{"numero_id": "bm-bmtnabi-1865-11-04-01", "volume": "bmtnabi_1865-11-04_01", "ocr_sha256": "55d06d886383d0098bd884d63d12c0c8cfa7eb15d3d657ec2b3123b1908c518f", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1865/11/04_01/bmtnabi_1865-11-04_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651104-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1865-11-04-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-11-04_01#c001", "volume": "bmtnabi_1865-11-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "345", "page_fin": "345", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651104-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "345", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651104-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 245, "texte": "Inhalt.\n(2..1 Soireen iSÜ'\" It\"\"\"'T,*\"\"'n(\"'WI\"«»' J\"L' B' \" «-q-i... - D» de, Cieb.iijer Mall.,\nleeiilü-Cunoerl, V>n // ~~ ?\"-7T- (\"»» bericht über <!„ 22. Verein,j,b,). - An, A.eb.n (Er,„, Abonne-\n- - Unterha,tnngsb,»tt (K 5,„, hl(lot„«b,. C„-"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-11-04-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-11-04_01#c002", "volume": "bmtnabi_1865-11-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "345", "page_fin": "348", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651104-01.2.2", "titre_corps": "William Vincent Wallace", "titre_sommaire": "William Vincent Wallace", "signature_source": "L. B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "345", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651104-01.1.1", "debut_caractere": 247, "fin_caractere_exclue": 4245, "texte": "William Vincent Wallace\n\n*).\nWilliam Vincent Wailace war den 1. Juni 1814\nzu Waterford in Irland geboren. Sein Vater, Capellmei-\nster der Musik de 3 29. Linien-Regiments, war ein sehr\ntüchtiger praktischer Musiker, der fast auf allen Orchester-\nInstrumenten und auch auf dem Pianoforte zu Hause war.\nIn dem Knaben entwickelte sich früh ein wunderbares\nTalent, seinen Vater zu übertreffen, und er erwarb sich\ndadurch die besondere Gunst des Regiments-Obersten,\nder auch späterhin sein beständiger Freund blieb. Der\njunge William hatte schon mit fünfzehn Jahren Fertigkeit\nauf fast allen Instrumenten, und auf der Violine, dem\nPianoforte, der Clarinette und der Guitarre hatte er be-\nreits eine bedeutende Stufe der Meisterschaft erreicht.\nDiese freilich hauptsächlich nur noch mechanische Meister-\nschaft wurde doch auch schon von geistiger Thätigkeit\nauf dem Gebiete der Musik begleitet, indem er eine Menge\nvon Märschen, Phantasieen und dergleichen mehr für das\nMusikcorps sein.es Vaters und anderer Regiments-Gapell-\nmeister schrieb. Er ging um diese Zeit nach Dublin, um\nsich für die Kunst auszubilden, und trat als Violinist in\ndas Theater-Orchester. Bald darauf nahm er eine Stelle\nals Organist in einer Provincialstadt an, gab sie aber nach\nkurzer Zeit wieder auf und kehrte nach Dublin zurück,\nwo er als Dirigent des Tliealer-Orchesters und der Con-\ncerte der philharmonischen Gesellschaft in den dortigen\nmusicalischen Kreisen Gunst und Ansehen erwarb und in\nseinem Streben auch von fremden Berühmtheiten, wie\nPaganini und Ferdinand Ries, anerkannt und gefördert\nwurde.\nDrei Jahre lang nahm er eine hohe Stellung in Dublin\nein und fuhilc unter Anderem Beethoven's Oratorium\n„Christus am Oelberge\" zum ersten Male in Irland auf.\nIm Alter von achtzehn Jahren schien seine körnerliche\nKialt dem Diucke der Studien und der übernommenen\nBerufspllichten zu erliegen, und dies brachte ihn zu dem\nEntschlüsse, auszuwandern und nach Süd-Wallis in Austra-\nlien zu gehen. Für eine lange Zeit nach seiner Ankunft\nin jenem Welttheile kam er in eine ganz andere Sphäre,\nund ohne einen besonderen Zufall würde die Welt ihn\nnie als Componisten kennen gelernt haben, sondern als\nSchafzüchter, der den Ertrag seiner Landwirthschalt be-\nrechnet, oder vielleicht als Goldgräber.\nWährend eines kurzen Besuches nämlich, den er vom\nLande aus in Sidney machte, wurde er von einigen Freun-\nden eingeladen, einer musicalischen Unterhaltung beizu-\nwohnen. Er ging mit, ohne die geringste Ahnung, dass\ndieser Abend entscheidend für seine Zukunft werden\nsollte. Als er in den Saal getreten, sah er vier Herren um\neinen Pulttisch sitzen, die mit besserem Willen als Ver-\nmögen ein Quartett von Haydn spielten. Da flammte die\nMusik, die in seinem Innern schlief, mit Einem Male zu\nneuem Leben auf, und er wurde von unwiderstehlichem\nKünstlerdrange ergriffen. Bei dem folgenden Quartette bat\ner sich ein Instrument aus und spielte die erste Violine\nzum frohen Erstaunen aller Anwesenden. Und so spielten\nsie die Nacht hindurch fort bis an den hellen Morgen.\nDer Huf von dieser Sitzung lief durch die Stadt und\nkam zu den Ohren des Gouverneurs Sir John Burke aus\nLimerick, eines Landsmannes von Wallace, der ihn be-\n\n*) Nach der von Wellington Guörnsey im Musical World\ngegebenen Lebensskizze. Es hat wohl nie einen Tonkünstler gege-\nben, dessen Dasein bei jahrelang dauerndem Wechsel des Aufent-\nhaltes in Europa, Australien, Asien und America so reich an Er-\neignissen und Abenteuern gewesen wäre, wie das Leben Wallace's,\nder am 12. October d. J. in Südfrankreich nach längerer Krank-\nheit gestorben ist. Möser's und Miska Hauser's Fahrten sind dage-\ngen unbedeutend zu nennen, wie man aus Gruernsey's Skizze, welche\nnur die Haupt-Stationen im Lebenslaufe Wallace's berührt, ersieht.\nWenn unsere deutschen Fabricanten von Romanen mit dem Aus-\nhängeschilde eines grossen Künstlernamens von den Erlebnissen des\nenglischen Musikers Kunde bekommen, so werden sie darüber her-\nfallen, wie der Tiger über frische Beute! L. li."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "346", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651104-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5332, "texte": "wog, ein Concert zu geben. Der Erfolg war gross, und\nSir John schenkte dem musicalischen Landwirthe zum Zei-\nchen seiner Zufriedenheit zweihundert Schale, was in je-\nner Zeit und in jenem Lande eine wahrhaft fürstliche\nGabe war.\nNachdem er noch einige Concerte gegeben, ergrifl\nihn eine ruhelose Reiselust, er wurde ein leidenschaftlicher\nVagabund im edleren Sinne und durchwanderte mit seiner\nGeige bekannte und unbekannte Länder. Er gab zu Lan-\ncaster in Van Diemens Land Concerte, ging dann nach\nder Islands-Bai auf Neu-Seeland, dann nach einer Nieder-\nlassung unter halbcivilisirten Eingeborenen, wo er nach\nmanchen Abenteuern nur mit genauer Noth Geiahren ent-\neine. welche der Raum nicht verstattet, aufzuzählen.\nDarauf schiffte er sich auf dem Schiffe „Das gute Vorha-\nben\", das auf den Wallfischfang ausfuhr, ein, aber die\nVorbedeutung des Namens schlug ins Gegentheil um. Die\nMannschaft bestand halb aus Eingeborenen, halb aus\nEuropäern: jene überfielen in einer Nacht die letzleren\nund ermordeten alle bis auf drei, unter denen Wallace\nwar, der seine Rettung der Tochter des Anführers der\nEmpörer verdankte. Sie setzten ihn auf Süd-Island aus.\nWie er von dort nach Ostindien gekommen, wissen\nwir nicht. Dort finden wir ihn wieder, und sein rastloser\nHang, fremde Lande zu durchwandern, wobei theils Un-\nbekanntschaft mit den Gefahren, theils Verachtung der-\nselben ihm eigentümlich waren, führte ihn tief ins Innere,\nwo er an den Hof von Aude kam, überall durch sein\nSpiel das Volk ergötzend. Die damalige Königin nahm,\nihn sehr guf auf, beschenkte ihn reichlich mit Rupien und\nDiamantringen. Die Reise durch diese Landstriche war\nübrigens ebenfalls wieder mit einer Menge von Hinder-\nnissen und gefährlichen Zwischenfällen verbunden, welche\ner nur durch feste Gesundheit und grosse Geistesgegen-\nwart, die ihn nie verliess, überwand.\nNachdem er dann in Nepaul und an der Gränze von\nKaschmir alles gesehen, was seine Wissbegier reizte, und\nalles mit durchgemacht, was die dortige Lebensweise dar-\nbot, einschliesslich Sauhetzen und Tigerjagden, kam er\nwieder nach Calculta. Nach einem kurzen Bedenken, das\nihn nur einen halben Tag dort aufhielt, schiffte er sich\nnach Valparaiso und Südamerica ein. Von da ging er nach\nSantiago, von wo er mit dem Schreiber dieser Skizze die\nriesigen Cordilleren de los Andes zu Ross und Maulthier\nüberstieg. Indess war in Buenos-Ayres, wohin wir gegan-\ngen, unseres Bleibens wegen der vorhandenen Blocade\nnicht lange. Wir kehrten zusammen wieder über das Ge-\nbirge nach Santiago zurück, wo dann Wallace mehrere\nConcerte gab und seine Virtuosität theils auf der Violine,\ntheils auf einem alten Ciavier zeigte, welches im Jahre\n1793 aus Spanien hieher gekommen war. Sein letztes\nConcert in Santiago brachte ihm 3000 Dollars ein, die\nan der Casse in allen möglichen Geldsorten bezahlt wur-\nden, und Schreiber dieses bemerkte zwei Gauchos, die\naus Mangel an gemünztem Gelde zwei prächtige Kampf-\nhähne brachten, um den grossen Musiker zu hören. Eine\nSennora Paquita Robles, eine dort geborene Sängerin, und\nein junger Schotte, der zur Freude der Zuhörer schottische\nLieder sang, wirkten in dem Concerte mit.\nEin charakteristischer Zug aus dem Leben des Künst-\nlers während seines Aufenthaltes in Santiago ist zu er-\nwähnen. Er halte sein Wort gegeben, an einem bestimm-\nten Tage in Valparaiso ein Concert zu einem wohlthätigen\nZwecke zu geben, aber im Laufe der Zeit und der Ge-\nschäfte war das Versprechen seinem Gedächtnisse entfallen.\nAls ich ihn daran erinnerte, war es zu spät, um Valpa-\nraiso noch zu erreichen, da ich die Sache auch vergessen\nhalte. Wallace entschloss sich aber auf der Stelle, die\nReise zu Pferde zu machen, um Wort zu halten, und voll-\nbrachte diese heroische Reiterthat wirklich, indem er die\nhundert und fünfundzwanzig (englische) Meilen mit immer-\nwährendem Pferdewechsel in weniger als eilf Stunden zu-\nrücklegte und in Valparaiso zu rechter Zeit im Concerte\nerschien.\nVon Chili ging er nach Peru. Ein Concert in Lima\ntrug ihm 5000 Dollars ein. Dann überstieg er wieder die\nAnden auf dem Wege Rosario, besuchte Buenos-Ayres,\nHavannab, Vera-Cruz., Tampico und Mexico. Sein Erfolg\nin diesen Städten war überall ungemein gross, und es lei-\ndet keinen Zweifel, dass er dort ein bedeutendes Vermö-\ngen erwarb, besonders in Mexico, wo er auch eine grosse\nMesse für eine Jubelfeier componirte. Sie wurde mehrere\nMale m der Kathedrale aufgeführt und er wurde dafür\nvon Staats wegen sehr reichlich honorirt.\nZunächst trat er in New-Qrleans auf, wo sein Triumph\nehrenvoller als je war, weil er ihn vor einer höher gebil-\ndeten und genauerer Kritik fähigen Zuhörerschaft errang.\nDer Enthusiasmus im St.-Charles-Theater war bei einem\nViolin-Solo von seiner Composition so gross, dass die Mit-\nglieder des Orchesters zu spielen aufhörten und ihre Bei-\nfallsbezeigungen und Fanfaren in den Applaus des Publi-\ncums mischten. Unter diesen Künstlern befand sich auch\nein alter Freund und Landsmann von ihm aus Dublin, der\ndort im Orchester eine bevorzugte Stelle einnahm. Von\nNew-Orleans aus bereiste er die Südstaaten und fand\nüberall dieselbe begeisterte Aufnahme.