{"numero_id": "bm-bmtnabi-1865-10-28-01", "volume": "bmtnabi_1865-10-28_01", "ocr_sha256": "23bf1b6afcb4b23cef4f18899ab8738ada6914200d64f9c1a9826fa15fddc7cd", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1865/10/28_01/bmtnabi_1865-10-28_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651028-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1865-10-28-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-10-28_01#c001", "volume": "bmtnabi_1865-10-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "337", "page_fin": "337", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651028-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "337", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651028-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 469, "texte": "Inhalt.\n»\nHeinrich Wilhelm Ernst (Nekrolog). Die italiänische Oper in München von 1654—1787 (Schluss). Amster-\ndamer Briefe (Sommer-Concerte Theater-Zustände Populäre Concerte Concert von Adelina Patti Felix Meritis). Von Ma-\ntino. Erstes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, erste Quartett-Soiree der\nGebrüder Müller, F. 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B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "337", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651028-01.1.1", "debut_caractere": 471, "fin_caractere_exclue": 4182, "texte": "Heinrich Wilhelm Ernst.\n(Nekrolog.)\n\nDer grosse Violinspieler Ernst ist am 8. October in\nNizza von seinen langjährigen Leiden durch den Tod er-\nlöst worden. Als ausübenden Virtuosen hatte die Kunst\nihn schon längst verloren, doch nicht als Künstler, denn\ner beschäftigte sich noch in den letzten Jahren mit Com-\npositionen namentlich von Violin-Quartetten, von denen\nweiter unten die Rede sein wird.\nHeinrich Wilhelm Ernst war zu Brünn in Mäh-\nren im Jahre 1814 geboren. Sein Talent zeigte sich früh\nund entwickelte sich so schnell, dass er schon als zehnjäh-\nriger Knabe öffentlich spielte. Seit 1825 erhielt er seine\nkunstgemässe Ausbildung in Wien vor Allem durch Joseph\nBöhm, der später auch Joachim's Lehrer war, benutzte\nden Rath und das Beispiel Mayseder's und in der Harmo-\nnie- und Compositionslehre den Unterricht von Seyfried.\nVier Jahre später trat er seine erste Kunstreise an und\nerregte besonders in München, dann auch in Frankfurt\nund Stuttgart grosse Theilnahme für sein früh reifes Ta-\nlent. Nach seiner Rückkehr in Wien soll eine unglück-\nliche Liebe schon damals eine Quelle der trübsinnigen\nStimmung gewesen sein, die sich später oft seiner be-\nmächtigte. Im Jahre 1831 oder 1832 ging er nach Paris,\nwo er zuerst sich im Theater der italiänischen Oper hören\nliess. Er hielt sich mehrere Jahre dort auf, studirte die\nViolinisten der französischen Schule und wurde haupt-\nsächlich de Beriot's eifrigster Schüler, wodurch sein Spiel,\ndem künstlerisches Verständniss und staunenswerthe Tech-\nnik schon vollkommen zu Gebote standen, auch an Ele-\nganz gewann.\nNach seinem pariser Aufenthalte bereiste er zuerst\nHolland, gab im Anfange des Jahres 1839 in Paris meh-\nrere Concerte und reihte auf seinen fortwährenden Kunst-\nreisen Erfolg an Erfolg. Er durchwanderte auf seinen\nKünstlerfahrten last alle Länder Europa's. Zunächst be-\nsuchte er Süddeutschland, namentlich Wien (1840), wo\ner unglaublichen Enthusiasmus erregte, dann alle bedeu-\ntenderen Städte von Norddeutschland, besonders Berlin\nwiederholt, eben so Leipzig, Dresden u. s. w., durchreiste\nPolen-, Rüssland, Schweden und Dänemark, und brachte\nseit 1844 mehrere Saisons in London zu, wie er denn in\nden Jahren, die vor seinem Aulenthalte in Nizza liegen,\nin England gewisser Maassen eine zweite Heimat gefun-\nden hatte.\nErnst hatte sich vor fünfzehn Jahren mit einer jun-\ngen Dame, die auf dem Conservatorium zu Paris ihre\nStudien für die dramatische Kunst machte, verheirathet.\nFräulein Siona Levy erregte damals durch ihr entschie-\ndenes Schauspieler-Talent grosse Erwartungen, und man\nsah in ihr eine zukünftige Nachfolgerin der Rachel. Nach\nihrer Vermählung mit Ernst trat sie in dessen Concerten\nzuweilen mit declamatorischen Vorträgen auf und bestä-\ntigte durch den Eindruck derselben die gehegten Hoff-\nnungen; aber sehr bald nach diesen Erfolgen musste sie\nder Kunst entsagen und konnte sich nur der Sorgfalt für\nihren immer mehr leidend werdenden Gatten widmen.\nIm Frühjahre von 1863 war Ernst zum letzten Male\nin England. Die Veranlassung zu dieser Reise war eine\nschwache Hoffnung auf Genesung. Edward Bulwer Lytton,\nder ihm der treueste unter seinen zahlreichen Freunden\nin England war, hatte ihn bewogen, sich in Malvern einer\nKaltwasser-Cur zu unterziehen. Der berühmte Vorsteher\nder dortigen Heilanstalt, Dr. Wilson, kam selbst nach\nLondon, um Ernst dort abzuholen, und reiste Ende April\nmit ihm und seiner Gattin nach Malvern. Die heissen\nWünsche aller Künstler und Freunde begleiteten den Vir-\ntuosen, den die Engländer mit Recht den „am meisten\npoetischen\" Violinspieler nannten, allein die Erfüllung die-\nser Wünsche lag ausser dem Reiche der Möglichkeit; die\nscheinbare Erkrältigung hielt nicht lange an, und Ernst"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "338", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651028-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5104, "texte": "selbst kehrte wohl nur mit schwacher Hoffnung nach\nNizza zurück.\nDer Director der Monday Populär Conceris in Lon-\ndon brachte zu Ehren des kranken Reisenden dessen Quar-\ntett in B-mollauf das Programm der Sitzung vom 27.\nApril. Das Werk war schon im vorjährigen Sommer eben\nda sehr gut aufgenommen worden und wurde jetzt in\ndem Privathause eines Herrn Benson, wo Ernst wohnte,\nin Gegenwart des Componisten durch die Herren Vieux-\ntemps, Wiener, Webb und Piatti probirt. Ernst, der es\nbis dahin nur von Dilettanten gehört hatte, war sehr er-\nfreut darüber und sprach den ausführenden Künstlern\nseinen wärmsten Dank dafür aus*).\nDieses Quartett war eines von den dreien (die beiden\nanderen in A und in C), durch deren Composition der\nKünstler sich über seine körperlichen Schmerzen zu trösten\nsuchte, die ihn in den letzten neun bis zehn Jahren seines\nLebens fast nie verliessen. Im October 1864 war er noch\neinmal in Paris, wo ihm die Herren Holmes (das treff-\nliche Künstler-Brüderpaar), Jacquard und Ney zwei von\njenen Quartetten vorspielten. Stephen Heller schrieb da-\nmals über diese Corapositionen:\n„Wir wollen nicht versuchen, durch eine trockene\nAnalyse eine Idee von diesen durch ihren Umfang und\nihren inneren Werth so bedeutenden Werken zu geben.\nMan darf nicht den liebenswürdigen Componisten der\nOthello- und Pirata-Phantasie darin suchen, wohl aber\nerkennt man den merkwürdig grösser und klarer gewor-\ndenen Schöpfer der, „Elegie\" \"unddes Violin-Concertes in\nFis-dur darin wieder. Alles, was diese zwei Werke ver-\nhiessen, ist hier verwirklicht, und man hat einen Künstler\nvon edier Art, der den Gipfel seiner Begabung erreicht\nhat, vor sich. .. .• .\n„Diese Quartette kann nur ein Künstler geschrieben\nhaben, der die Werke der grossen Meister dieser Gattung\nanhaltend studirt und hundert Mal selbst vorgetragen hat.\nDer Stil ist von Anfang bis Ende durchweg edel, nirgends\neine feige Gefälligkeit für unkünstlerische oder frivole\nOhren. Ihre Schönheit ist ernst und streng und von jener\nArt, die allein einem Werke die Zukunft sichert. Dess-\nhalb darf man aber nicht glauben, dass es ihnen an Me-\nlodie fehle; namentlich bieten die langsamen Sätze aus-\ndrucksvollen, einnehmenden und oft auch leidenschaftlichen\nGesang dar. Die Scherzo's sind echt humoristisch: das\nerste hat eine, man möchte sagen: epigrammatische Kürze,\ndas andere ist dagegen sehr durchgeführt und zeigt harmo-\nnische und rhythmische Kühnheiten; beide Sätze erinnern\naber nicht im geringsten an frühere Schöpfungen in die-\nser Gattung, und das ist ein grosses Verdienst. Mit Einem\nWorte: diese Quartette bekunden eine vollständige Um-\nwandlung des grossen Virtuosen zum Componisten und\nverdienen die grösste Aufmerksamkeit aller Musiker und\nKenner.\" *)\nEines dieser Quartette war auch zu London im Juni\n1864 in dem „Ernst-Concerte\" in St. James Hall, dessen\nEinnahme zum Besten des Leidenden bestimmt war, ge-\nspielt worden. In diesem Concerte spielte ferner Joachim\ndie „Elegie\" von Ernst, Wieniawski die Transscription von\nSchubert's „Erlkönig\"; Frau Dustmann und Sims Reeves\ntrugen Gesänge vor.\nBekanntlich hat Ernst während seiner Virtuosen-Lauf-\nbahn viele Compositionen herausgegeben, welche haupt-\nsächlich den Zweck hatten, sein Spiel in Concerten in vol-\nlem Glänze zu zeigen. Wo sollte er auch bei seinen un-\nausgesetzten Künstlerfahrten durch Europa die nöthige\nRuhe zum Schaffen grösserer Werke ernsterer Gattung\ngefunden haben, bis ihm leider ein furchtbares Schicksal\ndiese Ruhe, aber auf schreckliche Weise, brachte. Allein\nauch unter seinen Virtuosen-Compositionen sind einige,\ndie zum Theil stellenweise, zum Theil ganz (wie die be-\nrühmte „Elegie\") Sinn und Gefühl für das höhere Schöne\nin der Kunst offenbaren. Auch sein Concert in\ngehört dahin.\nAm grössten war er freilich als ausübender Künstler.\nSeit Spohr war er der Erste, der mit einem grossen Tone\neinen wahrhaft poetischen Vortrag der Melodie verband,\ndenn der grosse Ton allein macht noch keineswegs den\nseelenvollen Gesang auf der Violine aus. Dazu kam\ndann bekanntlich eine eminente Technik, durch welche er\ndie grössten Schwierigkeiten, die er.sich oft erst selbst\nschuf („Othello-Phantasie\", „Carneval von Venedig\"), mit\nLeichtigkeit und Anmutb vortrug, denn auch die Ele-\nganz war eine sehr hervorstechende Eigenschaft seines\nSpiels, Wenn dieses in den letzten Jahran seiner Vir-\ntuosenzeit nicht immer gleich war, nicht Tag für Tag\nund Stunde für Stunde dasselbe, so war das im Grunde\nbei seiner Eigenthümlichkeit, die ihn, wie jeden originellen\nKünstler, nur in glücklichen Stunden, wo der angeborene\nInstinct durchbrach, dem vollsten Schwünge der Begeiste-\nrung hingab, nicht eben zu verwundern, daher denn auch\nschon in seinen kräftigen Jahren ihm derselbe Vorwurf\nmanchmal gemacht wurde. Später aber war diese Ver-\nschiedenheit in der Vollkommenheit des Spiels eine natür-\nliche Folge des körperlichen Zustandes, der nothwendig\nmit dem Mangel an Kraft auch eine lähmende Abspannung\ndes Geistes herbeiführte. So haben wir ihn z. B. noch im\n\n*) Musical World,Jahrgang ]8(io, Nr.