{"numero_id": "bm-bmtnabi-1866-03-03-01", "volume": "bmtnabi_1866-03-03_01", "ocr_sha256": "155a3aa1295e8ec747165d9ea5e117caca2790f4b84a111984a2249f584124b8", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1866/03/03_01/bmtnabi_1866-03-03_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660303-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1866-03-03-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-03-03_01#c001", "volume": "bmtnabi_1866-03-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "65", "page_fin": "65", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660303-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "65", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660303-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 401, "texte": "Inhalt.\nFranz Schubert's religiöse Compositionen. Aus Hamburg (Concert der Sing-Akademie). Von R. Aus Bremen\n(Theater Concerte). VIII. Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. (Schluss.) Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln,\nvierte Soiree für Kammermusik Aachen, fünftes Abonnements-Concert Hamburg, Julius Stockhausen Brüssel, Servais und Leonard\nLüttich, grosses Concert Rotterdam, deutsche Oper)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-03-03-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-03-03_01#c002", "volume": "bmtnabi_1866-03-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "65", "page_fin": "69", "image_debut": 1, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660303-01.2.2", "titre_corps": "Franz Schubert’s religiťöse Compositionen.", "titre_sommaire": "Franz Schubert’s religiťöse Compositionen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "65", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660303-01.1.1", "debut_caractere": 403, "fin_caractere_exclue": 4168, "texte": "Franz Schubert’s religiťöse Compositionen.\nEs lässt sich nicht anders erwarten, als dass ein so\nbegabter musicalischer Geist, wie Franz Schubert, dem\ndie Lieder-Melodieen so reichlich entquollen, auch zur\nComposition grösserer Vocalwerke sich gedrungen fühlte.\nDass er dazu, wie alle seine Vorgänger und Zeitgenossen,\nhauptsächlich religiöse und kirchliche Texte benutzte, geht\naus dem Ueberblicke seiner gedruckten und ungedruckten\nWerke und aus den Notizen über seine künstlerische Ent-\nwicklung— Beides in dem Buche: „Franz Schubert\" von\nDr. H. Kre issle, seinem neuesten Biographen—hervor.\nDie ersten Versuche in dieser Gattung gehören nach\nZeugnissen von Gewährsmännern schon in die Jahre, die\ner von 1808 an als Sängerknabe mit hübscher Sopran-\nstimme im Convict zubrachte; sie verstiegen sich selbst\nbis zu ganzen Messen, die er aber später vertilgte. Aus\nseinem fünfzehnten Jahre rührt ein und\nKyrie her, welches mit drei anderen Kyrie später auch\ngedruckt worden ist.\nAls Hülfslehrer in seines Vaters Elementarschule\nschrieb er im Jahre 1814 seine erste Messe in zur\nFeier des hundertjährigen Jubiläums der lichtenthaler\nPfarrkirche für vier Singstimmen und Orchester. Schu-\nbert, damals in seinem siebenzehnlen Jahre, dirigirte die\nAufführung, bei der Jos. Mayseder an der ersten Violine\nmitwirkte und eine Dilettantin von fünfzehn Jahren, The-\nrese Grob, mit einer Sopranstimme, die das hohe d mit\nLeichtigkeit anschlug, begabt, die Solo-Partie sang. Für\nsie schrieb Schubert auch ein Tantum ergo und ein Salve\nRegina*). Nach der Aufführung umarmte Sali er i den\njungen Componisten mit den Worten: „Franz, du bist\nmein Schüler, der mir noch viel Ehre machen wird.\"\nDie Messe wurde bald darauf in der Augustinerkirche\nwiederholt, ist aber nicht in Druck erschienen. Das Auto-\ngraph*) besitzt Dr. Schneider in Wien. Auch ein Salve\nRegina für Tenor (mit Violine, Viola, Contrabass, Oboe,\nFagott und Horn) ist aus dieser Zeit ebenfalls handschrift-\nlich bei Dr. Schneider vorhanden.\nIm Jahre 1815 schrieb der achtzehnjährige Jüngling\ndie Messe in G,welche als „eines der gediegensten Kir-\nchenwerke bezeichnet wird, das im grossen Ganzen selbst\nvon den später entstandenen Kirchen-Compositionen Schu-\nberts nicht mehr übertroffen worden ist; namentlich sind\ndas Kyrie, Credo und Agnuo von tiefer Conception\"\n(Kreissie, S. 61). Sie ist für vier Singstimmen und Orche-\nster ebenfalls für den lichtenthaler Chor componirt und\nist gedruckt in Prag bei Marco Berra erschienen, aber\nnicht mit F. Schubert's, sondern mit Robert Füh-\nrer's Namen**), der sie der Erzherzogin Maria Carolina,\nAebtissin des Stiftes am Hradschin, gewidmet hat. Wie\ndies zugegangen, darüber schweigt Dr. Kreissie, der obige\nnackte Notiz (S. 617) gibt.\nEine zweite Messe in für Chor und Orchester\naus demselben Jahre 1815 ist als Op. 141 in Wien bei\nHaslinger erschienen und wird in Wien öfter als andere\nMessen Schubert's aufgeführt. Ferner ein\nin Bfür Chor, Orchester und Orgel, Copie bei Spina in\nWien, und ein Magnificat (wo?).\n\n*) Sie lebt noch in Wien als frische, heitere Frau, seit zwan-\nzig Jahren Witwe des Bäckermeisters Bergmann,\n*) Nach den Notizen auf diesem Autograph schrieb Schubert\ndie Messe mit Unterbrechungen vom 17. Mai bis 22. Juli 1814.\n**) Robert Führer war Dom-Capellmeister in Prag und ein\nbedeutendes Talent; er galt für einen der hervorragendsten Kirchen-\nComponisten und starb, erst fünfzig Jahre alt, am 28. November\n1861 in Wien, wo er seine letzten Lebensjahre zubrachte, da ihn\neigene Verschuldung und Anderer Missgunst gezwungen hatten, seine\nStellung in Prag aufzugeben. Nach dem oben erwähnten Factum\nkann man freilich von seinem sittlichen Charakter keine vorteil-\nhafte Meinung fassen. Vgl. über ihn und Skraup Niederrh* Musik-\nZeitung, 1862, Nr. 16."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660303-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5301, "texte": "Das Jahr 1816 brachte'„die dritte (eigentlich vierte)\nMesse in C für Chor und Orchester, als Op. 48 bei\nDiabelli erschienen, das grosse Magnificat in C für Solo-\nQuartett, Chor und Orchester (das Autograph mit dem\nDatum 25. Sept. 1816 bei Spina), ein grosses kirchliches\nDuett mit kleinem Orchester in (Autograph ebenda-\nselbst), das Siabat Mater nach Klopstock's deutschem\nTexte, und Klopstock's Halleluja dreistimmig (mit Clavier-\nBegleitung in Lieferung 41 enthalten).\n„Unter diesen Rirchen-Compositionen ist das Stabat\nMater für Soli, Chor und Orchester die umfangreichste\nund unstreitig auch bedeutendste. Es besteht aus einer\nArie für Sopran, zwei Arien für Tenor und einer für\nBass, Duett für Sopran und Tenor, zwei Terzetten für\nSopran, Tenor und Bass, von denen das eine mit Chor,\nund fünf Chören. Die letzteren bilden den gelungensten\nTheil des ganzen Werkes und ist namentlich der Wechsel-\ngesang Nr. 5 zwischen Männer- und Frauenchor von\nschönem Ausdrucke. Auch das Sopran-Solo Nr. 2 und\ndas Terzett Nr. 10 sind in edlem, echt kirchlichen Stile\ngehalten und namentlich das erstere von ergreifender Wir-\nkung. Die Bass-Arie ist ganz mozartiscb.\" —Es trägt die\nAufschrift: „Februar 1816.\" Das Orchester besteht aus\nViolinen, Viola, Bass, Oboen und Posaunen. Im Jahre\n1841 wurde es zu Wien im Musikvereins-Saale aufge-\nführt, wobei Fräulein Tuczek, Lutz und Staudigl die Soli\nsangen; im Jahre 1858 kam in der Sing-Akademie das\nTerzett mit Chor zu Gehör, 1863 den 3. April das Ganze\nvollständig in der altlerchenfelder Kirche. Im Clavier-Aus-\nzuge von Ferdinand Schubert; Copieen bei Spaun und\nSpina. Nach dem vor Kurzem gemeldeten Tode des\nFreiherrn von Spaun ist vielleicht Hoffnung auf eine voll-\nständige Herausgabe zu hegen.\nAus den Jahren 1818 und 1819 sind nur ein\nRegina in A für Sopran und Streich-Instrumente und\neinige geistliche Gesänge handschriftlich vorhanden.\nIm Jahre 1820 entstand das Oratorium oder, wie\nSchubert selbst es genannt hat: die Oster-Cantate „La-\nzarus, oder die Feier der Auferstehung\". Der Text\nist aus den religiösen Gedichten von Aug. Herrn. Niemeyer\nin Halle genommen. Die Veranlassung zu dieser Compo-\nsition und alle dieselbe betreffenden äusseren Umstände\nsind selbst den nächsten und vertrautesten Umgebungen\nSchubert's, ja, einem grossen Theile von ihnen sogar die\nExistenz derselben unbekannt geblieben. Als ein Pröbchen\nvon der Verwahrlosung der Kinder der Schubert'schen\nMuse theilen wir Folgendes aus Kreissle's achtem Ab-\nschnitte mit:\n„Selbst nach mehr als dreissig Jahren nach des Com-\nponisten Tode wirkte die erste Kunde von der Existenz\neines Oratoriums von Franz Schubert noch immer über-\nraschend, obwohl die Original-Partitur der ersten „ „Hand-\nlung\"\" sich wahrscheinlich durch einen beinahe gleich\nlangen Zeitraum bereits in dem Besitze der Musicalien-\nhandlung Diabelli und Comp, (derzeit Spina) in Wien be-\nfunden hat. Es bedurfte der Entdeckung einer in der\nSpaun'schen Schubert-Sammlung enthaltenen Abschrift\ndieses Werkes durch den Verfasser dieses Buches im Jahre\n1860 und des im Spätherbste des darauf folgenden Jah-\nres eben demselben beschieden gewesenen Fundes des\ngrössten Theiles der Original-Partitur der zweiten „ „ Hand-\nlung\" \", um das Werk aus dem Dunkel, in dem es so\nlange gelegen, endlich ans Tageslicht zu fördern und (im\nMärz 1863) in Wien zur ersten öffentlichen Aufführung\nzu bringen.\n„Schon im Jahre 1859, als ich mich mit der „ „Bio-\ngraphischen Skizze\"\" beschäftigte, war mir bei der Durch-\nsicht der Witteczek'schen (Spaun'schen) Schubert-Samm-\nlung die Cantate „ „Lazarus\"\" bekannt geworden, deren\nauch in der „ „Skizze\"\" (S. 26 und 95) mit dem Bemer-\nken Erwähnung geschieht, dass von ihr nur die erste\nHandlung componirt sei. Ich zweifelte an der Richtigkeit\ndieser Angabe um so weniger, als dem Schubert-Enthu-\nsiasten Witteczek nicht leicht eine Composition seines\nFreundes (zumal eine bedeutendere) entging, und Ferdi-\nnand Schubert (dessen Unzuverlässigkeit hier abermals in\ngrellem Lichte erscheint) in seinen Aufzeichnungen nur\nvon Einer Handlung spricht. Bald aber sollte ich eines\nBesseren belehrt werden. Im Spätherbste 1861 lud mich\nder als musicalischer Schriftsteller geschätzte Herr Alexan-\nder Thayer aus Boston (derzeit der nordamericaniscben\nGesandtschaft in Wien zugetheilt) in seine Behausung ein\n(damals in Neu-Wien), um mir Schubert-Manuscripte vor-\nzuweisen. Da wurde mir bei der Durchsicht des Noten-\npackes, den mir der zuvorkommende Mann zur Verfügung\nstellte, eine freudige Ueberraschung zu Theil. Ich fand da-\nselbst die Original-Partitur der Opern „ „Alfonso und\nEstrella\"\", jene der „ „Zwillingsbrüder\"\", Streich-Quar-\ntette, Ciavierstücke, Lieder und die zweite Handlung\ndes „„Lazarus\"\", diese leider nicht ganz complet. Es\nschien mir geboten, von diesem Funde die Directions-Mit-\nglieder des Musik-Vereins, Herrn Dr. Bauer und Herrn\nHerbeck, in Kenntniss zu setzen, welchen es auch gelang,\nvon dem Besitzer der Manuscripte die Herausgabe dersel-\nben gegen angemessene Entschädigung im Rechtswege zu\nerwirken und sohin die sämmtlichen Autographe dem\nwiener Musikvereins-Archiv als eine werthvolle Bereiche-\nrung seiner Schätze einzuverleiben. Glücklicher Weise fand\nsich bei der W7itwe des Ferd. Schubert nachträglich noch\nein Heft von „ „Lazarus\"\" vor, womit ein passender Ab-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "67", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660303-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5202, "texte": "schluss gewonnen war. Weitere Forschungen nach dem\nletzten Bogen blieben bis jetzt resultatlos.