\nIch erinnere mich noch, als wäre es gestern gewesen,\nobwohl es jetzt einundzwanzig Jahre her ist, im Jahre\n1844 Wallace in einer Gesellschaft in Howitt's Salons\nüber dem Musik-Magazine von Hall und Söhnen zu New-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "347", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651104-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5277, "texte": "York angetroffen zu haben. Er kam damals gerade aus\ndem Süden und erschien als ein schlanker, sehr sorgfältig\nund fein gekleideter Gentleman. Seine Züge verriethen\nVerstand, aber eine gewisse Mattigkeit und Melancholie\nlag darin, die wohl der wilde Roman seines Lebens er-\nzeugt hatte. Er spielte zuerst mit grossem Applaus seine\nCracovienne für Pianoforte. Wenn er aber die Violine in\ndie Hand nahm, so riss seine Meisterschaft auf diesem In-\nstrumente und der gefühlvolle Ausdruck seines Spiels Alle\nund Jeden zu Staunen und Entzücken hin. Seine Erfolge\nin den Vereinigten Staaten folgten auf jenen Abend und\nsind zu bekannt, um hier wieder aufgezählt zu werden.\nIn seinen Compositionen erkannte man Originalität und\nGlanz, allein kein Mensch hätte es sich träumen lassen,\ndass er nach wenigen Jahren einen hohen Rang unter den\nComponisten unserer Zeit einnehmen würde. Doch in ihm\nselbst lebte diese Ahnung allerdings, und er bescbloss,\nnach Europa zurückzukehren, und kam im Jahre 1845\nnach London.\nEs ist keine Frage, dass Wallace die Reise nach Lon-\ndon mit dem Bewusstsein machte, dass sein Talent auch\ngrösseren künstlerischen Aufgaben gewachsen sei, und in\nder Hoffnung, dort einen besseren Boden dafür zu finden,\nals in New-York. Er fasste daher den Entschluss, eine\nOper zu schreiben. Ein mit ihm befreundeter Literat\nformte das Stück Don Cäsar de Bazan zu einem Opern-\nbuche: „Maritana\", um, und Wallace machte sich an\ndie Arbeit. Der verstorbene Musikhändler Beale, der da-\nvon hörte, besuchte den Componisten, als dieser den ersten\nAct vollendet hatte. Beale, selbst Musiker und Kenner,\nerkannte auf der Stelle den Werth der Composition, wurde\nwegen des Honorars mit ihm einig und wanderte mit der\nPartitur des ersten Actes unter dem Arm nach Hause.\n„Maritana\" wurde aufgeführt und ihr Erfolg übertraf\nAller Erwartung, auch die des Componisten. Sie erlebte\nan hundert Vorstellungen und stellte Wallace's Namen\nbei den Engländern auf einmal sehr hoch. Sie waren da-\nbei auch vom patriotischen Standpunkte aus vollkommen\nim Rechte, da die Musik alle bisherigen und gleichzeitigen\nVersuche englischer Componisten in ähnlicher Gattung bei\nWeitem übertraf.\nDurch seine zweite Oper: „Mathilde von Ungarn\"\n(1847), die einen grossen Fortschritt bekundete, befestigte\ner seinen Ruf, der auch nach Deutschland gedrungen\nwar, so dass er nach Wien eingeladen wurde, um dort\nseine Oper „Maritana\" zur Aufführung vorzubereiten.\nEr ging hin, und die Oper hatte auch dort Erfolg und\nerlebte einige Monate hindurch viele Wiederholungen.\nNachdem er die bedeutendsten Musikstädte Deutsch-\nlands besucht, in deren Concerten auch die Ouvertüre zur\n„Maritana\" häufig aufgeführt wurde, kehrte er nach Lon-\ndon zurück, lebte indess bis 1853 immer noch abwech-\nselnd in New-York und London, bis er von diesem Jahre\nan seinen festen Aufenthalt in letzterer Stadt nahm.\nSeine Anwesenheit in Deutschland war von grossem\nEinflüsse auf seinen Stil: er schrieb schon in jener Zeit\nseine dritte Oper „Lurline\"(„Lorelei\"), die aber erst\n1860 in London auf die Bühne kam, und zwar mit eng-\nlischem Texte; sie fand bekanntlich grossen Beifall.\nMittlerweile hatte er es dahin gebracht, von Paris aus\ndie Aufforderung zu erhalten, ein Werk für die dortige\ngrosse Oper zu schreiben. Er ging nach der Hauptstadt\nvon Frankreich, wo er in allen musicalischen Kreisen sehr\nzuvorkommend aufgenommen wurde. Das Libretto lieferte\nGeorge, und Wallace machte sich an die Arbeit. Aber\nschon bei der Composition der ersten Nummern befiel ihn\nein Augenübel, welches von Tag zu Tage so zunahm, dass\ner fast ganz blind wurde. Die berühmtesten Augenärzte\nwaren der Ansicht, dass allein eine längere Seereise die\ndrohende Gefahr völliger Erblindung beschwören könnte.\nSo wurde er wieder zum Seefahrer und Wanderer und\nkam 1849 in Rio Janeiro an.\nEr verweilte an acht Monate in Südamerica und gab\nmehrere Concerte; auch bei Hofe spielte er öfter und er-\nhielt vom Kaiser einen kostbaren Diamantring. Von Bio\nging er nach New-Orleans, wo er mit dem Pianisten\nStrakosch |dem Schwager von Adelina Patti | mit ausser-\nordentlichem Erfolge Concerte gab. Auf der Reise nach\nNew-York entging er bei der Explosion des Dampfbootes\n„St. Louis\" auf dem Mississippi wieder einmal einer To-\ndesgefahr. Im Sommer 1850 kam er nach New-York,\nliess sich dort naturalisiren und trat in eine Compagnie\nfür Fabrication und Handel mit Pianoforte's ein. Das\nUnternehmen lief für alle Betheiligten unglücklich aus.\nTrotzdem errichtete er gleich darauf eine Tabaksfabrik,\ndie ebenfalls mit Verlust endete. So gab er denn 1852\nwieder eine Reihe von Concerten in New-York, verkaufte\nan die Musicalienhandlung Hall und Söhne das Verlags-\nrecht aller seiner Compositionen für America und kehrte\nkurz darauf nach London zurück.\nEr schrieb seitdem mehrere Cantaten und Lieder und\n< componirte 1861 die Oper („Bernstein-\nHexe\"), auf welche er mehr Mühe und Sorgfalt der Aus-\narbeitung verwandte, als auf irgend ein früheres Werk,\nund welche auch vortreffliche Musikstücke enthalten soll:\naber der Text trug die Schuld, dass die Oper nicht popu-\nlär wurde. Im folgenden Jahre erschien von ihm „Love's\nTriumph\" („Der Liebe Triumph\") und am 12. October\n1863 „The Desert Flower\" („Die Blume der Wüste\"),\nseine letzte musicalisch-dramatische Arbeit.\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "348", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651104-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1009, "texte": "[lm Sommer des vorigen Jahres reiste er nach Paris,\nwo er Hoffnung hatte, eine seiner Opern auf die Bühne\nzu bringen. Allein er kam schon leidend in Boulogne an\nund konnte in Paris und später in Passy nur auf dem\nKrankenbette ruhend die Besuche der theilnehmenden\nFreunde und Kunstgenossen, unter ihnen Rossini, Thal-\nberg und Andere, empfangen. Die Partitur der „Africa-\nnerin\" iiess er sich noch bringen, allein er war zu schwach,\nsie in Händen zu halten: man mussle sie ihm in einzelne\nBlätter zerschneiden. Da die Aerzle von einer Luftverän-\nderung wohlthätigen Einfluss hofften, brachte man den\nLeidenden im September dieses Jahres nach dem Schlosse\nBagen im Departement der Ober-Garonne. Dort hauchte\ner am 12. October den Geist aus, der ihn auf allen Well-\ntheilen umhergetrieben und doch überall bis zu seinem\nletzten Athemzuge der Kunst getreu erhalten hatte. Seine\nGattin war bei ihm. Er hinterlässt zwei Söhne von drei-\nzehn und eilf Jahren. Seine Leiche ist nach England ge-\nbracht worden.]\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-11-04-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-11-04_01#c003", "volume": "bmtnabi_1865-11-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "348", "page_fin": "349", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651104-01.2.3", "titre_corps": "Mozart’s Requiem", "titre_sommaire": "Mozart’s Requiem", "signature_source": "Joh. von Geissel", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "348", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651104-01.1.4", "debut_caractere": 1011, "fin_caractere_exclue": 4518, "texte": "Mozart’s Requiem\n\n*).\nDer Abend sinkt. Im Dämmerschein\nSitzt in der Kaiserstadt allein\nUnd einsam, wie ein Marmorbild,\nVon Schwermuth tief die Brust erfüllt,\nDer Meister Amadeus dort\nUnd blicket sinnend fort und fort,\nWie in bedeutungsvollem Traum,\nZum goldgestickten Wolkensaum,\nDas Auge haftend starr und lang\nAuf fernen Sonnenuntergang.\nWas sieht sein Aug', das bald umdunkelt\nVon trübem Flor bald wieder wild,\nWie des Entsetzens Spiegelbild,\nIn aufgejagten Flammen funkelt,\nUnd wieder dann so klar und mild,\nWie Vollmondspiegel hochentzückt\nZum goldnen Abendhimmel blickt?\nWas sieht sein Auge? Lichtumstrahlt\nSteigt auf den Wolken glanzbemalt\nHoch eine Zauberwelt empor,\nEs öffnet sich das Strahlenthor\nZum glanzumfloss'nen Sternenplan,\nDie Geisterwelt ist aufgethan,\nUnd daraus wandelt wunderbar\nHernieder eine Himmelsschar.\nAuf gold'nen Sonnenstrahlen ziehen\nMit süssen Himmels-Melodieen\nAll des Gesanges Riesengeister,\nDie einst der Töne hoher Meister\nIn Hochgesängen dichtend schuf,\nVorüber, horchend seinem Ruf.\nUnd zieh'n mit Sternglanz angethan.\nGeschart in Klang und Licht heran:\nIdomeneo führt den Reigen,\nDes Mithridates Lieder steigen\nMit Sylla und II Rd Pastor\nWie Leuchtraketenglanz empor;\nDie Zauberflöte tönt hernieder,\nDon Juan gibt die Klänge wieder,\nUnd Figaro und Titus' Milde\nUnd seiner Lieder Huldgebilde,\nSie quillen sanft, wie Blüthenduft\nHerab aus goldner Abendluft.\nUnd stark wie Wogenrauschen zieht\nDer Missa hoch gewaltig Lied,\nUnd des Te Deums Fest-Choral\nWie hehrer Geister Flügelwehen\nAus fernen, goldbesäumten Höhen\nHernieder in das Erdenthal.\nSo klingen des Gesanges Geister\nZur Huldigung dem hohen Meister\nVon lichter Wolken Purpursaum\nHerab in seinen stillen Traum,\nBis, als die Sonne tiefer geht,\nAuch leiser ihre Stimme weht,\nUnd nun die Geister-Melodie'n\nWie Himmelslichter matt ergliih'n,\nBis dann der letzte Strahl verglimmt\nUnd Geisterschar und Traum verschwimmt.\nDa senkt des Meisters trüber Blick\nBeflort zur Erde sich zurück,\nUnd schmerzlich seufzt aus kranker Brust,\nIn der des Lebens Kraft und Lust\nGebrochen schläft, schon kalt und todt\nEr leis' ins sterbende Abendroth:\n„Du Sonne in dem Sphärensang,\nDer Schöpfung Gottes schönster Klang,\nDu gehst hinab zur stillen Ruh',\nDoch auch da drunten spendest du\nVon einem andern Himmelszelt\nLicht, Lied und Leben einer Welt;\nO, sänk' ich so wie du hinab!\nMir winkt ein finst'res, nahes Grab,\nDas dumpfig mich und meine Lieder\nVergessen und verklungen deckt;\nIch gehe nicht wie du darnieder\nDu Sonne kehrst am Morgen wieder,\nIch werde nimmer aufgeweckt!\"\nDoch plötzlich mit dem letzten Worte\nTritt durch des Zimmers enge Pforte\nGeheimnissvoll ein kleiner Mann,\nIm Mantel eingehüllt, heran,\nNaht wie mit geisterhaftem Tritte\nGeräuschlos sich des Zimmers Mitte\nUnd spricht zu Amadeus dann:\n\n*) Dieses Gedicht ward von dem Hoch würdigsten Herrn von\nGeissei, früherem Bischöfe in Speyer, dann Cardinal und Erzbischof\nvon Köln, ursprünglich zu einem Vortrage in einem Concerte ver-\nfasst, womit der Cäcilien-Verein in Speyer den Geburtstag Mozart's\nfeierte (5. December 1846), konnte aber damals wegen zu später\nEinsendung nicht declamirt werden. (Süddeutsche Musik-Zei-\ntung. Jahrgang 1856, Nr. 5, vom 28. Januar.) Wir geben auf\nden Wunsch mehrerer Kunstfreunde einen neuen, berichtigten Ab-\ndruck des schönen Gedichtes, welches die edle Begeisterung eines\nso hoch gestellten geistlichen Würdenträgers, des verewigten Car-\ndinais und Erzbischofs von Köln, für die Tonkunst auf so warme\nWeise ausspricht.