{"numero_id": "bm-bmtnabi-1866-01-13-01", "volume": "bmtnabi_1866-01-13_01", "ocr_sha256": "d970a6f313ebf5958da70dc59174d07a351bf9d4410a4f1c6080bfc47d2cd02b", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1866/01/13_01/bmtnabi_1866-01-13_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660113-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1866-01-13-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-01-13_01#c001", "volume": "bmtnabi_1866-01-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "9", "page_fin": "9", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660113-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660113-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 478, "texte": "Inhalt.\nBemerkungen über das Quartettspiel. Briefe aus Italien (F. Liszt Dante-Feierlichkeit Quartett-Verein). Aus\nFrankfurt am Main (Concerte des Liederkranzes und der Chorvereine 7. Museums-Concert Theater). Stadttheater in Köln (Re-\npertoire vom 31. August bis 31. December 1865). Die Africanerin (Erste Aufführung auf dem Stadttheater in Köln). Aus Wismar\n(Musikzustände). Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Gebrüder Müller, VI. 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Sie machen keines-\nwegs Anspruch auf eine theoretische Anleitung zum Quar-\ntettspiel, sondern wollen nur Ansichten über die Ausfüh-\nrung von Quartetten darlegen, welche auf ästhetischen\nGrundsätzen, a-uf Beobachtungen und Erfahrungen beim\nAnhören, auf historischen Notizen und Beurtheilungen der\nLeistungen von Künstler-Vereinen durch sachkundige Kri-\ntiker beruhen.\nAuf das rein Technische der Ausführung gehen wir\nnicht ein; die Leser unserer Zeitung können wir auf die\nAufsätze von Anton Schindler in Nr. 15 und 16 des Jahr-\ngangs 1862 verweisen. Dort werden die verschiedenen\nSchulen hauptsächlich nach der Eigenthümlichkeit der\nBogenführung charakterisirt und beachtungswerthe Worte\nüber den Unterschied von Concertspielern und Quartett-\nspielern gesagt. Im Allgemeinen bestand dieser Unterschied\nund besteht zum Theile noch in der Schule, aus welcher\nder Spieler der ersten Violine hervorgegangen ist, oder\nwelcher er sich angeschlossen hat, und dass derselbe darin\ngrossen Einfluss auf seine Mitspieler übt, ist nicht zu läug-\nnen. Die ältere Schule der Italiäner von Tartini bis Paga-\nnini lieferte fast nur Concertspieler, und wir können nicht\ndarüber urtheilen, in wie weit diese auch gute Quartett-\nspieler waren. Von Paganini, dem einziger, der noch in\nunsere Zeit herüber ragte, wird angenommen, dass er so\ngut wie gar nicht Quartett spielte, wie denn auch seine\nganze eigenthümliche Künstlernatur ihn zum Concertspie-\nler und zum Typus einer Virtuosität, mit welcher das\nQuartett nichts zu thun hat, stempelte. Die wiener Schule\ntheilte noch durch feste Schranken die Quartettspieler von\nden Concertspielern. Ignaz Schuppanzigh (geb. 1776,\ngest. 1830) war bekanntlich der eigentliche Hohepriester\ndes Quartettspiels, der Zeilgenosse von Haydn, Mozart\nund Beethoven, den die drei grossen Meister als den\neigentlichsten Dolmetscher ihrer herrlichen Werke aner-\nkannten. Er war bloss Quartettspieler und Orchester-An-\nführer. Seine Zeitgenossen Mayseder, Böhm, Klement,\nPechatschek und Andere waren Concertspieler, und Beet-\nhoven schrieb sein Violin-Concert nicht für Schuppanzigh,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660113-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5495, "texte": "sondern für Klement. In Frankreich vereinigten Rode,\nKreutzer und namentlich Baillot die Eigenschaften eines\nConcert- und Quarteltspielers in sich, während in unseren\nTagen man von den französischen Quartettspielern nicht\nimmer dasselbe sagen kann. Die belgische Schule, und\nde an ihrer Spitze, hat das Quartettspiel eher ver-\nweichlicht, als gestärkt, und ist sowohl auf die französi-\nsche als auf die deutsche Schule, wenigstens eine Zeitlang,\nmehr von nachteiligem als vorteilhaftem Einflüsse ge-\nwesen. In Deutschland war Spobr im Vortrage seiner\neigenen und Mozart'scher Quartette eben so gross, als im\nConcertspiel; eben so Lipinski in Dresden, und heutzutage\nist der gedachte Unterschied fast verschwunden, indem\nJoachim, David, von Königslöw und Andere vortreff liche\nQuartett- und Concertspieler sind; ja, selbst der Italiener\nSivori- vereinigt die Vorzüge beider auf hervorragende\nWeise in sich. Es bat dem Quartettspiele überhaupt zum\nHeile gereicht, dass die Glanz-Periode der Virtuosität vor-\nüber ist, dass sie wenigstens das ganz und gar Verblen-\ndende selbst für die Menge grossentheils verloren hat und\nnicht mehr die Concertmusik beherrscht. Der Geschmack\nist in Beziehung auf Kammermusik ohne Zweifel wieder\ngediegener geworden und hat sich den classischen Wer-\nken wieder zugewandt, und wenn die Kräfte zu vollkom-\nmener Ausführung derselben auch sehr ungleich sind, so\nist es doch ein erfreuliches Zeichen der Zeit, dass in\nDeutschland alle grossen und mittleren Städte ihre Quar-\ntett-Vereine haben, und somit die Theilnahme an der\nedelsten Gattung der Instrumentalmusik eine Verbreitung\ngefunden hat, wie man sie im Anfange unseres Jahrhun-\nderts noch kaum ahnen konnte. Merkwürdig aber und\nscheinbar im Widerspruche stehend mit der eben erwähn-\nten unläugbaren Thatsache ist es, dass die Dilettanten-\nCirkel für Quartettmusik in der Familie gegen jene frü-\nhere Periode abgenommen haben, was immerhin zu be-\ndauern ist. Die Gründe davon liegen in der tyrannischen\nHerrschaft des Claviers, das sich in der Hausmusik allein\ngeltend macht, und zweitens auch wohl darin, dass die\nAusführung der Quartettmusik von Tag zu Tage grössere\ntechnische Fertigkeit verlangt und Scheu einflösst, sich\ndaran zu geben, was indess wegfallen würde, wenn man\nbei den Quartetten von Haydn, den Quintetten von Mozart\nund den ersten Quartetten von Beethoven bliebe, welche\ndoch alle für Geist und Gemüth köstliche Nahrung bieten.\nDass die Quartettspieler alle vier Solospieler sein müs-\nsen, ist im Princip richtig, weil dadurch die Correctheit\nund die Egalität der technischen Ausführung gesichert ist.\nAliein diese Forderung schliesst zwei Dinge nicht aus:\neinmal, dass es nicht nur nichts schadet, sondern vielmehr\nwünschenswert ist, wenn der Spieler der ersten Geige\nein hervorragender Künstler ist, und zweitens, dass das\nHervortreten einer Stimme aus dem Zusammenspiel nicht\nstellenweise gestattet, ja, geboten sei. Das Erste erklärt\nsich dadurch, dass die erste Violine fast immer die Ver-\ntreterin der Hauptstimme, im Allgemeinen die Führerin\nder Melodie der Haupt-Motive ist, und ausserdem, wo die-\nses nicht der Fall, häufig durch sinnreiches Figurenspiel,\ndessen geschmackvolle Ausführung schwierig ist, dem\nGanzen anmuthigen Reiz oder glänzenden Schmuck zu ver-\nleihen hat. Dass sie da, wo die Sache umgekehrt ist, der\nzweiten Violine, oder der Bratsche und dem Violoncell,\nje nachdem dieses oder jenes Instrument vom Componisten\nbevorzugt ist, sich unterordnen muss, versteht sich von\nselbst, wird aber nicht immer beobachtet. Dies führt uns\nauf die zweite Ausnahme von der Regel des egalen Zu-\nsammenspiels. Sie besteht darin, dass das stimmführende\nInstrument von den anderen nicht gedeckt werden darf,\nsondern hervortreten muss. Es gibt in allen Quartetten\nvon Haydn und Mozart und auch von Beethoven, bis in\nseine allerletzten hinein, Stellen, in welchen sich drei In-\nstrumente gegen ein viertes, oder zwei gegen zwei andere\nmehr begleitend als concertirend verhalten, und in allen\ndiesen Fällen würde eine gleiche Tonstärke, wo sie nicht\nzum Zwecke einer besonderen Wirkung geradezu vorge-\nschrieben ist, fehlerhaft sein. Freilich gehören zu ein-\ndrucksvoller Ausführung dieser verschiedenen Farben im\nVorder- und Hintergrunde des Tongemäldes auch gleich\ngute, klangvolle Instrumente; denn was will der zweite\nViolinist, wenn ihm z. 8., wie im ersten Allegro des C-\nmoll-Quartettes Op. 18 von Beethoven, die Melodie des\nzweiten schönen Motivs anvertraut ist, machen, wenn er\nmit einer gewöhnlichen Geige nicht gegen den Stradiva-\nrius oder Guarneri des ersten Violinisten aufkommen kann,\ndessen Ton trotz aller Mässigung den seinigen farblos\nmacht? Ausser in den genannten Fällen ist aber jedes\nHervortreten einer einzelnen Stimme vor den anderen dem\nWesen des Quartettes zuwider, wird störend und unan-\ngenehm. Am schönsten wird die Klangwirkung und zu-\ngleich am leichtesten das Verständniss der Composition\nwerden, wenn die beiden Mittelstimmen, zweite Violine\nund Bratsche, nicht bloss in der Behandlung, sondern auch\nim Tone ihrer Instrumente der ersten Violine und dem\nVioloncell ebenbürtig sind.\nAus allem dem geht hervor, dass in Bezug auf das\nZusammenspiel vollkommen gleiche technische Behand-\nlung der Instrumente, mit Einem Worte: Gleichheit in\nallem, was man unter dem Worte „Schule\" begreift, das\nHaupterforderniss für die Erzeugung der Einheit in der\nWiedergabe einer Quartett-Composition ist. Die gleiche\nSchule ist die erste Bedingung, um zu erreichen, dass"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660113-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5222, "texte": "die Leistung von einem und demselben Hauche belebt\nwird, dass sie das Kunstwerk so reproducirt, als spiele\nEin Mann. Dass es hierbei vorzüglich auf die gleiche Bo-\ngenführung ankommt, leuchtet ein. Aber auch ein glei-\ncher Bezug der Instrumente gehört dazu, und es wäre sehr\nzu wünschen, dass die Quartettspieler, wie es von einigen\nbereits geschieht, wieder zu den stärkeren Saiten der\nSpohr'schen Schule zurückkehrten, da sie die dünnen im\nQuartette keineswegs nöthig haben, uro moderne Schnör-\nkeleien leichter und glatter auszuführen.\nWas nun den eigentlichen Vortrag, zunächst im\nGanzen, betrifft, so glauben wir die deutsche Schule darin\nunbedenklich obenan stellen zu dürfen.\nIn Spohr's Violinschule lesen wir im Capitel vom Vor-\ntrage Folgendes: „Da die Art des Vortrages stets aus der\nIdee und dem Geiste der Composition hervorgehen soll,\nso muss der Solospieler im Quartette seine ihm eigen-\ntümliche Vortragsweise des Solo's zu verläugnen und dem\njedesmaligen Charakter des Vorliegenden anzupassen wis-\nsen. Nur wenn er dies vermag, wird es ihm gelingen kön-\nnen, sowohl den Charakter der einzelnen Sätze eines\nQuartettes, wie auch die Verschiedenheit des Stils in den\nWerken unserer classischen Quartett-Componisten klar\nhervorzuheben.