „der gute Camerad\", dieses echte Volkslied, fehlte nicht. Ein\nMitglied des Liederkranzes trug das Gedicht: „Wenn heut' ein Geist\nherniederstiege\", vor. Arndt's „Was ist des Deutschen Vaterland\",\nheute das einzige nicht vom Gefeierten gedichtete Lied, schloss die\nwarme Feier. Der Abend vereinigte eine noch grössere Zahl Ver-\nehrer Uhland's in dem von Prof. Kurz sinnig verzierten grossen\nSaale.\nDer vielgereiste Geiger Miska Hauser, der diesen Sommer\nvon einer fatalen Lähmung der linken Hand heimgesucht war, die\njedoch den Einwirkungen der Bäder in Baden und Vöslau vollstän-\ndig gewichen ist, wird nächstens eine grösse Concert-Tour durch\nHolland, Schweden und Norwegen antreten.\nProfessor Grädener hat seinen Wirkungskreis am wiener Con-\nservatorium aufgegeben und ist nach Hamburg zurückgekehrt.\nMiiliclien« Die Reorganisation des k. Conservatoriums der\nMusik ist beschlossen. Die Auflösung hatte allerdings Statt gefun-\nden, allein wohl nur, um höchst anspruchsvolle Vorschläge von ge-\nwisser Seite, denen man vielleicht bereits zu breiten Boden einge-\nräumt hatte, zu beseitigen. Jetzt ist Herr von Perfall zum Di-\nrector der Anstalt ernannt, und darin liegt die sichere Bürgschaft,\ndass sie ein Gon ser vato rium der Musik und Präservatorium ge-\ngen die Irrlehren der neuesten Systeme bleiben wird. [So lange\nvon 1 eiiall die Studien leitet, wird weder Richard Wagner noch\nHans von Bülow mit Ansichten hineinbrechen können, wie z. B.\nfolgende des Herrn von Bülow (in der leipziger .Neuen Zeitschrift44.\nNr. 37), der sich in einem Artikel über Liszt's „Elisabeth\" da-\nhin ausspricht: „Kein Unbefangener werde sich die Nichtbefriedi-\ngung verhehlen können, welche das bisherige Händel'sehe\nund Mendelssohn sehe Genre des Oratoriums in dem nach\ndem vollen Genüsse eines Kunstwerkes dürstenden Gefühle zurück-\nlässt und der Grund davon liege in der dilettantischen,\nzwitterhaften l 1 orm des Ganzen. Die Zeit habe auch bereits\nein ziemlich klares Urtheil darüber gesprochen.\" Die Zeit? Dass\ndiese Herren die Menschheit und Künstlerschaft der Gegenwart allein\nrepräsentiren, daran sind wir gewöhnt, weil sie es selbst sagen:\naber dass sie nun auch die Zeit von Händel bis auf die neuesten\nMusikfeste in Deutschland und England in sich personificiren\nwollen, dafür verdienten sie von Vater Saturn's Sense im Vorbei-\nsausen einen tüchtigen Seitenhieb!]\nDie Blätter für Theater u. s. w. berichten folgende\nmerkwürdige Thatsache, welche vielleicht einzig in ihrer Art ist.\nDie medicinische Technologie feiert mittels des von ihr erfundenen\nKehlkopf-Spiegels seit einigen Tagen einen denkwürdigen Sieg; sie\nhat eine verloren gegangene Tenorstimme wiedererweckt. Der glück-\nliche Besitzer dieses aufgefundenen Kleinodes ist Niemand anders\nals Herr Kreutzer, den seine vor vielen Jahren schon abhanden\ngekommene Stimme zu einem betrübenden Rückgange auf der Stu-\nfenleiter der Sängergrösse nöthigte, auf welcher er schliesslich bei\ndem Posten eines Chorführers an unserem Hof-Operntheater an-\nlangte, welche Stelle er zwar verdienstlich, wenn auch nahezu\nstimmlos, bekleidete. Herr Kreutzer, der sich in das Unabwendbare\nseines Schicksals fügen musste, dachte wohl an nichts weniger, als\nan eine Wiedererlangung seiner Stimme, und so entschloss er sich\nerst vor wenig Wochen zu dem seiner Ansicht nach ganz zwecklo-\nsen Versuche, eine Laryngoskopie an sich vornehmen zu lassen.\nUm so überraschender lautete der Ausspruch des ihn untersuchen-\nden Arztes: inveterirter Katarrh der Stimmbänder, nach dessen mög-\nlicher Beseitigung die Stimme wieder erscheinen würde. Herr Kreutzer\nunterzog sich nun einer Cur, und vor wenig Tagen durchlief das\nStaunenswerthe Gerücht die Stadt und die Zeitungen, Herr Kreutzer\nsei in den Besitz nicht nur eines hohen C, sondern auch der übri-\ngen, zum Singen der grössten Tenor-Partieen erforderlichen Töne\ngelangt, die an Kraft und Leichtigkeit des Anschlags nichts zu\nwünschen lassen. Wir haben diesem Gerüchte aufrichtig gestan-\nden höchstens die Bedeutung eines um sechs Monate verspäteten\nAprilscherzes beigelegt, müssen aber jetzt, nachdem wir Gelegenheit\nhatten, Herrn Kreutzer zu hören, unsere Ungläubigkeit durch das\nBekenntniss sühnen, dass das Gerücht diesmal die volle Wahrheit\ngesprochen hat. Herr Kreutzer verfügt wirklich über einen kräfti-\ngen, durch nahezu zwei Octaven bis zum hohen C reichenden Te-\nnor, eine Thatsache, von welcher das Publicum in den nächsten\nTagen schon sich wird überzeugen können, indem Herr Kreutzer\nprobeweise den Arnold im „Teil\" singen wird. [Nach neueren Nach-\nrichten wird Herr Kreutzer doch nur kleinere zweite Tenor-Partieen\nwieder singen können.]\nDie Gesellschaft der Musikfreunde kündigt für die Gesell-\nschafts-Concerte Cantate von Joh. Sebastian Bach („Gottes Zeit\"),\n„Die heilige Elisabeth\" von Liszt (vorausgesetzt, dass der Compo-\nnist, mit dem bereits Unterhandlungen angeknüpft sind, seine Ein-\nwilligung zur Aufführung dieses seines neuesten Werkes nicht ver-\nsagt), ferner Sinfonie von Cherubini (Manuscript), zwei Sätze einer"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "328", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651014-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4172, "texte": "Manuscript-Sinfonie von Schubert mehr konnte nicht auf-\ngefunden werden an.\nNekrolog. Wir entnehmen der wiener „Presse\" folgende Da-\nten: „Am 2. d. Mts. starb hier der Landesgerichtsrath Heinrich\nJoseph Adami, ein vielseitig thätig gewesener Tages-Schriftstel-\nler. Geboren in Wien den 18. December 1807 von bürgerlichen\nEltern, studirte er an der Universität und vollendete 1829 die Ju-\nrisprudenz. Schon während seiner Studien versuchte er sich in klei-\nnen Poesieen, selbst dramatischer Art, schrieb viele Novellen und\nGedichte für die wiener Zeitschriften und Almanache, una trat end-\nlich bei Bäuerle für die Theater-Zeitung in festes Engagement,\ndas ununterbrochen von 1832 bis 1847 währte. Er schrieb da Kri-\ntiken über alle Fächer der Kunst, besonders aber über Musik, und\nkämpfte mit Eifer und Nachdruck für die deutsche Geschmacks-\nrichtung gegenüber der herrschenden italiänischen Mode. 1848 sagte\ner sich von schönwissenschaftlichen Arbeiten los und schrieb juri-\ndische und politische Artikel für verschiedene Journale.\"\nDer unglückliche Tenorist Giuglini, von dessen Geistes-\nkrankheit berichtet worden, befindet sich nun im Irren-Hospitale zu\nPesaro.\nHerbeck in Wien ist mit der Composition einer heroisch-\nromantischen Oper beschäftigt, zu der ihm Mosenthal den Text\ngeliefert hat, dessen Stoff aus der schwedischen Geschichte ent-\nnommen ist.