{"numero_id": "bm-bmtnabi-1866-03-17-01", "volume": "bmtnabi_1866-03-17_01", "ocr_sha256": "99799726c91cfb3f9b1cb3133fc5e8710f51d03e3973c374ae14f6bb30d257a8", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1866/03/17_01/bmtnabi_1866-03-17_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660317-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1866-03-17-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-03-17_01#c001", "volume": "bmtnabi_1866-03-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "81", "page_fin": "81", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660317-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "81", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660317-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 481, "texte": "Inhalt.\nSupplement zur „Africanerin\". Von P. Aus Paris (die einhundertste Vorstellung der „Africanerin\"). Von B. P.\n// ✓\nAus München (Musik-Zustände, classiscbe und Zukunftsmusik). Aus dem Haag (Die Glocke von Schiller, in Musik gesetzt von\nF. W. G. Nicolai). Beethoven's 33 Variationen (Op. 120) über einen Walzer von Diabelli. Theater in Köln (Frau Louise Dustmann\nals Iphigenie Fräulein Therese Tietjens). 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So scheint es bei-\nnahe, wenn man einzelne bewundernde Stimmen über\nden jetzt mit einer Vorrede von Fötis erschienenen, immer-\nhin noch ziemlich starken Supplement-Partiturband hört,\ndie da bedauern, dass so viel Schönes unter der unbarm-\nherzigen Schere des Execulors des musicalischen Testa-\nmentes des Verstorbenen und aus Concession für die\nTheater-Regie bei der Aufführung ausgefallen sei. Was\nuns betrifft, so theilen wir bei Ansicht des Supplements\ndie Bewunderung der unendlichen Sorgfalt und des uner-\nmüdlichen Fleisses, ja, selbst der physischen Anstrengung,\nwelche eine so ins Einzelste getriebene, mühselige Aus-\narbeitung einer so kolossalen Partitur erforderte, was zwar\nschon aus der bisher gedruckten, der überlangen Auffüh-\nrung zu Grunde liegenden Partitur erhellt, vollständig\naber erst durch das Supplement ins Licht gestellt wird.\nBedauern können wir aber den Verlust der darin enthal-\ntenen Stücke für die Aufführung nicht, da im Gegentbeil\nder Wunsch noch weiterer Kürzungen gewiss kein ver-\neinzelter ist.\nDas Supplement enthält theils ganze, in die Haupt-\nPartitur nicht aufgenommene Stücke, theils andere, mei-\nstens wohl frühere, Bearbeitungen der darin vorhandenen,\nzuweilen nur Varianten einzelner Stellen. Es ist mithin\nfür den Musiker von Fach und für den künftigen Biogra-\nphen als Mittel zum Einblicke in die geistige Werkstatt\ndes Meisters interessant, indem es die auch sonst schon\nbekannte, fast ängstliche Art und Weise seiner minutiösen\nArbeit bezeugt, die freilich nicht immer, wie z. B. bei\nBeethoven's Correcturen seiner Manuscripte, aus der künst-\nlerischen Gewissenhaftigkeit und aus der Eingebung des\nSchöneren anstatt des Schönen hervorging, sondern mehr\naus der bis auf die Spitze getriebenen Reflexion und Spe-\nculation auf den Effect bei der Menge. In wie weit Meyer-\nbeer's Wahl bei diesem seinem Verfahren von seiner\nUeberzeugung vom wirklichen absolut Schönen oder vom\nRingen nach dem Auffallenden und bei dem grossen Pu-\nblicum Durchschlagenden geleitet worden sei, das ent-\nscheiden zu wollen, wäre freilich eine Anmaassung: allein\nden grossen und genialen Schönheiten gegenüber, welche\nseine Werke enthalten, wird man freilich versucht, anzu-\nnehmen, dass er sein eigenes Gefühl für das wahre Schöne\nöfter zu Gunsten des berechneten Eclats unterdrückt habe.\nIn der Vorrede rechtfertigt Fötis sein Verfahren bei\nden durchaus nothwendig gewordenen Kürzungen unserer\nAnsicht nach auf beifallswerthe Weise; auch sind wir\nüberzeugt, dass der in dieser Hinsicht über ihn in Paris\nausgesprochene Tadel seinen Ursprung weniger in dem\nEnthusiasmus für Meyerbeer, als in dem Aerger der pa-\nriser Celebritäten über seine Ernennung zum Testaments-\nVollstrecker hat. Ob die verschiedene Bearbeitung eines\nStückes, die im Supplement vorkommt, die frühere oder\nspätere sei, erfahren wir nicht immer mit Bestimmtheit.\nGleich im ersten Acte scheint die im Supplement vorhan-\ndene Form der Romanze der Ines eine spätere zu sein, da\nsie die gekünsteltere und im Tanz-Rhythmus\nder Sängerin mehr concertirenden Glanz darbietende ist.\nSonst ist der erste Act bei der Aufführung vollständig bei-\nbehalten worden.\nWir können nicht alle Stücke und Varianten aufzäh-\nlen. Bemerkenswerth ist die Doppel-Composition des so\ngenannten Schlummerliedes der Selika im zweiten Acte;\nbei beiden Compositionen (in der Partitur und dem Sup-\nplement) reden die Kritiker von „orientalischem Duft\"\nund „eigentümlichem Colorit\", Redensarten, die wir wie\nalles, was von „Localfarbe\" in der Opern- und Concert-\nMusik gefabelt wird, auf sich beruhen lassen wollen. Von\ndramatischem und musicalischem Effecte dürfte das weg-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "82", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660317-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2756, "texte": "gelassene kleine Arioso der Selika nach dem Duette mit\nVasco im Gefängnisse sein, in welches die Glocken des\nnahen Klosters, wo die Vermählung der Ines mit Don\nPedro gefeiert wird, hineinläuten, zumal da in der Auf-\nführung, wie sie jetzt ist, diese Vermählung nicht klar\ngenug hervortritt und folglich das Verständniss der Hand-\nlung hindert.\nAm bedeutendsten sind die Wegschnitte im dritten\nActe, den Anfangs die Autoren, Poet und Componist, für\neinen der efFectvollsten gehalten zu haben scheinen, wahr-\nscheinlich des Schiffes wegen. Sonderbar genug ist man\njetzt so ziemlich einstimmig darüber, gerade diesen Act\nfür den langweiligsten zu halten. Wer daran am meisten\nschuld ist, Scribe oder Meyerbeer, dürfte schwer zu ent-\nscheiden sein; dass aber F£tis der Sündenbock sein soll,\nweil er zu viel zurückgeschoben habe, das können wir\nnimmermehr zugeben, am wenigsten, wenn behauptet\nwerden will, dass die im Supplement erschienene vollstän-\ndige Schluss-Entwicklung des Duetts zwischen Vasco und\nDon Pedro, welche in der Aufführung wegbleibt, diesem\nDuette einen ganz anderen Charakter, und zwar einen\nmusicalisch weit mehr befriedigenden verleihe! Wie eine\nnoch so glänzende Coda und das ist die betreffende\nnicht einmal einem so saft- und kraftlosen Hauptsatze,\nwie ihn das Duett hat, einen neuen Charakter geben\nkönne, gehört überhaupt in das Gebiet der Fabel. Eben\nso wenig glauben wir, dass das (von Felis ebenfalls unter-\ndrückte) Bacchanal der Matrosen, in welches in oft ge-\nbrauchter Form die Romanzen-Melodie der Ines als Zwi-\nschensatz hineinseufzt, zur Rehabilitirung des dritten Actes\nin der öffentlichen Meinung beitragen möchte, wenn es zur\nVerlängerung der Längen desselben wieder aufgenommen\nwürde. Wie sich vollends dieses Bacchanal, welches die\nScene beginnt, mit dem kurz darauf folgenden Gebete an\nden heiligen Dominicus vertragen soll, wollen wir dahin-\ngestellt sein lassen, es müsste denn diese Aufeinanderfolge\nals eine köstliche Frucht des blühenden Realismus verthei-\ndigt werden, zur Versinnlichung des Spruches: „Nachts\nge—schwärmt und früh gebetet!\"\nWir kehren zu dem, was wir Anfangs gesagt, zurück,\nzur Bewunderung der Mühe und Ausdauer Meyerbeer's\nim Schaffen dieser Opernmusik. Das Supplement im Ver-\neine mit der Haupt-Ausgabe macht in der That die An-\nnahme einer fünfzehnjährigen Beschäftigung mit der Par-\ntitur glaublich.\nDer vollständige Titel des Supplements ist: „Deuxieme\npartie de la Partition pour Piano et Chant de l'opera\nl'Africaine, musique de Meyerbeer. Contenant 22 mor-\nceaux et fragments inedits, Airs, Arioso, Cavatines,\nNocturne, Ronde iacchique,\nRecits etc. qui n'ont pas ete executes äla representation\nde l'opera ä Paris. Procedee d'une Preface de Mr.\nFetis. Tin vol. de 190 pag. Gr. 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März fand die ein hundertste Vorstel-\nlung von Meyerbeer's „Africanerin\" Statt, vom 28.\nApril 1865 an bis zum 9. Marz 1866, also binnen etwa\nzehn Monaten. Seit beinahe zweihundert Jahren, dass die\ngrosse Oper existirt, hat kein Werk in so kurzer Zeit\ndiese Zahl von Vorstellungen erreicht: Spontini's „Vestalin\"\nerst nach acht, dessen „Ferdinand Cortez\" nach drei Jah-\nren, Auber's „Stumme von Portici\" nach zwei, eben so\nMeyerbeer's „Robert der Teufel\" und „Der Prophet\"\nnach zwei, „Die Hugenotten\" nach drei Jahren. Die\nhundert Vorstellungen der „Africanerin\" haben eine Ein-\nnahme von 1,060,000 Francs eingebracht, also im Durch-\nschnitt jede 10,000 Francs, die hundertste 11,000 Frcs.\nUnd während dieser zehn Monate ist das Werk auf mehr\nals vierzig anderen Theatern in Frankreich und mehr\nnoch im Auslande zur Aufführung gekommen und überall\nmit Vortheil für die Directionen, wie die fortwährenden\nWiederholungen beweisen*). Diese Thatsachen widerlegen\ndenn doch auf schlagende Weise die Gerüchte, dass\nMeyerbeer's frühere Erfolge durch seinen persönlichen\nEinfluss allein hervorgebracht worden wären, und zweitens\nauch die oft gehörte Behauptung, dass diese Erfolge ihm\nmehr gekostet, als eingebracht hätten. Die Tantiemen,\nwelche Meyerbeer von den drei- bis vierhundert und mehr\nAufführungen seiner drei grossen Opern bezogen bat,\ndürften jedem Componisten eine brillante Existenz bereitet\nhaben, und für einen Tondichter in Deutschland leider\nsind die Verhältnisse dort immer noch so! würde der\nErtrag des Verkaufs der Partitur und der Antheil an den\nEinnahmen von der „Africanerin\" allein, welche jetzt\nvon seinen Erben bezogen werden, ein ganz stattliches\nVermögen bilden!\nUebrigens würde man doch, wenn man von dem bei-\nspiellosen Erfolge der „Africanerin\" einen Schluss auf den\nKunstwerth derselben im Verhältnisse zum „Robert\" und\nden „Hugenotten\" machen wollte, einem Irrthume verfal-\nlen, auch wenn man die Sache nur äusserlich und ma-\nteriel abzuschätzen beabsichtigte; man würde nämlich dabei\ndie zwei Hauplfactoren des vermehrten Besuches, erstens\ndie sich von Jahr zu Jahr steigernde Vergnügungssucht der\n\n*) In Brüssel bereits 40 Mal, in Köln 21 Mal."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "83", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660317-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 693, "texte": "Menschen im Allgemeinen und der Thealer- und Opernlieb-\nhaberei im Besondern, und zweitens die erleichterte Verbin-\ndung der Provinz mit den Hauptstädten ausser Acht lassen.\nUebrigens gestaltete sich die hundertste Aufführung\nzu einem wahren Festabende. Das Haus war überfüllt,\ndie Besetzung der Rollen dieselbe, wie bei der ersten Vor-\nstellung: Marie Saxe (Selika), Marie Battu (Ines), Naudin\n(Vasco), Faure (Nelusco) u. s. w. Von Allen aber hatte\nnur Fräulein Battu niemals eine Stellvertreterin gehabt,\nmithin ihre Rolle bereits 99 Mal gesungen!