\n„Ob der dritte, umfangreichste Theil, in welchem\nauch dem Chorgesange eine hervorragende Stelle ange-\nwiesen ist, von Schubert ebenfalls componirt wurde, dar-\nüber fehlt zur Stunde jeder Anhaltspunkt.\n„Die in der Cantate auftretenden Personen sind: Der\nBethanier Lazarus (Tenor), Maria und Martha, Schwe-\nstern des Lazarus (Sopran), Jemina, die Tochter des Jairus\n(Sopran), Nathanael, ein Jünger des Herrn (Tenor), und\nder Sadducäer Simon (Bass)*).\n„Jemina und Nathanael ausgenommen, deren Gesangs-\nPartieen minder umfangreich, aber musicalisch auf das\nschönste ausgestattet erscheinen, sind die übrigen hier auf-\ntretenden Personen von dem Dichter und dem Compo-\nnisten ziemlich gleichmässig bedacht. Letzterer hat sich in\ndem Texte mehrere Aenderungen erlaubt, durch welche\ner das Original für seine Zwecke gefügiger, mitunter auch\npoetisch bedeutsamer gestaltete.\n„Der musicalische Theil besteht— dem Gedichte ge-\nmäss aus Arien und Ariosen, Chören und Recitativen.\nDem Arioso und dem eigentlichen Recitativ ist aber in\ndieser Schubert'schen Tondichtung eine hervorragende\nStelle eingeräumt, gegen welche die dünngesäeten Arien\nund die zwei Chöre, welche jede der Handlungen ab-\nschliessen, entschieden zurücktreten.\"\nIm dritten Theile vermied der Dichter die Erschei-\nnung des Heilandes; die Erweckung des Lazarifc wird nur\nberichtet und geht aus der Handlung hervor.\nIn dasselbe Jahr 1820 fällt die Composition des 23.\nPsalmes: „Gott ist mein Hirt\" (Manuscript mit dem\nDatum: „December 1820\", wonach im Katalog bei\nKreissie S. 610 die Angabe von 1828 als irrthümlich\nerscheint), für vier weibliche Stimmen. Als Op. 132 ge-\ndruckt, auch für Männerstimmen eingerichtet. Zu dersel-\nben Form gehört der religiöse Gesang: „Gott in der\nNatur\", für vier Frauenstimmen 1822 als Op. 133 er-\nschienen.— Auch den achtstimmigen Männerchor mit Or-\nchester von Streich-Instrumenten, Goethe's „Gesang der\nGeister über den Wassern\" kann man zu den religiösen\nGesängen rechnen; er rührt ebenfalls aus 1820 her und\nist als Op. 167 bei Spina erschienen. Bei der ersten Auf-\nführung Hess er die Zuhörer ganz kalt; die Allg. Musik-\nZeitung (N. 23, 1821) nannte ihn „ein Accumulat aller\nmusicalischen Modulationen und Ausweichungen ohne Sinn,\nOrdnung und Zweck\". Bald darauf gefiel er sehr in einem\nPrivatcirke!; dennoch kam er bis 1858 nicht mehr zur\nAufführung, wo ihn der wiener Männep-Gesangverein\nzwei Mal mit grossem Beifalle gab. Wir machen die Män-\nner-Gesangvereine darauf aufmerksam.\nIm Jahre 1822 schrieb Schubert die vierstimmige\nMesse in As,eine der bedeutendsten von seinen Kirchen-\nCompositionen. Das Autograph besitzt der wiener Musik-\nverein.— Aus dem Jahre 1823 finden wir bloss ein Offer-\ntorium für Sopran oder Tenor mit Quartett- oder Ciavier-\nBegleitung, als Op. 153 erschienen. Uebrigens war die-\nses Jahr in anderer Hinsicht eines der fruchtbarsten: „Die\nschöne Müllerin\", die Opern „Rosamunde\", „Fierabras\",\n„Der häusliche Krieg\" entstanden in ihm. Aus 1824\nrührt das bekannte Salve Regin für Männerstimmen (mit\nOrgel ad libitum), als Op. 149 gedruckt, her.\nEine, deutsche Messe in Text von Professor\nJoh. Phil. Neumann, componirte Schubert im Jahre 1827\n(ursprünglich für die Schüler des Polytechnicums) für\nChor und Orgel oder mit Begleitung von Oboe, Clarinette,\nHorn, Posaune und Contrabass. Sie besteht aus acht Sätzen.\nAls Einleitung dazu hatte er in derselben Weise „das\nGebet des Herrn\" in Musik gesetzt. Eine Copie besass\nFreiherr von Spaun. Für Männerstimmen eingerichtet,\nwird sie, wie Kreissie meldet, noch jetzt in Wien mit\nOrgelbegleitung gesungen.\nIn seinem letzten Lebensjahre, 1828, gestaltete sich\nFranz Schubert's Thätigkeit zu einer in Hinblick auf Zahl\nund Bedeutung der von ihm geschaffenen Werke ganz er-\nstaunlichen. Es schien, als wollte er, von einer Ahnung\nseines nahen Endes bewegt, noch seine ganze Kraft zu-\nsammenraffen, um auch von jenen Zweigen der musicali-\nschen Kunst den Lorber sich zu holen, wo ihm dieser noch\nvorenthalten wurde. Die grosse Sinfonie in die grosse\nMesse in Es, das herrliche Streich-Quintett in C, die\nCantate „Mirjam's Siegesgesang\", in welchem Schu-\nbert's Eigenthümlichkeit sich mit Händel'scher Grösse ver-\nbindet, die achtstimmige „Hymne an den heiligen\nGeist\", die letzten drei Clavier-Sonaten, welche er Hum-\nmel widmen wollte*), durchweg hervorragende Werke,\nentstanden in rascher Aufeinanderfolge. Ihnen reihen sich\nan: eine Kirchen-Arie für Tenor-Solo mit Chor, ein\nTantum ergo,die Cantate „Glaube, Hoffnung und\nLiebe\", der 92. Psalm, endlich mehrere Lieder.\n„Mirjam's Siegesgesang\", Text von Grillparzer,\nfür Sopran-Solo und Chor mit Clavier-Begleitung, die spä-\nter von Franz Lachner instrumentirt ist (zuerst 1858 in\nWien also aufgeführt), ist als Op. 136 veröffentlicht.\n\n*) In der ersten Aufführung des „Lazarus\" in Wien (am 27.\nMärz 1863) unter der Leitung des Herrn Johann Herbeck wirkten\nals Solisten mit: Fräulein Tellheim (Maria), Fräulein König (Martha),\nFrau Wilt (Jemina), Herr Olschbauer (Lazarus), Herr Schultner\n(Nathanael) und Herr Meyerhofer (Simon).\n*) Sie wurden später von den Verlegern R. Schumann dedicirt.\n[*J"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660303-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5413, "texte": "Die „Hymne an den heiligen Geist\" ist für acht-\nstimmigen Männerchor mit Harmonie- oder Clavier-Be-\ngleitung geschrieben, als Op. 154 gedruckt und ragt\nüber die ähnlichen Cantaten bedeutend hervor.—Die Can-\ntate „Glaube, Hoffnung und Liebe\", Text von Friedrich\nReil, hat Schubert zur Weihe der neuen Glocke in der\nDreifaltigkeitskirche in der Aiser Vorstadt als Chor für\nMännerstimmen, zu welchem zuletzt Sopran und Alt hin-\nzutreten, mit Begleitung von Oboen, Clarinetten, Fagott,\nHörnern und Posaunen geschrieben. Sie besteht nur aus\n26 Tacten und ist nicht gedruckt.\nDer 92. Psalm ist auf hebräischen Text fünfstimmig\ngeschrieben, und zwar für Sopran, Alt, zwei Baritone und\nBass. Er ist noch nicht gedruckt; Abschriften mit deut-\nscher Uebersetzung, die zur Musik eingerichtet ist, besass\nvon Spaun und besitzt Frau Dr. Lumpe in Wien, wo auch\ndas Original mit dem hebräischen Texte noch im Besitze\ndes israelitischen Cantors Jul. Sulzer vorhanden ist*).\nUeber die Kirchen-Compositionen Schubert's im All-\ngemeinen spricht sich Dr. Kreissie folgender Maassen aus,\nwozu wir nur bemerken, dass die letzte grosse Messe in\nEs-dur noch nicht veröffentlicht war, als Kreissie sein\nBuch schrieb.\n„Der innere Werth dieser Compositionen erhebt sich\nfreilich nicht bei allen zu gleicher Höhe; denn während\ndie Offertorien, die Graduale u. s. w. sich als leicht hin-\ngeworfene, wenngleich in melodiöser Beziehung reich aus-\ngestattete Tonstücke von minderer Bedeutung darstellen,\nbeanspruchen mehrere Messen wenigstens zum Theil ver-\nmöge ihrer Schönheit in der Form und ihres echt religiö-\nsen Ausdrucks die volle Beachtung des Kunstfreundes.\n„Die im Ganzen genommen bedeutendste der (be-\nkannt gewordenen) Schubert'schen Messen ist jene in\ncomponirt im Jahre 1815 von dem damals achtzehnjäh-\nrigen Jüngling und darum vor Allem geeignet, von der\nwunderbar rasch entwickelten Reife unseres Tondichters,\ndie sich merkwürdig genug gerade in einem Ton-\nwerke religiösen Charakters manifestiren sollte, glänzendes\nZeugniss zu geben.\n„Das Kyrie der 6r-Messe beginnt vierstimmig mit\neiner jener unscheinbaren Weisen, wie sie Schubert auch\nanderwärts vorzuführen liebt, um sie allmählich schön und\nbreit sich ausgestalten zu lassen. Ungeachtet der G-dur-\nTonart ist die in dem Kyrie eleison waltende Stimmung\neine vorwiegend wehroülhige und gewinnt nur flüchtig—\nin Folge einer Wendung von der Tonica zu ihrer Domi-\nnante eine etwas heitere Färbung. Das erste Thema,\nan das bekannte Segenlied „ „Heilig\"\" gemahnend, tritt\nin den Vordergrund und tönt in G-dur aus. Nun intonirt\njede der vier Gesangstimmen selbständig eine in der\nTonart sich bewegende Melodie, der Klageruf des\nsteigert sich zu sehnsüchtigem Drange, bis er in chroma-\ntischer Bewegung auf dem Dominant-Orgelpunkte in\nanlangt, dessen die Melodie führende Oberstimme vom\nBass tactweise nachgeahmt wird. Sofort leitet das Musik-\nstück wieder in die Haupt-Tonart über, der bereits vor-\nübergezogene Inhalt kehrt abermals wieder, um in be-\nschwichtigend ruhigen Accorden diesen ersten Theil abzu-\nschliessen. Das Gloria hält sich vorwiegend in conventio-\nnellem Kirchenstil; das Gratias darin erfreut durch eine\njener lieblichen MeJodieen, wie solche Schubert's Füllhorn\nentströmen; das Quoniam aber, an sich musicalisch schön,\nträgt Mozart-Haydn'sches Gepräge, und dieser ganze Tbeil,\netwas flüchtig und ängstlich (?) ausgeführt und nur hier und\nda die Eigentümlichkeit des Tondichters hervorkehrend,\nschliesst in unverkennbar gezwungener Weise ab. Nun\nfolgt das Credo,ein mächtiger, lang und breit gestreckter\nChoral, der, obschon 'pianovorzutragen, doch mit sanfter\nGewalt voll und kräftig aus dem Innern tönt. Die contra-\npunktische Behandlung des Tonstückes, das Arbeiten der\nübrigen Stimmen gegen den Choral, die Chor- und Or-\nchester-Begleitung zu dem von Tact zu Tact sich steigern-\nden Gesänge, die sinnige Charakterisirung der einzelnen\nTheile des Glaubensbekenntnisses von sanfter Klage bis\nzu lautem Jubel, endlich die schöne Umkehr zu dem Haupt-\nThema und seiner vollständigen Entwicklung in der schon\nda gewesenen Art, so mancher werthvollen Einzelzüge\nnicht zu gedenken, machen dieses Kirchenstück zu einem\nder bedeutendsten, die geschrieben worden sind.\n„Das Sanctusbietet keine hervorragenden Momente;\ndagegen stellt sich das Benedictus, ein inniger Lobgesang,\nan welchem in canonischer Stimmführung alle, mit Aus-\nnahme der Altstimme, Theil nehmen, als ein Tongewebe\nvon zartem, lieblichem Charakter dar, das selbst unter\nSchubert's schönen lyrischen Ergüssen eine hervorragende\nStelle behauptet. Auf gleicher Höhe, wie das Benedictus,\nerhält sich das Agnus Dei, dessen an Rückungen und\nVorhalten reiches Vorspiel einer andächtig elegischen Stim-\nmung schönen Ausdruck verleiht, der durch den Wechsel-\ngesang der Solisten noch gesteigert wird. Die merkwür-\ndige Folge der Tonarten, welche das durchläuft,\n\n*) Aus dem Jahre 1815 herrührend, sind nachzutragen: „Gott\nim Ungewitter\", „Gott der Weltschöpfer\" und Schiller's\n„Hymne an den Unendlichen\" Quartette für Sopran, Alt,\nTenor und Bass mit Clavier-Begleitung, Op. 112.