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Reisebriefe aus Italien (Verona: die Vestalin Florenz: der Quartett-Verein\nAdelina Patti). Stadttheater zu Frankfurt am Main vom 1. Nov. 1864 bis 31. Oct. 1865. Aus Berlin (Theater Concert). Aus\nBreslau (Abonnements-Concerte). Der Tonkünstler-Verein in Dresden im Jahre 1864—1865. Viertes Gesellschafts-Concert in Köln\nim Gürzenich. 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Es ist diese zweite, vermehrte, vervollständigte und\nverbesserte Auflage nicht nur ein Denkmal des umfassen-\nden musicalischen Wissens und des andauernden, ja, in\ndem hohen Alter, worin der Verfasser steht, beispiellosen\nFleisses desselben, sondern auch ein ehrenvolles Zeugniss\nfür das Publicum in Frankreich und Belgien, bei dem ein\nso umfangreiches und theures Buch eine zweite Auflage\nüberhaupt und noch dazu in so kurzer Zeit erleben konnte.\nDenn wenn gleich das biographische Lexikon von Fetis\nauch im Auslande, namentlich in Russland und Polen,\neiniger Maassen auch in England und Deutschland, Käufer\ngefunden hat, so waren Frankreich und Belgien doch die\nHauptmärkte für den Absatz. Der letzte Band der er-\nsten Auflage erschien 1844 und der erste der gegen-\nwärtigen zweiten im Jahre 1860, so dass also binnen\nsechszehn Jahren die ganze erste Auflage gänzlich ver-\ngriffen war!\nDie zweite Auflage des Werkes, welches jetzt den\nTitel führt: Biographie universe\nbliographie generale de la Musique. Deuxieme Edition\nentierement refondue et augmentee de plus de moitie. Par\nF. J. Fetis, Maitre de Chapelle\nrecteur du Conservatoire royal\nParis, Librairie de Firmin Didot Freres, Bls Sf Comp.\nbegann, wie gesagt, im Jahre 1860, I. XXXVII und 478\nS. Gr. 8., jede Seite von zwei Spalten. Im Laufe der\nfolgenden Jahre erschienen: 1861, 11. 484 S. 1862,\n111. 480 S., IV. 491 S. 1863, V. 480 S. 1864,\nVI. 496 S., VII. 548 S. und 1865, VIII. 527 S.\nSo erschien binnen fünf Jahren ein lexikalisches Werk\nvon 250 Bogen (zu 16 doppelspaltigen Seiten eleganten\nund deutlichen, aber keineswegs verschwenderischen\nDrucks), dessen gänzliche Umarbeitung der Verfasser al-\nlein und so selbständig betrieben hat, dass er sogar auch\ndie Correctur, wie wir genau wissen, selbst besorgte und\nderselben während des so schnell fortschreitenden Druckes\ntäglich an sechs Stunden Zeit widmete. Erwägt man da-\nbei, wie Fetis durch seine Amtsgeschäfte und durch an-\ndere schriftstellerische Arbeiten in französischen musicali-\nschen Blättern in Anspruch genommen worden und dabei\ndoch so sehr mit den Erzeugnissen der Zeit in Bekannt-\nschaft blieb, dass ihm Meyerbeer sogar die Leitung der\nVorbereitungen zu der pariser Aufführung der „Africa-\nnerin\" anvertraute, so muss die musicalische und literari-\nsche Welt die Thätigkeit eines Veteranen, der am 25.\nMärz künftigen Jahres in sein 82. Jahr tritt, bewundern.\nSie erinnert an die unverwüstliche Arbeitskraft von Ge-\nlehrten früherer Jahrhunderte, die in polyhistorischen\nWerken Denkmale derselben hinterliessen.\nDen Nachtheil, den die Lösung einer so ungeheuren\nAufgabe durch einen Mann mit sich bringt, da ein Ein-\nziger unmöglich Alles erforschen, berichten, erschöpfen\nkann, was sich auf geschichtliche Thatsacben bezieht und\nauch in anderen Dingen nach dem Wesen der mensch-\nlichen Natur Irrthümern und Schwächen unterworfen ist,\nwiegt der Vortheil auf, dass man in diesem Werke nicht\nwie in anderen ähnlichen einem bunten Allerlei von Ur-\ntheilen über Musiker und deren Compositionen begegnet\n(man denke z. B. an Schilling's Tonkünstler-Lexikon, in\nwelchem treffliche Artikel mit dem flachsten Geschwätz,\nje nach dem Talente und der Urtheilsfähigkeit der ver-\nschiedenen Verfasser, abwechseln), sondern eine conse-\nquente Betrachtungsweise der musicalischen Schöpfungen\nder verschiedenen Epochen durchgeführt findet, welche\nauf richtigen Grundsätzen der Kritik, Freiheit und Selb-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "378", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651202-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1784, "texte": "ständigkeit der Ansichten, wie sie Felis in der Vorrede\nzum ersten Bande ausgesprochen hat*), und auf redlichem\nWillen und Gewissen beruht. Freilich schützt das alles\nnicht vor Missgriffen und Irrthümern, wie sie denn auch\nhier, namentlich in Bezug auf neuere musicalische Er-\nzeugnisse, vorkommen: allein selbst aus den Sonderlich-\nkeiten eines Mannes wie Fetis ist immer noch Belehrung\nzu schöpfen, weil sie zum Nachdenken anregen, und es\nist leicht, die Ansichten und Urtheile des gelehrten Bel-\ngiers gering zu schätzen oder zu bespötteln, schwerer aber,\nobwohl wünschenswerther, ihren Quellen nachzugehen\nund dadurch zu einer Selbstschau bewogen zu werden,\ndie vielleicht manchmal gute Resultate haben dürfte. Mä-\nkeleien an Einzeldingen, wie z. B. die allerdings bedauer-\nliche Verunstaltung vieler deutscher Büchertitel, zu deren\nBeseitigung ein deutscher Revisor in Paris und Brüssel\nleicht zu finden gewesen wäre, sind natürlich nicht im\nStande, den wesentlichen Werth des Werkes zu schmä-\nlern, welches trotz der Schreibseligkeit unseres Zeitalters\ndoch in der Literatur aller Nationen als einzig in seiner\nArt dasteht und schon in der ersten Auflage als ein un-\nentbehrliches für jeden Musiker und Kunstfreund galt.\nDie beiden letzten Bände (VII. Perotti Scultetus;\nVIII. Sebastiani bis Zyka) enthalten unter Anderem die\ninteressanten Biographieen von Philidor, Piccinni,\nPorpora, Rameau, Sims Reeves, Reichardt,\nReissiger, Ries, Rossini (S. 320—329), Rous-\nseau, Rubini, Scarlatti, F. Schneider, F. Schu-\nbert, Schumann u. s. w. Ferner von Servais, Si-\nvori, Sontag, Spohr, Spontini (S. 87 —100), Stei-\nbelt, Stradella, Stradivari, Strauss, Tartini,\nThalberg, Verdi, Vieuxtemps, Viotti, Vogler,\nWagner (S. 395—404), G. Weber, C. M. von We-\nber, Willaert, Zingarelli u.s.w."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-12-02-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-12-02_01#c003", "volume": "bmtnabi_1865-12-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "378", "page_fin": "380", "image_debut": 2, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651202-01.2.3", "titre_corps": "Reisebriefe aus Italien.", "titre_sommaire": "Reisebriefe aus Italien.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "378", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651202-01.1.2", "debut_caractere": 1786, "fin_caractere_exclue": 5060, "texte": "Reisebriefe aus Italien.\n(Verona: die Vestalin Florenz: der Quartett-V er ein.)\nDen 20. November 1865.\nNach den unerquicklichen Eindrücken einer Novem-\nberfahrt über den Brenner unter unaufhörlichen Regen-\ngüssen und durch abscheulichen Schmutz, den die Unord-\nnung des Materials, das zu dem Eisenbahnbau durch\neinander gehäuft war, vergrösserte, war ich bei meiner\nAnkunft in Verona hoch erfreut, auf den Theaterzetteln\nmit grossen Buchstaben „Die Vestalin\" angekündigt zu\nsehen. In der Hoffnung, dass die Kunst mir zum Ersatz\neinen Genuss bieten würde, den dieses Mal die Natur in\nden Alpen versagt hatte, betrat ich das Opernhaus, begie-\nrig, eine ilaliänische Vorstellung der berühmten Oper zu\nsehen. Aber schon bei den ersten Tacten hörte ich, dass\nich mich arg getäuscht hatte, und ein schärferer Blick auf\nden Zettel offenbarte mir statt Spontini's den Namen Mer-\ncadante. Nun, mit gefangen, mit gehangen! dachte ich,\nblieb und hörte gelassen die Oper an, gestehe aber gern,\ndass ich in ziemlich versöhnter Stimmung das Haus ver-\nliess. Mercadante's Schreibart ist jedenfalls besser, als der\nStil seiner italiänischen Zeitgenossen, obschon bisweilen\nauch etwas Epileptisches ä la Verdi mit in den Kauf ge-\nnommen werden muss.\nVon Mailand, wo ich mich nicht aufhalten konnte,\nschlug ich dieses Mal nicht den Weg über Genua und La\nSpezzia nach Florenz ein, sondern benutzte die erst kürz-\nlich vollendete Eisenbahn über Bologna, auf der man die\nherrliche Fahrt über die Apenninen macht, die ein Seiten-\nstück in vergrössertem Maassstabe zu der Fahrt von Ver-\nviers nach Lüttich bildet, durch ihre Felsen, Schluchten,\nWildbäche und vierundvierzig mitunter bedeutende Tun-\nnels, die Schlag auf Schlag nach einander folgen.\nDa auf dem Wege nach Rom, man mochte wählen,\nwelchen man wollte, jedenfalls eine Cholera-Quarantaine\nvon mindestens acht Tagen drohte, so zog ich natürlich\nvor, in Florenz zubleiben, wo die unermesslichen Kunst-\nschätze der alten Mediceerstadt reichlichen Stoff zur Be-\ntrachtung bieten und auch die musicalischen Zustände zu\nden besseren in Italien gehören.\nSo hörte ich denn am 11. November im Theater\nPagliano Adelina Patti als Sonnambula und wohnte den\n12. der ersten diesjährigen Sitzung des hiesigen Quartett-\nVereins bei. Ueber Fräulein Patti könnte ich Ihnen kaum\netwas sagen, was Sie nicht schon aus eigenem Anschauen\nund Anhören wüssten, und beschränke mich desshalb auf\ndie interessante Erscheinung des Quartett-Vereins.\nDiese Bocietä del Quartetto di Firense ist im Jahre\n1861 gegründet worden. Der Zweck des Vereins ist Aus-\nführung und Verbreitung der Werke für Kammermusik;\nfür diesen Zweck werden zehn Concerte an Sonntagen\nvom November bis Mai gegeben, ferner eine Partitur-\nAusgabe von Quartetten in Taschenformat {Editore: Gual-\nberto Guidi) veranstaltet und ein musicalisches Blatt: II\nBoccherini, welches zwei Mal im Monate erscheint, heraus-\ngegeben. Die Theilnehmer zerfallen in drei Classen. Die\nerste bilden die Stifter (fondatori) mit Jahresbeitrag von\n30 Frcs.; ferner die Soci proin Florenz mit 40,\nausserhalb Florenz in Italien mit 18 Frcs., im Auslande\nmit 20 Frcs. Die zweite Classe enthält die ordent-\nlichen Mitglieder (in Florenz 1 Fr. 20 C. monatlich, aus-\n\n*) Vgl. Niederrh. Musik-Zeitung, Jahrgang 1860, Nr. 27."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "379", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651202-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5119, "texte": "serhalb 13 Fr. jährlich). Die dritte die Abonnenten\nauf die Concerte allein, zu 20 Fr. für zehn Concerte.\nAuf eine zweite Reihe von zehn Concerten an Wo-\nchentagen wird unter denselben Bedingungen ein Abonne-\nment eröffnet.\nSämmtliche Mitglieder der ersten Classe erhalten drei\nBillets für jedes Concert, ferner die Zeitung II Boccherini\nund sechs Partituren jährlich; die von der zweiten Classe\nein Billet und dieselben Partituren; die von der dritten\nzwei Billets, aber keine Partituren. Der Eintrittspreis\nfür Nicht-Abonnenten ist auf 5 Fr. gesetzt. Die mate-\nriellen Angelegenheiten des Vereins besorgt der Vorstand,\nnamentlich Herr Basevi, ein sehr geschätzter musicali-\nscher Schriftsteller.\nDie Partitur-Ausgabe enthält bis jetzt von Beethoven\n17, Mozart 2, Hummel 2, Mendelssohn 3, Spohr 1, Boc-\ncherini 2, Pacini 1, Bottesini 1, Anichini 1, Croff 1,\nFiori 1, C. Ricordi 1, Haydn 1, und von deutschen Zeit-\ngenossen: von Langhans 1.