{"numero_id": "bm-bmtnabi-1865-12-23-01", "volume": "bmtnabi_1865-12-23_01", "ocr_sha256": "997d5cf55459bd7e6ffafdf26fc754b5ced16a033f87c01a8c4f6e047d1d0cc7", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1865/12/23_01/bmtnabi_1865-12-23_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651223-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1865-12-23-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-12-23_01#c001", "volume": "bmtnabi_1865-12-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "401", "page_fin": "401", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651223-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "401", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651223-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 474, "texte": "Inhalt.\n■Das Quartett (Fortsetzung, statt Schluss). Zur Musikgeschichte. „Des Sängers Fluch\", Oper von A. Langert\n(deren Aufführung in Wien). Mehrstimmige Gesänge für weibliche Stimmen (Ferd. Hiller, Franz Weber, Heinr. Marschner, Max Bruch,\nA. Seiffert). Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, zweite Soiree für Kammermusik Saarbrücken, Concort, Herr Langert\nSchwerin, Aufführung von Händel's „Josua\" München, Prof. Fr. Bodenstedt Paris, Pianistin Therese Waitel f Warschau)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-12-23-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-12-23_01#c002", "volume": "bmtnabi_1865-12-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "401", "page_fin": "403", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651223-01.2.2", "titre_corps": "Das Quartett.", "titre_sommaire": "Das Quartett.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "401", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651223-01.1.1", "debut_caractere": 476, "fin_caractere_exclue": 2745, "texte": "Das Quartett.\n(Fortsetzung, statt Schluss. S. Nr. 50.)\nMan ist gewohnt, die Fortbildung der Tonkunst, na-\nmentlich der Instrumentalmusik, auf Rechnung von Indi-\nviduen zu setzen, die als geniale Erfinder oder geniale\nFortsetzer ihrer Vorgänger der in einer bestimmten Epoche\ngültigen und den Geschmack beherrschenden Weise in\nForm und Inhalt der Tonstücke eine andere Richtung ge-\ngeben und dadurch eine neue Periode in der Entwicklung\nder Kunstgeschichte begründet haben. So gewiss diese\nWirksamkeit einzelner Kunstgenies mit Recht hoch an-\nzuschlagen ist, so führt die genauere Betrachtung der\nWendepunkte in der Geschichte der Musik doch fast immer\nnicht allein auf die bahnbrechenden Geister, sondern auch\nauf weniger greil bare Ursachen, deren geheimes Wirken,\nweil sie nicht aus Urkunden und Denkmälern erweisbar\nsind, sich der Analyse des Historikers entzieht. Dieser dem\nAuge des späteren Forschers schwer zu entdeckende und\nzu verfolgende Einlluss des Geistes der Zeit, der in der\nKunst eben so waltet, wie in der Entwicklung der Mensch-\nheit überhaupt, offenbart sich meist nur durch seine er-\nfahrungsmässigen Resultate, und es ist eine Errungenschaft\nunserer Tage, dass die Geschichtschreibung, welche das\nLeben grosser Künstler zum Vorwurfe hat, auch die Auf-\ngabe als wesentlich anerkannt hat, so viel als möglich den\nGeist der Zeit zu charakterisiren, in welche das Genie des\nIndividuums mit seiner neugestaltenden Kraft eintrat.\nEine der merkwürdigsten Thatsachen in dieser Be-\nziehung ist die gleichzeitige Entwicklung der Kammer-\nmusik für Streich-Instrumente in Italien und Deutschland,\neine Erscheinung, die noch zu wenig beachtet worden ist.\nSie ist um so mehr ein Beweis für jenen unsichtbaren und\nschwer nachzuweisenden Einlluss des Zeitgeistes, als weder\nBoccherini in Italien, noch Haydn in Deutschland die\nschöpferischen Bildner des Quartetts und der verwandten\nFormen hätten werden können, wenn sie nicht bei ihren\nZeitgenossen eine für ihre Compositionen günstige Stim-\nmung und Empfänglichkeit gefunden hätten. Bisher war\nnämlich das Ciavier das vorherrschende Instrument für\nKammermusik, und auf welche Höhe die genialen Meister\ndesselben, Domenico Scarlalti in Italien und C. Philipp\nEmanuel Bach in Deutschland, die Theilnahme der Kunst-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "402", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651223-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5237, "texte": "weit dafür gebracht hatten, ist bekannt. Wiewohl nun\nbeide im Gegensatze zu dem vorzugsweise contrapunkti-\nschen Stile ihrer Vorgänger die freiere Schreibart einge-\nführt hatten, so liess diese doch noch ein Bedürfniss des\nmenschlichen Ohrs und Gemülhes unbefriedigt, die natür-\nliche Freude an der Melodie. Dieses Moment, welches\ndie Vocalmusik, namentlich die Oper in Italien, schon zu\neiner Forderung an die Tonkunst gemacht hatte, wurde\nin der Instrumentalmusik nach und nach immer lebhafter\nvermisst; Melodie aber verlangte, wie der Gesang, einen\nnachklingenden Ton, und den konnte das Ciavier,\nzumal in seiner damaligen Beschaffenheit, nicht geben. Da-\ndurch kam man auf den Gedanken, die Mehrstimmigkeit\ndes Claviers, welche der Polyphonie diente, mit der Ton-\nfülle, die das Ciavier nicht hatte, zu vereinigen, und dies\nführte nothwendig zur Anwendung der Bogen-In-\nstrumente auf die Productionen der Rammermusik.\nDurch den gehaltenen Ton, welcher des gesangmässigen\nAusdrucks fähig war, erhielt man für die Melodie Anhalts-\npunkte, die man brauchte, und da man die Polyphonie\nals das Wesentliche der Instrumentalmusik nicht aufgeben\nwollte, so vereinigte man zwei, drei, vier, auch fünf Bo-\ngen-Instrumente, und die Duette, Trio's. Quartette und\nQuintette waren da, und mit ihnen die Möglichkeit, dem\nmelodischen Elemente zugleich mit dem harmonischen und\npolyphonen gerecht zu werden.\nZur Ausführung dieses Gedankens und zur Entwick-\nlung desselben zu einer neuen Runstform erschienen zu\ngleicher Zeit und unabhängig von einander in Italien\nLuigi Boccherini (1740—1805), in Deutschland\nJoseph Haydn (1732 —1809). lieber Boccherini, der in\nDeutschland nicht viel mehr als dem Namen nach bekannt\nist, setzt uns die Arbeit seines französischen Biographen:\nNotice sur Louis Boccherini par L. Picquot, welche\nvor fünf Jahren erschienen ist, in Stand, eine ausführ-\nlichere Mittheilung zu geben.\nLuigi Boccherini wurde am 14. Januar 1740 zu\nLucca geboren. In das geistliche Seminar seiner Vaterstadt\naufgenommen, erhielt er den ersten musicalischen Unter-\nricht von dem Abte Vanucci, dem Capellmeister des Erz-\nstiftes. Eine entschiedene Neigung für das Violoncell trat\nsehr bald bei ihm hervor, und sie ist sicherlich auf die\nspätere Richtung seiner Virtuosen- und Componisten-Thä-\ntigkeit nicht ohne Einfluss gewesen. Sein Vater, Contra-\nbassist in der Kirchen-Capelle, der die grossen Anlagen\nseines Sohnes nicht verkannte, schickte ihn nach Rom, um\ndort seine Studien zu vollenden. Uebrigens hatte die Natur\nschon bei Weitem das Meiste bei ihm gethan: jedoch scheint\nder Aufenthalt in Rom und was er dort gehört, besonders\ndie Gesänge in der Sixtinischen Capelle, Einfluss auf die\nnatürliche Einfachheit und eine gewisse Gefühlsstimmung,\ndie in seinen Compositionen zu Tage tritt, gehabt zu ha-\nben ; auch sprach er von jenen Eindrücken, die er in Rom\ndamals empfangen, bis in seine letzten Lebensjahre mit\ngrosser Vorliebe.\nNach seiner Zurückkunft schloss er ein enges Freund-\nschaftsbündniss mit seinem Landsmanne Manfredi, einem\ntüchtigen Schüler Nardini's auf der Violine. Sie wollten\nüber Turin und Paris nach Madrid gehen, welches damals\nein Sammelpunkt der grössten Tonkünstler war. Schon\nin Turin machten sie Aufsehen, noch mehr durch die\nComposition der ersten Trio's von Boccherini für zwei\nViolinen und Violoncell, als durch die Virtuosität der Aus-\nführung. Durch den Erlolg ermutbigt, verlängerten sie\nihre Runstreise an fünf Jahre lang in Oberitalien und ka-\nmen erst 1767 nach Paris. Bis dahin waren jene Trio's\nvon Boccherini, die er nicht drucken liess, die Haupthebel\nihrer Erfolge.\nIn Paris wurden sie bei dem Baron von Bagge ein-\ngeführt, in dessen Hause sich damals die Auswahl der\nmusicalischen Welt vereinigte. Boccherini's Compositionen\nmachten in diesem Rreise und bald darauf in den\ncerts spirituelsdas grösste Aufsehen. Die bedeutendsten\nMusik-Verleger gingen ihn um Veröffentlichung seiner\nSachen an, und so erschienen in Paris zuerst die erwähn-\nten Trio's und das erste Heft seiner Quartette, sechs\nNummern, Opus 8, Paris, 1769, bei Venier*).\nIm Jahre 1769 kamen Boccherini und Manfredi, ver-\nsehen mit Empfehlungsschreiben des spanischen Gessmdten\nin Paris, nach Madrid. Boccherini brachte ein drittes Heft\nvon Trio's mit, die er dem Prinzen von Asturien, nach-\nberigem Rönige Rarl IV., widmete. Er machte kein son-\nderliches Glück bei Hofe, doch ernannte ihn der Infant\nDon Luis zu seinem Rammer-Virtuosen. Wie so manche\ngeniale Rünstler, lebte Boccherini auch mehr für seine\nRunst, als für die Befriedigung der Bedürfnisse des Le-\nbens, und so hat er es, indem er Madrid nicht wieder ver-\nliess, niemals zu einigem Vermögen gebracht, sondern\nmusste im Gegentheil oft mit häuslichen Sorgen kämpfen.\nSein Genosse Manfredi scheint sich besser auf die Finan-\nzen verstanden zu haben.\nBei Hofe schadeten Boccherini die Ränke des ersten\nViolinisten Brunetti und seine eigene Freimüthigkeit. Ein-\nmal z. 8., als der Prinz von Asturien in einem seiner\nQuartette die erste Violine spielte und, weil ihm die Wie-\nderholung einer Passage nicht behagte, das Instrument\n\n*) Herrn Picquot lag die Sammlung aller Werke Boccherini's\nund der chronologische Katalog derselben, ein Autograph des Com-\nponisten, vor."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "403", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651223-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2971, "texte": "wegwarf und ausrief: „Abscheuliche Musik!\" erwiederte\ner: „Um ein musicalisches Werk zu beurtheilen, muss\nman etwas von der Musik verstehen.\" Der Prinz (nachher\nKarl IV.), durch seine riesige Körperkraft und Rohheit\nbekannt, packte ihn beim Kragen und hielt ihn zum Fen-\nster hinaus; nur der Schrei der Prinzessin brachte den\nbrutalen Prinzen zur Vernunft, und er begnügte sich, den\nMusiker in eine Ecke des Zimmers zu werfen. Auch als\nKönig vergass er ihm diese Scene nie, und Brunetli, der\nsich bei ihm einzuschmeicheln und zu halten wusste, ver-\nfehlte nicht, seinen Hass zu schüren*).