{"numero_id": "bm-bmtnabi-1865-11-11-01", "volume": "bmtnabi_1865-11-11_01", "ocr_sha256": "c8535326f6905173918a28aba24fff423f7d9422d757f35efefb21c9ade42db8", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1865/11/11_01/bmtnabi_1865-11-11_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651111-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1865-11-11-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-11-11_01#c001", "volume": "bmtnabi_1865-11-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "353", "page_fin": "353", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651111-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "353", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651111-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 485, "texte": "Inhalt.\nDie italiänische Oper alter und neuer Zeit. Ein Vocal-Concert in Crefeld. Von L. B. Historisches Concert von\nHerrn und Frau Marchesi in Köln. Zweites Giirzenich-Concert (Sehluss). Tages- und U n ter ha 1 tungs bla 11 (Köln, Quartett der\nGebrüder Müller, Beethoven-Quartett aus Paris, Fräulein Tietjens Elberfeld, Fräulein Brenken Minden, Herr Drobisch Mainz Ma-\ndame Frezzolini Hannover, Künstler-Concert Coburg, M. Brueh's „Loreley\" Darmstadt, „Africanerin\" Dresden u. s. w.)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-11-11-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-11-11_01#c002", "volume": "bmtnabi_1865-11-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "353", "page_fin": "356", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651111-01.2.2", "titre_corps": "Die italiänische Oper alter und neuer Zeit.", "titre_sommaire": "Die italiänische Oper alter und neuer Zeit.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "353", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651111-01.1.1", "debut_caractere": 487, "fin_caractere_exclue": 4209, "texte": "Die italiänische Oper alter und neuer Zeit.\nEs ist bekannt, dass der völlige Mangel an dramati-\nscher Wahrheit in der italiänischen Musik längst von deut-\nschen und französischen Kritikern dargelegt und gerügt\nworden ist, wiewohl es noch jetzt Leute gibt, die es\nWa gner zum grossen Verdienste anrechnen, dass er, wie\nsie meinen, zuerst gegen die alte, aus Italien überkom-\nmene Form der Oper aufgetreten sei. Weniger oder fast\ngar nicht bekannt ist es aber, dass unter den Italienern\nselbst bedeutende Musiker und Schriftsteller von grossem\nAnsehen sehr energisch gegen die Unwahrheit der Opern-\nmusik ihrer Landsleute von den Zeiten der Entstehung\nn\nder Oper an bis auf unsere Tage geeifert haben. Ja, es\nist höchst merkwürdig, dass nach einer Anführung bei\nArteaga (Le Rivoluzioni del teatro musico italiano. Vene-\nria, 1785) schon vor Alessandro Scarlatti sich in der\nSchrift des gelehrten Giov. Battista Doni:\nstantia musicae veteris. Florent. folgende Stelle ge-\ngen die damaligen Sänger findet:\n„Indem unsere Sänger die Härte und Trockenheit\nder melodischen Aufeinanderfolgen vermeiden wollen, ver-\nvielfachen sie dieselben auf einmal ohne alles Maasshalten\nund zerreiben sie auf eine so schreckliche Weise, dass sie\nunausstehlich werden. Die Itahäner leiden besonders an\ndieser Sucht, und da sie sich selbst für grosse Männer\nvon höchstem Talente halten, so betrachten sie die übri-\ngen Menschen wie Vieh und Holzklötze. So haben sie\nsich denn auch mit Recht in den Augen der Fremden\nlächerlich gemacht.\"\nIn dieser Notiz liegt ein Beweis, dass schon vor der\nFeststellung der Form der Arie, die man Scarlatti zu-\nschreibt, die Sänger sich als Verschönerer und Verbesse-\nrer der Melodieen betrachteten, da Doni seinen Unwillen\nschon im Jahre 1647 auslässt und Scarlatti erst 1659\ngeboren wurde.\nNachdem Scarlatti die Form der Arie mit zwei Thei-\nlen und dem Dacapo festgestellt hatte, beobachteten die\nitaliänischen Componisten diese Form, ohne sich an die\ndramatischen Situationen und den verschiedenen Gefühls-\nAusdruck zu kehren, für Alles, und nicht nur die älteren,\nwie Pergolese, Sarti, Duni, Porpora, Jomelli, Sacchini,\nPicinni, Guglielmi u. s. w., sondern auch Cimarosa, Zin-\ngarelli, Paisiello, Paer und selbst Rossini und seine Nach-\nfolger hielten, wenn auch mit Modificationen, daran fest.\nWie nun Scarlatti offenbar auch schon den Sängern zu\nLiebe die Arie so gestaltet hatte, was durch Doni's Urtheil\nüber diese bestätigt wird, so schrieben auch seine Nach-\nfolger weit mehr für die Sänger, als für den Gesang, ge-\nschweige denn für den musicalischen Ausdruck der Tex-\ntesworte und der Situation.\nSchon Benedetto Marcello (1686 —1739) trat\nin einer beissenden Satire: „II teatro alla moda\", dage-\ngen auf, eben so der Pater Fontana, sein Biograph,\nund der Abbate Conti in einer Schrift über die Malerei\nin der Musik (1756). Alle nennen die herrschenden Ma-\nnieren Unsinn, Travestirung des natürlichen Gefühls, und\nmachen die Fiorituren, Fermaten und Cadenzen und die\nlange gehaltenen Noten und Triller con lunghezsa mi-\nrabile senza prender fiato lächerlich.\nDer berühmte Pater Martini sagt in seiner Storia\ndella musica(I. Band 1756 letzter 1781): „Die Fac-\ntur unserer Opern-Arien besteht aus einem heterogenen\nGemisch von Ideen und von verschiedenen Lappen, welche\nweit mehr durch Zufall, als durch logische Gedankenfolge\nan einander gereihet erscheinen, das Ganze ohne Einheit\nund Ordnung. Dieses Amalgama regt in den Zuhörern\nein Gemisch der entgegengesetztesten Empfindungen an,\ndas auf keine Weise ergötzen oder rühren kann. Wann\nwerden wir einen Musiker erstehen sehen, der mit Genie\nund Wissenschaft auf dem Gebiete der Kunst ausgerüstet,\nauf die Spitzfindigkeiten und Sätze der Pedanten nicht"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "354", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651111-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5185, "texte": "achtet, den wahren und richtigen Ausdruck der Gefühle\nwieder in Tönen belebt und dadurch das Geheimniss ent-\ndeckt, die Seele der Zuhörer, die sich bei der jetzigen\nMusik schon langweilen {giä annojati), zu ergreifen und\nzu erheben!\"\nArteaga schildert in dem bereits oben angeführten\nclassischen Werke: Leßivolusioni\n1785 geschrieben und von Forkel ins Deutsche übersetzt\n(im 11. Bande, Cap. 13, S. 286 288 des Originals),\ndie Arien der italiänischen Oper folgender Maassen:\n„Was findet man in unseren Arien? Ranzige und\nschimmelige (rancidi e vieti)ldeen, welche durch ewige\nWiederholung das Ohr ermüden und statt Interesse Lan-\ngeweile erregen; Motive, die, kaum angedeutet, ohne\nSchluss und Charakter bleiben; aufs gerathewobl hinge-\nworfene Gedanken, wie sie eben in die Feder kommen,\nohne die Vollendung, die der Fleiss, und ohne die Rich-\ntigkeit der Anwendung, die das Nachdenken gibt; allerlei\nPhrasen und Passagen, die aus den Heften und Partituren\ntodter und lebender Componisten von hier und dort zu-\nsammengestoppelt und auf die wunderlichste Weise an\neinander geschweisst werden, woraus nie ein Werk mit\nbestimmter Physiognomie entstehen kann; Mosaik, welche\naus so vielen Steinen von verschiedener Farbe gebildet\nist, als es Stilarten gibt; Perioden, die an einander geflickt\nwerden ohne allen Vorsalz, ein Ganzes daraus zu bilden,\nja, oft so gedankenlos, dass sogar das Stück in seinem\neigenen Charakter sich widerspricht, geschweige denn zur\nEinheit des Drama's p/isst; einen nichtssagenden Schwall\nvon Melodieen, welcher Schwung und Adel des Stils nie\naufkommen lässt, welcher die Tonkunst auf Rondo's und\nBarcarolen beschränkt und die zornigen erhabenen Ge-\nfühle eines Aetius oder Achilles durch Tanz-Melodieen\nausdrückt!\"\nDann fährt er S. 309 fort: „Sind unsere Compo-\nnisten im Stande, ihre Arien nach dem wahren Ausdrucke\njeder besonderen Leidenschaft zu moduliren? Denken sie\ndaran, den poetischen Ausdruck zu studiren? Man braucht\nnur einen Blick in ihre Partituren zu werfen, um sich vom\nGegentheil zu überzeugen. Sie sind so weit davon ent-\nfernt, die individuelle Sprache jedes Affectes zu verstehen,\ndass sie von den Unterschieden und Modificationen der\nAffecte überhaupt nichts wissen. Das Motiv zu einem Liede\nder Liebe wenden sie auch auf Wohlwollen, Freundschaft,\nPietät, Hingebung, Aufopferung an; Argwohn, Aufregung,\nEifersucht, Reue haben wieder ihre stehende Schablone,\nund so fort. Daher hat ihre Musik, wenn man die Worte\naus der Partitur herausnimmt, an und für sich gar keine\ncharakteristische Beziehung auf die Situation und Hand-\nlung, mithin für Niemanden einen verständlichen Sinn. Mit\ndiesem Verfahren wird es dann freilich unseren Compo-\nnisten sehr leicht, ihre Compositionen umzuwandeln und\nfür hundert Stoffe von ganz verschiedenem Charakter zu-\nrecht zu machen.\" An einer späteren Stelle, wo der-\nselbe Schriftsteller darüber spricht, dass auch die geprie-\nsene Gesangschule der Italiäner, obwohl sie mehrere grosse\nSänger erzeugt, auf die Composition schlimm eingewirkt\nhabe, da ihre raffinirten Schnörkel den wahren Gesang\nverdrängten, schliesst er mit den Worten: „Die Musik\nkonnte nicht natürlich bleiben da, wo Noten und Worte\nnichts mehr sagten.\"\nMan sieht also, dass die scharfe Kritik der italiäni-\nschen Oper so alt ist, wie sie selbst.\nEs machten indess alle diese strengen, aber gerechten\nRichter dieselbe Erfahrung, welche alle Streiter für das\nRichtige gegen das Falsche, für das Schöne gegen das\nUnschöne machen, sobald das letztere den Leidenschaften\noder den Neigungen der Menge schmeichelt; sie glei-\nchen den Predigern in der Wüste, und ihre Bemühungen\nscheitern an der Unvernunft und Unwissenheit des grossen\nHaufens, oder an der Lauheit und Trägheit derer, die\nhelfen könnten und sollten. So ging denn auch die italiäni-\nsche Oper ihren Weg fort und erreichte ihren Gipfelpunkt\nunter Rossini und seinen Nachahmern.\nWeiter als alle bisherige italiänischen, französischen und\ndeutschen Gegner derselben geht aber der pariser Kritiker\nd'Ortigue, der im Feuilleton der und in einem\nAufsatze in der Monatsschrift Le Correspondant*) den Satz\naufstellt: „Ein italiänisches Operntheater und ein Buffo-\ntheater isl eines und dasselbe: die italiänische Oper ist\nimmer eine Opera bujfa,sie mag sich nennen,\noder wie sie sonst will.\"\nEr beweist dies zunächst im Allgemeinen, indem er\nsagt, dass, wenn im Gegensatze zu Gluck, Mozart,\nCherubini, Beethoven, Spontini, Weber, dem Teil von\nRossini und „den schönen Acten in Meyerbeer's Robert\nund Hugenotten\" im System der italiänischen Oper das,\nwas für Rosina, Almaviva und Figaro passt, eben so für\ndie Königin von Babylon, für Assur und Arsaces, für\nPharao, für Moses und Mahomet passt, von einer ernsten\nMusik, welche die Dolmetscherin des menschlichen Her-\nzens und Charakters sei und den Ausdruck der Wahrheit\nzum Zwecke habe, nicht mehr die Rede sein könne. So-\nbald es sich nur darum handelt, die Ohren des Zuhörers\ndurch angenehmes Tongeräusch zu kitzeln, sobald die\nKunst nicht des Gesanges, sondern des Sängers was ein\ngrosser Unterschied ist vorherrscht, so ist es mit der\n\n*) „Des Boyautes musicales h propos de la decadence du\nTMatre italienu, im Septemberhefte 1865."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "355", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651111-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5201, "texte": "wirklichen Kunst, mit der dramatischen Musik vorbei, und\nes bleibt nur die Parodie, die bujfa, übrig. Statt\neines Helden bewundern wir einen Virtuosen—decipimuv\nspecte recti—, wir lassen uns, wie ein moderner Kritiker,\nPerotti, selbst ein Italiäner, sagt, durch die schöne Lüge\nbetrügen.\nNach diesen allgemeinen Sätzen kommt d'Ortigue\nauf Rossini's Semiramis, um an einem besonderen Beispiele\nseine Thesis zu beweisen. Er erinnert an die Begeisterung,\nmit welcher diese Oper, eben so wie Othello und Moses\nin den Jahren 1825 bis 1840, aufgenommen wurde.