{"numero_id": "bm-bmtnabi-1865-11-18-01", "volume": "bmtnabi_1865-11-18_01", "ocr_sha256": "15e120754180b47039899090c8e1ab50cf023128c5350bc046c158ca995f9cba", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1865/11/18_01/bmtnabi_1865-11-18_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651118-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1865-11-18-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-11-18_01#c001", "volume": "bmtnabi_1865-11-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "361", "page_fin": "361", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651118-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "361", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651118-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 492, "texte": "Inhalt.\nDie italiänische Oper alter und neuer Zeit (Schluss). Die Compositionen von Goethe's „Erlkönig\". Von L. B. 27.\nJahresbericht des Verwaltungs-Ausschusses der Mozart-Stiftung in Frankfurt am Main für das Geschäftsjahr 1864—1865. Drittes Ge-\nsellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. 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S. Nr. 45.)\n„Ware die Voraussetzung, die wir eben (am Schlüsse\ndes Artikels in der vorigen Nummer) ausgesprochen ha-\nben, richtig, dass nämlich Rossini, wenn er gleich beim\nAntritte seiner Laufbahn neben seinem Genie das Be-\nwusstsein seiner eigentlichen künstlerischen Mission gehabt\nhätte, die Tradition von Gluck und Mozart fortgesetzt ha-\nben würde, so wären wir in der Wahrheit des musicali-\nschen Ausdrucks geblieben, und vielleicht wäre dann\nVerdi nicht dem Realismus verfallen, dem er jetzt hul-\ndigt, denn zum Realismus treibt man nur ein blasirtes\nPublicum, das von allen Raffinements für den feineren\nSinnengenuss übersättigt ist.\n„Denn ist Verdi, mit seinem unbestreitbaren dramati-\nschen Talente, seinem Feuer und seiner Energie, seiner\nlebendigen und schnell entschlossenen Weise, einer Situa-\ntion sogleich scharf zu Leibe zu gehen, ohne sein Ziel aus\ndem Auge zu verlieren, ist Verdi, dem Leidenschaft und\nTiefe des Gefühls nicht abzusprechen sind, denn so schul-\ndig, wie man ihn macht? Er stand auf dem Abhänge,\nwieder hinauf konnte er nicht, wenn er auch gewollt\nhätte. Durch den ewig wiederholten klingenden Unsinn,\nden Missbrauch der Coloratur, die obligat gewordenen\nSolfeggir-Uebungen, durch die Rhythmen und Formen,\ndie durch Steifheit und metronomische Regelmässigkeit\nunausstehlich wurden, durch rohe und confuse Instrumen-\ntirung, durch das alles kam er, wie durch ein Verhäng-\nniss fortgerissen, zum Schrei wilder Leidenschaft, zum un-\nsangbaren Gesänge, zur unmelodischen Phrase, die von\nschroffem, alle Milde verachtendem Rhythmus zermalmt\nwird, zum Klange, der seine Wirkung von den äussersten\nGränzen einer rein physischen Kraft herholt, zur wilden\nund wüsten, unmusicalischen Instrumentirung. Alles das\nist bei Verdi, freilich nicht in gleich hohem Grade in je-\ndem Werke, nicht auf jeder Seite, nicht in jedem Stücke:\nallein es ist der hervorspringende Charakter seiner Com-\npositionsweise überhaupt.\n„Ein ausgezeichneter italiänischer Musikgelehrter und\nKritiker, Abraham Bavesi, trägt kein Bedenken, die jetzige\nEpoche „il regno Verdiano\"zu nennen*). Trotzdem,\ndass es mir nicht einfällt, zwischen Verdi, der niemals\nmehr als der Musiker einer Uebergangs-Periode sein wird,\nund Rossini, der bereits zu den unsterblichen Künstlern\ngehört, einen Vergleich anzustellen, spreche ich nur von\neiner Thatsache, und diese besteht darin, dass wir nicht\nmehr unter dem Einflüsse Rossini'scher Ideen stehen, son-\ndern uns vollständig im regno befinden. [ln Ita-\nlien und Frankreich, das mag sein: in Deutschland glück-\nlicher Weise noch nicht; jedoch lässt sich eine beziehungs-\nweise Aehnlichkeit in Betracht des Wagner-Reiches bei\nuns nicht läugnen, ohne dass wir damit gesagt haben\nwollen, dass Wagner und Verdi anders denn als Reactio-\nnäre gegen die reine Sinnlichkeit der Opernmusik mit\neinander zu vergleichen wären.]\n„Aber hat nicht Rossini mehr als jeder Andere zu die-\nser Herrschaft Verdi's beigetragen? Er hat ihm den Weg\ndazu gebahnt, er hat ihm geholfen, ihn selbst vom Throne\nzu stossen. Rossini hat den Zweifel an dem Inhalt der\nMusik hauptsächlich geschaffen und die Ansicht befördert,\ndass dieselben Noten die verschiedensten Dinge ausdrücken\nkönnten, ja, dass die Musik eigentlich gar keines Aus-\ndruckes fähig sei. Kann man sich wundern, wenn die\nMenge, nachdem der sinnliche Reiz erschöpft worden,\nnach Nerven-Affection verlangte? Da kam Verdi, segelte\nmit dem der Zeit und führte uns mitten in den\ncrassesten Realismus hinein. Uebrigens wird sein Reich\n\n*) Studio stille Opere di Giuseppe Verdi. Firenze, 1859\nein Band von 324 Seiten."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "362", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651118-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5478, "texte": "nicht von Dauer sein; wer nur für die Menge schreibt,\nden lässt sie auch über kurz oder lang im Stiche.\n„Ich komme jedoch auf meinen Ausgangspunkt zurück:\neine italiänische Opera seriaexistirt nicht und hat nie\nexistirt, und wenn sie je existirt hat, so war es nur durch\ndie Sänger der Fall, indem diese einerseits als Schauspie-\nler ihren Rollen einen gewissen Ernst und Adel verliehen,\nden die Musik nicht hatte, andererseits sie nur als Vor-\nwand und Thema zu Virtuosenstücken benutzten.\n„Ich gehe noch weiter: ich behaupte, dass auch die\nKirchenmusik in Italien nicht existirt hat. Geht man über\nPalestrina und die römische Schule hinaus, welche aller-\ndings eine Gattung für sich, eine hieratische, priesterliche\nMusik ist, so ist das Uebrige mit wenigen Ausnahmen sehr\nweltlich. Ich habe in Italien zum Beispiel ein von\nJomelli für zwei Frauenstimmen gehört, welches ein wah-\nres Opern-Duett war, ein Dixitvon Pergolese, welches die\nAnsicht des Pater Martini, dass der Stil in der Serva pa-\ndrona und im Stabat mater ein und derselbe sei, voll-\nkommen rechtfertigt, denn das Sextett des Dixit könnte\neben so gut im Stabat mater und in der Serva padrona\nstehen. Die italiänische Kirchenmusik und die\nbeides sind falsche Gattungen: sie konnten eine Zeit lang\nfür etwas Anderes, als sie sind, gelten, aber die Unsterb-\nlichkeit wahrer Kunstwerke ist ihnen nicht bestimmt.\n„Das Bulfo-Genre ist das einzige wahre italiänische\nGenre. Darin übertreffen die Italiäner alle Nationen, darin\nsind sie unnachahmlich, und weil es der wahre und auf-\nrichtige Ausdruck der italiänischen Natur ist, so muss man\nes lieben und hochachten. Die Natur ist die Mutter aller\nErzeugnisse eines Volkes, sie beeinflusst in jedem Lande\ndie Production, und um in dieser etwas zu leisten, muss\nman die Natur so wiedergeben, wie sie uns begeistert.\nNur dadurch kommt Wahrheit in die Kunst. Daher die\nechte komische Ader, das feine Gefühl, das Lebendige\nund Rührige und zugleich die elegante Form und die be-\nscheidene und durchsichtige Instrumentirung in der älteren\nkomischen Oper der Italiäner und auch in der neueren\nbis auf Donizetti's Don Pasquale, der nur die Einfachheit\ndes früheren Orchesters nicht mehr hat.\n„Allein es ist zu befürchten, dass auch diese Ader nicht\nmehr schlägt, dass das komische Genie der Italiäner auch\nschon alles gegeben hat, was es besass, und dass Doni-\nzetti und vielleicht die beiden Ricci die letzten\nbuffi gewesen sind. Dieser Stil war dem schwärmerischen\nGemüthe Bellini's nicht gegeben, auch besass er als Mu-\nsiker zu wenig Hülfsquellen und Gewandtheit dazu; Verdi\nhat aus Antipathie oder Geringschätzung ihn gar nicht\nbeachtet. Trotzdem sind beider Autoren Werke, wenn\nauch mehr als andere ähnliche frei vom Gemisch mit\nBuffo-Stil, weit davon entfernt, die Forderungen an eine\nOpera seria zu erfüllen; der Eine schreibt zu elegisch,\nder Andere melodramatisch, und als rein italiänisches Blut\nfüllen sie Beide ihre Partituren mit klangreichem Unsinne\nund hochstrebenden declamatorischen Phrasen.\n„Uebrigens scheint die Zeit vorbei zu sein, wo der\nBuffo-Stil noch auf die Menschen wirken konnte. Die Ge-\nschichte der Menschheit und der Kunst zeigt eine Folge\nvon verschiedenen Typen, die eine Zeit lang Bestand haben\nund dann wieder verschwinden; die Menschheit selbst\nbleibt dieselbe, aber die Sitten und Gewohnheiten ändern\nsich. Die komische Oper verdankt ihren Ursprung und\nentspricht Sitten und Gewohnheiten einer Erziehung und\nLebensweise in Zwanglosigkeit und Gutmüthigkeit, die\nnicht mehr existiren. Sie schildert nicht mehr unsere jetzige\nLebensweise und unsere geselligen Verhältnisse. Die Leute,\nwelche das Operntheater besuchen, sind nicht mehr zum\nLachen aufgelegt; reich zu werden, ist ihr einziges Ziel.\nDie Millionen machen besorgt und schwerfällig, aber dess-\nhalb doch nicht ernst, wohl aber blasirt. Die Millionen\nhaben die Reinheit des Herzens getrübt und vernichtet,\nund ohne diese gibt es keine Lust am Heiteren und Ko-\nmischen. Die wenigen Leute, die noch vergnügt und hei-\nter sind, haben kein Geld, um nach der komischen Oper\nzu gehen. Allerdings ist der Satz richtig: wenn die Zeit\netwas ausstreicht, so geschieht es, um Anderes darüber\nzu schreiben. Allein die Epoche, in der man wohl sieht,\nwie das Eine verschwindet, aber noch nichts von dem\nwahrnimmt, was kommen wird, bleibt immer eine traurige.\n„Um noch ein Wort über das Nationale in der Mu-\nsik zu sagen, so betrachte ich z. B. Carl Maria von\nWeber als die höchste Personification des deutschen\nGeistes. Ich bewundere ihn nicht nur, ich liebe ihn leiden-\nschaftlich. Ich beuge mich in tiefer Verehrung vor dieser\nedeln, tiefen, von allem Falschen entfernten Natur, vor\ndieser schwärmerischen, poetischen, keuschen Muse, die\nso gern im Felsenthale, am Ufer des Sees, im Monden-\nscheine, im Zauberwalde verweilt.\n„Im Freischütz und Oberon hat Weber eine Gattung\nvon Schönheit glücklich getroffen, deren Vorbild man ver-\ngebens bei seinen Vorgängern sucht. In dieser ist er schö-\npferisches Genie, ist er der erste, vollständige, strahlende\nAusdruck der eigentlichen Romantik in der Musik. Man\nwird sagen: Ist Beethoven in seinen Sinfonieen und be-\nsonders in seinen letzten Sonaten und Quartetten nicht\nromantisch? ist es Mozart nicht schon im Don Juan, in\nder Zauberflöte? ist es Rossini nicht im dritten Acte des\nOthello und an vielen Stellen des Wilhelm Teil? Einver-\nstanden: aber der Unterschied ist der, dass, wenn die ge-\nnannten Meister in die Romantik übergehen, sie dabei"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "363", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651118-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1636, "texte": "doch nicht aufhören, classisch zu bleiben, während We-\nber auch da, wo er classisch sein will und es auch oft ist,\nnicht aufhört, romantisch zu sein. Bei Weber stossen wir\nauf etwas Ungewöhnliches, Seltsames, Phänomenartiges,\nwas er allein hat, wesshalb Cherubini denn auch nicht\nbegriff, wie man für Weber sich begeistern könne. Uebri-\ngens hängt mit der Eigerithümlichkeit Weber's zusammen,\ndass er das eigentlich Vage und Unbestimmte der deut-\nschen Romantik im Unbeschränkten nicht kennt, sondern\ndass die seinige mehr innerhalb gewisser Gränzen bleibt,\nman möchte sagen, mehr local ist. So ist auch bei ihm,\ntrotz des schönen Colorits, das glänzende Aufleuchten des\neigentlichen Lichtstrahls seltener. Sein Charakter ist we-\nniger Universalität, als originelle Persönlichkeit. Er schöpft\nüberall nur aus sich selbst, bewegt sich nur in den ihm\neigentümlichen Kreisen und wird daher etwas monoton,\nobwohl dieses Wort zu stark ist für den fühlbaren Man-\ngel an Abwechslung. Recht deutlich tritt dies in seiner\nInstrumentalmusik hervor; so vortrefflich seine Ciavier-\nsachen sind, so befindet man sich doch dabei fast überall\nim Freischütz: man hört sie mit Lust an, allein wenn das\nStück aus ist, so wünscht man doch einmal wieder eine\nandere Luft zu athmen.