\nDer Text zu Meyerbeer's „Africanerin\" ist so eben in deut-\nscher Bearbeitung nach den Kürzungen, wie sie vom Director Salvi\nund Capellmeister Dorn aus Berlin gemeinschaftlich berathen wur-\nden, erschienen. In dieser Fassung wird die Oper in Wien, Berlin\nund wahrscheinlich auch an den übrigen deutschen Bühnen zur Auf-\nführung gelangen. In Dresden haben die Proben zu dieser Oper be-\nreits begonnen und ist dort der Balletmeister St. Leon aus Paris\neingetroffen, um die Ballet-Arrangements ganz nach dem Muster\nder grossen Oper in Paris zu leiten. In Berlin hofft man bereits in\nder ersten Hälfte des November die erste Vorstellung der „Africa-\nnerin\" geben zu können.\nMermet, der Componist des „Roland in Ronceval\", ist mit\neiner neuen Oper, „Jeanne £Arcu, wozu er auch wieder den Text\nselbst schreibt, beschäftigt.\nPai°is« Die Folies Dramatiques bringen als Novität eine mehr-\nactige Posse von Chivot und Dorn: „Ein Männer-Gesangyerein\nauf Reisen\".\nIn Paris arbeiten 2100 Ciaviermacher bei 170 Pianoforte-Fa-\nbricanten. Die grösseren Werkstätten haben vier Dampfmaschinen\nin Betrieb. Man berechnet die gesammte Production auf jährlich an\n11 Millionen Fr. an Werth.\nAus Petersburg wird gemeldet: Die russische Oper ist am\n31. August mit Rossini's „Wilhelm Teil\" wieder eröffnet worden.\nDas Haus war ganz ausverkauft und das Publicum nahm das Werk\nmit einem so rauschenden Beifalle auf, als würde ihm eine Novität\ngereicht. Eine neue Oper: „Rogneda\", von einem unserer bedeutend-\nsten Opern-Componisten, Sero ff, welcher sich auch in literarischer\nHinsicht einen gewissen Ruf erworben, kommt in nächster Zeit hier\nzur Aufführung. Die italiänische Oper hat vergangenen Samstag den\n23. September mit Gounod's „Faust\" begonnen.\nIns Jahr 1866 fällt die fünfzigste Wiederkehr des Tages, an\nwelchem ein Mann, geliebt als Mensch, gefeiert als Meister seines\nFaches, verehrt von seinen vielen Schülern, seine öffentliche Lauf-\nbahn betrat. Johann Gottlob Töpfer, Professor der Musik und\nOrganist an der Haupt- und Stadtkirche zu Weimar, erhielt am 19.\nNovember 1816 seine erste staatliche Anstellung, feiert somit am\n19. November 1866 sein goldenes Dienst- und Amts-Jubiläum. Zur\nWürdigung dieses Tages und dem noch rüstigen und lebensfrischen\nJubilar den Ausdruck der Liebe und Achtung seiner vielen und\nnach allen Richtungen hin zerstreuten Verehrer kund zu thun, habe\nich mich entschlossen, ein Album herauszugeben und ihm dadurch\nein öffentliches Denkmal zu errichten. Es soll eine Sammlung von\nOrgel-Compositionen enthalten (Choräle, Präludien, Sonaten, Phan-\ntasieen, Transscriptionen u. s. w.). Ich richte desshalb die höfliche\nBitte an alle Orgel-Componisten, mich mit gediegenen Beiträgen zu\nerfreuen und sie mir als Eigenthum zu überlassen.\nWeimar, den 18. Juni 1865.\nT. F. A. Kühn, Musicalien-Verlagshandlung."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "321", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651014-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nGastspiel von Adelina Patti in Köln. Ueber Kirchenmusik in Wien. Aus Berlin (Geburtstag der Königin Opern-\nAufführungen). Karl Formes (vollständig wiederhergestellt). Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Conservatorium der\nMusik, Max Bruch, Gebrüder Müller Mannheim, Fräul. Aurelia Wlzeck Weimar, Capellmeiste'r Lassen Stuttgart, Ludwig Uhland's\nDenkmal Miska Hauser Prof. Grädener München, Conservatorium der Musik Wien, Tenorist Kreutzer, Concerte u. s. w.).\n\nGastspiel von Adelina Patti in Köln.\nOhne in Ueberschwänglichkeit zu verfallen, können\nwir sagen, dass der Theater-Abend am 3. October ein\nEreigniss für die hiesige Bühne war, und dasselbe wird\nman überall, wo Adelina Patti zum ersten Male auftritt,\nmit Recht behaupten können. Warum? Etwa weil diese\nSängerin alle in den Hintergrund stellt, die jemals da ge-\nwesen? 0 nein: denn wenn auch der augenblickliche En-\nthusiasmus, den sie erregt, leicht alles vergessen lässt, was\nman jemals gehört hat, so dürfte doch ein solcher Aus-\nspruch schwer zu beweisen sein, da man die Geister der\ngrossen Sängerinnen nicht wieder herauf beschwören kann.\nAber die Erinnerung an diese, besonders an eine Fanny\nPersiani und an eine Henriette Sontag, und im Lichte die-\nser Erinnerung an die Vergangenheit die Betrachtung des\nDunkels der Gegenwart, das ist es, was Adelina's Er-\nscheinung in unserer Zeit zu einem Ereignisse in der\nKunstwelt erhebt. Als wir diese Wiedergabe der Melo-\ndieen Bellini's in der „Nachtwandlerin\" hörten, frag-\nten wir uns unwillkürlich, ob unsere Sinne uns nicht\ntäuschten? Denn wie aus längst vergangenen Zeiten weh-\nten uns diese Töne wie miider Luftbauch aus italischem\nHimmel an, wie der Wiederhall jenes Gesanges, der in\nder Ausbildung der glücklichsten Anlagen durch Methode\nund Tradition die Kunst in die Natur aufgehen liess und\ndie Wahrheit des Ausdrucks aus dem reinen Quell des\nGefühls schöpfte.\nWer weiss nicht, dass dieser italiänische Gesang jetzt\nverloren ist, dass selbst bei den Besseren ein affectirtes\nContrastiren mit den Extremen der Stärke und Schwäche\ndes Tones und ein Haschen nach äusseren Effecten an des-\nsen Stelle, getreten ist, dass die Kraft in Schrei, der Aus-\ndruck der Empfindung in unnatürliches Heulen und Tre-\nmoliren ausgeartet ist! Und nun tritt uns auf einmal ein\nzartes, liebliches Wesen auf der Bühne entgegen, eine Er-\nscheinung, die ganz Anmuth und Grazie ist und deren An-\nblick schon die bange Ahnung zurückdrängt, dass so viel\nLiebreiz auch der Unnatur verfallen sein könne, und je\nmehr sie ihre überall gleiche und biegsame sympathische\nStimme ertönen lässt, desto mehr schwindet jene bange\nSorge, wir lauschen mit Entzücken ihren Tönen und ge-\nben uns endlich einmal wieder dem reinen Genüsse eines\nGesanges hin, den nichts trübt und nichts stört, der von\njeder Affectation, jedem schreienden Accent, jedem widri-\ngen Gezitter, jedem falschen Pathos frei ist und nur die\nwirklich künstlerischen Mittel, und zwar in ihrer Vollkom-\nmenheit, anwendet, um das wahre Schöne zur Erscheinung\nzu bringen. Diese Mittel sind eine glockenreine Intonation\nin allen Lagen, ein unwandelbar sicherer Ansatz, eine\nmessa di voce, welche als eine wesentliche Bedingung des\nAusdrucks aus den Kehlen unserer jetzigen Sängerinnen\nin dieser Vollendung ganz verschwunden ist und bei Ade-\nlina Patti bis zum verschwebenden Hauche zauberisch rein\nund wohllautend bleibt, ein gefühlvoller Ausdruck, der in\nden Adagio's der Nachtwandlerin im zweiten und dritten\nActe zu einer wahren Sprache der Seele wurde, und dann\nwas der Name Patti schon von selbst verkündet\neine fabelhafte Leichtigkeit und technische Vollendung in\njeder Art von Coloratur und Verzierung bis zum blen-\ndendsten Staccato und correcten, höchst angenehmen Tril-\nler. Dieses Ganze von Gesang, zu welchem eine geniale\nNatur und eine treffliche Methode, welche die Künstlerin\nvor jeder Geschmacklosigkeit bewahrt bat, sich verschmol-\nzen haben, wird nun durch eine Darstellungsgabe noch\ngehoben, welche ein entschiedenes Talent zum Schauspiel\nsowohl in Auffassung des Charakters der Rolle, als in\nihrer Durchführung bis in jede Einzelheit bekundet.