\nVor fünf Jahren (1860) brachte man mit grossem Pompe\ndie Semiramis mit den Schwestern Marchisio in Paris wie-\nder auf die Scene, und zwar in der grossen Oper. Das\nPublicum war verwundert, fühlte sich aber nicht recht\nheimisch in dieser Musik. Im vorigen Jahre blieb es bei\nder Wiederaufnahme von Moses noch kälter, und die\nKritik pflichtete ihm bei. Woher? Weil diese Opern, eben\nso Othello und die Belagerung von Korinth, trotz vieler\nschönen Nummern, zu zwei Drittheilen im alten italiäni-\nschen Stile geschrieben sind und dieser Stil nicht mehr\nzieht. Das Publicum verlangt, ohne recht zu wissen,\nwarum, eine neue Ausdrucksweise. Jene Werke, und selbst\ndie komischen Opern von Rossini, haben, mehr noch in\nItalien selbst, als anderswo, an Boden verloren, den sie\nanderen Schöpfungen abtreten mussten, die, obwohl kei-\nneswegs besser und schöner, doch einen gewissen Cha-\nrakter haben, der die Menge packt.\nNachdem der Verfasser seine Bewunderung und Ver-\nehrung für Rossini in warmen Worten betheuert hat, fährt\n\\\ner fort:\n„Dies vorausgesetzt, wird man mir erlauben, zu sa-\ngen, dass die Semiramis nichts Anderes ist, als eine dick-\nleibige Opera bujfa,und dass, mit sehr geringer Aus-\nnahme, im Stil und im Zuschnitt der Gesangstücke nichts\nsie vom Barbier, von der Cenerentola, von der Italiänerin\nin Algier unterscheidet. Man gebe mir ein Scenarium zu\neiner langen Opera buffa,und ich mache mich stark, es\nvon Anfang bis Ende der Musik der Semiramis anzupas-\nsen, ohne eine Note davon zu streichen (mit Ausnahme\nder Tamtam-Schläge), und daraus ein Werk zu machen,\ndas den jovialsten Schöpfungen des Maestro auf dem ko-\nmischen Gebiete ebenbürtig sein soll. Man wird mir ein-\nwenden, dass in der Semiramis einige Stücke von ernster\nGattung sind, deren Stil nobel und tragisch ist. Gut: nur\nverwechsele man nicht den tragischen Stil mit einem ge-\nwissen lyrischen Tone, den Rossini (ich spreche immer von\nRossini vor Wilhelm Teil) sehr gut anzuschlagen weiss\nund der ihn zuweilen sogar, ohne dass er darauf achtet,\nbis zur Declamation und Emphase führt, ihn, der sonst das\nfreieste und dem Pedantismus feindseligste Genie ist.\n„Ich will also zugeben, dass es dergleichen Stücke in\nder Semiramis gibt. Aber gibt es nicht eben solche im\nBarbier, z. B. in der Scene, wo Bartolo erstaunt, dass die\nWache den Ruhestörer nicht fortführt? Man muss nur\ndie Musik und ihren Zuschnitt betrachten, nicht die Faxen\nder Schauspieler. Wären die zwei Chöre in der Semira-\nmis, der eine: Beb si celebri, in welchem die Choristen\nauf der einen und die Choristinnen auf der anderen Seite\neinzelne Accord-Viertel anschlagen, während das Orche-\nster einen prächtigen Galop spielt; der andere in A-dur,\n3/4-Tact, beim Einzüge der Königin, mit dem Loslassen\ndes ganzen Lärms aller Instrumente nebst der grossen\nTrommel wären diese beiden Chöre in einer Carnevals-\nPosse nicht ganz an ihrer Stelle? Wäre das berühmte\nDuett zwischen Assur und Arsaces: Bella imago, nicht\nein köstlicher Pendant zu dem Duette: Un segreto d'im-\nporianza, in der Cenerentola? Sind die Cavatinen des\nArsaces und der Semiramis nicht über denselben Leisten\ngeschlagen, als die im Barbier und der Diebischen Elster?\nIst das Allegro marziale(!) des Assur, wenn er von den\nPhantomen verfolgt wird, nicht vielem Lustigen ähnlich,\ndas in den Rollen von Figaro, Bartolo, Geronimo vor-\nkommt?\n„In Deutschland, wo es ein wirkliches musicalisches\nPublicum gibt, gibt es auch eine wirkliche Kritik, und\ndieser Kritik räumen die Verleger der Musik-Zeitungen\ndas Recht ein, ihre Behauptungen durch Noten-Beispiele,\ndurch thematische Analysen zu beweisen. So weit haben\nwir es aber in Frankreich noch nicht gebracht, und so\nmuss ich mich mit den blossen Angaben der Stücke be-\ngnügen.\n„Ich habe oft daran gedacht, was wohl geschehen\nsein würde, wenn Rossini mit demselben Genie, mit dem\nbezaubernden melodischen Erfindungs-Talente, mit der\nsicheren, festen und doch geschmeidigen und freien Hand,\nmit dem grossen Stile und dem grossen Geiste, der sich\nnie verläugnet, weder im Barbier, noch in den schönen\nScenen in Othello und Moses, im Graf Ory und Wilhelm\nTeil, mit dem wunderbaren Sinne für musicalische Wir-\nkung, mit der magischen Gabe, unwiderstehlich hinzureis-\nsen, die Niemand in so hohem Grade besessen hat, als er\nwas wohl geschehen sein würde, wenn Rossini mit der\nLiebe zur Kunst in seinem warmen Herzen zugleich das\nBewusstsein seiner Mission mit auf die Welt gebracht\nhätte! Wäre das der Fall gewesen, so würde er nicht\nneünunddreissig Opern vor Wilhelm Teil, sondern höch-\nstens sechs oder sieben geschrieben, und nach dem Wil-\nhelm Teil nicht geschwiegen, sondern in seinem Bewusst-\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "356", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651111-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 208, "texte": "sein die Kraft zu drei oder vier ähnlichen Werken ge-\nfunden haben. Dann wäre die Tradition *on Gluck und\nMozart nicht verloren gegangen, ihr unsichtbarer Faden\nwäre nicht abgebrochen worden.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-11-11-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-11-11_01#c003", "volume": "bmtnabi_1865-11-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "356", "page_fin": "357", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651111-01.2.3", "titre_corps": "Ein Vocal-Concert in Crefeld.", "titre_sommaire": "Ein Vocal-Concert in Crefeld.", "signature_source": "L. B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "356", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651111-01.1.4", "debut_caractere": 210, "fin_caractere_exclue": 5093, "texte": "Ein Vocal-Concert in Crefeld.\n\nHerr Karl Wilhelm, in der musicalischen und na-\nmentlich in der Sängerwelt durch seine Männer-Quartette\nvorlheilhaft bekannt, hat vor einiger Zeit seine langjährige\nStellung als Dirigent der Liedertafel in Crefeld aufgege-\nben und sich zur Stärkung seiner Gesundheit nach seiner\nHeimat in Thüringen zurückgezogen ein Entschluss, der\ndenn auch dem Vernehmen nach bereits die erfreulichsten\nFolgen für seine vollständige Kräftigung gehabt hat. Da\ner den Ort seiner bisherigen Wirksamkeit ohne lange\nVorbereitung darauf verlassen, so hielten es seine Freunde\nfür Pflicht, zum Zeugnisse dankbarer Anerkennung ein\nErinnerungs-Concert an ihn und für ihn zu veranstalten,\nund dieses fand am 28. October unter Mitwirkung der\ntrefflichen Sängerin Fräulein Maria Büschgens, des\nHerrn Musik-Directors Herrn. Wolff, des Herrn Alex.\nDorn (Nachfolgers von Wilhelm), der Mitglieder des\nSingvereins und mehrerer Dilettanten Statt. Man hatte\nzum Vortrage lauter bisher noch ungedruckte Com-\npositionen von Karl Wilhelm gewählt, darunter\nsechs Gesänge für gemischten Chor, drei Männer-Quar-\ntette und mehrere Lieder für Sopran-, Tenor- und Bari-\nton-Solo. Wie gefährlich auch das Unternehmen schien,\nein Programm von lauter Gesängen eines Componisten\naufzustellen, welche nur durch die Vorträge von drei Cla-\nvierstücken desselben Autors unterbrochen wurden, so\nrechtfertigte doch die ganz ausserordentliche Tbeilnahme\ndes Publicums (es wurden an 500 Eintrittskarten gezeich-\nnet) das Wagniss, und auch die Ausführung war im Gan-\nzen recht gelungen, theilweise vorzüglich, namentlich was\ndie durch Herrn Director Wolff sehr gut eingeübten Ge-\nsänge für gemischten Chor und den Vortrag sämmtlicher\nSoli für eine Singstimme betrifft. Die Männer-Quartette\nwaren freilich nicht genügend besetzt, und bei der allge-\nmeinen Theilnahme war es auffallend, dass die Liedertafel\nals solche, mitbin derjenige Verein, den Herr Wilhelm\nüber zwanzig Jahre und stets zu ganz besonderer Befrie-\ndigung dirigirte, sich nicht betheiligt hatte.\nWilhelm hatte es, so lange er in Crefeld war, an\nder Art, sich um die Veröffentlichung seiner Compositio-\nnen nicht im geringsten zu bemühen; er schrieb, wenn\nihn der innere Trieb oder irgend eine äussere, ihn in-\nteressirende Veranlassung dazu brachte, aber auch dann\nnur mehr für sich und für wenige Freunde, als für die\nOeffentlichkeit. So ist es denn gekommen, dass eine grosse\nAnzahl von Compositionen, namentlich für Gesang, von\nihm im Manuscript vorhanden sind, aus denen einer seiner\nFreunde, ein ausgezeichneter Dilettant, nach der Abreise\nWilhelm's eine Auswahl getroffen und in\ndem erwähnten Concerle (am 28. October) veranstaltet\nhat, wobei wir ihn selbst als einen vorzüglichen Lieder-\nsänger (Tenor) kennen lernten.\nDie meisten von diesen Compositionen verdienen, durch\nden Druck veröffentlicht zu werden, und wir machen dess-\nhalb die Herren Musik-Verleger darauf aufmerksam. Der\nallgemeine Charakter derselben, abgesehen von den Mo-\ndifikationen, welche durch den Inhalt der Gedichte bedingt\nsind, ist natürlich fliessende, melodiöse Einfachheit und\neine Behandlung des Liedes, die sich an die besten älteren\nMuster anschliesst und die Ausartung des Liedes zu decla-\nmalorischem, recitativartigem Monologe von sich fern hält.\nWir werden in ihnen weder durch harmonische Abson-\nderlichkeiten, noch durch rhythmisches Raffinement aus\nder Stimmung herausgerissen, welche der einmal ange-\nschlagene Ton angeregt hat und deren Eindruck dann un-\ngestört bleibt.\nAm meisten haben uns, auch nach genauerer Ansicht\nder Partituren, die Quartette für Sopran, Alt, Te-\nnor und Bass angesprochen, welche alle— es sind zehn\nan der Zahl sowohl grösseren Singvereinen als häus-\nlichen musicalischen Kreisen eine sehr willkommene Gabe\nsein werden; unter ihnen zeichnen sich durch Leben und\nFrische der Melodie vorzüglich aus: „Im Wald\" von My-\nlius—„Der Wanderer\" („0, wie manche Hütte muss\nich noch vorüber gehen\") „0, wie wunderbar\" von\nKamp— „Wer in des Anderen Auge liest\" von Sternau.\nlhnen gleich an Werth stehen fünf Lieder für zwei\nSopranstimmen, von denen „Die Vergissmeinnicht an\nder Quelle\" und „Die Blümchen am Felsen\" besonders\nlieblich sind und von Fräulein Maria Büschgens und ihrer\nSchwester reizend vorgetragen wurden. Von den Män-\nner-Quartetten hat uns „0 denk' an mich zurück\"\nvon H. Stein am meisten angesprochen. Die Lieder\nfür eine Singstimme mit Clavierbegleilung sind theils für\nSopran, theils für Tenor, theils für Bariton geschrieben.\nVon den Sopran-Liedern haben uns: „Aus deinem lieben\nMunde\" von Wolfg. Müller und „Die Spulerin\" von Burns\nam besten gefallen. Die Lieder für Tenor sind alle lobens-\nwert!); als besonders gelungen sind zu bezeichnen: „Lie-\nbeslust und Liebesweh\" von Wolfg. Müller, „Frühlings-\nruf\" von A. von Schlippenbacb, „O klingender Frühling\"\nund „Die Haide ist braun\", beide von Wolfg. Müller."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "357", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651111-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 297, "texte": "Sie wurden, wie schon erwähnt, alle vortrefflich vorge-\ntragen, was auch mit einigen hübschen Clavierstücken\ndurch Herrn Dorn der Fall war.\nSämmtliche Gesang-Compositionen haben die lobens-\nwerthe Eigenschaft, dass sie sehr sangbar sind und dass\ndie Ausführung der mehrstimmigen leicht ist.\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-11-11-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-11-11_01#c004", "volume": "bmtnabi_1865-11-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "357", "page_fin": "357", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651111-01.2.4", "titre_corps": "Historisches Concert von Herrn und Frau Marchesi in Köln.", "titre_sommaire": "Historisches Concert von Herrn und Frau Marchesi in Köln.