* Die Redaction."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "349", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651104-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3653, "texte": "„Wohl hast den Lorber Du errungen,\nWas Keinem ward, ist Dir gelungen;\nWohl sangst Du, Meister, hocherglüht,\nWie Lust und Lied und Leben blüht;\nAllein des Todes Trauerlied,\nDas an geliebten Särgen klagt\nUnd selbst am Sarge nicht verzagt,\nDes Requiems Wundermelodie,\nDie noch des Lebens Harmonie\nZur dunklen Gruft hinunterträgt\nUnd drunten, wo kein Herz mehr schlägt,\nDer Todten Schmerz verheissend stillt,\nUnd ob das Leben auch verklungen,\nMit Hoffnung dennoch sie erfüllt,\nDas Lied hast Du noch nicht gesungen.\nDem Tode, der Unsterblichkeit\nSei deine Harfe drum geweiht,\nUnd von Begeisterung entflammt\nSing' sie der Todten Feieramt:\nBis wieder sich der Mond erneut,\nWird Dir das Lied vollendet sein:\nDann stell' auch ich bei Kerzenschein\nZum Todten-Requiem mich ein.\"\nSo redete der fremde Mann\nMit stillem Gruss und war fortan\nIm Dämmergrau nicht mehr zu sehen:\nOb, als er leichten Abschied nahm,\nDes Abendwindes leichtes Wehen\nIhn geisterhaft davon getragen.\nWohin er ging? woher er kam?\nKein Sterblicher wusst' es zu sagen.\nDer Meister staunt. Sich kaum bewusst,\nFüllt seine todeswunde Brust\nEin dunkles, nie gekanntes Ahnen;\nDann wird's vor seiner Seele klar,\nEin Bote aus der Engelschar\nWar's, ihn an Grab und Tod zu mahnen.\n„Ein Requiem er mir gebot,\nEin Trauerbild aus Grab und Tod:\nSo naht dann ihr, ihr dunklen Mächte,\nBegeistert ihr des Sängers Nächte,\nDu Todesbraut, des Grabes Ruh',\nFühr' du mich der Vollendung zu!\nDir will ich meine Harfe weih'n.\nWohlan! Mein Requiem soll es sein!\"\nSo spricht er, und sein Genius schafft\nMit der gewohnten Riesenkraft;\nUnd ob des Lebens Kraft ihm bricht.\nBegeistrungstrunken fühlt er's nicht.\nUnd sonder Rast und sonder Ruh'\nStrebt er dem hohen Ziele zu;\nUnd eh' der Mond sich noch erneut,\nDas Werk sich der Vollendung freut.\nDoch mit des Liedes letztem Laut\nNaht auch dem Sänger die Todesbraut,\nUnd fesselt ihn in letzter Stunde\nAn's Sterbebett zum Grabesbunde.\nSchon ringt des Sängers weiches Herz\nErstarrend mit dem letzten Schmerz,\nSchon wird sein Auge trüb und trüber,\nDoch immer leuchtet's wunderbar,\nWie Orione licht und klar,\nAus einer Sternennacht herüber.\nEs zieht der Töne Geisterechar\nNoch einmal seinem Geist vorüber:\nDes Kyrie's sanfter Chorus quillt,\nWie Gottes Gnade tief und mild,\nEin Trostesquell zum Staub hinab\nUnd spendet Leben noch im Grab.\nHorch', wie der Pauke Donner dröhnt,\nWie die Posaune mächtig tönt,\n\\\nDes Dies irae Wogenstrom\nRauscht durch der Schöpfung weiten Dom,\nAls stünde eine Welt in Flammen,\nAls stürzten Stern auf Stern zusammen,\nAls setzte sich im Strahlenlicht\nDer Ew'ge hin zum Weltgericht!\nDas ist kein irdischer Gesang,\nSo klingen keine Erdenworte!\nAuf sprengt des Himmels Strahlenpforte\nDes Sanctus Cherubimgesang.\nUnd wie die Schar der sel'gcn Geister\nIn immer weiterer Ferne schwebt\nUnd leiser ihr Gesang erbebt,\nDa schliesset auch der hohe Meister\nBeim Lux aeterna luceat\nIm letzten Hauche sterbend matt\nZur ewigen stillen Grabesruh'\nDie schon gebroch'nen Augen zu.\nUnd seinen Geist, der Hülle bar,\nTrägt jubelnd nun die frohe Schar\nDer lichtumflossenen Geisterbrüder\nAuf Liedesflügeln, gottverwandt\nHinauf ins leuchtende Vaterland\nDes ewigen Lichts, der ewigen Lieder,\nSo lebt er denn unsterblich dort;\nDoch ob er über Raum und Zeit\nVerklärt auch sich der Erd' entschwang,\nEr lebet auch im Liedesklang\nUnsterblich noch auf Erden fort.\nIhm ward sein letzter Schwanensang\nZum Wiegenlied der Unsterblichkeit;\nIhm sei des Tages Fest geweiht,\nDer ihn geboren werden sah,\nUnd heut noch ist sein Geist uns nah'\nIn den Zaubertönen, die ihm erklungen;\nWas er er gesungen,\nIst ewig gleich den ewigen Sternen\nUnd klingt hinab zu den fernsten Fernen.\n\nJoh. von Geissel."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-11-04-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-11-04_01#c004", "volume": "bmtnabi_1865-11-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "349", "page_fin": "351", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651104-01.2.4", "titre_corps": "Das Quartett der Gebrüder Müller.", "titre_sommaire": "Das Quartett der Gebrüder Müller.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "349", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651104-01.1.5", "debut_caractere": 3655, "fin_caractere_exclue": 4126, "texte": "Das Quartett der Gebrüder Müller.\nDie Herren Müller, die wir vor mehreren Jahren auch\nam Rheine schon einmal als tüchtige Künstler und wür-\ndige Nachfolger des früheren braunschweig'schen Quar-\ntetts begrüssten, haben am Mittwoch den 25. October ihre\nerste Soiree hier in Köln im Saale des Hotel Disch ge-\ngeben und ihre Zuhörer, die übrigens bei der hier vor-\nhandenen musicalischen Bildung des Publicums hätten\nzahlreicher sein können, durch ihr Spiel in jeglicher Vor-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "350", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651104-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5273, "texte": "tragsweise so erbaut, erfreut, ergriffen, begeistert, dass\nder lauteste Beifall jedem Satze folgte und die allgemeine\nUeberzeugung hervorrief, dass ein solches Quartett nicht\nseines Gleichen habe.\nDie Künstler sind die vier Söhne des ehemaligen Con-\ncertmeisters Karl Müller, des berühmten Geigers und Grün-\nders des braunschweig'schen Quartetts. Sie haben ihre\nAufgabe so verlheilt, dass Karl (geb. 1829) die erste\nVioline, Hugo (geb. 1832) die zweite, Bernhard (geb.\n1825) die Viola und Wilhelm (geb. 1833) das Violon-\ncell spielt.\nSie bilden so sehr ein Ganzes, dass man mit Staunen\nnur Einen Künstler zu hören glaubt und sich der Täu-\nschung der alten Mythe, die von vielarmigen, weil wun-\nderbar kräftigen -Menschen erzählt, hingibt. Bei diesem\nachtarmigen Heros unserer Zeit tritt aber zu der Kraft\nund Ausdauer das milde Element des Schönen in seiner\nganzen Anmuth und Zartheit hinzu, alles Harle und Rohe\nist verschwunden, und wir hören nur das Wunder, dass\nEin Geist diese Viergestalt belebt und Ein Gefühl die\nvier Ton-Organe in ihren Händen beseelt. Bei solchem\nZauber, den eine seltene Klangfülle des Gesammttones\nunterstützt, welchen mit der ausgezeichneten Behandlung\nim Bunde die vier ganz vortrefflichen Instrumente ent-\nwickeln, die Präcision und das genaue Zusammenspiel zu\nrühmen, hiesse nur von einer Vollkommenheit reden, die\nsich bei solchen Künstlern von selbst versteht und in wel-\ncher auch andere Quartett-Vereine dasselbe erreichen.\nAber die Einheit der geistigen Auffassung des Charakters\neines jeden Musikstückes im Ganzen wie in seinen einzel-\nnen Sätzen, die Uebereinstimmung des Vortrages in jeder\nWeise, sowohl was das Tempo und dessen Modificationen\nim Beschleunigen oder Zurückhalten je nach dem empfin-\ndungs- oder lebensvollen Inhalt der Musik betrifft, oder\nin allem, was sich auf geschmackvolle und ausdrucksvolle\nPhrasirung der Melodie bezieht, oder auf kräftigen und\nfeurigen Schwung und dessen Contrastirung mit dem Wei-\nchen und Zarten, endlich die Kunst der Ausführung einer\nsolchen Vortragsweise, welche eine Vollendung der Tech-\nnik auf jedem der vier Instrumente bekundet, die nichts\nmisslingen lässt, es mag auf Bravour und Correctheit bei\nden grössten Schwierigkeiten ankommen oder auf Ton in\nallen gesanglichen Nuancirungen und Bogenführung in\nallen Stricharten das ist es, die vollkommene Einheit in\nallem diesem zusammengenommen, was wir bewundern\nmüssen; das ist es, wofür wir unmöglich Worte finden\nkönnen, es auch nur annähernd zu beschreiben. Das muss\nman hören, sich ihm mit Verstand und Gefühl hinge-\nben und dann mit Freuden gestehen, dass die Söhne ihres\ngrossen Vaters und Lehres würdig sind und den Gipfel-\npunkt der künstlerischen Ausführung der classischen Quar-\nteltmusik erreicht haben.\nIn der ersten Sitzung spielten sie das Quartett von\nHaydn in C-durmit den schönen Andante-Variationen\nauf „Gott erhalte Franz den Kaiser\", in welchen die Me-\nlodie auf dem jedesmaligen Instrumente, dem sie zuge-\ntheilt ist, als wahrer Gesang, aber ohne sich affectirt gel-\ntend zu machen, erschien und die reizenden Arabesken\nder Begleitung mit so viel Geschmack vorgetragen wur-\nden, dass die Zuhörer, sichtlich ergriffen, dem einfach\nedlen Vortrage stürmischen Beifall zollten. Die auf das\nQuartett folgende Trio-Serenade für Violine, Viola\nund Violoncell von Beethoven, Op. 8, aus welcher ein-\nzelne Sätze durch Einrichtungen für Ciavier u. s. w. be-\nkannt sind, war in ihrer Originalform, bei der jetzt herr-\nschenden Manie, die ersten Werke des grossen Meisters\nals noch zu mozartisch (!) bei Seite zu lassen, für die Zu-\nhörerschaft etwas ganz Neues, und um so mehr entzückte\nsie Composition und Vortrag; jeder Satz erschien als ein\nkleines Juwel in dem heileren Kranze des Ganzen. Den\nSchluss machte eine glänzende Ausführung von Schu-\nberts Quartett in D-matt.\nIn der zweiten Sitzung am 30. October überraschten\nuns die Künstler mit einem Quartett von Dittersdorf,\ndem zu seiner Zeit (geb. 1739, gest. 1799) so berühm-\nten Violinspieler und Componisten. Ausser den Cantaten,\nOratorien und einer ganzen Reihe von Opern hat er be-\nkanntlich auch sehr viel für Instrumentalmusik geschrie-\nben, Sinfonieen, Concerte, Quartette u. s. w. Fast alle\ndiese Sachen liegen jetzt unbeachtet und bestaubt in den\nmusicalischen Bibliotheken meist in Städten von Süd-\ndeutschland; nach der Probe des Quartettes, welches wir\nhörten, mag wohl noch Manches darunter sein, dessen\nHervorholung der Mühe lohnen dürfte, zumal jetzt, wo\ndie musicalischen Antiquare so gern auf alterthümliche\nSchätze graben. Das gehörte Quartett ist voll Originalität\nund Humor und enthält im letzten Satze neben manchen\nKühnheiten eine ziemlich lange Stelle, die einer ähnlichen\nin einem Beethoven'schen Quartette merkwürdig gleicht.\nAusserdem spielten die Herren Müller das Quartett\nvon Mendelssohn in Es-dur, Op. 12, dessen Allegretto\nsie wiederholen mussten, und zum Schlüsse der Sitzung\nBeethoven's Op. 59 Nr. 3 in C-dur, dessen fugirtes\nFinale wie ein Sturm, der den Wald entblättert, daher-\nbrauste und neben der technischen Vollendung der Aus-\nführung besonders auch die Tonfülle in den Fortissimo-\nStellen bei solchem Tempo bewundern Hess.\nDie nächste und letzte Sitzung findet Montag den 6.\nNovember Statt und bringt die Vorträge der Quartette"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "351", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651104-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 79, "texte": "von Haydn in D-durmit dem Menuett\nMozart in C-dur, Beethoven, Op. 132 in A-moll"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-11-04-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-11-04_01#c005", "volume": "bmtnabi_1865-11-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "351", "page_fin": "351", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651104-01.2.5", "titre_corps": "Der wiener Männer-Gesangverein.", "titre_sommaire": "Der wiener Männer-Gesangverein.