\nBoccherini's ungeheure Fruchtbarkeit im Componiren\nverschaffte ihm wenigstens den nöthigen Lebensunterhalt,\nda seine Sachen gut bezahlt wurden. Trotz seiner manch-\nmal drückenden Noth war er doch so gewissenhaft, dass\ner z. B. einem Kaufer, der ihm für ein 100\nLouisd or bot, dasselbe nicht zusagte, weil er es bereits\neinem Anderen versprochen, der ihm nur 60 Piaster (etwa\n280 Francs) dafür zahlte.\nEine bessere Zeit lür ihn führte die Widmung eines\nseiner Werke an den König Friedrich Wilhelm 11. von\nPreussen im Jahre 1787 herbei; er erhielt dafür eine\ngoldene Dose, mit Friedrichsd'or gefüllt. Der kunstsinnige\nKönig blieb aber dabei nicht stehen, sondern ernannte ihn\nzu seinem Kammer-Componisten und setzte ihm ein jähr-\nliches Gehalt aus**). Mit dem Tode des Königs im Jahre\n1797 hörte freilich diese Einnahme wieder auf, und Boc-\ncherini sah sich wieder auf den Ertrag seiner Compositio-\nnen und Unterrichtsstunden beschränkt. Er soll zuletzt in\nwirklich ärmlichen Verhältnissen gelebt haben und starb\nin Madrid den 28. Mai 1805.\nEr war zwei Mal verheirathet; aber auch in der Fa-\nmilie trafen ihn harte Schicksalsschläge, denn zwei er-\nwachsene Töchter starben vor ihm hin und seine zweite\nFrau wurde an seiner Seite von einem Schlagflusse plötz-\nlich getödtet. Sein ietzter Nachkomme und Enkel, Don\nFerdinando Boccherini, lebt in Madrid als Professor an\nder Akademie der Künste.\n(Schluss folgt.)\n\n*) Man sieht hieraus, wie irrthümlich die Angabe in manchen\nTonkünstler-Wörterbüchern ist, dass der Prinz von Asturien Bocche-\nrini zum Director seiner Kammermusik ernannt habe.\n*) In demselben Jahre 1787 schrieb auch Haydn im Auftrage\ndes Königs die demselben gewidmeten Quartette, 1789 und 1790\neben so Mozart die drei Quartette in D-, B- und F-dur. Bocche-\nrini, dessen Musik der König sehr liebte, hatte nur die Verpflich-\ntung, jährlich einige Quartette oder Quintette einzusenden. Ausser-\ndem gab Friedrich Wilhelm IL, der selbst ein eifriger Violoncell-\nspieler war, anständige Pensionen an die auswärtigen Violoncellisten\nDuport aus Paris und J. C. Bisch off in der fürstlich dessaui-\nschen Capelle, wofür z. B. der letztere nur die Verpflichtung hatte,\njährlich einmal nach Potsdam zu kommen und mit dem Könige\nDuette oder in Quintetten zu spielen. Die Composition einiger me-\nlodiösen Soli für Violoncell mit Quartett-Begleitung erhielt er noch\nbesonders honorirt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-12-23-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-12-23_01#c003", "volume": "bmtnabi_1865-12-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "403", "page_fin": "406", "image_debut": 3, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651223-01.2.3", "titre_corps": "Zur Musikgeschichte.", "titre_sommaire": "Zur Musikgeschichte.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "403", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651223-01.1.3", "debut_caractere": 2973, "fin_caractere_exclue": 5262, "texte": "Zur Musikgeschichte.\nScriptorum de musica medii aevi novarn Se-\nriem a Gerbertina alter am collegit E. de Cous-\nsemaker. Tom. I (fasc. 1 6). Paris, Du-\nrand, 1864. XXIII und 466 Seiten in Quart.\nDieses neueste Unternehmen des rüstigen Manuscript-\nForschers schliesst sich an eine Reihe von Schriften ver-\nwandten Inhalts, mit denen er seit längeren Jahren vor-\nnehmlich der Musikgeschichte Material zu bereiten bemüht\nist, deren bekannteste, die Histoi\nage, prächtig ausgestattet in Paris 1852 erschienen, sich\ndurch Fleiss und Sachkunde empfiehlt; ihm zur Seite\ngingen zahlreiche Einzelgaben in den\ngiques; ein anderes grösseres Werk,\ndu moyen age (Paris, 1861). enthält Noten und Text,\nLatein und Altfranzösisch, nebst Facsimiles vom eilften bis\nvierzehnten Jahrhundert.\nDie vorliegende Arbeit nennt sich eine Fortsetzung\nder Gerbert'schen Sammlung. Letztere, im Jahre 1784\nherausgegeben, trägt manche Mangel einer Zeit an sich,\nder es mitten im Schwünge anderer Geislesbewegung\nmehr um den Inhalt, als um kritische Genauigkeit zu thun\nwar. Gerbert's kritische Arbeit, sowohl im Vergleichen\nund Erschöpfen der Quellen, als in Textgestaltung, ist\nungenügend; doch fehlt es nicht an Rechenschaft über\ndas Vorliegende, die chronologische Ordnung ist sorgfältig\ninnegehalten, und daneben treten, bescheiden, aber hülf-\nreich zu rechter Stunde, Nachweisungen über Sachliches\nein. Vermisst wird in Gerbert Manches; am meisten ist zu\nbedauern, dass die englischen Musiker fehlen: Wal-\nter Odington, Robert Handlo, Job. Hanboys,\nderen Lehrschriften den Historikern Burney und Hawkins\nbekannt, den Auswärtigen aber nicht so zugänglich wa-\nren, wie heute. Dafür ist, was Gerbert noch ausser den\nberühmteren Theoreten Hucbald, Guido, Franco, Mar-\nchetto, Muris mittheilt, durchgängig materiel interessant,\nzudem Alles in die bewusste Einheit des Planes zusammen-\ngefasst, welche der Titel: „Scriptores ecclesiastici de mu-\nsica1' , ausspricht. So beginnt er denn mit dem ägyptischen\nMönche Pambo, saec. IV,und scbliesst mit den\ntuiiones Capellae Pontificiae, welche im Jahre 1545 durch\nPaul 111. erlassen sind. Wer den alten Gerbert auch nur\noberflächlich kennt, wird zwar seine kritischen Mängel\nbald gewahr werden, aber auch die Hingebung an die\nSache und die Fülle des Gegebenen anerkennen.\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "404", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651223-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5228, "texte": "Coussemaker's Plan und Grundriss ist so deutlich nicht.\nDie Vorrede verspricht das bei Gerbert Vermisste nament-\nlich aus dem zwölften und dreizehnten Jahrhundert zu\nbringen, wobei „der Kirchengesang nicht den niedrigsten\nRang behaupten soll\". Nun ist aber nicht klar, welches\nPrincip die Reihenfolge geregelt habe, indem zwar die\nHauptmänner von Hieronymus de Moravia bis Hanboys\n(1250—1470) chronologisch geordnet stehen, die Ne-\nbenmänner dagegen anonyme, unbedeutende und werth-\nvolle durch einander weder chronologisch noch didak-\ntisch einander folgen. Die Vorrede unterlässt, das Wort\nder Ordnung zu sagen: sie gibt das Biographische und\nBibliographische allerdings mit löblicher Genauigkeit, er-\nzählt aber von dem Plane des Ganzen weiter nichts; der\nTitel deutet uns an, dass wir auf eine Fortsetzung hoffen\nsollen.\nEs wäre nun solche Sylloge qualiscunque dennoch als\nschätzbares Material anzuerkennen, wenn nur eben das\nKritische sich mindestens in Herstellung äusserlicher Cor-\nreetheit kundgäbe. Ein buchstäblicher Abdruck mittel-\nalterlicher Orthographie, wie: „he note que lange vocan-\nturu ,und Aebnliches, gilt doch heute nicht mehr als kri-\ntisches Ideal, zumal wenn zu den offenbaren Schreibfehlern\nder Manuscripte, welche mit erstauntem notirt sind\n(z. B. 397'), noch weit zahlreichere Druckfehler kommen,\ndie im Erraten-Index vermisst und durch die höfliche Er-\nklärung am Ende der Vorrede nicht vergütet werden.\nJedenfalls ist eine Frage erlaubt nach der kritischen Me-\ntbode des Autors, wenn im späteren, dem heute vorlie-\ngenden, Werke Einzelnes verändert wiederkehrt, was das\nfrühere bereits einmal gebracht, und über das Verhält-\nniss beider Redactionen keine Auskunft gegeben wird. Ein\nBeispiel ist das Cap. 26 des Hieronymus de Moravia, wel-\nches Iltst.im Allgemeinen sauberer bringt, als\nAbweichungen, wo man die Rechenschaft vermisst, sind\nu. A. folgende:\nI. Script. 94% 2 discantui,Hist. 247\nDer Zusammenhang scheint den Dativ zu erfordern:\ncendum est de cantu ecclesiastico, secundum quod discan-\ntui subjicitur = „Es soll hier gezeigt werden, wie der\nCantus firmus (c. ecclesiasticus, planus, tenor) dem Dis-\ncantus (c. mensuratus, figuratus, contrapunctus) unterlegt\nwird.\" Auch das Umgekehrte ist möglich, dass nämlich\ndie Mensuralstimme unter den Tenor zu liegen kommt,\ndoch ist das für jene Zeit ungewöhnlich, vielleicht beispiel-\nlos. C. Hist. übersetzt mit feiner Unbestimmtheit:\nallons parier du chant ecclesiastique considere dans ses\nrapports avec le dechant,was man auch aus\n\\ei\\ subjicitur verstehen kann. Doch wird der Dativ sich\nwohl behaupten, zumal auch der Cantus firmus {eccles.)\nals Fundament der Composition oft genannt\nwird, bis in die späte Fugenkunst hinein.\n11. D ie Ueberschrift desselben Stückes lautet Script.\n94 Discantus Positio vulgaris, Hist. 247 Disc. vul-\ngaris positio.Ersteres ist vorzuziehen, da Hieronymus\ngleich Anfangs im Texte sagt: De discantu sunt quinque\nposiüones solemnes, una scilicet\nciales = „fünf namhafte Positionen (Lehrsätze, Lehr-Sy-\nsteme), eine allgemeine, die anderen specielle\", wor-\nüber die späteren Sätze desselben Hieronymus folgende\nAuskunft geben: Script. 97a: Haee est prima positio; .qua\nquia quaedam nationes utuntur\nesse diximus; sed quoniam defectuosa est, ideo positionem\nquae Johannis de Garlandia dann\nScript. 117a b: Subsequitur Positio tertia Johannis de\nBurgundia, ut ex ipsius ore audivimus, vel secundum\nvulgarem opinionem Franconis end-\nlich p. 136: Pet ri Picardi Aus der Combi-\nnation dieser Sätze schliesst C. Hist. 248 n. 1, unter den\nvier positiones speciales seien die von Garland, Burgund,\nFranco und P. Picardus verstanden. Kühn genug, auch\ntreffend, wenn nur die obigen Worte Burgundia ... Fran-\nconis es zuliessen! Genug, die ältere, von C. gewählte\nUeberschrift D. V. P. nach seiner Uebersetzung, Hist. 247,\nDoctrine du dechant vulgaire, widerspricht Hieronymus'\nWorten, und es muss heissen D. P. V.\nd. h. generelle du dechant.\nDas Angeführte ist ein Beispiel unter vielen, welche\ndie Frage nach der kritischen Methode des Editors her-\nvorrufen. Kunstwissenschaftliche Belehrungen sind in die-\nser Sammlung ganz vermieden; einige Citate aus Boethius\nund Anderen in den Anmerkungen hellen nichts auf, als\nden Fundort. Der Mangel solcher Belehrungen drückt hier\num so empfindlicher, je befähigter der Verfasser sich an-\nderswo gezeigt hat, die dunkle Kunstsprache jener Zeiten\naufzuschliessen. Die Histoire enthält nicht nur, wie sich\nvon selbst versteht, mehr systematisch Zusammenhangen-\ndes, sondern ist überhaupt mit mehr Geist und Einsicht\nbearbeitet, als die Scriptores; brauchbarer jedenfalls schon\ndurch die französische Sprache, gibt sie viel Anregendes,\ninteressante Aufschlüsse, reichliche Facsimiles doch lau-\nfen in der Auffassung der Mittel-Lateiner auch wunder-\nliche Dinge unter, davon wir aus demselben Capitel wie\nvorher noch eines anführen, weil es einen folgenreichen\nIrrthum involvirt. Derselbe Hieronymus sagt nämlich: Est\nautem discantus diversus consonus cantus, was C. Hist.