\nMeyerbeer's Büste vom Bildhauer Dantan wurde an\ndemselben Abende in dem Foyer der grossen Oper der\nBüste Halövy's gegenüber aufgestellt.\n\nB. P."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-03-17-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-03-17_01#c004", "volume": "bmtnabi_1866-03-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "83", "page_fin": "85", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660317-01.2.4", "titre_corps": "Aus München.", "titre_sommaire": "Aus München.", "signature_source": "V", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "83", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660317-01.1.3", "debut_caractere": 695, "fin_caractere_exclue": 5131, "texte": "Aus München.\n\nDen 8. März 1866.\ni\nDer Fortschritt in der Musik macht hier grosse\nSchritte. Die so genannte Zukunftsmusik schwebt nicht\nmehr gleich einem ungeheuren Verhängnisse über unseren\nHäuptern, von den Einen mit banger Sehnsucht, von den\nAnderen mit banger Furcht erwartet; sie hat begonnen,\ndie Gegenwart zu occupiren. Mit dem mysteriösen Dunkel\ndes Zukünftigen ist freilich auch ein Theil ihres Nimbus\nverloren gegangen, und sie, die Heilige, muss sich mit\nihrer abgelebten Schwester, der Musik der Vergangenheit,\nbeim Tageslichte durch die nüchterne Kritik zusammen-\nstellen lassen und sich einer abwägenden Prüfung unter-\nwerfen. Nun, die mächtige Phalanx, welche für sie in\nMünchen die Waffen ergriffen hat, und die hiedurch für\ndie Gegenpartei erzeugte Notwendigkeit, auch ihre Kräfte\nzusammenzuraffen, trägt jedenfalls zur Klärung der Situa-\ntion und zur Abkürzung des Schisma bei. Auf welche Seite\nsich der Sieg definitiv neigen werde, hat allein die Zukunft\nzu entscheiden. Es wäre vermessen, schon jetzt ein Progno-\nslikon stellen zu wollen, obwohl momentan allerdings die\nZukunftsmusik scheinbar günstigere Chancen hat. Jeden-\nfalls bringt die gegenwärtige Krisis das Gute mit sich,\ndass sie uns einen werthvollen Einblick in die Produetivi-\ntät der Musik-Reformatoren gestattet und uns mancherlei\nNeues und Interessantes zu hören gibt.\nAn Gelegenheit, classische Musik und wirkliche Me-\nlodieen zu hören, fehlt es zwar immerhin noch nicht. Da-\nfür sorgen die musicalische Akademie, die Soireen\nfür Kammermusik, der Oratorien-Verein, die\nOper. Gänzlich ungerechtfertigt aber ist andererseits der\nVorwurf der absichtlichen Exclusivität, den man diesen\nInstituten nicht selten macht. Dass Lachner nicht die\nmoderne Musik im Allgemeinen ausschliesst, beweisen die\nin den letzten Jahren äusserst vielseitigen Programme der\nberühmten grossen Abonnements-Concerte, und\ndass er etwa die Reverie phantastique von Bülow dem\ngrossen Publicum, für Orchester arrangirt, vorführen solle,\nwird ihm doch wohl kein Billigdenkender zumuthen. .\nAuch der Oratorien-Verein, ein unter Prof. Rhein-\nberge r's exacter und gediegener Leitung sichtlich auf-\nblühender, höchst verdienstvoller Dilettanten-Verein, thut\nfür die Pflege der neueren Musik, gegenüber der alten,\nsicherlich nicht zu wenig. Sein letztes, erst in der vorigen\nWoche gegebenes Concert brachte Joseph Haydn's\nliebliches Stabat mater,Mirjam's Siegesgesarg von Franz\nSchubert, Eichendorff's „Flucht der heiligen Familie\"\nvon Max Bruch (beiläufig bemerkt, die erste Coroposi-\ntion dieses talentvollen und fruchtbaren Componisten, die\nhier öffentlich gegeben wurde) und eine Hymne für vier\nFrauenstimmen und Harfe von Rheinberger. Im vor-\nletzten .Concerte wurde Schumann's „Paradies und\nPeri\" vorgeführt.\nDass also ein tief empfundenes Bedürfniss, dem Fort-\nschritte der Zeit noch mehr Rechnung zu tragen, bestehe,\nist eine Behauptung, deren Beweis schwer fallen möchte.\nAllein der entgegengesetzten Ansicht wird von oben ge-\nhuldigt, also besteht das Bedürfniss, und Richard Wag-\nner, obwohl in Verbannung lebend, und seine Anhänger\nreiben sich vergnügt die Hände. Sie haben hier einen gol-\ndenen Boden, wenngleich die Zeiten von „Tristan und\nIsolde\" vorüber sind.\nFast möchte man an das bis jetzt für unmöglich Ge-\nhaltene glauben, dass Wagner's Musik wirklich populär\nwerden kann. Auf den Strassen spielt die Militärmusik\nWagner'sche „Weisen\", der akademische Gesangverein\nführte Wagner's Cantale für Männerstimmen: „Das Lie-\nbesmahl der Apostel\", auf; ja, Musikmeister Hünn spielt\ndieselbe Cantate sogar in einem Arrangement für Militär-\nmusi k. Die zahllosen Anschläge über Demi-monde-Con-\ncerte wimmeln von Wagner's Namen. So enthält, um nur\nein Beispiel aufzuführen, der Zettel über ein am heutigen\nTage in der Westend-Balle Statt findendes Concert neben\nzwei Compositionen von Weber und je einer von Rossini\nund Haydn eine Fifece aus Lohengrin, eine aus Tannhäu-\nser, eine aus dem Fliegenden Holländer, einen Huldigungs-\nmarsch von Richard Wagner und in einer eigenen Ab-\ntheilung „Das Liebesmahl der Apostel\" für Blechmusik!\nAngesichts dessen ist man versucht, mit Ernst die\nFrage aufzuwerfen: Ist Richard Wagner wirklich populär\ngeworden? Hierauf gehört sich ein entschiedenes „Nein\".\nIn die Häuser ist er nicht gedrungen, und die öffentlichen\nProductionen als Popularitätsmesser anzunehmen, ist ge-\nwagt, ist unrichtig. Bei gar Vielen, die einen Concert-Zettel\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "84", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660317-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5127, "texte": "machen, der bestimmt ist, an allen Strassenecken zu pran-\ngen, mag ein unbestimmtes, verständniss-inniges Erfassen\nder Situation die Hand regieren; Viele werden in Folge\ndessen vielleicht wirklich für einige Zeit Schwärmer für\ndie Mission der Musik-Reformatoren. Aber populär\nsind die letzteren nicht und werden es wohl auch nie-\nmals werden.\nDafür gab erst jüngst die Aufführung der „Elisabeth\"\nvon Liszt beredtes Zeugniss. Man hätte denken sollen,\ndass schon die Neuheit dieses nirgends als in Pesth aufge-\nführten und dort glänzend aufgenommenen Werkes die\nhiesigen Musikfreunde in Scharen in das Theater locken\nwürde. Zu allgemeinem Erstaunen war das nicht der Fall.\nDie Aufnahme war, bei wahrhaft ausgezeichneter Auffüh-\nrung, freilich günstig, das heisst, es wurde viel geklatscht\nund noch mehr in Zeitungen gelobt. Allein, dass bei der\nersten Aufführung das Haus zur Hälfte, bei der zweiten,\ntrotz der in Mitte liegenden enthusiastischen Kritiker, zu\ndrei Viertheilen leer war, verschwiegen alle Refe-\nrenten, die sich höchstens bis zu dem Zugeständnisse auf-\nschwangen, dass es eben ein Werk sei, das nur die „Elite\"\nder Musikfreunde anziehen könne. Nun, wie dem auch\nsei, das münchener Publicum documentirte durch sein\nVerhalten diesem Oratorium gegenüber, dass es den be-\ntretenen Weg zu einer Reformation des Oratoriums nicht\nfür glücklich gewählt erachte, dass es für Melodieenman-\ngel nicht durch tiefsinnige Orchester-Malerei entschädigt\nwerde, und dass man die Armuth an wirklich genialen\nGedanken allenfalls in einer Oper in der die Handlung\nunterstützend wirkt ertragen könne, nicht aber da, wo\nbloss Musik wirkt.\nDies ist auch vollkommen richtig.\nDenken wir uns Tristan oder Lohengrin die trotz\nder Liszt eigenthümlichen unbefangenen Benutzung frem-\nder Melodieen dem Principe nach doch eigentlich seine\nVorbilder sind im Concertsaale aufgeführt, welcher\nSterbliche könnte das ertragen? während wir Beethoven,\nGluck, Mozart überall, in allen Situationen und Stimmun-\ngen hören können. In den Werken dieser Heroen flammt\neben der-göttliche Funke, der den Reformatoren nicht\ngegeben ist, und dessen Mangel sie zwingt, die Originali-\ntät, die sie in Melodieen und Harmonieen nicht finden\nkönnen, in Tonmalerei in Verstandes-Thätigkeit an\nden Tag zu legen.\nDiese Ueberschreitung der musicalischen Gränzen,\ndiese Confundirung der Musik mit dem darzustellenden\nInhalte betont Wagner selbst fortwährend in seinen kriti-\nschen Ergüssen, wie er z. B. in dem Vorworte zu einer\nUebersetzung seiner Operntexte die Grösse des Dichters\nam meisten danach ermisst, „was er verschweigt, um das\nUnaussprechliche selbst schweigend uns sagen zu lassen\",\nund beifügt, „der Musiker ist es nun, der dieses Ver-\nschwiegene zum hellen Ertönen bringt, und die untrüg-\nliche Form seines laut erklingenden Schweigens ist die\nunendliche Melodie\".\n0, wir armseligen Erdbewohner, die wir, um dieses\n„laut erklingende Schweigen\" zu verstehen, schon in der\nOper alle unsere Sinne bis zum Aeussersten anspannen\nund zuletzt als ehrliche Leute doch hier und da das Ge-\nständniss ablegen müssen, dass es uns dunkel geblieben\nist; wie beschämt stehen wir demselben gegenüber, wenn\nes ohne erläuternde dramatische Action auf uns herein-\nbraust! Wir müssen uns eben mit der Ueberzeugung trö-\nsten, dass die Zukunftsmusik auf Wesen höherer Organi-\nsation berechnet ist, und müssen desshalb darauf verzich-\nten, sie in unserem entgeistigten Zeitalter jemals volks-\ntümlich werden zu sehen. 0\nUm ein annähernd entsprechendes Bild der hiesigen\nBestrebungen der Musik-Reformatoren zu geben, ist es\nnöthig, noch Herrn von Bülow's Leistungen zu erwäh-\nnen. Herrn von Bülow als Clavierspieler zu loben, hiesse\nEulen nach Athen tragen. Sein Vortrag ist mehr als ein\ntadelloses Vorspielen von Compositionen verschiedener\nGattung. Er dringt in alle Tiefen unserer herrlichen Cla-\nvier-Literatur, so weit er sie seinem Programme einver-\nleibt, und fördert Schätze zu Tage, die den Hörer zu ent-\nzücken vermögen. Nur in Einem thut man ihm Unrecht,\nwenn man nämlich behauptet, er gebe eine vollgültige\nUebersicht unserer Musik-Literatur und gehe in der Aus-\nwahl der Compositionen mit einer gewissen Unparteilich-\nkeit zu Werke.\nIn dem Cyklus von Vorträgen, die er für diese Saison\nvor wenigen Tagen mit seinem dritten geschlossen hat,\nfindet sich der Name Beethoven's (diesen auszulassen, wäre\nauch strafbar!) drei Mal vertreten; von Bach spielte er\nzwei, von Händel eine Composition. Einmal vertreten sind\nSchubert, Joachim Raff, Bülow (mit einer\ntastique), ferner Chopin (mit zwei auf einander folgenden\nStücken) und Rheinberger (mit drei kleinen Pi&cen). Liszt\ndominirt mit acht zum Theil sehr umfangreichen, zum\nTheil wahrhaft ungeheuerlichen Compositionen.\nWo ist da Haydn und Mozart, wo Clementi, wo Men-\ndelssohn, Thalberg, Döhler, Taubert, Hiller, Carl Maria\nvon Weber? von Hummel, Moscheies und Anderen nicht\nzu reden.\nDiese Programme reden zu deutlich; es ist nicht nö-\nthig, das Facit zu ziehen. „Man merkt die Absicht, und\nman wird verstimmt.\"\nHier haben Sie ein Bild über die hiesigen Leistungen\nder Zukunftsmusik, dem ich nur noch das in den Tages-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660317-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 663, "texte": "blättern auftretende Gerücht beifügen will, wonach im\nLaufe des nächsten Monats 3 (mit Worten drei) Concerte\nim Theater Statt finden würden, in welchen unter Herrn\nvon Bülow's Direction Liszt'sche und Wagner'sche Com-\npositionen zur Aufführung kommen sollen.