\nIn der That, durch den Enthusiasmus für Adelina\nPatti haben die Pariser denn doch einmal wieder bewie-\nsen, dass sie das wahre Schöne noch recht gut zu schätzen\nwissen."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "322", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651014-01.1.2", "texte": "Am Donnerstag den 5. d. Mts. hörten wir darauf die\nKünstlerin als Rosine im „Barbier von Sevilla\", und\ndurch diese zweite Rolle hat sie das Publicum, welches\ndas ganze Haus in allen Räumen füllte, vollends zu allge-\nmeiner Bewunderung hingerissen, die sich bei unseren\nsonst nicht leicht zu entzündenden Theaterbesuchern in\nallen nur möglichen Ovationen, als da sind unwillkürlich\nausbrechender Applaus, Hervorruf, Blumenspenden, Fan-\nfaren des Orchesters u. s. w., kund gab. Noch höher aber,\nals diese lauten Beweise der unwiderstehlichen Wirkung\nihrer Leistungen, dürfte es anzuschlagen sein, dass bei dem\nAustausch der Meinungen aller musicalisch Gebildeten und\nin der Bühnenwelt Bewanderten die Wagschale zu ihren\nGunsten so schwer wog, dass alle über die Vollendung\nihres Gesanges und über die anmuthige Darstellung der\nRolle vollkommen einig waren, und gar manche kritische\nNaturen, die sonst höchstens ein beifälliges Kopfnicken\nspenden, von Enlzücktsein sprachen. Nun, eine reizendere\nErscheinung als diese Rosine, und einen Gesang, der in\nden kunstvollsten Melismen und Fiorituren als eine so na-\ntürliche Eingebung augenblicklicher Empfindung oder\nLaune, oder eigener Freude am Singen erschiene, wie das\nbei ihr der Fall ist, kann man sich auch kaum vorstellen.\nKurz, diese jugendliche Künstlerin widerlegt die Erfah-\nrung, dass die heutigen italiänischen Sänger und Sän-\ngerinnen Rossini's Musik nicht mehr singen können, auf\nglänzende Weise und hat bereits jetzt schon eine Höhe im\nVortrage dieser und ähnlicher Musik erreicht, wie sie die\nmeisten von ihren Vorgängerinnen erst in viel späteren\nJahren erklommen haben. Für uns hat sie dies nicht allein,\nwir möchten sagen: fast nicht in so hohem Grade durch\nden Glanzpunkt der Rolle, durch die erste Arie, bewiesen,\nals durch die überaus correcte und vortreffliche Durch-\nführung der ganzen Partie auch in allen Ensembles, wo-\nmit selbstredend nicht gesagt sein soll, dass ihr Vortrag\nder Arie: „Una voce poco fäu,nicht auch in ihrer Lei-\nstung der Glanzpunkt des Abends gewesen wäre. Denn\nbei den willkürlichen Zusätzen und Verzierungen dersel-\nben, die bekanntlich vor strengen Richtern keine Gnade\nfinden, müssen wir die historische Entwicklung dieser Ver-\nzierungen und die Lage einer jeden Künstlerin, welche\njetzt die Rosine singt, berücksichtigen. Wenn Rossini der\nerste italiänische Componist war, der die Ornamente des\nGesanges, die bis auf ihn dem Geschmacke des Sängers\nüberlassen wurden, in Noten ausschrieb, so meinten den-\nnoch bald die Sängerinnen, dass es auch bei diesen vorge-\nschriebenen Figuren auf ein paar Noten mehr oder weni-\nger nicht ankäme, und so ganz Unrecht hatten sie auch\nwohl nicht. Wenn dann so durch und durch musicalische\nGesanggrössen, wie z. B. Madame Viardot-Garcia und\ntutie quante ihres Ranges, den Ton angaben und das Pu-\nblicum verwöhnt haben, was soll da eine junge Sängerin\nthun? Ei nun, sie soll es eben machen wie Adelina Patti,\nd. h. nur geschmackvolle Aenderungen anbringen, die den\nCharakter des Musikstückes nicht alteriren, und soll sie\nmeisterhaft ausführen, so dass sie die Runzeln auf der\nStirn des Kritikers gerade so hinweg singt, wie das freund-\nliche Antlitz eines hübschen Mädchens sie hinweg lächelt.\nOrnamente, welche den Charakter nicht alteriren sag-\nten wir. Das ist die Hauptsache; denn jene Arie ist für\ndie Rosine eben so charakteristisch, als die Arie des Fi-\ngaro für den Barbier; es ist ein grosser Irrthum, wenn\nman sie zur Concert-Arie macht, sie gehört durchaus auf\ndie Bühne, und wer ihren Vortrag durch Adelina Patti\ngehört und gesehen hat, wie sie neben und selbst durch\ndie wunderbare Technik das ganze Wesen der Rosine in\nGesang und Mimik als ein reizendes, lebensvolles Bild vor\nuns hinstellt, der wird dieselbe Arie im Concerte gar nicht\nmehr hören wollen. Den eigentlichen Concertgesang gab\nuns die Künstlerin in den beiden Ginlagen im zweiten\nActe, dem Echo-Liede von Eckert, das sie mit reiner und\ndeutlicher Aussprache des deutschen Textes sang, und in\ndem Bravour-Walzer von Strakosch: in beiden bewunder-\nten wir ihre eminente Virtuosität, in dem Liede nament-\nlich bei den arpeggienartig gebrochenen Accord-Figuren,\nin dem Walzer bei den auf- und absteigenden, drei Mal\num einen Ton erhöhten rapiden und doch so correcten\nTonleitern in gelöstem Vortrage der sich von al-\nlem Aehnlichen, was wir von französischen Sängerinnen\ngehört haben, vortheilhaft unterscheidet.\nMan sagt, die Rosine sei die beste Rolle der berühm-\nten Künstlerin: es mag sein doch fehlt in dieser Partie\ndas Element des getragenen und ernsten dramatischen Ge-\nsanges, in welchem Adelina Patti, wie wir in der „Nacht-\nwandlerin\" gesehen, gleich gross ist, so dass wir wohl\nihrem Vater, der sie begleitet, Recht geben dürften, wenn\ner die „Lucia\" für ihre beste Rolle erklärt. Wiesehr\nAdelina Patti die ernste Musik, sogar die Oratorien, liebt\nund auch darin durch ihren Gesang entzückt, hat sie die-\nsen Sommer bei dem Musikfeste in Birmingham bewiesen,\nwo sie unter Anderem durch den Vortrag von Arien aus\nHändel's „Messias\" und „Judas Maccabäus\" einen wahren\nTriumph gefeiert hat. Unsere bescheidenen kritischen Be-\ndenken in dieser Beziehung hat sie mit grosser Freund-\nlichkeit durch den Vortrag von zweien dieser Arien am\nCiavier widerlegt.