{"numero_id": "bm-bmtnabi-1866-02-17-01", "volume": "bmtnabi_1866-02-17_01", "ocr_sha256": "6b98544e29c06582014c3b8005f4ff5b3f436b65eb57c8dae5376e24427534eb", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1866/02/17_01/bmtnabi_1866-02-17_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660217-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1866-02-17-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-02-17_01#c001", "volume": "bmtnabi_1866-02-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "49", "page_fin": "49", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660217-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "49", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660217-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 481, "texte": "Inhalt.\nDie Musik in America im Jahre 1865. Pariser Briefe (Die Opernmusik im Jahre 1865 Le voyaqe en Chine\nNX i/ %J ~\nMartha Neueste Erzeugnisse: Les Bergers von J. Offenbach La fiancie d'Abydos von Adr. Barthe Leonora von Mercadante).\nCarlotta Patti in Wien. Von Ed. H. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Gastspiel Roger1 s auf dem Stadttheater Bielefeld,\nGluck's „Orpheus\" Kassel, Mortier de Fontaine Dresden, 5. Abonnements-Concert, Fräulein Santer, „Prophet\" Paris u. s. w.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-02-17-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-02-17_01#c002", "volume": "bmtnabi_1866-02-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "49", "page_fin": "52", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660217-01.2.2", "titre_corps": "Die Musik in America im Jahre 1865.", "titre_sommaire": "Die Musik in America im Jahre 1865.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "49", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660217-01.1.1", "debut_caractere": 483, "fin_caractere_exclue": 4351, "texte": "Die Musik in America im Jahre 1865.\nNew-York, im Januar 1866.\nVölker entwickeln sich wie Individuen und machen\nalle Stadien der Jugend, des Mannesalters und der allmäh-\nlichen Abnahme der Kräfte eben so durch, wie einzelne\nMenschen. Diese Behauptung ist weder neu, noch beson-\nders geistreich, sie erhält indessen einen täglich neuen\nWerth für den Menschen, welcher dieser Entwicklung\nbeobachtend und prüfend folgt. Und in dieser Beziehung\nist America das interessanteste Land der Well für den\ndenkenden und ernsten Kunstfreund. Während die Ent-\nwicklung des musicalischen Lebens in Europa auf einem\nPunkte angelangt ist, welcher von vielen Seiten als ein\nnicht mehr naturgemässer und berechtigter bezeichnet\nwird [?], ist die Musik in America kaum aus den ersten Jah-\nren der Kindheit getreten. Hier ist noch ein weites, ja,\nfast unübersehbares Feld für Kunststreben und Kunst-\nleben, und es ist geradezu unsinnig, mit einem souverainen\nAchselzucken auf das Land herabzusehen, welches am\nEnde des achtzehnten Jahrhunderts eigentlich erst geschaf-\nfen wurde und in die Reihe der Völker eintrat, und sich\nseitdem in jeder Beziehung eine ehrenvolle Stellung er-\nworben und auch in der Kunst mehr geleistet hat, als\nman selbst bei den sanguinischsten Hoffnungen erwarten\nkonnte. Wenn man in einem solchen Lande, dessen Ent-\nwicklung durchaus keine fertige, sondern eine noch in den\nersten Anfängen begriffene ist, am Ende jedes Jahres\neinen Fortschritt bemerken kann, so muss man sicherlich\nein Gefühl der Genugthuung, ja, der Freude empfinden,\nbesonders wenn man, gleichviel mit welcher Kraft, dazu\nbeizutragen versucht hat, diese Entwicklung zu fördern.\nWer in diesem Sinne auf das Jahr 1865 zurück-\nblickt, wird finden, dass es in jeder Beziehung einen merk-\nlichen Fortschritt in der schönen Kunst der Töne bezeich-\nnet. In jedem Zweige der musicalischen Kunstleistungen\nscheint sich eine grössere Regsamkeit zu zeigen. Das Sän-\ngerfest des Jahres 1865 hat den Anlass zu einer festen\nund hoffentlich dauernden Organisirung der deutschen Ge-\nsangvereine gegeben, welche unter der Leitung des gegen-\nwärtigen Vorstandes höchst Segensreiches verspricht. Schon\nist es möglich geworden, das längst projectirte, leider aber\nnoch nicht zur Gestaltung gekommene deutsche Hospital\ndurch Concerte der vereinigten Gesangvereine zu unter-\nstützen, und der Dank für diese Hülfe gebührt dem Prä-\nsidenten der Vereine, Herrn Steffen, und dem bis zur\nAufopferung thätigen Secretär Herrn Geilfuss.\nDass das Sängerfest gerade einen musicalischen Erfolg\nerzielt hätte, wollen wir nicht behaupten. Dergleichen Feste\nsind weniger geeignet, die Förderung der Kunst zu be-\nzeichnen, als eine Gelegenheit für freundschaftliche Zu-\nsammenkünfte der Sängerbrüder zu geben. Man kommt\nmit einem bedeutenden Feuereifer zu dem Feste und\ntrennt sich mit einem nicht geringen Katzenjammer oder\nwenigstens mit der wohl gegründeten Aussicht auf einen\nsolchen am nächstfolgenden Tage. Trotzdem aber ist nicht\nzu läugnen, dass nebenbei auch musicalische Strebungen\ngefördert werden, und dass ein gewisser Geist der Einheit\nund des Zusammenhaltens sich geltend macht, den wir\ngern sehen. Die deutschen Gesangvereine haben im Be-\nsonderen wenig während des letzten Jahres geleistet, so\nweit es die Oeffentlichkeit anging, dagegen haben sie desto\nmehr für ihre Ausbildung gewirkt. Der „Liederkranz*\nund der „Arion\", welche ohne Zweifel an der Spitze der\namericanischen Gesangvereine stehen, haben in dem letz-\nten Jahre keine öffentlichen Concerte gegeben; dennoch\nhat namentlich der „Liederkranz\" höchst Schätzbares und\nAnerkennenswerthes getban, indem er in seinem Vereins-\nLocale nicht allein Werke aufgeführt hat, wie Schumann's\n„Requiem für Mignon\", sondern auch ein Orchester von Di-\nlettanten geschaffen hat, welches sich schon beute sehr wohl\nmit einem Orchester von Fachmusikern vergleichen lässt."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "50", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660217-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5220, "texte": "In der philharmonischen Gesellschaft hat jetzt Karl\nBergmann die ausschliessliche Direction. Gleichviel\ndurch welche Gründe veranlasst, bat Bergmann ein sehr\nansprechendes und werthvolles Programm entworfen, und\ndie Concerte der philharmonischen Gesellschaft sind, so\nlange wir uns erinnern können, noch nie so unterhaltend\nund anregend gewesen, wie in diesem Jahre. Während\ndie älteren Compositionen der classischen Schule Berück-\nsichtigung fanden, wurden auch früher hier noch nicht\naufgeführte Werke zu Gehör gebracht und unter Ande-\nrem Liszt's „Mazeppa\" und Berlioz' „Episode aus dem\nLeben eines Künstlers\" vorgetragen. Ausserdem wurde\ndie ganze Musik zum Sommernachtstraum gespielt, und\nBeethoven und Schumann waren durch Sinfonieen ver-\ntreten.\nDie erfolgreichen Orchester-Concerte des Herrn Tho-\nmas boten ohne Zweifel die vorzüglichste Auswahl und\nenthielten eben so interessante wie vorzüglich ausgeführte\nWerke, namentlich der modernen Schule. So wurden\nLiszt's „Mazeppa\" und das Clavier-Concert desselben Com-\nponisten aufgeführt; ferner kam die Phantasie von Beet-\nhoven für Piano, Chor und Orchester zum ersten Male\nhier zur Aufführung, und die noch zu erwartenden Con-\ncerte bieten ebenfalls Treffliches in ihren Programmen.\nDas Verdienst des Herrn Thomas, durch seine Concerte\nneue musicalische Anregung gegeben zu haben, ist um so\ngrösser, als die Ausführung dieses Planes mit schwerer\nMühe und grossen Opfern an Zeit, Geld und Arbeit ver-\nbunden war. Der Preis, welcher gegenwärtig den Orche-\nster-Mitgliedern gezahlt wird, ist so hoch, dass unter den\ngünstigsten Umständen kaum ein angemessener Nutzen\ndem Concertgeber bleiben kann.\nDagegen waren die Frühlings- und die Herbst-Saison\nder italiänischen Oper überaus einträglich, und Max Ma-\nretzek hat sicherlich für seine Mühe Lohn erhalten. Die\nVorstellungen waren mehr besucht, als jemals früher, und\ndie Ausführungen meist tadellos. Am meisten Beifall fan-\nden die komische Oper „Crispino ela Comare\" und die\n„Äfricanerin\". In der ersteren Oper excellirte der Bassist\nRovere, welcher jedoch leider durch einen plötzlichen\nTod in der Mitte einer glänzenden Laufbahn unterbrochen\nwurde. Die „Äfricanerin\" wurde sehr gut gegeben, und\ndie Ausstattung liess nichts zu wünschen übrig, wenn man\nbedenkt, dass die hiesige italiänische Oper nicht nur nicht\nsubventionirt ist, sondern sogar 300 Plätze an Actionäre\njeden Abend unentgeltlich geben muss.\nDie deutsche Oper besteht gegenwärtig nur aus den\nUeberbleibseln vom vorigen Jahre. Eine unbegreifliche\nUngeschicklichkeit oder Nachlässigkeit Seitens des Herrn\n■Grover war Schuld daran, dass keine Truppe zur rech-\nten Zeit engagirt werden konnte, und die Saison begann\nmit den hier anwesenden deutschen Sängern spät im We-\nsten; jedoch scheint die Truppe durch die sorgfältige Aus-\nführung der Opern und ein gutes Ensemble zu gefallen.\nDie Opern-Truppen der Herren Strakosch und\nGrau waren gleichfalls im Westen und Süden, und die\nerstgenannte Truppe scheint gute Geschäfte gemacht zu\nhaben, während die letzterwähnte die Erwartungen, wel-\nche man von ihr hegte, nicht erfüllte.\nDie Ankunft der Gebrüder Formes hatte hoffen las-\nsen, dass die drei Sänger in Concerten oder Opern sich\nhören lassen würden; jedoch machten unüberwindliche\nSchwierigkeiten alle desfallsigen Plane zu Schanden, und\nes ist nicht wahrscheinlich, dass die Herren vor dem\nHerbste auftreten werden, zu welcher Zeit sie eine deut-\nsche Opern-Truppe hieher zu bringen beabsichtigen.\nEine gute Concert-Truppe war die, welche Herr Ba-\nteman aus England hieher brachte und an deren Spitze\ndie Sängerin Parepa stand. Der Violinist Rosa, der\nPianist Danreuther und der Cornettist Levi waren Mit-\nglieder der Truppe, welche von Herrn An schütz dirigirt\nwurde. Herr Danreuther verliess jedoch das Unternehmen\nbald, da seine Art des Pianospielens nicht für America\nund ein grösseres Publicum geeignet war und er mehr für\nKammermusik als für Salon-Vorträge bestimmt schien.\nDie Concerte für Kammermusik, welche die Herren\nThomas, Mason, Mosenthal, Matzka und Berg-\nner gaben, waren gut besucht und erfreuten sich reichen\nund gerechten Beifalls. Die diesjährige Saison beginnt\ngegen Mitte Januar und die Programme sind in diesem\nJahre weniger streng und für ein grösseres Publicum be-\nstimmt, als früher.\nDie englische Oper vegetirte im Westen ohne künst-\nlerischen oder pecuniären Erfolg. Das geringe Repertoire,\nder Mangel an Chor und Orchester und an tüchtigen Sän-\ngerinnen mussten das Unternehmen zu einem ephemeren\nmachen, und es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass die\nenglische Oper in nächster Zeit eine glänzende Zukunft\nerwarten darf.\nDie Virtuosen-Concerte sind in America eben so in\nMisscredit gerathen, wie in Europa, und zwar im Allge-\nmeinen mit Recht. Virtuosen wie Liszt, Bülow, Joachim,\nLaub, Tausig und ähnliche Riesenerscheinungen kann man\ngewiss nur mit höchster Bewunderung hören, und ihre\nLeistungen haben eine Wirkung, welche das Publicum\nzugleich begeistert und belehrt; indessen ist in den letzten\nzehn Jahren die Mittelmässigkeit nur zu sehr veranlasst\nworden, ihre Waare an den Mann zu bringen und sich\ndurch falsche Vorspiegelungen in dem Vertrauen einer\nClasse nicht zu verständiger Durchschnitts-Menschen fest-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "51", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660217-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5320, "texte": "zusetzen, und es gelang dies leider nur zu gut und zu oft.