\nWenn die vorstehende Schilderung auch weder auf\nVollkommenheit, noch auf allgemeine Zustimmung An-\nspruch macht, so ist sie doch vielleicht neben den zahllo-\nsen Treibhaus-Lorbern, welche die Herren der musicali-\nscben Reformation ärnten, als unparteiische Gegenstimme,\ndie dem Ausdrucke der Ansichten des weitaus grösseren\nTheiles der Bevölkerung Münchens gewidmet ist, nicht\nganz ohne Berechtigung.\n\nV."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-03-17-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-03-17_01#c005", "volume": "bmtnabi_1866-03-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "85", "page_fin": "86", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660317-01.2.5", "titre_corps": "Aus dem Haag.", "titre_sommaire": "Aus dem Haag.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660317-01.1.5", "debut_caractere": 665, "fin_caractere_exclue": 5057, "texte": "Aus dem Haag.\n(Die Glocke von Schiller, in Musik gesetzt von F. W. G.\nNicolai.)\nDen 6. März 1866.\nDas Concert der hiesigen Abtheilung der niederlän-\ndischen Gesellschaft zur Beförderung der Tonkunst, das\nam 13. Februar im Diligentia-Saale Statt fand, brachte\nals Hauptnummer eine neue Composition von F. W. G.\nNicolai*), welche den ganzen ersten Theil des Concertes\nfüllte.\nSchiller's „Lied von der Glocke\" bat bekanntlich\nschon zu Anfang unseres Jahrhunderts einen Componisten\nin Andreas Romberg gefunden, und Jahrzehende lang er-\nlebte dessen Composition (für Soli, Chor und Orchester)\nzahlreiche Aufführungen und gehörte zu den Lieblings-\nwerken der Singvereine. Späterhin hat Lindpaintner\neine melodramatische Orchestermusik zur „Glocke\" ge-\nschrieben, als diese in Wien von Laube zu einem sceni-\nschen Festspiele eingerichtet worden war.\nHerr Nicolai hat das schöne Gedicht von Neuem für\nSoli, Chor und Orchester componirt, und zwar nach einem\nweit grösseren Maassstabe, als Romberg, so dass die Auf-\nführung beinahe zwei Stunden ausfüllt. So viel man nach\neiner einmaligen Anhörung beurtheilen kann, darf man\nmit Oeberzeugung aussprechen, dass dem Werke unter\nden Compositionen holländischer Tonsetzer ein ausgezeich-\nneter Platz gebührt. Die Conception ist meist bedeutend,\nder Stil breit und die Form wohl abgerundet, und wenn\nauch das harmonische Element vorwaltet, so ist doch das\nmelodische keineswegs vernachlässigt. Die Stimmführung\nist durchaus fliessend und die Instrumentation reich, ohne\nüberladen zu sein. Die Solostimmen sind, ohne gerade\ndurch besonderen Glanz hervorzutreten, doch recht in-\nteressant und auch, was man dankbar nennt; besonders\nzeichnet sich die Partie des „Meisters\" aus, wozu die\ndurch das Gedicht gebotene Veranlassung glücklich vom\nComponisten benutzt ist. Die Chöre sprechen sehr an, sie\nsind vollstimmig und kräftig und klingen im Allgemeinen\nrecht gut. Das Ganze zeugt von einem edeln Streben und\nhält in theilnehmender Spannung. Wir zweifeln indess nicht,\ndass die Aufführung den Herrn Componisten überzeugt\nhaben wird, dass einige Kürzungen dem Werke nur Vor-\ntheil bringen dürften.\nDie Ausführung war so, wie es sich erwarten liess,\nda bei den vorhandenen guten Kräften die Einübung und\ndie Direction der Aufführung dem Componisten selbst an-\nvertraut war. Den ersten Platz in der Anerkennung ver-\ndienen die Damen und Herren des Singvereins für den\nEifer und die warme Tbeilnahme, mit welchen sie das\nStudium des nicht eben leichten Werkes ihres geschätzten\nDirigenten betrieben haben; die Ausführung bewies, dass\nsie ihre Aufgabe mit Liebe erfasst hatten und zur Befrie-\ndigung lösten; die Einsätze waren präcis und gleich kräf-\ntig, und es fehlte nicht an Beachtung der Nuancen des\nAusdrucks.\nDie H aupt-Soli machen ein Quartett aus, welches die\nDamen Offermans van Hove (Sopran) und Collin-\nTobisch (Alt), die Herren Karl Schneider (Tenor)\nvon der deutschen Oper zu Rotterdam und Karl Hill\nvon Frankfurt am Main bildeten. Sie alle trugen ihre Par-\ntie mit Wärme und sichtbarer Theilnahme an dem Werke\nvortrefflich vor, namentlich Herr Hill, der in unverkenn-\nbar günstiger Stimmung für die Composition die mit Vor-\nliebe behandelte Partie des Meisters sang.\nDer Erfolg beim Publicum und den Mitwirkenden\nauf der Tonbühne war ein entschieden günstiger. Am\nSchlüsse ärntete Herr Director Nicolai die ungeteiltesten\nBeweise von Theilnahme und freudiger Erregtheit, die\nDamen vom Chor warfen ihm Blumen zu, das Orchester\nliess Fanfaren erklingen und die Zuhörerschaft stimmte\ndurch lebhaften Applaus und Hervorruf darin ein. Der\nEindruck dieser Ovationen auf den bescheidenen Künstler\nwurde dadurch noch besonders erhöht, dass Ihre Majestät\ndie Königin von Holland, die mit mehreren Gliedern der\nköniglichen Familie das Concert mit ihrer Gegenwart be-\nehrt hatte, den Componisten zu sich bescheiden liess und\n\n*) Herr F. W. G. Nicolai, seit einigen Jahren Director der\ngenannten Abtheilung der Gesellschaft und seit H. Lübeck's Tode\nDirector der königlichen Musikschule im Haag, leitet die Uebungen\ndes Gesangvereins und die Concerte der Gesellschaft, in denen grös-\nsere und kleinere Yocalwerke von Händel ab bis auf die Compo-\nnisten der Neuzeit, z. B. Schumann und Hiller, aufgeführt werden.\nDer Gesangverein hat in den letzten Jahren sehr zugenommen, so-\nwohl an Zahl der Mitglieder 130 bis 140 Damen und Herren\nals an Tüchtigkeit derselben."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "86", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660317-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 517, "texte": "in sehr schmeichelhaften Ausdrücken ihm ihren Beifall zu\nerkennen gab.\nIn der zweiten Abtheilung sang Herr Schneider die\nKirchen-Arie von Stradeila, Frau Collin-Tobisch die Alt-\nArie aus dem Oratorium „Die Auferstehung\" von Heinze,\nHerr Hill die Arie des Paulus: „Gott sei mir gnädig!\"\nDie Palme des Abends dürfte zweifelsohne diesem Sänger\ngebühren. Zum Schlüsse wurde „Mirjam's Siegsgesang\"\nvon Franz Schubert (Solo: Frau Offermans), die Be-\ngleitung instrumentirt von J. A. van Eyken, zum ersten\nMale hier gegeben."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-03-17-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-03-17_01#c006", "volume": "bmtnabi_1866-03-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "86", "page_fin": "87", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660317-01.2.6", "titre_corps": "Beethoven’s 33 Variationen (Op. 120) über einen Walzer von Diabelli.", "titre_sommaire": "Beethoven’s 33 Variationen (Op. 120) über einen Walzer von Diabelli.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "86", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660317-01.1.6", "debut_caractere": 519, "fin_caractere_exclue": 5092, "texte": "Beethoven’s 33 Variationen (Op. 120) über einen\nWalzer von Diabelli.\nKöln, 17. März 1866.\nDie morgen (den 18. d. Mts.) bevorstehende Soiree\ndes Herrn von Bülow bestimmt uns, über die Veran-\nlassung und Entstehung des bewundernswerthen, aber\nsehr wenig gekannten Werkes von Beethoven, welches\nder berühmte Pianist zum Schlüsse seiner Ciavier-Vorträge\no\ngewählt hat, einige nähere Umstände aus Schindlers Bio-\ngraphie Beethoven's mitzutheilen, die jedenfalls geeignet\nsind, die Theilnahme des Publicums für die bevorstehende\nSoiree zu steigern.\nDie Verlagshandlung Diabelli und Comp, hatte in dem\nWinter von 1822 auf 1823 einer grossen Anzahl von\nComponisten den Wunsch vorgelegt: jeder von ihnen\nmöchte auf das Walzer-Thema, welches Diabelli selbst\ngemacht hatte, eine Variation schreiben, worauf denn das\nGanze als ein Collectivwerk erscheinen sollte. Beethoven,\nden eine Erinnerung an ärgerliche Umstände bei einem\nfrüheren ähnlichen Plane (Collectiv-Composition des Lie-\ndes In questa toniba oscura)verdriesslich machte, schlug\ndie Einladung rund ab. Bald aber ersuchte er Schindler,\nDiabelli zu fragen, ob es ihm recht wäre, wenn er das\nThema allein bearbeitete. Diabelli ging sogleich darauf\nein, sicherte ihm 80 Ducaten Honorar zu und bat ihn\num etwa sechs bis sieben Variationen. Beethoven, über\ndas hohe Honorar erfreut, sagte schriftlich zu und äusserte\nlachend zu Schindler: „Nu, der soll über seinen Schuster-\nfleck Variationen haben!\"\n„Anfangs Mai bezog der Meister die von einem herr-\nlichen Park umgebene und eine entzückende Aussicht ge-\nwährende Villa des Barons von Pronay zu Hetzendorf. Die\nzunächst vorgenommene Composition war die Bearbeitung\ndes Diabelli'schen Walzers, die ihn in seltener Weise be-\nlustigte. Alsbald waren zehn, bald noch ein Mal so viel,\ndann gar schon fünfundzwanzig Variationen auf dem Pa-\npier, und immer hiess es: »Das sind noch nicht alle.\" Der\nVerleger, besorgt wegen des zu grossen Umfanges des\nWerkes, folglich zu hohen Ladenpreises, wünschte den\nSchluss. Der Componist aber, der den Beweis liefern\nwollte, was sich alles aus einem ordinären Walzer bilden\nlasse, erwiderte: er möge nur noch etwas Geduld haben.\nSo entstanden die „33 Veränderungen über einen Wal-\nzer, Op. 120\", denen man es leichtlich ansieht, in welch\nrosiger Stimmung sie niedergeschrieben worden. Des Mei-\nsters Gegner haben dieses von ungewöhnlichem Humor\nsprudelnde Werk immer ignorirt. Sie hätten daraus er-\nsehen können, wenn sie gewollt, in welch heiterer, ver-\ngnüglicher Stimmung Beethoven zuweilen noch in seinen\nletzten Lebensjahren gewesen, nicht aber „immer düster\nund brütend\", wie sie ihn zu schildern belieben. Die aus-\nserordentliche Mannigfaltigkeit in Verwendung des The-\nma's es muss sich sogar zur Umgestaltung in das Mo-\nzart'sche „Reine Ruh' bei Tag und Nacht\", dann wieder\nzur Bildung einer Fughetta, endlich sogar zu einer regel-\nrecht geformten Fuge bequemen gibt ein sprechendes\nZeugniss, mit welcher Lust und wohl auch Selbstbefriedi-\ngung dieses nur Virtuosen ersten Ranges zugängliche Werk\ngeschaffen worden. Wenn ja die Persiflage des Collectiv-\nWerkes aus dem Jahre 1808 irgend Einwirkung oder\nAnstoss zu solcher Gestaltung dieses Werkes gegeben ha-\nben sollte, so wollen wir ihr Dagewesensein mit Dank be-\ngrüssen und das Factum überhaupt in Beethoven's Lebens-\ngeschichte nicht als blosse Episode betrachten.\"\nHerr von Bülow wird diese Variationen vortragen\nund hat dem Programm einen „Versuch, den einzelnen\nVariationen so allgemein als möglic h gehaltene cha-\nrakteristische Ueberscbriften zu verleihen und hiedurch\neinen äusserlichen Stützpunct für die Aufmerksamkeit zu\nbieten\", beigegeben, der, wie er hinzufügt, „nur an die-\njenigen Hörer sich richtet, welchen das Werk noch gänz-\nlich unbekannt sei\", der aber auch für Dilettanten, die\nsich an das Werk wagen, interessant sein möchte. Die\nUeberschriften lauten: Thema. 1. Marsch. 2. Reigen. 3.\nZu zweien. 4. Zu dreien. 5. Zu vieren. 6. Triller-Varia-\ntion. 7. Capriccio. 8. Intermezzo. 9. Variation. 10.\nPresto. 11. Idylle. 12. Studie. 13. Widerhall. 14. An-\ndacht. 15. Scherzo. 16. 17. Virtuosenlaune. 18. Geheim-\nniss. 19. Heftiger Dialog. 