\n*) Vgl. Bevue et Gazette musicale de Paris, 1864, Nr. 45»"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "339", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651028-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1201, "texte": "Jahre 1854 in London seine Othello-Phantasie in einem\nMorgen-Concerte (d. b. nach londoner Gebrauch Nach-\nmittags zwischen 3 und 5 Uhr) in Hanover Square Rooms\nausgezeichnet schön spielen hören, und konnten am Abende\nin Exeter Hall kaum denselben Spieler in dem Vortrage\ndesselben Stückes wiedererkennen.\nSieben bis acht Jahre hat er in Nizza gewohnt, wo\nihn am 8. October um 2 Uhr der Tod von einem zuletzt\nnur qualvollen Dasein befreit hat. Als Mensch war Ernst\ndurch einen edeln Charakter und werkthätiges Mitgefühl\nlür menschliches Unglück und Noth, so wie durch Geist\nund angenehme Manieren im geselligen Verkehr achtungs-\nwerth und beliebt. Seiner Leiche folgte ausser den ange-\nsehenen Einwohnern Nizza's auch ein langer Zug von\nArmen, der dem Dahingeschiedenen nicht weniger zur\nEhre gereichte. Und doch war Ernst nichts weniger als\nreich; er gab nicht von seinem Ueberflusse, sondern ver-\nsagte sich selbst Manches, um den Hülfsbedürftigen, die\ner von Anfang an unterstützt hatte, die gewohnte Gabe\nnicht zu entziehen. Die Leiche ist vorläufig in einem Ge-\nwölbe niedergesetzt worden: gewiss werden die Freunde\nund Kunstgenossen des Verewigten für eine würdige\nRuhestätte Sorge tragen.\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-10-28-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-10-28_01#c003", "volume": "bmtnabi_1865-10-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "339", "page_fin": "340", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651028-01.2.3", "titre_corps": "Die italänische Oper in München von 1654—1787.", "titre_sommaire": "Die italänische Oper in München von 1654—1787.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "339", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651028-01.1.3", "debut_caractere": 1203, "fin_caractere_exclue": 4966, "texte": "Die italänische Oper in München von 1654—1787.\n(Schluss. S. Nr, 42.)\nUeber die musicalische Abtheilung der k. Bibliothek\nzu München erfahren wir auf S. 100 Folgendes:\n„Die aus 568 Manuscripten und 681 Drucken be-\nstandene musicalische Abtheilung der königlichen Hof-\nund Staats-Bibliothek war bis zum Jahre 1857 nicht der\nLeitung eines sachverständigen Mannes übertragen und\nwies ausserdem, trotz namhafter einzelner Raritäten, be-\ndeutende Lücken auf, welche mit dem sonstigen Reich-\nthume dieser königlichen Anstalt scharf contrastirten. Wo-\nhin es führt, wenn die einem abgegränzten Kunstgebiete\nangehörigen Abtheilungen den Händen in dieser Specia-\nlität nicht sehr wohl Bewanderter übertragen werden,\nzeigt obige Thatsache und könnte durch weitere Beispiele\ndargethan werden. Es ist ein wesentliches Verdienst der\njetzigen Direction, die musicalische Abtheilung nicht nur\nunter die specielle Leitung eines in allen Zweigen der mu-\nsicalischen Kunstgeschichte wohl erfahrenen Gelehrten,\nH. Julius Maier, gestellt, sondern auch Sorge getragen zu\nhaben, die bestehenden Lücken auszufüllen, so dass nun-\nmehr durch Acquisition ausgewählter Werke, wie ganzer\nSammlungen (ich erinnere an die kostbare Thibaut'sche\nBibliothek), die Zahl der Manuscripte auf 1810 Nummern\nin 4336 Bänden, die der Drucke auf 2121 Nummern\nmit 4244 Werken gestiegen ist. Ueber den Stand der\nSammlung im Jahre 1772 vergleiche man Burnev's Ta-\ngebuch, 11., 95 ff.\"\nWir haben schon erwähnt, dass mit Max Emanuel's\nRückkehr nach München trotz der traurigen Lage des\nLandes die glänzenden Holfeste wieder begannen. Die ge-\nwöhnlichen Mittel scheinen für den immer häufiger und\nmit grösserer Pracht wiederkehrenden Opern-Aufwand\nnicht mehr ausgereicht zu haben. Durch ein Decret vom\n8. Juli 17 24 wurde, angeblich um der ungemessenen\nSpielwuth des gemeinen Mannes Einschränkung zu setzen,\nder Kartenstempel eingeführt, welcher bis zum heuti-\ngen Tage in Hebung besteht; allein aus einem Erlasse\nvom 12. März 1724 an die Hofkammer erhellt, dass die-\nser Kartenstempel ausschliesslich „zur Bestreitung der\nOpern-Unkosten\" verwendet werden soll; und aus einer\nlangen Reihe von Actenstücken geht hervor, dass diese\nStempelgefälle wirklich hierzu verbraucht wurden.\nDie Karten spielen aber noch bedeutender mit in einem\nVertrage, der 1728 vom Hofe mit einem Italiäner abge-\nschlossen wurde; das Actenstück darüber ist noch vor-\nbanden und dessen Schluss lautet: „Demnach sich M.\nSorgo gegen Ihro churf. Durchlaucht erboten, dass im\nFall ihm auf 5 Jahre der private Verkauf aller im Her-\nzogthum Bayern und der Oberpfalz zu verbrauchenden\nKarten mit einem Aufschlage von 30 kr. von jedem sol-\nchen Gespiel, ferner auch der Privatverkauf allerlei frem-\nder, Irischer oder gedörrter und candirter Früchte, jedoch\ngegen Abstattung aller Mauth- und Zollgebühr überlassen\nwürde, derselbe 40 tausend rhein. Gulden jährlich zum\nbayer. Hofzahlamt erlegen und darüber das Jahr durch\nwöchentlich italiänische Comödien, ferner zwei Opern,\neine zu Herbst, die andere zur Fastnacht ohne Entgelt\nausführen werde, also haben Ihre churf. Durchlaucht ihm\nsowohl gedachten Karten- als fremden Früchtenverkauf\ngnädigst zugestanden und darüber mit Sorgo Contract\nerrichten lassen.\"\nDieser Vertrag wurde der Hofkammer mit dem Be-\nfehle übergeben, das Hof-Zahlamt zur Vereinnahmung der\n40,000 Fl. in quatemberlichen Raten anzuweisen, mit\ndem Beifügen, dass diese Summe „zur Bezahlung der Ca-\npelle, Kammer- und Hofmusik, dann der französischen\nJägerei destinirt worden, wonach sich zu achten\".\nDer Vertrag kam aber nicht zur Ausführung, weil\nMichel Sorgo sich plötzlich und heimlich aus dem Staube\ngemacht hatte.\nUnter der Menge von italiänischen Opern-Componisten\nbegegnen wir im Jahre 1739 als einem seltenen Vogel\n\n[*l"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "340", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651028-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4895, "texte": "einem Deutschen, der sich Don Placido de Cammer-\nloher nannte und die Oper componirt\nhatte. Placidus von Cammerloher war zu Anfang des\nachtzehnten Jahrhunderts in Murnau geboren und gehörte\neinem noch heute in Baiern blühenden, von Kurfürst\nMax I. in der Person des Kammer- und Finanzrathes\nFranz Ignaz Cammerloher in den Adelstand erhobenen\nGeschlechte an. Seine Erziehung erhielt er mit zwei Brü-\ndern in der Ritter-Akademie zu Ettal: über seinen Le-\nbensgang nach Vollendung der Studien daselbst liegt tie-\nfes Dunkel; er scheint der kurfürstlichen Capelle angehört\nzu haben, doch lässt sich beim Mangel der Hof-Zahlamts-\nbücher nichts Sicheres hierüber behaupten; über die an-\ngeblich 1739 aufgeführte „Melissa iradita\" fand ich\nalles Forschens ungeachtet nicht eine Spur. So genannte\n„Symphonieen\" seiner Composition erschienen im Jahre\n1760 zu Amsterdam und Nürnberg, eine weitere Samm-\nlung zu Lüttich im Drucke. Da diese Compositionen mit\nder von Cammerloher gelieferten Opernmusik in keiner-\nlei Zusammenhang stehen, so sei ihrer hier nur in so fern\nerwähnt, als Lipowsky's patriotischer Eifer diese keines-\nwegs bedeutenden Musikstücke als „Vorläufer des Quar-\ntettes\" bezeichnen zu müssen geglaubt hat eine Be-\nhauptung, welche Jedem, der mit der Entwicklungs-Ge-\nschichte der Instrumentalmusik nur einiger Maassen ver-\ntraut ist, völlig ungegründet erscheinen muss. Im Jahre\n1748 trat Cammerloher in den Priesterstand, erhielt erst\nein Canonicat bei St. Veit, dann bei St. Andreas in Frei-\nsing, und lebte in dieser Stellung und als fürstbischöflicher\nHof-Capellmeister bis zu seinem im Jahre 1776 erfolgten\nTode. Ausser den schon erwähnten „Symphonieen\" schrieb\nCammerloher in Freising auch eine Reihe von Singspielen,\nwelche bei festlichen Gelegenheiten durch Studenten auf-\ngeführt wurden, eine Reihe von „Meditationen\" für die\nJesuiten in München und einige Oratorien. Die Textbü-\ncher sind noch vorhanden, dagegen ist die Musik verloren\ngegangen.\nDer Kurfürst Maximilian 111. war selbst ein talent-\nvoller Musiker, spielte Ciavier, Violine, Violoncell und vor-\nzüglich Gamba, und hatte auch bei Bernasconi Contra-\npunkt studirt. Ein Stabat matervon ihm wurde ohne sein\nWissen in Verona gedruckt, aber er Hess die Platten und\nsämratliche Exemplare aufkaufen, weil er die Composition\nder Veröffentlichung nicht würdig hielt. Er liess das neue\nOpernhaus bauen, das am 12. October 1753 mit Fer-\nrandini's „ Catone in Utica\", Text von Metastasio, eröff-\nnet wurde. Die Schwester Maximilian's, Maria Antonia,\nnachherige Kurfürstin von Sachsen, war eine ausgezeich-\nnete Clavierspielerin und Sängerin, auch Dichterin in\nitalienischer und französischer Sprache. Sie dichtete und\ncomponirte die Oper „ Talestri regina delle Amazoni\",\nwovon die Partitur 1765 bei Breitkopf in Druck er-\nschienen ist.\nAntonio Sacchini (f 1T86) hat zwei Opern für\nMünchen geschrieben: „Scipi und\nEroe cinese\" (beide 1770); die letztere wurde bei\nder Durchreise von Marie Antoinette mit Pracht gegeben\nund in den beiden folgenden Jahren im Carneval wieder-\nholt. Die Partituren beider Opern sind auf der königlichen\nBibliothek vorhanden; vergebens suchen wir aber bei\nHerrn Rudhart nach einer kritischen Analyse der Musik,\ndie sich doch wohl bei dem berühmten Componisten des\n„Oedipe ä Oolonne\" (Paris, 1785) der Mühe verlohnt\nhätte.\nIm Jahre 1773 wurde Gluck's\ngegeben, am 13. Januar 1775 Mozart's „La Finita\nGiardiniera\", 1779 Wieland's (deutsche) „Alceste\", Mu-\nsik von Schweitzer, auf welche Rudhart im zweiten\nTheile ausführlich zurückzukommen verbeisst, am 29. Ja-\nnuar 1781 Mozart's „Idomeneo\"\nUeber das Honorar, das Mozart erhalten hat, und\nüber die Aufnahme der Oper beim Publicum nach der\nVorstellung hat Rudhart eben so wenig, wie 0. Jahn, ir-\ngend eine bestimmte Angabe gefunden; die Nachrichten\nüber den Erfolg bei Jahn beziehen sich bekanntlich nur\nauf die Proben. Rudhart zweifelt an dem Erfolge beim\ngrösseren Publicum, was er aus der einzigen gleichzeiti-\ngen Notiz, die er auffinden konnte, schliesst. Diese steht\nin den „Münchener Staats-, Gelehrten- und vermischten\nNachrichten\" von 1781, Nr. 19: „Am 29. abgewiche-\nnen Monats wurde zum ersten Male die Oper Ido-\nmeneo aufgeführt. Verfassung, Musik und Uebersetzung\nsind Geburten von Salzburg. Die Decorationen\nwaren Meisterstücke unseres hiesigen berühmten Lo-\nrenz Quaglio.