{"numero_id": "bm-bmtnabi-1866-01-06-01", "volume": "bmtnabi_1866-01-06_01", "ocr_sha256": "56f3f704da06220a1a56913df2d96b6524aedc0826984f0c850ebe00e3237817", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1866/01/06_01/bmtnabi_1866-01-06_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660106-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1866-01-06-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-01-06_01#c001", "volume": "bmtnabi_1866-01-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "1", "page_fin": "1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660106-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660106-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 467, "texte": "Inhalt.\nVor- und Fürwort. Von L. Bischoff. Die erste Aufführung von Beethoven's neunter Sinfonie. Aus Frank-\nFurt am Main (Musicalische Saison Quartett-Productionen Museums-Concerte Instrumental-Solisten). Tages- und Unter-\nhaltungsblatt (Barmen,' drittes Abonnements-Concert Weimar, Concert von Mortier de Fontaine Leipzig, zehntes Gewandhaus-\nes oncert, rheinische Gäste, Stimmen der Kritik Wien, Jubiläum von Capellmeister A. 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DuMont-Schauberg'-\nschen Buchhandlung überging, hegten wir die Hoffnung,\ndass ein Unternehmen Theilnahme finden würde, welches,\ndie Tonkunst mit dem Leben zu vermitteln strebend, nicht\nfür Künstler allein, sondern auch für Freunde der Kunst\nin allen Ständen bestimmt sei, und der wissenschaftlichen\nBehandlung des Gegenstandes in so weit Raum verstat-\ntend, als dieselbe die Grundlage jeder Schriftstellerei über\nKunst bilden muss, sich zum Hauptzwecke setze, den in\nden Rheinlanden und im ganzen deutschen Vaterlande\nlebenden Sinn für Musik zu pflegen, zu läutern und zu\nverstärken.\nDiese Hoffnung hat uns nicht getäuscht. Unser Stre-\nben, allen Gebildeten, die sich von mannigfach bewegten\nLebens- und Berufsgeschäften an der Tonkunst gern er-\nheben und erfrischen, eine Veranlassung zu geben, ihre\nLiebe zur Kunst und ihre Theilnahme an den Erscheinun-\ngen in derselben durch gesunde Nahrung und durch An-\nleitung zu tieferem Eingehen auf das Wesentliche in der\nLehre vom Schönen zu steigern und zu stärken, und die\nArt und Weise, wie wir im Vereine mit Männern von\nWissenschaft und Charakter nach festen Grundsätzen die-\nses Streben zu verwirklichen getrachtet haben, hat eine\nderartige Unterstützung gefunden, dass wir heute den\nsiebenzehnten Jahrgang unserer Musik-Zeitung (drei\nJahrgänge bei M. Schloss und dreizehn bei M. DuMont-\nSchauberg) beginnen und den Dank für die thätige Mit-\nwirkung von Gesinnungsgenossen und für die rege Theil-\nnahme des Publicums aussprechen können. Die letztere ist\num so dankbarer von uns anzuerkennen, als das nach al-\nlen praktischen Richtungen hin bewegte Leben das In-\nteresse der Menschen in so hohem Grade in Anspruch\nnimmt, dass denjenigen Bestrebungen wenig Raum ge-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660106-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4399, "texte": "lassen ist, die nicht ein sichtbares, handgreifliches Ergeb-\nniss zum Ziele haben, sondern für die Erwerbung derje-\nnigen unsichtbaren Güter wirken, welche durch die Pflege\ndes Idealen im Gegensatze zum Praktischen für die\nMenschheit gewonnen werden. Man kann eine treu blei-\nbende Betheiligung eines weit verbreiteten Kreises von Le-\nsern für irgend ein Kunstblatt immer als einen erfreulichen\nBeweis dafür ansehen, dass gerade die neueste Zeitrich-\ntung doch in vielen Menschen den Werth innerer Befrie-\ndigung als unentbehrlich für wirkliches Glück empfinden\nlässt, dass die Nothwendigkeit der Entwicklung des Hö-\nheren im Menschen durch die Pflege der sittlichen Keime\nmehr wie je zur Anerkennung kommt. Und wer wollte\nder Kunst überhaupt und im Besonderen der Tonkunst\ndie Bestimmung und die Kraft absprechen, im Vereine\nmit der Religion die Sache des Seelischen gegen den An-\ndrang des Materiellen zu führen, und dem Menschen durch\ndie Belebung des Sinnes für das Schöne das stärkste Ge-\ngengewicht gegen die Anziehungskraft des Gemeinen zu\nverleihen?\nEben so viel werth, als die Theilnahme des Publi-\ncums, und eine erhebende Aufmunterung, die eingeschla-\ngene Bahn zu verfolgen, ist uns die Zustimmung so vieler\nbedeutender Künstler und Männer vom Fach im In- und\nAuslande gewesen. Sie war vom Anbeginn unseres Unter-\nnehmens an um so mehr eine Stütze unseres Bewusstseins,\nals wir nicht nur mit den gewöhnlichen Schwierigkeiten\neines neuen literarischen Unternehmens zu kämpfen hatten,\nsondern hauptsächlich gegen die Anmaassung auftreten\nmussten, welche die Producte des damaligen politischen\nGährungs-Processes grundsätzlich auf die Kunst und ihre\nTheorie Behufs einer radicalen Umwälzung derselben\nübertragen wollte. Diese Zustimmung der tüchtigsten\nKunstgenossen hat sich seit der Gründung des Blattes nie-\nmals verläugnet, wenn sie auch nach den Verhältnissen\nder jetzigen Welt, die auf Convenienz und Connivenz und\nallen möglichen Sorten äusserer Rücksichtnahme beruht,\nnicht immer öffentlich zu Tage tritt.\nDer Versuch, politische Verhältnisse und Theorieen\nauf Kunst und Künstler zu übertragen, führte denn auch\ndahin, dass sich unter den Tonkünstlern Parteien bildeten,\nund dass man sogar die Behauptung aufstellte, ein Kunst-\nblatt müsse, wie ein politisches, eine bestimmte Partei-\nfarbe haben! Und es blieb nicht bloss bei der Behaup-\ntung, sondern es entstanden wirklich musicalische Zeit-\nschriften, die ganz offen „die Partei\" zur Fahne nahmen,\nohne daran zu denken, dass sie damit auch das Wort\n„Parteilichkeit\" in seiner gewöhnlichen Bedeutung für\ndie Richtschnur ihres kritischen Verfahrens erklärten.\nSolche Blätter arbeiteten dann im Sinne von Lebens- oder\nvielmehr Unsterblichkeits-Versicherungsbanken, hoben\nEinen auf den Schild und sahen die Anderen über die\nAchsel an, Hessen ihn aber bei Gelegenheit auch wieder\nfallen, wenn unter der Zeit eine neue Sonne am Horizonte\nerschienen war und ihren Zeitungs-Planeten erwärmt\nhatte, oder wenn sie es für zweckmässig fanden, in eine\nLob-Assecuranz-Gesellschaft auf Gegenseitigkeit einzutre-\nten. Für die Genossenschaften letzterer Art hat die deut-\nsche Sprache mit Ausnahme des kölner Provincialismus\n„Klüngel\" kein Wort; die Franzosen, von denen die\nSache herstammt, haben in den Worten clique, coterie,\ncamaraderie Ueberfluss an Ausdrücken dafür.\nNun, dass wir dieses moderne Zunftwesen gründlich\nhassen und demselben stets fremd geblieben sind, davon\ngeben die sechszehn Jahrgänge der „Niederrheinischen\nMusik-Zeitung\" in jeder Nummer Beweise. Die Unabhän-\ngigkeit der äusseren Lage und die günstige Stellung\nder Redaction einer Verlagshandlung gegenüber, die sich\nweder mit Verlag, noch mit Sortiment von Musicalien be-\nfasst, machen es uns leicht, allen Einflüssen von aussen,\nsowohl feindlicher als freundlicher Natur, uns zu entziehen,\nund gewiss sind die letzteren oft mächtiger, als die erste-\nren und stellen bei dem Kritiker die parlamentarische\nPflichtübung der Ueberzeugungstreue, welche das Publi-\ncum, dessen Meinung er leiten soll, von ihm zu fordern\nberechtigt ist, oft auf die Probe. Der Anwalt der Kunst\nmuss eben so wie der Anwalt des Rechtes im Dienste der\nWahrheit stehen: es kann ihm, wie denn auch uns, an\nder Kraft, sie zu erkennen, fehlen, aber an heiliger Liebe\nzu ihr, so wie an Muth, das, was wir als solche erkannt\nzu haben meinen, zu vertheidigen, soll es uns niemals\nmangeln.\n\nL. Bischoff."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-01-06-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-01-06_01#c003", "volume": "bmtnabi_1866-01-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "2", "page_fin": "4", "image_debut": 2, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660106-01.2.3", "titre_corps": "Die erste Aufführung von Beethoven’s neunter Sinfonie.", "titre_sommaire": "Die erste Aufführung von Beethoven’s neunter Sinfonie.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660106-01.1.2", "debut_caractere": 4401, "fin_caractere_exclue": 5169, "texte": "Die erste Aufführung von Beethoven’s neunter\nSinfonie.\nWenn ein alter römischer Geschichtschreiber sagt,\ndass die Krankheiten der sittlichen und geistigen Ent-\nwicklung der Menschen sich verderblich forterben und die\nHeilmittel dagegen oft gar nicht, jedenfalls aber nur sehr\nlangsam wirken, so bewährt sich diese Wahrnehmung\nnicht bloss im Leben der Völker, sondern auch in der\nWissenschaft und in der Kunst, ja, im alltäglichen Ver-\nkehr der Menschen. Wie in diesem z. B. das Calumniare\naudacter, Semper aliquid haeret („Verleumde nur drauf\nlos, es bleibt immer etwas davon hangen\") sich leider be-\nwährt, so arbeitet die Wissenschaft in vieler Hinsicht bis\nzur Stunde gegen allerlei Vorurtheile und Krankheiten\nder Vernunft vergebens, und die Kunst erwehrt sich nur"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660106-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5336, "texte": "mit Mühe der Epidemie krankhafter Anschauungen über\nihr eigentliches Wesen. Um solchen Anschauungen Ver-\nbreitung und Einfluss zu verschaffen, wird dann unter den\nMitteln keine strenge Wahl getroffen, und eines der be-\nliebtesten für den erstrebten Zweck ist die Verfälschung\nder Geschichte, wobei der öffentliche Klatsch und die\nleichtgläubige Nachbetung treffliche Dienste leisten.\nSo geht es denn auch in der Tonkunst, wo die neueste\nSchule immer und immer wieder trotz unzähliger Wider-\nlegungen die Fabel vorbringt, dass die Werke der gröss-\nten Meister, namentlich Beethoven's, zuerst verkannt und\nverhöhnt worden wären und sich erst bei dem Geschlechte,\ndas nach dem Tode des Meisters aufgeblüht, Bewunderung\nerrungen hätten; folglich sei es ganz natürlich, dass die\nWerke dieser reformatorischen Schule ebenfalls erst bei\nder zukünftigen Kunstwelt ihre Anerkennung finden wür-\nden. Dergleichen Behauptungen finden dann in den\nKlatschblättern aller Art, musicalischen, belletristischen\nund politischen, ihren Wiederhall, und mag das Gegen-\ntheil noch so urkundlich dargethan werden, die Menge\nbleibt bei ihrem Glauben an die Unwahrheit gerade so\nfest, wie jener Bauer, welcher, obwohl durch den Augen-\nschein belehrt, dass vor der Eisenbahn-Locomotive kein\nPferd in Thätigkeit sei, mit Zuversicht ausrief: „Dann\nsteckt das Pferd drin!\"\nSo bringt denn auch Herr J. B. A Ilfeld in seiner\nzu München erschienenen Broschüre „Tristan und Isolde\"\ndie Fraubaserei wieder vor, dass Beethoven bis in die\nvierziger Jahre des neunzehnten Jahrhunderts gänzlich\nverkannt und als ein melodieloser (!) Verstandes-Compo-\nnist verworfen worden sei! Und da dergleichen Angaben\nbesonders gern durch pikante Geschichtchen gewürzt zu\nwerden pflegen, so wird auch hier nicht unterlassen, in\neiner Anmerkung zu berichten:\n„Eine niedliche (?) Illustration dieses Satzes dünkt\nuns die wahre (?) Anekdote, dass die berühmte hohe Soj\npranistin (?) Unger-Sabatier bei der Hauptprobe (!)