\n248, 18 übersetzt: Le dechant est un chant compose de\ndiverses consonnances, während das Lateinische sa-\ngen will: Discant ist verschiedener consonirender\nGesang, das heisst: nicht unison, wie der Cantus planus,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "405", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651223-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5166, "texte": "aber auch nicht widersprechend, wie ein Cantus planus\nneben dem anderen, sondern harmonisch consonirend, vgl.\nAnonym. 11, p. 311, diversorum cantuum consonantia.\nDie Scriptores des vorliegenden ersten Bandes sind:\n1. Hieronymus de Mor'avia (Moravus),\nmusica mensurabili positio, 1180 (?); (2) Franconis (Co-\nloniensis) Ars cantus mensurabilisl22o; (3) Petri Pi-\ncardi, mus. mensur. 2. Ma\nCornpendvum discanius. 3. Joh. de Garlandia Intro-\nductio musicae.4. Ejusdem 5.\nten Odmgtoni de Speculatione 1228. —6. (Cu-\njusdam) Aristotelis Tractatus de mus. 7. Petri de\nCruce Tractatus de tonis, 1280 (?). —B. Abbreviatio Mag.\nFranconis a •Joh. Balloce.— 9.\nsonantiis, 1230. lO. An. ll.\n111. de Cantu mensurabili. l2. An. IV. de mensuris\net discantu,l2oo. l3. An. —l4.\nVI. de figuris sive de notis 1380. l5. An. VII. de\nmusica libellus. 1180. —l6.\n1326. 17. Summa M. Jo\ncam conlinuam et discretam, 1470.\nHieron. Moravus hat über die Hälfte seines Trac-\ntates mit Auszügen aus Ptolemäus, Boethius und Cotlo-\nnius angefüllt, nur die letzten neun Capitel sind sein Eigen-\nthum. Der Inhalt der ersten neun Capitel bewegt sich ganz\nin Speculationen und Definitionen; die eigentliche Ton-\nlehre, welche von Monochord, Consonanz, Tonrecbnung,\nKirchenlönen und Mensuralmusik handelt, ist ungefähr zur\nHälfte sein Eigenthum. Seine Darstellung ist schlicht und\nklarer, als bei manchen Zeitgenossen, wesshalb ihm C.\neinen hohen Rang in der Wissenschaft zuschreibt, was\nuns etwas übertrieben scheint. Originel ist jedoch, was\nunser Moravius in seinem Cap. 24, p.\n87 B9, von pulcher und turpis tonorum gradus lehrt;\neine Art Melodik mit Empfehlung leichter, flüssiger Me-\nlismen und Verwerfung unsingbarer Intervalle, eine der\nältesten Aufzeichnungen erlaubter und verbotener Ton-\nschritte, daher wohl so unbehülflich ausgedrückt und ein-\ngeteilt in pulcher, pulcrior, u. s. w. Von\nden im Prooem. p. 3 versprochenen 28 Capiteln sind nur\n26 vorhanden; das letzte, welches von Instrumenten han-\ndeln sollte, vermissen wir ungern. Sehr lästig ist der\nincorrecte Druck*), wo zwar ein Theil den kundigen Le-\nser nicht verwirrt, andere jedoch beim raschen Lesen sehr\närgerlich sind; z. B. 27a, 3 steht falsch statt ; 28a,\n20 falsch c,statt e;—31a Emineles, Ekimeles, statt Ero-\nmeles, Ekmeles und öfter! 51b, 15 XXX, statt XL;\n75b, 1 dividicat, statt dijudicat; Bs'', 3 unten, si-\nneninia, st. syneminem; 9l\\ 19, in medietate, st. im-\nmediate; 95h, 7 , in c acutust. 97b,\n17, voce amissa, st. omissa u. s. w. Die häufigen Fehler\nin den arithmetischen Capiteln lassen sich eher entschul-\ndigen mit den langweiligen römischen Ziffern, wo in den\nTausenden der musicalischen Bruchrechnungen selbst das\naufmerksamste Auge leicht ermüdet.\nEin besonderes Lob verdient der wackere Hierony-\nmus durch Abschrift der drei Anhänge, deren erster, den\nJoh. de Garlandia enthaltend, späterhin nochmals vor-\nkommt unter Nr. 4, nach Ausweis der Vorrede p. XIV,\nweil letzteres eine veränderte Ausgabe des ersten sei. Of-\nfenbar ist jene erste Form die bessere; obwohl Moravius'\nCompilation eingereiht, ist sie vollständiger und gründ-\nlicher, als die letzte. Der J. de Garlandia macht der Kri-\ntik zu schaden; es sind drei seines Namens in C. Script.,\nein vierter, Garlandus Vesuntinus, findet sich in Gerbert,\nScript. T. 11. Ob d iese alle Einer oder verschiedene sind,\nist durch die bibliographischen Noten C. Script. X, XIII,\nXIV noch nicht sichergestellt; dass der Garl. 11, 111 in\nC. Script, den übrigen dieses Namens in Weisheit um ein\nJahrhundert voraus sei (C. Script. X, Z. 20), haben wir\nnicht wahrnehmen können, und vermissen sowohl hier als\nin C. Hist. 48, 212 die Belehrung über diesen Unter-\nschied. Im Uebrigen ist dieser Garl. I interessant, aber\nschwierig; er behandelt den damals üblichen Inhalt der\nTonlehre: Mensur, Figur, Discant = Tact, Noten, Melo-\ndieenlehre; wären nur die Noten-Beispiele, namentlich zum\nDiscantus, verständlicher! Hier würde die leitende Hand\ndes gewandten Ddchiffreurs auch den gelehrtesten Lesern\nwillkommen sein, denen die S. 107 —ll3 verzeichneten\nlängeren Discantus, so weit sie sich in grösseren Ligaturen\nergehen, ganz unsinnig erscheinen müssen. Wir wissen\nwohl, wie manche Entzifferungen, mit möglichster Sorg-\nfalt nach den Regeln der alten Mensuralisten angestellt,\ntheil weise mit Glück, d. h. zu angenehmem Erfolge, aus-\ngeführt sind; wer aber die Literatur dieses Gebietes\nkennt, weiss auch, dass nicht allein Forkel und Burney in\nder Anwendung jener Regeln abweichen, sondern auch\nneuerdings die kritisch vorgeschrittenen Schubiger, Lam-\nbillote, Fetis, Ambros und Coussemaker noch immer an-\ngefochtene, mindestens fragliche Resultate bringen, und\nnur Bellermann unangefochten geblieben ist mit seinen\ntrefflichen Herstellungen, die sich freilich mehr in dem\nhelleren Zeiträume von 1400—1600 bewegen.\nUnsere Klage über Unklarheit bezieht sich besonders\nauf Garland's letzte Capitel de triplieibus et quadrupli-\n\n*) Selten hilft der Verfasser dem Leser durch eine emendireude\nNote, u. A. 10a n. 2, wo AI Pharabius empfohlen wird zu lesen,\nstatt des Textes Aphorabiumy oder 96a duplum, statt duplex. Hätte\ner dafür doch lieber jene sinnstörenden beachtet!"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "406", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651223-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 87, "texte": "cibus, wo Noten und Text oft klingen wie ganz verschie-\ndene Sprachen.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-12-23-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-12-23_01#c004", "volume": "bmtnabi_1865-12-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "406", "page_fin": "407", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651223-01.2.4", "titre_corps": "„Des Sängers Fluch“, Oper von A. Langert.", "titre_sommaire": "„Des Sängers Fluch“, Oper von A. 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Liegt\nauch der Hauptgrund hierzu in der nicht zu läugnenden\ngeringen musicalischen Schöpfungskraft der Gegenwart,\nso fällt doch auch der Umstand in die Wagschale, dass\nbei dem so seltenen Erscheinen eines neuen Werkes an\nunserem trüben Opernhimmel der Ausruf: endlich wie-\nder einmal eine Novität! vollkommen gerechtfertigt ist.\nEine Direction, die im Jahre eine oder höchstens zwei No-\nvitäten bringt, verrückt gänzlich den Standpunkt einer\nbilligen Beurtheilung; wenn sie aus zwanzig ihr vorliegen-\nden Werken nur eines heraussucht, so müssen Publicum\nund Kritik zu dem Glauben verleitet werden, dass ihnen\nda etwas ganz Besonderes, ein wahres Meisterwerk, ge-\nboten werden wird. Je grösser die Erwartung, desto stär-\nker der Unwille des Publicums und die Strenge der Kritik,\nwenn die Enttäuschung eintritt. Wir wären recht begie-\nrig, zu erfahren, welche Grundsätze die Direction (wenn\nüberhaupt bei dieser Direction von Grundsätzen die Rede\nsein kann) bei der Wahl ihrer Novitäten leiten. Dass eine\nOpernbühne das Langert'sche Werk auch bringe, wäre\nnatürlich, dass sie es aber allein bringt, ist schwer er-\nklärlich, denn da stehen doch gewiss die Opern von F.\nHiller, Bruch, Wüerst,Abert,Schmit,Herther,\nBarbieri und von Anderen wenigstens auf gleicher\nStufe in Bezug auf inneren Werth oder scenische Wirk-\nsamkeit. Da werden wahrscheinlich die Titel aller vorhan-\ndenen Opern in einen grossen Topf geworfen, und die\nkundige Hand des Directors holt den Treffer heraus. Oder\nsollte wirklich „Des Sängers Fluch\", wie vielfach behaup-\ntet wurde, eine „Zwangoper\" als octroyirte Vorläuferin\nder „Africanerin\" sein?\nDas Textbuch ist von Gustav von Meyern in Co-\nburg was der Zettel verschwieg mit Benutzung des\nUhland'schen Gedichtes nicht ohne Geschick verfasst. Die\nVerse sind singbar, dem Componisten ist Gelegenheit ge-\nboten, sehr wirksame Situationen musicalisch zu beleben,\ndie entsprechende Vertheilung der Scenen für Arien,\nDuette und grosse Ensembles zeugt von einer kundigen\nHand, und es ist ausserdem auch auf eine glänzende und\ndurch den Hintergrund einer nebelhaften Vorzeit phan-\ntasiereiche Ausstattung Rücksicht genommen. Was jedoch\ndem Textbuche vorgeworfen werden muss, ist der Mangel\nan dramatischem Leben und Bewegung, so wie die Passi-\nvität der Hauptpersonen. Nur die Gisella, eine Zwillings-\nschwester der Chezy-Weber'schen Eglantine, bildet eine\nAusnahme; ihre durch nichts motivirte Umwandlung im\nletzten Acte ist jedoch eben so sinn- als zwecklos.\nWeit schlimmer, als mit dem Texte, sieht es aber hier\nmit der Musik aus. Die meisten Melodieen, die uns Herr\nLangert als die Producte seiner Erfindung auflischt, mah-\nnen in so erschreckender Weise an die seichtesten Com-\npositionen von Abt, Gumbert und Consorten und haben\neinen so entschieden liedertafelartigen Beigeschmack, dass\nmehrmals etwas wie ein leiser Schauder der Entrüstung\nim Saale vernehmbar wurde. Die Ensembles sind meistens\nim Sechs- oder Neunachtels-Tacte ganz nach der Verdi'-\nschen Schablone behandelt. Dabei ist das Ganze nach je-\nner dramatisch sein sollenden, zwischen Recitativ und\nCantilene schwankenden Art behandelt, und bringt es in\nden besten Momenten nicht über eine servile Nachahmung\nWagner's. Die Instrumentation ist gesucht und überaus\nlärmend, die sämmtlichen Gesangs-Partieen sind undank-\nbar und für die Sänger, die beständig mit den Blechmas-\nsen zu kämpfen haben, sehr anstrengend. Obwohl Herr\nLangert noch ein junger Mann sein soll und wir seine\nfrüheren Werke, ein Quartett, eine Sinfonie und eine\nOper, „Die Jungfrau von Orleans\", nicht kennen, so glau-\nben wir doch kaum, nachdem wir sein „Des Sängers\nFluch\" gehört haben, dass wir es mit einem noch ent-\nwicklungsfähigen und auf dem dramatischen Felde für\ndie Zukunft versprechenden Talente zu thun haben. Wir\nhalten es daher für überflüssig, näher in das Detail seines\nWerkes einzugehen, um so mehr, als aller Wahrschein-\nlichkeit nach die Oper beim Erscheinen dieser Bespre-\nchung bereits für immer vom Repertoire verschwunden\nsein wird.