\"*)\nDer Kurfürst Karl Theodor indess wurde nach und\nnach der italiänischen Oper immer mehr abgeneigt, und\nals auch äussere Gründe, namentlich die verschwenderi-\nsche Intendanten-Wirthschaft, hinzukamen, so machte er\ndurch einen Befehl vom 10. November 1787 der italiäni-\nschen Oper an seinem Hofe ein Ende. Sie hatte daselbst\n133 Jahre lang bestanden.\n\n*) So ergeht es Erstlingswerken wohl auch noch heutzutage,\nwie z, B. ein Hoftheater-Director auf den Antrag, GeibeTs und\nBruch1 s „Loreley\" aufzuführen, geantwortet hat: „Hier geben wir\nkeine Decorations-Opem!\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-10-28-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-10-28_01#c004", "volume": "bmtnabi_1865-10-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "341", "page_fin": "342", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651028-01.2.4", "titre_corps": "Amsterdamer Briefe.", "titre_sommaire": "Amsterdamer Briefe.", "signature_source": "Matino", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "341", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651028-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5091, "texte": "Amsterdamer Briefe.\n\nDen 19. October 1865.\nDer Herbst rückt mit Macht heran, die Natur legt\nihr Winterkleid an und die Sommer-Concerte, die in Am-\nsterdam gar zu sehr wuchern, haben, dem Himmel sei\nDank! aufgehört. Die Musik im Freien, die Potpourris\nüber Verdi'sche Thema's, Arditi's Bado und die Phan-\ntasieen ohne Phantasie des Herrn Berlyn werden guter\nMusik Platz machen: und das war in der That hohe Zeit.\nDie Orchester im Park und im Industriepalaste haben den\nSommer hindurch nach Herzensfreude ihre Lust gebüsst,\nund Liszt s symphonische Dichtungen haben sich schwe-\nsterlich mit den erwähnten Phantasieen über den Trova-\ntore und die Traviata gepaart. . \\\nNun, der Fall des Laubes wird allem diesem Treiben\nden Garaus machen. Die Theater sind wieder geöffnet.\nDoch bin ich im Irrthum, wenn ich von „Theatern\"\nspreche, denn in ganz Amsterdam gibt es kein einziges\nSchauspielhaus, das anständig genug wäre, eine gebildete\nZuhörerschaft aufzunehmen. Ein paar kleine holländische\nTheater, ein deutsches Vaudeville, in denen man raucht\nund trinkt, mithin eine Art von Cafes dann das\nNational-Theater in einem abscheulichen Hause, das als\nprovisorisches Local beinahe vor hundert Jahren erbaut\nwurde und seitdem in diesem monumentalen Zustande ge-\nblieben ist das ist alles, was Amsterdam von Theatern\naufzuweisen hat.\nIn dem zuletzt genannten Hause gibt man holländi-\nsche Dramen und Lustspiele, und ein Mal wöchentlich\nsingt die französische Operngesellschaft vom königlichen\nTheater im Haag in dieser Baracke. Sollte man sagen,\ndass eine Stadt von beinahe 300,000 Einwohnern, in\nwelcher Geld im Ueberflusse vorhanden ist, nicht die Mit-\ntel auftreiben kann, um ein Local zu bauen, wie man es\nin den Städten zweiten, ja, dritten Ranges in Deutschland\nund Frankreich überall findet, ein Theater, wo die dra-\nmatische und musicalische Kunst nicht durch Rauchen\nund Trinken prostituirt würde! Es ist dies eine Schande\nfür die Stadt, aber leider eine Thatsache!\nDer Holländer es ist nun einmal so, und es hilft\nnichts, es ignoriren zu wollen trennt sich schwer von\nseiner Cigarre und seinem Glase Punsch oder Bier; selbst\nin den Concerten, wo nicht geraucht wird (es gibt übri-\ngens deren, wo man raucht), benutzt er die Pause, um in\ndem Foyer oder in einem nahen Kaffeehause eine Regalia\nanzuzünden und ein Glas zu trinken. So spricht denn auch\neben so wenig für den feinen Geschmack des Publicums,\ndass kein ordentliches Theater sich hier halten kann, wäh-\nrend die Vaudeville-Theater und die Cafes chantants im-\nmer voll sind; es gibt eine Menge von Leuten, die mit\nFreuden viele Gulden nach einer Kirmessbude tragen,\nwährend ein Concert von Adelina Patti, wo sich ausser\nihr noch andere gute Künstler hören lassen, nur mässis\nbesucht wird.\nDie „populären Concerte«, welche der Verein für\nBeförderung der Tonkunst seit einigen Jahren eingerichtet\nhat, und in denen man gute Musik und unter Verhulst's\nLeitung gut ausgeführt hörte, haben auch keinen Bestand\nhaben können und werden nicht mehr Statt finden: Wett-\neifer und Streit mit den übrigen Concert-Vereinen hört\nalso auf, da keine Streiter mehr da sind. Es ist dies «ar\nsehr zu bedauern.\nEine deutsche Gesellschaft, die uns seit mehreren Jah-\nren gute Opern zu geben versuchte, kommt ebenfalls nicht\nwieder, da noch jeder Unternehmer schlechte Geschäfte\ngemacht hat, so dass nur die französische Oper vom Haag\nübrig bleibt, wo man Ein Mal in der Woche mit Anstand\nhingehen kann, um Meyerbeer, Halevy und Verdi ohne\nCigarre zu hören. Der Tenor Ca übet, der schon vor\neinigen Jahren der Liebling des Publicums war, steht\ndort jetzt von Neuem im Gerüche der Berühmtheit. An\nFrische der Stimme hat er zwar verloren, aber er hat doch\nnoch sehr schöne Momente, vortreffliche Gesangweise und\nvollkommen befriedigenden Vortrag des Recitativs. wie\neinst Duprez in seiner Blüthezeit: kurz, er ist ein talent-\nvoller Künstler. Die übrigen Mitglieder erheben sich nicht\nüber die Mittelmässigkeit und sind weit davon entfernt,\ndas Publicum in Erstaunen zu setzen.\nKehren wir lieber zu Adelina Patti zurück, zu die-\nser so interessanten Erscheinung, dieser Ausnahme-Natur,\ndieser bezaubernden Künstlerin, deren magnetische An-\nziehungskraft auf alle wirkt, die sie hören und bewundern\nkönnen. Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, dass ihr\nTriumph hier eben so gross wie in Köln gewesen ist,\ndass sie die Zuhörerschaft in Begeisterung versetzt hat und\nmit Bravo's und Blumen überschüttet worden ist. Adelina\nPatti ist ohne Zweifel eine der ausserordentlichsten Künst-\nlerinnen unserer Zeit. Ihr Concert wurde unterstützt durch\nden berühmten Bottesini, den Paganini unter den Con-\ntrabassisten, der ebenfalls ein Phänomen unter den jetzi-\ngen Kunstgenossen ist, ferner durch Mademoiselle Ca-\nstellan, eine recht talentvolle Violinistin, Herrn Leo-\npold von Meyer, einen Ciavierspieler, von dem man\nviel zu viel Wesens gemacht hat, endlich durch drei ita-\nliänische Sänger, die Herren Brignoli, Amadio (Bari-\nton) und Zoboli (Bass-Buffo), von denen der erste eine\nsehr angenehme Tenorino-Stimme hat. Die drei Concerte\nfanden im Industriepalaste Statt."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "342", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651028-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2327, "texte": "Die Concerte der Gesellschaft werden\nnächstens beginnen. Verhulst hat die Direction aller\nbedeutenden musicalischen Institute von Amsterdam unter\nseinen Scepter zu bringen verstanden: die eben genannten\nConcerte, dann die vom Vereine für Beförderung der\nTonkunst und die des Musikvereins „Cäcilia\" u. s. w. Der\nVerein für Beförderung der Tonkunst bereitet dem Ver-\nnehmen nach Händel's „Messias\" zur Aufführung in seinem\nersten Concerte vor. Derselbe Verein hat seine Gesang-\nschule in eine Art von Musikschule umgestaltet, in der\nman im Gesänge, auf dem Pianoforte, der Violine und\ndem Violoncell Unterricht ertheilt. Leider fehlt es aber an\nguten Gesanglehrern in unserer Stadt; ein guter Sänger\nund talentvoller, erfahrener Gesanglehrer könnte sich hier\neine sehr gute Stellung gründen. Er würde auch gewiss\nschöne Stimmen entdecken und durch ihre Ausbildung\ndem jetzt sehr fühlbaren Mangel an holländischen Sängern\nabhelfen; das Nationalgefühl würde sich heben, um sich\nvon der Nothwendigkeit frei zu machen, zu jedem grossen\nConcerte, zu jedem Musikfeste fremde Sänger, meistens\naus Deutschland, zuweilen auch aus Frankreich, mit gros-\nsen Kosten kommen zu lassen.\nAber auch in anderen Beziehungen bleibt noch viel\nauf dem Gebiete der Tonkunst in Holland zu reformiren;\naber dazu bedürfte es des Zusammenwirkens der unab-\nhängigen Presse, und eine einzige Stimme in einer auslän-\ndischen Zeitung verhallt wie die Rede eines Predigers in\nder Wüste und wird mitunter von den Local-Patrioten\nnoch obenein verkannt und angefeindet. Die musicalische\nKritik befindet sich in Holland grossentheils in den Hän-\nden von Componisten, und das ist nicht gut, denn gar oft\nsind ihre Urtheile nicht frei von Vorliebe oder Eifersucht,\nund desshalb bleiben sie ohne Einfluss. Es ist überhaupt\nnicht in der Ordnung, wenn ein Musiker von Fach den\nanderen kritisirt. Die Feder ist eine gefährliche Waffe,\ndie sich oft gegen den, der sie nicht vorsichtig führt,\nkehrt; man denke nur an Berlioz in Frankreich und an\nWagner in Deutschland, welche sich offenbar dadurch\nviel geschadet haben. Von unseren Musikern widersteht\nVerhulst fast allein der lockenden Versuchung, zu Schrift-\nstellern, bleibt mithin auch von jedem Verdachte der Ca-\nmeraderie und so weiter frei, und sein Ansehen und sein\nEinfluss sind dadurch nur um so grösser.\n\nMatino."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-10-28-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-10-28_01#c005", "volume": "bmtnabi_1865-10-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "342", "page_fin": "344", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651028-01.2.5", "titre_corps": "Erstes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller.", "titre_sommaire": "Erstes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "342", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651028-01.1.6", "debut_caractere": 2329, "fin_caractere_exclue": 4984, "texte": "Erstes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn\nFerdinand Hiller.\nDinstag, den 17. October 1865.\nDie Winter-Concerte im grossen Gürzenichsaale ha-\nben am 17. October wieder begonnen, und die vollen\nBäume zeigten, dass die Tbeilnahme des Publicums sich\neben so rege, wie früher, dem Kunstinstitute gegenüber\nbewährt, dessen Ruf seit Jahren sowohl durch die Auswahl\nder musicalischen Werke und Zusammenstellung der Pro-\ngramme, als durch die kunstgemässe Ausführung dersel-\nben sich so begründet hat, dass von allen Seiten dahin ge-\nwirkt werden muss, diesen Ruf als eine theure Errungen-\nschaft zu bewahren und zu erhöhen. Dazu gehört denn\nnicht nur die Vereinigung und eifrige Mitwirkung aller mu-\nsicalischen Kräfte von Köln, sondern auch die Beschaffung\nreichlicher Mittel durch ein zahlreiches Abonnement, da\ndie Concerte, um ihrer künstlerischen Aufgabe zu genügen,\nVerhältnisse angenommen haben, welche bedeutende Aus-\ngaben nöthig machen. Um so erfreulicher muss für jeden\nKunstfreund die oben ausgesprochene Wahrnehmung über\nden auch in diesem Jahre wohlbesetzten Saal sein.