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "357", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651111-01.1.5", "debut_caractere": 299, "fin_caractere_exclue": 2065, "texte": "Historisches Concert von Herrn und Frau Marchesi\nin Köln.\nAm 7. November gab das Künstlerpaar Herr und\nFrau Marchesi ein „historisches Concert\" im\nHotel Disch, das heisst, sie trugen eine chronologisch ge-\nordnete Reihe von Gesängen (Arien und Duetten) von ita-\nlienischen Componisten von 1600—1730 vor, nament-\nlich von Peri, Caccini, Rossi, Arcangelo del Lento, Caris-\nsimi, Stradella, AI. Scarlatli, Buononcini und zum Schlüsse\nvon Händel (Bass-Arie aus dem Alexanderfeste). Die\nHerren Capellmeister Hill er und Concertmeister J apha\nblieben mit ihren Vorträgen von Sachen von Joh. Seb.\nund Karl Phil. Em. Bach, Martini und Tartini ebenfalls\nin der historischen Region, so dass die Freunde der anti-\nquarischen Musik für das Interesse reichliche, für das Ge-\nfühl sparsame Nahrung fanden. Die Ausführung von Al-\nlem war trefflich, mit Ausnahme der Leistungen des Herrn\nMarchesi, welche durch Heiserkeit, die er auch in einer\nAnrede an das Publicum entschuldigte (warum aber fran-\nzösisch, da Herr Marchesi geläufig deutsch spricht?), et-\nwas beeinträchtigt wurden.\nFrau Marchesi, geb. Graumann, welche ihren\nUnterricht als Gesanglehrerin am hiesigen Conservatorium\nbereits angetreten bat, trug die Stücke ihrer Wahl mit\ngrossem Beifalle vor. Ihre Stimme, einen klangvollen Alt,\nhat sie votrefflich conservirt, was in der That gar sehr für\ndie Methode ihres Unterrichts spricht, indem es von der\nrichtigsten Behandlung der Stimme zeugt. Da auch be-\nrühmte Schülerinnen derselben, die sie auf dem Conser-\nvatorium zu Wien gebildet hat, von denen wir nur An-\ntonietta Fricci, Dory, IlmaMurska, Gabriele\nKraus nennen, eben so viele Beweise ihres Lehrtalentes\nsind, so kann das kölner Conservatorium einer sehr er-\nfreulichen Wirksamkeit der Künstlerin entgegen sehen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-11-11-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-11-11_01#c005", "volume": "bmtnabi_1865-11-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "357", "page_fin": "359", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651111-01.2.5", "titre_corps": "Zweites Gürzenich-Concert.", "titre_sommaire": "Zweites Gürzenich-Concert.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "357", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651111-01.1.5", "debut_caractere": 2067, "fin_caractere_exclue": 5284, "texte": "Zweites Gürzenich-Concert.\nDinstag, den 31. October 1865.\n(Schluss. S. Nr. 44.)\nFolgen wir jedoch der Ordnung des Programms, nach welchem\nder Beethoveirschen Messe drei andere Aufführungen von classi-\nschen Musikstücken vorausgingen, so müssen wir zuerst die in gross-\nartigem Stile gehaltene Ausführung der heroischen Ouvertüre zur\n„Iphigenie in Aulisu von Gluck rühmend erwähnen. Wohl mochte\ndiese Ouvertüre dem pariser Publicum der grossen Oper im Jahre\n1774 wie eine Minerva vorkommen, die völlig gerüstet dem Haupte\neines Jupiters unter den Göttern der damaligen Tonkunst entsprang.\nDas sehr gemässigte, streng gemessene und unabänderlich festge-\nhaltene rJ empo, welches Ililler dabei nimmt, mag manchem neueren\nI empojäger zu langsam erscheinen, allein es ist ohne Zweifel nach\nder Tradition, so weit wir sie verfolgen können, und nach dem\nCharakter der Ouvertüre und der ganzen Oper das einzig richtige;\nGluck's Iphigenie ist ein antikes Monument, dessen Kindruck jede\nmoderne Zuthat verunstaltet, wie denn allerdings sogar der Mozart'-\nsche Schluss, so glänzend er auch an und für sich ist, nicht ganz\nstilmässig ist. Bekanntlich ist er nur für Concert-Aufführungen\ngemacht.\nAuf die Ouvertüre folgte das Concert in D-moll für Ciavier\nund Orchester von Mozart, das zu den schönsten unter den schö-\nnen Concerten des Meisters gehört, der auch in dieser Musikgattung\neine neue Bahn brach, auf welcher fortwandelnd, aber seinem eige-\nnen Genius zugleich folgend, Beethoven das Höchste erreichte. Fräu-\nlein Agnes Zimmermann, eine geborene Kölnerin, gegenwärtig\nin London an der Akademie der Musik angestellt, hat die Erwar-\ntungen, die sie im vorigen Jahre, als wir diese junge Künstlerin\nzuerst hörten, erregte, in hohem Maasse nicht nur erfüllt, sondern\nübertroffen und nach jedem Satze den lebhaftesten, und ungeteilten\nBeifall des Publicums davon getragen, den ihr, in Folge des richti-\ngen Verständnisses, einfacher und doch, wo es der Charakter der\nComposition verlangte, kräftiger und gediegener Vortrag, den sie\ndurch schönen Anschlag trefflich zu nuanciren wusste, vollkommen\nverdiente. Dabei ist ihr Spiel durch eine sehr saubere und bereits\nin hohem Grade ausgebildete Technik, welche auf dem correcten\nTonleiterspiel begründet ist, ausgezeichnet. Die eingelegten Caden-\nzen von ihrer eigenen Composition verdienen sowohl durch das ge-\nlungene Eingehen auf den Charakter der Mozart'schen Composition,\nals durch die treffliche Ausführung alles Lob. Dem Vernehmen nach\nist sie nach ihrem Spiele im Gewandhaus-Concerte zu Leipzig von\nHerrn Concertmeister David auch zur Mitwirkung in einer der näch-\nsten Sitzungen des dortigen Kammermusik-Vereins eingeladen worden.\nNach dem Mozart'schen Concerte hatten wir noch den unschätz-\nbaren Genuss, den ausgezeichnet schönen Vortrag der Quartett-\nVariationen von Haydn über „Gott erhalte Franz den Kaiser\"\ndurch die Herren Gebrüder Müller zuhören, über deren Meister-\nschaft wir uns schon wiederholt in diesen Blättern ausgesprochen\nhaben. Ihr Spiel rief auch im Gürzenich einen doppelt und dreifach\nwiederholten Ausbruch von Beifall hervor.\nDie Messe in C-dur von Beethoven wurde im Ganzen, be-\nsonders was Chor und Orchester betrifft, recht gut ausgeführt und"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "358", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651111-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6965, "texte": "machte sichtbar einen erhebenden Kindruck auf die\nwie das denn auch bei diesem Werke, in welchem die Begeisterung\ndes Componisten sich auf merkwürdige Weise so steigert, dass fast\nimmer der folgende Satz den vorhergehenden an Schönheit übertrifft,\nnicht anders sein kann. Wenn das Kyrie ganz einfach und an-\nspruchslos beginnt und auch das Gloria, obwohl glänzend und voll\nSchwung, doch nicht die Grösse der Instrumentalwerke aus dersel-\nben Entwicklungs-Periode des Meisters verräth, so nimmt sein Ge-\nnius im Credo schon einen höheren Flug, und das Sanctus, Bene-\ndicta, Agnus Dei und Dona nobis pacem gehören zu seinen schön-\nsten Schöpfungen. In dem letztgenannten Satze ist die Stelle, wo\nder Angstruf des Miserere nobis noch einmal wieder mitten in die\nsanften Bitten um Frieden hineinklingt, charakteristisch für die Auf-\nfassung dieses Satzes durch Beethöven; sie zeigt, dass der ähnliche,\nnur schärfer ausgeführte Eintritt desselben fast verzweifelnden Rufes\num Erbarmen als Gegensatz zu der trostreichen und hoffnungsvollen\nBitte um Frieden, wie er später in der Missa solemnis in D-dur\nvorkommt, schon bei der ersten Messe in C-dur in Beethoven's\nIdee lag. Dass die Messe mit dem lateinischen Originaltexte gesun-\ngen wurde, war ganz in der Ordnung, was wir nur der Ausgaben\nwegen, welche den deutschen Text der „drei Hymnen\" von Rochlitz\nhaben, bemerken, da es diesem obwohl gründlich musicalischen\nDichter ein paar Mal passirt ist, der Musik Beethoven's Texte un-\nterzulegen, die oft das Gegentheil von dem aussprechen, was Beet-\nhoven's musicalische Gedanken sagen.\nDie Messe in C-dur hat übrigens ein besonderes Schicksal in\nBezug auf ihre Verbreitung gehabt. Der Fürst Esterhazy hatte Beet-\nhoven den Auftrag gegeben, eine Messe für seine Hauscapelle in\nEisenstadt, welche damals Hummel dirigirte (1803—1811), zu schreiben.\nBeethoven vollzog den Auftrag, dem die C-dur-Messe ihr Entstehen\ndankt, im Sommer von 1807, nachdem der Winter von 1806 lBO7\nWerke wie die vierte Sinfonie in B-dur, die drei grossen Quartette\nOp. 59 und die Ouvertüre zu Coriolan hatte entstehen und vollen-\nden sehen*). Im. Sommer von 1808 wurde die Messe zu Eisenstadt\nunter Beethoven's eigener Leitung aufgeführt. Der Fürst, an\nHaydn's, seines früheren Capellmeisters, Messenstil gewöhnt,\nden er durch seinen entschiedenen Geschmack für gefällige Musik\nwohl auch zum Theil zu verantworten haben mag, pflegte an alle\nWerke den Haydn'schen Maassstab zu legen, und so kam es denn\nauch, dass ihm Beethoven's Messe zu absonderlich erschien und er\nam Schlüsse zu ihm sagte: „Aber lieber Beethoven, was haben Sie\ndenn da wieder gemacht?u Hummel stand dabei und lächelte;\ndies nahm Beethoven, durch die Frage des Fürsten schon stutzig\ngemacht, für Spott und Schadenfreude und verliess Eisenstadt noch\nan demselben Tage. Leider hinderte dieses Missverständniss denn\nHummel konnte ja eben so gut über die Ansicht des Fürsten lä-\ncheln und über die ganze Scene überhaupt, als über die Compo-\nsition den Verkehr zwischen Hummel und Beethoven; erst in\nden letzten Lebenstagen Beethoven's überzeugte ihn Hummel durch\nseinen Besuch (bei welchem, wenn wir uns recht erinnern, auch\nder damals sechszehnjährige Ferdinand Hiller gegenwärtig war) von\nseiner aufrichtigen Verehrung für ihn. Aber auch dem' Fürsten\nEsterhazy scheint Beethoven den damaligen Auftritt nicht vergessen\nzu haben. Denn als er Abschriften seiner grossen Missa solemnis\nan mehrere Höfe schickte und dafür ein Honorar von 50 Ducaten\nfestsetzte, machte er zwar dem österreichischen Hofe keinen Antrag,\nwohl aber auf Andrängen des Verlegers Artaria dem Fürsten Ester-\nhazy. Dieser lehnte ihn ab, und Beethoven hatte eine richtige\nAhnung davon, da er schon vor dem Bescheide an Schindler\nschrieb: „Sie können sich nun gütigst um den Erfolg einmal an-\nfragen; ich zweifele an einem guten, da ich mich keiner guten\nDenkungsart von ihm gegen mich versehe, wenigstens von der\nfrüheren Zeit zu schliessen.\"\nSo wurde also, was dem Werke zur Empfehlung und Verbrei-\ntung hätte gereichen können, ein Hinderniss der letzteren, und die\n(7-<fotr-Messe erschien erst im Jahre 1813 als Opus 86. Die\ngrosse Messe in D-dur schrieb Beethoven (1818—1822) ohne irgend\neine andere äussere Veranlassung als die Ernennung des Erzherzogs\nRudolph zum Erzbischofe von Olmütz, zu dessen Inthronisation im\nMärz 1820 er sie aus eigenem Antriebe bestimmte, aber bis dahin\nnicht vollendete.