\"\nAm Schlüsse des Aufsatzes stellt dann d'Ortigue, noch\neinmal auf Rossini zurückkommend, dessen Wilhelm Teil\nals ein Werk dar, welches alle charakteristischen Schön-\nheiten der verschiedenen nationalen Schulen in sich ver-\neinigt und dennoch den Stempel der Originalität und des\nGenie's zeigt er nimmt also für Rossini in diesem\nWerke die Universalität Mozart's in Anspruch."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-11-18-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-11-18_01#c003", "volume": "bmtnabi_1865-11-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "363", "page_fin": "365", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651118-01.2.3", "titre_corps": "Die Compositionen von Goethe’s „Erlkönig“.", "titre_sommaire": "Die Compositionen von Goethe’s „Erlkönig“.", "signature_source": "L. B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "363", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651118-01.1.3", "debut_caractere": 1638, "fin_caractere_exclue": 4627, "texte": "Die Compositionen von Goethe’s „Erlkönig“.\n\nIn einer der letzten Sitzungen der hiesigen musicali-\nschen Gesellschaft hatte Herr Kammersänger Koch die\nGefälligkeit, drei Compositionen dieser Ballade, von B.\nKlein, K. Löwe und F. Schubert, nach einander vor-\nzutragen, unter grossem Beifalle der Mitglieder der Ge-\nsellschaft, welche sich zahlreich eingefunden hatten. Ein\nMusikfreund findet sich dadurch veranlasst, einige Notizen\nüber die verschiedenen, ihm bekannt gewordenen Compo-\nsitionen dieses Gedichtes, welche er gesammelt hat, in die-\nsem Blatte mitzutheilen.\nDer „Erlkönig\" ist in Musik gesetzt von:\nBerger, Louis, mit Begleitung von Pianoforte oder\nGuitarre.\nBlum, Karl, mit Pianoforte.\nGrönland, P., eben so.\nKlein, Bernhard, eben so.\nLöwe, Karl, eben so.\nOtto, Franz, Op. 14, eben so.\nPetschke, H. T., Op. 3, eben so (27 S. Quer-Fol.).\nPichler, Bödog, Op. 9, eben so.\nReichardt, G. F., eben so oder Guitarre.\nReissiger, C. G., eben so.\nRomberg, Andreas, eben so.\nSchneider, Julius, eben so.\nSchlözer, K. v., Op. 7, eben so.\nSchubert, Franz, Op. 1 (die neueren Ausgaben\nzugleich mit französischer und italiänischer Uebersetzung\ndes Textes).\nSpohr, Louis, Op. 154 (für Bariton, Pianoforte\nund Violine).\nTomaschek, W. G., Op. 59 (zugleich mit „Der\nKönig in Thüle\" und „Der Fischer\" —Goethe gewidmet).\nZöllner, C. IL, Op. 55.\nZu rn Steeg, J. 11.\nBach mann, G., Op. 43.\ni\\l i e t zk e ?\nNoch, R.\nDie drei letztgenannten Compositionen finden sich zwar\nin den musicalischen Katalogen verzeichnet; es ist aber\nbisheran nicht gelungen, Exemplare davon aufzutreiben.\nWahrscheinlich existiren noch manche andere, hier\nnicht aufgeführte Compositionen, namentlich ungedruckte*),\nwie denn ein geschätzter hiesiger Musiker einmal die Aeus-\nserung machte: „Welcher Componist hat sich nicht ein-\nmal am Erlkönig versucht!\"\nEin Urtheil über die verschiedenen Compositionen\nwürde zu weit führen, auch hat es bei den heutzutage\nsehr aus einander gehenden Ansichten über Lieder-Com-\nposition seine Schwierigkeiten. Es finden sich darunter\nsehr schwache, namentlich aus älterer Zeit; als die besten\ndürften wohl die von Klein, Löwe und Schubert angese-\nhen werden, welche Herr Koch mit richtigem Tacte zu\nseinem Vortrage ausgesucht hatte.\nFast alle Componisten haben die Gelegenheit, in der\nBegleitung eine gewisse Tonmalerei anzubringen, sich nicht\nentgehen lassen; nur Reichardt, Romberg und Grönland\nhaben das Gedicht nicht durchcomponirt, sondern es stro-\nphenweise mit Wiederholung der Melodie behandelt. In\nden meisten Compositionen findet sich \"js, 3j4, 6/s oder\neine ähnliche dreitheilige Tactart; selbst die beiden Com-\nponisten Reissiger und Schlözer, welche in 2j4 und 4/4\n\n*) Die verehrlichen Verlagshandlungen und Musikfreunde, welche\nnoch andere als die hier genannten Compositionen besitzen, wie\nauch Exemplare der drei zuletzt aufgeführten, werden gebeten, der\nMusikhandlung B. Breuer in Köln davon Nachricht zu geben,\ndamit die angelegte Sammlung vervollständigt werden könne.\n[*-,"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "364", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651118-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5315, "texte": "geschrieben, gebrauchen in der Begleitung häufig Triolen\nund Sextolen. Offenbar haben sie diese Tactart gewählt,\nweil vom Reiten die Rede ist. Auch in Anderem haben\nalle Compositionen der Ballade manches Uebereinstim-\nmende; z. B. bei den Worten: „sonst brauch' ich Gewalt\",\nfindet sich forte oder fortissimoals Bezeichnung, und bei\nden Schlussworten: „Das Kind war todt\", finden sich Be-\nzeichnungen, wie: calando, Adag und ähnliche.\nDie Composition von Grönland steht in einem Hefte\nmit dem Titel: „Lieder, Balladen und Romanzen von\nGoethe mit Begleitung des Pianoforte. Musik von P. Grön-\nland.\" Leipzig, bei Breitkopf und Härtel. 57 S. Quer-Fol.\nNoten und Text in Typendruck. Das Heft enthält 50 Ge-\ndichte und ist in mancher Hinsicht interessant. Dieser\nPetersen Grönland war aus Schleswig und studirte 1780\nbis 1782 in Kiel, wo er mit Cramer und Kunze bekannt\nwurde. Er war ein ausgezeichneter Dilettant und ein fleis-\nsiger Mitarbeiter an Cramer's Magazin für Musik, der be-\ndeutendsten musicalischen Zeitschrift jener Zeit. Er starb\n1834 als Director der königlichen Porcellanfabrik in Ko-\npenhagen. Die Compositionen der Goethe'schen Lieder\ntragen allerdings den Stempel der Zeit, namentlich in der\nEinfachheit der Form und der Begleitung, allein die Auf-\nfassung ist fast immer richtig und die harmonischen Wen-\ndungen hier und da überraschend. So ist z. B. „Das Hai-\ndenröslein\" allerliebst und wohl eben so nett, als die jetzt\ngangbare Melodie; ferner ist der Charakter gut getroffen\nin: „Wer kauft Liebesgötter?\" (für Sopran und Tenor)\n„Herz, mein Herz, was soll das geben!\" Mignon:\n„Ueber Thal und Fluss getragen\" —u.s. w. Auch die\nStrophen-Melodie von „Erlkönig\" ist nicht schlecht. Merk-\nwürdig ist dabei noch, dass Grönland zur Bezeichnung\ndes Tempo's und des Vortrages durchaus nur deutsche\nBezeichnungen gebraucht: „Etwas langsam\", „Wohlge-\nmuth\", „Munter\", „Rührend\", „Anziehend\", „Schalk-\nhaft\", „Eindringlich\", „Mit Schwung\", „Liebreich\",\n„Zufällig\" (?) u. s. w. Also Alles schon da gewesen! ab-\ngeschafft, wieder hervorgeholt als Errungenschaft der Neu-\nzeit und wiederum abgeschafft!\nl'ranz Schubert's „Erlkönig\" ist von dessen ge-\ndruckten Werken allerdings Op. 1, aber er hatte ihn\nschon als achtzehnjähriger Jüngling im Jahre 1815 (oder\nwenigstens im Beginn von 1816) geschrieben, in demsel-\nben Jahre, in welchem über hundert Lieder, ein halbes\nDutzend Opern und Singspiele, Sinfonieen, Kirchen- und\nKammermusik dem unbegreiflich reichen Born seines Ge-\nnies entquollen, während er mehrere Stunden des Tages\nschulmeisterte und auch noch bei Salieri studirte! Und\ntrotzdem blieb er in Wien unbekannt! Erst nach sechs\nJahren wurde eben dieser „Erlkönig\" der Hebel seines\nRufes. Denn als der grosse Tenorsänger Joh. Mich. Vogl\n(seit 1795 an der Hofoper zu Wien) diese Composition\nkennen lernte, sang er sie im Jahre 1821 in einer Öffent-\nlichen Akademie. Nun erschien sie bei Cappi und Diabelli\nin demselben Jahre als Opus 1 im Stiche, vom Compo-\nnisten dem Grafen Moriz von Dietrichstein gewidmet.\nDas Autograph dieser Ausgabe besass Capellmeister Rand-\nhartinger in Wien, der es an Frau Clara Schumann ab-\ngetreten hat.\nWichtig ist, dass die gedruckte Ausgabe eine zweite\nBearbeitung ist. Die erste ursprüngliche ist in Schubert's\nHandschrift auf der königlichen Bibliothek zu Berlin vor-\nhanden, wohin sie durch den Ankauf der berühmten Mu-\nsicaliensammlung des Herrn Landsberg, der vor einigen\nJahren in Rom gestorben, gekommen ist. Die Abweichun-\ngen der ersten Bearbeitung von der zweiten bezeichnet\nder Biograph Schubert's, Herr Dr. Kreissie von Hellborn,\nauf S. 591 seines Buches dahin, dass die Triolen-Be-\ngleitung in derselben nicht vorhanden ist, sondern durch-\naus in geraden Achteln durchgeführt, der Schluss um\neinen Tact kürzer ist und an mehreren Stellen ganze Tacte\neingeschoben sind.\nGleich nach Erscheinen der Ballade fiel Alles darüber\nher, es gab Bearbeitungen für Orchester in Cantatenform,\nTransscriptionen u. s. w., sogar einen „Erlkönig-Walzer\"\nvon Anselm Hüttenbrenner, denn so ein Ehrenmann ver-\ndient, genannt zu werden, und wird am Ende mit Schubert\nauf diese Weise unsterblich! In F. A. Kanne's Musik-\nZeitung erschien darüber folgendes Distichon:\nSage mir, strömt das Gefühl der jetzigen Welt nur dem\nBein zu?\nSeit sicli die Menschen geschnürt, sanken die Herzen hinab.\nAber auch über die Composition selbst war die Kritik\nnicht ganz einig, während die Ballade bei dem Publicum\nvon jeglicher Art und Zusammensetzung Begeisterung er-\nregte. Man kann, unserer Ansicht nach, die herrliche\nComposition in vollem Maasse bewundern, ohne sich da-\nbei zu verhehlen, dass sie nur durch die geniale Ausfüh-\nrung der besonderen Auffassung des Gedichtes durch den\nComponisten gerechtfertigt wird. Schubert führt uns von\nvorn herein sogleich eine schauerliche Gespensternacht\nvor und hält auf seinem Gemälde diesen Hintergrund von\nAnfang bis Ende allerdings meisterhaft fest. Auf seinem\nGemälde sagen wir, denn das ist das rechte Wort für\nseine Auffassung; er gibt uns ein Bild des Ganzen auf\neinmal, nicht eine Ballade, deren Handlung sich nach und\nnach entwickelt und steigert. Nun ist aber bei Goethe of-\nfenbar das Letztere der Fall: er beginnt die Erzählung\nganz einfach und legt weder in das „reitet\", noch in die\nWorte „Vater'' und „Kind\" eine besondere Bedeutung."