\nDie Aufführung hatte an dem Misserfolge derselben\nkeinen Antbeil. Im Gegentheil, sie war unter Herrn Des-\nsoff's Leitung trefflich studirt, und alle darin Beschäf-\ntigten, die Damen Dustmann, Krauss, die Herren\nBignio, Schmid, Ferenczy und Hrabaneck haben\n\n*) Die Oper scheint bereits nach der zweiten Aufführung, welche\n▼or leerem Hause Statt fand, ad a gelegt worden zu sein.\nAnm. d. Bed."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "407", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651223-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2163, "texte": "Alles gethan, um das Werk zu retten, was auch vom Pu-\nblicum anerkannt wurde, denn der gespendete Beifall galt\nlediglich den Darstellern. Besonders hervorzuheben sind\ndie Leistungen des Fräuleins Krauss und des Herrn\nBignio, die ih re Bollen möglichst scharf zu charakteri-\nsiren trachteten. Schade, dass bei der Erstgenannten die\ngänzlich gebrochene Stimme sich ihren besten Intentionen\nstets hemmend in den Weg stellt. Selbst Herr Ferenczy\nhatte sehr gute Momente und gab sich auch im Spiel red-\nlich Mühe. Hier ist es wohl der Mangel an ursprünglicher\nBegabung und an elementarem Unterrichte, wie die äussere\nRepräsentation, welche dem Streben des Sängers die gröss-\nten Hindernisse bieten. Die Rollen des alten Sängers und\nder Königin sind dramatisch wie musicalisch derart be-\nhandelt, dass selbst Herr Schmid und Frau Dustmann\nmit dem besten Willen nichts damit anzufangen wussten.\nDie Ausstattung war, was man an unserem Opern-\ntheater eine „glänzende\" nennt. Die Scenirung des Schlus-\nses, der einzige, effectvolle Moment der Oper, war gänz-\nlich misslungen. Während der alte Sänger den Fluch\nspricht, hätte der König und die Königin und der ganze\nHofstaat auf der Bühne bleiben sollen, um dann unter\ndem Schutte des zusammenstürzenden Palastes zu ver-\nschwinden. So aber, wo Alles, selbst der alte Sänger, sich\ngemüthlich entfernt, die Bühne leer bleibt und dann erst\nder Einsturz in echt primitiver kindischer Weise vor sieb\ngeht, wird die Oper noch um ihren einzigen wirkungs-\nvollen Moment gebracht.\nSchliesslich nur noch eine Bemerkung. Es wurde sei-\nner Zeit in Form einer Berichtigung officiel mitgetheilt,\ndass Hiller's Oper „Der Deserteur\" wegen ihrer voraus-\nsichtlichen gänzlichen Wirkungslosigkeit zurückgelegt\nwurde. Sollte nun wirklich die Wahl von „Des Sängers\nFluch\" eine freiwillige gewesen sein, so gibt sie der Ur-\ntheilsfähigkeit der hier entscheidenden Organe (wir wissen\nnicht, ob Oberstkämmerer-Amt, artistischer Director, oder\nCapellmeister, oder alle zusammen) eben kein glänzendes\nZeugniss, und es wird sich unter so bewandten Umstän-\nden Herr Hiller über die erlittene kränkende Zurück-\nsetzung wohl zu trösten wissen. (W. Ree.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-12-23-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-12-23_01#c005", "volume": "bmtnabi_1865-12-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "407", "page_fin": "407", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651223-01.2.5", "titre_corps": "Mehrstimmige Gesänge für weibliche Stimmen.", "titre_sommaire": "Mehrstimmige Gesänge für weibliche Stimmen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "407", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651223-01.1.7", "debut_caractere": 2165, "fin_caractere_exclue": 4325, "texte": "Mehrstimmige Gesänge für weibliche Stimmen.\nEine der angenehmsten und beliebtesten Gattungen\nder Hausmusik machen die Lieder und Gesänge für zwei\noder drei Stimmen (Soprane oder Sopran und Alt) aus:\ndie Mutter singt sie mit der Tochter, oder die Töchter\nüberraschen den musikliebenden Papa damit, das beglei-\ntende Orchester ist in Gestalt eines Flügels oder Pianino's\nüberall bei der Hand, und in jeder gebildeten Familie ist\nheutzutage wenigstens ein Mitglied vorhanden, das der\nRolle des Begleiters am Ciavier gewachsen ist. Wir ma-\nchen desshalb auf einige Sammlungen der Art, die in den\nletzten Jahren erschienen sind und sich zu musicalischen\nWeihnachts- und Neujahrsgeschenken ganz be-\nsonders eignen, aufmerksam, da sie sich durch liebliche,\nsangbare Melodieen, deren Ausführung keine besonderen\nSchwierigkeiten darbietet, durch gute Wahl der Gedichte\nund durchweg edeln musicalischen Charakter empfehlen.\nFerd. Hiller, Zehn Gesänge für zwei Sing-\nstimmen. Op. 90. Mainz, bei Scholt's Söhnen.\n2 Hefte, jedes 1 Fl. 48 Kr.\nFerd. Hiller, Sechs leichte Zwiegesänge.\nOp. 92. Ebendaselbst.\nFranz Weber, Acht Duette für zwei Sing-\nstimmen, der Frau Herzogin von Nassau ge-\nwidmet. Op. 31. Köln, bei Joh. Franz Weber.\nHeft I. 1 Thlr. 20 Sgr. 11. 20 Sgr. Diese Duette\nsind „zunächst für den Chorgesang in höhe-\nren Töchterschulen\" bestimmt, machen aber auch,\nvon zwei Solostimmen gesungen, gute Wirkung.\nDie Stimmen sind (in Partitur gedruckt, was sehr\nzweckmässig ist) besonders zu haben. (71/« Sgr.)\nHeinr. Marschner, Fünf Gesänge für drei\nweibliche Stimmen. Op. 188. Zwei Hefte,\njedes Partitur und Stimmen l'/sThlr. Leipzig,\nbei J. Rieter-Biedermann. Diese Gesänge sind so-\nwohl für den Vortrag im Chor, als durch drei\nSolostimmen geeignet. (Die Stimmen einzeln zu\n5 Ngr.)\nMax Bruch, Drei Duette für Sopran und\nAlt. Op. 4. Leipzig, bei Breitkopf und Härtel.\nPreis 1 Thlr.\nMax Bruch, Sieben zwei- und dreistimmige\nGesänge für weibliche Stimmen, vorzüglich zum\nGebrauche in höheren Töchterschulen. Op. 6.\nKöln, Eisen's Buch- und Kunsthandlung. Preis\n15 Sgr.\nA. Seiffert, Vier Duette für zwei Singstimmen.\nOp. 9. Haag, bei Weygand und Beuster. Preis\n2 Fl. 40 C."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-12-23-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-12-23_01#c006", "volume": "bmtnabi_1865-12-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "407", "page_fin": "408", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651223-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "407", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651223-01.1.7", "debut_caractere": 4327, "fin_caractere_exclue": 4663, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. In der zweiten Soiree für Kammermusik ka-\nmen das Violin-Quartett in G-dur von Mozart und das in D-dur\n(Op. 18) von Beethoven zur Aufführung. Ferner trugen die Herren\nCapellmeister Hill er und Joh. Br ah ms die vierhändigen, mit Recht\ngerühmten Variationen des letzteren über ein Thema von Schumann"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "408", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651223-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4688, "texte": "vor und Herr Brahms die Clavier-Partie seines Quartetts in G-\nnnoll, Op. 25, welches ebenfalls mit Beifall aufgenommen wurde,\nwie man uns berichtet, da wir selbst den Saal schon nach dem\nVortrage der Variationen aus Gesundheits-Rücksichten verlassen\nmussten.\nSaarbrücken, 14. December. Gestern fand das erste dies-\njährige Concert des Instrumental-Vereins unter Mitwirkung der\nFrau Emma Wernicke aus Paris, des „Gesangvereins\" und der\nLiedertafel „Eintracht\" Statt. Unser neuer Musik-Director Herr A.\nLangert machte zu gleicher Zeit sein Debüt als Dirigent. Die\npräcise und lebendige Durchführuug sowohl der Instrumental- wie\nder Vocal-Piecen zeigte, dass wir uns gratuliren können, eine solche\nAcquisition gemacht zu haben; wir wünschen nur, Plerr Langert\nmöge uns recht lange erhalten bleiben. Das Programm brachte\nHaydn's Sinfonie in B-dur, Nicolai's Ouvertüre zu den „Lusti-\ngen Weibern\", die grosse Arie der Vitellia aus „Titus\", zwei Num-\nmern iiir Sopran aus Langert's Oper „Des Sängers Fluch\", die sehr\ngefielen, und im zweiten Theile M en del s so hn's „Athalia\".\nWelch umsichtiger, energischer Dirigent Herr Langert ist, zeigte\nsich gestern, und wir versprechen uns von seinem Wirken die\nschönsten Resultate. Es war Leben in den Chören und im Orchester\nund Alles ging prächtig von Statten.\n* Schwerin, im December, Der diesjährige Herbst hat uns\nbereits so mannigfache musicalische Genüsse gebracht, dass wir in\nIhrem geehrten Blatte zu viel Raum beanspruchen müssten, woll-\nten wir die einzelnen Concerte und Aufführungen mit der nöthigen\nGründlichkeit besprechen. Es mag desshalb Entschuldigung finden,\nwenn wir bloss über das zuletzt Genossene aus frischer Erinnerung\nreferiren. Am 7. December führte unser strebsamer Gesangverein\ndas bisher hier noch nicht gehörte Oratorium „Josua\" von Händel\nim Saale des hiesigen Schauspielhauses und zum Besten des Theater-\nPensionsfonds auf. Der Verein, unter Leitung seines trefflichen Di-\nrigenten, Herrn Hof-Capellmeisters Schmitt, hat bereits in den\nfrüheren Jahren so tüchtige Beweise seines Strebens und Fleisses\ngegeben, dass wir uns nur freuen dürfen, durch seine Aufführungen\ngrösserer Oratorienwerke eine bis dahin sehr fühlbare Lücke unse-\nres musicalischen Lebens ausgefüllt zu haben. Die mit Liebe und\nFleiss einstudirten Chöre dieses grossartigen Tonwerkes konnten\nihre Wirkung nicht verfehlen. Die Solo-Partieen waren freundlichst\nübernommen von den Solisten des hiesigen Hoftheaters (Fräulein\nReiss: Achsa, Sopran Fräulein Barn: Othniel, Alt Herr\nSchueller: Josua— Herr Hintze: Kaleb) und wurden von den-\nselben in einer so edeln, stilmässigen Weise durchgeführt, dass man\nihnen für ihr Wirken auf diesem ihnen an und für sich nicht hei-\nmischen Gebiete vollen Dank schuldet. Es darf nicht unerwähnt\nbleiben, dass dem Vereine nur durch die uneigennützige Unter-\nstützung der Solokräfte des grossherzoglichen Hoftheaters die Mög-\nlichkeit zur Aufführung solcher Werke gegeben ist. Die Besprechung\neinzelner Details, die Hervorhebung irgend eines kleinen Fehlers\noder Versehens kann nicht unsere Aufgabe sein. Auch eine strenge\nKritik darf von einer guten und edlen Aufführung berichten, wenn\ndas Ganze von einem Geiste beseelt wurde, der in das Tonwerk mit\nVerständniss einzudringen vermochte und die grossartigen Intentionen\ndes Tonmeisters zur Geltung zu bringen wusste.