{"numero_id": "bm-bmtnabi-1866-03-24-01", "volume": "bmtnabi_1866-03-24_01", "ocr_sha256": "02f694a4196b0e0ecb9467a483f5044ca92110b89e4980b93aa38f9ea7afdea7", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1866/03/24_01/bmtnabi_1866-03-24_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660324-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1866-03-24-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-03-24_01#c001", "volume": "bmtnabi_1866-03-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "89", "page_fin": "89", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660324-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "89", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660324-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 477, "texte": "Inhalt.\nHeinrich Schütz und dessen Passionsmusiken. Persönliche Verhältnisse grosser Meister zu einander. Spohr und Beet-\nhoven. Von A. Schindler. Theater in Köln (Gastspiel von Fräulein Therese Tietjens). Tages- und Unterhaltungsblatt\n(Köln, Soiree von Dr. Hans von Bülow, Matinee für Kammermusik, Concert des Kölner Männer-Gesangvereins, J. Seb. Bach's Matthäus-\nPassion Aachen, Barmen, Musik-Aufführungen in der Charwoche Giessen, Matthäus-Passion Hamburg, Concert Arnheim)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-03-24-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-03-24_01#c002", "volume": "bmtnabi_1866-03-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "89", "page_fin": "92", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660324-01.2.2", "titre_corps": "Heinrich Schütz und dessen Passionsmusiken.", "titre_sommaire": "Heinrich Schütz und dessen Passionsmusiken.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "89", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660324-01.1.1", "debut_caractere": 479, "fin_caractere_exclue": 4052, "texte": "Heinrich Schütz und dessen Passionsmusiken.\nDer Bach-Verein zu Hamburg hat am 13. März unter\nLeitung seines Dirigenten, Herrn Armbrust, die Can-\ntate „Gottes Zeit\" von J. Seb. Bach, das Stabat mater\nvon Astorga und „Die sieben Worte\" von Hein-\nrich Schütz zur Aufführung gebracht.\nHeinrich Schütz [geb. 1585, gest. 1672*)] war be-\nkanntlich ein Schüler des berühmten Gabrieli in Venedig\nund hatte auch in späteren Jahren durch erneuten Auf-\nenthalt in Italien den damaligen Umschwung der Musik\nvom rein Formellen zum Ausdrucksvollen, namentlich im\nEinzeigesange durch das Recitativ und die Arie nicht\nbloss kennen gelernt, sondern sich ganz hineingelebt. Allein\nda ihm zugleich die deutsche, aus Volkslied und Choral\nsich neugestaltende Weise tonkünstlerischen Schaffens ur-\neigen war, so vermochte er beide zu einer innigen Ver-\nschmelzung zu bringen; die Macht der deutschen Har-\nmonik vermählte sich mit der Melodik Italiens, und der\nstarre Contrapunkt kam bei ihm schon in Fluss. Wie\nstreng er indess an diesem, als der eigentlich musicalischen\nGrundlage, festhielt, spricht er selbst aus in dem Vorworte\nzu seinem Werke: Musicalia ad chorum saerum, gedruckt\n1648, in welchem er sagt, dass von Italien aus üblich\ngeworden sei, über einen fortgehenden Bass Gesänge zu\nsetzen, und dass diese zu grosser Beliebtheit gelangt seien.\nEr wolle sie auch nicht tadeln, doch Niemand werde je-\nmals ein recht tüchtiger Tonsetzer werden, der nicht zu-\nvor ohne jenes Hülfsmittel eines fortgehenden Basses in\nkünstlichen und schwierigen contrapunktischen Arbeiten\nFertigkeit erlangt habe. Sei ein Tonkünstler nicht der\nErfordernisse eines kunstmässigen Satzes ganz Meister ge-\nworden, so helfe ihm alle Erfahrenheit nichts, ja, wenn\nauch ungelehrten Ohren seine Leistungen gleichsam als\nhimmlische Harmonie vorkämen, so würden sie doch nicht\nbestehen und nicht viel höher als einer tauben Nuss werth\ngeschätzt werden können*).\nUeber „Die sieben Worte\", welche (wie oben gesagt)\nkürzlich in Hamburg aufgeführt worden sind, äussert sich\nA. von Dommer (gegenwärtig in Hamburg) in einem in-\nteressanten Artikel (Hamb. Correspond., Nr. 58) folgen-\nder Maassen:\n„Neben dem, dass Schütz den Ausdruck in der kirch-\nlichen Vocalmusik sehr wesentlich förderte, ihre Formen\nerweiterte, bereicherte und von der bei seinen Vorgängern\nvorwaltenden Gebundenheit an das Kirchenlied ablöste\nund mehr dem freien Schaffen überwies, neben dem be-\ngann Schütz auch, nach dem Vorbilde seiner venetiani-\nschen Lehrmeister die Instrumente umfassender zu ver-\nwenden. Er beschränkt sie in der Regel nicht mehr auf\nblosses Unterstützen oder Abwechseln des Chors, sondern\nlässt sie auch bereits eigene Motive und melodische Sätze\nin selbständiger Weise mit den Singstimmen vereint durch-\nbilden oder den Hauptgedanken wechselweise mit ihnen\ndurchführen.\n„Seine Werke sind sehr zahlreich. Doch hat er auf\nweltlich-dramatischem Gebiete nur Eines geliefert, und\nzwar die erste deutsche Oper, die von Rinuccini gedich-\ntete, früher schon von Peri componirte und nun von Mar-\ntin Opitz ins Deutsche übersetzte Daphne, welche mit\nSchütz' Musik 1628 gelegentlich der Vermählung der\nSchwester Johann Georg's l. mit dem Landgrafen von\nHessen zu Torgau aufgeführt worden ist. Das Werk ist\njedoch verloren gegangen, etwas Näheres weiss man nicht\ndarüber; doch darf man annehmen, dass es von den gleich-\n\n*) Vergl. Niederrh. Musik-Zeitung, Jahrg. 186*2, Nr. 27,\ndie Besprechung von Moriz Fürstenaus: »Zur Geschichte der\nMusik am Hofe der Kurfürsten von Sachsen\".\n*) Aug. Reissmann, Allg. Geschichte der Musik. 11. S. 187."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "90", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660324-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5447, "texte": "zeitigen Producten der Italiäner auf diesem Gebiete nicht\nerheblich sich unterschieden haben wird. Alle übrigen\nWerke von Schütz sind kirchliche: so die Symphoniae sa-\ncrae, Psalmen, Motetten, verschiedene andere Arten geist-\nlicher Chorgesänge und Goncerte u. s. w., welche der, den\nes interessirt, bei Walther, Winterfeld, Gerber und An-\nderen aufgeführt findet. Nur über seine der Osterzeit an-\ngehörenden kirchlich-dramatischen, zur Gattung der Pas-\nsion gehörenden Werke einige Worte.\n„Das früheste derselben, die „ „Historie der fröhlichen\nund siegreichen Auferstehung unseres einigen Erlösers und\nSeligmachers Jesu Christi\"'', fällt ins Jahr 1623. Nimmt\nes unsere Aufmerksamkeit hier auch nur weniger in An-\nspruch, so ist es doch bereits ein merkwürdiges Beispiel\nfür das Eindringen eines neuen Geistes in die älteren For-\nmen der Passion. Der Evangelist spricht zwar das Meiste\nnoch im alten Collectentone, doch die wichtigeren Mo-\nmente und Satzschlüsse sind auf ariose Art melodisch be-\nwegt und Alles von vier Viole begleitet, wäh-\nrend vordem höchstens nur die Orgel und auch diese nur\nselten in Anwendung gekommen sein wird. Die übrigen\nPersonen singen Alles mehrstimmig zum Generalbass,\nmeist kunstreich canonisch concertirend; Jesus stets zwei-\nstimmig.\n„Weit wichtiger noch erscheint das kleine, der Pas-\nsionszeit angehörende Werk: „„Die sieben Worte\"\",\nvom Jahre 1645, nicht allein seiner interessanten Durch-\nbildung im Einzelnen wegen, sondern auch hinsichtlich\nder schönen Abrundung der Gesammtform. Die protestan-\ntische Gemeinde, durch einen breit angelegten und nach\nMotettenart durchgebildeten Anfangs- und Schluss-Chor\nvertreten, umschliesst mit ihrer Empfindung und Betrach-\ntung den ganzen Hergang. Nach dem aus dem Choral:\n„„Da Jesus au dem Kreuze stund\"\", im vortrefflichsten\nStile alla capella entwickelten Einleitungs-Chor tritt eine\nkurze, mysterienhaft klingende Sinfonie von Geigen ein;\nes ist, als ob ein Vorhang leise sich erhebt, die Gemeinde\nChristum am Kreuze mit den Umstehenden erblicken lässt\nund dann am Schlüsse (die Sinfonie wird wiederholt) wie-\nderum sich niedersenkt, worauf die Gemeinde in dem herr-\nlich gearbeiteten, ebenfalls fünfstimmigen Schluss-Chor:\n„„Wer Gottes Marter in Ehren hat\"\", Betrachtungen\nüber den Opfertod Christi als das Mittel zum ewigen Le-\nben anstellt.\n„So erscheint die Form des Ganzen bedeutsam abge-\nschlossen. Die Einzelreden Jesu und der übrigen handeln-\nden Personen sind stets einstimmig, und zwar arioses Re-\ncitativ (zwischen gewöhnlicher Recitation und ausgebilde-\nter Melodie die Mitte haltend, doch mehr dieses, als jenes),\nder Collectenton ist gänzlich verschwunden. Alles in die-\nser Recitation ist ungemein ernst, feierlich und würdig,\ndie ideale Ruhe in den meist sehr einfachen Ton-Fort-\nschreitungen ist auch in lebhafter erregten Momenten nie-\nmals aufgegeben. Daher fordert das Verständniss dieser\nGesangweise beim Anhören allerdings einige Abstraction\nvon der gewohnten stärkeren Färbung und Deutlichkeit\ndes Ausdrucks unserer Tage und mag manchem moder-\nnen Ohr anfänglich wohl etwas monoton erscheinen. Aber\nbei näherem Eingehen offenbaren sich die mannigfaltig-\nsten Züge von melodischer Schönheit und declamatori-\nscher Charakteristik, die Einfachheit tritt uns nicht als\nArmuth entgegen, sondern als objective Stilwahrheit und\nbeabsichtigte würdevolle Mässigung der Tonsprache. Der\nEvangelist recitirt zu Anfang ebenfalls einstimmig, aber in\nder Sterbescene Christi, vor und nach dem Eli und den\nWorten: Ich befehle meinen Geist in Deine Hände! brei-\ntet er sich zur Mehrstimmigkeit aus, wird zum Solo-Quar-\ntett, in dieser Vereinigung aller vier Hauptstimmen-Gat-\ntungen gleichsam die Betheiligung der ganzen Menschheit\nan den letzten leidenden Handlungen des Erlösers versinn-\nlichend. Welch eine feierliche Haltung die Schlussscene\ndurch diese Mehrstimmigkeit des Evangelisten erhält, lässt\nsich übrigens besser empfinden, als beschreiben. Noch eine\nkleine Merkwürdigkeit findet sich in dem Werke: der\nEvangelist und die anderen Personen singen stets nur zur\nOrgel, die Reden Jesu aber sind von Streich-Instrumenten\nbegleitet, welche seine Erscheinung und Worte idealer fär-\nben, gleichsam mit einem Heiligenschein umgeben, wie wir\nsolches später in Bach's Matthäus-Passion wiederfinden.