{"numero_id": "bm-bmtnabi-1865-12-30-01", "volume": "bmtnabi_1865-12-30_01", "ocr_sha256": "5885adf3ec7ed82753b8a4a94c9510b0c03e135ecc6766771d5425abd01593c5", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1865/12/30_01/bmtnabi_1865-12-30_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651230-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1865-12-30-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-12-30_01#c001", "volume": "bmtnabi_1865-12-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "409", "page_fin": "409", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651230-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "409", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651230-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 444, "texte": "Inhalt.\nDas Quartett (Schluss). Von L. B. Zur Musikgeschichte. (Schluss). Von E. Krüger. Aus Holland (Ge-\nneral-Versammlung des niederländischen Vereins zur Beförderung der Tonkunst). Die Gebrüder Müller in Holland. Musicalische Stif-\ntung für die Stadt Köln. Aus Karlsruhe (Cäcilien-Verein' Abonnements-Concerte). Tages- und\n(Köln, Friedrich Heise +, Leonard Wolff Frankfurt a. M., Frau Clauss-Szarvady Leipzig, M. Bruch's „Loreley\" u. s. w.)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-12-30-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-12-30_01#c002", "volume": "bmtnabi_1865-12-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "409", "page_fin": "412", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651230-01.2.2", "titre_corps": "Das Quartett.", "titre_sommaire": "Das Quartett.", "signature_source": "L. 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Darunter befinden sich 42 Trio's für\nzwei Violinen und Bass und 12 für Violine, Alt und Bass;\n91 Quartette für zwei Violinen, Alt und Bass (wovon\n24 ungedruckt); 30 Quintette für Flöte oder Oboe mit\nStreich-Quartett; 113 Quintette für zwei Violinen, Alt\nund zwei Violoncelle (20 ungedruckt); 12 Quintette mit\nzwei Bratschen (einige ungedruckt) u. s. w. u. s. w.\nSein Biograph Picquot, ein ausgezeichneter und wohlha-\nbender Dilettant, hat es sich gewisser Maassen zur Lebens-\nAufgabe gemacht, alle Werke, gedruckte und unge-\ndruckte, von Boccherini zu sammeln, und bat z. B. acht-\nzehn Jahre lang einem Werke nachgespürt, das ihm fehlte,\nund desshalb eine unzählige Menge von Briefen geschrieben.\nUeber den Werth der Compositionen von Boccherini\nkann ich aus eigener Renntniss derselben nicht urtheilen,\nda ich nur in meiner Jugend mehrere von seinen Sachen,\ndie noch im ersten Jahrzehend unseres Jahrhunderts viel\ngespielt wurden, in meinem väterlichen Hause gehört habe.\nIch erinnere mich nur, dass seine Quartette und beson-\nders auch die Quintette (sowohl mit zwei Violen, als beson-\nders mit zwei Violoncellen) an Musikabenden mit den\nHaydn'schen Quartetten und den Mozart'schen Quintet-\nten abwechselten. Die Mozart'schen Quartette wurden\ndamals weniger gespielt, und als die ersten Beethoven'-\nschen (Op. 18) erschienen, fanden die ausführenden Mu-\nsiker diese einfacher, als die Mozart'schen, und wandten\nsich ihnen mit Vorliebe zu.\nDie Vorliebe der Zeitgenossen Boccherini's, nament-\nlich der Dilettanten, für seine Musik war, wie aus dem\nbisher Gesagten schon hervorgeht, sehr allgemein. Aber\nauch Musiker und Renner vom Fach, wie' Gerber, Nägeli\nund Andere in der Allgero. Musicalischen Zeitung, und in\nunseren Tagen F&is, sprechen sich sehr günstig darüber\naus, so dass es vielleicht der Mühe werth sein dürfte, die\nbesten von seinen Sachen einmal wieder auf die Pro-\ngramme unserer heutigen Quartett-Vereine zu bringen,\nwie dies ja mit älteren Clavier-Compositionen geschieht."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "410", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651230-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5420, "texte": "Gerber (1810) sagt am Schlüsse des Verzeichnisses\nvon Boccherini's Werken im „neuen Lexikon der Ton-\nkünstler\", 1., S. 436:\n„Ausser so manchen Schönheiten und Eigenheiten\ndieser seiner Werke, worüber im alten Lexikon schon\nEiniges gesagt worden ist, verdient hier der eigene ge-\nlehrte Spass noch angemerkt zu werden, welchen er sich\nin einem Quintette gemacht hat (XII Op. 37).\nEs kommt nämlich darin ein ziemlich ausführliches An-\ndante aus A-moll im 3/8-Tact vor, in welchem die beiden\nBratschen vom Anfange bis zum Ende das un- und das\neingestrichene a ain lauter gleichen Achtelnoten angeben,\nwozu und um welche sich aber die Violinen und der Bass\nso sinnreich und vorsichtig zu bewegen wissen, dass die\nModulation, ungeachtet dieser ewigen nicht im Gering-\nsten an Mannigfaltigkeit leidet und dem Ohr nichts weni-\nger als monoton wird. Oft scheint die Beibehaltung des\na unmöglich zu sein, aber jedes Mal weiss er sich durch\neine geschickte Wendung der Melodie wieder dabei zu er-\nhalten. Es wäre dies etwas für ein paar Spieler, welche noch\nnie ein Instrument auf dem Arme gehabt hätten, so wie\nehemals Josquin für den König Ludwig XII. von Frank-\nreich, der keine Note treffen konnte, einen Canon verfer-\ntigte, in welchem des Königs Stimme immer in einem\nTone blieb.\"\nHans Georg Nägeli bemerkt in seinen dem Erz-\nherzoge und Erzbischofe Rudolph von Oesterreich ge-\nwidmeten „Vorlesungen über Musik\" (1825) über Boc-\ncherini S. 154:\n„Auf den Weg, den Haydn in seinen Quartetten ein-\nschlug, mochte er auch gewisser Maassen durch einen\nVorgänger, obwohl unbewusst, indem er bestimmt nur\nEmanuel Bach als sein einziges Vorbild anerkennt, hin-\ngelockt worden sein. Während nämlich durch Emanuel\nBach und seine Schule die reine Instrumentalmusik der\nfreien Schreibart im Norden ihre Erstlingsblüthen trieb,\nknospete sie auch im Süden durch Boccherini in seinen\nCompositionen für die Bogen-Instrumente, Quartette und\nQuintette, auf. Nicht tief, aber auch nicht arm an Ideen,\nder Bogen-Instrumente, auch des Violoncells, Kenner und\nMeister, gewann er mit seinen Compositionen für diesel-\nben um so mehr Einfluss, als sie in einer mit Gewandtheit\ndurchgeführten Mischung von Homophonie und Polyphonie\nfür die Kunstgelehrten nicht zu gemein, für die Dilettan-\nten nicht zu gelehrt waren und äusserst instrumentgemäss,\nfrisch und voll klangen.\"\nF etis gibt in der neuen Ausgabeseiner\nverselle des Musiciens folgendes Urtbeil über Boccherini ab:\n„Niemals hat ein Componist mehr das Verdienst der\nOriginalität besessen, als Boccherini. Seine Ideen sind rein\nindividuel, und seine Werke sind in dieser Beziehung so\nmerkwürdig, dass man sich versucht fühlt, zu glauben, er\nhabe niemals andere Musik als seine eigene gekannt. Gang\nund Factur seiner Compositionen und Art und Weise der\nModulation gehören ihm eben so eigentümlich an, wie\ndie melodischen Gedanken derselben. Er versteht das In-\nteresse durch unerwartete Episoden zu spannen und bringt\ndurch einfache charakteristische Perioden überraschende\nWirkungen hervor. Seine Motive sind stets anmuthig, oft\nmelancholisch, und haben durch ihre Naivetät einen unbe-\nschreiblichen Reiz. Man hat ihm oft den Mangel an Kraft\nund Energie vorgeworfen, wesshalb der Violinspieler\nPuppo ihn „ „die Frau Haydn\"\" nannte, indess haben doch\nmehrere von seinen Quintetten einen leidenschaftlichen\nCharakter. Seine Harmonie ist, obwohl zuweilen uncor-\nrect, doch voll von unerwarteten und pikanten Effecten.\nEr gebraucht oft das Unisono, was manchmal sein Quin-\ntett zum Duett macht, allein in diesem Falle verwendet\ner die verschiedene Klangfarbe der Instrumente mit be-\nwundernswerthem Geschick, und was bei einem Anderen\nein Fehler sein würde, wird bei ihm eine Quelle eigen-\ntümlicher Schönheiten. Seine Adagio's und Menuette\nsind fast alle reizend, nur seine Finalsätze klingen veraltet.\nTrotz so grosser Verdienste ist Boccherini's Musik doch\nnur in Frankreich bekannt*); Deutschland weiss dessen\nnaive Einfachheit nicht nach Verdienst zu würdigen, und\nman kann wohl annehmen, dass das Urtheil, welches Spohr\nbei seiner Anwesenheit in Paris aussprach, das allgemeine\nin Deutschland ist. Als der grosse Geiger und Componist\nnach der Ausführung eines Quintetts von Boccherini um\nseine Meinung darüber befragt wurde, erwiederte er:\n„Meiner Meinung nach verdient das nicht den Namen\nMusik.\" Es war zu bedauern, dass Spohr durch seinen\nStil und die leidenschaftliche Vorliebe für fortwährendes\nModuliren dahin gekommen war, für das Einfache und\nNatürliche keinen Sinn mehr zu haben und gegen den\nWerth origineller und individueller Schöpfungen gleich-\ngültig zu werden. Die Kunst ist aber unendlich, und man\ndarf sie nicht auf eine bestimmte Form und Stilart oder\nauf eine bestimmte Zeitepoche beschränken wollen. Baillot\nhatte in seinen Quartett-Cirkeln den Werken Boccherini's\n\n*) In Italien hat man neuerdings Boccherini's Sachen wieder\nhäufiger gespielt, namentlich ist uns dies von der Societä del Quar-\ntetto in Florenz bekannt, welche in diesen Blättern schon öfter er-\nwähnt worden ist (vgl. Nr. 48 dieses Jahrgangs: „Reisebriefe aus\nItalien\"), Diese Gesellschaft hat ihre Achtung für ihren Landsmann\nauch dadurch bewiesen, dass sie die von ihr gegründete musicali-\nsche Zeitung „II Boccherinia genannt hat. Unter ihren Partitur-\nAusgaben von Kammermusik für Streich-Instrumente sind auch meh-\nrere Werke von Boccherini in neuer Ausgabe (bei G. G. Guidi in\nFlorenz) erschienen."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "411", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651230-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5379, "texte": "ihre Jugend zu erhalten gewusst; nach ihm haben die\njüngeren Künstler den italiänischen Meister nach und nach\nimmer mehr vernachlässigt.\"\nWir geben das Urtheil von Fetis über Spohr, so wie\ner es ausgesprochen hat, ohne es in der Schroffheit, wie\nes da steht, zu dem unserigen zu machen. Indess lässt sich\nnicht läugnen, dass Spohr sich gegen den Stil anderer\nComponisten, mit Ausnahme von Mozart, sehr abweisend\nverhielt, wie es denn auch bekannt ist, dass er Beethoven\nbei Weitem nicht so würdigte, wie dieser es verdiente.\nAn dieser Stelle wollen wir einschalten, dass unsere\nAeusserung über Spobr's Qu in Nr. 50\n(S. 395) Anlass zu einem Missverständnisse bei einem ge-\nschätzten Musiker und Verehrer Spohr's und vielleicht\nauch bei Anderen gegeben hat oder geben könnte, wenn\nder Leser den Ausdruck: „diejenigen\" Quartette,\n„welche als Quatuors brillants geschrieben sind\", über-\nsieht, womit unter der Voraussetzung der Bekanntschaft\nder musicalischen Welt mit Spohr's sämmtlichen Quar-\ntetten wir jene besondere Gattung derselben bezeichneten.