{"numero_id": "bm-bmtnabi-1866-02-10-01", "volume": "bmtnabi_1866-02-10_01", "ocr_sha256": "d6ae1714587205d9ca05d2046786c55eb2b3c19a1f8978befe0dec822de36070", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1866/02/10_01/bmtnabi_1866-02-10_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660210-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1866-02-10-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-02-10_01#c001", "volume": "bmtnabi_1866-02-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "41", "page_fin": "41", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660210-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "41", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660210-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 487, "texte": "Inhalt.\nUeber die Instrumentalmusik. Von Charles Beauquier. 111. Aus Münster (Concert-Aufführungen bei der Feier\ndes Cäcilienfestes. Aus Utrecht (F. Hiller's „Zerstörung von Jerusalem\"). Von 3. Stadttheater in Köln („Der vierjährige Posten\"\nvon Th. Körner, Musik von Isidor Seiss Boieldieu's „Johann von Paris\"). Siebentes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich.\nTages- und Unterhaltungsblatt (Wesel, Concert Berlin, Parodieen auf die „Africanerin\" Stuttgart, Kirchenmusik u. s. w.)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-02-10-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-02-10_01#c002", "volume": "bmtnabi_1866-02-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "41", "page_fin": "43", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660210-01.2.2", "titre_corps": "Ueber die Instrumentalmusik.", "titre_sommaire": "Ueber die Instrumentalmusik.", "signature_source": "Charles Beauquier", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "41", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660210-01.1.1", "debut_caractere": 489, "fin_caractere_exclue": 4117, "texte": "Ueber die Instrumentalmusik.\nVon Charles Beauquier.\nIII.\n(I. s. Nr. 4. 11. Nr. 5.)\nNachdem Beauquier in den folgenden Abschnitten ge-\nzeigt, dass die Musik weder die Mittel der Geberdensprache,\nnoch der Wortsprache besitze, um bestimmte Gefühle aus-\nzudrücken, verbreitet er sich drittens darüber, dass die\nMusik auch keine symbolische Sprache sein könne. Seine\nBemerkungen über die Unmöglichkeit, Vorstellungen von\nGegenständen durch die Musik zu erwecken, indem höch-\nstens ihre Bewegung (jedoch nur im vagen Allgemeinen,\nwie aus allen früheren Capiteln hervorgeht), niemals aber\ndas Wesentlichste derselben, ihre Form und Gestalt, be-\nzeichnet werden könne, ferner über die so genannte Ton-\nmalerei u. s. w. sind sehr richtig und oft geistreich. Sehr\nwohlbegründet ist (S. 111) seine Warnung vor der ver-\nführerischen Neigung des Verstandes zu Analogieen und\nmetaphorischen Phantasiespielen. „Es bedarf nur einer\ngeringen Anstrengung der geistigen Kraft, um in jedem\nDinge Analogieen mit Ideen, Bewegungen, Formen u. s. w.\nzu finden. Nichts ist der Einbildungskraft leichter, als ein\nSymbol aufzufinden, das man dann für eine Erklärung\nhält, die aber auf nichts als Täuschung beruht.\"\nNach allem diesem kommt er zu folgendem Resume:\n„Die Musik ist also weder eine natürliche, noch con-\nventioneile, noch symbolische Sprache. Der nicht articu-\nlirte Ton, welcher ihr Ausdrucksmittel ist, besitzt keine\nihm nothwendig eigene Bedeutung, wie der Gest oder das\nWort, und hat also nicht die Kraft, für den Verstand ein\nSymbol zu werden. Alles, was er zu bewirken fähig ist,\ndas ist, den Geist fast nur physiologisch in eine gewisse\nStimmung oder Lage zu versetzen, in der es ihm leichter\nwird, sich für diesen oder jenen Affect zu bestimmen. Da\ndie Nerven gleichsam wie blosse Saiten schwingen, so\nkönnen durch besondere geistige Betonung gewisse Ideen\ndurch eine Art von unwillkürlichem Process dadurch an-\ngeregt werden, allein dieser Process hat seine unmittel-\nbare Ursache ausserhalb der directen Einwirkung der\nMusik. Ist die Musik traurig, so kann sie auf die angege-\nbene Weise verborgene Schmerzen in uns wecken; ist sie\nmunter, so wird sich die expansive Kraft in uns frei ma-\nchen und allerlei anmuthige Phantasieen erzeugen*). Der\nVerstand, der hier die Schwingungen der blossen Saiten\nder Nerven gleichsam genauer zu stimmen sucht, fühlt\nsich um so mehr gedrungen, den unbestimmten Gefühlen\nder Seele eine bestimmte Richtung zu geben, als jeder\nZustand der Ungewissheit ihm lästig ist.\n„Bei dem Dichter oder dem Maler können beim An-\nhören eines musicalischen Werkes alle schöpferischen\nKräfte seiner Phantasie erwachen und ihn einen Stoff zu\neinem Gedichte oder ein Motiv zu einem Gemälde finden\nlassen. Allein diese Aufregung ist dieselbe, die sonst Kaffee\noder Champagner oder irgend ein Reizmittel hervorbringt,\nnämlich eine erhöhte Thätigkeit des Nerven-Systems,\nwelche die zufällige Ideen-Association begünstigt. Es gibt\neine ganze Classe von Musik-Liebhabern, welche sich da-\nbei beruhigen: sie sind in der Kunst, was in China die\nOpiumraucher. Der Reiz der Musik besteht für sie darin,\ndass sie dadurch in ein halbes Träumen versetzt werden;\ndabei schwebt dann die wirkliche Welt und die confuse\nWelt der Gefühle und Begriffe vor ihren Gedanken: die\nMusik rollt vor ihnen eine Art von wandelndem Pano-\nrama auf.\n\n*) Auch diese allgemeine Wirkung ist nicht einmal immer die\nnothwendige Folge des trüben oder heitern Charakters der Musik,\ndenn ein Straussischer Walzer z. B. kann eben sowohl Sehnsucht\nund Melancholie durch Erinnerung und Ideen-Verbindung in uns\nerregen, als ein rührendes Adagio.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "42", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660210-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5229, "texte": "„Wenn der Duft einer Rose uns an einen schönen\nMoment unseres Lebens und an alle Einzelheiten in dem-\nselben erinnert, wollte man daraus die Behauptung fol-\ngern, dass der Geruch eine bestimmte Einwirkung auf die\nPhantasie habe? Mit der Musik ist's, wie mit den Wolken\nam Himmel: Jeder sieht darin, was er will. Der Eine\nsagt: dieses Musikstück drückt den Frühling aus, oder die\nSehnsucht, oder die Hoffnung u. s. w., und wenn ein\nAnderer ganz ernsthaft erklärte, es spreche die Scham der\nim Bade überraschten keuschen Susanna aus, so würde\ner wahrscheinlich ausgelacht werden. Und doch hätte er\neben so viel Recht zu dieser Auslegung, als eine Menge\nvon neueren Componisten zu den Ueberschriften ihrer\nMusikstücke. Von allen Künsten hat die Musik\nam allerwenigsten mit der Nachahmung zu schaffen: sie\nist die freieste Kunst; wenn sie zu Allem passt, zu Kind-\ntaufen wie zu Begräbnissen, zu Hochzeiten wie zu Seelen-\nmessen, so ist das ein Beweis nicht dafür, dass sie alles,\nwas dahin passt, ausdrücken kann, sondern dafür, dass\nman nichts davon mit Bestimmtheit durch Töne ausspre-\nchen kann.\"\nDer Verfasser kommt in Folge dessej auch auf den\nStreit der Piccinisten und Gluckisten, worüber er sich hier\nim Allgemeinen, späterhin in dem Abschnitte über Vocal-\nmusik ausführlicher ausspricht und natürlich für die Mu-\nsik auch in der Oper als selbständige Kunst, die frei, nicht\naber sclavisch an die Worte gebunden sei. „Wenn man\ndie Musik zur Sprache, zur Uebersetzung der Worte ma-\nchen will, so muss man die Melodie opfern, welche das\neinzige wahrhaft künstlerische Element der Musik ist; als-\ndann kommt man auf die recitirende Declamation, d. h.\nauf diejenige Form, die sich am weitesten von der eigent-\nlichen Kunst entfernt und der Wortsprache am nächsten\nkommt.\"\nAuch die Fähigkeit der Musik, mehrere Töne zugleich\nund zusammen hören zu lassen, führt der Verfasser gegen\ndie Vergleichung der Musik mit der Sprache an. Wäre\ner Musiker, so würde er allerdings aus der Polypbonie\ngewichtige Momente für seine Ansicht überhaupt gezogen\nhaben ein Punkt, der auch von Hanslick nicht gehörig\nbenutzt worden ist.\n„Nur durch die natürliche Tendenz des Geistes zur\nAnalogie wecken in Verbindung mit der Ideen-Association\ngewisse Harmonieen und eigenthümliche melodische Reihen\nin uns eine Kette von Vorstellungen und Gefühlen, wozu\ndenn auch Ort und Zeit oder Erinnerung an Beides mit-\nwirken, und dies hat grösstentheils die irrige Vorstellung\nvon der Musik als Sprache des Gefühls veranlasst.\"\nDaran knüpft der Verfasser eine Anekdote aus der fran-\nzösischen Revolutionszeit, in welcher bekanntlich die Mu-\nsik für den Ausdruck der Freiheit gar sehr in Anspruch\ngenommen wurde. Gossec, Director des\nde musique (später Conservatoire), leitete im Jahre 1795\nden musicalischen Theil der republicanischen Gedenkfeier\ndes Todestages Ludwig's XVI., wozu sich eine grosse Ver-\nsammlung im Sitzungssaale der Abgeordneten eingefunden\nhatte. Das Orchester begann mit einem Musikstücke von\nmildem, sanften Charakter. Da geriethen die Deputirten\nin Wutb, unterbrachen die Musiker und fragten sie, ob\nsie „den Tod des Tyrannen\" beklagten. Mit diesen Din-\ngen war bekanntlich damals nicht zu spassen, folglich\nstimmten die Musiker auf der Stelle das an.\nNach diesem Beweise von Bürgersinn trat Gossec, der\nnicht unter dem Eindrucke der ersten Anklage bleiben\nwollte, auf und erklärte, die Bedeutung des ersten Musik-\nstückes sei gewesen, „das Glück, von einem Tyrannen be-\nfreit zu sein, zu schildern\". Er rettete dadurch seinen\nKopf, aber sein Glaube an die Ausdrucksfähigkeit der\nMusik wurde bedeutend erschüttert!\nWas der Verfasser über Vocalmusik sagt, ist wenig\nund nur flüchtig geschrieben. Consequent in seinem Sy-\nsteme, gibt es für ihn weder eine an und für sich drama-\ntische, noch religiöse Musik. Nur die Worte, die beiden\nzu Grunde liegen, dann im Theater noch die Handlung\nund die Situation, in der Kirche die Umgebungen und die\nStimmung des Menschen machen sie dazu.\n„Alles, was die Tonkunst auch in der Kirche nur thun\nkann, ist, die Seele in die melancholische oder exaltirte\nStimmung zu versetzen, welche die beiden Haupt-Momente\nreligiöser Erregtheit erzeugt, Gottesfurcht und die Idee\ndes Erhabenen. Das Uebrige thut der Eindruck der Archi-\ntektur, die geheimnissvolle Stille, die eigenthümliche Be-\nleuchtung durch mattes oder gemaltes Glas, die betende\nMenge: alles das versetzt das Gemüth schon in eine an-\ndächtige Stimmung, welche dann durch Orgelklang und\nGesang noch erhöht wird. Alle etwaigen Definitionen der\nreligiösen Musik sind nichts als symbolische Abstractionen.\nAus der geschichtlichen Thatsache, dass der Choral (piain-\nchant)die musicalische Form ist, unter welcher die kirch-\nlichen Dogmen uns überliefert sind, zu folgern, dass diese\nForm religiöser sei, als eine andere, scheint ein wenig lo-\ngischer Schluss zu sein.\"\nBei Besprechung der Vocalmusik überhaupt und be-\nsonders denn auch der dramatischen macht sich übrigens\nder Mangel eines tieferen musicalischen Wissens bei dem\nVerfasser am meisten fühlbar.\nDas letzte Capitel: „Ce\nmusique\", gibt weniger, als die Ueberschrift verspricht,\nsucht das Wesen der Musik mehr durch Gleichnisse, als\ndurch wirklieb philosophische Untersuchung klar zu machen"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "43", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660210-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2832, "texte": "und verräth in vielen Stellen, z. B. in dem, was über die\nSinfonie gesagt wird, dass der Verfasser von dem eigent-\nlichen Wesen musicalischer Gedanken und Motive und\nderen Behandlung und Entwicklung zu einem musicali-\nschen Kunstwerke nur eine sehr ungenügende Vorstellung\nhat. Wir sind desshalb neugierig, auf welche Weise er in\neinem zweiten Theile des Buches, den er verspricht, das\nMusicalisch-Schöne (Je beau musical\") charakterisiren\nwird, da dieses doch zum grossen Theile auch auf der\nForm beruht und ohne gründliche Renntniss derselben\nschwer zu analysiren sein dürfte.