\nUebrigens kam das Werk in echter Originalgestalt zur\nAufführung, nur die Orgel ist neu hinzugesetzt, wiewohl in\nmöglichst getreuem Anschlüsse au den Stil von Schütz.\n„Fürchtete nun aber der alternde Meister, von den\nEinflüssen weltlich-dramatischer Musik sich selbst nicht\nhinlänglich frei halten zu können, oder glaubte er ihrem\nüberwältigenden Eindringen in die Kirche einen festen\nDamm entgegensetzen zu müssen genug, er ging auf\ndem in den sieben Worten eingeschlagenen Wege nicht\nweiter, sondern kehrte vielmehr in der letzten Arbeit sei-\nnes für die deutsche Tonkunst so werthen Lebens, den\nvier Passionen nach den vier Evangelisten, um 1666, wieder\nzur strengsten altertümlichsten Form zurück. Alle Ein-\nzelreden in diesen Passionen sind wieder im einfachen,\nalten Collectentone gehalten, nur hin und wieder mit etwas\nfreieren ariosen Wendungen untermischt; das Volk ist\ndurch einen Chor repräsentirt, motettenartige betrachtende\nEinleitungs- und Schluss-Chöre rahmen jedes dieser Werke\nein. Aber in den Volkschören kommt das moderne musi-\ncalisch-dramatische Element doch sehr entschieden zum\nDurchbruche, und an sich (von dem Stil-Zwiespalte zwi-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "91", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660324-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5428, "texte": "srhen ihrer dramatischen Haltung und dem strengen alt-\nkirchlichen Tone der Recitative abgesehen) gehören diese\nVolkschöre zum Bedeutendsten, was Schütz und seine\nganze Zeit geschaffen haben. Sie enthalten vortreffliche\nElemente eines echt dramatischen Chorstils, und Schütz ist\nder Erste, der den Volkschören der Passion überhaupt eine\nwirklich dramatisch-musicalische Gestalt verlieben bat.\"\nWinterfeld hat das Verdienst, Schütz der Verges-\nsenheit entrissen zu haben, in so fern er auf seine Werke\nun l seinen Einfluss hinwies. Er sagt in Bezug auf die neue\nRichtung der Musik: „In grösserer Wärme, in schnellem\nund lebhaften, das Gemüth anregenden Klängen tbat diese\nStimmung sich kund: aber nur so grossen und vielseitig\nbegabten Meistern wie Heinrich Schütz, in dessen Seele\ndas Wesen der alten, echt christlichen Tonkunst noch le-\nbendig in seiner tiefsten Bedeutung fortklang, nur solchen\nblieb es vergönnt, auch innerhalb ihrer neuen Gestaltungs-\nund Ausdrucksweise jenen echt religiösen Sinn in der\nKunst zu bewahren und auf die Nachkommen fortzupflan-\nzen.\" Was aber die Passionen betrifft, so äussert Chry-\nsander sich dahin (Händel 1., S. 128), dass Winterfeld\ndie vier Passionen von Schütz zu spät kennen gelernt und\ndann, da sie nicht mehr zu seinen Ansichten passten, zu\nkühl besprochen habe. Er selbst aber nennt jene Passionen\nanspruchlose, köstliche Tondichtungen, in denen Alles zur\nBlüthe aufgegangen ist, was in der altdeutschen Weise\nder Passion Herrliches beschlossen lag.\nProben aus allen vier Passionen, die Schütz 1666\n(oder wenigstens zwischen 1666 —1672, in seinen letz-\nten Lebensjahren) geschrieben, tbeilt A. Reissmann in\nseiner „Geschichte der Musik\" (11., S. 188—205) mit\nund fügt dann hinzu:\n„Wohl in keinem seiner Werke hat sich Schütz so\nstreng an die alte überlieferte Form gehalten, wie in die-\nsen Passionen. Wie jenen lateinischen Passionen von Jaq.\nBerchem, Claudin, Verdelot u. A., die wir in Liber deci-\nmus Passiones dominice, Paris, gesammelt finden,\noder denen von Cellarius, Ducis, Eckel, Galliculus, Isaac,\nObrecbt, Lemblin, Senffl, Stoltzer, Walther, welche bei\nGeorg Rhaw 1538 als Harmoniae selectae quatuor vo-\ncum de Passione Domini erschienen, oder den Passionen\nvon Cyprian de Rore (1558), Daser (1565 und 1578),\nLassus (1565) meist der alte Kirchengesang zu Grunde\nliegt, oder wie die deutschen von J. v. Burck (1568 und\n1577), Lachner (1594), Harnisch (1621) u. A. nach\ndem lateinischen Kirchen-Choral mehrstimmig gesetzt wa-\nren, so schliesst sich auch Schütz dieser Weise an, und\nzwar so streng, dass er, dem wir doch bereits in so treff-\nlichen Arbeiten auf dem Gebiete des begleiteten Gesanges\nbegegnen, der so meisterlich schon Instrumentales und\nVocales in einander zu weben verstand, sich der Instru-\nmente ganz enthält, und obgleich er bereits in seinen vor-\nher betrachteten biblischen Scenen eine gewisse Gewandt-\nheit bekundet, die lyrischen Haupt-Momente derselben in\nArien oder Dialogen plastisch herauszubilden, so verzichtet\ner doch auch hier darauf. In der Weise des alten Epistel-\ngesanges, des Choraliterlesens erzählt der Evangelist und\nwerden die einzelnen Personen redend eingeführt, aber\nmit um so grösserer Gewalt wirken die Chöre, in denen\ndie Jünger, die Hohenpriester, Pharisäer und Schriftge-\nlehrten, die Kriegsknechte, Juden und der ganze Haufen\nauftreten. Auch jene Weise der Kirchen-Accente seiner\nRecitative des Evangelisten und der einzelnen Personen\nwird vielfach durch feinsinnige, melodische Züge weit über\njene früheren Passionen erhoben, aber im Allgemeinen\nerwächst sie ganz unter denselben Voraussetzungen. Die\nCböre aber überragen alles bisher in dieser Richtung Ge-\nleistete um ein Bedeutendes. Die einzelnen Motive sind\nt, .iv |\nunmittelbar aus der Situation heraus erfunden und em-\npfunden, dass sie uns auch mit zwingender Nothwendig-\nkeit in dieselbe einführen, und dass sie zugleich, trotz\nihrer schlagenden Kürze, ihrer knappen und lebendigen\nEntwicklung wegen uns vollständig Zeit gewähren, uns in\nsie zu vertiefen. Mit diesen Passionen hat der Meister den\nGrundtypus der auf der neuen Musik-Anschauung des\nJahrhunderts emportreibenden Passion im Besonderen und\ndes Oratoriums im Allgemeinen gefunden, und wir wer-\nden sehen, wie seine Nachfolger auf diesem Gebiete, Se-\nbastiani, Keiser und Mattheson, sich ihm anschliessen, und\nwie selbst Händel und Seb. Bach, um wie viel tiefer als\nSchütz sie auch die heilige Geschichte erfassen und in wie\nreicher und mächtiger ausgeführten Tonbildern sie die-\nselbe darstellten, nicht über jene Grundform hinausgegan-\ngen sind.\"\nUeber das Concert in Hamburg am 13. d. Mts. ent-\nhalten dortige Berichte, dass das Programm J. S. Bach's\nCantate: „GottesZeit\", H. Schütz' „Die sieben Worte\",\nAlt-Arie „Erbarme Dich\" aus der Matthäus-Passion von\nJ. S. Bach und im zweiten Theile das von\nEmanuel d'Astorga brachte. Der Eindruck des Wer-\nkes von Schütz wird als ein durch die Eigenthümlichkeit\neines tiefinnerlichen Wesens ergreifender geschildert und\nim Gegensatze zu Astorga's S hervorgehoben.\nUeber die Ausführung, die in der Petrikirche Statt fand,\nsagen die Hamburger Nachrichten: „Sie gereichte nicht\nnur dem ernsten Streben der Vereinsgenossen und des\nDirigenten, des Organisten Herrn Armbrust, zur Ehre,\nsondern sie legte auch Zeugniss von den steten Fortschrit-\nten ab, welche die Gesellschaft in dem Verständnisse der\nälteren Stilarten und in der Befähigung zu ihrer Wieder-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660324-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 750, "texte": "gäbe macht. Fräulein Mandl war die tüchtige Vertreterin\nder Solo-Sopranpartieen; Fräulein Hausen liess in ihren\nLeistungen nicht nur die Fülle und Schönheit eines um-\nfassenden Alt-Organs, sondern auch eine vorgerückte\nkünstlerische Ausbildung desselben erkennen; Herr Koch\naus Köln hilft als Tenor in Kirchen-Concerten mit einem\nErfolge aus, der nicht bloss dem sicheren Gange der\nWerke zu Gute kommt, sondern auch der klaren Aus-\neinandersetzung derselben, und Herr A. Schulze ist in\nseinem Basse zu bekannt in Hamburg, als dass wir seiner\nsonoren Stimme und edlen Vortragsweise ein neues Lob\nzu ertheilen wüssten. Auf der Orgelbank befand sich Herr\nDegenhardt, die Geige führte Herr J. Böie, der auch\ndie Arie aus der Matthäus-Passion begleitete.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-03-24-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-03-24_01#c003", "volume": "bmtnabi_1866-03-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "92", "page_fin": "93", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660324-01.2.3", "titre_corps": "Persönliche Verhältnisse grosser Meister zu einander", "titre_sommaire": "Persönliche Verhältnisse grosser Meister zu einander", "signature_source": "A. 