\"\nHiermit spricht der Meister sehr entschieden seine\nMeinung gegen die Berechtigung der Subjectivität in der\nWiedergabe der Erzeugnisse eines fremden Genius aus:\nwas würde er erst sagen, wenn er die heutigen Redens-\narten über „individuelle Auffassung\" und ähnliche hoch-\nklingende Worte, Töne ohne Grundbass der künstleri-\nschen Vernunft, hören raüsste! Es gibt nur einen Cha-\nrakter eines jeden Musikstückes, und das ist der, den der\nSchöpfer desselben ihm eingehaucht hat, wie Prometheus\nseinem Gebilde die Seele: diesen erkennen und wieder-\ngeben, ist die Aufgabe des ausübenden Künstlers, und\ndazu gehört mehr Geist, Wissen und Studium, als zu der\nanmaassenden Ueberhebung, welche das Ich nicht mit\ndem Genie des Componisten zu identificiren strebt, son-\ndern diesem seinen eigenen Charakter aufzwingen will.\nUnd ist es denn nicht lohnenden Ruhmes genug für den\nKünstler, eine fremde Composition so zu durchdringen,\ndass der Charakter derselben ihm klar wird und gleich-\nsam in ihn übergeht, dass eine gewisse Verwandtschaft\nmit dem Geiste eines grossen Tondichters aus seinem Vor-\ntrage hervorleuchtet, dass der Hauch des Genius eines\nHaydn, Mozart, Beethoven aus seinen Tönen uns begei-\nsternd anweht?\nSo wie jedes Musikstück nur einen Charakter hat,\nso bat es auch nur ein Tempo, welches diesem Charakter\nentspricht.\nHiermit berühren wir eine Sache, für welche die\nneuere Zeit den richtigen Standpunkt arg verrückt, und\nauf welche ein sonst unläugbar grosser Fortschritt in der\nMusik eine nicht vortheilhafte, sondern schädliche Wir-\nkung geübt hat.\nDie Vervollkommnung des Mechanismus ist es, welche\nwir für die verkehrte Auffassung der Tempi, die am häu-\nfigsten in der Uebertreibung der Schnelligkeit besteht,\nvorzugsweise verantwortlich machen müssen. Die ins Fa-\nbelhafte fortgeschrittene Virtuosität in der Technik des\nPianoforte und der Saiten-Instrumente hat sowohl durch\ndie ausschliessliche Cultur ihrer selbst, als durch das über-\ntrieben schnelle Zeitmaass die Wahrheit der musicalischen\nCharakteristik und des Ausdrucks zuerst in dem Salon-\nund Concertspiele von Solosachen für Ciavier oder Violine\nverdunkelt und oft unmöglich gemacht, und dann auch\nauf das Quart'ettspiel ihren verderblichen Einfluss geübt.\nWenn nun auch in unseren Tagen der bessere Sinn wie-\nder mächtiger bei hervorragenden Künstlern und beim\nPublicum wird, so verleitet doch die Leichtigkeit der Be-\nwältigung aller Schwierigkeiten sowohl manche Orchester-\nDirigenten als Quartettspieler von den Pianisten gar\nnicht zu reden —, noch viel zu oft zu ganz unbegreif-\nlichem Vergreifen der Tempi. Unausstehlich ist dabei die\nvon manchen Tonangebern gebrauchte Entschuldigung:\n„Wir leben rascher— unser Blut wallt schneller, als das\nunserer Kunstgenossen vor fünfzig Jahren!\" Wahrhaftig,\nihr Herren! besser wäre es, wenn euer Herzschlag dem\nvon Mozart und Beethoven gliche! Ihr würdet dann Künstler\nbleiben und nicht fieberhafte Aufregung oder Trunkenheit\nfür Begeisterung ausgeben wollen! Glücklicher Weise\nfür die Kunst verschwindet jene frivole Behandlung der\nTempi immer mehr, und namentlich können wir den mei-\nsten Quartett-Vereinen, sowohl den deutschen als den pa-\nrisern, immer weniger Vorwürfe desswegen machen. Eine\nhohe Anerkennung gebührt in diesem wesentlichen Punkte\nkünstlerischer Ausführung dem kölnischen Quartette der\nHerren Königslöw, Japha, Derckum und Schmit, und der\nDirection der Sinfonie- und Oratorienmusik in den Gür-\nzenich-Concerten durch Ferdinand Hiller. In der Kritik\nspukt aber leider noch hier und da das „rascher wallende\nBlut\", wie wir uns z. B. aus der Stelle in einem sonst\nrecht verständigen leipziger Berichte über die jüngeren\nGebrüder Müller erinnern, worin diesen Künstlern zum\nVerdienste angerechnet und als Erreichung einer höheren\nStufe im Vergleiche zu dem älteren Brüder-Quartette\nbezeichnet wurde, „dass ihre Auffassung vom Geiste\nder Neuzeit durchweht sei, wesshalb sie den heu-\ntigen Ansprüchen völlig gerecht und dem Hörer sympa-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660113-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 197, "texte": "thisch würden!\"*) Wir haben uns zu unserer Freude\nüberzeugt, dass dies nur eine Redensart war, zu welcher\ndie trefflichen Leistungen der jüngeren Gebrüder Müller\nnicht berechtigen.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-01-13-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-01-13_01#c003", "volume": "bmtnabi_1866-01-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "12", "page_fin": "13", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660113-01.2.3", "titre_corps": "Briefe aus Italien.", "titre_sommaire": "Briefe aus Italien.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660113-01.1.4", "debut_caractere": 199, "fin_caractere_exclue": 4929, "texte": "Briefe aus Italien.\n(11. S. Nr. 48 des vorigen Jahrgangs.)\nRom, den 31. December 1865.\nWenn ein Musiker jetzt einen Brief aus Rons erhält,\nso ist seine Erwartung, etwas von Liszt zu hören, ganz\nnatürlich, denn Liszt hat uns alle ja lange genug durch\nseine geniale Reproductionskraft angezogen, entzückt und\neinen Zauber geübt, der in seiner innersten Natur und\nseinem geistigen, poetischen Wesen eine viel tiefere und\nreinere Quelle hatte, als den blossen Glanz der Virtuosi-\ntät. Sie haben mir ja auch oft erzählt und es auch öffent-\nlich ausgesprochen, dass Sie diejenigen Stunden, in wel-\nchen Liszt in seinem Zimmer vor Ihnen allein am Flügel\nseine echte Künstlernatur so recht aus vollem Herzen\nwalten Hess, zu den schönsten Ihres Lebens in Bezug auf\nwahren Kunstgenuss zählen. Sie werden also mit mir\nübereinstimmen, wenn ich Ihnen sage, dass mir einige\nMorgenstunden bei Liszt den höchsten musicalischen Ge-\nnuss gewährt haben, den man wohl jetzt in Rom haben\nkann. Da lernte ich denn unter anderen neueren Werken\nvon ihm auch seine „Graner Messe\" kennen, die er am\nFlügel in jener wunderbaren Weise, die aus dem Ciavier\nein Orchester und Chor zu machen im Stande ist, mich\nhören Hess. Sie wissen, dass ich keineswegs für Liszt's\nCompositionen schwärme und grossentheils Ihre Ansichten\nüber dieselben theile; allein gerade, weil ich eher gegen\nals für dieselben eingenommen zu sein geneigt bin, muss\nich sagen, dass in manchen seiner Werke und namentlich\nin der genannten Messe neben monströsen Abnormitäten\nMomente eintreten, die ich als wahrhaft erhaben bezeich-\nnen möchte, und die bei so fabelhaft gewaltiger Ausfüh-\nrung am Pianoforte einen ausserordentlichen Eindruck auf\nmich machten, und mich vielleicht noch mächtiger erreg-\nten, als wenn ich das Werk durch Chor und Orchester\nin der Kirche gehört hätte. Hier erschien mir einmal\nLiszt wieder vollständig als der Magus, der eine Welt\nvon Tönen und Harmonieen auf einem einzigen Instru-\nmente in unerhört grossartiger Weise wiederzugeben\nvermag. '\nAls wenn ich die Messe von Liszt in der Kirche ge-\nhört hätte sagte ich. Nun ja, und vollends hier! Denn\nalles Musicalische in den Kirchen Roms steht unter Null;\nes ist, als wenn die grosse römische Schule gar nicht exi-\nstirt hätte; selbst die Musik in der Sixtinischen Capelle\nerinnert nicht daran, und es gehört zu den Ausnahmen,\nwenn dort hier und da einige wunderschöne Stimmen für\ndas barbarisch Unkünstlerische der Ausführung einiger\nMaassen entschädigen. Als eine musicalische Merkwürdig-\nkeit Roms muss ich aber einen jungen Sänger dieser Ca-\npelle erwähnen, Namens G. R. Davies, Capellano Can-\ntore Pontificio.ln einer Soiree bei mir trug er einige\nKirchen-Arien vor, dass man darüber erstaunen musste.\nDenn er ist in den zwanziger Jahren, kein Castrat und\nbesitzt dennoch eine prächtige Altstimme, die mehr als\nzwei und eine halbe Octave vom kleinen c bis zweige-\nstrichenen /und g umfasst! Die hohen Töne e, f, g\nsind allerdings etwas scharf, die übrigen hingegen in allen\nRegistern sehr gleich. Der Total-Eindruck seiner Leistun-\ngen ist aber trotzdem kein wohlthuender, auch abgesehen\nvom Stil des Vortrages, der einem deutschen Ohr an und\nfür sich nicht behagen kann. Solch eine Carlotta Patti\nim Priestergewande hat doch etwas Abstossendes und\nUnschönes, das durch das Staunenswerthe nicht aufgewo-\ngen werden kann.\nEine grosse Dante-Feierlichkeit wird hier vorbereitet:\nein Kunstverein hat eine Galerie von Gemälden zu Dante's\nDivina Commedia aufgestellt, und die Eröffnung derselben\nsoll musicalisch durch die Aufführung von Liszt's Dante-\nSinfonie illustrirt werden, oder umgekehrt. Ich lege Ihnen\nüber das Project den Osservatore romano bei. Ueber das\nWie der Ausführung mögen die Götter walten; in einer\nStadt, wo einst Gänse das Capitol retteten, rettet vielleicht\nauch irgend eine günstige Fee Liszt's 7/4-Tact-Fuge vor\nrömischen Sängern und römischem Orchester. Somit Pax\nhominibus honae voluntatis !\nDiesen Ruf muss man denn auch auf den neuen\nQuartett-Verein, der hier entstanden ist, anwenden;\ndenn obwohl ein sehr strebsamer und liebenswürdiger\nKünstler an der Spitze steht und der Verein ein sehr löb-\nliches Ziel verfolgt, so kann er doch in Bezug auf Aus-\nführung eben so wenig wie auf Theilnahme und Erfolg\nneben dem florentinischen Quartett-Vereine, von dem\nich Ihnen neulich berichtet habe, in Betracht kommen.\nDer erste Violinist und Stifter desselben ist Herr Pinelli,\nden Sie bei dem letzten Musikfeste in Köln kennen gelernt\nhaben. Ich fand schon vor zwei Jahren hier zu Rom in\nihm einen recht hoffnungsvollen Geiger von leichterem,\ngefälligem Stil; seitdem ist er in Deutschland gewesen und\nhat bei Joachim studirt. Ob es aber gerathen sei, die\n\n*) Leipziger „Adler\", 1862, 633."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660113-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2166, "texte": "strenggläubige deutsche Richtung in der älteren Musik\nauf Bach und in der neueren auf Schumann den Italiänern\nso mit Einem Male zu octroyiren, möchte ich bezweifeln.\nUrtheilen Sie selbst nach dem Programme für die zweite\nSitzung am 20. December. Es lautete: „Beethoven,\nSonate in G-dur für Pianoforte und Violine, Op. 36.\nJoachim, Romanze aus dem Concerte in ungarischer\nWeise. —Schumann, Violin-Quartett in A-dur, Op. 41.\nJ. S. Bach, Chromatische Phantasie und Fuge in D-\nmollfür das Ciavier.14\nZu den wahrhaft musicalischen Stunden, an die man\nlange zurückdenkt, gehörte ein Abend, an welchem Liszt\nund Sivori eine ausgewählte kleine Gesellschaft entzück-\nten. Sivori hat Rom wieder verlassen.\nAndere Horizonte, als den musicalischen und den\nhimmlischen, mag ich nicht betrachten, noch weniger mich\ndarüber aussprechen. Der italiänische Himmel spendet mir\nmitten im Winter sechs bis acht Stunden schönen warmen\nSonnenscheins, und von meiner Wohnung, dem höchst ge-\nlegenen Hause Roms auf der Piazza della Trinitä Dei\nMonti, überschaue ich die ewige Stadt. Was will ich\nmehr?