\nProfessor Fr. Bodenstedt hat seine Function beim münchener\nHoftheater übernommen; seine Aufgabe besteht darin, bei der Auf-\nführung classischer Dichtungen sich mit den Darstellern in persön-\nlichen Verkehr zu setzen, seine Ansichten über die Intention des\nbetreffenden Werkes und über die darzustellenden einzelnen Cha-\nraktere zu äussern und zu diesem Zwecke bei der jedesmaligen\nLeseprobe, so wie bei den scenischen Proben gegenwärtig zu sein.\nDie Inscenirung der Stücke, so wie die Rollenbesetzung bleibt wie\nbisher den Regisseuren und der Intendanz überlassen.\nIn Paris ist die bekannte Pianistin Fr. Therese Wartel\ngestorben. Sie war eine treffliche Pianistin, die auch in der „Patrie\"\nRecensionen schrieb und unlängst noch ein Buch über die Sonaten\nBeethoven's herausgegeben hat.\nAus Warschau wird uns das Programm einer Festfeier von\nBeethoven's Geburtstag (den 17. December) mitgetheilt, welche\nseit vorigem Jahre dort zu regelmässiger Wiederkehr von Herrn\nLe Brun, Redacteur der dortigen Musik- und Theater-Zeitung,\nveranstaltet worden. In einem Morgen-Concerte von bis 3 Uhr\nwurden Compositionen von Beethoven für Gesang (Sätze aus der\nO-cZitr-Messe, Adelaide u. s. w.), Pianoforte (Op. 57) und Kammer-\nmusik (Stücke aus dem Septett und Quintett Op. 29) gemacht. An\n400 eingeladene Personen und alle Notabilitäten der Stadt waren\nzugegen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "401", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651223-01.1.1", "texte": "Inhalt.\n■Das Quartett (Fortsetzung, statt Schluss). Zur Musikgeschichte. „Des Sängers Fluch\", Oper von A. Langert\n(deren Aufführung in Wien). Mehrstimmige Gesänge für weibliche Stimmen (Ferd. Hiller, Franz Weber, Heinr. Marschner, Max Bruch,\nA. Seiffert). Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, zweite Soiree für Kammermusik Saarbrücken, Concort, Herr Langert\nSchwerin, Aufführung von Händel's „Josua\" München, Prof. Fr. Bodenstedt Paris, Pianistin Therese Waitel f Warschau).\n\nDas Quartett.\n(Fortsetzung, statt Schluss. S. Nr. 50.)\nMan ist gewohnt, die Fortbildung der Tonkunst, na-\nmentlich der Instrumentalmusik, auf Rechnung von Indi-\nviduen zu setzen, die als geniale Erfinder oder geniale\nFortsetzer ihrer Vorgänger der in einer bestimmten Epoche\ngültigen und den Geschmack beherrschenden Weise in\nForm und Inhalt der Tonstücke eine andere Richtung ge-\ngeben und dadurch eine neue Periode in der Entwicklung\nder Kunstgeschichte begründet haben. So gewiss diese\nWirksamkeit einzelner Kunstgenies mit Recht hoch an-\nzuschlagen ist, so führt die genauere Betrachtung der\nWendepunkte in der Geschichte der Musik doch fast immer\nnicht allein auf die bahnbrechenden Geister, sondern auch\nauf weniger greil bare Ursachen, deren geheimes Wirken,\nweil sie nicht aus Urkunden und Denkmälern erweisbar\nsind, sich der Analyse des Historikers entzieht. Dieser dem\nAuge des späteren Forschers schwer zu entdeckende und\nzu verfolgende Einlluss des Geistes der Zeit, der in der\nKunst eben so waltet, wie in der Entwicklung der Mensch-\nheit überhaupt, offenbart sich meist nur durch seine er-\nfahrungsmässigen Resultate, und es ist eine Errungenschaft\nunserer Tage, dass die Geschichtschreibung, welche das\nLeben grosser Künstler zum Vorwurfe hat, auch die Auf-\ngabe als wesentlich anerkannt hat, so viel als möglich den\nGeist der Zeit zu charakterisiren, in welche das Genie des\nIndividuums mit seiner neugestaltenden Kraft eintrat.\nEine der merkwürdigsten Thatsachen in dieser Be-\nziehung ist die gleichzeitige Entwicklung der Kammer-\nmusik für Streich-Instrumente in Italien und Deutschland,\neine Erscheinung, die noch zu wenig beachtet worden ist.\nSie ist um so mehr ein Beweis für jenen unsichtbaren und\nschwer nachzuweisenden Einlluss des Zeitgeistes, als weder\nBoccherini in Italien, noch Haydn in Deutschland die\nschöpferischen Bildner des Quartetts und der verwandten\nFormen hätten werden können, wenn sie nicht bei ihren\nZeitgenossen eine für ihre Compositionen günstige Stim-\nmung und Empfänglichkeit gefunden hätten. Bisher war\nnämlich das Ciavier das vorherrschende Instrument für\nKammermusik, und auf welche Höhe die genialen Meister\ndesselben, Domenico Scarlalti in Italien und C. Philipp\nEmanuel Bach in Deutschland, die Theilnahme der Kunst-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "402", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651223-01.1.2", "texte": "weit dafür gebracht hatten, ist bekannt. Wiewohl nun\nbeide im Gegensatze zu dem vorzugsweise contrapunkti-\nschen Stile ihrer Vorgänger die freiere Schreibart einge-\nführt hatten, so liess diese doch noch ein Bedürfniss des\nmenschlichen Ohrs und Gemülhes unbefriedigt, die natür-\nliche Freude an der Melodie. Dieses Moment, welches\ndie Vocalmusik, namentlich die Oper in Italien, schon zu\neiner Forderung an die Tonkunst gemacht hatte, wurde\nin der Instrumentalmusik nach und nach immer lebhafter\nvermisst; Melodie aber verlangte, wie der Gesang, einen\nnachklingenden Ton, und den konnte das Ciavier,\nzumal in seiner damaligen Beschaffenheit, nicht geben. Da-\ndurch kam man auf den Gedanken, die Mehrstimmigkeit\ndes Claviers, welche der Polyphonie diente, mit der Ton-\nfülle, die das Ciavier nicht hatte, zu vereinigen, und dies\nführte nothwendig zur Anwendung der Bogen-In-\nstrumente auf die Productionen der Rammermusik.\nDurch den gehaltenen Ton, welcher des gesangmässigen\nAusdrucks fähig war, erhielt man für die Melodie Anhalts-\npunkte, die man brauchte, und da man die Polyphonie\nals das Wesentliche der Instrumentalmusik nicht aufgeben\nwollte, so vereinigte man zwei, drei, vier, auch fünf Bo-\ngen-Instrumente, und die Duette, Trio's. Quartette und\nQuintette waren da, und mit ihnen die Möglichkeit, dem\nmelodischen Elemente zugleich mit dem harmonischen und\npolyphonen gerecht zu werden.\nZur Ausführung dieses Gedankens und zur Entwick-\nlung desselben zu einer neuen Runstform erschienen zu\ngleicher Zeit und unabhängig von einander in Italien\nLuigi Boccherini (1740—1805), in Deutschland\nJoseph Haydn (1732 —1809). lieber Boccherini, der in\nDeutschland nicht viel mehr als dem Namen nach bekannt\nist, setzt uns die Arbeit seines französischen Biographen:\nNotice sur Louis Boccherini par L. Picquot, welche\nvor fünf Jahren erschienen ist, in Stand, eine ausführ-\nlichere Mittheilung zu geben.\nLuigi Boccherini wurde am 14. Januar 1740 zu\nLucca geboren. In das geistliche Seminar seiner Vaterstadt\naufgenommen, erhielt er den ersten musicalischen Unter-\nricht von dem Abte Vanucci, dem Capellmeister des Erz-\nstiftes. Eine entschiedene Neigung für das Violoncell trat\nsehr bald bei ihm hervor, und sie ist sicherlich auf die\nspätere Richtung seiner Virtuosen- und Componisten-Thä-\ntigkeit nicht ohne Einfluss gewesen. Sein Vater, Contra-\nbassist in der Kirchen-Capelle, der die grossen Anlagen\nseines Sohnes nicht verkannte, schickte ihn nach Rom, um\ndort seine Studien zu vollenden. Uebrigens hatte die Natur\nschon bei Weitem das Meiste bei ihm gethan: jedoch scheint\nder Aufenthalt in Rom und was er dort gehört, besonders\ndie Gesänge in der Sixtinischen Capelle, Einfluss auf die\nnatürliche Einfachheit und eine gewisse Gefühlsstimmung,\ndie in seinen Compositionen zu Tage tritt, gehabt zu ha-\nben ; auch sprach er von jenen Eindrücken, die er in Rom\ndamals empfangen, bis in seine letzten Lebensjahre mit\ngrosser Vorliebe.\nNach seiner Zurückkunft schloss er ein enges Freund-\nschaftsbündniss mit seinem Landsmanne Manfredi, einem\ntüchtigen Schüler Nardini's auf der Violine. Sie wollten\nüber Turin und Paris nach Madrid gehen, welches damals\nein Sammelpunkt der grössten Tonkünstler war. Schon\nin Turin machten sie Aufsehen, noch mehr durch die\nComposition der ersten Trio's von Boccherini für zwei\nViolinen und Violoncell, als durch die Virtuosität der Aus-\nführung. Durch den Erlolg ermutbigt, verlängerten sie\nihre Runstreise an fünf Jahre lang in Oberitalien und ka-\nmen erst 1767 nach Paris. Bis dahin waren jene Trio's\nvon Boccherini, die er nicht drucken liess, die Haupthebel\nihrer Erfolge.\nIn Paris wurden sie bei dem Baron von Bagge ein-\ngeführt, in dessen Hause sich damals die Auswahl der\nmusicalischen Welt vereinigte. Boccherini's Compositionen\nmachten in diesem Rreise und bald darauf in den\ncerts spirituelsdas grösste Aufsehen. Die bedeutendsten\nMusik-Verleger gingen ihn um Veröffentlichung seiner\nSachen an, und so erschienen in Paris zuerst die erwähn-\nten Trio's und das erste Heft seiner Quartette, sechs\nNummern, Opus 8, Paris, 1769, bei Venier*).\nIm Jahre 1769 kamen Boccherini und Manfredi, ver-\nsehen mit Empfehlungsschreiben des spanischen Gessmdten\nin Paris, nach Madrid. Boccherini brachte ein drittes Heft\nvon Trio's mit, die er dem Prinzen von Asturien, nach-\nberigem Rönige Rarl IV., widmete. Er machte kein son-\nderliches Glück bei Hofe, doch ernannte ihn der Infant\nDon Luis zu seinem Rammer-Virtuosen. Wie so manche\ngeniale Rünstler, lebte Boccherini auch mehr für seine\nRunst, als für die Befriedigung der Bedürfnisse des Le-\nbens, und so hat er es, indem er Madrid nicht wieder ver-\nliess, niemals zu einigem Vermögen gebracht, sondern\nmusste im Gegentheil oft mit häuslichen Sorgen kämpfen.\nSein Genosse Manfredi scheint sich besser auf die Finan-\nzen verstanden zu haben.\nBei Hofe schadeten Boccherini die Ränke des ersten\nViolinisten Brunetti und seine eigene Freimüthigkeit. Ein-\nmal z. 8., als der Prinz von Asturien in einem seiner\nQuartette die erste Violine spielte und, weil ihm die Wie-\nderholung einer Passage nicht behagte, das Instrument\n\n*) Herrn Picquot lag die Sammlung aller Werke Boccherini's\nund der chronologische Katalog derselben, ein Autograph des Com-\nponisten, vor."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "403", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651223-01.1.3", "texte": "wegwarf und ausrief: „Abscheuliche Musik!\" erwiederte\ner: „Um ein musicalisches Werk zu beurtheilen, muss\nman etwas von der Musik verstehen.