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "351", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651104-01.1.7", "debut_caractere": 81, "fin_caractere_exclue": 4117, "texte": "Der wiener Männer-Gesangverein.\nAus dem Jahresberichte über das zweiundzwan-\nzigste Vereinsjahr, verfasst von Dr. Ed. Kral, ersehen wir,\ndass der Verein 233 ausübende (102 Tenöre, 131 Bässe)\nund 465 unterstützende Mitglieder zählt. Er ist ausser in\nden drei satzungsmässigen Liedertafeln dreizehn Mal mit\nöffentlichen Aufführungen aufgetreten. Seine Einnahmen\nbetrugen 10,680 Fl., Cassenrest für das nächste Jahr\n3191 Fl. Unter den Ausgaben kommen 19 Ducaten für\nEhrensold an Componisten, eine Erhöhung des Honorars\ndes ersten Chormeisters, Herrn Herbeck, die Kosten der\nReise nach Dresden u. s. w. vor. Auch hat der Verein\nwieder über 2000 Fl. dem Schubert-Fonds zugewendet.\nDieser Fonds hat die Höhe von 23,000 Fl. in Werth-\npapieren und 1020 Fl. baar erreicht. Der Gemeinderath\nhat den gewünschten Platz für das Denkmal des grossen\nKünstlers im Stadtparke überlassen. Von der Commission\naus der Mitte des Vereins sollen Künstler (drei österrei-\nchische und zwei ausserösterreichische) zur Einsendung\nvon Modellen eingeladen werden. Das Denkmal soll mit\ndem Grundgestell eine Höhe von 20 21 wiener Fuss,\ndie Statue von 8 9 Fuss erhalten.\nDer Verein hat durch den Tod des Herrn Franz\nSchierer, seines langjährigen Vorstandes und Begrün-\nders des Schubert-Fonds, einen schmerzlichen Verlust er-\nlitten.\nUeber die Aufführungen und sonstigen Vorgänge bei\ndem Sängerfeste in Dresden bestätigt der Berichtim All-\ngemeinen die Nachrichten, welche zur Zeit die öffentlichen\nBlätter darüber brachten. „Gesungen\" heisst es S.\n45 „mögen höchstens zwischen 6000 bis 8000 Sänger\nhaben. Am meisten gefiel von den Gesammtchören mit\nBlech-Harmonie-Begleitung Schuppert's Chor „„Das\ndeutsche Schwert\"\" und dann die reinen Vocalchöre und\nVolkslieder, und wurden auch die letzteren wiederholt.\nIndessen herrschte während des ganzen Concertes die\nschrankenloseste Freizügigkeit aller Sangesbrüder, und der\nameisenartig wimmelnde Haufen der deutschen Sänger-\nschaft machte von diesem Rechte den ausgedehntesten\nGebrauch. Der schallende Lärm, welchen die herumlrip-\npelnden Sänger, Turner, Dienstmänner u. s. w. auf den\nDielen hervorbrachten, machte jeden Vortrag fast unmög-\nlich, und als nach Schluss des Fest-Concertes und an-\ngeblicher Räumung der Festhalle durch das Publicum\ndie Reihe der Einzel-Vorträge beginnen sollte, da konnte\nnur durch wiederholtes Schreien durch das Sprachrohr die\nRuhe so weil hergestellt werden, dass wenigstens die den\nSängern Zunächststehenden nicht mehr lärmten und das\nSummen der Uebrigen nur wie Donnergerolle erklang.\nUnter solchen Umständen litten alle Einzel-Vorträge; jener\ndes wiener Männer-Gesangvereins („ „ Der Entleruten\" \"von\nSchubert) halte aber denn doch eine solche Wirkung\nhervorgebracht, dass allgemein der Ruf nach einer Wie\nderholung erklang und der Verein die zwei kärnthener\nVolkslieder „„Lippitzbach\"\" und „„0 Dirndle\"\" dazu\ngeben musste. Ausserdem sangen noch mehrere fremde\nV ereine, hatten aber alle mit der grossen Unruhe zu\nkämpfen.\n„Im zweiten Fest-Concerte waren es namentlich die\nbeiden von Herbeck dirigirten Vocalchöre, Schubert'«\n„„Nacht\"\" und Reissiger's „„Wanderers Abendlied\"\",\nwelche stürmischen Beifall errangen. Herbeck wurde viel-\nmals gerufen, Hess aber, mit Rücksicht auf den vorange-\ngangenen Festzug und die Anstrengung der Stimmen bei\ndemselben, „„Die Nacht\"\" nicht wiederholen. Nach dem\nConcerte sangen abermals unter grosser Unruhe mehrere\nVereine, in der Halle sprachen noch mehrere Redner\nu. s. w.\n„Der wiener Männer-Gesangverein veranstaltete noch,\nvielfachen Wünschen entsprechend, ein gemeinschaftliches\nMahl mit den „„Paulinern\"\" aus Leipzig im Saale von\nMeinhold's Hotel, und gestaltete sich diese« in dein gan-\nzen Verlaufe zu einem der schönsten Momente des Festes\nlür den wiener Verein. Die Theilnahme von Damen und\nHerren an diesem Mahle, obgleich nur auf die Sänger\nund ihre Quartiergeber beschränkt, war enorm, und in\ndichten Scharen standen die ohne Sitzplatz Gebliebenen\nan den Eingängen, dem Gesänge lauschend, der abwech-\nselnd aus beiden Vereinen ertönte.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-11-04-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-11-04_01#c006", "volume": "bmtnabi_1865-11-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "351", "page_fin": "352", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651104-01.2.6", "titre_corps": "Aus Aachen.", "titre_sommaire": "Aus Aachen.", "signature_source": "H", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "351", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651104-01.1.7", "debut_caractere": 4119, "fin_caractere_exclue": 5174, "texte": "Aus Aachen.\n\nDas erste Abonnements-Concert unter Leitung des städtischen\nMusik-Directors Herrn Ferdinand Breunung fand am 2(j. Octo-\nber Statt und hatte einen sehr erfreulichen Erfolg. Besonders ist die\nAufführung der Sinfonia Eroica von Beethoven auszuzeichnen, welche\ndie strengste Kritik eine vollendete nennen musste. Unserer Ansicht\nnach war es trotz der Trefflichkeit unseres Orchesters doch in ge-\nwisser Hinsicht ein Wagnips, gleich zur Eröffnung der Winter-Sai-\nson ein Werk, wie Beethoven mit Ausnahme der neunten Sinfonie\nkein schwierigeres für Orchester geschrieben hat, zu wählen, indem\nbei uns der Sommer bekanntlich dem Orchester durch die Curhaus-\nmusik und die wöchentliche Oper mit ihren Proben keine Ferien\ngibt und es an leichtere Musik gewöhnt, als Beethoven zu bewälti-\ngen fordert. Um so ehrenvoller war es, dass auch nicht der ge-\nringste Fehler vorkam, was bei dieser Sinfonie viel sagen will. Auf-\nlassung und Leitung von Seiten des Dirigenten, welcher die Auffüh-\nrung ohne Partitur auswendig dirigirte, was immerhin auf das Or-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "352", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651104-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 932, "texte": "ehester von gutem Eindrucke sein mag, waren vorzüglich, so dass\nauch das ganze Orchester, wie von Beethoven'schem Geiste beseelt,\nmit Begeisterung spielte, und jeder Satz, was hier gar nicht zur\nGewohnheit gehört, mit enthusiastischem Applaus belohnt wurde.\nFräulein Agnes Zimmermann spielte das G-dur-Concert von\nBeethoven und eine Transscription oder Paraphrase von Liszt\nund machte einen sehr guten Eindruck; die einfache Art, womit sie\ndas herrliche Werk echt künstlerisch wiedergab, erwarb ihr die voll-\nsten Sympathieen, wiewohl sio nach der zweiten Production rau-\nschenderen Erfolg hatte. Der Chor löste seine Aufgabe in dem 95.\nPsalm von Mendelssohn recht wacker; die Soli sangen Fräulein\nBirnbaum, eine geschätzte Dilettantin und Herr Göbbels. Dass zur\nEröffnung des Concertes die Ouvertüre zu Cherubini's „Wasserträ-\nger\" präcis und schwungvoll gespielt wurde, war von dem niesigen\nOrchester nicht anders zu erwarten.\n\nH."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-11-04-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-11-04_01#c007", "volume": "bmtnabi_1865-11-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "352", "page_fin": "352", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651104-01.2.7", "titre_corps": "Zweites Gürzenich-Concert.", "titre_sommaire": "Zweites Gürzenich-Concert.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "352", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651104-01.1.8", "debut_caractere": 934, "fin_caractere_exclue": 3769, "texte": "Zweites Gürzenich-Concert.\nDinstag, den 31. October 1865.\nProgramm. I. 1» Gluck, Ouvertüre zu „Iphigenie in Aulis\".\n2. Mozart, Concert für Pianoforte D-moll (Fräulein Agnes Zim-\nmermann). 3. Haydn, Variationen: „Gott erhalte Franz\" (Gebrü-\nder Müller). 4. Beethoven, Messe in C-dur. 11. 5. Schu-\nmann, Sinfonie Nr. 1, B-dur.\nDa es in allen Fällen menschlich und christlich ist, sich der\nVerbannten und Heimatlosen auzunehmen, ohne viel nach ihrem\nStande und Range zu fragen, so wird diese Theilnahme zur doppel-\nten Pflicht, wenn Männer von hohem Geiste und Charakter als\nunschuldig Verfolgte an unsere Thür klopfen. Wenn also Haydn,\nMozart, Beethoven, aus der Kirche vertrieben, mit ihren Partituren\ngeistlicher Musik unter dem Arm vorüberziehen, um sich eine an-\ndere Stätte zu suchen, so ist es nicht mehr wie lvecht, dass ihnen\ndt;r Concertsaal seine Pforten öffnet, um die Anklage, dciss ihic\nTonschöpfungen nur Erzeugnisse weltlicher Gesinnung und Kunst\nund des religiösen Inhalts bar und ledig seiei), vor das Schwurge-\nricht der gebildeten und unbefangenen Menge zu bringen. Die Vor-\nurteile, die sich der Aufnahme von Kirchenmusik in ein Concert-\nProgramm früher wohl noch entgegenstellten, sind glücklicher Weise\nverschwunden und die Meisterwerke eines Bach, Mozart, Cherubini,\nBeethoven, die alle gerade in dieser Gattung von Musik das Höchste,\ndas ihr Genius zu schaffen vermochte, der Nachwelt überliefert zu\nhaben glaubten, sollen denn auch nicht dem Grabe der Vergessen-\nheit verfallen. Nein, die Priester und Jünger der Kunst und die\nganze grosse Gemeinde der Musikfreunde wollen nicht Theil nehmen\nan der Schuld eines Bannfluches gegen, die Wunder der Tonkunst,\nan die sie mit warmem Herzen glauben, gegen die Monumente des\ndeutschen Geistes, vor denen sich das Ausland beugt, gegen die\nSchöpfungen des Genius, der von Gott stammt! Und desshalb ist es\ngerade heutzutage eine der Pflichten der grösseren Concert-Institute,\ndie Werke geistlicher Musik gerade so aufzuführen, wie sie ur-\nsprünglich für die Kirche geschrieben sind, nicht bloss mit densel-\nben Tönen, sondern auch mit denselben Textesworten, und die wie-\nderholten Aufführungen der Passionsmusiken von J. S. Bach, der\ngrossen Messe in D von Beethoveh und anderer Kirchenwerke ha-\nben bei uns bereits einerseits bewiesen, wie richtig der Concert-\nVorstand seine Aufgabe in dieser Beziehung auffasst, und anderer-\nseits, welchen Eindruck eine solche Musik auch im Gürzenichsaale\nauf die versammelte Menge macht. So brachte denn auch das Con-\ncert am Dinstag die erste Messe (in C-dur) von Beethoven,\nwelche, so viel wir uns erinnern, in ihrer unveränderten Gestalt\nnoch gar nicht und auch in ihrer Verunstaltung durch einen deut-\nsehen Text zu so genannten „drei Hymnen\" seit einer langen Reihe\nvon Jahren nicht zur Aufführung gekommen ist.