\nAls in mancher Beziehung interessant fügen wir aus\ndem in obigem Briefe erwähnten\nEiniges hinzu.\nZur Dante-Feier hat eine Gesellschaft in Rom die\nGründung einer bleibenden Ausstellung von siebenund-\nzwanzig Gemälden, welche eine Reihe von Scenen aus der\nDivina Commedia vorstellen, beschlossen. Zur Eröffnung\nderselben ersuchte der Vorsitzende, Cavaliere Romualdo\nGentilucci, in einem sehr schmeichelhaften Schreiben den\n„celebre Commendatore Liszt*, die Aufführung seiner\nSinfonia Dantescazu gestatten als „Huldigung des gröss-\nten deutschen Musikers für den grössten italiänischen\nDichter\". Liszt drückte seinen Dank für die Aufmerk-\nsamkeit u. s. w. in seiner Antwort aus und schreibt unter\nAnderem: „C'est une belle p\nde l'art dans la glorification con-\nformement ä ce qu'enseigne le : „\nnes vero gratiarum sunt, idem\nnes operationum sunt, idem ver operatur\nin omnibus.11 \" Nach Anführung dieser Bibelstellen\nkommt er auf seine Sinfonie zurück und übersendet dem\nChevalier „die erklärenden Blätter des poetischen Argu-\nments derselben, um diese als Programm im Publicum zu\nverbreiten\"."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-01-13-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-01-13_01#c004", "volume": "bmtnabi_1866-01-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "13", "page_fin": "14", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660113-01.2.4", "titre_corps": "Aus Frankfurt am Main.", "titre_sommaire": "Aus Frankfurt am Main.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660113-01.1.5", "debut_caractere": 2168, "fin_caractere_exclue": 4707, "texte": "Aus Frankfurt am Main.\n(Schluss. S. Nr. !♦)\nDas von dem Liederkranze zum Besten der Mozart-\nStiftung veranstaltete Concert bot dieses Jahr ein höheres\nInteresse dadurch, dass eine Cantate von Joseph Bram-\nbach: „Die Macht des Gesanges\", Gedicht von Schiller,\naufgeführt wurde. Diese Cantate für Soli, Männerchor\nund Orchester ist dem Liederkranze gewidmet. Sie besteht\naus einer Reihe recht wirkungsvoller Nummern, meistens\nChören. Die Erfindung ist nicht gerade eigentümlich\nund oft an Mendelssohn erinnernd, aber von schönem,\nmelodischem Flusse. Die Musik ist dem Texte, der übri-\ngens sich nicht besonders für musicalische Behandlung\neignet, möglichst angemessen und wird, was besonders\nhervorzuheben Ist, nie monoton. Die Factur und die In-\nstrumentation sind so vortrefflich, dass Alles von schönem\nWohlklange ist. So ist der Eindruck des Werkes ein vor-\nwiegend befriedigender.\nIn demselben Concerte spielte der junge, höchst talent-\nvolle Geiger Wilhelmi aus Wiesbaden die Chaconne von\nBach und die russischen Variationen von David. Die Anlagen\ndieses jungen Künstlers sind eminent, sein Ton gross und\nedel, seine Technik ganz ausgezeichnet. Dagegen geht ihm\nbis jetzt Anmuth und Grazie ab; leider scheint er sich\nüberhaupt der virtuosen Richtung gänzlich hinzugeben.\nNun haben wir noch von den ersten Concerten der\ngrossen Chorvereine zu berichten. Der Rühl'sche Ge-\nsangverein brachte ein Requiem in D-moll von Bernhard\nScholz und Athalia von Mendelssohn; der Cäcilien-\nVerein den 114. Psalm von Mendelssohn, die fünf-\nstimmige Motette „Jesu, meine Freude\" von Bach und\ndas Requiem in C-moll von Cherubini. Alle diese Chor-\nwerke wurden mit der grossen Feinheit vorgetragen, wie\nwir sie von unseren Vereinen, auf die wir stolz sein kön-\nnen, zu hören gewohnt sind.\nNeu war nur das Requiem von Bernhard Scholz. Man\nhat es hier mit der Schöpfung eines durchaus tüchtigen\nKünstlers zu thun, keineswegs aber mit einem Werke von\nselbständiger oder bedeutender Erfindung. Wir hören in\ndem ganzen Requiem kein Motiv, welches uns gleich für\ndie Sache interessiren könnte, oder welches aus sich heraus\npoetisch geschaffen wäre. Doch sind die Gedanken edel,\ndie Durchführung in würdigem Stile. Die Factur ist oft\netwas gezwungen, die Modulationen zu gesucht und oft\nvon verletzender Härte. Die Anklänge an die grossen Mei-\nster Mozart und Cherubini sind zahlreich, die Nachahmung\nder von letzterm benutzten Effecte gleichfalls nicht selten.\nAm interessantesten erschien der dagegen mehr\noder weniger misslungen und von unschöner Wirkung das"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660113-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3481, "texte": "Dies irae.Das Quam olirn Äund das\nexcelsis sind keine Fugen, sondern nur Fugato's. Sehr\nschön ist das von vier Solostimmen gesungene Benedictus.\nDas Werk vermag keinen nachhaltigen, erwärmenden\nEindruck zu hinterlassen, aber es ist die kunstgerechte\nArbeit eines routinirten Musikers. Die Aufnahme war im\nGanzen recht günstig.\nIn dem Concerte des Cäcilien-Vereins war es beson-\nders die Motette „Jesu, meine Freude\" von Bach, welche\nvorzugsweise das Interesse in Anspruch nahm. Diese\nprachtvolle Composition, fünfstimmig componirt, besteht\naus den verschiedenen Versen des Chorals „Jesu, meine\nFreude\", unterbrochen von Chören und einem Frauen-\nTerzett, im Ganzen sechs Nummern (da die vier weiteren\nNummern gewöhnlich weggelassen werden). Der Choral\nerscheint bei jedem neuen Verse entweder neu harmoni-\nsirt oder als Cantus firmusmit Figuration, besonders\nwundervoll in dem Verse: „Weg mit allen Schätzen\". Das\nFrauen-Terzett: „Denn das Gesetz des Geistes\", ist von\nhoher Schönheit, und der darauf folgende Chor: „Trotz\nder Gruft der Erden\", von merkwürdiger Kraft und\nEnergie, und zugleich von einem Gottvertrauen, wie nur\nBach es musicalisch auszudrücken wusste. In dem Vor-\ntrage dieses Werkes, ganz a von Anfang bis zu\nEnde, zeigte der Cäcilien-Verein seinen ganzen Glanz. Wir\nglauben, dass es wenige Vereine in Deutschland gibt, wel-\nche ihm dieses Meisterstück in solcher Vollkommenheit\nnachmachen. Der Dirigent des Vereins, Herr Karl Mül-\nler, hatte gleichfalls die grösste Ehre davon.\nFrankfurt a. M., 9. Januar 3866.\nAus dem neuen Jahre füge ich hinzu, dass das sie-\nbente Museums-Concert am 5. d. Mts. eine interessante\nAufführung brachte: Chöre und Zwischenacte zu\ndem heroischen Drama „Thamos, König in Aegypten\",\nvon Gebler, componirt von Mozart. Das Manuscript die-\nser Composition aus dem Jahre 1780 (s. Jahn, 11., S.\n380—400) befindet sich in den Händen der Herren\nAndre dabier; dasselbe wird in Kurzem bei Andre in Of-\nfenbach erscheinen. Es besteht aus vier Zwischenacten\nsammt einem auf den dritten Zwischenact folgenden Me-\nlodram und drei grossen Arien (welche mit unterlegtem\nlateinischen Texte als Kirchenhymnen längst bekannt sind).\nDie ganze Musik ist schön, charakteristisch und trägt ein\necht Mozartisches Gepräge. Besonders auffallend ist die\nVerwandtschaft mit dem kurz nachher componirten „Ido-\nmeneus\". Das Werk war dem Publicum durch ein ver-\nbindendes Gedicht zugänglich gemacht, welches der hier\nlebende Freiherr Gisbert Vincke für die Aufführung in\nsehr gelungener Weise verfasst hatte. Dieses Gedicht\nwurde von unserer trefflichen und reizenden Schauspie-\nlerin Burggraf vorzüglich vorgetragen. Das Werk hatte\nden grössten Erfolg, und vielfach wurde der Wunsch nach\nbaldiger Wiederholung geäussert.\nAuch das hiesige Theater bemüht sich, nicht nur\nden bevorstehenden Geburtstag, sondern sogar den Ge-\nburtsmonat Mozart's zu feiern; seit Neujahr sind die Opern>\n„Cosl fan tutte\",„ldomeneus\", „Don Juan\" zur Auffüh-\nrung gekommen, „Figaro\" und „Zauberflöte\" sollen in\nden nächsten Tagen folgen. Zum 27. Januar bereitet man\ndie „Zaide\" vor, bekanntlich das Bruchstück einer ern-\nsten Operette, welche Mozart auch im Jahre 1780 zu\ncomponiren anfing. Ob die Idee glücklich ist, dieses Werk-\nchen, welches ausser verschiedenen Arien ein hübsches\nTerzett und Quartett enthält, und welches seiner Zeit von\ndurch eine hinzueomponirte Ouvertüre und einen\nSchluss-Chor vervollständigt worden, auf die Bühne zu\nbringen, wird sich bei der Aufführung zeigen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-01-13-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-01-13_01#c005", "volume": "bmtnabi_1866-01-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "14", "page_fin": "15", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660113-01.2.5", "titre_corps": "Stadttheater in Köln.", "titre_sommaire": "Stadttheater in Köln.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660113-01.1.6", "debut_caractere": 3483, "fin_caractere_exclue": 5007, "texte": "Stadttheater in Köln.\nVom 31. August bis 31. December 1865.\nIn den vergangenen drei ersten Monaten der Theater-\nzeit von 1865 —1866 fanden unter der Direction des\nHerrn M. Ernst 101 Vorstellungen Statt, wovon 64 der\nOper und 37 dem recitirenden Drama zufielen, ein Ver-\nbältniss, welches nur aus dem vorherrschenden Geschmacke\ndes kölnischen Publicums an Musik und Gesang und dem\nfast mit jedem Jahre mehr abnehmenden Sinne für das\nSchauspiel zu erklären ist, die Direction aber nöthigt, ein\nzahlreicheres Sänger-Personal anzustellen, als sonst die\nVerhältnisse eines Provincial-Theaters erfordern.\nVon Opern wurden unter Leitung des Herrn Capell-\nmeisters H. Seidel und des Regisseurs der Oper, Herrn\nBehr, gegeben: von Meyerbeer Dinorah (3 Mal), Die\nHugenotten (2 Mal), Robert der Teufel (2 Mal), Der Pro-\nphet; Beethoven Fidelio (2 Mal); Lortzing Czaar und\nZimmermann (4 Mal), Der Waffenschmied (3 Mal), Un-\ndine; Die Jüdin; Cherubini Der Wasserträger\n(2 Mal); Nicolai Die lustigen Weiber von Windsor (3\nMal); Maillart Das Glöckchen des Eremiten (2 Mal);\nVerdi Der Troubadour (3 Mal); Mozart Figaro's Hoch-\nzeit (2 Mal), Die Zauberflöte (2 Mal), Don Juan (2 Mal);\nFlotow Martha (3 Mal); Auber Der Feensee (8 Mal),\nDie Stumme von Portici; Bellini Die Nachtwandlerin,\nNorma; Rossini Der Barbier von Sevilla; Donizetti\nLucia di Lammermoor, Die Regimentstochter; Marseh-\nner Templer und Jüdin; Gounod Faust und Marga-\nrethe (2 Mal, ein Mal durch Heiserkeit des Herrn Niemann\nunterbrochen); Bruch Die Loreley (2 Mal); Kreutzer"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660113-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 965, "texte": "Das Nachtlager von Granada (2 Mal); Wagner Der\nTannhäuser; C. M. von Weber Der Freischütz (2 Mal),\nOberon.\nVon Gästen sind zu erwähnen Fräulein Georgine\nSchubert (als Gast für die Saison engagirt); Fräulein\nAdelina Patti (Amine, Rosine, Lucia 2 Mal, Margare-\nthe). Die Herren Bebr (wurde engagirt), Bertram\nvom Hoftheater zu Wiesbaden, Niemann vom k. Hof-\ntheater zu Hannover.\nDie Ausstattung der Oper durch Decorationen, Maschi-\nnerie und Costume übertrifft alles, was früher auf dem hie-\nsigen Stadttheater in dieser Beziehung geleistet worden ist.