\nMan schreibt uns darüber: „Der Artikel über das Streich-\nQuartett in den letzten Nummern Ihres geschätzten Blat-\ntes wurde hier mit grossem Interesse gelesen. Nach dem\nInhalte in Nr. 1 desselben könnte es scheinen, als ob\nLouis Spohr, welchem doch in Bezug auf die Ausbil-\ndung des Streich-Quartetts eine namhafte Bedeutung nicht\nabgesprochen werden kann, lediglich\ngeschrieben habe, und als ob dieser Meister nur als Schö-\npfer dieser letztgenannten speciellen Abart hervorgehoben\nzu werden verdiene. Wir möchten daher erwähnen, dass\nSpohr im Ganzen nicht weniger als 32 Streich-Quartette\ncomponirt hat, unter welchen sich nur vier Solo-Quartette\nbefinden. .Die übrigen 28 Quartette gehören dem eigent-\nlichen Quarteltstile an und sind durchaus polyphon gear-\nbeitet; namentlich diejenigen aus der früheren Zeit des\nMeisters sind von einer Frische und von so reicher musi-\ncalischer Erfindung, dass sie heutigen Tages nicht über-\nsehen und vergessen werden sollten. Frankfurt a. M.\"\nKehren wir zu Boccherini und Haydn zurück, so\ndürfte es wohl keinem Zweifel unterliegen, dass Jeder von\nBeiden, ohne etwas von dem Anderen zu wissen, den Sieg\nder Streich-Instrumente über die Ciaviermusik vorberei-\ntete. Bei der allmählichen Ausfechtung desselben haben\nsie Beide, jeder in seiner Sphäre, gewirkt und dann auch\ngegenseitig ihre Werke kennen gelernt. Denn Boccherini\nwar in den letzten Jahrzehenden des vorigen Jahrhunderts\nauch in Deutschland allgemein bekannt, und Haydn's\nQuartette fanden besonders durch die pariser Ausgaben\nvon Plevel (der auch die meisten Sachen von Boccherini\nverlegte) Verbreitung in Spanien und besonders in Madrid.\nWie beliebt Boccherini in Berlin war, wo sich der König\nselbst für ibn interessirte, baben wir schon erwähnt. Ein\nanderes hieher gehöriges Zeugniss aus Stuttgart finden\nwir bei O. Jahn (Mozart, IV., S. 76) aus Job. Bapt.\nSchaul's (Hofmusicus daselbst) , Briefen über den Ge-\nschmack in der Musik\" (1806 —1809), welcher sich zu\nfolgender Parteinahme für Boccherini sogar gegen Mozart\nversteigt: „Welch ein Unterschied ist zwischen einem Mo-\nzart und einem Boccherini! Jener führt uns zwischen\nschroffen Felsen in einen stachligen, nur sparsam mit\nBlumen bestreuten Wald; dieser hingegen in lachende\nGegenden, mit blumigen Auen, klaren, rieselnden Bächen,\ndichten Hainen bedeckt, worin sich der Geist mit Ver-\ngnügen der süssen Schwermuth überlässt, die ihm auch\nfern yon jenen anmuthigen Gegenden noch süsse Er-\nquickung gewährt.\"\nMit urkundlicher Genauigkeit lässt sich die Zeit, in\nwelcher Haydn und Boccherini ihre ersten Compositionen\ndieser Gattung schufen, nicht bestimmen; gewiss ist, dass\nsie Beide mit Trio's begannen, denen erst später Quar-\ntette und Quintette folgten. Von Boccherini haben wir\noben mitgetheilt, dass er um 1760 oder 1761 seine er-\nste Runstreise mit seinen neuen Trio's machte, die aber\nbis 1768 Manuscript blieben. Von Haydn berichtet Ger-\nber, dass dasjenige, was von seinen Trio's (für Streich-\nInstrumente) vorhanden ist, wohl grösstentheils in das\nJahrzehend von 1760 falle. Fetis gibt an, dass die sechs\nersten Trio's für zwei Violinen und Bass, im Manuscript\nbei Breitkopf und Härtel vorhanden, gedruckt bei Sieber\nin Paris, im Jahre 1764 von Haydn geschrieben sind,\nund dass andere sechs Trio's für dieselben Instrumente,\nhandschriftlich ebenfalls bei Breitkopf und Härtel und in\nseiner eigenen Bibliothek vorhanden, aus dem Jahre 1767\nherrühren. Uebrigens zählt (1799) Traca (bei Gerber)\n214 Trio's von Haydn (ohne die Clavier-Trio's) auf, unter\ndenen 42 für zwei Violinen und Bass und 78 für Violine,\nBratsche und Bass. Die ersten sechs Violin-Quartette\n(Op. 1) erschienen 1765 in Amsterdam und London zu\ngleicher Zeit; mit Op. 16 im Jahre 1778 beginnt die\nPeriode der grösseren und immer reiferen Werke.\nDiese Angaben genügen, um die Behauptung zu recht-\nfertigen, dass keiner von den beiden Begründern des\nStreich-Quartetts als Vorgänger des anderen angesehen\nwerden kann. Und dies bestätigt dann wieder den Satz,\ndass die Umgestaltungen und Fortbildungen der Kunst\nnicht bloss auf einzelne hochbegabte Geister zurückzufüh-\nren sind, sondern vielmehr auf Stimmungen, Anschauun-\ngen und Gefüblsweisen einer bestimmten Zeit, welche\ndenn in der Regel auch dafür sorgt, dass die Genies er-\nscheinen, welche diesen ihren Charakter, so wie ihre Rich-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "412", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651230-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 325, "texte": "tung und ihren Geschmack mit siegender Macht ausspre-\nchen und zur vorherrschenden Geltung bringen. Das deut-\nsche Sprüchwort: „Es ist, als ob es in der Luft läge\"\nhat einen wohlbegründeten Sinn.\nEinige Bemerkungen über den Vortrag des Quar-\ntettes behalten wir uns für eine der ersten Nummern des\nJahrganges 1866 vor.\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-12-30-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-12-30_01#c003", "volume": "bmtnabi_1865-12-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "412", "page_fin": "413", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651230-01.2.3", "titre_corps": "Zur Musikgeschichte.", "titre_sommaire": "Zur Musikgeschichte.", "signature_source": "E. Krüger", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "412", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651230-01.1.4", "debut_caractere": 327, "fin_caractere_exclue": 5301, "texte": "Zur Musikgeschichte.\n\n(Schluss. S. Nr. 51.)\nDie neue Recension von Franconi's Ars Cantus men-\nsurabilis zeigt gegen die Gerbert'sche einen bedeutenden\nFortschritt. C. hat drei Manuscripte verglichen, die\nGerbert nicht kannte; zuweilen wäre jedoch, da von den\nVarianten so viel Unerhebliches unter den Text verzeich-\nnet wird, auch des alten Gerbert zu gedenken gewesen;\ner wird nirgend erwähnt, selbst nicht bei auffallenderen\nVarianten, wie G. 3, 5, informiter ad Ungarn, C. 119,\nuniformiter ad modum losange.Sonst mag man zugeben,\ndass Gerbert ausser anderen Nachlässigkeiten vornehmlich\nbei der Notenschrift mangelhaft ist. Während nun in\nGerbert's Franco kaum die Hälfte der Beispiele leidlich\nstimmt, sind bei Goussemaker die Mehrzahl verständlich\nzum Texte stimmend, freilich trotz der dreifachen Colla-\ntion noch immer nicht alle, wesshalb wir denn statt des\nStillschweigens über Gerbert in der Vorrede p. XII irgend\neinen Fingerzeig über den Werth der Ueberlieferungen\nerwarten durften.\nDas spätere Compendium S. 154 ist uns\ndadurch wichtig, dass es die Worte enthält: Ego Franco\nde Cobnia, womit der Kölner Franco von dem 150 Jahre\nälteren Franco Parisiensis unterschieden ist; für das Zeit-\nalter des Kölners ist durch Kiesewetter (AMZ. 1828 und\n1838) die Jahreszahl 1220 erwiesen.\nPetrus Picardus gibt deutliche und saubere Er-\nklärungen über figurae und Noten und Maasse,\nleider sind die Notenbeispiele verloren. Er verspricht in der\nEinleitung nur vier Capitel Mensuralmusik; da werden wir\ndann überrascht, S. 139 plötzlich nach c. IV c. XXVII\nvon griechischen Tonleitern, Monochord u. dgl. zu finden,\nworauf c. XXIX eben so plötzlich zum Mittelalter zurück-\nkehrt. Wie solche Dinge zusammenkommen, darüber gibt\ndie kritische Vorrede keine Auskunft. Interessant ist im\nletzten Capitel die Erwähnung der Rubeba (arab. Rebab?),\neiner zweisaitigen Geige, die wie die Viella mit dem Bo-\ngen gestrichen wird, S. 152.\nDas umfangreichste Stück nächst Hieronymus, Wal-\nter Odington's (Erzbiscbofs von Canterburv um 1228)\nTractatusde Speculatione musbringt in 78 Capiteln\nmühselig Zusammengetragenes nicht ohne Reiz, aber sehr\nverschiedenartigen Werthes. Pars I, de utilitate arsme-\ntricae*), quae est scientia de numero, enthält die Arith-\nmetik von den Anfangsgründen bis zum\nputatorius, womit jedoch nur Bruch- und Proportions-\nRechnungen gemeint sind. Pars II lehrt die Theile der\nTonkunst, P. 111 die Scalen, P. IV das Allgemeine vom\nRhythmus. Erst die beiden letzten Theile gehen auf die\nMensuralmusik näher ein; im letzten ist die Darstellung\nder Mensuren klarer, als in den meisten anderen Syste-\nmen; auch die Discantus sp\nMotetus Ochetus sind bei Odington deutlicher erklärt,\nals bei Franco.\nCujusdam Aristotelis Tractatus de musica (XVI, 251)\nist wegen der lesbaren Latinität und wegen des beschränk-\nten, aber gut ausgesprochenen Inhalts hervorzuheben.\nNeues haben wir darin nicht gefunden, eine besondere\nWichtigkeit, wie C. p. XVII, können wir ihm nicht zu-\nsprechen. Von der lesbaren Latinität sind übrigens aus-\nzunehmen eine ziemliche Reihe Hexameter, die als versus\n#\nmemoriales eingeflochten, oft gar närrisch klingen, p. 261;\nzuweilen hatte das in der prosaisch fortlaufenden Schrift\nfreilich unkenntliche Metrum wohl zu Emendationen, min-\ndestens zur Correctur der Druckfehler, die hier wiederum\nzahlreich stören, Anlass geben mögen.\nVon den Anonymi Septem ist die Mehrzahl unbedeu-\ntend oder unvollständig, nur der zweite und vierte von\neigenthümlichem Werthe. An. II gibt sehr gute und\nfassliche Regeln des Discantus, unter denen die Darstel-\nlung der Gegenbewegung S. 312 319 auch dadurch\nmerkwürdig ist, dass die meisten Beispiele im doppelten\nContrapunkte gesetzt sind, also dass die discantirende\nStimme über und unter dem Tenor stehen kann**).\n\n*) Wie man in damaligen Schriften auch findet respublicae\nrespublicam u. s. w. Pag» 186 b sagt unser Odingtonus sogar:\nNecesse est omnem arsmetricum et musicum scire algorismum.\n**) Ein anderes, sehr frühes Beispiel von doppeltem Cp. will\nC. Hißt. 53 aus Joh. Garland I. (1180?) nachweisen, schwerlich\nüberzeugend, da es nicht nur unserem heutigen Ohr abscheulich\nklingt, sondern auch allen von Garland und seinen Zeitgenossen\ngelehrten und eifrig behaupteten Regeln über den Gebrauch der\nConsonanzen und Dissonanzen geradeswegs widerspricht. Dem kun-\ndigen Leser werden hierbei die eben so missklingenden Proben von\nHucbald's Organon beifallen, welche Gerbert Scr. 1, 166 mittheilt.\nDoch sind diese noch leidlich gegen jenes Unicum von Garland.\nZudem aber ist über das Verständniss von Hucbald's Lehre der\nStreit noch schwebend; Oscar Paul hat in der Allgem. Mus.-Ztg.\n1863, S. 217, aus einer neu aufgefundenen kölner Handschrift dar-\nzuthun versucht, dass Gerbert den llucbald'schen Tractat verkürzt\nund entstellt habe, und dass jenes berüchtigte Quinten- und Quar-\ntensingen, über welches wir in Entsetzen gerathen, niemals Statt\ngefunden ; es wäre sehr erwünscht, wenn er das a. a. 0. gegebene"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "413", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651230-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3571, "texte": "Die Namen Motus contrarius und kom-\nmen erst später vor, nachdem die Sache schon länger ge-\nübt war; wann die Namen zuerst in die Theorie eintre-\nten, ist bisher nicht ausgemittelt.