\nAdelina Patti hat am Montag mit der „Lucia\" von\nDonizetti ihr Gastspiel beendet und uns nur eine schwache\nHoffnung gelassen, vielleicht gegen Ende des Monats, wenn\nsie von Amsterdam durch Deutschland nach Florenz reist,"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "323", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651014-01.1.3", "texte": "Köln wenigstens auf einen Tag wieder zu besuchen. Wir\nwissen uns kaum zu erinnern, ein so überfülltes Haus, wie\nam Montag, hier je gesehen zu haben. Es ist merkwürdig,\nwie das musicalische Drama die Oberhand über das reci-\ntirende in den meisten grossen Städten erlangt bat. Das\nWunder,\nwenn sich der Strom zur Bude drängt,\nund mit gewaltig wiederholten Wehen\nsich durch die enge Gnadenpforte zwängt,\ndies Wunder wirkt auf so verschiedene Leute\nder Dichter nicht mehr, sondern der Sänger oder die San-\ngerin. Es ist mitunter spasshaft, diese „verschiedenen\nLeute\", die an einem solchen Niemann- oder Patti-Abende\ndas Theater füllen, zu beobachten, um zu sehen, bis in\nwelche Schichten des Publicums die Lust an der Oper und\ndie Neugier gedrungen! So sassen am Montag in unserer\nNähe drei Damen auf Zweithaler-Plätzen, welche bei je-\ndem Fallen des Vorhangs die Loge verlassen wollten und\nin echt kölnischem Dialekt nach erhaltener Belehrung ihre\nFreude ausdrückten, dass das Stück noch nicht aus sei.\nDie Leistung der Signorina Patti als Lucia in Aulfas-\nsung, Darstellung und Gesang hat nicht nur in den glän-\nzendsten Momenten der Rolle einen unglaublichen Enthu-\nsiasmus erregt, sondern auch den Eindruck hinterlassen,\nden ein wahres Kunstwerk auf Verstand und Gemüth\nmacht. Jede Stellung, es mochte darin Bewegung oder\nRuhe liegen, wurde durch die Haltung der Künstlerin ein\nplastisches Bild, welches Blick und Mimik belebten und\nverschönerten, und ihr Gesang vereinigte alle von uns be-\nreits erwähnten seltenen Vorzüge zu einer künstlerischen\nEinheit, die ein Ganzes von so wunderbarer Vollendung\nhervorbrachte, dass wir doch auch, wie viele Andere, die\nRolle der Lucia für eine ihrer herrlichsten Schöpfungen,\nwo nicht für ihre schönste, halten. Unter den übrigen\nMitwirkenden zeichnete sich Herr Behr in der Rolle des\nalten Erziehers der Lucia, welche durch seine edle Be-\nhandlung in Gesang und Spiel eine weit grössere Bedeu-\ntung erhielt, als sie sonst zu haben pflegt, aus und erwarb\nwohlverdienten Hervorruf. Die Herren Schelper und\nRiese, beide mit klangvollen Stimmen begabt, haben\nFortschritte gemacht; es wäre aber schade, wenn sie das\ngute Material, das ihnen die Natur verliehen, nicht durch\nanhaltende Studien zu veredeln suchten. Auch empfehlen\nwir ihnen Oskar Gut mann' s „Grundsätze der ästheti-\nschen Bildung des menschlichen Körpers\", ein sehr prak-\ntisches Büchlein, welches kein Schauspieler unbeachtet\nlassen sollte.\n\nUeber Kirchenmusik in Wien.\nDie wiener „Recensionen\" (Nr. 39) enthalten einige\nBemerkungen über die Kirchenmusik in Wien, denen wir\nin unseren Diöcesen von Köln und Münster und Mainz\naus dem Grunde weitere Verbreitung zu geben wünschen,\nweil sie zeigen, dass man in Wien zwar den unkirchlichen\nCharakter von manchen Werken, die unverantwortlicher\nWeise noch in Kirchen gemacht werden, eben so wie\nüberall verurtheilt, dass aber die Geistlichkeit keineswegs\ndas Kind mit dem Bade ausschüttet und die Vereinigung\nvon Vocal- und Instrumental-Musik überhaupt verbannt,\nsondern nur geläutert wissen will; ferner dass Frauen-\nstimmen nach wie vor in der Kirche singen und sogar\nDamen aus den höchsten Ständen es nicht verschmähen,\ndurch ihren Gesang den Gottesdienst zu verschönern, ohne\ndass von der erzbischöflichen Behörde der Satz aufgestellt\nwird, das sei gegen die katholische Lehre.\nEs heisst in jenem Aufsatze, nachdem von den musi-\ncalischen Zuständen Wiens seit Haydn, Mozart und Beet-\nhoven die Rede gewesen, dass die Kirchenmusik der welt-\nlichen Tonkunst gegenüber dort etwas stiefmütterlich behan-\ndelt worden sei und es noch werde, und doch habe die Musik,\nwie jede Kunst, den Zweck, den Menschen über sich zu\nerheben und wo könne dieser Zweck besser erreicht\nwerden, als in der Kirche, wohin der Geist schon die\nStimmung mit sich bringt?\nWas die Composition als solche betrifft heisst\nes weiter—, so müssen wir gestehen, dass in jetziger Zeit\nmit wenigen Ausnahmen sehr Unkirchliches geleistet wird.\nDer noch vor einigen Jahren in der Salonmusik herr-\nschende Geschmack hat auch in der Kirche prädominirt\nund macht noch jetzt theilweise seinen Einfluss geltend.\nEin Offertorium von Weiss oder ein Graduale von Neu-\npauer unterscheidet sich sehr unwesentlich von einer ita-\nliänischen Cavatine. Auch die Oboe-Ranken und Clarinett-\nGuirlanden eines Assmayer und Randhartinger er-\nweisen sich nicht als geeignet, die Andacht der Menschen-\nseele zu steigern. Freilich bringt die Individualität des\nComponisten den kirchlichen oder unkirchlichen Geist mit\nsich. Diejenigen, welche keinen Beruf zum Kirchenstile in\nsich fühlen, deren Gedanken schon an und für sich der\nreligiösen Weihe entbehren, und welche doch darin sich\nversuchen wollen, mögen mindestens die traditionel ge-\nwordenen Formen desselben einhalten und so durch den\n✓\nErnst der Gestalt die Lebhaftigkeit der Materie dämpfen.\nAuf diese Art werden sie doch nicht so störend wirken,\nwie es in Italien der Fall ist, wo eine Polka das Et in-\ncarnaius, ein kecker Dreiviertel-Tact das Sanctus profa-\nnirt, wo es so weit gekommen ist, dass man die Kirche\n\n[*l"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "324", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651014-01.1.4", "texte": "des Nachmittags in einen Concertsaal verwandelt, und wo\ndie gottgeweihten Hallen von Arien und Recitativen aus\n„Traviata\" und „Rigoletto\" wiedertönen. Von solchem\nTreiben kann man sich nur mit Indignation abwenden,\nund wir hoffen, deutscher Ernst werde nie dorthin gelan-\ngen, wohin italiänischer leichter Sinn geführt hat. Noch\nhaben wir mehrere der Männer, welche uns durch Wort\nund That zeigen, wie wahrhafte Kirchenmusik beschaffen\nsein soll. Vor Allen ragt Rotter empor, welcher Tiefe\nder Empfindung und Eleganz der Gedanken mit Strenge\nder Form glücklich zu verbinden weiss; und wenn er auch\nhier und da in seiner Instrumentation etwas stereotyp ist,\nso bleibt seine Musik doch stets eine durchaus würdige,\ndem heiligen Zwecke entsprechende. Auch Horak und\nRobert Führer bewegen sich consequent innerhalb der\nGränzen des kirchlich Anständigen, wenn wir auch ihre\nLehrer und Vorbilder zu uns sprechen hören.