\nDie städtische Behörde hat der gegenwärtigen Di-\nrection die Zahlung der (nach französischem Gesetze) hier\nimmer noch zu leistenden Armenabgaben erlassen und ihr\nüberdies eine Subvention von 2000Thlrn. für die laufende\nSaison bewilligt. Ausserdem fallen sämmtiiche Ausgaben,\nals Miethe des Theaters (welches Privat-Eigenthum ist),\nBesoldung des Orchesters, Kosten der Beleuchtung u. s. w.\ndem Unternehmer zur Last."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-01-13-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-01-13_01#c006", "volume": "bmtnabi_1866-01-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "15", "page_fin": "15", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660113-01.2.6", "titre_corps": "Die Africanerin.", "titre_sommaire": "Die Africanerin.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660113-01.1.7", "debut_caractere": 967, "fin_caractere_exclue": 4749, "texte": "Die Africanerin.\nKöln, 12. Januar 1866.\nGestern sahen wir auf dem Stadttheater zum ersten\nMale »Die Af ricaner in\", jene schon vor ihrem Erschei-\nnen seit Jahren besprochene und nach ihrer Aufführung\nin Paris (zuerst den 28. April 1865) schnell berühmt ge-\nwordene Oper Meyerbeer's, deren Darstellung der Mei-\nster selbst leider nicht mehr erlebt hat. Der Gesammt-\nEindruck derselben war auch auf das hiesige Publicum,\nwie überall, wo sie noch gegeben worden ist, ein gross-\nartiger, und wir können es sehr wohl begreifen, dass die\nOper, trotz der Schwächen des Textes und mancher Län-\ngen, in Paris fortwährend volle Häuser macht. Es ist keine\nFrage mehr, dass Meyerbeer in diesem Werke ein Denk-\nmal hinterlassen hat, das zu den Säulen des Ruhmes,\nwelche die Aufschriften „Hugenotten\" und „Robert der\nTeufel\" tragen, gestellt werden kann, und sich unserer\nAnsicht nach näher an diese anschliesst, als „Der Prophet\".\nDie „Africanerin\" stellt uns den ganzen Meyerbeer eben\nso dar, wie wir ihn aus jenen Meisterwerken haben kennen\nund schätzen lernen; er ist darin derselbe mit allem Be-\nwundernswerthen und Wunderlichen, allem Inspirirten und\nRaffinirten, in Begeisterung Geschaffenen und durch Re-\nflexion Erkünstelten, allem wirklich Schönen und gesucht\nEffectvollen, allem dramatisch Wahren und auf Schein und\nGlanz für den Moment Berechneten kurz, die „Africa-\nnerin\" zeigt uns von Anfang bis Ende den Dahingeschie-\ndenen in seiner ganzen Eigentümlichkeit und erzeugt in\nunserem Innern eine neue Anerkennung seines Genies und\neine mit Wehmuth gemischte Erinnerung an den grossen\nMeister.\nDie gestrige Vorstellung, an vielen Stellen und nach\njedem Actschlusse durch rauschenden Applaus und Her-\nvorruf der Darsteller durchlas lebhaft angeregte Publicum,\ndas trotz der erhöhten Preise das Haus in allen Plätzen\ngedrängt füllte, unterbrochen, verdient in jeder Hinsicht\ngrosses Lob, sowohl was die Einstudirung und Leitung des\nmusicalischen Theiles der Aufführung durch Herrn Capell-\nmeister Seidel, als was die Leistungen der Träger der\nHauptrollen und des Chors, und vollends was die Inscene-\nsetzung und Ausstattung des Ganzen durch Herrn Director\nErnst betrifft. Einen solchen Aufwand in den Costumen\ndurch charakteristische Anzüge und reiche Stoffe haben\nwir auf der kölner Bühne noch nie gesehen; der Zug der\nEinwohner der glücklichen Insel zur Huldigung ihrer Kö-\nnigin im vierten Acte entfaltete sich mit so viel Ordnune\nund Geschmack in den verschiedenen Gruppirungen der\nPriester, der Krieger und des Volkes, dass er einen pomp-\nhaften Eindruck machte. Die neuen Decorationen sind\nschön und machen dem Talente der Herren Ramzynowski\nund Waser alle Ehre; namentlich war die Schluss-Deco-\nration mit dem Manzanillabaum und dem Prospect aufs\nMeer vortrefflich. Die hervortretenden Gesang-Partieen\nder Selika (Fräulein Jäger), des Väsco de Gama\n(Herr Riese) und des Nelusko (Herr Schelper) wur-\nden recht gut ausgeführt; die Palme in Gesang und Spiel\ngebührt Fräulein Jäger, welche, von ihrer herrlichen Stim-\nme, deren Lage der Partie sehr angemessen ist, unterstützt,\nihr grosses Talent als dramatische Sängerin auf einer Höhe\nzeigte, wie wir es noch kaum gesehen hatten, wobei Alles,\nErscheinung und prächtiges Costume, zusammenwirkte,\num ihr die lebhafteste Theilnahme des ganzen Publicums\nzu erwerben. Herr Riese hat seine grosse, ebenfalls sehr\ngut studirte Partie correct und mit Ausdruck gesungen\nund seine immer mehr sich entwickelnde kräftige und\no\nschöne Tenorstimme recht brav zur Geltung gebracht.\nDasselbe können wir von Herrn Schelper sagen, dessen\nAufgabe eben so schwierig, aber weniger dankbar ist, da\ndie musicalische Charakteristik dieses Indiers dem Com-\nponisten vielleicht gerade dadurch, dass er sie recht scharf\nzeichnen wollte, weniger gelungen ist."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-01-13-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-01-13_01#c007", "volume": "bmtnabi_1866-01-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "15", "page_fin": "16", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660113-01.2.7", "titre_corps": "Aus Wismar.", "titre_sommaire": "Aus Wismar.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660113-01.1.7", "debut_caractere": 4751, "fin_caractere_exclue": 5030, "texte": "Aus Wismar.\nAm 5. November 1818 stiftete der äusserst kunstsinnige erste\nBürgermeister hierselbst, Justizrath v. Breitenstern, einen musicali -\nschen Verein, welcher sich die Aufgabe stellte, namentlich Oratorie*\nin würdiger Weise zur Aufführung zu bringen. Innige Freundschaft -"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660113-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3123, "texte": "bände, welche genannten Stifter besagten „Musikvereins\" an den\nComponisten Ciasing in Hamburg ketteten, liessen des letzteren\nEinfluss zu besonderem Vortheil in künstlerischer Beziehung für\nunsere Stadt werden, was sich dadurch alsbald an den Tag legte,\ndass der junge Verein gleich in den ersten Jahren seines Bestehens\nmehrere der bedeutenderen Oratorien von Händel unter vielem Pomp\nund mit dem besten Erfolge in unseren grossen, prächtigen Kirchen-\nräumen zur Aufführung brachte. Nicht nur die meisten mecklen-\nburgischen Städte, auch Lübeck und Hamburg betheiligten sich an\ndiesen damals noch seltenen Festlichkeiten, die der vorerwähnte\nLeiter mit ganz besonderem Gepränge auszustatten verstand. Neben\nden bereits im Anfange aufgeführten Oratorien befand sich auch\nHändel's „Semele\". Wenn nun ein geehrter Referent in Nr. 49 (vom\nvorigen Jahre) Ihrer geschätzten Zeitung die Meinung ausspricht,\ndass „Semele\" erst 1861 auch in Deutschland gegeben worden sei,\nso fühlt sich Einsender dieses, derzeitiger Archivar und Secretär\ndes Musikvereins hierselbst, veranlasst, dem gegenüber ein Protocoll\nunseres Vereins vom Jahre 1821 sprechen zu lassen. Darin heisst es\nwörtlich also: „1821, den 16. Oetober, wurde Semele, ein drama-\ntisches Gedicht von Congreve, in Musik gesetzt von G. F. Händel,\nzum Besten für die hiesigen Armen gegeben. Wir hatten das Ver-\ngnügen, dass acht auswärtige Musiker die Orehesterbegleitung ver-\nstärkten.\" Eine zweite Aufführung der „Semele\" weist das Protocoll\nvom 6. November ]823 nach. Eine dritte in unserer Stadt ist für\ndas nächste in Aussicht genommen. lm weiteren Betreff unseres\nVereins sei hier noch bemerkt, dass derselbe seit seinem Bestehen\nin vorgezeichneter Richtung ununterbrochen fortwirkt, wenngleich\nschon mancher Wechsel in der obersten Leitung Statt gefunden\nhat. Sein jetziger Direetor, der Organist an St. Marien hierselbst,\nKarl Stech ert, welcher überhaupt eine lobend anzuerkennende\nWirksamkeit auf dem Gebiete der alten Kirchenmusik ausübt, hat\nsich namentlich viele Verdienste auch um diesen Verein erworben.\nSeit mehreren Jahren schon an seiner Spitze stehend, hat er es in\ndieser Zeit verstanden, durch eine zwar strenge, aber didaktisch\nrichtige Schule tiefere Einsicht in Musik und musicalische Schö-\npfungen unter den mitwirkenden Mitgliedern heranzubilden, wovon\neine weitere schöne Folge ist, dass es zur Zeit einen wahren Ge-\nnuss gewährt, den Concerten dieses Vereins anzuwohnen. Im letzten\nJahre kamen zur Aufführung: im März Die Schöpfung von Haydn,\nim Mai Mozart's Requiem, im December Actus tragicus von Seb.\nBach und Cantate von Mozart: „Herr, hier vor Deinem Throne\".\nWenn ich nun weiter noch mittheile, dass unser Verein sämmtliche\nSolokräfte für seine Concerte aus seiner eigenen Mitte nimmt, und\ndass der letztgedachte leitende Dirigent immer neue Kräfte heran-\nzuziehen und auszubilden bestrebt ist, so werden Sie vielleicht die\nUeberzeugung gewinnen, dass am fernen Ostseestrande ein wärmeres\nund erfolgreicheres Streben für die Kunst blüht, als man anderswo\nvon unserer besonders Handel treibenden Stadt vermuthen mag.\nWismar, im December 1865."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-01-13-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-01-13_01#c008", "volume": "bmtnabi_1866-01-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "16", "page_fin": "16", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660113-01.2.8", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660113-01.1.8", "debut_caractere": 3125, "fin_caractere_exclue": 6246, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\n&.olii« Montag den 15. d. Mts. werden die Herren Gebrü-\nder Müller auf ihrer Durchreise nach Paris eine Soiree im Hotel\nDisch, Abends 7 Uhr, geben und darin Quartette von Haydn (B-dur),\nBeethoven (A-dury Op. 18) und Schubert (G-dur) vortragen.\nIn dem VI. Gürz enich-Concert e am Dinstag den 16.\nd. Mts. kommt Spohr's Concertante für zwei Violinen durch die\nHerren von Königslöw und Japha zur Ausführung; ferner Beetho-\nven's Sinfonie Nr. 8 und M. Bruch's „Scenen aus der Frithjof-\nSage\" (Sopran-Solo Fräulein Rempel, Bariton-Solo Herr Stäge-\nmann), die Chöre vom kölner „Männer-Gesangvereine\" und dem\nkölner „Sängerbunde\" gesungen.\nMorgen, Sonntag den 14., ist die dritte Vorstellung von Meyer-\nbeer's „Africanerin\" im Stadttheater.\nFür den verstorbenen Violin-Professor am prager Conservato-\nrium, Herrn Mildner, an dessen Stelle Herr R. Dreyschock\naus Leipzig berufen worden ist, wurde ein solennes Requiem abge-\nhalten, dem nicht nur alle musicalischen Notabilitäten Prags, son-\ndern auch die Spitzen der übrigen Gesellschaft zahlreichst beiwohn-\nten. Im Nachlasse Mildner's befinden sich ausser zwei echten ita-\nlienischen Violinen, die verkäuflich sind, mehrere Compositionen im\nManuscripte, weiche nächstens bei Christoph und Kuhe im\nDrucke erscheinen werden.