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Es wird nämlich dort der „bei\nMusikern am Rheine und weiter im deutschen Lande um-\nlaufenden Anekdote Erwähnung gethan, Spohr habe bei\nder ersten Probe der Missa in mit einer gewissen Af-\nfectation erklärt, dass er das Werk nicht kenne\". Diese\n„Anekdote\" wird in die Rubrik der „Gerüchte\" „Nach-\nreden\" gestellt.\nBei derselben Probe sass ich ganz in der Nähe des\nOrchesters, und zwar in der Bänkereihe links, nahe der\nköniglichen Loge, von wo aus man den Dirigenten\nhatte. Neben mir nahm Platz der verstorbene Musik-Di-\nrector Messer, um die Partitur von dem Werke, die ich\nmitgebracht hatte, nachlesen zu können. Bald gesellte sich\nin derselben Absicht zu uns Herr Liszt, Platz nehmend\nzwischen Messer und mir. Da ereignete sich der Fall, dass\nsich der Dirigent Spohr von einem Tempowechsel im\nGloria überraschen liess, d. h. er schlug noch einige Tacte\nim vorgehenden Zeitmaasse fort, während bereits ein an-\nderes eingetreten war. Im zweiten Theile des Credo er-\nfolgte aber eine weit auffallendere Ueberraschung gleicher\nArt, die zugleich zur ausserordentlichen Ueberraschung\neines ansehnlichen Theiles der vielen Zuhörer ward, denn\nman hörte den Dirigenten zur Entschuldigung des Vor-\nfalles deutlich sagen, er habe das Werk erst auf der Reise\nnach Bonn kennen gelernt. Spohr kam nämlich aus Karls-\nbad zum Feste. Es lässt sich errathen, welche Anmerkun-\ngen Seitens intelligenter Musiker zu diesem directorialen\nGeständnisse gemacht worden, denn man konnte nicht be-\ngreifen, wie es möglich, die Leitung eines so schwierigen\nWerkes an einem europäischen Musikfeste zu überneh-\nmen, ohne vorher dessen vollkommen Meister geworden\nzu sein.\nWenn sich diese Thatsache in der Erinnerung der\nMusiker am Rheine und weiter noch bis heute erhalten\nhat (sassen doch mehrere dieser Herren aus Köln, darun-\nter auch Musik-Director Franz Weber, in der nächsten\nNähe des Dirigenten im Orchester), wenn gar noch in der\n„actenmässigen Darstellung\" jenes Festes zu lesen ist:\n„Ihm (Spohr) sei die Messe noch unbekannt\" u. s. w., so\nbedarf es wohl weiterer Zeugnisse für die Wahrheit nicht\nmehr*). Hinzuzusetzen bleibt aber noch, dass Spohr noch\nin der Hauptprobe von der Messe zu merkliche Beweise\nvon Unsicherheit und Mangel an Vertrautheit mit der\ngrossen Aufgabe gegeben hat; nicht er war der Führer,\nsondern er wurde von der begeisterten, mit dem Werke\nvollkommen vertrauten Masse im Chor und Orchester ge-\nführt. Dass das Verdienst vollendeter Aufführung des\nWerkes in der Hauptsache Hern Musik-Director Franz\nWeber zukommt, hat der Unterzeichnete bereits in der\ndritten Auflage von Beethoven's Biographie, 11., 86, des\nWeiteren ausgesagt und hält daran fest. Dieses Verdienst\nWebers erstreckt sich aber auch auf die anderen Gesang-\nwerke bei dieser Feier. Was wäre bei Liszt's schlotteri-\nger, ja, wahrhaft burschikoser Directionsweise aus seiner\nCantate geworden ohne Weber's vorherige Befestigung\nder Chor-Masse? Dies alles und hoffentlich noch mehr\nwird sich wohl auch in der actenmässigen Darstellung\njenes Festes vorfinden. [?]\n„Dass Spohr nicht nur ein grosser Verehrer Beetho-\nven's, sondern auch ein begeisterter Verehrer seiner Com-\n\n*) Vgl. Jahrgang 1865, Nr. 3: „Weber und Beethoven\"\nNr. 5: „C. M. von Weber und Meyerbeer\". Der obige\nAufsatz: und Beethoven\", rührt aus Anton Schind-\nlers Nachlass her und ist Ende 1860 geschrieben, weil die darin\nangezogene Nummer 46 der Niederrh. Musik-Zeitung keine\nandere sein kann, als die Nr. 46 vom 10. November 1860, wo in\ndem Artikel mit derselben Ueberschrift: „Spohr und Beethovenu,\ndas Verhalten Spohr's gegen Beethoven einiger Maassen entschul-\ndigt wird. Die Redaction.\n*) Prof. Breidensteins Denkschrift über die Denkmal-Feier\nführt die Stelle aus Spohr's Brief dem Original gemäss so an:\n„Mir selbst ist die Messe von Beethoven noch unbekannt,\nich werde mir aber baldigst die Partitur anschaffen und mich damit\nvertraut machen.\" Die Redaction."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660324-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5104, "texte": "Positionen gewesen\", wie in der Niederrheinischen gleich-\nzeitig mit Obigem zu lesen, das überrascht mich (vielleicht\nauch Andere), und muss ich offen gestehen, dass diese\nVerehrung etwa in Bezug auf die ersten Quartette und\neinzelne Sätze in anderen Werken ausgenommen aus\ndem in der Selbstbiographie über Beethoven Ausgesagten\nmir und auch recht vielen Anderen nicht einleuchten will.\nWer von der neunten Sinfonie sagt, „dass ihm die drei\nersten Sätze, trotz einiger Genie-Blitze, schlechter vorkom-\nmen, als sämmtliche der acht früheren Sinfonieen\"; wer\nan den vierten Satz der neunten anknüpfend, Folgendes\nniederschreibt: „Ich finde darin einen neuen Beleg zu\ndem, was ich schon in Wien bemerkte, dass es Beethoven\nan ästhetischer Bildung und an Schönheitssinn fehle\"; wer\nferner von der O-moll-Sinfonie unter Anderem sagt: „Bei\nvielen einzelnen Schönheiten bildet sie doch kein classi-\nsches Ganzes. Namentlich fehlt sogleich dem Thema des\nersten Satzes die Würde\"; wer vollends den vierten Satz\ndieses gewaltigen Epos in Tönen einen „nichtssagenden\nLärm\" nennt, der steht offenbar auf Seiten der verblendet-\nsten Gegner Beethoven's, die da waren: Dionys Weber,\nC. M. von Weber, Eybler, Preindl und noch ein volles\nSchock nicht unbedeutender Zeitgenossen.\nUnd wie kommt denn dieser „grosse Verehrer\" Beet-\nhoven's dazu, in seine Selbstbiographie ein Märchen auf-\nzunehmen (und zwar nach mündlichen Aussagen von Sey-\nfried), wie z. B. das Histörchen von der derben Maul-\nschelle, die Beethoven bei Gelegenheit des Vortrages eines\nneuen Clavier-Concertes mit der ausfahrenden Rechten\neinem Chorknaben applicirt haben soll, nachdem er vor-\nher schon beide Leuchter vom Glavierpulte zu Boden ge-\nworfen? Seyfried selber in seinen Notizen über Beethoven\nbringt nichts Derartiges vor, und hat doch fleissig zusam-\nmengekehrt, was ihm des Aufklaubens werth schien. Un-\nstreitig ist dieses Märchen die Metamorphose des bekann-\nten Vorfalles bei Aufführung der Phantasie mit Chor\n1808 im Theater an der Wien, darüber verschiedene\nZeugen berichtet haben. Wäre das Seite 200 und 201\nin der Selbstbiographie Vorgebrachte wahr, so hätte es\nsich als pikante Anekdote nicht nur in lebhafter Erinne-\nrung der Wiener erhalten, insbesondere hätte sich Ferd.\nRies die Illustration dieser Maulschellen-Scene—zur Ver-\nvollständigung der „echten Quellen\" zur Charakteristik\nseines Lehrers und Freundes sicherlich» nicht nehmen\nlassen. Mit- und Nachwelt schulden nun aber dem Gene-\nral-Musik-Director Spohr grossen Dank, dass er für einen\npassenden Ort zur Aufbewahrung dieses Märchens Sorge\ngetragen.\nDie Art und Weise, wie Spohr sich über Beethoven\nam Directionspulte auslässt, muss als der höchste Grad\nvon Uebertreibung bezeichnet werden. Darauf zu erwidern,\nsollte Aufgabe der „Recensionen\" oder'der „Deutschen\nMusik-Zeitung\" sein. Es dürften doch noch einige verstän-\ndige Männer in Wien aufzufinden sein, die vielleicht un-\nseren Meister 1819 das letzte Mal mit seiner A-dur-Sin-\nfonie im Universitätssaale am Pulte gesehen. Man wird\nvon ihnen erfahren, dass Beethoven die lächerliche Figur\nnicht war, wie diese von Spohr gezeichnet wird.\nWenn Spohr von Beethoven sagt (und zwar aus dem\nJahre 1813, wo seine Schwerhörigkeit bereits bedeutend\nvorgeschritten war): „Für die Arbeiten Anderer nahm er\nnicht das mindeste Interesse\", so ist das wieder Ueber-\ntreibung. Wäre es aber wirklich buchstäblich wahr, so\nfände es doch in jenem Uebel einen Entschuldigungs-\ngrund. Wie aber, wenn es wahr ist, was der Sänger\nFranz Wild in seiner Autobiographie gerade in solcher\nBeziehung, von Spohr aussagt? Dort liest man: „Sein\nhauptsächlichster Fehler als Musiker und insbesondere als\ndas Repertoire beeinflussender Capellmeister war der\nblinde Hass, den er gegen alle ausländischen Compositio-\nnen hegte\" u. s. w. (S. Recensionen, Nr. 6, 1860.)\nGegenwärtiges werde mit nachstehendem Erlebnisse\ndes Unterzeichneten geschlossen. Im Monat December\n1831 verweilte ich, von Wien kommend, vier Tage in\nRassel. Der damalige Legations-Secretär der österreichi-\nschen Gesandtschaft, Herr von Schm—r, mir von Wien\nher wohl bekannt, stand als besonderer Musikfreund und\nselbst Ausübender mit Spohr in stetem Verkehr. Er war\nes, der mich dem Meister vorstellte, nachdem er dessen\nErlaubniss eingeholt hatte. Herr v. S. machte jedoch die\nVorerinnerung, jeder Erwähnung Beethoven's in der Con-\nversation sich zu enthalten, wenn Spohr nicht selber mit\ndiesem Thema beginnen sollte; sei ihm doch meine ein-\nstige Stellung zu Beethoven bekannt. Als Grund des\nSchweigens führte S. an, dass der Herr Hof-Capellmeister\nnicht besonders gut auf Beethoven zu sprechen sei. Wirk-\nlieb gedachte Spohr bei diesem ziemlich langen Besuche\nmit keinem Worte seines grossen Zeitgenossen. Zwei Mal\ntraf ich noch mit ihm in der Lesegesellschaft zusammen,\nund auch da kam der Name Beethoven nicht über seine\nLippen. Doch genug, obgleich sich noch manches Andere\nanführen Hesse.