\nDas Beste an dem Büchlein bleibt die Rechtfertigung\nder Tonkunst als einer selbständigen Kunst und die Pole-\nmik gegen die Behauptung ihrer Fähigkeit, bestimmte Ge-\nfühle, Vorstellungen oder gar Objecte auszudrücken und\ndarzustellen. Dies fasst denn auch der Schluss des Ganzen\nin wenigen Worten noch einmal zusammen:\n„Wir haben versucht, das der Tonkunst eigentüm-\nliche Gebiet genau zu begränzen, das Gebiet, welches das\nihr allein zustehende ist und von keiner anderen Kunst\nbeansprucht werden kann. Wir sind zu dem Endergebnisse\ngelangt, dass die Instrumentalmusik, die zu nichts Sprach-\nlichem und Literarischem, eben so wenig zum Ausdruck\nvon Vorstellungen und Gefühlen Zuflucht nimmt, die reine\nMusik, das eigentliche Wesen der Tonkunst ausmacht.\nManche Leser werden der Meinung sein, es heisse die\nTonkunst herabsetzen, wenn man sie auf einen so engen\nKreis beschränke und sie gesondert hinstelle, da sie doch\ndie natürliche Hülfsgenossin der Poesie sei, deren Inhalt\nsie stärker hervortreten lasse. Wir glauben aber nicht,\ndass die Nützlichkeit Zweck und Hauptverdienst der Kunst\nsei, und dass ihr Werth nach dem Maassstabe ihrer Aehn-\nlichkeit mit der Literatur gemessen werden dürfe, welche\nletztere dazu da ist, bestimmte Vorstellungen, Begriffe\nund Gefühle darzustellen. Die Organisation des Menschen\nist so reich, dass alle Künste in sich selbst, in ihrem eigen-\nsten Kreise eine vollkommene Entwicklung finden können.\nGesondert von der Literatur und Poesie besitzt die Musik\neigentümliche, nicht von jenen abhängige Gedanken, rein\nmusicalische Gedanken. Jedes Organ des Menschen ist ge-\nwisser Maassen ein Mittelpunkt, der in einer begränzten\nPeripherie seine sinnliche Empfänglichkeit, seine Intelli-\ngenz und seine Phantasie hat: so ist das Ohr, das mate-\nrielle und geistige, die Sphäre, auf welche die Tonkunst\nsich beschränken muss. Wenn wir dem Künstler den Rath\ngeben, in dieser Sphäre zu bleiben, und dem Publicum,\ndiesen seinen Sinn zu schärfen und zu bilden, so glauben\nI\nwir damit Beiden nützlicher zu sein, als wenn wir uns\nbemühten, der Tonkunst zuzumuthen, Hülfe ausserhalb\nihrer selbst zu suchen und sich abzuquälen, Wirkungen\nhervorzubringen, welche andere Künste ohne sie und bes-\nser als sie zu erzeugen im Stande sind.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-02-10-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-02-10_01#c003", "volume": "bmtnabi_1866-02-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "43", "page_fin": "44", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660210-01.2.3", "titre_corps": "Aus Münster", "titre_sommaire": "Aus Münster", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "43", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660210-01.1.3", "debut_caractere": 2834, "fin_caractere_exclue": 5211, "texte": "Aus Münster\n*).\n(11. Vgl. Nr. 5.)\nDen 5. Februar 1866.\nAus dem „Faust\" von Schumann waren die\nScenen „Ariel\", „Sonnenaufgang\", „Faust's Erwachen\"\nund „Faust's Verklärung\" genommen und zur Erleichte-\nrung des Verständnisses durch ein geistreich geschriebenes\nVorwort Sorge getragen. Die Aufführung war eine durch-\nweg gelungene; die Chöre waren vortrefflich einstudirt,\nund Chor und Orchester überwanden die Schwierigkeiten,\ndie ihnen dieses Tonwerk zumuthet, in anerkennenswer-\nter Weise, so dass der Fleiss der Mitwirkenden und die\numsichtige Leitung des Dirigenten alles Lob verdienen.\nWenn trotzdem der Beifall des Publicums kein so begei-\nsterter war, wie sonst bei Aufführungen classischer Ora-\ntorien, so hat das seinen natürlichen Grund zum Theil\nfreilich in dem bei einmaligem Hören immer erschwerten\nVerständnisse eines bisher unbekannten Tonwerkes, ande-\nrerseits aber jedenfalls auch darin, dass der Schumann'-\nschen Muse herzerwärmende Kraft nicht in so hohem\nGrade eigen ist, dass alle Hörer sofort davon hingerissen\nwürden. Schumann's Bedeutung, die gerade auch durch\nseine Faust-Musik sich gewiss hoch über die der meisten\nseiner Zeitgenossen erhebt, wollen wir nimmer zu nahe\ntreten, aber ihn auf gleiche Stufe mit den grossen Classi-\nkern der Vorzeit zu erheben, geht nun einmal nicht, ge-\nschweige denn, ihn gar höher zu stellen. Die von der Schule\nder Eingeweihten (!) freilich geringgeschätzte vox populi,\nd. h. die grosse Mehrheit der gebildeten, an classischer\nMusik gross gewordenen Zuhörer, bekundete auch hier\nein richtiges Urtheil, denn wo in den Chören, z. B. in dem\nWechseigesange des Pater Semit Chor: „Steigt\nhinan zu höherm Kreise\" „Gerettet ist das edle Glied\"\nund anderen, Geist und Leben hervorstrahlte, da zündete\nes auch in den Herzen der Hörer, während andererseits\nselbst der wunderbar vollendete Vortrag eines Stockhau-\nsen den recitirenden Arien Schumann's nur mässigen Bei-\nfall verschaffen konnte.\n\n*) Wiewohl wir in Nr. 5 bereits einen Bericht über die Cä-\ncilienfest-Concerte in Münster gebracht haben, so wollen wir doch,\nwas durch die Aufführung so bedeutender Werke wie Schumann's\nScenen aus Faust und Beethoven's IX. Sinfonie gerecht-\nfertigt wird, noch einige Stellen aus dem Schreiben eines anderen\nHerrn Correspondenten mittheilen, indem wir natürlich die statisti-\nschen u. s. w. Angaben nicht wiederholen. Die Kedaction*\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "44", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660210-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2458, "texte": "Der Glanzpunkt des Abends war die neunte Sinfonie.\nSie war hier seit Jahren nicht aufgeführt, von Vielen viel-\nleicht zum ersten Male gehört, und ein leichtes Verständ-\nniss wird dieser gigantischen Tonschöpfung auch wohl\nNiemand vindiciren. Woher kommt es denn nun, dass hier\njeder Satz die Zuhörer zu rauschendem Beifalle hinriss,\nund der Jubel am Schlüsse nicht enden wollte? Fürwahr,\ndiese Schöpfung des unsterblichen Meisters ist auch ein\n„Chorus mysticus\", die wahre musicalische Verklärung des:\n„Alles Vergängliche\nIst nur ein Gleichniss;\nDas Unzulängliche,\nHier wird's Ereigniss;\nDas Unbeschreibliche,\nHier ist es gethan !\"\nAm folgenden Tage beschloss eine musicalische Ma-\ntinee die Feier des Cäcilienfestes. Das Septett von Beet-\nhoven trugen vor Herr Concertmeister G. A. Bargheer\nvon hier, die fürstlich Detmoldischen Kammermusiker\nHerren Döhnel, Deppe, Müller und drei Mitglieder\ndes hiesigen Orchesters. Der künstlerisch vollendete Vor-\ntrag der reizenden Composition entzückte alle Hörer, und\nwir erinnern uns nicht, das Septett je in solcher Vollen-\ndung gehört zu haben. Herr Concertmeister Bargheer\nerfreute uns ferner durch den Vortrag eines Adagio von\nSpobr. Der geniale Künstler ärntete durch denselben wohl-\nverdienten rauschenden Beifall. Sein Spiel hat an Ton und\nFülle bedeutend gewonnen, und der Musikverein kann\nsich freuen, einen solchen Vorgeiger und Concertspieler\nan der Spitze seines Orchesters zu besitzen. Herr Pirk,\nim Besitze einer jugendfrischen, biegsamen und umfang-\nreichen Tenorstimme, sang die Kirchen-Arie von Stradella\nund Lieder von Schubert recht schön; allein es ist doch\nimmer ein gewagtes Unternehmen, neben einem Stock-\nhausen als Liedersänger aufzutreten. Wir hätten Herrn\nPirk lieber in seinem Genre als Opernsänger, z. B. in einer\nArie von Mozart, hören mögen. Auf diese Weise hätte\nman auch Mozart's Genius auf dem Cäcilienfeste Gerech-\ntigkeit widerfahren lassen, für den die Huldigung diesmal\nausblieb. Ueber Stockhausen's Gesang und Vortrag der\nSchumann'schen und Beethoven'schen Lieder Worte zu\nmachen, hiesse Eulen nach Athen tragen. Wunderbar,\nso oft man ihn hört, immer glaubt man, ihn noch nie so\nschön gehört zu haben. Wie lauschte Alles in andachts-\nvoller Stimmung den himmlischen Tönen, wie rauschte\nendloser Beifall durch den Saal, wenn sie verklungen!\naber die edelste und belohnendste Wirkung seines Gesan-\nges waren die Thränen, deren wohl Niemand unter den\nZuhörern sich erwehren konnte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-02-10-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-02-10_01#c004", "volume": "bmtnabi_1866-02-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "44", "page_fin": "44", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660210-01.2.4", "titre_corps": "Aus Utrecht.", "titre_sommaire": "Aus Utrecht.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "44", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660210-01.1.4", "debut_caractere": 2460, "fin_caractere_exclue": 4745, "texte": "Aus Utrecht.\nDen 3. Februar 1866.\nUnsere musicalischen Zustände machen die Auffüh-\nrung von grossen Vocalwerken mit Orchester schwierig,\nobschon es keineswegs an guten Kräften fehlt, die aber,\nmeist aus Dilettanten-Vereinen bestehend, nicht perma-\nnent sich vereinigen, theils auch, wie bei den Studi-\nrenden, unter denen grosse Theilnahme für Musik herrscht\nund jugendlich frische Stimmen vorhanden sind, dem\nWechsel unterworfen sind, was die Universitäts-Verhält-\nnisse mit sich bringen. Um so mehr ist es anzuerkennen,\nwenn durch die eifrige Thätigkeit unseres Musik-Directors,\nHerrn Richard Hol, eine so gelungene Aufführung zu\nStande kommt, wie wir sie am 20. Januar in der Vor-\nführung von Ferdinand Hiller's Oratorium „Die\nZerstörung von Jerusalem\" erlebten. Dieses be-\nrühmte Werk war, was wir jetzt, da wir es gehört, be-\nsonders reuig gestehen müssen, uns noch ganz neu, hat\naber einen solchen Erfolg gehabt, dass der Wunsch nach\neiner Wiederholung allgemein ausgesprochen wird.\nDie Ausführung des schönen Werkes, wiewohl\nschwierig, war dennoch so, dass sie die Forderungen an\neine wirklich künstlerische befriedigen konnte. Die Chöre\nwurden nicht nur präcis, sondern auch mit so viel Liebe\nund Eifer gesungen, dass man seine Freude daran haben\nmusste; so wurden denn auch viele derselben, namentlich\ndie so ausdrucksvollen in langsamerem Tempo, mit leb-\nhaftem Applaus begrüsst, was hier bei Massenleistungen\nnicht gewöhnlich ist.\nDie Solo-Partieen waren mit Ausnahme des Jeremias\nin den Händen von Dilettanten, welche, fast alle mit schö-\nnen Stimmen begabt, ihre Aufgabe befriedigend lösten;\nvor Allem verdient die Leistung eines ungarischen Akade-\nmikers Auszeichnung, der, in seiner Stimme einen wahren\nSchatz in der Brust tragend, durch die Ausführung der\nTenor-Partie die ganze Zuhörerschaft in Enthusiasmus\nversetzte. Die schwierige, aber sehr dankbare Partie des\nJeremias wurde von einem hiesigen Gesanglehrer und\ntüchtigen Musiker, Herrn van Schaick, sehr brav ge-\nsungen. Das Orchester, durch einige Musiker aus Amster-\ndam verstärkt, bewährte sich im Ganzen recht gut. Der\nschönste Triumph des Werkes war, dass das zahlreich\nversammelte Publicum den ganzen Abend über in einer\ngehobenen Stimmung war, die sich bis zum Ende nicht\nnur erhielt, sondern steigerte.\n3."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-02-10-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-02-10_01#c005", "volume": "bmtnabi_1866-02-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "45", "page_fin": "45", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660210-01.2.5", "titre_corps": "Stadttheater in Köln.", "titre_sommaire": "Stadttheater in Köln.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660210-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4781, "texte": "Stadttheater in Köln.\n(„Der vierjährige Posten\" von Th. Körner. Musik von\nIsidor Seiss Boieldieu's „Johann von Paris\".)\nWahrend die „ Africanerin\" in jeder Woche zwei\nMal das Haus füllt und auch das Publicum der weiteren\nUmgegend so zahlreich anzieht, dass die Rheinische Eisen-\nbahn aussergewöhnliche Zuge erst nach Ende der Vor-\nstellung ablässt ein Erfolg, welcher der Direction als\nErsatz für die vortreffliche Ausstattung und sämmtlichen\nan der Aufführung betheiligten Künstlern, einschliesslich\nChor und Orchester, als ehrenvolle Anerkennung sehr zu\ngönnen ist —, brachte uns der letzte Januar im Gegen-\nsatze zu dem Spectakel, ohne den die neueste Gattung\nder grossen Oper nicht mehr bestehen kann, eine idylli-\nsche musicalische Neuigkeit und eine sehr willkommene\nWiederaufnahme jenes älteren Genre's der französischen\nkomischen Oper, welches in Boieldieu's Werken gipfelt.