\nWien. Der kaiserliche Rath Ritter v. Kochel, der musica-\nlischen Welt vornehmlich bekannt als der verdienstvolle Verfasser\ndes thematisch-chronologischen Mozart-Katalogs, hielt unlängst im\nVereine für österreichische Landeskunde einen längeren Vortrag über\ndie älteren Musik-Zustände in Oesterreich und entrollte ein auf um-\nfassenden Quellenstudien fussendes Bild der Pflege, deren sich die\nMusik unter den Regenten Oesterreichs seit (Jelll fünfzehnten Jahr-\nhunderte zu erfreuen hatte. Das sehr klar gehaltene Exposd fand\nan den zahlreich versammelten Mitgliedern eine sehr aufmerksame\nZuhörerschaft. Die Vorlesung, die man in einem gewissen Sinne eine\nillustrirte nennen könnte, indem die Kupferstich-Portraits der mei-\nsten Regenten und berühmten Künstler, deren der Vortrag gedachte,\nzur Besichtigung aufgestellt waren, gewann dadurch ein erhöhtes\nInteresse. Die Abhandlung wird in den gedruckten Jahrbüchern des\nVereins dem Vernehmen nach Aufnahme finden.\nDie letzten Patti-Concerte füllten in gewohnter Weise das Wie-\ndener Theater in allen Räumen. Eine neue Anziehungskraft war\nRoger, der im Vortrage des „Erlkönig\", der Arie aus der „Weis-\nsen Dame\" und einiger Lieder dritten Ranges den geschmackvollen\nMeister des Gesanges und der Declamation bewährte. Obgleich die\nStimmfrage bei Leistungen von solcher Bedeutung kaum in Betracht\nkommt, so ist es doch erfreulich, constatiren zu können, dass Ro-\ngers Organ, seit er das letzte Mal in Wien sang, der Zeit kaum\neinen Tribut gezahlt hat. Seine Vorträge trugen ihm rauschenden\nBeifall ein; von jenen des Fräuleins Patti, der Herren Jaell,\nVieuxtemps und Piatti versteht sich das von selbst. Drei kleine\nStücke für Violoncell und Harfe, die Herr Piatti mit unserem\ntrefflichen Zamara spielte, brachten eine fernere Abwechslung ins\nProgramm. Sie fanden gute Aufnahme."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660113-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nBemerkungen über das Quartettspiel. Briefe aus Italien (F. Liszt Dante-Feierlichkeit Quartett-Verein). Aus\nFrankfurt am Main (Concerte des Liederkranzes und der Chorvereine 7. Museums-Concert Theater). Stadttheater in Köln (Re-\npertoire vom 31. August bis 31. December 1865). Die Africanerin (Erste Aufführung auf dem Stadttheater in Köln). Aus Wismar\n(Musikzustände). Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Gebrüder Müller, VI. Gürzenich-Concert, „Africanerin\" u. s. w.).\n\nBemerkungen über das Quartettspiel.\nAls Anschluss an die Artikel über „das Quartett\" in\nden Nummern 50, 51 und 52 des vorigen Jahrgangs ge-\nben wir die folgenden Bemerkungen. Sie machen keines-\nwegs Anspruch auf eine theoretische Anleitung zum Quar-\ntettspiel, sondern wollen nur Ansichten über die Ausfüh-\nrung von Quartetten darlegen, welche auf ästhetischen\nGrundsätzen, a-uf Beobachtungen und Erfahrungen beim\nAnhören, auf historischen Notizen und Beurtheilungen der\nLeistungen von Künstler-Vereinen durch sachkundige Kri-\ntiker beruhen.\nAuf das rein Technische der Ausführung gehen wir\nnicht ein; die Leser unserer Zeitung können wir auf die\nAufsätze von Anton Schindler in Nr. 15 und 16 des Jahr-\ngangs 1862 verweisen. Dort werden die verschiedenen\nSchulen hauptsächlich nach der Eigenthümlichkeit der\nBogenführung charakterisirt und beachtungswerthe Worte\nüber den Unterschied von Concertspielern und Quartett-\nspielern gesagt. Im Allgemeinen bestand dieser Unterschied\nund besteht zum Theile noch in der Schule, aus welcher\nder Spieler der ersten Violine hervorgegangen ist, oder\nwelcher er sich angeschlossen hat, und dass derselbe darin\ngrossen Einfluss auf seine Mitspieler übt, ist nicht zu läug-\nnen. Die ältere Schule der Italiäner von Tartini bis Paga-\nnini lieferte fast nur Concertspieler, und wir können nicht\ndarüber urtheilen, in wie weit diese auch gute Quartett-\nspieler waren. Von Paganini, dem einziger, der noch in\nunsere Zeit herüber ragte, wird angenommen, dass er so\ngut wie gar nicht Quartett spielte, wie denn auch seine\nganze eigenthümliche Künstlernatur ihn zum Concertspie-\nler und zum Typus einer Virtuosität, mit welcher das\nQuartett nichts zu thun hat, stempelte. Die wiener Schule\ntheilte noch durch feste Schranken die Quartettspieler von\nden Concertspielern. Ignaz Schuppanzigh (geb. 1776,\ngest. 1830) war bekanntlich der eigentliche Hohepriester\ndes Quartettspiels, der Zeilgenosse von Haydn, Mozart\nund Beethoven, den die drei grossen Meister als den\neigentlichsten Dolmetscher ihrer herrlichen Werke aner-\nkannten. Er war bloss Quartettspieler und Orchester-An-\nführer. Seine Zeitgenossen Mayseder, Böhm, Klement,\nPechatschek und Andere waren Concertspieler, und Beet-\nhoven schrieb sein Violin-Concert nicht für Schuppanzigh,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660113-01.1.2", "texte": "sondern für Klement. In Frankreich vereinigten Rode,\nKreutzer und namentlich Baillot die Eigenschaften eines\nConcert- und Quarteltspielers in sich, während in unseren\nTagen man von den französischen Quartettspielern nicht\nimmer dasselbe sagen kann. Die belgische Schule, und\nde an ihrer Spitze, hat das Quartettspiel eher ver-\nweichlicht, als gestärkt, und ist sowohl auf die französi-\nsche als auf die deutsche Schule, wenigstens eine Zeitlang,\nmehr von nachteiligem als vorteilhaftem Einflüsse ge-\nwesen. In Deutschland war Spobr im Vortrage seiner\neigenen und Mozart'scher Quartette eben so gross, als im\nConcertspiel; eben so Lipinski in Dresden, und heutzutage\nist der gedachte Unterschied fast verschwunden, indem\nJoachim, David, von Königslöw und Andere vortreff liche\nQuartett- und Concertspieler sind; ja, selbst der Italiener\nSivori- vereinigt die Vorzüge beider auf hervorragende\nWeise in sich. Es bat dem Quartettspiele überhaupt zum\nHeile gereicht, dass die Glanz-Periode der Virtuosität vor-\nüber ist, dass sie wenigstens das ganz und gar Verblen-\ndende selbst für die Menge grossentheils verloren hat und\nnicht mehr die Concertmusik beherrscht. Der Geschmack\nist in Beziehung auf Kammermusik ohne Zweifel wieder\ngediegener geworden und hat sich den classischen Wer-\nken wieder zugewandt, und wenn die Kräfte zu vollkom-\nmener Ausführung derselben auch sehr ungleich sind, so\nist es doch ein erfreuliches Zeichen der Zeit, dass in\nDeutschland alle grossen und mittleren Städte ihre Quar-\ntett-Vereine haben, und somit die Theilnahme an der\nedelsten Gattung der Instrumentalmusik eine Verbreitung\ngefunden hat, wie man sie im Anfange unseres Jahrhun-\nderts noch kaum ahnen konnte. Merkwürdig aber und\nscheinbar im Widerspruche stehend mit der eben erwähn-\nten unläugbaren Thatsache ist es, dass die Dilettanten-\nCirkel für Quartettmusik in der Familie gegen jene frü-\nhere Periode abgenommen haben, was immerhin zu be-\ndauern ist. Die Gründe davon liegen in der tyrannischen\nHerrschaft des Claviers, das sich in der Hausmusik allein\ngeltend macht, und zweitens auch wohl darin, dass die\nAusführung der Quartettmusik von Tag zu Tage grössere\ntechnische Fertigkeit verlangt und Scheu einflösst, sich\ndaran zu geben, was indess wegfallen würde, wenn man\nbei den Quartetten von Haydn, den Quintetten von Mozart\nund den ersten Quartetten von Beethoven bliebe, welche\ndoch alle für Geist und Gemüth köstliche Nahrung bieten.\nDass die Quartettspieler alle vier Solospieler sein müs-\nsen, ist im Princip richtig, weil dadurch die Correctheit\nund die Egalität der technischen Ausführung gesichert ist.\nAliein diese Forderung schliesst zwei Dinge nicht aus:\neinmal, dass es nicht nur nichts schadet, sondern vielmehr\nwünschenswert ist, wenn der Spieler der ersten Geige\nein hervorragender Künstler ist, und zweitens, dass das\nHervortreten einer Stimme aus dem Zusammenspiel nicht\nstellenweise gestattet, ja, geboten sei. Das Erste erklärt\nsich dadurch, dass die erste Violine fast immer die Ver-\ntreterin der Hauptstimme, im Allgemeinen die Führerin\nder Melodie der Haupt-Motive ist, und ausserdem, wo die-\nses nicht der Fall, häufig durch sinnreiches Figurenspiel,\ndessen geschmackvolle Ausführung schwierig ist, dem\nGanzen anmuthigen Reiz oder glänzenden Schmuck zu ver-\nleihen hat. Dass sie da, wo die Sache umgekehrt ist, der\nzweiten Violine, oder der Bratsche und dem Violoncell,\nje nachdem dieses oder jenes Instrument vom Componisten\nbevorzugt ist, sich unterordnen muss, versteht sich von\nselbst, wird aber nicht immer beobachtet. Dies führt uns\nauf die zweite Ausnahme von der Regel des egalen Zu-\nsammenspiels. Sie besteht darin, dass das stimmführende\nInstrument von den anderen nicht gedeckt werden darf,\nsondern hervortreten muss. Es gibt in allen Quartetten\nvon Haydn und Mozart und auch von Beethoven, bis in\nseine allerletzten hinein, Stellen, in welchen sich drei In-\nstrumente gegen ein viertes, oder zwei gegen zwei andere\nmehr begleitend als concertirend verhalten, und in allen\ndiesen Fällen würde eine gleiche Tonstärke, wo sie nicht\nzum Zwecke einer besonderen Wirkung geradezu vorge-\nschrieben ist, fehlerhaft sein. Freilich gehören zu ein-\ndrucksvoller Ausführung dieser verschiedenen Farben im\nVorder- und Hintergrunde des Tongemäldes auch gleich\ngute, klangvolle Instrumente; denn was will der zweite\nViolinist, wenn ihm z. 8., wie im ersten Allegro des C-\nmoll-Quartettes Op. 18 von Beethoven, die Melodie des\nzweiten schönen Motivs anvertraut ist, machen, wenn er\nmit einer gewöhnlichen Geige nicht gegen den Stradiva-\nrius oder Guarneri des ersten Violinisten aufkommen kann,\ndessen Ton trotz aller Mässigung den seinigen farblos\nmacht? Ausser in den genannten Fällen ist aber jedes\nHervortreten einer einzelnen Stimme vor den anderen dem\nWesen des Quartettes zuwider, wird störend und unan-\ngenehm. Am schönsten wird die Klangwirkung und zu-\ngleich am leichtesten das Verständniss der Composition\nwerden, wenn die beiden Mittelstimmen, zweite Violine\nund Bratsche, nicht bloss in der Behandlung, sondern auch\nim Tone ihrer Instrumente der ersten Violine und dem\nVioloncell ebenbürtig sind.\nAus allem dem geht hervor, dass in Bezug auf das\nZusammenspiel vollkommen gleiche technische Behand-\nlung der Instrumente, mit Einem Worte: Gleichheit in\nallem, was man unter dem Worte „Schule\" begreift, das\nHaupterforderniss für die Erzeugung der Einheit in der\nWiedergabe einer Quartett-Composition ist. Die gleiche\nSchule ist die erste Bedingung, um zu erreichen, dass"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660113-01.1.3", "texte": "die Leistung von einem und demselben Hauche belebt\nwird, dass sie das Kunstwerk so reproducirt, als spiele\nEin Mann. Dass es hierbei vorzüglich auf die gleiche Bo-\ngenführung ankommt, leuchtet ein. Aber auch ein glei-\ncher Bezug der Instrumente gehört dazu, und es wäre sehr\nzu wünschen, dass die Quartettspieler, wie es von einigen\nbereits geschieht, wieder zu den stärkeren Saiten der\nSpohr'schen Schule zurückkehrten, da sie die dünnen im\nQuartette keineswegs nöthig haben, uro moderne Schnör-\nkeleien leichter und glatter auszuführen.