—Noch ist zu bemerken,\ndass das Verbot des motus\nfcdarum, welches Marchetto (um 1300) vielleicht zuerst\nausspricht, dem An.II noch nicht bekannt war, wenn wir\nnach den Beispielen p. 313 315 urtheilen; doch sind\ndiese wiederum durch incorrecte Stellung der - und\nSchlüssel unklar, zum Tbeil offenbar falsch, wie 315b,\nzweites Notenbeispiel und öfter.\nAn.IV gibt eine Lehre von Mensuren, Noten, Liga-\nturen, Organum und Discantus in solcher Ausführlichkeit\nund durchgängig klarer Sprache, dass man hier, wie bei\nAn. II dem Lobe, das ihm der Herausgeber zollt, von\nHerzen beipflichtet, so weit es die Darstellung anlangt;\ndagegen ist sehr zu beklagen und dem Verständnisse ge-\nrade der wichtigeren letzten Capitel hinderlich, dass No-\ntenbeispiele gänzlich fehlen. Von historischem Interesse\nist die gelegentliche Erwähnung vieler gleichzeitiger Ton-\nkünstler, Engländer, Franzosen, Spanier, Lombarden.\nDas angehängte Stück de sinemenis (.synemrn.), unbekann-\nter Herkunft, eine tabellarische Notiz ohne Geist, hätte\nbillig wegbleiben können.\nRob. de Handlo gibt eine Reihe von Regeln über\nMensuren, Ligaturen und Tactarten (modi in\nWeise eines Gespräches, gleichsam parlamentarischer Hin-\nund Wiederreden verschiedener Autoritäten, lebender und\ntodter, wo der Autor den Ausschlag gibt; es ist eine ge-\nwisse naive Klarheit darin; über einzelne Schwierigkeiten\nder Ligatur gibt er recht ausführliche und verständliche\nAuskunft. Er, so wie sein Landsmann Joh. Hanboys\nthun sich hervor durch die leichte, man möchte sagen:\nheitere Darstellungsweise, letzterer ausserdem durch die\nbessere Notenschrift. Beide handeln nur von Mensuren\nund Noten, nicht vom Discant; die Gesprächsweise ist\nihnen gemeinsam. Handlo behandelt die Sache geist-\nreicher, Hanboys mehr trocken tabellarisch, aber aus-\nführlicher.\nDie Coussemaker'sche Sammlung hat also das Ver-\ndienst, eine ziemliche Anzahl Inedita wieder belebt zu ha-\nben, unter denen wir Hieronymus, Joh. de Garlandia,\nAristoteles, Anonymus IV mit Dank hervorheben, während\nin den übrigen nicht viel Fruchtbares oder Aufschliessen-\ndes enthalten ist. Sie verhält sich zur Gerberl'schen Samm-\nlung allerdings als „altera11, als nachfolgende Ergänzung.\nGerbert's Umfang ist grösser, die Autoren gewichtiger,\nbelehrender, trotz ihrer Dunkelheit. Wollte nun Cousse-\nmaker in der zu erwartenden Fortführung dieses Werkes\nfür sorgfältigere Correctur und saubere, nicht bloss diplo-\nmatisch copirte Orthographie sorgen, auch, so weit es\nthunlich, mit erklärenden Noten*) dem Leser zu Hülfe\nkommen, so würde die Sammlung desto wertbvoller sein.\nVon dem in späteren Musicologen olt genannten Henncus\nde Zeelandia möchte man gern Näheres wissen, da seine\nAbhandlung, die Ambros so sehr rühmt, bisher nirgend\ngedruckt ist; manche dunkle Ehrenmänner dagegen mö-\ngen wir leicht entbehren, falls sie nichts als Bekanntes\ndunkel aussprechen, ohne Neu-Eigenes zu bringen.\nFür die lortsetzungIortsetzung des Werkes wünschen wir ausser\neiner sorgfältigeren Correctur, wie sie den übrigen Schrif-\nten Coussemaker's zu Theil geworden, auch sorgfältigere\nAuswahl von nur gediegenen oder mindestens originellen\nSchriften, damit der schwere Weg der Geschichtsforschung\nnicht durch Uebermaass an Compilationen noch schwerer\nwerde, als er ohnehin ist.\n\nVersprechen ausführlicherer Begründung bald erfüllte und die ver-\nzweifelte Organumfrage zum Abschlüsse brächte.\n\nE. Krüger."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-12-30-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-12-30_01#c004", "volume": "bmtnabi_1865-12-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "413", "page_fin": "414", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651230-01.2.4", "titre_corps": "Aus Holland.", "titre_sommaire": "Aus Holland.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "413", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651230-01.1.5", "debut_caractere": 3573, "fin_caractere_exclue": 5034, "texte": "Aus Holland.\nAus den „Verhandlungen\" der sechsunddreissigsten\nGeneral-Versammlung des niederländischen Vereins\nzur Beförderung der Tonkunst, abgehalten zu Am-\nsterdam den 24. October, theilen wir Folgendes mit.\nDer Verein zählte in fünfzehn Abtheilungen 183*2\nbeitragende Mitglieder, 121 Ehren-Mitglieder, 37 cor-\nrespondirende und 39 Verdienst-Mitglieder; ausserordent-\nliches Ehren-Mitglied ist der König von Holland. Zusam-\nmen 2030 Mitglieder. Der Reservefonds besitzt 50,300\nGulden, der Künstlerfonds 27,300, der Musikfestfonds\n19,300 Gulden.\nIn den Aufführungen der verschiedenen Abtheilungen\nkamen vor: Beethoven 7 Mal, J. M. Coenen, Gade (3).\nGeul, Goltermann, Händel, Haydn (3), Hiller, Richard\nHol (2), Lachner, Lübeck (2), Marschner (2), Mendels-\nsohn (14), Mozart (3), Nicolai, Neukömm, Reinecke (2),\nRinck, Romberg, Rossini (2), Schubert, Schumann (2),\nStradella, Viotti, Vieuxtemps, Weber (4).\n\n) IX h, musicalischen Inhalts! Philologische sind meist\nentbehrlich oder gefährlich, wie u. A. in C. Hist. p. 6 die Erläute-\nrung der alten \\iella, auch genannt Organistrum: „ce nom est com-\npost d'Organum et de instrumentumu, was C. überaus entsprechend\nfindet, weil es ein Instrument sei, das dem Organum (mehrstimmiger\nMenschengesang) zum Geleit dienen solle! Da er wechselweise\nEines aus dem Anderen schliesst, um die Bedeutung des Organistrum\nfestzustellen, so sieht man, wie unentbehrlich Sprachkenntnisse ne-\nben der Manuscripteu-Kenntniss sind."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "414", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651230-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2964, "texte": "Volks-Concerte wurden gegeben: in Amsterdam drei,\nin Goes zwei. Es wäre zu wünschen, dass in allen Ab-\ntheilungen das treffliche Unternehmen der Volks-Concerte\nWurzel fasste. Der Künstlerfonds unterstützte dreizehn\nKünstler-Witwen und drei Künstler.\n„Grossen Schmerz und einen unersetzlichen Verlust\nverursachte uns und der Tonkunst das Hinscheiden von\nHeinrich Lübeck, dem langjährigen Verdienst-Mit-\ngliede unseres Vereins. Was er für beide gewesen ist\nund was er nicht weniger als Mensch wie als Künstler\nwar, edel, treu, wahr, bescheiden und liebevoll, steht so\nhell vor unserer Erinnerung und lebt so innig in unseren\nHerzen, dass wir die entsprechende Form des Ausdrucks\nkaum finden können. Möge Gott seiner würdigen Gattin\nKraft geben, den schweren Schlag des Schicksals zu über-\nwinden, und seine talentvollen Kinder segnen, die er für\ndie Krone seines Lebens ansah, und möge sein Beispiel\nVielen ein Vorbild werden, sich der Verbreitung des\nwahren Schönen in der Tonkunst in den Niederlanden\nund den Bestrebungen unseres Vereins mit so warmer\nTheilnahme hinzugeben, als er es that!\"\nDie Musikschulen in Amsterdam, Rotterdam\nund im Haag entwickeln sich immer kräftiger und wer-\nden, im Haag unter Direction des Herrn Nicolai und in\nRotterdam unter Leitung des Herrn Woldemar Bar-\ngiel, der zugleich Director des dortigen Singvereins ist,\nihre Wirksamkeit immer mehr steigern.\nAls technische Directoren fungiren in Amsterdam\nJ. J. H. Verhülst, ferner G. A. Heinse, H. Coenen,\nF. Coenen; in Arnheim H. A. Meyroos; in Deventer\nC. A. Brandts-Beys; in Enkhuizen F. C. A. Guerike;\nin Goes Ahrensmann und Kir wald; im Haag W. F. G.\nNicolai; in Haarlem W. B. Weidner; in Rotterdam\nW. Bargiel, W. Hutschenruyter; in Utrecht Ri-\nchard Hol und van den Berg; in Zierikzee Karl\nEisner.\nZu correspondirenden Mitgliedern wurden ernannt\nMax Bruch in Coblenz, L.Schlösser in Darmstadt\nund Julius Stockhausen in Hamburg.\nAusserdem hat die Versammlung beschlossen:\n„Jedes Mal, wenn in einer der vierzehn Abtheilungen\nim Lande ein grosses Vocal- oder Instrumentalwerk eines\nlebenden Componisten ausgeführt wird, demselben, sei er\nNiederländer oder nicht, mindestens Einen Ducaten\nEhrensold anzubieten.\n„Zu diesem Zwecke wird das General-Comite so-\nbald die verschiedenen Abtheilungen die Listen der Aus-\nführungen in einem Vereinsjahre beim Haupt-Vorstande\neingereicht haben einen Antrag bei der nächsten Ge-\nneral-Versammlung machen zur Ermächtigung des Haupt-\nTresoriers, den respectiven Componisten diese Ehren-Prä-\nmien zu übersenden.\n„Der Niederländische Verein hofft dabei, dass eine\nsolche Anerkennung des schaffenden Strebens in ganz\nEuropa Wurzel fassen möge und dadurch allen Compo-\nnisten ein ehrenvolles „Droit gesichert werde,\nwelches ihnen dieselbe Unabhängigkeit (und folglich freie\nEntwicklung ihres Talentes) verschafft, die bis jetzt mei-\nstens nur dem ausübenden Künstler zu Theil ward.—\nDr. J. P. Heije, Haupt-Vorstand und Secretär des Ge-\nneral-Comite's.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-12-30-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-12-30_01#c005", "volume": "bmtnabi_1865-12-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "414", "page_fin": "414", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651230-01.2.5", "titre_corps": "Die Gebrüder Müller in Holland.", "titre_sommaire": "Die Gebrüder Müller in Holland.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "414", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651230-01.1.6", "debut_caractere": 2966, "fin_caractere_exclue": 4592, "texte": "Die Gebrüder Müller in Holland.\nNachdem das treffliche Quartett in den rheinischen\nStädten neue Lorbern geärntet, traten die Künstler ihre\nerste Kunstreise durch Holland an und spielten dort im\nNovember und halben December 24 Mal in folgenden\nStädten: Rotterdam 1 Mal im Vereine zur Beförderung\nder Tonkunst, 3 Mal im Theater, 1 Soiree. Amsterdam\n1 Mal in Felix Meritis,3 Soireen. Haag 2 Soireen, 1\nMal bei Ihrer Majestät der Königin von Holland. Utrecht\n1 Mal im Studenten-Concerte, 1 Soiree. Arnheim 1 Mal\nim Kunstvereine, 1 Soiree. Gouda 2 Soireen. Harlem 2\nSoireen. In Delfft, Dortrecht, Leyden und Deventer je\n1 Soiree.\nZur Aufführung kamen: Haydn, C-dur („Gott er-\nhalte\"), 6 Mal (die Variationen ausserdem 7 Mal);\n(Menuett ä la Zingarese) 3 Mal; B dur 1 Mal; D-dur\n(mit dem Presto-Finale) 8 Mal. Mozart, 1 Mal.\nBeethoven, Serenade für Violine, Bratsche und Violon-\ncell, Op. 8, 13 Mal; C-dur, Op. 59 Nr. 3, 2 Mal; Es-\ndur, Op. 74, 4 Mal; A-moU, Op. 132, 2 Mal. Ditters-\ndorf, Es-dur(Nr. 5), 2 Mal. Schubert, 13\nMal (5 Mal ausserdem die Variationen); Scherzo aus dem\nG-dur-Quartett 2 Mal. Mendelssohn, Es-dur, Op. 12,\n6 Mal (6 Mal ausserdem die Canzonetta). Schumann,\nOp. 41 Nr. 3, 3 Mal; Quintett 2 Mal. Raff,\nScherzo aus dem D-moll-Quartett, 3 Mal. Rubinstein,\nAndante aus dem C-inoll-Quartett, 2 Mal.