\n**) Diese Messe gehört (im Gegensatze zu der As- und Es-\nMesse) zu den kleinen. Sie ist für vier Singstimmen mit Beglei-\ntung von Violinen, Viola, Bass (Orgel) und Trompeten und Pauken\nad libitum geschrieben. Der umfangreichste Theil (188 Tacte) ist\ndas Credo. Schubert hat die Messe am 2. März begonnen und\nam 7, März beendet."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "69", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660303-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 812, "texte": "die charakteristische Begleitung (namentlich das Seufzen\nder tief gehaltenen Bratschen), die homophone Weise des\nKlageliedes, welche sodann dem mehrstimmigen Gesänge\nweicht, endlich das freudig erregte Dona nobis und der\nAbschluss des Ganzen durch das Kyrie der Messe sichern\nauch diesem letzten Theile ein ungeschmälert hohes In-\nteresse.\n„Nebst der 6r-Messe sind auch jene in B und in\nvon nicht zu unterschätzendem musicalischen Werthe. Das\nGloria und Agnus in dem erstgenannten Kirchenwerke,\nvor Allem aber das Credo, und in diesem wieder das In-\ncarnatus in der J.s-Messe, erheben sich in jeder Beziehung\nweit über die Kirchen-Compositionen gewöhnlichen Schla-\nges; das Incarnatus in der reiht sich unbedingt\ndem Bedeutendsten an, was die moderne katholische Kir-\nchenmusik aufzuweisen hat.\"\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-03-03-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-03-03_01#c003", "volume": "bmtnabi_1866-03-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "69", "page_fin": "69", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660303-01.2.3", "titre_corps": "Aus Hamburg.", "titre_sommaire": "Aus Hamburg.", "signature_source": "R", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "69", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660303-01.1.5", "debut_caractere": 814, "fin_caractere_exclue": 4046, "texte": "Aus Hamburg.\nR.\nWir haben Ende Januar hier ein Concert der Sing-\nAkademie von Julius Stockhausen gehabt, welches\ndurch die treffliche Aufführung zweier Meisterwerke:\n„Die erste Walpurgisnacht\" von F. Mendelssohn-\nBartholdy und die neunte Sinfonie von Beethoven\ndem Publicum, das den grossen Sagebiel'schen Saal füllte,\neinen erhebenden Kunstgenuss bereitete.\nDen Chor bildete in beiden Werken die Sing-Akade-\nmie des Herrn Stockhausen, und ihre in der That recht\ntüchtigen Leistungen erschienen als Höhepunkt der ganzen\nAufführung. Die Stimmen sind nicht allein gut und auch\nfür den grossen Saal hinlänglich zahlreich besetzt, sondern\nauch gut geschult; man merkt den Einfluss eines Leiters,\nder selbst vortrefflicher Sänger ist. Die Einsätze waren\nstets fest, präcis und frisch; man hörte jederzeit einen be-\nstimmten, einmüthigen Anschlag des Tones, nicht das be-\nkannte schüchterne Eintreten einzelner Koryphäen, denen\ndann erst allmählich die Nachzügler sich zugesellen. Da-\nbei gab sich Alles recht frei, leicht, schwunghaft und mit\nAusdruck, wirklich wie von innen heraus, in der Decla-\nmation und Rhythmik prägnant, während zugleich die\nDeutlichkeit der Aussprache erfreute, jedes Wort verstanden\nwurde. Der Gesammtklang hatte neben steter Reinheit Fülle\nund Sonorität und edle Färbung; der Bass schritt markig\nund fest einher, der Sopran zeigte häufig recht frischen\nGlanz. Sogleich der erste Chorder Walpurgisnacht wirkte\nangenehm durch Belebung und frische Farbe, und nicht\nminder befriedigten die übrigen Chornummern; überall\nfand man feste Haltung, Sicherheit und musicalisches Ver-\nständniss. Eben dasselbe gilt von der Cb r-Partie der Sin-\nfonie, womit nicht wenig gesagt ist; denn um Einhaltung\nder Gesetze guter Vocalität hat Beethoven nicht sonderlich\nsich bemüht, vielmehr ist er unbekümmert um alle Sang-\nbarkeit seinen Ideen nachgegangen, welche, wenn auch\nan sich bedeutend und sinnvoll, doch stellenweise, wenn\nder Chor nicht sehr gut ist, gar leicht in wahre Schreck-\ngestalten sich verwandeln können. Nicht so in diesem\nFalle: der Chor griff alle Schwierigkeiten muthig an und\nüberwand sie mit Glück; selbst das berüchtigte, dreizehn\nTacte lange Aim Sopran blieb rein und wohlklingend,\neben so die darauf folgende Stelle im „Brüder über'm\nSternenzelt\" (Part, bei Schott, S. 195), ferner „Deine\nZauber\", „Küsse gab sie uns\" u. s. w. „Seid umschlun-\ngen\" machte prachtvolle Wirkung (namentlich zeichnete\ndas Unisono der Bässe und Tenöre mit den Posaunen sich\naus), dessgleichen das „Freude\" u. s. w. (S. 160). Nur\nim Chor mit den zwei Themen S. 117)\nwurden die Stimmen mitunter durch das Orchester ge-\ndeckt und blieben nicht immer verständlich. Im Ganzen\nist dem Chor demnach eine unumwundene Anerkennung\nauszusprechen.\nIn der Walpurgisnacht sang Herr Director Stockbau-\nsen selbst den Barden, folglich bedarf es keiner Schilde-\nrung des Eindrucks dieser prachtvollen Partie. Die neunte\nSinfonie leitete derselbe mit dem Verständnisse und der\nSicherheit, die wir an ihm kennen und die er allen Mit-\nwirkenden mitzutheilen weiss. Das Orchester that das\nMögliche, namentlich imponirten die Recitative der Bässe\n(sieben Contrabässe und acht Violoncelle) im Finale; das\nganze Concert hatte etwas Musikfestartiges."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-03-03-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-03-03_01#c004", "volume": "bmtnabi_1866-03-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "69", "page_fin": "70", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660303-01.2.4", "titre_corps": "Aus Bremen.", "titre_sommaire": "Aus Bremen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "69", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660303-01.1.5", "debut_caractere": 4048, "fin_caractere_exclue": 4846, "texte": "Aus Bremen.\nDen 25. Februar 1866.\nDie verflossene musicalische Woche war an interes-\nsanten Abenden fast überreich. Sie begann mit der Wie-\nderauffübrung des Wagner'schen „Lohengrin\", der seit\neiner Reihe von Jahren geruht hatte. Dann folgte im\nUnionssaale das Sinfonie-Concert, unterstützt durch Vor-\nträge der Liedertafel; hierauf im grossen Börsensaale eine\nWiederholung des Concertes der „Neuen Liedertafel\" mit\nverändertem Programm der ersten Abtheilung und in der\nzweiten abermals Max Bruch's Frithjofs-Scenen, aber mit\neinem durch den Zutritt der älteren Liedertafel vergrös-\nserten Chor und mit dem Coroponisten als Dirigenten sei-\nnes Werkes. Den Schluss der Woche endlich machte in\nder Oper die Aufführung des „Postillon von Lonjumeau\"\nmit Dr. Gunz als Gast. Bezüglich des „Lohengrin\" sei"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "70", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660303-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3728, "texte": "vorläufig erwähnt, dass die Oper üeissig einstudirt, in\nChor und Orchester gut ausgestattet war und die Haupt-\nPartieen mit warmer Hingebung an das Werk gesungen\nwurden. Die Vertreter der Hauptrollen waren Fräulein\nEhrhardt, Fräulein Lehmann, Herr Mayr und Herr\nLang. Das Orchester-Programm des Sinfonie-Concertes\n(Beethoven's Eroica,Mendelssohn's Hebriden- und We-\nber's Euryanthen-Ouverture) war ein tadelloses und die\nAusführung von gewohnter Tüchtigkeit; unter den Lieder-\ntafel-Chören befanden sich auch zwei neue Compositionen\nReinthaler's. Der Empfang des Gastes im letzten\nConcerte, Herrn Max Bruch, von Seiten des sehr zahl-\nreichen Publicums war natürlich ein recht warmer und\nlebhafter; die Ausführung der Chöre hatte selbstverständ-\nlich gewonnen, und gleicher Weise kam das Orchester\nmehr zur Geltung. Die Partie der Ingeborg sang wieder\nFrau Mayr-Olbrich, von der ausserdem in der ersten\nAbtheilung die grössere Sopran-Arie aus der „Schöpfung\"\nsehr husch und sehr beifällig vorgetragen wurde. Herr\nStägemann in Hannover, der abermals den Frithjof\nübernommen hatte, war leider in letzter Stunde verhindert\nworden, sein Wort zu lösen; um so dankenswerther da-\nher der Ersatz, der ihm aus den hiesigen musicalischen\nKreisen gegeben ward. Das Programm und die Ausfüh-\nrung der ersten Abtheilung waren der zweiten mehr ent-\nsprechend, als das vorige Mal; den Anfang machte We-\nber's Jubel-Ouverture, welche, im Ganzen trefflich ausge-\nführt, eine würdige Einleitung des Concertes bildete. Un-\nter die Chorsachen war anstatt der Kreutzer'schen Vater-\nlandslieder Dürrner's „Sturmbeschwörung\" aufgenom-\nmen; die Composition ist nicht hervorragend, der pompöse\nTitel lässt mehr erwarten. Fischer's „Studenten-Nachtlied\"\nmit theilweiser Orchester-Begleitung verfehlte auch dies-\nmal seine Wirkung nicht; desselben Componisten „Mee-\nresstille\" und „Glückliche Fahrt\" wurde wieder trefflich\ngegeben; die Steigerung vom zum in dem Schluss-\nsatze war jedoch wieder nicht vollkommen nuancirt. Das\nInteresse des Abends concentrirte sich natürlich auf die\nFrithjofssage von Maxßruch, und zwar um so mehr,\nals das Werk mit verstärktem Chor und unter des Com-\nponisten eigener Leitung gegeben wurde. Durch den Hin-\nzutritt der alten Liedertafel war die Sängermasse auf un-\ngefähr 150 angewachsen. Nach des Componisten Bekennt-\nniss reiht sich diese.Aufführung den beiden besten, welche\nauch unter seiner Leitung Statt fanden, nämlich der aache-\nner und der wiener, würdig an. Herr Bruch entwickelte\nbei seiner Leitung ein ausgezeichnetes Directions-Talerit; er\ndirigirte ohne Partitur. Das Werk, dessen Stoff und musi-\ncalische Behandlung eine vollkommen gediegene ist, halte\neinen durchschlagenden Erfolg; dazu trägt wesentlich bei,\nDass Bruch die Kunst, Contraste von Schatten und Licht\nin ausreichendem Maasse anzubringen, vortrefflich gehand-\nhabt hat; in den mächtigen Männergesang ist dann ausser-\ndem, was wesentlich war, der Gegensatz der sanften weib-\nlichen Stimme der Ingeborg hineingetragen. Der Beifall\ndes sehr zahlreichen Publicums steigerte sich nach jeder\nScene. Am Schlüsse gab es ein allgemeines Bravo mit\nHervorruf, Orchestertusch und musicalischem Hoch des\nChors.\nUeber die Privat-Concerte nächstens mehr. Ueber-\nmorgen haben wir das neunte, worin zwei Damen eine\nbedeutende Rolle spielen, oder vielmehr singen und spie-\nlen werden. Fräulein Asminde Übrich aus Hannover\nwird Arien von Mozart und Rossini und Lieder von Men-\ndelssohn und Taubert singen, und Fräulein Dekner, die\ntalentvolle ungarische Geigerin, Mendelssohn's Concert\nund ungarische Volkslieder von Remenyi spielen. Dazu\nSchumann's dritte Sinfonie in Es, die am wenigsten popu-\nläre von allen, auf deren Erfolg beim Publicum wir neu-\ngierig sind."