\nder „ „Neunten\"\" Beethoven die Noten vor die Füsse warf\nund weinend erklärte, dass man eine solche musik\nnicht singen könne.\"\nSo viel Zeilen, so viel Unwahrheiten! Erstens war die\nUnger keine „hohe Sopranistin\", sondern ein Mezzo-So-\npran, und sang in der neunten Sinfonie die Solo-Partie\ndes Alts, während bekanntlich Henriette Sontag die So-\npran-Partie ausführte. Zweitens ist die Sängerin Caroline\nUnger überall als eine so gebildete Dame bekannt gewe-\nsen, dass sie sich einer so derben Redensart, wie Herr\nAllfeld ihr in den Mund legt, die man allenfalls bei einem\nManne, z. B. von Bülow, durch leidenschaftliche Gereizt-\nheit entschuldigen kann, nie hat schuldig machen können,\neben so wenig einer Beleidigung des allverehrten Meisters\ndurch Vordiefüssewerfen seiner Composition! Die Unger,\nspäter sehr vortheilhaft an Herrn Sabatier verheirathet, war\ndamals 23 Jahre, die Sontag 19 Jahre alt, und obwohl\nBeide, fast nur an italiänische Cantilenen gewöhnt, den\nMeister um Erlaubniss zu einigen Aenderungen angingen,\nso waren sie doch weit davon entfernt, einem Manne wie\nBeethoven mit Anmaassung entgegen zu treten, was ihre\nJugend und damalige Stellung in Wien, die ihren nach-\nherigen Buf erst begründete, selbstredend als ganz un-\ndenkbar erscheinen lässt. Dass nun die Unger in der\nHauptprobe jene gemeine Scene aufgeführt haben\nsolle, als wenn sie da erst die Stimme vom Blatt gesungen\nhätte, ist vollends arg!\nHat denn aber Herr Allfeld, ehe er als musicalischer\nSchriftsteller derr Ausdruck „wahre Anekdote\" gebrauchte,\nnicht den Bericht Schindlers über das Benehmen der\nbeiden Damen beim Studiren ihrer Partieen am Ciavier\nbei Beethoven nachgelesen? Er lautet Th. 11, S. 75:\n„Ein anderer charakterisirender Beitrag betrifft die\nVorgänge beim Einüben der Solostimmen aus der Missa\nund dem vierten Satze der Sinfonie zwischen Beethoven\nund den Sängerinnen der Sopran- und der Alt-Partie.\nVorab muss gesagt sein, dass die beiden noch jugend-\nlichen, bis dahin meist mit italiänischer Musik erzogenen\nSängerinnen von der Grösse und Schwierigkeit der zu\nleistenden Aufgabe nicht den richtigen Begriff gehabt.\nBeide befanden sich im Glauben, dass die ihrer Stimme\nunbequemen Noten wohl in bequemer liegende werden\numgesetzt werden können. Die Vorproben wurden in\nBeethoven's Behausung abgehalten, und dieser führte die\nStimmen am Flügel. Der Wunsch der Henriette Sontag,\nfür's Erste mit ihrem gewohnten Mezza voce singen zu\ndürfen, ward zugestanden, gleichwohl dies hindernd für\ndie Altistin und anstrengend für das schwache Ohr Beet-\nhoven's gewesen. Als es aber nachgerade mit der Sache\nernster und ernster genommen worden und der Meister\ndie volle Bruststimme zu hören verlangte, als das Christe\nim Kyrie der Missa in seinem breiten Bhythmus mit\nPfundnoten intonirt werden sollte, da erlahmten beide\n„ „schöne Hexen\"\" und begannen mit dem ernsten Meister\nzunächst um das Tempo dieses Satzes zu unterhandeln, es\nbewegter wünschend. Abgeschlagen, wie begreiflich, und\nzwar in heiterster Laune. Als es mit dem Sinfoniesatz\nErnst geworden und der Meister in gar keine der gebe-\ntenen Abänderungen willigen wollte, da trübte sich der\nHorizont, und Caroline Unger hatte den Muth, den obsti-\nnaten Meister geradezu einen Tyrannen aller Singorgane\nzu nennen. Beethoven erwiederte lächelnd, sie seien beide\ndurch die italiänische Musik verwöhnt, darum ihnen sol-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660106-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4219, "texte": "che schwer falle. „„Aber diese Höhe hier,\"\" replicirte\ndie Sontag, auf die Stelle: Küsse gab sie uns und Reben,\nzeigend, „ „lässt sie sich nicht abändern?\"\" »»Und\ndiese Stelle\"\", die Unger nachfolgend, „„liegt für die\nmeisten Altstimmen zu hoch; lässt sie sich nicht abän-\ndern?\" \" Nein! und immer nein! „ „So quälen wir\nuns denn in Gottes Namen weiter!\"\" endigte die Sontag.\"\nWozu nun aber eine solche Entstellung der Wahr-\nheit bei Herrn Allfeld und vielen Anderen? Einzig und\nallein, um die Menge zu überreden, dass die neunte Sin-\nfonie durchgefallen sei und erst jetzt zur Geltung komme,\ndass folglich Wagner's und Liszt's und ihrer Genossen\nWerken auch erst das kommende Geschlecht die Lorber-\nkrone reichen werde!\nNun ist aber die Behauptung des Durchfallens eben\nso falsch, wie die „niedliche Illustration\" derselben. Man\nhöre Schindler (11., S. 71):\n„Was den künstlerischen Erfolg dieses denkwürdigen\nAbends betrifft, so konnte er wohl mit jedem bis dahin\nin diesen altehrwürdigen Räumen erlebten einen Vergleich\naushalten. Leider, dass der allverehrte Mann, dem er ge-\ngolten, nichts davon gehört hatte. Er zeigte dies, indem\ner bei dessen Ausbruch am Schlüsse der Aufführung der\nbegeisterten Versammlung den Rücken zukehrte. Da hatte\nCaroline Unger den guten Gedanken, den Meister nach\ndem Proscenium umzuwenden und ihn auf die Beifallsrufe\ndes Hüte und Tücher schwenkenden Auditoriums auf-\nmerksam zu machen. Durch eine Verbeugung gab er sei-\nnen Dank zu erkennen. Dies war das Signal zum Los-\nbrechen eines kaum erhörten, lange nicht enden wollen-\nden Jubels und freudigen Dankgefühls für den gehabten\nHochgenuss.\"\nUnd ferner den Berichterstatter in der leipziger Allg.\nMusik-Zeitung, 1824, S. 437:\n„Aber wo soll ich Worte hernehmen, meinen theil-\nnebmenden Lesern Bericht zu erstatten über diese Riesen-\nwerke, und zwar nach einer hinsichtlich der Gesang-\npartie wenigstens noch keineswegs genugsam abgerunde-\nten Production, wozu auch die Statt findenden zwei Proben\nbei so aussergewöhnlichen Schwierigkeiten nicht hinreich-\nten, mithin auch weder von einer imponirenden Gesammt-\nkraft, noch von einer gehörigen Vertheilung von Licht\nund Schatten, vollkommener Sicherheit der Intonation,\nvon feineren Tinten und nuancirtem Vortrage eigentlich\ndie Rede sein konnte. Und dennoch war der Eindruck\nunbeschreiblich gross und herrlich, der Jubelruf enthu-\nsiastisch, welcher dem erhabenen Meister aus voller Brust\ngezollt wurde, dessen unerschöpfliches Genie uns eine neue\nWelt erschloss, nie gehörte, nie geahnte Wundergeheim-\nnisse der heiligen Kunst entschleierte!\" Weiterhin:\n„Einem niederschmetternden Donnerstreich vergleichbar,\nkündet sich das Finale (D-moll) mit der grell durch-\nschneidenden kleinen None über den Dominant-Accord\nan. Potpourriartig werden in kurzen Perioden alle bisher\ngehörten Haupt-Themata, wie aus einem Spiegel reflectirt,\nuns noch einmal in bunter Reihenfolge vorgeführt; da\nbrummen die Contrabässe ein Recitativ, das gleichniss-\nweise wie die Frage klingt: „ „Was soll nun geschehen?\" \"\nund beantworten sich selbst mit einem leise wogenden\nMotiv in der Dur-Tonart, woraus durch den allmählichen\nBeitritt sämmtlicher Instrumente in wunderherrlichen Bin-\ndungen, ohne Rossini'sche Brillenbässe und Terzengänge,\nin gemessenen Abstufungen ein allgewaltiges Crescendo\nsich entwickelt; als aber endlich nach einer Aufforderung\ndes Solo-Basses auch der volle Chor in majestätischer\nPracht das Loblied der Freude anstimmt, da öffnet das\nfrohe Herz sich weit dem Wonnegefühle des seligen Ge-\nnusses, und tausend Kehlen jauchzen: Heil! Heil! Heil der\ngöttlichen Tonkunst! Lob, Preis und Dank deinem wür-\ndigsten Hohenpriester! Referent sitzt nun abgekühlt\nam Schreibpulte, doch unvergesslich wird ihm dieser Mo-\nment bleiben; Kunst und Wahrheit feiern hier ihren glän-\nzendsten Triumph, und mit Fug und Recht könnte man\nsagen: non plus ultra!\"\nUeber die Unbill, welche die Broschüre von Allfeld\nder Sängerin Unger angethan, ereifert sich als Zeitgenosse\nund langjähriger Freund der Künstlerin auch L. von Sonn-\nleitner in Wien (Recens. Nr. 51 v. vor. J.) als „Augen-\nund Ohrenzeuge\" bei den Proben der neunten Sinfonie\nund weist die derselben zugemuthete „Gemeinheit\" ener-\ngisch zurück."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-01-06-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-01-06_01#c004", "volume": "bmtnabi_1866-01-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "4", "page_fin": "7", "image_debut": 4, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660106-01.2.4", "titre_corps": "Aus Frankfurt am Main.", "titre_sommaire": "Aus Frankfurt am Main.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660106-01.1.4", "debut_caractere": 4221, "fin_caractere_exclue": 4964, "texte": "Aus Frankfurt am Main.\nDen 31. December 1865.\nDie diesjährige musicalische Saison hat bei uns aus-\nsergewöhnlich früh begonnen; schon zu Anfang Octobers\nfanden die ersten Concerte Statt, und zwar war es diesmal\ndie Quartettmusik, welche den Reigen eröffnete. Lassen\nSie mich also von dieser zuerst reden.\n0\nDie Quartett-Productionen, welche wir im October\nund November zu hören bekamen, wurden an vier Aben-\nden veranstaltet von den Gebrüdern Müller, an zwei Aben-\nden von dem einheimischen Quartette und ebenfalls an\nzwei Abenden von dem französischen Quartette Maurin-\nCbevillard.\nDie Gebrüder Müller hatten vielen Erfolg. Wir sind\nhier allerdings durch das Straus'sche Quartett, welches\nJahre lang eine musicalische Zierde unserer Stadt war"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660106-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5383, "texte": "verwöhnt. In demselben war die erste Geige ausgezeichnet,\nauch die übrigen Instrumente ebenbürtig; alle Mitspieler\nordneten sich trefflich unter und waren aufs beste in ein-\nander eingespielt. Bei dem Müller'schen Quartette ist das\nZusammenspiel die hervorragendste Eigenschaft, die erste\nund zweite Geige hingegen sind hinsichtlich des Tones\nund der Technik den beiden anderen Instrumenten nach-\nstehend. Auch fanden die grossen Freiheiten im Tempo,\nwelche sich die Künstler oft und besonders auch in clas-\nsischen Quartetten herausnehmen, viele Gegner. Am vor-\nzüglichsten gelang denselben der Vortrag Schubert'scher\nund Schumann'scher Quartette, die offenbar mit beson-\nderer Vorliebe einstudirt sind. Als eine interessante Be-\nkanntschaft erwies sich ein Quartett des alten Dittersdorf,\nwelches durchweg frisch ist und in seinen beiden letzten\nSätzen, einer Menuett und einem an Zigeunermusik an-\nklingenden Finale, sogar originel.\nDiesen renommirten Künstlern, so wie auch später\nden pariser Quartettisten gegenüber hatte das einheimi-\nsche Quartett einen schweren Stand, um so mehr, als es\nwiederum neu zusammengesetzt war. Der treffliche Cellist\nHermann Brinkmann aus Hagen, seit Jahren hier ansäs-\nsig, ist leider durch Krankheit verhindert, in diesem Win-\nter mitzuwirken. Ein vorzüglicher Ersatz war für die zwei\nersten Soireen in Herrn Valentin Müller (aus Münster)\ngefunden, der aber jetzt nach Paris, seinem bisherigen\nDomicile, zurückgekehrt ist. So bestand also das Quartett\naus den Herren Hugo Heermann, Rupp, Becker,\nWelcker und Müller. Die Leistungen an beiden Aben-\nden waren sehr gut, so dass man lebhaft zu bedauern\nhat, dass die Continuität des Quartettes abermals unter-\nbrochen wird. Heermann ist bekanntlich ein sehr elegan-\nter Geiger, der allerdings mehr zum Concertspiel hinneigt.