\nIm Ganzen wurden 66 Werke und ausserdem 26\neinzelne Sätze, die Dacapo's und Zugaben nicht mitgerech-\nnet, vorgetragen. Der Beifall war überall enthusiastisch,\nund alle öffentlichen Blätter waren mit den rühmendsten\nAusdrücken der Anerkennung für die echt künstlerischen\nLeistungen des deutschen Quartettes überfüllt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-12-30-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-12-30_01#c006", "volume": "bmtnabi_1865-12-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "415", "page_fin": "415", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651230-01.2.6", "titre_corps": "Musicalische Stiftung für die Stadt Köln.", "titre_sommaire": "Musicalische Stiftung für die Stadt Köln.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "415", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651230-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2488, "texte": "Musicalische Stiftung für die Stadt Köln.\nDer Geheime Commercienrath Herr Abraham Op-\npenheim hierselbst hat eine der Stadt Köln am 24.\nDecember gemachte Schenkung mit folgendem Schreiben\nan den Ober-Bürgermeister begleitet:\n„Hochgeehrter Herr Ober-Bürgermeister!\n„Die Leistungen unserer Vaterstadt auf dem Gebiete\nder Musik finden eine immer grössere Anerkennung und\nerfreuen sich bereits über die Gränzen Deutschlands hinaus\ndes besten Rufes. Vorzugsweise ist dies den ausgezeichne-\nten Musikern zu danken, denen in den letzten Jahrzehen-\nden die Stelle des städtischen Capellmeisters anvertraut\nwar. Bei unseren vielen, immer mehr wachsenden städti-\nschen Bedürfnissen konnte das Gehalt des Capellmeisters\nbisheran leider nicht so hoch normirt werden, dass wir\nzuversichtlich hoffen dürfen, unseren vielberühmten Hiller\ndauernd in seiner Stelle zu erhalten und nach seinem der-\neinstigen Abgange einen ebenbürtigen Nachfolger zu ge-\nwinnen. Aus diesen Rücksichten finde ich mich bewogen,\nder Stadt Köln beikommend eine Schenkung von Zehn-\ntausend Tbalern in 41/2procentigen Prioritäts-Obligationen\nder Rheinischen Eisenbahn-Gesellschaft nebst zugehörigen\nZins-Coupons vom 10. October d. J. ab zu dem Zwecke\nanzubieten, die jährlichen Zinsen von Vierhundert fünfzig\nThalern vom kommenden Jahre ab und für alle Zukunft\nals eine besondere Zulage zum budgetmässigen Gehalte\ndes städtischen Capellmeisters zu verwenden. An diese\nSchenkung erlaube ich mir die einzige Bedingung zu knü-\npfen, dass die Versammlung der Stadtverordneten be-\nschliesse, das dermalige, im Budget ausgeworfene Ge-\nhalt des städtischen Capellmeisters niemals zu reduciren.\nDen noch auf die Zeit vom 1. October bis 31. December\nd. J. fallenden Zins-Coupons-Betrag der beiliegenden Obli-\ngationen zur Höhe von Hundert zwölf und einem halben\nThaler bestimme ich als einen Beitrag für den städtischen\nOrchesterfonds. Mit der Bitte, meine Schenkung der ver-\nehrlichen Stadtverordneten-Versammlung zur Annahme\nzu empfehlen, zeichne ich mit vorzüglicher Hochachtung\n„Ew. Hochwohlgeboren ganz ergebenster\n„(gez.) Abraham Oppenheim.\n„Köln, am 24. December 1865.\"\nEine so hochherzige Stiftung zur Erhaltung und För-\nderung der Tonkunst verdient den wärmsten Dank aller\nMusiker und Musikfreunde und setzt dem Geber, der sich\num Köln schon durch so manche grossartige Verwendung\nbedeutender Summen zu den edelsten Zwecken so verdient\ngemacht hat, ein neues, schönes Denkmal für die dank-\nbare Erinnerung kommender Geschlechter."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-12-30-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-12-30_01#c007", "volume": "bmtnabi_1865-12-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "415", "page_fin": "415", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651230-01.2.7", "titre_corps": "Aus Karlsruhe.", "titre_sommaire": "Aus Karlsruhe.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "415", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651230-01.1.7", "debut_caractere": 2490, "fin_caractere_exclue": 5539, "texte": "Aus Karlsruhe.\nDen 28. December 1865.\nDer Cäcilien-Verein gab am Montag den 13. November\nsein erstes Concert. Die erste Abtheilung brachte: 1. Serenade für\nzwei Oboen, zwei Clarinetten, zwei Horner und zwei Fagotte von\nW. A. Mozart; 2. „Opferlied\" von Mattbisson, für Sopran und Chor\nvon L. van Beethoven; 3. „Des Tages Weihe\", Hymne für Tenor-\nSolo und Chor mit Begleitung von Violine und Violoncell von Fr.\nSchubert. In der zweiten Abtheilung hörten wir: 4. Den 117. Psalm:\n„Laudate Dominum\" für Sopran mit Chor von W. A. Mozart; 5.\n„Lauda Sion\", Hymne des Thomas von Aquino aus dem dreizehn-\nten Jahrhundert, für Soli und Chor componirt von Felix Mendels-\nsohn-Bartholdy.\nAm Montag den 11. December fand das zweite Concert des\nVereins Statt. Aufgeführt wurden „Die letzten Dinge44, Oratorium\nin zwei Abtheiltingen von Ludwig Spohr. Die Solo-Partieen gesun-\ngen von Herrn Hof-Opernsänger Eberius und mehreren Vereins-\nMitgliedern.\nVon den drei Abonnements-Concerten der grossherzoglicheu\nHof-Kirchenmusik in der Schlosskirche fand das erste am Montag\nden 25. December, Abends 7 Uhr, Statt. Das Programm lautete:\nErste Abtheilung: 1. Toccata für die Orgel (D-moll) von Joh. Seb.\nBach (Hoforganist Barn er). 2. Zwei Chöre a capella: ai „Meine\nSeele ist stille zu Gott\" von Demetrius Bortniansky; b) Adoramus.\nvon Jac. Ant. Perti (geb. 1656, gest. 1747). 3. Salve Regina für\nSopran von Franz Schubert (Hof-Opernsängerin Frau Braun-\nhofer). 4. Zwei Weihnachtslieder: a) „Heiligste Nacht\", b) „Stille\nNacht\" von Joh. Mich. Haydn, für vierstimmigen und achtstimmi-\ngen Chor bearbeitet von H. Giehne. 5. Kirchen-Arie für Bass von\nJoh. B. Pergolese. 6. Vater unser für achtstimmigen Chor von\nF. E. Fesca. Zweite Abtheilung: 7. Präludium und Fuge für\ndie Orgel (G-dur) von Felix Mendelssohn-Bartholdy (Herr Barner).\n8. Psalm für Soli und Chor von Benedict Marcello. 9. Recitativ und\nArie für Bass aus dem Messias von G. Fr. Händel. 10. Zwei Chöre\na capella: a) „0 Freude über Freud !\" Weihnachtsgesang für acht-\nstimmigen Chor von Joh. Eccard (geb. 1553, gest. 1611); b) „Ich\nlasse Dich nicht\", Motette für Doppelchor von Joh. Christoph Bach\n(geb. 1643, gest. 1703). 11. Trio für die Orgel über die Choral-\nMelodie: „Meine Seel' erhebt den Herrn\" von Joh. Seb. Bach (Bar-\nner). 12. Der 2. Psalm: „Warum toben die Heiden\", für Soli und\nachtstimmigen Chor von Felix Mendelssohn-Bartholdy.\nEin reservirter Platz für alle drei Kirchen-Concerte kostet 2\nFl. 24 Kr. Ein Abonnement von drei Karten für einen unreservir-\nten Platz, gültig für jede Aufführung, 1 Fl. 48 Kr. Ein reservirter\nPlatz für ein einzelnes Concert 1 Fl. Ein nicht reservirter Platz\nfür ein einzelnes Concert 48 Kr. Bei diesen massigen Eintrittsprei-\nsen bilden diese trefflichen Aufführungen eine edle Art von Volks-\nConcerten, die in allen Städten, welche die musicalischen Kräfte\nzu ihrer Ausführung und eine Geistlichkeit besitzen, in deren Augen\ndie Musik nicht für eine Entweihung der Kirchen gilt, wesshalb ihr\ndie Thore derselben verschlossen werden müssen, eine Nachahmung\nverdienen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-12-30-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-12-30_01#c008", "volume": "bmtnabi_1865-12-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "416", "page_fin": "416", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651230-01.2.8", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "416", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651230-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5159, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. 23. December. Unser Orchester hat eines seiner tüch-\ntigsten Mitglieder, Herrn Friedrich Heise, durch den Tod ver-\nloren. Seine Freunde und Berufsgenossen haben ihn heute zur letz-\nten Ruhestätte geleitet. Der Verstorbene, auch durch seinen liebens-\nwürdigen Privat-Charakter ausgezeichnet, war ein Virtuose auf der\nOboe und hatte dieses Instrument seit einer Reihe von Jahren in\nunseren Concerten und auf allen niederrheinischen Musikfesten in\nerster Linie zu vertreten.\nIn der letzten Sitzung der musicalischen Gesellschaft hörten\nwir eine Composition des jungen Leonhard Wolff, Zögling des\nhiesigen Conservatoriums, Sohnes des Herrn Musik-Directors WolfF\nin Crefeld, eine Sonate für Pianoforte und Violine in vier\nSätzen, vorgetragen von Herrn Capellmeister Hiller und dem Com-\nponisten, welche allgemein ansprach, und das mit vollem Rechte, da\nsie ein höchst bedeutendes Talent verräth, welches zu den schönsten\nHoffnungen berechtigt, die Herr L. Wolff, da er als Stipendiat\nder frankfurter Mozart-Stiftung aufgenommen worden ist und unter\nder trefflichen Anleitung F. Hiller's noch einige Jahre seine Stu-\ndien fortsetzen kann, gewiss vollständig erfüllen wird.\nFrankfurt a« ML Frau Wilhelmine Clauss-Szar-\nvady, die vor einigen Wochen krankheitshalber die von ihr beab-\nsichtigte Concerttour durch Deutschland unterbrechen nnd nach\nParis zurückkehren musste, hat sich glücklicher Weise alsbald wie-\nder erholt und wird nun ihr Project in dieser Saison noch zur Aus-\nführung bringen. Sie wirkte im letzten Museums-Concerte mit und\nspielte in demselben das Clavier-Concert in G-dur von Beethoven,\ndas Nocturne in Es-dur von Chopin und ein lebhaftes und schwung-\nvolles Tonstück vLa Chasseu von Stephen Heller. Alle diese Com-\npositionen gaben der Künstlerin Gelegenheit, ihre allgemein aner-\nkannten und gewürdigten Vorzüge ins hellste Licht zu stellen und\nwohlverdienten stürmischen Beifall und Hervorruf sich damit zu\nerringen.\nLeipzig* Am 19. December wurde hier die Oper „Lorelei\"\nvon Geibel, Musik von Max Bruch, zum ersten Male mit aus-\nsergewöhnlichem Erfolg gegeben. Alle Darsteller wurden wiederholt\ngerufen, eben so der Componist, der aber nicht hier anwesend war»\nDresden. Freitag den 15. December fand im Saale des\n„Hotel de Saxe\" die Soirie musicale des Fräuleins Auguste\nGötze, grossherzoglich weimarischen Kammersängerin, Statt. Die\nAltstimme der Concertgeberin ist zwar von massigem Umfange,\naber durch egale Klangfarbe und sichere musicalische Behandlung\nfür den einfachen Gesang im Lieder- und Balladen-Genre von sehr\nansprechender Wirkung, die durch richtiges Gefühl, ausdrucksvolle\nDeclamation und klare, geschmackvoll nuancirte Gestaltung der\nForm in ihren Vorträgen künstlerisch gehoben wird. Besonders lo-\nbenswertb tritt auch eine deutliche Aussprache hinzu. Diese treff-\nlichen Eigenschaften der Leistungen bewährten sich in Gesangs-\nCompositionen von R. Schumann, Hillard, F. Schubert, besonders\nvorzüglich in Beethoven's vln questa tomba oscurau und in einer\nBallade von L. Hartmann: „Mir träumte von einem Königskind\"\n(H. Heine). Auf dieses eben neu erschienene Gesangswerk sei be-\nsonders hingewiesen. Durch poetische Auffassung, Wahrheit des\ngedanklichen Ausdrucks, Declamation und sorgsame formelle Durch-\narbeitung bekundet es einen talentvollen und denkenden Compo-\nnisten, der mit Erfolg edle Kunstziele erstrebt*). Die Herren Hess,\nSeelmann und Bürchl eröffneten die Soiree mit dem musicalisch\nfein durchgeführten Vortrage eines reizenden Trio's {G-dur) von\nMozart, und beide Erstgenannten erfreuten noch durch die Pro-\nduetionen des Scherzo in B-moll von Chopin und der Variationen\nüber ein Original-Thema von Lipinski. Herr Maximilian unter-\nstützte die Soiree durch wirksame Declamationen, von denen wir\nnur Bürger's „Leonore\" mit melodramatischer Begleitung von F.