\nEin zweiter Umstand, welcher der (7-cZwr-Messe eine leichtere\nVerbreitung in nichtkatholischen Kreisen verschaffen sollte, erreichte\ndiesen Zweck auch nur mangelhaft. Es war dies die Herausgabe\nderselben unter dem Titel: „Drei Hymnen\", mit deutschem Texte\nvon F. Rochlitz. Rochlitz hatte nämlich den Text der Messe nicht\nübersetzt, sondern drei religiöse Gedichte, in denen er Klopstock's\nArt und Weise nachahmte, der Beethoven'schen Musik\nwar aber dabei so unbegreiflich unmusicalisch verfahren, dass seine\nWorte oft mit der Musik in grellsten Widerspruch traten und da-\ndurch mehr als eine Versündigung an Beethoven, denn als ein Mit-\ntel zu allgemeinerer Anerkennung des Werkes erschienen. Gleich\nauf das erste sanfte Solo z. B. kommen statt Kyrie eleison die\nWorte: „Dich, den ew'gen Weltenherrscher. Dich, den Allgewalti-\ngen !u bald darauf heisst es zu dem Crescendo und Fortissimo,\nstatt „Christe eleison\" „ W ir stammeln mit Kind esl allen\";\nim Credo, da, wo Beethoven sehr wirkungsvoll die Worte „Deum\nde Deoy lumen de lumine\" vom Tenor, vom Alt, vom Sopran, vom\nBass nach einander einsetzen lässt, heisst es bei Rochlitz: Tenor:\n„Wenn Du die Fülle\" —Alt: „Deiner Erbarmungen\" Sopran;\n„mir in die Seele\" Bass: „mir in die Seele strömst\" was\nnahezu lächerlich wird, zumal wenn dann das ff „Deum verum de\nDeo verou durch: „o dann dämmert mir ein Strahl von Deiner\n(Pause) Herrlichkeit\", und nachher das ff Tqui locutus es per pro-\nphetas\" durch: („Führung\") „die geheimnissvoll uns geleitet\"\nparodirt wird. Doch genug davon. Schon vor fünfzehn Jahren\nhaben wir (im I. Jahrgange der Rheinischen Musik-Zeitung, 1850)\ndiese Ungebührlichkeiten gerügt und für diejenigen, die durchaus\ndeutsche Worte haben wollen, den lateinischen Text der Messe\nwörtlich und musicalisch genau ins Deutsche übersetzt; eben so\nspäterhin die Unbill gerügt, die eine zweite Umdichtung von Roch-\nlitz der Cantate: „Der glorreiche Augenblick\" von Beethoven an-\ngethan (worin der Schluss-Chor, den Beethoven als Marsch der\nheimkehrenden Krieger mit Janitscharen-Musik ausgestattet hat, bei\n\n*) Zum Beweise für die bedeutenden Honorare, die Beethoven\nbekam, sei der Contract zwischen ihm und der Verlagshandlung von\nMuzio Clementi in London erwähnt, wonach dieser für die\nDoubletten der vierten Sinfonie, der drei Quartette und der Corio-\nlan-Ouverture, dazu des Concertes in G-dur und des Violin-Con-\ncertes in Z>, zum Absätze in England 200 Pf. Sterl. zahlte, nach-\ndem Beethoven alle diese Werke auch schon an deutsche Verleger\nsehr gut verkauft hatte. Vgl. Schindler, 1., S. 142."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "359", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651111-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1724, "texte": "Rochlitz lautet: „Drum dir, Tonkunst, Preis und Dank, höre un-\nsern Lobgesang!\" wobei allein das Wörtchen „Drum\" durch eine\nIronie des Schicksals zu den Schlägen der grossen Trommel passt):\nallein was hilft das alles! Wer weiss, ob die neuen Ausgaben den-\nnoch den Unsinn nicht wieder reproduciren, denn auch in der Kunst\ngilt, was Mephisto von der Jurisprudenz sagt; man darf nur statt\n„Gesetz' und Rechte\" schreiben:\n„Es erben sich das Falsche und das Schlechte\nWie eine ew'ge Krankheit fort:\nSie schleppen von Geschlecht sich zum Geschlechte\nUnd rücken sacht von Ort zu Ort*).\"\nMittlerweile hatte sich indess Beethoven's (7-dwr-Messe von\nselbst in den katholischen Kirchen Bahn gebrochen und wurde sehr\nhäufig aufgeführt, auch hier in Köln im Dome, bis sie endlich im\n„Zeitalter der Umkehr\" auch aus diesem Asyl wieder vertrieben\nwurde. Glücklicher Weise singt man sie jetzt in Concerten, und\nzwar auch in ihrer wahren Gestalt.\nDen zweiten Theil des Concertes füllte eine glänzende und mit\nBeifall aufgenommene Ausführung der ersten Sinfonie (in B-dur)\nvon Robert Schumann, mit welcher der Meister der specifisch\nso genannten romantischen Schule seinen Anschluss an die classi-\nsischen Vorgänger, im Gegensatze zu seinen bisherigen Ciavier-\nsachen, zuerst bekundete und sein herrliches Talent in einem grös-\nseren Werke von künstlerischer Reife offenbarte. Merkwürdig bleibt\nes, dass diese Umwandlung Schumann's im Jahre 3841 auf das Jahr\n1840 folgte, in welchem er sich ganz und gar nur der Composition\ndes Liedes hingegeben und därin bekanntlich so Ausgezeichnetes\ngeleistet hatte, dass er selbst geäussert haben soll, er getraue sei-\nnerseits sich nicht, für die Zukunft mehr zu versprechen, als er im\nLiede geleistet."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-11-11-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-11-11_01#c006", "volume": "bmtnabi_1865-11-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "359", "page_fin": "360", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651111-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "359", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651111-01.1.7", "debut_caractere": 1726, "fin_caractere_exclue": 6957, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\n* *\n14.01 ii. Die dritte und letzte Sitzung des Quartettes der\nGebrüder Müller am 6. d. Mts. war zahlreicher besucht, als die\nbeiden ersten; das Publicum spendete den Vorträgen von Haydn's\nQuartett in D-dur mit dem originellen Zigeuner-Menuett, Mozart's\nin C-dur und Beethoven's in A-moll, Op. 132 (eigentlich 130),\nenthusiastischen Beifall. Die Ausführung des genialen Werkes von\nBeethoven, obwohl in allen Sätzen ausgezeichnet, erregte doch die\nmeiste Bewunderung in dem erhabenen Adagio und im Gegensatze\ndazu in dem leidenschaftlichen wenn im Adagio der wun-\nderbare Klang der Choralstellen schöner als Orgelton ergreifend\nwirkte, so war im Finale bei der kräftigsten Tonfülle die in jedem\nInstrumente hervortretende Deutlichkeit besonders erstaunenswert!}.\nVon grossem Interesse wird es sein, in nächster Woche, am\n16. November, in demselben Saale des Hotel Disch das berühmte\nBeethoven-Quartett der Herren Maurin, Sabatier, Mas und Che-\nvillard aus' Paris zu hören, die bekanntlich sich ausschliesslich\ndem Vortrage der letzten Beethoven'schen Quartette gewidmet und\nin Köln vor einigen Jahren einen so ausserordentlichen Erfolg ge-\nhabt haben.\nIn dem nächsten Gürzenich-Concerte am Dinstag den\n14. d. Mts. werden wir Fräulein Therese Tietjens, die in\nEngland so hoch gefeierte Künstlerin und erste dramatische Sängerin\nder gegenwärtigen Zeit, in drei grossen Scenen hören: einer Arie\nvon M o zart („Marter aller Arten\" aus der „Entführung\"), einer von\nC herubini (Medea) und in M endelss o h n's Finale der ~Lorelei\".\nDa Fräulein Tietjens unmittelbar nach dem Concerttage nach ihrer\nVaterstadt Hamburg abreist, wo sie für zehn Theater-Vorstellungen\nund zwei Concerte zugesagt hat, so machen wir darauf aufmerksam,\ndass wir sie bloss an dem Concertabende bewundern können.\n** Elberfeld, 31. October. Fiäulein Brenken, welche\ndiesen Winter an unserer Bühne als Gast verweilt, sang seit dem\n6. October bis jetzt 2 Mal Agathe, 2 Mal Königin der Nacht, 1 Mal\nKönigin in Hugenotten, 1 Mal Leonore in Troubadour, 2 Mal El-\nvira in Don Juan. lhre Leistungen haben ihr sehr bald die volle\nGunst des Publicums erworben. Die Elberfelder Zeitung sagt: „Die\njunge Dame, welche eine wunderbar schöne Stimme von seltener\nStärke und grossem Umfange besitzt, verbindet damit eine vorzüg-\nliche Schule und eine Eleganz im Vortrage auch der schwierigsten\nPassagen, die Bewunderung verdient.\"\nMilltleil, 8. November. In diesem Winter steht Herr Eugen\nDrobisch an der Spitze unserer musicalischen Vereine, und unter\nseiner Leitung hatten wir vorgestern ein mit grossem Beifalle auf-\ngenommenes Concert, in welchem Mozart's C-dur-Sinf'onie mit der\nSchfussfuge, eine Ouvertüre in D-moll von E. Drobisch und\nMen d eis so hn's 42. Psalm aufgeführt wurden. Die Sopran-Partie\n(auch die Arie der Leonore aus Fidelio) sang Fräulein Hirsch-\nberg vom Stadttheatex in Magdeburg.\njflailiz, 2. November. Gestern trat im hiesigen Stadttheater\ndie berühmte Sängerin Madame Frezzolini als Amina in der\n„Nachtwandlerin\" auf. Sie ist freilich jetzt bei jenem Stadium ange-\nkommen, wo sie von jüngeren und frischeren Kräften aus der ge-\nwohnten Sphäre der grossen italiänischen Opern-Institute verdrängt,\ndie beaux restes ihrer einstigen Stimmmittel mit Hülfe ihrer immer-\nhin hochzuschätzenden Kunstfertigkeit in Deutschland zu verwerthen\nsucht. In letzterer Beziehung war auch ihre gestrige Leistung aller-\ndings eine der höchsten Anerkennung würdige, und diese wurde ihr\nauch von dem zahlreichen Publicum in vollem Maasse zu Theil.\nAllein was ihr von Stimme noch übrig geblieben, ist doch gar zu\nwenig und reicht nicht mehr aus, um ihre gewiss verständigen und\nkünstlerischen Anforderungen entsprechenden Intentionen auch wirk-\nlich zur Geltung zu bringen. Gleichwohl kann sie unseren Sän-\ngerinnen als Muster dienen in Bezug auf vollendete Technik, ge-\nschmackvolle Coloratur und Feinheit des Vortrages. Minder nach-\nahmenswert!) erscheint das von Madame Frezzolini im Uebermaasse\nangebrachte Tremoliren der Stimme. (Südd. M.-Z.)\nHannover. Eine Künstler-Gesellschaft, bestehend ausSignora\nRita Sonieri, erste Sängerin der italiänischen Oper in Covent-\n\n*) Ein Hauptbeweis dafür sind z. B. auch die deutschen Texte\nzu Mozart's „Don Juan\"! Wenn wir irgendwo gelesen zu haben\nuns erinnern, dass Beethoven selbst den deutschen Text zu der\n<7-cZwr-Messe gebilligt habe, so ändert das, wenn es wahr sein sollte,\nnichts an der Sache: denn entweder hat er ihn bloss oberflächlich\ngelesen und nicht genau mit seiner Musik verglichen, oder er zeigte\nsich, wie fast immer, wenn ein Werk an den Mann zu bringen war,\ngefügig. Schrieb er doch sogar an Zelter, dem er auch ein Ma-\n\\\nnuscript der Missa solemnis zur Subscription für die berliner Sing-\nAkademie angetragen : „Gewiss ist, dass diese Messe beinahe ganz\na capella aufgeführt werden könnte\", und: „Uebrigens kommt ohne-\nhin ein Stück ganz a capella bei diesem Werke vor.\" Dieses\nStück sucht man aber vergebens in der Messe in D-dur, und alles\neben Angeführte (vom 25. März ]823) war nur darauf berechnet,\nZelter, der ihm geschrieben, dass die Akademie nur Werke a capella\nsinge, zur Subscription zu bewegen. Man denke sich die D-dur-\n-Messe a capella, also ohne Orchester, gesungen!"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "360", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651111-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4351, "texte": "garden, Mr. Chaunier von der italiänischen Oper in Paris, Fräu-\nlein Deckner, Violin-Virtuosin, und Ernest Bonay, Wunder-\nknabe auf dem Xylocordion, unter der Führerschaft eines Herrn\nHerr mann, ehemaligen Secretärs bei Herrn Ullman, kündigte auf\nriesigen Anschlagszetteln rConcerts contemporainsu an gegen ein\nEntree von 1 Thlr. 10 Sgr. Zum ersten Concerte war 1, sage ein\nBillet verkauft und verschiedene Frei-Billette vertheilt worden, und\ndie Leistungen der Künstler erwiesen sich wirklich als durchweg\nbedeutend. Gleichwohl wurden zum zweiten Concerte bei herabge-\nsetzten Preisen nur 5 Billette abgesetzt, und das Concert fand dem-\nnach nicht Statt. Um das Maass des Unglücks für die armen Künst-\nler voll zu machen, entwich nächtlicher Weile der Impresario und\nvergass in der Eile, die Gasthofs-Rechnung zu bezahlen, so dass den\nbitter Getäuschten nun nichts übrig bleibt, als ein weiteres Concert\nzu arrangiren, um wenigstens das Geld zur Fortsetzung ihrer Reise\nzu verdienen.\nMax Bruch's Oper „Loreley\" kam am 8. October in Coburg\nmit entschiedenem Erfolge zur Aufführung.\nl)ariftista€lt. Die Vorbereitungen für die Aufführung der\n„ Africanerin\" auf unserer Hofbühne sind so weit vorangeschritten,\ndass dieselbe unmittelbar nach der Vorführung dieser Oper in Berlin\nauch hier wird Statt finden können. Unser berühmter Maschinist\nBrandt hat für das sinkende Schiff einen Mechanismus erfunden,\nder den pariser weit übertreffen soll. [Nun, was will man mehr !]\nFräulein Elisabeth Stein mann aus Dresden hat unter dem\nKünstlernamen Mann stein, unter welchem ihr Vater und lang-\njähriger Lehrer den Ruf eines tüchtigen Gesangs-Pädagogen geniesst,\nihre theatralische Laufbahn so eben mit dem günstigsten Erfolge in\nNeustrelitz begonnen. Fräulein Mannstein debutirte als Gabriele in\nKreutzens „Nachtlager\".\nDer Pianist Dr. Gustav Satter gab am 21. October in Dres-\nden ein grosses Orchester-Concert unter seiner eigenen Leitung und\nmit dem verstärkten Chor des Herrn Musik-Directors Witting. Das\nProgramm enthielt nur Compositionen des Concertgebers, und zwar\nder verschiedensten Gattungen, nämlich: Ouvertüre zur Oper „Olan-\nthe\" ; symphonisches Concert in zwei Abtheilungen für Piano mit\nOrchester, Motto: „Durch Kampf zum Sieg\"; sächsische National-\nSymphonie mit dem Motto: „Gott segne Sachsen!\" (1. Am Hofe\nund in der Armee. 2. Im Dorfe. 3. Nacht im Erzgebirge. 4. Volks-\nfest); zwei Arien mit Recitativ und ein Vorspiel aus der „Olanthe\".