\nWas die Aufführung kirchlicher Werke betrifft,\nso steht dieselbe häufig unter dem Niveau der Mittelmäs-\nsigkeit, sowohl hinsichtlich der Wahl der Stücke, als auch\nder Executirung derselben. Oft hängt das Repertoire eines\nganzen Jahres von dem Befehle einer solosüchtigen\nDame ab, deren sentimentales Seufzen stets von winseln-\nden Violinen und pipenden Flöten begleitet wird. Wir\nwollen dies durchaus nicht als Regel aufstellen und geben\ngern zu, dass mancher Chorregent durch politische\nGründe bewogen wird, dem Willen der Damen, wel-\nche ihm ihre gesanglichen Kräfte leihen, zu ent-\nsprechen; aber etwas ökonomischer sollte man mit den\nSolospenden umgehen, und wenn man endlich, gezwun-\ngen durch den angedrohten Verlust einer schätzbaren\nAcquisition, der Eitelkeit Weihrauch streuen muss, so hat\nman doch unter den älteren besseren Tonstücken Auswahl\nedler Musik genug und braucht nicht eben ein Preyer'-\nsches Lied als Graduale misshandeln zu lassen. Welch\nreichhaltiges Material bietet z. B. Mendelssohn, dessen\nIndividualität dem Kirchengesange so sehr zusagt, worin\nsein Genius die schönsten Blüthen getrieben hat, wo ihn\ndie Vorwürfe, welche man ihm in vielen seiner Compo-\nsitionen gemacht, am wenigsten treffen! Ein eben so\nzweckloser als das Ohr beleidigender Missbrauch ist das\nUeberstürzen der Tempi, welchem mehrere unserer be-\nrühmtesten Chöre unterworfen sind. Oft beginnt das\nim mässigen Ällegretto und endet beim Et incarnatus in\neinem Vivace, um dann in athemloser Hast prestissimo\ndurch das Et vitam venturi zu jagen. Einst hörten wir\nnach einer Instrumental-Messe, welche kaum eine kleine\nhalbe Stunde in Anspruch genommen hatte, folgendes\nZwiegespräch: »Herr Capellmeister, das waren doch etwas\nzu rasende Tempi, welche Sie heute angegeben haben?\"\n„Nicht wahr? Ja, das soll mir Einer in Wien nachmachen;\nes ist keine Kleinigkeit, so rasch fertig zu werden.\"\nDies ein kleiner Beitrag zur Illustration unserer heutigen\nChorzustände. Doch wollen wir der Gerechtigkeit Steuer\ngeben und gestehen, dass ein reges Streben zur Hebung\nder Kirchenmusik hier und da deutlich fühlbar ist. Dies\ngilt namentlich von den Herren Kumenecker, Krei-\npel, Wolf, Kosch und Ed er, welch letzterem wir auch\nGlück dazu wünschen, dass es ihm gegönnt ist, seine\nKräfte aus den Reihen der Aristokratie zu requiriren.\nWolf wünschen wir nur, sein Versuch, Mendelssohn'sche\nMusik in die katholische Kirche zu verpflanzen, möge aus-\ngedehnte Nachahmung finden.\nSchliesslich sei noch erwähnt, dass das schönste und\nerhebendste Instrument, die Orgel, am schlimmsten be-\nhandelt wird. Freilich ist ihr nach katholischem Ritus nur\neine untergeordnete Rolle im Gottesdienste zugewiesen,\nund der Organist findet daher wenig Veranlassung, sein\nSpiel einiger Minuten wegen zu veredeln. Allein unter den\nvielen orgelnden Individuen finden wir nur wenige Orga-\nnisten, welche es durch jahrelanges, eifriges Studium zu\neiner vollen Herrschaft über dieses unstreitig schwierigste\nInstrument gebracht haben und den Tönen desselben einen\nwahrhaft übernatürlichen Klang zu entlocken wissen. Doch\nhaben wir den Trost, dass es der ausgezeichneten Schule\nunseres allverebrten Meisters Simon Sechter gelingen\nwerde, ein Contingent zu stellen, das sich neben Rotter\nund einigen anderen tüchtigen Organisten hören lassen\nkönne. Diese Hoffnung hält uns vorläufig noch von italiä-\nnischen Zuständen entfernt.\"\nWir fügen hinzu, dass das Programm des Kirchen-\nmusik-Vereins zu St. Karl Borromäus vom 15. Octo-\nber bis Ende December 16 Messen (unter Anderen von\nAiblinger, Führer, Haydn, Mozart, Abt Vogler, Neukomm,\nvan Bree) ankündigt.\n\nAus Berlin.\nDer Geburtstag der Königin wurde am Samstag den\n30. v. Mts. im Opernhause durch einen Prolog und die\nAufführung der „Euryanthe\" von Weber gefeiert. Schon\nin der vorigen Saison hat die gesammte musicalische Kritik\nBerlins sowohl auf den Fleiss und das Studium, welche\nCapellmeister Taubert an das romantische Werk ver-\nwandt, wie auf die trefflichen Leistungen der Mitwirken-\nden hingewiesen; nichts desto weniger steht der Antheil\ndes Publicums in gar keinem Verhältnisse zu dem Werthe\nder Partitur und den künstlerischen Anstrengungen ihrer\nTräger. Die Oper bleibt „Caviar für das Volk\". Desto"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "325", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651014-01.1.5", "texte": "dankbarer ist jene treue Schar, die bei den Werken der\nedlen deutschen Meister ausharrt, für den ihr gebotenen\nGenuss. Frau Harriers-Wippern (Euryanthe) und\nFräulein S anter (Eglantine) brachten durch die Sympathie\nihrer schönen Stimmen in dem grossen Duo des ersten\nActes eine ausserordentliche musicalische Wirkung hervor.\nDie Stimme des Herrn Woworsky, welcher den Adolar\nsang, erholt sich offenbar, seitdem die Bürde erster Tenor-\nPartieen nicht mehr auf seinem Organe lastet.\nWachtel hat mit seinem Manrico in Verdis „Trou-\nbadour\" enthusiasmirt; vortrefflich sang Fräulein Pau-\nline Lucca die Leonore; der Andrang zu dieser Vorstel-\nlung war so massenhaft, dass das Agio eines Parquet-Bil-\nlets auf zehn Thaler stieg.\nBogumil Dawison begann im WoltersdorfPschen\nTheater als Hans Jürge und in „Die Unglücklichen\" von\nKotzebue ein Gastspiel, für das grosse Vorbereitungen\ngetroffen wurden. Dasselbe ist für drei Monate projectirt,\nund der Künstler erhält für diesen Zeitraum eine Gage\nvon 10,000 Thlrn.\nFräulein Aglaja Orgeni trat in der „Nachtwand-,\nlerin\" als Amina im k. Operntheater auf, womit sie zu-\ngleich ihre theatralische Laufbahn eröffnete. Die vielfach\nverbreiteten Gerüchte über ihre Leistungen, die sie als die\nbegabteste Schülerin der Viardot-Garcia bezeichneten, hat-\nten die Neugierde lebhaft erregt. Aus diesem ersten Ver-\nsuche dürfte eben so viel festzustellen sein, dass sie eine\nangenehme Erscheinung, gross und schlank ist und ein leb-\nhaftes Auge hat; ihre Gesichtszüge haben jezt noch einige\nMonotonie, wogegen sie sich im Spiel bereits gewandter\nzeigte. Die Technik ihres Gesanges erscheint bis auf die\nAussprache schön. Das aber, was sie namentlich im ersten\nActe bot, liess sie als geschickte Coloratursängerin erschei-\nnen, die ihrer Lehrerin zur Ehre gereicht; ihre Läufe und\nTriller sind klar und sicher, die Verzierungen werden ge-\nschmackvoll und mit Verständniss durchgeführt, wie sie\nauch bei Wiederholungen stets Neues zu bieten weiss. Am\ngeübtesten ist sie im Piano, worin Vieles vollständig glückte\nund zu schönen Erwartungen für die Zukunft berechtigt. Mit\nder Aufnahme des gutbesetzten Hauses konnte sie wohl zu-\nfrieden sein: der Beifall war namentlich nach dem ersten\nActe wiederholt und allgemein. Auch wurde sie nochmals\nam Schlüsse der Vorstellung mit Herrn Wachtel, der\nden Elvino maassvoll und mit schöner Intonation durch-\nführte, gerufen.\nEinem Vernehmen aus guter Quelle nach soll an die\nStelle der gestorbenen Sängerin de Ahna Fräulein von\nEdelsberg aus München engagirt worden sein.\nIn dem Wilhelmstädtischen Theater macht das\nGastspiel des Ehepaares Jauner von Dresden volle Häuser.