\nDie grosse C-dur-Sinfonie von Mozart öffnete die Pfor-\nten des Tempels der Tonkunst und führte uns in die Herr-\nlichkeit desselben ein, denn eine grössere Pracht und einen\nhelleren Glanz, als gleich der erste Satz in Verbindung mit\nden Zierden der Anmuth und Schönheit ausstrahlt, kann\nman sich kaum denken. Wenn der Name „Jupiter\", den\nman dieser Sinfonie gegeben, den majestätischen, göttlichen\nAdel bezeichnen soll, der darin herrscht, so wollen wir\nnichts dagegen haben, obschon wir überhaupt der symbo-\nlischen Taufe von Musikstücken und den Erfindungen süs-\nser Dilettanten, die bei „Mondschein-Sonate\", „Harfen-\nQuartett\" u. dgl. Gevatter gestanden haben, durchaus nicht\ndas Wort reden wollen. Ohne auf die so oft gepriesene\nund dennoch niemals genug zu preisende Meisterschaft, die\nsich im Schlusssatze offenbart, zurückzukommen, möchten\nwir nur bemerken, dass dieses Finale durch seine wunder-\nbare Verschmelzung der grössten contrapunktischen Kunst\nmit dem freien Ergüsse der Phantasie mehr als irgend ein\nMusikstück geeignet ist, dem aufmerksamen Zuhörer eine\nVorstellung von dem wahren Wesen der Instrumentalmusik\nzu geben, indem sich ihm bei der Klarheit, mit welcher,\ntrotz dem Klangreichthum und der Tonfülle des Ganzen,\ndas Motiv des Fugen-Thema's stets wieder eintritt, das\nGefühl aufdrängen muss, dass der aufregende und hinreis-\nsende Eindruck der Orchestermusik überhaupt doch wohl\nauf dieser Art der Durchführung beruhe, das heisst auf\nder specifisch musicalischen Kunst und nicht auf Illustrirung"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "343", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651028-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5340, "texte": "eines ausserrausicalischen Programms durch Klangwirkun-\ngen und Motive,» denen man einen Zettel anhängen muss,\nworauf geschrieben steht, was sie bedeuten sollen. Ich habe\nbei diesem Satze die Erfahrung gemacht, dass Leuten, die\neben nur etwas Ciavier spielten, ohne irgendwie theoretisch\ngebildet zu sein, selbst die Umkehrungen der beiden The-\nma's nicht entgangen waren, während sie das Ganze doch\nnur als ein glänzendes Allegro bewunderten. Die Ausfüh-\nrung war besonders im Finale und im Quartette der Sai-\nten-Instrumente recht gut.\n„Das Mädchen von Kola\", nach Ossian's „Darthula\"\nals Elegie für Chor und Orchester von Karlßeinthaler\ncomponirt, brachte uns eine willkommene Erinnerung an\ndie hiesige Wirksamkeit des Componisten und wurde mit\nBeifall aufgenommen. Wenn man auch mit der Art der mu-\nsicalischen Behandlung dieses Bardengesanges vielleicht\nnicht ganz einverstanden ist, so ist doch die Composition,\nwenn man die Auffassung des Componisten gelten lässt,\ndurch schönen, melodischen Fluss und charakteristisches\nColorit ansprechend und allen Singvereinen zu empfehlen.\nJoachim führte uns eine neue Composition, sein drit-\ntes Violin-Concert, mit derjenigen Meisterschaft der Aus-\nführung der Solo-Partie vor, welche stets von Neuem in\nErstaunen setzt, so oft man ihn hört. Wir werden bei sei-\nnem Spiele der Wahrheit eines Ausspruches von Hegel\ninne, den man sonst in musicalischen Dingen nicht oft an-\nführen kann. „Verschwindet*, sagt er, „die Aeusserlichkeit\ndes Instrumentes durchaus, dringt die innere Musik ganz\ndurch die äussere Realität hindurch, so erscheint das In-\nstrument als ein vollendet durchgeführtes, eigenstes Organ\nder Künstlerseele. In diesem Falle geniessen wir die höchste\nSpitze musicalischer Lebendigkeit, das wundervolle Ge-\nheimniss, dass ein äusseres Werkzeug zum vollkom-\nmen beseelten Organe wird.\" —Die Composition des\nConcertes ist in grossen Dimensionen angelegt und durch-\ngeführt: der erste Satz ist von ungemeiner Innigkeit der\nmelodischen Gedanken, das Adagio beginnt mit einem schö-\nnen Gesänge, scheint uns aber nach und nach etwas zu\ndüster geworden; im Finale bricht ein geniales Thema wie\nein sprudelnder Quell aus dem melancholischen Felsenthal\ndes Adagio's hervor, stürzt sich schäumend übers Gestein\nhin und findet nur hier und da eine ebene Wiesenstrecke\nzu kurzem, ruhigerem Flusse. Im Ganzen möchten wir\nwünschen, dass der dichte Wald, mit dem das Orchester\ndie Hauptstimme umgibt, etwas gelichtet würde.\nDen zweiten Theil des Concertes füllte die Aufführung\nvon Beethoven's Musik zu dem Festspiele: „König\nStephan, Ungarns erster Wohlthäter\". Der Text dieses\nFestpiels, das zur Eröffnung des neuen Theaters in Pesth\nim Jahre 1812 aufgeführt wurde, ist von A. v. Kotzebue\nund führt uns in den Anfang des eilften Jahrhunderts zu-\nrück, wo der Herzog Stephan (997 1038) die Aufgabe,\nwelche sein Vater Geysa begonnen, die kriegerischen Ma-\ngyaren an feste Wohnsitze, an Ackerbau und staatliche\nOrdnung zu gewöhnen, zum Ziele seines Lebens machte,\ndem Christenthume die Herrschaft in Ungarn verschaffte\nund dem Reiche feste Gesetze verlieh. Dafür erhielt er\nvom Papste Sylvester 11. eine Krone, und Ungarn ward\nein Königreich.\nKotzebue hat auf diesen geschichtlichen Hintergrund\nein melodramatisches Gedicht entworfen, in welchem er\nden König Stephan redend und zugleich Chöre von un-\ngarischen Grossen, Frauen und Volk einführt. Die Musik\nBeethoven's beginnt mit einer grossen, durchgearbeiteten\nOuvertüre in Es-dur, welche vierzig Seiten der Partitur\nfüllt und auf welche er selbst viel hielt—ein Beweis, dass\ner diese Musik nicht bloss als ein flüchtiges Gelegenheits-\nwerk betrachtet hat. Auch fällt die Composition in das-\nselbe Jahr 1812, welches die Sinfonieen Nr. 7 (A-dur)\nund Nr. 8 (F-dur)entstehen sah.\nNach der Ouvertüre folgt ein dreistimmiger Männerchor\nder ungarischen Edeln, welche Stephan auf freiem Felde\nzur Versammlung berufen. Der König rühmt vom Throne\nherab die Thaten seines Vaters, der die heidnischen Götzen\nstürzte, worauf die Edeln (vierstimmiger Männerchor Nr. 2)\ndas Erscheinen des milden Lichtes von Glauben und Hoff-\nnung preisen.\nEine Schar von Kriegern naht, welche der König will-\nkommen heisst, da sie die Gränze gesichert haben und Frie-\nden bringen. (Siegesmarsch Nr. 3.) Hierauf begrüsst Stephan\nden Zug der edeln Frauen, in deren Geleit seine fürstliche\nBraut naht. (Frauenchor Nr. 4, In dem fol-\ngenden Melodrama (Nr. 5) empfängt der König seine\nBraut, während der allgemeine Chor (Nr. 6) den Jubel\ndes ganzen Volkes ausspricht.\nEine melodramatische Musik (Nr. 7) begleitet die Rede,\nmit welcher Stephan den ungarischen Grossen die Urkunde\ndes Staatsgesetzes überreicht, worauf ein „geistlicher\nMarsch\" (Nr. 8) folgt, während dessen die Gesandten von\nRom die Krone bringen. Daran schliessen sich unmittelbar\nkurze Jubelchöre des Volkes und eine ausgeführte melo-\ndramatische Musik, welche die Weissagung des Königs\nund eine Art von Vision über Ungarns und seiner Herr-\nscher künftige Grösse begleitet. Ein glänzender allgemei-\nner Chor (Nr. 9 in D-dur)schliesst das Ganze.\nDie Musik, die uns, mit Ausnahme der Ouvertüre,\nbisher unbekannt war, ist als ein Ganzes erst in der neuen\nund schönen Ausgabe der Werke Beethoven's (bei\nBreitkopf und Härtel in Leipzig) erschienen. In welchem\nVerhältnisse dieses Vorspiel zu dem zweiten: „Die Ruinen"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "344", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651028-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2106, "texte": "von Athen\", ebenfalls von Kotzebue und Beethoven, ge-\nstanden, ist nicht ganz klar. Nach einer kurzen Notiz in\nSchindlers Biographie Beethoven's sind beide Werke „in\nVerbindung\" im Herbste 1812 zu der oben genannten\nFestlichkeit im Stadttheater zu Pesth aufgeführt worden.\nBeethoven's Musik zu dem „König Stephan\" macht\ndoch im Concertsaale keinen rechten Eindruck, so reizend\nauch einige Nummern sind, zu denen namentlich der Frauen-\nchor gehört, dessen liebliches Motiv auch in der Ouvertüre\ndie Hauptrolle spielt. Das Ganze ist zu sehr auf scenische\nAusstattung und theatralischen Pomp in prächtigen Auf-\nzügen und dann auch, wie natürlich, speciel auf ungari-\nschen Patriotismus berechnet. Und dann lässt sich auch\nnicht läugnen, dass Beethoven sich die Sache mitunter ent-\nweder sehr leicht gemacht hat, oder sich den Anordnungen\ndes Regisseurs fügen musste. So hat z. B. der hübsche\nMarsch kein Trio, wahrscheinlich weil man für den krie-\ngerischen Zug auf dem Theater auf eine bestimmte Zahl\nvon Statisten beschränkt war, die sich bei einem Trio mit\nWiederholung des Marsches zu früh ausmarschirt haben\nwürden und so mögen noch andere äussere Gründe die\nkurz abgebrochenen Chöre motivirt haben. Jedenfalls sieht\nund hört man den meisten Nummern an, dass sie nur zur\nFolie dessen, was auf der Scene vorgeht, dienen sollten.\nDie Melodramen machen bei der nüchternen Diction der\nVerse keinen Eindruck. Das ist aber richtig, dass man die\nOuvertüre besser versteht, wenn man die darauf folgenden\nMusikstücke hört. Vielleicht wäre, eine Aufführung ohne\nalle Declamation rathsam, indem man die Ouvertüre, die\nChöre, den Marsch und wieder die Chöre (mit Weglassung\nalles Melodramatischen) gleichsam wie eine grosse Sere-\nnade aufführte. Wir ziehen das zweite Festspiel: „Die\nRuinen von Athen\", bei Weitem vor. Herr Friedrich\nDevrient, dessen künstlerische Bühnenleistungen uns in\ndiesem Winter erfreuen und der uns bereits in mehreren\ngrossen Rollen Beweise seines vielseitigen Talentes gegeben\nhat, sprach die Reden des Königs mit würdigem Ausdrucke\nund schönem, durch den ganzen Saal verständlichem Organ."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-10-28-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-10-28_01#c006", "volume": "bmtnabi_1865-10-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "344", "page_fin": "344", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651028-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "344", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651028-01.1.8", "debut_caractere": 2108, "fin_caractere_exclue": 4079, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nHoll!« Am Mittwoch haben die Gebrüder Müller aus Mei-\nningen ihre erste Quartett-Soiree gegeben. Sie spielten Haydn's\nQuartett in C-dur mit den Variationen auf „Gott erhalte Franz den\nKaiser\", Beethoven's Serenade Op. 8 für Violine, Viola und Vio-\nloncell, und F. Schubert's jD-moZ2-Quartett. Das Publicum zollte\nden Vorträgen enthusiastischen Beifall. Wir kommen auf das unver-\ngleichliche Spiel dieser Künstler, welches alles, was wir in dieser\nGattung je gehört haben, hinter sich lässt, zurück.