\nDas symphonische Concert spielte ein Schüler des Concertgebers,\nJohannes Weidenbach, und beurkundete nach dem Urtheile\ndes Kritikers C. Bank ein nicht gewöhnliches Talent und weit vor-\ngeschrittene Technik. Ueber Satter's Instrumental- und Gesangs-\nCompositionen äussert sich derselbe Kritiker mit ziemlicher Reserve.\nWien« Die Direction des Hof-Operntheaters hat mit der Sän-\ngerin Kainz-Prause einen zweijährigen Contract abgeschlossen;\ndie Künstlerin erhält im ersten Jahre eine Gage von 12,000 Fl.,\nim zweiten eine von 14,000 Fl.\nDem Vernehmen nach ist Herr Franz Doppler, der ausge-\nzeichnete Flöten-Virtuose, als Professor für eine Parallel-Classe des\nFlötenspiels am hiesigen Conservatorium ernannt worden.\nLiszt's Oratorium „Heilige Elisabeth\" kommt in Wien nicht\nzur Aufführung, der Componist hat sie verweigert. Aus einem Briefe,\nden derselbe an einen seiner hiesigen Freunde gerichtet, entnehmen\nwir folgende, die Ablehnung motivirende Stelle: „Ob das Werk in\nWien Anklang finden dürfte, bleibe dahingestellt; meinerseits muss\nich zunächst darauf bedacht sein, meine Freunde zu schonen und\nsie nicht den widerwärtigsten Proben auszusetzen. Leider mischen\nsich bei der Aufführung meiner Werke fremde, weniger reinigende\nElemente ein, deren Vordrängen es mir rathsam dünkt, zu vermei-\nden. Ohne den mindesten Groll zu empfinden, gestehe ich Ihnen\noffen, nach der ungeziemenden Aufnahme, welche den „„Prome-\ntheus\"\"-Chören in Wien bereitet worden, würde ich es vorziehen,\nauf weitere Experimente unter denselben Verhältnissen zu verzichten.\nLassen wir also die „„Elisabeth\"\" in Pesth, bis sie im nächsten\nJahre wahrscheinlich nach Thüringen wandern wird\" u. s. w.\n(81. f. Th. u. s. w.)\nHerr Gläser, der Sohn des verstorbenen Componisten und\nCapellmeisters Gläser, befindet sich gegenwärtig in Wien, um dort\neine von ihm geschriebene Oper, nach einem Texte von Scribe, zur\nAufführung zu bringen.\n\\"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "353", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651111-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie italiänische Oper alter und neuer Zeit. Ein Vocal-Concert in Crefeld. Von L. B. Historisches Concert von\nHerrn und Frau Marchesi in Köln. Zweites Giirzenich-Concert (Sehluss). Tages- und U n ter ha 1 tungs bla 11 (Köln, Quartett der\nGebrüder Müller, Beethoven-Quartett aus Paris, Fräulein Tietjens Elberfeld, Fräulein Brenken Minden, Herr Drobisch Mainz Ma-\ndame Frezzolini Hannover, Künstler-Concert Coburg, M. Brueh's „Loreley\" Darmstadt, „Africanerin\" Dresden u. s. w.).\n\nDie italiänische Oper alter und neuer Zeit.\nEs ist bekannt, dass der völlige Mangel an dramati-\nscher Wahrheit in der italiänischen Musik längst von deut-\nschen und französischen Kritikern dargelegt und gerügt\nworden ist, wiewohl es noch jetzt Leute gibt, die es\nWa gner zum grossen Verdienste anrechnen, dass er, wie\nsie meinen, zuerst gegen die alte, aus Italien überkom-\nmene Form der Oper aufgetreten sei. Weniger oder fast\ngar nicht bekannt ist es aber, dass unter den Italienern\nselbst bedeutende Musiker und Schriftsteller von grossem\nAnsehen sehr energisch gegen die Unwahrheit der Opern-\nmusik ihrer Landsleute von den Zeiten der Entstehung\nn\nder Oper an bis auf unsere Tage geeifert haben. Ja, es\nist höchst merkwürdig, dass nach einer Anführung bei\nArteaga (Le Rivoluzioni del teatro musico italiano. Vene-\nria, 1785) schon vor Alessandro Scarlatti sich in der\nSchrift des gelehrten Giov. Battista Doni:\nstantia musicae veteris. Florent. folgende Stelle ge-\ngen die damaligen Sänger findet:\n„Indem unsere Sänger die Härte und Trockenheit\nder melodischen Aufeinanderfolgen vermeiden wollen, ver-\nvielfachen sie dieselben auf einmal ohne alles Maasshalten\nund zerreiben sie auf eine so schreckliche Weise, dass sie\nunausstehlich werden. Die Itahäner leiden besonders an\ndieser Sucht, und da sie sich selbst für grosse Männer\nvon höchstem Talente halten, so betrachten sie die übri-\ngen Menschen wie Vieh und Holzklötze. So haben sie\nsich denn auch mit Recht in den Augen der Fremden\nlächerlich gemacht.\"\nIn dieser Notiz liegt ein Beweis, dass schon vor der\nFeststellung der Form der Arie, die man Scarlatti zu-\nschreibt, die Sänger sich als Verschönerer und Verbesse-\nrer der Melodieen betrachteten, da Doni seinen Unwillen\nschon im Jahre 1647 auslässt und Scarlatti erst 1659\ngeboren wurde.\nNachdem Scarlatti die Form der Arie mit zwei Thei-\nlen und dem Dacapo festgestellt hatte, beobachteten die\nitaliänischen Componisten diese Form, ohne sich an die\ndramatischen Situationen und den verschiedenen Gefühls-\nAusdruck zu kehren, für Alles, und nicht nur die älteren,\nwie Pergolese, Sarti, Duni, Porpora, Jomelli, Sacchini,\nPicinni, Guglielmi u. s. w., sondern auch Cimarosa, Zin-\ngarelli, Paisiello, Paer und selbst Rossini und seine Nach-\nfolger hielten, wenn auch mit Modificationen, daran fest.\nWie nun Scarlatti offenbar auch schon den Sängern zu\nLiebe die Arie so gestaltet hatte, was durch Doni's Urtheil\nüber diese bestätigt wird, so schrieben auch seine Nach-\nfolger weit mehr für die Sänger, als für den Gesang, ge-\nschweige denn für den musicalischen Ausdruck der Tex-\ntesworte und der Situation.\nSchon Benedetto Marcello (1686 —1739) trat\nin einer beissenden Satire: „II teatro alla moda\", dage-\ngen auf, eben so der Pater Fontana, sein Biograph,\nund der Abbate Conti in einer Schrift über die Malerei\nin der Musik (1756). Alle nennen die herrschenden Ma-\nnieren Unsinn, Travestirung des natürlichen Gefühls, und\nmachen die Fiorituren, Fermaten und Cadenzen und die\nlange gehaltenen Noten und Triller con lunghezsa mi-\nrabile senza prender fiato lächerlich.\nDer berühmte Pater Martini sagt in seiner Storia\ndella musica(I. Band 1756 letzter 1781): „Die Fac-\ntur unserer Opern-Arien besteht aus einem heterogenen\nGemisch von Ideen und von verschiedenen Lappen, welche\nweit mehr durch Zufall, als durch logische Gedankenfolge\nan einander gereihet erscheinen, das Ganze ohne Einheit\nund Ordnung. Dieses Amalgama regt in den Zuhörern\nein Gemisch der entgegengesetztesten Empfindungen an,\ndas auf keine Weise ergötzen oder rühren kann. Wann\nwerden wir einen Musiker erstehen sehen, der mit Genie\nund Wissenschaft auf dem Gebiete der Kunst ausgerüstet,\nauf die Spitzfindigkeiten und Sätze der Pedanten nicht"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "354", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651111-01.1.2", "texte": "achtet, den wahren und richtigen Ausdruck der Gefühle\nwieder in Tönen belebt und dadurch das Geheimniss ent-\ndeckt, die Seele der Zuhörer, die sich bei der jetzigen\nMusik schon langweilen {giä annojati), zu ergreifen und\nzu erheben!\"\nArteaga schildert in dem bereits oben angeführten\nclassischen Werke: Leßivolusioni\n1785 geschrieben und von Forkel ins Deutsche übersetzt\n(im 11. Bande, Cap. 13, S. 286 288 des Originals),\ndie Arien der italiänischen Oper folgender Maassen:\n„Was findet man in unseren Arien? Ranzige und\nschimmelige (rancidi e vieti)ldeen, welche durch ewige\nWiederholung das Ohr ermüden und statt Interesse Lan-\ngeweile erregen; Motive, die, kaum angedeutet, ohne\nSchluss und Charakter bleiben; aufs gerathewobl hinge-\nworfene Gedanken, wie sie eben in die Feder kommen,\nohne die Vollendung, die der Fleiss, und ohne die Rich-\ntigkeit der Anwendung, die das Nachdenken gibt; allerlei\nPhrasen und Passagen, die aus den Heften und Partituren\ntodter und lebender Componisten von hier und dort zu-\nsammengestoppelt und auf die wunderlichste Weise an\neinander geschweisst werden, woraus nie ein Werk mit\nbestimmter Physiognomie entstehen kann; Mosaik, welche\naus so vielen Steinen von verschiedener Farbe gebildet\nist, als es Stilarten gibt; Perioden, die an einander geflickt\nwerden ohne allen Vorsalz, ein Ganzes daraus zu bilden,\nja, oft so gedankenlos, dass sogar das Stück in seinem\neigenen Charakter sich widerspricht, geschweige denn zur\nEinheit des Drama's p/isst; einen nichtssagenden Schwall\nvon Melodieen, welcher Schwung und Adel des Stils nie\naufkommen lässt, welcher die Tonkunst auf Rondo's und\nBarcarolen beschränkt und die zornigen erhabenen Ge-\nfühle eines Aetius oder Achilles durch Tanz-Melodieen\nausdrückt!\"\nDann fährt er S. 309 fort: „Sind unsere Compo-\nnisten im Stande, ihre Arien nach dem wahren Ausdrucke\njeder besonderen Leidenschaft zu moduliren? Denken sie\ndaran, den poetischen Ausdruck zu studiren? Man braucht\nnur einen Blick in ihre Partituren zu werfen, um sich vom\nGegentheil zu überzeugen. Sie sind so weit davon ent-\nfernt, die individuelle Sprache jedes Affectes zu verstehen,\ndass sie von den Unterschieden und Modificationen der\nAffecte überhaupt nichts wissen. Das Motiv zu einem Liede\nder Liebe wenden sie auch auf Wohlwollen, Freundschaft,\nPietät, Hingebung, Aufopferung an; Argwohn, Aufregung,\nEifersucht, Reue haben wieder ihre stehende Schablone,\nund so fort. Daher hat ihre Musik, wenn man die Worte\naus der Partitur herausnimmt, an und für sich gar keine\ncharakteristische Beziehung auf die Situation und Hand-\nlung, mithin für Niemanden einen verständlichen Sinn. Mit\ndiesem Verfahren wird es dann freilich unseren Compo-\nnisten sehr leicht, ihre Compositionen umzuwandeln und\nfür hundert Stoffe von ganz verschiedenem Charakter zu-\nrecht zu machen.\" An einer späteren Stelle, wo der-\nselbe Schriftsteller darüber spricht, dass auch die geprie-\nsene Gesangschule der Italiäner, obwohl sie mehrere grosse\nSänger erzeugt, auf die Composition schlimm eingewirkt\nhabe, da ihre raffinirten Schnörkel den wahren Gesang\nverdrängten, schliesst er mit den Worten: „Die Musik\nkonnte nicht natürlich bleiben da, wo Noten und Worte\nnichts mehr sagten.\"\nMan sieht also, dass die scharfe Kritik der italiäni-\nschen Oper so alt ist, wie sie selbst.\nEs machten indess alle diese strengen, aber gerechten\nRichter dieselbe Erfahrung, welche alle Streiter für das\nRichtige gegen das Falsche, für das Schöne gegen das\nUnschöne machen, sobald das letztere den Leidenschaften\noder den Neigungen der Menge schmeichelt; sie glei-\nchen den Predigern in der Wüste, und ihre Bemühungen\nscheitern an der Unvernunft und Unwissenheit des grossen\nHaufens, oder an der Lauheit und Trägheit derer, die\nhelfen könnten und sollten. So ging denn auch die italiäni-\nsche Oper ihren Weg fort und erreichte ihren Gipfelpunkt\nunter Rossini und seinen Nachahmern.\nWeiter als alle bisherige italiänischen, französischen und\ndeutschen Gegner derselben geht aber der pariser Kritiker\nd'Ortigue, der im Feuilleton der und in einem\nAufsatze in der Monatsschrift Le Correspondant*) den Satz\naufstellt: „Ein italiänisches Operntheater und ein Buffo-\ntheater isl eines und dasselbe: die italiänische Oper ist\nimmer eine Opera bujfa,sie mag sich nennen,\noder wie sie sonst will.\"\nEr beweist dies zunächst im Allgemeinen, indem er\nsagt, dass, wenn im Gegensatze zu Gluck, Mozart,\nCherubini, Beethoven, Spontini, Weber, dem Teil von\nRossini und „den schönen Acten in Meyerbeer's Robert\nund Hugenotten\" im System der italiänischen Oper das,\nwas für Rosina, Almaviva und Figaro passt, eben so für\ndie Königin von Babylon, für Assur und Arsaces, für\nPharao, für Moses und Mahomet passt, von einer ernsten\nMusik, welche die Dolmetscherin des menschlichen Her-\nzens und Charakters sei und den Ausdruck der Wahrheit\nzum Zwecke habe, nicht mehr die Rede sein könne. So-\nbald es sich nur darum handelt, die Ohren des Zuhörers\ndurch angenehmes Tongeräusch zu kitzeln, sobald die\nKunst nicht des Gesanges, sondern des Sängers was ein\ngrosser Unterschied ist vorherrscht, so ist es mit der\n\n*) „Des Boyautes musicales h propos de la decadence du\nTMatre italienu, im Septemberhefte 1865."