\nEigentlich kann aber nur von der Frau Jauner-Krall\ndie Rede sein, indem ihr Gatte im Schauspiel als Künstler\ndieser in ihrem Genre trefflichen Sängerin nicht ebenbür-\ntig ist. Diese Dame, die früher, so viel wir wissen, auch\nals dramatische Sängerin heroische Partieen gab, tritt hier\nals brillante Coloratursängerin auf und hat selbst einige\nStücke aus dem Repertoire von Carlotta Patti, z. B.\nAubers „Lachlied\", in das ihrige aufgenommen. Ausser-\ndem macht sie mit der Arie: „Ich singe nicht\", aus\nIsouard's „Lotterieloos\", dem Schattenwalzer der „Dino-\nrah\" und dem unvermeidlichen von Arditi\ngute Geschäfte beim Publicum. Die erste Aufführung von\nH. Dorn's Operette: „Gewitter bei Sonnenschein\", fand\neine sehr freundliche Aufnahme, wozu das natürliche und\nlebendige Spiel, so wie der frische und auch technisch\nvorzügliche Gesang der Frau Jauner als „Rosette\" viel\nbeitrug, zumal da die übrige Besetzung viel zu wünschen\nübrig liess. Von älteren Singspielen wählt sie besonders\nMozart's „Schauspiel-Director\", wo sie durch Mozartische\nEinlagen erfreut, und Fioravanti's „Dorfsängerinnen\". Im\nAllgemeinen wurden indess diesen Sommer hindurch die\nOpern und Operetten auf allen unseren Theatern zweiten\nRanges auf sehr unbefriedigende und unkünstlerische\nWeise gegeben.\nDie grosse Oper wird übrigens seit ihrer Wieder-\neröffnung bis jetzt auch nur dann zahlreich besucht, wenn\nFräulein Lucca und Herr Wachtel zusammen darin\nauftreten.\n\nKarl Formes.\nDurch öffentliche Blätter und Privatbriefe aus den\nVereinigten Staaten erhalten wir die Kunde, dass unser\nLandsmann Karl Formes durch einen Sommer-Aufenthalt\nauf dem Lande und eine Cur nach der Vorschrift eines\nArztes, der seine Studien früher unter Diefenbach in Halle\ngemacht hat, seine volle Gesundheit und damit seine präch-\ntige Stimme in voller Kraft und Biegsamkeit wieder er-\nlangt hat ein Ereigniss, dessen Bestätigung seinen zahl-\nreichen Freunden in seiner Geburlsstadt Mülheim am\nKheine und in Köln, so wie in weiteren Kreisen, gewiss\nrecht erfreulich sein wird.\nFormes hatte sich nach dem Schlüsse der Opern-Un-\nternehmung des Herrn Grover nach Hyde Park bei Chi-\ncago zurückgezogen und dort mehrere Monate lang sich\nendlich Ruhe und Erholung gegönnt; denn es hatte in\nder That lange gedauert, bis er auf den Rath seiner\nFreunde hörte und selbst die richtige Einsicht in seinen\nphysischen Zustand bekam. Er hatte mit vielen grossen"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "326", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651014-01.1.6", "texte": "Sängern das geraein, dass er den Zeitpunkt übersah, wo\nsie aufhören oder wenigstens eine lange Pause eintreten\nlassen müssen. Seine feste Gesundheit, die ihm verstattete,\nden Ruhm des ersten Bassisten seiner Zeit so lange zu\ngeniessen, verleitete ihn, seine Anstrengungen zu übertrei-\nben und nicht zu gewahren, wie der Rost allmählich be-\ngann, das Metall seiner Stimme anzugreifen. Ein Aufsatz\nin der Illinois-Staats-Zeitung sagt darüber: „Wir hörten\nihn während dieser unglücklichen Periode häufig singen\nund konnten uns der Wehmuth nicht erwehren, wenn\nwir der früheren Zeiten gedachten und nun sahen, wie\nder Künstler selbst den Kranz seines Ruhmes entblätterte.\nDenn zu dem, was vorschreitende Jahre mit sich bringen,\nwar auch noch ein Halsübel getreten, das natürlich die\nStimme besonders afficirte.\"\nEs war daher überraschend, als in den letzten Tagen\ndes Monats August Formes seine Freunde in Chicago zu\neiner musicalischen Soiree auf Hyde Park House einlud.\nEine sehr gewählte Gesellschaft von fast zweihundert Per-\nsonen fuhr dorthin, wo sie bereits eine fast eben so zahl-\nreiche Zuhörerschaft aus der Umgegend, die von den an-\ngesehensten Familien bewohnt ist, fanden.\n„Nachdem Formes seine Gäste bewillkommt\", sagt die\nenglische Chicago-Tribüne vom 30. August d. J., „sang er\ndie Register-Arie des Leporello mit trefflichem Ausdruck\nund Humor und einer bei Weitem besseren Stimme, als\nwir in den letzten Jahren an ihm gewohnt waren. Nach-\nher sang er das Ständchen aus derselben Oper Don Juan\nund zuletzt den „ „Wanderer\"\" von Schubert, jenes präch-\ntige Gesangstück, worin er alle Eigenschaften seiner Stimme\nentfalten konnte. Der Hauptreiz des Vortrages bestand in\ndem Stile und Ausdruck desselben, obgleich auch abge-\nsehen davon seine hohen Töne rein und angenehm und\ndie Tiefe namentlich in den Schluss-Tacten klangvoll und\nkräftig waren. Während seines Aufenthaltes in Hyde Park\nhat er die Gefahren eines drohenden Uebels überstanden,\nund seine Stimme ist wieder so voll, biegsam und klang-\nvoll, wie je. Die übrigen Künstler und besonders Herr\nAnschütz, der am Pianoforte begleitete, verdienen eben-\nfalls Dank für den so genussvollen Abend, wiewohl sich\nfreilich das Haupt-Interesse auf Formes concentrirte.\"\nHierauf gab Formes am 4. September ein öffentliches\nConcert in Crosby's Opernhause in Chicago, worüber die\ndeutsche Illinois-Staats-Zeitung unter Anderem sagt:\n„Eine ausserordentlich zahlreiche und glänzende\nMenge hatte sich in Crosby's Opernhause versammelt, um\nsich an einem musicalischen Genüsse ganz besonderer Art\nzu erfreuen. Karl Formes, unser weltberühmter Lands-\nmann, gab sein grosses Concert, wir möchten es sein Er-\nöffnungs-Concert nennen, denn es beginnt mit dem-\nselben ein ganz neuer Abschnitt in dem Künstlerleben die-\nses gefeierten Sängers.\n„Nach wenigen Monaten der Ruhe und Pflege tritt\ner uns gänzlich regenerirt entgegen mit frischer, voller,\nmetallischer Stimme. Erstaunt gestehen seine zahlreichen\nFreunde und Bewunderer, dass Karl Formes nichts von sei-\nner ehemaligen Bassstimme verloren.\n„Wenn Chicago die Heimat des grossen Sängers\nwäre, so könnte das Publicum kein grösseres Interesse an\nseiner Wiederherstellung nehmen, als es factisch that. Be-\ngeistert war der Willkomm, als Karl Formes auf der\nBühne erschien, und es dauerte eine Zeit lang, bis der\nSturm der Freude sich legte. Sichtbar wurde der Künst-\nler von diesen Zeichen der Theilnahme ergriffen.\n„An dem prachtvollen Knabe'schen Flügel sass still\nund bescheiden ein kleiner, gebückter Mann mit grauen\nLocken, der häufig die Gläser seiner goldenen Brille in die\nHöhe schob und sich die Augen rieb auch er freute\nsich innig über die Wiedergenesung des Sängers, er freute\nsich vielleicht mehr, wie Einer im ganzen Saale, denn\nKarl Anschütz war es—stets der treueste Freund Karl\nFormes' von Beginn seiner Künstler-Laufbahn an.