\nAn der Spitze der ausführenden Künstler steht jetzt\nHerr Jean Becker (früher Herr Guido Papini), den\nder Verein, wie auch den Violoncellisten Friedrich\nHilpert, für diese Saison engagirt hat. Ich hörte in der\nSitzung am 12. November Beethoven's Trio für Piano-\nforte, Violine und Violoncell, Op. 1, Nr. 1 (die Ciavier-\nPartie von der Signora Rita Montagnani gespielt),\nBeethoven's Violin-Quartett Op. 74 (Harfen-Quartett)\nund Mendel ss oh n's Capriccio Op. 22 für Pianoforte\nmit Quintett-Begleitung. Alle diese Stücke wurden recht\nwacker ausgeführt, besonders aber das Violin-Quartett\nvon Beethoven, in welchem nur etwa die Triolen-Variation\nder Viola im letzten Satze etwas zu sehr versüsslicht und\nritardisirt wurde. Am folgenden Tage hörte ich die Künst-\nler noch in einem Privat-Cirkel, und die Leistungen\nBecker's und seiner Genossen verdienen in der That aus-\ngezeichnet genannt zu werden. Sie spielten unter Anderem\nauch zwei Quartette, Op. 10und 11, von L. von Stain-\nlein, die sie in den Cyklus ihrer Sitzungen aufgenommen\nhaben, mit vortrefflichem Vortrage, welcher demjenigen\nkaum nachstand, mit dem ich vor einigen Jahren dieselben\nsehr ansprechenden Werke durch Sivori und Genossen in\nParis ausgeführt hörte.\nAusser Becker und Hilpert traf ich auch die deut-\nschen Musiker Dr. Ambros aus Prag und Bernhard\nScholz, früher Capellmeister in Hannover, in Florenz an.\nLetzterer hat sich hier niedergelassen und wird dem Ver-\nnehmen nach auch ein musicalisches Unternehmen hier\nbegründen. Es scheint allerdings, dass der Boden von Flo-\nrenz der geeignetste sei, der deutschen Musik in Italien\nEingang zu verschaffen. Das Publicum unterstützt den\nQuartett-Verein durch zahlreiche und aufmerksame Theil-\nnahme; indess ist der Schritt von dem Quartett-Verein\nbis zu Aufführungen von Ouvertüren und Sinfonieen in\ngrossen Concerten noch ein sehr bedeutender, zumal da\nin den grösseren Städten die Oper überall als die eigent-\nliche Nationalmusik der Italiäner der Concertmusik gefähr-\nliche Concurrenz macht.\nIch bin neugierig, wie ich die musicalischen Verhält-\nnisse in.Rom antreffen werde und in wie fern Liszt be-\nreits darauf eingewirkt hat. Ich werde dort Sivori tref-\nfen und den talentvollen jungen Pinelli aus Bologna,\nden Sie bei Ihrem letzten Musikfeste in Köln kennen ge-\nlernt haben werden, da er die weite Reise damals nicht\nscheute, um einem der berühmten rheinischen Musikfeste\nbeizuwohnen.\nUeber Adelina Patti fügen wir aus einer anderen\nCorrespondenz aus Florenz vom 18. November folgende\nNotizen hinzu.\nAm 5. d. Mts. ist Adelina Patti direct von Köln glück-\nlich hier angekommen, und schon Tage lang vorher war\nvon nichts Anderem die Rede; denn bei der Lebhaftigkeit\nder Italiäner für Gesang drängte die Erwartung der be-\nrühmten Sängerin, zumal da sie Florenz zu ihrem ersten\nAuftreten in Italien gewählt hatte, sogar das Interesse an\nder Wahlbewegung an öffentlichen Orten zurück. Daher\nkam es denn, dass sich um 11 Uhr Abends die sämmt-\nlichen Gesangvereine von Florenz vor das Hotel de l'Eu-\nrope begaben, wo sie abgestiegen war, und ihr zu Ehren\neine prächtige Serenade brachten. Mehr als zehn Tausend\nMenschen füllten den Platz, und die Pw« la Patti! woll-\nten nicht endigen.\nAm 11. trat sie vor dem ausverkauften Hause des\nTheaters Pagliano zum ersten Male in der Rolle der\nnambula auf. „Es war ein Festtag für uns,\" schreibt\neines der besten kritischen Blätter „der wieder einmal\nden vorwiegenden musicalischen Charakter des italiäni-\nschen Volkes offenbarte, so sehr verstand das Publicum\ndie Darstellung und den Gesang dieser bescheidenen Amina\nin dem schönen Idyll Bellini's zu würdigen, welches ein\nMeisterwerk bleiben wird, so lange in Italien noch die\nMusik kein leerer Schall geworden. Adelina Patti führte\ndas duftige, poetische Wesen der Nachtwandlerin in den\nwechselnden Situationen und Empfindungen vom einfachen\nLandmädchen voll inniger Liebe bis zur verzweifelnden\nVerstossenen und dann wieder in Freude aufflammenden\nglücklichen Braut so wahr und charakteristisch durch,\ndass sie alle Welt von dem ihr angeborenen Gefühle für\ndie Kunst überzeugte, wozu denn auch gehörte, dass sie\nden dramatischen Ausdruck der Melodie nicht durch\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "380", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651202-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1027, "texte": "Ueberladung mit Virtuosenflitter verdunkelte und, wie wir\nes öfter gehört, geradezu vernichtete. Mit Einem Worte:\nsie erhob sich zum Ideale der Kunst, und das Publicum\nidentificirte sich so mit der Künstlerin, dass jeder Ton,\njeder Blick, jeder Gest, jede Bewegung in die Seele des\nZuschauers überging. Dies alles, vereint mit dem lieblichen\nund doch klangvollen Timbre der Stimme, der reinsten\nIntonation und der Meisterschaft in der Figural-Technik\ndes Gesanges macht sie zu einer Erscheinung auf der\nBübne, welche dem Zauber des echten italiänischen Ge-\nsanges sein Recht und seinen Sieg über die Ausartung\ndesselben verschaffen wird. Dass sie unter denen, welche\ndie Sängerinnen nur nach dem Volumen der Stimme, nach\ndem Schrei der Leidenschaft und der excentrischen Ge-\nberdung dabei beurtheilen, Gegner finden wird, lässt sich\nvoraussehen: dass aber das italiänische Publicum den Sinn\nfür den wahren Gesang und die ideale Dramatik noch\nnicht verloren hat, bewies es gleich bei der ersten Vor-\nstellung von Adelina Patti.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-12-02-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-12-02_01#c004", "volume": "bmtnabi_1865-12-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "380", "page_fin": "380", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651202-01.2.4", "titre_corps": "Stadttheater zu Frankfurt am Main", "titre_sommaire": "Stadttheater zu Frankfurt am Main", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "380", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651202-01.1.4", "debut_caractere": 1029, "fin_caractere_exclue": 4014, "texte": "Stadttheater zu Frankfurt am Main\nvom 1. November 1864 bis 31. October 1865.\nIn dem abgelaufenen Theaterjahre fanden 342 Vor-\nstellungen Statt. Davon waren 306 im Abonnement und\n36 ausser Abonnement, so dass die Abonnenten, da das\nJahres-Abonnement nur 250 Vorstellungen bezeichnet,\n56 Vorstellungen mehr erhielten.\nAn den 342 Theaterabenden wurden gegeben: 136\nverschiedene Stücke (17 Trauerspiele und Dramen, 24\nSchauspiele, 95 Lustspiele), 40 Opern, 3 Operetten, 29\nVaudevilles und Gesangspossen, zusammen also 208 ver-\nschiedene Stücke aller Gattungen.\nVon den Stücken wurden 20 zum ersten Male und\n26 neu einstudirt gegeben. Von den Opern wurden 1\nzum ersten Male und 6 neu einstudirt gegeben. Von den\nOperetten wurde 1 neu einstudirt, von den Vaudevilles\nund Gesangspossen 1 zum ersten Male und 7 neu einstu-\ndirt gegeben.\nDie sämmtlichen Vorstellungen umfassen 132 Opern,\n11 Operetten, 53 Vaudevilles und Gesangspossen, 28\nTrauerspiele und Dramen, 41 Schauspiele, 198 Lustspiele.\nIn der Oper wurde zum ersten Male aufgeführt „Das\nGlöckchen des Eremiten\", komische Oper in drei Acten\nnach dem Französischen des Lockroy und Cormon, Musik\nvon Aime Maillart. Ferner die Gesangsposse „Tannhäuser,\noder: Der Sängerkrieg auf der Wartburg\", komisches In-\ntermezzo von L. Kaiisch, Musik von A. Conradi. Neu\neinstudirt: „Lucrezia Borgia\", „Idomeneus\", „Jessonda\",\n„Der Wasserträger\", „Der Prophet\", „Johann von Pa-\nris\". In der Operette: „Der Ehemann vor der Thür\"\n(von Offenbach).\nNach den Componisten kamen a) in der Oper vor:\nAdam: „Der Postillon von Lonjumeau\" 2 Mal; Auber:\n„Maurer und Schlosser\"; Beethoven: „Fidelio\" 3 Mal;\nBellini: „Norma\"; Boieldieu: „Johann von Paris\" 3 Mal,\n„Die weisse Frau\" 2 Mal; Cherubini: „Der Wasserträ-\nger\" 2 Mal; Donizetti: „Linda von Chamounix\" 2 Mal,\n„Lucia von Lammermoor\", „Lucrezia Borgia\" 6 Mal,\n„Don Pasquale\" 2 Mal; Flotow: „Alessandro Stradella\"\n5 Mal, „Martha\" 5 Mal; Gounod: „Margarethe\" 4 Mal;\n„Die Jüdin\" 5 Mal; Herold: „Zampa\" 4 Mal;\nKreutzer: „DasNachtlager in Granada\" 3 Mal; Lortzing:\n„Die beiden Schützen\" 3 Mal, „Czaar und Zimmermann\",\n„Undine\" 3 Mal, „Der Waffenschmied\" 3 Mal; Maillart:\n„DasGlöckchen des Eremiten\" 7 Mal; Marschner: „Temp-\nler und Jüdin\" 3 Mal; „Jakob und seine Söhne\nin Aegypten\" 4 Mal; Meyerbeer: „Die Hugenotten\" 3\nMal, „Der Prophet\" 2 Mal, „Robert der Teufel\"; Mo-\nzart: „Die Hochzeit des Figaro\" 4 Mal, „Idomeneus\" 5\nMal, „Don Juan\" 2 Mal, „So machen's Alle\" (Cosi fan\ntutte) 2 Mal, „Die Zauberflöte\" 6 Mal; Nicolai: „Die lu-\nstigen Weiber von Windsor\" 4 Mal; Offenbach: „Or-\npheus in der Unterwelt\" 2 Mal; Rossini: „Teil\" 4 Mal;\nSpohr: „Jessonda\" 4 Mal; Verdi: „Hernani\" 4 Mal,\n„Der Troubadour\" 6 Mal; Weber: „Der Freischütz\" 4\nMal, „Oberon\" 4 Mal.— b)in der Operette: Offenbach:\n„Der Ehemann vor der Thür\" 5 Mal, „Fortunio's Lied\"\n5 Mal, „D ie Schwätzerin von Saragossa\".\nConcertspieler im Theater waren: Fräulein Sophie\nMenter, Pianistin aus München; Herr Günther, Flötist\ndes hiesigen Theater-Orchesters."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-12-02-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-12-02_01#c005", "volume": "bmtnabi_1865-12-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "380", "page_fin": "381", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651202-01.2.5", "titre_corps": "Aus Berlin.", "titre_sommaire": "Aus Berlin.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "380", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651202-01.1.4", "debut_caractere": 4016, "fin_caractere_exclue": 4761, "texte": "Aus Berlin.\nAm 12. November trat Fräulein v. Pöllnitz in der\nTitelrolle von Donizetti's „Lucrezia\" auf. Was uns dieser\nzweite theatralische Versuch bot, stellte die musicalische\nund dramatische Bildung der Debütantin noch in ein gün-\nstigeres Licht, als neulich ihre Iphigenie. Die künstlerische\nBehandlung des Tones, die Sicherheit der Intonation, die\nReinheit und Deutlichkeit der Aussprache, der bei aller\nBestimmtheit der declamatorischen Accente ununterbro-\nchene melodische Fluss, endlich die eben so lebendige als\nmaassvolle Weise des Vortrages mussten ihr die Anerken-\nnung jedes Kundigen erwerben. Verständige Einsicht und\nmit Entschiedenheit auf das Ziel gerichteter Wille gingen\nhier stets Hand in Hand. Auch sind namentlich die wohl-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "381", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651202-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2462, "texte": "gelungenen Coloraturen hervorzuheben, welche die grosse\nArie umrankten. Was sich die Sängerin gewann, ging in-\ndessen nirgends über einen succes d'estime hinaus, denn\nhinter den Vorzügen der Bildung blieb die Natur mit ih-\nrer Gunst im Rückstände: lediglich aus der vollsten und\ninnigsten Wechselwirkung dieser beiden Factoren ent-\nspringt aber die das Gefühl überzeugende künstlerische\nIllusion. Die materielle Leistungsfähigkeit des Organs war\nauch diesmal der Aufgabe nicht gewachsen, und selbst die\nbesten Intentionen des Vortrages gelangten desshalb nicht\nzur sinnlich schönen Erscheinung, von der doch zuletzt\nAlles abhängt. Oberhalb des zweigestrichenen mischen\nsich dem Tone bedenkliche Spuren der Anstrengung bei,\naber auch in der Mittellage ist die eigentliche Blüthe der\nStimme gebrochen.