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "355", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651111-01.1.3", "texte": "wirklichen Kunst, mit der dramatischen Musik vorbei, und\nes bleibt nur die Parodie, die bujfa, übrig. Statt\neines Helden bewundern wir einen Virtuosen—decipimuv\nspecte recti—, wir lassen uns, wie ein moderner Kritiker,\nPerotti, selbst ein Italiäner, sagt, durch die schöne Lüge\nbetrügen.\nNach diesen allgemeinen Sätzen kommt d'Ortigue\nauf Rossini's Semiramis, um an einem besonderen Beispiele\nseine Thesis zu beweisen. Er erinnert an die Begeisterung,\nmit welcher diese Oper, eben so wie Othello und Moses\nin den Jahren 1825 bis 1840, aufgenommen wurde.\nVor fünf Jahren (1860) brachte man mit grossem Pompe\ndie Semiramis mit den Schwestern Marchisio in Paris wie-\nder auf die Scene, und zwar in der grossen Oper. Das\nPublicum war verwundert, fühlte sich aber nicht recht\nheimisch in dieser Musik. Im vorigen Jahre blieb es bei\nder Wiederaufnahme von Moses noch kälter, und die\nKritik pflichtete ihm bei. Woher? Weil diese Opern, eben\nso Othello und die Belagerung von Korinth, trotz vieler\nschönen Nummern, zu zwei Drittheilen im alten italiäni-\nschen Stile geschrieben sind und dieser Stil nicht mehr\nzieht. Das Publicum verlangt, ohne recht zu wissen,\nwarum, eine neue Ausdrucksweise. Jene Werke, und selbst\ndie komischen Opern von Rossini, haben, mehr noch in\nItalien selbst, als anderswo, an Boden verloren, den sie\nanderen Schöpfungen abtreten mussten, die, obwohl kei-\nneswegs besser und schöner, doch einen gewissen Cha-\nrakter haben, der die Menge packt.\nNachdem der Verfasser seine Bewunderung und Ver-\nehrung für Rossini in warmen Worten betheuert hat, fährt\n\\\ner fort:\n„Dies vorausgesetzt, wird man mir erlauben, zu sa-\ngen, dass die Semiramis nichts Anderes ist, als eine dick-\nleibige Opera bujfa,und dass, mit sehr geringer Aus-\nnahme, im Stil und im Zuschnitt der Gesangstücke nichts\nsie vom Barbier, von der Cenerentola, von der Italiänerin\nin Algier unterscheidet. Man gebe mir ein Scenarium zu\neiner langen Opera buffa,und ich mache mich stark, es\nvon Anfang bis Ende der Musik der Semiramis anzupas-\nsen, ohne eine Note davon zu streichen (mit Ausnahme\nder Tamtam-Schläge), und daraus ein Werk zu machen,\ndas den jovialsten Schöpfungen des Maestro auf dem ko-\nmischen Gebiete ebenbürtig sein soll. Man wird mir ein-\nwenden, dass in der Semiramis einige Stücke von ernster\nGattung sind, deren Stil nobel und tragisch ist. Gut: nur\nverwechsele man nicht den tragischen Stil mit einem ge-\nwissen lyrischen Tone, den Rossini (ich spreche immer von\nRossini vor Wilhelm Teil) sehr gut anzuschlagen weiss\nund der ihn zuweilen sogar, ohne dass er darauf achtet,\nbis zur Declamation und Emphase führt, ihn, der sonst das\nfreieste und dem Pedantismus feindseligste Genie ist.\n„Ich will also zugeben, dass es dergleichen Stücke in\nder Semiramis gibt. Aber gibt es nicht eben solche im\nBarbier, z. B. in der Scene, wo Bartolo erstaunt, dass die\nWache den Ruhestörer nicht fortführt? Man muss nur\ndie Musik und ihren Zuschnitt betrachten, nicht die Faxen\nder Schauspieler. Wären die zwei Chöre in der Semira-\nmis, der eine: Beb si celebri, in welchem die Choristen\nauf der einen und die Choristinnen auf der anderen Seite\neinzelne Accord-Viertel anschlagen, während das Orche-\nster einen prächtigen Galop spielt; der andere in A-dur,\n3/4-Tact, beim Einzüge der Königin, mit dem Loslassen\ndes ganzen Lärms aller Instrumente nebst der grossen\nTrommel wären diese beiden Chöre in einer Carnevals-\nPosse nicht ganz an ihrer Stelle? Wäre das berühmte\nDuett zwischen Assur und Arsaces: Bella imago, nicht\nein köstlicher Pendant zu dem Duette: Un segreto d'im-\nporianza, in der Cenerentola? Sind die Cavatinen des\nArsaces und der Semiramis nicht über denselben Leisten\ngeschlagen, als die im Barbier und der Diebischen Elster?\nIst das Allegro marziale(!) des Assur, wenn er von den\nPhantomen verfolgt wird, nicht vielem Lustigen ähnlich,\ndas in den Rollen von Figaro, Bartolo, Geronimo vor-\nkommt?\n„In Deutschland, wo es ein wirkliches musicalisches\nPublicum gibt, gibt es auch eine wirkliche Kritik, und\ndieser Kritik räumen die Verleger der Musik-Zeitungen\ndas Recht ein, ihre Behauptungen durch Noten-Beispiele,\ndurch thematische Analysen zu beweisen. So weit haben\nwir es aber in Frankreich noch nicht gebracht, und so\nmuss ich mich mit den blossen Angaben der Stücke be-\ngnügen.\n„Ich habe oft daran gedacht, was wohl geschehen\nsein würde, wenn Rossini mit demselben Genie, mit dem\nbezaubernden melodischen Erfindungs-Talente, mit der\nsicheren, festen und doch geschmeidigen und freien Hand,\nmit dem grossen Stile und dem grossen Geiste, der sich\nnie verläugnet, weder im Barbier, noch in den schönen\nScenen in Othello und Moses, im Graf Ory und Wilhelm\nTeil, mit dem wunderbaren Sinne für musicalische Wir-\nkung, mit der magischen Gabe, unwiderstehlich hinzureis-\nsen, die Niemand in so hohem Grade besessen hat, als er\nwas wohl geschehen sein würde, wenn Rossini mit der\nLiebe zur Kunst in seinem warmen Herzen zugleich das\nBewusstsein seiner Mission mit auf die Welt gebracht\nhätte! Wäre das der Fall gewesen, so würde er nicht\nneünunddreissig Opern vor Wilhelm Teil, sondern höch-\nstens sechs oder sieben geschrieben, und nach dem Wil-\nhelm Teil nicht geschwiegen, sondern in seinem Bewusst-\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "356", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651111-01.1.4", "texte": "sein die Kraft zu drei oder vier ähnlichen Werken ge-\nfunden haben. Dann wäre die Tradition *on Gluck und\nMozart nicht verloren gegangen, ihr unsichtbarer Faden\nwäre nicht abgebrochen worden.\n(Schluss folgt.)\n\nEin Vocal-Concert in Crefeld.\n\nHerr Karl Wilhelm, in der musicalischen und na-\nmentlich in der Sängerwelt durch seine Männer-Quartette\nvorlheilhaft bekannt, hat vor einiger Zeit seine langjährige\nStellung als Dirigent der Liedertafel in Crefeld aufgege-\nben und sich zur Stärkung seiner Gesundheit nach seiner\nHeimat in Thüringen zurückgezogen ein Entschluss, der\ndenn auch dem Vernehmen nach bereits die erfreulichsten\nFolgen für seine vollständige Kräftigung gehabt hat. Da\ner den Ort seiner bisherigen Wirksamkeit ohne lange\nVorbereitung darauf verlassen, so hielten es seine Freunde\nfür Pflicht, zum Zeugnisse dankbarer Anerkennung ein\nErinnerungs-Concert an ihn und für ihn zu veranstalten,\nund dieses fand am 28. October unter Mitwirkung der\ntrefflichen Sängerin Fräulein Maria Büschgens, des\nHerrn Musik-Directors Herrn. Wolff, des Herrn Alex.\nDorn (Nachfolgers von Wilhelm), der Mitglieder des\nSingvereins und mehrerer Dilettanten Statt. Man hatte\nzum Vortrage lauter bisher noch ungedruckte Com-\npositionen von Karl Wilhelm gewählt, darunter\nsechs Gesänge für gemischten Chor, drei Männer-Quar-\ntette und mehrere Lieder für Sopran-, Tenor- und Bari-\nton-Solo. Wie gefährlich auch das Unternehmen schien,\nein Programm von lauter Gesängen eines Componisten\naufzustellen, welche nur durch die Vorträge von drei Cla-\nvierstücken desselben Autors unterbrochen wurden, so\nrechtfertigte doch die ganz ausserordentliche Tbeilnahme\ndes Publicums (es wurden an 500 Eintrittskarten gezeich-\nnet) das Wagniss, und auch die Ausführung war im Gan-\nzen recht gelungen, theilweise vorzüglich, namentlich was\ndie durch Herrn Director Wolff sehr gut eingeübten Ge-\nsänge für gemischten Chor und den Vortrag sämmtlicher\nSoli für eine Singstimme betrifft. Die Männer-Quartette\nwaren freilich nicht genügend besetzt, und bei der allge-\nmeinen Theilnahme war es auffallend, dass die Liedertafel\nals solche, mitbin derjenige Verein, den Herr Wilhelm\nüber zwanzig Jahre und stets zu ganz besonderer Befrie-\ndigung dirigirte, sich nicht betheiligt hatte.\nWilhelm hatte es, so lange er in Crefeld war, an\nder Art, sich um die Veröffentlichung seiner Compositio-\nnen nicht im geringsten zu bemühen; er schrieb, wenn\nihn der innere Trieb oder irgend eine äussere, ihn in-\nteressirende Veranlassung dazu brachte, aber auch dann\nnur mehr für sich und für wenige Freunde, als für die\nOeffentlichkeit. So ist es denn gekommen, dass eine grosse\nAnzahl von Compositionen, namentlich für Gesang, von\nihm im Manuscript vorhanden sind, aus denen einer seiner\nFreunde, ein ausgezeichneter Dilettant, nach der Abreise\nWilhelm's eine Auswahl getroffen und in\ndem erwähnten Concerle (am 28. October) veranstaltet\nhat, wobei wir ihn selbst als einen vorzüglichen Lieder-\nsänger (Tenor) kennen lernten.\nDie meisten von diesen Compositionen verdienen, durch\nden Druck veröffentlicht zu werden, und wir machen dess-\nhalb die Herren Musik-Verleger darauf aufmerksam. Der\nallgemeine Charakter derselben, abgesehen von den Mo-\ndifikationen, welche durch den Inhalt der Gedichte bedingt\nsind, ist natürlich fliessende, melodiöse Einfachheit und\neine Behandlung des Liedes, die sich an die besten älteren\nMuster anschliesst und die Ausartung des Liedes zu decla-\nmalorischem, recitativartigem Monologe von sich fern hält.\nWir werden in ihnen weder durch harmonische Abson-\nderlichkeiten, noch durch rhythmisches Raffinement aus\nder Stimmung herausgerissen, welche der einmal ange-\nschlagene Ton angeregt hat und deren Eindruck dann un-\ngestört bleibt.\nAm meisten haben uns, auch nach genauerer Ansicht\nder Partituren, die Quartette für Sopran, Alt, Te-\nnor und Bass angesprochen, welche alle— es sind zehn\nan der Zahl sowohl grösseren Singvereinen als häus-\nlichen musicalischen Kreisen eine sehr willkommene Gabe\nsein werden; unter ihnen zeichnen sich durch Leben und\nFrische der Melodie vorzüglich aus: „Im Wald\" von My-\nlius—„Der Wanderer\" („0, wie manche Hütte muss\nich noch vorüber gehen\") „0, wie wunderbar\" von\nKamp— „Wer in des Anderen Auge liest\" von Sternau.\nlhnen gleich an Werth stehen fünf Lieder für zwei\nSopranstimmen, von denen „Die Vergissmeinnicht an\nder Quelle\" und „Die Blümchen am Felsen\" besonders\nlieblich sind und von Fräulein Maria Büschgens und ihrer\nSchwester reizend vorgetragen wurden. Von den Män-\nner-Quartetten hat uns „0 denk' an mich zurück\"\nvon H. Stein am meisten angesprochen. Die Lieder\nfür eine Singstimme mit Clavierbegleilung sind theils für\nSopran, theils für Tenor, theils für Bariton geschrieben.\nVon den Sopran-Liedern haben uns: „Aus deinem lieben\nMunde\" von Wolfg. Müller und „Die Spulerin\" von Burns\nam besten gefallen. Die Lieder für Tenor sind alle lobens-\nwert!); als besonders gelungen sind zu bezeichnen: „Lie-\nbeslust und Liebesweh\" von Wolfg. Müller, „Frühlings-\nruf\" von A. von Schlippenbacb, „O klingender Frühling\"\nund „Die Haide ist braun\", beide von Wolfg. Müller."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "357", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651111-01.1.5", "texte": "Sie wurden, wie schon erwähnt, alle vortrefflich vorge-\ntragen, was auch mit einigen hübschen Clavierstücken\ndurch Herrn Dorn der Fall war.\nSämmtliche Gesang-Compositionen haben die lobens-\nwerthe Eigenschaft, dass sie sehr sangbar sind und dass\ndie Ausführung der mehrstimmigen leicht ist.\n\nL. B.\n\nHistorisches Concert von Herrn und Frau Marchesi\nin Köln.\nAm 7. November gab das Künstlerpaar Herr und\nFrau Marchesi ein „historisches Concert\" im\nHotel Disch, das heisst, sie trugen eine chronologisch ge-\nordnete Reihe von Gesängen (Arien und Duetten) von ita-\nlienischen Componisten von 1600—1730 vor, nament-\nlich von Peri, Caccini, Rossi, Arcangelo del Lento, Caris-\nsimi, Stradella, AI. Scarlatli, Buononcini und zum Schlüsse\nvon Händel (Bass-Arie aus dem Alexanderfeste). Die\nHerren Capellmeister Hill er und Concertmeister J apha\nblieben mit ihren Vorträgen von Sachen von Joh. Seb.