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-03-03-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-03-03_01#c005", "volume": "bmtnabi_1866-03-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "70", "page_fin": "71", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660303-01.2.5", "titre_corps": "Achtes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller.", "titre_sommaire": "Achtes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "70", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660303-01.1.6", "debut_caractere": 3730, "fin_caractere_exclue": 5518, "texte": "Achtes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn\nFerdinand Hiller.\nDinstag, den 20. Februar 1866.\n(Schluss. S. Nr. 8.)\nWir hoben (am Schlüsse des Concertberichtes in Nr. 8) hervor,\ndass der Artikel über Goldmark's Sakontala-Ouverture in der wiener\nZeitung „Vaterland\" wenigstens erwähne, dass die Aufnahme der-\nselben beim Publicum eine getheilte gewesen. Leider wird selbst\ndas rein Historische, Thatsächliche die Aufnahme eines Werkes\n.beim Publicum oder bei Concert-Directionen von der Coterie-\nKritik oft genug, wenn es der Parole auf Lobpreisung widerspricht,\nwenigstens verschwiegen, wenn nicht gar verfälscht. Es ist also\nbereits dahin gekommen, dass ein ehrliches Verfahren, das sich von\nselbst versteht, gerühmt werden muss, ja, in besonderen Fällen so-\ngar Erstaunen erregt! *)\n\n*) Diese Erfahrung haben wir -vor Kurzem bei Gelegenheit un-\nseres Berichtes über die „Serenade\" von Brahms gemacht, worüber\nwir von vielen Seiten nicht nur mündliche, sondern sogar schrift-\nliche anerkennende Zustimmung erhielten. Seine aufrichtige Mei-\nnung zu sagen, muss also eine seltene Erscheinung geworden sein.\nAus diesen Mittheilungen von auswärts ergab sich denn auch, dass\ndasselbe Werk in Leipzig, wo es bereits auf dem gedruckten Pro-\ngramme eines Gewandhaus-Concertes gestanden, nach der Probe\ntrotzdem wieder zurückgelegt worden, und dass in Dresden und\nin München dasselbe geschehen sei. Somit wären denn nach dem\nAusspruche der leipziger Allgemeinen Zeitung (welcher doch das\nFactum von Leipzig bekannt sein musste!) Männer wie Reinecke,\nRietz, F. Lachner und ihre Collegen in den betreffenden Con-\ncert-Vorständen ebenfalls „dem alten Schlendrian\" verfallen! Nun,\nwir sind mit so ehrenvoller Gesellschaft ganz zufrieden. L. B."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660303-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4001, "texte": "Doch kehren wir zu erfreulicheren Ergebnissen des achten\nConcertes im Gürzenich zurück, welche es vom Anfange mit der\nklaren, anmuthigen Sinfonie Haydn's an bis zum Schlüsse mit der\ngrossen Leonoren-Ouverture Beethoven's in reichem Maasse brachte.\nBeide Orchesterstücke wurden vorzüglich gut ausgeführt, und mehr\nbedarf es nicht, um unser „zurückgebliebenes\" Publicum durch\nsolche Compositionen zu erfreuen und zu erheben, so dass es auf\neinmal auf den stürmenden Wogen des Applauses „vorwärts\" kommt.\nSchliessen wir hier gleich das Spohr'sche Violin-Concert in D-moll\nan, so sind wir so dreist, es ebenfalls für eine ausserordentlich\nschöne Composition zu halten und sind mit gesteigerter Theilnahme\nund stets wachsender Spannung dem ausgezeichneten Vortrage der\nHauptstimme durch Herrn Concertmeister Leopold Auer gefolgt,\nwelcher zu einem Meister auf seinem Instrumente herangereift ist,\nder mit vollem Rechte in die Reihe der Besten tritt. Herrn Auer's\neminente Technik hatten wir schon öfter Gelegenheit zu bewundern\nund zu rühmen, allein sein jetziges Spiel und vor Allem der Vor-\ntrag des gesangreichen Adagio hat -gezeigt, dass der Virtuose trotz\nseiner Jugend zu einem Künstler geworden ist. Düsseldorf kann\nauf ihn stolz sein, und wir wollen hoffen, ihn noch länger zu den\nKünstlern zählen zu können, welche die Blüthe des Musiklebens\nam Rheine darstellen und unsere Musikfeste zieren.\nDen Sologesang vertrat Fräulein Friederike Grün, früher\neines der beliebtesten Mitglieder unserer Bühne, gegenwärtig Sän-\ngerin am Hoftheater zu Kassel und zur nächsten Saison für die\nkönigliche Oper zu Berlin engagirt. Fräulein Grün hat sich zu einer\nSängerin heraufgebildet, welche die herrlichen Mittel, die ihr die\nNatur durch eine jugendfrische, voll- und wohllautende Mezzo-So-\npranstimme verliehen hat, welche ohne alle Anstrengung die gröss-\nten Räume füllt, wie sich das hier in dem Gürzenichsaale wieder\ngezeigt hat, durch fleissige Gesang- und Bühnenstudien bereits so\nausgebildet hat, dass sie, da sich das musicalische Talent auch mit\neiner schönen Persönlichkeit verbindet, für die dramatische Lauf-\nbahn geboren erscheint und jedenfalls einer bedeutenden Zukunft\nauf dieser Laufbahn entgegen geht. Da sie ganz und gar für die\nBühne lebt und webt, so mochte daher wohl ihre Wahl der zwei\nArien (der Anna in Marschner's „Hans Heiling\" und Carlo Broschi's\nzweite Arie von Auber) für ein Concert nicht die geeignetste sein:\ndennoch ärntete sie durch den Vortrag, der die glänzenden Eigen-\nschaften des Organs und des dramatischen Ausdrucks geltend\nmachte, grossen Applaus und Hervorruf.\nUeber Eranz Schubert's Messe in Es siehe den ersten Ar-\ntikel der heutigen Nummer.\nNeu war ferner ein Gesangstück kleineren Umfangs von C. Jos.\nBrambach: „Trost in Tönen\", aus dem Englischen von Her-\nder, für Chor und Orchester componirt. Es ist immer eine schwie-\nrige Aufgabe, einen Text, der die Verherrlichung der Musik aus-\nspricht, in wirkliche Musik zu setzen, die den Worten entspricht.\nCompositionen wie „Der erste Ton\" von Weber, „Die Macht der\nTöne\" von Winter, selbst „Die Weihe der Töne\" von Spohr liefern\nBeweise. Brambach hat die Klippen, die ein solcher Text für den\nMusiker hat, glücklich umschifft und ein recht liebliches Gesang-\nstück von melodischem Fluss in anspruchsloser Form gegeben, das\nmit Beifall aufgenommen wurde. (Vgl. Jahrg. 1865, Nr. 16.)\nSchliesslich erfüllen wir noch eine angenehme Pflicht, wenn\nwir der vortrefflichen Leistungen des Herrn Capellmeisters Barg-\nhe er gedenken, der in der musicalischen Gesellschaft das Violin-\nConcert von Beethoven und Tartini's Teufels-Sonate mit schö-\nnem Tone, wohlthuender Reinheit und eminenter Fertigkeit bei\nrauschendem Applaus vortrug. Das schöne Instrument, auf dem er\nspielte, das dem Vernehmen nach ein Bestandtheil der berühmten\nSammlung italiänischer Geigen im Besitze des Fürsten von Schaum-\nburg-Lippe, eines ausgezeichneten Kunstbeschützers, ist, trug nicht\nwenig zu dem Erfolge in den Händen eines solchen Künstlers bei."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-03-03-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-03-03_01#c006", "volume": "bmtnabi_1866-03-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "71", "page_fin": "72", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660303-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660303-01.1.7", "debut_caractere": 4003, "fin_caractere_exclue": 7115, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMfiln. Am Dinstag den 27. v. Mts. hörten wir in der vier-\nten Soiree für Kammermusik durch die Herren Jap ha,\nDerckum, von Königslöw und A. Schnait das Violin-Quartett\nin D-dur von F. Mendelssohn und das Quartett Op. 59 Nr. 2\nin E-moll von Beethoven, beide in vortrefflichem Vortrage, der\nnur bei dem Mendelssobn'schen vielleicht etwas energischer hätte\nsein können, weil der Stil der Composition sich an und für sich\nschon sehr zur Glätte und Eleganz hinneigt; indess mag uns das\nauch nur im Gegensatze zu Beethoven mehr aufgefallen sein. Zwi-\nschen beiden spielte Herr Isidor Seiss die grosse O-cZwr-Sonate\nOp» 53 von Beethoven für Pianoforte mit technisch vollendetem\nund feurigem Vortrage eine eminente Leistung, die den lebhaften\nBeifall und Hervorruf sehr wohl verdiente.\nIn nächster Woche wird Frau Louise Dustmann ihr Gast-\nspiel auf dem Stadttheater beginnen, dem Vernehmen nach mit der\nLeonore in „Fidelio\". Im Laufe desselben werden wir den seltenen\nGenuss haben, eine Gluck'sehe Oper, die „Iphihenie auf Tauris\",\nzu sehen.\nÄaciiefil, 23. Februar» Die Reihe der Abonnements-Concerte\nwurde durch das gestrige fünfte in schönster Weise fortgesetzt und\nliess nur einen Wunsch unerfüllt: eine lebhaftere Theilnahme des\nPublicums. Es ist dieses letztere um so auffallender, als von Seiten\nder Direction ein reiches Programm aufgestellt und ausserdem ein\nhervorragender Gast gewonnen war. Düsseldorf hat uns im Laufe\ndieses Winters zwei solcher Gäste herübergesandt, die Herren\nde Sweert und Leopold Auer, zwei Künstler, auf welche die\nMusenstadt stolz sein kann. Herr Auer, den wir gestern kennen,\noder richtiger gesagt, von Neuem schätzen lernten, ist ein würdiger\nSchüler seines grossen Meisters Joachim und längst als solcher an-\nerkannt, als dass es noch langer Lobeserhebungen bedürfte. So\nrein, so correct und doch so voll Genialität und Poesie hört man\ndie Geige selten behandeln, und der rauschende Applaus und Her-\nvorruf, welcher dem Künstler zu Theil wurde, bewies, wie empfäng-\nlich das Auditorium für das wundervolle Spiel desselben war.\nDer Chor, der dieses Mal nur zwei kleinere Compositionen von\nHaydn und Beethoven vortrug, schien auf seinen Lorbern auszu-\nruhen : Alt und die Männerstimmen waren namentlich schwach ver-\ntreten und wollten vermuthlich Kräfte sammeln für die bevorstehende\n„Passion\". Um so besser war unser Orchester aufgelegt und leistete\nin der Sommernachtstraum-Ouverture und in der Schumann'schen\nSinfonie (B-dur) Ausgezeichnetes. Die letztere, welche zu den\nschönsten, kräftigsten Compositionen des Tondichters gehört, den\neinzelnen Instrumenten jedoch vielfache Schwierigkeiten bietet,\nwurde namentlich vorzüglich ausgeführt und zeugte von einer äus-\nserst gewissenhaften, fleissigen Einstudirung Seitens unseres Musik-\nDirectors Herrn Breunung, dem dafür besondere Anerkennung\ngebührt. Bevor wir schliessen, bleibt uns noch eine Pflicht zu\nüben, nämlich unser Bedauern über den Entschluss auszudrücken,\nden unser achtungswerther Bürgermeister, Herr v. Pranghe, bekun-\ndet, die Functionen als Präsident des Musik-Comite's u. s. w. nie-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660303-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2250, "texte": "derzulegen, die derselbe Jahre lang mit einem Eifer, einer Hinge-\nbung und mit einem unbestreitbaren Erfolge für unsere Concerte\nbekleidete, und die sicherlieh die höchste Anerkennung verdienen.\nDie in letzterer Zeit unseren Concerten von anderer Seite in den\nWeg gelegten Schwierigkeiten scheinen den Rücktritt des Mannes\nveranlasst zu haben, der es sich sicherlich zu einem nicht geringen\nVerdienste anrechnen darf, unserem Orchester die definitive Lö-\nsung der Versorgungscassen-Frage verschafft zu haben.