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-11-04-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-11-04_01#c008", "volume": "bmtnabi_1865-11-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "352", "page_fin": "352", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651104-01.2.8", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "352", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651104-01.1.8", "debut_caractere": 3771, "fin_caractere_exclue": 6037, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nHöln. Am 7. November werden Herr und Frau Marchesi\nim Saale des Hotel Disch ein historisches Concert geben und\ndarin mehrere Arien und Duette für Bariton und Sopran von Com -\nponisten aus dem siebenzehnten und achtzehnten Jahrhundert vor-\ntragen. Da die ähnlichen Concerte des vorzüglichen Künstlerpaares\nin London und Paris grossen Beifall gefunden haben, so machen\nwir das Publicum auf die interessante Soiree, die auch die Herren\nHiller und Jap ha durch ihr Spiel unterstützen werden, auf-\nmerksam.\nVI eiiftiai*, 24. October. Am 22. October ging Max Bruch 's\n„Loreley\" nach E. Geibel's bekannter Dichtung mit äusserst günsti-\ngem Erfolg in Scene. Deutschlands beliebter Lyriker hat auch dem\nComponisten der „Loreley\" lyrische Momente von grosser Innigkeit\ngeboten, welche dieser mit schöner Empfindung verwerthete. . Das\nLiebes-Duett im ersten, das Loreley-Lied im dritten Acte, welches\nam Schlüsse wiederkehrt, die einfach rührende Vertheidigung der\nLeonore, das Lied derselben auf dem Felsen im vierten Acte sind\nbesonders hervorzuhebende Einzelheiten auf diesem Gebiete; aber\ndie Oper will dramatische Situationen, und der Höhepunkt derselben\nin der Loreley ist das durch Mendelssohn bekannt gewordene Finale\ndes ersten Actes. (Hier zweiter Act.) Max Bruch braucht den Ver-\ngleich mit seinem berühmten Vorgänger nicht zu scheuen; die\ndurchaus selbständige Auffassung dieser Scene, die mysteriöse Fär-\nbung, die leidenschaftliche Steigerung in den Ausbrüchen der Leo-\nnore bekunden ein schönes Talent für musicalische Gestaltung wirk-\nlich dramatischer Situationen. Der dritte Act scheint uns, trotz der\noben angeführten schönen Einzelheiten, der schwächste, weil er der\nEinheit und dramatischen Steigerung entbehrt. Der vierte Act ist\nkurz und von guter Wirkung. Jedenfalls haben wir in diesem Werke\ndie Bekanntschaft eines durchaus noblen Musikers gemacht. Um die\nhiesige Aufführung hat sich Frau von Milde das grösste Verdienst\nerworben. Es war eine künstlerische Leistung voll Adel und Schwung,\ndie keinen Augenblick vergessen liess, dass die Künstlerin mit dem\ndarzustellenden Charakter vollständig identificirt war. Das Publicum\nwar sichtlich hingerissen und liess es an enthusiastischen Beifalls-\nbezeigungen nicht fehlen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "345", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651104-01.1.1", "texte": "Inhalt.\n(2..1 Soireen iSÜ'\" It\"\"\"'T,*\"\"'n(\"'WI\"«»' J\"L' B' \" «-q-i... - D» de, Cieb.iijer Mall.,\nleeiilü-Cunoerl, V>n // ~~ ?\"-7T- (\"»» bericht über <!„ 22. Verein,j,b,). - An, A.eb.n (Er,„, Abonne-\n- - Unterha,tnngsb,»tt (K 5,„, hl(lot„«b,. C„-\n\nWilliam Vincent Wallace\n\n*).\nWilliam Vincent Wailace war den 1. Juni 1814\nzu Waterford in Irland geboren. Sein Vater, Capellmei-\nster der Musik de 3 29. Linien-Regiments, war ein sehr\ntüchtiger praktischer Musiker, der fast auf allen Orchester-\nInstrumenten und auch auf dem Pianoforte zu Hause war.\nIn dem Knaben entwickelte sich früh ein wunderbares\nTalent, seinen Vater zu übertreffen, und er erwarb sich\ndadurch die besondere Gunst des Regiments-Obersten,\nder auch späterhin sein beständiger Freund blieb. Der\njunge William hatte schon mit fünfzehn Jahren Fertigkeit\nauf fast allen Instrumenten, und auf der Violine, dem\nPianoforte, der Clarinette und der Guitarre hatte er be-\nreits eine bedeutende Stufe der Meisterschaft erreicht.\nDiese freilich hauptsächlich nur noch mechanische Meister-\nschaft wurde doch auch schon von geistiger Thätigkeit\nauf dem Gebiete der Musik begleitet, indem er eine Menge\nvon Märschen, Phantasieen und dergleichen mehr für das\nMusikcorps sein.es Vaters und anderer Regiments-Gapell-\nmeister schrieb. Er ging um diese Zeit nach Dublin, um\nsich für die Kunst auszubilden, und trat als Violinist in\ndas Theater-Orchester. Bald darauf nahm er eine Stelle\nals Organist in einer Provincialstadt an, gab sie aber nach\nkurzer Zeit wieder auf und kehrte nach Dublin zurück,\nwo er als Dirigent des Tliealer-Orchesters und der Con-\ncerte der philharmonischen Gesellschaft in den dortigen\nmusicalischen Kreisen Gunst und Ansehen erwarb und in\nseinem Streben auch von fremden Berühmtheiten, wie\nPaganini und Ferdinand Ries, anerkannt und gefördert\nwurde.\nDrei Jahre lang nahm er eine hohe Stellung in Dublin\nein und fuhilc unter Anderem Beethoven's Oratorium\n„Christus am Oelberge\" zum ersten Male in Irland auf.\nIm Alter von achtzehn Jahren schien seine körnerliche\nKialt dem Diucke der Studien und der übernommenen\nBerufspllichten zu erliegen, und dies brachte ihn zu dem\nEntschlüsse, auszuwandern und nach Süd-Wallis in Austra-\nlien zu gehen. Für eine lange Zeit nach seiner Ankunft\nin jenem Welttheile kam er in eine ganz andere Sphäre,\nund ohne einen besonderen Zufall würde die Welt ihn\nnie als Componisten kennen gelernt haben, sondern als\nSchafzüchter, der den Ertrag seiner Landwirthschalt be-\nrechnet, oder vielleicht als Goldgräber.\nWährend eines kurzen Besuches nämlich, den er vom\nLande aus in Sidney machte, wurde er von einigen Freun-\nden eingeladen, einer musicalischen Unterhaltung beizu-\nwohnen. Er ging mit, ohne die geringste Ahnung, dass\ndieser Abend entscheidend für seine Zukunft werden\nsollte. Als er in den Saal getreten, sah er vier Herren um\neinen Pulttisch sitzen, die mit besserem Willen als Ver-\nmögen ein Quartett von Haydn spielten. Da flammte die\nMusik, die in seinem Innern schlief, mit Einem Male zu\nneuem Leben auf, und er wurde von unwiderstehlichem\nKünstlerdrange ergriffen. Bei dem folgenden Quartette bat\ner sich ein Instrument aus und spielte die erste Violine\nzum frohen Erstaunen aller Anwesenden. Und so spielten\nsie die Nacht hindurch fort bis an den hellen Morgen.\nDer Huf von dieser Sitzung lief durch die Stadt und\nkam zu den Ohren des Gouverneurs Sir John Burke aus\nLimerick, eines Landsmannes von Wallace, der ihn be-\n\n*) Nach der von Wellington Guörnsey im Musical World\ngegebenen Lebensskizze. Es hat wohl nie einen Tonkünstler gege-\nben, dessen Dasein bei jahrelang dauerndem Wechsel des Aufent-\nhaltes in Europa, Australien, Asien und America so reich an Er-\neignissen und Abenteuern gewesen wäre, wie das Leben Wallace's,\nder am 12. October d. J. in Südfrankreich nach längerer Krank-\nheit gestorben ist. Möser's und Miska Hauser's Fahrten sind dage-\ngen unbedeutend zu nennen, wie man aus Gruernsey's Skizze, welche\nnur die Haupt-Stationen im Lebenslaufe Wallace's berührt, ersieht.\nWenn unsere deutschen Fabricanten von Romanen mit dem Aus-\nhängeschilde eines grossen Künstlernamens von den Erlebnissen des\nenglischen Musikers Kunde bekommen, so werden sie darüber her-\nfallen, wie der Tiger über frische Beute! L. li."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "346", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651104-01.1.2", "texte": "wog, ein Concert zu geben. Der Erfolg war gross, und\nSir John schenkte dem musicalischen Landwirthe zum Zei-\nchen seiner Zufriedenheit zweihundert Schale, was in je-\nner Zeit und in jenem Lande eine wahrhaft fürstliche\nGabe war.\nNachdem er noch einige Concerte gegeben, ergrifl\nihn eine ruhelose Reiselust, er wurde ein leidenschaftlicher\nVagabund im edleren Sinne und durchwanderte mit seiner\nGeige bekannte und unbekannte Länder. Er gab zu Lan-\ncaster in Van Diemens Land Concerte, ging dann nach\nder Islands-Bai auf Neu-Seeland, dann nach einer Nieder-\nlassung unter halbcivilisirten Eingeborenen, wo er nach\nmanchen Abenteuern nur mit genauer Noth Geiahren ent-\neine. welche der Raum nicht verstattet, aufzuzählen.\nDarauf schiffte er sich auf dem Schiffe „Das gute Vorha-\nben\", das auf den Wallfischfang ausfuhr, ein, aber die\nVorbedeutung des Namens schlug ins Gegentheil um. Die\nMannschaft bestand halb aus Eingeborenen, halb aus\nEuropäern: jene überfielen in einer Nacht die letzleren\nund ermordeten alle bis auf drei, unter denen Wallace\nwar, der seine Rettung der Tochter des Anführers der\nEmpörer verdankte. Sie setzten ihn auf Süd-Island aus.\nWie er von dort nach Ostindien gekommen, wissen\nwir nicht. Dort finden wir ihn wieder, und sein rastloser\nHang, fremde Lande zu durchwandern, wobei theils Un-\nbekanntschaft mit den Gefahren, theils Verachtung der-\nselben ihm eigentümlich waren, führte ihn tief ins Innere,\nwo er an den Hof von Aude kam, überall durch sein\nSpiel das Volk ergötzend. Die damalige Königin nahm,\nihn sehr guf auf, beschenkte ihn reichlich mit Rupien und\nDiamantringen. Die Reise durch diese Landstriche war\nübrigens ebenfalls wieder mit einer Menge von Hinder-\nnissen und gefährlichen Zwischenfällen verbunden, welche\ner nur durch feste Gesundheit und grosse Geistesgegen-\nwart, die ihn nie verliess, überwand.\nNachdem er dann in Nepaul und an der Gränze von\nKaschmir alles gesehen, was seine Wissbegier reizte, und\nalles mit durchgemacht, was die dortige Lebensweise dar-\nbot, einschliesslich Sauhetzen und Tigerjagden, kam er\nwieder nach Calculta. Nach einem kurzen Bedenken, das\nihn nur einen halben Tag dort aufhielt, schiffte er sich\nnach Valparaiso und Südamerica ein. Von da ging er nach\nSantiago, von wo er mit dem Schreiber dieser Skizze die\nriesigen Cordilleren de los Andes zu Ross und Maulthier\nüberstieg. Indess war in Buenos-Ayres, wohin wir gegan-\ngen, unseres Bleibens wegen der vorhandenen Blocade\nnicht lange. Wir kehrten zusammen wieder über das Ge-\nbirge nach Santiago zurück, wo dann Wallace mehrere\nConcerte gab und seine Virtuosität theils auf der Violine,\ntheils auf einem alten Ciavier zeigte, welches im Jahre\n1793 aus Spanien hieher gekommen war. Sein letztes\nConcert in Santiago brachte ihm 3000 Dollars ein, die\nan der Casse in allen möglichen Geldsorten bezahlt wur-\nden, und Schreiber dieses bemerkte zwei Gauchos, die\naus Mangel an gemünztem Gelde zwei prächtige Kampf-\nhähne brachten, um den grossen Musiker zu hören. Eine\nSennora Paquita Robles, eine dort geborene Sängerin, und\nein junger Schotte, der zur Freude der Zuhörer schottische\nLieder sang, wirkten in dem Concerte mit.\nEin charakteristischer Zug aus dem Leben des Künst-\nlers während seines Aufenthaltes in Santiago ist zu er-\nwähnen. Er halte sein Wort gegeben, an einem bestimm-\nten Tage in Valparaiso ein Concert zu einem wohlthätigen\nZwecke zu geben, aber im Laufe der Zeit und der Ge-\nschäfte war das Versprechen seinem Gedächtnisse entfallen.\nAls ich ihn daran erinnerte, war es zu spät, um Valpa-\nraiso noch zu erreichen, da ich die Sache auch vergessen\nhalte. Wallace entschloss sich aber auf der Stelle, die\nReise zu Pferde zu machen, um Wort zu halten, und voll-\nbrachte diese heroische Reiterthat wirklich, indem er die\nhundert und fünfundzwanzig (englische) Meilen mit immer-\nwährendem Pferdewechsel in weniger als eilf Stunden zu-\nrücklegte und in Valparaiso zu rechter Zeit im Concerte\nerschien.