\nHerr Val. Müller fand grossen Beifall wegen seines schö-\nnen Tones und seines eben so technisch gewandten wie\ngeschmackvollen Vortrages. Auch der Pianist Wallen-\nstein wirkte an diesen Abenden mit in der Violoncell-\nSonate in B-dur von Mendelssohn und in dem B-dur-\nTrio von Schubert, welches letzere in seltener Vollendung\nzur Ausführung kam.\nDie Herren Maurin, Sabatier, Mas und Che vi 1-\nlard haben bereits vor zehn Jahren hier die begeistert-\nsten Freunde erworben; ihr diesjähriges Erscheinen hat\ndie alte Flamme wieder angefacht. Sie kennen ja auch in\nKöln dieses geistvolle Künstler-Quartett. Sie wissen, wie\ndiese trefflichen Männer sich in wahrhaft aufopfernder\nWeise dem Cultus unseres grossartigsten deutschen Ton-\ndichters geweiht haben. Es ist eine wahre Freude, wie\nsie die genialen, tiefsinnigen Quartette aus der letzten Pe-\nriode dem Hörer zurechtlegen, erläutern und zugänglich\nmachen. Die klare Auseinandersetzung, die Phrasirung ist\nbewundernswürdig, und dabei die Virtuosität so vollkom-\nmen, dass die enormen Schwierigkeiten jener Werke den\nHörer gar nicht berühren. Nur hinsichtlich des Gesammt-\ntones, des Klanges, finden wir Manches auszusetzen. Vieles\nkam uns etwas matt und klein vor. Das mag daran liegen,\ndass die Auffassung der Künstler doch hier und da etwa\nfranzösisch ist. Die deutsche Auffassung würde Manche\nin frischer, saftiger, gleichmässiger Farbe vorziehen, wäh\nrend hier Manches zu stark accentuirt, Manches zu farblos\nklingt. Viele wollten den Künstlern eine gewisse Ermü-\ndung anhören. Jedenfalls ist die edle Richtung, das tiefe\nEindringen in den Beethoven'schen Geist, die ausserordent-\nliche Klarheit in hohem Grade anzuerkennen und zu be-\nwundern.\n%\nIn den Monaten October und November fanden vier\nMuseums-Concerte Statt, von welchen ich Ihnen zunächst\nsprechen will. Die aufgeführten Symphonieen waren zwei\nvon Beethoven, eine wenig bekannte von Haydn in Es-dur,\nliebenswürdig, aber nicht so bedeutend, wie viele andere,\nund Symphonie-Fragmente von Franz Schubert. Diese\nFragmente, zusammen vier Sätze, die aus drei Symphonieen\nentnommen sind, wurden in derselben Zusammensetzung\nbereits früher in Wien gespielt; sie sind so interessant,\ndass wir einen Augenblick dabei verweilen müssen.\nFranz Schubert hat bekanntlich sieben Symphonieen\nhinterlassen; nur die letzte, grosse und berühmte in\nist veröffentlicht. Nebenbei gesagt, ist dies letztere Sym-\nphoniewerk hier ungemein beliebt und seit dem Jahre\n1841 bereits dreizehn Mal zur Aufführung gekommen.\nDie übrigen Symphonieen Schubert's datiren fast alle aus\nseiner Jugendzeit; nur eine in H-moll (jedoch auch nur\nFragment in zwei Sätzen) ist aus dem Jahre 1822 und\nhat bei ihrer jüngst Statt gefundenen ersten Aufführung\nin Wien ausserordentlich gefallen. Die im Museums-Con-\ncerte gehörten Fragmente enthalten zwei Sätze der so ge-\nnannten tragischen Symphonie in (1816), ein\nScherzo der sechsten Symphonie in C-dur (1818), ein Fi-\nnale der D-dur-Symphonie (1815).\nAlle vier Sätze sind von grossem Reiz und athmen\nbereits echt Schubert'schen Geist. Ein Vergleich mit der\ngrossen C-c?wr-Symphonie ist freilich nicht zu ziehen; diese\nletztere ist wohl sein reifstes Werk und erst im März 1828,\nein halbes Jahr vor Schubert's Hinscheiden, vollendet.\nDer erste Satz in C-moll,lntroduction und Allegro,\nhat mehr den Charakter einer Ouverlure; er bat ernste,\naber keineswegs den Namen der Symphonie rechtferti-\ngende Motive und ist der wenigst bedeutende der vier Sätze.\nDer zweite Satz, Andante in As-dur, ist von reizen-\nder Schönheit. Er beginnt mit einer zarten, sanften Me-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660106-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5217, "texte": "lodie, die in mannigfachster Weise nnd in eigentümlich-\nsten Instrumental-Effecten fortgesponnen wird, bis ein\nMinore in F-moll mit grossartigeren Accenten auftritt und\nschliesslich in höchst origineller Weise wieder zum ersten\nThema zurückleitet. Auch der leise verhauchende Schluss\nist von zauberhafter Wirkung.\nDas Scherzo ist wohl der musicalisch werthvollste\nder vier Sätze und erinnert lebhaft an Beethoven'sche\nVorbilder. Das Trio, originel, aber zugleich absonderlich,\nbefriedigt beim ersten Hören weniger. Dieses Scherzo\nlässt darauf schliessen, dass die sechste Symphonie in ihrer\nTotalität bekannt zu werden verdiente; dieselbe ist nur\nein einziges Mal in Wien im Frühling 1829 (kurz nach\ndem Tode Fr. Schubert's), aber ohne Erfolg aufgeführt\nworden.\nDas Finale aus der Z)-c?wr-Symphonie endlich ist ein\njugendlich feuriges, rasch dahinbrausendes Allegro von\nprächtiger Wirkung.\nZu bedauern wäre, wenn diese Symphonieen nicht\nsämmllich der Welt durch den Stich bekannt würden,\neben so wie viele andere Werke, die noch ihrer Erlösung\nharren. Doch scheint jetzt etwas lebhaftere Bewegung\nin die Eigenthümer des werthvollen musicalischen Nach-\nlasses gekommen zu sein; die Verlagshandlung C. A. Spina\nhat bereits in diesem Winter mehrere Werke (Entreacte\nzu Rosamunde, Lazarus, Ouvertüre im italiänischen Stile)\nedirt. Capellmeister Herbeck in Wien ist es hauptsächlich,\nder sich um die allmähliche Tilgung dieser alten Schuld\nverdient gemacht hat.\nDie Instrumental-Solisten, welche in den genannten\nvier Concerten mitwirkten, waren die Herren St. Saens\nund Joachim, Frau Clara Schumann, Herr Coss-\nmann.\nHerr St. Saens (Organist an der Madeleine in Paris)\nist ein ganz vortrefflicher Künstler, der sich jedoch dem\ngrossen Publicum nicht sympathisch zu machen verstand.\nEr spielte mit grosser Bravour und vielem Geschmacke\ndas Clavier-Concert in Es-dur von Mozart, ein eben so\nschönes wie selten gehörtes Werk; sein etwas trockener\nTon, theilweise anders geartete Auffassung, als man sie\nhier gewohnt ist, zu grosse Wandelbarkeit in den Tempi\ndämpften jedoch den Beifall, den er für vorzügliche Tech-\nnik und geistreiche Feinheit in höherem Grade verdient\nhätte. Seine Transscriptionen Bach'scher Compositionen\nsind trefflich gemacht und müssen den Musikfreund aus-\nserordentlich interessiren. Unsere Puristen glaubten mit\nUnrecht, dass er diese Bach'schen Sachen wohl mehr aus\nHuldigung der Mode spiele, als aus wirklichem Interesse,\nweil er denselben eine allerdings sehr modern behandelte\nTransscription Gounod'scher Faust-Motive folgen liess.\nJoachim, der seit sieben Jahren sich hier nicht halte\nhören lassen, enthusiasmirte natürlich Kunstfreunde und\nPublicum im höchsten Maasse. Es wäre überflüssig, noch\netwas zu dem Ruhme dieses grossen Künstlers hier bei-\nfügen zu wollen. Im Museums-Concerte spielte er das\nMendelssohn'sche Concert. Dann veranstaltete er mit\nFrau Clara Schumann zusammen noch eine Kammer-\nmusik-Soiree im grossen Saale, welche stark besucht war.\nDie strenge Gediegenheit des Programms, das nur ernste\nMusikstücke ohne die Abwechslung von Gesangsnummern\nbot, hatte allerdings das Logen-Publicum, welches nür\nleichteren Genüssen hold ist, abgehalten, zu erscheinen.\nDer Beifall war auch hier ein begeisterter. An diesem\nAbende stellte auch Frau Schumann ihre Tochter, Fräu-\nlein Elise Schumann, welche sich hier als Musiklehrerin\nniedergelassen hat, vor, indem Mutter und Tochter das\nAndante und Variationen für zwei Pianoforte von Robert\nSchumann vortrugen.\nIm dritten Museums-Concerte war Frau Clara Schu-\nmann mit liebenswürdiger Bereitwilligkeit für die er-\nkrankte Frau Szarvady rasch eingetreten; sie spielte das\nBeethoven'sche Es-dur-Concert mit der ganzen Meister-\nschaft, die ihr längst den ersten Rang unter den Pianisten\neingeräumt hat.\nHerr Cossmann aus Weimar trug im vierten Mu-\nseums-Concerte das neue Violoncell-Concert von Anton\nRubinstein vor. Bei der grossen Armuth, welche in der\nLiteratur für dieses Instrument herrscht, ist es anzuerken-\nnen, dass die tüchtigsten der jüngeren Componisten sich\nbestreben, zur Bereicherung dieser Literatur etwas beizu-\ntragen. Wenn sie sich aber auch nur vor allen Dingen\nbemühen wollten, dankbar für das obligate Instrument\nzu schreiben, anstatt dass sie meist grossartige, sympho-\nnisch gehaltene Sätze zu produciren geneigt sind. Das Ru-\nbinstein'sche Werk missfiel so entschieden, wie selten ein\nanderes neues Werk, und wenn man ohne Vorliebe oder\nAbneigung sein Urtheil abgeben will, so muss man sich\neingestehen, dass es unter jeder Bedingung einen höchst\nunerquicklichen Eindruck machte, trotzdem, dass es von\neinem der ersten Cellisten ausgezeichnet vorgetragen\nwurde. Die Schwierigkeiten für den Spieler sind enorm,\naber er hat keinen Vortheil von seiner Mühe, denn sie\nsind zugleich höchst undankbar. Die Motive sind (wie oft\nbei Rubinstein) schön und eigenthümlich, aber eine Ver-\narbeitung der Motive erwartet man vergebens. Phanta-\nsieen und Vorbereitungen füllen die Lücken aus. Bestän-\ndig glaubt man in einer Introduction zu sein und erwartet\ndas Schönste und Grösste: aber es erscheint nicht. Wirk-\nlichen Gesang, wie ihn das Violoncell bedarf, findet man\nnur im zweiten Satze, aber auch hier ist der ruhige Ge-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660106-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1395, "texte": "Nuss durch absonderliche Einfälle getrübt. Der dritte Satz\nendlich überbietet sich in barocken Rhythmen, verletzen-\nden Modulationen und höchst undankbaren Passagen. So\nwar allerdings der Eindruck nach einmaligem Hören;\nmöglich, dass das Coneert bei näherer Einsicht etwas\ngewinnt.\nDer gesangliche Theil dieser Concerte brachte zwei\nChöre von Beethoven (Elegischer Gesang, Meeresstille)\nund das reizende und hier ausserordentlich beliebte Zi-\ngeunerleben von Hob. Schumann, so wie Vorträge von\nFrau Csi]lag, Herrn Hauser aus Karlsruhe und Fräu-\nlein von Edelsberg. Frau Csillag, die früher höchst\nrenommirte wiener Sängerin, hat die Gewalt über ihre\nStimme fast gänzlich verloren und machte vollständiges\nFiasco. Herr Hauser ist ein wohl auch Ihnen bekannter,\nganz vortrefflicher Bariton. Der prachtvollen Altstimme\nund der technisch guten, aber etwas kalten Leistungen\ndes Fräuleins von Edelsberg (die nun bei dem berliner\nHoftheater angestellt ist) erinnern Sie Sich von den Musik-\nfesten. Was den Sologesang im Allgemeinen betrifft, so\nsind wir hier so schlimm daran, wie man es jetzt überall\nist. Die hiesige Oper bietet nicht viel, und das Wenige\nwird auch gewöhnlich für Concerte verweigert. Doch\nhaben wir für den Sologesang in den Oratorien einen\nSchatz in dem Bassisten Karl Hill, der auch von allen\nConcert-Instituten und Musikfesten Deutschlands vielfach\nbegehrt ist.