\nF. Hiller1 s Sinfonie „Es muss doch Frühling werden\" ist\nzu Berlin in den Sinfonie-Soireen unter Leitung des Hof-Capell-\nmeisters Taubert aufgeführt und mit grossem Beifalle aufgenommen\nworden, was bei dem dortigen ausschliesslichen, in der Kegel gegen\nalle neueren Werke eingenommenen Publicum viel sagen will. Die\n„National-Zeitung\" sagt unter Anderem: „In der Arbeit verräth sich\nüberall die Hand, die gewohnt ist, die Mächte des Tonreiches nach\nihrem Willen zu lenken. Der geistvolle, gebildete, feinfühlige Mu-\nsiker verläugnet sich in keinem Tacte.w (Nr. 485.) Und die „Neue\nPreussische Zeitung\" schreibt: „Vor vielen neueren Compositionen\nzeichnet sich die Hiller'sche Sinfonie durch Klarheit, melodischen\nReichthum und maassvolle Instrumentirung aus.\" Das gibt ja\nHoffnung, dass es in Berlin „doch auch Frühling werden mussu !\nJEBpflllilSCltwcig« Am 8. November kommt hier Reintha-\nler' s Oratorium: „Jephta's Tochter\", zur Aufführung. Die Sopran-\nPartie wird die treffliche Concertsängerin Fräulein Julie Rothen-\nberger von Köln ausführen.\nDer berühmte Tenorist Giuglini, noch vor zwei Jahren eine\nZierde der italiänischen Oper in London und Paris, ist im Anfange\ndieses Monats im Irrenhause zu Pesaro gestorben, wohin man ihn,\nda ein plötzlicher Wahnsinn ihn ergriffen, hatte bringen müssen.\nDer König von Italien hat dessen Sohne ein Stipendium bewilligt.,\ndamit er seine Vorbereitung zum Dienste bei der Marine fortsetzen\nkönne."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "337", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651028-01.1.1", "texte": "Inhalt.\n»\nHeinrich Wilhelm Ernst (Nekrolog). Die italiänische Oper in München von 1654—1787 (Schluss). Amster-\ndamer Briefe (Sommer-Concerte Theater-Zustände Populäre Concerte Concert von Adelina Patti Felix Meritis). Von Ma-\ntino. Erstes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, erste Quartett-Soiree der\nGebrüder Müller, F. Hiller's Sinfonie „Es muss doch Frühling werden\" Braunschweig, „Jephta's Tochter\" Tenorist Giuglini f).\n\nHeinrich Wilhelm Ernst.\n(Nekrolog.)\n\nDer grosse Violinspieler Ernst ist am 8. October in\nNizza von seinen langjährigen Leiden durch den Tod er-\nlöst worden. Als ausübenden Virtuosen hatte die Kunst\nihn schon längst verloren, doch nicht als Künstler, denn\ner beschäftigte sich noch in den letzten Jahren mit Com-\npositionen namentlich von Violin-Quartetten, von denen\nweiter unten die Rede sein wird.\nHeinrich Wilhelm Ernst war zu Brünn in Mäh-\nren im Jahre 1814 geboren. Sein Talent zeigte sich früh\nund entwickelte sich so schnell, dass er schon als zehnjäh-\nriger Knabe öffentlich spielte. Seit 1825 erhielt er seine\nkunstgemässe Ausbildung in Wien vor Allem durch Joseph\nBöhm, der später auch Joachim's Lehrer war, benutzte\nden Rath und das Beispiel Mayseder's und in der Harmo-\nnie- und Compositionslehre den Unterricht von Seyfried.\nVier Jahre später trat er seine erste Kunstreise an und\nerregte besonders in München, dann auch in Frankfurt\nund Stuttgart grosse Theilnahme für sein früh reifes Ta-\nlent. Nach seiner Rückkehr in Wien soll eine unglück-\nliche Liebe schon damals eine Quelle der trübsinnigen\nStimmung gewesen sein, die sich später oft seiner be-\nmächtigte. Im Jahre 1831 oder 1832 ging er nach Paris,\nwo er zuerst sich im Theater der italiänischen Oper hören\nliess. Er hielt sich mehrere Jahre dort auf, studirte die\nViolinisten der französischen Schule und wurde haupt-\nsächlich de Beriot's eifrigster Schüler, wodurch sein Spiel,\ndem künstlerisches Verständniss und staunenswerthe Tech-\nnik schon vollkommen zu Gebote standen, auch an Ele-\nganz gewann.\nNach seinem pariser Aufenthalte bereiste er zuerst\nHolland, gab im Anfange des Jahres 1839 in Paris meh-\nrere Concerte und reihte auf seinen fortwährenden Kunst-\nreisen Erfolg an Erfolg. Er durchwanderte auf seinen\nKünstlerfahrten last alle Länder Europa's. Zunächst be-\nsuchte er Süddeutschland, namentlich Wien (1840), wo\ner unglaublichen Enthusiasmus erregte, dann alle bedeu-\ntenderen Städte von Norddeutschland, besonders Berlin\nwiederholt, eben so Leipzig, Dresden u. s. w., durchreiste\nPolen-, Rüssland, Schweden und Dänemark, und brachte\nseit 1844 mehrere Saisons in London zu, wie er denn in\nden Jahren, die vor seinem Aulenthalte in Nizza liegen,\nin England gewisser Maassen eine zweite Heimat gefun-\nden hatte.\nErnst hatte sich vor fünfzehn Jahren mit einer jun-\ngen Dame, die auf dem Conservatorium zu Paris ihre\nStudien für die dramatische Kunst machte, verheirathet.\nFräulein Siona Levy erregte damals durch ihr entschie-\ndenes Schauspieler-Talent grosse Erwartungen, und man\nsah in ihr eine zukünftige Nachfolgerin der Rachel. Nach\nihrer Vermählung mit Ernst trat sie in dessen Concerten\nzuweilen mit declamatorischen Vorträgen auf und bestä-\ntigte durch den Eindruck derselben die gehegten Hoff-\nnungen; aber sehr bald nach diesen Erfolgen musste sie\nder Kunst entsagen und konnte sich nur der Sorgfalt für\nihren immer mehr leidend werdenden Gatten widmen.\nIm Frühjahre von 1863 war Ernst zum letzten Male\nin England. Die Veranlassung zu dieser Reise war eine\nschwache Hoffnung auf Genesung. Edward Bulwer Lytton,\nder ihm der treueste unter seinen zahlreichen Freunden\nin England war, hatte ihn bewogen, sich in Malvern einer\nKaltwasser-Cur zu unterziehen. Der berühmte Vorsteher\nder dortigen Heilanstalt, Dr. Wilson, kam selbst nach\nLondon, um Ernst dort abzuholen, und reiste Ende April\nmit ihm und seiner Gattin nach Malvern. Die heissen\nWünsche aller Künstler und Freunde begleiteten den Vir-\ntuosen, den die Engländer mit Recht den „am meisten\npoetischen\" Violinspieler nannten, allein die Erfüllung die-\nser Wünsche lag ausser dem Reiche der Möglichkeit; die\nscheinbare Erkrältigung hielt nicht lange an, und Ernst"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "338", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651028-01.1.2", "texte": "selbst kehrte wohl nur mit schwacher Hoffnung nach\nNizza zurück.\nDer Director der Monday Populär Conceris in Lon-\ndon brachte zu Ehren des kranken Reisenden dessen Quar-\ntett in B-mollauf das Programm der Sitzung vom 27.\nApril. Das Werk war schon im vorjährigen Sommer eben\nda sehr gut aufgenommen worden und wurde jetzt in\ndem Privathause eines Herrn Benson, wo Ernst wohnte,\nin Gegenwart des Componisten durch die Herren Vieux-\ntemps, Wiener, Webb und Piatti probirt. Ernst, der es\nbis dahin nur von Dilettanten gehört hatte, war sehr er-\nfreut darüber und sprach den ausführenden Künstlern\nseinen wärmsten Dank dafür aus*).\nDieses Quartett war eines von den dreien (die beiden\nanderen in A und in C), durch deren Composition der\nKünstler sich über seine körperlichen Schmerzen zu trösten\nsuchte, die ihn in den letzten neun bis zehn Jahren seines\nLebens fast nie verliessen. Im October 1864 war er noch\neinmal in Paris, wo ihm die Herren Holmes (das treff-\nliche Künstler-Brüderpaar), Jacquard und Ney zwei von\njenen Quartetten vorspielten. Stephen Heller schrieb da-\nmals über diese Corapositionen:\n„Wir wollen nicht versuchen, durch eine trockene\nAnalyse eine Idee von diesen durch ihren Umfang und\nihren inneren Werth so bedeutenden Werken zu geben.\nMan darf nicht den liebenswürdigen Componisten der\nOthello- und Pirata-Phantasie darin suchen, wohl aber\nerkennt man den merkwürdig grösser und klarer gewor-\ndenen Schöpfer der, „Elegie\" \"unddes Violin-Concertes in\nFis-dur darin wieder. Alles, was diese zwei Werke ver-\nhiessen, ist hier verwirklicht, und man hat einen Künstler\nvon edier Art, der den Gipfel seiner Begabung erreicht\nhat, vor sich. .. .• .\n„Diese Quartette kann nur ein Künstler geschrieben\nhaben, der die Werke der grossen Meister dieser Gattung\nanhaltend studirt und hundert Mal selbst vorgetragen hat.\nDer Stil ist von Anfang bis Ende durchweg edel, nirgends\neine feige Gefälligkeit für unkünstlerische oder frivole\nOhren. Ihre Schönheit ist ernst und streng und von jener\nArt, die allein einem Werke die Zukunft sichert. Dess-\nhalb darf man aber nicht glauben, dass es ihnen an Me-\nlodie fehle; namentlich bieten die langsamen Sätze aus-\ndrucksvollen, einnehmenden und oft auch leidenschaftlichen\nGesang dar. Die Scherzo's sind echt humoristisch: das\nerste hat eine, man möchte sagen: epigrammatische Kürze,\ndas andere ist dagegen sehr durchgeführt und zeigt harmo-\nnische und rhythmische Kühnheiten; beide Sätze erinnern\naber nicht im geringsten an frühere Schöpfungen in die-\nser Gattung, und das ist ein grosses Verdienst. Mit Einem\nWorte: diese Quartette bekunden eine vollständige Um-\nwandlung des grossen Virtuosen zum Componisten und\nverdienen die grösste Aufmerksamkeit aller Musiker und\nKenner.\" *)\nEines dieser Quartette war auch zu London im Juni\n1864 in dem „Ernst-Concerte\" in St. James Hall, dessen\nEinnahme zum Besten des Leidenden bestimmt war, ge-\nspielt worden. In diesem Concerte spielte ferner Joachim\ndie „Elegie\" von Ernst, Wieniawski die Transscription von\nSchubert's „Erlkönig\"; Frau Dustmann und Sims Reeves\ntrugen Gesänge vor.\nBekanntlich hat Ernst während seiner Virtuosen-Lauf-\nbahn viele Compositionen herausgegeben, welche haupt-\nsächlich den Zweck hatten, sein Spiel in Concerten in vol-\nlem Glänze zu zeigen. Wo sollte er auch bei seinen un-\nausgesetzten Künstlerfahrten durch Europa die nöthige\nRuhe zum Schaffen grösserer Werke ernsterer Gattung\ngefunden haben, bis ihm leider ein furchtbares Schicksal\ndiese Ruhe, aber auf schreckliche Weise, brachte. Allein\nauch unter seinen Virtuosen-Compositionen sind einige,\ndie zum Theil stellenweise, zum Theil ganz (wie die be-\nrühmte „Elegie\") Sinn und Gefühl für das höhere Schöne\nin der Kunst offenbaren. Auch sein Concert in\ngehört dahin.\nAm grössten war er freilich als ausübender Künstler.