\nDer Schade, welcher durch dergleichen Virtuosen-Con-\ncerte vierten oder fünften oder überhaupt gar keinen Ran-\nges angerichtet wurde, war in America bei der noch ge-\nringeren Entwicklung, als sie in Europa besteht, ein ausser-\nordentlich grosser. Wir brauchen, ohne uns auf die ver-\nschiedenen irländischen Bettelbarden einzulassen, nur an\nden höchst begabten und seine Begabung auf das conse-\nquenteste missbrauchenden Gottschalk zu verweisen, von\ndessen unheilvollem Wirken wir schon im letzten Jahre\nwiederholt zu sprechen gezwungen waren. Seitdem Jenny\nLind und Frau Sontag hier waren, brachten Speculanten\neine Menge fahrender Virtuosen hieher, welche, statt das\nPublicum zur Kunst heraufzuziehen, die Kunst zu dem\nPublicum herabsetzten. Besonders war dies in den letzten\nJahren der Fall; aber wie das Volk stets richtigen In-\nstincten folgt [?], so war es auch hier, und der Mangel an\nVirtuosen war im letzten Jahre ein in sehr angenehmer\nWeise fühlbarer; man hatte dafür nur eine kleine Anzahl\ngewissenhafter Musiker, welche ihre Reputation in techni-\nscher Beziehung bereits festgestellt haben, und deren Zweck\nes ist, nicht bloss zu glänzen, sondern auch für Musik\netwas zu thun und den Kunstgeschmack zu heben. Die\neinzigen fremden Virtuosen, welche hieher kamen, waren\nder Pianist Wehle, die Cellistin Katow und der Violinist\nPrume, von denen sich nur der erstgenannte eines eini-\nger Maassen nennenswerthen Beifalles erfreuen konnte,\nwährend die beiden anderen keinen Erfolg hatten. Die\nvon uns oben erwähnte Bateman'sche Concert-Truppe\nhatte grossen und verdienten Beifall durch die wahrhaft\nimmensen Leistungen der Frau Parepa, welche vielleicht\ndie bedeutendste Coloratursängerin ist, welche seit zehn\nJahren in America gewesen ist. Der Cornettist Levy hätte\nals Virtuose keinen Eindruck gemacht, wenn er nicht mit\nden anderen Künstlern zusammen gespielt hätte und seine\nLeistungen als curiose und zur Abwechslung dienende\nKunststücke betrachtet worden wären.\nHerr Prume, dessen Begabung als technisch aus-\nübender Künstler unendlich bedeutender ist, als sein Ta-\nlent zum Vortrage oder zur Composition, würde sehr wohl\ndaran thun, sich an einem der grösseren Theater-Orche-\nster in Europa engagiren zu lassen, statt in America sein\nGlück zu versuchen.\nMan wird es uns natürlich erlassen, über die Musik-\nPiraten irländischer Abkunft und jene englischen Balladen-\nMisshandler zu sprechen, deren Gesang im Stande wäre,\neinen Todten zu erwecken. Diese Prostituirten verdienen\ntheils Mitleiden, theils Verachtung, und sind die Heu-\nschrecken der Musik.\nWenn wir schon vorhin davon sprachen, dass die Mu-\nsik, so weit sie mit dem Virtuosenthum verwandt oder\nverknüpft war, die beste Pflege von einheimischen Musi-\nkern erhielt, so wollen wir noch speciel erwähnen, dass\ndies besonders der Fall in der Pianomusik war, welche\nnamentlich in Mills, Mason, Wolfsohn und Gold-\nbeck ausgezeichnete Vertreter hatte. Aufführungen des\nLiszt'schen Piano-Concertes, der Phantasie für Piano,\nOrchester und Chor von Beethoven, der Chopin'schen Con-\ncerte und anderer ähnlichen Werke wurden dem Publicum\ndargeboten. Vor allen anderen Musikern ist es Mills ge-\nwesen, dessen Aufschwung zur höchsten Höhe der Kunst\nein überraschend, ja, unbegreiflich grosser gewesen ist,\nund dessen Vorträge ihn unzweifelhaft zum ersten Pianisten\nin America gemacht haben. Eine liebenswürdige, echt\nkünstlerische Bereitwilligkeit, seine Kunst-Collegen überall\nzu unterstützen, wo es nöthig war, hat ihn auch in dem\nletzten Jahre ausgezeichnet.\nWenden wir uns nun zu jenen Musikern, welche als\nLehrer gewirkt haben, so sehen wir auch in dieser Be-\nziehung einen sehr angenehmen und bedeutenden Fort-\nschritt. Der Lehrer ist nicht mehr auf eine Art von Bettel-\nbrod angewiesen, sondern seine Stellung ist die eines der\nwichtigsten Mitglieder in der Kunstgenossenschaft und eines\nder Haupt-Architekten an dem Bau des Kunsttempels von\nAmerica. Der Lehrer ist in America ein Gentleman, wel-\ncher auf vollständig gleicher Stufe mit den reichsten Leu-\nten steht, denen er seine Dienste leiht. Man sehe nur auf\nden grossen -Procentsatz von jungen Americanerinnen,\nwelche in sehr annehmbarer Weise singen und« Ciavier\nspielen, und man wird erstaunt sein, welche Resultate in\ndieser Richtung im Vergleiche zu Europa (?) erzielt wor-\nden sind. Die Preise sind gleichfalls bedeutend höher, als\nin Europa, und variiren von 100 Dollars für zwanzig\nStunden bis 30 Dollars; unter diesem Preise unterrichten\nwohl kaum Lehrer von nur einiger Kenntniss oder Stellung.\nEinzelne Lehrer, welche ihre Schüler in Privat-Cirkeln\nvor eingeladenen Gästen in Vorträgen auf dem Piano und\nim Gesänge vorführten, verdienen grosse Anerkennung\nsowohl wegen der Auswahl der von den Schülern gespiel-\nten Stücke, als auch wegen der Leistungen der Schüler.\nGute Lehrer sind jetzt so häufig in New-York, wie sie\nfrüher selten waren, und namentlich sind es die deutschen\nLehrer, welche Vortreffliches leisten.\nKaum brauchen wir die kolossale Ausdehnung des\nPianogeschäftes in America zu erwähnen. Wenn wir sa-\ngen, dass die Piano-Firma von Steinway und Söhne\nim Monat November allein über 200 Pianos der teuer-\nsten Gattungen, darunter 28 Flügel, verkauft und an\nSteuern allein beinahe 7000 Dollars bezahlt hat, so ist\n\nM"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "52", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660217-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1796, "texte": "dies wohl hinreichend, um auf das Gesammtgeschäft einen\nSchluss machen zu können. In der That haben Firmen\nwie Gebrüder Decker, Steck und Comp., Albert\nWeber, Knabe und Comp., Marschall und Mit-\ntauer, Kraushaar und Comp, und viele andere ohne\nUnterbrechung mehr Bestellungen gehabt, als sie auszu-\nführen im Stande waren.\nWerfen wir nun schliesslich einen Blick auf die Musik-\nzustände im Lande, so verdienen dieselben eine grosse Be-\nachtung in Boston, Philadelphia, St. Louis, Chicago, Mil-\nwaukee, Baltimore und vielleicht in Cincinnati. In die-\nsen Städten existiren ausser Gesangvereinen auch stehende\nOrchester, und es sind einzelne Musiker von Verdienst da-\nselbst, welche an der Spitze der musicalischen Verhält-\nnisse stehen und dieselben auch im vergangenen Jahre zu\nbessern gesucht haben. Namentlich waren es in Boston\nKreismann, Dresel, Zerrahn und Leonard, in\nPhiladelphia Wolfsohn, in St. Louis Sobolewski, in\nChicago Balatka, welche theils Sinfonie-Concerte, wenn\nauch bisweilen mit nicht ganz musterhaftem Programm,\ngaben, theils auch Concerte selbständig veranstalteten oder\nOratorien aufführten.\nDer grösste Triumph indessen war der, dass die Kunst\ndurch den Krieg nicht litt, und dass Apollo laut und hell-\ntönend seine Leier schlug, während Mars das Land ver-\nwüstete und die Sänger von einander trennte, und jetzt,\nnachdem der Kriegsgott zum Schweigen gebracht worden\nist, singt der Sangesgott ungestört weiter.\nSo schliessen wir denn unseren kurzen Rückblick mit\ndem Gefühle, dass das Jahr 1865 für America kein ver-\nlorenes gewesen ist, und dass es auch hier die Deutschen\ngewesen sind, welche den Sauerteig für das fröhliche Ge-\ndeihen gebildet haben, und wir haben lediglich zu wün-\nschen, dass wir am Schlüsse dieses Jahres ein Gleiches von\ndem Jahre 1866 sagen können."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-02-17-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-02-17_01#c003", "volume": "bmtnabi_1866-02-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "52", "page_fin": "54", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660217-01.2.3", "titre_corps": "Pariser Briefe.", "titre_sommaire": "Pariser Briefe.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "52", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660217-01.1.4", "debut_caractere": 1798, "fin_caractere_exclue": 5077, "texte": "Pariser Briefe.\n(Die Opernmusik im Jahre 1865. Le voyage en Chine\nMartha. Neueste Erzeugnisse: Les Bergers von J. Offenbach\nLa fiancie dlÄbycLos von Adr. Barthe Leonora\nvon Mercadante.)\nParis, den 1. Februar 1866.\nWenn wir einen Rückblick auf die Opernrausik im\nJahre 1865 in Paris werfen, so zeigt er uns mit Aus-\nnahme des Ereignisses für die ganze Theaterwelt in Eu-\nropa, der Erscheinung von Meyerbeer's „Africanerin\", eine\ngrosse Leere, die Folge der Unfruchtbarkeit des hiesigen\nBodens an schöpferischen Talenten. Die Erwartungen,\ndie einige Kunstfreunde von der wunderbaren Kraft der\nTheaterfreiheit hegten, welche nach der Reclame mehre-\nrer Blätter die neuen Opern wie Pilze aus der Erde her-\nvorschiessen lassen musste, sind zu argen Täuschungen\ngeworden. Die Fesseln des Genies sind mit rasselndem\nGeklirr und unter dem Jubel der Menge gefallen, die Frei-\nheit hat alle Schranken des geistigen Aufschwungs der\nDramen- und Operndichter niedergeworfen, aber der\nHymnus feierte, wie das auch bei anderen Freiheits-Ver-\nkündigern oft der Fall ist, nur, was die Phantasie sah,\ndenn die Wirklichkeit hielt nicht Wort. Freilich hatte\ndiese auch nichts versprochen, und alle Vernünftigen theil-\nten den Hoffnungsschwindel keineswegs. Ihre Zweifel ha-\nben eine schlagende Bestätigung erhalten: es war ein\nüberspannter Wahn, dass die Privilegien das Genie er-\nstickten:— jetzt haben die Genies volle Freiheit, aber die\nFreiheit hat keine Genies. Das Bisschen Productions-Ta-\nlent, das noch da ist, reicht kaum hin, die alten Opern-\nInstitute kümmerlich zu nähren, ja, die meisten würden,\nwenn sie nicht in die lange verschmähten Vorrathskam-\nmern der Vergangenheit griffen, gänzlich verschmachten!\nHätte die „Africanerin\" Paris nicht wieder einmal in der\nErinnerung der musicalischen Nationen aufgefrischt, sie\nwürden es trotz der Declamationen vom Mittelpunkte des\nGeschmacks, die ins vorige Jahrhundert gehören, gänzlich\nvergessen haben.\nUnd dennoch gibt es immer noch Leute, die aus dem\nFortschritte der Civilisation und der staatlichen Einrich-\ntungen durch gesetzliche Freiheit auch die unausbleibliche\nVervollkommnung der Kunst folgern wollen! Sie vergessen\ndabei gänzlich, dass die Freiheit, mit welcher der Künst-\nler schafft, eine angeborene ist, welche durch Gesetze und\nEinrichtungen des Staates weder gegeben noch unter-\ndrückt werden kann. Das Suchen nach äusseren Gründen\n/\nfür ihre steigende, wie für ihre sinkende Kraft führt sel-\nten auf genügende Erklärung des Auf- und Unterganges\nder Sonne der Kunst; es erzeugt Lächerlichkeiten, wie die\nBehauptung eines hiesigen Blattes, welches die Ursache\nder Thatsache, dass Frankreich weit weniger schöne Sin-\nfonie- und Instrumental-Componisten hat, als Deutschland,\neinzig darin sieht, dass Paris keine besonderen Concert-\nsäle für Instrumentalmusik besitzt! Also nur erst Häuser\nund Säle: die Meisterwerke bleiben dann gewiss nicht\naus; erst feuerfeste Schränke, das Geld rollt dann von\nselbst hinein!\nDie grosse Oper hat ausser der „Africanerin\" nichts\nNeues gebracht; die komische Oper machte mit Felicien\nDavid's „Saphir\" kein Glück. Gegen Ende des Jahres\nbrachte sie noch „Le voyage ein ziemlich nahe\nan die Posse streifendes Lustspiel in drei Acten mit leicht\ngeschriebener und gefälliger Musik von Franz Bazin,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "53", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660217-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5352, "texte": "welches sich bis jetzt gehalten hat und namentlich in den\nersten Vorstellungen ein zahlreiches Publicum anzog. An\nspasshaften Auftritten und Situationen fehlt es darin nicht;\nzwei eigensinnige Bretagner, Schwiegervater und heimlich\nvermählter Schwiegersohn, bieten im Verein mit einigen\nNebenfiguren, deren Komik freilich oft sehr wohlfeil, z. B.