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-01-06-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-01-06_01#c005", "volume": "bmtnabi_1866-01-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "7", "page_fin": "8", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660106-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660106-01.1.7", "debut_caractere": 1397, "fin_caractere_exclue": 6743, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nBarmen. Im dritten Abonnements-Concerte am 30.\nDecember v. J. wurde hier Schumann's „Paradies und Peri\" un-\nter Leitung des Musik-Directors Herrn Anton Krause aufgeführt*\nWeimar. Herr Mortier de Fontaine gab hier am 29.\nDecember v. J. ein Coneert im Saale der Erholung, worin er Cla-\nvier-Vorträge in chronologischer Folge von William Bird (1543)\nbis auf Kubin stein und Rheinberger (zweistimmige Fuge, Ma-\nnuscript) ausführte im Ganzen dreissig Stücke, wobei eine\nSonate von Domenico Scarlatti, die chromatische Phantasie und\nFuge von J. S. Bach, Beethoven's letzte Sonate Op. 111, ein hand-\nschriftliches Impromptu von J. N. Hummel, geschrieben in Weimar\nden 26. Mai 1836, u. s. w*\n*\nhaus-Concert Ihre rheinischen Leser besonders interessiren wird,\nso theile ich Ihnen die Stimmen der hiesigen Kritik mit.\nDas zehnte Coneert am 21. Dec. führte uns drei Gäste vom\nRheine vor: zuerst trat Fräul. Julie Rothenberger, Sängerin aus\nKöln, auf, die mit zwei grossen Arien aus Rossini's „Stabat Mater u\nmit Chor („Inflammatus et accensus\") und aus Mozart's „Figaro's\nHochzeit\" („Endlich nahet sich die Stunde\"), so wie mit zwei Lie-\ndern unter Begleitung des Pianoforte („Wonne der Wehmuth\" von\nBeethoven und „Sie sagen, es wäre die Liebe\" von Th. Kirchner)\nehrenvolle Aufnahme erzielte. Ferner Herr Concertmeister Leopold\nAuer aus Düsseldorf, von dem wir L. Spohr's neuntes Violin-Con-\ncert (in D-moll), Schumann's „Abendlied\" (instrumentirt von J.\nJoachim), ungarische Lieder von H* W. Ernst und als Zugabe (nach\nallgemeinem enthusiastischen Applaus mit Hervorruf) noch eine\nBach'sche Composition für Violine allein zu Gehör bekamen. Der\ndritte Gast endlich, Herr Theodor Gouvy, producirte sich als\nComponisten mit einer Manuscript-Novität: „Allegro, Siciliana, Mi-\nnuetto und Epilog\", für Orchester (welche er selbst dirigirte) und\nerrang sich damit Anerkennung seiner ersichtlichen natürlichen Be-\ngabung. Wir freuten uns, Herrn Auer wieder zu hören, und um\nso mehr, da seine jetzigen Leistungen glänzendes Zeugniss gaben,\ndass aus dem früher schon so überaus hoffnungsvollen Jünglinge\nein geistig gereifter Mann der Kunst geworden ist. Seine Vortrags-\nweise ist von edler Einfachheit, jede Phrase nicht nur durchdacht,\nsondern auch gefühlt; man hört sogleich heraus, dass die Nuancen\nin Tempo und Klang so und nicht anders, als Herr Auer sie bringt,\nsein müssen; dass dieselben nicht Producte berechnender Effect-\nhascherei sind, sohdern aus der Seele des Künstlers kommen, sogar\nda, wo sein Vortrag wie in den ungarischen Liedern mit Varia-\ntionen hauptsächlich doch die Vorführung brillanter und dabei\nschwieriger Virtuosen-Kunststücke zu bezwecken scheint. Was aber\nder junge Künstler nach Seite des innigen Ausdrucks in reizend\nwiedergegebenen Cantilenen zu leisten vermag, bewies er vorzüg-\nlich im Spohr'schen Concerte und in Schumann's „Abendlied\". Die\nungarischen Lieder von Ernst dagegen haben uns als Composition\nnicht besonders gefallen. Fräulein Rothenberger zeichnete\nsich durch gute Declamation und viel wahres Gefühl im Vortrage\naus, so wie auch ihre Gesangsweise im Allgemeinen recht lobens-\nwerth ist. Die Stimme selbst, einen absoluten Sopran, betreffend, so\nklangen die Töne des hohen Registers am schönsten und sympa-\nthischsten, wobei wir das leichte Ansprechen derselben betonen wol-\nlen. Die Gesangstechnik ist nicht unbedeutend und zeugt von vie-\nlem Fleisse und sogar von nicht geringer Routine. Am besten gefiel\nuns der Vortrag der Lieder und des Recitativs vor der Mozart'-\nschen Arie, weil hier eben die geistige Auffassung, die dramatisch-\ndeclamatorische Wiedergabe den ersten Platz einzunehmen berech-\ntigt ist. (L. Tagebl.)\nEin von dem Componisten mehrerer Sinfonieen, Theodor\nGouvy, schön gearbeitetes und nobel erfundenes Orchesterwerk, „Al-\nlegro, Sicilienne, Menuett und Epilog\", erfreute sich einer sehr\nfreundlichen Aufnahme; gewiss würde aber das sehr achtenswerthe\nTonstück eine noch grössere Wirkung erzielt haben, wenn einige\nWiederholungen die zwar nicht gerade neuen, aber recht interessan-\nten und mit feinsinnigem Colorit überzogenen musicalischen Zeich-\nnungen nicht ein wenig in die Länge gezogen hätten. Den gröss-\nten Enthusiasmus erregte das Violinspiel des Herrn Concertmeisters\nAuer aus Düsseldorf, welcher nach dem Vortrage des Spohr'schen\nD-moll-Concertes Nr. 9 einen zweimaligen stürmischen Hervor-\nruf erhielt und nach der Reproduction des von Joachim instrumen-\ntirten Abendliedes von Robert Schumann und der ungarischen Lie-\nder von Ernst mit so reichem Beifalle überschüttet wurde, dass der\nliebenswürdige Künstler noch eine Gavotte von Bach zugab. Gewiss\nist auch Herr Auer nicht allein ein Geiger ersten Ranges, sondern\ner ist ein Künstler, den man trotz seiner Jugend nur mit einem\nJoachim vergleichen kann. Orchester und Publicum waren durch\nden edlen, grossen Ton, durch den seelenvollen Ausdruck, durch\ndie bewundernswerthe Herrschaft über jede technische Einzelheit\nförmlich elektrisirt, und es steht fest, dass Joachim selbst mit dem\nberegten Concerte keine grösseren Triumphe im hiesigen Gewand-\nhaussaale gefeiert hat. Die am Rheine sehr geschätzte Concert-\nsängerin Fräulein Rothenberger, deren Vorträge warme Empfin-\ndung und recht anständige Gesangstechnik wahrnehmen liessen,\närntete nach der Interpretation zweier Lieder: a) „Wonne der Weh-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660106-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6066, "texte": "muth\" von Beethoven, b) „Sie sagen, es wäre die Liebe\" von Kirch-\nner, stürmischen Hervorruf, während ihr die Wiedergabe einer Arie\nmit Chorbegleitung (Thomaner-Chor) aus dem „Stabat Mater\" von\nRossini und der bekannten Arie der Susanne aus dem letzten Acte\nvon Mozart's „Figaro\" nicht geringen Beifall eintrug. (L. Z.)\nDie Sololeistungen des Abends bestanden in Violin- und Ge-\nsangs-Vorträgen. Mit den ersteren producirte sich Herr Concertmei-\nster L. Auer aus Düsseldorf, der das neunte Violin-Concert (.D-moll)\nvon Spohr, Schumann's Abendlied (instrumentirt von Joachim) und\nungarische Lieder von J. W. Ernst zu Gehör brachte. Wir erinnern\nuns nicht, in der diesjährigen Saison eine schönere Solo-Production\ngehört zu haben. Feuer, Grazie und Weichheit des Tones und Aus-\ndrucks, lebendige Durchdringung und Darstellung der Tonwerke\nund eine in jeder Beziehung vollendete Technik, wie sie wenigstens\nin den gewählten Compositionen sich zeigte, verliehen dem Vortrage\ndes Künstlers einen unwiderstehlich fortreissenden Zauber, der dem\nPublicum die enthusiastischsten Beifallsbezeigungen abnöthigte. Die\nmeiste Zündkraft äusserten Ernst's ungarische Lieder, die mit ihrem\nreich bewegten Leben allerdings schon allein die vielseitigste Ent-\nfaltung künstlerischer Fähigkeiten erfordern. Der rauschende Applaus\nveranlasste Herrn Auer zu bereitwilliger Zugabe eines Bach'schen\nTonstückes. Dem genannten Künstler gegenüber hatte Fräulein\nJulie Rothenberger aus Köln einen etwas schweren Stand. Um\nso höher ist der äussere Erfolg ihrer Leistungen anzuschlagen. Ihre\nVortragsstücke waren eine Arie mit Chor (Inflammatus et accensus)\naus dem „Stabat Mater\" von Rossini, Recitativ und Arie („Endlich\nnahet sich die Stunde\") aus „Figaro's Hochzeit\", „Wonne der Weh-\nmuth\" von Beethoven, und „Sie sagen, es wäre die Liebe\" von\nKirchner. Ihre Stimme besitzt äusserst angenehmen Vollklang und\nscheint uns besonders geeignet für getragene Sachen. Desshalb ge-\nlangen ihr am besten die Arie aus „Figaro\" und das Beethoven'-\nsche Gesangstück. Ein anfänglich zu stark sich geltend machendes\nTremoliren war wohl der ersten Befangenheit zuzuschreiben. Beson-\nders ist noch die deutliche Aussprache zu rühmen. Das Publicum\nlohnte der Sängerin mit reichem Beifalle und Hervorruf.\n(Neue Zeitschr. f. M.)\nWien« Am 14. December v. J. wurde das Jubiläum des Ca-\npellmeisters Adolph Müller am Theater an der Wien, der durch\nvierzig Jahre den Tactstab an dieser Stätte führte, gefeiert. Unter\nden vielen Angebinden, die der unter Fanfaren und Applaus be-\ngrüsste und sichtlich gerührte Jubilar an Tabaksdosen, Tactstöcken\nund Lorberkränzen erhielt, hat sich die gegenwärtige Direction aus-\nser dem grossmüthig zugestandenen Benefiz noch mit der ganz eigen-\nthümlich lautenden Gabe, nämlich mit der Erlaubniss eingestellt,\nseine seit Jahren im Pulte ruhende Operette „Heinrich IV.\" auffüh-\nren zu dürfen. Deutsche Componisten wissen gar Vieles von den\nJammer-Capiteln zu erzählen, welche Leidensgeschichten ihre mnsi-\ncalischen Musenkinder durchzuweinen hatten. Heute scheint dieses\nMartyrerthum keineswegs durch die mildere Denkungsweise holder\nDirectoren, mehr aber in Folge der Sterilität schaffender Geister\nimmer spärlicher aufzutreten* Der Jubilar konnte sein Werk hören\nund wir auch, und weder Componist noch Publicum dürfte es be-\nklagen. Ist es auch keine Musik von Originalität, namhaft melodi-\nscher Frische und grosser Erfindungsgabe, so weist sie doch manch\nsinniges Motiv, manch feinen Zug und viel rhythmische Farbe auf.\n* Bozen* Am 14. December v. J. gab der städtische Musik-\nverein im Theater das dritte Concert des nun abgeschlossenen\nVereinsjahres, wozu sich das Publicum sehr zahlreich versammelte.\nEs ward mit einer Ouvertüre in C von M. Nagiller eröffnet, welche\nhier zum ersten Male gehört wurde. Das schöne, mit vieler Form-\ngewandtheit elegant und lichtvoll durchgeführte Werk erhielt allge-\nmeinen Beifall. Dann folgte Mendelssohn's Concert-Arie, von Fräu-\nlein B. v. N. recht brav und wirkungsvoll mit schönem Verständ-\nnisse vorgetragen. Die Hauptnummer war „Erlkönigs Tochter\",\nBallade für Solo, Chor und Orchester von Niels W. Gade. Der\nErfolg der Ausführung durch ungefähr 140 Personen war ein ent-\nschiedener. Die Solisten waren ihrer Aufgabe vollkommen gewach-\nsen, die Chöre von ausgezeichnet schöner Wirkung, und auch das\nOrchester erwies sich der schwierigen Aufgabe gewachsen. Der\nMusik verein hat sich durch die Vorführung dieses Werkes ein neues\nVerdienst erworben. Die tüchtige Leitung des Herrn Nagiller und\nder Fleiss sämmtlicher Witwirkenden muss gebührend hervorgeho-\nben werden. In den letzten Jahren wurden mehrere grosse Vo-\ncalwerke, als „Der Tod Jesu\" von Graun, „Das Weltgericht\" von\nFr. Schneider, „Das Ende des Gerechten\" von Schiebt, „Die Schö-\npfung\" von Haydn, „Der Rose Pilgerfahrt\" von R. Schumann auf-\ngeführt.\nDie Direction der grossen Oper hat mit Verdi den\nVertrag gemacht, dass „La forza del destinou nicht zur Aufführung\nkommt, dagegen der Maestro eine neue Partitur auf einen französi-\nschen Text von Dulocle und Mery schreiben wird, durch welchen\ndiese Herren Schiller's „Don Carlos\" in eine Oper von fünf Acten\nverwandeln werden. Nun, „Die Räuber\" und „Louise Miller\" haben\nja die italiänischen Poeten auch schon für Verdi zurecht gemacht.