\nSeit Spohr war er der Erste, der mit einem grossen Tone\neinen wahrhaft poetischen Vortrag der Melodie verband,\ndenn der grosse Ton allein macht noch keineswegs den\nseelenvollen Gesang auf der Violine aus. Dazu kam\ndann bekanntlich eine eminente Technik, durch welche er\ndie grössten Schwierigkeiten, die er.sich oft erst selbst\nschuf („Othello-Phantasie\", „Carneval von Venedig\"), mit\nLeichtigkeit und Anmutb vortrug, denn auch die Ele-\nganz war eine sehr hervorstechende Eigenschaft seines\nSpiels, Wenn dieses in den letzten Jahran seiner Vir-\ntuosenzeit nicht immer gleich war, nicht Tag für Tag\nund Stunde für Stunde dasselbe, so war das im Grunde\nbei seiner Eigenthümlichkeit, die ihn, wie jeden originellen\nKünstler, nur in glücklichen Stunden, wo der angeborene\nInstinct durchbrach, dem vollsten Schwünge der Begeiste-\nrung hingab, nicht eben zu verwundern, daher denn auch\nschon in seinen kräftigen Jahren ihm derselbe Vorwurf\nmanchmal gemacht wurde. Später aber war diese Ver-\nschiedenheit in der Vollkommenheit des Spiels eine natür-\nliche Folge des körperlichen Zustandes, der nothwendig\nmit dem Mangel an Kraft auch eine lähmende Abspannung\ndes Geistes herbeiführte. So haben wir ihn z. B. noch im\n\n*) Musical World,Jahrgang ]8(io, Nr.\n*) Vgl. Bevue et Gazette musicale de Paris, 1864, Nr. 45»"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "339", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651028-01.1.3", "texte": "Jahre 1854 in London seine Othello-Phantasie in einem\nMorgen-Concerte (d. b. nach londoner Gebrauch Nach-\nmittags zwischen 3 und 5 Uhr) in Hanover Square Rooms\nausgezeichnet schön spielen hören, und konnten am Abende\nin Exeter Hall kaum denselben Spieler in dem Vortrage\ndesselben Stückes wiedererkennen.\nSieben bis acht Jahre hat er in Nizza gewohnt, wo\nihn am 8. October um 2 Uhr der Tod von einem zuletzt\nnur qualvollen Dasein befreit hat. Als Mensch war Ernst\ndurch einen edeln Charakter und werkthätiges Mitgefühl\nlür menschliches Unglück und Noth, so wie durch Geist\nund angenehme Manieren im geselligen Verkehr achtungs-\nwerth und beliebt. Seiner Leiche folgte ausser den ange-\nsehenen Einwohnern Nizza's auch ein langer Zug von\nArmen, der dem Dahingeschiedenen nicht weniger zur\nEhre gereichte. Und doch war Ernst nichts weniger als\nreich; er gab nicht von seinem Ueberflusse, sondern ver-\nsagte sich selbst Manches, um den Hülfsbedürftigen, die\ner von Anfang an unterstützt hatte, die gewohnte Gabe\nnicht zu entziehen. Die Leiche ist vorläufig in einem Ge-\nwölbe niedergesetzt worden: gewiss werden die Freunde\nund Kunstgenossen des Verewigten für eine würdige\nRuhestätte Sorge tragen.\n\nL. B.\n\nDie italänische Oper in München von 1654—1787.\n(Schluss. S. Nr, 42.)\nUeber die musicalische Abtheilung der k. Bibliothek\nzu München erfahren wir auf S. 100 Folgendes:\n„Die aus 568 Manuscripten und 681 Drucken be-\nstandene musicalische Abtheilung der königlichen Hof-\nund Staats-Bibliothek war bis zum Jahre 1857 nicht der\nLeitung eines sachverständigen Mannes übertragen und\nwies ausserdem, trotz namhafter einzelner Raritäten, be-\ndeutende Lücken auf, welche mit dem sonstigen Reich-\nthume dieser königlichen Anstalt scharf contrastirten. Wo-\nhin es führt, wenn die einem abgegränzten Kunstgebiete\nangehörigen Abtheilungen den Händen in dieser Specia-\nlität nicht sehr wohl Bewanderter übertragen werden,\nzeigt obige Thatsache und könnte durch weitere Beispiele\ndargethan werden. Es ist ein wesentliches Verdienst der\njetzigen Direction, die musicalische Abtheilung nicht nur\nunter die specielle Leitung eines in allen Zweigen der mu-\nsicalischen Kunstgeschichte wohl erfahrenen Gelehrten,\nH. Julius Maier, gestellt, sondern auch Sorge getragen zu\nhaben, die bestehenden Lücken auszufüllen, so dass nun-\nmehr durch Acquisition ausgewählter Werke, wie ganzer\nSammlungen (ich erinnere an die kostbare Thibaut'sche\nBibliothek), die Zahl der Manuscripte auf 1810 Nummern\nin 4336 Bänden, die der Drucke auf 2121 Nummern\nmit 4244 Werken gestiegen ist. Ueber den Stand der\nSammlung im Jahre 1772 vergleiche man Burnev's Ta-\ngebuch, 11., 95 ff.\"\nWir haben schon erwähnt, dass mit Max Emanuel's\nRückkehr nach München trotz der traurigen Lage des\nLandes die glänzenden Holfeste wieder begannen. Die ge-\nwöhnlichen Mittel scheinen für den immer häufiger und\nmit grösserer Pracht wiederkehrenden Opern-Aufwand\nnicht mehr ausgereicht zu haben. Durch ein Decret vom\n8. Juli 17 24 wurde, angeblich um der ungemessenen\nSpielwuth des gemeinen Mannes Einschränkung zu setzen,\nder Kartenstempel eingeführt, welcher bis zum heuti-\ngen Tage in Hebung besteht; allein aus einem Erlasse\nvom 12. März 1724 an die Hofkammer erhellt, dass die-\nser Kartenstempel ausschliesslich „zur Bestreitung der\nOpern-Unkosten\" verwendet werden soll; und aus einer\nlangen Reihe von Actenstücken geht hervor, dass diese\nStempelgefälle wirklich hierzu verbraucht wurden.\nDie Karten spielen aber noch bedeutender mit in einem\nVertrage, der 1728 vom Hofe mit einem Italiäner abge-\nschlossen wurde; das Actenstück darüber ist noch vor-\nbanden und dessen Schluss lautet: „Demnach sich M.\nSorgo gegen Ihro churf. Durchlaucht erboten, dass im\nFall ihm auf 5 Jahre der private Verkauf aller im Her-\nzogthum Bayern und der Oberpfalz zu verbrauchenden\nKarten mit einem Aufschlage von 30 kr. von jedem sol-\nchen Gespiel, ferner auch der Privatverkauf allerlei frem-\nder, Irischer oder gedörrter und candirter Früchte, jedoch\ngegen Abstattung aller Mauth- und Zollgebühr überlassen\nwürde, derselbe 40 tausend rhein. Gulden jährlich zum\nbayer. Hofzahlamt erlegen und darüber das Jahr durch\nwöchentlich italiänische Comödien, ferner zwei Opern,\neine zu Herbst, die andere zur Fastnacht ohne Entgelt\nausführen werde, also haben Ihre churf. Durchlaucht ihm\nsowohl gedachten Karten- als fremden Früchtenverkauf\ngnädigst zugestanden und darüber mit Sorgo Contract\nerrichten lassen.\"\nDieser Vertrag wurde der Hofkammer mit dem Be-\nfehle übergeben, das Hof-Zahlamt zur Vereinnahmung der\n40,000 Fl. in quatemberlichen Raten anzuweisen, mit\ndem Beifügen, dass diese Summe „zur Bezahlung der Ca-\npelle, Kammer- und Hofmusik, dann der französischen\nJägerei destinirt worden, wonach sich zu achten\".\nDer Vertrag kam aber nicht zur Ausführung, weil\nMichel Sorgo sich plötzlich und heimlich aus dem Staube\ngemacht hatte.\nUnter der Menge von italiänischen Opern-Componisten\nbegegnen wir im Jahre 1739 als einem seltenen Vogel\n\n[*l"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "340", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651028-01.1.4", "texte": "einem Deutschen, der sich Don Placido de Cammer-\nloher nannte und die Oper componirt\nhatte. Placidus von Cammerloher war zu Anfang des\nachtzehnten Jahrhunderts in Murnau geboren und gehörte\neinem noch heute in Baiern blühenden, von Kurfürst\nMax I. in der Person des Kammer- und Finanzrathes\nFranz Ignaz Cammerloher in den Adelstand erhobenen\nGeschlechte an. Seine Erziehung erhielt er mit zwei Brü-\ndern in der Ritter-Akademie zu Ettal: über seinen Le-\nbensgang nach Vollendung der Studien daselbst liegt tie-\nfes Dunkel; er scheint der kurfürstlichen Capelle angehört\nzu haben, doch lässt sich beim Mangel der Hof-Zahlamts-\nbücher nichts Sicheres hierüber behaupten; über die an-\ngeblich 1739 aufgeführte „Melissa iradita\" fand ich\nalles Forschens ungeachtet nicht eine Spur. So genannte\n„Symphonieen\" seiner Composition erschienen im Jahre\n1760 zu Amsterdam und Nürnberg, eine weitere Samm-\nlung zu Lüttich im Drucke. Da diese Compositionen mit\nder von Cammerloher gelieferten Opernmusik in keiner-\nlei Zusammenhang stehen, so sei ihrer hier nur in so fern\nerwähnt, als Lipowsky's patriotischer Eifer diese keines-\nwegs bedeutenden Musikstücke als „Vorläufer des Quar-\ntettes\" bezeichnen zu müssen geglaubt hat eine Be-\nhauptung, welche Jedem, der mit der Entwicklungs-Ge-\nschichte der Instrumentalmusik nur einiger Maassen ver-\ntraut ist, völlig ungegründet erscheinen muss. Im Jahre\n1748 trat Cammerloher in den Priesterstand, erhielt erst\nein Canonicat bei St. Veit, dann bei St. Andreas in Frei-\nsing, und lebte in dieser Stellung und als fürstbischöflicher\nHof-Capellmeister bis zu seinem im Jahre 1776 erfolgten\nTode. Ausser den schon erwähnten „Symphonieen\" schrieb\nCammerloher in Freising auch eine Reihe von Singspielen,\nwelche bei festlichen Gelegenheiten durch Studenten auf-\ngeführt wurden, eine Reihe von „Meditationen\" für die\nJesuiten in München und einige Oratorien. Die Textbü-\ncher sind noch vorhanden, dagegen ist die Musik verloren\ngegangen.\nDer Kurfürst Maximilian 111. war selbst ein talent-\nvoller Musiker, spielte Ciavier, Violine, Violoncell und vor-\nzüglich Gamba, und hatte auch bei Bernasconi Contra-\npunkt studirt. Ein Stabat matervon ihm wurde ohne sein\nWissen in Verona gedruckt, aber er Hess die Platten und\nsämratliche Exemplare aufkaufen, weil er die Composition\nder Veröffentlichung nicht würdig hielt. Er liess das neue\nOpernhaus bauen, das am 12. October 1753 mit Fer-\nrandini's „ Catone in Utica\", Text von Metastasio, eröff-\nnet wurde. Die Schwester Maximilian's, Maria Antonia,\nnachherige Kurfürstin von Sachsen, war eine ausgezeich-\nnete Clavierspielerin und Sängerin, auch Dichterin in\nitalienischer und französischer Sprache. Sie dichtete und\ncomponirte die Oper „ Talestri regina delle Amazoni\",\nwovon die Partitur 1765 bei Breitkopf in Druck er-\nschienen ist.\nAntonio Sacchini (f 1T86) hat zwei Opern für\nMünchen geschrieben: „Scipi und\nEroe cinese\" (beide 1770); die letztere wurde bei\nder Durchreise von Marie Antoinette mit Pracht gegeben\nund in den beiden folgenden Jahren im Carneval wieder-\nholt. Die Partituren beider Opern sind auf der königlichen\nBibliothek vorhanden; vergebens suchen wir aber bei\nHerrn Rudhart nach einer kritischen Analyse der Musik,\ndie sich doch wohl bei dem berühmten Componisten des\n„Oedipe ä Oolonne\" (Paris, 1785) der Mühe verlohnt\nhätte.\nIm Jahre 1773 wurde Gluck's\ngegeben, am 13. Januar 1775 Mozart's „La Finita\nGiardiniera\", 1779 Wieland's (deutsche) „Alceste\", Mu-\nsik von Schweitzer, auf welche Rudhart im zweiten\nTheile ausführlich zurückzukommen verbeisst, am 29. Ja-\nnuar 1781 Mozart's „Idomeneo\"\nUeber das Honorar, das Mozart erhalten hat, und\nüber die Aufnahme der Oper beim Publicum nach der\nVorstellung hat Rudhart eben so wenig, wie 0. Jahn, ir-\ngend eine bestimmte Angabe gefunden; die Nachrichten\nüber den Erfolg bei Jahn beziehen sich bekanntlich nur\nauf die Proben. Rudhart zweifelt an dem Erfolge beim\ngrösseren Publicum, was er aus der einzigen gleichzeiti-\ngen Notiz, die er auffinden konnte, schliesst. Diese steht\nin den „Münchener Staats-, Gelehrten- und vermischten\nNachrichten\" von 1781, Nr. 19: „Am 29. abgewiche-\nnen Monats wurde zum ersten Male die Oper Ido-\nmeneo aufgeführt. Verfassung, Musik und Uebersetzung\nsind Geburten von Salzburg. Die Decorationen\nwaren Meisterstücke unseres hiesigen berühmten Lo-\nrenz Quaglio.