\ndurch Stottern, erkauft wird, den Lachlustigen, an denen\nes hier glücklicher Weise doch immer noch nicht mangelt,\nreichlichen Stoff. Dazu spielt der dritte Act auf einem\nKauffahrteischiffe, auf welchem der Schwiegersohn den\nSchwiegervater nebst Töchtern geradeswegs nach China\nbugsiren will, folglich Decorations-Wetteifer mit der gros-\nsen Oper, ferner eine Gesellschaft im Salon des Seebades\nTrouville, wo die Damen und Herren im Bade-Costume\nerscheinen was will man mehr? Die Musik ist nicht ohne\nVerdienst, welches besonders darin besteht, dass Bazin\nStil und Instrumentation klar und leicht gehalten und dem\nStoffe nicht durch das Gegentheil eine Wucht von Musik\nangehängt hat, die ihn erdrückt. Ausserdem ist die komi-\nsche Oper auf das reiche Repertoire ihrer Vergangenheit\nzurückgegangen, und zwar so weit, dass sie nicht bloss\nGr&ry, sondern sogar Duni und Zeitgenossen aus dem\nGrabe citirt hat.\nDie italiänische Oper hat an Neuigkeiten eine „Du-\nchessa di San Giuliano\", mehr ein Melodrama, als eine\nOper, Musik von Graffigna, ohne besondere Wirkung,\nund dann die heitere Oper der Gebrüder Ricci: „Crispino\ne la Comare\", gebracht. Da letztere grossen Erfolg hatte,\nso gab man in derselben Gattung den „Don Bucefalo\"\nvon Cagnoni, der aber weniger zog, weil weder Stück\nnoch Musik so originel und unterhaltend sind, wie Crispino\nund seine Gevatterin. Jetzt sind die Italiäner wieder mit\nMercadante's „Leonora\" zum pathetischen oder—wie\nEinige wollen und wir nicht widersprechen zum lang-\nweiligen Genre zurückgekehrt.\nDas gegenwärtig auch kaiserliche Theätre lyrique,\ngegründet, begünstigt, unterstützt, Alles hauptsächlich zu\ndem Zwecke, jungen französischen Genies die Bahn zum\nRuhme zu öffnen, hat—keine gefunden, um seinem edlen\nBerufe nachkommen zu können. „Was soll ich thun?\"\nrief der Director Carvalho aus —: „Die Gegenwart\nbietet nichts, die Musik der Zukunft will man nicht haben\nherbei, ihr Todten, damit mir die Lebenden, nämlich\ndie Zuschauer, Geld bringen! Herbei, ihr Deutschen, da-\nmit die Franzosen nach eurer Pfeife tanzen!\" —Und rich-\ntig. Der Vogelfänger pfiff, und es geschah, wie der Director\nvorausgesehen; sie drängten sich ein Jahr lang durch die\nenge Pforte, um Mozart zu hören; ohne den unerschöpf-\nlichen Bronnen der „Zauberflöte\" wäre er zu Grunde ge-\ngangen. Wie gern hätte er, wie jener Director eines\nTheaters zweiten Ranges bei euch in Köln einst nach dem\nErfolg von „Was ihr wollt\" an Shakespeare zu schreiben\nbefahl, wie gern hätte auch Herr Carvalho an Mozart um\neine neue Oper geschrieben! Da nun aber kein Mozart\nmehr da ist, so hat er ihm Herrn von Flotow in der Hoff-\nnung substituirt, mit der „Martha\" eben so gute Geschäfte\nzu machen, als mit der Pamina.\n„Martha\" wurde den 18. December vorigen Jahres\nzum ersten Male gegeben, und zwar mit einer Besetzung\nund Ausstattung, die nicht wenig zu dem grossen Erfolge\nbeitrugen, den die Vorstellung errang. Sie war bekannt-\nlich vpn den Italiänern hier früher schon gegeben, zuletzt\nsogar mit Adelina Patti; allein trotzdem erwartete man\ndie erste französische Vorstellung mit um so mehr Theil-\nnahme, als der Text ursprünglich französisch ist und die\nMusik allerdings dem Genre der französischen leichteren\nOpernmusik huldigt. Uebrigens hat Flotow lange in Paris\ngelebt, schon vor 1830 und auch in späteren Jahren wie-\nder, und war hier in aristokratischen Kreisen sehr beliebt.\nEr war auch bei der Vorstellung am 18. December an-\nwesend, und in den Logen, welche die vornehme Welt\nbesetzt hatte, bemerkte man die Prinzessin Mathilde, den\nSeine-Präfecten, mehrere Minister u. s. w. Die erste\nIdee zur „Martha\" gab dem Componisten hier in Paris\nein Ballet von de St.-Georges: „Lady Henriette\", das im\nJahre 1843 aufgeführt wurde. Flotow componirte damals\nden ersten Act desselben; zu den beiden anderen Acten\nlieferten Burgmüller und Delevez die Musik. Flotow durch-\nschaute, dass in diesem Ballette ein anziehender Opernstoff\ngeboten sei, den alsdann W. Friedrich in Deutschland für\nihn bearbeitete. So erschien „Martha\" zum ersten Male\n1847 in Wien. Den jetzigen französischen Text hat wie-\nderum de St.-Georges geliefert. Einlagen bilden drei kurze\nNummern aus „L'Ame en peine\", einer früheren einacti-\ngen Oper Flotow's; sie wollen nicht viel bedeuten. Die\nblonde Schwedin, Mademoiselle Nilsson, ist eine schöne,\nsehr anmuthige Martha. Die Decoration der Jagdscene im\nWalde ist vortrefflich, die Scene auf dem Markte zu Rich-\nmond äusserst belebt was alles Dinge sind, an die bei\nden Italiänern nicht zu denken ist.\nUebrigens kann man dem durchaus\nnicht vorwerfen, dass es keine Versuche gemacht habe,\ndramatische Musik-Genies zu entdecken; es hat sechs bis\nacht Neuigkeiten von französischen Componisten gebracht,\nauch „Macbeth\" von Verdi und „Lisbeth\" („Die glück-\nliche Heimkehr\") von Mendelssohn—aber ohne Dauer\nvon Erfolg, wenngleich Manches, zum Beispiel de Har-\ntog's „Don Lope\", damit begann. Im neuen Jahre hat\nes „Die Braut von Abydos\" von Adrien Barthe prächtig\nin Scene gesetzt. (Siehe nachher.)"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660217-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4899, "texte": "Den Bouffes Parisiens hat Jak. Offenbach eine\nneue Gabe gebracht, die grössere Ansprüche auf künst-\nlerische Bedeutung macht und rechtfertigt, als die meisten\nvon seinen kleineren Operetten. Wenn man ihn als den\ngeistvollsten und melodieenreichsten Vertreter jenes harm-\nlosen Genre's der an die Posse streifenden französischen\nOpera buffa, wozu er das ältere Vaudeville gemacht hat,\nzu betrachten gewohnt ist, so ist es ihm doch in seinen\nVersuchen zu grösseren komischen Opern nicht im glei-\nchen Maasse gelungen, die Gunst des Publicums zu er-\nobern. Einen grossen Schritt vorwärts in dieser Beziehung\nhat er aber durch die neueste Schöpfung seines uner-\nschöpflichen Talentes gethan; „Les Bergers\" ist eine ko-\nmische Oper in drei Acten, welche zuerst am 11. Decem-\nber vorigen Jahres mit grossem Erfolg in Scene ging, der\n•sich seitdem erhalten hat. Das Buch ist von Hector Cre-\nmieux und Ph. Gille. Das Ganze ist ein Schäferspiel in\ndrei Abiheilungen, die so gut wie drei einactige Operetten\nsind und nur durch einen sehr losen Faden zusammenge-\nhalten werden. Eros oder Amor etwas Mythologisches\nund griechische Namen müssen ja jetzt immer dabei sein\nhat einem Liebespaare Jugend und Unsterblichkeit ver-\nsprochen, so lange die beiden Liebenden einander treu\nbleiben, und führt sie nun durch ein paar Jahrtausende\nvor unseren Augen hindurch, um ihre Treue zu prüfen.\nGlücklicher Weise haben die Dichter mit dem allen fran-\nzösischen Librettisten angeborenen Hasse gegen das Lang-\nweilige dem Zuschauer nicht zugemuthet, das Einerlei einer\nzweitausendjährigen Liebe mit anzusehen; sie haben drei\nZeitalter als Stellvertreter der Entwicklung der Liebes-\nstadien nach dem jeweiligen Geiste der Periode gewählt\nund führen uns zuerst Myrianne und Daphne als ein grie-\nchisches Schäferpaar in Arkadien vor; dann verwandeln\nsich Beide in Colin und Annette, welche als bebänderte,\nzierliche Figuren aus der französischen Schäferwelt des\nachtzehnten Jahrhunderts, wie sie Watteau malte und die\nDichter des goldenen Zeitalters Ludwig's XIV. besangen,\nauftreten, und endlich erscheinen sie echt realistisch als\nBauer und Bäuerin unserer eisernen Zeit, an deren Ver-\nderbtheit ihre Treue scheitert, worüber Eros sehr froh\nist, da es ihm doch am Ende langweilig geworden, sein\nWort zu halten. Der erste Act ist ein Idyll, welches ernst-\nhaft gemeint ist, da es sogar am Schlüsse die Fabel von\nPyramus und Thisbe auffrischt; Daphne verliert, von einem\nLöwen verfolgt, ihren Schleier, Myrianne findet den mit\nBlut befleckten und will sich das Leben nehmen, was\nEros, von solcher Liebe gerührt, verhindert. Es ist dies\nnicht etwa eine Travestie, wie sie „Orpheus\" und „Die\nschöne Helene\" bieten, sondern in artigen Versen ein Bild\naus der mythischen Welt des Alterthums.\nIn der zweiten Abtheilung lieben sich Colin und An-\nnette immer noch von Herzen; die Lockungen eines Mar-\nquis und einer Marquise weisen Braut und Bräutigam\nstandhaft zurück, und selbst die Ränke, welche Eros, der\nsich in einen Schloss-Intendanten verwandelt hat, gegen\ndas Paar spinnt, verfangen nicht. Aber ach! im dritten\nActe ist Colin ein roher, eigennütziger Bauernlümmel, Ni-\ncot genannt, geworden, und Annette, schlechtweg „die\nRothe\" benamset, eine Magd,\" die es sehr unkommlich\nfindet, ihr Vieh auf die Weide zu treiben, und desshalb\neinen reichen Ochsenzüchter nicht zurückweist, während\nNicot auf die Kunde von der guten Aussteuer einer an-\nderen Bäuerin seiner alten Liebsten den Abschied gibt.\nDie Musik schliesst sich dem jedesmaligen Charakter\nder drei Abtheilungen mit Geschmack und Geist an; gleich\ndie erste Ouvertüre verräth, dass Offenbach hier mehr\ngeben will, als Zeitvertreib. So hat denn auch das arka-\ndische Idyll in allen Musikstücken ein poetisches Colorit,\ndas sich sogar bis zum Gefühlvollen und Leidenschaftlichen\nsteigert. Der Introductions-Chor, ein Quintett und Finale,\nsind gute Ensemblestücke, und das erste Duett zwischen\nTenor und Sopran, so wie die Couplets Amor's verdienen\nden Beifall, der ihnen zu Theil wird. Die zweite Abthei-\nlung, von heiterem Inhalt mit rascher Lustspielhandlung\nund hübscher scenischer Ausstattung, wird auch durch\ndie elegante und sogleich ansprechende Musik gehoben,\ndie den Act mit einem hübschen Finale bei der Bekrän-\nzung des treuen Paares schliesst. Der dritten Abtheilung\nkann man nicht das gleiche Lob spenden; sie ist sowohl\nden Dichtern des Buches als dem Componisten nicht so\ngut gelungen, wie die beiden ersten. Im Ganzen ist die\nMusik jedenfalls eine der besten Partituren Offenbach's;\nsein Talent für leichte und dem Stoffe angemessene Me-\nlodie, welches hier zuweilen auch höheren Ausdruck an-\nnimmt, ist ihm treu geblieben, eben so das Pikante der\nInstrumentirung, welches freilich auch zuweilen ins Ge-\nsuchte und Affectirte geht; indess das Publicum ist ent-\nzückt, wenn Eros seine Couplets singt und ihn nur Harfe\nund Flöte begleiten.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-02-17-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-02-17_01#c004", "volume": "bmtnabi_1866-02-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "54", "page_fin": "55", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660217-01.2.4", "titre_corps": "Carlotta Patti in Wien", "titre_sommaire": "Carlotta Patti in Wien", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660217-01.1.6", "debut_caractere": 4901, "fin_caractere_exclue": 5359, "texte": "Carlotta Patti in Wien\n*).