\nAnders klingt es doch, wenn dieselbe Oper Mozart's „Don\nJuan\", der mit französischem Texte vor länger als zwanzig Jah-\nren in Paris gegeben wurde, wieder in Scene setzen will. Im\nThöätre lyrique macht Flotow's „Martha\" volle Häuser*\nIn Bologna ist Meyerbeer's „Africanerin\" zuerst in Italien\ngegeben worden und macht so volle Häuser, dass alle Bühnen Ita-\nliens die Hände nach der rettenden Partitur ausstrecken*\nTurin. Nachdem Adelina Patti in Florenz reichliche Spen-\nden an die Armen gegeben, trat sie am 22. December v. J. in Tu-\nrin zum ersten Male auf und erregte bei einem dermaassen gefüll-\nten Hause, dass die Einnahme 22,000 Fr. betrug, ungeheuren En-\nthusiasmus. Der König von Italien hat ihren Schwager und Lehrer\nMaurice Strakosch zum Ritter des heiligen Lazarus ernannt."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660106-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nVor- und Fürwort. Von L. Bischoff. Die erste Aufführung von Beethoven's neunter Sinfonie. Aus Frank-\nFurt am Main (Musicalische Saison Quartett-Productionen Museums-Concerte Instrumental-Solisten). Tages- und Unter-\nhaltungsblatt (Barmen,' drittes Abonnements-Concert Weimar, Concert von Mortier de Fontaine Leipzig, zehntes Gewandhaus-\nes oncert, rheinische Gäste, Stimmen der Kritik Wien, Jubiläum von Capellmeister A. Müller Bozen, Concert Paris u. s. w.).\n\nVor- und Fürwort.\n\nBeides möchten wir nach altem Sprachgebrauche ver-\nstanden und die wenigen folgenden Zeilen als dem neuen\nJahrgange vorhergehend und das Streben unserer Zeit-\nschrift überhaupt dem fortgesetzten Wohlwollen des mu-\nsicalischen Publicums empfehlend betrachtet wissen.\nAls wir im Jahre 1850 die Rheinische Musik-Zeitung\nim Verlage der Musicalienhandlung von M. Schloss grün-\ndeten, welche 1853 unter dem Titel „Niederrheinische\nMusik-Zeitung\" in den Verlag der M. DuMont-Schauberg'-\nschen Buchhandlung überging, hegten wir die Hoffnung,\ndass ein Unternehmen Theilnahme finden würde, welches,\ndie Tonkunst mit dem Leben zu vermitteln strebend, nicht\nfür Künstler allein, sondern auch für Freunde der Kunst\nin allen Ständen bestimmt sei, und der wissenschaftlichen\nBehandlung des Gegenstandes in so weit Raum verstat-\ntend, als dieselbe die Grundlage jeder Schriftstellerei über\nKunst bilden muss, sich zum Hauptzwecke setze, den in\nden Rheinlanden und im ganzen deutschen Vaterlande\nlebenden Sinn für Musik zu pflegen, zu läutern und zu\nverstärken.\nDiese Hoffnung hat uns nicht getäuscht. Unser Stre-\nben, allen Gebildeten, die sich von mannigfach bewegten\nLebens- und Berufsgeschäften an der Tonkunst gern er-\nheben und erfrischen, eine Veranlassung zu geben, ihre\nLiebe zur Kunst und ihre Theilnahme an den Erscheinun-\ngen in derselben durch gesunde Nahrung und durch An-\nleitung zu tieferem Eingehen auf das Wesentliche in der\nLehre vom Schönen zu steigern und zu stärken, und die\nArt und Weise, wie wir im Vereine mit Männern von\nWissenschaft und Charakter nach festen Grundsätzen die-\nses Streben zu verwirklichen getrachtet haben, hat eine\nderartige Unterstützung gefunden, dass wir heute den\nsiebenzehnten Jahrgang unserer Musik-Zeitung (drei\nJahrgänge bei M. Schloss und dreizehn bei M. DuMont-\nSchauberg) beginnen und den Dank für die thätige Mit-\nwirkung von Gesinnungsgenossen und für die rege Theil-\nnahme des Publicums aussprechen können. Die letztere ist\num so dankbarer von uns anzuerkennen, als das nach al-\nlen praktischen Richtungen hin bewegte Leben das In-\nteresse der Menschen in so hohem Grade in Anspruch\nnimmt, dass denjenigen Bestrebungen wenig Raum ge-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660106-01.1.2", "texte": "lassen ist, die nicht ein sichtbares, handgreifliches Ergeb-\nniss zum Ziele haben, sondern für die Erwerbung derje-\nnigen unsichtbaren Güter wirken, welche durch die Pflege\ndes Idealen im Gegensatze zum Praktischen für die\nMenschheit gewonnen werden. Man kann eine treu blei-\nbende Betheiligung eines weit verbreiteten Kreises von Le-\nsern für irgend ein Kunstblatt immer als einen erfreulichen\nBeweis dafür ansehen, dass gerade die neueste Zeitrich-\ntung doch in vielen Menschen den Werth innerer Befrie-\ndigung als unentbehrlich für wirkliches Glück empfinden\nlässt, dass die Nothwendigkeit der Entwicklung des Hö-\nheren im Menschen durch die Pflege der sittlichen Keime\nmehr wie je zur Anerkennung kommt. Und wer wollte\nder Kunst überhaupt und im Besonderen der Tonkunst\ndie Bestimmung und die Kraft absprechen, im Vereine\nmit der Religion die Sache des Seelischen gegen den An-\ndrang des Materiellen zu führen, und dem Menschen durch\ndie Belebung des Sinnes für das Schöne das stärkste Ge-\ngengewicht gegen die Anziehungskraft des Gemeinen zu\nverleihen?\nEben so viel werth, als die Theilnahme des Publi-\ncums, und eine erhebende Aufmunterung, die eingeschla-\ngene Bahn zu verfolgen, ist uns die Zustimmung so vieler\nbedeutender Künstler und Männer vom Fach im In- und\nAuslande gewesen. Sie war vom Anbeginn unseres Unter-\nnehmens an um so mehr eine Stütze unseres Bewusstseins,\nals wir nicht nur mit den gewöhnlichen Schwierigkeiten\neines neuen literarischen Unternehmens zu kämpfen hatten,\nsondern hauptsächlich gegen die Anmaassung auftreten\nmussten, welche die Producte des damaligen politischen\nGährungs-Processes grundsätzlich auf die Kunst und ihre\nTheorie Behufs einer radicalen Umwälzung derselben\nübertragen wollte. Diese Zustimmung der tüchtigsten\nKunstgenossen hat sich seit der Gründung des Blattes nie-\nmals verläugnet, wenn sie auch nach den Verhältnissen\nder jetzigen Welt, die auf Convenienz und Connivenz und\nallen möglichen Sorten äusserer Rücksichtnahme beruht,\nnicht immer öffentlich zu Tage tritt.\nDer Versuch, politische Verhältnisse und Theorieen\nauf Kunst und Künstler zu übertragen, führte denn auch\ndahin, dass sich unter den Tonkünstlern Parteien bildeten,\nund dass man sogar die Behauptung aufstellte, ein Kunst-\nblatt müsse, wie ein politisches, eine bestimmte Partei-\nfarbe haben! Und es blieb nicht bloss bei der Behaup-\ntung, sondern es entstanden wirklich musicalische Zeit-\nschriften, die ganz offen „die Partei\" zur Fahne nahmen,\nohne daran zu denken, dass sie damit auch das Wort\n„Parteilichkeit\" in seiner gewöhnlichen Bedeutung für\ndie Richtschnur ihres kritischen Verfahrens erklärten.\nSolche Blätter arbeiteten dann im Sinne von Lebens- oder\nvielmehr Unsterblichkeits-Versicherungsbanken, hoben\nEinen auf den Schild und sahen die Anderen über die\nAchsel an, Hessen ihn aber bei Gelegenheit auch wieder\nfallen, wenn unter der Zeit eine neue Sonne am Horizonte\nerschienen war und ihren Zeitungs-Planeten erwärmt\nhatte, oder wenn sie es für zweckmässig fanden, in eine\nLob-Assecuranz-Gesellschaft auf Gegenseitigkeit einzutre-\nten. Für die Genossenschaften letzterer Art hat die deut-\nsche Sprache mit Ausnahme des kölner Provincialismus\n„Klüngel\" kein Wort; die Franzosen, von denen die\nSache herstammt, haben in den Worten clique, coterie,\ncamaraderie Ueberfluss an Ausdrücken dafür.\nNun, dass wir dieses moderne Zunftwesen gründlich\nhassen und demselben stets fremd geblieben sind, davon\ngeben die sechszehn Jahrgänge der „Niederrheinischen\nMusik-Zeitung\" in jeder Nummer Beweise. Die Unabhän-\ngigkeit der äusseren Lage und die günstige Stellung\nder Redaction einer Verlagshandlung gegenüber, die sich\nweder mit Verlag, noch mit Sortiment von Musicalien be-\nfasst, machen es uns leicht, allen Einflüssen von aussen,\nsowohl feindlicher als freundlicher Natur, uns zu entziehen,\nund gewiss sind die letzteren oft mächtiger, als die erste-\nren und stellen bei dem Kritiker die parlamentarische\nPflichtübung der Ueberzeugungstreue, welche das Publi-\ncum, dessen Meinung er leiten soll, von ihm zu fordern\nberechtigt ist, oft auf die Probe. Der Anwalt der Kunst\nmuss eben so wie der Anwalt des Rechtes im Dienste der\nWahrheit stehen: es kann ihm, wie denn auch uns, an\nder Kraft, sie zu erkennen, fehlen, aber an heiliger Liebe\nzu ihr, so wie an Muth, das, was wir als solche erkannt\nzu haben meinen, zu vertheidigen, soll es uns niemals\nmangeln.\n\nL. Bischoff.\n\nDie erste Aufführung von Beethoven’s neunter\nSinfonie.\nWenn ein alter römischer Geschichtschreiber sagt,\ndass die Krankheiten der sittlichen und geistigen Ent-\nwicklung der Menschen sich verderblich forterben und die\nHeilmittel dagegen oft gar nicht, jedenfalls aber nur sehr\nlangsam wirken, so bewährt sich diese Wahrnehmung\nnicht bloss im Leben der Völker, sondern auch in der\nWissenschaft und in der Kunst, ja, im alltäglichen Ver-\nkehr der Menschen. Wie in diesem z. B. das Calumniare\naudacter, Semper aliquid haeret („Verleumde nur drauf\nlos, es bleibt immer etwas davon hangen\") sich leider be-\nwährt, so arbeitet die Wissenschaft in vieler Hinsicht bis\nzur Stunde gegen allerlei Vorurtheile und Krankheiten\nder Vernunft vergebens, und die Kunst erwehrt sich nur"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660106-01.1.3", "texte": "mit Mühe der Epidemie krankhafter Anschauungen über\nihr eigentliches Wesen. Um solchen Anschauungen Ver-\nbreitung und Einfluss zu verschaffen, wird dann unter den\nMitteln keine strenge Wahl getroffen, und eines der be-\nliebtesten für den erstrebten Zweck ist die Verfälschung\nder Geschichte, wobei der öffentliche Klatsch und die\nleichtgläubige Nachbetung treffliche Dienste leisten.\nSo geht es denn auch in der Tonkunst, wo die neueste\nSchule immer und immer wieder trotz unzähliger Wider-\nlegungen die Fabel vorbringt, dass die Werke der gröss-\nten Meister, namentlich Beethoven's, zuerst verkannt und\nverhöhnt worden wären und sich erst bei dem Geschlechte,\ndas nach dem Tode des Meisters aufgeblüht, Bewunderung\nerrungen hätten; folglich sei es ganz natürlich, dass die\nWerke dieser reformatorischen Schule ebenfalls erst bei\nder zukünftigen Kunstwelt ihre Anerkennung finden wür-\nden. Dergleichen Behauptungen finden dann in den\nKlatschblättern aller Art, musicalischen, belletristischen\nund politischen, ihren Wiederhall, und mag das Gegen-\ntheil noch so urkundlich dargethan werden, die Menge\nbleibt bei ihrem Glauben an die Unwahrheit gerade so\nfest, wie jener Bauer, welcher, obwohl durch den Augen-\nschein belehrt, dass vor der Eisenbahn-Locomotive kein\nPferd in Thätigkeit sei, mit Zuversicht ausrief: „Dann\nsteckt das Pferd drin!\"\nSo bringt denn auch Herr J. B. A Ilfeld in seiner\nzu München erschienenen Broschüre „Tristan und Isolde\"\ndie Fraubaserei wieder vor, dass Beethoven bis in die\nvierziger Jahre des neunzehnten Jahrhunderts gänzlich\nverkannt und als ein melodieloser (!) Verstandes-Compo-\nnist verworfen worden sei! Und da dergleichen Angaben\nbesonders gern durch pikante Geschichtchen gewürzt zu\nwerden pflegen, so wird auch hier nicht unterlassen, in\neiner Anmerkung zu berichten:\n„Eine niedliche (?) Illustration dieses Satzes dünkt\nuns die wahre (?) Anekdote, dass die berühmte hohe Soj\npranistin (?) Unger-Sabatier bei der Hauptprobe (!)