\n* Hamburg« Julius Stockhausen ist in diesen Tagen\nnach Petersburg abgereist, wo er zu zwei Concerten der philhar-\nmonischen Gesellschaft engagirt ist und auch ein eigenes Concert\ngeben wird. Die von ihm hier in Hamburg errichtete Gesang-\nschule ist in voller Blüthe, und die Leitung der Sing-Akademie\nhat während der Zeit seiner Abwesenheit, die jedoch nur bis Mitte\nMärz dauern wird, Herr Musik-Director Grädener übernommen.\nBrümsel« Grosses Aufsehen in der brüsseler musicalischen\nWelt macht die Neuigkeit, dass die Herren Servais und Leonard\nbeschlossen haben, ihre Stellung am hiesigen Conservatorium aufzu-\ngeben und sich in Paris niederzulassen.\n* Xiütöicli, 25. Februar. Gestern veranstaltete die Societe\nlibre Simulation ihr erstes grosses Concert. Alfred Jaell spielte\nBeethoven's jEfc-eZwr-Concert und in der zweiten Abtheilung das\nConcertstück von F. Hiller, das ihm vom Componisten gewidmet\nworden ist und bei Cranz in Hamburg erscheint, beide mit enthu-\nsiastischem Beifalle. Nach dem Vortrage seiner Paraphrase de VAfri-\ncaine und des beliebten Sweet Home und dem Hervorrufe gab\ner noch seinen „Faust-Walzer\" hinzu, der ebenfalls sehr durch-\nschlug. Er ist von hier nach Marseille zu Concerten gereist und\nwird am 25. März in Paris in Pasdeloup's Concert populaire spielen.\nVon Orchestersachen hörten wir einen Festmarsch von Lassen\n(Manuscript) und zwei Sätze aus J. Kaffs Suite für Orchester.\nIn der ersten Hälfte des März wird am deutschen Operntheater\nin Rotterdam zur Aufführung kommen eine romantische Oper in\ndrei Acten: „Aleida von Holland\", Text von Ernst in\nDarmstadt, Musik von dem holländischen Componisten W* F. T ho oft.\nDer Componist ist ein Schüler der leipziger Musik-Directoren M.\nHauptmann und E. F. Richter."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "65", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660303-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nFranz Schubert's religiöse Compositionen. Aus Hamburg (Concert der Sing-Akademie). Von R. Aus Bremen\n(Theater Concerte). VIII. Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. (Schluss.) Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln,\nvierte Soiree für Kammermusik Aachen, fünftes Abonnements-Concert Hamburg, Julius Stockhausen Brüssel, Servais und Leonard\nLüttich, grosses Concert Rotterdam, deutsche Oper).\n\nFranz Schubert’s religiťöse Compositionen.\nEs lässt sich nicht anders erwarten, als dass ein so\nbegabter musicalischer Geist, wie Franz Schubert, dem\ndie Lieder-Melodieen so reichlich entquollen, auch zur\nComposition grösserer Vocalwerke sich gedrungen fühlte.\nDass er dazu, wie alle seine Vorgänger und Zeitgenossen,\nhauptsächlich religiöse und kirchliche Texte benutzte, geht\naus dem Ueberblicke seiner gedruckten und ungedruckten\nWerke und aus den Notizen über seine künstlerische Ent-\nwicklung— Beides in dem Buche: „Franz Schubert\" von\nDr. H. Kre issle, seinem neuesten Biographen—hervor.\nDie ersten Versuche in dieser Gattung gehören nach\nZeugnissen von Gewährsmännern schon in die Jahre, die\ner von 1808 an als Sängerknabe mit hübscher Sopran-\nstimme im Convict zubrachte; sie verstiegen sich selbst\nbis zu ganzen Messen, die er aber später vertilgte. Aus\nseinem fünfzehnten Jahre rührt ein und\nKyrie her, welches mit drei anderen Kyrie später auch\ngedruckt worden ist.\nAls Hülfslehrer in seines Vaters Elementarschule\nschrieb er im Jahre 1814 seine erste Messe in zur\nFeier des hundertjährigen Jubiläums der lichtenthaler\nPfarrkirche für vier Singstimmen und Orchester. Schu-\nbert, damals in seinem siebenzehnlen Jahre, dirigirte die\nAufführung, bei der Jos. Mayseder an der ersten Violine\nmitwirkte und eine Dilettantin von fünfzehn Jahren, The-\nrese Grob, mit einer Sopranstimme, die das hohe d mit\nLeichtigkeit anschlug, begabt, die Solo-Partie sang. Für\nsie schrieb Schubert auch ein Tantum ergo und ein Salve\nRegina*). Nach der Aufführung umarmte Sali er i den\njungen Componisten mit den Worten: „Franz, du bist\nmein Schüler, der mir noch viel Ehre machen wird.\"\nDie Messe wurde bald darauf in der Augustinerkirche\nwiederholt, ist aber nicht in Druck erschienen. Das Auto-\ngraph*) besitzt Dr. Schneider in Wien. Auch ein Salve\nRegina für Tenor (mit Violine, Viola, Contrabass, Oboe,\nFagott und Horn) ist aus dieser Zeit ebenfalls handschrift-\nlich bei Dr. Schneider vorhanden.\nIm Jahre 1815 schrieb der achtzehnjährige Jüngling\ndie Messe in G,welche als „eines der gediegensten Kir-\nchenwerke bezeichnet wird, das im grossen Ganzen selbst\nvon den später entstandenen Kirchen-Compositionen Schu-\nberts nicht mehr übertroffen worden ist; namentlich sind\ndas Kyrie, Credo und Agnuo von tiefer Conception\"\n(Kreissie, S. 61). Sie ist für vier Singstimmen und Orche-\nster ebenfalls für den lichtenthaler Chor componirt und\nist gedruckt in Prag bei Marco Berra erschienen, aber\nnicht mit F. Schubert's, sondern mit Robert Füh-\nrer's Namen**), der sie der Erzherzogin Maria Carolina,\nAebtissin des Stiftes am Hradschin, gewidmet hat. Wie\ndies zugegangen, darüber schweigt Dr. Kreissie, der obige\nnackte Notiz (S. 617) gibt.\nEine zweite Messe in für Chor und Orchester\naus demselben Jahre 1815 ist als Op. 141 in Wien bei\nHaslinger erschienen und wird in Wien öfter als andere\nMessen Schubert's aufgeführt. Ferner ein\nin Bfür Chor, Orchester und Orgel, Copie bei Spina in\nWien, und ein Magnificat (wo?).\n\n*) Sie lebt noch in Wien als frische, heitere Frau, seit zwan-\nzig Jahren Witwe des Bäckermeisters Bergmann,\n*) Nach den Notizen auf diesem Autograph schrieb Schubert\ndie Messe mit Unterbrechungen vom 17. Mai bis 22. Juli 1814.\n**) Robert Führer war Dom-Capellmeister in Prag und ein\nbedeutendes Talent; er galt für einen der hervorragendsten Kirchen-\nComponisten und starb, erst fünfzig Jahre alt, am 28. November\n1861 in Wien, wo er seine letzten Lebensjahre zubrachte, da ihn\neigene Verschuldung und Anderer Missgunst gezwungen hatten, seine\nStellung in Prag aufzugeben. Nach dem oben erwähnten Factum\nkann man freilich von seinem sittlichen Charakter keine vorteil-\nhafte Meinung fassen. Vgl. über ihn und Skraup Niederrh* Musik-\nZeitung, 1862, Nr. 16."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660303-01.1.2", "texte": "Das Jahr 1816 brachte'„die dritte (eigentlich vierte)\nMesse in C für Chor und Orchester, als Op. 48 bei\nDiabelli erschienen, das grosse Magnificat in C für Solo-\nQuartett, Chor und Orchester (das Autograph mit dem\nDatum 25. Sept. 1816 bei Spina), ein grosses kirchliches\nDuett mit kleinem Orchester in (Autograph ebenda-\nselbst), das Siabat Mater nach Klopstock's deutschem\nTexte, und Klopstock's Halleluja dreistimmig (mit Clavier-\nBegleitung in Lieferung 41 enthalten).\n„Unter diesen Rirchen-Compositionen ist das Stabat\nMater für Soli, Chor und Orchester die umfangreichste\nund unstreitig auch bedeutendste. Es besteht aus einer\nArie für Sopran, zwei Arien für Tenor und einer für\nBass, Duett für Sopran und Tenor, zwei Terzetten für\nSopran, Tenor und Bass, von denen das eine mit Chor,\nund fünf Chören. Die letzteren bilden den gelungensten\nTheil des ganzen Werkes und ist namentlich der Wechsel-\ngesang Nr. 5 zwischen Männer- und Frauenchor von\nschönem Ausdrucke. Auch das Sopran-Solo Nr. 2 und\ndas Terzett Nr. 10 sind in edlem, echt kirchlichen Stile\ngehalten und namentlich das erstere von ergreifender Wir-\nkung. Die Bass-Arie ist ganz mozartiscb.\" —Es trägt die\nAufschrift: „Februar 1816.\" Das Orchester besteht aus\nViolinen, Viola, Bass, Oboen und Posaunen. Im Jahre\n1841 wurde es zu Wien im Musikvereins-Saale aufge-\nführt, wobei Fräulein Tuczek, Lutz und Staudigl die Soli\nsangen; im Jahre 1858 kam in der Sing-Akademie das\nTerzett mit Chor zu Gehör, 1863 den 3. April das Ganze\nvollständig in der altlerchenfelder Kirche. Im Clavier-Aus-\nzuge von Ferdinand Schubert; Copieen bei Spaun und\nSpina. Nach dem vor Kurzem gemeldeten Tode des\nFreiherrn von Spaun ist vielleicht Hoffnung auf eine voll-\nständige Herausgabe zu hegen.\nAus den Jahren 1818 und 1819 sind nur ein\nRegina in A für Sopran und Streich-Instrumente und\neinige geistliche Gesänge handschriftlich vorhanden.\nIm Jahre 1820 entstand das Oratorium oder, wie\nSchubert selbst es genannt hat: die Oster-Cantate „La-\nzarus, oder die Feier der Auferstehung\". Der Text\nist aus den religiösen Gedichten von Aug. Herrn. Niemeyer\nin Halle genommen. Die Veranlassung zu dieser Compo-\nsition und alle dieselbe betreffenden äusseren Umstände\nsind selbst den nächsten und vertrautesten Umgebungen\nSchubert's, ja, einem grossen Theile von ihnen sogar die\nExistenz derselben unbekannt geblieben. Als ein Pröbchen\nvon der Verwahrlosung der Kinder der Schubert'schen\nMuse theilen wir Folgendes aus Kreissle's achtem Ab-\nschnitte mit:\n„Selbst nach mehr als dreissig Jahren nach des Com-\nponisten Tode wirkte die erste Kunde von der Existenz\neines Oratoriums von Franz Schubert noch immer über-\nraschend, obwohl die Original-Partitur der ersten „ „Hand-\nlung\"\" sich wahrscheinlich durch einen beinahe gleich\nlangen Zeitraum bereits in dem Besitze der Musicalien-\nhandlung Diabelli und Comp, (derzeit Spina) in Wien be-\nfunden hat. Es bedurfte der Entdeckung einer in der\nSpaun'schen Schubert-Sammlung enthaltenen Abschrift\ndieses Werkes durch den Verfasser dieses Buches im Jahre\n1860 und des im Spätherbste des darauf folgenden Jah-\nres eben demselben beschieden gewesenen Fundes des\ngrössten Theiles der Original-Partitur der zweiten „ „ Hand-\nlung\" \", um das Werk aus dem Dunkel, in dem es so\nlange gelegen, endlich ans Tageslicht zu fördern und (im\nMärz 1863) in Wien zur ersten öffentlichen Aufführung\nzu bringen.