\nLiszt hörten. Das höchst Bedenkliche und innerlich sich Widerstre-\nbende dieser Art der Behandlung haben wir schon öfter hervorge-\nhoben. Die Tonmalerei des Pianoforte von Herrn Hess übrigens\nausserordentlich exaet und mit sehr charakteristischem Klang-Effect\ngespielt erdrückt in den Kraftstellen die Worte und den Ausdruck\ndes Declamators, der seinerseits zu dem Bestreben gedrängt wird,\nsich für solche Unbill am Pianoforte zu rächen. C. Banck.\nPatti-Concerte im Theater an der Wien. Wir hatten\nuns der Hoffnung hingegeben, die Concerte im Theater würden eine\nkünstlerischere Gestaltung annehmen, als es bei den bisherigen Con-\ncerten im Dianasaale der Fall war, wo Fräulein Patti den fast\nexclusiven Schwerpunkt darstellte. Die freudige Erwartung, von\neinem Vieuxtemps, einem Jaell Beethoven'sche, Mendelssohn'-\nsche Concerte vortragen zu hören, wurde indessen nach einer an-\nderen Richtung vollständig zu Wasser. Der löbliche Vorsatz schei-\nterte an der unsäglichen Ohnmacht der Orchesterbegleitung, und wir\nmüssen die absolute Unzulänglichkeit dieses Bestandteiles der neuen\nPatti-Concerte bestätigen.\n*) Herr L. Hartmann (Sohn des Musik-Directors Hartmann\nin Neuss und Schüler von Liszt) ist auch uns durch mehrere Com-\npositionen für Gesang („Lieder\") und Pianoforte vortheilhaft be-\nkannt. Die Redaction."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "409", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651230-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDas Quartett (Schluss). Von L. B. Zur Musikgeschichte. (Schluss). Von E. Krüger. Aus Holland (Ge-\nneral-Versammlung des niederländischen Vereins zur Beförderung der Tonkunst). Die Gebrüder Müller in Holland. Musicalische Stif-\ntung für die Stadt Köln. Aus Karlsruhe (Cäcilien-Verein' Abonnements-Concerte). Tages- und\n(Köln, Friedrich Heise +, Leonard Wolff Frankfurt a. M., Frau Clauss-Szarvady Leipzig, M. Bruch's „Loreley\" u. s. w.).\n\nDas Quartett.\n\n(Schluss. S. Nr. 50 und 51.)\nAn Fruchtbarkeit für Instrumental-Compositionen\nüberragt Boccherini alle Componisten dieser Gattung, denn\ner hat nicht weniger als dreihundert und sechsund-\nsechszig geliefert. Darunter befinden sich 42 Trio's für\nzwei Violinen und Bass und 12 für Violine, Alt und Bass;\n91 Quartette für zwei Violinen, Alt und Bass (wovon\n24 ungedruckt); 30 Quintette für Flöte oder Oboe mit\nStreich-Quartett; 113 Quintette für zwei Violinen, Alt\nund zwei Violoncelle (20 ungedruckt); 12 Quintette mit\nzwei Bratschen (einige ungedruckt) u. s. w. u. s. w.\nSein Biograph Picquot, ein ausgezeichneter und wohlha-\nbender Dilettant, hat es sich gewisser Maassen zur Lebens-\nAufgabe gemacht, alle Werke, gedruckte und unge-\ndruckte, von Boccherini zu sammeln, und bat z. B. acht-\nzehn Jahre lang einem Werke nachgespürt, das ihm fehlte,\nund desshalb eine unzählige Menge von Briefen geschrieben.\nUeber den Werth der Compositionen von Boccherini\nkann ich aus eigener Renntniss derselben nicht urtheilen,\nda ich nur in meiner Jugend mehrere von seinen Sachen,\ndie noch im ersten Jahrzehend unseres Jahrhunderts viel\ngespielt wurden, in meinem väterlichen Hause gehört habe.\nIch erinnere mich nur, dass seine Quartette und beson-\nders auch die Quintette (sowohl mit zwei Violen, als beson-\nders mit zwei Violoncellen) an Musikabenden mit den\nHaydn'schen Quartetten und den Mozart'schen Quintet-\nten abwechselten. Die Mozart'schen Quartette wurden\ndamals weniger gespielt, und als die ersten Beethoven'-\nschen (Op. 18) erschienen, fanden die ausführenden Mu-\nsiker diese einfacher, als die Mozart'schen, und wandten\nsich ihnen mit Vorliebe zu.\nDie Vorliebe der Zeitgenossen Boccherini's, nament-\nlich der Dilettanten, für seine Musik war, wie aus dem\nbisher Gesagten schon hervorgeht, sehr allgemein. Aber\nauch Musiker und Renner vom Fach, wie' Gerber, Nägeli\nund Andere in der Allgero. Musicalischen Zeitung, und in\nunseren Tagen F&is, sprechen sich sehr günstig darüber\naus, so dass es vielleicht der Mühe werth sein dürfte, die\nbesten von seinen Sachen einmal wieder auf die Pro-\ngramme unserer heutigen Quartett-Vereine zu bringen,\nwie dies ja mit älteren Clavier-Compositionen geschieht."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "410", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651230-01.1.2", "texte": "Gerber (1810) sagt am Schlüsse des Verzeichnisses\nvon Boccherini's Werken im „neuen Lexikon der Ton-\nkünstler\", 1., S. 436:\n„Ausser so manchen Schönheiten und Eigenheiten\ndieser seiner Werke, worüber im alten Lexikon schon\nEiniges gesagt worden ist, verdient hier der eigene ge-\nlehrte Spass noch angemerkt zu werden, welchen er sich\nin einem Quintette gemacht hat (XII Op. 37).\nEs kommt nämlich darin ein ziemlich ausführliches An-\ndante aus A-moll im 3/8-Tact vor, in welchem die beiden\nBratschen vom Anfange bis zum Ende das un- und das\neingestrichene a ain lauter gleichen Achtelnoten angeben,\nwozu und um welche sich aber die Violinen und der Bass\nso sinnreich und vorsichtig zu bewegen wissen, dass die\nModulation, ungeachtet dieser ewigen nicht im Gering-\nsten an Mannigfaltigkeit leidet und dem Ohr nichts weni-\nger als monoton wird. Oft scheint die Beibehaltung des\na unmöglich zu sein, aber jedes Mal weiss er sich durch\neine geschickte Wendung der Melodie wieder dabei zu er-\nhalten. Es wäre dies etwas für ein paar Spieler, welche noch\nnie ein Instrument auf dem Arme gehabt hätten, so wie\nehemals Josquin für den König Ludwig XII. von Frank-\nreich, der keine Note treffen konnte, einen Canon verfer-\ntigte, in welchem des Königs Stimme immer in einem\nTone blieb.\"\nHans Georg Nägeli bemerkt in seinen dem Erz-\nherzoge und Erzbischofe Rudolph von Oesterreich ge-\nwidmeten „Vorlesungen über Musik\" (1825) über Boc-\ncherini S. 154:\n„Auf den Weg, den Haydn in seinen Quartetten ein-\nschlug, mochte er auch gewisser Maassen durch einen\nVorgänger, obwohl unbewusst, indem er bestimmt nur\nEmanuel Bach als sein einziges Vorbild anerkennt, hin-\ngelockt worden sein. Während nämlich durch Emanuel\nBach und seine Schule die reine Instrumentalmusik der\nfreien Schreibart im Norden ihre Erstlingsblüthen trieb,\nknospete sie auch im Süden durch Boccherini in seinen\nCompositionen für die Bogen-Instrumente, Quartette und\nQuintette, auf. Nicht tief, aber auch nicht arm an Ideen,\nder Bogen-Instrumente, auch des Violoncells, Kenner und\nMeister, gewann er mit seinen Compositionen für diesel-\nben um so mehr Einfluss, als sie in einer mit Gewandtheit\ndurchgeführten Mischung von Homophonie und Polyphonie\nfür die Kunstgelehrten nicht zu gemein, für die Dilettan-\nten nicht zu gelehrt waren und äusserst instrumentgemäss,\nfrisch und voll klangen.\"\nF etis gibt in der neuen Ausgabeseiner\nverselle des Musiciens folgendes Urtbeil über Boccherini ab:\n„Niemals hat ein Componist mehr das Verdienst der\nOriginalität besessen, als Boccherini. Seine Ideen sind rein\nindividuel, und seine Werke sind in dieser Beziehung so\nmerkwürdig, dass man sich versucht fühlt, zu glauben, er\nhabe niemals andere Musik als seine eigene gekannt. Gang\nund Factur seiner Compositionen und Art und Weise der\nModulation gehören ihm eben so eigentümlich an, wie\ndie melodischen Gedanken derselben. Er versteht das In-\nteresse durch unerwartete Episoden zu spannen und bringt\ndurch einfache charakteristische Perioden überraschende\nWirkungen hervor. Seine Motive sind stets anmuthig, oft\nmelancholisch, und haben durch ihre Naivetät einen unbe-\nschreiblichen Reiz. Man hat ihm oft den Mangel an Kraft\nund Energie vorgeworfen, wesshalb der Violinspieler\nPuppo ihn „ „die Frau Haydn\"\" nannte, indess haben doch\nmehrere von seinen Quintetten einen leidenschaftlichen\nCharakter. Seine Harmonie ist, obwohl zuweilen uncor-\nrect, doch voll von unerwarteten und pikanten Effecten.\nEr gebraucht oft das Unisono, was manchmal sein Quin-\ntett zum Duett macht, allein in diesem Falle verwendet\ner die verschiedene Klangfarbe der Instrumente mit be-\nwundernswerthem Geschick, und was bei einem Anderen\nein Fehler sein würde, wird bei ihm eine Quelle eigen-\ntümlicher Schönheiten. Seine Adagio's und Menuette\nsind fast alle reizend, nur seine Finalsätze klingen veraltet.\nTrotz so grosser Verdienste ist Boccherini's Musik doch\nnur in Frankreich bekannt*); Deutschland weiss dessen\nnaive Einfachheit nicht nach Verdienst zu würdigen, und\nman kann wohl annehmen, dass das Urtheil, welches Spohr\nbei seiner Anwesenheit in Paris aussprach, das allgemeine\nin Deutschland ist. Als der grosse Geiger und Componist\nnach der Ausführung eines Quintetts von Boccherini um\nseine Meinung darüber befragt wurde, erwiederte er:\n„Meiner Meinung nach verdient das nicht den Namen\nMusik.\" Es war zu bedauern, dass Spohr durch seinen\nStil und die leidenschaftliche Vorliebe für fortwährendes\nModuliren dahin gekommen war, für das Einfache und\nNatürliche keinen Sinn mehr zu haben und gegen den\nWerth origineller und individueller Schöpfungen gleich-\ngültig zu werden. Die Kunst ist aber unendlich, und man\ndarf sie nicht auf eine bestimmte Form und Stilart oder\nauf eine bestimmte Zeitepoche beschränken wollen. Baillot\nhatte in seinen Quartett-Cirkeln den Werken Boccherini's\n\n*) In Italien hat man neuerdings Boccherini's Sachen wieder\nhäufiger gespielt, namentlich ist uns dies von der Societä del Quar-\ntetto in Florenz bekannt, welche in diesen Blättern schon öfter er-\nwähnt worden ist (vgl. Nr. 48 dieses Jahrgangs: „Reisebriefe aus\nItalien\"), Diese Gesellschaft hat ihre Achtung für ihren Landsmann\nauch dadurch bewiesen, dass sie die von ihr gegründete musicali-\nsche Zeitung „II Boccherinia genannt hat. Unter ihren Partitur-\nAusgaben von Kammermusik für Streich-Instrumente sind auch meh-\nrere Werke von Boccherini in neuer Ausgabe (bei G. G. Guidi in\nFlorenz) erschienen."