\nWas nun den eigentlichen Vortrag, zunächst im\nGanzen, betrifft, so glauben wir die deutsche Schule darin\nunbedenklich obenan stellen zu dürfen.\nIn Spohr's Violinschule lesen wir im Capitel vom Vor-\ntrage Folgendes: „Da die Art des Vortrages stets aus der\nIdee und dem Geiste der Composition hervorgehen soll,\nso muss der Solospieler im Quartette seine ihm eigen-\ntümliche Vortragsweise des Solo's zu verläugnen und dem\njedesmaligen Charakter des Vorliegenden anzupassen wis-\nsen. Nur wenn er dies vermag, wird es ihm gelingen kön-\nnen, sowohl den Charakter der einzelnen Sätze eines\nQuartettes, wie auch die Verschiedenheit des Stils in den\nWerken unserer classischen Quartett-Componisten klar\nhervorzuheben.\"\nHiermit spricht der Meister sehr entschieden seine\nMeinung gegen die Berechtigung der Subjectivität in der\nWiedergabe der Erzeugnisse eines fremden Genius aus:\nwas würde er erst sagen, wenn er die heutigen Redens-\narten über „individuelle Auffassung\" und ähnliche hoch-\nklingende Worte, Töne ohne Grundbass der künstleri-\nschen Vernunft, hören raüsste! Es gibt nur einen Cha-\nrakter eines jeden Musikstückes, und das ist der, den der\nSchöpfer desselben ihm eingehaucht hat, wie Prometheus\nseinem Gebilde die Seele: diesen erkennen und wieder-\ngeben, ist die Aufgabe des ausübenden Künstlers, und\ndazu gehört mehr Geist, Wissen und Studium, als zu der\nanmaassenden Ueberhebung, welche das Ich nicht mit\ndem Genie des Componisten zu identificiren strebt, son-\ndern diesem seinen eigenen Charakter aufzwingen will.\nUnd ist es denn nicht lohnenden Ruhmes genug für den\nKünstler, eine fremde Composition so zu durchdringen,\ndass der Charakter derselben ihm klar wird und gleich-\nsam in ihn übergeht, dass eine gewisse Verwandtschaft\nmit dem Geiste eines grossen Tondichters aus seinem Vor-\ntrage hervorleuchtet, dass der Hauch des Genius eines\nHaydn, Mozart, Beethoven aus seinen Tönen uns begei-\nsternd anweht?\nSo wie jedes Musikstück nur einen Charakter hat,\nso bat es auch nur ein Tempo, welches diesem Charakter\nentspricht.\nHiermit berühren wir eine Sache, für welche die\nneuere Zeit den richtigen Standpunkt arg verrückt, und\nauf welche ein sonst unläugbar grosser Fortschritt in der\nMusik eine nicht vortheilhafte, sondern schädliche Wir-\nkung geübt hat.\nDie Vervollkommnung des Mechanismus ist es, welche\nwir für die verkehrte Auffassung der Tempi, die am häu-\nfigsten in der Uebertreibung der Schnelligkeit besteht,\nvorzugsweise verantwortlich machen müssen. Die ins Fa-\nbelhafte fortgeschrittene Virtuosität in der Technik des\nPianoforte und der Saiten-Instrumente hat sowohl durch\ndie ausschliessliche Cultur ihrer selbst, als durch das über-\ntrieben schnelle Zeitmaass die Wahrheit der musicalischen\nCharakteristik und des Ausdrucks zuerst in dem Salon-\nund Concertspiele von Solosachen für Ciavier oder Violine\nverdunkelt und oft unmöglich gemacht, und dann auch\nauf das Quart'ettspiel ihren verderblichen Einfluss geübt.\nWenn nun auch in unseren Tagen der bessere Sinn wie-\nder mächtiger bei hervorragenden Künstlern und beim\nPublicum wird, so verleitet doch die Leichtigkeit der Be-\nwältigung aller Schwierigkeiten sowohl manche Orchester-\nDirigenten als Quartettspieler von den Pianisten gar\nnicht zu reden —, noch viel zu oft zu ganz unbegreif-\nlichem Vergreifen der Tempi. Unausstehlich ist dabei die\nvon manchen Tonangebern gebrauchte Entschuldigung:\n„Wir leben rascher— unser Blut wallt schneller, als das\nunserer Kunstgenossen vor fünfzig Jahren!\" Wahrhaftig,\nihr Herren! besser wäre es, wenn euer Herzschlag dem\nvon Mozart und Beethoven gliche! Ihr würdet dann Künstler\nbleiben und nicht fieberhafte Aufregung oder Trunkenheit\nfür Begeisterung ausgeben wollen! Glücklicher Weise\nfür die Kunst verschwindet jene frivole Behandlung der\nTempi immer mehr, und namentlich können wir den mei-\nsten Quartett-Vereinen, sowohl den deutschen als den pa-\nrisern, immer weniger Vorwürfe desswegen machen. Eine\nhohe Anerkennung gebührt in diesem wesentlichen Punkte\nkünstlerischer Ausführung dem kölnischen Quartette der\nHerren Königslöw, Japha, Derckum und Schmit, und der\nDirection der Sinfonie- und Oratorienmusik in den Gür-\nzenich-Concerten durch Ferdinand Hiller. In der Kritik\nspukt aber leider noch hier und da das „rascher wallende\nBlut\", wie wir uns z. B. aus der Stelle in einem sonst\nrecht verständigen leipziger Berichte über die jüngeren\nGebrüder Müller erinnern, worin diesen Künstlern zum\nVerdienste angerechnet und als Erreichung einer höheren\nStufe im Vergleiche zu dem älteren Brüder-Quartette\nbezeichnet wurde, „dass ihre Auffassung vom Geiste\nder Neuzeit durchweht sei, wesshalb sie den heu-\ntigen Ansprüchen völlig gerecht und dem Hörer sympa-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660113-01.1.4", "texte": "thisch würden!\"*) Wir haben uns zu unserer Freude\nüberzeugt, dass dies nur eine Redensart war, zu welcher\ndie trefflichen Leistungen der jüngeren Gebrüder Müller\nnicht berechtigen.\n(Schluss folgt.)\n\nBriefe aus Italien.\n(11. S. Nr. 48 des vorigen Jahrgangs.)\nRom, den 31. December 1865.\nWenn ein Musiker jetzt einen Brief aus Rons erhält,\nso ist seine Erwartung, etwas von Liszt zu hören, ganz\nnatürlich, denn Liszt hat uns alle ja lange genug durch\nseine geniale Reproductionskraft angezogen, entzückt und\neinen Zauber geübt, der in seiner innersten Natur und\nseinem geistigen, poetischen Wesen eine viel tiefere und\nreinere Quelle hatte, als den blossen Glanz der Virtuosi-\ntät. Sie haben mir ja auch oft erzählt und es auch öffent-\nlich ausgesprochen, dass Sie diejenigen Stunden, in wel-\nchen Liszt in seinem Zimmer vor Ihnen allein am Flügel\nseine echte Künstlernatur so recht aus vollem Herzen\nwalten Hess, zu den schönsten Ihres Lebens in Bezug auf\nwahren Kunstgenuss zählen. Sie werden also mit mir\nübereinstimmen, wenn ich Ihnen sage, dass mir einige\nMorgenstunden bei Liszt den höchsten musicalischen Ge-\nnuss gewährt haben, den man wohl jetzt in Rom haben\nkann. Da lernte ich denn unter anderen neueren Werken\nvon ihm auch seine „Graner Messe\" kennen, die er am\nFlügel in jener wunderbaren Weise, die aus dem Ciavier\nein Orchester und Chor zu machen im Stande ist, mich\nhören Hess. Sie wissen, dass ich keineswegs für Liszt's\nCompositionen schwärme und grossentheils Ihre Ansichten\nüber dieselben theile; allein gerade, weil ich eher gegen\nals für dieselben eingenommen zu sein geneigt bin, muss\nich sagen, dass in manchen seiner Werke und namentlich\nin der genannten Messe neben monströsen Abnormitäten\nMomente eintreten, die ich als wahrhaft erhaben bezeich-\nnen möchte, und die bei so fabelhaft gewaltiger Ausfüh-\nrung am Pianoforte einen ausserordentlichen Eindruck auf\nmich machten, und mich vielleicht noch mächtiger erreg-\nten, als wenn ich das Werk durch Chor und Orchester\nin der Kirche gehört hätte. Hier erschien mir einmal\nLiszt wieder vollständig als der Magus, der eine Welt\nvon Tönen und Harmonieen auf einem einzigen Instru-\nmente in unerhört grossartiger Weise wiederzugeben\nvermag. '\nAls wenn ich die Messe von Liszt in der Kirche ge-\nhört hätte sagte ich. Nun ja, und vollends hier! Denn\nalles Musicalische in den Kirchen Roms steht unter Null;\nes ist, als wenn die grosse römische Schule gar nicht exi-\nstirt hätte; selbst die Musik in der Sixtinischen Capelle\nerinnert nicht daran, und es gehört zu den Ausnahmen,\nwenn dort hier und da einige wunderschöne Stimmen für\ndas barbarisch Unkünstlerische der Ausführung einiger\nMaassen entschädigen. Als eine musicalische Merkwürdig-\nkeit Roms muss ich aber einen jungen Sänger dieser Ca-\npelle erwähnen, Namens G. R. Davies, Capellano Can-\ntore Pontificio.ln einer Soiree bei mir trug er einige\nKirchen-Arien vor, dass man darüber erstaunen musste.\nDenn er ist in den zwanziger Jahren, kein Castrat und\nbesitzt dennoch eine prächtige Altstimme, die mehr als\nzwei und eine halbe Octave vom kleinen c bis zweige-\nstrichenen /und g umfasst! Die hohen Töne e, f, g\nsind allerdings etwas scharf, die übrigen hingegen in allen\nRegistern sehr gleich. Der Total-Eindruck seiner Leistun-\ngen ist aber trotzdem kein wohlthuender, auch abgesehen\nvom Stil des Vortrages, der einem deutschen Ohr an und\nfür sich nicht behagen kann. Solch eine Carlotta Patti\nim Priestergewande hat doch etwas Abstossendes und\nUnschönes, das durch das Staunenswerthe nicht aufgewo-\ngen werden kann.\nEine grosse Dante-Feierlichkeit wird hier vorbereitet:\nein Kunstverein hat eine Galerie von Gemälden zu Dante's\nDivina Commedia aufgestellt, und die Eröffnung derselben\nsoll musicalisch durch die Aufführung von Liszt's Dante-\nSinfonie illustrirt werden, oder umgekehrt. Ich lege Ihnen\nüber das Project den Osservatore romano bei. Ueber das\nWie der Ausführung mögen die Götter walten; in einer\nStadt, wo einst Gänse das Capitol retteten, rettet vielleicht\nauch irgend eine günstige Fee Liszt's 7/4-Tact-Fuge vor\nrömischen Sängern und römischem Orchester. Somit Pax\nhominibus honae voluntatis !\nDiesen Ruf muss man denn auch auf den neuen\nQuartett-Verein, der hier entstanden ist, anwenden;\ndenn obwohl ein sehr strebsamer und liebenswürdiger\nKünstler an der Spitze steht und der Verein ein sehr löb-\nliches Ziel verfolgt, so kann er doch in Bezug auf Aus-\nführung eben so wenig wie auf Theilnahme und Erfolg\nneben dem florentinischen Quartett-Vereine, von dem\nich Ihnen neulich berichtet habe, in Betracht kommen.\nDer erste Violinist und Stifter desselben ist Herr Pinelli,\nden Sie bei dem letzten Musikfeste in Köln kennen gelernt\nhaben. Ich fand schon vor zwei Jahren hier zu Rom in\nihm einen recht hoffnungsvollen Geiger von leichterem,\ngefälligem Stil; seitdem ist er in Deutschland gewesen und\nhat bei Joachim studirt. Ob es aber gerathen sei, die\n\n*) Leipziger „Adler\", 1862, 633."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660113-01.1.5", "texte": "strenggläubige deutsche Richtung in der älteren Musik\nauf Bach und in der neueren auf Schumann den Italiänern\nso mit Einem Male zu octroyiren, möchte ich bezweifeln.\nUrtheilen Sie selbst nach dem Programme für die zweite\nSitzung am 20. December. Es lautete: „Beethoven,\nSonate in G-dur für Pianoforte und Violine, Op. 36.