\nFräulein Bähr gab den Orsino. Im Ansätze des To-\nnes, der Aussprache, der Gliederung der musicalischen\nPhrase und vor Allem der geistigen Belebung des Mate-\nrials war ein erfreulicher Fortschritt nicht zu verkennen.\nDurch eine Reihe gefälliger Vortragsschattirungen gewann\nsich namentlich das Trinklied freundliche Aufnahme.\nAm 18. November gab Herr Joseph Joachim ein\nConcert in der Sing-Akademie. Er spielte im ersten Theile\nein Concert in ungarischer Weise von sich selbst und im\nzweiten das Beethoven'sche Violin-Concert, dieselben Com-\npositionen, wie bei seinem hiesigen Auftreten vor etwa\nvier Jahren. Gleichwohl erfreute der Künstler sich eines\nzahlreichen Besuches, und der alte Beifall, mit dem Herr\nJoachim schon bei seinem Erscheinen begrüsst wurde, stei-\ngerte sich im Verlaufe seines Spiels zu zweimaligem Her-\nvorrufe nach jeder Nummer. Abgesehen von seinem classi-\nschen Vortrage des Beethoven'schen Concertes erwärmte\nder Concertgeber auch in seiner eigenen Composition, bei\nallen virtuosen Arabesken, die Zuhörer. Die anerkannte\nFülle und Schönheit seines Tones hat zugleich den Vor-\nzug, dass sie zum Herzen spricht. Dass die Orchester-Be-\ngleitung nicht durchweg ganz präcis und correct war,\ndürfte wohl nur der Mangel an hinreichenden Proben ver-\nschuldet haben. Herr Stägemann von der königlichen\nOper in Hannover unterstützte den Concertgeber und be-\nwährte seine Gesangskunst in der Marschner'schen „Hans-\nHeiling\"-Arie und in zwei Schumann'schen Liedern. Sein\nkräftiger und tüchtig geschulter Bariton, verbunden mit\ndramatischem Feuer und declamatorischem Ausdrucke,\nerwarben ihm nach seinen beiden Nuramern den lebhaf-\ntesten Hervorruf."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-12-02-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-12-02_01#c006", "volume": "bmtnabi_1865-12-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "381", "page_fin": "382", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651202-01.2.6", "titre_corps": "Aus Breslau.", "titre_sommaire": "Aus Breslau.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "381", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651202-01.1.5", "debut_caractere": 2464, "fin_caractere_exclue": 5056, "texte": "Aus Breslau.\nDen 21. November 1865.\nUnter der einsichtsvollen Leitung des Musik-Directors\nDr. Da rar osch haben die Abonnements-Concerte des\nschon seit mehreren Jahren hier bestehenden Orchester-\nVereins unlängst wieder begonnen. Das erste, am 10.\nOctober Statt gefundene Concert erhielt ein besonderes\nInteresse durch das Auftreten der königlichen Hof-Opern-\nsängerin Fräulein Santer aus Berlin, welche mit ihrer\nklangvollen Stimme die grosse Arie aus „Oberon\" von\nWeber und ein Duett aus dem „Fliegenden Holländer\"\nvon R. Wagner, letzteres mit dem hiesigen sehr beliebten\nOpernsänger Herrn Rieger, vortrug, ausserdem auch\nzwei Lieder von Schubert und R. Franz empfindungsvoll\nsang und für ihre trefflichen Leistungen den lebhaftesten\nBeifall ärntete. Die vor und zwischen den Gesang-Vorträ-\ngen zu Gehör kommenden Instrumental-Piecen bestanden\nin den Ouvertüren zu „Euryanthe\" von Weber und zu\n„Julius Cäsar\" von Schumann (diese zum ersten Male), so\nwie in der Sinfonie aus B-durvon Beethoven, bei welchen\ndie schwungvolle Aufführung von zündender Wirkung war.\nDas zweite Concert am 24. October markirte sich\ndurch ein neues Violin-Concert von Herrn Dr. L. Dara-\nrosch, bei dessen Vortrag derselbe seine glänzenden Eigen-\nschaften als Virtuose wie als reichbegabter Componist wie-\nderum entwickelte, was die zahlreiche Zuhörerschaft durch\nrauschenden Beifall und wiederholten Hervorruf des hoch-\nverdienten Künstlers anerkannte, und eben so auch dem\nOrchester Gerechtigkeit dafür widerfahren liess, dass das-\nselbe seine schwierige Aufgabe unter Leitung des Musik-\nDirectors J. Schäffer wacker löste. Auf dieses Tonwerk,\nwelches theilweise den Charakter einer symphonischen\nDichtung trägt, folgte die Romanze für die Vio-\nline mit Orchester-Begleitung von Beethoven, worin Herr\nDr. D amrosch seinen Part ebenfalls mit seelenvollem\nTone vortrug und zur Bewunderung hinriss; ausserdem\naber wurden noch die Ouvertüren zu „Alceste\" von Gluck,\nzu „Lodoiska\" von Cherubini und die i?-Jwr-Sinfonie von\nHaydn mit Präcision und feiner Schattirung ausgeführt.\nEin sehr anziehendes Programm bot auch das dritte\nConcert am 7. November: obenan Suite für Orchester,\naus fünf Sätzen bestehend, von Joachim Raff. Es enthält\ndiese neue Composition eine Fülle harmonischer und me-\nlodischer Schönheiten und gibt Zeugniss von der glück-\nlichen Erfindungsgabe des Componisten, welchem gerecht\nzu werden dem Orchester durch seine exacte Ausführung\ngelang, so dass alle Sätze höchst beifällig aufgenommen\nwurden. Bei dem darauf folgenden Clavier-Concerte [G-\ndur) von Rubinstein wurden die Zuhörer dadurch gefes-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "382", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651202-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2122, "texte": "seit, dass der als grosser Ciaviermeister bekannte Herr\nDr. Hans von Bülow der ergangenen Einladung gefolgt\nwar und die Clavier-Partie übernommen hatte. Dieser\nUmstand kam dem gedachten Tonwerke, welches ganz\nder neueren Richtung angehört, sehr zu Statten, indem\nHerr von Bülow vermöge seiner enormen Technik die\nimmensen Anforderungen des Ciavierparts auf einem klang-\nreichen Bechstein'schen Concertflügel glänzend bewältigte\nund durch die Hervorhebung der Pointen dem Tonwerke\neinen günstigen Eindruck bei den Zuhörern verschaffte,\ndafür aber auch, so wie für das später mit gleicher Mei-\nsterschaft vorgetragene Präludium und Fuge (E-moll), so\nwie Capriccio (Fis-moll) von Mendelssohn mit stürmi-\nschem Beifalle überschüttet wurde. Den Rahmen des Con-\ncertes bildeten noch die Ouvertüre zu „Coriolan\" von\nBeethoven und die Ouvertüre zu „Iphigenia in Aulis\" von\nGluck, deren kühne Conception, Grösse und Erhabenheit\ndurch das Orchester zur vollen Geltung gebracht und da-\nmit ein neues Zeugniss von der sorgfältigen Pflege der\nclassischen Musik abgelegt wurde.\nFerner ist noch der am 17. November erfolgten\nAufführung des Oratoriums „Paulus\" von Mendelssohn-\nBartholdy durch die breslauer Sing-Akademie, unter Lei-\ntung des Musik-Directors Schäffer, zu gedenken. Es hat\ndie in diesem erhabenen Tonwerke herrschende Pracht\nund Mannigfaltigkeit sowohl in den Sologesängen, als in\nden Chören und im Orchester wieder mächtigen Eindruck\nausgeübt, zumal, wie allseitig anerkannt wurde, sämmt-\nliche Mitwirkende von dem regsten Eifer für die Sache\nbeseelt waren.\nAm 23. November spielte Herr Alfred Jaell in\ndem Patti-Concerte von Uilman, welches ein ungemein\nzahlreiches Publicum angezogen hatte, eine neue Compo-\nsition von Ferdinand Hiller (Manuscript), ein Concert\nfür Pianoforte und Orchester, das Alfred Jaell gewid-\nmet ist und bei Cranz in Hamburg erscheinen wird, und\ntrug mit demselben einen glänzenden Erfolg davon. Schon\nnach dem poesievollen Adagio brach ein Sturm von Applaus\nlos, der sich am Schlüsse des letzten Satzes, der in Form\neines Sallarello voll von Leben und Frische ist, zum En-\nthusiasmus steigerte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-12-02-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-12-02_01#c007", "volume": "bmtnabi_1865-12-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "382", "page_fin": "383", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651202-01.2.7", "titre_corps": "Der Tonkünstler-Verein in Dresden im Jahre 1864-1865.", "titre_sommaire": "Der Tonkünstler-Verein in Dresden im Jahre 1864-1865.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "382", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651202-01.1.6", "debut_caractere": 2124, "fin_caractere_exclue": 4985, "texte": "Der Tonkünstler-Verein in Dresden im Jahre\n1864-1865.\nIndem der Gesammt-Vorstand den Mitgliedern des\nTonkünstler-Vereins den zehnten Jahresbericht übergibt,\nglaubt er es aussprechen zu dürfen, dass auch das letzt-\nvertlossene Jahr im Allgemeinen ein günstiges Bild von\nden künstlerischen Bestrebungen des Vereins gegeben\nhabe; ungeschwächt war der Eifer, mit welchem die acti-\nven Mitglieder an den musicalischen Productionen sich be-\ntheiligten, ungeschwächt das rege Interesse, welches die\nzuhörenden Mitglieder jenen Productionen entgegen brach-\nten. Der Verein hat die Lebensfrische sich bewahrt, die\nin den ersten Jahren seines Bestehens ihn auszeichnete,\nund wenn es eines näheren Hinweises auf die seit seiner\nGründung dargebotenen musicalischen Genüsse bedarf, so\nsei übersichtlich erwähnt, dass in den ersten zehn Vereins-\njahren (vom 24. Mai 1854 bis 1864) zusammen 591\nInstrumentalwerke von 117 verschiedenen Componisten\naufgeführt worden sind, und zwar von J. S. Bach 26, von\nHändel 7, von Haydn 23, von Mozart 24, von Beethoven\n53, von Fr. Schubert 16, von R. Schumann 21, von Men-\ndelssohn 11 Werke; ferner Werke von Corelli, Ditters-\ndorf, Zelenka, Cherubini, C. M. von Weber, Spohr, Gade,\nChopin, Brahms, A. Reichel, Raff, A. Rubinstein, Rei-\nnecke, Volkmann u. A.\nDer Wunsch, das zehnjährige Bestehen des Vereins\nfestlich zu begehen, wurde vielseitig laut, und auf Beschluss\nder General-Versammlung vom 10. September 1864 er-\nfolgte die Feier durch den am 28. November 1864 ver-\nanstalteten ersten Productions-Abend, der durch\neinen von unserem geschätzten Mitgliede Herrn Robert\nPrölss verfassten und gesprochenen Prolog eingeleitet\nwurde.\nDer Verein zählt mit Einschluss von 9 Ehren-Mitglie-\ndern und 6 auswärtigen Mitgliedern 147 ordentliche und\n56 ausserordentliche Mitglieder*).\nIm verflossenen Vereinsjahre haben Statt gefunden:\n2 General-Versammlungen, 14 Uebungs-Abende, 4 Pro-\nductions-Abende und 1 ausserordentliche Versammlung.\nVon den Beschlüssen der General-Versammlungen ist\nzu erwähnen, dass die alljährlich Statt findenden 6 Pro-\nductions-Abende auf deren 4, und der Abonnements-Preis\nvon 3 Thlr. auf 2 Thlr. reducirt wurden. Auf Antrag des\nVorstandes und des Ausschusses ward ferner beschlossen,\nHerrn J. Rüblmann, der als Vorsitzender des Tonkünst-\nler-Vereins denselben acht Jahre lang mit grosser Umsicht\nund Treue geleitet, durch Ueberreichung einer Votivtafel\nden Dank des Vereins auszusprechen, dem Ehren-Vorstande\ndes Vereins aber, Herrn Fr. Kummer, bei Gelegenheit\nseines fünfzigjährigen Dienst-Jubiläums am 5. November\n1864 eine Votivtafel zu überreichen.\nDie ausserordentliche Versammlung galt der Anwesen-\nheit des Herrn J. Raff, von dessen Compositionen bei die-\n\n*) In dem angehängten Verzeichnisse der letzteren finden wir\nnur 6—B königliche Beamte, vom Hofe bloss den Grafen Otto von\nVitzthum und Baron von Fink."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "383", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651202-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1320, "texte": "ser Gelegenheit folgende zur Aufführung gelangten: Quar-\ntett (Op. 77) für Streich-Instrumente, Sonate (A-dur) für\nPianoforte und Violine, Suite (Op. 91) für Pianoforte.