\nDie Redaction wird wohl keinen Anstand nehmen,\ndiesen Zeilen den nöthigen Raum in den Spalten der Nie-\nderrheinischen Musik-Zeitung zu gönnen, darum höflichst\nersucht\n\nA. Schindler."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-03-24-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-03-24_01#c004", "volume": "bmtnabi_1866-03-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "94", "page_fin": "94", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660324-01.2.4", "titre_corps": "Theater in Köln.", "titre_sommaire": "Theater in Köln.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "94", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660324-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5500, "texte": "Theater in Köln.\nGastspiel von Fräulein Therese Tietjens.\nAm Dinstag den 13. d. Mts. bat Fräulein Therese\nTietjens aus London ihr Gastspiel auf der hiesigen Bühne\nbegonnen. Sie trat als „Norma\" auf. Wenn in dem ersten\nRecitativ und im Andante der Casta diva das Zurückhalten\nder Stimme erratben Hess, dass die berühmte Sängerin,\nvon der Reise noch etwas angegriffen, nur mit Vorsicht die\nMittel ihres Organs bebandelte, so entfaltete sie doch schon\nim Allegro und vollends im zweiten Acte gleich von An-\nfang an immer herrlicher die reiche Fülle jener mächtigen\nund umfangreichen Stimme und riss durch Gesang und\nSpiel, mit Einem Worte, durch die Darstellung der Prie-\nsterin, das zahlreich versammelte Publicum zur Bewunde-\nrung hin, welche sich in begeistertem Applaus und stür-\nmisch wiederholtem Hervorruf kundgab. Alles ist gross-\nartig und, man möchte sagen: gewaltig bei dieser Künst-\nlerin: Erscheinung, Plastik, Stimme und Charakter des\nVortrags. Wie viele andere Sängerinnen würden solche\nMittel, wie sie die Natur Fräulein Tietjens verliehen bat,\nzum Missbrauch derselben verleiten; allein Fräulein Tiet-\njens bewährt das Grosse auch in der Herrschaft über ihre\nMittel, deren Macht sie sehr wohl kennt, aber sie im vol-\nlen Bewusstsein derselben stets nur mit richtigem Verständ-\nnisse und im Charakter der jedesmaligen Situation verwen-\ndet. Daher dann in Tönen das Bild der Seelenstimmung\nnach den verschiedenen Gefühlen, welche die Darstellung\nverlangt; durch diese Beherrschung der Mittel wird es ihr\nmöglich, die leidenschaftlichen Stellen so kräftig und er-\nschütternd herauszuschleudern, dass selbst die Coloratur\nin ihnen zu einer Lawine von Tönen wird und doch da-\nneben, wo es der Moment verlangt, die Klänge der Liebe\nund Wehmuth in rührender Weise anzuschlagen. Bei allem\ndem aber bewahrt dieselbe künstlerische Einsicht die Sän-\ngerin vor jenem geschmacklosen Nebeneinanderstellen der\nContraste von forte und piano, wodurch Andere auf die\nMenge zu wirken suchen; bei ihr ist Alles Ton und Wohl-\nlaut, die Kraft wird nie zum Schrei, die Milde nie zu un-\nnatürlich leisem Laut, in beiden bleibt der Gesang vor-\nherrschend, den weder ein falsches declamatorisches Pa-\nthos, noch ein affectirt sentimentales Geflüster verunstaltet\nund aus der Sphäre der Kunst herausdrängt.\nWenn uns vor zwei Jahren unser musicalischer Cor-\nrespondent aus London schrieb: „Der Director der Oper\nim Theater Ihrer Majestät gibt sich keine grosse Mühe mit\nEngagements grosser Berühmtheiten, er hat Fräulein Tiet-\njens, das reicht hin, um alles Andere aus dem Felde zu\nschlagen\", so freuten wir uns zwar über diese dominirende\nStellung der deutseben Sängerin in London, die Ueberzeu-\ngung aber von der Wahrheit der Thatsache haben wir\nam 20. d. Mts. durch die Darstellung der Valentine in\nden „Hugenotten\" gewonnen, in welcher Fräulein Tietjens\nalle charakteristischen Vorzüge ihres Gesanges in Verbin-\ndung mit einer vortrefflichen Auffassung der Rolle und\ndaraus fliessender mimisch-plastischer Darstellung auf\nglänzende Weise entwickelte und das in allen Räumen voll-\nbesetzte Haus zu enthusiastischem Beifalle mit allen Zeichen\nder Bewunderung binriss. Bei allen Zuschauern war das\nErgebniss des tiefen Eindrucks, den ihre Leistung hervor-\nrief, die allgemeine Uebereinstimmung, dass man eine\ngrosse Kunsterscheinung vor sich habe, die allerdings nicht\nnur das gewöhnlich Anerkennenswerthe, sondern auch das\nBedeutende und Ausserordentliche überrage. Gewiss, diese\nKünstlerin behauptet mit vollem Rechte seit sechs Jahren\nden Thron im Theater der Königin von England, denn sie\nist selbst die Königin des Gesanges, und nicht nur bei die-\nser Bühne, sondern auch bei allen grossen Concert-Auf-\nfübrungen und Musikfesten. Ueberall vertritt sie die deut-\nsche Kunst auf glorreiche Weise; denn es ist keine Frage,\ndass das deutsche Element mit seiner Tiefe der Empfin-\ndung, Innigkeit des Ausdrucks, poetischen Auffassung des\nCharakters, maasshaltendem Pathos und dramatischer\nWahrheit in ihrer Vortragsweise vorherrscht, unterstützt\nvon einer Stimme, welche den grössten und schönsten der\nitaliänischen Sängerinnen ebenbürtig erscheint und dieje-\nnigen, welche die Catalani noch gehört haben, lebhaft an\ndiese grosse Sängerin erinnert. Den Eindruck des Gross-\nartigen theilt sie mit der Catalani, in der brillanten Vir-\ntuosität war diese ihr überlegen, allein die Milde und In-\nnigkeit des empfindungsvollen Gesanges kam bei ihr dem\nVortrage alles dahin Gehörigen durch Fräulein Tietjens\nnicht gleich, welche z. B. in Liedern von Schumann und\nin Weber's „Glöcklein im Thale\" (aus „Euryanthe\"),\nwelche wir neulich in einem Privatkreise von ihr vortra-\ngen hörten, wahrhaft bezaubernd wirkte und durch den\nwunderbaren Schmelz des sonst so mächtigen Organs eine\nErinnerung an Jenny Lind in ihrer schönsten Blüthezeit\nweckte. Diese Vereinigung des „Strengen mit dem Zarten\"\nist bei einer Künstlerin, deren Stimme sie fast nur auf das\nHeroische angewiesen zu haben scheint, um so höher zu\nschätzen. Die ganze Vorstellung der „Hugenotten\" war lo-\nbenswert!), die übrigen Hauptpartieen neben der Valentine\nwaren durch Frl. Schubert (Königin), die Herren Riese\n(Raoul), BehrJSt. Bris), Schelper (Nevers) recht gut be-\nsetzt, und Herrn Riese, der die Rolle des Raoul erst zum\nzweiten Male sang, können wir zu den grossen Fortschritten\nauf der Künstler-Laufbahn um so mehr Glück wünschen, als\nsein Gesang der Naturgabe einer frischen, klangvollen Te-\nnorstimme jetzt auch künstlerisch gerecht zu werden strebt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-03-24-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-03-24_01#c005", "volume": "bmtnabi_1866-03-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "95", "page_fin": "96", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660324-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "95", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660324-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7466, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMo lii. Am 18. März fand im Hotel Disch die Soiree des\nHerrn Dr. Hans von Bülow Statt, in welcher kr die grosse Suite\nin D-moll in vier Sätzen, Op. 91, von Joachim Raff, Präludium\nund Fuge für Orgel in E-moll von J. S. Bach (Clavier-Uebertra-\ngung von Liszt), zwei kirchliche Legenden: „Die Vogelpredigt des\nheiligen Franciscus von Assisi\" und „Der heilige Franciscus von\nPaula auf den Wogen schreitend\", und die 33 Variationen von Beet-\nhoven Op. 120 über einen Walzer von Diabelli auf einem Flügel\nvon C. Becbstein in Berlin vortrug. - Das Programm enthielt „Er-\nläuterungen\" : über die 33 Variationen haben wir schon in der vo-\nrigen Nummer gesprochen; zu Ciszt's „Vogelpredigt\" gab es nur die\nQuelle der Legende in Fioretti di San Francesco cap. 16 an; zu\nder zweiten Legende lautete die Erläuterung: „Das bezügliche Wun-\nder des Heiligen ist im 35. Cap. seiner Lebensgeschichte von Giu-\nseppe Miscimarra ausführlich erzählt. Herr Prof. Steinle? der be-\nkannte Maler, hat dasselbe Motiv zu einer Zeichnung benutzt, welche\nden Heiligen darstellt auf wildbewegter Flut aufrecht stehend, den\nMantel unter den Füssen, die Rechte erhoben, wie um dem Elemente\nzu gebieten, in der Linken eine glühende Kohle, als Symbol des\nchristlichen Feuers, den Blick verklärt zum Himmel gerichtet.