\nDie Neuigkeit war eine Composition der freilich sehr\neinfachen und nur auf einer Anekdote beruhenden Dorf-\ngeschichte, die Theodor Körner im Jahre 1811 oder 1812\nin Wien unter dem Namen: „Der vierjährige Po-\nsten\", für die Bühne dramatisirt hatte. Dieser Text bie-\ntet im Grunde wenige musicalische Situationen dar, auch\nhaben die bisherigen Versuche, ihn in Musik zu setzen,\nkein Resultat gehabt. Trotzdem hat ihn sich Herr Isidor\nSeiss zum Vorwurf genommen, und freilich, einem deut-\nschen Componisten steht keine grosse Auswahl von Opern-\ntexten zu Gebote. Herr Seiss, der in dem trefflichen Leh-\nrervereine, welcher am hiesigen Conservatorium wirkt, als\nein ausgezeichnetes Mitglied anerkannt ist, und dessen\neminentes Talent als Pianist ihn zu einer glänzenden Vir-\ntuosen-Laufbahn befähigt, hat neben dem unablässigen\nStudium seines Instrumentes, wodurch er bereits einen\nAnschlag und eine technische Bravour erlangt hat, wie sie\nnur den bedeutendsten Ciavierspielern unserer Zeit eigen\nsind, diejenigen Arbeiten keineswegs ausser Acht gelassen,\nwelche den Virtuosen zum Künstler machen. Davon hat\ner denn jetzt einen gelungenen Beweis durch die am 31.\nJanuar unter seiner Direction vorgeführte Operette gege-\nben, welche beim Publicum eine sehr günstige Aufnahme\nfand. In der That hat Herr Seiss die Schwierigkeiten,\nwelche der spröde Stoff ihm entgegenstellte, in vieler Hin-\nsicht recht glücklich überwunden, zum Theil dadurch,\ndass er den Charakter eines blossen Singspiels aufgab und\ndas Stück zu einer wirklichen Operette machte, wodurch\ndann der Musik ein grösserer Antheil, als sonst der Fall\ngewesen wäre, zufiel. Vielleicht ist er hierin, da er an vie-\nlen Stellen auch den Dialog in die Composition ziehen\nmusste, hier und da zu weit gegangen, indem manche\nGesangnummern dadurch eine zu grosse Ausdehnung für\nihr Verhältniss zur Situation und zum Fortschritte der\nHandlung erhielten. Einige Kürzungen dürften das rich-\ntige Maass leicht herstellen; auch ist die Sicherheit im\nZuschnitt dramatischer Musik natürlich erst Sache meh-\nrerer Versuche und reiferer Erfahrung, da jeder junge\nComponist mehr oder weniger wie Haydn in seiner Jugend\ndenkt, dass nämlich das Papier gar nicht breit genug für\nNoten sein könne. Namentlich bedarf das Finale bedeu-\ntender Kürzung; nach dem Pardon, den der General ver-\nkündet, muss das Stück schnell unter einem kurzen Auf-\nschwünge des Dankes des glücklichen Paares und der\nFreude aller Anwesenden schliessen. Was aus der Com-\nposition am erfreulichsten hervorgeht, ist die Anlage zu\nzusammenhangender Arbeit, welche die melodischen Reihen\nnicht durch gesuchte rhythmische Rückungen, durch Vor-\nhalte oder sprungweise Fortschritte unterbricht, einer Ar-\nbeit, welche nicht stückweise zusammensetzt, sondern auf\nGuss und Fluss in musicaiischen Formen denkt. Ist dann\ndie Masse gut, so thut es nichts, wenn sie auch einmal\nüber die knappe Form überfliesst. Dies später zu verhin-\ndern, kann gelernt werden; das andere, was dazu ge-\nhört, muss aber da sein, ehe man ans Werk geht. Wir\nglauben desshalb Herrn Seiss zu diesem Debüt beglück-\nwünschen und zu rüstigem Fortschreiten auf der mit Er-\nfolg betretenen Laufbahn ermuntern zu dürfen.\nDie Vorstellung von Boieldieu's „Johann von Pa-\nris\" fiel recht befriedigend aus. Fräulein Schubert war\nin Gesang und Spiel eine reizende Prinzessin von Navarra,\nihr Senescball, Herr Behr, eben so ergötzlich als perso-\nnificirte Hofetiquette, wie vortrefflich als Sänger, Herr\nRiese, der immer gewandter auf der Bühne wird, ein\nrecht stimmfrischer Johann, und Fräulein Holm ein ganz\nartiger Page. Dass die letztgenannte Dame nach ihrer er-\nsten Arie lebhaften Applaus erhielt, war erfreulich, da das\nPublicum diese durch unermüdlichen Fleiss, musicalische\nSicherheit und Correctheit und leichte Auffassungsgabe\nneuer Partieen sehr schätzenswerthe Sängerin bisher nicht\nso ermuntert hat, wie sie es verdient."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-02-10-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-02-10_01#c006", "volume": "bmtnabi_1866-02-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "45", "page_fin": "46", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660210-01.2.6", "titre_corps": "Siebentes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller.", "titre_sommaire": "Siebentes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660210-01.1.5", "debut_caractere": 4783, "fin_caractere_exclue": 5180, "texte": "Siebentes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn\nFerdinand Hiller.\nDinstag, den 6. Februar 1866.\nProgramm. I. Tbeil. 1. Ouvertüre zu „Athalia\" von F. Men-\ndelssohn-Bartholdy. 2. Arie aus „Figaro's Hochzeit\" (Herr\nSalvatore C. Marchesi). 3. „Die Nixe\", russisches Gedicht von\nLermontoff, übersetzt von ß. Sprato, für Alt-Solo, Frauenchor und"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660210-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6743, "texte": "Orchester von A. Rubinstein (Alt-Solo: Frau March esi). 4. Cla-\nvier-Concert von C. Reinecke (Herr Capellmeister C. Reinecke).\n5. Duett aus der Olympias von Sacchini (Herr und Frau Mar-\nch esi). 6. „Credo\" aus der Krönungsmesse von Cherubini.\n11. Theil. Pastoral-Sinfonie von Beethoven.\nDie Composition von A. Rubinstein war eine Neuigkeit für\nuns; sie macht nicht viel Ansprüche und wurde beifällig aufgenom-\nmen. Der Chor hat mehr Ansprechendes, als die Solo-Melodie, wel-\nche übrigens der geschätzten Sängerin zu tief lag. Das Duett von\nSacchini wurde von dem oben genannten Künstlerpaare mit Aus-\ndruck vorgetragen; die Composition ist sehr sangbar und anmuthig,\nso dass der Beifall nicht ausbleiben konnte. In der Arie des Grafen\naus Figaro hätten wir das erste Tempo etwas bewegter und schär-\nfer accentuirt gewünscht. Die grossartige Composition des Cheru-\nbini sehen Credo macht für sich allein doch nicht den imposanten\nEindruck, den sie im Zusammenhange mit den übrigen Sätzen der\nMesse bewirkt. Der Chor der Männer im Bass hätte kräftiger und\nin den Einsätzen präciser sein können. Es ist zu bedauern, dass so\nmanche klangvolle Stimmen und tüchtige Chorsänger sich von der\nMitwirkung bei dieser Partie zurückgezogen haben; wir hoffen, dass\ndie folgenden Aufführungen, besonders die Matthäus-Passion, alle\nMusikfreunde wieder auf der Tonbühne versammeln wird, denn der\nGürzenichsaal verlangt durchschlagende Klangmassen.\nHerr Capellmeister Reinecke aus Leipzig erfreute die hiesi-\ngen musicalischen Kreise, zu denen er früher gehörte, und das ganze\nConcert-Publicum durch einen glänzenden Vortrag der Hauptstimme\nseines Clavier-Concertes, einer Composition, welche den besten die-\nser Gattung an die Seite zu stellen ist. Namentlich ist das erste\nAllegro ein vortrefflicher Satz, der, durchweg spannend, dem Inhalt\nund der Form nachs an die Muster der Heroen sich anschliessend,\nSchwung und Fluss hat, wie das Adagio sich durch melodischen\nund harmonischen Reichthum auszeichnet. Der letzte Satz steht\nvielleicht nicht ganz auf derselben Höhe. Bei jedem Abschnitte\nbrach das Publicum in lauten Beifall aus, und am Schlüsse wurde\nHerr Reinecke unter lebhaftem Applaus gerufen.\nEin wahrer Hochgenuss für alle Zuhörer, die noch empfänglich\nsind für wahre musicalische Schönheit, war die Pastoral-Sinfo-\nnie von Beethoven, jenes geniale Werk, das in der Instrumental-\nmusik eben so einzig dasteht, wie Haydn's „Jahreszeiten\" unter den\nGesangwerken.\nWelch eine Kraft des Genies gehört dazu, sich, wie Beethoven\nim Sommer des Jahres 1808 gethan, in die Schöpfung von zwei\nWerken, wie die Pastoral- und die sind, zugleich\nzu vertiefen und beide kurz nach einander zu vollenden, so dass\nsie am 22. December desselben Jahres in einem und demselben\nConcerte gegeben werden konnten! Und das nicht allein, sondern\nauch das Trio-Concert für Ciavier, Violine und Violoncell und die\nPhantasie für Ciavier, Orchester und Chor verdanken derselben Zeit\nihre Entstehung, ja, die Phantasie wurde als dritte Neuigkeit des\ngrossen Meisters in demselben Concerte vom 22. December 180,8\naufgeführt und ausserdem noch unter dem Titel: „Heilig\" das\nSanctus und Benedictus aus der 0-c?m*-Messe, die jedoch schon im\nvorigen Jahre geschrieben war. Die Pastoral-Sinfonie hatte damals\nkein weiteres Programm, als ihren Titel mit dem Zusätze: „Mehr\nAusdruck der Empfindung, als Malerei\", welchen Beethoven als\nHandweiser für die Zurechtfindung der Zuhörer und der Kritiker\nhinzugefügt hatte. Man sieht daraus wieder, wie wenig es Beetho-\nven darum zu thun war und setzen wir nur ganz aufrichtig\nhinzu: wie wenig er auch im Stande war, das mit Worten auszu-\ndrücken, was ihm der Genius in Tönen eingegeben hatte. Desshalb\ndarf man auch auf seine Aussprüche, sie mögen sich nun in Briefen\noder in sonstiger Ueberlieferung finden, nicht allzu viel geben, denn\nkein Künstler war wohl je weniger dazu gemacht, über seine eige-\nnen Werke zu reflectiren oder gar Anderen Rechenschaft darüber\nzu geben. Er lebte nur in der Welt der Töne, und diese allein wa-\nren die Zeichen, in welchen er sein Inneres aussprach, nicht Buch-\nstaben und Worte. So liess er denn auch hier bei der neuen Sin-\nfonie nur jene paar Worte auf das Programm setz-en, damit die\nPhilister nicht etwa von ihm eine pure Tonmalerei erwarten möch-\nten. Wer aber desswegen glauben wollte, dass er bloss „Empfin-\ndung\" habe ausdrücken wollen, und dass er sich der ganzen über-\nreichen Fülle reiner Musik und des dramatischen Lebens in seinem\nneuen Werke nicht bewusst gewesen wäre, der würde eine Sünde\ngegen den Geist des Meisters begehen. Desshalb gab er auch nach-\nher bei der Veröffentlichung der Sinfonie noch einige andere Ueber-\nschriften dazu her, aber auch diese betrafen mehr die äussere Form\ndes Werkes und die Verbindung der Sätze durch einen leitenden\nGedanken zu einem Ganzen, als dass sie den Text zu den Einzel-\nheiten liefern sollten. Freilich „Nachtigall\", „Wachtel\" und „Kuckuk\"\nkonnte er darüber schreiben, aber nicht, dass selbst diese Vogel-\nstimmen nur symbolisch sind und sich dem Musicalischen fügen,\ndenn weder die Nachtigall singt so wie die Flöte, noch gibt es\nPatti-Wachteln, welche das hohe d anschlagen, noch kennt der\nKuckuk die grosse Terz! Noch weniger konnte und wollte er den,\nder es nicht heraushört, mit der Nase darauf stossen, dass in der\nganzen „Scene am Bach\" die Stimmen der Natur in ihrem Rau-\nschen und Schwirren ohne Tact und Accord, wie sie das Concert\ndes Frühlings bilden, wiederhallen, und dass überall die Stimme der\nSeele des Menschen durchklingt. Eben so ist es mit dem „Gewitter\"\nund mit dem durch seine melodische Schönheit und harmonische\nEinfachheit bezaubernden „Hirtengesang\" im Schlusssatze. Alles ist\nder Triumph der reinen Musik; Natur und Leben haben dazu be-\ngeistert, aber eindringlicher als der Ruf der Schalmei und des Hor-\nnes, mit denen wir gewohnt sind, die Vorstellung von Hirten zu\nverbinden, sprechen die Melodieen, die wie die dankbaren Gefühle\nbeim Anblicke des erfrischten Saatengrüns in uns selbst nachklin-\ngen. Es liegt etwas Erhebendes und Trostreiches in diesem letzten\nSatze des herrlichen Werkes: nach jedem Gewitter, woher es auch\nkommen möge, werden die getreuen Hirten, die ihre Herde muthig\nin Stürmen zu schützen wissen, Grund haben, Gott zu preisen,\nwenn sie die drohenden Wolken fliehen und gebrochen am Hori-\nzonte verschwinden sehen.