\nUnter den im letzten Jahre zur Aufführung gekom-\nmenen Tonstücken bemerken wir von neueren Compo-\nnisten: Brahms, J., Sextett (Op. 18) für 2 Violinen, 2\nViolen und 2 Violoncelle. Westmeier, W. (Mitglied des\nVereins), Octett für Violine, Viola, Violoncell, Bass, Flöte,\nOboe, Fagott und Horn (Manuscript). Reichel, A.*),\nQuintett (A-moU) für Pianoforte, 2 Violinen, Viola und\nVioloncell (Manuscript). Hiller, F., Quartett (Op. 105,\nNr. 3) für Streich-Instrumente. Raff, J., Quartett (Op.\n77, D-moll) für Streich-Instrumente. Reichel, F., Quar-\ntett (A-dur) für Streich-Instrumente (Manuscript). Ru-\nbinstein, A., Quartett (Op. 66) für Pianoforte und\nStreich-Instrumente. Volk mann, R., Quartett (Op. 43,\nEs-dur) für Streich-Instrumente. Raff, J., Trio(Op. 102,\nC-moll) für Pianoforte, Violine und Cello. Gade, N. W.,\nPhantasiestücke (Op. 43) für Pianoforte und Clarinette.\nRaff, J., Sonate (A-dur) für Pianoforte und Violine.\nRei necke, C., Concert (D-dur) für Violoncell mit Be-\ngleitung des Pianoforte. Röh r, L., Suite für Pianoforte und\nVioline (Manuscript). Baumfelder, F., Suite (Op. 101)\nfür Pianoforte. Raff, J., Suite (Op. 91) für Pianoforte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-12-02-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-12-02_01#c008", "volume": "bmtnabi_1865-12-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "383", "page_fin": "383", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651202-01.2.8", "titre_corps": "Viertes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller.", "titre_sommaire": "Viertes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "383", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651202-01.1.7", "debut_caractere": 1322, "fin_caractere_exclue": 5244, "texte": "Viertes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn\nFerdinand Hiller.\nDinstag, den 28. November 1865.\nProgramm. I. Theil. Suite in fünf Sätzen für grosses Or-\nchester. Von Heinrich Esser. Op. 70.\n11. Theil. „Semele\", dramatische Cantate für Soli, Chor und\nOrchester. Von G. F. Händel.\n„Eine Suite? Was ist das?\" So hörten wir eine Menge von\nBesuchern des Concertes fragen, die so aufrichtig waren, ihre Un-\nbekanntschaft mit dieser jungen Dame, wie sie meinten, zu gestehen.\nWir finden es ganz in der Ordnung, dass Dilettanten diese Frage\naufwerfen, da selbst viele Musiker nur ungenügende Auskunft dar-\nüber geben dürften, zumal, da die neueren Suiten-Schreiber den Be-\ngriff, den man früher damit verband, willkürlich erweitert haben.\nWir wollen desshalb auch den Fragern nicht mit der heutzutage\nbeliebten Formel: „Die Suite ist bekanntlich\" u. s. w., antworten\nbei unserer Universalbildung hält man es nämlich für unhöflich,\nvorauszusetzen, dass nicht Allen Alles bekannt sei! sondern\nihnen melden, dass die Dame „Suite\" keineswegs durch Jugend-\nfrische glänze, sondern bereits mehr als ein Jahrhundert auf ihrem\nKücken habe, und ihre erneute Einführung in die musicalische Ge-\nSeilschaft nur dem archäologischen Streben nach Vergangenheits-\nMusik und der Mode, Wappen und Titel dieser im Gegensatze zur\nillegitimen Zukunftsmusik wieder hervorzuholen, verdanke.\nDie Franzosen waren von je her stark in Anwendung von Na-\nmen, die eigentlich ganz etwas Anderes bedeuten, auf Kunst- und\nMode-Gegenstände, und wie sie heute einen Sonnenschirm En-tout-\ncas benannt haben, so gaben sie im siebenzehnten Jahrhundert einer\nReihe von Musikstücken den Namen »Suite«, „Folge\" schlechtweg,\nohne irgend einen Zusatz, der sich auf Musik bezogen hätte. Diese\nSuite bestand ursprünglich aas einer Folge von Tänzen in einer\nund derselben Tonart, aber von verschiedenem Rhythmus und Cha-\nrakter. Im Uebrigen kannte sie gar keine bestimmte Form, nur dass\ndie „Allemande , als „eine aufrichtige teutsche Erfindung1\", wie der\ngelehite Musiker Mattheson (um 1740) sagt, die Ehre hatte, den\nReigen zu führen j sonst war die Wahl unter den übrigen Tänzen,\nvon denen man ein anderthalb Dutzend Namen kennt, frei. Dahin\ngeholten z. I>. Menuett, Gavotte, Bourree, Sarabande (nebst der\nAllemande, den ernsten und stolzen Tanz vertretend und wie jene\nam reichsten verziert), Courante, Gigue, Chaconne u. s. w. Man\nsetzte aber auch dieser Reihe eine Art von Ouvertüre vor, und bei\nJ. S. Bach gestaltet sich das vorangestellte Präludium bereits zu\neinem vollständig ausgeführten Satze, welcher z. B. in der D-moll-\nSuite (Nr. 6 der so genannten „englischen Suiten\") 194 Taete 6/s\numfasst, denen dann eine Allemande, Courante, Sarabande, Double,\nzwei Gavotten und eine Gigue (12/i6 Tact) folgen, welche alle zu-\nsammen nicht so lang sind, als das Präludium. Ueber den Charakter\nder verschiedenen Tänze war man schon zu Mattheson's Zeiten nicht\ngeschweige denn jetzt. Dass bei manchen Nummern der Sui-\nten das gelten mochte, was derselbe Gelehrte von der Toccata sagt,\ndass sie „zu derjenigen Musik gehöre, wobei mehr die Finger als\ndie Herzen gerührt würden\", mag wohl der Fall gewesen sein.\nAus dem Gesagten ersieht man, dass auf die Ausbildung der Sin-\nfonie die Suite keinen oder wenigstens nur theilweisen Einfluss ge-\nhabt hat; derselbe dürfte sich nur auf das Menuett beschränken,\nwelches Haydn aufnahm und eigenthümlich, namentlich in volks-\ninässigerem Charakter, ausbildete. Die Sinfonie ist aus der Sonate\nund diese aus der Arie hervorgegangen, und Beides führt auf ita-\nliänischen, nicht auf französischen Ursprung zurück.\nWarum haben nun neuere deutsche Componisteu die herrliche,\nvollkommen ausgebildete Form der Sinfonie verlassen und über-\nschreiben eine Reihe von sinfonistischen Sätzen „Suiteu?\n(Schluss folgt.)\n*) Mitglied des Vereins, Director der Dreyssig'scben Sing-Aka-\ndemie."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-12-02-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-12-02_01#c009", "volume": "bmtnabi_1865-12-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "383", "page_fin": "384", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651202-01.2.9", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "383", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651202-01.1.7", "debut_caractere": 5246, "fin_caractere_exclue": 6042, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\ni\nAachen, 24. November. Das gestrige zweite Abonne-\nments-Concert hatte auf unser musikliebendes Publicum eine\nbedeutende Anziehungskraft ausgeübt, was wohl theilweise der Man-\nnigfaltigkeit des Programms zuzuschreiben ist. Die Ausführung des-\nselben war eine durchgehends treffliche von der reizenden Haydn'-\nschen Sinfonie an bis zur Introduction aus „Teil\", welche den ersten\nTheil schloss. Unser Orchester bewährte namentlich in der Sinfonie\nseine bekannte Tüchtigkeit, die durch die so sichere Leitung des\nHerrn Directors Breunung nur einen erhöhten Werth empfangen\nkonnte. Besonderen Reiz, weil wir sie lange nicht in Aachen ge-\nhört, hatte für uns die „Comala\" von Niels Gade; Soli, Chor und\nOrchester wetteiferten bei dieser Composition, so dass ein ausge-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "384", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651202-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5881, "texte": "zeichnetes Ensemble erzielt wurde. Fräulein Rempel und Herr\nBehr verdienen namentlich die rühmlichste Anerkennung; Fräulein\nTau aus Leipzig hörten wir hier zum ersten Male.\n2O. November. Gestern wurde auf dem hiesi-\ngen Hoftheater Meyerbeer's „Africanerin\" zum ersten Male gege-\nben. Der Referent der Hess. Landes-Zeitung (O. W.) vertritt unter\nAnderem dieselbe Ansicht, welche unser Bericht aus Berlin in der\nvorigen Nummer dieser Zeitung ausspricht, dass die Wendung der\nneueren grossen Oper auch ohne Meyerbeer hereingebrochen sein\nwürde, dass allerdings ihn ein Theil der Verantwortlichkeit treffe,\ndass man aber die Person nicht einseitig für eine Richtung der Zeit\nverantwortlich machen müsse. Die Aufführung war eine des Wer-\nkes würdige. Fräulein Stöger, welche die Rolle der Selika sang,\nverband mit ergreifendem Spiel eine äusserst wirksame gesangliche\nWiedergabe, eben so gab uns Herr Becker einen in jeder Hinsicht\nausgezeichneten Nelusco. Nicht minder Anerkennung verdient Herr\nNachbaur als Vasco de Grama, Die Uebrigen thaten ihr Möglich-\nstes. Nicht unterlassen können wir es aber, Herrn Hof-Capellmeister\nNesvadba für die gediegene Einstudirung der Oper, die vortreff-\nliche Disciplin des Orchesters und die schwungvolle, energische Lei-\ntung des Ganzen unsere ganz besondere Anerkennung auszusprechen.\nZum Schlüsse müssen wir noch mit wenigen Worten der vortreff-\nlichen Leistung des Herrn Maschinenmeisters Brandt und des\nHerrn Hofmalers Schwedler gedenken. Besonders hat es uns ge-\nfreut, dass auch der letztere Seitens des Publicums durch dreimali-\ngen, wohlverdienten Hervorruf geehrt und ausgezeichnet wurde. Der\nSchiffbruch im dritten Acte war das Vorzüglichste, was Theater-\nMaschinerie leisten konnte, und die Schluss-Decoration der Oper das\nPrachtvollste, was im Genre der Decorationsmalerei wohl hervor-\ngebracht worden ist.\nDas von Ernst Pasque verfasste Textbuch der von J. J.\nAbert vollendeten romantischen Oper in drei Acten, „Astorga\",\nist in der Joh. Conr. Herbert'schen Hof-Buchdruckerei in Darmstadt\nerschienen. Der Held der Oper ist der berühmte Componist Ema-\nnuel Astorga. Ein in den ersten Jahren des vorigen Jahrhunderts\nin Sicilien unter dem Vicekönige Marquis Carlos Philipp Spinola\nvon Los Balbazes Statt gefundener Aufstand, verbunden mit den\nvon Rochlitz („Für Freunde der Tonkunst\", 1825, Bd. II.) erzählten\nromantischen Lebensumständen des Meisters, liegen in freier, selb-\nständiger Benutzung der Opernhandlung zu Grunde. Abert's Oper\nwird an der Stuttgarter Hofbühne zur Aufführung kommen.\nFrankfurt a* 17. November. Die gefeierte Künst-\nlerin Frau Wilhelmine Szarvady, geb. Clauss, ist leider hier\nerkrankt und durch die Fortdauer ihres Unwohlseins genöthigt, auf\nihre Engagements in Leipzig, Dresden, Hamburg, Schwerin, Bremen\nund Lübeck zu verzichten und nach Paris zurückzukehren, um da-\nselbst die Herstellung ihrer Gesundheit abzuwarten. Hoffen wir, dass\ndie vortreffliche Frau bald in den Stand gesetzt sein wird, die ver-\nsprochene Kunstreise zu unternehmen und Deutschland einen der\nhöchsten Kunstgenüsse zu gewähren, den es eben so gut wie Paris\nzu schätzen weiss.\nKönig Ludwig 11. von Baiern liess vom Bildhauer Zumbusch\nin München eine fetatue des Lohengrin in carrarischem Marmor aus-\nführen, die ihrer idealen Auffassung wegen sehr gerühmt wird. Lo-\nhengrin, dem der Schwan zur Seite steht, zückt das Schwert, um\neben mit Telramund den Kampf zu beginnen. Auch die Gestalten\ndes fliegenden Holländer, Tristan, des jungen Siegfried wurde der\nKünstler zu vollführen beauftragt, und sind bisher die Gypsmodelle\nzum grössten Theile vollendet.