\"\nNun, wenn die erste Legende überschrieben wäre: „Vögelgezwit-\nscher, eine Etüde\", so würde man die allerliebste Art der Nach-\nahmung freundlich aufnehmen; mit dem Eintritte des Recitativs\nder Predigt? dazwischen wird die Sache mehr als spasshaft. Ge-\nlungener als Ganzes ist die zweite Legende: aber auch selbst Herrn\nvon Bülow's überaus glänzende und grossartige Ausführung konnte\nuns die Ueberzeugung nicht nehmen, dass eine Ueberschrift und ein\nProgramm mehr störend als fördernd auf den Genuss eines Musik-\nstückes wirken, weil die grosse oder geringe, ja, die geringste Be-\nschäftigung des Verstandes mit dem Aufpassen auf die Tonmalerei\nund dem Anpassen des Gehörten an das Gelesene die Thätig-\nkeit der Phantasie, der wahren Quelle der Empfänglichkeit für das\nmusicalisch Schöne, hemmt und unterbricht. Es ist daher die Auf-\nstellung eines Programms, wenn es sich nicht ganz im Allgemeinen\nnur an eine vage Empfindung hält, als eines Mittels zu lebendige-\nrem Eindruck einer Musik ein grosser Irrthum, weil es abgesehen\nvon allem, was sonst dagegen zu sagen und oft genug gesagt ist\nseinen Zweck durchaus nicht erreicht* Die Suite von J. Raff\nist eine bedeutende Composition, namentlich in ihrem ersten Satze,\nder Phantasie und Fuge, welcher jedoch unserer Meinung nach noch\nmehr wirken würde, wenn er concentrirter geschrieben wäre und\nnicht zu häufig Läufe und Passagen wie aus den Wolken herab\nhinein fielen; in Bach's chromatischer Phantasie bringt der Stil des\nGanzen das mit sich, der Satz von Raff wird dadurch zu sehr aus-\ngedehnt und die Einheit des Stils leidet darunter. Alle Stücke\nwurden von Herrn von Bülow so gespielt, dass man nicht weiss, ob\nman dabei die fabelhafte Technik der Ausführung oder das unge-\nheure Gedächtniss mehr bewundern soll. Freilich mögen Einige, die\nin seinem Spiel Ausdruck vermissten, nicht ganz Unrecht haben;\nallein wir fragen dagegen: woher sollte das, was man so gewöhn-\nlich unter Ausdruck versteht, im Vortrage der gewählten Stücke\n(mit Ausnahme einiger weniger Variationen von Beethoven) herkom-\nmen? Wahr dürfte allerdings sein, dass uns bei seinem Spiel haupt-\nsächlich Erstaunen fesselt und dass dieses fast alle anderen Empfin-\ndungen gefangen hält.\nDie Matinee für Kammermusik, die am Donnerstag statt der\nAbonnements-Soiree eintrat, war besonders durch eine neue Compo-\nsition F. Hiller's, eine grosse C oncert-Son ate in D-dur für\nPianoforte und Violine, Op. 122 (Manuscript), interessant.\nHerr Capellmeister Hiller trug das umfangreiche, schwierige und\ndurchweg in grossartigem Stil gehaltene Werk mit Herrn Concert-\nMeister von Königslöw mit glänzender Bravour auf einem vortreff-\nlichen Erard'schen Flügel (aus der Niederlage von J. Bei hierselbst)\nvor, dessen Klangfülle für den Saal im Hotel Disch fast zu mächtig\nwar. Von den drei Sätzen schien, so viel man nach dem Eindrucke\neines einmaligen Hörens zu urtheilen vermag, der letzte der origi-\nnelste und durchschlagendste zu sein. Das erste Allegro energico\nimponirt durch seinen reichen, pompösen und massenhaften Inhalt\nin fast sinfonistischem Stile; man muss es aber öfter hören, zumal\nda bei der diesmaligen Ausführung der Klang des Flügels die Vio-\nlin-Partie nicht immer zu völligem Verständniss gelangen liess.\nVor der Sonate spielten die Herren von Königslöw und Genossen\ndas Op. 135 (eigentlich 133) von Beethoven, das\ntrotz der einzelnen Schönheiten doch, gegen andere Beethoven'sche\nWerke gehalten, keinen erhebenden Gesammt-Eindruck macht. Da-\ngegen versetzte die treffliche, durchweg von ausdrucksvollem Vor-\ntrage gehobene Ausführung des Quintetts in G-moll von Mozart\n(mit dem wunderbar schönen Adagio mit Sordinen) die Zuhörerschaft\nin wahres Entzücken, das nach jedem Satze und besonders am\nSchlüsse in lebhaftestem Applaus sich offenbarte.\nAm Sonntag den 18. d. Mts. gab der Kölner Männer-Ge-\nsangverein unter Leitung von Franz Weber ein Concert in\nder neuen Kirche zu Kalk bei Deutz, dessen ganzer Ertrag für die\nVollendung des Baues dieser Kirche im Innern bestimmt war und\neine schöne Einnahme brachte. Die ernsten und religiösen Gesänge,\nunter denen Vittoria's Popule mens, F. Schuberts Salve Beginal\nCherubini's 0 salutaris hostia (Duett für Sopran und Tenor Fräu-\nlein Elise Rempel und Herr A. Pütz), Tenor-Arie aus „Elias\"\nvon Mendelssohn (Herr Jos. Wolff) u. s. w., wurden ausdrucks-\nvoll gesungen. Besondere Auszeichnung verdient noch der Vortrag\nder Arie von Händel: „Ich weiss, dass mein Erlöser lebt\", durch\nFräulein Elise Rempel.\nMorgen, am Palmsonntage, findet die Aufführung der grossen\nPassion nach dem Evangelisten Matthäus von J. S. Bach im\nletzten Abonnements-Concerte im Gürzenich Statt. Die Haupt-Soli\nwerden durch Fräulein Wagner (Sopran), Concertsängerin aus\nKarlsruhe, die wir in Köln zum ersten Male hören werden, und\nFräulein Schreck, durch die Herren Gunz und Hill vorgetragen.\nDie Chöre sind in derselben Weise wie bei früheren Aufführungen\nverstärkt und vertheilt, Herr Musik-Director Weber an der Orgel,\nCapellmeister Hiller Dirigent des Ganzen.\nIn der Charwoche finden auch in Aachen und in Barmen Auf-\nführungen religiöser Musik Statt, in Aachen am Dinstag den 27.\ndie Matthäus-Passion mit den Solisten Fräulein Wagner aus\nKarlsruhe, Frau P. aus Aachen, Herrn Karl Schneider aus\nRotterdam und Herrn Hill aus Frankfurt; in Barmen ebenfalls\nDinstag den 27. d„ Mts. Mozart's JRequiem und der zweite Theil\nvon Hände Ts „Messias\" Sopran-Partie in beiden Fräulein\nJulie Rothenberger.\nAus Giessen, 15. März. Gestern fand hierdurch Vereinigung\naller hiesigen musicalischen Kräfte unter der Direction des Musik-\nDirectors Mickler eine schöne Aufführung der grossen Matthäus-\nPassion von J. S. Bach Statt, Die Solo-Partieen waren durch\nFräulein Julie Rothenberger aus Köln, Fräulein Assmann\naus Barmen, Herrn Otto aus Berlin und Herrn Gregor (Bass)\nvom Hoftheater zu Darmstadt besetzt.\nHamburg, 20. März. In dem vorletzten philharmonischen\nConcerte hörten wir als Neuigkeit eine Suite in Canonform für\nStreich-Instrumente von Otto Grimm, einem Tonsetzer, der sich\nvom juristischen Berufe dem Cultus der Musik zugewendet bat und\ngegenwärtig den Posten eines Orchester-Dirigenten in Münster be-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660324-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3637, "texte": "kleidet. Die Composition, die unter Herrn Stockhausenrs Lei-\ntung in einem schwunghaft frischen Gusse zur Aufführung kam,\nbesteht aus vier Sätzen und ward mit Beifall aufgenommen. Die\nSuite ist nicht nur von kunstvoller Arbeit, sondern sie besitzt\nauch melodische Erfindung. Am lebhaftesten sprachen die beiden\nersten Sätze an, obgleich wir nicht gerade etwas Hervorragendes\nvon ihrer thematischen Gestaltung oder in harmonischer Hinsicht\nzu rühmen haben. Das Interesse des Abends war jedoch vor Allem\nauf Herrn Aug. Wilhelmi aus Wiesbaden und dessen Solo-Geige,\nso wie auf die Lieder-Vorträge gerichtet, die von Herrn Stock-\nhausen angemeldet waren. Herr Wilhelmi begann mit einem Vio-\nlin-Concerte Paganini's und fügte darauf Reverie von Vieuxtemps\nund Adagio von Bach hinzu, alle drei Nummern mit vollständigem\nErfolg. Das Erscheinen des Herrn Jul. Stockhausen am Ciavier\nzum Liedergesange ward von dem Publicum mit anhaltendem Ap-\nplaus begrüsst. Die Beethoven'sche Composition der fünf Gedichte\nvon Jeitteles: „An die ferne Geliebte\", ist einer populäreren Wür-\ndigung auf keinem Wege und durch Niemanden sicherer, als durch\nHerrn Stockhausen, entgegenzuführen. Der poetische Zauber, womit\nsich die Geinüthsfülle des deutschen Liedes in seinem Gesänge aus-\nspricht, ist auch kürzlich in Petersburg zu so rascher und allge-\nmeiner Geltung gelangt, dass Herr Stockhausen seinem jetzigen\nersten Besuche Russlands künftig regelmässige Kunstreisen dahin\nfolgen lassen wird. Diesmal ging er auf die Aufforderung der phil-\nharmonischen Gesellschaft in Petersburg zur Aufführung des „Elias\"\ndahin und zur Mitwirkung in einem Concerte derselben Gesellschaft,\ndas Arien, Lieder, Instrumental-Soli und die neunte Sinfonie Beet-\nhoven's brachte. Die Elias-Aufführung dirigirte Herr Stiehl, der\nSohn des Organisten in Lübeck, das zweite Concert Herr Anton\nRubin stein. Zwischen beiden Concerten konnte Herr Stockhausen\nnur eine Matinee geben, wozu sich, obschon zum Bekanntmachen\nnur zwei Tage möglich waren, ein eben so zahlreiches wie dank-\nbares Publicum einstellte. Ausserdem sang Herr Stockhausen in\nPetersburg für Herrn Rubinstein, so wie bei der Grossfürstin Helene\nund bei der Kaiserin.\n** Aus Arnheim, 22. März. Die Concerte unserer Gesell-\nschaft „Cacilia\" haben diesen Winter im neuen Theater Statt ge-\nfunden und einen unverkennbaren Aufschwung unter der Leitung\ndes Herrn H. A. Meyroos genommen. Wir haben in denselben\nSinfonieen von Haydn, Mendelssohn, Beethoven, Ouvertüren\nvon C. M. von Weber, Mendelssohn, Mozart, Kalliwoda\nu. s. w, gehört; von Instrumental-Solisten traten auf die Herren\nVioloncellisten Alex. Schmit aus Köln und Jules Desweert\naus Düsseldorf, die Violinisten de Graan aus Amsterdam und Karl\nBargheer, fürstlich Lippe'scher Capellmeister aus Detmold. Im\nSologesänge erfreuten uns die Damen Fräulein Georgine Schu-\nbert, die am Stadttheater zu Köln gastirt, Fräulein Elise Rem-\npel aus Köln, Frau Collin-Tobisch aus Amsterdam und Fräu-\nlein Julie Rothenberger, Concertsängerin aus Köln, welche\nim fünften Concerte am 2. d. Mts. mit Donizetti's Arie der Linda\nvon Chamounix durch ihre vorzügliche italiänische Schule und\ncorrecte Coloratur, und mit Liedern von Beethoven, F. Schubert\nund H. Dorn durch Auffassung und ausdrucksvollen Vortrag des\ndeutschen Liedes ausserordentlichen Beifall ärntete. Wir hatten\ndiese treffliche Künstlerin schon früher hier in Arnheim und auch\nkürzlich in Nym wegen gehört, und sind sehr erfreut, dass sie morgen\nAbend die Sopran-Arie in Händel's „Messias\" in dem Concerte\nder Gesellschaft zur Beförderung der Tonkunst im neuen Concert-\nsaale „Musis sacrumtt wieder übernommen hat."