\" Der Prinz (nachher\nKarl IV.), durch seine riesige Körperkraft und Rohheit\nbekannt, packte ihn beim Kragen und hielt ihn zum Fen-\nster hinaus; nur der Schrei der Prinzessin brachte den\nbrutalen Prinzen zur Vernunft, und er begnügte sich, den\nMusiker in eine Ecke des Zimmers zu werfen. Auch als\nKönig vergass er ihm diese Scene nie, und Brunetli, der\nsich bei ihm einzuschmeicheln und zu halten wusste, ver-\nfehlte nicht, seinen Hass zu schüren*).\nBoccherini's ungeheure Fruchtbarkeit im Componiren\nverschaffte ihm wenigstens den nöthigen Lebensunterhalt,\nda seine Sachen gut bezahlt wurden. Trotz seiner manch-\nmal drückenden Noth war er doch so gewissenhaft, dass\ner z. B. einem Kaufer, der ihm für ein 100\nLouisd or bot, dasselbe nicht zusagte, weil er es bereits\neinem Anderen versprochen, der ihm nur 60 Piaster (etwa\n280 Francs) dafür zahlte.\nEine bessere Zeit lür ihn führte die Widmung eines\nseiner Werke an den König Friedrich Wilhelm 11. von\nPreussen im Jahre 1787 herbei; er erhielt dafür eine\ngoldene Dose, mit Friedrichsd'or gefüllt. Der kunstsinnige\nKönig blieb aber dabei nicht stehen, sondern ernannte ihn\nzu seinem Kammer-Componisten und setzte ihm ein jähr-\nliches Gehalt aus**). Mit dem Tode des Königs im Jahre\n1797 hörte freilich diese Einnahme wieder auf, und Boc-\ncherini sah sich wieder auf den Ertrag seiner Compositio-\nnen und Unterrichtsstunden beschränkt. Er soll zuletzt in\nwirklich ärmlichen Verhältnissen gelebt haben und starb\nin Madrid den 28. Mai 1805.\nEr war zwei Mal verheirathet; aber auch in der Fa-\nmilie trafen ihn harte Schicksalsschläge, denn zwei er-\nwachsene Töchter starben vor ihm hin und seine zweite\nFrau wurde an seiner Seite von einem Schlagflusse plötz-\nlich getödtet. Sein ietzter Nachkomme und Enkel, Don\nFerdinando Boccherini, lebt in Madrid als Professor an\nder Akademie der Künste.\n(Schluss folgt.)\n\n*) Man sieht hieraus, wie irrthümlich die Angabe in manchen\nTonkünstler-Wörterbüchern ist, dass der Prinz von Asturien Bocche-\nrini zum Director seiner Kammermusik ernannt habe.\n*) In demselben Jahre 1787 schrieb auch Haydn im Auftrage\ndes Königs die demselben gewidmeten Quartette, 1789 und 1790\neben so Mozart die drei Quartette in D-, B- und F-dur. Bocche-\nrini, dessen Musik der König sehr liebte, hatte nur die Verpflich-\ntung, jährlich einige Quartette oder Quintette einzusenden. Ausser-\ndem gab Friedrich Wilhelm IL, der selbst ein eifriger Violoncell-\nspieler war, anständige Pensionen an die auswärtigen Violoncellisten\nDuport aus Paris und J. C. Bisch off in der fürstlich dessaui-\nschen Capelle, wofür z. B. der letztere nur die Verpflichtung hatte,\njährlich einmal nach Potsdam zu kommen und mit dem Könige\nDuette oder in Quintetten zu spielen. Die Composition einiger me-\nlodiösen Soli für Violoncell mit Quartett-Begleitung erhielt er noch\nbesonders honorirt.\n\nZur Musikgeschichte.\nScriptorum de musica medii aevi novarn Se-\nriem a Gerbertina alter am collegit E. de Cous-\nsemaker. Tom. I (fasc. 1 6). Paris, Du-\nrand, 1864. XXIII und 466 Seiten in Quart.\nDieses neueste Unternehmen des rüstigen Manuscript-\nForschers schliesst sich an eine Reihe von Schriften ver-\nwandten Inhalts, mit denen er seit längeren Jahren vor-\nnehmlich der Musikgeschichte Material zu bereiten bemüht\nist, deren bekannteste, die Histoi\nage, prächtig ausgestattet in Paris 1852 erschienen, sich\ndurch Fleiss und Sachkunde empfiehlt; ihm zur Seite\ngingen zahlreiche Einzelgaben in den\ngiques; ein anderes grösseres Werk,\ndu moyen age (Paris, 1861). enthält Noten und Text,\nLatein und Altfranzösisch, nebst Facsimiles vom eilften bis\nvierzehnten Jahrhundert.\nDie vorliegende Arbeit nennt sich eine Fortsetzung\nder Gerbert'schen Sammlung. Letztere, im Jahre 1784\nherausgegeben, trägt manche Mangel einer Zeit an sich,\nder es mitten im Schwünge anderer Geislesbewegung\nmehr um den Inhalt, als um kritische Genauigkeit zu thun\nwar. Gerbert's kritische Arbeit, sowohl im Vergleichen\nund Erschöpfen der Quellen, als in Textgestaltung, ist\nungenügend; doch fehlt es nicht an Rechenschaft über\ndas Vorliegende, die chronologische Ordnung ist sorgfältig\ninnegehalten, und daneben treten, bescheiden, aber hülf-\nreich zu rechter Stunde, Nachweisungen über Sachliches\nein. Vermisst wird in Gerbert Manches; am meisten ist zu\nbedauern, dass die englischen Musiker fehlen: Wal-\nter Odington, Robert Handlo, Job. Hanboys,\nderen Lehrschriften den Historikern Burney und Hawkins\nbekannt, den Auswärtigen aber nicht so zugänglich wa-\nren, wie heute. Dafür ist, was Gerbert noch ausser den\nberühmteren Theoreten Hucbald, Guido, Franco, Mar-\nchetto, Muris mittheilt, durchgängig materiel interessant,\nzudem Alles in die bewusste Einheit des Planes zusammen-\ngefasst, welche der Titel: „Scriptores ecclesiastici de mu-\nsica1' , ausspricht. So beginnt er denn mit dem ägyptischen\nMönche Pambo, saec. IV,und scbliesst mit den\ntuiiones Capellae Pontificiae, welche im Jahre 1545 durch\nPaul 111. erlassen sind. Wer den alten Gerbert auch nur\noberflächlich kennt, wird zwar seine kritischen Mängel\nbald gewahr werden, aber auch die Hingebung an die\nSache und die Fülle des Gegebenen anerkennen.\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "404", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651223-01.1.4", "texte": "Coussemaker's Plan und Grundriss ist so deutlich nicht.\nDie Vorrede verspricht das bei Gerbert Vermisste nament-\nlich aus dem zwölften und dreizehnten Jahrhundert zu\nbringen, wobei „der Kirchengesang nicht den niedrigsten\nRang behaupten soll\". Nun ist aber nicht klar, welches\nPrincip die Reihenfolge geregelt habe, indem zwar die\nHauptmänner von Hieronymus de Moravia bis Hanboys\n(1250—1470) chronologisch geordnet stehen, die Ne-\nbenmänner dagegen anonyme, unbedeutende und werth-\nvolle durch einander weder chronologisch noch didak-\ntisch einander folgen. Die Vorrede unterlässt, das Wort\nder Ordnung zu sagen: sie gibt das Biographische und\nBibliographische allerdings mit löblicher Genauigkeit, er-\nzählt aber von dem Plane des Ganzen weiter nichts; der\nTitel deutet uns an, dass wir auf eine Fortsetzung hoffen\nsollen.\nEs wäre nun solche Sylloge qualiscunque dennoch als\nschätzbares Material anzuerkennen, wenn nur eben das\nKritische sich mindestens in Herstellung äusserlicher Cor-\nreetheit kundgäbe. Ein buchstäblicher Abdruck mittel-\nalterlicher Orthographie, wie: „he note que lange vocan-\nturu ,und Aebnliches, gilt doch heute nicht mehr als kri-\ntisches Ideal, zumal wenn zu den offenbaren Schreibfehlern\nder Manuscripte, welche mit erstauntem notirt sind\n(z. B. 397'), noch weit zahlreichere Druckfehler kommen,\ndie im Erraten-Index vermisst und durch die höfliche Er-\nklärung am Ende der Vorrede nicht vergütet werden.\nJedenfalls ist eine Frage erlaubt nach der kritischen Me-\ntbode des Autors, wenn im späteren, dem heute vorlie-\ngenden, Werke Einzelnes verändert wiederkehrt, was das\nfrühere bereits einmal gebracht, und über das Verhält-\nniss beider Redactionen keine Auskunft gegeben wird. Ein\nBeispiel ist das Cap. 26 des Hieronymus de Moravia, wel-\nches Iltst.im Allgemeinen sauberer bringt, als\nAbweichungen, wo man die Rechenschaft vermisst, sind\nu. A. folgende:\nI. Script. 94% 2 discantui,Hist. 247\nDer Zusammenhang scheint den Dativ zu erfordern:\ncendum est de cantu ecclesiastico, secundum quod discan-\ntui subjicitur = „Es soll hier gezeigt werden, wie der\nCantus firmus (c. ecclesiasticus, planus, tenor) dem Dis-\ncantus (c. mensuratus, figuratus, contrapunctus) unterlegt\nwird.\" Auch das Umgekehrte ist möglich, dass nämlich\ndie Mensuralstimme unter den Tenor zu liegen kommt,\ndoch ist das für jene Zeit ungewöhnlich, vielleicht beispiel-\nlos. C. Hist. übersetzt mit feiner Unbestimmtheit:\nallons parier du chant ecclesiastique considere dans ses\nrapports avec le dechant,was man auch aus\n\\ei\\ subjicitur verstehen kann. Doch wird der Dativ sich\nwohl behaupten, zumal auch der Cantus firmus {eccles.)\nals Fundament der Composition oft genannt\nwird, bis in die späte Fugenkunst hinein.\n11. D ie Ueberschrift desselben Stückes lautet Script.\n94 Discantus Positio vulgaris, Hist. 247 Disc. vul-\ngaris positio.Ersteres ist vorzuziehen, da Hieronymus\ngleich Anfangs im Texte sagt: De discantu sunt quinque\nposiüones solemnes, una scilicet\nciales = „fünf namhafte Positionen (Lehrsätze, Lehr-Sy-\nsteme), eine allgemeine, die anderen specielle\", wor-\nüber die späteren Sätze desselben Hieronymus folgende\nAuskunft geben: Script. 97a: Haee est prima positio; .qua\nquia quaedam nationes utuntur\nesse diximus; sed quoniam defectuosa est, ideo positionem\nquae Johannis de Garlandia dann\nScript. 117a b: Subsequitur Positio tertia Johannis de\nBurgundia, ut ex ipsius ore audivimus, vel secundum\nvulgarem opinionem Franconis end-\nlich p. 136: Pet ri Picardi Aus der Combi-\nnation dieser Sätze schliesst C. Hist. 248 n. 1, unter den\nvier positiones speciales seien die von Garland, Burgund,\nFranco und P. Picardus verstanden. Kühn genug, auch\ntreffend, wenn nur die obigen Worte Burgundia ... Fran-\nconis es zuliessen! Genug, die ältere, von C. gewählte\nUeberschrift D. V. P. nach seiner Uebersetzung, Hist. 247,\nDoctrine du dechant vulgaire, widerspricht Hieronymus'\nWorten, und es muss heissen D. P. V.\nd. h. generelle du dechant.\nDas Angeführte ist ein Beispiel unter vielen, welche\ndie Frage nach der kritischen Methode des Editors her-\nvorrufen. Kunstwissenschaftliche Belehrungen sind in die-\nser Sammlung ganz vermieden; einige Citate aus Boethius\nund Anderen in den Anmerkungen hellen nichts auf, als\nden Fundort. Der Mangel solcher Belehrungen drückt hier\num so empfindlicher, je befähigter der Verfasser sich an-\nderswo gezeigt hat, die dunkle Kunstsprache jener Zeiten\naufzuschliessen. Die Histoire enthält nicht nur, wie sich\nvon selbst versteht, mehr systematisch Zusammenhangen-\ndes, sondern ist überhaupt mit mehr Geist und Einsicht\nbearbeitet, als die Scriptores; brauchbarer jedenfalls schon\ndurch die französische Sprache, gibt sie viel Anregendes,\ninteressante Aufschlüsse, reichliche Facsimiles doch lau-\nfen in der Auffassung der Mittel-Lateiner auch wunder-\nliche Dinge unter, davon wir aus demselben Capitel wie\nvorher noch eines anführen, weil es einen folgenreichen\nIrrthum involvirt. Derselbe Hieronymus sagt nämlich: Est\nautem discantus diversus consonus cantus, was C. Hist.