\n„Wir haben niemals, so lange wir uns erinnern, einem\nähnlichen Concerte beigewohnt. Das Publicum war so ver-\ngnügt und dankbar, es spendete so freigebig den reichsten\nApplaus, nicht als wäre man im Concertsaale, sondern als\nfeierte man ein grosses, frohes Familienfest. Es wäre dess-\nhalb Unrecht, wenn wir mit der Brille des Kritikers die\nLeistungen der unterstützenden Künstler betrachteten, und\nwir beschränken uns darauf, zu sagen, dass der ganze Ge-\nnuss des Abends durch nichts gestört wurde und wohl\nselten ein Publicum zufriedener den Concertsaal verliess.\n„Karl Formes wird, wie wir hören, mit nächstem\n*\nMonate eine Kunstreise nach dem Süden antreten und in\nden bedeutendsten Städten Concerte veranstalten.\"\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolli« Der Unterricht am Cons ervatorium der Musik\nunter F. Hill er' s Direction hat wieder begonnen. Die Schülerzahl\nist durch die Aufnahme-Prüfung für den begonnenen Cursus erfreu-\nlich vermehrt worden. An die Stelle des Herrn Bargiel, dessen\nAbgang nach Rotterdam wir gemeldet haben, ist Herr Ernst Ru-\ndorff aus Berlin getreten.\nDie Stelle des verstorbenen Lenz, Directors des Musik-Insti-\ntuts zu Coblenz, ist dem Componisten Herrn Max Bruch über-\ntragen worden»\nUeber das Gastspiel der Signorina Adelina Patti s. oben.\nDas in der vorigen Nummer angekündigte Quartettspiel der\nGebrüder Müller wird in Köln an drei Abenden im Saale\ndes Hotel Disch Statt finden: Mittwoch den 25., Freitag den"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "327", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651014-01.1.7", "texte": "-27.3 Montag den 30, October. Abonnementskarten zu 2 Thlrn. für\nalle drei Abende sind in der Musicalienhandlung des Herrn Breuer\nzu haben.\nDie mannlieimer Blätter sind voll von dem Erfolge des De-\nbüts (September) einer jungen Sängerin, Fräulein Aurelia Wlzeck,\nTochter der vortrefflichen Soubrette Frau Wlzeck am mannheimer\nTheater. Die junge Dame, welche als Amine in der Nachtwandlerin\nauftrat, verdankt ihre Ausbildung dem Herrn C. M. Wolf an der\nk. Opernschule zu Wien. Sie besitzt einen hohen Sopran von gros-\nser Biegsamkeit und scheint durch Talent und Persönlichkeit be-\nsonders auf den Coloraturgesang hingewiesen. Das Mannli. Journal\nist wohl gar zu überschwänglich in seinem Berichte, denn wenn\nFräulein Wlzeck alle die dort genannten technischen Vorzüge des\nGesanges besitzt, so ist sie bereits eine der grössten Künstlerinnen.\nAlles Zuviel schadet!\nHerr Capellmeister Lassen in Weimar, von dem gemeldet\nwurde, dass er seine dortige Stellung aufgeben werde, bleibt wieder,\nda die zwischen ihm und der Intendanz bestandene Differenz, her-\nvorgerufen dadurch, dass Lassen ohne Urlaubsbewilligung zur Auf-\nführung von „Tristan und Isolde\" nach München gereist war, aus-\ngeglichen ist.\n22. Sept. In den Liederhalle-Anlagen hatte sich\ngestern ein zahlreicher Kreis der hiesigen Einwohner versammelt,\ndie Sänger des Liederkranzes und der übrigen Sänger-Gesellschaften\nleiteten unter Speidel's Direction mit dem Liede: „Das ist der\nTag des Herrn!\" die weihevolle Stimmung ein, und am Schlüsse\ndes Liedes fiel die Hülle, welche bisher die hier aufgestellte Erz-\nbüste Ludwig Uhland's umgeben hatte. So steht nun das Stutt-\ngarter Uhland-Denkmal, eine Zierde der Stadt, so wie des Lieder-\nhalle-Gartens, bescheiden und anspruchlos, wie der Dichter ja selbst\nes war, aber nach dem einstimmigen Urtheile vortrefflich gelungen.\nJ. G. Fischer bestieg die Stufen des Denkmals und sprach die\nWeiherede. Nach dem folgenden Gesänge trat Uhland's ältester\nFreund, der achtzigjährige Dichter Karl Mayer, vor das Denkmal\nund trug ein eben so einfaches als empfindungsvolles Gedicht vor.\nWeitere Uhland'sche Lieder folgten von den Sängern, meist in Com-\npositionen des Meisters, der so tief in Uhland's Geist eingedrungen\nund nach Uhland's eigenem Ausspruche so viel gethan, um seine\nLieder beim ganzen Volke einzubürgern, Conradin Kreutzer.\nAuch „der gute Camerad\", dieses echte Volkslied, fehlte nicht. Ein\nMitglied des Liederkranzes trug das Gedicht: „Wenn heut' ein Geist\nherniederstiege\", vor. Arndt's „Was ist des Deutschen Vaterland\",\nheute das einzige nicht vom Gefeierten gedichtete Lied, schloss die\nwarme Feier. Der Abend vereinigte eine noch grössere Zahl Ver-\nehrer Uhland's in dem von Prof. Kurz sinnig verzierten grossen\nSaale.\nDer vielgereiste Geiger Miska Hauser, der diesen Sommer\nvon einer fatalen Lähmung der linken Hand heimgesucht war, die\njedoch den Einwirkungen der Bäder in Baden und Vöslau vollstän-\ndig gewichen ist, wird nächstens eine grösse Concert-Tour durch\nHolland, Schweden und Norwegen antreten.\nProfessor Grädener hat seinen Wirkungskreis am wiener Con-\nservatorium aufgegeben und ist nach Hamburg zurückgekehrt.\nMiiliclien« Die Reorganisation des k. Conservatoriums der\nMusik ist beschlossen. Die Auflösung hatte allerdings Statt gefun-\nden, allein wohl nur, um höchst anspruchsvolle Vorschläge von ge-\nwisser Seite, denen man vielleicht bereits zu breiten Boden einge-\nräumt hatte, zu beseitigen. Jetzt ist Herr von Perfall zum Di-\nrector der Anstalt ernannt, und darin liegt die sichere Bürgschaft,\ndass sie ein Gon ser vato rium der Musik und Präservatorium ge-\ngen die Irrlehren der neuesten Systeme bleiben wird. [So lange\nvon 1 eiiall die Studien leitet, wird weder Richard Wagner noch\nHans von Bülow mit Ansichten hineinbrechen können, wie z. B.\nfolgende des Herrn von Bülow (in der leipziger .Neuen Zeitschrift44.\nNr. 37), der sich in einem Artikel über Liszt's „Elisabeth\" da-\nhin ausspricht: „Kein Unbefangener werde sich die Nichtbefriedi-\ngung verhehlen können, welche das bisherige Händel'sehe\nund Mendelssohn sehe Genre des Oratoriums in dem nach\ndem vollen Genüsse eines Kunstwerkes dürstenden Gefühle zurück-\nlässt und der Grund davon liege in der dilettantischen,\nzwitterhaften l 1 orm des Ganzen. Die Zeit habe auch bereits\nein ziemlich klares Urtheil darüber gesprochen.\" Die Zeit? Dass\ndiese Herren die Menschheit und Künstlerschaft der Gegenwart allein\nrepräsentiren, daran sind wir gewöhnt, weil sie es selbst sagen:\naber dass sie nun auch die Zeit von Händel bis auf die neuesten\nMusikfeste in Deutschland und England in sich personificiren\nwollen, dafür verdienten sie von Vater Saturn's Sense im Vorbei-\nsausen einen tüchtigen Seitenhieb!]\nDie Blätter für Theater u. s. w. berichten folgende\nmerkwürdige Thatsache, welche vielleicht einzig in ihrer Art ist.