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "89", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660324-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nHeinrich Schütz und dessen Passionsmusiken. Persönliche Verhältnisse grosser Meister zu einander. Spohr und Beet-\nhoven. Von A. Schindler. Theater in Köln (Gastspiel von Fräulein Therese Tietjens). Tages- und Unterhaltungsblatt\n(Köln, Soiree von Dr. Hans von Bülow, Matinee für Kammermusik, Concert des Kölner Männer-Gesangvereins, J. Seb. Bach's Matthäus-\nPassion Aachen, Barmen, Musik-Aufführungen in der Charwoche Giessen, Matthäus-Passion Hamburg, Concert Arnheim).\n\nHeinrich Schütz und dessen Passionsmusiken.\nDer Bach-Verein zu Hamburg hat am 13. März unter\nLeitung seines Dirigenten, Herrn Armbrust, die Can-\ntate „Gottes Zeit\" von J. Seb. Bach, das Stabat mater\nvon Astorga und „Die sieben Worte\" von Hein-\nrich Schütz zur Aufführung gebracht.\nHeinrich Schütz [geb. 1585, gest. 1672*)] war be-\nkanntlich ein Schüler des berühmten Gabrieli in Venedig\nund hatte auch in späteren Jahren durch erneuten Auf-\nenthalt in Italien den damaligen Umschwung der Musik\nvom rein Formellen zum Ausdrucksvollen, namentlich im\nEinzeigesange durch das Recitativ und die Arie nicht\nbloss kennen gelernt, sondern sich ganz hineingelebt. Allein\nda ihm zugleich die deutsche, aus Volkslied und Choral\nsich neugestaltende Weise tonkünstlerischen Schaffens ur-\neigen war, so vermochte er beide zu einer innigen Ver-\nschmelzung zu bringen; die Macht der deutschen Har-\nmonik vermählte sich mit der Melodik Italiens, und der\nstarre Contrapunkt kam bei ihm schon in Fluss. Wie\nstreng er indess an diesem, als der eigentlich musicalischen\nGrundlage, festhielt, spricht er selbst aus in dem Vorworte\nzu seinem Werke: Musicalia ad chorum saerum, gedruckt\n1648, in welchem er sagt, dass von Italien aus üblich\ngeworden sei, über einen fortgehenden Bass Gesänge zu\nsetzen, und dass diese zu grosser Beliebtheit gelangt seien.\nEr wolle sie auch nicht tadeln, doch Niemand werde je-\nmals ein recht tüchtiger Tonsetzer werden, der nicht zu-\nvor ohne jenes Hülfsmittel eines fortgehenden Basses in\nkünstlichen und schwierigen contrapunktischen Arbeiten\nFertigkeit erlangt habe. Sei ein Tonkünstler nicht der\nErfordernisse eines kunstmässigen Satzes ganz Meister ge-\nworden, so helfe ihm alle Erfahrenheit nichts, ja, wenn\nauch ungelehrten Ohren seine Leistungen gleichsam als\nhimmlische Harmonie vorkämen, so würden sie doch nicht\nbestehen und nicht viel höher als einer tauben Nuss werth\ngeschätzt werden können*).\nUeber „Die sieben Worte\", welche (wie oben gesagt)\nkürzlich in Hamburg aufgeführt worden sind, äussert sich\nA. von Dommer (gegenwärtig in Hamburg) in einem in-\nteressanten Artikel (Hamb. Correspond., Nr. 58) folgen-\nder Maassen:\n„Neben dem, dass Schütz den Ausdruck in der kirch-\nlichen Vocalmusik sehr wesentlich förderte, ihre Formen\nerweiterte, bereicherte und von der bei seinen Vorgängern\nvorwaltenden Gebundenheit an das Kirchenlied ablöste\nund mehr dem freien Schaffen überwies, neben dem be-\ngann Schütz auch, nach dem Vorbilde seiner venetiani-\nschen Lehrmeister die Instrumente umfassender zu ver-\nwenden. Er beschränkt sie in der Regel nicht mehr auf\nblosses Unterstützen oder Abwechseln des Chors, sondern\nlässt sie auch bereits eigene Motive und melodische Sätze\nin selbständiger Weise mit den Singstimmen vereint durch-\nbilden oder den Hauptgedanken wechselweise mit ihnen\ndurchführen.\n„Seine Werke sind sehr zahlreich. Doch hat er auf\nweltlich-dramatischem Gebiete nur Eines geliefert, und\nzwar die erste deutsche Oper, die von Rinuccini gedich-\ntete, früher schon von Peri componirte und nun von Mar-\ntin Opitz ins Deutsche übersetzte Daphne, welche mit\nSchütz' Musik 1628 gelegentlich der Vermählung der\nSchwester Johann Georg's l. mit dem Landgrafen von\nHessen zu Torgau aufgeführt worden ist. Das Werk ist\njedoch verloren gegangen, etwas Näheres weiss man nicht\ndarüber; doch darf man annehmen, dass es von den gleich-\n\n*) Vergl. Niederrh. Musik-Zeitung, Jahrg. 186*2, Nr. 27,\ndie Besprechung von Moriz Fürstenaus: »Zur Geschichte der\nMusik am Hofe der Kurfürsten von Sachsen\".\n*) Aug. Reissmann, Allg. Geschichte der Musik. 11. S. 187."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "90", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660324-01.1.2", "texte": "zeitigen Producten der Italiäner auf diesem Gebiete nicht\nerheblich sich unterschieden haben wird. Alle übrigen\nWerke von Schütz sind kirchliche: so die Symphoniae sa-\ncrae, Psalmen, Motetten, verschiedene andere Arten geist-\nlicher Chorgesänge und Goncerte u. s. w., welche der, den\nes interessirt, bei Walther, Winterfeld, Gerber und An-\nderen aufgeführt findet. Nur über seine der Osterzeit an-\ngehörenden kirchlich-dramatischen, zur Gattung der Pas-\nsion gehörenden Werke einige Worte.\n„Das früheste derselben, die „ „Historie der fröhlichen\nund siegreichen Auferstehung unseres einigen Erlösers und\nSeligmachers Jesu Christi\"'', fällt ins Jahr 1623. Nimmt\nes unsere Aufmerksamkeit hier auch nur weniger in An-\nspruch, so ist es doch bereits ein merkwürdiges Beispiel\nfür das Eindringen eines neuen Geistes in die älteren For-\nmen der Passion. Der Evangelist spricht zwar das Meiste\nnoch im alten Collectentone, doch die wichtigeren Mo-\nmente und Satzschlüsse sind auf ariose Art melodisch be-\nwegt und Alles von vier Viole begleitet, wäh-\nrend vordem höchstens nur die Orgel und auch diese nur\nselten in Anwendung gekommen sein wird. Die übrigen\nPersonen singen Alles mehrstimmig zum Generalbass,\nmeist kunstreich canonisch concertirend; Jesus stets zwei-\nstimmig.\n„Weit wichtiger noch erscheint das kleine, der Pas-\nsionszeit angehörende Werk: „„Die sieben Worte\"\",\nvom Jahre 1645, nicht allein seiner interessanten Durch-\nbildung im Einzelnen wegen, sondern auch hinsichtlich\nder schönen Abrundung der Gesammtform. Die protestan-\ntische Gemeinde, durch einen breit angelegten und nach\nMotettenart durchgebildeten Anfangs- und Schluss-Chor\nvertreten, umschliesst mit ihrer Empfindung und Betrach-\ntung den ganzen Hergang. Nach dem aus dem Choral:\n„„Da Jesus au dem Kreuze stund\"\", im vortrefflichsten\nStile alla capella entwickelten Einleitungs-Chor tritt eine\nkurze, mysterienhaft klingende Sinfonie von Geigen ein;\nes ist, als ob ein Vorhang leise sich erhebt, die Gemeinde\nChristum am Kreuze mit den Umstehenden erblicken lässt\nund dann am Schlüsse (die Sinfonie wird wiederholt) wie-\nderum sich niedersenkt, worauf die Gemeinde in dem herr-\nlich gearbeiteten, ebenfalls fünfstimmigen Schluss-Chor:\n„„Wer Gottes Marter in Ehren hat\"\", Betrachtungen\nüber den Opfertod Christi als das Mittel zum ewigen Le-\nben anstellt.\n„So erscheint die Form des Ganzen bedeutsam abge-\nschlossen. Die Einzelreden Jesu und der übrigen handeln-\nden Personen sind stets einstimmig, und zwar arioses Re-\ncitativ (zwischen gewöhnlicher Recitation und ausgebilde-\nter Melodie die Mitte haltend, doch mehr dieses, als jenes),\nder Collectenton ist gänzlich verschwunden. Alles in die-\nser Recitation ist ungemein ernst, feierlich und würdig,\ndie ideale Ruhe in den meist sehr einfachen Ton-Fort-\nschreitungen ist auch in lebhafter erregten Momenten nie-\nmals aufgegeben. Daher fordert das Verständniss dieser\nGesangweise beim Anhören allerdings einige Abstraction\nvon der gewohnten stärkeren Färbung und Deutlichkeit\ndes Ausdrucks unserer Tage und mag manchem moder-\nnen Ohr anfänglich wohl etwas monoton erscheinen. Aber\nbei näherem Eingehen offenbaren sich die mannigfaltig-\nsten Züge von melodischer Schönheit und declamatori-\nscher Charakteristik, die Einfachheit tritt uns nicht als\nArmuth entgegen, sondern als objective Stilwahrheit und\nbeabsichtigte würdevolle Mässigung der Tonsprache. Der\nEvangelist recitirt zu Anfang ebenfalls einstimmig, aber in\nder Sterbescene Christi, vor und nach dem Eli und den\nWorten: Ich befehle meinen Geist in Deine Hände! brei-\ntet er sich zur Mehrstimmigkeit aus, wird zum Solo-Quar-\ntett, in dieser Vereinigung aller vier Hauptstimmen-Gat-\ntungen gleichsam die Betheiligung der ganzen Menschheit\nan den letzten leidenden Handlungen des Erlösers versinn-\nlichend. Welch eine feierliche Haltung die Schlussscene\ndurch diese Mehrstimmigkeit des Evangelisten erhält, lässt\nsich übrigens besser empfinden, als beschreiben. Noch eine\nkleine Merkwürdigkeit findet sich in dem Werke: der\nEvangelist und die anderen Personen singen stets nur zur\nOrgel, die Reden Jesu aber sind von Streich-Instrumenten\nbegleitet, welche seine Erscheinung und Worte idealer fär-\nben, gleichsam mit einem Heiligenschein umgeben, wie wir\nsolches später in Bach's Matthäus-Passion wiederfinden.