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "365", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651118-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2195, "texte": "So wurde es ihm möglich, nach und nach die Handlung\nbis zur Katastrophe zu steigern und dadurch einen weit\nstärkeren Eindruck auf den Hörer zu machen, als wenn\ndieser, wie bei Schubert, gleich Anfangs eine unheil-\nschwangere Luft athmet und Schlimmes ahnt. Um diese\nSteigerung hat sich Schubert offenbar durch seine Auffas-\nsung gebracht; er fragt schon scharf betonend und ant-\nwortet vollends: „es ist der Vater mit seinem Kind\", mit\nso gehobener Stimme, als wenn es etwas ganz Ausser-\nordentliches wäre, dass ein Vater mit seinem Kinde im\nDunkeln nach Hause reitet. Wir haben auch noch keinen\nSänger gehört, dem es gelungen wäre, diese Worte ein-\nfach erzählend wieder zu geben: die hohen Noten und\nf machen es unmöglich. In den Vorwurf gegen die Malerei\ndes Reitens, den man Schubert auch gemacht hat, können\nwir nicht einstimmen, denn wir glauben kaum, dass er\ndaran gedacht hat; die Triolen erschienen ihm gewiss nur\nals ein malerisches Ausdrucksmittel für die düstere,\nschauervolle Farbe, die er dem Ganzen geben wollte.\nSollte es das Reiten in der That veranschaulichen, so wäre\ndas ein Missgriff, da das Pferd keine Rolle in dem Ge-\ndichte spielt, um musicalisch also bevorzugt zu werden.—\nEin zweiter Tadel, der, wie wir bei Kreissie lesen, schon\nbeim Erscheinen der Ballade in der Allg. Leipz. Musik-\nZeitung ausgesprochen wurde, dass nämlich Erlkönigs\nReden „unwahr seien, da an diesen schmeichelnden Me-\nlodieen vielleicht eine weibliche Tugend, nimmermehr aber\nein Kind vor Grausen sterben werde\" ist ganz unbe-\ngründet, da das Kind ja selbst sagt: „Hörst Du nicht,\nwas Erlkönig mir leise verspricht?\" also: womit er\nmich schmeichelnd zu sich lockt. Aner in dem Schlüsse\nvon Erlkönigs Rede: „und bist du nicht willig, so brauch'\nich Gewalt\", kann man den drohenden Ausdruck vermis-\nsen, indem mit dem vollkommenen Schlüsse nach\ndie Singstimme herabsteigt, was allerdings hier den ent-\nscheidenden Moment schwächt. Dagegen ist in den Beden\ndes Knaben eine so ergreifende Steigerung, dass man bei\nausdrucksvollem Vortrage gar nicht anders glauben kann,\nals dass der Arme vor Angst stirbt. Und diese Steigerung\nist es, die vor Allem der Composition das Gepräge des\nGenies gibt.\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-11-18-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-11-18_01#c004", "volume": "bmtnabi_1865-11-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "365", "page_fin": "366", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651118-01.2.4", "titre_corps": "27. Jahresbericht des Verwaltungs-Ausschusses der Mozart-Stiftung in Frankfurt am Main für das Geschäftsjahr 1864—1865", "titre_sommaire": "27. Jahresbericht des Verwaltungs-Ausschusses der Mozart-Stiftung in Frankfurt am Main für das Geschäftsjahr 1864—1865", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "365", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651118-01.1.5", "debut_caractere": 2197, "fin_caractere_exclue": 5060, "texte": "27. Jahresbericht des Verwaltungs-Ausschusses der\nMozart-Stiftung in Frankfurt am Main für das\nGeschäftsjahr 1864—1865\nMit dem 30. September 1865 ist das 27. Geschäfts-\njahr unserer Stiftung zum Abschlüsse gekommen. Der\nHinblick auf den Entwicklungsgang ist wohl geeignet, uns\nmit einem gerechten Gefühle der Befriedigung zu erfüllen.\nDas Capital-Vermögen betrug am Schlüsse des ver-\ngangenen Geschäftsjahres 45,511 Fl. 47 Kr. Das für\ndas vorige Verwallungsjahr noch rückständige statutmässig\nzu gebende Concert des Liederkranzes ist im Beginne des\nabgeschlossenen Verwaltungsjahres zur Ausführung ge-\nkommen, und es ist uns der Ertrag mit 400 Fl. behän-\ndigt worden. Dann haben wir der reichen Gabe zu ge-\ndenken, welche uns durch die warme Sympathie und eifrig\nrege Thätigkeit unseres geehrten Landsmannes, des Herrn\nFritz Müller in London, zugekommen ist, indem derselbe\nunter nahen Freunden, unter Verehrern der Kunst und\ndort heimischen Deutschen eine Collecte veranstaltete, de-\nren Ertrag 4'24 Fl. 18 Kr. war. Durch diese und manche\nandere Geschenke mit Zurechnung der Zinsen hat unsere\nStiftung einen Zuwachs von 2752 Fl. 39 Kr. erhalten,\nso dass das Gesammt-Capital nunmehr 48,260 Fl. 27\nKr. beträgt.\nIn Bezug auf unsere Stipendiaten haben wir mit\naufrichtiger Befriedigung von erfreulichen Thatsachen zu\nberichten. Wenn bei der vor zwei Jahren Statt gehabten\nBewerbung um ein Stipendium unserer Stiftung der Er-\nlolg ohne ein befriedigendes Resultat war, weil die Herren\nPreisrichter keinem der Bewerber eine bevorzugte Befä-\nhigung zuerkennen konnten, so war unsere letzte Aus-\nschreibung von einem günstigeren Erfolge begleitet. Vier-\nzehn Anmeldungen waren für zulässig erkannt worden.\nDas Preisrichter-Amt über die Concurrenz-Arbeiten war\nauf unser Ansuchen freundlichst übernommen worden von\nden Herren Musik-Direcloren Robert Franz in Halle,\nC. A. Mangold in Darmstadt und Karl Bei necke in\nLeipzig. In voller Uebereinstimmung erklärten diese Herren\ndie Arbeit Nr. 4 mit dem Motto:\nDoch höher stets zu immer höh'ren Höh'n\nSchwingt sich das schaffende Genie,\nals die beste, und es ward hiernach durch einhelligen Be-\nschluss des Verwaltungs-Ausschusses der Verfasser dieser\nArbeit, Leonhard W oI ff von Crefeld, als Stipendiat der\nStiftung erwählt und ihm der Bezug des Stipendiums mit\njährlich 400 Fl. zuerkannt.\nUnser neu erwählter Stipendiat ist unter Hiller's Lei-\ntung herangebildet und ist—wir müssen dies als das be-\nredteste Zeugniss für den trefflichen Meister hervorheben\nbereits der dritte Zögling unserer Stiftung, dem es un-\nter Hiller's Führung gelungen, den Sieg über seine Mit-\nbewerber davonzutragen und sich den Ehrenpreis des Sti-\npendiums zu erringen. Waren die guten Anlagen des erst\nsechszehnjährigen Zöglings unter dieser Leitung derart\nglücklich entwickelt worden, so konnten wir keinen höhe-\n\n*) Im Auszuge. Die R'edaction."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "366", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651118-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2558, "texte": "Ren Wunsch kennen, als den zum Stipendiaten unserer\nStiftung erwählten Jünger auch ferner vertrauensvoll die-\nser Führung zu überlassen. Herr Capellmeister Ililler ist\ndiesem an ihn ergangenen Ansuchen aufs bereitwilligste\nentgegengekommen und hat uns bei dem warmen Interesse\nund der regen Thätigkeit, die er bereits so vielfach und\nso erfolgreich für unsere Stiftung bekundet, aufs Neue zu\nlebhaftem Danke verpflichtet. Möge er den höchsten Lohn\ndafür in dem reich gesegneten Erfolge seiner Bemühun-\ngen ärnten, möge es ihm gelingen, auch den jetzt ihm an-\nvertrauten Zögling mit der rechten Liebe für die Kunst\nzu begeistern, dessen Eifer und Strebsamkeit zu beleben\nund das der Probearbeit beigefügte.Motto zur freudigen\nVerwirklichung zu bringen! Bei der offenbaren Bega-\nbung Wolff's als Violinspieler und bei der Stufe von Fer-\ntigkeit, die er sich bereits auf diesem Instrumente erwor-\nben, benutzte Wolff einige Monate des vergangenen Som-\nmers, um hier bei Vieuxtemps Unterricht zu nehmen.\nAn grösseren Compositionen hat Wolff nach seiner Heim-\nkehr nach Köln zur Zufriedenheit seines Meisters Hiller\nproducirt: eine Sonate für Ciavier und Violine, ein Cla-\nvier-Quartett und eine Ouvertüre für Orchester. Möge er\nmit dem ganzen Aufgebote seiner geistigen Kraft rüstig\nvoranstreben auf der rühmlich begonnenen Bahn zur\nFreude seines Meisters und zur Ehre unserer Stiftung!\nDer frühere Stipendiat und jetzige städtische Capell-\nmeister in Bonn, Joseph Brambach, hat Schiller's „Macht\ndes Gesanges\" für Männerchor und Orchester componirt\nund in dankbarer Pietät dem Liederkranze zugeeignet.\nMit Freuden sehen wir, wie der Liederkranz im Augen-\nblicke mit vollem Eifer und unermüdeter Thätigkeit be-\nschäftigt ist, diese Composition einzustudiren und sie zu\neiner würdigen Aufführung vorzubereiten, welche dem-\nnächst zum Besten der Stiftung Statt finden soll.\nDieselbe Composition wurde in diesem Nachsommer\nbei dem niederrheinischen Sängerfeste in Crefeld von den\nvereinigten Männerchören von Neuss, Crefeld, Köln, Aachen\nund Bonn nebst der „Frithjofs-Sage\", der neuesten gros-\nsen Composition unseres früheren Stipendiaten Max Bruch,\nvon den beiden Componisten persönlich geleitet, unter\ngrosser Anerkennung zur Aufführung gebracht, und wäh-\nrend Bruch in jüngster Zeit die Stelle als städtischer Ca-\npellmeister in Coblenz erhalten hat, ist unser erster Sti-\npendiat, Jean Bott, bisher Hof-Capellmeister in Meiningen,\nals Hof-Capellmeister nach Hannover berufen worden.\nDr. Bonfick, Präsident. Dr. Eckhard, Secretär.\nFrankfurt, 30. September 1865,"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-11-18-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-11-18_01#c005", "volume": "bmtnabi_1865-11-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "366", "page_fin": "367", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651118-01.2.5", "titre_corps": "Drittes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller.", "titre_sommaire": "Drittes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "366", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651118-01.1.6", "debut_caractere": 2560, "fin_caractere_exclue": 5743, "texte": "Drittes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn\nFerdinand Hiller.\nDinstag, den 14. November 1865.\nProgramm. I. 1. N. W. Gade, Ouvertüre: „Im Hochland\".\n2. Arie aus „Fidelio\" von Beethoven (Fräulein Therese Tiet-\njens aus London). 3. Servais, -Phantasie für Violoncell (Herr\nAlex. Schmit). 4. Arie aus der „Entführung aus dem Serail\" von\nMozart (Fräulein Th. Tietjens). 5. IV. Sinfonie in B-dur\nvon Beethoven.\n11. 6. F. Hill er, Concert-Ouverture Nr. 11. 7. F. Mendels-\nsohn-B artholdy, Finale zur Oper „Loreley\" (Leonore: Fräulein\nTh. Tietj ens).\nDas Coneert am 14. d. Mts. war ein recht schönes; das Publi-\ncum zeigte sich in jeder Hinsicht befriedigt und zollte Allem reich-\nlichen Beifall, der gleich von vorn herein der Ouvertüre von Gade\nzu Theil wurde und sich nach jeder folgenden Nummer steigerte.\nGade's Instrumentalmusik hat die gute Eigenschaft, dass sie zeigt,\ndass ihrem Schöpfer ein richtiges Gefühl seines Talentes innewohnt,\nwelches ihn vor Tendenzen bewahrt, welche über die eigentliche\nNatur der Musik hinausgehen. Er schliesst sich daher an Mozart\nund Mendelssohn an, verzichtet auf die Nachahmung Beethoven's\nund kommt dafür auch nicht in die Gefahr, bei titanischen Ver-\nsuchen den Hals zu brechen. Wir dürfen bei ihm keine dramatische\nMusik suchen, keine Kämpfe der Leidenschaft, nicht einmal scharf\nhervortretende Gegensätze zwischen Freude und Leid, Kraft und\nMilde, desshalb aber auch nichts Zerrissenes, nichts Grelles, nichts\nOhrverletzendes. Seine Hauptstärke liegt im Colorit, darin ist er so\nsehr Meister, dass er freilich oft die Zeichnung darüber vernach-\nlässigt und dann dadurch in eine Art von Monotonie verfällt, die\nzwar eigentümlich ist, aber doch Monotonie bleibt.