\nder „ „Neunten\"\" Beethoven die Noten vor die Füsse warf\nund weinend erklärte, dass man eine solche musik\nnicht singen könne.\"\nSo viel Zeilen, so viel Unwahrheiten! Erstens war die\nUnger keine „hohe Sopranistin\", sondern ein Mezzo-So-\npran, und sang in der neunten Sinfonie die Solo-Partie\ndes Alts, während bekanntlich Henriette Sontag die So-\npran-Partie ausführte. Zweitens ist die Sängerin Caroline\nUnger überall als eine so gebildete Dame bekannt gewe-\nsen, dass sie sich einer so derben Redensart, wie Herr\nAllfeld ihr in den Mund legt, die man allenfalls bei einem\nManne, z. B. von Bülow, durch leidenschaftliche Gereizt-\nheit entschuldigen kann, nie hat schuldig machen können,\neben so wenig einer Beleidigung des allverehrten Meisters\ndurch Vordiefüssewerfen seiner Composition! Die Unger,\nspäter sehr vortheilhaft an Herrn Sabatier verheirathet, war\ndamals 23 Jahre, die Sontag 19 Jahre alt, und obwohl\nBeide, fast nur an italiänische Cantilenen gewöhnt, den\nMeister um Erlaubniss zu einigen Aenderungen angingen,\nso waren sie doch weit davon entfernt, einem Manne wie\nBeethoven mit Anmaassung entgegen zu treten, was ihre\nJugend und damalige Stellung in Wien, die ihren nach-\nherigen Buf erst begründete, selbstredend als ganz un-\ndenkbar erscheinen lässt. Dass nun die Unger in der\nHauptprobe jene gemeine Scene aufgeführt haben\nsolle, als wenn sie da erst die Stimme vom Blatt gesungen\nhätte, ist vollends arg!\nHat denn aber Herr Allfeld, ehe er als musicalischer\nSchriftsteller derr Ausdruck „wahre Anekdote\" gebrauchte,\nnicht den Bericht Schindlers über das Benehmen der\nbeiden Damen beim Studiren ihrer Partieen am Ciavier\nbei Beethoven nachgelesen? Er lautet Th. 11, S. 75:\n„Ein anderer charakterisirender Beitrag betrifft die\nVorgänge beim Einüben der Solostimmen aus der Missa\nund dem vierten Satze der Sinfonie zwischen Beethoven\nund den Sängerinnen der Sopran- und der Alt-Partie.\nVorab muss gesagt sein, dass die beiden noch jugend-\nlichen, bis dahin meist mit italiänischer Musik erzogenen\nSängerinnen von der Grösse und Schwierigkeit der zu\nleistenden Aufgabe nicht den richtigen Begriff gehabt.\nBeide befanden sich im Glauben, dass die ihrer Stimme\nunbequemen Noten wohl in bequemer liegende werden\numgesetzt werden können. Die Vorproben wurden in\nBeethoven's Behausung abgehalten, und dieser führte die\nStimmen am Flügel. Der Wunsch der Henriette Sontag,\nfür's Erste mit ihrem gewohnten Mezza voce singen zu\ndürfen, ward zugestanden, gleichwohl dies hindernd für\ndie Altistin und anstrengend für das schwache Ohr Beet-\nhoven's gewesen. Als es aber nachgerade mit der Sache\nernster und ernster genommen worden und der Meister\ndie volle Bruststimme zu hören verlangte, als das Christe\nim Kyrie der Missa in seinem breiten Bhythmus mit\nPfundnoten intonirt werden sollte, da erlahmten beide\n„ „schöne Hexen\"\" und begannen mit dem ernsten Meister\nzunächst um das Tempo dieses Satzes zu unterhandeln, es\nbewegter wünschend. Abgeschlagen, wie begreiflich, und\nzwar in heiterster Laune. Als es mit dem Sinfoniesatz\nErnst geworden und der Meister in gar keine der gebe-\ntenen Abänderungen willigen wollte, da trübte sich der\nHorizont, und Caroline Unger hatte den Muth, den obsti-\nnaten Meister geradezu einen Tyrannen aller Singorgane\nzu nennen. Beethoven erwiederte lächelnd, sie seien beide\ndurch die italiänische Musik verwöhnt, darum ihnen sol-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660106-01.1.4", "texte": "che schwer falle. „„Aber diese Höhe hier,\"\" replicirte\ndie Sontag, auf die Stelle: Küsse gab sie uns und Reben,\nzeigend, „ „lässt sie sich nicht abändern?\"\" »»Und\ndiese Stelle\"\", die Unger nachfolgend, „„liegt für die\nmeisten Altstimmen zu hoch; lässt sie sich nicht abän-\ndern?\" \" Nein! und immer nein! „ „So quälen wir\nuns denn in Gottes Namen weiter!\"\" endigte die Sontag.\"\nWozu nun aber eine solche Entstellung der Wahr-\nheit bei Herrn Allfeld und vielen Anderen? Einzig und\nallein, um die Menge zu überreden, dass die neunte Sin-\nfonie durchgefallen sei und erst jetzt zur Geltung komme,\ndass folglich Wagner's und Liszt's und ihrer Genossen\nWerken auch erst das kommende Geschlecht die Lorber-\nkrone reichen werde!\nNun ist aber die Behauptung des Durchfallens eben\nso falsch, wie die „niedliche Illustration\" derselben. Man\nhöre Schindler (11., S. 71):\n„Was den künstlerischen Erfolg dieses denkwürdigen\nAbends betrifft, so konnte er wohl mit jedem bis dahin\nin diesen altehrwürdigen Räumen erlebten einen Vergleich\naushalten. Leider, dass der allverehrte Mann, dem er ge-\ngolten, nichts davon gehört hatte. Er zeigte dies, indem\ner bei dessen Ausbruch am Schlüsse der Aufführung der\nbegeisterten Versammlung den Rücken zukehrte. Da hatte\nCaroline Unger den guten Gedanken, den Meister nach\ndem Proscenium umzuwenden und ihn auf die Beifallsrufe\ndes Hüte und Tücher schwenkenden Auditoriums auf-\nmerksam zu machen. Durch eine Verbeugung gab er sei-\nnen Dank zu erkennen. Dies war das Signal zum Los-\nbrechen eines kaum erhörten, lange nicht enden wollen-\nden Jubels und freudigen Dankgefühls für den gehabten\nHochgenuss.\"\nUnd ferner den Berichterstatter in der leipziger Allg.\nMusik-Zeitung, 1824, S. 437:\n„Aber wo soll ich Worte hernehmen, meinen theil-\nnebmenden Lesern Bericht zu erstatten über diese Riesen-\nwerke, und zwar nach einer hinsichtlich der Gesang-\npartie wenigstens noch keineswegs genugsam abgerunde-\nten Production, wozu auch die Statt findenden zwei Proben\nbei so aussergewöhnlichen Schwierigkeiten nicht hinreich-\nten, mithin auch weder von einer imponirenden Gesammt-\nkraft, noch von einer gehörigen Vertheilung von Licht\nund Schatten, vollkommener Sicherheit der Intonation,\nvon feineren Tinten und nuancirtem Vortrage eigentlich\ndie Rede sein konnte. Und dennoch war der Eindruck\nunbeschreiblich gross und herrlich, der Jubelruf enthu-\nsiastisch, welcher dem erhabenen Meister aus voller Brust\ngezollt wurde, dessen unerschöpfliches Genie uns eine neue\nWelt erschloss, nie gehörte, nie geahnte Wundergeheim-\nnisse der heiligen Kunst entschleierte!\" Weiterhin:\n„Einem niederschmetternden Donnerstreich vergleichbar,\nkündet sich das Finale (D-moll) mit der grell durch-\nschneidenden kleinen None über den Dominant-Accord\nan. Potpourriartig werden in kurzen Perioden alle bisher\ngehörten Haupt-Themata, wie aus einem Spiegel reflectirt,\nuns noch einmal in bunter Reihenfolge vorgeführt; da\nbrummen die Contrabässe ein Recitativ, das gleichniss-\nweise wie die Frage klingt: „ „Was soll nun geschehen?\" \"\nund beantworten sich selbst mit einem leise wogenden\nMotiv in der Dur-Tonart, woraus durch den allmählichen\nBeitritt sämmtlicher Instrumente in wunderherrlichen Bin-\ndungen, ohne Rossini'sche Brillenbässe und Terzengänge,\nin gemessenen Abstufungen ein allgewaltiges Crescendo\nsich entwickelt; als aber endlich nach einer Aufforderung\ndes Solo-Basses auch der volle Chor in majestätischer\nPracht das Loblied der Freude anstimmt, da öffnet das\nfrohe Herz sich weit dem Wonnegefühle des seligen Ge-\nnusses, und tausend Kehlen jauchzen: Heil! Heil! Heil der\ngöttlichen Tonkunst! Lob, Preis und Dank deinem wür-\ndigsten Hohenpriester! Referent sitzt nun abgekühlt\nam Schreibpulte, doch unvergesslich wird ihm dieser Mo-\nment bleiben; Kunst und Wahrheit feiern hier ihren glän-\nzendsten Triumph, und mit Fug und Recht könnte man\nsagen: non plus ultra!\"\nUeber die Unbill, welche die Broschüre von Allfeld\nder Sängerin Unger angethan, ereifert sich als Zeitgenosse\nund langjähriger Freund der Künstlerin auch L. von Sonn-\nleitner in Wien (Recens. Nr. 51 v. vor. J.) als „Augen-\nund Ohrenzeuge\" bei den Proben der neunten Sinfonie\nund weist die derselben zugemuthete „Gemeinheit\" ener-\ngisch zurück.\n\nAus Frankfurt am Main.\nDen 31. December 1865.\nDie diesjährige musicalische Saison hat bei uns aus-\nsergewöhnlich früh begonnen; schon zu Anfang Octobers\nfanden die ersten Concerte Statt, und zwar war es diesmal\ndie Quartettmusik, welche den Reigen eröffnete. Lassen\nSie mich also von dieser zuerst reden.\n0\nDie Quartett-Productionen, welche wir im October\nund November zu hören bekamen, wurden an vier Aben-\nden veranstaltet von den Gebrüdern Müller, an zwei Aben-\nden von dem einheimischen Quartette und ebenfalls an\nzwei Abenden von dem französischen Quartette Maurin-\nCbevillard.\nDie Gebrüder Müller hatten vielen Erfolg. Wir sind\nhier allerdings durch das Straus'sche Quartett, welches\nJahre lang eine musicalische Zierde unserer Stadt war"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660106-01.1.5", "texte": "verwöhnt. In demselben war die erste Geige ausgezeichnet,\nauch die übrigen Instrumente ebenbürtig; alle Mitspieler\nordneten sich trefflich unter und waren aufs beste in ein-\nander eingespielt. Bei dem Müller'schen Quartette ist das\nZusammenspiel die hervorragendste Eigenschaft, die erste\nund zweite Geige hingegen sind hinsichtlich des Tones\nund der Technik den beiden anderen Instrumenten nach-\nstehend. Auch fanden die grossen Freiheiten im Tempo,\nwelche sich die Künstler oft und besonders auch in clas-\nsischen Quartetten herausnehmen, viele Gegner. Am vor-\nzüglichsten gelang denselben der Vortrag Schubert'scher\nund Schumann'scher Quartette, die offenbar mit beson-\nderer Vorliebe einstudirt sind. Als eine interessante Be-\nkanntschaft erwies sich ein Quartett des alten Dittersdorf,\nwelches durchweg frisch ist und in seinen beiden letzten\nSätzen, einer Menuett und einem an Zigeunermusik an-\nklingenden Finale, sogar originel.\nDiesen renommirten Künstlern, so wie auch später\nden pariser Quartettisten gegenüber hatte das einheimi-\nsche Quartett einen schweren Stand, um so mehr, als es\nwiederum neu zusammengesetzt war. Der treffliche Cellist\nHermann Brinkmann aus Hagen, seit Jahren hier ansäs-\nsig, ist leider durch Krankheit verhindert, in diesem Win-\nter mitzuwirken. Ein vorzüglicher Ersatz war für die zwei\nersten Soireen in Herrn Valentin Müller (aus Münster)\ngefunden, der aber jetzt nach Paris, seinem bisherigen\nDomicile, zurückgekehrt ist. So bestand also das Quartett\naus den Herren Hugo Heermann, Rupp, Becker,\nWelcker und Müller. Die Leistungen an beiden Aben-\nden waren sehr gut, so dass man lebhaft zu bedauern\nhat, dass die Continuität des Quartettes abermals unter-\nbrochen wird. Heermann ist bekanntlich ein sehr elegan-\nter Geiger, der allerdings mehr zum Concertspiel hinneigt.\nHerr Val. Müller fand grossen Beifall wegen seines schö-\nnen Tones und seines eben so technisch gewandten wie\ngeschmackvollen Vortrages. Auch der Pianist Wallen-\nstein wirkte an diesen Abenden mit in der Violoncell-\nSonate in B-dur von Mendelssohn und in dem B-dur-\nTrio von Schubert, welches letzere in seltener Vollendung\nzur Ausführung kam.