20. Vision. 21. Contraste. 22.\n„Leporello\". 23. Humoreske. 24. Erbauung. 25. Zer-\nstreuung. 26. Behagen. 27. Ungeduld. 28. Uebermutb.\n29. Webmutb. 30. Entsagung. 31. Adagio. 32. Fuge.\n33. Finale (Menuett).\n, Wir bemerken nur dazu, dass die auffallendste da-\nvon: „Leporello\", von Beethoven selbst veranlasst ist, der\nbei Nr. 22, wo er sich den Spass machte, Mozart's Motiv\nzu benutzen, bemerkt: „Atta Nottee giorno faticar di"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660317-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 314, "texte": "Mozart.\" Was wir sonst von dergleichen Ueberschrif-\nten halten, ist bekannt; indess verwahrt sich Herr von\nBülow allerdings vor Missdeutung seiner Absichten. Trotz-\ndem bleibt es immer charakteristisch, dass versucht wird,\nselbst aus so entschieden absoluter Musik andere als mu-\nsicalische Gedanken herauszulesen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-03-17-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-03-17_01#c007", "volume": "bmtnabi_1866-03-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "87", "page_fin": "87", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660317-01.2.7", "titre_corps": "Theater in Köln.", "titre_sommaire": "Theater in Köln.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660317-01.1.7", "debut_caractere": 316, "fin_caractere_exclue": 2759, "texte": "Theater in Köln.\nDen 12. März 1866.\nGluck's „Iphigenie in Tauris\" ist am Freitag gegeben worden,\nund es ist unsere erste Pflicht, den Entschluss der Direction, eine\nOper, deren Aufführung ausschliessliches Eigenthum der Hof- und\nResidenzbühnen zu sein schien, auf unserem Stadttheater in Scene\nzu setzen, anzuerkennen und die Anstrengungen des Directors Ernst\nund des Capellmeisters Seidel zu rühmen. Das Publicum füllte, trotz\nder hohen Preise, alle Räume des Hauses und erhielt durch die\nAusführung der Oper, die allerdings vor Allem durch die classisch\nvollendete Darstellung der Iphigenie durch Frau Dustmann getra-\ngen wurde, einen sichtbar ergreifenden und erhebenden Eindruck.\nDiese Darstellung der grossen Sängerin war in jeder Hinsicht, dra-\nmatisch und musicalisch, ein Erzeugniss ihres Bewussiseins der er-\nhabenen Aufgabe und ihres Glaubens an Schiller's Worte an die\nKünstler: „Der Menschheit Würde ist in eure Hand gegeben, be-\nwahret sie! Sie sinkt mit euch, mit euch wird sie sich heben!u Die\nherrliche Künstlerin war, im Verein mit Gluck's Musik und der er-\ngreifenden Handlung des Dratna's, eine echte Repräsentantin des\nIdealen, dessen Bedeutung in der Kunst sie gegen das Eindringen\ndes crassen Realismus verherrlichte. Beide Vorstellungen, die\nLeonore und die Iphigenie, werden allen, die sie sahen, unvergess-\nlich sein, und so mag ein Abschiedsgruss, im Freundeskreise an\nLouise Dustmann gebracht, zur Erinnerung an sie hier Stelle finden:\nBei Leonorens Bild der treu'sten Liebe,\nDem Sieg des Muths in Kampf mit Seelenschmerzen,\nWo wäre da ein Aug', das trocken bliebe\nBei Deiner Stimme Wiederklang im Herzen!\nDoch führst empor Du uns zu dem Erhaben-Schönen\nDer griechischen Tragödie in Tönen,\nDann steigen vom Olymp hernieder die Camönen,\nDich als geweihte Priesterin zu krönen.\nDoch kaum ist eine so hohe Kunsterscheinung an uns vorüber-\ngegangen, und schon geht ein zweiter Stern des dramatischen Ge-\nsanges an unserem Horizonte auf, Fräulein Therese Tietjens,\ndie Vertreterin der deutschen Kunst im Lande der Briten, siegreich\ngegen die italiänischen und französischen Berühmtheiten. Wir heis-\nsen die grosse Künstlerin im Vaterlande um so mehr willkommen,\nda sie den Wunsch der Rheinländer, sie in ihrer eigentlichen Sphäre\nauf der Bühne zu bewundern, was ihnen bisher noch nicht vergönnt\nwar, erfüllt. Die Bemühungen des Directors Ernst, uns so hohe\nGäste vorzuführen, verdienen den grössten Dank der Kunstfreunde."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-03-17-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-03-17_01#c008", "volume": "bmtnabi_1866-03-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "87", "page_fin": "88", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660317-01.2.8", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660317-01.1.7", "debut_caractere": 2761, "fin_caractere_exclue": 6614, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nÄoln. Am 14. d. Mts. wohnten wir einer öffentlichen Ver-\nsammlung des st ädti sehen Gesangvereins im kleineren Gürze-\nnichsaale bei. Mit Pianoforte-Begleitung wurden gesungen: Men-\ndelssohns Hymne für Sopran und Chor: „Hör' mein Bitten!\"\nCherubini's Schlummerlied für Frauenstimmen; J. Seb. Bach's\nCantate: „Freue dich, erlöste Schar!\"; aus Cherubini's Requiem\nder Introitus und das Dies ircie\\ F. Hiller's „Palmsonntagmorgen\";\nMendelssohn's 98. Psalm für achtstimmigen Chor. Sämmtliche\nund, wie man sieht, meist schwierige Compositionen wurden unter\nder Leitung des jetzigen Dirigenten des Vereins, Herrn Gerns-\nheim, vorzüglich gut ausgeführt; der zahlreiche Chor (60 Sopra-\nnistinnen u. s. w.) entwickelte einen recht klangvollen, starken Ton\nund eine Präcision und Sicherheit, welche besonders in der herr-\nlichen Cantate von Bach, in Cherubini's Requiem und in dem a ca-\npella gesungenen Eingänge von Mendelssohn's Psalm sehr erfreulich\nwar und einen wirklichen Kunstgenuss darbot. Die Soli wurden\nrecht gut von den Damen Fräulein Rempel, Frau Cr am er und\nFräulein Niethen und Herrn Bolle (Tenor) vorgetragen. Die Lei-\nstungen des Vereins gereichen dem Eifer der Mitglieder und der\nbesonderen Tüchtigkeit des Herrn Dirigenten zu grosser Ehre; möge\ndas einträchtige Zusammenwirken von Seiten Beider den schönen\nChor immer mehr fördern: wir haben ihn mehr wie je nöthig.\nIn einer der letzten Sitzungen der musicalischen Gesellschaft\nerregte der aus dem Gedächtnisse mit Fertigkeit und musicalischem\nVerständnisse ausgeführte Vortrag von Hiller's Fis-moll-Concert\ndurch den eilfjährigen jungen Heimann aus Amsterdam, Schüler\ndes hiesigen Conservatoriums, allgemeinen Beifall und berechtigt zu\nden schönsten Hoffnungen auf die Entwicklung eines bedeutenden\nTalentes.\nDie italiänische Oper in Her Theatre in London,\nunter der Direction des Herrn Mapleson, welcher in dieser Woche\nmehreren Opern-Vorstellungen im hiesigen Stadttheater beiwohnte,\nzunächst dem ersten Auftreten von Fräulein Tietjens, der Prima-\ndonna seiner Gesellschaft, wird am 7. April eröffnet.\n©reffeld. Donnerstag, den 22. Februar, brachte das Concert\nunserer Liedertafel die Cantate „Gruss an die Nacht\" von A. Dorn,\ndem Dirigenten der Liedertafel, eine neue Composition, an der\nwir für unser Theil aussetzen möchten, dass die Musik bei dem ihr\nzu Grunde gelegten, wenn auch tief-innigen, so doch höchst einfa-\nchen Gedichte viel zu grossartig angelegt ist und dass das künst-\nlerisch schöne Ebenmaass zwischen dem vocalen und instrumentalen\nTheile zum Nachtheile des ersteren wohl etwas verletzt sein dürfte.\nDie Orchester-Begleitung ist für sich allein ein selbständiges Instru-\nmentalwerk, welches in seiner reichhaltigen Instrumentation ein un-\nverkennbares Compositions-Talent des jungen Künstlers verräth,\ngleichwohl aber als einfache Begleitung eines Gesanges diesen letz-\nteren um so mehr erdrücken musste, als es demselben mit Ausnahme\nder beiden letzten Strophen an leicht fassbaren Melodieen gebricht,\nund der mitwirkenden Sänger viel zu wenig waren, um dem gewal-\ntigen Orchester gehörigen Widerstand leisten zu können. Mit dem\nwundervollen Clavier-Concerte (G-moll) von Beethoven hatte Herr\nDorn Gelegenheit, seine bekannte Virtuosität von Neuem zu bethä-\ntigen. Den Glanzpunkt des Abends bildete unstreitig die „Velleda*\nvon C. Joseph Brambach, welche den zweiten Theil des Con-\ncertes ausfüllte. Diese Composition ist bekanntlich im Jahre 1864\nauf Concurrenz-Ausschreiben der aachener Liedertafel mit dem zwei-\nten Preise gekrönt und auf dem Sängerfeste des niederrheinischen\nSängervereins im Herbste des genannten Jahres in Aachen mit gros-\nsem Erfolge aufgeführt worden. Fräulein Marie Büschgens als\nVelleda trug hier in Crefeld das Ihrige dazu bei, um Alles in Feuer\nund Begeisterung mit sich fortzureissen, so dass die Composition"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "88", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660317-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4230, "texte": "auch hier nach allen Seiten hin und unter rauschendem Beifalle der\nZuhörerschaft in würdigster Weise zur Aufführung gelangte.\nBerlin* In den königlichen Theatern zu Berlin wurden im\nGanzen 55 Vorstellungen im Monat Januar gegeben, und zwar vom\nSchauspiel 30, von der Oper 21 und vom Ballet 4, davon 30 im\nAbonnement. Vorstellungen classischer Werke von Goethe (Götz) 1,\nKleist 1, Shakespeare 7. Opern: Weber, Freischütz, Oberon.\nGluck, Orpheus. Mozart, Don Juan. Meyerbeer, Die Africa-\nnerin (5 Mal). Jüdin (2 Mal). Flotow, Martha (2 Mal),\nBoieldieu, Die weisse Dame (2 Mal). Adam, Der Postillon. Bel-\nlini, Die Nachtwandlerin. Auber, Die Gesandtin, Der schwarze\nDomino. Verdi, Violetta (2 Mal). Zu einigen der aufgeführten\nOpern und Stücke machen die „Berliner Recensionen\", eine von\nF. A* Meyer in Berlin gut redigirte Wochenschrift, folgende interes-\nsante historische Bemerkungen.\n„Der Freischütz\" von C«. M. von Weber. Die königliche\nBühne in Berlin hat diese Oper am 18. Juni 1821 überhaupt zum\nersten Male auf die Bühne gebracht, und ist dieselbe am 5. Januar\n1866 zum 347. Male auf derselben gegeben worden. Am 22. De-\ncember 1858 feierte die königliche Bühne bei Gelegenheit der 301.\nAufführung des „Freischütz\" C. M. von Weber's Gedächtniss mit\neinem Prologe in Verbindung mit lebenden Bildern.\nShakespeare's „Othello\" gelangte in der Uebersetzung von\nEschenburg in Berlin zum ersten Male am 29. April 1775, mit\nHerrn Döbbelin in der Titelrolle, zur Darstellung. Am 12. März\n1788 wurde das Trauerspiel zum Benefiz für Herrn Fleck nach der\nBearbeitung von Schröder gegeben. Fleck spielte den „Othello\" bis\nzum Jahre 1794. Von 1794 bis 1812 erlebte das Stück keine Wie-\nderholungen, Am 28. December 1812 wurde dasselbe, mit Mattausch\nals Othello, nach der Uebersetzung von Voss aufgeführt. Am 6. Ja-\nnuar 1866 fand die 76. Vorstellung des Trauerspiels Statt; ausser-\ndem wurde dasselbe im Jahre 1853 auf der königlichen Bühne auch\nvier Mal in englischer Sprache von Mr. Ira Aldridge und seiner\nGesellschaft aufgeführt.\n„Götz von Berlichingen\", geschrieben 1773, für das Theater\neingerichtet von Goethe in Weimar 1804, wurde in Berlin am 12.\nApril 1774 zum ersten Male gegeben» Der Theaterzettel trägt fol-\ngende Ueberschrift: „Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand.\nEin ganz neues Schauspiel von fünf Acten. Welches nach einer\nganz besondern und jetzo ganz ungewöhnlichen Einrichtung von\neinem gelehrten und scharfsinnigen Verfasser mit Fleiss verfertigt\nworden. Es soll, wie man sagt, nach Schakespearschen Geschmack\nabgefasst sein. Man hätte vielleicht Bedenken getragen, solches auf\ndie Schaubühne zu bringen, aber man hat dem Verlangen vieler\nFreunde nachgegeben, und so viel, als Zeit und Platz erlauben\nwollen, Anstalt gemacht, es aufzuführen. Auch hat man sich, dem\ngeehrtesten Publico gefällig zu machen, alle erforderliche Kosten\nauf die nöthigen Decorationen und neuen Kleider gewandt, die in\nden damaligen Zeiten üblich waren. In diesem Stück kommt auch\nein Ballet von Zigeunern vor. Die Einrichtung dieses Stückes ist\nam Eingange auf einen a garten Blatte für 1 Gr* zu haben. Der\nAnfang ist präcise um 5 Uhr.\" Der Dichter ist auf dem Theater-\nzettel vom 12. April 1774 nicht angegeben. Am 28. April desselben\nJahres aber steht auf dem Zettel: „Schauspiel in fünf Akten vom\nHerrn D. Göde in Frankfurth am Main.\" Bei der ersten Auf-\nführung des Schauspiels spielte Herr Brückner den Götz. Im Jahre\n1795 wurde die Rolle von Herrn Fleck dargestellt, 1805 von Herrn\nMattausch. Die Vorstellungen des „Götz\" erfuhren grosse Unterbre-\nchungen; von 1777 bis 1795, von 1795 bis 1805 und von 1815 bis\n1827 befand sich das Schauspiel nicht auf dem Repertoire. Die Auf-\nführung am 20. Januar 1866 war die HO. auf der hiesigen Bühne.\nHerr Gye, Director der italiänischen Oper im Coventgarden-\nTheater zu London, hat Fräulein Orgeny von der berliner Hof-\nOper auf fünf Saisons engagirt. Er wird seine Oper am 3. April\neröffnen.\nPauline Lucca soll Zeitungs-Nachrichten zufolge für den\nMonat April in Madrid für 3000 Frcs. Honorar für jeden Spiel-\nabend engagirt sein.\nIn München macht die Wiederaufnahme von Lortzing's\n„Undine\" mit Fräulein Stehle und Mühldorfer's Decorationen und\nMaschinerieen wiederholt volle Häuser."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "81", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660317-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nSupplement zur „Africanerin\". Von P. Aus Paris (die einhundertste Vorstellung der „Africanerin\"). Von B. P.\n// ✓\nAus München (Musik-Zustände, classiscbe und Zukunftsmusik). Aus dem Haag (Die Glocke von Schiller, in Musik gesetzt von\nF. W. G. Nicolai). Beethoven's 33 Variationen (Op. 120) über einen Walzer von Diabelli. Theater in Köln (Frau Louise Dustmann\nals Iphigenie Fräulein Therese Tietjens). Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, städtischer Gesangverein u. s. w.).\n\nSupplement zur „Africanerin“.\n\nWie? ein Supplement zu Meyerbeer's „Africanerin\"?\nIst die Oper noch nicht lang genug? So scheint es bei-\nnahe, wenn man einzelne bewundernde Stimmen über\nden jetzt mit einer Vorrede von Fötis erschienenen, immer-\nhin noch ziemlich starken Supplement-Partiturband hört,\ndie da bedauern, dass so viel Schönes unter der unbarm-\nherzigen Schere des Execulors des musicalischen Testa-\nmentes des Verstorbenen und aus Concession für die\nTheater-Regie bei der Aufführung ausgefallen sei. Was\nuns betrifft, so theilen wir bei Ansicht des Supplements\ndie Bewunderung der unendlichen Sorgfalt und des uner-\nmüdlichen Fleisses, ja, selbst der physischen Anstrengung,\nwelche eine so ins Einzelste getriebene, mühselige Aus-\narbeitung einer so kolossalen Partitur erforderte, was zwar\nschon aus der bisher gedruckten, der überlangen Auffüh-\nrung zu Grunde liegenden Partitur erhellt, vollständig\naber erst durch das Supplement ins Licht gestellt wird.\nBedauern können wir aber den Verlust der darin enthal-\ntenen Stücke für die Aufführung nicht, da im Gegentbeil\nder Wunsch noch weiterer Kürzungen gewiss kein ver-\neinzelter ist.\nDas Supplement enthält theils ganze, in die Haupt-\nPartitur nicht aufgenommene Stücke, theils andere, mei-\nstens wohl frühere, Bearbeitungen der darin vorhandenen,\nzuweilen nur Varianten einzelner Stellen. Es ist mithin\nfür den Musiker von Fach und für den künftigen Biogra-\nphen als Mittel zum Einblicke in die geistige Werkstatt\ndes Meisters interessant, indem es die auch sonst schon\nbekannte, fast ängstliche Art und Weise seiner minutiösen\nArbeit bezeugt, die freilich nicht immer, wie z. B. bei\nBeethoven's Correcturen seiner Manuscripte, aus der künst-\nlerischen Gewissenhaftigkeit und aus der Eingebung des\nSchöneren anstatt des Schönen hervorging, sondern mehr\naus der bis auf die Spitze getriebenen Reflexion und Spe-\nculation auf den Effect bei der Menge. In wie weit Meyer-\nbeer's Wahl bei diesem seinem Verfahren von seiner\nUeberzeugung vom wirklichen absolut Schönen oder vom\nRingen nach dem Auffallenden und bei dem grossen Pu-\nblicum Durchschlagenden geleitet worden sei, das ent-\nscheiden zu wollen, wäre freilich eine Anmaassung: allein\nden grossen und genialen Schönheiten gegenüber, welche\nseine Werke enthalten, wird man freilich versucht, anzu-\nnehmen, dass er sein eigenes Gefühl für das wahre Schöne\nöfter zu Gunsten des berechneten Eclats unterdrückt habe.\nIn der Vorrede rechtfertigt Fötis sein Verfahren bei\nden durchaus nothwendig gewordenen Kürzungen unserer\nAnsicht nach auf beifallswerthe Weise; auch sind wir\nüberzeugt, dass der in dieser Hinsicht über ihn in Paris\nausgesprochene Tadel seinen Ursprung weniger in dem\nEnthusiasmus für Meyerbeer, als in dem Aerger der pa-\nriser Celebritäten über seine Ernennung zum Testaments-\nVollstrecker hat. Ob die verschiedene Bearbeitung eines\nStückes, die im Supplement vorkommt, die frühere oder\nspätere sei, erfahren wir nicht immer mit Bestimmtheit.\nGleich im ersten Acte scheint die im Supplement vorhan-\ndene Form der Romanze der Ines eine spätere zu sein, da\nsie die gekünsteltere und im Tanz-Rhythmus\nder Sängerin mehr concertirenden Glanz darbietende ist.\nSonst ist der erste Act bei der Aufführung vollständig bei-\nbehalten worden.\nWir können nicht alle Stücke und Varianten aufzäh-\nlen. Bemerkenswerth ist die Doppel-Composition des so\ngenannten Schlummerliedes der Selika im zweiten Acte;\nbei beiden Compositionen (in der Partitur und dem Sup-\nplement) reden die Kritiker von „orientalischem Duft\"\nund „eigentümlichem Colorit\", Redensarten, die wir wie\nalles, was von „Localfarbe\" in der Opern- und Concert-\nMusik gefabelt wird, auf sich beruhen lassen wollen. Von\ndramatischem und musicalischem Effecte dürfte das weg-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "82", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660317-01.1.2", "texte": "gelassene kleine Arioso der Selika nach dem Duette mit\nVasco im Gefängnisse sein, in welches die Glocken des\nnahen Klosters, wo die Vermählung der Ines mit Don\nPedro gefeiert wird, hineinläuten, zumal da in der Auf-\nführung, wie sie jetzt ist, diese Vermählung nicht klar\ngenug hervortritt und folglich das Verständniss der Hand-\nlung hindert.\nAm bedeutendsten sind die Wegschnitte im dritten\nActe, den Anfangs die Autoren, Poet und Componist, für\neinen der efFectvollsten gehalten zu haben scheinen, wahr-\nscheinlich des Schiffes wegen. Sonderbar genug ist man\njetzt so ziemlich einstimmig darüber, gerade diesen Act\nfür den langweiligsten zu halten. Wer daran am meisten\nschuld ist, Scribe oder Meyerbeer, dürfte schwer zu ent-\nscheiden sein; dass aber F£tis der Sündenbock sein soll,\nweil er zu viel zurückgeschoben habe, das können wir\nnimmermehr zugeben, am wenigsten, wenn behauptet\nwerden will, dass die im Supplement erschienene vollstän-\ndige Schluss-Entwicklung des Duetts zwischen Vasco und\nDon Pedro, welche in der Aufführung wegbleibt, diesem\nDuette einen ganz anderen Charakter, und zwar einen\nmusicalisch weit mehr befriedigenden verleihe! Wie eine\nnoch so glänzende Coda und das ist die betreffende\nnicht einmal einem so saft- und kraftlosen Hauptsatze,\nwie ihn das Duett hat, einen neuen Charakter geben\nkönne, gehört überhaupt in das Gebiet der Fabel. Eben\nso wenig glauben wir, dass das (von Felis ebenfalls unter-\ndrückte) Bacchanal der Matrosen, in welches in oft ge-\nbrauchter Form die Romanzen-Melodie der Ines als Zwi-\nschensatz hineinseufzt, zur Rehabilitirung des dritten Actes\nin der öffentlichen Meinung beitragen möchte, wenn es zur\nVerlängerung der Längen desselben wieder aufgenommen\nwürde. Wie sich vollends dieses Bacchanal, welches die\nScene beginnt, mit dem kurz darauf folgenden Gebete an\nden heiligen Dominicus vertragen soll, wollen wir dahin-\ngestellt sein lassen, es müsste denn diese Aufeinanderfolge\nals eine köstliche Frucht des blühenden Realismus verthei-\ndigt werden, zur Versinnlichung des Spruches: „Nachts\nge—schwärmt und früh gebetet!\"\nWir kehren zu dem, was wir Anfangs gesagt, zurück,\nzur Bewunderung der Mühe und Ausdauer Meyerbeer's\nim Schaffen dieser Opernmusik. Das Supplement im Ver-\neine mit der Haupt-Ausgabe macht in der That die An-\nnahme einer fünfzehnjährigen Beschäftigung mit der Par-\ntitur glaublich.\nDer vollständige Titel des Supplements ist: „Deuxieme\npartie de la Partition pour Piano et Chant de l'opera\nl'Africaine, musique de Meyerbeer. Contenant 22 mor-\nceaux et fragments inedits, Airs, Arioso, Cavatines,\nNocturne, Ronde iacchique,\nRecits etc. qui n'ont pas ete executes äla representation\nde l'opera ä Paris. Procedee d'une Preface de Mr.\nFetis. Tin vol. de 190 pag. Gr. Bvo.\n\nP.\n\nAus Paris.\n\nDen 11. März 1866.\nAm 9. März fand die ein hundertste Vorstel-\nlung von Meyerbeer's „Africanerin\" Statt, vom 28.\nApril 1865 an bis zum 9. Marz 1866, also binnen etwa\nzehn Monaten. Seit beinahe zweihundert Jahren, dass die\ngrosse Oper existirt, hat kein Werk in so kurzer Zeit\ndiese Zahl von Vorstellungen erreicht: Spontini's „Vestalin\"\nerst nach acht, dessen „Ferdinand Cortez\" nach drei Jah-\nren, Auber's „Stumme von Portici\" nach zwei, eben so\nMeyerbeer's „Robert der Teufel\" und „Der Prophet\"\nnach zwei, „Die Hugenotten\" nach drei Jahren. Die\nhundert Vorstellungen der „Africanerin\" haben eine Ein-\nnahme von 1,060,000 Francs eingebracht, also im Durch-\nschnitt jede 10,000 Francs, die hundertste 11,000 Frcs.\nUnd während dieser zehn Monate ist das Werk auf mehr\nals vierzig anderen Theatern in Frankreich und mehr\nnoch im Auslande zur Aufführung gekommen und überall\nmit Vortheil für die Directionen, wie die fortwährenden\nWiederholungen beweisen*). Diese Thatsachen widerlegen\ndenn doch auf schlagende Weise die Gerüchte, dass\nMeyerbeer's frühere Erfolge durch seinen persönlichen\nEinfluss allein hervorgebracht worden wären, und zweitens\nauch die oft gehörte Behauptung, dass diese Erfolge ihm\nmehr gekostet, als eingebracht hätten. Die Tantiemen,\nwelche Meyerbeer von den drei- bis vierhundert und mehr\nAufführungen seiner drei grossen Opern bezogen bat,\ndürften jedem Componisten eine brillante Existenz bereitet\nhaben, und für einen Tondichter in Deutschland leider\nsind die Verhältnisse dort immer noch so! würde der\nErtrag des Verkaufs der Partitur und der Antheil an den\nEinnahmen von der „Africanerin\" allein, welche jetzt\nvon seinen Erben bezogen werden, ein ganz stattliches\nVermögen bilden!