\nBrüssel, 26. November. Neben den Conse rvatoire-Con-\ncerten, deren erstes Sonntag den 19. Statt fand und Beetho-\nven's Coriolan-Ouverture und Sinfonia Eroica, das Quartett aus\nDon Juan, Adagio und Rondo von Chopin (Mademoiselle Ver-\ngauven) brachte, hat Herr Adolf Samuel, Professor am Conser-\nvatorium, Componist und dramatischer Schriftsteller, Concerts popu-\nlaires im Thtätre du Girque, dem grössten der hiesigen, nach dem\nMuster der Pasdeloup'schen in Paris, veranstaltet, welche am Sonn-\ntag den 26. um 2 Uhr eröffnet worden sind. Die Theilnahme des\nPublicums war ausserordentlich gross. Das Programm brachte:\nOuvertüre zu Oberon, Sinfonie-Andante von Soubre (Director des\nConservatoriums in Lüttich), V. Sinfonie von Beethoven, Ouver-\ntuie zur „Zauberflöte , zweiter Zwischenact zum Sommernachtstraum\nvon Mendelssohn, Andante aus dem fünften Quartett von Beet-\nhoven (von allen Saiten-Instrumenten), indischer Marsch aus der\n„Africanerin\" von Meyerbeer. Es wurde Alles recht gut ausge-\nführt, namentlich die Sinfonie und die beiden Ouvertüren; der Er-\nfolg des Concertes war von Bedeutung.\nDer Sängerverein Germania überraschte bei der Feier seines\ndiesjährigen Stiftungstages sein eingeladenes Publicum durch eine\ntheatralische Vorstellung. Man gab eine komische Operette in\nzwei Acten, genannt „Der Thronfolger\", mit sehr hübschem, geist-\nreichem Texte, von einem hier ansässigen deutschen Kaufmanne\nund Musik von Louis Brassin, dem ausgezeichneten Pianisten.\nHerr Brassin, bisher nur durch seine glänzenden Claviersachen als\nComponist rühmlichst bekannt, hat in diesem ersten dramatischen\nVersuche ein entschiedenes Talent für diese Gattung bewiesen, da\ndie Operette reich an hübschen Melodieen, die Harmonie gut be-\nhandelt ist und der Erfolg des Ganzen ein vollständiger war.\nParis« Am 26. August starb hier Charles Jos. Gustav\nHecquet, geboren zu Bordeaux den 22. August 1803, Componist\nund schätzenswerther musicalischer Schriftsteller, den wir auch am\nRheine bei den letzten Musikfesten kennen lernten. In der Revue\net Gazette musicale schrieb er unter dem Namen Leon Durocher.\nDas Thiatre lyrique probirt Flotow' s „Martha\" mit französi-\nschem Texte; bisher hatten nur die Italiäner diese Oper hier gege-\nben. Die Aufführung soll gegen Mitte December Statt finden."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "377", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651202-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nF&is' Biographie der Tonkünstler. Reisebriefe aus Italien (Verona: die Vestalin Florenz: der Quartett-Verein\nAdelina Patti). Stadttheater zu Frankfurt am Main vom 1. Nov. 1864 bis 31. Oct. 1865. Aus Berlin (Theater Concert). Aus\nBreslau (Abonnements-Concerte). Der Tonkünstler-Verein in Dresden im Jahre 1864—1865. Viertes Gesellschafts-Concert in Köln\nim Gürzenich. Tages- und Unterhaltungsblatt (Aachen, zweites Abonnements-Concert Darmstadt, u n. s. w.).\n\nFétis’ Biographie der Tonkünstler.\nDas grosse Werk des berühmten Seniors der franzö-\nsischen Musikgelehrten liegt jetzt in seiner zweiten Auf-\nlage in acht starken, durch die Verlagshandlung von Fir-\nmin Didot vortrefflich ausgestatteten Bänden vollständig\nvor. Es ist diese zweite, vermehrte, vervollständigte und\nverbesserte Auflage nicht nur ein Denkmal des umfassen-\nden musicalischen Wissens und des andauernden, ja, in\ndem hohen Alter, worin der Verfasser steht, beispiellosen\nFleisses desselben, sondern auch ein ehrenvolles Zeugniss\nfür das Publicum in Frankreich und Belgien, bei dem ein\nso umfangreiches und theures Buch eine zweite Auflage\nüberhaupt und noch dazu in so kurzer Zeit erleben konnte.\nDenn wenn gleich das biographische Lexikon von Fetis\nauch im Auslande, namentlich in Russland und Polen,\neiniger Maassen auch in England und Deutschland, Käufer\ngefunden hat, so waren Frankreich und Belgien doch die\nHauptmärkte für den Absatz. Der letzte Band der er-\nsten Auflage erschien 1844 und der erste der gegen-\nwärtigen zweiten im Jahre 1860, so dass also binnen\nsechszehn Jahren die ganze erste Auflage gänzlich ver-\ngriffen war!\nDie zweite Auflage des Werkes, welches jetzt den\nTitel führt: Biographie universe\nbliographie generale de la Musique. Deuxieme Edition\nentierement refondue et augmentee de plus de moitie. Par\nF. J. Fetis, Maitre de Chapelle\nrecteur du Conservatoire royal\nParis, Librairie de Firmin Didot Freres, Bls Sf Comp.\nbegann, wie gesagt, im Jahre 1860, I. XXXVII und 478\nS. Gr. 8., jede Seite von zwei Spalten. Im Laufe der\nfolgenden Jahre erschienen: 1861, 11. 484 S. 1862,\n111. 480 S., IV. 491 S. 1863, V. 480 S. 1864,\nVI. 496 S., VII. 548 S. und 1865, VIII. 527 S.\nSo erschien binnen fünf Jahren ein lexikalisches Werk\nvon 250 Bogen (zu 16 doppelspaltigen Seiten eleganten\nund deutlichen, aber keineswegs verschwenderischen\nDrucks), dessen gänzliche Umarbeitung der Verfasser al-\nlein und so selbständig betrieben hat, dass er sogar auch\ndie Correctur, wie wir genau wissen, selbst besorgte und\nderselben während des so schnell fortschreitenden Druckes\ntäglich an sechs Stunden Zeit widmete. Erwägt man da-\nbei, wie Fetis durch seine Amtsgeschäfte und durch an-\ndere schriftstellerische Arbeiten in französischen musicali-\nschen Blättern in Anspruch genommen worden und dabei\ndoch so sehr mit den Erzeugnissen der Zeit in Bekannt-\nschaft blieb, dass ihm Meyerbeer sogar die Leitung der\nVorbereitungen zu der pariser Aufführung der „Africa-\nnerin\" anvertraute, so muss die musicalische und literari-\nsche Welt die Thätigkeit eines Veteranen, der am 25.\nMärz künftigen Jahres in sein 82. Jahr tritt, bewundern.\nSie erinnert an die unverwüstliche Arbeitskraft von Ge-\nlehrten früherer Jahrhunderte, die in polyhistorischen\nWerken Denkmale derselben hinterliessen.\nDen Nachtheil, den die Lösung einer so ungeheuren\nAufgabe durch einen Mann mit sich bringt, da ein Ein-\nziger unmöglich Alles erforschen, berichten, erschöpfen\nkann, was sich auf geschichtliche Thatsacben bezieht und\nauch in anderen Dingen nach dem Wesen der mensch-\nlichen Natur Irrthümern und Schwächen unterworfen ist,\nwiegt der Vortheil auf, dass man in diesem Werke nicht\nwie in anderen ähnlichen einem bunten Allerlei von Ur-\ntheilen über Musiker und deren Compositionen begegnet\n(man denke z. B. an Schilling's Tonkünstler-Lexikon, in\nwelchem treffliche Artikel mit dem flachsten Geschwätz,\nje nach dem Talente und der Urtheilsfähigkeit der ver-\nschiedenen Verfasser, abwechseln), sondern eine conse-\nquente Betrachtungsweise der musicalischen Schöpfungen\nder verschiedenen Epochen durchgeführt findet, welche\nauf richtigen Grundsätzen der Kritik, Freiheit und Selb-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "378", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651202-01.1.2", "texte": "ständigkeit der Ansichten, wie sie Felis in der Vorrede\nzum ersten Bande ausgesprochen hat*), und auf redlichem\nWillen und Gewissen beruht. Freilich schützt das alles\nnicht vor Missgriffen und Irrthümern, wie sie denn auch\nhier, namentlich in Bezug auf neuere musicalische Er-\nzeugnisse, vorkommen: allein selbst aus den Sonderlich-\nkeiten eines Mannes wie Fetis ist immer noch Belehrung\nzu schöpfen, weil sie zum Nachdenken anregen, und es\nist leicht, die Ansichten und Urtheile des gelehrten Bel-\ngiers gering zu schätzen oder zu bespötteln, schwerer aber,\nobwohl wünschenswerther, ihren Quellen nachzugehen\nund dadurch zu einer Selbstschau bewogen zu werden,\ndie vielleicht manchmal gute Resultate haben dürfte. Mä-\nkeleien an Einzeldingen, wie z. B. die allerdings bedauer-\nliche Verunstaltung vieler deutscher Büchertitel, zu deren\nBeseitigung ein deutscher Revisor in Paris und Brüssel\nleicht zu finden gewesen wäre, sind natürlich nicht im\nStande, den wesentlichen Werth des Werkes zu schmä-\nlern, welches trotz der Schreibseligkeit unseres Zeitalters\ndoch in der Literatur aller Nationen als einzig in seiner\nArt dasteht und schon in der ersten Auflage als ein un-\nentbehrliches für jeden Musiker und Kunstfreund galt.\nDie beiden letzten Bände (VII. Perotti Scultetus;\nVIII. Sebastiani bis Zyka) enthalten unter Anderem die\ninteressanten Biographieen von Philidor, Piccinni,\nPorpora, Rameau, Sims Reeves, Reichardt,\nReissiger, Ries, Rossini (S. 320—329), Rous-\nseau, Rubini, Scarlatti, F. Schneider, F. Schu-\nbert, Schumann u. s. w. Ferner von Servais, Si-\nvori, Sontag, Spohr, Spontini (S. 87 —100), Stei-\nbelt, Stradella, Stradivari, Strauss, Tartini,\nThalberg, Verdi, Vieuxtemps, Viotti, Vogler,\nWagner (S. 395—404), G. Weber, C. M. von We-\nber, Willaert, Zingarelli u.s.w.\n\nReisebriefe aus Italien.\n(Verona: die Vestalin Florenz: der Quartett-V er ein.)\nDen 20. November 1865.\nNach den unerquicklichen Eindrücken einer Novem-\nberfahrt über den Brenner unter unaufhörlichen Regen-\ngüssen und durch abscheulichen Schmutz, den die Unord-\nnung des Materials, das zu dem Eisenbahnbau durch\neinander gehäuft war, vergrösserte, war ich bei meiner\nAnkunft in Verona hoch erfreut, auf den Theaterzetteln\nmit grossen Buchstaben „Die Vestalin\" angekündigt zu\nsehen. In der Hoffnung, dass die Kunst mir zum Ersatz\neinen Genuss bieten würde, den dieses Mal die Natur in\nden Alpen versagt hatte, betrat ich das Opernhaus, begie-\nrig, eine ilaliänische Vorstellung der berühmten Oper zu\nsehen. Aber schon bei den ersten Tacten hörte ich, dass\nich mich arg getäuscht hatte, und ein schärferer Blick auf\nden Zettel offenbarte mir statt Spontini's den Namen Mer-\ncadante. Nun, mit gefangen, mit gehangen! dachte ich,\nblieb und hörte gelassen die Oper an, gestehe aber gern,\ndass ich in ziemlich versöhnter Stimmung das Haus ver-\nliess. Mercadante's Schreibart ist jedenfalls besser, als der\nStil seiner italiänischen Zeitgenossen, obschon bisweilen\nauch etwas Epileptisches ä la Verdi mit in den Kauf ge-\nnommen werden muss.\nVon Mailand, wo ich mich nicht aufhalten konnte,\nschlug ich dieses Mal nicht den Weg über Genua und La\nSpezzia nach Florenz ein, sondern benutzte die erst kürz-\nlich vollendete Eisenbahn über Bologna, auf der man die\nherrliche Fahrt über die Apenninen macht, die ein Seiten-\nstück in vergrössertem Maassstabe zu der Fahrt von Ver-\nviers nach Lüttich bildet, durch ihre Felsen, Schluchten,\nWildbäche und vierundvierzig mitunter bedeutende Tun-\nnels, die Schlag auf Schlag nach einander folgen.\nDa auf dem Wege nach Rom, man mochte wählen,\nwelchen man wollte, jedenfalls eine Cholera-Quarantaine\nvon mindestens acht Tagen drohte, so zog ich natürlich\nvor, in Florenz zubleiben, wo die unermesslichen Kunst-\nschätze der alten Mediceerstadt reichlichen Stoff zur Be-\ntrachtung bieten und auch die musicalischen Zustände zu\nden besseren in Italien gehören.\nSo hörte ich denn am 11. November im Theater\nPagliano Adelina Patti als Sonnambula und wohnte den\n12. der ersten diesjährigen Sitzung des hiesigen Quartett-\nVereins bei. Ueber Fräulein Patti könnte ich Ihnen kaum\netwas sagen, was Sie nicht schon aus eigenem Anschauen\nund Anhören wüssten, und beschränke mich desshalb auf\ndie interessante Erscheinung des Quartett-Vereins.\nDiese Bocietä del Quartetto di Firense ist im Jahre\n1861 gegründet worden. Der Zweck des Vereins ist Aus-\nführung und Verbreitung der Werke für Kammermusik;\nfür diesen Zweck werden zehn Concerte an Sonntagen\nvom November bis Mai gegeben, ferner eine Partitur-\nAusgabe von Quartetten in Taschenformat {Editore: Gual-\nberto Guidi) veranstaltet und ein musicalisches Blatt: II\nBoccherini, welches zwei Mal im Monate erscheint, heraus-\ngegeben. Die Theilnehmer zerfallen in drei Classen. Die\nerste bilden die Stifter (fondatori) mit Jahresbeitrag von\n30 Frcs.; ferner die Soci proin Florenz mit 40,\nausserhalb Florenz in Italien mit 18 Frcs., im Auslande\nmit 20 Frcs. Die zweite Classe enthält die ordent-\nlichen Mitglieder (in Florenz 1 Fr. 20 C. monatlich, aus-\n\n*) Vgl. Niederrh. Musik-Zeitung, Jahrgang 1860, Nr. 27."