\nHerrn Ullman's Concerte vierzehn an der Zahl im Laufe\nvon vier Wochen! haben ihre Zugkraft bis zum letzten Augen-\n\n*) Yon Ed. Hanslick (Nene Freie Presse). Je mehr einige\nMusik-Zeitungen und musicalische Feuilletons die Patti-Concerte\nentweder ignoriren oder von einem Standpunkte aus besprechen, der\nam Unwesentlichen haftet, und weil er an der Eeclame und allem,\nwas daran sitzt, Aergerniss nimmt, die eigentliche Sache der Kunst"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "55", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660217-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6953, "texte": "blicke bewährt und dürfen den wiener Erfolg als eine unanfecht-\nbare, glänzende Thatsache für sich geltend machen. Dem Kritiker\nund ernsten Musikfreunde konnte man allerdings eben so wenig den\nBesuch sämmtlicher Patti-Concerte zumuthen, als man von einem\nManne verlangen wird, er solle jeden Abend ein Pfund Zuckerwerk\nessen. Der ausschliessliche Virtuositäts- und Unterhaltungs-Stand-\npunkt solcher Concerte führt rasch zur Uebersättigung. In dieser\nRichtung ist an den Programmen noch Vieles zu bessern und na-\nmentlich den drei Instrumental-Virtuosen eine kleine Rüge nicht zu\nersparen. Wenn Carlotta Patti durch die phänomenale Stimm-\nhöhe, mit der sie beschenkt oder zu der sie verurtheilt ist, sich auf\nein engeres Gebiet von Bravour-Arien beschränkt sieht, allezeit ver-\npflichtet, dem Publicum ihre bewunderten „Specialitäten\" vorzufüh-\nren, so gilt doch diese Entschuldigung nicht auch für einen grossen\nPianisten, Violin- oder Cellospieler. Die Herren Jaell, Vieux-\ntemps und Piatti haben ein viel kleineres Repertoire aufgerollt,\nals Carlotta Patti, und mit denselben fünf bis sechs Stücklein sich\ndurch alle vierzehn Concerte gefristet. Vieuxtemps spielte ausschliess-\nlich eigene Compositionen, was wir ihm, dem bedeutendsten Talente\nunter den Dreien, gern zugeständen, hätte er etwas Neues und nicht\nbloss jene alten Stücke wiedergebracht, die seit zwanzig Jahren je-\nder Concertfreund auswendig kennt. Ueberdies ward gerade an die-\nsen seinen ehemaligen Parade-Rossen die abnehmende Kraft und\nSicherheit des Reiters am auffallendsten wahrnehmbar. Herr Piatti\nspeiste uns consequent mit selbstverfertigten Potpourris aus „Lucia\",\n„Linda\", „Trovatore\" u. s. w., deren Langweiligkeit beim ersten\nHören, aber auch nur beim ersten, vor dem Glänze des Vortrages\nverschwand. Warum endlich Herr Jaell um nur von Bravour-\nstücken zu sprechen nie etwas von Liszt, Thalberg, Henselt,\nHeller, Rubinstein spielte? Von seinen eigenen Sachen lassen wir\nuns das Trillerstückchen „Sweet home\" noch am besten gefallen.\nDass Jaell trotzdem eine immer gern gesehene Erscheinuug war,\nspricht laut genug für den ungewöhnlichen Reiz seines Spiels. Was\nendlich Carlotta Patti betrifft, so ist es gerade für sie ein werth-\nvolles Zeugniss, dass ihr Gesang, der eigentliche Magnet der Con-\ncerte, an Anziehungskraft nicht verlor, sondern zunahm.\nJede neue Erscheinung von grossem Rufe ist bei ihrem ersten\nAuftreten verurtheilt, ungemessenen und oft sehr unbestimmten Er-\nwartungen gegenüber zu stehen. Vermisst der Hörer einige ge-\nträumte Vorzüge, so wird das Gefühl theilweiser Enttäuschung ihn\nauch die wirklich vorhandenen leicht unterschätzen lassen. Erst\nwenn der Eindruck des Neuen, Befremdenden überwunden und man\nüber das ästhetische Soll und Haben im Klaren ist, hört man un-\nbefangener und urtheilt gerechter. Wir haben uns mit der Stimme\nder Fräulein Patti viel mehr befreundet, sie in den späteren Con-\ncerten schöner und volltönender gefunden, als am ersten Abende.\nHin und wieder, z. B. in Gounod's „Ave Maria\", verrieth ein Ton\nvon überraschender Kraft, dass diese silbertönige Stimme auch nach\nSeite des Volumens weniger stiefmütterlich bedacht sei, als sie in\nder Regel scheint. Diese und ähnliche Wahrnehmungen flössten uns\nRespect ein vor ihrem streng eingehaltenen Princip, Maass zu\nhalten, die reine Schönheit des Tones niemals zu alteriren. Carlotta\nPatti vermeidet, auch nur der Gränze des Schreiens sich zu nähern,\nund wird, beiläufig gesagt, trotz ihrer angestrengten Thätigkeit, ihre\nStimme ohne Zweifel lange bewahren. Hierin erscheint sie als ein\nZögling der besten italiänischen Schule. Kein Zweifel, dass ihre\nleidenschaftslose Ruhe dieses Maasshalten sehr erleichtert, aber bloss\nals „Kälte\" können wir nicht mehr betrachten, was sich uns als\nein consequentes sei es auch einseitig ausgebildetes Schön-\nheits-Princip erwiesen hat. Es ist dasselbe Princip des reinen Wohl-\nlauts, das die Linien einer italiänischen Melodie in schöner, sanfter\nRundung zieht. Eben so wenig als wir die Patti schreien oder\nmeckern hörten, haben wir sie im Vortrage jemals übertrieben oder\nafFectirt, in Haltung und Miene grimassirend gesehen. Bei Wag-\nstücken wie das „Lachlied\" oder der „Carneval von Venedig\" will\ndies nicht wenig sagen. Der Virtuosität Carlotta Patti's sind wir\nbereits früher gerecht geworden, aber auch in ihrer Cantilene be-\nobachteten wir das Walten einer Technik, die hochzuschätzen na-\nmentlich wir Deutschen allen Grund haben. „Die Deutschen singen\nmit dem Kopfe und mit dem Herzen, aber nicht mit dem Ohr\",\nso sagte uns wörtlich vor einigen Jahren Jenny Lind. Dieser Aus-\nspruch einer grossen und durch ihre germanische Abkunft wohl un-\nparteiischen Sängerin schien uns damals zu hart tausend Mai\nist er uns seither eingefallen. Dem Gesänge der Carlotta Patti hat\nwohl Jedermann einen kräftigeren Herzschlag gewünscht, aber ge-\nwiss nicht ein feineres, Maass und Wohllaut schärfer überwachen-\ndes Gehör.\nStimme und Gesangsmanier weisen Carlotta Patti vorzugsweise\nan den Sologesang; in dem Spinn-Quartette aus „Martha\" sang sie\nzu schwach, was allerdings nicht ganz entschuldigt, dass die an-\nderen drei Stimmen zu stark begleiteten. Fräulein Patti die Wahn-\nsinn-Arie aus „Lucia\" im Costume vortragen zu sehen, wirkte ohne\nZweifel als ein Lock- und Reizmittel auf die Besucher der Concor-\ndia-Akademie. Die Leistung war interessant genug, indem sie im\nSpiel der Künstlerin dasselbe Princip verrieth, mit wenigen, plastisch-\nschönen Bewegungen auszureichen. Der dramatische Ausdruck er-\nhob sich nicht merklich über den Concert-Vortrag. Bedenkt man\nindess, dass Carlotta Patti seit ihren ersten Anfängen, vor vier Jah-\nren, die Bühne nicht betreten und in ihrem Gange ein physisches\nHinderniss mühsam zu bekämpfen hat, so erscheint der Versuch im-\nmerhin respectabel. Da die Accente tiefer Leidenschaft ihrem Ge-\nsänge versagt sind, glauben wir nicht, dass die tragische Bühne an\nCarlotta Patti viel verloren habe. Hingegen scheint ein sehr artiges\nTalent für die komische Oper in ihr zu schlummern. Das fröhlich\nSchmetternde so gut wie das freundlich Behäbige ihres Gesanges\nmüsste, vereint mit dem bezaubernden Lachen Carlotta's, in der\nOpera buffa trefflich wirken. Sie ist „die Lerche, nicht die Nach-\ntigall\". Man sehe die dürren Noten des Auber'schen Lachliedes und\nurtheile selbst, ob hier der Vortrag der Patti nicht geradezu pro-\nductiv sei. Nicht bloss neue Noten hat sie hinzugefügt, sondern\nneue Effecte, die in Noten gar nicht zu fassen sind. Es ist und\nbleibt ihr Meisterstückchen.\n\nmit Vorurtheil betrachtet, hat es uns Genugthuung gewährt, dass in\nden Ton, welchen wir bereits im vorigen Jahre über die Erschei-\nnung von Carlotta Patti in der Niederrh. Musik-Zeitung und in der\nKölnischen Zeitung angeschlagen haben, in dieser Saison alle Kri-\ntiker von Ruf, namentlich in Berlin und Wien, eingestimmt haben.\nWir theilen desshalb auch obigen Artikel von Ed. H. seinem Haupt-\nInhalte nach mit. Die Redaction."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-02-17-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-02-17_01#c005", "volume": "bmtnabi_1866-02-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "56", "page_fin": "56", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660217-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660217-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5699, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln, 16. Februar. Gestern hat Roger auf dem Stadttheater\nein Gastspiel begonnen und seinen „George Brown\" uns wieder mit\nderselben Freiheit und Natürlichkeit des Spiels und, was das Colorit\nd,er Nuancen und die ausdrucksvollen Feinheiten betrifft, auch in\nderselben Vollkommenheit des künstlerischen Gesanges vorgeführt,\ndie wir bei seiner letzten Kunstreise vor neun Jahren in Deutsch-\nland an ihm bewunderten, zu einer Zeit, wo der erste Jugendglanz\nder Stimme aus den Jahren seiner Wirksamkeit an der Opera co-\nmique und später an der grossen Oper in Paris auch schon nicht\nmehr in seiner ganzen Ursprünglichkeit strahlte. Seine Behandlung\nder Stimme ist aber auch heute noch so meisterhaft, dass im Vor-\ntrage aller zarten, gefühlvollen uud auch der gemüthlichen Stellen\nder reine Genuss des Gesanges durch nichts getrübt wird, während\nallerdings da, wo ein gewisser Aufwand von Kraft nöthig ist, diese\nzwar auch noch vorhanden, aber nicht mehr mit dem vollen Wohl\"\nlaut, den sie früher hatte, verbunden ist. Das Publicum im fast\nganz besetzten Hause zeichnete den trefflichen Sänger durch lebhaf-\nten Applaus und öfteren Hervorruf aus.\n* Hieleffelcf. Am 6. d. Mts. kam hier Gluck's Oper „Or-\npheus\", auf das sorgfältigste vorbereitet, vollständig zur Aufführung.\nDas Orchester, welches von den Hofcapellen zu Detmold und Braun-\nschweig vervollständigt worden, leistete bei den schwierigen Ver-\nhältnissen im Ganzen Gutes. Durften wir bei dem schönen, aber\nsehr complicirten Recitativ des Orpheus mit den Solo-Instrumenten\nund manchem Detail nicht zu scharf kritisiren, so war dagegen der\nschwierige Furientanz und vieles Andere so gelungen, dass wir un-\nsere Anerkennung nicht zurückhalten mögen. Der Chor zeigte sich\ndagegen in einer Frische und Festigkeit, die den lebhaftesten Bei-\nfall hervorrief. Freilich war die Aufgabe für denselben auch unver-\ngleichlich leichter, als in irgend einem Oratorium. Immerhin ging\naus der Präcision der Einsätze und der deutlichen Aussprache her-\nvor, dass er tüchtig geübt hatte, und dafür gebührt ihm Lob. Von\nbesonderem Interesse war die Besetzung des Orpheus durch Fräulein\nMarie Cruvelli, Schwester der Baronin Vigier (Sophie Cruvelli),\ndie mit sympathischer Stimme den Orpheus unverkennbar nach dem\nMusterbilde der Viardot-Garcia gab, deren Leistung sie in Paris zu\nbewundern häufig Gelegenheit hatte. Auch fügte sie deren Einlage\nam Schlüsse des ersten Actes: „Amour, viens rendre ä mon ämeu:\nzu. Obwohl wir prineipiel eine Einlage mit Gluck's Wissen hat\neine solche, so berichtet Berlioz, niemals Statt gefunden nicht\nbilligen können, so mussten wir doch in dem Vortrage einen Glanz-\npunkt der Gesangsleistung anerkennen. Besonders gelang die höchst\noriginelle Cadenz von der Composition der Garcia. Die Arie: „Acli,\nich habe sie verloren\", trug Fräulein Cruvelli so wirkungsvoll vor,\ndass selbst unsere westfälische Zurückhaltung nicht umhin konnte,\nein da capo ziemlich stürmisch durchzusetzen.\nHassel. Am 11. d. Mts. gab Herr Mortier de Fontaine\nhier eine Morgen-Unterhaltung, in welcher er zwei Stunden hin-\ndurch dreissig Ciavierstücke von eben so vielen Componisten, von\nWilliam Bird (geb. 1543) bis auf Anton Rubinstein (geb. 1829)\nund Jos. Rheinberger (geb. 1839) vortrug. Das Programm brachte\nhistorische Notizen über die älteren Componisten.\nDresden« Das fünfte Abonnements-Concert der k. musica-\nlischen Capelle am 1. Februar brachte als Novität die Sinfonie\n„Columbus\" von J. J. Abert, welche vorzüglich executirt und mit\ngrossem Beifalle aufgenommen wurde. Ausserdem kamen zur Auf-\nführung die Jagd-Ouverture von und die grosse Leonoren-\nOuverture von Beethoven, so wie eine der weniger bekannten Sin-\nfonieen von J» Haydn in B-dur.\nFräulein Sanier in Berlin hat am Freitag den Contract ihres\nkünftigen Engagements am Hoftheater zu Dresden unterzeichnet.\nSie tritt nach dem Abgange der Frau Bürde-Ney, die nach einem\nCyklus von zehn Abschieds-Vorstellungen für immer die Bühne ver-\nlässt, an die Stelle derselben mit einer Jahresgage von 5000 Thlr.\nincl. Spiel-Honorar. Fräulein Santer ist verlobt mit dem Gesang-\nlehrer und Componisten Alfred Blume in Dresden.