\nEs wäre aber auch eine Sünde, wenn wir die ganz vorzügliche\nAusführung der Pastoral-Sinfonie durch das Orchester unter Hiller's\nLeitung unerwähnt Hessen; eine in Feinheit und Kraft in allen\nSchattirungen so technisch vollkommene und dynamisch ausdrucks-\nvolle Orchesterleistung hört man wahrlich nur selten; es war die\nschönste Huldigung für den unsterblichen Genius des Meisters,"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-02-10-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-02-10_01#c007", "volume": "bmtnabi_1866-02-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "47", "page_fin": "48", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660210-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660210-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7654, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\n\"Wesel, 7. Februar. Gestern veranstaltete das hiesige Casino\nein Concert, in welchem die Sängerinnen Fräulein Reck und Fräu-\nlein Schloemann aus Köln, Schülerinnen des Kammersängers\nHerrn Ernst Koch daselbst, und Herr Koch selbst durch Gesan-\nges-Vorträge mitwirkten, welche grossen Beifall erhielten. Die Or-\ncbestersätze wurden von dem vereinten Musikcorps des k. 17. und\n57. Regiments ausgeführt*\nBerlin. Es war vorauszusehen, dass die grosse Meyerbeer'-\nscbe Oper, die den Gipfelpunkt der neuesten musicalischen Saison\nbezeichnet, denj Schicksale, auf unseren zweiten Theatern parodirt\nzu werden, nicht werde entgehen können. Dohm lieferte eine der-\nartige Parodie schon vor einiger Zeit, für die Friedrich-Wilhelm-\nstädtische Bühne, jetzt hat Salin gre einen grösseren parodistischen\nSchwank: „Die Africanerin in Kalau\", im Wallner-Theater erschei-\nnen lassen. Wenn wir indessen auch seinen Schlussworten zustim-\nmen wollen : „Nur Gutes lässt sich parodiren, das Schlechte ist schon\nParodie!\" so möchten wir doch vor der Gefährlichkeit derartiger\nVerzerrungen warnen. Vor einigen Jahren sahen wir im alten\nWallner-Theater eine Parodie der Gounod'schen Margarethe, die in\nder Idee vielleicht das Beste dieses Genre's war. Kaiisch überbot\nnämlich den gesungenen Faust dadurch, dass er ihn nach Gounod'-\nschen Walzer-Melodieen tanzen liess. Herr führt uns da-\ngegen nach einem nicht ohne Witz geschriebenen versificirten Prolog\nauf die Generalprobe eines Theaters in der Provinz und lässt dann\ndie Hauptscenen der Oper durch die vier Komiker der Bühne, so\ngut es gehen will und so toll wie möglich, parodiren. Der Haupt-\nreiz zum Lachen liegt in den Darstellern der Wallner'schen Bühne.\nWirklich fein parodistisch gedacht ist die von Conradi componirte\nmusicalische Begleitung, welcher bei jeder passenden Gelegenheit\nund fast nach jedem Meyerbeer'schen Motive der unbändige Schalk\nim Nacken sitzt.\n30. Januar* Nach langer Pause haben wir die\nFreude, eine Production des Vereins für classische Kirchenmusik\nverzeichnen zu können. Das Oratorium „Samson\" von Händel, das\nim Jahre 1850 zum ersten Male hier gegeben worden, wurde heute\nneuerdings aufgeführt, wobei der Verein durch weitere hiesige\nSingkräfte, durch die königliehe Hofcapelle und die Herren Tod und\nReichardt unterstützt wurde. Die Chöre bewährten ihre längst-\ngewohnte Macht, Frische und Präcision; die Soli waren bei den\nDamen Bennewiz, Marschalk und Schütky, den Herren A.\nJäger, Hauser und Schütky in den besten Händen, und so\nmachte das Ganze unter Faisst's trefflicher Leitung einen grossar-\ntigen Eindruck. Der Verein würde sich bei einer etwaigen Wieder-\nholung Dank verdienen, wenn er sich zu einer Kürzung entschlösse,\ndenn eine Dauer von vollen vier Stunden ist fast eben so anstren-\ngend für die Zuhörer, wie für die Mitwirkenden. [Die Aufführung\nfand Abends im Saale des Königsbaues Statt: die Herren Tod und\nReiehardt führten die Pianoforte- und Harmonium-Begleitung aus.\nDas Oratorium wurde streng historisch, d. h. ganz so, wie es Hän-\ndel geschrieben hat, ohne alle Auslassungen gemacht; sämmtliche\nSologesänge und auch die zwei Scenen, in denen der Riese Harapha\naus Gath erscheint, waren in die Aufführung aufgenommen* Daher\ndie Schlussbemerkung der Correspondenz. Ob die gewissenhafte Bei-\nbehaltung aller Nummern der Händel'schen Oratorien bei heutigen\nAufführungen zum Vortheil der Sache gereicht, nämlich zur Auf-\nrechthaltung dieser erhabensten und Stärkung des\nSinnes für dieselbe bei dem Publicum, das haben wir schon öfter\nin diesen Blättern besprochen. So sehr wir die Beeinträchtigung\neines Ganzen, wenn die Auslassung eines einzelnen Stückes eine\nLücke im Zusammenhange veranlasst, missbilligen, so wenig kön-\nnen wir denen Recht geben, welche da, wo das letztere nicht der\nFall ist, von Verstümmelungen u. dgl. mehr sprechen. Desshalb\nhaben wir schon öfter an einzelnen Oratorien Händel's nachgewie-\nsen, dass von der so genannten epischen oder vollends dramatischen\nEinheit in den Texten derselben nicht die Rede sein kann. Für\nConcert-AufFührungen in unserer Zeit muss unserer Meinung nach\nder praktische Gesichtspunkt und die Gegenwart, nicht der histori-\nsche und die Vergangenheit Richtschnur sein.]\nMan schreibt aus Leipzig vom 2. Februar: Es freut uns, mit-\ntheilen zu können, dass die Ordnung der im 15. Gewandhaus-Con-\ncerte aufgeführten Compositionen einen Fortschritt in Berücksichti-\ngung der historischen Folge wahrnehmen liess, indem durch Etienne\nHenri Mehul (geb. zu Givet 1763), den bedeutendsten Schüler Gluck's,\ndie französische Schule, durch Domenico Cimarosa (geb. zu Neapel\n1755), den grössten Jünger aus der musicalischen Richtung Du-\nrante's, und durch Cherubini, den unvergänglichen Kirchenmusik-\nund Opern-Componisten (geboren zu Florenz 1760), die italiänische\nSchule, endlich durch Mozart (geb. 1756 zu Salzburg), den grössten\nUniversal-Tonschöpfer, und durch Reichardt (geb. 1751 zu Königs-\nberg), den vorzüglichen Coinponisten Goethe'scher Lieder, die deut-\nsche Schule vertreten war. Dur Reihe nach enthielt das Programm\nfolgende Nummern: 1. Ouvertüre zu „Joseph\" von H. E. Mehul; 2.\nArie zu „II matrimonio segreto\" von Dom. Cimarosa; 3. Concert\nfür die Oboe von W. A. Mozart; 4. Lieder von Reichardt: a) Der\nKönig von Thüle, b) Rastlose Liebe; 5. Entreact aus „Medea\" von\nCherubini; 6- Serenade für Blas-Instrumente, Cello und Contrabass\nvon Mozart; 7. Arie aus Figaro's Hochzeit von Mozart; 8. Ouver-\ntüre zu „Anakreon\" von Cherubini. Das Orchester leistete grössten-\nteils sehr Tüchtiges, so wie auch der Vortrag des Oboen-Concertes\nvon Seiten des Herrn Emil Lund aus Stockholm Anerkennung\nverdient, indem der Ton nobel, doch ohne Grösse, und die Technik\nganz respectabel, wenn auch nicht eminent, waren. Herr Salvatore\nMarch esi, welchen wir schon früher als einen sehr bedeutenden\nSänger würdigen konnten, glänzte besonders im Vortrage der deut-\nschen Lieder, was einem Italiäner um so höher anzurechnen ist,\nwährend die Reproduction der italiänischen Arien vollkommen be-\nfriedigte.\nMan schreibt aus Karlsruhe, 28. Januar: Die Hofbühne da-\nhier hat nunmehr Meyerbeer's „Africanerin\" gebracht, und über den\ngrossen äusseren Erfolg kann zumal nach der zweiten Aufführung\nkein Zweifel mehr bestehen. Die Meinung der Kritik und der Fach-\nmänner stellt das Werk trotz der verhältnissmässig reichen Melodik\nmit aller Bestimmtheit dem „Propheten\" nach; die äusserliche Mi-\nschung der Stilgattungen ist weit empfindlicher als in irgend einem\nder früheren Hauptwerke Meyerbeer's, und die Charakteristik der\nIndividuen weit schächer und zerflossener; die Melodik greift eben\nzu jedem Hülfsmittel, wird leicht banal auch in den leidenschaft-\nlichsten Situationen des misslichen Textbuches; dabei hat man im-\nmer die dunkle Empfindung, die Haupt-Motive und selbst die zum\nTheil wunderbar reichen harmonischen Fügungen in irgend einer\nder früheren Opern in etwas anderem Colorit schon einmal und\ntiefer gefasst gehört zu haben. Buch und Musik haben sich ver-\näusserlicht, darüber kommt die besonnene Betrachtung nicht leicht\nhinaus. Die Ausstattung des vierten und fünften Actes ist für die\nMittel der hiesigen Bühne prachtvoll zu nennen; die SchifFskünste\ndes dritten Actes fallen dagegen und offenbar zum Vortheil der\nWirkung der späteren Acte weg, auch die Würde der Bühne kommt\ndabei nicht zu kurz. Sehr hoch stehen die Gesangsleistungen des\nTenors Brandes (Vasco), und was Schönheit der Stimme, der Er-\nscheinung und in einzelnen Momenten auch Leidenschaft der Dar-\nstellung betrifft, die Selica der Frau Boni; die Rolle des Nelusko\nwird allgemein als widerlich angesehen, obwohl die Charakteristik"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660210-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5439, "texte": "hier am schärfsten ist und der Bariton Haus er (Sohn des früheren\nDirectors am münchener Conservatorium) Stimme und Stimmschu-\nlung besitzt. Ueber die Charakterlosigkeit des Vasco und die geo-\ngraphischen Verzückungen der beideu Hauptpersonen kommt auch\nder Verstand kindlicherer Personen nicht hinaus. Die Leitung der\nOper ist dem gewandten und energischen liof-Capellmeister Levi\nzugefallen, der sich mit Kalliwoda jun. in die Capellführung theilt.\nDresden. Das königliche Hoftheater hat so eben die übliche\nUebersicht der im vorigen Jahre daselbst gegebenen Vorstellungen\nveröffentlicht. Als Novitäten erschienen drei kleine Operetten und\ndie alte Auber'sche Oper „Der Feensee\", ferner neunzehn Schau-\nund Lustspiele, darunter Heyse's „Hans Lange\", Brachvogels „Prin-\nzessin Montpensier\", Schnetger's „Niklas der Holzschnitzer\", Gott-\nschall's „Katharina Howard\", Putlitz* „Um die Krone\", Scribe's\n„Minister und Seidenhändler\" und d'Ennery's „Grossmutter\", ausser-\ndem mehrere kleine Lustspiele. Neu einstudirt wurden unter Ande-\nrem die Opern: „Die Jüdin\", „Der Wasserträger\" und Boieldieu's\n„Rothkäppchen\"; ferner 32 Schauspiele. Von den Classikern war\nGoethe mit „Faust\" und „Egmont\" vertreten, Schiller mit „Maria\nStuart\", „Fiesco\", „Cabale und Liebe\", „Wallenstein's Tod\", „Don\nCarlos\", „Die Räuber\", „Wallenstein's Lager\", „Die Piccolomini\",\n„Wilhelm Teil\", Shakespeare mit „König Richard II.\", „Othello\",\n„Sommernachtstraum\", „Kaufmann von Venedig\", „Wintermärchen\",\n„König Heinrich IV.\", „Komödie der Irrungen\" und „Bezähmte Wi-\nderspänstige\", Lessing mit „Emilia Galotti\" und „Minna von Barn-\nhelm\", Kleist mit dem „Zerbrochenen Krug\" und „Käthchen von\nHeilbronn\". Beethoven's „Fidelio\" wurde 4 Mal, Mozart mit fünf\nOpern 20 Mal, Meyerbeer mit vier Opern 17 Mal, Wagner mit vier\nOpern 13 Mal vorgeführt. In der Posse dominirte Räder mit drei\nStücken 18 Mal; das Ballet war vertreten durch Gisela, Alphea und\ndie vier Jahreszeiten.\nWien* Das zweite Concert der Frau Schumann versam-\nmelte, wie vorauszusehen war, gleich dem ersten ein alle Räume\nfüllendes Elite-Publicum, in welchem insbesondere das schöne Ge-\nschlecht vorwiegend vertreten war. Was zur Anerkennung dieser\nKünstler-Individualität irgend nur gesagt werden konnte, ist in so\nerschöpfender Weise gesagt worden, dass wir bekennen, nach dieser\nRichtung mit unserem Latein zu Ende zu sein. Wir beschränken\nuns mithin auf die Berichterstattung über den factischen Verlauf\ndes Concertes. Frau Schumann eröffnete dasselbe mit der\nScliubert's und stellte sich damit eine jedenfalls angemessenere Auf-\ngabe, als mit der Mozart-Sonate, die sie bei Hellmesberger vortrug.\nDas Schubert'sche Opus ist wenig bekannt; unsere Pianisten gehen\nihm, wie den meisten seiner Geschwister, auffallend aus dem Wege,\nman weiss nicht recht, wesshalb. Die Sonate hat in ihren beiden\nersten Sätzen reizende Sachen, und stehen die anderen auch nicht\nauf der Höhe dieser, so lässt sich mit dem Vortrage doch immer-\nhin „viel daraus machen\", man muss die Sache eben nur mit der\nHingebung, dem Ernste und dem Geschicke behandeln, wie es Frau\nSchumann gethan. Auch die Beethoven'schen C-moll-Yariationen,\ndie Frau Schumann in das Programm aufgenommen hatte, werden\nselten gehört. Sie gelten für nicht bedeutend im Vergleiche zu an-\nderen seiner Ciavierwerke. Das mag sein; beim Vortrage der Frau\nSchumann hatte man diese Empfindung nicht. Uns will bedünken,\ndass man sich vor diesen und ähnlichen Arbeiten meist nur dess-\nhalb scheut, weil sie wenig gespielt sind und Keiner der Erste sein\nmag. Bequem ist's freilich, hundert Mal Gehörtes nachzuspielen,\naber Künstlerart kann man solches Nachtreten nicht nennen, son-\ndern Dilettantenart. Ein neues zweiclavieriges Duo von Ernst\nRudorff, unter Mitwirkung des Fräuleins Asten vorgeführt, hat\nden Beifall der Zuhörer gefunden, und wir können ihm denselben\nim gewissen Sinne gleichfalls nicht vorenthalten. Der Componist\ngehört jedenfalls zu den geistreichen und fein empfindenden Musik-\nmenschen. Das Stück, der Hauptsache nach Variationen, ist zwar\nstark Schumannisch gefärbt, aber sonst doch sehr hübsch, klar und\nwohlklingend. Weniger behagt uns die Gesammtform. Der rondo-\nartige Nachsatz stört die Symmetrie, er ist zu kurz und unent-\nwickelt, um als selbständiger Satz zu gelten, und stört nur das\nGleichgewicht. Die Schluss-Vorträge der Concertgeberin bestanden\naus Schumann'schen Stücken, und zwar: „In der Nacht\", „Schlum-\nmerlied\" und D-dw-Novellette Nr. 2. Durch die Gesangs-Vorträge\ndes Fräuleins Bettelheim, welches in zwei Abtheilungen, je zu\nvier und vier Nummern, den Lieder-Cyklus Schumann's : „Frauen-\nliebe und Leben\", sang und sich damit eine sehr dankbare und\ndankenswerthe Aufgabe gesetzt hatte, bekam das Concert einen ge-\nschlossenen und einheitlichen Charakter.