\nVon Chili ging er nach Peru. Ein Concert in Lima\ntrug ihm 5000 Dollars ein. Dann überstieg er wieder die\nAnden auf dem Wege Rosario, besuchte Buenos-Ayres,\nHavannab, Vera-Cruz., Tampico und Mexico. Sein Erfolg\nin diesen Städten war überall ungemein gross, und es lei-\ndet keinen Zweifel, dass er dort ein bedeutendes Vermö-\ngen erwarb, besonders in Mexico, wo er auch eine grosse\nMesse für eine Jubelfeier componirte. Sie wurde mehrere\nMale m der Kathedrale aufgeführt und er wurde dafür\nvon Staats wegen sehr reichlich honorirt.\nZunächst trat er in New-Qrleans auf, wo sein Triumph\nehrenvoller als je war, weil er ihn vor einer höher gebil-\ndeten und genauerer Kritik fähigen Zuhörerschaft errang.\nDer Enthusiasmus im St.-Charles-Theater war bei einem\nViolin-Solo von seiner Composition so gross, dass die Mit-\nglieder des Orchesters zu spielen aufhörten und ihre Bei-\nfallsbezeigungen und Fanfaren in den Applaus des Publi-\ncums mischten. Unter diesen Künstlern befand sich auch\nein alter Freund und Landsmann von ihm aus Dublin, der\ndort im Orchester eine bevorzugte Stelle einnahm. Von\nNew-Orleans aus bereiste er die Südstaaten und fand\nüberall dieselbe begeisterte Aufnahme.\nIch erinnere mich noch, als wäre es gestern gewesen,\nobwohl es jetzt einundzwanzig Jahre her ist, im Jahre\n1844 Wallace in einer Gesellschaft in Howitt's Salons\nüber dem Musik-Magazine von Hall und Söhnen zu New-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "347", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651104-01.1.3", "texte": "York angetroffen zu haben. Er kam damals gerade aus\ndem Süden und erschien als ein schlanker, sehr sorgfältig\nund fein gekleideter Gentleman. Seine Züge verriethen\nVerstand, aber eine gewisse Mattigkeit und Melancholie\nlag darin, die wohl der wilde Roman seines Lebens er-\nzeugt hatte. Er spielte zuerst mit grossem Applaus seine\nCracovienne für Pianoforte. Wenn er aber die Violine in\ndie Hand nahm, so riss seine Meisterschaft auf diesem In-\nstrumente und der gefühlvolle Ausdruck seines Spiels Alle\nund Jeden zu Staunen und Entzücken hin. Seine Erfolge\nin den Vereinigten Staaten folgten auf jenen Abend und\nsind zu bekannt, um hier wieder aufgezählt zu werden.\nIn seinen Compositionen erkannte man Originalität und\nGlanz, allein kein Mensch hätte es sich träumen lassen,\ndass er nach wenigen Jahren einen hohen Rang unter den\nComponisten unserer Zeit einnehmen würde. Doch in ihm\nselbst lebte diese Ahnung allerdings, und er bescbloss,\nnach Europa zurückzukehren, und kam im Jahre 1845\nnach London.\nEs ist keine Frage, dass Wallace die Reise nach Lon-\ndon mit dem Bewusstsein machte, dass sein Talent auch\ngrösseren künstlerischen Aufgaben gewachsen sei, und in\nder Hoffnung, dort einen besseren Boden dafür zu finden,\nals in New-York. Er fasste daher den Entschluss, eine\nOper zu schreiben. Ein mit ihm befreundeter Literat\nformte das Stück Don Cäsar de Bazan zu einem Opern-\nbuche: „Maritana\", um, und Wallace machte sich an\ndie Arbeit. Der verstorbene Musikhändler Beale, der da-\nvon hörte, besuchte den Componisten, als dieser den ersten\nAct vollendet hatte. Beale, selbst Musiker und Kenner,\nerkannte auf der Stelle den Werth der Composition, wurde\nwegen des Honorars mit ihm einig und wanderte mit der\nPartitur des ersten Actes unter dem Arm nach Hause.\n„Maritana\" wurde aufgeführt und ihr Erfolg übertraf\nAller Erwartung, auch die des Componisten. Sie erlebte\nan hundert Vorstellungen und stellte Wallace's Namen\nbei den Engländern auf einmal sehr hoch. Sie waren da-\nbei auch vom patriotischen Standpunkte aus vollkommen\nim Rechte, da die Musik alle bisherigen und gleichzeitigen\nVersuche englischer Componisten in ähnlicher Gattung bei\nWeitem übertraf.\nDurch seine zweite Oper: „Mathilde von Ungarn\"\n(1847), die einen grossen Fortschritt bekundete, befestigte\ner seinen Ruf, der auch nach Deutschland gedrungen\nwar, so dass er nach Wien eingeladen wurde, um dort\nseine Oper „Maritana\" zur Aufführung vorzubereiten.\nEr ging hin, und die Oper hatte auch dort Erfolg und\nerlebte einige Monate hindurch viele Wiederholungen.\nNachdem er die bedeutendsten Musikstädte Deutsch-\nlands besucht, in deren Concerten auch die Ouvertüre zur\n„Maritana\" häufig aufgeführt wurde, kehrte er nach Lon-\ndon zurück, lebte indess bis 1853 immer noch abwech-\nselnd in New-York und London, bis er von diesem Jahre\nan seinen festen Aufenthalt in letzterer Stadt nahm.\nSeine Anwesenheit in Deutschland war von grossem\nEinflüsse auf seinen Stil: er schrieb schon in jener Zeit\nseine dritte Oper „Lurline\"(„Lorelei\"), die aber erst\n1860 in London auf die Bühne kam, und zwar mit eng-\nlischem Texte; sie fand bekanntlich grossen Beifall.\nMittlerweile hatte er es dahin gebracht, von Paris aus\ndie Aufforderung zu erhalten, ein Werk für die dortige\ngrosse Oper zu schreiben. Er ging nach der Hauptstadt\nvon Frankreich, wo er in allen musicalischen Kreisen sehr\nzuvorkommend aufgenommen wurde. Das Libretto lieferte\nGeorge, und Wallace machte sich an die Arbeit. Aber\nschon bei der Composition der ersten Nummern befiel ihn\nein Augenübel, welches von Tag zu Tage so zunahm, dass\ner fast ganz blind wurde. Die berühmtesten Augenärzte\nwaren der Ansicht, dass allein eine längere Seereise die\ndrohende Gefahr völliger Erblindung beschwören könnte.\nSo wurde er wieder zum Seefahrer und Wanderer und\nkam 1849 in Rio Janeiro an.\nEr verweilte an acht Monate in Südamerica und gab\nmehrere Concerte; auch bei Hofe spielte er öfter und er-\nhielt vom Kaiser einen kostbaren Diamantring. Von Bio\nging er nach New-Orleans, wo er mit dem Pianisten\nStrakosch |dem Schwager von Adelina Patti | mit ausser-\nordentlichem Erfolge Concerte gab. Auf der Reise nach\nNew-York entging er bei der Explosion des Dampfbootes\n„St. Louis\" auf dem Mississippi wieder einmal einer To-\ndesgefahr. Im Sommer 1850 kam er nach New-York,\nliess sich dort naturalisiren und trat in eine Compagnie\nfür Fabrication und Handel mit Pianoforte's ein. Das\nUnternehmen lief für alle Betheiligten unglücklich aus.\nTrotzdem errichtete er gleich darauf eine Tabaksfabrik,\ndie ebenfalls mit Verlust endete. So gab er denn 1852\nwieder eine Reihe von Concerten in New-York, verkaufte\nan die Musicalienhandlung Hall und Söhne das Verlags-\nrecht aller seiner Compositionen für America und kehrte\nkurz darauf nach London zurück.\nEr schrieb seitdem mehrere Cantaten und Lieder und\n< componirte 1861 die Oper („Bernstein-\nHexe\"), auf welche er mehr Mühe und Sorgfalt der Aus-\narbeitung verwandte, als auf irgend ein früheres Werk,\nund welche auch vortreffliche Musikstücke enthalten soll:\naber der Text trug die Schuld, dass die Oper nicht popu-\nlär wurde. Im folgenden Jahre erschien von ihm „Love's\nTriumph\" („Der Liebe Triumph\") und am 12. October\n1863 „The Desert Flower\" („Die Blume der Wüste\"),\nseine letzte musicalisch-dramatische Arbeit.\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "348", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651104-01.1.4", "texte": "[lm Sommer des vorigen Jahres reiste er nach Paris,\nwo er Hoffnung hatte, eine seiner Opern auf die Bühne\nzu bringen. Allein er kam schon leidend in Boulogne an\nund konnte in Paris und später in Passy nur auf dem\nKrankenbette ruhend die Besuche der theilnehmenden\nFreunde und Kunstgenossen, unter ihnen Rossini, Thal-\nberg und Andere, empfangen. Die Partitur der „Africa-\nnerin\" iiess er sich noch bringen, allein er war zu schwach,\nsie in Händen zu halten: man mussle sie ihm in einzelne\nBlätter zerschneiden. Da die Aerzle von einer Luftverän-\nderung wohlthätigen Einfluss hofften, brachte man den\nLeidenden im September dieses Jahres nach dem Schlosse\nBagen im Departement der Ober-Garonne. Dort hauchte\ner am 12. October den Geist aus, der ihn auf allen Well-\ntheilen umhergetrieben und doch überall bis zu seinem\nletzten Athemzuge der Kunst getreu erhalten hatte. Seine\nGattin war bei ihm. Er hinterlässt zwei Söhne von drei-\nzehn und eilf Jahren. Seine Leiche ist nach England ge-\nbracht worden.]\n\nL. B.\n\nMozart’s Requiem\n\n*).\nDer Abend sinkt. Im Dämmerschein\nSitzt in der Kaiserstadt allein\nUnd einsam, wie ein Marmorbild,\nVon Schwermuth tief die Brust erfüllt,\nDer Meister Amadeus dort\nUnd blicket sinnend fort und fort,\nWie in bedeutungsvollem Traum,\nZum goldgestickten Wolkensaum,\nDas Auge haftend starr und lang\nAuf fernen Sonnenuntergang.\nWas sieht sein Aug', das bald umdunkelt\nVon trübem Flor bald wieder wild,\nWie des Entsetzens Spiegelbild,\nIn aufgejagten Flammen funkelt,\nUnd wieder dann so klar und mild,\nWie Vollmondspiegel hochentzückt\nZum goldnen Abendhimmel blickt?\nWas sieht sein Auge? Lichtumstrahlt\nSteigt auf den Wolken glanzbemalt\nHoch eine Zauberwelt empor,\nEs öffnet sich das Strahlenthor\nZum glanzumfloss'nen Sternenplan,\nDie Geisterwelt ist aufgethan,\nUnd daraus wandelt wunderbar\nHernieder eine Himmelsschar.\nAuf gold'nen Sonnenstrahlen ziehen\nMit süssen Himmels-Melodieen\nAll des Gesanges Riesengeister,\nDie einst der Töne hoher Meister\nIn Hochgesängen dichtend schuf,\nVorüber, horchend seinem Ruf.\nUnd zieh'n mit Sternglanz angethan.\nGeschart in Klang und Licht heran:\nIdomeneo führt den Reigen,\nDes Mithridates Lieder steigen\nMit Sylla und II Rd Pastor\nWie Leuchtraketenglanz empor;\nDie Zauberflöte tönt hernieder,\nDon Juan gibt die Klänge wieder,\nUnd Figaro und Titus' Milde\nUnd seiner Lieder Huldgebilde,\nSie quillen sanft, wie Blüthenduft\nHerab aus goldner Abendluft.\nUnd stark wie Wogenrauschen zieht\nDer Missa hoch gewaltig Lied,\nUnd des Te Deums Fest-Choral\nWie hehrer Geister Flügelwehen\nAus fernen, goldbesäumten Höhen\nHernieder in das Erdenthal.\nSo klingen des Gesanges Geister\nZur Huldigung dem hohen Meister\nVon lichter Wolken Purpursaum\nHerab in seinen stillen Traum,\nBis, als die Sonne tiefer geht,\nAuch leiser ihre Stimme weht,\nUnd nun die Geister-Melodie'n\nWie Himmelslichter matt ergliih'n,\nBis dann der letzte Strahl verglimmt\nUnd Geisterschar und Traum verschwimmt.\nDa senkt des Meisters trüber Blick\nBeflort zur Erde sich zurück,\nUnd schmerzlich seufzt aus kranker Brust,\nIn der des Lebens Kraft und Lust\nGebrochen schläft, schon kalt und todt\nEr leis' ins sterbende Abendroth:\n„Du Sonne in dem Sphärensang,\nDer Schöpfung Gottes schönster Klang,\nDu gehst hinab zur stillen Ruh',\nDoch auch da drunten spendest du\nVon einem andern Himmelszelt\nLicht, Lied und Leben einer Welt;\nO, sänk' ich so wie du hinab!\nMir winkt ein finst'res, nahes Grab,\nDas dumpfig mich und meine Lieder\nVergessen und verklungen deckt;\nIch gehe nicht wie du darnieder\nDu Sonne kehrst am Morgen wieder,\nIch werde nimmer aufgeweckt!