\n248, 18 übersetzt: Le dechant est un chant compose de\ndiverses consonnances, während das Lateinische sa-\ngen will: Discant ist verschiedener consonirender\nGesang, das heisst: nicht unison, wie der Cantus planus,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "405", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651223-01.1.5", "texte": "aber auch nicht widersprechend, wie ein Cantus planus\nneben dem anderen, sondern harmonisch consonirend, vgl.\nAnonym. 11, p. 311, diversorum cantuum consonantia.\nDie Scriptores des vorliegenden ersten Bandes sind:\n1. Hieronymus de Mor'avia (Moravus),\nmusica mensurabili positio, 1180 (?); (2) Franconis (Co-\nloniensis) Ars cantus mensurabilisl22o; (3) Petri Pi-\ncardi, mus. mensur. 2. Ma\nCornpendvum discanius. 3. Joh. de Garlandia Intro-\nductio musicae.4. Ejusdem 5.\nten Odmgtoni de Speculatione 1228. —6. (Cu-\njusdam) Aristotelis Tractatus de mus. 7. Petri de\nCruce Tractatus de tonis, 1280 (?). —B. Abbreviatio Mag.\nFranconis a •Joh. Balloce.— 9.\nsonantiis, 1230. lO. An. ll.\n111. de Cantu mensurabili. l2. An. IV. de mensuris\net discantu,l2oo. l3. An. —l4.\nVI. de figuris sive de notis 1380. l5. An. VII. de\nmusica libellus. 1180. —l6.\n1326. 17. Summa M. Jo\ncam conlinuam et discretam, 1470.\nHieron. Moravus hat über die Hälfte seines Trac-\ntates mit Auszügen aus Ptolemäus, Boethius und Cotlo-\nnius angefüllt, nur die letzten neun Capitel sind sein Eigen-\nthum. Der Inhalt der ersten neun Capitel bewegt sich ganz\nin Speculationen und Definitionen; die eigentliche Ton-\nlehre, welche von Monochord, Consonanz, Tonrecbnung,\nKirchenlönen und Mensuralmusik handelt, ist ungefähr zur\nHälfte sein Eigenthum. Seine Darstellung ist schlicht und\nklarer, als bei manchen Zeitgenossen, wesshalb ihm C.\neinen hohen Rang in der Wissenschaft zuschreibt, was\nuns etwas übertrieben scheint. Originel ist jedoch, was\nunser Moravius in seinem Cap. 24, p.\n87 B9, von pulcher und turpis tonorum gradus lehrt;\neine Art Melodik mit Empfehlung leichter, flüssiger Me-\nlismen und Verwerfung unsingbarer Intervalle, eine der\nältesten Aufzeichnungen erlaubter und verbotener Ton-\nschritte, daher wohl so unbehülflich ausgedrückt und ein-\ngeteilt in pulcher, pulcrior, u. s. w. Von\nden im Prooem. p. 3 versprochenen 28 Capiteln sind nur\n26 vorhanden; das letzte, welches von Instrumenten han-\ndeln sollte, vermissen wir ungern. Sehr lästig ist der\nincorrecte Druck*), wo zwar ein Theil den kundigen Le-\nser nicht verwirrt, andere jedoch beim raschen Lesen sehr\närgerlich sind; z. B. 27a, 3 steht falsch statt ; 28a,\n20 falsch c,statt e;—31a Emineles, Ekimeles, statt Ero-\nmeles, Ekmeles und öfter! 51b, 15 XXX, statt XL;\n75b, 1 dividicat, statt dijudicat; Bs'', 3 unten, si-\nneninia, st. syneminem; 9l\\ 19, in medietate, st. im-\nmediate; 95h, 7 , in c acutust. 97b,\n17, voce amissa, st. omissa u. s. w. Die häufigen Fehler\nin den arithmetischen Capiteln lassen sich eher entschul-\ndigen mit den langweiligen römischen Ziffern, wo in den\nTausenden der musicalischen Bruchrechnungen selbst das\naufmerksamste Auge leicht ermüdet.\nEin besonderes Lob verdient der wackere Hierony-\nmus durch Abschrift der drei Anhänge, deren erster, den\nJoh. de Garlandia enthaltend, späterhin nochmals vor-\nkommt unter Nr. 4, nach Ausweis der Vorrede p. XIV,\nweil letzteres eine veränderte Ausgabe des ersten sei. Of-\nfenbar ist jene erste Form die bessere; obwohl Moravius'\nCompilation eingereiht, ist sie vollständiger und gründ-\nlicher, als die letzte. Der J. de Garlandia macht der Kri-\ntik zu schaden; es sind drei seines Namens in C. Script.,\nein vierter, Garlandus Vesuntinus, findet sich in Gerbert,\nScript. T. 11. Ob d iese alle Einer oder verschiedene sind,\nist durch die bibliographischen Noten C. Script. X, XIII,\nXIV noch nicht sichergestellt; dass der Garl. 11, 111 in\nC. Script, den übrigen dieses Namens in Weisheit um ein\nJahrhundert voraus sei (C. Script. X, Z. 20), haben wir\nnicht wahrnehmen können, und vermissen sowohl hier als\nin C. Hist. 48, 212 die Belehrung über diesen Unter-\nschied. Im Uebrigen ist dieser Garl. I interessant, aber\nschwierig; er behandelt den damals üblichen Inhalt der\nTonlehre: Mensur, Figur, Discant = Tact, Noten, Melo-\ndieenlehre; wären nur die Noten-Beispiele, namentlich zum\nDiscantus, verständlicher! Hier würde die leitende Hand\ndes gewandten Ddchiffreurs auch den gelehrtesten Lesern\nwillkommen sein, denen die S. 107 —ll3 verzeichneten\nlängeren Discantus, so weit sie sich in grösseren Ligaturen\nergehen, ganz unsinnig erscheinen müssen. Wir wissen\nwohl, wie manche Entzifferungen, mit möglichster Sorg-\nfalt nach den Regeln der alten Mensuralisten angestellt,\ntheil weise mit Glück, d. h. zu angenehmem Erfolge, aus-\ngeführt sind; wer aber die Literatur dieses Gebietes\nkennt, weiss auch, dass nicht allein Forkel und Burney in\nder Anwendung jener Regeln abweichen, sondern auch\nneuerdings die kritisch vorgeschrittenen Schubiger, Lam-\nbillote, Fetis, Ambros und Coussemaker noch immer an-\ngefochtene, mindestens fragliche Resultate bringen, und\nnur Bellermann unangefochten geblieben ist mit seinen\ntrefflichen Herstellungen, die sich freilich mehr in dem\nhelleren Zeiträume von 1400—1600 bewegen.\nUnsere Klage über Unklarheit bezieht sich besonders\nauf Garland's letzte Capitel de triplieibus et quadrupli-\n\n*) Selten hilft der Verfasser dem Leser durch eine emendireude\nNote, u. A. 10a n. 2, wo AI Pharabius empfohlen wird zu lesen,\nstatt des Textes Aphorabiumy oder 96a duplum, statt duplex. Hätte\ner dafür doch lieber jene sinnstörenden beachtet!"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "406", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651223-01.1.6", "texte": "cibus, wo Noten und Text oft klingen wie ganz verschie-\ndene Sprachen.\n(Schluss folgt.)\n\n„Des Sängers Fluch“, Oper von A. Langert.\nWien, 9. December 1865.\nAm 1. December wurde Langert's „Des Sängers\nFluch\" zum ersten Male aufgeführt und still zu Grabe\ngetragen. Wie Lowe's „Concini\" in der vorigen Saison,\nso dürfte auch heuer diese neue Oper kaum mehr als drei\nAufführungen erleben*). Das Loos des Opern-Kritikers\nist hier wirklich ein ganz eigentümlich betrübendes. Er\nschreit das ganze Jahr hindurch nach Novitäten, und\nkommt endlich einmal eine zur Aufführung, so muss er\ndabei das Amt des Todtengräbers übernehmen. Liegt\nauch der Hauptgrund hierzu in der nicht zu läugnenden\ngeringen musicalischen Schöpfungskraft der Gegenwart,\nso fällt doch auch der Umstand in die Wagschale, dass\nbei dem so seltenen Erscheinen eines neuen Werkes an\nunserem trüben Opernhimmel der Ausruf: endlich wie-\nder einmal eine Novität! vollkommen gerechtfertigt ist.\nEine Direction, die im Jahre eine oder höchstens zwei No-\nvitäten bringt, verrückt gänzlich den Standpunkt einer\nbilligen Beurtheilung; wenn sie aus zwanzig ihr vorliegen-\nden Werken nur eines heraussucht, so müssen Publicum\nund Kritik zu dem Glauben verleitet werden, dass ihnen\nda etwas ganz Besonderes, ein wahres Meisterwerk, ge-\nboten werden wird. Je grösser die Erwartung, desto stär-\nker der Unwille des Publicums und die Strenge der Kritik,\nwenn die Enttäuschung eintritt. Wir wären recht begie-\nrig, zu erfahren, welche Grundsätze die Direction (wenn\nüberhaupt bei dieser Direction von Grundsätzen die Rede\nsein kann) bei der Wahl ihrer Novitäten leiten. Dass eine\nOpernbühne das Langert'sche Werk auch bringe, wäre\nnatürlich, dass sie es aber allein bringt, ist schwer er-\nklärlich, denn da stehen doch gewiss die Opern von F.\nHiller, Bruch, Wüerst,Abert,Schmit,Herther,\nBarbieri und von Anderen wenigstens auf gleicher\nStufe in Bezug auf inneren Werth oder scenische Wirk-\nsamkeit. Da werden wahrscheinlich die Titel aller vorhan-\ndenen Opern in einen grossen Topf geworfen, und die\nkundige Hand des Directors holt den Treffer heraus. Oder\nsollte wirklich „Des Sängers Fluch\", wie vielfach behaup-\ntet wurde, eine „Zwangoper\" als octroyirte Vorläuferin\nder „Africanerin\" sein?\nDas Textbuch ist von Gustav von Meyern in Co-\nburg was der Zettel verschwieg mit Benutzung des\nUhland'schen Gedichtes nicht ohne Geschick verfasst. Die\nVerse sind singbar, dem Componisten ist Gelegenheit ge-\nboten, sehr wirksame Situationen musicalisch zu beleben,\ndie entsprechende Vertheilung der Scenen für Arien,\nDuette und grosse Ensembles zeugt von einer kundigen\nHand, und es ist ausserdem auch auf eine glänzende und\ndurch den Hintergrund einer nebelhaften Vorzeit phan-\ntasiereiche Ausstattung Rücksicht genommen. Was jedoch\ndem Textbuche vorgeworfen werden muss, ist der Mangel\nan dramatischem Leben und Bewegung, so wie die Passi-\nvität der Hauptpersonen. Nur die Gisella, eine Zwillings-\nschwester der Chezy-Weber'schen Eglantine, bildet eine\nAusnahme; ihre durch nichts motivirte Umwandlung im\nletzten Acte ist jedoch eben so sinn- als zwecklos.\nWeit schlimmer, als mit dem Texte, sieht es aber hier\nmit der Musik aus. Die meisten Melodieen, die uns Herr\nLangert als die Producte seiner Erfindung auflischt, mah-\nnen in so erschreckender Weise an die seichtesten Com-\npositionen von Abt, Gumbert und Consorten und haben\neinen so entschieden liedertafelartigen Beigeschmack, dass\nmehrmals etwas wie ein leiser Schauder der Entrüstung\nim Saale vernehmbar wurde. Die Ensembles sind meistens\nim Sechs- oder Neunachtels-Tacte ganz nach der Verdi'-\nschen Schablone behandelt. Dabei ist das Ganze nach je-\nner dramatisch sein sollenden, zwischen Recitativ und\nCantilene schwankenden Art behandelt, und bringt es in\nden besten Momenten nicht über eine servile Nachahmung\nWagner's. Die Instrumentation ist gesucht und überaus\nlärmend, die sämmtlichen Gesangs-Partieen sind undank-\nbar und für die Sänger, die beständig mit den Blechmas-\nsen zu kämpfen haben, sehr anstrengend. Obwohl Herr\nLangert noch ein junger Mann sein soll und wir seine\nfrüheren Werke, ein Quartett, eine Sinfonie und eine\nOper, „Die Jungfrau von Orleans\", nicht kennen, so glau-\nben wir doch kaum, nachdem wir sein „Des Sängers\nFluch\" gehört haben, dass wir es mit einem noch ent-\nwicklungsfähigen und auf dem dramatischen Felde für\ndie Zukunft versprechenden Talente zu thun haben. Wir\nhalten es daher für überflüssig, näher in das Detail seines\nWerkes einzugehen, um so mehr, als aller Wahrschein-\nlichkeit nach die Oper beim Erscheinen dieser Bespre-\nchung bereits für immer vom Repertoire verschwunden\nsein wird.