\n„Schon im Jahre 1859, als ich mich mit der „ „Bio-\ngraphischen Skizze\"\" beschäftigte, war mir bei der Durch-\nsicht der Witteczek'schen (Spaun'schen) Schubert-Samm-\nlung die Cantate „ „Lazarus\"\" bekannt geworden, deren\nauch in der „ „Skizze\"\" (S. 26 und 95) mit dem Bemer-\nken Erwähnung geschieht, dass von ihr nur die erste\nHandlung componirt sei. Ich zweifelte an der Richtigkeit\ndieser Angabe um so weniger, als dem Schubert-Enthu-\nsiasten Witteczek nicht leicht eine Composition seines\nFreundes (zumal eine bedeutendere) entging, und Ferdi-\nnand Schubert (dessen Unzuverlässigkeit hier abermals in\ngrellem Lichte erscheint) in seinen Aufzeichnungen nur\nvon Einer Handlung spricht. Bald aber sollte ich eines\nBesseren belehrt werden. Im Spätherbste 1861 lud mich\nder als musicalischer Schriftsteller geschätzte Herr Alexan-\nder Thayer aus Boston (derzeit der nordamericaniscben\nGesandtschaft in Wien zugetheilt) in seine Behausung ein\n(damals in Neu-Wien), um mir Schubert-Manuscripte vor-\nzuweisen. Da wurde mir bei der Durchsicht des Noten-\npackes, den mir der zuvorkommende Mann zur Verfügung\nstellte, eine freudige Ueberraschung zu Theil. Ich fand da-\nselbst die Original-Partitur der Opern „ „Alfonso und\nEstrella\"\", jene der „ „Zwillingsbrüder\"\", Streich-Quar-\ntette, Ciavierstücke, Lieder und die zweite Handlung\ndes „„Lazarus\"\", diese leider nicht ganz complet. Es\nschien mir geboten, von diesem Funde die Directions-Mit-\nglieder des Musik-Vereins, Herrn Dr. Bauer und Herrn\nHerbeck, in Kenntniss zu setzen, welchen es auch gelang,\nvon dem Besitzer der Manuscripte die Herausgabe dersel-\nben gegen angemessene Entschädigung im Rechtswege zu\nerwirken und sohin die sämmtlichen Autographe dem\nwiener Musikvereins-Archiv als eine werthvolle Bereiche-\nrung seiner Schätze einzuverleiben. Glücklicher Weise fand\nsich bei der W7itwe des Ferd. Schubert nachträglich noch\nein Heft von „ „Lazarus\"\" vor, womit ein passender Ab-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "67", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660303-01.1.3", "texte": "schluss gewonnen war. Weitere Forschungen nach dem\nletzten Bogen blieben bis jetzt resultatlos.\n„Ob der dritte, umfangreichste Theil, in welchem\nauch dem Chorgesange eine hervorragende Stelle ange-\nwiesen ist, von Schubert ebenfalls componirt wurde, dar-\nüber fehlt zur Stunde jeder Anhaltspunkt.\n„Die in der Cantate auftretenden Personen sind: Der\nBethanier Lazarus (Tenor), Maria und Martha, Schwe-\nstern des Lazarus (Sopran), Jemina, die Tochter des Jairus\n(Sopran), Nathanael, ein Jünger des Herrn (Tenor), und\nder Sadducäer Simon (Bass)*).\n„Jemina und Nathanael ausgenommen, deren Gesangs-\nPartieen minder umfangreich, aber musicalisch auf das\nschönste ausgestattet erscheinen, sind die übrigen hier auf-\ntretenden Personen von dem Dichter und dem Compo-\nnisten ziemlich gleichmässig bedacht. Letzterer hat sich in\ndem Texte mehrere Aenderungen erlaubt, durch welche\ner das Original für seine Zwecke gefügiger, mitunter auch\npoetisch bedeutsamer gestaltete.\n„Der musicalische Theil besteht— dem Gedichte ge-\nmäss aus Arien und Ariosen, Chören und Recitativen.\nDem Arioso und dem eigentlichen Recitativ ist aber in\ndieser Schubert'schen Tondichtung eine hervorragende\nStelle eingeräumt, gegen welche die dünngesäeten Arien\nund die zwei Chöre, welche jede der Handlungen ab-\nschliessen, entschieden zurücktreten.\"\nIm dritten Theile vermied der Dichter die Erschei-\nnung des Heilandes; die Erweckung des Lazarifc wird nur\nberichtet und geht aus der Handlung hervor.\nIn dasselbe Jahr 1820 fällt die Composition des 23.\nPsalmes: „Gott ist mein Hirt\" (Manuscript mit dem\nDatum: „December 1820\", wonach im Katalog bei\nKreissie S. 610 die Angabe von 1828 als irrthümlich\nerscheint), für vier weibliche Stimmen. Als Op. 132 ge-\ndruckt, auch für Männerstimmen eingerichtet. Zu dersel-\nben Form gehört der religiöse Gesang: „Gott in der\nNatur\", für vier Frauenstimmen 1822 als Op. 133 er-\nschienen.— Auch den achtstimmigen Männerchor mit Or-\nchester von Streich-Instrumenten, Goethe's „Gesang der\nGeister über den Wassern\" kann man zu den religiösen\nGesängen rechnen; er rührt ebenfalls aus 1820 her und\nist als Op. 167 bei Spina erschienen. Bei der ersten Auf-\nführung Hess er die Zuhörer ganz kalt; die Allg. Musik-\nZeitung (N. 23, 1821) nannte ihn „ein Accumulat aller\nmusicalischen Modulationen und Ausweichungen ohne Sinn,\nOrdnung und Zweck\". Bald darauf gefiel er sehr in einem\nPrivatcirke!; dennoch kam er bis 1858 nicht mehr zur\nAufführung, wo ihn der wiener Männep-Gesangverein\nzwei Mal mit grossem Beifalle gab. Wir machen die Män-\nner-Gesangvereine darauf aufmerksam.\nIm Jahre 1822 schrieb Schubert die vierstimmige\nMesse in As,eine der bedeutendsten von seinen Kirchen-\nCompositionen. Das Autograph besitzt der wiener Musik-\nverein.— Aus dem Jahre 1823 finden wir bloss ein Offer-\ntorium für Sopran oder Tenor mit Quartett- oder Ciavier-\nBegleitung, als Op. 153 erschienen. Uebrigens war die-\nses Jahr in anderer Hinsicht eines der fruchtbarsten: „Die\nschöne Müllerin\", die Opern „Rosamunde\", „Fierabras\",\n„Der häusliche Krieg\" entstanden in ihm. Aus 1824\nrührt das bekannte Salve Regin für Männerstimmen (mit\nOrgel ad libitum), als Op. 149 gedruckt, her.\nEine, deutsche Messe in Text von Professor\nJoh. Phil. Neumann, componirte Schubert im Jahre 1827\n(ursprünglich für die Schüler des Polytechnicums) für\nChor und Orgel oder mit Begleitung von Oboe, Clarinette,\nHorn, Posaune und Contrabass. Sie besteht aus acht Sätzen.\nAls Einleitung dazu hatte er in derselben Weise „das\nGebet des Herrn\" in Musik gesetzt. Eine Copie besass\nFreiherr von Spaun. Für Männerstimmen eingerichtet,\nwird sie, wie Kreissie meldet, noch jetzt in Wien mit\nOrgelbegleitung gesungen.\nIn seinem letzten Lebensjahre, 1828, gestaltete sich\nFranz Schubert's Thätigkeit zu einer in Hinblick auf Zahl\nund Bedeutung der von ihm geschaffenen Werke ganz er-\nstaunlichen. Es schien, als wollte er, von einer Ahnung\nseines nahen Endes bewegt, noch seine ganze Kraft zu-\nsammenraffen, um auch von jenen Zweigen der musicali-\nschen Kunst den Lorber sich zu holen, wo ihm dieser noch\nvorenthalten wurde. Die grosse Sinfonie in die grosse\nMesse in Es, das herrliche Streich-Quintett in C, die\nCantate „Mirjam's Siegesgesang\", in welchem Schu-\nbert's Eigenthümlichkeit sich mit Händel'scher Grösse ver-\nbindet, die achtstimmige „Hymne an den heiligen\nGeist\", die letzten drei Clavier-Sonaten, welche er Hum-\nmel widmen wollte*), durchweg hervorragende Werke,\nentstanden in rascher Aufeinanderfolge. Ihnen reihen sich\nan: eine Kirchen-Arie für Tenor-Solo mit Chor, ein\nTantum ergo,die Cantate „Glaube, Hoffnung und\nLiebe\", der 92. Psalm, endlich mehrere Lieder.\n„Mirjam's Siegesgesang\", Text von Grillparzer,\nfür Sopran-Solo und Chor mit Clavier-Begleitung, die spä-\nter von Franz Lachner instrumentirt ist (zuerst 1858 in\nWien also aufgeführt), ist als Op. 136 veröffentlicht.\n\n*) In der ersten Aufführung des „Lazarus\" in Wien (am 27.\nMärz 1863) unter der Leitung des Herrn Johann Herbeck wirkten\nals Solisten mit: Fräulein Tellheim (Maria), Fräulein König (Martha),\nFrau Wilt (Jemina), Herr Olschbauer (Lazarus), Herr Schultner\n(Nathanael) und Herr Meyerhofer (Simon).\n*) Sie wurden später von den Verlegern R. Schumann dedicirt.\n[*J"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660303-01.1.4", "texte": "Die „Hymne an den heiligen Geist\" ist für acht-\nstimmigen Männerchor mit Harmonie- oder Clavier-Be-\ngleitung geschrieben, als Op. 154 gedruckt und ragt\nüber die ähnlichen Cantaten bedeutend hervor.—Die Can-\ntate „Glaube, Hoffnung und Liebe\", Text von Friedrich\nReil, hat Schubert zur Weihe der neuen Glocke in der\nDreifaltigkeitskirche in der Aiser Vorstadt als Chor für\nMännerstimmen, zu welchem zuletzt Sopran und Alt hin-\nzutreten, mit Begleitung von Oboen, Clarinetten, Fagott,\nHörnern und Posaunen geschrieben. Sie besteht nur aus\n26 Tacten und ist nicht gedruckt.\nDer 92. Psalm ist auf hebräischen Text fünfstimmig\ngeschrieben, und zwar für Sopran, Alt, zwei Baritone und\nBass. Er ist noch nicht gedruckt; Abschriften mit deut-\nscher Uebersetzung, die zur Musik eingerichtet ist, besass\nvon Spaun und besitzt Frau Dr. Lumpe in Wien, wo auch\ndas Original mit dem hebräischen Texte noch im Besitze\ndes israelitischen Cantors Jul. Sulzer vorhanden ist*).\nUeber die Kirchen-Compositionen Schubert's im All-\ngemeinen spricht sich Dr. Kreissie folgender Maassen aus,\nwozu wir nur bemerken, dass die letzte grosse Messe in\nEs-dur noch nicht veröffentlicht war, als Kreissie sein\nBuch schrieb.\n„Der innere Werth dieser Compositionen erhebt sich\nfreilich nicht bei allen zu gleicher Höhe; denn während\ndie Offertorien, die Graduale u. s. w. sich als leicht hin-\ngeworfene, wenngleich in melodiöser Beziehung reich aus-\ngestattete Tonstücke von minderer Bedeutung darstellen,\nbeanspruchen mehrere Messen wenigstens zum Theil ver-\nmöge ihrer Schönheit in der Form und ihres echt religiö-\nsen Ausdrucks die volle Beachtung des Kunstfreundes.\n„Die im Ganzen genommen bedeutendste der (be-\nkannt gewordenen) Schubert'schen Messen ist jene in\ncomponirt im Jahre 1815 von dem damals achtzehnjäh-\nrigen Jüngling und darum vor Allem geeignet, von der\nwunderbar rasch entwickelten Reife unseres Tondichters,\ndie sich merkwürdig genug gerade in einem Ton-\nwerke religiösen Charakters manifestiren sollte, glänzendes\nZeugniss zu geben.\n„Das Kyrie der 6r-Messe beginnt vierstimmig mit\neiner jener unscheinbaren Weisen, wie sie Schubert auch\nanderwärts vorzuführen liebt, um sie allmählich schön und\nbreit sich ausgestalten zu lassen. Ungeachtet der G-dur-\nTonart ist die in dem Kyrie eleison waltende Stimmung\neine vorwiegend wehroülhige und gewinnt nur flüchtig—\nin Folge einer Wendung von der Tonica zu ihrer Domi-\nnante eine etwas heitere Färbung. Das erste Thema,\nan das bekannte Segenlied „ „Heilig\"\" gemahnend, tritt\nin den Vordergrund und tönt in G-dur aus. Nun intonirt\njede der vier Gesangstimmen selbständig eine in der\nTonart sich bewegende Melodie, der Klageruf des\nsteigert sich zu sehnsüchtigem Drange, bis er in chroma-\ntischer Bewegung auf dem Dominant-Orgelpunkte in\nanlangt, dessen die Melodie führende Oberstimme vom\nBass tactweise nachgeahmt wird. Sofort leitet das Musik-\nstück wieder in die Haupt-Tonart über, der bereits vor-\nübergezogene Inhalt kehrt abermals wieder, um in be-\nschwichtigend ruhigen Accorden diesen ersten Theil abzu-\nschliessen. Das Gloria hält sich vorwiegend in conventio-\nnellem Kirchenstil; das Gratias darin erfreut durch eine\njener lieblichen MeJodieen, wie solche Schubert's Füllhorn\nentströmen; das Quoniam aber, an sich musicalisch schön,\nträgt Mozart-Haydn'sches Gepräge, und dieser ganze Tbeil,\netwas flüchtig und ängstlich (?) ausgeführt und nur hier und\nda die Eigentümlichkeit des Tondichters hervorkehrend,\nschliesst in unverkennbar gezwungener Weise ab. Nun\nfolgt das Credo,ein mächtiger, lang und breit gestreckter\nChoral, der, obschon 'pianovorzutragen, doch mit sanfter\nGewalt voll und kräftig aus dem Innern tönt. Die contra-\npunktische Behandlung des Tonstückes, das Arbeiten der\nübrigen Stimmen gegen den Choral, die Chor- und Or-\nchester-Begleitung zu dem von Tact zu Tact sich steigern-\nden Gesänge, die sinnige Charakterisirung der einzelnen\nTheile des Glaubensbekenntnisses von sanfter Klage bis\nzu lautem Jubel, endlich die schöne Umkehr zu dem Haupt-\nThema und seiner vollständigen Entwicklung in der schon\nda gewesenen Art, so mancher werthvollen Einzelzüge\nnicht zu gedenken, machen dieses Kirchenstück zu einem\nder bedeutendsten, die geschrieben worden sind.