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "411", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651230-01.1.3", "texte": "ihre Jugend zu erhalten gewusst; nach ihm haben die\njüngeren Künstler den italiänischen Meister nach und nach\nimmer mehr vernachlässigt.\"\nWir geben das Urtheil von Fetis über Spohr, so wie\ner es ausgesprochen hat, ohne es in der Schroffheit, wie\nes da steht, zu dem unserigen zu machen. Indess lässt sich\nnicht läugnen, dass Spohr sich gegen den Stil anderer\nComponisten, mit Ausnahme von Mozart, sehr abweisend\nverhielt, wie es denn auch bekannt ist, dass er Beethoven\nbei Weitem nicht so würdigte, wie dieser es verdiente.\nAn dieser Stelle wollen wir einschalten, dass unsere\nAeusserung über Spobr's Qu in Nr. 50\n(S. 395) Anlass zu einem Missverständnisse bei einem ge-\nschätzten Musiker und Verehrer Spohr's und vielleicht\nauch bei Anderen gegeben hat oder geben könnte, wenn\nder Leser den Ausdruck: „diejenigen\" Quartette,\n„welche als Quatuors brillants geschrieben sind\", über-\nsieht, womit unter der Voraussetzung der Bekanntschaft\nder musicalischen Welt mit Spohr's sämmtlichen Quar-\ntetten wir jene besondere Gattung derselben bezeichneten.\nMan schreibt uns darüber: „Der Artikel über das Streich-\nQuartett in den letzten Nummern Ihres geschätzten Blat-\ntes wurde hier mit grossem Interesse gelesen. Nach dem\nInhalte in Nr. 1 desselben könnte es scheinen, als ob\nLouis Spohr, welchem doch in Bezug auf die Ausbil-\ndung des Streich-Quartetts eine namhafte Bedeutung nicht\nabgesprochen werden kann, lediglich\ngeschrieben habe, und als ob dieser Meister nur als Schö-\npfer dieser letztgenannten speciellen Abart hervorgehoben\nzu werden verdiene. Wir möchten daher erwähnen, dass\nSpohr im Ganzen nicht weniger als 32 Streich-Quartette\ncomponirt hat, unter welchen sich nur vier Solo-Quartette\nbefinden. .Die übrigen 28 Quartette gehören dem eigent-\nlichen Quarteltstile an und sind durchaus polyphon gear-\nbeitet; namentlich diejenigen aus der früheren Zeit des\nMeisters sind von einer Frische und von so reicher musi-\ncalischer Erfindung, dass sie heutigen Tages nicht über-\nsehen und vergessen werden sollten. Frankfurt a. M.\"\nKehren wir zu Boccherini und Haydn zurück, so\ndürfte es wohl keinem Zweifel unterliegen, dass Jeder von\nBeiden, ohne etwas von dem Anderen zu wissen, den Sieg\nder Streich-Instrumente über die Ciaviermusik vorberei-\ntete. Bei der allmählichen Ausfechtung desselben haben\nsie Beide, jeder in seiner Sphäre, gewirkt und dann auch\ngegenseitig ihre Werke kennen gelernt. Denn Boccherini\nwar in den letzten Jahrzehenden des vorigen Jahrhunderts\nauch in Deutschland allgemein bekannt, und Haydn's\nQuartette fanden besonders durch die pariser Ausgaben\nvon Plevel (der auch die meisten Sachen von Boccherini\nverlegte) Verbreitung in Spanien und besonders in Madrid.\nWie beliebt Boccherini in Berlin war, wo sich der König\nselbst für ibn interessirte, baben wir schon erwähnt. Ein\nanderes hieher gehöriges Zeugniss aus Stuttgart finden\nwir bei O. Jahn (Mozart, IV., S. 76) aus Job. Bapt.\nSchaul's (Hofmusicus daselbst) , Briefen über den Ge-\nschmack in der Musik\" (1806 —1809), welcher sich zu\nfolgender Parteinahme für Boccherini sogar gegen Mozart\nversteigt: „Welch ein Unterschied ist zwischen einem Mo-\nzart und einem Boccherini! Jener führt uns zwischen\nschroffen Felsen in einen stachligen, nur sparsam mit\nBlumen bestreuten Wald; dieser hingegen in lachende\nGegenden, mit blumigen Auen, klaren, rieselnden Bächen,\ndichten Hainen bedeckt, worin sich der Geist mit Ver-\ngnügen der süssen Schwermuth überlässt, die ihm auch\nfern yon jenen anmuthigen Gegenden noch süsse Er-\nquickung gewährt.\"\nMit urkundlicher Genauigkeit lässt sich die Zeit, in\nwelcher Haydn und Boccherini ihre ersten Compositionen\ndieser Gattung schufen, nicht bestimmen; gewiss ist, dass\nsie Beide mit Trio's begannen, denen erst später Quar-\ntette und Quintette folgten. Von Boccherini haben wir\noben mitgetheilt, dass er um 1760 oder 1761 seine er-\nste Runstreise mit seinen neuen Trio's machte, die aber\nbis 1768 Manuscript blieben. Von Haydn berichtet Ger-\nber, dass dasjenige, was von seinen Trio's (für Streich-\nInstrumente) vorhanden ist, wohl grösstentheils in das\nJahrzehend von 1760 falle. Fetis gibt an, dass die sechs\nersten Trio's für zwei Violinen und Bass, im Manuscript\nbei Breitkopf und Härtel vorhanden, gedruckt bei Sieber\nin Paris, im Jahre 1764 von Haydn geschrieben sind,\nund dass andere sechs Trio's für dieselben Instrumente,\nhandschriftlich ebenfalls bei Breitkopf und Härtel und in\nseiner eigenen Bibliothek vorhanden, aus dem Jahre 1767\nherrühren. Uebrigens zählt (1799) Traca (bei Gerber)\n214 Trio's von Haydn (ohne die Clavier-Trio's) auf, unter\ndenen 42 für zwei Violinen und Bass und 78 für Violine,\nBratsche und Bass. Die ersten sechs Violin-Quartette\n(Op. 1) erschienen 1765 in Amsterdam und London zu\ngleicher Zeit; mit Op. 16 im Jahre 1778 beginnt die\nPeriode der grösseren und immer reiferen Werke.\nDiese Angaben genügen, um die Behauptung zu recht-\nfertigen, dass keiner von den beiden Begründern des\nStreich-Quartetts als Vorgänger des anderen angesehen\nwerden kann. Und dies bestätigt dann wieder den Satz,\ndass die Umgestaltungen und Fortbildungen der Kunst\nnicht bloss auf einzelne hochbegabte Geister zurückzufüh-\nren sind, sondern vielmehr auf Stimmungen, Anschauun-\ngen und Gefüblsweisen einer bestimmten Zeit, welche\ndenn in der Regel auch dafür sorgt, dass die Genies er-\nscheinen, welche diesen ihren Charakter, so wie ihre Rich-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "412", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651230-01.1.4", "texte": "tung und ihren Geschmack mit siegender Macht ausspre-\nchen und zur vorherrschenden Geltung bringen. Das deut-\nsche Sprüchwort: „Es ist, als ob es in der Luft läge\"\nhat einen wohlbegründeten Sinn.\nEinige Bemerkungen über den Vortrag des Quar-\ntettes behalten wir uns für eine der ersten Nummern des\nJahrganges 1866 vor.\n\nL. B.\n\nZur Musikgeschichte.\n\n(Schluss. S. Nr. 51.)\nDie neue Recension von Franconi's Ars Cantus men-\nsurabilis zeigt gegen die Gerbert'sche einen bedeutenden\nFortschritt. C. hat drei Manuscripte verglichen, die\nGerbert nicht kannte; zuweilen wäre jedoch, da von den\nVarianten so viel Unerhebliches unter den Text verzeich-\nnet wird, auch des alten Gerbert zu gedenken gewesen;\ner wird nirgend erwähnt, selbst nicht bei auffallenderen\nVarianten, wie G. 3, 5, informiter ad Ungarn, C. 119,\nuniformiter ad modum losange.Sonst mag man zugeben,\ndass Gerbert ausser anderen Nachlässigkeiten vornehmlich\nbei der Notenschrift mangelhaft ist. Während nun in\nGerbert's Franco kaum die Hälfte der Beispiele leidlich\nstimmt, sind bei Goussemaker die Mehrzahl verständlich\nzum Texte stimmend, freilich trotz der dreifachen Colla-\ntion noch immer nicht alle, wesshalb wir denn statt des\nStillschweigens über Gerbert in der Vorrede p. XII irgend\neinen Fingerzeig über den Werth der Ueberlieferungen\nerwarten durften.\nDas spätere Compendium S. 154 ist uns\ndadurch wichtig, dass es die Worte enthält: Ego Franco\nde Cobnia, womit der Kölner Franco von dem 150 Jahre\nälteren Franco Parisiensis unterschieden ist; für das Zeit-\nalter des Kölners ist durch Kiesewetter (AMZ. 1828 und\n1838) die Jahreszahl 1220 erwiesen.\nPetrus Picardus gibt deutliche und saubere Er-\nklärungen über figurae und Noten und Maasse,\nleider sind die Notenbeispiele verloren. Er verspricht in der\nEinleitung nur vier Capitel Mensuralmusik; da werden wir\ndann überrascht, S. 139 plötzlich nach c. IV c. XXVII\nvon griechischen Tonleitern, Monochord u. dgl. zu finden,\nworauf c. XXIX eben so plötzlich zum Mittelalter zurück-\nkehrt. Wie solche Dinge zusammenkommen, darüber gibt\ndie kritische Vorrede keine Auskunft. Interessant ist im\nletzten Capitel die Erwähnung der Rubeba (arab. Rebab?),\neiner zweisaitigen Geige, die wie die Viella mit dem Bo-\ngen gestrichen wird, S. 152.\nDas umfangreichste Stück nächst Hieronymus, Wal-\nter Odington's (Erzbiscbofs von Canterburv um 1228)\nTractatusde Speculatione musbringt in 78 Capiteln\nmühselig Zusammengetragenes nicht ohne Reiz, aber sehr\nverschiedenartigen Werthes. Pars I, de utilitate arsme-\ntricae*), quae est scientia de numero, enthält die Arith-\nmetik von den Anfangsgründen bis zum\nputatorius, womit jedoch nur Bruch- und Proportions-\nRechnungen gemeint sind. Pars II lehrt die Theile der\nTonkunst, P. 111 die Scalen, P. IV das Allgemeine vom\nRhythmus. Erst die beiden letzten Theile gehen auf die\nMensuralmusik näher ein; im letzten ist die Darstellung\nder Mensuren klarer, als in den meisten anderen Syste-\nmen; auch die Discantus sp\nMotetus Ochetus sind bei Odington deutlicher erklärt,\nals bei Franco.\nCujusdam Aristotelis Tractatus de musica (XVI, 251)\nist wegen der lesbaren Latinität und wegen des beschränk-\nten, aber gut ausgesprochenen Inhalts hervorzuheben.\nNeues haben wir darin nicht gefunden, eine besondere\nWichtigkeit, wie C. p. XVII, können wir ihm nicht zu-\nsprechen. Von der lesbaren Latinität sind übrigens aus-\nzunehmen eine ziemliche Reihe Hexameter, die als versus\n#\nmemoriales eingeflochten, oft gar närrisch klingen, p. 261;\nzuweilen hatte das in der prosaisch fortlaufenden Schrift\nfreilich unkenntliche Metrum wohl zu Emendationen, min-\ndestens zur Correctur der Druckfehler, die hier wiederum\nzahlreich stören, Anlass geben mögen.\nVon den Anonymi Septem ist die Mehrzahl unbedeu-\ntend oder unvollständig, nur der zweite und vierte von\neigenthümlichem Werthe. An. II gibt sehr gute und\nfassliche Regeln des Discantus, unter denen die Darstel-\nlung der Gegenbewegung S. 312 319 auch dadurch\nmerkwürdig ist, dass die meisten Beispiele im doppelten\nContrapunkte gesetzt sind, also dass die discantirende\nStimme über und unter dem Tenor stehen kann**).\n\n*) Wie man in damaligen Schriften auch findet respublicae\nrespublicam u. s. w. Pag» 186 b sagt unser Odingtonus sogar:\nNecesse est omnem arsmetricum et musicum scire algorismum.\n**) Ein anderes, sehr frühes Beispiel von doppeltem Cp. will\nC. Hißt. 53 aus Joh. Garland I. (1180?) nachweisen, schwerlich\nüberzeugend, da es nicht nur unserem heutigen Ohr abscheulich\nklingt, sondern auch allen von Garland und seinen Zeitgenossen\ngelehrten und eifrig behaupteten Regeln über den Gebrauch der\nConsonanzen und Dissonanzen geradeswegs widerspricht. Dem kun-\ndigen Leser werden hierbei die eben so missklingenden Proben von\nHucbald's Organon beifallen, welche Gerbert Scr. 1, 166 mittheilt.\nDoch sind diese noch leidlich gegen jenes Unicum von Garland.\nZudem aber ist über das Verständniss von Hucbald's Lehre der\nStreit noch schwebend; Oscar Paul hat in der Allgem. Mus.-Ztg.