\nUebrigens kam das Werk in echter Originalgestalt zur\nAufführung, nur die Orgel ist neu hinzugesetzt, wiewohl in\nmöglichst getreuem Anschlüsse au den Stil von Schütz.\n„Fürchtete nun aber der alternde Meister, von den\nEinflüssen weltlich-dramatischer Musik sich selbst nicht\nhinlänglich frei halten zu können, oder glaubte er ihrem\nüberwältigenden Eindringen in die Kirche einen festen\nDamm entgegensetzen zu müssen genug, er ging auf\ndem in den sieben Worten eingeschlagenen Wege nicht\nweiter, sondern kehrte vielmehr in der letzten Arbeit sei-\nnes für die deutsche Tonkunst so werthen Lebens, den\nvier Passionen nach den vier Evangelisten, um 1666, wieder\nzur strengsten altertümlichsten Form zurück. Alle Ein-\nzelreden in diesen Passionen sind wieder im einfachen,\nalten Collectentone gehalten, nur hin und wieder mit etwas\nfreieren ariosen Wendungen untermischt; das Volk ist\ndurch einen Chor repräsentirt, motettenartige betrachtende\nEinleitungs- und Schluss-Chöre rahmen jedes dieser Werke\nein. Aber in den Volkschören kommt das moderne musi-\ncalisch-dramatische Element doch sehr entschieden zum\nDurchbruche, und an sich (von dem Stil-Zwiespalte zwi-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "91", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660324-01.1.3", "texte": "srhen ihrer dramatischen Haltung und dem strengen alt-\nkirchlichen Tone der Recitative abgesehen) gehören diese\nVolkschöre zum Bedeutendsten, was Schütz und seine\nganze Zeit geschaffen haben. Sie enthalten vortreffliche\nElemente eines echt dramatischen Chorstils, und Schütz ist\nder Erste, der den Volkschören der Passion überhaupt eine\nwirklich dramatisch-musicalische Gestalt verlieben bat.\"\nWinterfeld hat das Verdienst, Schütz der Verges-\nsenheit entrissen zu haben, in so fern er auf seine Werke\nun l seinen Einfluss hinwies. Er sagt in Bezug auf die neue\nRichtung der Musik: „In grösserer Wärme, in schnellem\nund lebhaften, das Gemüth anregenden Klängen tbat diese\nStimmung sich kund: aber nur so grossen und vielseitig\nbegabten Meistern wie Heinrich Schütz, in dessen Seele\ndas Wesen der alten, echt christlichen Tonkunst noch le-\nbendig in seiner tiefsten Bedeutung fortklang, nur solchen\nblieb es vergönnt, auch innerhalb ihrer neuen Gestaltungs-\nund Ausdrucksweise jenen echt religiösen Sinn in der\nKunst zu bewahren und auf die Nachkommen fortzupflan-\nzen.\" Was aber die Passionen betrifft, so äussert Chry-\nsander sich dahin (Händel 1., S. 128), dass Winterfeld\ndie vier Passionen von Schütz zu spät kennen gelernt und\ndann, da sie nicht mehr zu seinen Ansichten passten, zu\nkühl besprochen habe. Er selbst aber nennt jene Passionen\nanspruchlose, köstliche Tondichtungen, in denen Alles zur\nBlüthe aufgegangen ist, was in der altdeutschen Weise\nder Passion Herrliches beschlossen lag.\nProben aus allen vier Passionen, die Schütz 1666\n(oder wenigstens zwischen 1666 —1672, in seinen letz-\nten Lebensjahren) geschrieben, tbeilt A. Reissmann in\nseiner „Geschichte der Musik\" (11., S. 188—205) mit\nund fügt dann hinzu:\n„Wohl in keinem seiner Werke hat sich Schütz so\nstreng an die alte überlieferte Form gehalten, wie in die-\nsen Passionen. Wie jenen lateinischen Passionen von Jaq.\nBerchem, Claudin, Verdelot u. A., die wir in Liber deci-\nmus Passiones dominice, Paris, gesammelt finden,\noder denen von Cellarius, Ducis, Eckel, Galliculus, Isaac,\nObrecbt, Lemblin, Senffl, Stoltzer, Walther, welche bei\nGeorg Rhaw 1538 als Harmoniae selectae quatuor vo-\ncum de Passione Domini erschienen, oder den Passionen\nvon Cyprian de Rore (1558), Daser (1565 und 1578),\nLassus (1565) meist der alte Kirchengesang zu Grunde\nliegt, oder wie die deutschen von J. v. Burck (1568 und\n1577), Lachner (1594), Harnisch (1621) u. A. nach\ndem lateinischen Kirchen-Choral mehrstimmig gesetzt wa-\nren, so schliesst sich auch Schütz dieser Weise an, und\nzwar so streng, dass er, dem wir doch bereits in so treff-\nlichen Arbeiten auf dem Gebiete des begleiteten Gesanges\nbegegnen, der so meisterlich schon Instrumentales und\nVocales in einander zu weben verstand, sich der Instru-\nmente ganz enthält, und obgleich er bereits in seinen vor-\nher betrachteten biblischen Scenen eine gewisse Gewandt-\nheit bekundet, die lyrischen Haupt-Momente derselben in\nArien oder Dialogen plastisch herauszubilden, so verzichtet\ner doch auch hier darauf. In der Weise des alten Epistel-\ngesanges, des Choraliterlesens erzählt der Evangelist und\nwerden die einzelnen Personen redend eingeführt, aber\nmit um so grösserer Gewalt wirken die Chöre, in denen\ndie Jünger, die Hohenpriester, Pharisäer und Schriftge-\nlehrten, die Kriegsknechte, Juden und der ganze Haufen\nauftreten. Auch jene Weise der Kirchen-Accente seiner\nRecitative des Evangelisten und der einzelnen Personen\nwird vielfach durch feinsinnige, melodische Züge weit über\njene früheren Passionen erhoben, aber im Allgemeinen\nerwächst sie ganz unter denselben Voraussetzungen. Die\nCböre aber überragen alles bisher in dieser Richtung Ge-\nleistete um ein Bedeutendes. Die einzelnen Motive sind\nt, .iv |\nunmittelbar aus der Situation heraus erfunden und em-\npfunden, dass sie uns auch mit zwingender Nothwendig-\nkeit in dieselbe einführen, und dass sie zugleich, trotz\nihrer schlagenden Kürze, ihrer knappen und lebendigen\nEntwicklung wegen uns vollständig Zeit gewähren, uns in\nsie zu vertiefen. Mit diesen Passionen hat der Meister den\nGrundtypus der auf der neuen Musik-Anschauung des\nJahrhunderts emportreibenden Passion im Besonderen und\ndes Oratoriums im Allgemeinen gefunden, und wir wer-\nden sehen, wie seine Nachfolger auf diesem Gebiete, Se-\nbastiani, Keiser und Mattheson, sich ihm anschliessen, und\nwie selbst Händel und Seb. Bach, um wie viel tiefer als\nSchütz sie auch die heilige Geschichte erfassen und in wie\nreicher und mächtiger ausgeführten Tonbildern sie die-\nselbe darstellten, nicht über jene Grundform hinausgegan-\ngen sind.\"\nUeber das Concert in Hamburg am 13. d. Mts. ent-\nhalten dortige Berichte, dass das Programm J. S. Bach's\nCantate: „GottesZeit\", H. Schütz' „Die sieben Worte\",\nAlt-Arie „Erbarme Dich\" aus der Matthäus-Passion von\nJ. S. Bach und im zweiten Theile das von\nEmanuel d'Astorga brachte. Der Eindruck des Wer-\nkes von Schütz wird als ein durch die Eigenthümlichkeit\neines tiefinnerlichen Wesens ergreifender geschildert und\nim Gegensatze zu Astorga's S hervorgehoben.\nUeber die Ausführung, die in der Petrikirche Statt fand,\nsagen die Hamburger Nachrichten: „Sie gereichte nicht\nnur dem ernsten Streben der Vereinsgenossen und des\nDirigenten, des Organisten Herrn Armbrust, zur Ehre,\nsondern sie legte auch Zeugniss von den steten Fortschrit-\nten ab, welche die Gesellschaft in dem Verständnisse der\nälteren Stilarten und in der Befähigung zu ihrer Wieder-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660324-01.1.4", "texte": "gäbe macht. Fräulein Mandl war die tüchtige Vertreterin\nder Solo-Sopranpartieen; Fräulein Hausen liess in ihren\nLeistungen nicht nur die Fülle und Schönheit eines um-\nfassenden Alt-Organs, sondern auch eine vorgerückte\nkünstlerische Ausbildung desselben erkennen; Herr Koch\naus Köln hilft als Tenor in Kirchen-Concerten mit einem\nErfolge aus, der nicht bloss dem sicheren Gange der\nWerke zu Gute kommt, sondern auch der klaren Aus-\neinandersetzung derselben, und Herr A. Schulze ist in\nseinem Basse zu bekannt in Hamburg, als dass wir seiner\nsonoren Stimme und edlen Vortragsweise ein neues Lob\nzu ertheilen wüssten. Auf der Orgelbank befand sich Herr\nDegenhardt, die Geige führte Herr J. Böie, der auch\ndie Arie aus der Matthäus-Passion begleitete.\"\n\nPersönliche Verhältnisse grosser Meister zu\neinander\nSpohr und Beethoven.\n\n*).\nSeit geraumer Zeit gleichgültig und mürbe geworden\ngegen alles, was in Büchern und Zeitschriften über Beet-\nhoven's Persönlichkeit und Musik vorgebracht wird, halte\nich es dennoch für geboten, über die Vorfälle bei der\nMonuments-Feier 1845 zu Bonn in Bezug auf die Missa\nin D,deren in Nr. 46 d. 81. bei Gelegenheit der Mitthei-\nlungen aus Spohr's Selbstbiographie erwähnt wird,\nein Wort mit zu reden. Es wird nämlich dort der „bei\nMusikern am Rheine und weiter im deutschen Lande um-\nlaufenden Anekdote Erwähnung gethan, Spohr habe bei\nder ersten Probe der Missa in mit einer gewissen Af-\nfectation erklärt, dass er das Werk nicht kenne\". Diese\n„Anekdote\" wird in die Rubrik der „Gerüchte\" „Nach-\nreden\" gestellt.