\nFrau Krebs -Michalesi sang am 20. Januar bei der hundert-\nsten Aufführung des „Propheten\" die Fides zum 96., Tichatschek\nden Johann ungefähr zum 90. Male unter dem wärmsten Beifalle\nund besonders erstere mit noch eben so ungeschwächter Kraft, wie\nvor sechszehn Jahren.\nFranz Liszt's Mutter ist in voriger Woche in hohem\nAlter gestorben. Emil Ollivier, der eine Enkelin der Verstorbenen,\neine Tochter Liszt's, zur Gattin hatte, aber früh durch den Tod\nwieder verlor, hielt der verstorbenen Frau Liszt die Grabrede.\nDas TMatre lyrique macht mit Flotow's „Martha\" glänzende\nGeschäfte. Gounod's „Faust\" macht nach der Wiederaufnahme\nmehr Glück, wie früher. Trotzdem will der Director auch wieder\nzu Mozart zurückkehren, dessen „Figaro\" und „Zauberflöte\" ihm\nmehr eingebracht haben, als Mozart sein ganzes Leben lang davon\ngehabt hat. Er lässt desshalb den „Don Juan\" (mit französischem\nTexte) studiren.\ncloit* Herr Mapleson, Director des Her Majesty's Theatre,\nhat den Tenoristen Mongini auf die ganze Saison mit 600 Pf. St.\nmonatlich engagirt. (Da Herr Mapleson beabsichtigt, Max\nBruch's „Loreley\" auf die Scene zu bringen, so könnte sich\nder Componist zu einem solchen Sänger des Pfalzgrafen Glück\nwünschen.\nJoachim ist in London für die Monday Populär Concerts\ngewonnen und ist im fünften Concerte (den 12. Februar) zum ersten\nMale aufgetreten in Mozart's Quintett in G-molly Haydn's Quartett\nin D-moll und mit Arabella Goddard in Beethoven's Sonate Op. 96\nfür Piano und Violine. Bisher vertrat Straus die erste Geige in\ndenselben Concerten."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "49", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660217-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie Musik in America im Jahre 1865. Pariser Briefe (Die Opernmusik im Jahre 1865 Le voyaqe en Chine\nNX i/ %J ~\nMartha Neueste Erzeugnisse: Les Bergers von J. Offenbach La fiancie d'Abydos von Adr. Barthe Leonora von Mercadante).\nCarlotta Patti in Wien. Von Ed. H. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Gastspiel Roger1 s auf dem Stadttheater Bielefeld,\nGluck's „Orpheus\" Kassel, Mortier de Fontaine Dresden, 5. Abonnements-Concert, Fräulein Santer, „Prophet\" Paris u. s. w.)\n\nDie Musik in America im Jahre 1865.\nNew-York, im Januar 1866.\nVölker entwickeln sich wie Individuen und machen\nalle Stadien der Jugend, des Mannesalters und der allmäh-\nlichen Abnahme der Kräfte eben so durch, wie einzelne\nMenschen. Diese Behauptung ist weder neu, noch beson-\nders geistreich, sie erhält indessen einen täglich neuen\nWerth für den Menschen, welcher dieser Entwicklung\nbeobachtend und prüfend folgt. Und in dieser Beziehung\nist America das interessanteste Land der Well für den\ndenkenden und ernsten Kunstfreund. Während die Ent-\nwicklung des musicalischen Lebens in Europa auf einem\nPunkte angelangt ist, welcher von vielen Seiten als ein\nnicht mehr naturgemässer und berechtigter bezeichnet\nwird [?], ist die Musik in America kaum aus den ersten Jah-\nren der Kindheit getreten. Hier ist noch ein weites, ja,\nfast unübersehbares Feld für Kunststreben und Kunst-\nleben, und es ist geradezu unsinnig, mit einem souverainen\nAchselzucken auf das Land herabzusehen, welches am\nEnde des achtzehnten Jahrhunderts eigentlich erst geschaf-\nfen wurde und in die Reihe der Völker eintrat, und sich\nseitdem in jeder Beziehung eine ehrenvolle Stellung er-\nworben und auch in der Kunst mehr geleistet hat, als\nman selbst bei den sanguinischsten Hoffnungen erwarten\nkonnte. Wenn man in einem solchen Lande, dessen Ent-\nwicklung durchaus keine fertige, sondern eine noch in den\nersten Anfängen begriffene ist, am Ende jedes Jahres\neinen Fortschritt bemerken kann, so muss man sicherlich\nein Gefühl der Genugthuung, ja, der Freude empfinden,\nbesonders wenn man, gleichviel mit welcher Kraft, dazu\nbeizutragen versucht hat, diese Entwicklung zu fördern.\nWer in diesem Sinne auf das Jahr 1865 zurück-\nblickt, wird finden, dass es in jeder Beziehung einen merk-\nlichen Fortschritt in der schönen Kunst der Töne bezeich-\nnet. In jedem Zweige der musicalischen Kunstleistungen\nscheint sich eine grössere Regsamkeit zu zeigen. Das Sän-\ngerfest des Jahres 1865 hat den Anlass zu einer festen\nund hoffentlich dauernden Organisirung der deutschen Ge-\nsangvereine gegeben, welche unter der Leitung des gegen-\nwärtigen Vorstandes höchst Segensreiches verspricht. Schon\nist es möglich geworden, das längst projectirte, leider aber\nnoch nicht zur Gestaltung gekommene deutsche Hospital\ndurch Concerte der vereinigten Gesangvereine zu unter-\nstützen, und der Dank für diese Hülfe gebührt dem Prä-\nsidenten der Vereine, Herrn Steffen, und dem bis zur\nAufopferung thätigen Secretär Herrn Geilfuss.\nDass das Sängerfest gerade einen musicalischen Erfolg\nerzielt hätte, wollen wir nicht behaupten. Dergleichen Feste\nsind weniger geeignet, die Förderung der Kunst zu be-\nzeichnen, als eine Gelegenheit für freundschaftliche Zu-\nsammenkünfte der Sängerbrüder zu geben. Man kommt\nmit einem bedeutenden Feuereifer zu dem Feste und\ntrennt sich mit einem nicht geringen Katzenjammer oder\nwenigstens mit der wohl gegründeten Aussicht auf einen\nsolchen am nächstfolgenden Tage. Trotzdem aber ist nicht\nzu läugnen, dass nebenbei auch musicalische Strebungen\ngefördert werden, und dass ein gewisser Geist der Einheit\nund des Zusammenhaltens sich geltend macht, den wir\ngern sehen. Die deutschen Gesangvereine haben im Be-\nsonderen wenig während des letzten Jahres geleistet, so\nweit es die Oeffentlichkeit anging, dagegen haben sie desto\nmehr für ihre Ausbildung gewirkt. Der „Liederkranz*\nund der „Arion\", welche ohne Zweifel an der Spitze der\namericanischen Gesangvereine stehen, haben in dem letz-\nten Jahre keine öffentlichen Concerte gegeben; dennoch\nhat namentlich der „Liederkranz\" höchst Schätzbares und\nAnerkennenswerthes getban, indem er in seinem Vereins-\nLocale nicht allein Werke aufgeführt hat, wie Schumann's\n„Requiem für Mignon\", sondern auch ein Orchester von Di-\nlettanten geschaffen hat, welches sich schon beute sehr wohl\nmit einem Orchester von Fachmusikern vergleichen lässt."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "50", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660217-01.1.2", "texte": "In der philharmonischen Gesellschaft hat jetzt Karl\nBergmann die ausschliessliche Direction. Gleichviel\ndurch welche Gründe veranlasst, bat Bergmann ein sehr\nansprechendes und werthvolles Programm entworfen, und\ndie Concerte der philharmonischen Gesellschaft sind, so\nlange wir uns erinnern können, noch nie so unterhaltend\nund anregend gewesen, wie in diesem Jahre. Während\ndie älteren Compositionen der classischen Schule Berück-\nsichtigung fanden, wurden auch früher hier noch nicht\naufgeführte Werke zu Gehör gebracht und unter Ande-\nrem Liszt's „Mazeppa\" und Berlioz' „Episode aus dem\nLeben eines Künstlers\" vorgetragen. Ausserdem wurde\ndie ganze Musik zum Sommernachtstraum gespielt, und\nBeethoven und Schumann waren durch Sinfonieen ver-\ntreten.\nDie erfolgreichen Orchester-Concerte des Herrn Tho-\nmas boten ohne Zweifel die vorzüglichste Auswahl und\nenthielten eben so interessante wie vorzüglich ausgeführte\nWerke, namentlich der modernen Schule. So wurden\nLiszt's „Mazeppa\" und das Clavier-Concert desselben Com-\nponisten aufgeführt; ferner kam die Phantasie von Beet-\nhoven für Piano, Chor und Orchester zum ersten Male\nhier zur Aufführung, und die noch zu erwartenden Con-\ncerte bieten ebenfalls Treffliches in ihren Programmen.\nDas Verdienst des Herrn Thomas, durch seine Concerte\nneue musicalische Anregung gegeben zu haben, ist um so\ngrösser, als die Ausführung dieses Planes mit schwerer\nMühe und grossen Opfern an Zeit, Geld und Arbeit ver-\nbunden war. Der Preis, welcher gegenwärtig den Orche-\nster-Mitgliedern gezahlt wird, ist so hoch, dass unter den\ngünstigsten Umständen kaum ein angemessener Nutzen\ndem Concertgeber bleiben kann.\nDagegen waren die Frühlings- und die Herbst-Saison\nder italiänischen Oper überaus einträglich, und Max Ma-\nretzek hat sicherlich für seine Mühe Lohn erhalten. Die\nVorstellungen waren mehr besucht, als jemals früher, und\ndie Ausführungen meist tadellos. Am meisten Beifall fan-\nden die komische Oper „Crispino ela Comare\" und die\n„Äfricanerin\". In der ersteren Oper excellirte der Bassist\nRovere, welcher jedoch leider durch einen plötzlichen\nTod in der Mitte einer glänzenden Laufbahn unterbrochen\nwurde. Die „Äfricanerin\" wurde sehr gut gegeben, und\ndie Ausstattung liess nichts zu wünschen übrig, wenn man\nbedenkt, dass die hiesige italiänische Oper nicht nur nicht\nsubventionirt ist, sondern sogar 300 Plätze an Actionäre\njeden Abend unentgeltlich geben muss.\nDie deutsche Oper besteht gegenwärtig nur aus den\nUeberbleibseln vom vorigen Jahre. Eine unbegreifliche\nUngeschicklichkeit oder Nachlässigkeit Seitens des Herrn\n■Grover war Schuld daran, dass keine Truppe zur rech-\nten Zeit engagirt werden konnte, und die Saison begann\nmit den hier anwesenden deutschen Sängern spät im We-\nsten; jedoch scheint die Truppe durch die sorgfältige Aus-\nführung der Opern und ein gutes Ensemble zu gefallen.\nDie Opern-Truppen der Herren Strakosch und\nGrau waren gleichfalls im Westen und Süden, und die\nerstgenannte Truppe scheint gute Geschäfte gemacht zu\nhaben, während die letzterwähnte die Erwartungen, wel-\nche man von ihr hegte, nicht erfüllte.\nDie Ankunft der Gebrüder Formes hatte hoffen las-\nsen, dass die drei Sänger in Concerten oder Opern sich\nhören lassen würden; jedoch machten unüberwindliche\nSchwierigkeiten alle desfallsigen Plane zu Schanden, und\nes ist nicht wahrscheinlich, dass die Herren vor dem\nHerbste auftreten werden, zu welcher Zeit sie eine deut-\nsche Opern-Truppe hieher zu bringen beabsichtigen.\nEine gute Concert-Truppe war die, welche Herr Ba-\nteman aus England hieher brachte und an deren Spitze\ndie Sängerin Parepa stand. Der Violinist Rosa, der\nPianist Danreuther und der Cornettist Levi waren Mit-\nglieder der Truppe, welche von Herrn An schütz dirigirt\nwurde. Herr Danreuther verliess jedoch das Unternehmen\nbald, da seine Art des Pianospielens nicht für America\nund ein grösseres Publicum geeignet war und er mehr für\nKammermusik als für Salon-Vorträge bestimmt schien.\nDie Concerte für Kammermusik, welche die Herren\nThomas, Mason, Mosenthal, Matzka und Berg-\nner gaben, waren gut besucht und erfreuten sich reichen\nund gerechten Beifalls. Die diesjährige Saison beginnt\ngegen Mitte Januar und die Programme sind in diesem\nJahre weniger streng und für ein grösseres Publicum be-\nstimmt, als früher.\nDie englische Oper vegetirte im Westen ohne künst-\nlerischen oder pecuniären Erfolg. Das geringe Repertoire,\nder Mangel an Chor und Orchester und an tüchtigen Sän-\ngerinnen mussten das Unternehmen zu einem ephemeren\nmachen, und es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass die\nenglische Oper in nächster Zeit eine glänzende Zukunft\nerwarten darf.\nDie Virtuosen-Concerte sind in America eben so in\nMisscredit gerathen, wie in Europa, und zwar im Allge-\nmeinen mit Recht. Virtuosen wie Liszt, Bülow, Joachim,\nLaub, Tausig und ähnliche Riesenerscheinungen kann man\ngewiss nur mit höchster Bewunderung hören, und ihre\nLeistungen haben eine Wirkung, welche das Publicum\nzugleich begeistert und belehrt; indessen ist in den letzten\nzehn Jahren die Mittelmässigkeit nur zu sehr veranlasst\nworden, ihre Waare an den Mann zu bringen und sich\ndurch falsche Vorspiegelungen in dem Vertrauen einer\nClasse nicht zu verständiger Durchschnitts-Menschen fest-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "51", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660217-01.1.3", "texte": "zusetzen, und es gelang dies leider nur zu gut und zu oft.