\nUnter den Schülerinnen der Clavierclasse des Herrn Professors\nDachs am Conservatorium in Wien befindet sich auch ein Fräulein\nPiermine Beethoven, die dreizehnjährige Tochter des Neffen\nBeethoven's.\nDie Hauptstadt Mexico besitzt fünf Theater, darunter das\nTeatro imperial oder das italiänische Operntheater. Letzteres, das\nan Schönheit mit den Theatern in Europa jeden Vergleich aushält,\nsteht unter der Leitung des Maestro Bosoni und besteht im Ganzen\naus 150 Orchester-Mitgliedern. Das Orchester zählt 50 Musiker und\nergänzt sich aus der Banda militare (österreichische Corpsmusik),\ndie, 75 Mann stark, unter der Direction des Capellmeisters Saver-\nthal steht."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-02-10-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-02-10_01#c008", "volume": "bmtnabi_1866-02-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "48", "page_fin": "48", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660210-01.2.8", "titre_corps": "Alle in dieser Musik-Zeitung besprochenen und angekündigten", "titre_sommaire": "Alle in dieser Musik-Zeitung besprochenen und angekündigten", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660210-01.1.8", "debut_caractere": 5441, "fin_caractere_exclue": 5698, "texte": "Alle in dieser Musik-Zeitung besprochenen und angekündigten\nMusicalien etc. sind zu erhalten in der stets vollständig assortirten\nMusicalien-Handlung und Leihanstalt von BERNHARD BREUER\nin Köln, grosse Budengasse Nr. 1, so wie bei J. 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Nr. 5.)\nNachdem Beauquier in den folgenden Abschnitten ge-\nzeigt, dass die Musik weder die Mittel der Geberdensprache,\nnoch der Wortsprache besitze, um bestimmte Gefühle aus-\nzudrücken, verbreitet er sich drittens darüber, dass die\nMusik auch keine symbolische Sprache sein könne. Seine\nBemerkungen über die Unmöglichkeit, Vorstellungen von\nGegenständen durch die Musik zu erwecken, indem höch-\nstens ihre Bewegung (jedoch nur im vagen Allgemeinen,\nwie aus allen früheren Capiteln hervorgeht), niemals aber\ndas Wesentlichste derselben, ihre Form und Gestalt, be-\nzeichnet werden könne, ferner über die so genannte Ton-\nmalerei u. s. w. sind sehr richtig und oft geistreich. Sehr\nwohlbegründet ist (S. 111) seine Warnung vor der ver-\nführerischen Neigung des Verstandes zu Analogieen und\nmetaphorischen Phantasiespielen. „Es bedarf nur einer\ngeringen Anstrengung der geistigen Kraft, um in jedem\nDinge Analogieen mit Ideen, Bewegungen, Formen u. s. w.\nzu finden. Nichts ist der Einbildungskraft leichter, als ein\nSymbol aufzufinden, das man dann für eine Erklärung\nhält, die aber auf nichts als Täuschung beruht.\"\nNach allem diesem kommt er zu folgendem Resume:\n„Die Musik ist also weder eine natürliche, noch con-\nventioneile, noch symbolische Sprache. Der nicht articu-\nlirte Ton, welcher ihr Ausdrucksmittel ist, besitzt keine\nihm nothwendig eigene Bedeutung, wie der Gest oder das\nWort, und hat also nicht die Kraft, für den Verstand ein\nSymbol zu werden. Alles, was er zu bewirken fähig ist,\ndas ist, den Geist fast nur physiologisch in eine gewisse\nStimmung oder Lage zu versetzen, in der es ihm leichter\nwird, sich für diesen oder jenen Affect zu bestimmen. Da\ndie Nerven gleichsam wie blosse Saiten schwingen, so\nkönnen durch besondere geistige Betonung gewisse Ideen\ndurch eine Art von unwillkürlichem Process dadurch an-\ngeregt werden, allein dieser Process hat seine unmittel-\nbare Ursache ausserhalb der directen Einwirkung der\nMusik. Ist die Musik traurig, so kann sie auf die angege-\nbene Weise verborgene Schmerzen in uns wecken; ist sie\nmunter, so wird sich die expansive Kraft in uns frei ma-\nchen und allerlei anmuthige Phantasieen erzeugen*). Der\nVerstand, der hier die Schwingungen der blossen Saiten\nder Nerven gleichsam genauer zu stimmen sucht, fühlt\nsich um so mehr gedrungen, den unbestimmten Gefühlen\nder Seele eine bestimmte Richtung zu geben, als jeder\nZustand der Ungewissheit ihm lästig ist.\n„Bei dem Dichter oder dem Maler können beim An-\nhören eines musicalischen Werkes alle schöpferischen\nKräfte seiner Phantasie erwachen und ihn einen Stoff zu\neinem Gedichte oder ein Motiv zu einem Gemälde finden\nlassen. Allein diese Aufregung ist dieselbe, die sonst Kaffee\noder Champagner oder irgend ein Reizmittel hervorbringt,\nnämlich eine erhöhte Thätigkeit des Nerven-Systems,\nwelche die zufällige Ideen-Association begünstigt. Es gibt\neine ganze Classe von Musik-Liebhabern, welche sich da-\nbei beruhigen: sie sind in der Kunst, was in China die\nOpiumraucher. Der Reiz der Musik besteht für sie darin,\ndass sie dadurch in ein halbes Träumen versetzt werden;\ndabei schwebt dann die wirkliche Welt und die confuse\nWelt der Gefühle und Begriffe vor ihren Gedanken: die\nMusik rollt vor ihnen eine Art von wandelndem Pano-\nrama auf.\n\n*) Auch diese allgemeine Wirkung ist nicht einmal immer die\nnothwendige Folge des trüben oder heitern Charakters der Musik,\ndenn ein Straussischer Walzer z. B. kann eben sowohl Sehnsucht\nund Melancholie durch Erinnerung und Ideen-Verbindung in uns\nerregen, als ein rührendes Adagio.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "42", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660210-01.1.2", "texte": "„Wenn der Duft einer Rose uns an einen schönen\nMoment unseres Lebens und an alle Einzelheiten in dem-\nselben erinnert, wollte man daraus die Behauptung fol-\ngern, dass der Geruch eine bestimmte Einwirkung auf die\nPhantasie habe? Mit der Musik ist's, wie mit den Wolken\nam Himmel: Jeder sieht darin, was er will. Der Eine\nsagt: dieses Musikstück drückt den Frühling aus, oder die\nSehnsucht, oder die Hoffnung u. s. w., und wenn ein\nAnderer ganz ernsthaft erklärte, es spreche die Scham der\nim Bade überraschten keuschen Susanna aus, so würde\ner wahrscheinlich ausgelacht werden. Und doch hätte er\neben so viel Recht zu dieser Auslegung, als eine Menge\nvon neueren Componisten zu den Ueberschriften ihrer\nMusikstücke. Von allen Künsten hat die Musik\nam allerwenigsten mit der Nachahmung zu schaffen: sie\nist die freieste Kunst; wenn sie zu Allem passt, zu Kind-\ntaufen wie zu Begräbnissen, zu Hochzeiten wie zu Seelen-\nmessen, so ist das ein Beweis nicht dafür, dass sie alles,\nwas dahin passt, ausdrücken kann, sondern dafür, dass\nman nichts davon mit Bestimmtheit durch Töne ausspre-\nchen kann.\"\nDer Verfasser kommt in Folge dessej auch auf den\nStreit der Piccinisten und Gluckisten, worüber er sich hier\nim Allgemeinen, späterhin in dem Abschnitte über Vocal-\nmusik ausführlicher ausspricht und natürlich für die Mu-\nsik auch in der Oper als selbständige Kunst, die frei, nicht\naber sclavisch an die Worte gebunden sei. „Wenn man\ndie Musik zur Sprache, zur Uebersetzung der Worte ma-\nchen will, so muss man die Melodie opfern, welche das\neinzige wahrhaft künstlerische Element der Musik ist; als-\ndann kommt man auf die recitirende Declamation, d. h.\nauf diejenige Form, die sich am weitesten von der eigent-\nlichen Kunst entfernt und der Wortsprache am nächsten\nkommt.\"\nAuch die Fähigkeit der Musik, mehrere Töne zugleich\nund zusammen hören zu lassen, führt der Verfasser gegen\ndie Vergleichung der Musik mit der Sprache an. Wäre\ner Musiker, so würde er allerdings aus der Polypbonie\ngewichtige Momente für seine Ansicht überhaupt gezogen\nhaben ein Punkt, der auch von Hanslick nicht gehörig\nbenutzt worden ist.\n„Nur durch die natürliche Tendenz des Geistes zur\nAnalogie wecken in Verbindung mit der Ideen-Association\ngewisse Harmonieen und eigenthümliche melodische Reihen\nin uns eine Kette von Vorstellungen und Gefühlen, wozu\ndenn auch Ort und Zeit oder Erinnerung an Beides mit-\nwirken, und dies hat grösstentheils die irrige Vorstellung\nvon der Musik als Sprache des Gefühls veranlasst.\"\nDaran knüpft der Verfasser eine Anekdote aus der fran-\nzösischen Revolutionszeit, in welcher bekanntlich die Mu-\nsik für den Ausdruck der Freiheit gar sehr in Anspruch\ngenommen wurde. Gossec, Director des\nde musique (später Conservatoire), leitete im Jahre 1795\nden musicalischen Theil der republicanischen Gedenkfeier\ndes Todestages Ludwig's XVI., wozu sich eine grosse Ver-\nsammlung im Sitzungssaale der Abgeordneten eingefunden\nhatte. Das Orchester begann mit einem Musikstücke von\nmildem, sanften Charakter. Da geriethen die Deputirten\nin Wutb, unterbrachen die Musiker und fragten sie, ob\nsie „den Tod des Tyrannen\" beklagten. Mit diesen Din-\ngen war bekanntlich damals nicht zu spassen, folglich\nstimmten die Musiker auf der Stelle das an.\nNach diesem Beweise von Bürgersinn trat Gossec, der\nnicht unter dem Eindrucke der ersten Anklage bleiben\nwollte, auf und erklärte, die Bedeutung des ersten Musik-\nstückes sei gewesen, „das Glück, von einem Tyrannen be-\nfreit zu sein, zu schildern\". Er rettete dadurch seinen\nKopf, aber sein Glaube an die Ausdrucksfähigkeit der\nMusik wurde bedeutend erschüttert!\nWas der Verfasser über Vocalmusik sagt, ist wenig\nund nur flüchtig geschrieben. Consequent in seinem Sy-\nsteme, gibt es für ihn weder eine an und für sich drama-\ntische, noch religiöse Musik. Nur die Worte, die beiden\nzu Grunde liegen, dann im Theater noch die Handlung\nund die Situation, in der Kirche die Umgebungen und die\nStimmung des Menschen machen sie dazu.\n„Alles, was die Tonkunst auch in der Kirche nur thun\nkann, ist, die Seele in die melancholische oder exaltirte\nStimmung zu versetzen, welche die beiden Haupt-Momente\nreligiöser Erregtheit erzeugt, Gottesfurcht und die Idee\ndes Erhabenen. Das Uebrige thut der Eindruck der Archi-\ntektur, die geheimnissvolle Stille, die eigenthümliche Be-\nleuchtung durch mattes oder gemaltes Glas, die betende\nMenge: alles das versetzt das Gemüth schon in eine an-\ndächtige Stimmung, welche dann durch Orgelklang und\nGesang noch erhöht wird. Alle etwaigen Definitionen der\nreligiösen Musik sind nichts als symbolische Abstractionen.\nAus der geschichtlichen Thatsache, dass der Choral (piain-\nchant)die musicalische Form ist, unter welcher die kirch-\nlichen Dogmen uns überliefert sind, zu folgern, dass diese\nForm religiöser sei, als eine andere, scheint ein wenig lo-\ngischer Schluss zu sein.\"\nBei Besprechung der Vocalmusik überhaupt und be-\nsonders denn auch der dramatischen macht sich übrigens\nder Mangel eines tieferen musicalischen Wissens bei dem\nVerfasser am meisten fühlbar.\nDas letzte Capitel: „Ce\nmusique\", gibt weniger, als die Ueberschrift verspricht,\nsucht das Wesen der Musik mehr durch Gleichnisse, als\ndurch wirklieb philosophische Untersuchung klar zu machen"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "43", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660210-01.1.3", "texte": "und verräth in vielen Stellen, z. B. in dem, was über die\nSinfonie gesagt wird, dass der Verfasser von dem eigent-\nlichen Wesen musicalischer Gedanken und Motive und\nderen Behandlung und Entwicklung zu einem musicali-\nschen Kunstwerke nur eine sehr ungenügende Vorstellung\nhat. Wir sind desshalb neugierig, auf welche Weise er in\neinem zweiten Theile des Buches, den er verspricht, das\nMusicalisch-Schöne (Je beau musical\") charakterisiren\nwird, da dieses doch zum grossen Theile auch auf der\nForm beruht und ohne gründliche Renntniss derselben\nschwer zu analysiren sein dürfte.