\nDer Stern des Abends war Fräulein Therese Tietjens. Die\nangekündigte Arie aus Cherubini's „Medea\" hörten wir von ihr nur\nin der Probe, im Concerte trat, wahrscheinlich auf den Rath von\nMusikern, welche das Publicum kennen, die grosse Arie der Leo-\nnore aus j,Fideliou an deren Stelle, und diese ist freilich für ein\nerstes Auftreten weit dankbarer, als Cherubini's im Gluck'schen\nStile geschriebenes Andante, und für den rein classischen Gesang\nhat die jetzige Welt den Sinn fast ganz verloren; sie will nicht\nmehr entzückt und beglückt, beruhigt und beseligt, sondern gejDackt\nund geschüttelt und gerüttelt, nicht bloss hingerissen, sondern wo\nmöglich zerrissen werden. Nun sucht und erreicht aber die be-\nrühmte Sängerin ihre eigentliche Grösse gerade in dem classischen\nVortrage, das heisst in demjenigen, der sich durch Maasshalten, ohne\nwelches keine wahre Kunstleistung möglich ist, charakterisirt, in\neinem Vortrage, der den Realismus als den Mörder des künstleri-\nschen Ausdrucks hasst, weil er das Ideale des Gesanges zum Schrei\nder Natur herabwürdigt, in einem Vortrage, der die Seele im Tone\nsprechen lässt, aber auch bei der grössten Erregtheit des Innern\nniemals vergisst, dass die Kunst überall das Schöne verlangt. Die-\nsen classischen Typus trugen in ganz ausgezeichneter Weise die\nLeistungen von Fräulein Tietjens in den Arien der Leonore und\nder Constanze und in der Scene der Loreley, und da das londoner"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "367", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651118-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3354, "texte": "Opern- und Concert-Publicum ihr eben desshalb die Palme zuer-\nkennt, so müssen wir grosse Achtung für dasselbe haben. Freilich\nwird diese Vortragsweise der berühmten Künstlerin durch eine grosse,\nwunderbar klangvolle Stimme möglich gemacht, die bei der stärk-\nsten Anspannung und in den höchsten Tonregionen ihre ganze Ton-\nfülle behält man erinnere sich nur, wie sie am Schlüsse der Lo-\nreley über Chor und Orchester triumphirte, - eine musicalische\nSeltenheit, wie sie uns seit der Miider-Hauptmann noch nicht wie-\nder vorgekommen ist; denn auch bei den gefeiertsten Sängerinnen\nspäterer Zeit, bei einer Schröder-Devrient, Köster u. s. w., streiften\ndie hohen Töne in ähnlichen Stellen stets wenigstens an die Gränze\nzwischen Ton und Schrei. Dass bei solchen Mitteln, wie Fräu-\nlein Tietjens besitzt, sie sich nirgends zum Missbrauch dersel-\nben hinreissen lässt, das muss sie in der Meinung jedes wahren\nKunstfieundes auf die höchste Höhe stellen, denn das ist heutzutage\nfast unmöglich geworden, da die verwöhnte Menge leider durch un-\nsinnigen Beiiall dazu auffordert. In dieser Hinsicht steht Fräulein\nTietjens als eine keusche Priesterin der reinen Tonkunst da, und\nso hörten wir, um nur Ein Beispiel zu geben, mit grösster Befrie-\ndigung, dass sie in der Leonoren-Arie in Fidelio Alles so sang, wie\nBeethoven es geschrieben, und den Knall-Effect mit dem hohen h\nbei der Fermate auf „zur Stelle dringen\", welchen die Schröder\neingeführt, die Köster und Andere nachgemacht, verschmähte, in\nder stihr richtigen Ansicht, dass Beethoven weit davon entfernt war,\ndurch eine materielle Betonung die Bedeutung eines einzelnen Wor-\ntes handgreiflich zu machen.\nDoch wir behalten uns vor, den Gesang der grossen Künst-\nlerin, welche leider keine Bühne in Deutschland an sich zu fesseln\ngewusst hat, noch ausführlicher zu besprechen, wenn wir sie im\nMärz künftigen Jahres, für welche Zeit sie Herr Director Ernst zu\neiner Reihe von Gastrollen in Köln gewonnen hat, auf der eigent-\nlichen Estrade ihres Ruhmes, auf der Bühne, bewundern werden.\nHeri Alexander Schmit hatte zwischen zwei Arien einer\nSängerin, und noch dazu einer solchen, einen schweren Stand für die\nAusführung eines Instrumental-Solo's, allein er wusste trotzdem und,\nkönnen wir hinzusetzen, auch trotz der flachen Composition doch\ndem Vioioncell so liebliche Töne zu entlocken und eine eminente\nBravour zu zeigen, dass er rauschenden Beifall davon trug»\nDie Ausführung der vierten Sinfonie von Beethoven war\nbis auf eine vereinzelte Nachlässigkeit vortrefflich und machte durch\njeden Satz einen sichtbaren und auch durch lebhaften Applaus be-\nkundeten Eindruck,\nDer zweite Theil des Concertes begann mit einer Composition\nF. Hiller s aus den letzten Jahren, seiner zweiten Concert-\nOuverture, die, ohne Programm und ohne Ueberschrift, als ge-\nnialer Ausfluss einer rein musicalischen Schöpfungskraft, die ihre\nEingebungen nicht von Aussendingen her sich anzuquälen braucht,\neben so und noch mehr wie vor vier Jahren das Publicum in En-\nthusiasmus versetzte und dem Componisten stürmischen Beifall und\nwiederholten Hervorruf einbrachte.\nDen Schluss des Abends, der eine leuchtende Stelle in den An-\nnalen unserer Gürzenich-Concerte einnimmt, bildete die schwungvolle\nAuffühiung von Mendelssohn's Loreley-Finale mit Fräulein\nTietjens, wobei es natürlich nicht an Applaus und Ovationen fehlte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-11-18-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-11-18_01#c006", "volume": "bmtnabi_1865-11-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "367", "page_fin": "368", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651118-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "367", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651118-01.1.7", "debut_caractere": 3356, "fin_caractere_exclue": 7010, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolli. Am Donnerstag den 16. d. Mts. hielten die pariser\nQuartettgenossen Maurin, Sabatier, Mas und Chevillard\neine zahlreich besuchte Sitzung im Saale des Hotel Disch. Sie\nspielten zwei Quartette von Beethoven (Op. 59 Nr. 1 in F und\nOp. 13(1 in B-dur),zwischen denen Herr Capellmeister Hill er eine\nseiner neuesten Clavier-Compositionen: „Gavotte Sarabande\nCour ante\", mit eminenter Meisterschaft vortrug und sowohl\nfür sein Spiel, als für die geistvolle Schöpfung dieser drei Stücke\nstüimischen Applaus und wiederholten Hervorruf ärntete. Nament-\nlich sind die Gavotte und die Courante von frappanter und hinreis-\nsender Wirkung, erfordern aber einen sehr tüchtigen Spieler.\nDas Spiel der pariser Künstler zeigte sich in seiner grössten Voll-\nkommenheit in dem Vortrage des ungeberdigen -B-dur-Quartettes,\naus dessen sechs Sätzen es denn doch rein unmöglich ist, eine Ein-\nheit des Stils zusammen zu finden, sie müsste denn in der Wunder-\nlichkeit bestehen, welche alle Sätze, mit Ausnahme der Cavatine\n(Nr. 5), in reichem Maasse zur Schau tragen. Alle Ehre den Künst-\nlein, die mit solcher Virtuosität ein musicalisches Ungethüm bändi-\ngen, das sich unter ihren Armen und Fingern in den sonderbarsten\nVerschlingungen und Verdrehungen wehrt; aber einen wohltuen-\nden, befriedigenden Eindruck kann es auch durch die vollendetste\nAusführung nicht machen, da diese immer nur wie die Vorführung\neiner gezähmten Seltenheit der Schöpfung erscheinen wird. Das\nQuartett Op. 59 aus F-dur machte dagegen den Eindruck, den die\nherrliche Composition und eine so treffliche Wiedergabe derselben\nnicht anders erwarten liess. Auffassung und Vortrag standen auf\nder Höhe des Werkes, namentlich im ersten Satze, im Allegretto\nund im Finale; wir gestehen, dass uns das Adagio, wohl ohne Zwei-\nfel der schönste Satz des Werkes, weniger befriedigte; wir sind ge-\nwiss keine freunde eines dilettantischen Schleppens der langsamen\nScitzo, allein das lcmpo bei diesem Adcigio war offenbar etwas zu\nbewegt, was besonders einigen Figuren, die dadurch einen falschen\nCharakter bekamen, nachtheilig war.\nISerliit. Fräulein Pöllnitz, die Ende October in Gluck's\ntaurischer „Iphigenie\" debutirte, soll auf Befehl der Königin für die\nOper mit 3000 Thlrn. Gage engagirt sein.\nDie leipziger Allg. Musicalische Zeitung schreibt über eine Auf-\nführung des „Lobgesanges\" von Mendelssohn: „So viel müssen wir\naber gestehen, dass der Ausführung, namentlich der instrumentalen\nPartie, vielfach jene Würde, Weihe und Erhabenheit fehlte, die wir\nbei einem religiösen Werke, trage es welchen Namen immer, for-\ndern müssen; ja, es schien, als ob jene Seite die ge-\nrade seine Schwäche heissen muss, die prickelnde Unruhe, durch\ndie Aufführung, anstatt gemildert und möglichst verdeckt, recht in\ngrelles Licht gestellt worden wäre. Noch nie haben wir eine Men-\ndelssohirsche Musik so abjagen gehört, wie dies besonders bei dem\nersten Instrumentalsatze der Fall gewesen ist, und die gleiche An-\nsicht ist uns aus dem Munde der tüchtigsten Kenner entgegenge-\nkommen.\" Die Schuld daran trifft den dirigirenden Capellmeister\nnur in so fern, als er der usurpirenden Gewalt der ersten Violine\nnicht mit jener Festigkeit entgegentrat, die dem verantwortlichen\nOberhaupte des Orchesters zu eigen sein muss.\nHamburg« Herr Otten hat Mendelssohn's „Elias\" einstu-\ndirt und Beethoven's grosse Messe. Der Chor zählte an 200 Sin-\ngende, das Orchester beiläufig 100 Mitglieder; dazu die Riesenorgel\nder Michaeliskirche. Die Solosänger waren: Frau Miclial als So-\npran, Frau Joachim als Alt, Herr Karl Schneider als Tenor,\ndie Herren Stockhausen und Schultze als Bässe; dazu Joa-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "368", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651118-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3434, "texte": "chim als Solist im Benedictus der Messe. Wahrlich, ein trefflich\nContingent! Der Dinstag in der letzten Woche des October brachte\nden der Freitag darauf die Messe. Die Soli waren mithin\nausgezeichnet, nur dass die Stimme der Frau Michal für die grosse\nArie nicht ausreichte. Der Chor dagegen entbehrte des schönen\nVollklanges, namentlich der Bässe und Tenöre, nicht minder auch\nder Energie im Einsätze. Im Allgemeinen jedoch war die Auffüh-\nrung aller Ehren werth. Die Ausführung von Beethoven's Messe\nin D stand übrigens dagegen sehr zurück.\nlVieift. Die Concert-Programme für die beginnende Saison\nhaben unsere Erwartung, dass die verschiedenen Concert-Unterneh-\nmungen heuer ganz besonders Interessantes zu bieten trachten wer-\nden, nicht getäuscht. Auch scheinen sie endlich zur Ueberzeugung\ngelangt zu sein, dass es mit dem Alten allein, und sei es noch so\nschön und noch so classisch, doch nicht mehr gehen kann. Die\nLauheit und Flauheit des Publicums in der vorigen Saison mag wohl\nhierin den entscheidenden Ausschlag gegeben haben. Wir finden\nheuer das Neue in weit ausgedehnterem Maasse als sonst vertreten.\nDie Gesellschaft der Musikfreunde bringt zwei grosse neue, moderne\nWerke, eine Suite von Lachner und Liszt's „Heilige Elisabeth\" ),\ndann zwei grosse, ebenfalls für Wien neue ältere Werke, die Sym-\nphonieen von Cherubini und von Schubert; rechnet man noch\nhinzu, dass die vollständige Musik zu „König Stephan\" von Beet-\nhoven beinahe als Novität gelten kann, und dass die Aufführung\nder „grossen Neunten\" mit dem trefflichen Chor der Gesellschaft\nein ganz besonderes Interesse bietet, so sieht man, besonders da,\nwie wir vernehmen, heuer auch die Harmonie (bisher die schwächere\nSeite der Gesellschafts-Orchester) vorzüglich besetzt werden soll,\ndass Alles aufgeboten wurde, um die Gesellschafts-Concerte so in-\nteressant als möglich zu gestalten. Auch die Philharmoniker treten\naus ihrem Ultra-Conservatismus heraus und bringen fünf neue mo-\nderne Werke, wovon drei grössere (eine Suite von Grimm und Sym-\nphonieen von Abert und Reinecke) und zwei kleinere (Ouvertüren\nvon Goldmark und Hiller), und zwei neue ältere Werke, die Hän-\ndel'sche „Wassermusik\" und Joachim's Bearbeitung für Orchester\ndes Schubert'schen Duo Op. 140. (Ree.)