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "379", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651202-01.1.3", "texte": "serhalb 13 Fr. jährlich). Die dritte die Abonnenten\nauf die Concerte allein, zu 20 Fr. für zehn Concerte.\nAuf eine zweite Reihe von zehn Concerten an Wo-\nchentagen wird unter denselben Bedingungen ein Abonne-\nment eröffnet.\nSämmtliche Mitglieder der ersten Classe erhalten drei\nBillets für jedes Concert, ferner die Zeitung II Boccherini\nund sechs Partituren jährlich; die von der zweiten Classe\nein Billet und dieselben Partituren; die von der dritten\nzwei Billets, aber keine Partituren. Der Eintrittspreis\nfür Nicht-Abonnenten ist auf 5 Fr. gesetzt. Die mate-\nriellen Angelegenheiten des Vereins besorgt der Vorstand,\nnamentlich Herr Basevi, ein sehr geschätzter musicali-\nscher Schriftsteller.\nDie Partitur-Ausgabe enthält bis jetzt von Beethoven\n17, Mozart 2, Hummel 2, Mendelssohn 3, Spohr 1, Boc-\ncherini 2, Pacini 1, Bottesini 1, Anichini 1, Croff 1,\nFiori 1, C. Ricordi 1, Haydn 1, und von deutschen Zeit-\ngenossen: von Langhans 1.\nAn der Spitze der ausführenden Künstler steht jetzt\nHerr Jean Becker (früher Herr Guido Papini), den\nder Verein, wie auch den Violoncellisten Friedrich\nHilpert, für diese Saison engagirt hat. Ich hörte in der\nSitzung am 12. November Beethoven's Trio für Piano-\nforte, Violine und Violoncell, Op. 1, Nr. 1 (die Ciavier-\nPartie von der Signora Rita Montagnani gespielt),\nBeethoven's Violin-Quartett Op. 74 (Harfen-Quartett)\nund Mendel ss oh n's Capriccio Op. 22 für Pianoforte\nmit Quintett-Begleitung. Alle diese Stücke wurden recht\nwacker ausgeführt, besonders aber das Violin-Quartett\nvon Beethoven, in welchem nur etwa die Triolen-Variation\nder Viola im letzten Satze etwas zu sehr versüsslicht und\nritardisirt wurde. Am folgenden Tage hörte ich die Künst-\nler noch in einem Privat-Cirkel, und die Leistungen\nBecker's und seiner Genossen verdienen in der That aus-\ngezeichnet genannt zu werden. Sie spielten unter Anderem\nauch zwei Quartette, Op. 10und 11, von L. von Stain-\nlein, die sie in den Cyklus ihrer Sitzungen aufgenommen\nhaben, mit vortrefflichem Vortrage, welcher demjenigen\nkaum nachstand, mit dem ich vor einigen Jahren dieselben\nsehr ansprechenden Werke durch Sivori und Genossen in\nParis ausgeführt hörte.\nAusser Becker und Hilpert traf ich auch die deut-\nschen Musiker Dr. Ambros aus Prag und Bernhard\nScholz, früher Capellmeister in Hannover, in Florenz an.\nLetzterer hat sich hier niedergelassen und wird dem Ver-\nnehmen nach auch ein musicalisches Unternehmen hier\nbegründen. Es scheint allerdings, dass der Boden von Flo-\nrenz der geeignetste sei, der deutschen Musik in Italien\nEingang zu verschaffen. Das Publicum unterstützt den\nQuartett-Verein durch zahlreiche und aufmerksame Theil-\nnahme; indess ist der Schritt von dem Quartett-Verein\nbis zu Aufführungen von Ouvertüren und Sinfonieen in\ngrossen Concerten noch ein sehr bedeutender, zumal da\nin den grösseren Städten die Oper überall als die eigent-\nliche Nationalmusik der Italiäner der Concertmusik gefähr-\nliche Concurrenz macht.\nIch bin neugierig, wie ich die musicalischen Verhält-\nnisse in.Rom antreffen werde und in wie fern Liszt be-\nreits darauf eingewirkt hat. Ich werde dort Sivori tref-\nfen und den talentvollen jungen Pinelli aus Bologna,\nden Sie bei Ihrem letzten Musikfeste in Köln kennen ge-\nlernt haben werden, da er die weite Reise damals nicht\nscheute, um einem der berühmten rheinischen Musikfeste\nbeizuwohnen.\nUeber Adelina Patti fügen wir aus einer anderen\nCorrespondenz aus Florenz vom 18. November folgende\nNotizen hinzu.\nAm 5. d. Mts. ist Adelina Patti direct von Köln glück-\nlich hier angekommen, und schon Tage lang vorher war\nvon nichts Anderem die Rede; denn bei der Lebhaftigkeit\nder Italiäner für Gesang drängte die Erwartung der be-\nrühmten Sängerin, zumal da sie Florenz zu ihrem ersten\nAuftreten in Italien gewählt hatte, sogar das Interesse an\nder Wahlbewegung an öffentlichen Orten zurück. Daher\nkam es denn, dass sich um 11 Uhr Abends die sämmt-\nlichen Gesangvereine von Florenz vor das Hotel de l'Eu-\nrope begaben, wo sie abgestiegen war, und ihr zu Ehren\neine prächtige Serenade brachten. Mehr als zehn Tausend\nMenschen füllten den Platz, und die Pw« la Patti! woll-\nten nicht endigen.\nAm 11. trat sie vor dem ausverkauften Hause des\nTheaters Pagliano zum ersten Male in der Rolle der\nnambula auf. „Es war ein Festtag für uns,\" schreibt\neines der besten kritischen Blätter „der wieder einmal\nden vorwiegenden musicalischen Charakter des italiäni-\nschen Volkes offenbarte, so sehr verstand das Publicum\ndie Darstellung und den Gesang dieser bescheidenen Amina\nin dem schönen Idyll Bellini's zu würdigen, welches ein\nMeisterwerk bleiben wird, so lange in Italien noch die\nMusik kein leerer Schall geworden. Adelina Patti führte\ndas duftige, poetische Wesen der Nachtwandlerin in den\nwechselnden Situationen und Empfindungen vom einfachen\nLandmädchen voll inniger Liebe bis zur verzweifelnden\nVerstossenen und dann wieder in Freude aufflammenden\nglücklichen Braut so wahr und charakteristisch durch,\ndass sie alle Welt von dem ihr angeborenen Gefühle für\ndie Kunst überzeugte, wozu denn auch gehörte, dass sie\nden dramatischen Ausdruck der Melodie nicht durch\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "380", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651202-01.1.4", "texte": "Ueberladung mit Virtuosenflitter verdunkelte und, wie wir\nes öfter gehört, geradezu vernichtete. Mit Einem Worte:\nsie erhob sich zum Ideale der Kunst, und das Publicum\nidentificirte sich so mit der Künstlerin, dass jeder Ton,\njeder Blick, jeder Gest, jede Bewegung in die Seele des\nZuschauers überging. Dies alles, vereint mit dem lieblichen\nund doch klangvollen Timbre der Stimme, der reinsten\nIntonation und der Meisterschaft in der Figural-Technik\ndes Gesanges macht sie zu einer Erscheinung auf der\nBübne, welche dem Zauber des echten italiänischen Ge-\nsanges sein Recht und seinen Sieg über die Ausartung\ndesselben verschaffen wird. Dass sie unter denen, welche\ndie Sängerinnen nur nach dem Volumen der Stimme, nach\ndem Schrei der Leidenschaft und der excentrischen Ge-\nberdung dabei beurtheilen, Gegner finden wird, lässt sich\nvoraussehen: dass aber das italiänische Publicum den Sinn\nfür den wahren Gesang und die ideale Dramatik noch\nnicht verloren hat, bewies es gleich bei der ersten Vor-\nstellung von Adelina Patti.\"\n\nStadttheater zu Frankfurt am Main\nvom 1. November 1864 bis 31. October 1865.\nIn dem abgelaufenen Theaterjahre fanden 342 Vor-\nstellungen Statt. Davon waren 306 im Abonnement und\n36 ausser Abonnement, so dass die Abonnenten, da das\nJahres-Abonnement nur 250 Vorstellungen bezeichnet,\n56 Vorstellungen mehr erhielten.\nAn den 342 Theaterabenden wurden gegeben: 136\nverschiedene Stücke (17 Trauerspiele und Dramen, 24\nSchauspiele, 95 Lustspiele), 40 Opern, 3 Operetten, 29\nVaudevilles und Gesangspossen, zusammen also 208 ver-\nschiedene Stücke aller Gattungen.\nVon den Stücken wurden 20 zum ersten Male und\n26 neu einstudirt gegeben. Von den Opern wurden 1\nzum ersten Male und 6 neu einstudirt gegeben. Von den\nOperetten wurde 1 neu einstudirt, von den Vaudevilles\nund Gesangspossen 1 zum ersten Male und 7 neu einstu-\ndirt gegeben.\nDie sämmtlichen Vorstellungen umfassen 132 Opern,\n11 Operetten, 53 Vaudevilles und Gesangspossen, 28\nTrauerspiele und Dramen, 41 Schauspiele, 198 Lustspiele.\nIn der Oper wurde zum ersten Male aufgeführt „Das\nGlöckchen des Eremiten\", komische Oper in drei Acten\nnach dem Französischen des Lockroy und Cormon, Musik\nvon Aime Maillart. Ferner die Gesangsposse „Tannhäuser,\noder: Der Sängerkrieg auf der Wartburg\", komisches In-\ntermezzo von L. Kaiisch, Musik von A. Conradi. Neu\neinstudirt: „Lucrezia Borgia\", „Idomeneus\", „Jessonda\",\n„Der Wasserträger\", „Der Prophet\", „Johann von Pa-\nris\". In der Operette: „Der Ehemann vor der Thür\"\n(von Offenbach).\nNach den Componisten kamen a) in der Oper vor:\nAdam: „Der Postillon von Lonjumeau\" 2 Mal; Auber:\n„Maurer und Schlosser\"; Beethoven: „Fidelio\" 3 Mal;\nBellini: „Norma\"; Boieldieu: „Johann von Paris\" 3 Mal,\n„Die weisse Frau\" 2 Mal; Cherubini: „Der Wasserträ-\nger\" 2 Mal; Donizetti: „Linda von Chamounix\" 2 Mal,\n„Lucia von Lammermoor\", „Lucrezia Borgia\" 6 Mal,\n„Don Pasquale\" 2 Mal; Flotow: „Alessandro Stradella\"\n5 Mal, „Martha\" 5 Mal; Gounod: „Margarethe\" 4 Mal;\n„Die Jüdin\" 5 Mal; Herold: „Zampa\" 4 Mal;\nKreutzer: „DasNachtlager in Granada\" 3 Mal; Lortzing:\n„Die beiden Schützen\" 3 Mal, „Czaar und Zimmermann\",\n„Undine\" 3 Mal, „Der Waffenschmied\" 3 Mal; Maillart:\n„DasGlöckchen des Eremiten\" 7 Mal; Marschner: „Temp-\nler und Jüdin\" 3 Mal; „Jakob und seine Söhne\nin Aegypten\" 4 Mal; Meyerbeer: „Die Hugenotten\" 3\nMal, „Der Prophet\" 2 Mal, „Robert der Teufel\"; Mo-\nzart: „Die Hochzeit des Figaro\" 4 Mal, „Idomeneus\" 5\nMal, „Don Juan\" 2 Mal, „So machen's Alle\" (Cosi fan\ntutte) 2 Mal, „Die Zauberflöte\" 6 Mal; Nicolai: „Die lu-\nstigen Weiber von Windsor\" 4 Mal; Offenbach: „Or-\npheus in der Unterwelt\" 2 Mal; Rossini: „Teil\" 4 Mal;\nSpohr: „Jessonda\" 4 Mal; Verdi: „Hernani\" 4 Mal,\n„Der Troubadour\" 6 Mal; Weber: „Der Freischütz\" 4\nMal, „Oberon\" 4 Mal.— b)in der Operette: Offenbach:\n„Der Ehemann vor der Thür\" 5 Mal, „Fortunio's Lied\"\n5 Mal, „D ie Schwätzerin von Saragossa\".\nConcertspieler im Theater waren: Fräulein Sophie\nMenter, Pianistin aus München; Herr Günther, Flötist\ndes hiesigen Theater-Orchesters.\n\nAus Berlin.\nAm 12. November trat Fräulein v. Pöllnitz in der\nTitelrolle von Donizetti's „Lucrezia\" auf. Was uns dieser\nzweite theatralische Versuch bot, stellte die musicalische\nund dramatische Bildung der Debütantin noch in ein gün-\nstigeres Licht, als neulich ihre Iphigenie. Die künstlerische\nBehandlung des Tones, die Sicherheit der Intonation, die\nReinheit und Deutlichkeit der Aussprache, der bei aller\nBestimmtheit der declamatorischen Accente ununterbro-\nchene melodische Fluss, endlich die eben so lebendige als\nmaassvolle Weise des Vortrages mussten ihr die Anerken-\nnung jedes Kundigen erwerben. Verständige Einsicht und\nmit Entschiedenheit auf das Ziel gerichteter Wille gingen\nhier stets Hand in Hand. Auch sind namentlich die wohl-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "381", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651202-01.1.5", "texte": "gelungenen Coloraturen hervorzuheben, welche die grosse\nArie umrankten. Was sich die Sängerin gewann, ging in-\ndessen nirgends über einen succes d'estime hinaus, denn\nhinter den Vorzügen der Bildung blieb die Natur mit ih-\nrer Gunst im Rückstände: lediglich aus der vollsten und\ninnigsten Wechselwirkung dieser beiden Factoren ent-\nspringt aber die das Gefühl überzeugende künstlerische\nIllusion. Die materielle Leistungsfähigkeit des Organs war\nauch diesmal der Aufgabe nicht gewachsen, und selbst die\nbesten Intentionen des Vortrages gelangten desshalb nicht\nzur sinnlich schönen Erscheinung, von der doch zuletzt\nAlles abhängt. Oberhalb des zweigestrichenen mischen\nsich dem Tone bedenkliche Spuren der Anstrengung bei,\naber auch in der Mittellage ist die eigentliche Blüthe der\nStimme gebrochen.