\nDer Schade, welcher durch dergleichen Virtuosen-Con-\ncerte vierten oder fünften oder überhaupt gar keinen Ran-\nges angerichtet wurde, war in America bei der noch ge-\nringeren Entwicklung, als sie in Europa besteht, ein ausser-\nordentlich grosser. Wir brauchen, ohne uns auf die ver-\nschiedenen irländischen Bettelbarden einzulassen, nur an\nden höchst begabten und seine Begabung auf das conse-\nquenteste missbrauchenden Gottschalk zu verweisen, von\ndessen unheilvollem Wirken wir schon im letzten Jahre\nwiederholt zu sprechen gezwungen waren. Seitdem Jenny\nLind und Frau Sontag hier waren, brachten Speculanten\neine Menge fahrender Virtuosen hieher, welche, statt das\nPublicum zur Kunst heraufzuziehen, die Kunst zu dem\nPublicum herabsetzten. Besonders war dies in den letzten\nJahren der Fall; aber wie das Volk stets richtigen In-\nstincten folgt [?], so war es auch hier, und der Mangel an\nVirtuosen war im letzten Jahre ein in sehr angenehmer\nWeise fühlbarer; man hatte dafür nur eine kleine Anzahl\ngewissenhafter Musiker, welche ihre Reputation in techni-\nscher Beziehung bereits festgestellt haben, und deren Zweck\nes ist, nicht bloss zu glänzen, sondern auch für Musik\netwas zu thun und den Kunstgeschmack zu heben. Die\neinzigen fremden Virtuosen, welche hieher kamen, waren\nder Pianist Wehle, die Cellistin Katow und der Violinist\nPrume, von denen sich nur der erstgenannte eines eini-\nger Maassen nennenswerthen Beifalles erfreuen konnte,\nwährend die beiden anderen keinen Erfolg hatten. Die\nvon uns oben erwähnte Bateman'sche Concert-Truppe\nhatte grossen und verdienten Beifall durch die wahrhaft\nimmensen Leistungen der Frau Parepa, welche vielleicht\ndie bedeutendste Coloratursängerin ist, welche seit zehn\nJahren in America gewesen ist. Der Cornettist Levy hätte\nals Virtuose keinen Eindruck gemacht, wenn er nicht mit\nden anderen Künstlern zusammen gespielt hätte und seine\nLeistungen als curiose und zur Abwechslung dienende\nKunststücke betrachtet worden wären.\nHerr Prume, dessen Begabung als technisch aus-\nübender Künstler unendlich bedeutender ist, als sein Ta-\nlent zum Vortrage oder zur Composition, würde sehr wohl\ndaran thun, sich an einem der grösseren Theater-Orche-\nster in Europa engagiren zu lassen, statt in America sein\nGlück zu versuchen.\nMan wird es uns natürlich erlassen, über die Musik-\nPiraten irländischer Abkunft und jene englischen Balladen-\nMisshandler zu sprechen, deren Gesang im Stande wäre,\neinen Todten zu erwecken. Diese Prostituirten verdienen\ntheils Mitleiden, theils Verachtung, und sind die Heu-\nschrecken der Musik.\nWenn wir schon vorhin davon sprachen, dass die Mu-\nsik, so weit sie mit dem Virtuosenthum verwandt oder\nverknüpft war, die beste Pflege von einheimischen Musi-\nkern erhielt, so wollen wir noch speciel erwähnen, dass\ndies besonders der Fall in der Pianomusik war, welche\nnamentlich in Mills, Mason, Wolfsohn und Gold-\nbeck ausgezeichnete Vertreter hatte. Aufführungen des\nLiszt'schen Piano-Concertes, der Phantasie für Piano,\nOrchester und Chor von Beethoven, der Chopin'schen Con-\ncerte und anderer ähnlichen Werke wurden dem Publicum\ndargeboten. Vor allen anderen Musikern ist es Mills ge-\nwesen, dessen Aufschwung zur höchsten Höhe der Kunst\nein überraschend, ja, unbegreiflich grosser gewesen ist,\nund dessen Vorträge ihn unzweifelhaft zum ersten Pianisten\nin America gemacht haben. Eine liebenswürdige, echt\nkünstlerische Bereitwilligkeit, seine Kunst-Collegen überall\nzu unterstützen, wo es nöthig war, hat ihn auch in dem\nletzten Jahre ausgezeichnet.\nWenden wir uns nun zu jenen Musikern, welche als\nLehrer gewirkt haben, so sehen wir auch in dieser Be-\nziehung einen sehr angenehmen und bedeutenden Fort-\nschritt. Der Lehrer ist nicht mehr auf eine Art von Bettel-\nbrod angewiesen, sondern seine Stellung ist die eines der\nwichtigsten Mitglieder in der Kunstgenossenschaft und eines\nder Haupt-Architekten an dem Bau des Kunsttempels von\nAmerica. Der Lehrer ist in America ein Gentleman, wel-\ncher auf vollständig gleicher Stufe mit den reichsten Leu-\nten steht, denen er seine Dienste leiht. Man sehe nur auf\nden grossen -Procentsatz von jungen Americanerinnen,\nwelche in sehr annehmbarer Weise singen und« Ciavier\nspielen, und man wird erstaunt sein, welche Resultate in\ndieser Richtung im Vergleiche zu Europa (?) erzielt wor-\nden sind. Die Preise sind gleichfalls bedeutend höher, als\nin Europa, und variiren von 100 Dollars für zwanzig\nStunden bis 30 Dollars; unter diesem Preise unterrichten\nwohl kaum Lehrer von nur einiger Kenntniss oder Stellung.\nEinzelne Lehrer, welche ihre Schüler in Privat-Cirkeln\nvor eingeladenen Gästen in Vorträgen auf dem Piano und\nim Gesänge vorführten, verdienen grosse Anerkennung\nsowohl wegen der Auswahl der von den Schülern gespiel-\nten Stücke, als auch wegen der Leistungen der Schüler.\nGute Lehrer sind jetzt so häufig in New-York, wie sie\nfrüher selten waren, und namentlich sind es die deutschen\nLehrer, welche Vortreffliches leisten.\nKaum brauchen wir die kolossale Ausdehnung des\nPianogeschäftes in America zu erwähnen. Wenn wir sa-\ngen, dass die Piano-Firma von Steinway und Söhne\nim Monat November allein über 200 Pianos der teuer-\nsten Gattungen, darunter 28 Flügel, verkauft und an\nSteuern allein beinahe 7000 Dollars bezahlt hat, so ist\n\nM"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "52", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660217-01.1.4", "texte": "dies wohl hinreichend, um auf das Gesammtgeschäft einen\nSchluss machen zu können. In der That haben Firmen\nwie Gebrüder Decker, Steck und Comp., Albert\nWeber, Knabe und Comp., Marschall und Mit-\ntauer, Kraushaar und Comp, und viele andere ohne\nUnterbrechung mehr Bestellungen gehabt, als sie auszu-\nführen im Stande waren.\nWerfen wir nun schliesslich einen Blick auf die Musik-\nzustände im Lande, so verdienen dieselben eine grosse Be-\nachtung in Boston, Philadelphia, St. Louis, Chicago, Mil-\nwaukee, Baltimore und vielleicht in Cincinnati. In die-\nsen Städten existiren ausser Gesangvereinen auch stehende\nOrchester, und es sind einzelne Musiker von Verdienst da-\nselbst, welche an der Spitze der musicalischen Verhält-\nnisse stehen und dieselben auch im vergangenen Jahre zu\nbessern gesucht haben. Namentlich waren es in Boston\nKreismann, Dresel, Zerrahn und Leonard, in\nPhiladelphia Wolfsohn, in St. Louis Sobolewski, in\nChicago Balatka, welche theils Sinfonie-Concerte, wenn\nauch bisweilen mit nicht ganz musterhaftem Programm,\ngaben, theils auch Concerte selbständig veranstalteten oder\nOratorien aufführten.\nDer grösste Triumph indessen war der, dass die Kunst\ndurch den Krieg nicht litt, und dass Apollo laut und hell-\ntönend seine Leier schlug, während Mars das Land ver-\nwüstete und die Sänger von einander trennte, und jetzt,\nnachdem der Kriegsgott zum Schweigen gebracht worden\nist, singt der Sangesgott ungestört weiter.\nSo schliessen wir denn unseren kurzen Rückblick mit\ndem Gefühle, dass das Jahr 1865 für America kein ver-\nlorenes gewesen ist, und dass es auch hier die Deutschen\ngewesen sind, welche den Sauerteig für das fröhliche Ge-\ndeihen gebildet haben, und wir haben lediglich zu wün-\nschen, dass wir am Schlüsse dieses Jahres ein Gleiches von\ndem Jahre 1866 sagen können.\n\nPariser Briefe.\n(Die Opernmusik im Jahre 1865. Le voyage en Chine\nMartha. Neueste Erzeugnisse: Les Bergers von J. Offenbach\nLa fiancie dlÄbycLos von Adr. Barthe Leonora\nvon Mercadante.)\nParis, den 1. Februar 1866.\nWenn wir einen Rückblick auf die Opernrausik im\nJahre 1865 in Paris werfen, so zeigt er uns mit Aus-\nnahme des Ereignisses für die ganze Theaterwelt in Eu-\nropa, der Erscheinung von Meyerbeer's „Africanerin\", eine\ngrosse Leere, die Folge der Unfruchtbarkeit des hiesigen\nBodens an schöpferischen Talenten. Die Erwartungen,\ndie einige Kunstfreunde von der wunderbaren Kraft der\nTheaterfreiheit hegten, welche nach der Reclame mehre-\nrer Blätter die neuen Opern wie Pilze aus der Erde her-\nvorschiessen lassen musste, sind zu argen Täuschungen\ngeworden. Die Fesseln des Genies sind mit rasselndem\nGeklirr und unter dem Jubel der Menge gefallen, die Frei-\nheit hat alle Schranken des geistigen Aufschwungs der\nDramen- und Operndichter niedergeworfen, aber der\nHymnus feierte, wie das auch bei anderen Freiheits-Ver-\nkündigern oft der Fall ist, nur, was die Phantasie sah,\ndenn die Wirklichkeit hielt nicht Wort. Freilich hatte\ndiese auch nichts versprochen, und alle Vernünftigen theil-\nten den Hoffnungsschwindel keineswegs. Ihre Zweifel ha-\nben eine schlagende Bestätigung erhalten: es war ein\nüberspannter Wahn, dass die Privilegien das Genie er-\nstickten:— jetzt haben die Genies volle Freiheit, aber die\nFreiheit hat keine Genies. Das Bisschen Productions-Ta-\nlent, das noch da ist, reicht kaum hin, die alten Opern-\nInstitute kümmerlich zu nähren, ja, die meisten würden,\nwenn sie nicht in die lange verschmähten Vorrathskam-\nmern der Vergangenheit griffen, gänzlich verschmachten!\nHätte die „Africanerin\" Paris nicht wieder einmal in der\nErinnerung der musicalischen Nationen aufgefrischt, sie\nwürden es trotz der Declamationen vom Mittelpunkte des\nGeschmacks, die ins vorige Jahrhundert gehören, gänzlich\nvergessen haben.\nUnd dennoch gibt es immer noch Leute, die aus dem\nFortschritte der Civilisation und der staatlichen Einrich-\ntungen durch gesetzliche Freiheit auch die unausbleibliche\nVervollkommnung der Kunst folgern wollen! Sie vergessen\ndabei gänzlich, dass die Freiheit, mit welcher der Künst-\nler schafft, eine angeborene ist, welche durch Gesetze und\nEinrichtungen des Staates weder gegeben noch unter-\ndrückt werden kann. Das Suchen nach äusseren Gründen\n/\nfür ihre steigende, wie für ihre sinkende Kraft führt sel-\nten auf genügende Erklärung des Auf- und Unterganges\nder Sonne der Kunst; es erzeugt Lächerlichkeiten, wie die\nBehauptung eines hiesigen Blattes, welches die Ursache\nder Thatsache, dass Frankreich weit weniger schöne Sin-\nfonie- und Instrumental-Componisten hat, als Deutschland,\neinzig darin sieht, dass Paris keine besonderen Concert-\nsäle für Instrumentalmusik besitzt! Also nur erst Häuser\nund Säle: die Meisterwerke bleiben dann gewiss nicht\naus; erst feuerfeste Schränke, das Geld rollt dann von\nselbst hinein!\nDie grosse Oper hat ausser der „Africanerin\" nichts\nNeues gebracht; die komische Oper machte mit Felicien\nDavid's „Saphir\" kein Glück. Gegen Ende des Jahres\nbrachte sie noch „Le voyage ein ziemlich nahe\nan die Posse streifendes Lustspiel in drei Acten mit leicht\ngeschriebener und gefälliger Musik von Franz Bazin,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "53", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660217-01.1.5", "texte": "welches sich bis jetzt gehalten hat und namentlich in den\nersten Vorstellungen ein zahlreiches Publicum anzog. An\nspasshaften Auftritten und Situationen fehlt es darin nicht;\nzwei eigensinnige Bretagner, Schwiegervater und heimlich\nvermählter Schwiegersohn, bieten im Verein mit einigen\nNebenfiguren, deren Komik freilich oft sehr wohlfeil, z. B.