\nDie Aufführung hatte an dem Misserfolge derselben\nkeinen Antbeil. Im Gegentheil, sie war unter Herrn Des-\nsoff's Leitung trefflich studirt, und alle darin Beschäf-\ntigten, die Damen Dustmann, Krauss, die Herren\nBignio, Schmid, Ferenczy und Hrabaneck haben\n\n*) Die Oper scheint bereits nach der zweiten Aufführung, welche\n▼or leerem Hause Statt fand, ad a gelegt worden zu sein.\nAnm. d. Bed."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "407", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651223-01.1.7", "texte": "Alles gethan, um das Werk zu retten, was auch vom Pu-\nblicum anerkannt wurde, denn der gespendete Beifall galt\nlediglich den Darstellern. Besonders hervorzuheben sind\ndie Leistungen des Fräuleins Krauss und des Herrn\nBignio, die ih re Bollen möglichst scharf zu charakteri-\nsiren trachteten. Schade, dass bei der Erstgenannten die\ngänzlich gebrochene Stimme sich ihren besten Intentionen\nstets hemmend in den Weg stellt. Selbst Herr Ferenczy\nhatte sehr gute Momente und gab sich auch im Spiel red-\nlich Mühe. Hier ist es wohl der Mangel an ursprünglicher\nBegabung und an elementarem Unterrichte, wie die äussere\nRepräsentation, welche dem Streben des Sängers die gröss-\nten Hindernisse bieten. Die Rollen des alten Sängers und\nder Königin sind dramatisch wie musicalisch derart be-\nhandelt, dass selbst Herr Schmid und Frau Dustmann\nmit dem besten Willen nichts damit anzufangen wussten.\nDie Ausstattung war, was man an unserem Opern-\ntheater eine „glänzende\" nennt. Die Scenirung des Schlus-\nses, der einzige, effectvolle Moment der Oper, war gänz-\nlich misslungen. Während der alte Sänger den Fluch\nspricht, hätte der König und die Königin und der ganze\nHofstaat auf der Bühne bleiben sollen, um dann unter\ndem Schutte des zusammenstürzenden Palastes zu ver-\nschwinden. So aber, wo Alles, selbst der alte Sänger, sich\ngemüthlich entfernt, die Bühne leer bleibt und dann erst\nder Einsturz in echt primitiver kindischer Weise vor sieb\ngeht, wird die Oper noch um ihren einzigen wirkungs-\nvollen Moment gebracht.\nSchliesslich nur noch eine Bemerkung. Es wurde sei-\nner Zeit in Form einer Berichtigung officiel mitgetheilt,\ndass Hiller's Oper „Der Deserteur\" wegen ihrer voraus-\nsichtlichen gänzlichen Wirkungslosigkeit zurückgelegt\nwurde. Sollte nun wirklich die Wahl von „Des Sängers\nFluch\" eine freiwillige gewesen sein, so gibt sie der Ur-\ntheilsfähigkeit der hier entscheidenden Organe (wir wissen\nnicht, ob Oberstkämmerer-Amt, artistischer Director, oder\nCapellmeister, oder alle zusammen) eben kein glänzendes\nZeugniss, und es wird sich unter so bewandten Umstän-\nden Herr Hiller über die erlittene kränkende Zurück-\nsetzung wohl zu trösten wissen. (W. Ree.)\n\nMehrstimmige Gesänge für weibliche Stimmen.\nEine der angenehmsten und beliebtesten Gattungen\nder Hausmusik machen die Lieder und Gesänge für zwei\noder drei Stimmen (Soprane oder Sopran und Alt) aus:\ndie Mutter singt sie mit der Tochter, oder die Töchter\nüberraschen den musikliebenden Papa damit, das beglei-\ntende Orchester ist in Gestalt eines Flügels oder Pianino's\nüberall bei der Hand, und in jeder gebildeten Familie ist\nheutzutage wenigstens ein Mitglied vorhanden, das der\nRolle des Begleiters am Ciavier gewachsen ist. Wir ma-\nchen desshalb auf einige Sammlungen der Art, die in den\nletzten Jahren erschienen sind und sich zu musicalischen\nWeihnachts- und Neujahrsgeschenken ganz be-\nsonders eignen, aufmerksam, da sie sich durch liebliche,\nsangbare Melodieen, deren Ausführung keine besonderen\nSchwierigkeiten darbietet, durch gute Wahl der Gedichte\nund durchweg edeln musicalischen Charakter empfehlen.\nFerd. Hiller, Zehn Gesänge für zwei Sing-\nstimmen. Op. 90. Mainz, bei Scholt's Söhnen.\n2 Hefte, jedes 1 Fl. 48 Kr.\nFerd. Hiller, Sechs leichte Zwiegesänge.\nOp. 92. Ebendaselbst.\nFranz Weber, Acht Duette für zwei Sing-\nstimmen, der Frau Herzogin von Nassau ge-\nwidmet. Op. 31. Köln, bei Joh. Franz Weber.\nHeft I. 1 Thlr. 20 Sgr. 11. 20 Sgr. Diese Duette\nsind „zunächst für den Chorgesang in höhe-\nren Töchterschulen\" bestimmt, machen aber auch,\nvon zwei Solostimmen gesungen, gute Wirkung.\nDie Stimmen sind (in Partitur gedruckt, was sehr\nzweckmässig ist) besonders zu haben. (71/« Sgr.)\nHeinr. Marschner, Fünf Gesänge für drei\nweibliche Stimmen. Op. 188. Zwei Hefte,\njedes Partitur und Stimmen l'/sThlr. Leipzig,\nbei J. Rieter-Biedermann. Diese Gesänge sind so-\nwohl für den Vortrag im Chor, als durch drei\nSolostimmen geeignet. (Die Stimmen einzeln zu\n5 Ngr.)\nMax Bruch, Drei Duette für Sopran und\nAlt. Op. 4. Leipzig, bei Breitkopf und Härtel.\nPreis 1 Thlr.\nMax Bruch, Sieben zwei- und dreistimmige\nGesänge für weibliche Stimmen, vorzüglich zum\nGebrauche in höheren Töchterschulen. Op. 6.\nKöln, Eisen's Buch- und Kunsthandlung. Preis\n15 Sgr.\nA. Seiffert, Vier Duette für zwei Singstimmen.\nOp. 9. Haag, bei Weygand und Beuster. Preis\n2 Fl. 40 C.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. In der zweiten Soiree für Kammermusik ka-\nmen das Violin-Quartett in G-dur von Mozart und das in D-dur\n(Op. 18) von Beethoven zur Aufführung. Ferner trugen die Herren\nCapellmeister Hill er und Joh. Br ah ms die vierhändigen, mit Recht\ngerühmten Variationen des letzteren über ein Thema von Schumann"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "408", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651223-01.1.8", "texte": "vor und Herr Brahms die Clavier-Partie seines Quartetts in G-\nnnoll, Op. 25, welches ebenfalls mit Beifall aufgenommen wurde,\nwie man uns berichtet, da wir selbst den Saal schon nach dem\nVortrage der Variationen aus Gesundheits-Rücksichten verlassen\nmussten.\nSaarbrücken, 14. December. Gestern fand das erste dies-\njährige Concert des Instrumental-Vereins unter Mitwirkung der\nFrau Emma Wernicke aus Paris, des „Gesangvereins\" und der\nLiedertafel „Eintracht\" Statt. Unser neuer Musik-Director Herr A.\nLangert machte zu gleicher Zeit sein Debüt als Dirigent. Die\npräcise und lebendige Durchführuug sowohl der Instrumental- wie\nder Vocal-Piecen zeigte, dass wir uns gratuliren können, eine solche\nAcquisition gemacht zu haben; wir wünschen nur, Plerr Langert\nmöge uns recht lange erhalten bleiben. Das Programm brachte\nHaydn's Sinfonie in B-dur, Nicolai's Ouvertüre zu den „Lusti-\ngen Weibern\", die grosse Arie der Vitellia aus „Titus\", zwei Num-\nmern iiir Sopran aus Langert's Oper „Des Sängers Fluch\", die sehr\ngefielen, und im zweiten Theile M en del s so hn's „Athalia\".\nWelch umsichtiger, energischer Dirigent Herr Langert ist, zeigte\nsich gestern, und wir versprechen uns von seinem Wirken die\nschönsten Resultate. Es war Leben in den Chören und im Orchester\nund Alles ging prächtig von Statten.\n* Schwerin, im December, Der diesjährige Herbst hat uns\nbereits so mannigfache musicalische Genüsse gebracht, dass wir in\nIhrem geehrten Blatte zu viel Raum beanspruchen müssten, woll-\nten wir die einzelnen Concerte und Aufführungen mit der nöthigen\nGründlichkeit besprechen. Es mag desshalb Entschuldigung finden,\nwenn wir bloss über das zuletzt Genossene aus frischer Erinnerung\nreferiren. Am 7. December führte unser strebsamer Gesangverein\ndas bisher hier noch nicht gehörte Oratorium „Josua\" von Händel\nim Saale des hiesigen Schauspielhauses und zum Besten des Theater-\nPensionsfonds auf. Der Verein, unter Leitung seines trefflichen Di-\nrigenten, Herrn Hof-Capellmeisters Schmitt, hat bereits in den\nfrüheren Jahren so tüchtige Beweise seines Strebens und Fleisses\ngegeben, dass wir uns nur freuen dürfen, durch seine Aufführungen\ngrösserer Oratorienwerke eine bis dahin sehr fühlbare Lücke unse-\nres musicalischen Lebens ausgefüllt zu haben. Die mit Liebe und\nFleiss einstudirten Chöre dieses grossartigen Tonwerkes konnten\nihre Wirkung nicht verfehlen. Die Solo-Partieen waren freundlichst\nübernommen von den Solisten des hiesigen Hoftheaters (Fräulein\nReiss: Achsa, Sopran Fräulein Barn: Othniel, Alt Herr\nSchueller: Josua— Herr Hintze: Kaleb) und wurden von den-\nselben in einer so edeln, stilmässigen Weise durchgeführt, dass man\nihnen für ihr Wirken auf diesem ihnen an und für sich nicht hei-\nmischen Gebiete vollen Dank schuldet. Es darf nicht unerwähnt\nbleiben, dass dem Vereine nur durch die uneigennützige Unter-\nstützung der Solokräfte des grossherzoglichen Hoftheaters die Mög-\nlichkeit zur Aufführung solcher Werke gegeben ist. Die Besprechung\neinzelner Details, die Hervorhebung irgend eines kleinen Fehlers\noder Versehens kann nicht unsere Aufgabe sein. Auch eine strenge\nKritik darf von einer guten und edlen Aufführung berichten, wenn\ndas Ganze von einem Geiste beseelt wurde, der in das Tonwerk mit\nVerständniss einzudringen vermochte und die grossartigen Intentionen\ndes Tonmeisters zur Geltung zu bringen wusste.\nProfessor Fr. Bodenstedt hat seine Function beim münchener\nHoftheater übernommen; seine Aufgabe besteht darin, bei der Auf-\nführung classischer Dichtungen sich mit den Darstellern in persön-\nlichen Verkehr zu setzen, seine Ansichten über die Intention des\nbetreffenden Werkes und über die darzustellenden einzelnen Cha-\nraktere zu äussern und zu diesem Zwecke bei der jedesmaligen\nLeseprobe, so wie bei den scenischen Proben gegenwärtig zu sein.\nDie Inscenirung der Stücke, so wie die Rollenbesetzung bleibt wie\nbisher den Regisseuren und der Intendanz überlassen.\nIn Paris ist die bekannte Pianistin Fr. Therese Wartel\ngestorben. Sie war eine treffliche Pianistin, die auch in der „Patrie\"\nRecensionen schrieb und unlängst noch ein Buch über die Sonaten\nBeethoven's herausgegeben hat.\nAus Warschau wird uns das Programm einer Festfeier von\nBeethoven's Geburtstag (den 17. December) mitgetheilt, welche\nseit vorigem Jahre dort zu regelmässiger Wiederkehr von Herrn\nLe Brun, Redacteur der dortigen Musik- und Theater-Zeitung,\nveranstaltet worden. In einem Morgen-Concerte von bis 3 Uhr\nwurden Compositionen von Beethoven für Gesang (Sätze aus der\nO-cZitr-Messe, Adelaide u. s. w.), Pianoforte (Op. 57) und Kammer-\nmusik (Stücke aus dem Septett und Quintett Op. 29) gemacht. An\n400 eingeladene Personen und alle Notabilitäten der Stadt waren\nzugegen."}]}