\nJoachim, Romanze aus dem Concerte in ungarischer\nWeise. —Schumann, Violin-Quartett in A-dur, Op. 41.\nJ. S. Bach, Chromatische Phantasie und Fuge in D-\nmollfür das Ciavier.14\nZu den wahrhaft musicalischen Stunden, an die man\nlange zurückdenkt, gehörte ein Abend, an welchem Liszt\nund Sivori eine ausgewählte kleine Gesellschaft entzück-\nten. Sivori hat Rom wieder verlassen.\nAndere Horizonte, als den musicalischen und den\nhimmlischen, mag ich nicht betrachten, noch weniger mich\ndarüber aussprechen. Der italiänische Himmel spendet mir\nmitten im Winter sechs bis acht Stunden schönen warmen\nSonnenscheins, und von meiner Wohnung, dem höchst ge-\nlegenen Hause Roms auf der Piazza della Trinitä Dei\nMonti, überschaue ich die ewige Stadt. Was will ich\nmehr?\nAls in mancher Beziehung interessant fügen wir aus\ndem in obigem Briefe erwähnten\nEiniges hinzu.\nZur Dante-Feier hat eine Gesellschaft in Rom die\nGründung einer bleibenden Ausstellung von siebenund-\nzwanzig Gemälden, welche eine Reihe von Scenen aus der\nDivina Commedia vorstellen, beschlossen. Zur Eröffnung\nderselben ersuchte der Vorsitzende, Cavaliere Romualdo\nGentilucci, in einem sehr schmeichelhaften Schreiben den\n„celebre Commendatore Liszt*, die Aufführung seiner\nSinfonia Dantescazu gestatten als „Huldigung des gröss-\nten deutschen Musikers für den grössten italiänischen\nDichter\". Liszt drückte seinen Dank für die Aufmerk-\nsamkeit u. s. w. in seiner Antwort aus und schreibt unter\nAnderem: „C'est une belle p\nde l'art dans la glorification con-\nformement ä ce qu'enseigne le : „\nnes vero gratiarum sunt, idem\nnes operationum sunt, idem ver operatur\nin omnibus.11 \" Nach Anführung dieser Bibelstellen\nkommt er auf seine Sinfonie zurück und übersendet dem\nChevalier „die erklärenden Blätter des poetischen Argu-\nments derselben, um diese als Programm im Publicum zu\nverbreiten\".\n\nAus Frankfurt am Main.\n(Schluss. S. Nr. !♦)\nDas von dem Liederkranze zum Besten der Mozart-\nStiftung veranstaltete Concert bot dieses Jahr ein höheres\nInteresse dadurch, dass eine Cantate von Joseph Bram-\nbach: „Die Macht des Gesanges\", Gedicht von Schiller,\naufgeführt wurde. Diese Cantate für Soli, Männerchor\nund Orchester ist dem Liederkranze gewidmet. Sie besteht\naus einer Reihe recht wirkungsvoller Nummern, meistens\nChören. Die Erfindung ist nicht gerade eigentümlich\nund oft an Mendelssohn erinnernd, aber von schönem,\nmelodischem Flusse. Die Musik ist dem Texte, der übri-\ngens sich nicht besonders für musicalische Behandlung\neignet, möglichst angemessen und wird, was besonders\nhervorzuheben Ist, nie monoton. Die Factur und die In-\nstrumentation sind so vortrefflich, dass Alles von schönem\nWohlklange ist. So ist der Eindruck des Werkes ein vor-\nwiegend befriedigender.\nIn demselben Concerte spielte der junge, höchst talent-\nvolle Geiger Wilhelmi aus Wiesbaden die Chaconne von\nBach und die russischen Variationen von David. Die Anlagen\ndieses jungen Künstlers sind eminent, sein Ton gross und\nedel, seine Technik ganz ausgezeichnet. Dagegen geht ihm\nbis jetzt Anmuth und Grazie ab; leider scheint er sich\nüberhaupt der virtuosen Richtung gänzlich hinzugeben.\nNun haben wir noch von den ersten Concerten der\ngrossen Chorvereine zu berichten. Der Rühl'sche Ge-\nsangverein brachte ein Requiem in D-moll von Bernhard\nScholz und Athalia von Mendelssohn; der Cäcilien-\nVerein den 114. Psalm von Mendelssohn, die fünf-\nstimmige Motette „Jesu, meine Freude\" von Bach und\ndas Requiem in C-moll von Cherubini. Alle diese Chor-\nwerke wurden mit der grossen Feinheit vorgetragen, wie\nwir sie von unseren Vereinen, auf die wir stolz sein kön-\nnen, zu hören gewohnt sind.\nNeu war nur das Requiem von Bernhard Scholz. Man\nhat es hier mit der Schöpfung eines durchaus tüchtigen\nKünstlers zu thun, keineswegs aber mit einem Werke von\nselbständiger oder bedeutender Erfindung. Wir hören in\ndem ganzen Requiem kein Motiv, welches uns gleich für\ndie Sache interessiren könnte, oder welches aus sich heraus\npoetisch geschaffen wäre. Doch sind die Gedanken edel,\ndie Durchführung in würdigem Stile. Die Factur ist oft\netwas gezwungen, die Modulationen zu gesucht und oft\nvon verletzender Härte. Die Anklänge an die grossen Mei-\nster Mozart und Cherubini sind zahlreich, die Nachahmung\nder von letzterm benutzten Effecte gleichfalls nicht selten.\nAm interessantesten erschien der dagegen mehr\noder weniger misslungen und von unschöner Wirkung das"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660113-01.1.6", "texte": "Dies irae.Das Quam olirn Äund das\nexcelsis sind keine Fugen, sondern nur Fugato's. Sehr\nschön ist das von vier Solostimmen gesungene Benedictus.\nDas Werk vermag keinen nachhaltigen, erwärmenden\nEindruck zu hinterlassen, aber es ist die kunstgerechte\nArbeit eines routinirten Musikers. Die Aufnahme war im\nGanzen recht günstig.\nIn dem Concerte des Cäcilien-Vereins war es beson-\nders die Motette „Jesu, meine Freude\" von Bach, welche\nvorzugsweise das Interesse in Anspruch nahm. Diese\nprachtvolle Composition, fünfstimmig componirt, besteht\naus den verschiedenen Versen des Chorals „Jesu, meine\nFreude\", unterbrochen von Chören und einem Frauen-\nTerzett, im Ganzen sechs Nummern (da die vier weiteren\nNummern gewöhnlich weggelassen werden). Der Choral\nerscheint bei jedem neuen Verse entweder neu harmoni-\nsirt oder als Cantus firmusmit Figuration, besonders\nwundervoll in dem Verse: „Weg mit allen Schätzen\". Das\nFrauen-Terzett: „Denn das Gesetz des Geistes\", ist von\nhoher Schönheit, und der darauf folgende Chor: „Trotz\nder Gruft der Erden\", von merkwürdiger Kraft und\nEnergie, und zugleich von einem Gottvertrauen, wie nur\nBach es musicalisch auszudrücken wusste. In dem Vor-\ntrage dieses Werkes, ganz a von Anfang bis zu\nEnde, zeigte der Cäcilien-Verein seinen ganzen Glanz. Wir\nglauben, dass es wenige Vereine in Deutschland gibt, wel-\nche ihm dieses Meisterstück in solcher Vollkommenheit\nnachmachen. Der Dirigent des Vereins, Herr Karl Mül-\nler, hatte gleichfalls die grösste Ehre davon.\nFrankfurt a. M., 9. Januar 3866.\nAus dem neuen Jahre füge ich hinzu, dass das sie-\nbente Museums-Concert am 5. d. Mts. eine interessante\nAufführung brachte: Chöre und Zwischenacte zu\ndem heroischen Drama „Thamos, König in Aegypten\",\nvon Gebler, componirt von Mozart. Das Manuscript die-\nser Composition aus dem Jahre 1780 (s. Jahn, 11., S.\n380—400) befindet sich in den Händen der Herren\nAndre dabier; dasselbe wird in Kurzem bei Andre in Of-\nfenbach erscheinen. Es besteht aus vier Zwischenacten\nsammt einem auf den dritten Zwischenact folgenden Me-\nlodram und drei grossen Arien (welche mit unterlegtem\nlateinischen Texte als Kirchenhymnen längst bekannt sind).\nDie ganze Musik ist schön, charakteristisch und trägt ein\necht Mozartisches Gepräge. Besonders auffallend ist die\nVerwandtschaft mit dem kurz nachher componirten „Ido-\nmeneus\". Das Werk war dem Publicum durch ein ver-\nbindendes Gedicht zugänglich gemacht, welches der hier\nlebende Freiherr Gisbert Vincke für die Aufführung in\nsehr gelungener Weise verfasst hatte. Dieses Gedicht\nwurde von unserer trefflichen und reizenden Schauspie-\nlerin Burggraf vorzüglich vorgetragen. Das Werk hatte\nden grössten Erfolg, und vielfach wurde der Wunsch nach\nbaldiger Wiederholung geäussert.\nAuch das hiesige Theater bemüht sich, nicht nur\nden bevorstehenden Geburtstag, sondern sogar den Ge-\nburtsmonat Mozart's zu feiern; seit Neujahr sind die Opern>\n„Cosl fan tutte\",„ldomeneus\", „Don Juan\" zur Auffüh-\nrung gekommen, „Figaro\" und „Zauberflöte\" sollen in\nden nächsten Tagen folgen. Zum 27. Januar bereitet man\ndie „Zaide\" vor, bekanntlich das Bruchstück einer ern-\nsten Operette, welche Mozart auch im Jahre 1780 zu\ncomponiren anfing. Ob die Idee glücklich ist, dieses Werk-\nchen, welches ausser verschiedenen Arien ein hübsches\nTerzett und Quartett enthält, und welches seiner Zeit von\ndurch eine hinzueomponirte Ouvertüre und einen\nSchluss-Chor vervollständigt worden, auf die Bühne zu\nbringen, wird sich bei der Aufführung zeigen.\n\nStadttheater in Köln.\nVom 31. August bis 31. December 1865.\nIn den vergangenen drei ersten Monaten der Theater-\nzeit von 1865 —1866 fanden unter der Direction des\nHerrn M. Ernst 101 Vorstellungen Statt, wovon 64 der\nOper und 37 dem recitirenden Drama zufielen, ein Ver-\nbältniss, welches nur aus dem vorherrschenden Geschmacke\ndes kölnischen Publicums an Musik und Gesang und dem\nfast mit jedem Jahre mehr abnehmenden Sinne für das\nSchauspiel zu erklären ist, die Direction aber nöthigt, ein\nzahlreicheres Sänger-Personal anzustellen, als sonst die\nVerhältnisse eines Provincial-Theaters erfordern.\nVon Opern wurden unter Leitung des Herrn Capell-\nmeisters H. Seidel und des Regisseurs der Oper, Herrn\nBehr, gegeben: von Meyerbeer Dinorah (3 Mal), Die\nHugenotten (2 Mal), Robert der Teufel (2 Mal), Der Pro-\nphet; Beethoven Fidelio (2 Mal); Lortzing Czaar und\nZimmermann (4 Mal), Der Waffenschmied (3 Mal), Un-\ndine; Die Jüdin; Cherubini Der Wasserträger\n(2 Mal); Nicolai Die lustigen Weiber von Windsor (3\nMal); Maillart Das Glöckchen des Eremiten (2 Mal);\nVerdi Der Troubadour (3 Mal); Mozart Figaro's Hoch-\nzeit (2 Mal), Die Zauberflöte (2 Mal), Don Juan (2 Mal);\nFlotow Martha (3 Mal); Auber Der Feensee (8 Mal),\nDie Stumme von Portici; Bellini Die Nachtwandlerin,\nNorma; Rossini Der Barbier von Sevilla; Donizetti\nLucia di Lammermoor, Die Regimentstochter; Marseh-\nner Templer und Jüdin; Gounod Faust und Marga-\nrethe (2 Mal, ein Mal durch Heiserkeit des Herrn Niemann\nunterbrochen); Bruch Die Loreley (2 Mal); Kreutzer"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660113-01.1.7", "texte": "Das Nachtlager von Granada (2 Mal); Wagner Der\nTannhäuser; C. M. von Weber Der Freischütz (2 Mal),\nOberon.\nVon Gästen sind zu erwähnen Fräulein Georgine\nSchubert (als Gast für die Saison engagirt); Fräulein\nAdelina Patti (Amine, Rosine, Lucia 2 Mal, Margare-\nthe). Die Herren Bebr (wurde engagirt), Bertram\nvom Hoftheater zu Wiesbaden, Niemann vom k. Hof-\ntheater zu Hannover.\nDie Ausstattung der Oper durch Decorationen, Maschi-\nnerie und Costume übertrifft alles, was früher auf dem hie-\nsigen Stadttheater in dieser Beziehung geleistet worden ist.\nDie städtische Behörde hat der gegenwärtigen Di-\nrection die Zahlung der (nach französischem Gesetze) hier\nimmer noch zu leistenden Armenabgaben erlassen und ihr\nüberdies eine Subvention von 2000Thlrn. für die laufende\nSaison bewilligt. Ausserdem fallen sämmtiiche Ausgaben,\nals Miethe des Theaters (welches Privat-Eigenthum ist),\nBesoldung des Orchesters, Kosten der Beleuchtung u. s. w.