\n1863, S. 217, aus einer neu aufgefundenen kölner Handschrift dar-\nzuthun versucht, dass Gerbert den llucbald'schen Tractat verkürzt\nund entstellt habe, und dass jenes berüchtigte Quinten- und Quar-\ntensingen, über welches wir in Entsetzen gerathen, niemals Statt\ngefunden ; es wäre sehr erwünscht, wenn er das a. a. 0. gegebene"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "413", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651230-01.1.5", "texte": "Die Namen Motus contrarius und kom-\nmen erst später vor, nachdem die Sache schon länger ge-\nübt war; wann die Namen zuerst in die Theorie eintre-\nten, ist bisher nicht ausgemittelt.—Noch ist zu bemerken,\ndass das Verbot des motus\nfcdarum, welches Marchetto (um 1300) vielleicht zuerst\nausspricht, dem An.II noch nicht bekannt war, wenn wir\nnach den Beispielen p. 313 315 urtheilen; doch sind\ndiese wiederum durch incorrecte Stellung der - und\nSchlüssel unklar, zum Tbeil offenbar falsch, wie 315b,\nzweites Notenbeispiel und öfter.\nAn.IV gibt eine Lehre von Mensuren, Noten, Liga-\nturen, Organum und Discantus in solcher Ausführlichkeit\nund durchgängig klarer Sprache, dass man hier, wie bei\nAn. II dem Lobe, das ihm der Herausgeber zollt, von\nHerzen beipflichtet, so weit es die Darstellung anlangt;\ndagegen ist sehr zu beklagen und dem Verständnisse ge-\nrade der wichtigeren letzten Capitel hinderlich, dass No-\ntenbeispiele gänzlich fehlen. Von historischem Interesse\nist die gelegentliche Erwähnung vieler gleichzeitiger Ton-\nkünstler, Engländer, Franzosen, Spanier, Lombarden.\nDas angehängte Stück de sinemenis (.synemrn.), unbekann-\nter Herkunft, eine tabellarische Notiz ohne Geist, hätte\nbillig wegbleiben können.\nRob. de Handlo gibt eine Reihe von Regeln über\nMensuren, Ligaturen und Tactarten (modi in\nWeise eines Gespräches, gleichsam parlamentarischer Hin-\nund Wiederreden verschiedener Autoritäten, lebender und\ntodter, wo der Autor den Ausschlag gibt; es ist eine ge-\nwisse naive Klarheit darin; über einzelne Schwierigkeiten\nder Ligatur gibt er recht ausführliche und verständliche\nAuskunft. Er, so wie sein Landsmann Joh. Hanboys\nthun sich hervor durch die leichte, man möchte sagen:\nheitere Darstellungsweise, letzterer ausserdem durch die\nbessere Notenschrift. Beide handeln nur von Mensuren\nund Noten, nicht vom Discant; die Gesprächsweise ist\nihnen gemeinsam. Handlo behandelt die Sache geist-\nreicher, Hanboys mehr trocken tabellarisch, aber aus-\nführlicher.\nDie Coussemaker'sche Sammlung hat also das Ver-\ndienst, eine ziemliche Anzahl Inedita wieder belebt zu ha-\nben, unter denen wir Hieronymus, Joh. de Garlandia,\nAristoteles, Anonymus IV mit Dank hervorheben, während\nin den übrigen nicht viel Fruchtbares oder Aufschliessen-\ndes enthalten ist. Sie verhält sich zur Gerberl'schen Samm-\nlung allerdings als „altera11, als nachfolgende Ergänzung.\nGerbert's Umfang ist grösser, die Autoren gewichtiger,\nbelehrender, trotz ihrer Dunkelheit. Wollte nun Cousse-\nmaker in der zu erwartenden Fortführung dieses Werkes\nfür sorgfältigere Correctur und saubere, nicht bloss diplo-\nmatisch copirte Orthographie sorgen, auch, so weit es\nthunlich, mit erklärenden Noten*) dem Leser zu Hülfe\nkommen, so würde die Sammlung desto wertbvoller sein.\nVon dem in späteren Musicologen olt genannten Henncus\nde Zeelandia möchte man gern Näheres wissen, da seine\nAbhandlung, die Ambros so sehr rühmt, bisher nirgend\ngedruckt ist; manche dunkle Ehrenmänner dagegen mö-\ngen wir leicht entbehren, falls sie nichts als Bekanntes\ndunkel aussprechen, ohne Neu-Eigenes zu bringen.\nFür die lortsetzungIortsetzung des Werkes wünschen wir ausser\neiner sorgfältigeren Correctur, wie sie den übrigen Schrif-\nten Coussemaker's zu Theil geworden, auch sorgfältigere\nAuswahl von nur gediegenen oder mindestens originellen\nSchriften, damit der schwere Weg der Geschichtsforschung\nnicht durch Uebermaass an Compilationen noch schwerer\nwerde, als er ohnehin ist.\n\nVersprechen ausführlicherer Begründung bald erfüllte und die ver-\nzweifelte Organumfrage zum Abschlüsse brächte.\n\nE. Krüger.\n\nAus Holland.\nAus den „Verhandlungen\" der sechsunddreissigsten\nGeneral-Versammlung des niederländischen Vereins\nzur Beförderung der Tonkunst, abgehalten zu Am-\nsterdam den 24. October, theilen wir Folgendes mit.\nDer Verein zählte in fünfzehn Abtheilungen 183*2\nbeitragende Mitglieder, 121 Ehren-Mitglieder, 37 cor-\nrespondirende und 39 Verdienst-Mitglieder; ausserordent-\nliches Ehren-Mitglied ist der König von Holland. Zusam-\nmen 2030 Mitglieder. Der Reservefonds besitzt 50,300\nGulden, der Künstlerfonds 27,300, der Musikfestfonds\n19,300 Gulden.\nIn den Aufführungen der verschiedenen Abtheilungen\nkamen vor: Beethoven 7 Mal, J. M. Coenen, Gade (3).\nGeul, Goltermann, Händel, Haydn (3), Hiller, Richard\nHol (2), Lachner, Lübeck (2), Marschner (2), Mendels-\nsohn (14), Mozart (3), Nicolai, Neukömm, Reinecke (2),\nRinck, Romberg, Rossini (2), Schubert, Schumann (2),\nStradella, Viotti, Vieuxtemps, Weber (4).\n\n) IX h, musicalischen Inhalts! Philologische sind meist\nentbehrlich oder gefährlich, wie u. A. in C. Hist. p. 6 die Erläute-\nrung der alten \\iella, auch genannt Organistrum: „ce nom est com-\npost d'Organum et de instrumentumu, was C. überaus entsprechend\nfindet, weil es ein Instrument sei, das dem Organum (mehrstimmiger\nMenschengesang) zum Geleit dienen solle! Da er wechselweise\nEines aus dem Anderen schliesst, um die Bedeutung des Organistrum\nfestzustellen, so sieht man, wie unentbehrlich Sprachkenntnisse ne-\nben der Manuscripteu-Kenntniss sind."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "414", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651230-01.1.6", "texte": "Volks-Concerte wurden gegeben: in Amsterdam drei,\nin Goes zwei. Es wäre zu wünschen, dass in allen Ab-\ntheilungen das treffliche Unternehmen der Volks-Concerte\nWurzel fasste. Der Künstlerfonds unterstützte dreizehn\nKünstler-Witwen und drei Künstler.\n„Grossen Schmerz und einen unersetzlichen Verlust\nverursachte uns und der Tonkunst das Hinscheiden von\nHeinrich Lübeck, dem langjährigen Verdienst-Mit-\ngliede unseres Vereins. Was er für beide gewesen ist\nund was er nicht weniger als Mensch wie als Künstler\nwar, edel, treu, wahr, bescheiden und liebevoll, steht so\nhell vor unserer Erinnerung und lebt so innig in unseren\nHerzen, dass wir die entsprechende Form des Ausdrucks\nkaum finden können. Möge Gott seiner würdigen Gattin\nKraft geben, den schweren Schlag des Schicksals zu über-\nwinden, und seine talentvollen Kinder segnen, die er für\ndie Krone seines Lebens ansah, und möge sein Beispiel\nVielen ein Vorbild werden, sich der Verbreitung des\nwahren Schönen in der Tonkunst in den Niederlanden\nund den Bestrebungen unseres Vereins mit so warmer\nTheilnahme hinzugeben, als er es that!\"\nDie Musikschulen in Amsterdam, Rotterdam\nund im Haag entwickeln sich immer kräftiger und wer-\nden, im Haag unter Direction des Herrn Nicolai und in\nRotterdam unter Leitung des Herrn Woldemar Bar-\ngiel, der zugleich Director des dortigen Singvereins ist,\nihre Wirksamkeit immer mehr steigern.\nAls technische Directoren fungiren in Amsterdam\nJ. J. H. Verhülst, ferner G. A. Heinse, H. Coenen,\nF. Coenen; in Arnheim H. A. Meyroos; in Deventer\nC. A. Brandts-Beys; in Enkhuizen F. C. A. Guerike;\nin Goes Ahrensmann und Kir wald; im Haag W. F. G.\nNicolai; in Haarlem W. B. Weidner; in Rotterdam\nW. Bargiel, W. Hutschenruyter; in Utrecht Ri-\nchard Hol und van den Berg; in Zierikzee Karl\nEisner.\nZu correspondirenden Mitgliedern wurden ernannt\nMax Bruch in Coblenz, L.Schlösser in Darmstadt\nund Julius Stockhausen in Hamburg.\nAusserdem hat die Versammlung beschlossen:\n„Jedes Mal, wenn in einer der vierzehn Abtheilungen\nim Lande ein grosses Vocal- oder Instrumentalwerk eines\nlebenden Componisten ausgeführt wird, demselben, sei er\nNiederländer oder nicht, mindestens Einen Ducaten\nEhrensold anzubieten.\n„Zu diesem Zwecke wird das General-Comite so-\nbald die verschiedenen Abtheilungen die Listen der Aus-\nführungen in einem Vereinsjahre beim Haupt-Vorstande\neingereicht haben einen Antrag bei der nächsten Ge-\nneral-Versammlung machen zur Ermächtigung des Haupt-\nTresoriers, den respectiven Componisten diese Ehren-Prä-\nmien zu übersenden.\n„Der Niederländische Verein hofft dabei, dass eine\nsolche Anerkennung des schaffenden Strebens in ganz\nEuropa Wurzel fassen möge und dadurch allen Compo-\nnisten ein ehrenvolles „Droit gesichert werde,\nwelches ihnen dieselbe Unabhängigkeit (und folglich freie\nEntwicklung ihres Talentes) verschafft, die bis jetzt mei-\nstens nur dem ausübenden Künstler zu Theil ward.—\nDr. J. P. Heije, Haupt-Vorstand und Secretär des Ge-\nneral-Comite's.\"\n\nDie Gebrüder Müller in Holland.\nNachdem das treffliche Quartett in den rheinischen\nStädten neue Lorbern geärntet, traten die Künstler ihre\nerste Kunstreise durch Holland an und spielten dort im\nNovember und halben December 24 Mal in folgenden\nStädten: Rotterdam 1 Mal im Vereine zur Beförderung\nder Tonkunst, 3 Mal im Theater, 1 Soiree. Amsterdam\n1 Mal in Felix Meritis,3 Soireen. Haag 2 Soireen, 1\nMal bei Ihrer Majestät der Königin von Holland. Utrecht\n1 Mal im Studenten-Concerte, 1 Soiree. Arnheim 1 Mal\nim Kunstvereine, 1 Soiree. Gouda 2 Soireen. Harlem 2\nSoireen. In Delfft, Dortrecht, Leyden und Deventer je\n1 Soiree.\nZur Aufführung kamen: Haydn, C-dur („Gott er-\nhalte\"), 6 Mal (die Variationen ausserdem 7 Mal);\n(Menuett ä la Zingarese) 3 Mal; B dur 1 Mal; D-dur\n(mit dem Presto-Finale) 8 Mal. Mozart, 1 Mal.\nBeethoven, Serenade für Violine, Bratsche und Violon-\ncell, Op. 8, 13 Mal; C-dur, Op. 59 Nr. 3, 2 Mal; Es-\ndur, Op. 74, 4 Mal; A-moU, Op. 132, 2 Mal. Ditters-\ndorf, Es-dur(Nr. 5), 2 Mal. Schubert, 13\nMal (5 Mal ausserdem die Variationen); Scherzo aus dem\nG-dur-Quartett 2 Mal. Mendelssohn, Es-dur, Op. 12,\n6 Mal (6 Mal ausserdem die Canzonetta). Schumann,\nOp. 41 Nr. 3, 3 Mal; Quintett 2 Mal. Raff,\nScherzo aus dem D-moll-Quartett, 3 Mal. Rubinstein,\nAndante aus dem C-inoll-Quartett, 2 Mal.\nIm Ganzen wurden 66 Werke und ausserdem 26\neinzelne Sätze, die Dacapo's und Zugaben nicht mitgerech-\nnet, vorgetragen. Der Beifall war überall enthusiastisch,\nund alle öffentlichen Blätter waren mit den rühmendsten\nAusdrücken der Anerkennung für die echt künstlerischen\nLeistungen des deutschen Quartettes überfüllt."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "415", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651230-01.1.7", "texte": "Musicalische Stiftung für die Stadt Köln.\nDer Geheime Commercienrath Herr Abraham Op-\npenheim hierselbst hat eine der Stadt Köln am 24.\nDecember gemachte Schenkung mit folgendem Schreiben\nan den Ober-Bürgermeister begleitet:\n„Hochgeehrter Herr Ober-Bürgermeister!