\nAm Allerheiligentage um 11 Uhr kam in der italiänischen Na-\ntionalkirche eine Messe von Hummel in B, Graduale und OfFerto-\nrium von F. Schubert zur Aufführung, wobei die Soli von Fräu-\nlein Murska vorgetragen wurden.\nPrag. Das erste Concert der Saison lieferte uns am 31. Oc-\ntober der Ciavierrecke Herr C. Taus ig. Von der erfreulichen Tech-\nnik, Kraft und Ausdauer desselben ist schon zu oft Act genommen\nworden, als dass hierüber noch etwas zu sagen wäre. Aber das kann\nich nicht umhin, zu bemerken, dass mir über allen seinen Leistun-\ngen eine gewisse, der norddeutschen Schule angehörige [?] Kälte\nder Empfindung zu liegen schien, die kein rechtes Behagen an den-\nselben aufkommen liess. Herr Tausig spielte in etwas über einer\nStunde eine Händel'sche Suite, eine Nocturne von Field, eine Valse-\nCaprice von Schubert, den Schumann'schen Carneval, Rubinstein's\nConcertstück „Le balu und eine exorbitante Liszt'sche Rhapsodie\nAlles auswendig.\nEnde October starb in London Frau Caradori-Alian, ge-\nboren in Mailand 1800, bekannt als vorzügliche Oratoriensängerin.\nBei Beginn ihrer Laufbahn gehörte sie der Oper an und sang in\nWien.\n*) Vergl. jedoch die Notiz in der vorigen Nummer."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "361", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651118-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie italiänische Oper alter und neuer Zeit (Schluss). Die Compositionen von Goethe's „Erlkönig\". Von L. B. 27.\nJahresbericht des Verwaltungs-Ausschusses der Mozart-Stiftung in Frankfurt am Main für das Geschäftsjahr 1864—1865. Drittes Ge-\nsellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und U n ter haltungs b la 11 (Köln, Sitzung des pariser Quartett-Vereins Berlin,\nFräulein Pöllnitz Leipzig, Mendelssohn's „Lobgesang\" Hamburg, Musik-Aufführungen Wien, Concert-Programme u. s. w.).\n\nDie italiänische Oper alter und neuer Zeit.\n(Scbluss. S. Nr. 45.)\n„Ware die Voraussetzung, die wir eben (am Schlüsse\ndes Artikels in der vorigen Nummer) ausgesprochen ha-\nben, richtig, dass nämlich Rossini, wenn er gleich beim\nAntritte seiner Laufbahn neben seinem Genie das Be-\nwusstsein seiner eigentlichen künstlerischen Mission gehabt\nhätte, die Tradition von Gluck und Mozart fortgesetzt ha-\nben würde, so wären wir in der Wahrheit des musicali-\nschen Ausdrucks geblieben, und vielleicht wäre dann\nVerdi nicht dem Realismus verfallen, dem er jetzt hul-\ndigt, denn zum Realismus treibt man nur ein blasirtes\nPublicum, das von allen Raffinements für den feineren\nSinnengenuss übersättigt ist.\n„Denn ist Verdi, mit seinem unbestreitbaren dramati-\nschen Talente, seinem Feuer und seiner Energie, seiner\nlebendigen und schnell entschlossenen Weise, einer Situa-\ntion sogleich scharf zu Leibe zu gehen, ohne sein Ziel aus\ndem Auge zu verlieren, ist Verdi, dem Leidenschaft und\nTiefe des Gefühls nicht abzusprechen sind, denn so schul-\ndig, wie man ihn macht? Er stand auf dem Abhänge,\nwieder hinauf konnte er nicht, wenn er auch gewollt\nhätte. Durch den ewig wiederholten klingenden Unsinn,\nden Missbrauch der Coloratur, die obligat gewordenen\nSolfeggir-Uebungen, durch die Rhythmen und Formen,\ndie durch Steifheit und metronomische Regelmässigkeit\nunausstehlich wurden, durch rohe und confuse Instrumen-\ntirung, durch das alles kam er, wie durch ein Verhäng-\nniss fortgerissen, zum Schrei wilder Leidenschaft, zum un-\nsangbaren Gesänge, zur unmelodischen Phrase, die von\nschroffem, alle Milde verachtendem Rhythmus zermalmt\nwird, zum Klange, der seine Wirkung von den äussersten\nGränzen einer rein physischen Kraft herholt, zur wilden\nund wüsten, unmusicalischen Instrumentirung. Alles das\nist bei Verdi, freilich nicht in gleich hohem Grade in je-\ndem Werke, nicht auf jeder Seite, nicht in jedem Stücke:\nallein es ist der hervorspringende Charakter seiner Com-\npositionsweise überhaupt.\n„Ein ausgezeichneter italiänischer Musikgelehrter und\nKritiker, Abraham Bavesi, trägt kein Bedenken, die jetzige\nEpoche „il regno Verdiano\"zu nennen*). Trotzdem,\ndass es mir nicht einfällt, zwischen Verdi, der niemals\nmehr als der Musiker einer Uebergangs-Periode sein wird,\nund Rossini, der bereits zu den unsterblichen Künstlern\ngehört, einen Vergleich anzustellen, spreche ich nur von\neiner Thatsache, und diese besteht darin, dass wir nicht\nmehr unter dem Einflüsse Rossini'scher Ideen stehen, son-\ndern uns vollständig im regno befinden. [ln Ita-\nlien und Frankreich, das mag sein: in Deutschland glück-\nlicher Weise noch nicht; jedoch lässt sich eine beziehungs-\nweise Aehnlichkeit in Betracht des Wagner-Reiches bei\nuns nicht läugnen, ohne dass wir damit gesagt haben\nwollen, dass Wagner und Verdi anders denn als Reactio-\nnäre gegen die reine Sinnlichkeit der Opernmusik mit\neinander zu vergleichen wären.]\n„Aber hat nicht Rossini mehr als jeder Andere zu die-\nser Herrschaft Verdi's beigetragen? Er hat ihm den Weg\ndazu gebahnt, er hat ihm geholfen, ihn selbst vom Throne\nzu stossen. Rossini hat den Zweifel an dem Inhalt der\nMusik hauptsächlich geschaffen und die Ansicht befördert,\ndass dieselben Noten die verschiedensten Dinge ausdrücken\nkönnten, ja, dass die Musik eigentlich gar keines Aus-\ndruckes fähig sei. Kann man sich wundern, wenn die\nMenge, nachdem der sinnliche Reiz erschöpft worden,\nnach Nerven-Affection verlangte? Da kam Verdi, segelte\nmit dem der Zeit und führte uns mitten in den\ncrassesten Realismus hinein. Uebrigens wird sein Reich\n\n*) Studio stille Opere di Giuseppe Verdi. Firenze, 1859\nein Band von 324 Seiten."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "362", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651118-01.1.2", "texte": "nicht von Dauer sein; wer nur für die Menge schreibt,\nden lässt sie auch über kurz oder lang im Stiche.\n„Ich komme jedoch auf meinen Ausgangspunkt zurück:\neine italiänische Opera seriaexistirt nicht und hat nie\nexistirt, und wenn sie je existirt hat, so war es nur durch\ndie Sänger der Fall, indem diese einerseits als Schauspie-\nler ihren Rollen einen gewissen Ernst und Adel verliehen,\nden die Musik nicht hatte, andererseits sie nur als Vor-\nwand und Thema zu Virtuosenstücken benutzten.\n„Ich gehe noch weiter: ich behaupte, dass auch die\nKirchenmusik in Italien nicht existirt hat. Geht man über\nPalestrina und die römische Schule hinaus, welche aller-\ndings eine Gattung für sich, eine hieratische, priesterliche\nMusik ist, so ist das Uebrige mit wenigen Ausnahmen sehr\nweltlich. Ich habe in Italien zum Beispiel ein von\nJomelli für zwei Frauenstimmen gehört, welches ein wah-\nres Opern-Duett war, ein Dixitvon Pergolese, welches die\nAnsicht des Pater Martini, dass der Stil in der Serva pa-\ndrona und im Stabat mater ein und derselbe sei, voll-\nkommen rechtfertigt, denn das Sextett des Dixit könnte\neben so gut im Stabat mater und in der Serva padrona\nstehen. Die italiänische Kirchenmusik und die\nbeides sind falsche Gattungen: sie konnten eine Zeit lang\nfür etwas Anderes, als sie sind, gelten, aber die Unsterb-\nlichkeit wahrer Kunstwerke ist ihnen nicht bestimmt.\n„Das Bulfo-Genre ist das einzige wahre italiänische\nGenre. Darin übertreffen die Italiäner alle Nationen, darin\nsind sie unnachahmlich, und weil es der wahre und auf-\nrichtige Ausdruck der italiänischen Natur ist, so muss man\nes lieben und hochachten. Die Natur ist die Mutter aller\nErzeugnisse eines Volkes, sie beeinflusst in jedem Lande\ndie Production, und um in dieser etwas zu leisten, muss\nman die Natur so wiedergeben, wie sie uns begeistert.\nNur dadurch kommt Wahrheit in die Kunst. Daher die\nechte komische Ader, das feine Gefühl, das Lebendige\nund Rührige und zugleich die elegante Form und die be-\nscheidene und durchsichtige Instrumentirung in der älteren\nkomischen Oper der Italiäner und auch in der neueren\nbis auf Donizetti's Don Pasquale, der nur die Einfachheit\ndes früheren Orchesters nicht mehr hat.\n„Allein es ist zu befürchten, dass auch diese Ader nicht\nmehr schlägt, dass das komische Genie der Italiäner auch\nschon alles gegeben hat, was es besass, und dass Doni-\nzetti und vielleicht die beiden Ricci die letzten\nbuffi gewesen sind. Dieser Stil war dem schwärmerischen\nGemüthe Bellini's nicht gegeben, auch besass er als Mu-\nsiker zu wenig Hülfsquellen und Gewandtheit dazu; Verdi\nhat aus Antipathie oder Geringschätzung ihn gar nicht\nbeachtet. Trotzdem sind beider Autoren Werke, wenn\nauch mehr als andere ähnliche frei vom Gemisch mit\nBuffo-Stil, weit davon entfernt, die Forderungen an eine\nOpera seria zu erfüllen; der Eine schreibt zu elegisch,\nder Andere melodramatisch, und als rein italiänisches Blut\nfüllen sie Beide ihre Partituren mit klangreichem Unsinne\nund hochstrebenden declamatorischen Phrasen.\n„Uebrigens scheint die Zeit vorbei zu sein, wo der\nBuffo-Stil noch auf die Menschen wirken konnte. Die Ge-\nschichte der Menschheit und der Kunst zeigt eine Folge\nvon verschiedenen Typen, die eine Zeit lang Bestand haben\nund dann wieder verschwinden; die Menschheit selbst\nbleibt dieselbe, aber die Sitten und Gewohnheiten ändern\nsich. Die komische Oper verdankt ihren Ursprung und\nentspricht Sitten und Gewohnheiten einer Erziehung und\nLebensweise in Zwanglosigkeit und Gutmüthigkeit, die\nnicht mehr existiren. Sie schildert nicht mehr unsere jetzige\nLebensweise und unsere geselligen Verhältnisse. Die Leute,\nwelche das Operntheater besuchen, sind nicht mehr zum\nLachen aufgelegt; reich zu werden, ist ihr einziges Ziel.\nDie Millionen machen besorgt und schwerfällig, aber dess-\nhalb doch nicht ernst, wohl aber blasirt. Die Millionen\nhaben die Reinheit des Herzens getrübt und vernichtet,\nund ohne diese gibt es keine Lust am Heiteren und Ko-\nmischen. Die wenigen Leute, die noch vergnügt und hei-\nter sind, haben kein Geld, um nach der komischen Oper\nzu gehen. Allerdings ist der Satz richtig: wenn die Zeit\netwas ausstreicht, so geschieht es, um Anderes darüber\nzu schreiben. Allein die Epoche, in der man wohl sieht,\nwie das Eine verschwindet, aber noch nichts von dem\nwahrnimmt, was kommen wird, bleibt immer eine traurige.\n„Um noch ein Wort über das Nationale in der Mu-\nsik zu sagen, so betrachte ich z. B. Carl Maria von\nWeber als die höchste Personification des deutschen\nGeistes. Ich bewundere ihn nicht nur, ich liebe ihn leiden-\nschaftlich. Ich beuge mich in tiefer Verehrung vor dieser\nedeln, tiefen, von allem Falschen entfernten Natur, vor\ndieser schwärmerischen, poetischen, keuschen Muse, die\nso gern im Felsenthale, am Ufer des Sees, im Monden-\nscheine, im Zauberwalde verweilt.