\"\nDoch plötzlich mit dem letzten Worte\nTritt durch des Zimmers enge Pforte\nGeheimnissvoll ein kleiner Mann,\nIm Mantel eingehüllt, heran,\nNaht wie mit geisterhaftem Tritte\nGeräuschlos sich des Zimmers Mitte\nUnd spricht zu Amadeus dann:\n\n*) Dieses Gedicht ward von dem Hoch würdigsten Herrn von\nGeissei, früherem Bischöfe in Speyer, dann Cardinal und Erzbischof\nvon Köln, ursprünglich zu einem Vortrage in einem Concerte ver-\nfasst, womit der Cäcilien-Verein in Speyer den Geburtstag Mozart's\nfeierte (5. December 1846), konnte aber damals wegen zu später\nEinsendung nicht declamirt werden. (Süddeutsche Musik-Zei-\ntung. Jahrgang 1856, Nr. 5, vom 28. Januar.) Wir geben auf\nden Wunsch mehrerer Kunstfreunde einen neuen, berichtigten Ab-\ndruck des schönen Gedichtes, welches die edle Begeisterung eines\nso hoch gestellten geistlichen Würdenträgers, des verewigten Car-\ndinais und Erzbischofs von Köln, für die Tonkunst auf so warme\nWeise ausspricht.* Die Redaction."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "349", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651104-01.1.5", "texte": "„Wohl hast den Lorber Du errungen,\nWas Keinem ward, ist Dir gelungen;\nWohl sangst Du, Meister, hocherglüht,\nWie Lust und Lied und Leben blüht;\nAllein des Todes Trauerlied,\nDas an geliebten Särgen klagt\nUnd selbst am Sarge nicht verzagt,\nDes Requiems Wundermelodie,\nDie noch des Lebens Harmonie\nZur dunklen Gruft hinunterträgt\nUnd drunten, wo kein Herz mehr schlägt,\nDer Todten Schmerz verheissend stillt,\nUnd ob das Leben auch verklungen,\nMit Hoffnung dennoch sie erfüllt,\nDas Lied hast Du noch nicht gesungen.\nDem Tode, der Unsterblichkeit\nSei deine Harfe drum geweiht,\nUnd von Begeisterung entflammt\nSing' sie der Todten Feieramt:\nBis wieder sich der Mond erneut,\nWird Dir das Lied vollendet sein:\nDann stell' auch ich bei Kerzenschein\nZum Todten-Requiem mich ein.\"\nSo redete der fremde Mann\nMit stillem Gruss und war fortan\nIm Dämmergrau nicht mehr zu sehen:\nOb, als er leichten Abschied nahm,\nDes Abendwindes leichtes Wehen\nIhn geisterhaft davon getragen.\nWohin er ging? woher er kam?\nKein Sterblicher wusst' es zu sagen.\nDer Meister staunt. Sich kaum bewusst,\nFüllt seine todeswunde Brust\nEin dunkles, nie gekanntes Ahnen;\nDann wird's vor seiner Seele klar,\nEin Bote aus der Engelschar\nWar's, ihn an Grab und Tod zu mahnen.\n„Ein Requiem er mir gebot,\nEin Trauerbild aus Grab und Tod:\nSo naht dann ihr, ihr dunklen Mächte,\nBegeistert ihr des Sängers Nächte,\nDu Todesbraut, des Grabes Ruh',\nFühr' du mich der Vollendung zu!\nDir will ich meine Harfe weih'n.\nWohlan! Mein Requiem soll es sein!\"\nSo spricht er, und sein Genius schafft\nMit der gewohnten Riesenkraft;\nUnd ob des Lebens Kraft ihm bricht.\nBegeistrungstrunken fühlt er's nicht.\nUnd sonder Rast und sonder Ruh'\nStrebt er dem hohen Ziele zu;\nUnd eh' der Mond sich noch erneut,\nDas Werk sich der Vollendung freut.\nDoch mit des Liedes letztem Laut\nNaht auch dem Sänger die Todesbraut,\nUnd fesselt ihn in letzter Stunde\nAn's Sterbebett zum Grabesbunde.\nSchon ringt des Sängers weiches Herz\nErstarrend mit dem letzten Schmerz,\nSchon wird sein Auge trüb und trüber,\nDoch immer leuchtet's wunderbar,\nWie Orione licht und klar,\nAus einer Sternennacht herüber.\nEs zieht der Töne Geisterechar\nNoch einmal seinem Geist vorüber:\nDes Kyrie's sanfter Chorus quillt,\nWie Gottes Gnade tief und mild,\nEin Trostesquell zum Staub hinab\nUnd spendet Leben noch im Grab.\nHorch', wie der Pauke Donner dröhnt,\nWie die Posaune mächtig tönt,\n\\\nDes Dies irae Wogenstrom\nRauscht durch der Schöpfung weiten Dom,\nAls stünde eine Welt in Flammen,\nAls stürzten Stern auf Stern zusammen,\nAls setzte sich im Strahlenlicht\nDer Ew'ge hin zum Weltgericht!\nDas ist kein irdischer Gesang,\nSo klingen keine Erdenworte!\nAuf sprengt des Himmels Strahlenpforte\nDes Sanctus Cherubimgesang.\nUnd wie die Schar der sel'gcn Geister\nIn immer weiterer Ferne schwebt\nUnd leiser ihr Gesang erbebt,\nDa schliesset auch der hohe Meister\nBeim Lux aeterna luceat\nIm letzten Hauche sterbend matt\nZur ewigen stillen Grabesruh'\nDie schon gebroch'nen Augen zu.\nUnd seinen Geist, der Hülle bar,\nTrägt jubelnd nun die frohe Schar\nDer lichtumflossenen Geisterbrüder\nAuf Liedesflügeln, gottverwandt\nHinauf ins leuchtende Vaterland\nDes ewigen Lichts, der ewigen Lieder,\nSo lebt er denn unsterblich dort;\nDoch ob er über Raum und Zeit\nVerklärt auch sich der Erd' entschwang,\nEr lebet auch im Liedesklang\nUnsterblich noch auf Erden fort.\nIhm ward sein letzter Schwanensang\nZum Wiegenlied der Unsterblichkeit;\nIhm sei des Tages Fest geweiht,\nDer ihn geboren werden sah,\nUnd heut noch ist sein Geist uns nah'\nIn den Zaubertönen, die ihm erklungen;\nWas er er gesungen,\nIst ewig gleich den ewigen Sternen\nUnd klingt hinab zu den fernsten Fernen.\n\nJoh. von Geissel.\n\nDas Quartett der Gebrüder Müller.\nDie Herren Müller, die wir vor mehreren Jahren auch\nam Rheine schon einmal als tüchtige Künstler und wür-\ndige Nachfolger des früheren braunschweig'schen Quar-\ntetts begrüssten, haben am Mittwoch den 25. October ihre\nerste Soiree hier in Köln im Saale des Hotel Disch ge-\ngeben und ihre Zuhörer, die übrigens bei der hier vor-\nhandenen musicalischen Bildung des Publicums hätten\nzahlreicher sein können, durch ihr Spiel in jeglicher Vor-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "350", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651104-01.1.6", "texte": "tragsweise so erbaut, erfreut, ergriffen, begeistert, dass\nder lauteste Beifall jedem Satze folgte und die allgemeine\nUeberzeugung hervorrief, dass ein solches Quartett nicht\nseines Gleichen habe.\nDie Künstler sind die vier Söhne des ehemaligen Con-\ncertmeisters Karl Müller, des berühmten Geigers und Grün-\nders des braunschweig'schen Quartetts. Sie haben ihre\nAufgabe so verlheilt, dass Karl (geb. 1829) die erste\nVioline, Hugo (geb. 1832) die zweite, Bernhard (geb.\n1825) die Viola und Wilhelm (geb. 1833) das Violon-\ncell spielt.\nSie bilden so sehr ein Ganzes, dass man mit Staunen\nnur Einen Künstler zu hören glaubt und sich der Täu-\nschung der alten Mythe, die von vielarmigen, weil wun-\nderbar kräftigen -Menschen erzählt, hingibt. Bei diesem\nachtarmigen Heros unserer Zeit tritt aber zu der Kraft\nund Ausdauer das milde Element des Schönen in seiner\nganzen Anmuth und Zartheit hinzu, alles Harle und Rohe\nist verschwunden, und wir hören nur das Wunder, dass\nEin Geist diese Viergestalt belebt und Ein Gefühl die\nvier Ton-Organe in ihren Händen beseelt. Bei solchem\nZauber, den eine seltene Klangfülle des Gesammttones\nunterstützt, welchen mit der ausgezeichneten Behandlung\nim Bunde die vier ganz vortrefflichen Instrumente ent-\nwickeln, die Präcision und das genaue Zusammenspiel zu\nrühmen, hiesse nur von einer Vollkommenheit reden, die\nsich bei solchen Künstlern von selbst versteht und in wel-\ncher auch andere Quartett-Vereine dasselbe erreichen.\nAber die Einheit der geistigen Auffassung des Charakters\neines jeden Musikstückes im Ganzen wie in seinen einzel-\nnen Sätzen, die Uebereinstimmung des Vortrages in jeder\nWeise, sowohl was das Tempo und dessen Modificationen\nim Beschleunigen oder Zurückhalten je nach dem empfin-\ndungs- oder lebensvollen Inhalt der Musik betrifft, oder\nin allem, was sich auf geschmackvolle und ausdrucksvolle\nPhrasirung der Melodie bezieht, oder auf kräftigen und\nfeurigen Schwung und dessen Contrastirung mit dem Wei-\nchen und Zarten, endlich die Kunst der Ausführung einer\nsolchen Vortragsweise, welche eine Vollendung der Tech-\nnik auf jedem der vier Instrumente bekundet, die nichts\nmisslingen lässt, es mag auf Bravour und Correctheit bei\nden grössten Schwierigkeiten ankommen oder auf Ton in\nallen gesanglichen Nuancirungen und Bogenführung in\nallen Stricharten das ist es, die vollkommene Einheit in\nallem diesem zusammengenommen, was wir bewundern\nmüssen; das ist es, wofür wir unmöglich Worte finden\nkönnen, es auch nur annähernd zu beschreiben. Das muss\nman hören, sich ihm mit Verstand und Gefühl hinge-\nben und dann mit Freuden gestehen, dass die Söhne ihres\ngrossen Vaters und Lehres würdig sind und den Gipfel-\npunkt der künstlerischen Ausführung der classischen Quar-\nteltmusik erreicht haben.\nIn der ersten Sitzung spielten sie das Quartett von\nHaydn in C-durmit den schönen Andante-Variationen\nauf „Gott erhalte Franz den Kaiser\", in welchen die Me-\nlodie auf dem jedesmaligen Instrumente, dem sie zuge-\ntheilt ist, als wahrer Gesang, aber ohne sich affectirt gel-\ntend zu machen, erschien und die reizenden Arabesken\nder Begleitung mit so viel Geschmack vorgetragen wur-\nden, dass die Zuhörer, sichtlich ergriffen, dem einfach\nedlen Vortrage stürmischen Beifall zollten. Die auf das\nQuartett folgende Trio-Serenade für Violine, Viola\nund Violoncell von Beethoven, Op. 8, aus welcher ein-\nzelne Sätze durch Einrichtungen für Ciavier u. s. w. be-\nkannt sind, war in ihrer Originalform, bei der jetzt herr-\nschenden Manie, die ersten Werke des grossen Meisters\nals noch zu mozartisch (!) bei Seite zu lassen, für die Zu-\nhörerschaft etwas ganz Neues, und um so mehr entzückte\nsie Composition und Vortrag; jeder Satz erschien als ein\nkleines Juwel in dem heileren Kranze des Ganzen. Den\nSchluss machte eine glänzende Ausführung von Schu-\nberts Quartett in D-matt.\nIn der zweiten Sitzung am 30. October überraschten\nuns die Künstler mit einem Quartett von Dittersdorf,\ndem zu seiner Zeit (geb. 1739, gest. 1799) so berühm-\nten Violinspieler und Componisten. Ausser den Cantaten,\nOratorien und einer ganzen Reihe von Opern hat er be-\nkanntlich auch sehr viel für Instrumentalmusik geschrie-\nben, Sinfonieen, Concerte, Quartette u. s. w. Fast alle\ndiese Sachen liegen jetzt unbeachtet und bestaubt in den\nmusicalischen Bibliotheken meist in Städten von Süd-\ndeutschland; nach der Probe des Quartettes, welches wir\nhörten, mag wohl noch Manches darunter sein, dessen\nHervorholung der Mühe lohnen dürfte, zumal jetzt, wo\ndie musicalischen Antiquare so gern auf alterthümliche\nSchätze graben. Das gehörte Quartett ist voll Originalität\nund Humor und enthält im letzten Satze neben manchen\nKühnheiten eine ziemlich lange Stelle, die einer ähnlichen\nin einem Beethoven'schen Quartette merkwürdig gleicht.\nAusserdem spielten die Herren Müller das Quartett\nvon Mendelssohn in Es-dur, Op. 12, dessen Allegretto\nsie wiederholen mussten, und zum Schlüsse der Sitzung\nBeethoven's Op. 59 Nr. 3 in C-dur, dessen fugirtes\nFinale wie ein Sturm, der den Wald entblättert, daher-\nbrauste und neben der technischen Vollendung der Aus-\nführung besonders auch die Tonfülle in den Fortissimo-\nStellen bei solchem Tempo bewundern Hess.\nDie nächste und letzte Sitzung findet Montag den 6.\nNovember Statt und bringt die Vorträge der Quartette"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "351", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651104-01.1.7", "texte": "von Haydn in D-durmit dem Menuett\nMozart in C-dur, Beethoven, Op. 132 in A-moll\n\nDer wiener Männer-Gesangverein.\nAus dem Jahresberichte über das zweiundzwan-\nzigste Vereinsjahr, verfasst von Dr. Ed. Kral, ersehen wir,\ndass der Verein 233 ausübende (102 Tenöre, 131 Bässe)\nund 465 unterstützende Mitglieder zählt. Er ist ausser in\nden drei satzungsmässigen Liedertafeln dreizehn Mal mit\nöffentlichen Aufführungen aufgetreten. Seine Einnahmen\nbetrugen 10,680 Fl., Cassenrest für das nächste Jahr\n3191 Fl. Unter den Ausgaben kommen 19 Ducaten für\nEhrensold an Componisten, eine Erhöhung des Honorars\ndes ersten Chormeisters, Herrn Herbeck, die Kosten der\nReise nach Dresden u. s. w. vor. Auch hat der Verein\nwieder über 2000 Fl. dem Schubert-Fonds zugewendet.