\ndurch Stottern, erkauft wird, den Lachlustigen, an denen\nes hier glücklicher Weise doch immer noch nicht mangelt,\nreichlichen Stoff. Dazu spielt der dritte Act auf einem\nKauffahrteischiffe, auf welchem der Schwiegersohn den\nSchwiegervater nebst Töchtern geradeswegs nach China\nbugsiren will, folglich Decorations-Wetteifer mit der gros-\nsen Oper, ferner eine Gesellschaft im Salon des Seebades\nTrouville, wo die Damen und Herren im Bade-Costume\nerscheinen was will man mehr? Die Musik ist nicht ohne\nVerdienst, welches besonders darin besteht, dass Bazin\nStil und Instrumentation klar und leicht gehalten und dem\nStoffe nicht durch das Gegentheil eine Wucht von Musik\nangehängt hat, die ihn erdrückt. Ausserdem ist die komi-\nsche Oper auf das reiche Repertoire ihrer Vergangenheit\nzurückgegangen, und zwar so weit, dass sie nicht bloss\nGr&ry, sondern sogar Duni und Zeitgenossen aus dem\nGrabe citirt hat.\nDie italiänische Oper hat an Neuigkeiten eine „Du-\nchessa di San Giuliano\", mehr ein Melodrama, als eine\nOper, Musik von Graffigna, ohne besondere Wirkung,\nund dann die heitere Oper der Gebrüder Ricci: „Crispino\ne la Comare\", gebracht. Da letztere grossen Erfolg hatte,\nso gab man in derselben Gattung den „Don Bucefalo\"\nvon Cagnoni, der aber weniger zog, weil weder Stück\nnoch Musik so originel und unterhaltend sind, wie Crispino\nund seine Gevatterin. Jetzt sind die Italiäner wieder mit\nMercadante's „Leonora\" zum pathetischen oder—wie\nEinige wollen und wir nicht widersprechen zum lang-\nweiligen Genre zurückgekehrt.\nDas gegenwärtig auch kaiserliche Theätre lyrique,\ngegründet, begünstigt, unterstützt, Alles hauptsächlich zu\ndem Zwecke, jungen französischen Genies die Bahn zum\nRuhme zu öffnen, hat—keine gefunden, um seinem edlen\nBerufe nachkommen zu können. „Was soll ich thun?\"\nrief der Director Carvalho aus —: „Die Gegenwart\nbietet nichts, die Musik der Zukunft will man nicht haben\nherbei, ihr Todten, damit mir die Lebenden, nämlich\ndie Zuschauer, Geld bringen! Herbei, ihr Deutschen, da-\nmit die Franzosen nach eurer Pfeife tanzen!\" —Und rich-\ntig. Der Vogelfänger pfiff, und es geschah, wie der Director\nvorausgesehen; sie drängten sich ein Jahr lang durch die\nenge Pforte, um Mozart zu hören; ohne den unerschöpf-\nlichen Bronnen der „Zauberflöte\" wäre er zu Grunde ge-\ngangen. Wie gern hätte er, wie jener Director eines\nTheaters zweiten Ranges bei euch in Köln einst nach dem\nErfolg von „Was ihr wollt\" an Shakespeare zu schreiben\nbefahl, wie gern hätte auch Herr Carvalho an Mozart um\neine neue Oper geschrieben! Da nun aber kein Mozart\nmehr da ist, so hat er ihm Herrn von Flotow in der Hoff-\nnung substituirt, mit der „Martha\" eben so gute Geschäfte\nzu machen, als mit der Pamina.\n„Martha\" wurde den 18. December vorigen Jahres\nzum ersten Male gegeben, und zwar mit einer Besetzung\nund Ausstattung, die nicht wenig zu dem grossen Erfolge\nbeitrugen, den die Vorstellung errang. Sie war bekannt-\nlich vpn den Italiänern hier früher schon gegeben, zuletzt\nsogar mit Adelina Patti; allein trotzdem erwartete man\ndie erste französische Vorstellung mit um so mehr Theil-\nnahme, als der Text ursprünglich französisch ist und die\nMusik allerdings dem Genre der französischen leichteren\nOpernmusik huldigt. Uebrigens hat Flotow lange in Paris\ngelebt, schon vor 1830 und auch in späteren Jahren wie-\nder, und war hier in aristokratischen Kreisen sehr beliebt.\nEr war auch bei der Vorstellung am 18. December an-\nwesend, und in den Logen, welche die vornehme Welt\nbesetzt hatte, bemerkte man die Prinzessin Mathilde, den\nSeine-Präfecten, mehrere Minister u. s. w. Die erste\nIdee zur „Martha\" gab dem Componisten hier in Paris\nein Ballet von de St.-Georges: „Lady Henriette\", das im\nJahre 1843 aufgeführt wurde. Flotow componirte damals\nden ersten Act desselben; zu den beiden anderen Acten\nlieferten Burgmüller und Delevez die Musik. Flotow durch-\nschaute, dass in diesem Ballette ein anziehender Opernstoff\ngeboten sei, den alsdann W. Friedrich in Deutschland für\nihn bearbeitete. So erschien „Martha\" zum ersten Male\n1847 in Wien. Den jetzigen französischen Text hat wie-\nderum de St.-Georges geliefert. Einlagen bilden drei kurze\nNummern aus „L'Ame en peine\", einer früheren einacti-\ngen Oper Flotow's; sie wollen nicht viel bedeuten. Die\nblonde Schwedin, Mademoiselle Nilsson, ist eine schöne,\nsehr anmuthige Martha. Die Decoration der Jagdscene im\nWalde ist vortrefflich, die Scene auf dem Markte zu Rich-\nmond äusserst belebt was alles Dinge sind, an die bei\nden Italiänern nicht zu denken ist.\nUebrigens kann man dem durchaus\nnicht vorwerfen, dass es keine Versuche gemacht habe,\ndramatische Musik-Genies zu entdecken; es hat sechs bis\nacht Neuigkeiten von französischen Componisten gebracht,\nauch „Macbeth\" von Verdi und „Lisbeth\" („Die glück-\nliche Heimkehr\") von Mendelssohn—aber ohne Dauer\nvon Erfolg, wenngleich Manches, zum Beispiel de Har-\ntog's „Don Lope\", damit begann. Im neuen Jahre hat\nes „Die Braut von Abydos\" von Adrien Barthe prächtig\nin Scene gesetzt. (Siehe nachher.)"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660217-01.1.6", "texte": "Den Bouffes Parisiens hat Jak. Offenbach eine\nneue Gabe gebracht, die grössere Ansprüche auf künst-\nlerische Bedeutung macht und rechtfertigt, als die meisten\nvon seinen kleineren Operetten. Wenn man ihn als den\ngeistvollsten und melodieenreichsten Vertreter jenes harm-\nlosen Genre's der an die Posse streifenden französischen\nOpera buffa, wozu er das ältere Vaudeville gemacht hat,\nzu betrachten gewohnt ist, so ist es ihm doch in seinen\nVersuchen zu grösseren komischen Opern nicht im glei-\nchen Maasse gelungen, die Gunst des Publicums zu er-\nobern. Einen grossen Schritt vorwärts in dieser Beziehung\nhat er aber durch die neueste Schöpfung seines uner-\nschöpflichen Talentes gethan; „Les Bergers\" ist eine ko-\nmische Oper in drei Acten, welche zuerst am 11. Decem-\nber vorigen Jahres mit grossem Erfolg in Scene ging, der\n•sich seitdem erhalten hat. Das Buch ist von Hector Cre-\nmieux und Ph. Gille. Das Ganze ist ein Schäferspiel in\ndrei Abiheilungen, die so gut wie drei einactige Operetten\nsind und nur durch einen sehr losen Faden zusammenge-\nhalten werden. Eros oder Amor etwas Mythologisches\nund griechische Namen müssen ja jetzt immer dabei sein\nhat einem Liebespaare Jugend und Unsterblichkeit ver-\nsprochen, so lange die beiden Liebenden einander treu\nbleiben, und führt sie nun durch ein paar Jahrtausende\nvor unseren Augen hindurch, um ihre Treue zu prüfen.\nGlücklicher Weise haben die Dichter mit dem allen fran-\nzösischen Librettisten angeborenen Hasse gegen das Lang-\nweilige dem Zuschauer nicht zugemuthet, das Einerlei einer\nzweitausendjährigen Liebe mit anzusehen; sie haben drei\nZeitalter als Stellvertreter der Entwicklung der Liebes-\nstadien nach dem jeweiligen Geiste der Periode gewählt\nund führen uns zuerst Myrianne und Daphne als ein grie-\nchisches Schäferpaar in Arkadien vor; dann verwandeln\nsich Beide in Colin und Annette, welche als bebänderte,\nzierliche Figuren aus der französischen Schäferwelt des\nachtzehnten Jahrhunderts, wie sie Watteau malte und die\nDichter des goldenen Zeitalters Ludwig's XIV. besangen,\nauftreten, und endlich erscheinen sie echt realistisch als\nBauer und Bäuerin unserer eisernen Zeit, an deren Ver-\nderbtheit ihre Treue scheitert, worüber Eros sehr froh\nist, da es ihm doch am Ende langweilig geworden, sein\nWort zu halten. Der erste Act ist ein Idyll, welches ernst-\nhaft gemeint ist, da es sogar am Schlüsse die Fabel von\nPyramus und Thisbe auffrischt; Daphne verliert, von einem\nLöwen verfolgt, ihren Schleier, Myrianne findet den mit\nBlut befleckten und will sich das Leben nehmen, was\nEros, von solcher Liebe gerührt, verhindert. Es ist dies\nnicht etwa eine Travestie, wie sie „Orpheus\" und „Die\nschöne Helene\" bieten, sondern in artigen Versen ein Bild\naus der mythischen Welt des Alterthums.\nIn der zweiten Abtheilung lieben sich Colin und An-\nnette immer noch von Herzen; die Lockungen eines Mar-\nquis und einer Marquise weisen Braut und Bräutigam\nstandhaft zurück, und selbst die Ränke, welche Eros, der\nsich in einen Schloss-Intendanten verwandelt hat, gegen\ndas Paar spinnt, verfangen nicht. Aber ach! im dritten\nActe ist Colin ein roher, eigennütziger Bauernlümmel, Ni-\ncot genannt, geworden, und Annette, schlechtweg „die\nRothe\" benamset, eine Magd,\" die es sehr unkommlich\nfindet, ihr Vieh auf die Weide zu treiben, und desshalb\neinen reichen Ochsenzüchter nicht zurückweist, während\nNicot auf die Kunde von der guten Aussteuer einer an-\nderen Bäuerin seiner alten Liebsten den Abschied gibt.\nDie Musik schliesst sich dem jedesmaligen Charakter\nder drei Abtheilungen mit Geschmack und Geist an; gleich\ndie erste Ouvertüre verräth, dass Offenbach hier mehr\ngeben will, als Zeitvertreib. So hat denn auch das arka-\ndische Idyll in allen Musikstücken ein poetisches Colorit,\ndas sich sogar bis zum Gefühlvollen und Leidenschaftlichen\nsteigert. Der Introductions-Chor, ein Quintett und Finale,\nsind gute Ensemblestücke, und das erste Duett zwischen\nTenor und Sopran, so wie die Couplets Amor's verdienen\nden Beifall, der ihnen zu Theil wird. Die zweite Abthei-\nlung, von heiterem Inhalt mit rascher Lustspielhandlung\nund hübscher scenischer Ausstattung, wird auch durch\ndie elegante und sogleich ansprechende Musik gehoben,\ndie den Act mit einem hübschen Finale bei der Bekrän-\nzung des treuen Paares schliesst. Der dritten Abtheilung\nkann man nicht das gleiche Lob spenden; sie ist sowohl\nden Dichtern des Buches als dem Componisten nicht so\ngut gelungen, wie die beiden ersten. Im Ganzen ist die\nMusik jedenfalls eine der besten Partituren Offenbach's;\nsein Talent für leichte und dem Stoffe angemessene Me-\nlodie, welches hier zuweilen auch höheren Ausdruck an-\nnimmt, ist ihm treu geblieben, eben so das Pikante der\nInstrumentirung, welches freilich auch zuweilen ins Ge-\nsuchte und Affectirte geht; indess das Publicum ist ent-\nzückt, wenn Eros seine Couplets singt und ihn nur Harfe\nund Flöte begleiten.\n(Schluss folgt.)\n\nCarlotta Patti in Wien\n*).\nHerrn Ullman's Concerte vierzehn an der Zahl im Laufe\nvon vier Wochen! haben ihre Zugkraft bis zum letzten Augen-\n\n*) Yon Ed. Hanslick (Nene Freie Presse). Je mehr einige\nMusik-Zeitungen und musicalische Feuilletons die Patti-Concerte\nentweder ignoriren oder von einem Standpunkte aus besprechen, der\nam Unwesentlichen haftet, und weil er an der Eeclame und allem,\nwas daran sitzt, Aergerniss nimmt, die eigentliche Sache der Kunst"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "55", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660217-01.1.7", "texte": "blicke bewährt und dürfen den wiener Erfolg als eine unanfecht-\nbare, glänzende Thatsache für sich geltend machen. Dem Kritiker\nund ernsten Musikfreunde konnte man allerdings eben so wenig den\nBesuch sämmtlicher Patti-Concerte zumuthen, als man von einem\nManne verlangen wird, er solle jeden Abend ein Pfund Zuckerwerk\nessen. Der ausschliessliche Virtuositäts- und Unterhaltungs-Stand-\npunkt solcher Concerte führt rasch zur Uebersättigung. In dieser\nRichtung ist an den Programmen noch Vieles zu bessern und na-\nmentlich den drei Instrumental-Virtuosen eine kleine Rüge nicht zu\nersparen. Wenn Carlotta Patti durch die phänomenale Stimm-\nhöhe, mit der sie beschenkt oder zu der sie verurtheilt ist, sich auf\nein engeres Gebiet von Bravour-Arien beschränkt sieht, allezeit ver-\npflichtet, dem Publicum ihre bewunderten „Specialitäten\" vorzufüh-\nren, so gilt doch diese Entschuldigung nicht auch für einen grossen\nPianisten, Violin- oder Cellospieler. Die Herren Jaell, Vieux-\ntemps und Piatti haben ein viel kleineres Repertoire aufgerollt,\nals Carlotta Patti, und mit denselben fünf bis sechs Stücklein sich\ndurch alle vierzehn Concerte gefristet. Vieuxtemps spielte ausschliess-\nlich eigene Compositionen, was wir ihm, dem bedeutendsten Talente\nunter den Dreien, gern zugeständen, hätte er etwas Neues und nicht\nbloss jene alten Stücke wiedergebracht, die seit zwanzig Jahren je-\nder Concertfreund auswendig kennt. Ueberdies ward gerade an die-\nsen seinen ehemaligen Parade-Rossen die abnehmende Kraft und\nSicherheit des Reiters am auffallendsten wahrnehmbar. Herr Piatti\nspeiste uns consequent mit selbstverfertigten Potpourris aus „Lucia\",\n„Linda\", „Trovatore\" u. s. w., deren Langweiligkeit beim ersten\nHören, aber auch nur beim ersten, vor dem Glänze des Vortrages\nverschwand. Warum endlich Herr Jaell um nur von Bravour-\nstücken zu sprechen nie etwas von Liszt, Thalberg, Henselt,\nHeller, Rubinstein spielte? Von seinen eigenen Sachen lassen wir\nuns das Trillerstückchen „Sweet home\" noch am besten gefallen.