\n„Im Freischütz und Oberon hat Weber eine Gattung\nvon Schönheit glücklich getroffen, deren Vorbild man ver-\ngebens bei seinen Vorgängern sucht. In dieser ist er schö-\npferisches Genie, ist er der erste, vollständige, strahlende\nAusdruck der eigentlichen Romantik in der Musik. Man\nwird sagen: Ist Beethoven in seinen Sinfonieen und be-\nsonders in seinen letzten Sonaten und Quartetten nicht\nromantisch? ist es Mozart nicht schon im Don Juan, in\nder Zauberflöte? ist es Rossini nicht im dritten Acte des\nOthello und an vielen Stellen des Wilhelm Teil? Einver-\nstanden: aber der Unterschied ist der, dass, wenn die ge-\nnannten Meister in die Romantik übergehen, sie dabei"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "363", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651118-01.1.3", "texte": "doch nicht aufhören, classisch zu bleiben, während We-\nber auch da, wo er classisch sein will und es auch oft ist,\nnicht aufhört, romantisch zu sein. Bei Weber stossen wir\nauf etwas Ungewöhnliches, Seltsames, Phänomenartiges,\nwas er allein hat, wesshalb Cherubini denn auch nicht\nbegriff, wie man für Weber sich begeistern könne. Uebri-\ngens hängt mit der Eigerithümlichkeit Weber's zusammen,\ndass er das eigentlich Vage und Unbestimmte der deut-\nschen Romantik im Unbeschränkten nicht kennt, sondern\ndass die seinige mehr innerhalb gewisser Gränzen bleibt,\nman möchte sagen, mehr local ist. So ist auch bei ihm,\ntrotz des schönen Colorits, das glänzende Aufleuchten des\neigentlichen Lichtstrahls seltener. Sein Charakter ist we-\nniger Universalität, als originelle Persönlichkeit. Er schöpft\nüberall nur aus sich selbst, bewegt sich nur in den ihm\neigentümlichen Kreisen und wird daher etwas monoton,\nobwohl dieses Wort zu stark ist für den fühlbaren Man-\ngel an Abwechslung. Recht deutlich tritt dies in seiner\nInstrumentalmusik hervor; so vortrefflich seine Ciavier-\nsachen sind, so befindet man sich doch dabei fast überall\nim Freischütz: man hört sie mit Lust an, allein wenn das\nStück aus ist, so wünscht man doch einmal wieder eine\nandere Luft zu athmen.\"\nAm Schlüsse des Aufsatzes stellt dann d'Ortigue, noch\neinmal auf Rossini zurückkommend, dessen Wilhelm Teil\nals ein Werk dar, welches alle charakteristischen Schön-\nheiten der verschiedenen nationalen Schulen in sich ver-\neinigt und dennoch den Stempel der Originalität und des\nGenie's zeigt er nimmt also für Rossini in diesem\nWerke die Universalität Mozart's in Anspruch.\n\nDie Compositionen von Goethe’s „Erlkönig“.\n\nIn einer der letzten Sitzungen der hiesigen musicali-\nschen Gesellschaft hatte Herr Kammersänger Koch die\nGefälligkeit, drei Compositionen dieser Ballade, von B.\nKlein, K. Löwe und F. Schubert, nach einander vor-\nzutragen, unter grossem Beifalle der Mitglieder der Ge-\nsellschaft, welche sich zahlreich eingefunden hatten. Ein\nMusikfreund findet sich dadurch veranlasst, einige Notizen\nüber die verschiedenen, ihm bekannt gewordenen Compo-\nsitionen dieses Gedichtes, welche er gesammelt hat, in die-\nsem Blatte mitzutheilen.\nDer „Erlkönig\" ist in Musik gesetzt von:\nBerger, Louis, mit Begleitung von Pianoforte oder\nGuitarre.\nBlum, Karl, mit Pianoforte.\nGrönland, P., eben so.\nKlein, Bernhard, eben so.\nLöwe, Karl, eben so.\nOtto, Franz, Op. 14, eben so.\nPetschke, H. T., Op. 3, eben so (27 S. Quer-Fol.).\nPichler, Bödog, Op. 9, eben so.\nReichardt, G. F., eben so oder Guitarre.\nReissiger, C. G., eben so.\nRomberg, Andreas, eben so.\nSchneider, Julius, eben so.\nSchlözer, K. v., Op. 7, eben so.\nSchubert, Franz, Op. 1 (die neueren Ausgaben\nzugleich mit französischer und italiänischer Uebersetzung\ndes Textes).\nSpohr, Louis, Op. 154 (für Bariton, Pianoforte\nund Violine).\nTomaschek, W. G., Op. 59 (zugleich mit „Der\nKönig in Thüle\" und „Der Fischer\" —Goethe gewidmet).\nZöllner, C. IL, Op. 55.\nZu rn Steeg, J. 11.\nBach mann, G., Op. 43.\ni\\l i e t zk e ?\nNoch, R.\nDie drei letztgenannten Compositionen finden sich zwar\nin den musicalischen Katalogen verzeichnet; es ist aber\nbisheran nicht gelungen, Exemplare davon aufzutreiben.\nWahrscheinlich existiren noch manche andere, hier\nnicht aufgeführte Compositionen, namentlich ungedruckte*),\nwie denn ein geschätzter hiesiger Musiker einmal die Aeus-\nserung machte: „Welcher Componist hat sich nicht ein-\nmal am Erlkönig versucht!\"\nEin Urtheil über die verschiedenen Compositionen\nwürde zu weit führen, auch hat es bei den heutzutage\nsehr aus einander gehenden Ansichten über Lieder-Com-\nposition seine Schwierigkeiten. Es finden sich darunter\nsehr schwache, namentlich aus älterer Zeit; als die besten\ndürften wohl die von Klein, Löwe und Schubert angese-\nhen werden, welche Herr Koch mit richtigem Tacte zu\nseinem Vortrage ausgesucht hatte.\nFast alle Componisten haben die Gelegenheit, in der\nBegleitung eine gewisse Tonmalerei anzubringen, sich nicht\nentgehen lassen; nur Reichardt, Romberg und Grönland\nhaben das Gedicht nicht durchcomponirt, sondern es stro-\nphenweise mit Wiederholung der Melodie behandelt. In\nden meisten Compositionen findet sich \"js, 3j4, 6/s oder\neine ähnliche dreitheilige Tactart; selbst die beiden Com-\nponisten Reissiger und Schlözer, welche in 2j4 und 4/4\n\n*) Die verehrlichen Verlagshandlungen und Musikfreunde, welche\nnoch andere als die hier genannten Compositionen besitzen, wie\nauch Exemplare der drei zuletzt aufgeführten, werden gebeten, der\nMusikhandlung B. Breuer in Köln davon Nachricht zu geben,\ndamit die angelegte Sammlung vervollständigt werden könne.\n[*-,"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "364", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651118-01.1.4", "texte": "geschrieben, gebrauchen in der Begleitung häufig Triolen\nund Sextolen. Offenbar haben sie diese Tactart gewählt,\nweil vom Reiten die Rede ist. Auch in Anderem haben\nalle Compositionen der Ballade manches Uebereinstim-\nmende; z. B. bei den Worten: „sonst brauch' ich Gewalt\",\nfindet sich forte oder fortissimoals Bezeichnung, und bei\nden Schlussworten: „Das Kind war todt\", finden sich Be-\nzeichnungen, wie: calando, Adag und ähnliche.\nDie Composition von Grönland steht in einem Hefte\nmit dem Titel: „Lieder, Balladen und Romanzen von\nGoethe mit Begleitung des Pianoforte. Musik von P. Grön-\nland.\" Leipzig, bei Breitkopf und Härtel. 57 S. Quer-Fol.\nNoten und Text in Typendruck. Das Heft enthält 50 Ge-\ndichte und ist in mancher Hinsicht interessant. Dieser\nPetersen Grönland war aus Schleswig und studirte 1780\nbis 1782 in Kiel, wo er mit Cramer und Kunze bekannt\nwurde. Er war ein ausgezeichneter Dilettant und ein fleis-\nsiger Mitarbeiter an Cramer's Magazin für Musik, der be-\ndeutendsten musicalischen Zeitschrift jener Zeit. Er starb\n1834 als Director der königlichen Porcellanfabrik in Ko-\npenhagen. Die Compositionen der Goethe'schen Lieder\ntragen allerdings den Stempel der Zeit, namentlich in der\nEinfachheit der Form und der Begleitung, allein die Auf-\nfassung ist fast immer richtig und die harmonischen Wen-\ndungen hier und da überraschend. So ist z. B. „Das Hai-\ndenröslein\" allerliebst und wohl eben so nett, als die jetzt\ngangbare Melodie; ferner ist der Charakter gut getroffen\nin: „Wer kauft Liebesgötter?\" (für Sopran und Tenor)\n„Herz, mein Herz, was soll das geben!\" Mignon:\n„Ueber Thal und Fluss getragen\" —u.s. w. Auch die\nStrophen-Melodie von „Erlkönig\" ist nicht schlecht. Merk-\nwürdig ist dabei noch, dass Grönland zur Bezeichnung\ndes Tempo's und des Vortrages durchaus nur deutsche\nBezeichnungen gebraucht: „Etwas langsam\", „Wohlge-\nmuth\", „Munter\", „Rührend\", „Anziehend\", „Schalk-\nhaft\", „Eindringlich\", „Mit Schwung\", „Liebreich\",\n„Zufällig\" (?) u. s. w. Also Alles schon da gewesen! ab-\ngeschafft, wieder hervorgeholt als Errungenschaft der Neu-\nzeit und wiederum abgeschafft!\nl'ranz Schubert's „Erlkönig\" ist von dessen ge-\ndruckten Werken allerdings Op. 1, aber er hatte ihn\nschon als achtzehnjähriger Jüngling im Jahre 1815 (oder\nwenigstens im Beginn von 1816) geschrieben, in demsel-\nben Jahre, in welchem über hundert Lieder, ein halbes\nDutzend Opern und Singspiele, Sinfonieen, Kirchen- und\nKammermusik dem unbegreiflich reichen Born seines Ge-\nnies entquollen, während er mehrere Stunden des Tages\nschulmeisterte und auch noch bei Salieri studirte! Und\ntrotzdem blieb er in Wien unbekannt! Erst nach sechs\nJahren wurde eben dieser „Erlkönig\" der Hebel seines\nRufes. Denn als der grosse Tenorsänger Joh. Mich. Vogl\n(seit 1795 an der Hofoper zu Wien) diese Composition\nkennen lernte, sang er sie im Jahre 1821 in einer Öffent-\nlichen Akademie. Nun erschien sie bei Cappi und Diabelli\nin demselben Jahre als Opus 1 im Stiche, vom Compo-\nnisten dem Grafen Moriz von Dietrichstein gewidmet.\nDas Autograph dieser Ausgabe besass Capellmeister Rand-\nhartinger in Wien, der es an Frau Clara Schumann ab-\ngetreten hat.\nWichtig ist, dass die gedruckte Ausgabe eine zweite\nBearbeitung ist. Die erste ursprüngliche ist in Schubert's\nHandschrift auf der königlichen Bibliothek zu Berlin vor-\nhanden, wohin sie durch den Ankauf der berühmten Mu-\nsicaliensammlung des Herrn Landsberg, der vor einigen\nJahren in Rom gestorben, gekommen ist. Die Abweichun-\ngen der ersten Bearbeitung von der zweiten bezeichnet\nder Biograph Schubert's, Herr Dr. Kreissie von Hellborn,\nauf S. 591 seines Buches dahin, dass die Triolen-Be-\ngleitung in derselben nicht vorhanden ist, sondern durch-\naus in geraden Achteln durchgeführt, der Schluss um\neinen Tact kürzer ist und an mehreren Stellen ganze Tacte\neingeschoben sind.\nGleich nach Erscheinen der Ballade fiel Alles darüber\nher, es gab Bearbeitungen für Orchester in Cantatenform,\nTransscriptionen u. s. w., sogar einen „Erlkönig-Walzer\"\nvon Anselm Hüttenbrenner, denn so ein Ehrenmann ver-\ndient, genannt zu werden, und wird am Ende mit Schubert\nauf diese Weise unsterblich! In F. A. Kanne's Musik-\nZeitung erschien darüber folgendes Distichon:\nSage mir, strömt das Gefühl der jetzigen Welt nur dem\nBein zu?\nSeit sicli die Menschen geschnürt, sanken die Herzen hinab.\nAber auch über die Composition selbst war die Kritik\nnicht ganz einig, während die Ballade bei dem Publicum\nvon jeglicher Art und Zusammensetzung Begeisterung er-\nregte. Man kann, unserer Ansicht nach, die herrliche\nComposition in vollem Maasse bewundern, ohne sich da-\nbei zu verhehlen, dass sie nur durch die geniale Ausfüh-\nrung der besonderen Auffassung des Gedichtes durch den\nComponisten gerechtfertigt wird. Schubert führt uns von\nvorn herein sogleich eine schauerliche Gespensternacht\nvor und hält auf seinem Gemälde diesen Hintergrund von\nAnfang bis Ende allerdings meisterhaft fest. Auf seinem\nGemälde sagen wir, denn das ist das rechte Wort für\nseine Auffassung; er gibt uns ein Bild des Ganzen auf\neinmal, nicht eine Ballade, deren Handlung sich nach und\nnach entwickelt und steigert. Nun ist aber bei Goethe of-\nfenbar das Letztere der Fall: er beginnt die Erzählung\nganz einfach und legt weder in das „reitet\", noch in die\nWorte „Vater'' und „Kind\" eine besondere Bedeutung."