\nDas Beste an dem Büchlein bleibt die Rechtfertigung\nder Tonkunst als einer selbständigen Kunst und die Pole-\nmik gegen die Behauptung ihrer Fähigkeit, bestimmte Ge-\nfühle, Vorstellungen oder gar Objecte auszudrücken und\ndarzustellen. Dies fasst denn auch der Schluss des Ganzen\nin wenigen Worten noch einmal zusammen:\n„Wir haben versucht, das der Tonkunst eigentüm-\nliche Gebiet genau zu begränzen, das Gebiet, welches das\nihr allein zustehende ist und von keiner anderen Kunst\nbeansprucht werden kann. Wir sind zu dem Endergebnisse\ngelangt, dass die Instrumentalmusik, die zu nichts Sprach-\nlichem und Literarischem, eben so wenig zum Ausdruck\nvon Vorstellungen und Gefühlen Zuflucht nimmt, die reine\nMusik, das eigentliche Wesen der Tonkunst ausmacht.\nManche Leser werden der Meinung sein, es heisse die\nTonkunst herabsetzen, wenn man sie auf einen so engen\nKreis beschränke und sie gesondert hinstelle, da sie doch\ndie natürliche Hülfsgenossin der Poesie sei, deren Inhalt\nsie stärker hervortreten lasse. Wir glauben aber nicht,\ndass die Nützlichkeit Zweck und Hauptverdienst der Kunst\nsei, und dass ihr Werth nach dem Maassstabe ihrer Aehn-\nlichkeit mit der Literatur gemessen werden dürfe, welche\nletztere dazu da ist, bestimmte Vorstellungen, Begriffe\nund Gefühle darzustellen. Die Organisation des Menschen\nist so reich, dass alle Künste in sich selbst, in ihrem eigen-\nsten Kreise eine vollkommene Entwicklung finden können.\nGesondert von der Literatur und Poesie besitzt die Musik\neigentümliche, nicht von jenen abhängige Gedanken, rein\nmusicalische Gedanken. Jedes Organ des Menschen ist ge-\nwisser Maassen ein Mittelpunkt, der in einer begränzten\nPeripherie seine sinnliche Empfänglichkeit, seine Intelli-\ngenz und seine Phantasie hat: so ist das Ohr, das mate-\nrielle und geistige, die Sphäre, auf welche die Tonkunst\nsich beschränken muss. Wenn wir dem Künstler den Rath\ngeben, in dieser Sphäre zu bleiben, und dem Publicum,\ndiesen seinen Sinn zu schärfen und zu bilden, so glauben\nI\nwir damit Beiden nützlicher zu sein, als wenn wir uns\nbemühten, der Tonkunst zuzumuthen, Hülfe ausserhalb\nihrer selbst zu suchen und sich abzuquälen, Wirkungen\nhervorzubringen, welche andere Künste ohne sie und bes-\nser als sie zu erzeugen im Stande sind.\"\n\nAus Münster\n*).\n(11. Vgl. Nr. 5.)\nDen 5. Februar 1866.\nAus dem „Faust\" von Schumann waren die\nScenen „Ariel\", „Sonnenaufgang\", „Faust's Erwachen\"\nund „Faust's Verklärung\" genommen und zur Erleichte-\nrung des Verständnisses durch ein geistreich geschriebenes\nVorwort Sorge getragen. Die Aufführung war eine durch-\nweg gelungene; die Chöre waren vortrefflich einstudirt,\nund Chor und Orchester überwanden die Schwierigkeiten,\ndie ihnen dieses Tonwerk zumuthet, in anerkennenswer-\nter Weise, so dass der Fleiss der Mitwirkenden und die\numsichtige Leitung des Dirigenten alles Lob verdienen.\nWenn trotzdem der Beifall des Publicums kein so begei-\nsterter war, wie sonst bei Aufführungen classischer Ora-\ntorien, so hat das seinen natürlichen Grund zum Theil\nfreilich in dem bei einmaligem Hören immer erschwerten\nVerständnisse eines bisher unbekannten Tonwerkes, ande-\nrerseits aber jedenfalls auch darin, dass der Schumann'-\nschen Muse herzerwärmende Kraft nicht in so hohem\nGrade eigen ist, dass alle Hörer sofort davon hingerissen\nwürden. Schumann's Bedeutung, die gerade auch durch\nseine Faust-Musik sich gewiss hoch über die der meisten\nseiner Zeitgenossen erhebt, wollen wir nimmer zu nahe\ntreten, aber ihn auf gleiche Stufe mit den grossen Classi-\nkern der Vorzeit zu erheben, geht nun einmal nicht, ge-\nschweige denn, ihn gar höher zu stellen. Die von der Schule\nder Eingeweihten (!) freilich geringgeschätzte vox populi,\nd. h. die grosse Mehrheit der gebildeten, an classischer\nMusik gross gewordenen Zuhörer, bekundete auch hier\nein richtiges Urtheil, denn wo in den Chören, z. B. in dem\nWechseigesange des Pater Semit Chor: „Steigt\nhinan zu höherm Kreise\" „Gerettet ist das edle Glied\"\nund anderen, Geist und Leben hervorstrahlte, da zündete\nes auch in den Herzen der Hörer, während andererseits\nselbst der wunderbar vollendete Vortrag eines Stockhau-\nsen den recitirenden Arien Schumann's nur mässigen Bei-\nfall verschaffen konnte.\n\n*) Wiewohl wir in Nr. 5 bereits einen Bericht über die Cä-\ncilienfest-Concerte in Münster gebracht haben, so wollen wir doch,\nwas durch die Aufführung so bedeutender Werke wie Schumann's\nScenen aus Faust und Beethoven's IX. Sinfonie gerecht-\nfertigt wird, noch einige Stellen aus dem Schreiben eines anderen\nHerrn Correspondenten mittheilen, indem wir natürlich die statisti-\nschen u. s. w. Angaben nicht wiederholen. Die Kedaction*\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "44", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660210-01.1.4", "texte": "Der Glanzpunkt des Abends war die neunte Sinfonie.\nSie war hier seit Jahren nicht aufgeführt, von Vielen viel-\nleicht zum ersten Male gehört, und ein leichtes Verständ-\nniss wird dieser gigantischen Tonschöpfung auch wohl\nNiemand vindiciren. Woher kommt es denn nun, dass hier\njeder Satz die Zuhörer zu rauschendem Beifalle hinriss,\nund der Jubel am Schlüsse nicht enden wollte? Fürwahr,\ndiese Schöpfung des unsterblichen Meisters ist auch ein\n„Chorus mysticus\", die wahre musicalische Verklärung des:\n„Alles Vergängliche\nIst nur ein Gleichniss;\nDas Unzulängliche,\nHier wird's Ereigniss;\nDas Unbeschreibliche,\nHier ist es gethan !\"\nAm folgenden Tage beschloss eine musicalische Ma-\ntinee die Feier des Cäcilienfestes. Das Septett von Beet-\nhoven trugen vor Herr Concertmeister G. A. Bargheer\nvon hier, die fürstlich Detmoldischen Kammermusiker\nHerren Döhnel, Deppe, Müller und drei Mitglieder\ndes hiesigen Orchesters. Der künstlerisch vollendete Vor-\ntrag der reizenden Composition entzückte alle Hörer, und\nwir erinnern uns nicht, das Septett je in solcher Vollen-\ndung gehört zu haben. Herr Concertmeister Bargheer\nerfreute uns ferner durch den Vortrag eines Adagio von\nSpobr. Der geniale Künstler ärntete durch denselben wohl-\nverdienten rauschenden Beifall. Sein Spiel hat an Ton und\nFülle bedeutend gewonnen, und der Musikverein kann\nsich freuen, einen solchen Vorgeiger und Concertspieler\nan der Spitze seines Orchesters zu besitzen. Herr Pirk,\nim Besitze einer jugendfrischen, biegsamen und umfang-\nreichen Tenorstimme, sang die Kirchen-Arie von Stradella\nund Lieder von Schubert recht schön; allein es ist doch\nimmer ein gewagtes Unternehmen, neben einem Stock-\nhausen als Liedersänger aufzutreten. Wir hätten Herrn\nPirk lieber in seinem Genre als Opernsänger, z. B. in einer\nArie von Mozart, hören mögen. Auf diese Weise hätte\nman auch Mozart's Genius auf dem Cäcilienfeste Gerech-\ntigkeit widerfahren lassen, für den die Huldigung diesmal\nausblieb. Ueber Stockhausen's Gesang und Vortrag der\nSchumann'schen und Beethoven'schen Lieder Worte zu\nmachen, hiesse Eulen nach Athen tragen. Wunderbar,\nso oft man ihn hört, immer glaubt man, ihn noch nie so\nschön gehört zu haben. Wie lauschte Alles in andachts-\nvoller Stimmung den himmlischen Tönen, wie rauschte\nendloser Beifall durch den Saal, wenn sie verklungen!\naber die edelste und belohnendste Wirkung seines Gesan-\nges waren die Thränen, deren wohl Niemand unter den\nZuhörern sich erwehren konnte.\n\nAus Utrecht.\nDen 3. Februar 1866.\nUnsere musicalischen Zustände machen die Auffüh-\nrung von grossen Vocalwerken mit Orchester schwierig,\nobschon es keineswegs an guten Kräften fehlt, die aber,\nmeist aus Dilettanten-Vereinen bestehend, nicht perma-\nnent sich vereinigen, theils auch, wie bei den Studi-\nrenden, unter denen grosse Theilnahme für Musik herrscht\nund jugendlich frische Stimmen vorhanden sind, dem\nWechsel unterworfen sind, was die Universitäts-Verhält-\nnisse mit sich bringen. Um so mehr ist es anzuerkennen,\nwenn durch die eifrige Thätigkeit unseres Musik-Directors,\nHerrn Richard Hol, eine so gelungene Aufführung zu\nStande kommt, wie wir sie am 20. Januar in der Vor-\nführung von Ferdinand Hiller's Oratorium „Die\nZerstörung von Jerusalem\" erlebten. Dieses be-\nrühmte Werk war, was wir jetzt, da wir es gehört, be-\nsonders reuig gestehen müssen, uns noch ganz neu, hat\naber einen solchen Erfolg gehabt, dass der Wunsch nach\neiner Wiederholung allgemein ausgesprochen wird.\nDie Ausführung des schönen Werkes, wiewohl\nschwierig, war dennoch so, dass sie die Forderungen an\neine wirklich künstlerische befriedigen konnte. Die Chöre\nwurden nicht nur präcis, sondern auch mit so viel Liebe\nund Eifer gesungen, dass man seine Freude daran haben\nmusste; so wurden denn auch viele derselben, namentlich\ndie so ausdrucksvollen in langsamerem Tempo, mit leb-\nhaftem Applaus begrüsst, was hier bei Massenleistungen\nnicht gewöhnlich ist.\nDie Solo-Partieen waren mit Ausnahme des Jeremias\nin den Händen von Dilettanten, welche, fast alle mit schö-\nnen Stimmen begabt, ihre Aufgabe befriedigend lösten;\nvor Allem verdient die Leistung eines ungarischen Akade-\nmikers Auszeichnung, der, in seiner Stimme einen wahren\nSchatz in der Brust tragend, durch die Ausführung der\nTenor-Partie die ganze Zuhörerschaft in Enthusiasmus\nversetzte. Die schwierige, aber sehr dankbare Partie des\nJeremias wurde von einem hiesigen Gesanglehrer und\ntüchtigen Musiker, Herrn van Schaick, sehr brav ge-\nsungen. Das Orchester, durch einige Musiker aus Amster-\ndam verstärkt, bewährte sich im Ganzen recht gut. Der\nschönste Triumph des Werkes war, dass das zahlreich\nversammelte Publicum den ganzen Abend über in einer\ngehobenen Stimmung war, die sich bis zum Ende nicht\nnur erhielt, sondern steigerte.\n3."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660210-01.1.5", "texte": "Stadttheater in Köln.\n(„Der vierjährige Posten\" von Th. Körner. Musik von\nIsidor Seiss Boieldieu's „Johann von Paris\".)\nWahrend die „ Africanerin\" in jeder Woche zwei\nMal das Haus füllt und auch das Publicum der weiteren\nUmgegend so zahlreich anzieht, dass die Rheinische Eisen-\nbahn aussergewöhnliche Zuge erst nach Ende der Vor-\nstellung ablässt ein Erfolg, welcher der Direction als\nErsatz für die vortreffliche Ausstattung und sämmtlichen\nan der Aufführung betheiligten Künstlern, einschliesslich\nChor und Orchester, als ehrenvolle Anerkennung sehr zu\ngönnen ist —, brachte uns der letzte Januar im Gegen-\nsatze zu dem Spectakel, ohne den die neueste Gattung\nder grossen Oper nicht mehr bestehen kann, eine idylli-\nsche musicalische Neuigkeit und eine sehr willkommene\nWiederaufnahme jenes älteren Genre's der französischen\nkomischen Oper, welches in Boieldieu's Werken gipfelt.\nDie Neuigkeit war eine Composition der freilich sehr\neinfachen und nur auf einer Anekdote beruhenden Dorf-\ngeschichte, die Theodor Körner im Jahre 1811 oder 1812\nin Wien unter dem Namen: „Der vierjährige Po-\nsten\", für die Bühne dramatisirt hatte. Dieser Text bie-\ntet im Grunde wenige musicalische Situationen dar, auch\nhaben die bisherigen Versuche, ihn in Musik zu setzen,\nkein Resultat gehabt. Trotzdem hat ihn sich Herr Isidor\nSeiss zum Vorwurf genommen, und freilich, einem deut-\nschen Componisten steht keine grosse Auswahl von Opern-\ntexten zu Gebote. Herr Seiss, der in dem trefflichen Leh-\nrervereine, welcher am hiesigen Conservatorium wirkt, als\nein ausgezeichnetes Mitglied anerkannt ist, und dessen\neminentes Talent als Pianist ihn zu einer glänzenden Vir-\ntuosen-Laufbahn befähigt, hat neben dem unablässigen\nStudium seines Instrumentes, wodurch er bereits einen\nAnschlag und eine technische Bravour erlangt hat, wie sie\nnur den bedeutendsten Ciavierspielern unserer Zeit eigen\nsind, diejenigen Arbeiten keineswegs ausser Acht gelassen,\nwelche den Virtuosen zum Künstler machen. Davon hat\ner denn jetzt einen gelungenen Beweis durch die am 31.