\nUebrigens würde man doch, wenn man von dem bei-\nspiellosen Erfolge der „Africanerin\" einen Schluss auf den\nKunstwerth derselben im Verhältnisse zum „Robert\" und\nden „Hugenotten\" machen wollte, einem Irrthume verfal-\nlen, auch wenn man die Sache nur äusserlich und ma-\nteriel abzuschätzen beabsichtigte; man würde nämlich dabei\ndie zwei Hauplfactoren des vermehrten Besuches, erstens\ndie sich von Jahr zu Jahr steigernde Vergnügungssucht der\n\n*) In Brüssel bereits 40 Mal, in Köln 21 Mal."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "83", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660317-01.1.3", "texte": "Menschen im Allgemeinen und der Thealer- und Opernlieb-\nhaberei im Besondern, und zweitens die erleichterte Verbin-\ndung der Provinz mit den Hauptstädten ausser Acht lassen.\nUebrigens gestaltete sich die hundertste Aufführung\nzu einem wahren Festabende. Das Haus war überfüllt,\ndie Besetzung der Rollen dieselbe, wie bei der ersten Vor-\nstellung: Marie Saxe (Selika), Marie Battu (Ines), Naudin\n(Vasco), Faure (Nelusco) u. s. w. Von Allen aber hatte\nnur Fräulein Battu niemals eine Stellvertreterin gehabt,\nmithin ihre Rolle bereits 99 Mal gesungen!\nMeyerbeer's Büste vom Bildhauer Dantan wurde an\ndemselben Abende in dem Foyer der grossen Oper der\nBüste Halövy's gegenüber aufgestellt.\n\nB. P.\n\nAus München.\n\nDen 8. März 1866.\ni\nDer Fortschritt in der Musik macht hier grosse\nSchritte. Die so genannte Zukunftsmusik schwebt nicht\nmehr gleich einem ungeheuren Verhängnisse über unseren\nHäuptern, von den Einen mit banger Sehnsucht, von den\nAnderen mit banger Furcht erwartet; sie hat begonnen,\ndie Gegenwart zu occupiren. Mit dem mysteriösen Dunkel\ndes Zukünftigen ist freilich auch ein Theil ihres Nimbus\nverloren gegangen, und sie, die Heilige, muss sich mit\nihrer abgelebten Schwester, der Musik der Vergangenheit,\nbeim Tageslichte durch die nüchterne Kritik zusammen-\nstellen lassen und sich einer abwägenden Prüfung unter-\nwerfen. Nun, die mächtige Phalanx, welche für sie in\nMünchen die Waffen ergriffen hat, und die hiedurch für\ndie Gegenpartei erzeugte Notwendigkeit, auch ihre Kräfte\nzusammenzuraffen, trägt jedenfalls zur Klärung der Situa-\ntion und zur Abkürzung des Schisma bei. Auf welche Seite\nsich der Sieg definitiv neigen werde, hat allein die Zukunft\nzu entscheiden. Es wäre vermessen, schon jetzt ein Progno-\nslikon stellen zu wollen, obwohl momentan allerdings die\nZukunftsmusik scheinbar günstigere Chancen hat. Jeden-\nfalls bringt die gegenwärtige Krisis das Gute mit sich,\ndass sie uns einen werthvollen Einblick in die Produetivi-\ntät der Musik-Reformatoren gestattet und uns mancherlei\nNeues und Interessantes zu hören gibt.\nAn Gelegenheit, classische Musik und wirkliche Me-\nlodieen zu hören, fehlt es zwar immerhin noch nicht. Da-\nfür sorgen die musicalische Akademie, die Soireen\nfür Kammermusik, der Oratorien-Verein, die\nOper. Gänzlich ungerechtfertigt aber ist andererseits der\nVorwurf der absichtlichen Exclusivität, den man diesen\nInstituten nicht selten macht. Dass Lachner nicht die\nmoderne Musik im Allgemeinen ausschliesst, beweisen die\nin den letzten Jahren äusserst vielseitigen Programme der\nberühmten grossen Abonnements-Concerte, und\ndass er etwa die Reverie phantastique von Bülow dem\ngrossen Publicum, für Orchester arrangirt, vorführen solle,\nwird ihm doch wohl kein Billigdenkender zumuthen. .\nAuch der Oratorien-Verein, ein unter Prof. Rhein-\nberge r's exacter und gediegener Leitung sichtlich auf-\nblühender, höchst verdienstvoller Dilettanten-Verein, thut\nfür die Pflege der neueren Musik, gegenüber der alten,\nsicherlich nicht zu wenig. Sein letztes, erst in der vorigen\nWoche gegebenes Concert brachte Joseph Haydn's\nliebliches Stabat mater,Mirjam's Siegesgesarg von Franz\nSchubert, Eichendorff's „Flucht der heiligen Familie\"\nvon Max Bruch (beiläufig bemerkt, die erste Coroposi-\ntion dieses talentvollen und fruchtbaren Componisten, die\nhier öffentlich gegeben wurde) und eine Hymne für vier\nFrauenstimmen und Harfe von Rheinberger. Im vor-\nletzten .Concerte wurde Schumann's „Paradies und\nPeri\" vorgeführt.\nDass also ein tief empfundenes Bedürfniss, dem Fort-\nschritte der Zeit noch mehr Rechnung zu tragen, bestehe,\nist eine Behauptung, deren Beweis schwer fallen möchte.\nAllein der entgegengesetzten Ansicht wird von oben ge-\nhuldigt, also besteht das Bedürfniss, und Richard Wag-\nner, obwohl in Verbannung lebend, und seine Anhänger\nreiben sich vergnügt die Hände. Sie haben hier einen gol-\ndenen Boden, wenngleich die Zeiten von „Tristan und\nIsolde\" vorüber sind.\nFast möchte man an das bis jetzt für unmöglich Ge-\nhaltene glauben, dass Wagner's Musik wirklich populär\nwerden kann. Auf den Strassen spielt die Militärmusik\nWagner'sche „Weisen\", der akademische Gesangverein\nführte Wagner's Cantale für Männerstimmen: „Das Lie-\nbesmahl der Apostel\", auf; ja, Musikmeister Hünn spielt\ndieselbe Cantate sogar in einem Arrangement für Militär-\nmusi k. Die zahllosen Anschläge über Demi-monde-Con-\ncerte wimmeln von Wagner's Namen. So enthält, um nur\nein Beispiel aufzuführen, der Zettel über ein am heutigen\nTage in der Westend-Balle Statt findendes Concert neben\nzwei Compositionen von Weber und je einer von Rossini\nund Haydn eine Fifece aus Lohengrin, eine aus Tannhäu-\nser, eine aus dem Fliegenden Holländer, einen Huldigungs-\nmarsch von Richard Wagner und in einer eigenen Ab-\ntheilung „Das Liebesmahl der Apostel\" für Blechmusik!\nAngesichts dessen ist man versucht, mit Ernst die\nFrage aufzuwerfen: Ist Richard Wagner wirklich populär\ngeworden? Hierauf gehört sich ein entschiedenes „Nein\".\nIn die Häuser ist er nicht gedrungen, und die öffentlichen\nProductionen als Popularitätsmesser anzunehmen, ist ge-\nwagt, ist unrichtig. Bei gar Vielen, die einen Concert-Zettel\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "84", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660317-01.1.4", "texte": "machen, der bestimmt ist, an allen Strassenecken zu pran-\ngen, mag ein unbestimmtes, verständniss-inniges Erfassen\nder Situation die Hand regieren; Viele werden in Folge\ndessen vielleicht wirklich für einige Zeit Schwärmer für\ndie Mission der Musik-Reformatoren. Aber populär\nsind die letzteren nicht und werden es wohl auch nie-\nmals werden.\nDafür gab erst jüngst die Aufführung der „Elisabeth\"\nvon Liszt beredtes Zeugniss. Man hätte denken sollen,\ndass schon die Neuheit dieses nirgends als in Pesth aufge-\nführten und dort glänzend aufgenommenen Werkes die\nhiesigen Musikfreunde in Scharen in das Theater locken\nwürde. Zu allgemeinem Erstaunen war das nicht der Fall.\nDie Aufnahme war, bei wahrhaft ausgezeichneter Auffüh-\nrung, freilich günstig, das heisst, es wurde viel geklatscht\nund noch mehr in Zeitungen gelobt. Allein, dass bei der\nersten Aufführung das Haus zur Hälfte, bei der zweiten,\ntrotz der in Mitte liegenden enthusiastischen Kritiker, zu\ndrei Viertheilen leer war, verschwiegen alle Refe-\nrenten, die sich höchstens bis zu dem Zugeständnisse auf-\nschwangen, dass es eben ein Werk sei, das nur die „Elite\"\nder Musikfreunde anziehen könne. Nun, wie dem auch\nsei, das münchener Publicum documentirte durch sein\nVerhalten diesem Oratorium gegenüber, dass es den be-\ntretenen Weg zu einer Reformation des Oratoriums nicht\nfür glücklich gewählt erachte, dass es für Melodieenman-\ngel nicht durch tiefsinnige Orchester-Malerei entschädigt\nwerde, und dass man die Armuth an wirklich genialen\nGedanken allenfalls in einer Oper in der die Handlung\nunterstützend wirkt ertragen könne, nicht aber da, wo\nbloss Musik wirkt.\nDies ist auch vollkommen richtig.\nDenken wir uns Tristan oder Lohengrin die trotz\nder Liszt eigenthümlichen unbefangenen Benutzung frem-\nder Melodieen dem Principe nach doch eigentlich seine\nVorbilder sind im Concertsaale aufgeführt, welcher\nSterbliche könnte das ertragen? während wir Beethoven,\nGluck, Mozart überall, in allen Situationen und Stimmun-\ngen hören können. In den Werken dieser Heroen flammt\neben der-göttliche Funke, der den Reformatoren nicht\ngegeben ist, und dessen Mangel sie zwingt, die Originali-\ntät, die sie in Melodieen und Harmonieen nicht finden\nkönnen, in Tonmalerei in Verstandes-Thätigkeit an\nden Tag zu legen.\nDiese Ueberschreitung der musicalischen Gränzen,\ndiese Confundirung der Musik mit dem darzustellenden\nInhalte betont Wagner selbst fortwährend in seinen kriti-\nschen Ergüssen, wie er z. B. in dem Vorworte zu einer\nUebersetzung seiner Operntexte die Grösse des Dichters\nam meisten danach ermisst, „was er verschweigt, um das\nUnaussprechliche selbst schweigend uns sagen zu lassen\",\nund beifügt, „der Musiker ist es nun, der dieses Ver-\nschwiegene zum hellen Ertönen bringt, und die untrüg-\nliche Form seines laut erklingenden Schweigens ist die\nunendliche Melodie\".\n0, wir armseligen Erdbewohner, die wir, um dieses\n„laut erklingende Schweigen\" zu verstehen, schon in der\nOper alle unsere Sinne bis zum Aeussersten anspannen\nund zuletzt als ehrliche Leute doch hier und da das Ge-\nständniss ablegen müssen, dass es uns dunkel geblieben\nist; wie beschämt stehen wir demselben gegenüber, wenn\nes ohne erläuternde dramatische Action auf uns herein-\nbraust! Wir müssen uns eben mit der Ueberzeugung trö-\nsten, dass die Zukunftsmusik auf Wesen höherer Organi-\nsation berechnet ist, und müssen desshalb darauf verzich-\nten, sie in unserem entgeistigten Zeitalter jemals volks-\ntümlich werden zu sehen. 0\nUm ein annähernd entsprechendes Bild der hiesigen\nBestrebungen der Musik-Reformatoren zu geben, ist es\nnöthig, noch Herrn von Bülow's Leistungen zu erwäh-\nnen. Herrn von Bülow als Clavierspieler zu loben, hiesse\nEulen nach Athen tragen. Sein Vortrag ist mehr als ein\ntadelloses Vorspielen von Compositionen verschiedener\nGattung. Er dringt in alle Tiefen unserer herrlichen Cla-\nvier-Literatur, so weit er sie seinem Programme einver-\nleibt, und fördert Schätze zu Tage, die den Hörer zu ent-\nzücken vermögen. Nur in Einem thut man ihm Unrecht,\nwenn man nämlich behauptet, er gebe eine vollgültige\nUebersicht unserer Musik-Literatur und gehe in der Aus-\nwahl der Compositionen mit einer gewissen Unparteilich-\nkeit zu Werke.\nIn dem Cyklus von Vorträgen, die er für diese Saison\nvor wenigen Tagen mit seinem dritten geschlossen hat,\nfindet sich der Name Beethoven's (diesen auszulassen, wäre\nauch strafbar!) drei Mal vertreten; von Bach spielte er\nzwei, von Händel eine Composition. Einmal vertreten sind\nSchubert, Joachim Raff, Bülow (mit einer\ntastique), ferner Chopin (mit zwei auf einander folgenden\nStücken) und Rheinberger (mit drei kleinen Pi&cen). Liszt\ndominirt mit acht zum Theil sehr umfangreichen, zum\nTheil wahrhaft ungeheuerlichen Compositionen.\nWo ist da Haydn und Mozart, wo Clementi, wo Men-\ndelssohn, Thalberg, Döhler, Taubert, Hiller, Carl Maria\nvon Weber? von Hummel, Moscheies und Anderen nicht\nzu reden.\nDiese Programme reden zu deutlich; es ist nicht nö-\nthig, das Facit zu ziehen. „Man merkt die Absicht, und\nman wird verstimmt.