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "365", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651118-01.1.5", "texte": "So wurde es ihm möglich, nach und nach die Handlung\nbis zur Katastrophe zu steigern und dadurch einen weit\nstärkeren Eindruck auf den Hörer zu machen, als wenn\ndieser, wie bei Schubert, gleich Anfangs eine unheil-\nschwangere Luft athmet und Schlimmes ahnt. Um diese\nSteigerung hat sich Schubert offenbar durch seine Auffas-\nsung gebracht; er fragt schon scharf betonend und ant-\nwortet vollends: „es ist der Vater mit seinem Kind\", mit\nso gehobener Stimme, als wenn es etwas ganz Ausser-\nordentliches wäre, dass ein Vater mit seinem Kinde im\nDunkeln nach Hause reitet. Wir haben auch noch keinen\nSänger gehört, dem es gelungen wäre, diese Worte ein-\nfach erzählend wieder zu geben: die hohen Noten und\nf machen es unmöglich. In den Vorwurf gegen die Malerei\ndes Reitens, den man Schubert auch gemacht hat, können\nwir nicht einstimmen, denn wir glauben kaum, dass er\ndaran gedacht hat; die Triolen erschienen ihm gewiss nur\nals ein malerisches Ausdrucksmittel für die düstere,\nschauervolle Farbe, die er dem Ganzen geben wollte.\nSollte es das Reiten in der That veranschaulichen, so wäre\ndas ein Missgriff, da das Pferd keine Rolle in dem Ge-\ndichte spielt, um musicalisch also bevorzugt zu werden.—\nEin zweiter Tadel, der, wie wir bei Kreissie lesen, schon\nbeim Erscheinen der Ballade in der Allg. Leipz. Musik-\nZeitung ausgesprochen wurde, dass nämlich Erlkönigs\nReden „unwahr seien, da an diesen schmeichelnden Me-\nlodieen vielleicht eine weibliche Tugend, nimmermehr aber\nein Kind vor Grausen sterben werde\" ist ganz unbe-\ngründet, da das Kind ja selbst sagt: „Hörst Du nicht,\nwas Erlkönig mir leise verspricht?\" also: womit er\nmich schmeichelnd zu sich lockt. Aner in dem Schlüsse\nvon Erlkönigs Rede: „und bist du nicht willig, so brauch'\nich Gewalt\", kann man den drohenden Ausdruck vermis-\nsen, indem mit dem vollkommenen Schlüsse nach\ndie Singstimme herabsteigt, was allerdings hier den ent-\nscheidenden Moment schwächt. Dagegen ist in den Beden\ndes Knaben eine so ergreifende Steigerung, dass man bei\nausdrucksvollem Vortrage gar nicht anders glauben kann,\nals dass der Arme vor Angst stirbt. Und diese Steigerung\nist es, die vor Allem der Composition das Gepräge des\nGenies gibt.\n\nL. B.\n\n27. Jahresbericht des Verwaltungs-Ausschusses der\nMozart-Stiftung in Frankfurt am Main für das\nGeschäftsjahr 1864—1865\nMit dem 30. September 1865 ist das 27. Geschäfts-\njahr unserer Stiftung zum Abschlüsse gekommen. Der\nHinblick auf den Entwicklungsgang ist wohl geeignet, uns\nmit einem gerechten Gefühle der Befriedigung zu erfüllen.\nDas Capital-Vermögen betrug am Schlüsse des ver-\ngangenen Geschäftsjahres 45,511 Fl. 47 Kr. Das für\ndas vorige Verwallungsjahr noch rückständige statutmässig\nzu gebende Concert des Liederkranzes ist im Beginne des\nabgeschlossenen Verwaltungsjahres zur Ausführung ge-\nkommen, und es ist uns der Ertrag mit 400 Fl. behän-\ndigt worden. Dann haben wir der reichen Gabe zu ge-\ndenken, welche uns durch die warme Sympathie und eifrig\nrege Thätigkeit unseres geehrten Landsmannes, des Herrn\nFritz Müller in London, zugekommen ist, indem derselbe\nunter nahen Freunden, unter Verehrern der Kunst und\ndort heimischen Deutschen eine Collecte veranstaltete, de-\nren Ertrag 4'24 Fl. 18 Kr. war. Durch diese und manche\nandere Geschenke mit Zurechnung der Zinsen hat unsere\nStiftung einen Zuwachs von 2752 Fl. 39 Kr. erhalten,\nso dass das Gesammt-Capital nunmehr 48,260 Fl. 27\nKr. beträgt.\nIn Bezug auf unsere Stipendiaten haben wir mit\naufrichtiger Befriedigung von erfreulichen Thatsachen zu\nberichten. Wenn bei der vor zwei Jahren Statt gehabten\nBewerbung um ein Stipendium unserer Stiftung der Er-\nlolg ohne ein befriedigendes Resultat war, weil die Herren\nPreisrichter keinem der Bewerber eine bevorzugte Befä-\nhigung zuerkennen konnten, so war unsere letzte Aus-\nschreibung von einem günstigeren Erfolge begleitet. Vier-\nzehn Anmeldungen waren für zulässig erkannt worden.\nDas Preisrichter-Amt über die Concurrenz-Arbeiten war\nauf unser Ansuchen freundlichst übernommen worden von\nden Herren Musik-Direcloren Robert Franz in Halle,\nC. A. Mangold in Darmstadt und Karl Bei necke in\nLeipzig. In voller Uebereinstimmung erklärten diese Herren\ndie Arbeit Nr. 4 mit dem Motto:\nDoch höher stets zu immer höh'ren Höh'n\nSchwingt sich das schaffende Genie,\nals die beste, und es ward hiernach durch einhelligen Be-\nschluss des Verwaltungs-Ausschusses der Verfasser dieser\nArbeit, Leonhard W oI ff von Crefeld, als Stipendiat der\nStiftung erwählt und ihm der Bezug des Stipendiums mit\njährlich 400 Fl. zuerkannt.\nUnser neu erwählter Stipendiat ist unter Hiller's Lei-\ntung herangebildet und ist—wir müssen dies als das be-\nredteste Zeugniss für den trefflichen Meister hervorheben\nbereits der dritte Zögling unserer Stiftung, dem es un-\nter Hiller's Führung gelungen, den Sieg über seine Mit-\nbewerber davonzutragen und sich den Ehrenpreis des Sti-\npendiums zu erringen. Waren die guten Anlagen des erst\nsechszehnjährigen Zöglings unter dieser Leitung derart\nglücklich entwickelt worden, so konnten wir keinen höhe-\n\n*) Im Auszuge. Die R'edaction."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "366", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651118-01.1.6", "texte": "Ren Wunsch kennen, als den zum Stipendiaten unserer\nStiftung erwählten Jünger auch ferner vertrauensvoll die-\nser Führung zu überlassen. Herr Capellmeister Ililler ist\ndiesem an ihn ergangenen Ansuchen aufs bereitwilligste\nentgegengekommen und hat uns bei dem warmen Interesse\nund der regen Thätigkeit, die er bereits so vielfach und\nso erfolgreich für unsere Stiftung bekundet, aufs Neue zu\nlebhaftem Danke verpflichtet. Möge er den höchsten Lohn\ndafür in dem reich gesegneten Erfolge seiner Bemühun-\ngen ärnten, möge es ihm gelingen, auch den jetzt ihm an-\nvertrauten Zögling mit der rechten Liebe für die Kunst\nzu begeistern, dessen Eifer und Strebsamkeit zu beleben\nund das der Probearbeit beigefügte.Motto zur freudigen\nVerwirklichung zu bringen! Bei der offenbaren Bega-\nbung Wolff's als Violinspieler und bei der Stufe von Fer-\ntigkeit, die er sich bereits auf diesem Instrumente erwor-\nben, benutzte Wolff einige Monate des vergangenen Som-\nmers, um hier bei Vieuxtemps Unterricht zu nehmen.\nAn grösseren Compositionen hat Wolff nach seiner Heim-\nkehr nach Köln zur Zufriedenheit seines Meisters Hiller\nproducirt: eine Sonate für Ciavier und Violine, ein Cla-\nvier-Quartett und eine Ouvertüre für Orchester. Möge er\nmit dem ganzen Aufgebote seiner geistigen Kraft rüstig\nvoranstreben auf der rühmlich begonnenen Bahn zur\nFreude seines Meisters und zur Ehre unserer Stiftung!\nDer frühere Stipendiat und jetzige städtische Capell-\nmeister in Bonn, Joseph Brambach, hat Schiller's „Macht\ndes Gesanges\" für Männerchor und Orchester componirt\nund in dankbarer Pietät dem Liederkranze zugeeignet.\nMit Freuden sehen wir, wie der Liederkranz im Augen-\nblicke mit vollem Eifer und unermüdeter Thätigkeit be-\nschäftigt ist, diese Composition einzustudiren und sie zu\neiner würdigen Aufführung vorzubereiten, welche dem-\nnächst zum Besten der Stiftung Statt finden soll.\nDieselbe Composition wurde in diesem Nachsommer\nbei dem niederrheinischen Sängerfeste in Crefeld von den\nvereinigten Männerchören von Neuss, Crefeld, Köln, Aachen\nund Bonn nebst der „Frithjofs-Sage\", der neuesten gros-\nsen Composition unseres früheren Stipendiaten Max Bruch,\nvon den beiden Componisten persönlich geleitet, unter\ngrosser Anerkennung zur Aufführung gebracht, und wäh-\nrend Bruch in jüngster Zeit die Stelle als städtischer Ca-\npellmeister in Coblenz erhalten hat, ist unser erster Sti-\npendiat, Jean Bott, bisher Hof-Capellmeister in Meiningen,\nals Hof-Capellmeister nach Hannover berufen worden.\nDr. Bonfick, Präsident. Dr. Eckhard, Secretär.\nFrankfurt, 30. September 1865,\n\nDrittes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn\nFerdinand Hiller.\nDinstag, den 14. November 1865.\nProgramm. I. 1. N. W. Gade, Ouvertüre: „Im Hochland\".\n2. Arie aus „Fidelio\" von Beethoven (Fräulein Therese Tiet-\njens aus London). 3. Servais, -Phantasie für Violoncell (Herr\nAlex. Schmit). 4. Arie aus der „Entführung aus dem Serail\" von\nMozart (Fräulein Th. Tietjens). 5. IV. Sinfonie in B-dur\nvon Beethoven.\n11. 6. F. Hill er, Concert-Ouverture Nr. 11. 7. F. Mendels-\nsohn-B artholdy, Finale zur Oper „Loreley\" (Leonore: Fräulein\nTh. Tietj ens).\nDas Coneert am 14. d. Mts. war ein recht schönes; das Publi-\ncum zeigte sich in jeder Hinsicht befriedigt und zollte Allem reich-\nlichen Beifall, der gleich von vorn herein der Ouvertüre von Gade\nzu Theil wurde und sich nach jeder folgenden Nummer steigerte.\nGade's Instrumentalmusik hat die gute Eigenschaft, dass sie zeigt,\ndass ihrem Schöpfer ein richtiges Gefühl seines Talentes innewohnt,\nwelches ihn vor Tendenzen bewahrt, welche über die eigentliche\nNatur der Musik hinausgehen. Er schliesst sich daher an Mozart\nund Mendelssohn an, verzichtet auf die Nachahmung Beethoven's\nund kommt dafür auch nicht in die Gefahr, bei titanischen Ver-\nsuchen den Hals zu brechen. Wir dürfen bei ihm keine dramatische\nMusik suchen, keine Kämpfe der Leidenschaft, nicht einmal scharf\nhervortretende Gegensätze zwischen Freude und Leid, Kraft und\nMilde, desshalb aber auch nichts Zerrissenes, nichts Grelles, nichts\nOhrverletzendes. Seine Hauptstärke liegt im Colorit, darin ist er so\nsehr Meister, dass er freilich oft die Zeichnung darüber vernach-\nlässigt und dann dadurch in eine Art von Monotonie verfällt, die\nzwar eigentümlich ist, aber doch Monotonie bleibt.