\ndem Unternehmer zur Last.\n\nDie Africanerin.\nKöln, 12. Januar 1866.\nGestern sahen wir auf dem Stadttheater zum ersten\nMale »Die Af ricaner in\", jene schon vor ihrem Erschei-\nnen seit Jahren besprochene und nach ihrer Aufführung\nin Paris (zuerst den 28. April 1865) schnell berühmt ge-\nwordene Oper Meyerbeer's, deren Darstellung der Mei-\nster selbst leider nicht mehr erlebt hat. Der Gesammt-\nEindruck derselben war auch auf das hiesige Publicum,\nwie überall, wo sie noch gegeben worden ist, ein gross-\nartiger, und wir können es sehr wohl begreifen, dass die\nOper, trotz der Schwächen des Textes und mancher Län-\ngen, in Paris fortwährend volle Häuser macht. Es ist keine\nFrage mehr, dass Meyerbeer in diesem Werke ein Denk-\nmal hinterlassen hat, das zu den Säulen des Ruhmes,\nwelche die Aufschriften „Hugenotten\" und „Robert der\nTeufel\" tragen, gestellt werden kann, und sich unserer\nAnsicht nach näher an diese anschliesst, als „Der Prophet\".\nDie „Africanerin\" stellt uns den ganzen Meyerbeer eben\nso dar, wie wir ihn aus jenen Meisterwerken haben kennen\nund schätzen lernen; er ist darin derselbe mit allem Be-\nwundernswerthen und Wunderlichen, allem Inspirirten und\nRaffinirten, in Begeisterung Geschaffenen und durch Re-\nflexion Erkünstelten, allem wirklich Schönen und gesucht\nEffectvollen, allem dramatisch Wahren und auf Schein und\nGlanz für den Moment Berechneten kurz, die „Africa-\nnerin\" zeigt uns von Anfang bis Ende den Dahingeschie-\ndenen in seiner ganzen Eigentümlichkeit und erzeugt in\nunserem Innern eine neue Anerkennung seines Genies und\neine mit Wehmuth gemischte Erinnerung an den grossen\nMeister.\nDie gestrige Vorstellung, an vielen Stellen und nach\njedem Actschlusse durch rauschenden Applaus und Her-\nvorruf der Darsteller durchlas lebhaft angeregte Publicum,\ndas trotz der erhöhten Preise das Haus in allen Plätzen\ngedrängt füllte, unterbrochen, verdient in jeder Hinsicht\ngrosses Lob, sowohl was die Einstudirung und Leitung des\nmusicalischen Theiles der Aufführung durch Herrn Capell-\nmeister Seidel, als was die Leistungen der Träger der\nHauptrollen und des Chors, und vollends was die Inscene-\nsetzung und Ausstattung des Ganzen durch Herrn Director\nErnst betrifft. Einen solchen Aufwand in den Costumen\ndurch charakteristische Anzüge und reiche Stoffe haben\nwir auf der kölner Bühne noch nie gesehen; der Zug der\nEinwohner der glücklichen Insel zur Huldigung ihrer Kö-\nnigin im vierten Acte entfaltete sich mit so viel Ordnune\nund Geschmack in den verschiedenen Gruppirungen der\nPriester, der Krieger und des Volkes, dass er einen pomp-\nhaften Eindruck machte. Die neuen Decorationen sind\nschön und machen dem Talente der Herren Ramzynowski\nund Waser alle Ehre; namentlich war die Schluss-Deco-\nration mit dem Manzanillabaum und dem Prospect aufs\nMeer vortrefflich. Die hervortretenden Gesang-Partieen\nder Selika (Fräulein Jäger), des Väsco de Gama\n(Herr Riese) und des Nelusko (Herr Schelper) wur-\nden recht gut ausgeführt; die Palme in Gesang und Spiel\ngebührt Fräulein Jäger, welche, von ihrer herrlichen Stim-\nme, deren Lage der Partie sehr angemessen ist, unterstützt,\nihr grosses Talent als dramatische Sängerin auf einer Höhe\nzeigte, wie wir es noch kaum gesehen hatten, wobei Alles,\nErscheinung und prächtiges Costume, zusammenwirkte,\num ihr die lebhafteste Theilnahme des ganzen Publicums\nzu erwerben. Herr Riese hat seine grosse, ebenfalls sehr\ngut studirte Partie correct und mit Ausdruck gesungen\nund seine immer mehr sich entwickelnde kräftige und\no\nschöne Tenorstimme recht brav zur Geltung gebracht.\nDasselbe können wir von Herrn Schelper sagen, dessen\nAufgabe eben so schwierig, aber weniger dankbar ist, da\ndie musicalische Charakteristik dieses Indiers dem Com-\nponisten vielleicht gerade dadurch, dass er sie recht scharf\nzeichnen wollte, weniger gelungen ist.\n\nAus Wismar.\nAm 5. November 1818 stiftete der äusserst kunstsinnige erste\nBürgermeister hierselbst, Justizrath v. Breitenstern, einen musicali -\nschen Verein, welcher sich die Aufgabe stellte, namentlich Oratorie*\nin würdiger Weise zur Aufführung zu bringen. Innige Freundschaft -"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660113-01.1.8", "texte": "bände, welche genannten Stifter besagten „Musikvereins\" an den\nComponisten Ciasing in Hamburg ketteten, liessen des letzteren\nEinfluss zu besonderem Vortheil in künstlerischer Beziehung für\nunsere Stadt werden, was sich dadurch alsbald an den Tag legte,\ndass der junge Verein gleich in den ersten Jahren seines Bestehens\nmehrere der bedeutenderen Oratorien von Händel unter vielem Pomp\nund mit dem besten Erfolge in unseren grossen, prächtigen Kirchen-\nräumen zur Aufführung brachte. Nicht nur die meisten mecklen-\nburgischen Städte, auch Lübeck und Hamburg betheiligten sich an\ndiesen damals noch seltenen Festlichkeiten, die der vorerwähnte\nLeiter mit ganz besonderem Gepränge auszustatten verstand. Neben\nden bereits im Anfange aufgeführten Oratorien befand sich auch\nHändel's „Semele\". Wenn nun ein geehrter Referent in Nr. 49 (vom\nvorigen Jahre) Ihrer geschätzten Zeitung die Meinung ausspricht,\ndass „Semele\" erst 1861 auch in Deutschland gegeben worden sei,\nso fühlt sich Einsender dieses, derzeitiger Archivar und Secretär\ndes Musikvereins hierselbst, veranlasst, dem gegenüber ein Protocoll\nunseres Vereins vom Jahre 1821 sprechen zu lassen. Darin heisst es\nwörtlich also: „1821, den 16. Oetober, wurde Semele, ein drama-\ntisches Gedicht von Congreve, in Musik gesetzt von G. F. Händel,\nzum Besten für die hiesigen Armen gegeben. Wir hatten das Ver-\ngnügen, dass acht auswärtige Musiker die Orehesterbegleitung ver-\nstärkten.\" Eine zweite Aufführung der „Semele\" weist das Protocoll\nvom 6. November ]823 nach. Eine dritte in unserer Stadt ist für\ndas nächste in Aussicht genommen. lm weiteren Betreff unseres\nVereins sei hier noch bemerkt, dass derselbe seit seinem Bestehen\nin vorgezeichneter Richtung ununterbrochen fortwirkt, wenngleich\nschon mancher Wechsel in der obersten Leitung Statt gefunden\nhat. Sein jetziger Direetor, der Organist an St. Marien hierselbst,\nKarl Stech ert, welcher überhaupt eine lobend anzuerkennende\nWirksamkeit auf dem Gebiete der alten Kirchenmusik ausübt, hat\nsich namentlich viele Verdienste auch um diesen Verein erworben.\nSeit mehreren Jahren schon an seiner Spitze stehend, hat er es in\ndieser Zeit verstanden, durch eine zwar strenge, aber didaktisch\nrichtige Schule tiefere Einsicht in Musik und musicalische Schö-\npfungen unter den mitwirkenden Mitgliedern heranzubilden, wovon\neine weitere schöne Folge ist, dass es zur Zeit einen wahren Ge-\nnuss gewährt, den Concerten dieses Vereins anzuwohnen. Im letzten\nJahre kamen zur Aufführung: im März Die Schöpfung von Haydn,\nim Mai Mozart's Requiem, im December Actus tragicus von Seb.\nBach und Cantate von Mozart: „Herr, hier vor Deinem Throne\".\nWenn ich nun weiter noch mittheile, dass unser Verein sämmtliche\nSolokräfte für seine Concerte aus seiner eigenen Mitte nimmt, und\ndass der letztgedachte leitende Dirigent immer neue Kräfte heran-\nzuziehen und auszubilden bestrebt ist, so werden Sie vielleicht die\nUeberzeugung gewinnen, dass am fernen Ostseestrande ein wärmeres\nund erfolgreicheres Streben für die Kunst blüht, als man anderswo\nvon unserer besonders Handel treibenden Stadt vermuthen mag.\nWismar, im December 1865.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\n&.olii« Montag den 15. d. Mts. werden die Herren Gebrü-\nder Müller auf ihrer Durchreise nach Paris eine Soiree im Hotel\nDisch, Abends 7 Uhr, geben und darin Quartette von Haydn (B-dur),\nBeethoven (A-dury Op. 18) und Schubert (G-dur) vortragen.\nIn dem VI. Gürz enich-Concert e am Dinstag den 16.\nd. Mts. kommt Spohr's Concertante für zwei Violinen durch die\nHerren von Königslöw und Japha zur Ausführung; ferner Beetho-\nven's Sinfonie Nr. 8 und M. Bruch's „Scenen aus der Frithjof-\nSage\" (Sopran-Solo Fräulein Rempel, Bariton-Solo Herr Stäge-\nmann), die Chöre vom kölner „Männer-Gesangvereine\" und dem\nkölner „Sängerbunde\" gesungen.\nMorgen, Sonntag den 14., ist die dritte Vorstellung von Meyer-\nbeer's „Africanerin\" im Stadttheater.\nFür den verstorbenen Violin-Professor am prager Conservato-\nrium, Herrn Mildner, an dessen Stelle Herr R. Dreyschock\naus Leipzig berufen worden ist, wurde ein solennes Requiem abge-\nhalten, dem nicht nur alle musicalischen Notabilitäten Prags, son-\ndern auch die Spitzen der übrigen Gesellschaft zahlreichst beiwohn-\nten. Im Nachlasse Mildner's befinden sich ausser zwei echten ita-\nlienischen Violinen, die verkäuflich sind, mehrere Compositionen im\nManuscripte, weiche nächstens bei Christoph und Kuhe im\nDrucke erscheinen werden.\nWien. Der kaiserliche Rath Ritter v. Kochel, der musica-\nlischen Welt vornehmlich bekannt als der verdienstvolle Verfasser\ndes thematisch-chronologischen Mozart-Katalogs, hielt unlängst im\nVereine für österreichische Landeskunde einen längeren Vortrag über\ndie älteren Musik-Zustände in Oesterreich und entrollte ein auf um-\nfassenden Quellenstudien fussendes Bild der Pflege, deren sich die\nMusik unter den Regenten Oesterreichs seit (Jelll fünfzehnten Jahr-\nhunderte zu erfreuen hatte. Das sehr klar gehaltene Exposd fand\nan den zahlreich versammelten Mitgliedern eine sehr aufmerksame\nZuhörerschaft. Die Vorlesung, die man in einem gewissen Sinne eine\nillustrirte nennen könnte, indem die Kupferstich-Portraits der mei-\nsten Regenten und berühmten Künstler, deren der Vortrag gedachte,\nzur Besichtigung aufgestellt waren, gewann dadurch ein erhöhtes\nInteresse. Die Abhandlung wird in den gedruckten Jahrbüchern des\nVereins dem Vernehmen nach Aufnahme finden.\nDie letzten Patti-Concerte füllten in gewohnter Weise das Wie-\ndener Theater in allen Räumen. Eine neue Anziehungskraft war\nRoger, der im Vortrage des „Erlkönig\", der Arie aus der „Weis-\nsen Dame\" und einiger Lieder dritten Ranges den geschmackvollen\nMeister des Gesanges und der Declamation bewährte. Obgleich die\nStimmfrage bei Leistungen von solcher Bedeutung kaum in Betracht\nkommt, so ist es doch erfreulich, constatiren zu können, dass Ro-\ngers Organ, seit er das letzte Mal in Wien sang, der Zeit kaum\neinen Tribut gezahlt hat. Seine Vorträge trugen ihm rauschenden\nBeifall ein; von jenen des Fräuleins Patti, der Herren Jaell,\nVieuxtemps und Piatti versteht sich das von selbst. Drei kleine\nStücke für Violoncell und Harfe, die Herr Piatti mit unserem\ntrefflichen Zamara spielte, brachten eine fernere Abwechslung ins\nProgramm. Sie fanden gute Aufnahme."}]}