\nFräulein Bähr gab den Orsino. Im Ansätze des To-\nnes, der Aussprache, der Gliederung der musicalischen\nPhrase und vor Allem der geistigen Belebung des Mate-\nrials war ein erfreulicher Fortschritt nicht zu verkennen.\nDurch eine Reihe gefälliger Vortragsschattirungen gewann\nsich namentlich das Trinklied freundliche Aufnahme.\nAm 18. November gab Herr Joseph Joachim ein\nConcert in der Sing-Akademie. Er spielte im ersten Theile\nein Concert in ungarischer Weise von sich selbst und im\nzweiten das Beethoven'sche Violin-Concert, dieselben Com-\npositionen, wie bei seinem hiesigen Auftreten vor etwa\nvier Jahren. Gleichwohl erfreute der Künstler sich eines\nzahlreichen Besuches, und der alte Beifall, mit dem Herr\nJoachim schon bei seinem Erscheinen begrüsst wurde, stei-\ngerte sich im Verlaufe seines Spiels zu zweimaligem Her-\nvorrufe nach jeder Nummer. Abgesehen von seinem classi-\nschen Vortrage des Beethoven'schen Concertes erwärmte\nder Concertgeber auch in seiner eigenen Composition, bei\nallen virtuosen Arabesken, die Zuhörer. Die anerkannte\nFülle und Schönheit seines Tones hat zugleich den Vor-\nzug, dass sie zum Herzen spricht. Dass die Orchester-Be-\ngleitung nicht durchweg ganz präcis und correct war,\ndürfte wohl nur der Mangel an hinreichenden Proben ver-\nschuldet haben. Herr Stägemann von der königlichen\nOper in Hannover unterstützte den Concertgeber und be-\nwährte seine Gesangskunst in der Marschner'schen „Hans-\nHeiling\"-Arie und in zwei Schumann'schen Liedern. Sein\nkräftiger und tüchtig geschulter Bariton, verbunden mit\ndramatischem Feuer und declamatorischem Ausdrucke,\nerwarben ihm nach seinen beiden Nuramern den lebhaf-\ntesten Hervorruf.\n\nAus Breslau.\nDen 21. November 1865.\nUnter der einsichtsvollen Leitung des Musik-Directors\nDr. Da rar osch haben die Abonnements-Concerte des\nschon seit mehreren Jahren hier bestehenden Orchester-\nVereins unlängst wieder begonnen. Das erste, am 10.\nOctober Statt gefundene Concert erhielt ein besonderes\nInteresse durch das Auftreten der königlichen Hof-Opern-\nsängerin Fräulein Santer aus Berlin, welche mit ihrer\nklangvollen Stimme die grosse Arie aus „Oberon\" von\nWeber und ein Duett aus dem „Fliegenden Holländer\"\nvon R. Wagner, letzteres mit dem hiesigen sehr beliebten\nOpernsänger Herrn Rieger, vortrug, ausserdem auch\nzwei Lieder von Schubert und R. Franz empfindungsvoll\nsang und für ihre trefflichen Leistungen den lebhaftesten\nBeifall ärntete. Die vor und zwischen den Gesang-Vorträ-\ngen zu Gehör kommenden Instrumental-Piecen bestanden\nin den Ouvertüren zu „Euryanthe\" von Weber und zu\n„Julius Cäsar\" von Schumann (diese zum ersten Male), so\nwie in der Sinfonie aus B-durvon Beethoven, bei welchen\ndie schwungvolle Aufführung von zündender Wirkung war.\nDas zweite Concert am 24. October markirte sich\ndurch ein neues Violin-Concert von Herrn Dr. L. Dara-\nrosch, bei dessen Vortrag derselbe seine glänzenden Eigen-\nschaften als Virtuose wie als reichbegabter Componist wie-\nderum entwickelte, was die zahlreiche Zuhörerschaft durch\nrauschenden Beifall und wiederholten Hervorruf des hoch-\nverdienten Künstlers anerkannte, und eben so auch dem\nOrchester Gerechtigkeit dafür widerfahren liess, dass das-\nselbe seine schwierige Aufgabe unter Leitung des Musik-\nDirectors J. Schäffer wacker löste. Auf dieses Tonwerk,\nwelches theilweise den Charakter einer symphonischen\nDichtung trägt, folgte die Romanze für die Vio-\nline mit Orchester-Begleitung von Beethoven, worin Herr\nDr. D amrosch seinen Part ebenfalls mit seelenvollem\nTone vortrug und zur Bewunderung hinriss; ausserdem\naber wurden noch die Ouvertüren zu „Alceste\" von Gluck,\nzu „Lodoiska\" von Cherubini und die i?-Jwr-Sinfonie von\nHaydn mit Präcision und feiner Schattirung ausgeführt.\nEin sehr anziehendes Programm bot auch das dritte\nConcert am 7. November: obenan Suite für Orchester,\naus fünf Sätzen bestehend, von Joachim Raff. Es enthält\ndiese neue Composition eine Fülle harmonischer und me-\nlodischer Schönheiten und gibt Zeugniss von der glück-\nlichen Erfindungsgabe des Componisten, welchem gerecht\nzu werden dem Orchester durch seine exacte Ausführung\ngelang, so dass alle Sätze höchst beifällig aufgenommen\nwurden. Bei dem darauf folgenden Clavier-Concerte [G-\ndur) von Rubinstein wurden die Zuhörer dadurch gefes-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "382", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651202-01.1.6", "texte": "seit, dass der als grosser Ciaviermeister bekannte Herr\nDr. Hans von Bülow der ergangenen Einladung gefolgt\nwar und die Clavier-Partie übernommen hatte. Dieser\nUmstand kam dem gedachten Tonwerke, welches ganz\nder neueren Richtung angehört, sehr zu Statten, indem\nHerr von Bülow vermöge seiner enormen Technik die\nimmensen Anforderungen des Ciavierparts auf einem klang-\nreichen Bechstein'schen Concertflügel glänzend bewältigte\nund durch die Hervorhebung der Pointen dem Tonwerke\neinen günstigen Eindruck bei den Zuhörern verschaffte,\ndafür aber auch, so wie für das später mit gleicher Mei-\nsterschaft vorgetragene Präludium und Fuge (E-moll), so\nwie Capriccio (Fis-moll) von Mendelssohn mit stürmi-\nschem Beifalle überschüttet wurde. Den Rahmen des Con-\ncertes bildeten noch die Ouvertüre zu „Coriolan\" von\nBeethoven und die Ouvertüre zu „Iphigenia in Aulis\" von\nGluck, deren kühne Conception, Grösse und Erhabenheit\ndurch das Orchester zur vollen Geltung gebracht und da-\nmit ein neues Zeugniss von der sorgfältigen Pflege der\nclassischen Musik abgelegt wurde.\nFerner ist noch der am 17. November erfolgten\nAufführung des Oratoriums „Paulus\" von Mendelssohn-\nBartholdy durch die breslauer Sing-Akademie, unter Lei-\ntung des Musik-Directors Schäffer, zu gedenken. Es hat\ndie in diesem erhabenen Tonwerke herrschende Pracht\nund Mannigfaltigkeit sowohl in den Sologesängen, als in\nden Chören und im Orchester wieder mächtigen Eindruck\nausgeübt, zumal, wie allseitig anerkannt wurde, sämmt-\nliche Mitwirkende von dem regsten Eifer für die Sache\nbeseelt waren.\nAm 23. November spielte Herr Alfred Jaell in\ndem Patti-Concerte von Uilman, welches ein ungemein\nzahlreiches Publicum angezogen hatte, eine neue Compo-\nsition von Ferdinand Hiller (Manuscript), ein Concert\nfür Pianoforte und Orchester, das Alfred Jaell gewid-\nmet ist und bei Cranz in Hamburg erscheinen wird, und\ntrug mit demselben einen glänzenden Erfolg davon. Schon\nnach dem poesievollen Adagio brach ein Sturm von Applaus\nlos, der sich am Schlüsse des letzten Satzes, der in Form\neines Sallarello voll von Leben und Frische ist, zum En-\nthusiasmus steigerte.\n\nDer Tonkünstler-Verein in Dresden im Jahre\n1864-1865.\nIndem der Gesammt-Vorstand den Mitgliedern des\nTonkünstler-Vereins den zehnten Jahresbericht übergibt,\nglaubt er es aussprechen zu dürfen, dass auch das letzt-\nvertlossene Jahr im Allgemeinen ein günstiges Bild von\nden künstlerischen Bestrebungen des Vereins gegeben\nhabe; ungeschwächt war der Eifer, mit welchem die acti-\nven Mitglieder an den musicalischen Productionen sich be-\ntheiligten, ungeschwächt das rege Interesse, welches die\nzuhörenden Mitglieder jenen Productionen entgegen brach-\nten. Der Verein hat die Lebensfrische sich bewahrt, die\nin den ersten Jahren seines Bestehens ihn auszeichnete,\nund wenn es eines näheren Hinweises auf die seit seiner\nGründung dargebotenen musicalischen Genüsse bedarf, so\nsei übersichtlich erwähnt, dass in den ersten zehn Vereins-\njahren (vom 24. Mai 1854 bis 1864) zusammen 591\nInstrumentalwerke von 117 verschiedenen Componisten\naufgeführt worden sind, und zwar von J. S. Bach 26, von\nHändel 7, von Haydn 23, von Mozart 24, von Beethoven\n53, von Fr. Schubert 16, von R. Schumann 21, von Men-\ndelssohn 11 Werke; ferner Werke von Corelli, Ditters-\ndorf, Zelenka, Cherubini, C. M. von Weber, Spohr, Gade,\nChopin, Brahms, A. Reichel, Raff, A. Rubinstein, Rei-\nnecke, Volkmann u. A.\nDer Wunsch, das zehnjährige Bestehen des Vereins\nfestlich zu begehen, wurde vielseitig laut, und auf Beschluss\nder General-Versammlung vom 10. September 1864 er-\nfolgte die Feier durch den am 28. November 1864 ver-\nanstalteten ersten Productions-Abend, der durch\neinen von unserem geschätzten Mitgliede Herrn Robert\nPrölss verfassten und gesprochenen Prolog eingeleitet\nwurde.\nDer Verein zählt mit Einschluss von 9 Ehren-Mitglie-\ndern und 6 auswärtigen Mitgliedern 147 ordentliche und\n56 ausserordentliche Mitglieder*).\nIm verflossenen Vereinsjahre haben Statt gefunden:\n2 General-Versammlungen, 14 Uebungs-Abende, 4 Pro-\nductions-Abende und 1 ausserordentliche Versammlung.\nVon den Beschlüssen der General-Versammlungen ist\nzu erwähnen, dass die alljährlich Statt findenden 6 Pro-\nductions-Abende auf deren 4, und der Abonnements-Preis\nvon 3 Thlr. auf 2 Thlr. reducirt wurden. Auf Antrag des\nVorstandes und des Ausschusses ward ferner beschlossen,\nHerrn J. Rüblmann, der als Vorsitzender des Tonkünst-\nler-Vereins denselben acht Jahre lang mit grosser Umsicht\nund Treue geleitet, durch Ueberreichung einer Votivtafel\nden Dank des Vereins auszusprechen, dem Ehren-Vorstande\ndes Vereins aber, Herrn Fr. Kummer, bei Gelegenheit\nseines fünfzigjährigen Dienst-Jubiläums am 5. November\n1864 eine Votivtafel zu überreichen.\nDie ausserordentliche Versammlung galt der Anwesen-\nheit des Herrn J. Raff, von dessen Compositionen bei die-\n\n*) In dem angehängten Verzeichnisse der letzteren finden wir\nnur 6—B königliche Beamte, vom Hofe bloss den Grafen Otto von\nVitzthum und Baron von Fink."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "383", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651202-01.1.7", "texte": "ser Gelegenheit folgende zur Aufführung gelangten: Quar-\ntett (Op. 77) für Streich-Instrumente, Sonate (A-dur) für\nPianoforte und Violine, Suite (Op. 91) für Pianoforte.\nUnter den im letzten Jahre zur Aufführung gekom-\nmenen Tonstücken bemerken wir von neueren Compo-\nnisten: Brahms, J., Sextett (Op. 18) für 2 Violinen, 2\nViolen und 2 Violoncelle. Westmeier, W. (Mitglied des\nVereins), Octett für Violine, Viola, Violoncell, Bass, Flöte,\nOboe, Fagott und Horn (Manuscript). Reichel, A.*),\nQuintett (A-moU) für Pianoforte, 2 Violinen, Viola und\nVioloncell (Manuscript). Hiller, F., Quartett (Op. 105,\nNr. 3) für Streich-Instrumente. Raff, J., Quartett (Op.\n77, D-moll) für Streich-Instrumente. Reichel, F., Quar-\ntett (A-dur) für Streich-Instrumente (Manuscript). Ru-\nbinstein, A., Quartett (Op. 66) für Pianoforte und\nStreich-Instrumente. Volk mann, R., Quartett (Op. 43,\nEs-dur) für Streich-Instrumente. Raff, J., Trio(Op. 102,\nC-moll) für Pianoforte, Violine und Cello. Gade, N. W.,\nPhantasiestücke (Op. 43) für Pianoforte und Clarinette.