\"*)\nDer Kurfürst Karl Theodor indess wurde nach und\nnach der italiänischen Oper immer mehr abgeneigt, und\nals auch äussere Gründe, namentlich die verschwenderi-\nsche Intendanten-Wirthschaft, hinzukamen, so machte er\ndurch einen Befehl vom 10. November 1787 der italiäni-\nschen Oper an seinem Hofe ein Ende. Sie hatte daselbst\n133 Jahre lang bestanden.\n\n*) So ergeht es Erstlingswerken wohl auch noch heutzutage,\nwie z, B. ein Hoftheater-Director auf den Antrag, GeibeTs und\nBruch1 s „Loreley\" aufzuführen, geantwortet hat: „Hier geben wir\nkeine Decorations-Opem!\""}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "341", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651028-01.1.5", "texte": "Amsterdamer Briefe.\n\nDen 19. October 1865.\nDer Herbst rückt mit Macht heran, die Natur legt\nihr Winterkleid an und die Sommer-Concerte, die in Am-\nsterdam gar zu sehr wuchern, haben, dem Himmel sei\nDank! aufgehört. Die Musik im Freien, die Potpourris\nüber Verdi'sche Thema's, Arditi's Bado und die Phan-\ntasieen ohne Phantasie des Herrn Berlyn werden guter\nMusik Platz machen: und das war in der That hohe Zeit.\nDie Orchester im Park und im Industriepalaste haben den\nSommer hindurch nach Herzensfreude ihre Lust gebüsst,\nund Liszt s symphonische Dichtungen haben sich schwe-\nsterlich mit den erwähnten Phantasieen über den Trova-\ntore und die Traviata gepaart. . \\\nNun, der Fall des Laubes wird allem diesem Treiben\nden Garaus machen. Die Theater sind wieder geöffnet.\nDoch bin ich im Irrthum, wenn ich von „Theatern\"\nspreche, denn in ganz Amsterdam gibt es kein einziges\nSchauspielhaus, das anständig genug wäre, eine gebildete\nZuhörerschaft aufzunehmen. Ein paar kleine holländische\nTheater, ein deutsches Vaudeville, in denen man raucht\nund trinkt, mithin eine Art von Cafes dann das\nNational-Theater in einem abscheulichen Hause, das als\nprovisorisches Local beinahe vor hundert Jahren erbaut\nwurde und seitdem in diesem monumentalen Zustande ge-\nblieben ist das ist alles, was Amsterdam von Theatern\naufzuweisen hat.\nIn dem zuletzt genannten Hause gibt man holländi-\nsche Dramen und Lustspiele, und ein Mal wöchentlich\nsingt die französische Operngesellschaft vom königlichen\nTheater im Haag in dieser Baracke. Sollte man sagen,\ndass eine Stadt von beinahe 300,000 Einwohnern, in\nwelcher Geld im Ueberflusse vorhanden ist, nicht die Mit-\ntel auftreiben kann, um ein Local zu bauen, wie man es\nin den Städten zweiten, ja, dritten Ranges in Deutschland\nund Frankreich überall findet, ein Theater, wo die dra-\nmatische und musicalische Kunst nicht durch Rauchen\nund Trinken prostituirt würde! Es ist dies eine Schande\nfür die Stadt, aber leider eine Thatsache!\nDer Holländer es ist nun einmal so, und es hilft\nnichts, es ignoriren zu wollen trennt sich schwer von\nseiner Cigarre und seinem Glase Punsch oder Bier; selbst\nin den Concerten, wo nicht geraucht wird (es gibt übri-\ngens deren, wo man raucht), benutzt er die Pause, um in\ndem Foyer oder in einem nahen Kaffeehause eine Regalia\nanzuzünden und ein Glas zu trinken. So spricht denn auch\neben so wenig für den feinen Geschmack des Publicums,\ndass kein ordentliches Theater sich hier halten kann, wäh-\nrend die Vaudeville-Theater und die Cafes chantants im-\nmer voll sind; es gibt eine Menge von Leuten, die mit\nFreuden viele Gulden nach einer Kirmessbude tragen,\nwährend ein Concert von Adelina Patti, wo sich ausser\nihr noch andere gute Künstler hören lassen, nur mässis\nbesucht wird.\nDie „populären Concerte«, welche der Verein für\nBeförderung der Tonkunst seit einigen Jahren eingerichtet\nhat, und in denen man gute Musik und unter Verhulst's\nLeitung gut ausgeführt hörte, haben auch keinen Bestand\nhaben können und werden nicht mehr Statt finden: Wett-\neifer und Streit mit den übrigen Concert-Vereinen hört\nalso auf, da keine Streiter mehr da sind. Es ist dies «ar\nsehr zu bedauern.\nEine deutsche Gesellschaft, die uns seit mehreren Jah-\nren gute Opern zu geben versuchte, kommt ebenfalls nicht\nwieder, da noch jeder Unternehmer schlechte Geschäfte\ngemacht hat, so dass nur die französische Oper vom Haag\nübrig bleibt, wo man Ein Mal in der Woche mit Anstand\nhingehen kann, um Meyerbeer, Halevy und Verdi ohne\nCigarre zu hören. Der Tenor Ca übet, der schon vor\neinigen Jahren der Liebling des Publicums war, steht\ndort jetzt von Neuem im Gerüche der Berühmtheit. An\nFrische der Stimme hat er zwar verloren, aber er hat doch\nnoch sehr schöne Momente, vortreffliche Gesangweise und\nvollkommen befriedigenden Vortrag des Recitativs. wie\neinst Duprez in seiner Blüthezeit: kurz, er ist ein talent-\nvoller Künstler. Die übrigen Mitglieder erheben sich nicht\nüber die Mittelmässigkeit und sind weit davon entfernt,\ndas Publicum in Erstaunen zu setzen.\nKehren wir lieber zu Adelina Patti zurück, zu die-\nser so interessanten Erscheinung, dieser Ausnahme-Natur,\ndieser bezaubernden Künstlerin, deren magnetische An-\nziehungskraft auf alle wirkt, die sie hören und bewundern\nkönnen. Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, dass ihr\nTriumph hier eben so gross wie in Köln gewesen ist,\ndass sie die Zuhörerschaft in Begeisterung versetzt hat und\nmit Bravo's und Blumen überschüttet worden ist. Adelina\nPatti ist ohne Zweifel eine der ausserordentlichsten Künst-\nlerinnen unserer Zeit. Ihr Concert wurde unterstützt durch\nden berühmten Bottesini, den Paganini unter den Con-\ntrabassisten, der ebenfalls ein Phänomen unter den jetzi-\ngen Kunstgenossen ist, ferner durch Mademoiselle Ca-\nstellan, eine recht talentvolle Violinistin, Herrn Leo-\npold von Meyer, einen Ciavierspieler, von dem man\nviel zu viel Wesens gemacht hat, endlich durch drei ita-\nliänische Sänger, die Herren Brignoli, Amadio (Bari-\nton) und Zoboli (Bass-Buffo), von denen der erste eine\nsehr angenehme Tenorino-Stimme hat. Die drei Concerte\nfanden im Industriepalaste Statt."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "342", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651028-01.1.6", "texte": "Die Concerte der Gesellschaft werden\nnächstens beginnen. Verhulst hat die Direction aller\nbedeutenden musicalischen Institute von Amsterdam unter\nseinen Scepter zu bringen verstanden: die eben genannten\nConcerte, dann die vom Vereine für Beförderung der\nTonkunst und die des Musikvereins „Cäcilia\" u. s. w. Der\nVerein für Beförderung der Tonkunst bereitet dem Ver-\nnehmen nach Händel's „Messias\" zur Aufführung in seinem\nersten Concerte vor. Derselbe Verein hat seine Gesang-\nschule in eine Art von Musikschule umgestaltet, in der\nman im Gesänge, auf dem Pianoforte, der Violine und\ndem Violoncell Unterricht ertheilt. Leider fehlt es aber an\nguten Gesanglehrern in unserer Stadt; ein guter Sänger\nund talentvoller, erfahrener Gesanglehrer könnte sich hier\neine sehr gute Stellung gründen. Er würde auch gewiss\nschöne Stimmen entdecken und durch ihre Ausbildung\ndem jetzt sehr fühlbaren Mangel an holländischen Sängern\nabhelfen; das Nationalgefühl würde sich heben, um sich\nvon der Nothwendigkeit frei zu machen, zu jedem grossen\nConcerte, zu jedem Musikfeste fremde Sänger, meistens\naus Deutschland, zuweilen auch aus Frankreich, mit gros-\nsen Kosten kommen zu lassen.\nAber auch in anderen Beziehungen bleibt noch viel\nauf dem Gebiete der Tonkunst in Holland zu reformiren;\naber dazu bedürfte es des Zusammenwirkens der unab-\nhängigen Presse, und eine einzige Stimme in einer auslän-\ndischen Zeitung verhallt wie die Rede eines Predigers in\nder Wüste und wird mitunter von den Local-Patrioten\nnoch obenein verkannt und angefeindet. Die musicalische\nKritik befindet sich in Holland grossentheils in den Hän-\nden von Componisten, und das ist nicht gut, denn gar oft\nsind ihre Urtheile nicht frei von Vorliebe oder Eifersucht,\nund desshalb bleiben sie ohne Einfluss. Es ist überhaupt\nnicht in der Ordnung, wenn ein Musiker von Fach den\nanderen kritisirt. Die Feder ist eine gefährliche Waffe,\ndie sich oft gegen den, der sie nicht vorsichtig führt,\nkehrt; man denke nur an Berlioz in Frankreich und an\nWagner in Deutschland, welche sich offenbar dadurch\nviel geschadet haben. Von unseren Musikern widersteht\nVerhulst fast allein der lockenden Versuchung, zu Schrift-\nstellern, bleibt mithin auch von jedem Verdachte der Ca-\nmeraderie und so weiter frei, und sein Ansehen und sein\nEinfluss sind dadurch nur um so grösser.\n\nMatino.\n\nErstes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn\nFerdinand Hiller.\nDinstag, den 17. October 1865.\nDie Winter-Concerte im grossen Gürzenichsaale ha-\nben am 17. October wieder begonnen, und die vollen\nBäume zeigten, dass die Tbeilnahme des Publicums sich\neben so rege, wie früher, dem Kunstinstitute gegenüber\nbewährt, dessen Ruf seit Jahren sowohl durch die Auswahl\nder musicalischen Werke und Zusammenstellung der Pro-\ngramme, als durch die kunstgemässe Ausführung dersel-\nben sich so begründet hat, dass von allen Seiten dahin ge-\nwirkt werden muss, diesen Ruf als eine theure Errungen-\nschaft zu bewahren und zu erhöhen. Dazu gehört denn\nnicht nur die Vereinigung und eifrige Mitwirkung aller mu-\nsicalischen Kräfte von Köln, sondern auch die Beschaffung\nreichlicher Mittel durch ein zahlreiches Abonnement, da\ndie Concerte, um ihrer künstlerischen Aufgabe zu genügen,\nVerhältnisse angenommen haben, welche bedeutende Aus-\ngaben nöthig machen. Um so erfreulicher muss für jeden\nKunstfreund die oben ausgesprochene Wahrnehmung über\nden auch in diesem Jahre wohlbesetzten Saal sein.