\"\nHier haben Sie ein Bild über die hiesigen Leistungen\nder Zukunftsmusik, dem ich nur noch das in den Tages-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660317-01.1.5", "texte": "blättern auftretende Gerücht beifügen will, wonach im\nLaufe des nächsten Monats 3 (mit Worten drei) Concerte\nim Theater Statt finden würden, in welchen unter Herrn\nvon Bülow's Direction Liszt'sche und Wagner'sche Com-\npositionen zur Aufführung kommen sollen.\nWenn die vorstehende Schilderung auch weder auf\nVollkommenheit, noch auf allgemeine Zustimmung An-\nspruch macht, so ist sie doch vielleicht neben den zahllo-\nsen Treibhaus-Lorbern, welche die Herren der musicali-\nscben Reformation ärnten, als unparteiische Gegenstimme,\ndie dem Ausdrucke der Ansichten des weitaus grösseren\nTheiles der Bevölkerung Münchens gewidmet ist, nicht\nganz ohne Berechtigung.\n\nV.\n\nAus dem Haag.\n(Die Glocke von Schiller, in Musik gesetzt von F. W. G.\nNicolai.)\nDen 6. März 1866.\nDas Concert der hiesigen Abtheilung der niederlän-\ndischen Gesellschaft zur Beförderung der Tonkunst, das\nam 13. Februar im Diligentia-Saale Statt fand, brachte\nals Hauptnummer eine neue Composition von F. W. G.\nNicolai*), welche den ganzen ersten Theil des Concertes\nfüllte.\nSchiller's „Lied von der Glocke\" bat bekanntlich\nschon zu Anfang unseres Jahrhunderts einen Componisten\nin Andreas Romberg gefunden, und Jahrzehende lang er-\nlebte dessen Composition (für Soli, Chor und Orchester)\nzahlreiche Aufführungen und gehörte zu den Lieblings-\nwerken der Singvereine. Späterhin hat Lindpaintner\neine melodramatische Orchestermusik zur „Glocke\" ge-\nschrieben, als diese in Wien von Laube zu einem sceni-\nschen Festspiele eingerichtet worden war.\nHerr Nicolai hat das schöne Gedicht von Neuem für\nSoli, Chor und Orchester componirt, und zwar nach einem\nweit grösseren Maassstabe, als Romberg, so dass die Auf-\nführung beinahe zwei Stunden ausfüllt. So viel man nach\neiner einmaligen Anhörung beurtheilen kann, darf man\nmit Oeberzeugung aussprechen, dass dem Werke unter\nden Compositionen holländischer Tonsetzer ein ausgezeich-\nneter Platz gebührt. Die Conception ist meist bedeutend,\nder Stil breit und die Form wohl abgerundet, und wenn\nauch das harmonische Element vorwaltet, so ist doch das\nmelodische keineswegs vernachlässigt. Die Stimmführung\nist durchaus fliessend und die Instrumentation reich, ohne\nüberladen zu sein. Die Solostimmen sind, ohne gerade\ndurch besonderen Glanz hervorzutreten, doch recht in-\nteressant und auch, was man dankbar nennt; besonders\nzeichnet sich die Partie des „Meisters\" aus, wozu die\ndurch das Gedicht gebotene Veranlassung glücklich vom\nComponisten benutzt ist. Die Chöre sprechen sehr an, sie\nsind vollstimmig und kräftig und klingen im Allgemeinen\nrecht gut. Das Ganze zeugt von einem edeln Streben und\nhält in theilnehmender Spannung. Wir zweifeln indess nicht,\ndass die Aufführung den Herrn Componisten überzeugt\nhaben wird, dass einige Kürzungen dem Werke nur Vor-\ntheil bringen dürften.\nDie Ausführung war so, wie es sich erwarten liess,\nda bei den vorhandenen guten Kräften die Einübung und\ndie Direction der Aufführung dem Componisten selbst an-\nvertraut war. Den ersten Platz in der Anerkennung ver-\ndienen die Damen und Herren des Singvereins für den\nEifer und die warme Tbeilnahme, mit welchen sie das\nStudium des nicht eben leichten Werkes ihres geschätzten\nDirigenten betrieben haben; die Ausführung bewies, dass\nsie ihre Aufgabe mit Liebe erfasst hatten und zur Befrie-\ndigung lösten; die Einsätze waren präcis und gleich kräf-\ntig, und es fehlte nicht an Beachtung der Nuancen des\nAusdrucks.\nDie H aupt-Soli machen ein Quartett aus, welches die\nDamen Offermans van Hove (Sopran) und Collin-\nTobisch (Alt), die Herren Karl Schneider (Tenor)\nvon der deutschen Oper zu Rotterdam und Karl Hill\nvon Frankfurt am Main bildeten. Sie alle trugen ihre Par-\ntie mit Wärme und sichtbarer Theilnahme an dem Werke\nvortrefflich vor, namentlich Herr Hill, der in unverkenn-\nbar günstiger Stimmung für die Composition die mit Vor-\nliebe behandelte Partie des Meisters sang.\nDer Erfolg beim Publicum und den Mitwirkenden\nauf der Tonbühne war ein entschieden günstiger. Am\nSchlüsse ärntete Herr Director Nicolai die ungeteiltesten\nBeweise von Theilnahme und freudiger Erregtheit, die\nDamen vom Chor warfen ihm Blumen zu, das Orchester\nliess Fanfaren erklingen und die Zuhörerschaft stimmte\ndurch lebhaften Applaus und Hervorruf darin ein. Der\nEindruck dieser Ovationen auf den bescheidenen Künstler\nwurde dadurch noch besonders erhöht, dass Ihre Majestät\ndie Königin von Holland, die mit mehreren Gliedern der\nköniglichen Familie das Concert mit ihrer Gegenwart be-\nehrt hatte, den Componisten zu sich bescheiden liess und\n\n*) Herr F. W. G. Nicolai, seit einigen Jahren Director der\ngenannten Abtheilung der Gesellschaft und seit H. Lübeck's Tode\nDirector der königlichen Musikschule im Haag, leitet die Uebungen\ndes Gesangvereins und die Concerte der Gesellschaft, in denen grös-\nsere und kleinere Yocalwerke von Händel ab bis auf die Compo-\nnisten der Neuzeit, z. B. Schumann und Hiller, aufgeführt werden.\nDer Gesangverein hat in den letzten Jahren sehr zugenommen, so-\nwohl an Zahl der Mitglieder 130 bis 140 Damen und Herren\nals an Tüchtigkeit derselben."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "86", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660317-01.1.6", "texte": "in sehr schmeichelhaften Ausdrücken ihm ihren Beifall zu\nerkennen gab.\nIn der zweiten Abtheilung sang Herr Schneider die\nKirchen-Arie von Stradeila, Frau Collin-Tobisch die Alt-\nArie aus dem Oratorium „Die Auferstehung\" von Heinze,\nHerr Hill die Arie des Paulus: „Gott sei mir gnädig!\"\nDie Palme des Abends dürfte zweifelsohne diesem Sänger\ngebühren. Zum Schlüsse wurde „Mirjam's Siegsgesang\"\nvon Franz Schubert (Solo: Frau Offermans), die Be-\ngleitung instrumentirt von J. A. van Eyken, zum ersten\nMale hier gegeben.\n\nBeethoven’s 33 Variationen (Op. 120) über einen\nWalzer von Diabelli.\nKöln, 17. März 1866.\nDie morgen (den 18. d. Mts.) bevorstehende Soiree\ndes Herrn von Bülow bestimmt uns, über die Veran-\nlassung und Entstehung des bewundernswerthen, aber\nsehr wenig gekannten Werkes von Beethoven, welches\nder berühmte Pianist zum Schlüsse seiner Ciavier-Vorträge\no\ngewählt hat, einige nähere Umstände aus Schindlers Bio-\ngraphie Beethoven's mitzutheilen, die jedenfalls geeignet\nsind, die Theilnahme des Publicums für die bevorstehende\nSoiree zu steigern.\nDie Verlagshandlung Diabelli und Comp, hatte in dem\nWinter von 1822 auf 1823 einer grossen Anzahl von\nComponisten den Wunsch vorgelegt: jeder von ihnen\nmöchte auf das Walzer-Thema, welches Diabelli selbst\ngemacht hatte, eine Variation schreiben, worauf denn das\nGanze als ein Collectivwerk erscheinen sollte. Beethoven,\nden eine Erinnerung an ärgerliche Umstände bei einem\nfrüheren ähnlichen Plane (Collectiv-Composition des Lie-\ndes In questa toniba oscura)verdriesslich machte, schlug\ndie Einladung rund ab. Bald aber ersuchte er Schindler,\nDiabelli zu fragen, ob es ihm recht wäre, wenn er das\nThema allein bearbeitete. Diabelli ging sogleich darauf\nein, sicherte ihm 80 Ducaten Honorar zu und bat ihn\num etwa sechs bis sieben Variationen. Beethoven, über\ndas hohe Honorar erfreut, sagte schriftlich zu und äusserte\nlachend zu Schindler: „Nu, der soll über seinen Schuster-\nfleck Variationen haben!\"\n„Anfangs Mai bezog der Meister die von einem herr-\nlichen Park umgebene und eine entzückende Aussicht ge-\nwährende Villa des Barons von Pronay zu Hetzendorf. Die\nzunächst vorgenommene Composition war die Bearbeitung\ndes Diabelli'schen Walzers, die ihn in seltener Weise be-\nlustigte. Alsbald waren zehn, bald noch ein Mal so viel,\ndann gar schon fünfundzwanzig Variationen auf dem Pa-\npier, und immer hiess es: »Das sind noch nicht alle.\" Der\nVerleger, besorgt wegen des zu grossen Umfanges des\nWerkes, folglich zu hohen Ladenpreises, wünschte den\nSchluss. Der Componist aber, der den Beweis liefern\nwollte, was sich alles aus einem ordinären Walzer bilden\nlasse, erwiderte: er möge nur noch etwas Geduld haben.\nSo entstanden die „33 Veränderungen über einen Wal-\nzer, Op. 120\", denen man es leichtlich ansieht, in welch\nrosiger Stimmung sie niedergeschrieben worden. Des Mei-\nsters Gegner haben dieses von ungewöhnlichem Humor\nsprudelnde Werk immer ignorirt. Sie hätten daraus er-\nsehen können, wenn sie gewollt, in welch heiterer, ver-\ngnüglicher Stimmung Beethoven zuweilen noch in seinen\nletzten Lebensjahren gewesen, nicht aber „immer düster\nund brütend\", wie sie ihn zu schildern belieben. Die aus-\nserordentliche Mannigfaltigkeit in Verwendung des The-\nma's es muss sich sogar zur Umgestaltung in das Mo-\nzart'sche „Reine Ruh' bei Tag und Nacht\", dann wieder\nzur Bildung einer Fughetta, endlich sogar zu einer regel-\nrecht geformten Fuge bequemen gibt ein sprechendes\nZeugniss, mit welcher Lust und wohl auch Selbstbefriedi-\ngung dieses nur Virtuosen ersten Ranges zugängliche Werk\ngeschaffen worden. Wenn ja die Persiflage des Collectiv-\nWerkes aus dem Jahre 1808 irgend Einwirkung oder\nAnstoss zu solcher Gestaltung dieses Werkes gegeben ha-\nben sollte, so wollen wir ihr Dagewesensein mit Dank be-\ngrüssen und das Factum überhaupt in Beethoven's Lebens-\ngeschichte nicht als blosse Episode betrachten.\"\nHerr von Bülow wird diese Variationen vortragen\nund hat dem Programm einen „Versuch, den einzelnen\nVariationen so allgemein als möglic h gehaltene cha-\nrakteristische Ueberscbriften zu verleihen und hiedurch\neinen äusserlichen Stützpunct für die Aufmerksamkeit zu\nbieten\", beigegeben, der, wie er hinzufügt, „nur an die-\njenigen Hörer sich richtet, welchen das Werk noch gänz-\nlich unbekannt sei\", der aber auch für Dilettanten, die\nsich an das Werk wagen, interessant sein möchte. Die\nUeberschriften lauten: Thema. 1. Marsch. 2. Reigen. 3.\nZu zweien. 4. Zu dreien. 5. Zu vieren. 6. Triller-Varia-\ntion. 7. Capriccio. 8. Intermezzo. 9. Variation. 10.\nPresto. 11. Idylle. 12. Studie. 13. Widerhall. 14. An-\ndacht. 15. Scherzo. 16. 17. Virtuosenlaune. 18. Geheim-\nniss. 19. Heftiger Dialog. 20. Vision. 21. Contraste. 22.\n„Leporello\". 23. Humoreske. 24. Erbauung. 25. Zer-\nstreuung. 26. Behagen. 27. Ungeduld. 28. Uebermutb.\n29. Webmutb. 30. Entsagung. 31. Adagio. 32. Fuge.\n33. Finale (Menuett).\n, Wir bemerken nur dazu, dass die auffallendste da-\nvon: „Leporello\", von Beethoven selbst veranlasst ist, der\nbei Nr. 22, wo er sich den Spass machte, Mozart's Motiv\nzu benutzen, bemerkt: „Atta Nottee giorno faticar di"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660317-01.1.7", "texte": "Mozart.\" Was wir sonst von dergleichen Ueberschrif-\nten halten, ist bekannt; indess verwahrt sich Herr von\nBülow allerdings vor Missdeutung seiner Absichten. Trotz-\ndem bleibt es immer charakteristisch, dass versucht wird,\nselbst aus so entschieden absoluter Musik andere als mu-\nsicalische Gedanken herauszulesen.