\nRaff, J., Sonate (A-dur) für Pianoforte und Violine.\nRei necke, C., Concert (D-dur) für Violoncell mit Be-\ngleitung des Pianoforte. Röh r, L., Suite für Pianoforte und\nVioline (Manuscript). Baumfelder, F., Suite (Op. 101)\nfür Pianoforte. Raff, J., Suite (Op. 91) für Pianoforte.\n\nViertes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn\nFerdinand Hiller.\nDinstag, den 28. November 1865.\nProgramm. I. Theil. Suite in fünf Sätzen für grosses Or-\nchester. Von Heinrich Esser. Op. 70.\n11. Theil. „Semele\", dramatische Cantate für Soli, Chor und\nOrchester. Von G. F. Händel.\n„Eine Suite? Was ist das?\" So hörten wir eine Menge von\nBesuchern des Concertes fragen, die so aufrichtig waren, ihre Un-\nbekanntschaft mit dieser jungen Dame, wie sie meinten, zu gestehen.\nWir finden es ganz in der Ordnung, dass Dilettanten diese Frage\naufwerfen, da selbst viele Musiker nur ungenügende Auskunft dar-\nüber geben dürften, zumal, da die neueren Suiten-Schreiber den Be-\ngriff, den man früher damit verband, willkürlich erweitert haben.\nWir wollen desshalb auch den Fragern nicht mit der heutzutage\nbeliebten Formel: „Die Suite ist bekanntlich\" u. s. w., antworten\nbei unserer Universalbildung hält man es nämlich für unhöflich,\nvorauszusetzen, dass nicht Allen Alles bekannt sei! sondern\nihnen melden, dass die Dame „Suite\" keineswegs durch Jugend-\nfrische glänze, sondern bereits mehr als ein Jahrhundert auf ihrem\nKücken habe, und ihre erneute Einführung in die musicalische Ge-\nSeilschaft nur dem archäologischen Streben nach Vergangenheits-\nMusik und der Mode, Wappen und Titel dieser im Gegensatze zur\nillegitimen Zukunftsmusik wieder hervorzuholen, verdanke.\nDie Franzosen waren von je her stark in Anwendung von Na-\nmen, die eigentlich ganz etwas Anderes bedeuten, auf Kunst- und\nMode-Gegenstände, und wie sie heute einen Sonnenschirm En-tout-\ncas benannt haben, so gaben sie im siebenzehnten Jahrhundert einer\nReihe von Musikstücken den Namen »Suite«, „Folge\" schlechtweg,\nohne irgend einen Zusatz, der sich auf Musik bezogen hätte. Diese\nSuite bestand ursprünglich aas einer Folge von Tänzen in einer\nund derselben Tonart, aber von verschiedenem Rhythmus und Cha-\nrakter. Im Uebrigen kannte sie gar keine bestimmte Form, nur dass\ndie „Allemande , als „eine aufrichtige teutsche Erfindung1\", wie der\ngelehite Musiker Mattheson (um 1740) sagt, die Ehre hatte, den\nReigen zu führen j sonst war die Wahl unter den übrigen Tänzen,\nvon denen man ein anderthalb Dutzend Namen kennt, frei. Dahin\ngeholten z. I>. Menuett, Gavotte, Bourree, Sarabande (nebst der\nAllemande, den ernsten und stolzen Tanz vertretend und wie jene\nam reichsten verziert), Courante, Gigue, Chaconne u. s. w. Man\nsetzte aber auch dieser Reihe eine Art von Ouvertüre vor, und bei\nJ. S. Bach gestaltet sich das vorangestellte Präludium bereits zu\neinem vollständig ausgeführten Satze, welcher z. B. in der D-moll-\nSuite (Nr. 6 der so genannten „englischen Suiten\") 194 Taete 6/s\numfasst, denen dann eine Allemande, Courante, Sarabande, Double,\nzwei Gavotten und eine Gigue (12/i6 Tact) folgen, welche alle zu-\nsammen nicht so lang sind, als das Präludium. Ueber den Charakter\nder verschiedenen Tänze war man schon zu Mattheson's Zeiten nicht\ngeschweige denn jetzt. Dass bei manchen Nummern der Sui-\nten das gelten mochte, was derselbe Gelehrte von der Toccata sagt,\ndass sie „zu derjenigen Musik gehöre, wobei mehr die Finger als\ndie Herzen gerührt würden\", mag wohl der Fall gewesen sein.\nAus dem Gesagten ersieht man, dass auf die Ausbildung der Sin-\nfonie die Suite keinen oder wenigstens nur theilweisen Einfluss ge-\nhabt hat; derselbe dürfte sich nur auf das Menuett beschränken,\nwelches Haydn aufnahm und eigenthümlich, namentlich in volks-\ninässigerem Charakter, ausbildete. Die Sinfonie ist aus der Sonate\nund diese aus der Arie hervorgegangen, und Beides führt auf ita-\nliänischen, nicht auf französischen Ursprung zurück.\nWarum haben nun neuere deutsche Componisteu die herrliche,\nvollkommen ausgebildete Form der Sinfonie verlassen und über-\nschreiben eine Reihe von sinfonistischen Sätzen „Suiteu?\n(Schluss folgt.)\n*) Mitglied des Vereins, Director der Dreyssig'scben Sing-Aka-\ndemie.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\ni\nAachen, 24. November. Das gestrige zweite Abonne-\nments-Concert hatte auf unser musikliebendes Publicum eine\nbedeutende Anziehungskraft ausgeübt, was wohl theilweise der Man-\nnigfaltigkeit des Programms zuzuschreiben ist. Die Ausführung des-\nselben war eine durchgehends treffliche von der reizenden Haydn'-\nschen Sinfonie an bis zur Introduction aus „Teil\", welche den ersten\nTheil schloss. Unser Orchester bewährte namentlich in der Sinfonie\nseine bekannte Tüchtigkeit, die durch die so sichere Leitung des\nHerrn Directors Breunung nur einen erhöhten Werth empfangen\nkonnte. Besonderen Reiz, weil wir sie lange nicht in Aachen ge-\nhört, hatte für uns die „Comala\" von Niels Gade; Soli, Chor und\nOrchester wetteiferten bei dieser Composition, so dass ein ausge-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "384", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651202-01.1.8", "texte": "zeichnetes Ensemble erzielt wurde. Fräulein Rempel und Herr\nBehr verdienen namentlich die rühmlichste Anerkennung; Fräulein\nTau aus Leipzig hörten wir hier zum ersten Male.\n2O. November. Gestern wurde auf dem hiesi-\ngen Hoftheater Meyerbeer's „Africanerin\" zum ersten Male gege-\nben. Der Referent der Hess. Landes-Zeitung (O. W.) vertritt unter\nAnderem dieselbe Ansicht, welche unser Bericht aus Berlin in der\nvorigen Nummer dieser Zeitung ausspricht, dass die Wendung der\nneueren grossen Oper auch ohne Meyerbeer hereingebrochen sein\nwürde, dass allerdings ihn ein Theil der Verantwortlichkeit treffe,\ndass man aber die Person nicht einseitig für eine Richtung der Zeit\nverantwortlich machen müsse. Die Aufführung war eine des Wer-\nkes würdige. Fräulein Stöger, welche die Rolle der Selika sang,\nverband mit ergreifendem Spiel eine äusserst wirksame gesangliche\nWiedergabe, eben so gab uns Herr Becker einen in jeder Hinsicht\nausgezeichneten Nelusco. Nicht minder Anerkennung verdient Herr\nNachbaur als Vasco de Grama, Die Uebrigen thaten ihr Möglich-\nstes. Nicht unterlassen können wir es aber, Herrn Hof-Capellmeister\nNesvadba für die gediegene Einstudirung der Oper, die vortreff-\nliche Disciplin des Orchesters und die schwungvolle, energische Lei-\ntung des Ganzen unsere ganz besondere Anerkennung auszusprechen.\nZum Schlüsse müssen wir noch mit wenigen Worten der vortreff-\nlichen Leistung des Herrn Maschinenmeisters Brandt und des\nHerrn Hofmalers Schwedler gedenken. Besonders hat es uns ge-\nfreut, dass auch der letztere Seitens des Publicums durch dreimali-\ngen, wohlverdienten Hervorruf geehrt und ausgezeichnet wurde. Der\nSchiffbruch im dritten Acte war das Vorzüglichste, was Theater-\nMaschinerie leisten konnte, und die Schluss-Decoration der Oper das\nPrachtvollste, was im Genre der Decorationsmalerei wohl hervor-\ngebracht worden ist.\nDas von Ernst Pasque verfasste Textbuch der von J. J.\nAbert vollendeten romantischen Oper in drei Acten, „Astorga\",\nist in der Joh. Conr. Herbert'schen Hof-Buchdruckerei in Darmstadt\nerschienen. Der Held der Oper ist der berühmte Componist Ema-\nnuel Astorga. Ein in den ersten Jahren des vorigen Jahrhunderts\nin Sicilien unter dem Vicekönige Marquis Carlos Philipp Spinola\nvon Los Balbazes Statt gefundener Aufstand, verbunden mit den\nvon Rochlitz („Für Freunde der Tonkunst\", 1825, Bd. II.) erzählten\nromantischen Lebensumständen des Meisters, liegen in freier, selb-\nständiger Benutzung der Opernhandlung zu Grunde. Abert's Oper\nwird an der Stuttgarter Hofbühne zur Aufführung kommen.\nFrankfurt a* 17. November. Die gefeierte Künst-\nlerin Frau Wilhelmine Szarvady, geb. Clauss, ist leider hier\nerkrankt und durch die Fortdauer ihres Unwohlseins genöthigt, auf\nihre Engagements in Leipzig, Dresden, Hamburg, Schwerin, Bremen\nund Lübeck zu verzichten und nach Paris zurückzukehren, um da-\nselbst die Herstellung ihrer Gesundheit abzuwarten. Hoffen wir, dass\ndie vortreffliche Frau bald in den Stand gesetzt sein wird, die ver-\nsprochene Kunstreise zu unternehmen und Deutschland einen der\nhöchsten Kunstgenüsse zu gewähren, den es eben so gut wie Paris\nzu schätzen weiss.\nKönig Ludwig 11. von Baiern liess vom Bildhauer Zumbusch\nin München eine fetatue des Lohengrin in carrarischem Marmor aus-\nführen, die ihrer idealen Auffassung wegen sehr gerühmt wird. Lo-\nhengrin, dem der Schwan zur Seite steht, zückt das Schwert, um\neben mit Telramund den Kampf zu beginnen. Auch die Gestalten\ndes fliegenden Holländer, Tristan, des jungen Siegfried wurde der\nKünstler zu vollführen beauftragt, und sind bisher die Gypsmodelle\nzum grössten Theile vollendet.\nBrüssel, 26. November. Neben den Conse rvatoire-Con-\ncerten, deren erstes Sonntag den 19. Statt fand und Beetho-\nven's Coriolan-Ouverture und Sinfonia Eroica, das Quartett aus\nDon Juan, Adagio und Rondo von Chopin (Mademoiselle Ver-\ngauven) brachte, hat Herr Adolf Samuel, Professor am Conser-\nvatorium, Componist und dramatischer Schriftsteller, Concerts popu-\nlaires im Thtätre du Girque, dem grössten der hiesigen, nach dem\nMuster der Pasdeloup'schen in Paris, veranstaltet, welche am Sonn-\ntag den 26. um 2 Uhr eröffnet worden sind. Die Theilnahme des\nPublicums war ausserordentlich gross. Das Programm brachte:\nOuvertüre zu Oberon, Sinfonie-Andante von Soubre (Director des\nConservatoriums in Lüttich), V. Sinfonie von Beethoven, Ouver-\ntuie zur „Zauberflöte , zweiter Zwischenact zum Sommernachtstraum\nvon Mendelssohn, Andante aus dem fünften Quartett von Beet-\nhoven (von allen Saiten-Instrumenten), indischer Marsch aus der\n„Africanerin\" von Meyerbeer. Es wurde Alles recht gut ausge-\nführt, namentlich die Sinfonie und die beiden Ouvertüren; der Er-\nfolg des Concertes war von Bedeutung.\nDer Sängerverein Germania überraschte bei der Feier seines\ndiesjährigen Stiftungstages sein eingeladenes Publicum durch eine\ntheatralische Vorstellung. Man gab eine komische Operette in\nzwei Acten, genannt „Der Thronfolger\", mit sehr hübschem, geist-\nreichem Texte, von einem hier ansässigen deutschen Kaufmanne\nund Musik von Louis Brassin, dem ausgezeichneten Pianisten.\nHerr Brassin, bisher nur durch seine glänzenden Claviersachen als\nComponist rühmlichst bekannt, hat in diesem ersten dramatischen\nVersuche ein entschiedenes Talent für diese Gattung bewiesen, da\ndie Operette reich an hübschen Melodieen, die Harmonie gut be-\nhandelt ist und der Erfolg des Ganzen ein vollständiger war.\nParis« Am 26. August starb hier Charles Jos. Gustav\nHecquet, geboren zu Bordeaux den 22. August 1803, Componist\nund schätzenswerther musicalischer Schriftsteller, den wir auch am\nRheine bei den letzten Musikfesten kennen lernten. In der Revue\net Gazette musicale schrieb er unter dem Namen Leon Durocher.\nDas Thiatre lyrique probirt Flotow' s „Martha\" mit französi-\nschem Texte; bisher hatten nur die Italiäner diese Oper hier gege-\nben. Die Aufführung soll gegen Mitte December Statt finden."}]}