\nJanuar unter seiner Direction vorgeführte Operette gege-\nben, welche beim Publicum eine sehr günstige Aufnahme\nfand. In der That hat Herr Seiss die Schwierigkeiten,\nwelche der spröde Stoff ihm entgegenstellte, in vieler Hin-\nsicht recht glücklich überwunden, zum Theil dadurch,\ndass er den Charakter eines blossen Singspiels aufgab und\ndas Stück zu einer wirklichen Operette machte, wodurch\ndann der Musik ein grösserer Antheil, als sonst der Fall\ngewesen wäre, zufiel. Vielleicht ist er hierin, da er an vie-\nlen Stellen auch den Dialog in die Composition ziehen\nmusste, hier und da zu weit gegangen, indem manche\nGesangnummern dadurch eine zu grosse Ausdehnung für\nihr Verhältniss zur Situation und zum Fortschritte der\nHandlung erhielten. Einige Kürzungen dürften das rich-\ntige Maass leicht herstellen; auch ist die Sicherheit im\nZuschnitt dramatischer Musik natürlich erst Sache meh-\nrerer Versuche und reiferer Erfahrung, da jeder junge\nComponist mehr oder weniger wie Haydn in seiner Jugend\ndenkt, dass nämlich das Papier gar nicht breit genug für\nNoten sein könne. Namentlich bedarf das Finale bedeu-\ntender Kürzung; nach dem Pardon, den der General ver-\nkündet, muss das Stück schnell unter einem kurzen Auf-\nschwünge des Dankes des glücklichen Paares und der\nFreude aller Anwesenden schliessen. Was aus der Com-\nposition am erfreulichsten hervorgeht, ist die Anlage zu\nzusammenhangender Arbeit, welche die melodischen Reihen\nnicht durch gesuchte rhythmische Rückungen, durch Vor-\nhalte oder sprungweise Fortschritte unterbricht, einer Ar-\nbeit, welche nicht stückweise zusammensetzt, sondern auf\nGuss und Fluss in musicaiischen Formen denkt. Ist dann\ndie Masse gut, so thut es nichts, wenn sie auch einmal\nüber die knappe Form überfliesst. Dies später zu verhin-\ndern, kann gelernt werden; das andere, was dazu ge-\nhört, muss aber da sein, ehe man ans Werk geht. Wir\nglauben desshalb Herrn Seiss zu diesem Debüt beglück-\nwünschen und zu rüstigem Fortschreiten auf der mit Er-\nfolg betretenen Laufbahn ermuntern zu dürfen.\nDie Vorstellung von Boieldieu's „Johann von Pa-\nris\" fiel recht befriedigend aus. Fräulein Schubert war\nin Gesang und Spiel eine reizende Prinzessin von Navarra,\nihr Senescball, Herr Behr, eben so ergötzlich als perso-\nnificirte Hofetiquette, wie vortrefflich als Sänger, Herr\nRiese, der immer gewandter auf der Bühne wird, ein\nrecht stimmfrischer Johann, und Fräulein Holm ein ganz\nartiger Page. Dass die letztgenannte Dame nach ihrer er-\nsten Arie lebhaften Applaus erhielt, war erfreulich, da das\nPublicum diese durch unermüdlichen Fleiss, musicalische\nSicherheit und Correctheit und leichte Auffassungsgabe\nneuer Partieen sehr schätzenswerthe Sängerin bisher nicht\nso ermuntert hat, wie sie es verdient.\n\nSiebentes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn\nFerdinand Hiller.\nDinstag, den 6. Februar 1866.\nProgramm. I. Tbeil. 1. Ouvertüre zu „Athalia\" von F. Men-\ndelssohn-Bartholdy. 2. Arie aus „Figaro's Hochzeit\" (Herr\nSalvatore C. Marchesi). 3. „Die Nixe\", russisches Gedicht von\nLermontoff, übersetzt von ß. Sprato, für Alt-Solo, Frauenchor und"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660210-01.1.6", "texte": "Orchester von A. Rubinstein (Alt-Solo: Frau March esi). 4. Cla-\nvier-Concert von C. Reinecke (Herr Capellmeister C. Reinecke).\n5. Duett aus der Olympias von Sacchini (Herr und Frau Mar-\nch esi). 6. „Credo\" aus der Krönungsmesse von Cherubini.\n11. Theil. Pastoral-Sinfonie von Beethoven.\nDie Composition von A. Rubinstein war eine Neuigkeit für\nuns; sie macht nicht viel Ansprüche und wurde beifällig aufgenom-\nmen. Der Chor hat mehr Ansprechendes, als die Solo-Melodie, wel-\nche übrigens der geschätzten Sängerin zu tief lag. Das Duett von\nSacchini wurde von dem oben genannten Künstlerpaare mit Aus-\ndruck vorgetragen; die Composition ist sehr sangbar und anmuthig,\nso dass der Beifall nicht ausbleiben konnte. In der Arie des Grafen\naus Figaro hätten wir das erste Tempo etwas bewegter und schär-\nfer accentuirt gewünscht. Die grossartige Composition des Cheru-\nbini sehen Credo macht für sich allein doch nicht den imposanten\nEindruck, den sie im Zusammenhange mit den übrigen Sätzen der\nMesse bewirkt. Der Chor der Männer im Bass hätte kräftiger und\nin den Einsätzen präciser sein können. Es ist zu bedauern, dass so\nmanche klangvolle Stimmen und tüchtige Chorsänger sich von der\nMitwirkung bei dieser Partie zurückgezogen haben; wir hoffen, dass\ndie folgenden Aufführungen, besonders die Matthäus-Passion, alle\nMusikfreunde wieder auf der Tonbühne versammeln wird, denn der\nGürzenichsaal verlangt durchschlagende Klangmassen.\nHerr Capellmeister Reinecke aus Leipzig erfreute die hiesi-\ngen musicalischen Kreise, zu denen er früher gehörte, und das ganze\nConcert-Publicum durch einen glänzenden Vortrag der Hauptstimme\nseines Clavier-Concertes, einer Composition, welche den besten die-\nser Gattung an die Seite zu stellen ist. Namentlich ist das erste\nAllegro ein vortrefflicher Satz, der, durchweg spannend, dem Inhalt\nund der Form nachs an die Muster der Heroen sich anschliessend,\nSchwung und Fluss hat, wie das Adagio sich durch melodischen\nund harmonischen Reichthum auszeichnet. Der letzte Satz steht\nvielleicht nicht ganz auf derselben Höhe. Bei jedem Abschnitte\nbrach das Publicum in lauten Beifall aus, und am Schlüsse wurde\nHerr Reinecke unter lebhaftem Applaus gerufen.\nEin wahrer Hochgenuss für alle Zuhörer, die noch empfänglich\nsind für wahre musicalische Schönheit, war die Pastoral-Sinfo-\nnie von Beethoven, jenes geniale Werk, das in der Instrumental-\nmusik eben so einzig dasteht, wie Haydn's „Jahreszeiten\" unter den\nGesangwerken.\nWelch eine Kraft des Genies gehört dazu, sich, wie Beethoven\nim Sommer des Jahres 1808 gethan, in die Schöpfung von zwei\nWerken, wie die Pastoral- und die sind, zugleich\nzu vertiefen und beide kurz nach einander zu vollenden, so dass\nsie am 22. December desselben Jahres in einem und demselben\nConcerte gegeben werden konnten! Und das nicht allein, sondern\nauch das Trio-Concert für Ciavier, Violine und Violoncell und die\nPhantasie für Ciavier, Orchester und Chor verdanken derselben Zeit\nihre Entstehung, ja, die Phantasie wurde als dritte Neuigkeit des\ngrossen Meisters in demselben Concerte vom 22. December 180,8\naufgeführt und ausserdem noch unter dem Titel: „Heilig\" das\nSanctus und Benedictus aus der 0-c?m*-Messe, die jedoch schon im\nvorigen Jahre geschrieben war. Die Pastoral-Sinfonie hatte damals\nkein weiteres Programm, als ihren Titel mit dem Zusätze: „Mehr\nAusdruck der Empfindung, als Malerei\", welchen Beethoven als\nHandweiser für die Zurechtfindung der Zuhörer und der Kritiker\nhinzugefügt hatte. Man sieht daraus wieder, wie wenig es Beetho-\nven darum zu thun war und setzen wir nur ganz aufrichtig\nhinzu: wie wenig er auch im Stande war, das mit Worten auszu-\ndrücken, was ihm der Genius in Tönen eingegeben hatte. Desshalb\ndarf man auch auf seine Aussprüche, sie mögen sich nun in Briefen\noder in sonstiger Ueberlieferung finden, nicht allzu viel geben, denn\nkein Künstler war wohl je weniger dazu gemacht, über seine eige-\nnen Werke zu reflectiren oder gar Anderen Rechenschaft darüber\nzu geben. Er lebte nur in der Welt der Töne, und diese allein wa-\nren die Zeichen, in welchen er sein Inneres aussprach, nicht Buch-\nstaben und Worte. So liess er denn auch hier bei der neuen Sin-\nfonie nur jene paar Worte auf das Programm setz-en, damit die\nPhilister nicht etwa von ihm eine pure Tonmalerei erwarten möch-\nten. Wer aber desswegen glauben wollte, dass er bloss „Empfin-\ndung\" habe ausdrücken wollen, und dass er sich der ganzen über-\nreichen Fülle reiner Musik und des dramatischen Lebens in seinem\nneuen Werke nicht bewusst gewesen wäre, der würde eine Sünde\ngegen den Geist des Meisters begehen. Desshalb gab er auch nach-\nher bei der Veröffentlichung der Sinfonie noch einige andere Ueber-\nschriften dazu her, aber auch diese betrafen mehr die äussere Form\ndes Werkes und die Verbindung der Sätze durch einen leitenden\nGedanken zu einem Ganzen, als dass sie den Text zu den Einzel-\nheiten liefern sollten. Freilich „Nachtigall\", „Wachtel\" und „Kuckuk\"\nkonnte er darüber schreiben, aber nicht, dass selbst diese Vogel-\nstimmen nur symbolisch sind und sich dem Musicalischen fügen,\ndenn weder die Nachtigall singt so wie die Flöte, noch gibt es\nPatti-Wachteln, welche das hohe d anschlagen, noch kennt der\nKuckuk die grosse Terz! Noch weniger konnte und wollte er den,\nder es nicht heraushört, mit der Nase darauf stossen, dass in der\nganzen „Scene am Bach\" die Stimmen der Natur in ihrem Rau-\nschen und Schwirren ohne Tact und Accord, wie sie das Concert\ndes Frühlings bilden, wiederhallen, und dass überall die Stimme der\nSeele des Menschen durchklingt. Eben so ist es mit dem „Gewitter\"\nund mit dem durch seine melodische Schönheit und harmonische\nEinfachheit bezaubernden „Hirtengesang\" im Schlusssatze. Alles ist\nder Triumph der reinen Musik; Natur und Leben haben dazu be-\ngeistert, aber eindringlicher als der Ruf der Schalmei und des Hor-\nnes, mit denen wir gewohnt sind, die Vorstellung von Hirten zu\nverbinden, sprechen die Melodieen, die wie die dankbaren Gefühle\nbeim Anblicke des erfrischten Saatengrüns in uns selbst nachklin-\ngen. Es liegt etwas Erhebendes und Trostreiches in diesem letzten\nSatze des herrlichen Werkes: nach jedem Gewitter, woher es auch\nkommen möge, werden die getreuen Hirten, die ihre Herde muthig\nin Stürmen zu schützen wissen, Grund haben, Gott zu preisen,\nwenn sie die drohenden Wolken fliehen und gebrochen am Hori-\nzonte verschwinden sehen.\nEs wäre aber auch eine Sünde, wenn wir die ganz vorzügliche\nAusführung der Pastoral-Sinfonie durch das Orchester unter Hiller's\nLeitung unerwähnt Hessen; eine in Feinheit und Kraft in allen\nSchattirungen so technisch vollkommene und dynamisch ausdrucks-\nvolle Orchesterleistung hört man wahrlich nur selten; es war die\nschönste Huldigung für den unsterblichen Genius des Meisters,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660210-01.1.7", "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\n\"Wesel, 7. Februar. Gestern veranstaltete das hiesige Casino\nein Concert, in welchem die Sängerinnen Fräulein Reck und Fräu-\nlein Schloemann aus Köln, Schülerinnen des Kammersängers\nHerrn Ernst Koch daselbst, und Herr Koch selbst durch Gesan-\nges-Vorträge mitwirkten, welche grossen Beifall erhielten. Die Or-\ncbestersätze wurden von dem vereinten Musikcorps des k. 17. und\n57. Regiments ausgeführt*\nBerlin. Es war vorauszusehen, dass die grosse Meyerbeer'-\nscbe Oper, die den Gipfelpunkt der neuesten musicalischen Saison\nbezeichnet, denj Schicksale, auf unseren zweiten Theatern parodirt\nzu werden, nicht werde entgehen können. Dohm lieferte eine der-\nartige Parodie schon vor einiger Zeit, für die Friedrich-Wilhelm-\nstädtische Bühne, jetzt hat Salin gre einen grösseren parodistischen\nSchwank: „Die Africanerin in Kalau\", im Wallner-Theater erschei-\nnen lassen. Wenn wir indessen auch seinen Schlussworten zustim-\nmen wollen : „Nur Gutes lässt sich parodiren, das Schlechte ist schon\nParodie!\" so möchten wir doch vor der Gefährlichkeit derartiger\nVerzerrungen warnen. Vor einigen Jahren sahen wir im alten\nWallner-Theater eine Parodie der Gounod'schen Margarethe, die in\nder Idee vielleicht das Beste dieses Genre's war. Kaiisch überbot\nnämlich den gesungenen Faust dadurch, dass er ihn nach Gounod'-\nschen Walzer-Melodieen tanzen liess. Herr führt uns da-\ngegen nach einem nicht ohne Witz geschriebenen versificirten Prolog\nauf die Generalprobe eines Theaters in der Provinz und lässt dann\ndie Hauptscenen der Oper durch die vier Komiker der Bühne, so\ngut es gehen will und so toll wie möglich, parodiren. Der Haupt-\nreiz zum Lachen liegt in den Darstellern der Wallner'schen Bühne.