\nDie grosse C-dur-Sinfonie von Mozart öffnete die Pfor-\nten des Tempels der Tonkunst und führte uns in die Herr-\nlichkeit desselben ein, denn eine grössere Pracht und einen\nhelleren Glanz, als gleich der erste Satz in Verbindung mit\nden Zierden der Anmuth und Schönheit ausstrahlt, kann\nman sich kaum denken. Wenn der Name „Jupiter\", den\nman dieser Sinfonie gegeben, den majestätischen, göttlichen\nAdel bezeichnen soll, der darin herrscht, so wollen wir\nnichts dagegen haben, obschon wir überhaupt der symbo-\nlischen Taufe von Musikstücken und den Erfindungen süs-\nser Dilettanten, die bei „Mondschein-Sonate\", „Harfen-\nQuartett\" u. dgl. Gevatter gestanden haben, durchaus nicht\ndas Wort reden wollen. Ohne auf die so oft gepriesene\nund dennoch niemals genug zu preisende Meisterschaft, die\nsich im Schlusssatze offenbart, zurückzukommen, möchten\nwir nur bemerken, dass dieses Finale durch seine wunder-\nbare Verschmelzung der grössten contrapunktischen Kunst\nmit dem freien Ergüsse der Phantasie mehr als irgend ein\nMusikstück geeignet ist, dem aufmerksamen Zuhörer eine\nVorstellung von dem wahren Wesen der Instrumentalmusik\nzu geben, indem sich ihm bei der Klarheit, mit welcher,\ntrotz dem Klangreichthum und der Tonfülle des Ganzen,\ndas Motiv des Fugen-Thema's stets wieder eintritt, das\nGefühl aufdrängen muss, dass der aufregende und hinreis-\nsende Eindruck der Orchestermusik überhaupt doch wohl\nauf dieser Art der Durchführung beruhe, das heisst auf\nder specifisch musicalischen Kunst und nicht auf Illustrirung"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "343", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651028-01.1.7", "texte": "eines ausserrausicalischen Programms durch Klangwirkun-\ngen und Motive,» denen man einen Zettel anhängen muss,\nworauf geschrieben steht, was sie bedeuten sollen. Ich habe\nbei diesem Satze die Erfahrung gemacht, dass Leuten, die\neben nur etwas Ciavier spielten, ohne irgendwie theoretisch\ngebildet zu sein, selbst die Umkehrungen der beiden The-\nma's nicht entgangen waren, während sie das Ganze doch\nnur als ein glänzendes Allegro bewunderten. Die Ausfüh-\nrung war besonders im Finale und im Quartette der Sai-\nten-Instrumente recht gut.\n„Das Mädchen von Kola\", nach Ossian's „Darthula\"\nals Elegie für Chor und Orchester von Karlßeinthaler\ncomponirt, brachte uns eine willkommene Erinnerung an\ndie hiesige Wirksamkeit des Componisten und wurde mit\nBeifall aufgenommen. Wenn man auch mit der Art der mu-\nsicalischen Behandlung dieses Bardengesanges vielleicht\nnicht ganz einverstanden ist, so ist doch die Composition,\nwenn man die Auffassung des Componisten gelten lässt,\ndurch schönen, melodischen Fluss und charakteristisches\nColorit ansprechend und allen Singvereinen zu empfehlen.\nJoachim führte uns eine neue Composition, sein drit-\ntes Violin-Concert, mit derjenigen Meisterschaft der Aus-\nführung der Solo-Partie vor, welche stets von Neuem in\nErstaunen setzt, so oft man ihn hört. Wir werden bei sei-\nnem Spiele der Wahrheit eines Ausspruches von Hegel\ninne, den man sonst in musicalischen Dingen nicht oft an-\nführen kann. „Verschwindet*, sagt er, „die Aeusserlichkeit\ndes Instrumentes durchaus, dringt die innere Musik ganz\ndurch die äussere Realität hindurch, so erscheint das In-\nstrument als ein vollendet durchgeführtes, eigenstes Organ\nder Künstlerseele. In diesem Falle geniessen wir die höchste\nSpitze musicalischer Lebendigkeit, das wundervolle Ge-\nheimniss, dass ein äusseres Werkzeug zum vollkom-\nmen beseelten Organe wird.\" —Die Composition des\nConcertes ist in grossen Dimensionen angelegt und durch-\ngeführt: der erste Satz ist von ungemeiner Innigkeit der\nmelodischen Gedanken, das Adagio beginnt mit einem schö-\nnen Gesänge, scheint uns aber nach und nach etwas zu\ndüster geworden; im Finale bricht ein geniales Thema wie\nein sprudelnder Quell aus dem melancholischen Felsenthal\ndes Adagio's hervor, stürzt sich schäumend übers Gestein\nhin und findet nur hier und da eine ebene Wiesenstrecke\nzu kurzem, ruhigerem Flusse. Im Ganzen möchten wir\nwünschen, dass der dichte Wald, mit dem das Orchester\ndie Hauptstimme umgibt, etwas gelichtet würde.\nDen zweiten Theil des Concertes füllte die Aufführung\nvon Beethoven's Musik zu dem Festspiele: „König\nStephan, Ungarns erster Wohlthäter\". Der Text dieses\nFestpiels, das zur Eröffnung des neuen Theaters in Pesth\nim Jahre 1812 aufgeführt wurde, ist von A. v. Kotzebue\nund führt uns in den Anfang des eilften Jahrhunderts zu-\nrück, wo der Herzog Stephan (997 1038) die Aufgabe,\nwelche sein Vater Geysa begonnen, die kriegerischen Ma-\ngyaren an feste Wohnsitze, an Ackerbau und staatliche\nOrdnung zu gewöhnen, zum Ziele seines Lebens machte,\ndem Christenthume die Herrschaft in Ungarn verschaffte\nund dem Reiche feste Gesetze verlieh. Dafür erhielt er\nvom Papste Sylvester 11. eine Krone, und Ungarn ward\nein Königreich.\nKotzebue hat auf diesen geschichtlichen Hintergrund\nein melodramatisches Gedicht entworfen, in welchem er\nden König Stephan redend und zugleich Chöre von un-\ngarischen Grossen, Frauen und Volk einführt. Die Musik\nBeethoven's beginnt mit einer grossen, durchgearbeiteten\nOuvertüre in Es-dur, welche vierzig Seiten der Partitur\nfüllt und auf welche er selbst viel hielt—ein Beweis, dass\ner diese Musik nicht bloss als ein flüchtiges Gelegenheits-\nwerk betrachtet hat. Auch fällt die Composition in das-\nselbe Jahr 1812, welches die Sinfonieen Nr. 7 (A-dur)\nund Nr. 8 (F-dur)entstehen sah.\nNach der Ouvertüre folgt ein dreistimmiger Männerchor\nder ungarischen Edeln, welche Stephan auf freiem Felde\nzur Versammlung berufen. Der König rühmt vom Throne\nherab die Thaten seines Vaters, der die heidnischen Götzen\nstürzte, worauf die Edeln (vierstimmiger Männerchor Nr. 2)\ndas Erscheinen des milden Lichtes von Glauben und Hoff-\nnung preisen.\nEine Schar von Kriegern naht, welche der König will-\nkommen heisst, da sie die Gränze gesichert haben und Frie-\nden bringen. (Siegesmarsch Nr. 3.) Hierauf begrüsst Stephan\nden Zug der edeln Frauen, in deren Geleit seine fürstliche\nBraut naht. (Frauenchor Nr. 4, In dem fol-\ngenden Melodrama (Nr. 5) empfängt der König seine\nBraut, während der allgemeine Chor (Nr. 6) den Jubel\ndes ganzen Volkes ausspricht.\nEine melodramatische Musik (Nr. 7) begleitet die Rede,\nmit welcher Stephan den ungarischen Grossen die Urkunde\ndes Staatsgesetzes überreicht, worauf ein „geistlicher\nMarsch\" (Nr. 8) folgt, während dessen die Gesandten von\nRom die Krone bringen. Daran schliessen sich unmittelbar\nkurze Jubelchöre des Volkes und eine ausgeführte melo-\ndramatische Musik, welche die Weissagung des Königs\nund eine Art von Vision über Ungarns und seiner Herr-\nscher künftige Grösse begleitet. Ein glänzender allgemei-\nner Chor (Nr. 9 in D-dur)schliesst das Ganze.\nDie Musik, die uns, mit Ausnahme der Ouvertüre,\nbisher unbekannt war, ist als ein Ganzes erst in der neuen\nund schönen Ausgabe der Werke Beethoven's (bei\nBreitkopf und Härtel in Leipzig) erschienen. In welchem\nVerhältnisse dieses Vorspiel zu dem zweiten: „Die Ruinen"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "344", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651028-01.1.8", "texte": "von Athen\", ebenfalls von Kotzebue und Beethoven, ge-\nstanden, ist nicht ganz klar. Nach einer kurzen Notiz in\nSchindlers Biographie Beethoven's sind beide Werke „in\nVerbindung\" im Herbste 1812 zu der oben genannten\nFestlichkeit im Stadttheater zu Pesth aufgeführt worden.\nBeethoven's Musik zu dem „König Stephan\" macht\ndoch im Concertsaale keinen rechten Eindruck, so reizend\nauch einige Nummern sind, zu denen namentlich der Frauen-\nchor gehört, dessen liebliches Motiv auch in der Ouvertüre\ndie Hauptrolle spielt. Das Ganze ist zu sehr auf scenische\nAusstattung und theatralischen Pomp in prächtigen Auf-\nzügen und dann auch, wie natürlich, speciel auf ungari-\nschen Patriotismus berechnet. Und dann lässt sich auch\nnicht läugnen, dass Beethoven sich die Sache mitunter ent-\nweder sehr leicht gemacht hat, oder sich den Anordnungen\ndes Regisseurs fügen musste. So hat z. B. der hübsche\nMarsch kein Trio, wahrscheinlich weil man für den krie-\ngerischen Zug auf dem Theater auf eine bestimmte Zahl\nvon Statisten beschränkt war, die sich bei einem Trio mit\nWiederholung des Marsches zu früh ausmarschirt haben\nwürden und so mögen noch andere äussere Gründe die\nkurz abgebrochenen Chöre motivirt haben. Jedenfalls sieht\nund hört man den meisten Nummern an, dass sie nur zur\nFolie dessen, was auf der Scene vorgeht, dienen sollten.\nDie Melodramen machen bei der nüchternen Diction der\nVerse keinen Eindruck. Das ist aber richtig, dass man die\nOuvertüre besser versteht, wenn man die darauf folgenden\nMusikstücke hört. Vielleicht wäre, eine Aufführung ohne\nalle Declamation rathsam, indem man die Ouvertüre, die\nChöre, den Marsch und wieder die Chöre (mit Weglassung\nalles Melodramatischen) gleichsam wie eine grosse Sere-\nnade aufführte. Wir ziehen das zweite Festspiel: „Die\nRuinen von Athen\", bei Weitem vor. Herr Friedrich\nDevrient, dessen künstlerische Bühnenleistungen uns in\ndiesem Winter erfreuen und der uns bereits in mehreren\ngrossen Rollen Beweise seines vielseitigen Talentes gegeben\nhat, sprach die Reden des Königs mit würdigem Ausdrucke\nund schönem, durch den ganzen Saal verständlichem Organ.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nHoll!« Am Mittwoch haben die Gebrüder Müller aus Mei-\nningen ihre erste Quartett-Soiree gegeben. Sie spielten Haydn's\nQuartett in C-dur mit den Variationen auf „Gott erhalte Franz den\nKaiser\", Beethoven's Serenade Op. 8 für Violine, Viola und Vio-\nloncell, und F. Schubert's jD-moZ2-Quartett. Das Publicum zollte\nden Vorträgen enthusiastischen Beifall. Wir kommen auf das unver-\ngleichliche Spiel dieser Künstler, welches alles, was wir in dieser\nGattung je gehört haben, hinter sich lässt, zurück.\nF. Hiller1 s Sinfonie „Es muss doch Frühling werden\" ist\nzu Berlin in den Sinfonie-Soireen unter Leitung des Hof-Capell-\nmeisters Taubert aufgeführt und mit grossem Beifalle aufgenommen\nworden, was bei dem dortigen ausschliesslichen, in der Kegel gegen\nalle neueren Werke eingenommenen Publicum viel sagen will. Die\n„National-Zeitung\" sagt unter Anderem: „In der Arbeit verräth sich\nüberall die Hand, die gewohnt ist, die Mächte des Tonreiches nach\nihrem Willen zu lenken. Der geistvolle, gebildete, feinfühlige Mu-\nsiker verläugnet sich in keinem Tacte.w (Nr. 485.) Und die „Neue\nPreussische Zeitung\" schreibt: „Vor vielen neueren Compositionen\nzeichnet sich die Hiller'sche Sinfonie durch Klarheit, melodischen\nReichthum und maassvolle Instrumentirung aus.\" Das gibt ja\nHoffnung, dass es in Berlin „doch auch Frühling werden mussu !\nJEBpflllilSCltwcig« Am 8. November kommt hier Reintha-\nler' s Oratorium: „Jephta's Tochter\", zur Aufführung. Die Sopran-\nPartie wird die treffliche Concertsängerin Fräulein Julie Rothen-\nberger von Köln ausführen.\nDer berühmte Tenorist Giuglini, noch vor zwei Jahren eine\nZierde der italiänischen Oper in London und Paris, ist im Anfange\ndieses Monats im Irrenhause zu Pesaro gestorben, wohin man ihn,\nda ein plötzlicher Wahnsinn ihn ergriffen, hatte bringen müssen.\nDer König von Italien hat dessen Sohne ein Stipendium bewilligt.,\ndamit er seine Vorbereitung zum Dienste bei der Marine fortsetzen\nkönne."}]}