\nund Karl Phil. Em. Bach, Martini und Tartini ebenfalls\nin der historischen Region, so dass die Freunde der anti-\nquarischen Musik für das Interesse reichliche, für das Ge-\nfühl sparsame Nahrung fanden. Die Ausführung von Al-\nlem war trefflich, mit Ausnahme der Leistungen des Herrn\nMarchesi, welche durch Heiserkeit, die er auch in einer\nAnrede an das Publicum entschuldigte (warum aber fran-\nzösisch, da Herr Marchesi geläufig deutsch spricht?), et-\nwas beeinträchtigt wurden.\nFrau Marchesi, geb. Graumann, welche ihren\nUnterricht als Gesanglehrerin am hiesigen Conservatorium\nbereits angetreten bat, trug die Stücke ihrer Wahl mit\ngrossem Beifalle vor. Ihre Stimme, einen klangvollen Alt,\nhat sie votrefflich conservirt, was in der That gar sehr für\ndie Methode ihres Unterrichts spricht, indem es von der\nrichtigsten Behandlung der Stimme zeugt. Da auch be-\nrühmte Schülerinnen derselben, die sie auf dem Conser-\nvatorium zu Wien gebildet hat, von denen wir nur An-\ntonietta Fricci, Dory, IlmaMurska, Gabriele\nKraus nennen, eben so viele Beweise ihres Lehrtalentes\nsind, so kann das kölner Conservatorium einer sehr er-\nfreulichen Wirksamkeit der Künstlerin entgegen sehen.\n\nZweites Gürzenich-Concert.\nDinstag, den 31. October 1865.\n(Schluss. S. Nr. 44.)\nFolgen wir jedoch der Ordnung des Programms, nach welchem\nder Beethoveirschen Messe drei andere Aufführungen von classi-\nschen Musikstücken vorausgingen, so müssen wir zuerst die in gross-\nartigem Stile gehaltene Ausführung der heroischen Ouvertüre zur\n„Iphigenie in Aulisu von Gluck rühmend erwähnen. Wohl mochte\ndiese Ouvertüre dem pariser Publicum der grossen Oper im Jahre\n1774 wie eine Minerva vorkommen, die völlig gerüstet dem Haupte\neines Jupiters unter den Göttern der damaligen Tonkunst entsprang.\nDas sehr gemässigte, streng gemessene und unabänderlich festge-\nhaltene rJ empo, welches Ililler dabei nimmt, mag manchem neueren\nI empojäger zu langsam erscheinen, allein es ist ohne Zweifel nach\nder Tradition, so weit wir sie verfolgen können, und nach dem\nCharakter der Ouvertüre und der ganzen Oper das einzig richtige;\nGluck's Iphigenie ist ein antikes Monument, dessen Kindruck jede\nmoderne Zuthat verunstaltet, wie denn allerdings sogar der Mozart'-\nsche Schluss, so glänzend er auch an und für sich ist, nicht ganz\nstilmässig ist. Bekanntlich ist er nur für Concert-Aufführungen\ngemacht.\nAuf die Ouvertüre folgte das Concert in D-moll für Ciavier\nund Orchester von Mozart, das zu den schönsten unter den schö-\nnen Concerten des Meisters gehört, der auch in dieser Musikgattung\neine neue Bahn brach, auf welcher fortwandelnd, aber seinem eige-\nnen Genius zugleich folgend, Beethoven das Höchste erreichte. Fräu-\nlein Agnes Zimmermann, eine geborene Kölnerin, gegenwärtig\nin London an der Akademie der Musik angestellt, hat die Erwar-\ntungen, die sie im vorigen Jahre, als wir diese junge Künstlerin\nzuerst hörten, erregte, in hohem Maasse nicht nur erfüllt, sondern\nübertroffen und nach jedem Satze den lebhaftesten, und ungeteilten\nBeifall des Publicums davon getragen, den ihr, in Folge des richti-\ngen Verständnisses, einfacher und doch, wo es der Charakter der\nComposition verlangte, kräftiger und gediegener Vortrag, den sie\ndurch schönen Anschlag trefflich zu nuanciren wusste, vollkommen\nverdiente. Dabei ist ihr Spiel durch eine sehr saubere und bereits\nin hohem Grade ausgebildete Technik, welche auf dem correcten\nTonleiterspiel begründet ist, ausgezeichnet. Die eingelegten Caden-\nzen von ihrer eigenen Composition verdienen sowohl durch das ge-\nlungene Eingehen auf den Charakter der Mozart'schen Composition,\nals durch die treffliche Ausführung alles Lob. Dem Vernehmen nach\nist sie nach ihrem Spiele im Gewandhaus-Concerte zu Leipzig von\nHerrn Concertmeister David auch zur Mitwirkung in einer der näch-\nsten Sitzungen des dortigen Kammermusik-Vereins eingeladen worden.\nNach dem Mozart'schen Concerte hatten wir noch den unschätz-\nbaren Genuss, den ausgezeichnet schönen Vortrag der Quartett-\nVariationen von Haydn über „Gott erhalte Franz den Kaiser\"\ndurch die Herren Gebrüder Müller zuhören, über deren Meister-\nschaft wir uns schon wiederholt in diesen Blättern ausgesprochen\nhaben. Ihr Spiel rief auch im Gürzenich einen doppelt und dreifach\nwiederholten Ausbruch von Beifall hervor.\nDie Messe in C-dur von Beethoven wurde im Ganzen, be-\nsonders was Chor und Orchester betrifft, recht gut ausgeführt und"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "358", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651111-01.1.6", "texte": "machte sichtbar einen erhebenden Kindruck auf die\nwie das denn auch bei diesem Werke, in welchem die Begeisterung\ndes Componisten sich auf merkwürdige Weise so steigert, dass fast\nimmer der folgende Satz den vorhergehenden an Schönheit übertrifft,\nnicht anders sein kann. Wenn das Kyrie ganz einfach und an-\nspruchslos beginnt und auch das Gloria, obwohl glänzend und voll\nSchwung, doch nicht die Grösse der Instrumentalwerke aus dersel-\nben Entwicklungs-Periode des Meisters verräth, so nimmt sein Ge-\nnius im Credo schon einen höheren Flug, und das Sanctus, Bene-\ndicta, Agnus Dei und Dona nobis pacem gehören zu seinen schön-\nsten Schöpfungen. In dem letztgenannten Satze ist die Stelle, wo\nder Angstruf des Miserere nobis noch einmal wieder mitten in die\nsanften Bitten um Frieden hineinklingt, charakteristisch für die Auf-\nfassung dieses Satzes durch Beethöven; sie zeigt, dass der ähnliche,\nnur schärfer ausgeführte Eintritt desselben fast verzweifelnden Rufes\num Erbarmen als Gegensatz zu der trostreichen und hoffnungsvollen\nBitte um Frieden, wie er später in der Missa solemnis in D-dur\nvorkommt, schon bei der ersten Messe in C-dur in Beethoven's\nIdee lag. Dass die Messe mit dem lateinischen Originaltexte gesun-\ngen wurde, war ganz in der Ordnung, was wir nur der Ausgaben\nwegen, welche den deutschen Text der „drei Hymnen\" von Rochlitz\nhaben, bemerken, da es diesem obwohl gründlich musicalischen\nDichter ein paar Mal passirt ist, der Musik Beethoven's Texte un-\nterzulegen, die oft das Gegentheil von dem aussprechen, was Beet-\nhoven's musicalische Gedanken sagen.\nDie Messe in C-dur hat übrigens ein besonderes Schicksal in\nBezug auf ihre Verbreitung gehabt. Der Fürst Esterhazy hatte Beet-\nhoven den Auftrag gegeben, eine Messe für seine Hauscapelle in\nEisenstadt, welche damals Hummel dirigirte (1803—1811), zu schreiben.\nBeethoven vollzog den Auftrag, dem die C-dur-Messe ihr Entstehen\ndankt, im Sommer von 1807, nachdem der Winter von 1806 lBO7\nWerke wie die vierte Sinfonie in B-dur, die drei grossen Quartette\nOp. 59 und die Ouvertüre zu Coriolan hatte entstehen und vollen-\nden sehen*). Im. Sommer von 1808 wurde die Messe zu Eisenstadt\nunter Beethoven's eigener Leitung aufgeführt. Der Fürst, an\nHaydn's, seines früheren Capellmeisters, Messenstil gewöhnt,\nden er durch seinen entschiedenen Geschmack für gefällige Musik\nwohl auch zum Theil zu verantworten haben mag, pflegte an alle\nWerke den Haydn'schen Maassstab zu legen, und so kam es denn\nauch, dass ihm Beethoven's Messe zu absonderlich erschien und er\nam Schlüsse zu ihm sagte: „Aber lieber Beethoven, was haben Sie\ndenn da wieder gemacht?u Hummel stand dabei und lächelte;\ndies nahm Beethoven, durch die Frage des Fürsten schon stutzig\ngemacht, für Spott und Schadenfreude und verliess Eisenstadt noch\nan demselben Tage. Leider hinderte dieses Missverständniss denn\nHummel konnte ja eben so gut über die Ansicht des Fürsten lä-\ncheln und über die ganze Scene überhaupt, als über die Compo-\nsition den Verkehr zwischen Hummel und Beethoven; erst in\nden letzten Lebenstagen Beethoven's überzeugte ihn Hummel durch\nseinen Besuch (bei welchem, wenn wir uns recht erinnern, auch\nder damals sechszehnjährige Ferdinand Hiller gegenwärtig war) von\nseiner aufrichtigen Verehrung für ihn. Aber auch dem' Fürsten\nEsterhazy scheint Beethoven den damaligen Auftritt nicht vergessen\nzu haben. Denn als er Abschriften seiner grossen Missa solemnis\nan mehrere Höfe schickte und dafür ein Honorar von 50 Ducaten\nfestsetzte, machte er zwar dem österreichischen Hofe keinen Antrag,\nwohl aber auf Andrängen des Verlegers Artaria dem Fürsten Ester-\nhazy. Dieser lehnte ihn ab, und Beethoven hatte eine richtige\nAhnung davon, da er schon vor dem Bescheide an Schindler\nschrieb: „Sie können sich nun gütigst um den Erfolg einmal an-\nfragen; ich zweifele an einem guten, da ich mich keiner guten\nDenkungsart von ihm gegen mich versehe, wenigstens von der\nfrüheren Zeit zu schliessen.\"\nSo wurde also, was dem Werke zur Empfehlung und Verbrei-\ntung hätte gereichen können, ein Hinderniss der letzteren, und die\n(7-<fotr-Messe erschien erst im Jahre 1813 als Opus 86. Die\ngrosse Messe in D-dur schrieb Beethoven (1818—1822) ohne irgend\neine andere äussere Veranlassung als die Ernennung des Erzherzogs\nRudolph zum Erzbischofe von Olmütz, zu dessen Inthronisation im\nMärz 1820 er sie aus eigenem Antriebe bestimmte, aber bis dahin\nnicht vollendete.\nEin zweiter Umstand, welcher der (7-cZwr-Messe eine leichtere\nVerbreitung in nichtkatholischen Kreisen verschaffen sollte, erreichte\ndiesen Zweck auch nur mangelhaft. Es war dies die Herausgabe\nderselben unter dem Titel: „Drei Hymnen\", mit deutschem Texte\nvon F. Rochlitz. Rochlitz hatte nämlich den Text der Messe nicht\nübersetzt, sondern drei religiöse Gedichte, in denen er Klopstock's\nArt und Weise nachahmte, der Beethoven'schen Musik\nwar aber dabei so unbegreiflich unmusicalisch verfahren, dass seine\nWorte oft mit der Musik in grellsten Widerspruch traten und da-\ndurch mehr als eine Versündigung an Beethoven, denn als ein Mit-\ntel zu allgemeinerer Anerkennung des Werkes erschienen. Gleich\nauf das erste sanfte Solo z. B. kommen statt Kyrie eleison die\nWorte: „Dich, den ew'gen Weltenherrscher. Dich, den Allgewalti-\ngen !u bald darauf heisst es zu dem Crescendo und Fortissimo,\nstatt „Christe eleison\" „ W ir stammeln mit Kind esl allen\";\nim Credo, da, wo Beethoven sehr wirkungsvoll die Worte „Deum\nde Deoy lumen de lumine\" vom Tenor, vom Alt, vom Sopran, vom\nBass nach einander einsetzen lässt, heisst es bei Rochlitz: Tenor:\n„Wenn Du die Fülle\" —Alt: „Deiner Erbarmungen\" Sopran;\n„mir in die Seele\" Bass: „mir in die Seele strömst\" was\nnahezu lächerlich wird, zumal wenn dann das ff „Deum verum de\nDeo verou durch: „o dann dämmert mir ein Strahl von Deiner\n(Pause) Herrlichkeit\", und nachher das ff Tqui locutus es per pro-\nphetas\" durch: („Führung\") „die geheimnissvoll uns geleitet\"\nparodirt wird. Doch genug davon. Schon vor fünfzehn Jahren\nhaben wir (im I. Jahrgange der Rheinischen Musik-Zeitung, 1850)\ndiese Ungebührlichkeiten gerügt und für diejenigen, die durchaus\ndeutsche Worte haben wollen, den lateinischen Text der Messe\nwörtlich und musicalisch genau ins Deutsche übersetzt; eben so\nspäterhin die Unbill gerügt, die eine zweite Umdichtung von Roch-\nlitz der Cantate: „Der glorreiche Augenblick\" von Beethoven an-\ngethan (worin der Schluss-Chor, den Beethoven als Marsch der\nheimkehrenden Krieger mit Janitscharen-Musik ausgestattet hat, bei\n\n*) Zum Beweise für die bedeutenden Honorare, die Beethoven\nbekam, sei der Contract zwischen ihm und der Verlagshandlung von\nMuzio Clementi in London erwähnt, wonach dieser für die\nDoubletten der vierten Sinfonie, der drei Quartette und der Corio-\nlan-Ouverture, dazu des Concertes in G-dur und des Violin-Con-\ncertes in Z>, zum Absätze in England 200 Pf. Sterl. zahlte, nach-\ndem Beethoven alle diese Werke auch schon an deutsche Verleger\nsehr gut verkauft hatte. Vgl. Schindler, 1., S. 142."