\n„Das Sanctusbietet keine hervorragenden Momente;\ndagegen stellt sich das Benedictus, ein inniger Lobgesang,\nan welchem in canonischer Stimmführung alle, mit Aus-\nnahme der Altstimme, Theil nehmen, als ein Tongewebe\nvon zartem, lieblichem Charakter dar, das selbst unter\nSchubert's schönen lyrischen Ergüssen eine hervorragende\nStelle behauptet. Auf gleicher Höhe, wie das Benedictus,\nerhält sich das Agnus Dei, dessen an Rückungen und\nVorhalten reiches Vorspiel einer andächtig elegischen Stim-\nmung schönen Ausdruck verleiht, der durch den Wechsel-\ngesang der Solisten noch gesteigert wird. Die merkwür-\ndige Folge der Tonarten, welche das durchläuft,\n\n*) Aus dem Jahre 1815 herrührend, sind nachzutragen: „Gott\nim Ungewitter\", „Gott der Weltschöpfer\" und Schiller's\n„Hymne an den Unendlichen\" Quartette für Sopran, Alt,\nTenor und Bass mit Clavier-Begleitung, Op. 112.\n**) Diese Messe gehört (im Gegensatze zu der As- und Es-\nMesse) zu den kleinen. Sie ist für vier Singstimmen mit Beglei-\ntung von Violinen, Viola, Bass (Orgel) und Trompeten und Pauken\nad libitum geschrieben. Der umfangreichste Theil (188 Tacte) ist\ndas Credo. Schubert hat die Messe am 2. März begonnen und\nam 7, März beendet."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "69", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660303-01.1.5", "texte": "die charakteristische Begleitung (namentlich das Seufzen\nder tief gehaltenen Bratschen), die homophone Weise des\nKlageliedes, welche sodann dem mehrstimmigen Gesänge\nweicht, endlich das freudig erregte Dona nobis und der\nAbschluss des Ganzen durch das Kyrie der Messe sichern\nauch diesem letzten Theile ein ungeschmälert hohes In-\nteresse.\n„Nebst der 6r-Messe sind auch jene in B und in\nvon nicht zu unterschätzendem musicalischen Werthe. Das\nGloria und Agnus in dem erstgenannten Kirchenwerke,\nvor Allem aber das Credo, und in diesem wieder das In-\ncarnatus in der J.s-Messe, erheben sich in jeder Beziehung\nweit über die Kirchen-Compositionen gewöhnlichen Schla-\nges; das Incarnatus in der reiht sich unbedingt\ndem Bedeutendsten an, was die moderne katholische Kir-\nchenmusik aufzuweisen hat.\"\n(Schluss folgt.)\n\nAus Hamburg.\nR.\nWir haben Ende Januar hier ein Concert der Sing-\nAkademie von Julius Stockhausen gehabt, welches\ndurch die treffliche Aufführung zweier Meisterwerke:\n„Die erste Walpurgisnacht\" von F. Mendelssohn-\nBartholdy und die neunte Sinfonie von Beethoven\ndem Publicum, das den grossen Sagebiel'schen Saal füllte,\neinen erhebenden Kunstgenuss bereitete.\nDen Chor bildete in beiden Werken die Sing-Akade-\nmie des Herrn Stockhausen, und ihre in der That recht\ntüchtigen Leistungen erschienen als Höhepunkt der ganzen\nAufführung. Die Stimmen sind nicht allein gut und auch\nfür den grossen Saal hinlänglich zahlreich besetzt, sondern\nauch gut geschult; man merkt den Einfluss eines Leiters,\nder selbst vortrefflicher Sänger ist. Die Einsätze waren\nstets fest, präcis und frisch; man hörte jederzeit einen be-\nstimmten, einmüthigen Anschlag des Tones, nicht das be-\nkannte schüchterne Eintreten einzelner Koryphäen, denen\ndann erst allmählich die Nachzügler sich zugesellen. Da-\nbei gab sich Alles recht frei, leicht, schwunghaft und mit\nAusdruck, wirklich wie von innen heraus, in der Decla-\nmation und Rhythmik prägnant, während zugleich die\nDeutlichkeit der Aussprache erfreute, jedes Wort verstanden\nwurde. Der Gesammtklang hatte neben steter Reinheit Fülle\nund Sonorität und edle Färbung; der Bass schritt markig\nund fest einher, der Sopran zeigte häufig recht frischen\nGlanz. Sogleich der erste Chorder Walpurgisnacht wirkte\nangenehm durch Belebung und frische Farbe, und nicht\nminder befriedigten die übrigen Chornummern; überall\nfand man feste Haltung, Sicherheit und musicalisches Ver-\nständniss. Eben dasselbe gilt von der Cb r-Partie der Sin-\nfonie, womit nicht wenig gesagt ist; denn um Einhaltung\nder Gesetze guter Vocalität hat Beethoven nicht sonderlich\nsich bemüht, vielmehr ist er unbekümmert um alle Sang-\nbarkeit seinen Ideen nachgegangen, welche, wenn auch\nan sich bedeutend und sinnvoll, doch stellenweise, wenn\nder Chor nicht sehr gut ist, gar leicht in wahre Schreck-\ngestalten sich verwandeln können. Nicht so in diesem\nFalle: der Chor griff alle Schwierigkeiten muthig an und\nüberwand sie mit Glück; selbst das berüchtigte, dreizehn\nTacte lange Aim Sopran blieb rein und wohlklingend,\neben so die darauf folgende Stelle im „Brüder über'm\nSternenzelt\" (Part, bei Schott, S. 195), ferner „Deine\nZauber\", „Küsse gab sie uns\" u. s. w. „Seid umschlun-\ngen\" machte prachtvolle Wirkung (namentlich zeichnete\ndas Unisono der Bässe und Tenöre mit den Posaunen sich\naus), dessgleichen das „Freude\" u. s. w. (S. 160). Nur\nim Chor mit den zwei Themen S. 117)\nwurden die Stimmen mitunter durch das Orchester ge-\ndeckt und blieben nicht immer verständlich. Im Ganzen\nist dem Chor demnach eine unumwundene Anerkennung\nauszusprechen.\nIn der Walpurgisnacht sang Herr Director Stockbau-\nsen selbst den Barden, folglich bedarf es keiner Schilde-\nrung des Eindrucks dieser prachtvollen Partie. Die neunte\nSinfonie leitete derselbe mit dem Verständnisse und der\nSicherheit, die wir an ihm kennen und die er allen Mit-\nwirkenden mitzutheilen weiss. Das Orchester that das\nMögliche, namentlich imponirten die Recitative der Bässe\n(sieben Contrabässe und acht Violoncelle) im Finale; das\nganze Concert hatte etwas Musikfestartiges.\n\nAus Bremen.\nDen 25. Februar 1866.\nDie verflossene musicalische Woche war an interes-\nsanten Abenden fast überreich. Sie begann mit der Wie-\nderauffübrung des Wagner'schen „Lohengrin\", der seit\neiner Reihe von Jahren geruht hatte. Dann folgte im\nUnionssaale das Sinfonie-Concert, unterstützt durch Vor-\nträge der Liedertafel; hierauf im grossen Börsensaale eine\nWiederholung des Concertes der „Neuen Liedertafel\" mit\nverändertem Programm der ersten Abtheilung und in der\nzweiten abermals Max Bruch's Frithjofs-Scenen, aber mit\neinem durch den Zutritt der älteren Liedertafel vergrös-\nserten Chor und mit dem Coroponisten als Dirigenten sei-\nnes Werkes. Den Schluss der Woche endlich machte in\nder Oper die Aufführung des „Postillon von Lonjumeau\"\nmit Dr. Gunz als Gast. Bezüglich des „Lohengrin\" sei"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "70", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660303-01.1.6", "texte": "vorläufig erwähnt, dass die Oper üeissig einstudirt, in\nChor und Orchester gut ausgestattet war und die Haupt-\nPartieen mit warmer Hingebung an das Werk gesungen\nwurden. Die Vertreter der Hauptrollen waren Fräulein\nEhrhardt, Fräulein Lehmann, Herr Mayr und Herr\nLang. Das Orchester-Programm des Sinfonie-Concertes\n(Beethoven's Eroica,Mendelssohn's Hebriden- und We-\nber's Euryanthen-Ouverture) war ein tadelloses und die\nAusführung von gewohnter Tüchtigkeit; unter den Lieder-\ntafel-Chören befanden sich auch zwei neue Compositionen\nReinthaler's. Der Empfang des Gastes im letzten\nConcerte, Herrn Max Bruch, von Seiten des sehr zahl-\nreichen Publicums war natürlich ein recht warmer und\nlebhafter; die Ausführung der Chöre hatte selbstverständ-\nlich gewonnen, und gleicher Weise kam das Orchester\nmehr zur Geltung. Die Partie der Ingeborg sang wieder\nFrau Mayr-Olbrich, von der ausserdem in der ersten\nAbtheilung die grössere Sopran-Arie aus der „Schöpfung\"\nsehr husch und sehr beifällig vorgetragen wurde. Herr\nStägemann in Hannover, der abermals den Frithjof\nübernommen hatte, war leider in letzter Stunde verhindert\nworden, sein Wort zu lösen; um so dankenswerther da-\nher der Ersatz, der ihm aus den hiesigen musicalischen\nKreisen gegeben ward. Das Programm und die Ausfüh-\nrung der ersten Abtheilung waren der zweiten mehr ent-\nsprechend, als das vorige Mal; den Anfang machte We-\nber's Jubel-Ouverture, welche, im Ganzen trefflich ausge-\nführt, eine würdige Einleitung des Concertes bildete. Un-\nter die Chorsachen war anstatt der Kreutzer'schen Vater-\nlandslieder Dürrner's „Sturmbeschwörung\" aufgenom-\nmen; die Composition ist nicht hervorragend, der pompöse\nTitel lässt mehr erwarten. Fischer's „Studenten-Nachtlied\"\nmit theilweiser Orchester-Begleitung verfehlte auch dies-\nmal seine Wirkung nicht; desselben Componisten „Mee-\nresstille\" und „Glückliche Fahrt\" wurde wieder trefflich\ngegeben; die Steigerung vom zum in dem Schluss-\nsatze war jedoch wieder nicht vollkommen nuancirt. Das\nInteresse des Abends concentrirte sich natürlich auf die\nFrithjofssage von Maxßruch, und zwar um so mehr,\nals das Werk mit verstärktem Chor und unter des Com-\nponisten eigener Leitung gegeben wurde. Durch den Hin-\nzutritt der alten Liedertafel war die Sängermasse auf un-\ngefähr 150 angewachsen. Nach des Componisten Bekennt-\nniss reiht sich diese.Aufführung den beiden besten, welche\nauch unter seiner Leitung Statt fanden, nämlich der aache-\nner und der wiener, würdig an. Herr Bruch entwickelte\nbei seiner Leitung ein ausgezeichnetes Directions-Talerit; er\ndirigirte ohne Partitur. Das Werk, dessen Stoff und musi-\ncalische Behandlung eine vollkommen gediegene ist, halte\neinen durchschlagenden Erfolg; dazu trägt wesentlich bei,\nDass Bruch die Kunst, Contraste von Schatten und Licht\nin ausreichendem Maasse anzubringen, vortrefflich gehand-\nhabt hat; in den mächtigen Männergesang ist dann ausser-\ndem, was wesentlich war, der Gegensatz der sanften weib-\nlichen Stimme der Ingeborg hineingetragen. Der Beifall\ndes sehr zahlreichen Publicums steigerte sich nach jeder\nScene. Am Schlüsse gab es ein allgemeines Bravo mit\nHervorruf, Orchestertusch und musicalischem Hoch des\nChors.\nUeber die Privat-Concerte nächstens mehr. Ueber-\nmorgen haben wir das neunte, worin zwei Damen eine\nbedeutende Rolle spielen, oder vielmehr singen und spie-\nlen werden. Fräulein Asminde Übrich aus Hannover\nwird Arien von Mozart und Rossini und Lieder von Men-\ndelssohn und Taubert singen, und Fräulein Dekner, die\ntalentvolle ungarische Geigerin, Mendelssohn's Concert\nund ungarische Volkslieder von Remenyi spielen. Dazu\nSchumann's dritte Sinfonie in Es, die am wenigsten popu-\nläre von allen, auf deren Erfolg beim Publicum wir neu-\ngierig sind.\n\nAchtes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn\nFerdinand Hiller.\nDinstag, den 20. Februar 1866.\n(Schluss. S. Nr. 8.)\nWir hoben (am Schlüsse des Concertberichtes in Nr. 8) hervor,\ndass der Artikel über Goldmark's Sakontala-Ouverture in der wiener\nZeitung „Vaterland\" wenigstens erwähne, dass die Aufnahme der-\nselben beim Publicum eine getheilte gewesen. Leider wird selbst\ndas rein Historische, Thatsächliche die Aufnahme eines Werkes\n.beim Publicum oder bei Concert-Directionen von der Coterie-\nKritik oft genug, wenn es der Parole auf Lobpreisung widerspricht,\nwenigstens verschwiegen, wenn nicht gar verfälscht. Es ist also\nbereits dahin gekommen, dass ein ehrliches Verfahren, das sich von\nselbst versteht, gerühmt werden muss, ja, in besonderen Fällen so-\ngar Erstaunen erregt! *)\n\n*) Diese Erfahrung haben wir -vor Kurzem bei Gelegenheit un-\nseres Berichtes über die „Serenade\" von Brahms gemacht, worüber\nwir von vielen Seiten nicht nur mündliche, sondern sogar schrift-\nliche anerkennende Zustimmung erhielten. Seine aufrichtige Mei-\nnung zu sagen, muss also eine seltene Erscheinung geworden sein.