\nDass Jaell trotzdem eine immer gern gesehene Erscheinuug war,\nspricht laut genug für den ungewöhnlichen Reiz seines Spiels. Was\nendlich Carlotta Patti betrifft, so ist es gerade für sie ein werth-\nvolles Zeugniss, dass ihr Gesang, der eigentliche Magnet der Con-\ncerte, an Anziehungskraft nicht verlor, sondern zunahm.\nJede neue Erscheinung von grossem Rufe ist bei ihrem ersten\nAuftreten verurtheilt, ungemessenen und oft sehr unbestimmten Er-\nwartungen gegenüber zu stehen. Vermisst der Hörer einige ge-\nträumte Vorzüge, so wird das Gefühl theilweiser Enttäuschung ihn\nauch die wirklich vorhandenen leicht unterschätzen lassen. Erst\nwenn der Eindruck des Neuen, Befremdenden überwunden und man\nüber das ästhetische Soll und Haben im Klaren ist, hört man un-\nbefangener und urtheilt gerechter. Wir haben uns mit der Stimme\nder Fräulein Patti viel mehr befreundet, sie in den späteren Con-\ncerten schöner und volltönender gefunden, als am ersten Abende.\nHin und wieder, z. B. in Gounod's „Ave Maria\", verrieth ein Ton\nvon überraschender Kraft, dass diese silbertönige Stimme auch nach\nSeite des Volumens weniger stiefmütterlich bedacht sei, als sie in\nder Regel scheint. Diese und ähnliche Wahrnehmungen flössten uns\nRespect ein vor ihrem streng eingehaltenen Princip, Maass zu\nhalten, die reine Schönheit des Tones niemals zu alteriren. Carlotta\nPatti vermeidet, auch nur der Gränze des Schreiens sich zu nähern,\nund wird, beiläufig gesagt, trotz ihrer angestrengten Thätigkeit, ihre\nStimme ohne Zweifel lange bewahren. Hierin erscheint sie als ein\nZögling der besten italiänischen Schule. Kein Zweifel, dass ihre\nleidenschaftslose Ruhe dieses Maasshalten sehr erleichtert, aber bloss\nals „Kälte\" können wir nicht mehr betrachten, was sich uns als\nein consequentes sei es auch einseitig ausgebildetes Schön-\nheits-Princip erwiesen hat. Es ist dasselbe Princip des reinen Wohl-\nlauts, das die Linien einer italiänischen Melodie in schöner, sanfter\nRundung zieht. Eben so wenig als wir die Patti schreien oder\nmeckern hörten, haben wir sie im Vortrage jemals übertrieben oder\nafFectirt, in Haltung und Miene grimassirend gesehen. Bei Wag-\nstücken wie das „Lachlied\" oder der „Carneval von Venedig\" will\ndies nicht wenig sagen. Der Virtuosität Carlotta Patti's sind wir\nbereits früher gerecht geworden, aber auch in ihrer Cantilene be-\nobachteten wir das Walten einer Technik, die hochzuschätzen na-\nmentlich wir Deutschen allen Grund haben. „Die Deutschen singen\nmit dem Kopfe und mit dem Herzen, aber nicht mit dem Ohr\",\nso sagte uns wörtlich vor einigen Jahren Jenny Lind. Dieser Aus-\nspruch einer grossen und durch ihre germanische Abkunft wohl un-\nparteiischen Sängerin schien uns damals zu hart tausend Mai\nist er uns seither eingefallen. Dem Gesänge der Carlotta Patti hat\nwohl Jedermann einen kräftigeren Herzschlag gewünscht, aber ge-\nwiss nicht ein feineres, Maass und Wohllaut schärfer überwachen-\ndes Gehör.\nStimme und Gesangsmanier weisen Carlotta Patti vorzugsweise\nan den Sologesang; in dem Spinn-Quartette aus „Martha\" sang sie\nzu schwach, was allerdings nicht ganz entschuldigt, dass die an-\nderen drei Stimmen zu stark begleiteten. Fräulein Patti die Wahn-\nsinn-Arie aus „Lucia\" im Costume vortragen zu sehen, wirkte ohne\nZweifel als ein Lock- und Reizmittel auf die Besucher der Concor-\ndia-Akademie. Die Leistung war interessant genug, indem sie im\nSpiel der Künstlerin dasselbe Princip verrieth, mit wenigen, plastisch-\nschönen Bewegungen auszureichen. Der dramatische Ausdruck er-\nhob sich nicht merklich über den Concert-Vortrag. Bedenkt man\nindess, dass Carlotta Patti seit ihren ersten Anfängen, vor vier Jah-\nren, die Bühne nicht betreten und in ihrem Gange ein physisches\nHinderniss mühsam zu bekämpfen hat, so erscheint der Versuch im-\nmerhin respectabel. Da die Accente tiefer Leidenschaft ihrem Ge-\nsänge versagt sind, glauben wir nicht, dass die tragische Bühne an\nCarlotta Patti viel verloren habe. Hingegen scheint ein sehr artiges\nTalent für die komische Oper in ihr zu schlummern. Das fröhlich\nSchmetternde so gut wie das freundlich Behäbige ihres Gesanges\nmüsste, vereint mit dem bezaubernden Lachen Carlotta's, in der\nOpera buffa trefflich wirken. Sie ist „die Lerche, nicht die Nach-\ntigall\". Man sehe die dürren Noten des Auber'schen Lachliedes und\nurtheile selbst, ob hier der Vortrag der Patti nicht geradezu pro-\nductiv sei. Nicht bloss neue Noten hat sie hinzugefügt, sondern\nneue Effecte, die in Noten gar nicht zu fassen sind. Es ist und\nbleibt ihr Meisterstückchen.\n\nmit Vorurtheil betrachtet, hat es uns Genugthuung gewährt, dass in\nden Ton, welchen wir bereits im vorigen Jahre über die Erschei-\nnung von Carlotta Patti in der Niederrh. Musik-Zeitung und in der\nKölnischen Zeitung angeschlagen haben, in dieser Saison alle Kri-\ntiker von Ruf, namentlich in Berlin und Wien, eingestimmt haben.\nWir theilen desshalb auch obigen Artikel von Ed. H. seinem Haupt-\nInhalte nach mit. Die Redaction."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660217-01.1.8", "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln, 16. Februar. Gestern hat Roger auf dem Stadttheater\nein Gastspiel begonnen und seinen „George Brown\" uns wieder mit\nderselben Freiheit und Natürlichkeit des Spiels und, was das Colorit\nd,er Nuancen und die ausdrucksvollen Feinheiten betrifft, auch in\nderselben Vollkommenheit des künstlerischen Gesanges vorgeführt,\ndie wir bei seiner letzten Kunstreise vor neun Jahren in Deutsch-\nland an ihm bewunderten, zu einer Zeit, wo der erste Jugendglanz\nder Stimme aus den Jahren seiner Wirksamkeit an der Opera co-\nmique und später an der grossen Oper in Paris auch schon nicht\nmehr in seiner ganzen Ursprünglichkeit strahlte. Seine Behandlung\nder Stimme ist aber auch heute noch so meisterhaft, dass im Vor-\ntrage aller zarten, gefühlvollen uud auch der gemüthlichen Stellen\nder reine Genuss des Gesanges durch nichts getrübt wird, während\nallerdings da, wo ein gewisser Aufwand von Kraft nöthig ist, diese\nzwar auch noch vorhanden, aber nicht mehr mit dem vollen Wohl\"\nlaut, den sie früher hatte, verbunden ist. Das Publicum im fast\nganz besetzten Hause zeichnete den trefflichen Sänger durch lebhaf-\nten Applaus und öfteren Hervorruf aus.\n* Hieleffelcf. Am 6. d. Mts. kam hier Gluck's Oper „Or-\npheus\", auf das sorgfältigste vorbereitet, vollständig zur Aufführung.\nDas Orchester, welches von den Hofcapellen zu Detmold und Braun-\nschweig vervollständigt worden, leistete bei den schwierigen Ver-\nhältnissen im Ganzen Gutes. Durften wir bei dem schönen, aber\nsehr complicirten Recitativ des Orpheus mit den Solo-Instrumenten\nund manchem Detail nicht zu scharf kritisiren, so war dagegen der\nschwierige Furientanz und vieles Andere so gelungen, dass wir un-\nsere Anerkennung nicht zurückhalten mögen. Der Chor zeigte sich\ndagegen in einer Frische und Festigkeit, die den lebhaftesten Bei-\nfall hervorrief. Freilich war die Aufgabe für denselben auch unver-\ngleichlich leichter, als in irgend einem Oratorium. Immerhin ging\naus der Präcision der Einsätze und der deutlichen Aussprache her-\nvor, dass er tüchtig geübt hatte, und dafür gebührt ihm Lob. Von\nbesonderem Interesse war die Besetzung des Orpheus durch Fräulein\nMarie Cruvelli, Schwester der Baronin Vigier (Sophie Cruvelli),\ndie mit sympathischer Stimme den Orpheus unverkennbar nach dem\nMusterbilde der Viardot-Garcia gab, deren Leistung sie in Paris zu\nbewundern häufig Gelegenheit hatte. Auch fügte sie deren Einlage\nam Schlüsse des ersten Actes: „Amour, viens rendre ä mon ämeu:\nzu. Obwohl wir prineipiel eine Einlage mit Gluck's Wissen hat\neine solche, so berichtet Berlioz, niemals Statt gefunden nicht\nbilligen können, so mussten wir doch in dem Vortrage einen Glanz-\npunkt der Gesangsleistung anerkennen. Besonders gelang die höchst\noriginelle Cadenz von der Composition der Garcia. Die Arie: „Acli,\nich habe sie verloren\", trug Fräulein Cruvelli so wirkungsvoll vor,\ndass selbst unsere westfälische Zurückhaltung nicht umhin konnte,\nein da capo ziemlich stürmisch durchzusetzen.\nHassel. Am 11. d. Mts. gab Herr Mortier de Fontaine\nhier eine Morgen-Unterhaltung, in welcher er zwei Stunden hin-\ndurch dreissig Ciavierstücke von eben so vielen Componisten, von\nWilliam Bird (geb. 1543) bis auf Anton Rubinstein (geb. 1829)\nund Jos. Rheinberger (geb. 1839) vortrug. Das Programm brachte\nhistorische Notizen über die älteren Componisten.\nDresden« Das fünfte Abonnements-Concert der k. musica-\nlischen Capelle am 1. Februar brachte als Novität die Sinfonie\n„Columbus\" von J. J. Abert, welche vorzüglich executirt und mit\ngrossem Beifalle aufgenommen wurde. Ausserdem kamen zur Auf-\nführung die Jagd-Ouverture von und die grosse Leonoren-\nOuverture von Beethoven, so wie eine der weniger bekannten Sin-\nfonieen von J» Haydn in B-dur.\nFräulein Sanier in Berlin hat am Freitag den Contract ihres\nkünftigen Engagements am Hoftheater zu Dresden unterzeichnet.\nSie tritt nach dem Abgange der Frau Bürde-Ney, die nach einem\nCyklus von zehn Abschieds-Vorstellungen für immer die Bühne ver-\nlässt, an die Stelle derselben mit einer Jahresgage von 5000 Thlr.\nincl. Spiel-Honorar. Fräulein Santer ist verlobt mit dem Gesang-\nlehrer und Componisten Alfred Blume in Dresden.\nFrau Krebs -Michalesi sang am 20. Januar bei der hundert-\nsten Aufführung des „Propheten\" die Fides zum 96., Tichatschek\nden Johann ungefähr zum 90. Male unter dem wärmsten Beifalle\nund besonders erstere mit noch eben so ungeschwächter Kraft, wie\nvor sechszehn Jahren.\nFranz Liszt's Mutter ist in voriger Woche in hohem\nAlter gestorben. Emil Ollivier, der eine Enkelin der Verstorbenen,\neine Tochter Liszt's, zur Gattin hatte, aber früh durch den Tod\nwieder verlor, hielt der verstorbenen Frau Liszt die Grabrede.\nDas TMatre lyrique macht mit Flotow's „Martha\" glänzende\nGeschäfte. Gounod's „Faust\" macht nach der Wiederaufnahme\nmehr Glück, wie früher. Trotzdem will der Director auch wieder\nzu Mozart zurückkehren, dessen „Figaro\" und „Zauberflöte\" ihm\nmehr eingebracht haben, als Mozart sein ganzes Leben lang davon\ngehabt hat. Er lässt desshalb den „Don Juan\" (mit französischem\nTexte) studiren.\ncloit* Herr Mapleson, Director des Her Majesty's Theatre,\nhat den Tenoristen Mongini auf die ganze Saison mit 600 Pf. St.\nmonatlich engagirt. (Da Herr Mapleson beabsichtigt, Max\nBruch's „Loreley\" auf die Scene zu bringen, so könnte sich\nder Componist zu einem solchen Sänger des Pfalzgrafen Glück\nwünschen.\nJoachim ist in London für die Monday Populär Concerts\ngewonnen und ist im fünften Concerte (den 12. Februar) zum ersten\nMale aufgetreten in Mozart's Quintett in G-molly Haydn's Quartett\nin D-moll und mit Arabella Goddard in Beethoven's Sonate Op. 96\nfür Piano und Violine. Bisher vertrat Straus die erste Geige in\ndenselben Concerten."}]}