\nWirklich fein parodistisch gedacht ist die von Conradi componirte\nmusicalische Begleitung, welcher bei jeder passenden Gelegenheit\nund fast nach jedem Meyerbeer'schen Motive der unbändige Schalk\nim Nacken sitzt.\n30. Januar* Nach langer Pause haben wir die\nFreude, eine Production des Vereins für classische Kirchenmusik\nverzeichnen zu können. Das Oratorium „Samson\" von Händel, das\nim Jahre 1850 zum ersten Male hier gegeben worden, wurde heute\nneuerdings aufgeführt, wobei der Verein durch weitere hiesige\nSingkräfte, durch die königliehe Hofcapelle und die Herren Tod und\nReichardt unterstützt wurde. Die Chöre bewährten ihre längst-\ngewohnte Macht, Frische und Präcision; die Soli waren bei den\nDamen Bennewiz, Marschalk und Schütky, den Herren A.\nJäger, Hauser und Schütky in den besten Händen, und so\nmachte das Ganze unter Faisst's trefflicher Leitung einen grossar-\ntigen Eindruck. Der Verein würde sich bei einer etwaigen Wieder-\nholung Dank verdienen, wenn er sich zu einer Kürzung entschlösse,\ndenn eine Dauer von vollen vier Stunden ist fast eben so anstren-\ngend für die Zuhörer, wie für die Mitwirkenden. [Die Aufführung\nfand Abends im Saale des Königsbaues Statt: die Herren Tod und\nReiehardt führten die Pianoforte- und Harmonium-Begleitung aus.\nDas Oratorium wurde streng historisch, d. h. ganz so, wie es Hän-\ndel geschrieben hat, ohne alle Auslassungen gemacht; sämmtliche\nSologesänge und auch die zwei Scenen, in denen der Riese Harapha\naus Gath erscheint, waren in die Aufführung aufgenommen* Daher\ndie Schlussbemerkung der Correspondenz. Ob die gewissenhafte Bei-\nbehaltung aller Nummern der Händel'schen Oratorien bei heutigen\nAufführungen zum Vortheil der Sache gereicht, nämlich zur Auf-\nrechthaltung dieser erhabensten und Stärkung des\nSinnes für dieselbe bei dem Publicum, das haben wir schon öfter\nin diesen Blättern besprochen. So sehr wir die Beeinträchtigung\neines Ganzen, wenn die Auslassung eines einzelnen Stückes eine\nLücke im Zusammenhange veranlasst, missbilligen, so wenig kön-\nnen wir denen Recht geben, welche da, wo das letztere nicht der\nFall ist, von Verstümmelungen u. dgl. mehr sprechen. Desshalb\nhaben wir schon öfter an einzelnen Oratorien Händel's nachgewie-\nsen, dass von der so genannten epischen oder vollends dramatischen\nEinheit in den Texten derselben nicht die Rede sein kann. Für\nConcert-AufFührungen in unserer Zeit muss unserer Meinung nach\nder praktische Gesichtspunkt und die Gegenwart, nicht der histori-\nsche und die Vergangenheit Richtschnur sein.]\nMan schreibt aus Leipzig vom 2. Februar: Es freut uns, mit-\ntheilen zu können, dass die Ordnung der im 15. Gewandhaus-Con-\ncerte aufgeführten Compositionen einen Fortschritt in Berücksichti-\ngung der historischen Folge wahrnehmen liess, indem durch Etienne\nHenri Mehul (geb. zu Givet 1763), den bedeutendsten Schüler Gluck's,\ndie französische Schule, durch Domenico Cimarosa (geb. zu Neapel\n1755), den grössten Jünger aus der musicalischen Richtung Du-\nrante's, und durch Cherubini, den unvergänglichen Kirchenmusik-\nund Opern-Componisten (geboren zu Florenz 1760), die italiänische\nSchule, endlich durch Mozart (geb. 1756 zu Salzburg), den grössten\nUniversal-Tonschöpfer, und durch Reichardt (geb. 1751 zu Königs-\nberg), den vorzüglichen Coinponisten Goethe'scher Lieder, die deut-\nsche Schule vertreten war. Dur Reihe nach enthielt das Programm\nfolgende Nummern: 1. Ouvertüre zu „Joseph\" von H. E. Mehul; 2.\nArie zu „II matrimonio segreto\" von Dom. Cimarosa; 3. Concert\nfür die Oboe von W. A. Mozart; 4. Lieder von Reichardt: a) Der\nKönig von Thüle, b) Rastlose Liebe; 5. Entreact aus „Medea\" von\nCherubini; 6- Serenade für Blas-Instrumente, Cello und Contrabass\nvon Mozart; 7. Arie aus Figaro's Hochzeit von Mozart; 8. Ouver-\ntüre zu „Anakreon\" von Cherubini. Das Orchester leistete grössten-\nteils sehr Tüchtiges, so wie auch der Vortrag des Oboen-Concertes\nvon Seiten des Herrn Emil Lund aus Stockholm Anerkennung\nverdient, indem der Ton nobel, doch ohne Grösse, und die Technik\nganz respectabel, wenn auch nicht eminent, waren. Herr Salvatore\nMarch esi, welchen wir schon früher als einen sehr bedeutenden\nSänger würdigen konnten, glänzte besonders im Vortrage der deut-\nschen Lieder, was einem Italiäner um so höher anzurechnen ist,\nwährend die Reproduction der italiänischen Arien vollkommen be-\nfriedigte.\nMan schreibt aus Karlsruhe, 28. Januar: Die Hofbühne da-\nhier hat nunmehr Meyerbeer's „Africanerin\" gebracht, und über den\ngrossen äusseren Erfolg kann zumal nach der zweiten Aufführung\nkein Zweifel mehr bestehen. Die Meinung der Kritik und der Fach-\nmänner stellt das Werk trotz der verhältnissmässig reichen Melodik\nmit aller Bestimmtheit dem „Propheten\" nach; die äusserliche Mi-\nschung der Stilgattungen ist weit empfindlicher als in irgend einem\nder früheren Hauptwerke Meyerbeer's, und die Charakteristik der\nIndividuen weit schächer und zerflossener; die Melodik greift eben\nzu jedem Hülfsmittel, wird leicht banal auch in den leidenschaft-\nlichsten Situationen des misslichen Textbuches; dabei hat man im-\nmer die dunkle Empfindung, die Haupt-Motive und selbst die zum\nTheil wunderbar reichen harmonischen Fügungen in irgend einer\nder früheren Opern in etwas anderem Colorit schon einmal und\ntiefer gefasst gehört zu haben. Buch und Musik haben sich ver-\näusserlicht, darüber kommt die besonnene Betrachtung nicht leicht\nhinaus. Die Ausstattung des vierten und fünften Actes ist für die\nMittel der hiesigen Bühne prachtvoll zu nennen; die SchifFskünste\ndes dritten Actes fallen dagegen und offenbar zum Vortheil der\nWirkung der späteren Acte weg, auch die Würde der Bühne kommt\ndabei nicht zu kurz. Sehr hoch stehen die Gesangsleistungen des\nTenors Brandes (Vasco), und was Schönheit der Stimme, der Er-\nscheinung und in einzelnen Momenten auch Leidenschaft der Dar-\nstellung betrifft, die Selica der Frau Boni; die Rolle des Nelusko\nwird allgemein als widerlich angesehen, obwohl die Charakteristik"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660210-01.1.8", "texte": "hier am schärfsten ist und der Bariton Haus er (Sohn des früheren\nDirectors am münchener Conservatorium) Stimme und Stimmschu-\nlung besitzt. Ueber die Charakterlosigkeit des Vasco und die geo-\ngraphischen Verzückungen der beideu Hauptpersonen kommt auch\nder Verstand kindlicherer Personen nicht hinaus. Die Leitung der\nOper ist dem gewandten und energischen liof-Capellmeister Levi\nzugefallen, der sich mit Kalliwoda jun. in die Capellführung theilt.\nDresden. Das königliche Hoftheater hat so eben die übliche\nUebersicht der im vorigen Jahre daselbst gegebenen Vorstellungen\nveröffentlicht. Als Novitäten erschienen drei kleine Operetten und\ndie alte Auber'sche Oper „Der Feensee\", ferner neunzehn Schau-\nund Lustspiele, darunter Heyse's „Hans Lange\", Brachvogels „Prin-\nzessin Montpensier\", Schnetger's „Niklas der Holzschnitzer\", Gott-\nschall's „Katharina Howard\", Putlitz* „Um die Krone\", Scribe's\n„Minister und Seidenhändler\" und d'Ennery's „Grossmutter\", ausser-\ndem mehrere kleine Lustspiele. Neu einstudirt wurden unter Ande-\nrem die Opern: „Die Jüdin\", „Der Wasserträger\" und Boieldieu's\n„Rothkäppchen\"; ferner 32 Schauspiele. Von den Classikern war\nGoethe mit „Faust\" und „Egmont\" vertreten, Schiller mit „Maria\nStuart\", „Fiesco\", „Cabale und Liebe\", „Wallenstein's Tod\", „Don\nCarlos\", „Die Räuber\", „Wallenstein's Lager\", „Die Piccolomini\",\n„Wilhelm Teil\", Shakespeare mit „König Richard II.\", „Othello\",\n„Sommernachtstraum\", „Kaufmann von Venedig\", „Wintermärchen\",\n„König Heinrich IV.\", „Komödie der Irrungen\" und „Bezähmte Wi-\nderspänstige\", Lessing mit „Emilia Galotti\" und „Minna von Barn-\nhelm\", Kleist mit dem „Zerbrochenen Krug\" und „Käthchen von\nHeilbronn\". Beethoven's „Fidelio\" wurde 4 Mal, Mozart mit fünf\nOpern 20 Mal, Meyerbeer mit vier Opern 17 Mal, Wagner mit vier\nOpern 13 Mal vorgeführt. In der Posse dominirte Räder mit drei\nStücken 18 Mal; das Ballet war vertreten durch Gisela, Alphea und\ndie vier Jahreszeiten.\nWien* Das zweite Concert der Frau Schumann versam-\nmelte, wie vorauszusehen war, gleich dem ersten ein alle Räume\nfüllendes Elite-Publicum, in welchem insbesondere das schöne Ge-\nschlecht vorwiegend vertreten war. Was zur Anerkennung dieser\nKünstler-Individualität irgend nur gesagt werden konnte, ist in so\nerschöpfender Weise gesagt worden, dass wir bekennen, nach dieser\nRichtung mit unserem Latein zu Ende zu sein. Wir beschränken\nuns mithin auf die Berichterstattung über den factischen Verlauf\ndes Concertes. Frau Schumann eröffnete dasselbe mit der\nScliubert's und stellte sich damit eine jedenfalls angemessenere Auf-\ngabe, als mit der Mozart-Sonate, die sie bei Hellmesberger vortrug.\nDas Schubert'sche Opus ist wenig bekannt; unsere Pianisten gehen\nihm, wie den meisten seiner Geschwister, auffallend aus dem Wege,\nman weiss nicht recht, wesshalb. Die Sonate hat in ihren beiden\nersten Sätzen reizende Sachen, und stehen die anderen auch nicht\nauf der Höhe dieser, so lässt sich mit dem Vortrage doch immer-\nhin „viel daraus machen\", man muss die Sache eben nur mit der\nHingebung, dem Ernste und dem Geschicke behandeln, wie es Frau\nSchumann gethan. Auch die Beethoven'schen C-moll-Yariationen,\ndie Frau Schumann in das Programm aufgenommen hatte, werden\nselten gehört. Sie gelten für nicht bedeutend im Vergleiche zu an-\nderen seiner Ciavierwerke. Das mag sein; beim Vortrage der Frau\nSchumann hatte man diese Empfindung nicht. Uns will bedünken,\ndass man sich vor diesen und ähnlichen Arbeiten meist nur dess-\nhalb scheut, weil sie wenig gespielt sind und Keiner der Erste sein\nmag. Bequem ist's freilich, hundert Mal Gehörtes nachzuspielen,\naber Künstlerart kann man solches Nachtreten nicht nennen, son-\ndern Dilettantenart. Ein neues zweiclavieriges Duo von Ernst\nRudorff, unter Mitwirkung des Fräuleins Asten vorgeführt, hat\nden Beifall der Zuhörer gefunden, und wir können ihm denselben\nim gewissen Sinne gleichfalls nicht vorenthalten. Der Componist\ngehört jedenfalls zu den geistreichen und fein empfindenden Musik-\nmenschen. Das Stück, der Hauptsache nach Variationen, ist zwar\nstark Schumannisch gefärbt, aber sonst doch sehr hübsch, klar und\nwohlklingend. Weniger behagt uns die Gesammtform. Der rondo-\nartige Nachsatz stört die Symmetrie, er ist zu kurz und unent-\nwickelt, um als selbständiger Satz zu gelten, und stört nur das\nGleichgewicht. Die Schluss-Vorträge der Concertgeberin bestanden\naus Schumann'schen Stücken, und zwar: „In der Nacht\", „Schlum-\nmerlied\" und D-dw-Novellette Nr. 2. Durch die Gesangs-Vorträge\ndes Fräuleins Bettelheim, welches in zwei Abtheilungen, je zu\nvier und vier Nummern, den Lieder-Cyklus Schumann's : „Frauen-\nliebe und Leben\", sang und sich damit eine sehr dankbare und\ndankenswerthe Aufgabe gesetzt hatte, bekam das Concert einen ge-\nschlossenen und einheitlichen Charakter.\nUnter den Schülerinnen der Clavierclasse des Herrn Professors\nDachs am Conservatorium in Wien befindet sich auch ein Fräulein\nPiermine Beethoven, die dreizehnjährige Tochter des Neffen\nBeethoven's.\nDie Hauptstadt Mexico besitzt fünf Theater, darunter das\nTeatro imperial oder das italiänische Operntheater. Letzteres, das\nan Schönheit mit den Theatern in Europa jeden Vergleich aushält,\nsteht unter der Leitung des Maestro Bosoni und besteht im Ganzen\naus 150 Orchester-Mitgliedern. Das Orchester zählt 50 Musiker und\nergänzt sich aus der Banda militare (österreichische Corpsmusik),\ndie, 75 Mann stark, unter der Direction des Capellmeisters Saver-\nthal steht.\n\nAlle in dieser Musik-Zeitung besprochenen und angekündigten\nMusicalien etc. sind zu erhalten in der stets vollständig assortirten\nMusicalien-Handlung und Leihanstalt von BERNHARD BREUER\nin Köln, grosse Budengasse Nr. 1, so wie bei J. FR. WEBER,\nHohle Nr. 1."}]}