\n„Die Leistungen unserer Vaterstadt auf dem Gebiete\nder Musik finden eine immer grössere Anerkennung und\nerfreuen sich bereits über die Gränzen Deutschlands hinaus\ndes besten Rufes. Vorzugsweise ist dies den ausgezeichne-\nten Musikern zu danken, denen in den letzten Jahrzehen-\nden die Stelle des städtischen Capellmeisters anvertraut\nwar. Bei unseren vielen, immer mehr wachsenden städti-\nschen Bedürfnissen konnte das Gehalt des Capellmeisters\nbisheran leider nicht so hoch normirt werden, dass wir\nzuversichtlich hoffen dürfen, unseren vielberühmten Hiller\ndauernd in seiner Stelle zu erhalten und nach seinem der-\neinstigen Abgange einen ebenbürtigen Nachfolger zu ge-\nwinnen. Aus diesen Rücksichten finde ich mich bewogen,\nder Stadt Köln beikommend eine Schenkung von Zehn-\ntausend Tbalern in 41/2procentigen Prioritäts-Obligationen\nder Rheinischen Eisenbahn-Gesellschaft nebst zugehörigen\nZins-Coupons vom 10. October d. J. ab zu dem Zwecke\nanzubieten, die jährlichen Zinsen von Vierhundert fünfzig\nThalern vom kommenden Jahre ab und für alle Zukunft\nals eine besondere Zulage zum budgetmässigen Gehalte\ndes städtischen Capellmeisters zu verwenden. An diese\nSchenkung erlaube ich mir die einzige Bedingung zu knü-\npfen, dass die Versammlung der Stadtverordneten be-\nschliesse, das dermalige, im Budget ausgeworfene Ge-\nhalt des städtischen Capellmeisters niemals zu reduciren.\nDen noch auf die Zeit vom 1. October bis 31. December\nd. J. fallenden Zins-Coupons-Betrag der beiliegenden Obli-\ngationen zur Höhe von Hundert zwölf und einem halben\nThaler bestimme ich als einen Beitrag für den städtischen\nOrchesterfonds. Mit der Bitte, meine Schenkung der ver-\nehrlichen Stadtverordneten-Versammlung zur Annahme\nzu empfehlen, zeichne ich mit vorzüglicher Hochachtung\n„Ew. Hochwohlgeboren ganz ergebenster\n„(gez.) Abraham Oppenheim.\n„Köln, am 24. December 1865.\"\nEine so hochherzige Stiftung zur Erhaltung und För-\nderung der Tonkunst verdient den wärmsten Dank aller\nMusiker und Musikfreunde und setzt dem Geber, der sich\num Köln schon durch so manche grossartige Verwendung\nbedeutender Summen zu den edelsten Zwecken so verdient\ngemacht hat, ein neues, schönes Denkmal für die dank-\nbare Erinnerung kommender Geschlechter.\n\nAus Karlsruhe.\nDen 28. December 1865.\nDer Cäcilien-Verein gab am Montag den 13. November\nsein erstes Concert. Die erste Abtheilung brachte: 1. Serenade für\nzwei Oboen, zwei Clarinetten, zwei Horner und zwei Fagotte von\nW. A. Mozart; 2. „Opferlied\" von Mattbisson, für Sopran und Chor\nvon L. van Beethoven; 3. „Des Tages Weihe\", Hymne für Tenor-\nSolo und Chor mit Begleitung von Violine und Violoncell von Fr.\nSchubert. In der zweiten Abtheilung hörten wir: 4. Den 117. Psalm:\n„Laudate Dominum\" für Sopran mit Chor von W. A. Mozart; 5.\n„Lauda Sion\", Hymne des Thomas von Aquino aus dem dreizehn-\nten Jahrhundert, für Soli und Chor componirt von Felix Mendels-\nsohn-Bartholdy.\nAm Montag den 11. December fand das zweite Concert des\nVereins Statt. Aufgeführt wurden „Die letzten Dinge44, Oratorium\nin zwei Abtheiltingen von Ludwig Spohr. Die Solo-Partieen gesun-\ngen von Herrn Hof-Opernsänger Eberius und mehreren Vereins-\nMitgliedern.\nVon den drei Abonnements-Concerten der grossherzoglicheu\nHof-Kirchenmusik in der Schlosskirche fand das erste am Montag\nden 25. December, Abends 7 Uhr, Statt. Das Programm lautete:\nErste Abtheilung: 1. Toccata für die Orgel (D-moll) von Joh. Seb.\nBach (Hoforganist Barn er). 2. Zwei Chöre a capella: ai „Meine\nSeele ist stille zu Gott\" von Demetrius Bortniansky; b) Adoramus.\nvon Jac. Ant. Perti (geb. 1656, gest. 1747). 3. Salve Regina für\nSopran von Franz Schubert (Hof-Opernsängerin Frau Braun-\nhofer). 4. Zwei Weihnachtslieder: a) „Heiligste Nacht\", b) „Stille\nNacht\" von Joh. Mich. Haydn, für vierstimmigen und achtstimmi-\ngen Chor bearbeitet von H. Giehne. 5. Kirchen-Arie für Bass von\nJoh. B. Pergolese. 6. Vater unser für achtstimmigen Chor von\nF. E. Fesca. Zweite Abtheilung: 7. Präludium und Fuge für\ndie Orgel (G-dur) von Felix Mendelssohn-Bartholdy (Herr Barner).\n8. Psalm für Soli und Chor von Benedict Marcello. 9. Recitativ und\nArie für Bass aus dem Messias von G. Fr. Händel. 10. Zwei Chöre\na capella: a) „0 Freude über Freud !\" Weihnachtsgesang für acht-\nstimmigen Chor von Joh. Eccard (geb. 1553, gest. 1611); b) „Ich\nlasse Dich nicht\", Motette für Doppelchor von Joh. Christoph Bach\n(geb. 1643, gest. 1703). 11. Trio für die Orgel über die Choral-\nMelodie: „Meine Seel' erhebt den Herrn\" von Joh. Seb. Bach (Bar-\nner). 12. Der 2. Psalm: „Warum toben die Heiden\", für Soli und\nachtstimmigen Chor von Felix Mendelssohn-Bartholdy.\nEin reservirter Platz für alle drei Kirchen-Concerte kostet 2\nFl. 24 Kr. Ein Abonnement von drei Karten für einen unreservir-\nten Platz, gültig für jede Aufführung, 1 Fl. 48 Kr. Ein reservirter\nPlatz für ein einzelnes Concert 1 Fl. Ein nicht reservirter Platz\nfür ein einzelnes Concert 48 Kr. Bei diesen massigen Eintrittsprei-\nsen bilden diese trefflichen Aufführungen eine edle Art von Volks-\nConcerten, die in allen Städten, welche die musicalischen Kräfte\nzu ihrer Ausführung und eine Geistlichkeit besitzen, in deren Augen\ndie Musik nicht für eine Entweihung der Kirchen gilt, wesshalb ihr\ndie Thore derselben verschlossen werden müssen, eine Nachahmung\nverdienen."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "416", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18651230-01.1.8", "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. 23. December. Unser Orchester hat eines seiner tüch-\ntigsten Mitglieder, Herrn Friedrich Heise, durch den Tod ver-\nloren. Seine Freunde und Berufsgenossen haben ihn heute zur letz-\nten Ruhestätte geleitet. Der Verstorbene, auch durch seinen liebens-\nwürdigen Privat-Charakter ausgezeichnet, war ein Virtuose auf der\nOboe und hatte dieses Instrument seit einer Reihe von Jahren in\nunseren Concerten und auf allen niederrheinischen Musikfesten in\nerster Linie zu vertreten.\nIn der letzten Sitzung der musicalischen Gesellschaft hörten\nwir eine Composition des jungen Leonhard Wolff, Zögling des\nhiesigen Conservatoriums, Sohnes des Herrn Musik-Directors WolfF\nin Crefeld, eine Sonate für Pianoforte und Violine in vier\nSätzen, vorgetragen von Herrn Capellmeister Hiller und dem Com-\nponisten, welche allgemein ansprach, und das mit vollem Rechte, da\nsie ein höchst bedeutendes Talent verräth, welches zu den schönsten\nHoffnungen berechtigt, die Herr L. Wolff, da er als Stipendiat\nder frankfurter Mozart-Stiftung aufgenommen worden ist und unter\nder trefflichen Anleitung F. Hiller's noch einige Jahre seine Stu-\ndien fortsetzen kann, gewiss vollständig erfüllen wird.\nFrankfurt a« ML Frau Wilhelmine Clauss-Szar-\nvady, die vor einigen Wochen krankheitshalber die von ihr beab-\nsichtigte Concerttour durch Deutschland unterbrechen nnd nach\nParis zurückkehren musste, hat sich glücklicher Weise alsbald wie-\nder erholt und wird nun ihr Project in dieser Saison noch zur Aus-\nführung bringen. Sie wirkte im letzten Museums-Concerte mit und\nspielte in demselben das Clavier-Concert in G-dur von Beethoven,\ndas Nocturne in Es-dur von Chopin und ein lebhaftes und schwung-\nvolles Tonstück vLa Chasseu von Stephen Heller. Alle diese Com-\npositionen gaben der Künstlerin Gelegenheit, ihre allgemein aner-\nkannten und gewürdigten Vorzüge ins hellste Licht zu stellen und\nwohlverdienten stürmischen Beifall und Hervorruf sich damit zu\nerringen.\nLeipzig* Am 19. December wurde hier die Oper „Lorelei\"\nvon Geibel, Musik von Max Bruch, zum ersten Male mit aus-\nsergewöhnlichem Erfolg gegeben. Alle Darsteller wurden wiederholt\ngerufen, eben so der Componist, der aber nicht hier anwesend war»\nDresden. Freitag den 15. December fand im Saale des\n„Hotel de Saxe\" die Soirie musicale des Fräuleins Auguste\nGötze, grossherzoglich weimarischen Kammersängerin, Statt. Die\nAltstimme der Concertgeberin ist zwar von massigem Umfange,\naber durch egale Klangfarbe und sichere musicalische Behandlung\nfür den einfachen Gesang im Lieder- und Balladen-Genre von sehr\nansprechender Wirkung, die durch richtiges Gefühl, ausdrucksvolle\nDeclamation und klare, geschmackvoll nuancirte Gestaltung der\nForm in ihren Vorträgen künstlerisch gehoben wird. Besonders lo-\nbenswertb tritt auch eine deutliche Aussprache hinzu. Diese treff-\nlichen Eigenschaften der Leistungen bewährten sich in Gesangs-\nCompositionen von R. Schumann, Hillard, F. Schubert, besonders\nvorzüglich in Beethoven's vln questa tomba oscurau und in einer\nBallade von L. Hartmann: „Mir träumte von einem Königskind\"\n(H. Heine). Auf dieses eben neu erschienene Gesangswerk sei be-\nsonders hingewiesen. Durch poetische Auffassung, Wahrheit des\ngedanklichen Ausdrucks, Declamation und sorgsame formelle Durch-\narbeitung bekundet es einen talentvollen und denkenden Compo-\nnisten, der mit Erfolg edle Kunstziele erstrebt*). Die Herren Hess,\nSeelmann und Bürchl eröffneten die Soiree mit dem musicalisch\nfein durchgeführten Vortrage eines reizenden Trio's {G-dur) von\nMozart, und beide Erstgenannten erfreuten noch durch die Pro-\nduetionen des Scherzo in B-moll von Chopin und der Variationen\nüber ein Original-Thema von Lipinski. Herr Maximilian unter-\nstützte die Soiree durch wirksame Declamationen, von denen wir\nnur Bürger's „Leonore\" mit melodramatischer Begleitung von F.\nLiszt hörten. Das höchst Bedenkliche und innerlich sich Widerstre-\nbende dieser Art der Behandlung haben wir schon öfter hervorge-\nhoben. Die Tonmalerei des Pianoforte von Herrn Hess übrigens\nausserordentlich exaet und mit sehr charakteristischem Klang-Effect\ngespielt erdrückt in den Kraftstellen die Worte und den Ausdruck\ndes Declamators, der seinerseits zu dem Bestreben gedrängt wird,\nsich für solche Unbill am Pianoforte zu rächen. C. Banck.\nPatti-Concerte im Theater an der Wien. Wir hatten\nuns der Hoffnung hingegeben, die Concerte im Theater würden eine\nkünstlerischere Gestaltung annehmen, als es bei den bisherigen Con-\ncerten im Dianasaale der Fall war, wo Fräulein Patti den fast\nexclusiven Schwerpunkt darstellte. Die freudige Erwartung, von\neinem Vieuxtemps, einem Jaell Beethoven'sche, Mendelssohn'-\nsche Concerte vortragen zu hören, wurde indessen nach einer an-\nderen Richtung vollständig zu Wasser. Der löbliche Vorsatz schei-\nterte an der unsäglichen Ohnmacht der Orchesterbegleitung, und wir\nmüssen die absolute Unzulänglichkeit dieses Bestandteiles der neuen\nPatti-Concerte bestätigen.\n*) Herr L. Hartmann (Sohn des Musik-Directors Hartmann\nin Neuss und Schüler von Liszt) ist auch uns durch mehrere Com-\npositionen für Gesang („Lieder\") und Pianoforte vortheilhaft be-\nkannt. Die Redaction."}]}