\nDie medicinische Technologie feiert mittels des von ihr erfundenen\nKehlkopf-Spiegels seit einigen Tagen einen denkwürdigen Sieg; sie\nhat eine verloren gegangene Tenorstimme wiedererweckt. Der glück-\nliche Besitzer dieses aufgefundenen Kleinodes ist Niemand anders\nals Herr Kreutzer, den seine vor vielen Jahren schon abhanden\ngekommene Stimme zu einem betrübenden Rückgange auf der Stu-\nfenleiter der Sängergrösse nöthigte, auf welcher er schliesslich bei\ndem Posten eines Chorführers an unserem Hof-Operntheater an-\nlangte, welche Stelle er zwar verdienstlich, wenn auch nahezu\nstimmlos, bekleidete. Herr Kreutzer, der sich in das Unabwendbare\nseines Schicksals fügen musste, dachte wohl an nichts weniger, als\nan eine Wiedererlangung seiner Stimme, und so entschloss er sich\nerst vor wenig Wochen zu dem seiner Ansicht nach ganz zwecklo-\nsen Versuche, eine Laryngoskopie an sich vornehmen zu lassen.\nUm so überraschender lautete der Ausspruch des ihn untersuchen-\nden Arztes: inveterirter Katarrh der Stimmbänder, nach dessen mög-\nlicher Beseitigung die Stimme wieder erscheinen würde. Herr Kreutzer\nunterzog sich nun einer Cur, und vor wenig Tagen durchlief das\nStaunenswerthe Gerücht die Stadt und die Zeitungen, Herr Kreutzer\nsei in den Besitz nicht nur eines hohen C, sondern auch der übri-\ngen, zum Singen der grössten Tenor-Partieen erforderlichen Töne\ngelangt, die an Kraft und Leichtigkeit des Anschlags nichts zu\nwünschen lassen. Wir haben diesem Gerüchte aufrichtig gestan-\nden höchstens die Bedeutung eines um sechs Monate verspäteten\nAprilscherzes beigelegt, müssen aber jetzt, nachdem wir Gelegenheit\nhatten, Herrn Kreutzer zu hören, unsere Ungläubigkeit durch das\nBekenntniss sühnen, dass das Gerücht diesmal die volle Wahrheit\ngesprochen hat. Herr Kreutzer verfügt wirklich über einen kräfti-\ngen, durch nahezu zwei Octaven bis zum hohen C reichenden Te-\nnor, eine Thatsache, von welcher das Publicum in den nächsten\nTagen schon sich wird überzeugen können, indem Herr Kreutzer\nprobeweise den Arnold im „Teil\" singen wird. [Nach neueren Nach-\nrichten wird Herr Kreutzer doch nur kleinere zweite Tenor-Partieen\nwieder singen können.]\nDie Gesellschaft der Musikfreunde kündigt für die Gesell-\nschafts-Concerte Cantate von Joh. Sebastian Bach („Gottes Zeit\"),\n„Die heilige Elisabeth\" von Liszt (vorausgesetzt, dass der Compo-\nnist, mit dem bereits Unterhandlungen angeknüpft sind, seine Ein-\nwilligung zur Aufführung dieses seines neuesten Werkes nicht ver-\nsagt), ferner Sinfonie von Cherubini (Manuscript), zwei Sätze einer"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "328", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651014-01.1.8", "texte": "Manuscript-Sinfonie von Schubert mehr konnte nicht auf-\ngefunden werden an.\nNekrolog. Wir entnehmen der wiener „Presse\" folgende Da-\nten: „Am 2. d. Mts. starb hier der Landesgerichtsrath Heinrich\nJoseph Adami, ein vielseitig thätig gewesener Tages-Schriftstel-\nler. Geboren in Wien den 18. December 1807 von bürgerlichen\nEltern, studirte er an der Universität und vollendete 1829 die Ju-\nrisprudenz. Schon während seiner Studien versuchte er sich in klei-\nnen Poesieen, selbst dramatischer Art, schrieb viele Novellen und\nGedichte für die wiener Zeitschriften und Almanache, una trat end-\nlich bei Bäuerle für die Theater-Zeitung in festes Engagement,\ndas ununterbrochen von 1832 bis 1847 währte. Er schrieb da Kri-\ntiken über alle Fächer der Kunst, besonders aber über Musik, und\nkämpfte mit Eifer und Nachdruck für die deutsche Geschmacks-\nrichtung gegenüber der herrschenden italiänischen Mode. 1848 sagte\ner sich von schönwissenschaftlichen Arbeiten los und schrieb juri-\ndische und politische Artikel für verschiedene Journale.\"\nDer unglückliche Tenorist Giuglini, von dessen Geistes-\nkrankheit berichtet worden, befindet sich nun im Irren-Hospitale zu\nPesaro.\nHerbeck in Wien ist mit der Composition einer heroisch-\nromantischen Oper beschäftigt, zu der ihm Mosenthal den Text\ngeliefert hat, dessen Stoff aus der schwedischen Geschichte ent-\nnommen ist.\nDer Text zu Meyerbeer's „Africanerin\" ist so eben in deut-\nscher Bearbeitung nach den Kürzungen, wie sie vom Director Salvi\nund Capellmeister Dorn aus Berlin gemeinschaftlich berathen wur-\nden, erschienen. In dieser Fassung wird die Oper in Wien, Berlin\nund wahrscheinlich auch an den übrigen deutschen Bühnen zur Auf-\nführung gelangen. In Dresden haben die Proben zu dieser Oper be-\nreits begonnen und ist dort der Balletmeister St. Leon aus Paris\neingetroffen, um die Ballet-Arrangements ganz nach dem Muster\nder grossen Oper in Paris zu leiten. In Berlin hofft man bereits in\nder ersten Hälfte des November die erste Vorstellung der „Africa-\nnerin\" geben zu können.\nMermet, der Componist des „Roland in Ronceval\", ist mit\neiner neuen Oper, „Jeanne £Arcu, wozu er auch wieder den Text\nselbst schreibt, beschäftigt.\nPai°is« Die Folies Dramatiques bringen als Novität eine mehr-\nactige Posse von Chivot und Dorn: „Ein Männer-Gesangyerein\nauf Reisen\".\nIn Paris arbeiten 2100 Ciaviermacher bei 170 Pianoforte-Fa-\nbricanten. Die grösseren Werkstätten haben vier Dampfmaschinen\nin Betrieb. Man berechnet die gesammte Production auf jährlich an\n11 Millionen Fr. an Werth.\nAus Petersburg wird gemeldet: Die russische Oper ist am\n31. August mit Rossini's „Wilhelm Teil\" wieder eröffnet worden.\nDas Haus war ganz ausverkauft und das Publicum nahm das Werk\nmit einem so rauschenden Beifalle auf, als würde ihm eine Novität\ngereicht. Eine neue Oper: „Rogneda\", von einem unserer bedeutend-\nsten Opern-Componisten, Sero ff, welcher sich auch in literarischer\nHinsicht einen gewissen Ruf erworben, kommt in nächster Zeit hier\nzur Aufführung. Die italiänische Oper hat vergangenen Samstag den\n23. September mit Gounod's „Faust\" begonnen.\nIns Jahr 1866 fällt die fünfzigste Wiederkehr des Tages, an\nwelchem ein Mann, geliebt als Mensch, gefeiert als Meister seines\nFaches, verehrt von seinen vielen Schülern, seine öffentliche Lauf-\nbahn betrat. Johann Gottlob Töpfer, Professor der Musik und\nOrganist an der Haupt- und Stadtkirche zu Weimar, erhielt am 19.\nNovember 1816 seine erste staatliche Anstellung, feiert somit am\n19. November 1866 sein goldenes Dienst- und Amts-Jubiläum. Zur\nWürdigung dieses Tages und dem noch rüstigen und lebensfrischen\nJubilar den Ausdruck der Liebe und Achtung seiner vielen und\nnach allen Richtungen hin zerstreuten Verehrer kund zu thun, habe\nich mich entschlossen, ein Album herauszugeben und ihm dadurch\nein öffentliches Denkmal zu errichten. Es soll eine Sammlung von\nOrgel-Compositionen enthalten (Choräle, Präludien, Sonaten, Phan-\ntasieen, Transscriptionen u. s. w.). Ich richte desshalb die höfliche\nBitte an alle Orgel-Componisten, mich mit gediegenen Beiträgen zu\nerfreuen und sie mir als Eigenthum zu überlassen.\nWeimar, den 18. Juni 1865.\nT. F. A. Kühn, Musicalien-Verlagshandlung."}]}