\nDie Herren Maurin, Sabatier, Mas und Che vi 1-\nlard haben bereits vor zehn Jahren hier die begeistert-\nsten Freunde erworben; ihr diesjähriges Erscheinen hat\ndie alte Flamme wieder angefacht. Sie kennen ja auch in\nKöln dieses geistvolle Künstler-Quartett. Sie wissen, wie\ndiese trefflichen Männer sich in wahrhaft aufopfernder\nWeise dem Cultus unseres grossartigsten deutschen Ton-\ndichters geweiht haben. Es ist eine wahre Freude, wie\nsie die genialen, tiefsinnigen Quartette aus der letzten Pe-\nriode dem Hörer zurechtlegen, erläutern und zugänglich\nmachen. Die klare Auseinandersetzung, die Phrasirung ist\nbewundernswürdig, und dabei die Virtuosität so vollkom-\nmen, dass die enormen Schwierigkeiten jener Werke den\nHörer gar nicht berühren. Nur hinsichtlich des Gesammt-\ntones, des Klanges, finden wir Manches auszusetzen. Vieles\nkam uns etwas matt und klein vor. Das mag daran liegen,\ndass die Auffassung der Künstler doch hier und da etwa\nfranzösisch ist. Die deutsche Auffassung würde Manche\nin frischer, saftiger, gleichmässiger Farbe vorziehen, wäh\nrend hier Manches zu stark accentuirt, Manches zu farblos\nklingt. Viele wollten den Künstlern eine gewisse Ermü-\ndung anhören. Jedenfalls ist die edle Richtung, das tiefe\nEindringen in den Beethoven'schen Geist, die ausserordent-\nliche Klarheit in hohem Grade anzuerkennen und zu be-\nwundern.\n%\nIn den Monaten October und November fanden vier\nMuseums-Concerte Statt, von welchen ich Ihnen zunächst\nsprechen will. Die aufgeführten Symphonieen waren zwei\nvon Beethoven, eine wenig bekannte von Haydn in Es-dur,\nliebenswürdig, aber nicht so bedeutend, wie viele andere,\nund Symphonie-Fragmente von Franz Schubert. Diese\nFragmente, zusammen vier Sätze, die aus drei Symphonieen\nentnommen sind, wurden in derselben Zusammensetzung\nbereits früher in Wien gespielt; sie sind so interessant,\ndass wir einen Augenblick dabei verweilen müssen.\nFranz Schubert hat bekanntlich sieben Symphonieen\nhinterlassen; nur die letzte, grosse und berühmte in\nist veröffentlicht. Nebenbei gesagt, ist dies letztere Sym-\nphoniewerk hier ungemein beliebt und seit dem Jahre\n1841 bereits dreizehn Mal zur Aufführung gekommen.\nDie übrigen Symphonieen Schubert's datiren fast alle aus\nseiner Jugendzeit; nur eine in H-moll (jedoch auch nur\nFragment in zwei Sätzen) ist aus dem Jahre 1822 und\nhat bei ihrer jüngst Statt gefundenen ersten Aufführung\nin Wien ausserordentlich gefallen. Die im Museums-Con-\ncerte gehörten Fragmente enthalten zwei Sätze der so ge-\nnannten tragischen Symphonie in (1816), ein\nScherzo der sechsten Symphonie in C-dur (1818), ein Fi-\nnale der D-dur-Symphonie (1815).\nAlle vier Sätze sind von grossem Reiz und athmen\nbereits echt Schubert'schen Geist. Ein Vergleich mit der\ngrossen C-c?wr-Symphonie ist freilich nicht zu ziehen; diese\nletztere ist wohl sein reifstes Werk und erst im März 1828,\nein halbes Jahr vor Schubert's Hinscheiden, vollendet.\nDer erste Satz in C-moll,lntroduction und Allegro,\nhat mehr den Charakter einer Ouverlure; er bat ernste,\naber keineswegs den Namen der Symphonie rechtferti-\ngende Motive und ist der wenigst bedeutende der vier Sätze.\nDer zweite Satz, Andante in As-dur, ist von reizen-\nder Schönheit. Er beginnt mit einer zarten, sanften Me-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660106-01.1.6", "texte": "lodie, die in mannigfachster Weise nnd in eigentümlich-\nsten Instrumental-Effecten fortgesponnen wird, bis ein\nMinore in F-moll mit grossartigeren Accenten auftritt und\nschliesslich in höchst origineller Weise wieder zum ersten\nThema zurückleitet. Auch der leise verhauchende Schluss\nist von zauberhafter Wirkung.\nDas Scherzo ist wohl der musicalisch werthvollste\nder vier Sätze und erinnert lebhaft an Beethoven'sche\nVorbilder. Das Trio, originel, aber zugleich absonderlich,\nbefriedigt beim ersten Hören weniger. Dieses Scherzo\nlässt darauf schliessen, dass die sechste Symphonie in ihrer\nTotalität bekannt zu werden verdiente; dieselbe ist nur\nein einziges Mal in Wien im Frühling 1829 (kurz nach\ndem Tode Fr. Schubert's), aber ohne Erfolg aufgeführt\nworden.\nDas Finale aus der Z)-c?wr-Symphonie endlich ist ein\njugendlich feuriges, rasch dahinbrausendes Allegro von\nprächtiger Wirkung.\nZu bedauern wäre, wenn diese Symphonieen nicht\nsämmllich der Welt durch den Stich bekannt würden,\neben so wie viele andere Werke, die noch ihrer Erlösung\nharren. Doch scheint jetzt etwas lebhaftere Bewegung\nin die Eigenthümer des werthvollen musicalischen Nach-\nlasses gekommen zu sein; die Verlagshandlung C. A. Spina\nhat bereits in diesem Winter mehrere Werke (Entreacte\nzu Rosamunde, Lazarus, Ouvertüre im italiänischen Stile)\nedirt. Capellmeister Herbeck in Wien ist es hauptsächlich,\nder sich um die allmähliche Tilgung dieser alten Schuld\nverdient gemacht hat.\nDie Instrumental-Solisten, welche in den genannten\nvier Concerten mitwirkten, waren die Herren St. Saens\nund Joachim, Frau Clara Schumann, Herr Coss-\nmann.\nHerr St. Saens (Organist an der Madeleine in Paris)\nist ein ganz vortrefflicher Künstler, der sich jedoch dem\ngrossen Publicum nicht sympathisch zu machen verstand.\nEr spielte mit grosser Bravour und vielem Geschmacke\ndas Clavier-Concert in Es-dur von Mozart, ein eben so\nschönes wie selten gehörtes Werk; sein etwas trockener\nTon, theilweise anders geartete Auffassung, als man sie\nhier gewohnt ist, zu grosse Wandelbarkeit in den Tempi\ndämpften jedoch den Beifall, den er für vorzügliche Tech-\nnik und geistreiche Feinheit in höherem Grade verdient\nhätte. Seine Transscriptionen Bach'scher Compositionen\nsind trefflich gemacht und müssen den Musikfreund aus-\nserordentlich interessiren. Unsere Puristen glaubten mit\nUnrecht, dass er diese Bach'schen Sachen wohl mehr aus\nHuldigung der Mode spiele, als aus wirklichem Interesse,\nweil er denselben eine allerdings sehr modern behandelte\nTransscription Gounod'scher Faust-Motive folgen liess.\nJoachim, der seit sieben Jahren sich hier nicht halte\nhören lassen, enthusiasmirte natürlich Kunstfreunde und\nPublicum im höchsten Maasse. Es wäre überflüssig, noch\netwas zu dem Ruhme dieses grossen Künstlers hier bei-\nfügen zu wollen. Im Museums-Concerte spielte er das\nMendelssohn'sche Concert. Dann veranstaltete er mit\nFrau Clara Schumann zusammen noch eine Kammer-\nmusik-Soiree im grossen Saale, welche stark besucht war.\nDie strenge Gediegenheit des Programms, das nur ernste\nMusikstücke ohne die Abwechslung von Gesangsnummern\nbot, hatte allerdings das Logen-Publicum, welches nür\nleichteren Genüssen hold ist, abgehalten, zu erscheinen.\nDer Beifall war auch hier ein begeisterter. An diesem\nAbende stellte auch Frau Schumann ihre Tochter, Fräu-\nlein Elise Schumann, welche sich hier als Musiklehrerin\nniedergelassen hat, vor, indem Mutter und Tochter das\nAndante und Variationen für zwei Pianoforte von Robert\nSchumann vortrugen.\nIm dritten Museums-Concerte war Frau Clara Schu-\nmann mit liebenswürdiger Bereitwilligkeit für die er-\nkrankte Frau Szarvady rasch eingetreten; sie spielte das\nBeethoven'sche Es-dur-Concert mit der ganzen Meister-\nschaft, die ihr längst den ersten Rang unter den Pianisten\neingeräumt hat.\nHerr Cossmann aus Weimar trug im vierten Mu-\nseums-Concerte das neue Violoncell-Concert von Anton\nRubinstein vor. Bei der grossen Armuth, welche in der\nLiteratur für dieses Instrument herrscht, ist es anzuerken-\nnen, dass die tüchtigsten der jüngeren Componisten sich\nbestreben, zur Bereicherung dieser Literatur etwas beizu-\ntragen. Wenn sie sich aber auch nur vor allen Dingen\nbemühen wollten, dankbar für das obligate Instrument\nzu schreiben, anstatt dass sie meist grossartige, sympho-\nnisch gehaltene Sätze zu produciren geneigt sind. Das Ru-\nbinstein'sche Werk missfiel so entschieden, wie selten ein\nanderes neues Werk, und wenn man ohne Vorliebe oder\nAbneigung sein Urtheil abgeben will, so muss man sich\neingestehen, dass es unter jeder Bedingung einen höchst\nunerquicklichen Eindruck machte, trotzdem, dass es von\neinem der ersten Cellisten ausgezeichnet vorgetragen\nwurde. Die Schwierigkeiten für den Spieler sind enorm,\naber er hat keinen Vortheil von seiner Mühe, denn sie\nsind zugleich höchst undankbar. Die Motive sind (wie oft\nbei Rubinstein) schön und eigenthümlich, aber eine Ver-\narbeitung der Motive erwartet man vergebens. Phanta-\nsieen und Vorbereitungen füllen die Lücken aus. Bestän-\ndig glaubt man in einer Introduction zu sein und erwartet\ndas Schönste und Grösste: aber es erscheint nicht. Wirk-\nlichen Gesang, wie ihn das Violoncell bedarf, findet man\nnur im zweiten Satze, aber auch hier ist der ruhige Ge-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660106-01.1.7", "texte": "Nuss durch absonderliche Einfälle getrübt. Der dritte Satz\nendlich überbietet sich in barocken Rhythmen, verletzen-\nden Modulationen und höchst undankbaren Passagen. So\nwar allerdings der Eindruck nach einmaligem Hören;\nmöglich, dass das Coneert bei näherer Einsicht etwas\ngewinnt.\nDer gesangliche Theil dieser Concerte brachte zwei\nChöre von Beethoven (Elegischer Gesang, Meeresstille)\nund das reizende und hier ausserordentlich beliebte Zi-\ngeunerleben von Hob. Schumann, so wie Vorträge von\nFrau Csi]lag, Herrn Hauser aus Karlsruhe und Fräu-\nlein von Edelsberg. Frau Csillag, die früher höchst\nrenommirte wiener Sängerin, hat die Gewalt über ihre\nStimme fast gänzlich verloren und machte vollständiges\nFiasco. Herr Hauser ist ein wohl auch Ihnen bekannter,\nganz vortrefflicher Bariton. Der prachtvollen Altstimme\nund der technisch guten, aber etwas kalten Leistungen\ndes Fräuleins von Edelsberg (die nun bei dem berliner\nHoftheater angestellt ist) erinnern Sie Sich von den Musik-\nfesten. Was den Sologesang im Allgemeinen betrifft, so\nsind wir hier so schlimm daran, wie man es jetzt überall\nist. Die hiesige Oper bietet nicht viel, und das Wenige\nwird auch gewöhnlich für Concerte verweigert. Doch\nhaben wir für den Sologesang in den Oratorien einen\nSchatz in dem Bassisten Karl Hill, der auch von allen\nConcert-Instituten und Musikfesten Deutschlands vielfach\nbegehrt ist.\n(Schluss folgt.)\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nBarmen. Im dritten Abonnements-Concerte am 30.\nDecember v. J. wurde hier Schumann's „Paradies und Peri\" un-\nter Leitung des Musik-Directors Herrn Anton Krause aufgeführt*\nWeimar. Herr Mortier de Fontaine gab hier am 29.\nDecember v. J. ein Coneert im Saale der Erholung, worin er Cla-\nvier-Vorträge in chronologischer Folge von William Bird (1543)\nbis auf Kubin stein und Rheinberger (zweistimmige Fuge, Ma-\nnuscript) ausführte im Ganzen dreissig Stücke, wobei eine\nSonate von Domenico Scarlatti, die chromatische Phantasie und\nFuge von J. S. Bach, Beethoven's letzte Sonate Op. 111, ein hand-\nschriftliches Impromptu von J. N. Hummel, geschrieben in Weimar\nden 26. Mai 1836, u. s. w*\n*\nhaus-Concert Ihre rheinischen Leser besonders interessiren wird,\nso theile ich Ihnen die Stimmen der hiesigen Kritik mit.