\nAus diesen Mittheilungen von auswärts ergab sich denn auch, dass\ndasselbe Werk in Leipzig, wo es bereits auf dem gedruckten Pro-\ngramme eines Gewandhaus-Concertes gestanden, nach der Probe\ntrotzdem wieder zurückgelegt worden, und dass in Dresden und\nin München dasselbe geschehen sei. Somit wären denn nach dem\nAusspruche der leipziger Allgemeinen Zeitung (welcher doch das\nFactum von Leipzig bekannt sein musste!) Männer wie Reinecke,\nRietz, F. Lachner und ihre Collegen in den betreffenden Con-\ncert-Vorständen ebenfalls „dem alten Schlendrian\" verfallen! Nun,\nwir sind mit so ehrenvoller Gesellschaft ganz zufrieden. L. B."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660303-01.1.7", "texte": "Doch kehren wir zu erfreulicheren Ergebnissen des achten\nConcertes im Gürzenich zurück, welche es vom Anfange mit der\nklaren, anmuthigen Sinfonie Haydn's an bis zum Schlüsse mit der\ngrossen Leonoren-Ouverture Beethoven's in reichem Maasse brachte.\nBeide Orchesterstücke wurden vorzüglich gut ausgeführt, und mehr\nbedarf es nicht, um unser „zurückgebliebenes\" Publicum durch\nsolche Compositionen zu erfreuen und zu erheben, so dass es auf\neinmal auf den stürmenden Wogen des Applauses „vorwärts\" kommt.\nSchliessen wir hier gleich das Spohr'sche Violin-Concert in D-moll\nan, so sind wir so dreist, es ebenfalls für eine ausserordentlich\nschöne Composition zu halten und sind mit gesteigerter Theilnahme\nund stets wachsender Spannung dem ausgezeichneten Vortrage der\nHauptstimme durch Herrn Concertmeister Leopold Auer gefolgt,\nwelcher zu einem Meister auf seinem Instrumente herangereift ist,\nder mit vollem Rechte in die Reihe der Besten tritt. Herrn Auer's\neminente Technik hatten wir schon öfter Gelegenheit zu bewundern\nund zu rühmen, allein sein jetziges Spiel und vor Allem der Vor-\ntrag des gesangreichen Adagio hat -gezeigt, dass der Virtuose trotz\nseiner Jugend zu einem Künstler geworden ist. Düsseldorf kann\nauf ihn stolz sein, und wir wollen hoffen, ihn noch länger zu den\nKünstlern zählen zu können, welche die Blüthe des Musiklebens\nam Rheine darstellen und unsere Musikfeste zieren.\nDen Sologesang vertrat Fräulein Friederike Grün, früher\neines der beliebtesten Mitglieder unserer Bühne, gegenwärtig Sän-\ngerin am Hoftheater zu Kassel und zur nächsten Saison für die\nkönigliche Oper zu Berlin engagirt. Fräulein Grün hat sich zu einer\nSängerin heraufgebildet, welche die herrlichen Mittel, die ihr die\nNatur durch eine jugendfrische, voll- und wohllautende Mezzo-So-\npranstimme verliehen hat, welche ohne alle Anstrengung die gröss-\nten Räume füllt, wie sich das hier in dem Gürzenichsaale wieder\ngezeigt hat, durch fleissige Gesang- und Bühnenstudien bereits so\nausgebildet hat, dass sie, da sich das musicalische Talent auch mit\neiner schönen Persönlichkeit verbindet, für die dramatische Lauf-\nbahn geboren erscheint und jedenfalls einer bedeutenden Zukunft\nauf dieser Laufbahn entgegen geht. Da sie ganz und gar für die\nBühne lebt und webt, so mochte daher wohl ihre Wahl der zwei\nArien (der Anna in Marschner's „Hans Heiling\" und Carlo Broschi's\nzweite Arie von Auber) für ein Concert nicht die geeignetste sein:\ndennoch ärntete sie durch den Vortrag, der die glänzenden Eigen-\nschaften des Organs und des dramatischen Ausdrucks geltend\nmachte, grossen Applaus und Hervorruf.\nUeber Eranz Schubert's Messe in Es siehe den ersten Ar-\ntikel der heutigen Nummer.\nNeu war ferner ein Gesangstück kleineren Umfangs von C. Jos.\nBrambach: „Trost in Tönen\", aus dem Englischen von Her-\nder, für Chor und Orchester componirt. Es ist immer eine schwie-\nrige Aufgabe, einen Text, der die Verherrlichung der Musik aus-\nspricht, in wirkliche Musik zu setzen, die den Worten entspricht.\nCompositionen wie „Der erste Ton\" von Weber, „Die Macht der\nTöne\" von Winter, selbst „Die Weihe der Töne\" von Spohr liefern\nBeweise. Brambach hat die Klippen, die ein solcher Text für den\nMusiker hat, glücklich umschifft und ein recht liebliches Gesang-\nstück von melodischem Fluss in anspruchsloser Form gegeben, das\nmit Beifall aufgenommen wurde. (Vgl. Jahrg. 1865, Nr. 16.)\nSchliesslich erfüllen wir noch eine angenehme Pflicht, wenn\nwir der vortrefflichen Leistungen des Herrn Capellmeisters Barg-\nhe er gedenken, der in der musicalischen Gesellschaft das Violin-\nConcert von Beethoven und Tartini's Teufels-Sonate mit schö-\nnem Tone, wohlthuender Reinheit und eminenter Fertigkeit bei\nrauschendem Applaus vortrug. Das schöne Instrument, auf dem er\nspielte, das dem Vernehmen nach ein Bestandtheil der berühmten\nSammlung italiänischer Geigen im Besitze des Fürsten von Schaum-\nburg-Lippe, eines ausgezeichneten Kunstbeschützers, ist, trug nicht\nwenig zu dem Erfolge in den Händen eines solchen Künstlers bei.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMfiln. Am Dinstag den 27. v. Mts. hörten wir in der vier-\nten Soiree für Kammermusik durch die Herren Jap ha,\nDerckum, von Königslöw und A. Schnait das Violin-Quartett\nin D-dur von F. Mendelssohn und das Quartett Op. 59 Nr. 2\nin E-moll von Beethoven, beide in vortrefflichem Vortrage, der\nnur bei dem Mendelssobn'schen vielleicht etwas energischer hätte\nsein können, weil der Stil der Composition sich an und für sich\nschon sehr zur Glätte und Eleganz hinneigt; indess mag uns das\nauch nur im Gegensatze zu Beethoven mehr aufgefallen sein. Zwi-\nschen beiden spielte Herr Isidor Seiss die grosse O-cZwr-Sonate\nOp» 53 von Beethoven für Pianoforte mit technisch vollendetem\nund feurigem Vortrage eine eminente Leistung, die den lebhaften\nBeifall und Hervorruf sehr wohl verdiente.\nIn nächster Woche wird Frau Louise Dustmann ihr Gast-\nspiel auf dem Stadttheater beginnen, dem Vernehmen nach mit der\nLeonore in „Fidelio\". Im Laufe desselben werden wir den seltenen\nGenuss haben, eine Gluck'sehe Oper, die „Iphihenie auf Tauris\",\nzu sehen.\nÄaciiefil, 23. Februar» Die Reihe der Abonnements-Concerte\nwurde durch das gestrige fünfte in schönster Weise fortgesetzt und\nliess nur einen Wunsch unerfüllt: eine lebhaftere Theilnahme des\nPublicums. Es ist dieses letztere um so auffallender, als von Seiten\nder Direction ein reiches Programm aufgestellt und ausserdem ein\nhervorragender Gast gewonnen war. Düsseldorf hat uns im Laufe\ndieses Winters zwei solcher Gäste herübergesandt, die Herren\nde Sweert und Leopold Auer, zwei Künstler, auf welche die\nMusenstadt stolz sein kann. Herr Auer, den wir gestern kennen,\noder richtiger gesagt, von Neuem schätzen lernten, ist ein würdiger\nSchüler seines grossen Meisters Joachim und längst als solcher an-\nerkannt, als dass es noch langer Lobeserhebungen bedürfte. So\nrein, so correct und doch so voll Genialität und Poesie hört man\ndie Geige selten behandeln, und der rauschende Applaus und Her-\nvorruf, welcher dem Künstler zu Theil wurde, bewies, wie empfäng-\nlich das Auditorium für das wundervolle Spiel desselben war.\nDer Chor, der dieses Mal nur zwei kleinere Compositionen von\nHaydn und Beethoven vortrug, schien auf seinen Lorbern auszu-\nruhen : Alt und die Männerstimmen waren namentlich schwach ver-\ntreten und wollten vermuthlich Kräfte sammeln für die bevorstehende\n„Passion\". Um so besser war unser Orchester aufgelegt und leistete\nin der Sommernachtstraum-Ouverture und in der Schumann'schen\nSinfonie (B-dur) Ausgezeichnetes. Die letztere, welche zu den\nschönsten, kräftigsten Compositionen des Tondichters gehört, den\neinzelnen Instrumenten jedoch vielfache Schwierigkeiten bietet,\nwurde namentlich vorzüglich ausgeführt und zeugte von einer äus-\nserst gewissenhaften, fleissigen Einstudirung Seitens unseres Musik-\nDirectors Herrn Breunung, dem dafür besondere Anerkennung\ngebührt. Bevor wir schliessen, bleibt uns noch eine Pflicht zu\nüben, nämlich unser Bedauern über den Entschluss auszudrücken,\nden unser achtungswerther Bürgermeister, Herr v. Pranghe, bekun-\ndet, die Functionen als Präsident des Musik-Comite's u. s. w. nie-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660303-01.1.8", "texte": "derzulegen, die derselbe Jahre lang mit einem Eifer, einer Hinge-\nbung und mit einem unbestreitbaren Erfolge für unsere Concerte\nbekleidete, und die sicherlieh die höchste Anerkennung verdienen.\nDie in letzterer Zeit unseren Concerten von anderer Seite in den\nWeg gelegten Schwierigkeiten scheinen den Rücktritt des Mannes\nveranlasst zu haben, der es sich sicherlich zu einem nicht geringen\nVerdienste anrechnen darf, unserem Orchester die definitive Lö-\nsung der Versorgungscassen-Frage verschafft zu haben.\n* Hamburg« Julius Stockhausen ist in diesen Tagen\nnach Petersburg abgereist, wo er zu zwei Concerten der philhar-\nmonischen Gesellschaft engagirt ist und auch ein eigenes Concert\ngeben wird. Die von ihm hier in Hamburg errichtete Gesang-\nschule ist in voller Blüthe, und die Leitung der Sing-Akademie\nhat während der Zeit seiner Abwesenheit, die jedoch nur bis Mitte\nMärz dauern wird, Herr Musik-Director Grädener übernommen.\nBrümsel« Grosses Aufsehen in der brüsseler musicalischen\nWelt macht die Neuigkeit, dass die Herren Servais und Leonard\nbeschlossen haben, ihre Stellung am hiesigen Conservatorium aufzu-\ngeben und sich in Paris niederzulassen.\n* Xiütöicli, 25. Februar. Gestern veranstaltete die Societe\nlibre Simulation ihr erstes grosses Concert. Alfred Jaell spielte\nBeethoven's jEfc-eZwr-Concert und in der zweiten Abtheilung das\nConcertstück von F. Hiller, das ihm vom Componisten gewidmet\nworden ist und bei Cranz in Hamburg erscheint, beide mit enthu-\nsiastischem Beifalle. Nach dem Vortrage seiner Paraphrase de VAfri-\ncaine und des beliebten Sweet Home und dem Hervorrufe gab\ner noch seinen „Faust-Walzer\" hinzu, der ebenfalls sehr durch-\nschlug. Er ist von hier nach Marseille zu Concerten gereist und\nwird am 25. März in Paris in Pasdeloup's Concert populaire spielen.\nVon Orchestersachen hörten wir einen Festmarsch von Lassen\n(Manuscript) und zwei Sätze aus J. Kaffs Suite für Orchester.\nIn der ersten Hälfte des März wird am deutschen Operntheater\nin Rotterdam zur Aufführung kommen eine romantische Oper in\ndrei Acten: „Aleida von Holland\", Text von Ernst in\nDarmstadt, Musik von dem holländischen Componisten W* F. T ho oft.\nDer Componist ist ein Schüler der leipziger Musik-Directoren M.\nHauptmann und E. F. Richter."}]}