\n\nTheater in Köln.\nDen 12. März 1866.\nGluck's „Iphigenie in Tauris\" ist am Freitag gegeben worden,\nund es ist unsere erste Pflicht, den Entschluss der Direction, eine\nOper, deren Aufführung ausschliessliches Eigenthum der Hof- und\nResidenzbühnen zu sein schien, auf unserem Stadttheater in Scene\nzu setzen, anzuerkennen und die Anstrengungen des Directors Ernst\nund des Capellmeisters Seidel zu rühmen. Das Publicum füllte, trotz\nder hohen Preise, alle Räume des Hauses und erhielt durch die\nAusführung der Oper, die allerdings vor Allem durch die classisch\nvollendete Darstellung der Iphigenie durch Frau Dustmann getra-\ngen wurde, einen sichtbar ergreifenden und erhebenden Eindruck.\nDiese Darstellung der grossen Sängerin war in jeder Hinsicht, dra-\nmatisch und musicalisch, ein Erzeugniss ihres Bewussiseins der er-\nhabenen Aufgabe und ihres Glaubens an Schiller's Worte an die\nKünstler: „Der Menschheit Würde ist in eure Hand gegeben, be-\nwahret sie! Sie sinkt mit euch, mit euch wird sie sich heben!u Die\nherrliche Künstlerin war, im Verein mit Gluck's Musik und der er-\ngreifenden Handlung des Dratna's, eine echte Repräsentantin des\nIdealen, dessen Bedeutung in der Kunst sie gegen das Eindringen\ndes crassen Realismus verherrlichte. Beide Vorstellungen, die\nLeonore und die Iphigenie, werden allen, die sie sahen, unvergess-\nlich sein, und so mag ein Abschiedsgruss, im Freundeskreise an\nLouise Dustmann gebracht, zur Erinnerung an sie hier Stelle finden:\nBei Leonorens Bild der treu'sten Liebe,\nDem Sieg des Muths in Kampf mit Seelenschmerzen,\nWo wäre da ein Aug', das trocken bliebe\nBei Deiner Stimme Wiederklang im Herzen!\nDoch führst empor Du uns zu dem Erhaben-Schönen\nDer griechischen Tragödie in Tönen,\nDann steigen vom Olymp hernieder die Camönen,\nDich als geweihte Priesterin zu krönen.\nDoch kaum ist eine so hohe Kunsterscheinung an uns vorüber-\ngegangen, und schon geht ein zweiter Stern des dramatischen Ge-\nsanges an unserem Horizonte auf, Fräulein Therese Tietjens,\ndie Vertreterin der deutschen Kunst im Lande der Briten, siegreich\ngegen die italiänischen und französischen Berühmtheiten. Wir heis-\nsen die grosse Künstlerin im Vaterlande um so mehr willkommen,\nda sie den Wunsch der Rheinländer, sie in ihrer eigentlichen Sphäre\nauf der Bühne zu bewundern, was ihnen bisher noch nicht vergönnt\nwar, erfüllt. Die Bemühungen des Directors Ernst, uns so hohe\nGäste vorzuführen, verdienen den grössten Dank der Kunstfreunde.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nÄoln. Am 14. d. Mts. wohnten wir einer öffentlichen Ver-\nsammlung des st ädti sehen Gesangvereins im kleineren Gürze-\nnichsaale bei. Mit Pianoforte-Begleitung wurden gesungen: Men-\ndelssohns Hymne für Sopran und Chor: „Hör' mein Bitten!\"\nCherubini's Schlummerlied für Frauenstimmen; J. Seb. Bach's\nCantate: „Freue dich, erlöste Schar!\"; aus Cherubini's Requiem\nder Introitus und das Dies ircie\\ F. Hiller's „Palmsonntagmorgen\";\nMendelssohn's 98. Psalm für achtstimmigen Chor. Sämmtliche\nund, wie man sieht, meist schwierige Compositionen wurden unter\nder Leitung des jetzigen Dirigenten des Vereins, Herrn Gerns-\nheim, vorzüglich gut ausgeführt; der zahlreiche Chor (60 Sopra-\nnistinnen u. s. w.) entwickelte einen recht klangvollen, starken Ton\nund eine Präcision und Sicherheit, welche besonders in der herr-\nlichen Cantate von Bach, in Cherubini's Requiem und in dem a ca-\npella gesungenen Eingänge von Mendelssohn's Psalm sehr erfreulich\nwar und einen wirklichen Kunstgenuss darbot. Die Soli wurden\nrecht gut von den Damen Fräulein Rempel, Frau Cr am er und\nFräulein Niethen und Herrn Bolle (Tenor) vorgetragen. Die Lei-\nstungen des Vereins gereichen dem Eifer der Mitglieder und der\nbesonderen Tüchtigkeit des Herrn Dirigenten zu grosser Ehre; möge\ndas einträchtige Zusammenwirken von Seiten Beider den schönen\nChor immer mehr fördern: wir haben ihn mehr wie je nöthig.\nIn einer der letzten Sitzungen der musicalischen Gesellschaft\nerregte der aus dem Gedächtnisse mit Fertigkeit und musicalischem\nVerständnisse ausgeführte Vortrag von Hiller's Fis-moll-Concert\ndurch den eilfjährigen jungen Heimann aus Amsterdam, Schüler\ndes hiesigen Conservatoriums, allgemeinen Beifall und berechtigt zu\nden schönsten Hoffnungen auf die Entwicklung eines bedeutenden\nTalentes.\nDie italiänische Oper in Her Theatre in London,\nunter der Direction des Herrn Mapleson, welcher in dieser Woche\nmehreren Opern-Vorstellungen im hiesigen Stadttheater beiwohnte,\nzunächst dem ersten Auftreten von Fräulein Tietjens, der Prima-\ndonna seiner Gesellschaft, wird am 7. April eröffnet.\n©reffeld. Donnerstag, den 22. Februar, brachte das Concert\nunserer Liedertafel die Cantate „Gruss an die Nacht\" von A. Dorn,\ndem Dirigenten der Liedertafel, eine neue Composition, an der\nwir für unser Theil aussetzen möchten, dass die Musik bei dem ihr\nzu Grunde gelegten, wenn auch tief-innigen, so doch höchst einfa-\nchen Gedichte viel zu grossartig angelegt ist und dass das künst-\nlerisch schöne Ebenmaass zwischen dem vocalen und instrumentalen\nTheile zum Nachtheile des ersteren wohl etwas verletzt sein dürfte.\nDie Orchester-Begleitung ist für sich allein ein selbständiges Instru-\nmentalwerk, welches in seiner reichhaltigen Instrumentation ein un-\nverkennbares Compositions-Talent des jungen Künstlers verräth,\ngleichwohl aber als einfache Begleitung eines Gesanges diesen letz-\nteren um so mehr erdrücken musste, als es demselben mit Ausnahme\nder beiden letzten Strophen an leicht fassbaren Melodieen gebricht,\nund der mitwirkenden Sänger viel zu wenig waren, um dem gewal-\ntigen Orchester gehörigen Widerstand leisten zu können. Mit dem\nwundervollen Clavier-Concerte (G-moll) von Beethoven hatte Herr\nDorn Gelegenheit, seine bekannte Virtuosität von Neuem zu bethä-\ntigen. Den Glanzpunkt des Abends bildete unstreitig die „Velleda*\nvon C. Joseph Brambach, welche den zweiten Theil des Con-\ncertes ausfüllte. Diese Composition ist bekanntlich im Jahre 1864\nauf Concurrenz-Ausschreiben der aachener Liedertafel mit dem zwei-\nten Preise gekrönt und auf dem Sängerfeste des niederrheinischen\nSängervereins im Herbste des genannten Jahres in Aachen mit gros-\nsem Erfolge aufgeführt worden. Fräulein Marie Büschgens als\nVelleda trug hier in Crefeld das Ihrige dazu bei, um Alles in Feuer\nund Begeisterung mit sich fortzureissen, so dass die Composition"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "88", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660317-01.1.8", "texte": "auch hier nach allen Seiten hin und unter rauschendem Beifalle der\nZuhörerschaft in würdigster Weise zur Aufführung gelangte.\nBerlin* In den königlichen Theatern zu Berlin wurden im\nGanzen 55 Vorstellungen im Monat Januar gegeben, und zwar vom\nSchauspiel 30, von der Oper 21 und vom Ballet 4, davon 30 im\nAbonnement. Vorstellungen classischer Werke von Goethe (Götz) 1,\nKleist 1, Shakespeare 7. Opern: Weber, Freischütz, Oberon.\nGluck, Orpheus. Mozart, Don Juan. Meyerbeer, Die Africa-\nnerin (5 Mal). Jüdin (2 Mal). Flotow, Martha (2 Mal),\nBoieldieu, Die weisse Dame (2 Mal). Adam, Der Postillon. Bel-\nlini, Die Nachtwandlerin. Auber, Die Gesandtin, Der schwarze\nDomino. Verdi, Violetta (2 Mal). Zu einigen der aufgeführten\nOpern und Stücke machen die „Berliner Recensionen\", eine von\nF. A* Meyer in Berlin gut redigirte Wochenschrift, folgende interes-\nsante historische Bemerkungen.\n„Der Freischütz\" von C«. M. von Weber. Die königliche\nBühne in Berlin hat diese Oper am 18. Juni 1821 überhaupt zum\nersten Male auf die Bühne gebracht, und ist dieselbe am 5. Januar\n1866 zum 347. Male auf derselben gegeben worden. Am 22. De-\ncember 1858 feierte die königliche Bühne bei Gelegenheit der 301.\nAufführung des „Freischütz\" C. M. von Weber's Gedächtniss mit\neinem Prologe in Verbindung mit lebenden Bildern.\nShakespeare's „Othello\" gelangte in der Uebersetzung von\nEschenburg in Berlin zum ersten Male am 29. April 1775, mit\nHerrn Döbbelin in der Titelrolle, zur Darstellung. Am 12. März\n1788 wurde das Trauerspiel zum Benefiz für Herrn Fleck nach der\nBearbeitung von Schröder gegeben. Fleck spielte den „Othello\" bis\nzum Jahre 1794. Von 1794 bis 1812 erlebte das Stück keine Wie-\nderholungen, Am 28. December 1812 wurde dasselbe, mit Mattausch\nals Othello, nach der Uebersetzung von Voss aufgeführt. Am 6. Ja-\nnuar 1866 fand die 76. Vorstellung des Trauerspiels Statt; ausser-\ndem wurde dasselbe im Jahre 1853 auf der königlichen Bühne auch\nvier Mal in englischer Sprache von Mr. Ira Aldridge und seiner\nGesellschaft aufgeführt.\n„Götz von Berlichingen\", geschrieben 1773, für das Theater\neingerichtet von Goethe in Weimar 1804, wurde in Berlin am 12.\nApril 1774 zum ersten Male gegeben» Der Theaterzettel trägt fol-\ngende Ueberschrift: „Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand.\nEin ganz neues Schauspiel von fünf Acten. Welches nach einer\nganz besondern und jetzo ganz ungewöhnlichen Einrichtung von\neinem gelehrten und scharfsinnigen Verfasser mit Fleiss verfertigt\nworden. Es soll, wie man sagt, nach Schakespearschen Geschmack\nabgefasst sein. Man hätte vielleicht Bedenken getragen, solches auf\ndie Schaubühne zu bringen, aber man hat dem Verlangen vieler\nFreunde nachgegeben, und so viel, als Zeit und Platz erlauben\nwollen, Anstalt gemacht, es aufzuführen. Auch hat man sich, dem\ngeehrtesten Publico gefällig zu machen, alle erforderliche Kosten\nauf die nöthigen Decorationen und neuen Kleider gewandt, die in\nden damaligen Zeiten üblich waren. In diesem Stück kommt auch\nein Ballet von Zigeunern vor. Die Einrichtung dieses Stückes ist\nam Eingange auf einen a garten Blatte für 1 Gr* zu haben. Der\nAnfang ist präcise um 5 Uhr.\" Der Dichter ist auf dem Theater-\nzettel vom 12. April 1774 nicht angegeben. Am 28. April desselben\nJahres aber steht auf dem Zettel: „Schauspiel in fünf Akten vom\nHerrn D. Göde in Frankfurth am Main.\" Bei der ersten Auf-\nführung des Schauspiels spielte Herr Brückner den Götz. Im Jahre\n1795 wurde die Rolle von Herrn Fleck dargestellt, 1805 von Herrn\nMattausch. Die Vorstellungen des „Götz\" erfuhren grosse Unterbre-\nchungen; von 1777 bis 1795, von 1795 bis 1805 und von 1815 bis\n1827 befand sich das Schauspiel nicht auf dem Repertoire. Die Auf-\nführung am 20. Januar 1866 war die HO. auf der hiesigen Bühne.\nHerr Gye, Director der italiänischen Oper im Coventgarden-\nTheater zu London, hat Fräulein Orgeny von der berliner Hof-\nOper auf fünf Saisons engagirt. Er wird seine Oper am 3. April\neröffnen.\nPauline Lucca soll Zeitungs-Nachrichten zufolge für den\nMonat April in Madrid für 3000 Frcs. Honorar für jeden Spiel-\nabend engagirt sein.\nIn München macht die Wiederaufnahme von Lortzing's\n„Undine\" mit Fräulein Stehle und Mühldorfer's Decorationen und\nMaschinerieen wiederholt volle Häuser."}]}