\nDas zehnte Coneert am 21. Dec. führte uns drei Gäste vom\nRheine vor: zuerst trat Fräul. Julie Rothenberger, Sängerin aus\nKöln, auf, die mit zwei grossen Arien aus Rossini's „Stabat Mater u\nmit Chor („Inflammatus et accensus\") und aus Mozart's „Figaro's\nHochzeit\" („Endlich nahet sich die Stunde\"), so wie mit zwei Lie-\ndern unter Begleitung des Pianoforte („Wonne der Wehmuth\" von\nBeethoven und „Sie sagen, es wäre die Liebe\" von Th. Kirchner)\nehrenvolle Aufnahme erzielte. Ferner Herr Concertmeister Leopold\nAuer aus Düsseldorf, von dem wir L. Spohr's neuntes Violin-Con-\ncert (in D-moll), Schumann's „Abendlied\" (instrumentirt von J.\nJoachim), ungarische Lieder von H* W. Ernst und als Zugabe (nach\nallgemeinem enthusiastischen Applaus mit Hervorruf) noch eine\nBach'sche Composition für Violine allein zu Gehör bekamen. Der\ndritte Gast endlich, Herr Theodor Gouvy, producirte sich als\nComponisten mit einer Manuscript-Novität: „Allegro, Siciliana, Mi-\nnuetto und Epilog\", für Orchester (welche er selbst dirigirte) und\nerrang sich damit Anerkennung seiner ersichtlichen natürlichen Be-\ngabung. Wir freuten uns, Herrn Auer wieder zu hören, und um\nso mehr, da seine jetzigen Leistungen glänzendes Zeugniss gaben,\ndass aus dem früher schon so überaus hoffnungsvollen Jünglinge\nein geistig gereifter Mann der Kunst geworden ist. Seine Vortrags-\nweise ist von edler Einfachheit, jede Phrase nicht nur durchdacht,\nsondern auch gefühlt; man hört sogleich heraus, dass die Nuancen\nin Tempo und Klang so und nicht anders, als Herr Auer sie bringt,\nsein müssen; dass dieselben nicht Producte berechnender Effect-\nhascherei sind, sohdern aus der Seele des Künstlers kommen, sogar\nda, wo sein Vortrag wie in den ungarischen Liedern mit Varia-\ntionen hauptsächlich doch die Vorführung brillanter und dabei\nschwieriger Virtuosen-Kunststücke zu bezwecken scheint. Was aber\nder junge Künstler nach Seite des innigen Ausdrucks in reizend\nwiedergegebenen Cantilenen zu leisten vermag, bewies er vorzüg-\nlich im Spohr'schen Concerte und in Schumann's „Abendlied\". Die\nungarischen Lieder von Ernst dagegen haben uns als Composition\nnicht besonders gefallen. Fräulein Rothenberger zeichnete\nsich durch gute Declamation und viel wahres Gefühl im Vortrage\naus, so wie auch ihre Gesangsweise im Allgemeinen recht lobens-\nwerth ist. Die Stimme selbst, einen absoluten Sopran, betreffend, so\nklangen die Töne des hohen Registers am schönsten und sympa-\nthischsten, wobei wir das leichte Ansprechen derselben betonen wol-\nlen. Die Gesangstechnik ist nicht unbedeutend und zeugt von vie-\nlem Fleisse und sogar von nicht geringer Routine. Am besten gefiel\nuns der Vortrag der Lieder und des Recitativs vor der Mozart'-\nschen Arie, weil hier eben die geistige Auffassung, die dramatisch-\ndeclamatorische Wiedergabe den ersten Platz einzunehmen berech-\ntigt ist. (L. Tagebl.)\nEin von dem Componisten mehrerer Sinfonieen, Theodor\nGouvy, schön gearbeitetes und nobel erfundenes Orchesterwerk, „Al-\nlegro, Sicilienne, Menuett und Epilog\", erfreute sich einer sehr\nfreundlichen Aufnahme; gewiss würde aber das sehr achtenswerthe\nTonstück eine noch grössere Wirkung erzielt haben, wenn einige\nWiederholungen die zwar nicht gerade neuen, aber recht interessan-\nten und mit feinsinnigem Colorit überzogenen musicalischen Zeich-\nnungen nicht ein wenig in die Länge gezogen hätten. Den gröss-\nten Enthusiasmus erregte das Violinspiel des Herrn Concertmeisters\nAuer aus Düsseldorf, welcher nach dem Vortrage des Spohr'schen\nD-moll-Concertes Nr. 9 einen zweimaligen stürmischen Hervor-\nruf erhielt und nach der Reproduction des von Joachim instrumen-\ntirten Abendliedes von Robert Schumann und der ungarischen Lie-\nder von Ernst mit so reichem Beifalle überschüttet wurde, dass der\nliebenswürdige Künstler noch eine Gavotte von Bach zugab. Gewiss\nist auch Herr Auer nicht allein ein Geiger ersten Ranges, sondern\ner ist ein Künstler, den man trotz seiner Jugend nur mit einem\nJoachim vergleichen kann. Orchester und Publicum waren durch\nden edlen, grossen Ton, durch den seelenvollen Ausdruck, durch\ndie bewundernswerthe Herrschaft über jede technische Einzelheit\nförmlich elektrisirt, und es steht fest, dass Joachim selbst mit dem\nberegten Concerte keine grösseren Triumphe im hiesigen Gewand-\nhaussaale gefeiert hat. Die am Rheine sehr geschätzte Concert-\nsängerin Fräulein Rothenberger, deren Vorträge warme Empfin-\ndung und recht anständige Gesangstechnik wahrnehmen liessen,\närntete nach der Interpretation zweier Lieder: a) „Wonne der Weh-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660106-01.1.8", "texte": "muth\" von Beethoven, b) „Sie sagen, es wäre die Liebe\" von Kirch-\nner, stürmischen Hervorruf, während ihr die Wiedergabe einer Arie\nmit Chorbegleitung (Thomaner-Chor) aus dem „Stabat Mater\" von\nRossini und der bekannten Arie der Susanne aus dem letzten Acte\nvon Mozart's „Figaro\" nicht geringen Beifall eintrug. (L. Z.)\nDie Sololeistungen des Abends bestanden in Violin- und Ge-\nsangs-Vorträgen. Mit den ersteren producirte sich Herr Concertmei-\nster L. Auer aus Düsseldorf, der das neunte Violin-Concert (.D-moll)\nvon Spohr, Schumann's Abendlied (instrumentirt von Joachim) und\nungarische Lieder von J. W. Ernst zu Gehör brachte. Wir erinnern\nuns nicht, in der diesjährigen Saison eine schönere Solo-Production\ngehört zu haben. Feuer, Grazie und Weichheit des Tones und Aus-\ndrucks, lebendige Durchdringung und Darstellung der Tonwerke\nund eine in jeder Beziehung vollendete Technik, wie sie wenigstens\nin den gewählten Compositionen sich zeigte, verliehen dem Vortrage\ndes Künstlers einen unwiderstehlich fortreissenden Zauber, der dem\nPublicum die enthusiastischsten Beifallsbezeigungen abnöthigte. Die\nmeiste Zündkraft äusserten Ernst's ungarische Lieder, die mit ihrem\nreich bewegten Leben allerdings schon allein die vielseitigste Ent-\nfaltung künstlerischer Fähigkeiten erfordern. Der rauschende Applaus\nveranlasste Herrn Auer zu bereitwilliger Zugabe eines Bach'schen\nTonstückes. Dem genannten Künstler gegenüber hatte Fräulein\nJulie Rothenberger aus Köln einen etwas schweren Stand. Um\nso höher ist der äussere Erfolg ihrer Leistungen anzuschlagen. Ihre\nVortragsstücke waren eine Arie mit Chor (Inflammatus et accensus)\naus dem „Stabat Mater\" von Rossini, Recitativ und Arie („Endlich\nnahet sich die Stunde\") aus „Figaro's Hochzeit\", „Wonne der Weh-\nmuth\" von Beethoven, und „Sie sagen, es wäre die Liebe\" von\nKirchner. Ihre Stimme besitzt äusserst angenehmen Vollklang und\nscheint uns besonders geeignet für getragene Sachen. Desshalb ge-\nlangen ihr am besten die Arie aus „Figaro\" und das Beethoven'-\nsche Gesangstück. Ein anfänglich zu stark sich geltend machendes\nTremoliren war wohl der ersten Befangenheit zuzuschreiben. Beson-\nders ist noch die deutliche Aussprache zu rühmen. Das Publicum\nlohnte der Sängerin mit reichem Beifalle und Hervorruf.\n(Neue Zeitschr. f. M.)\nWien« Am 14. December v. J. wurde das Jubiläum des Ca-\npellmeisters Adolph Müller am Theater an der Wien, der durch\nvierzig Jahre den Tactstab an dieser Stätte führte, gefeiert. Unter\nden vielen Angebinden, die der unter Fanfaren und Applaus be-\ngrüsste und sichtlich gerührte Jubilar an Tabaksdosen, Tactstöcken\nund Lorberkränzen erhielt, hat sich die gegenwärtige Direction aus-\nser dem grossmüthig zugestandenen Benefiz noch mit der ganz eigen-\nthümlich lautenden Gabe, nämlich mit der Erlaubniss eingestellt,\nseine seit Jahren im Pulte ruhende Operette „Heinrich IV.\" auffüh-\nren zu dürfen. Deutsche Componisten wissen gar Vieles von den\nJammer-Capiteln zu erzählen, welche Leidensgeschichten ihre mnsi-\ncalischen Musenkinder durchzuweinen hatten. Heute scheint dieses\nMartyrerthum keineswegs durch die mildere Denkungsweise holder\nDirectoren, mehr aber in Folge der Sterilität schaffender Geister\nimmer spärlicher aufzutreten* Der Jubilar konnte sein Werk hören\nund wir auch, und weder Componist noch Publicum dürfte es be-\nklagen. Ist es auch keine Musik von Originalität, namhaft melodi-\nscher Frische und grosser Erfindungsgabe, so weist sie doch manch\nsinniges Motiv, manch feinen Zug und viel rhythmische Farbe auf.\n* Bozen* Am 14. December v. J. gab der städtische Musik-\nverein im Theater das dritte Concert des nun abgeschlossenen\nVereinsjahres, wozu sich das Publicum sehr zahlreich versammelte.\nEs ward mit einer Ouvertüre in C von M. Nagiller eröffnet, welche\nhier zum ersten Male gehört wurde. Das schöne, mit vieler Form-\ngewandtheit elegant und lichtvoll durchgeführte Werk erhielt allge-\nmeinen Beifall. Dann folgte Mendelssohn's Concert-Arie, von Fräu-\nlein B. v. N. recht brav und wirkungsvoll mit schönem Verständ-\nnisse vorgetragen. Die Hauptnummer war „Erlkönigs Tochter\",\nBallade für Solo, Chor und Orchester von Niels W. Gade. Der\nErfolg der Ausführung durch ungefähr 140 Personen war ein ent-\nschiedener. Die Solisten waren ihrer Aufgabe vollkommen gewach-\nsen, die Chöre von ausgezeichnet schöner Wirkung, und auch das\nOrchester erwies sich der schwierigen Aufgabe gewachsen. Der\nMusik verein hat sich durch die Vorführung dieses Werkes ein neues\nVerdienst erworben. Die tüchtige Leitung des Herrn Nagiller und\nder Fleiss sämmtlicher Witwirkenden muss gebührend hervorgeho-\nben werden. In den letzten Jahren wurden mehrere grosse Vo-\ncalwerke, als „Der Tod Jesu\" von Graun, „Das Weltgericht\" von\nFr. Schneider, „Das Ende des Gerechten\" von Schiebt, „Die Schö-\npfung\" von Haydn, „Der Rose Pilgerfahrt\" von R. Schumann auf-\ngeführt.\nDie Direction der grossen Oper hat mit Verdi den\nVertrag gemacht, dass „La forza del destinou nicht zur Aufführung\nkommt, dagegen der Maestro eine neue Partitur auf einen französi-\nschen Text von Dulocle und Mery schreiben wird, durch welchen\ndiese Herren Schiller's „Don Carlos\" in eine Oper von fünf Acten\nverwandeln werden. Nun, „Die Räuber\" und „Louise Miller\" haben\nja die italiänischen Poeten auch schon für Verdi zurecht gemacht.\nAnders klingt es doch, wenn dieselbe Oper Mozart's „Don\nJuan\", der mit französischem Texte vor länger als zwanzig Jah-\nren in Paris gegeben wurde, wieder in Scene setzen will. Im\nThöätre lyrique macht Flotow's „Martha\" volle Häuser*\nIn Bologna ist Meyerbeer's „Africanerin\" zuerst in Italien\ngegeben worden und macht so volle Häuser, dass alle Bühnen Ita-\nliens die Hände nach der rettenden Partitur ausstrecken*\nTurin. Nachdem Adelina Patti in Florenz reichliche Spen-\nden an die Armen gegeben, trat sie am 22. December v. J. in Tu-\nrin zum ersten Male auf und erregte bei einem dermaassen gefüll-\nten Hause, dass die Einnahme 22,000 Fr. betrug, ungeheuren En-\nthusiasmus. Der König von Italien hat ihren Schwager und Lehrer\nMaurice Strakosch zum Ritter des heiligen Lazarus ernannt."}]}