\nDieser Fonds hat die Höhe von 23,000 Fl. in Werth-\npapieren und 1020 Fl. baar erreicht. Der Gemeinderath\nhat den gewünschten Platz für das Denkmal des grossen\nKünstlers im Stadtparke überlassen. Von der Commission\naus der Mitte des Vereins sollen Künstler (drei österrei-\nchische und zwei ausserösterreichische) zur Einsendung\nvon Modellen eingeladen werden. Das Denkmal soll mit\ndem Grundgestell eine Höhe von 20 21 wiener Fuss,\ndie Statue von 8 9 Fuss erhalten.\nDer Verein hat durch den Tod des Herrn Franz\nSchierer, seines langjährigen Vorstandes und Begrün-\nders des Schubert-Fonds, einen schmerzlichen Verlust er-\nlitten.\nUeber die Aufführungen und sonstigen Vorgänge bei\ndem Sängerfeste in Dresden bestätigt der Berichtim All-\ngemeinen die Nachrichten, welche zur Zeit die öffentlichen\nBlätter darüber brachten. „Gesungen\" heisst es S.\n45 „mögen höchstens zwischen 6000 bis 8000 Sänger\nhaben. Am meisten gefiel von den Gesammtchören mit\nBlech-Harmonie-Begleitung Schuppert's Chor „„Das\ndeutsche Schwert\"\" und dann die reinen Vocalchöre und\nVolkslieder, und wurden auch die letzteren wiederholt.\nIndessen herrschte während des ganzen Concertes die\nschrankenloseste Freizügigkeit aller Sangesbrüder, und der\nameisenartig wimmelnde Haufen der deutschen Sänger-\nschaft machte von diesem Rechte den ausgedehntesten\nGebrauch. Der schallende Lärm, welchen die herumlrip-\npelnden Sänger, Turner, Dienstmänner u. s. w. auf den\nDielen hervorbrachten, machte jeden Vortrag fast unmög-\nlich, und als nach Schluss des Fest-Concertes und an-\ngeblicher Räumung der Festhalle durch das Publicum\ndie Reihe der Einzel-Vorträge beginnen sollte, da konnte\nnur durch wiederholtes Schreien durch das Sprachrohr die\nRuhe so weil hergestellt werden, dass wenigstens die den\nSängern Zunächststehenden nicht mehr lärmten und das\nSummen der Uebrigen nur wie Donnergerolle erklang.\nUnter solchen Umständen litten alle Einzel-Vorträge; jener\ndes wiener Männer-Gesangvereins („ „ Der Entleruten\" \"von\nSchubert) halte aber denn doch eine solche Wirkung\nhervorgebracht, dass allgemein der Ruf nach einer Wie\nderholung erklang und der Verein die zwei kärnthener\nVolkslieder „„Lippitzbach\"\" und „„0 Dirndle\"\" dazu\ngeben musste. Ausserdem sangen noch mehrere fremde\nV ereine, hatten aber alle mit der grossen Unruhe zu\nkämpfen.\n„Im zweiten Fest-Concerte waren es namentlich die\nbeiden von Herbeck dirigirten Vocalchöre, Schubert'«\n„„Nacht\"\" und Reissiger's „„Wanderers Abendlied\"\",\nwelche stürmischen Beifall errangen. Herbeck wurde viel-\nmals gerufen, Hess aber, mit Rücksicht auf den vorange-\ngangenen Festzug und die Anstrengung der Stimmen bei\ndemselben, „„Die Nacht\"\" nicht wiederholen. Nach dem\nConcerte sangen abermals unter grosser Unruhe mehrere\nVereine, in der Halle sprachen noch mehrere Redner\nu. s. w.\n„Der wiener Männer-Gesangverein veranstaltete noch,\nvielfachen Wünschen entsprechend, ein gemeinschaftliches\nMahl mit den „„Paulinern\"\" aus Leipzig im Saale von\nMeinhold's Hotel, und gestaltete sich diese« in dein gan-\nzen Verlaufe zu einem der schönsten Momente des Festes\nlür den wiener Verein. Die Theilnahme von Damen und\nHerren an diesem Mahle, obgleich nur auf die Sänger\nund ihre Quartiergeber beschränkt, war enorm, und in\ndichten Scharen standen die ohne Sitzplatz Gebliebenen\nan den Eingängen, dem Gesänge lauschend, der abwech-\nselnd aus beiden Vereinen ertönte.\"\n\nAus Aachen.\n\nDas erste Abonnements-Concert unter Leitung des städtischen\nMusik-Directors Herrn Ferdinand Breunung fand am 2(j. Octo-\nber Statt und hatte einen sehr erfreulichen Erfolg. Besonders ist die\nAufführung der Sinfonia Eroica von Beethoven auszuzeichnen, welche\ndie strengste Kritik eine vollendete nennen musste. Unserer Ansicht\nnach war es trotz der Trefflichkeit unseres Orchesters doch in ge-\nwisser Hinsicht ein Wagnips, gleich zur Eröffnung der Winter-Sai-\nson ein Werk, wie Beethoven mit Ausnahme der neunten Sinfonie\nkein schwierigeres für Orchester geschrieben hat, zu wählen, indem\nbei uns der Sommer bekanntlich dem Orchester durch die Curhaus-\nmusik und die wöchentliche Oper mit ihren Proben keine Ferien\ngibt und es an leichtere Musik gewöhnt, als Beethoven zu bewälti-\ngen fordert. Um so ehrenvoller war es, dass auch nicht der ge-\nringste Fehler vorkam, was bei dieser Sinfonie viel sagen will. Auf-\nlassung und Leitung von Seiten des Dirigenten, welcher die Auffüh-\nrung ohne Partitur auswendig dirigirte, was immerhin auf das Or-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "352", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651104-01.1.8", "texte": "ehester von gutem Eindrucke sein mag, waren vorzüglich, so dass\nauch das ganze Orchester, wie von Beethoven'schem Geiste beseelt,\nmit Begeisterung spielte, und jeder Satz, was hier gar nicht zur\nGewohnheit gehört, mit enthusiastischem Applaus belohnt wurde.\nFräulein Agnes Zimmermann spielte das G-dur-Concert von\nBeethoven und eine Transscription oder Paraphrase von Liszt\nund machte einen sehr guten Eindruck; die einfache Art, womit sie\ndas herrliche Werk echt künstlerisch wiedergab, erwarb ihr die voll-\nsten Sympathieen, wiewohl sio nach der zweiten Production rau-\nschenderen Erfolg hatte. Der Chor löste seine Aufgabe in dem 95.\nPsalm von Mendelssohn recht wacker; die Soli sangen Fräulein\nBirnbaum, eine geschätzte Dilettantin und Herr Göbbels. Dass zur\nEröffnung des Concertes die Ouvertüre zu Cherubini's „Wasserträ-\nger\" präcis und schwungvoll gespielt wurde, war von dem niesigen\nOrchester nicht anders zu erwarten.\n\nH.\n\nZweites Gürzenich-Concert.\nDinstag, den 31. October 1865.\nProgramm. I. 1» Gluck, Ouvertüre zu „Iphigenie in Aulis\".\n2. Mozart, Concert für Pianoforte D-moll (Fräulein Agnes Zim-\nmermann). 3. Haydn, Variationen: „Gott erhalte Franz\" (Gebrü-\nder Müller). 4. Beethoven, Messe in C-dur. 11. 5. Schu-\nmann, Sinfonie Nr. 1, B-dur.\nDa es in allen Fällen menschlich und christlich ist, sich der\nVerbannten und Heimatlosen auzunehmen, ohne viel nach ihrem\nStande und Range zu fragen, so wird diese Theilnahme zur doppel-\nten Pflicht, wenn Männer von hohem Geiste und Charakter als\nunschuldig Verfolgte an unsere Thür klopfen. Wenn also Haydn,\nMozart, Beethoven, aus der Kirche vertrieben, mit ihren Partituren\ngeistlicher Musik unter dem Arm vorüberziehen, um sich eine an-\ndere Stätte zu suchen, so ist es nicht mehr wie lvecht, dass ihnen\ndt;r Concertsaal seine Pforten öffnet, um die Anklage, dciss ihic\nTonschöpfungen nur Erzeugnisse weltlicher Gesinnung und Kunst\nund des religiösen Inhalts bar und ledig seiei), vor das Schwurge-\nricht der gebildeten und unbefangenen Menge zu bringen. Die Vor-\nurteile, die sich der Aufnahme von Kirchenmusik in ein Concert-\nProgramm früher wohl noch entgegenstellten, sind glücklicher Weise\nverschwunden und die Meisterwerke eines Bach, Mozart, Cherubini,\nBeethoven, die alle gerade in dieser Gattung von Musik das Höchste,\ndas ihr Genius zu schaffen vermochte, der Nachwelt überliefert zu\nhaben glaubten, sollen denn auch nicht dem Grabe der Vergessen-\nheit verfallen. Nein, die Priester und Jünger der Kunst und die\nganze grosse Gemeinde der Musikfreunde wollen nicht Theil nehmen\nan der Schuld eines Bannfluches gegen, die Wunder der Tonkunst,\nan die sie mit warmem Herzen glauben, gegen die Monumente des\ndeutschen Geistes, vor denen sich das Ausland beugt, gegen die\nSchöpfungen des Genius, der von Gott stammt! Und desshalb ist es\ngerade heutzutage eine der Pflichten der grösseren Concert-Institute,\ndie Werke geistlicher Musik gerade so aufzuführen, wie sie ur-\nsprünglich für die Kirche geschrieben sind, nicht bloss mit densel-\nben Tönen, sondern auch mit denselben Textesworten, und die wie-\nderholten Aufführungen der Passionsmusiken von J. S. Bach, der\ngrossen Messe in D von Beethoveh und anderer Kirchenwerke ha-\nben bei uns bereits einerseits bewiesen, wie richtig der Concert-\nVorstand seine Aufgabe in dieser Beziehung auffasst, und anderer-\nseits, welchen Eindruck eine solche Musik auch im Gürzenichsaale\nauf die versammelte Menge macht. So brachte denn auch das Con-\ncert am Dinstag die erste Messe (in C-dur) von Beethoven,\nwelche, so viel wir uns erinnern, in ihrer unveränderten Gestalt\nnoch gar nicht und auch in ihrer Verunstaltung durch einen deut-\nsehen Text zu so genannten „drei Hymnen\" seit einer langen Reihe\nvon Jahren nicht zur Aufführung gekommen ist.\n(Schluss folgt.)\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nHöln. Am 7. November werden Herr und Frau Marchesi\nim Saale des Hotel Disch ein historisches Concert geben und\ndarin mehrere Arien und Duette für Bariton und Sopran von Com -\nponisten aus dem siebenzehnten und achtzehnten Jahrhundert vor-\ntragen. Da die ähnlichen Concerte des vorzüglichen Künstlerpaares\nin London und Paris grossen Beifall gefunden haben, so machen\nwir das Publicum auf die interessante Soiree, die auch die Herren\nHiller und Jap ha durch ihr Spiel unterstützen werden, auf-\nmerksam.\nVI eiiftiai*, 24. October. Am 22. October ging Max Bruch 's\n„Loreley\" nach E. Geibel's bekannter Dichtung mit äusserst günsti-\ngem Erfolg in Scene. Deutschlands beliebter Lyriker hat auch dem\nComponisten der „Loreley\" lyrische Momente von grosser Innigkeit\ngeboten, welche dieser mit schöner Empfindung verwerthete. . Das\nLiebes-Duett im ersten, das Loreley-Lied im dritten Acte, welches\nam Schlüsse wiederkehrt, die einfach rührende Vertheidigung der\nLeonore, das Lied derselben auf dem Felsen im vierten Acte sind\nbesonders hervorzuhebende Einzelheiten auf diesem Gebiete; aber\ndie Oper will dramatische Situationen, und der Höhepunkt derselben\nin der Loreley ist das durch Mendelssohn bekannt gewordene Finale\ndes ersten Actes. (Hier zweiter Act.) Max Bruch braucht den Ver-\ngleich mit seinem berühmten Vorgänger nicht zu scheuen; die\ndurchaus selbständige Auffassung dieser Scene, die mysteriöse Fär-\nbung, die leidenschaftliche Steigerung in den Ausbrüchen der Leo-\nnore bekunden ein schönes Talent für musicalische Gestaltung wirk-\nlich dramatischer Situationen. Der dritte Act scheint uns, trotz der\noben angeführten schönen Einzelheiten, der schwächste, weil er der\nEinheit und dramatischen Steigerung entbehrt. Der vierte Act ist\nkurz und von guter Wirkung. Jedenfalls haben wir in diesem Werke\ndie Bekanntschaft eines durchaus noblen Musikers gemacht. Um die\nhiesige Aufführung hat sich Frau von Milde das grösste Verdienst\nerworben. Es war eine künstlerische Leistung voll Adel und Schwung,\ndie keinen Augenblick vergessen liess, dass die Künstlerin mit dem\ndarzustellenden Charakter vollständig identificirt war. Das Publicum\nwar sichtlich hingerissen und liess es an enthusiastischen Beifalls-\nbezeigungen nicht fehlen."}]}