\nDer Stern des Abends war Fräulein Therese Tietjens. Die\nangekündigte Arie aus Cherubini's „Medea\" hörten wir von ihr nur\nin der Probe, im Concerte trat, wahrscheinlich auf den Rath von\nMusikern, welche das Publicum kennen, die grosse Arie der Leo-\nnore aus j,Fideliou an deren Stelle, und diese ist freilich für ein\nerstes Auftreten weit dankbarer, als Cherubini's im Gluck'schen\nStile geschriebenes Andante, und für den rein classischen Gesang\nhat die jetzige Welt den Sinn fast ganz verloren; sie will nicht\nmehr entzückt und beglückt, beruhigt und beseligt, sondern gejDackt\nund geschüttelt und gerüttelt, nicht bloss hingerissen, sondern wo\nmöglich zerrissen werden. Nun sucht und erreicht aber die be-\nrühmte Sängerin ihre eigentliche Grösse gerade in dem classischen\nVortrage, das heisst in demjenigen, der sich durch Maasshalten, ohne\nwelches keine wahre Kunstleistung möglich ist, charakterisirt, in\neinem Vortrage, der den Realismus als den Mörder des künstleri-\nschen Ausdrucks hasst, weil er das Ideale des Gesanges zum Schrei\nder Natur herabwürdigt, in einem Vortrage, der die Seele im Tone\nsprechen lässt, aber auch bei der grössten Erregtheit des Innern\nniemals vergisst, dass die Kunst überall das Schöne verlangt. Die-\nsen classischen Typus trugen in ganz ausgezeichneter Weise die\nLeistungen von Fräulein Tietjens in den Arien der Leonore und\nder Constanze und in der Scene der Loreley, und da das londoner"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "367", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651118-01.1.7", "texte": "Opern- und Concert-Publicum ihr eben desshalb die Palme zuer-\nkennt, so müssen wir grosse Achtung für dasselbe haben. Freilich\nwird diese Vortragsweise der berühmten Künstlerin durch eine grosse,\nwunderbar klangvolle Stimme möglich gemacht, die bei der stärk-\nsten Anspannung und in den höchsten Tonregionen ihre ganze Ton-\nfülle behält man erinnere sich nur, wie sie am Schlüsse der Lo-\nreley über Chor und Orchester triumphirte, - eine musicalische\nSeltenheit, wie sie uns seit der Miider-Hauptmann noch nicht wie-\nder vorgekommen ist; denn auch bei den gefeiertsten Sängerinnen\nspäterer Zeit, bei einer Schröder-Devrient, Köster u. s. w., streiften\ndie hohen Töne in ähnlichen Stellen stets wenigstens an die Gränze\nzwischen Ton und Schrei. Dass bei solchen Mitteln, wie Fräu-\nlein Tietjens besitzt, sie sich nirgends zum Missbrauch dersel-\nben hinreissen lässt, das muss sie in der Meinung jedes wahren\nKunstfieundes auf die höchste Höhe stellen, denn das ist heutzutage\nfast unmöglich geworden, da die verwöhnte Menge leider durch un-\nsinnigen Beiiall dazu auffordert. In dieser Hinsicht steht Fräulein\nTietjens als eine keusche Priesterin der reinen Tonkunst da, und\nso hörten wir, um nur Ein Beispiel zu geben, mit grösster Befrie-\ndigung, dass sie in der Leonoren-Arie in Fidelio Alles so sang, wie\nBeethoven es geschrieben, und den Knall-Effect mit dem hohen h\nbei der Fermate auf „zur Stelle dringen\", welchen die Schröder\neingeführt, die Köster und Andere nachgemacht, verschmähte, in\nder stihr richtigen Ansicht, dass Beethoven weit davon entfernt war,\ndurch eine materielle Betonung die Bedeutung eines einzelnen Wor-\ntes handgreiflich zu machen.\nDoch wir behalten uns vor, den Gesang der grossen Künst-\nlerin, welche leider keine Bühne in Deutschland an sich zu fesseln\ngewusst hat, noch ausführlicher zu besprechen, wenn wir sie im\nMärz künftigen Jahres, für welche Zeit sie Herr Director Ernst zu\neiner Reihe von Gastrollen in Köln gewonnen hat, auf der eigent-\nlichen Estrade ihres Ruhmes, auf der Bühne, bewundern werden.\nHeri Alexander Schmit hatte zwischen zwei Arien einer\nSängerin, und noch dazu einer solchen, einen schweren Stand für die\nAusführung eines Instrumental-Solo's, allein er wusste trotzdem und,\nkönnen wir hinzusetzen, auch trotz der flachen Composition doch\ndem Vioioncell so liebliche Töne zu entlocken und eine eminente\nBravour zu zeigen, dass er rauschenden Beifall davon trug»\nDie Ausführung der vierten Sinfonie von Beethoven war\nbis auf eine vereinzelte Nachlässigkeit vortrefflich und machte durch\njeden Satz einen sichtbaren und auch durch lebhaften Applaus be-\nkundeten Eindruck,\nDer zweite Theil des Concertes begann mit einer Composition\nF. Hiller s aus den letzten Jahren, seiner zweiten Concert-\nOuverture, die, ohne Programm und ohne Ueberschrift, als ge-\nnialer Ausfluss einer rein musicalischen Schöpfungskraft, die ihre\nEingebungen nicht von Aussendingen her sich anzuquälen braucht,\neben so und noch mehr wie vor vier Jahren das Publicum in En-\nthusiasmus versetzte und dem Componisten stürmischen Beifall und\nwiederholten Hervorruf einbrachte.\nDen Schluss des Abends, der eine leuchtende Stelle in den An-\nnalen unserer Gürzenich-Concerte einnimmt, bildete die schwungvolle\nAuffühiung von Mendelssohn's Loreley-Finale mit Fräulein\nTietjens, wobei es natürlich nicht an Applaus und Ovationen fehlte.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolli. Am Donnerstag den 16. d. Mts. hielten die pariser\nQuartettgenossen Maurin, Sabatier, Mas und Chevillard\neine zahlreich besuchte Sitzung im Saale des Hotel Disch. Sie\nspielten zwei Quartette von Beethoven (Op. 59 Nr. 1 in F und\nOp. 13(1 in B-dur),zwischen denen Herr Capellmeister Hill er eine\nseiner neuesten Clavier-Compositionen: „Gavotte Sarabande\nCour ante\", mit eminenter Meisterschaft vortrug und sowohl\nfür sein Spiel, als für die geistvolle Schöpfung dieser drei Stücke\nstüimischen Applaus und wiederholten Hervorruf ärntete. Nament-\nlich sind die Gavotte und die Courante von frappanter und hinreis-\nsender Wirkung, erfordern aber einen sehr tüchtigen Spieler.\nDas Spiel der pariser Künstler zeigte sich in seiner grössten Voll-\nkommenheit in dem Vortrage des ungeberdigen -B-dur-Quartettes,\naus dessen sechs Sätzen es denn doch rein unmöglich ist, eine Ein-\nheit des Stils zusammen zu finden, sie müsste denn in der Wunder-\nlichkeit bestehen, welche alle Sätze, mit Ausnahme der Cavatine\n(Nr. 5), in reichem Maasse zur Schau tragen. Alle Ehre den Künst-\nlein, die mit solcher Virtuosität ein musicalisches Ungethüm bändi-\ngen, das sich unter ihren Armen und Fingern in den sonderbarsten\nVerschlingungen und Verdrehungen wehrt; aber einen wohltuen-\nden, befriedigenden Eindruck kann es auch durch die vollendetste\nAusführung nicht machen, da diese immer nur wie die Vorführung\neiner gezähmten Seltenheit der Schöpfung erscheinen wird. Das\nQuartett Op. 59 aus F-dur machte dagegen den Eindruck, den die\nherrliche Composition und eine so treffliche Wiedergabe derselben\nnicht anders erwarten liess. Auffassung und Vortrag standen auf\nder Höhe des Werkes, namentlich im ersten Satze, im Allegretto\nund im Finale; wir gestehen, dass uns das Adagio, wohl ohne Zwei-\nfel der schönste Satz des Werkes, weniger befriedigte; wir sind ge-\nwiss keine freunde eines dilettantischen Schleppens der langsamen\nScitzo, allein das lcmpo bei diesem Adcigio war offenbar etwas zu\nbewegt, was besonders einigen Figuren, die dadurch einen falschen\nCharakter bekamen, nachtheilig war.\nISerliit. Fräulein Pöllnitz, die Ende October in Gluck's\ntaurischer „Iphigenie\" debutirte, soll auf Befehl der Königin für die\nOper mit 3000 Thlrn. Gage engagirt sein.\nDie leipziger Allg. Musicalische Zeitung schreibt über eine Auf-\nführung des „Lobgesanges\" von Mendelssohn: „So viel müssen wir\naber gestehen, dass der Ausführung, namentlich der instrumentalen\nPartie, vielfach jene Würde, Weihe und Erhabenheit fehlte, die wir\nbei einem religiösen Werke, trage es welchen Namen immer, for-\ndern müssen; ja, es schien, als ob jene Seite die ge-\nrade seine Schwäche heissen muss, die prickelnde Unruhe, durch\ndie Aufführung, anstatt gemildert und möglichst verdeckt, recht in\ngrelles Licht gestellt worden wäre. Noch nie haben wir eine Men-\ndelssohirsche Musik so abjagen gehört, wie dies besonders bei dem\nersten Instrumentalsatze der Fall gewesen ist, und die gleiche An-\nsicht ist uns aus dem Munde der tüchtigsten Kenner entgegenge-\nkommen.\" Die Schuld daran trifft den dirigirenden Capellmeister\nnur in so fern, als er der usurpirenden Gewalt der ersten Violine\nnicht mit jener Festigkeit entgegentrat, die dem verantwortlichen\nOberhaupte des Orchesters zu eigen sein muss.\nHamburg« Herr Otten hat Mendelssohn's „Elias\" einstu-\ndirt und Beethoven's grosse Messe. Der Chor zählte an 200 Sin-\ngende, das Orchester beiläufig 100 Mitglieder; dazu die Riesenorgel\nder Michaeliskirche. Die Solosänger waren: Frau Miclial als So-\npran, Frau Joachim als Alt, Herr Karl Schneider als Tenor,\ndie Herren Stockhausen und Schultze als Bässe; dazu Joa-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "368", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651118-01.1.8", "texte": "chim als Solist im Benedictus der Messe. Wahrlich, ein trefflich\nContingent! Der Dinstag in der letzten Woche des October brachte\nden der Freitag darauf die Messe. Die Soli waren mithin\nausgezeichnet, nur dass die Stimme der Frau Michal für die grosse\nArie nicht ausreichte. Der Chor dagegen entbehrte des schönen\nVollklanges, namentlich der Bässe und Tenöre, nicht minder auch\nder Energie im Einsätze. Im Allgemeinen jedoch war die Auffüh-\nrung aller Ehren werth. Die Ausführung von Beethoven's Messe\nin D stand übrigens dagegen sehr zurück.\nlVieift. Die Concert-Programme für die beginnende Saison\nhaben unsere Erwartung, dass die verschiedenen Concert-Unterneh-\nmungen heuer ganz besonders Interessantes zu bieten trachten wer-\nden, nicht getäuscht. Auch scheinen sie endlich zur Ueberzeugung\ngelangt zu sein, dass es mit dem Alten allein, und sei es noch so\nschön und noch so classisch, doch nicht mehr gehen kann. Die\nLauheit und Flauheit des Publicums in der vorigen Saison mag wohl\nhierin den entscheidenden Ausschlag gegeben haben. Wir finden\nheuer das Neue in weit ausgedehnterem Maasse als sonst vertreten.\nDie Gesellschaft der Musikfreunde bringt zwei grosse neue, moderne\nWerke, eine Suite von Lachner und Liszt's „Heilige Elisabeth\" ),\ndann zwei grosse, ebenfalls für Wien neue ältere Werke, die Sym-\nphonieen von Cherubini und von Schubert; rechnet man noch\nhinzu, dass die vollständige Musik zu „König Stephan\" von Beet-\nhoven beinahe als Novität gelten kann, und dass die Aufführung\nder „grossen Neunten\" mit dem trefflichen Chor der Gesellschaft\nein ganz besonderes Interesse bietet, so sieht man, besonders da,\nwie wir vernehmen, heuer auch die Harmonie (bisher die schwächere\nSeite der Gesellschafts-Orchester) vorzüglich besetzt werden soll,\ndass Alles aufgeboten wurde, um die Gesellschafts-Concerte so in-\nteressant als möglich zu gestalten. Auch die Philharmoniker treten\naus ihrem Ultra-Conservatismus heraus und bringen fünf neue mo-\nderne Werke, wovon drei grössere (eine Suite von Grimm und Sym-\nphonieen von Abert und Reinecke) und zwei kleinere (Ouvertüren\nvon Goldmark und Hiller), und zwei neue ältere Werke, die Hän-\ndel'sche „Wassermusik\" und Joachim's Bearbeitung für Orchester\ndes Schubert'schen Duo Op. 140. (Ree.)\nAm Allerheiligentage um 11 Uhr kam in der italiänischen Na-\ntionalkirche eine Messe von Hummel in B, Graduale und OfFerto-\nrium von F. Schubert zur Aufführung, wobei die Soli von Fräu-\nlein Murska vorgetragen wurden.\nPrag. Das erste Concert der Saison lieferte uns am 31. Oc-\ntober der Ciavierrecke Herr C. Taus ig. Von der erfreulichen Tech-\nnik, Kraft und Ausdauer desselben ist schon zu oft Act genommen\nworden, als dass hierüber noch etwas zu sagen wäre. Aber das kann\nich nicht umhin, zu bemerken, dass mir über allen seinen Leistun-\ngen eine gewisse, der norddeutschen Schule angehörige [?] Kälte\nder Empfindung zu liegen schien, die kein rechtes Behagen an den-\nselben aufkommen liess. Herr Tausig spielte in etwas über einer\nStunde eine Händel'sche Suite, eine Nocturne von Field, eine Valse-\nCaprice von Schubert, den Schumann'schen Carneval, Rubinstein's\nConcertstück „Le balu und eine exorbitante Liszt'sche Rhapsodie\nAlles auswendig.\nEnde October starb in London Frau Caradori-Alian, ge-\nboren in Mailand 1800, bekannt als vorzügliche Oratoriensängerin.\nBei Beginn ihrer Laufbahn gehörte sie der Oper an und sang in\nWien.\n*) Vergl. jedoch die Notiz in der vorigen Nummer."}]}