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "359", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651111-01.1.7", "texte": "Rochlitz lautet: „Drum dir, Tonkunst, Preis und Dank, höre un-\nsern Lobgesang!\" wobei allein das Wörtchen „Drum\" durch eine\nIronie des Schicksals zu den Schlägen der grossen Trommel passt):\nallein was hilft das alles! Wer weiss, ob die neuen Ausgaben den-\nnoch den Unsinn nicht wieder reproduciren, denn auch in der Kunst\ngilt, was Mephisto von der Jurisprudenz sagt; man darf nur statt\n„Gesetz' und Rechte\" schreiben:\n„Es erben sich das Falsche und das Schlechte\nWie eine ew'ge Krankheit fort:\nSie schleppen von Geschlecht sich zum Geschlechte\nUnd rücken sacht von Ort zu Ort*).\"\nMittlerweile hatte sich indess Beethoven's (7-dwr-Messe von\nselbst in den katholischen Kirchen Bahn gebrochen und wurde sehr\nhäufig aufgeführt, auch hier in Köln im Dome, bis sie endlich im\n„Zeitalter der Umkehr\" auch aus diesem Asyl wieder vertrieben\nwurde. Glücklicher Weise singt man sie jetzt in Concerten, und\nzwar auch in ihrer wahren Gestalt.\nDen zweiten Theil des Concertes füllte eine glänzende und mit\nBeifall aufgenommene Ausführung der ersten Sinfonie (in B-dur)\nvon Robert Schumann, mit welcher der Meister der specifisch\nso genannten romantischen Schule seinen Anschluss an die classi-\nsischen Vorgänger, im Gegensatze zu seinen bisherigen Ciavier-\nsachen, zuerst bekundete und sein herrliches Talent in einem grös-\nseren Werke von künstlerischer Reife offenbarte. Merkwürdig bleibt\nes, dass diese Umwandlung Schumann's im Jahre 3841 auf das Jahr\n1840 folgte, in welchem er sich ganz und gar nur der Composition\ndes Liedes hingegeben und därin bekanntlich so Ausgezeichnetes\ngeleistet hatte, dass er selbst geäussert haben soll, er getraue sei-\nnerseits sich nicht, für die Zukunft mehr zu versprechen, als er im\nLiede geleistet.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\n* *\n14.01 ii. Die dritte und letzte Sitzung des Quartettes der\nGebrüder Müller am 6. d. Mts. war zahlreicher besucht, als die\nbeiden ersten; das Publicum spendete den Vorträgen von Haydn's\nQuartett in D-dur mit dem originellen Zigeuner-Menuett, Mozart's\nin C-dur und Beethoven's in A-moll, Op. 132 (eigentlich 130),\nenthusiastischen Beifall. Die Ausführung des genialen Werkes von\nBeethoven, obwohl in allen Sätzen ausgezeichnet, erregte doch die\nmeiste Bewunderung in dem erhabenen Adagio und im Gegensatze\ndazu in dem leidenschaftlichen wenn im Adagio der wun-\nderbare Klang der Choralstellen schöner als Orgelton ergreifend\nwirkte, so war im Finale bei der kräftigsten Tonfülle die in jedem\nInstrumente hervortretende Deutlichkeit besonders erstaunenswert!}.\nVon grossem Interesse wird es sein, in nächster Woche, am\n16. November, in demselben Saale des Hotel Disch das berühmte\nBeethoven-Quartett der Herren Maurin, Sabatier, Mas und Che-\nvillard aus' Paris zu hören, die bekanntlich sich ausschliesslich\ndem Vortrage der letzten Beethoven'schen Quartette gewidmet und\nin Köln vor einigen Jahren einen so ausserordentlichen Erfolg ge-\nhabt haben.\nIn dem nächsten Gürzenich-Concerte am Dinstag den\n14. d. Mts. werden wir Fräulein Therese Tietjens, die in\nEngland so hoch gefeierte Künstlerin und erste dramatische Sängerin\nder gegenwärtigen Zeit, in drei grossen Scenen hören: einer Arie\nvon M o zart („Marter aller Arten\" aus der „Entführung\"), einer von\nC herubini (Medea) und in M endelss o h n's Finale der ~Lorelei\".\nDa Fräulein Tietjens unmittelbar nach dem Concerttage nach ihrer\nVaterstadt Hamburg abreist, wo sie für zehn Theater-Vorstellungen\nund zwei Concerte zugesagt hat, so machen wir darauf aufmerksam,\ndass wir sie bloss an dem Concertabende bewundern können.\n** Elberfeld, 31. October. Fiäulein Brenken, welche\ndiesen Winter an unserer Bühne als Gast verweilt, sang seit dem\n6. October bis jetzt 2 Mal Agathe, 2 Mal Königin der Nacht, 1 Mal\nKönigin in Hugenotten, 1 Mal Leonore in Troubadour, 2 Mal El-\nvira in Don Juan. lhre Leistungen haben ihr sehr bald die volle\nGunst des Publicums erworben. Die Elberfelder Zeitung sagt: „Die\njunge Dame, welche eine wunderbar schöne Stimme von seltener\nStärke und grossem Umfange besitzt, verbindet damit eine vorzüg-\nliche Schule und eine Eleganz im Vortrage auch der schwierigsten\nPassagen, die Bewunderung verdient.\"\nMilltleil, 8. November. In diesem Winter steht Herr Eugen\nDrobisch an der Spitze unserer musicalischen Vereine, und unter\nseiner Leitung hatten wir vorgestern ein mit grossem Beifalle auf-\ngenommenes Concert, in welchem Mozart's C-dur-Sinf'onie mit der\nSchfussfuge, eine Ouvertüre in D-moll von E. Drobisch und\nMen d eis so hn's 42. Psalm aufgeführt wurden. Die Sopran-Partie\n(auch die Arie der Leonore aus Fidelio) sang Fräulein Hirsch-\nberg vom Stadttheatex in Magdeburg.\njflailiz, 2. November. Gestern trat im hiesigen Stadttheater\ndie berühmte Sängerin Madame Frezzolini als Amina in der\n„Nachtwandlerin\" auf. Sie ist freilich jetzt bei jenem Stadium ange-\nkommen, wo sie von jüngeren und frischeren Kräften aus der ge-\nwohnten Sphäre der grossen italiänischen Opern-Institute verdrängt,\ndie beaux restes ihrer einstigen Stimmmittel mit Hülfe ihrer immer-\nhin hochzuschätzenden Kunstfertigkeit in Deutschland zu verwerthen\nsucht. In letzterer Beziehung war auch ihre gestrige Leistung aller-\ndings eine der höchsten Anerkennung würdige, und diese wurde ihr\nauch von dem zahlreichen Publicum in vollem Maasse zu Theil.\nAllein was ihr von Stimme noch übrig geblieben, ist doch gar zu\nwenig und reicht nicht mehr aus, um ihre gewiss verständigen und\nkünstlerischen Anforderungen entsprechenden Intentionen auch wirk-\nlich zur Geltung zu bringen. Gleichwohl kann sie unseren Sän-\ngerinnen als Muster dienen in Bezug auf vollendete Technik, ge-\nschmackvolle Coloratur und Feinheit des Vortrages. Minder nach-\nahmenswert!) erscheint das von Madame Frezzolini im Uebermaasse\nangebrachte Tremoliren der Stimme. (Südd. M.-Z.)\nHannover. Eine Künstler-Gesellschaft, bestehend ausSignora\nRita Sonieri, erste Sängerin der italiänischen Oper in Covent-\n\n*) Ein Hauptbeweis dafür sind z. B. auch die deutschen Texte\nzu Mozart's „Don Juan\"! Wenn wir irgendwo gelesen zu haben\nuns erinnern, dass Beethoven selbst den deutschen Text zu der\n<7-cZwr-Messe gebilligt habe, so ändert das, wenn es wahr sein sollte,\nnichts an der Sache: denn entweder hat er ihn bloss oberflächlich\ngelesen und nicht genau mit seiner Musik verglichen, oder er zeigte\nsich, wie fast immer, wenn ein Werk an den Mann zu bringen war,\ngefügig. Schrieb er doch sogar an Zelter, dem er auch ein Ma-\n\\\nnuscript der Missa solemnis zur Subscription für die berliner Sing-\nAkademie angetragen : „Gewiss ist, dass diese Messe beinahe ganz\na capella aufgeführt werden könnte\", und: „Uebrigens kommt ohne-\nhin ein Stück ganz a capella bei diesem Werke vor.\" Dieses\nStück sucht man aber vergebens in der Messe in D-dur, und alles\neben Angeführte (vom 25. März ]823) war nur darauf berechnet,\nZelter, der ihm geschrieben, dass die Akademie nur Werke a capella\nsinge, zur Subscription zu bewegen. Man denke sich die D-dur-\n-Messe a capella, also ohne Orchester, gesungen!"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "360", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651111-01.1.8", "texte": "garden, Mr. Chaunier von der italiänischen Oper in Paris, Fräu-\nlein Deckner, Violin-Virtuosin, und Ernest Bonay, Wunder-\nknabe auf dem Xylocordion, unter der Führerschaft eines Herrn\nHerr mann, ehemaligen Secretärs bei Herrn Ullman, kündigte auf\nriesigen Anschlagszetteln rConcerts contemporainsu an gegen ein\nEntree von 1 Thlr. 10 Sgr. Zum ersten Concerte war 1, sage ein\nBillet verkauft und verschiedene Frei-Billette vertheilt worden, und\ndie Leistungen der Künstler erwiesen sich wirklich als durchweg\nbedeutend. Gleichwohl wurden zum zweiten Concerte bei herabge-\nsetzten Preisen nur 5 Billette abgesetzt, und das Concert fand dem-\nnach nicht Statt. Um das Maass des Unglücks für die armen Künst-\nler voll zu machen, entwich nächtlicher Weile der Impresario und\nvergass in der Eile, die Gasthofs-Rechnung zu bezahlen, so dass den\nbitter Getäuschten nun nichts übrig bleibt, als ein weiteres Concert\nzu arrangiren, um wenigstens das Geld zur Fortsetzung ihrer Reise\nzu verdienen.\nMax Bruch's Oper „Loreley\" kam am 8. October in Coburg\nmit entschiedenem Erfolge zur Aufführung.\nl)ariftista€lt. Die Vorbereitungen für die Aufführung der\n„ Africanerin\" auf unserer Hofbühne sind so weit vorangeschritten,\ndass dieselbe unmittelbar nach der Vorführung dieser Oper in Berlin\nauch hier wird Statt finden können. Unser berühmter Maschinist\nBrandt hat für das sinkende Schiff einen Mechanismus erfunden,\nder den pariser weit übertreffen soll. [Nun, was will man mehr !]\nFräulein Elisabeth Stein mann aus Dresden hat unter dem\nKünstlernamen Mann stein, unter welchem ihr Vater und lang-\njähriger Lehrer den Ruf eines tüchtigen Gesangs-Pädagogen geniesst,\nihre theatralische Laufbahn so eben mit dem günstigsten Erfolge in\nNeustrelitz begonnen. Fräulein Mannstein debutirte als Gabriele in\nKreutzens „Nachtlager\".\nDer Pianist Dr. Gustav Satter gab am 21. October in Dres-\nden ein grosses Orchester-Concert unter seiner eigenen Leitung und\nmit dem verstärkten Chor des Herrn Musik-Directors Witting. Das\nProgramm enthielt nur Compositionen des Concertgebers, und zwar\nder verschiedensten Gattungen, nämlich: Ouvertüre zur Oper „Olan-\nthe\" ; symphonisches Concert in zwei Abtheilungen für Piano mit\nOrchester, Motto: „Durch Kampf zum Sieg\"; sächsische National-\nSymphonie mit dem Motto: „Gott segne Sachsen!\" (1. Am Hofe\nund in der Armee. 2. Im Dorfe. 3. Nacht im Erzgebirge. 4. Volks-\nfest); zwei Arien mit Recitativ und ein Vorspiel aus der „Olanthe\".\nDas symphonische Concert spielte ein Schüler des Concertgebers,\nJohannes Weidenbach, und beurkundete nach dem Urtheile\ndes Kritikers C. Bank ein nicht gewöhnliches Talent und weit vor-\ngeschrittene Technik. Ueber Satter's Instrumental- und Gesangs-\nCompositionen äussert sich derselbe Kritiker mit ziemlicher Reserve.\nWien« Die Direction des Hof-Operntheaters hat mit der Sän-\ngerin Kainz-Prause einen zweijährigen Contract abgeschlossen;\ndie Künstlerin erhält im ersten Jahre eine Gage von 12,000 Fl.,\nim zweiten eine von 14,000 Fl.\nDem Vernehmen nach ist Herr Franz Doppler, der ausge-\nzeichnete Flöten-Virtuose, als Professor für eine Parallel-Classe des\nFlötenspiels am hiesigen Conservatorium ernannt worden.\nLiszt's Oratorium „Heilige Elisabeth\" kommt in Wien nicht\nzur Aufführung, der Componist hat sie verweigert. Aus einem Briefe,\nden derselbe an einen seiner hiesigen Freunde gerichtet, entnehmen\nwir folgende, die Ablehnung motivirende Stelle: „Ob das Werk in\nWien Anklang finden dürfte, bleibe dahingestellt; meinerseits muss\nich zunächst darauf bedacht sein, meine Freunde zu schonen und\nsie nicht den widerwärtigsten Proben auszusetzen. Leider mischen\nsich bei der Aufführung meiner Werke fremde, weniger reinigende\nElemente ein, deren Vordrängen es mir rathsam dünkt, zu vermei-\nden. Ohne den mindesten Groll zu empfinden, gestehe ich Ihnen\noffen, nach der ungeziemenden Aufnahme, welche den „„Prome-\ntheus\"\"-Chören in Wien bereitet worden, würde ich es vorziehen,\nauf weitere Experimente unter denselben Verhältnissen zu verzichten.\nLassen wir also die „„Elisabeth\"\" in Pesth, bis sie im nächsten\nJahre wahrscheinlich nach Thüringen wandern wird\" u. s. w.\n(81. f. Th. u. s. w.)\nHerr Gläser, der Sohn des verstorbenen Componisten und\nCapellmeisters Gläser, befindet sich gegenwärtig in Wien, um dort\neine von ihm geschriebene Oper, nach einem Texte von Scribe, zur\nAufführung zu bringen.\n\\"}]}