\nBei derselben Probe sass ich ganz in der Nähe des\nOrchesters, und zwar in der Bänkereihe links, nahe der\nköniglichen Loge, von wo aus man den Dirigenten\nhatte. Neben mir nahm Platz der verstorbene Musik-Di-\nrector Messer, um die Partitur von dem Werke, die ich\nmitgebracht hatte, nachlesen zu können. Bald gesellte sich\nin derselben Absicht zu uns Herr Liszt, Platz nehmend\nzwischen Messer und mir. Da ereignete sich der Fall, dass\nsich der Dirigent Spohr von einem Tempowechsel im\nGloria überraschen liess, d. h. er schlug noch einige Tacte\nim vorgehenden Zeitmaasse fort, während bereits ein an-\nderes eingetreten war. Im zweiten Theile des Credo er-\nfolgte aber eine weit auffallendere Ueberraschung gleicher\nArt, die zugleich zur ausserordentlichen Ueberraschung\neines ansehnlichen Theiles der vielen Zuhörer ward, denn\nman hörte den Dirigenten zur Entschuldigung des Vor-\nfalles deutlich sagen, er habe das Werk erst auf der Reise\nnach Bonn kennen gelernt. Spohr kam nämlich aus Karls-\nbad zum Feste. Es lässt sich errathen, welche Anmerkun-\ngen Seitens intelligenter Musiker zu diesem directorialen\nGeständnisse gemacht worden, denn man konnte nicht be-\ngreifen, wie es möglich, die Leitung eines so schwierigen\nWerkes an einem europäischen Musikfeste zu überneh-\nmen, ohne vorher dessen vollkommen Meister geworden\nzu sein.\nWenn sich diese Thatsache in der Erinnerung der\nMusiker am Rheine und weiter noch bis heute erhalten\nhat (sassen doch mehrere dieser Herren aus Köln, darun-\nter auch Musik-Director Franz Weber, in der nächsten\nNähe des Dirigenten im Orchester), wenn gar noch in der\n„actenmässigen Darstellung\" jenes Festes zu lesen ist:\n„Ihm (Spohr) sei die Messe noch unbekannt\" u. s. w., so\nbedarf es wohl weiterer Zeugnisse für die Wahrheit nicht\nmehr*). Hinzuzusetzen bleibt aber noch, dass Spohr noch\nin der Hauptprobe von der Messe zu merkliche Beweise\nvon Unsicherheit und Mangel an Vertrautheit mit der\ngrossen Aufgabe gegeben hat; nicht er war der Führer,\nsondern er wurde von der begeisterten, mit dem Werke\nvollkommen vertrauten Masse im Chor und Orchester ge-\nführt. Dass das Verdienst vollendeter Aufführung des\nWerkes in der Hauptsache Hern Musik-Director Franz\nWeber zukommt, hat der Unterzeichnete bereits in der\ndritten Auflage von Beethoven's Biographie, 11., 86, des\nWeiteren ausgesagt und hält daran fest. Dieses Verdienst\nWebers erstreckt sich aber auch auf die anderen Gesang-\nwerke bei dieser Feier. Was wäre bei Liszt's schlotteri-\nger, ja, wahrhaft burschikoser Directionsweise aus seiner\nCantate geworden ohne Weber's vorherige Befestigung\nder Chor-Masse? Dies alles und hoffentlich noch mehr\nwird sich wohl auch in der actenmässigen Darstellung\njenes Festes vorfinden. [?]\n„Dass Spohr nicht nur ein grosser Verehrer Beetho-\nven's, sondern auch ein begeisterter Verehrer seiner Com-\n\n*) Vgl. Jahrgang 1865, Nr. 3: „Weber und Beethoven\"\nNr. 5: „C. M. von Weber und Meyerbeer\". Der obige\nAufsatz: und Beethoven\", rührt aus Anton Schind-\nlers Nachlass her und ist Ende 1860 geschrieben, weil die darin\nangezogene Nummer 46 der Niederrh. Musik-Zeitung keine\nandere sein kann, als die Nr. 46 vom 10. November 1860, wo in\ndem Artikel mit derselben Ueberschrift: „Spohr und Beethovenu,\ndas Verhalten Spohr's gegen Beethoven einiger Maassen entschul-\ndigt wird. Die Redaction.\n*) Prof. Breidensteins Denkschrift über die Denkmal-Feier\nführt die Stelle aus Spohr's Brief dem Original gemäss so an:\n„Mir selbst ist die Messe von Beethoven noch unbekannt,\nich werde mir aber baldigst die Partitur anschaffen und mich damit\nvertraut machen.\" Die Redaction."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660324-01.1.5", "texte": "Positionen gewesen\", wie in der Niederrheinischen gleich-\nzeitig mit Obigem zu lesen, das überrascht mich (vielleicht\nauch Andere), und muss ich offen gestehen, dass diese\nVerehrung etwa in Bezug auf die ersten Quartette und\neinzelne Sätze in anderen Werken ausgenommen aus\ndem in der Selbstbiographie über Beethoven Ausgesagten\nmir und auch recht vielen Anderen nicht einleuchten will.\nWer von der neunten Sinfonie sagt, „dass ihm die drei\nersten Sätze, trotz einiger Genie-Blitze, schlechter vorkom-\nmen, als sämmtliche der acht früheren Sinfonieen\"; wer\nan den vierten Satz der neunten anknüpfend, Folgendes\nniederschreibt: „Ich finde darin einen neuen Beleg zu\ndem, was ich schon in Wien bemerkte, dass es Beethoven\nan ästhetischer Bildung und an Schönheitssinn fehle\"; wer\nferner von der O-moll-Sinfonie unter Anderem sagt: „Bei\nvielen einzelnen Schönheiten bildet sie doch kein classi-\nsches Ganzes. Namentlich fehlt sogleich dem Thema des\nersten Satzes die Würde\"; wer vollends den vierten Satz\ndieses gewaltigen Epos in Tönen einen „nichtssagenden\nLärm\" nennt, der steht offenbar auf Seiten der verblendet-\nsten Gegner Beethoven's, die da waren: Dionys Weber,\nC. M. von Weber, Eybler, Preindl und noch ein volles\nSchock nicht unbedeutender Zeitgenossen.\nUnd wie kommt denn dieser „grosse Verehrer\" Beet-\nhoven's dazu, in seine Selbstbiographie ein Märchen auf-\nzunehmen (und zwar nach mündlichen Aussagen von Sey-\nfried), wie z. B. das Histörchen von der derben Maul-\nschelle, die Beethoven bei Gelegenheit des Vortrages eines\nneuen Clavier-Concertes mit der ausfahrenden Rechten\neinem Chorknaben applicirt haben soll, nachdem er vor-\nher schon beide Leuchter vom Glavierpulte zu Boden ge-\nworfen? Seyfried selber in seinen Notizen über Beethoven\nbringt nichts Derartiges vor, und hat doch fleissig zusam-\nmengekehrt, was ihm des Aufklaubens werth schien. Un-\nstreitig ist dieses Märchen die Metamorphose des bekann-\nten Vorfalles bei Aufführung der Phantasie mit Chor\n1808 im Theater an der Wien, darüber verschiedene\nZeugen berichtet haben. Wäre das Seite 200 und 201\nin der Selbstbiographie Vorgebrachte wahr, so hätte es\nsich als pikante Anekdote nicht nur in lebhafter Erinne-\nrung der Wiener erhalten, insbesondere hätte sich Ferd.\nRies die Illustration dieser Maulschellen-Scene—zur Ver-\nvollständigung der „echten Quellen\" zur Charakteristik\nseines Lehrers und Freundes sicherlich» nicht nehmen\nlassen. Mit- und Nachwelt schulden nun aber dem Gene-\nral-Musik-Director Spohr grossen Dank, dass er für einen\npassenden Ort zur Aufbewahrung dieses Märchens Sorge\ngetragen.\nDie Art und Weise, wie Spohr sich über Beethoven\nam Directionspulte auslässt, muss als der höchste Grad\nvon Uebertreibung bezeichnet werden. Darauf zu erwidern,\nsollte Aufgabe der „Recensionen\" oder'der „Deutschen\nMusik-Zeitung\" sein. Es dürften doch noch einige verstän-\ndige Männer in Wien aufzufinden sein, die vielleicht un-\nseren Meister 1819 das letzte Mal mit seiner A-dur-Sin-\nfonie im Universitätssaale am Pulte gesehen. Man wird\nvon ihnen erfahren, dass Beethoven die lächerliche Figur\nnicht war, wie diese von Spohr gezeichnet wird.\nWenn Spohr von Beethoven sagt (und zwar aus dem\nJahre 1813, wo seine Schwerhörigkeit bereits bedeutend\nvorgeschritten war): „Für die Arbeiten Anderer nahm er\nnicht das mindeste Interesse\", so ist das wieder Ueber-\ntreibung. Wäre es aber wirklich buchstäblich wahr, so\nfände es doch in jenem Uebel einen Entschuldigungs-\ngrund. Wie aber, wenn es wahr ist, was der Sänger\nFranz Wild in seiner Autobiographie gerade in solcher\nBeziehung, von Spohr aussagt? Dort liest man: „Sein\nhauptsächlichster Fehler als Musiker und insbesondere als\ndas Repertoire beeinflussender Capellmeister war der\nblinde Hass, den er gegen alle ausländischen Compositio-\nnen hegte\" u. s. w. (S. Recensionen, Nr. 6, 1860.)\nGegenwärtiges werde mit nachstehendem Erlebnisse\ndes Unterzeichneten geschlossen. Im Monat December\n1831 verweilte ich, von Wien kommend, vier Tage in\nRassel. Der damalige Legations-Secretär der österreichi-\nschen Gesandtschaft, Herr von Schm—r, mir von Wien\nher wohl bekannt, stand als besonderer Musikfreund und\nselbst Ausübender mit Spohr in stetem Verkehr. Er war\nes, der mich dem Meister vorstellte, nachdem er dessen\nErlaubniss eingeholt hatte. Herr v. S. machte jedoch die\nVorerinnerung, jeder Erwähnung Beethoven's in der Con-\nversation sich zu enthalten, wenn Spohr nicht selber mit\ndiesem Thema beginnen sollte; sei ihm doch meine ein-\nstige Stellung zu Beethoven bekannt. Als Grund des\nSchweigens führte S. an, dass der Herr Hof-Capellmeister\nnicht besonders gut auf Beethoven zu sprechen sei. Wirk-\nlieb gedachte Spohr bei diesem ziemlich langen Besuche\nmit keinem Worte seines grossen Zeitgenossen. Zwei Mal\ntraf ich noch mit ihm in der Lesegesellschaft zusammen,\nund auch da kam der Name Beethoven nicht über seine\nLippen. Doch genug, obgleich sich noch manches Andere\nanführen Hesse.\nDie Redaction wird wohl keinen Anstand nehmen,\ndiesen Zeilen den nöthigen Raum in den Spalten der Nie-\nderrheinischen Musik-Zeitung zu gönnen, darum höflichst\nersucht\n\nA. Schindler."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "94", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660324-01.1.6", "texte": "Theater in Köln.\nGastspiel von Fräulein Therese Tietjens.\nAm Dinstag den 13. d. Mts. bat Fräulein Therese\nTietjens aus London ihr Gastspiel auf der hiesigen Bühne\nbegonnen. Sie trat als „Norma\" auf. Wenn in dem ersten\nRecitativ und im Andante der Casta diva das Zurückhalten\nder Stimme erratben Hess, dass die berühmte Sängerin,\nvon der Reise noch etwas angegriffen, nur mit Vorsicht die\nMittel ihres Organs bebandelte, so entfaltete sie doch schon\nim Allegro und vollends im zweiten Acte gleich von An-\nfang an immer herrlicher die reiche Fülle jener mächtigen\nund umfangreichen Stimme und riss durch Gesang und\nSpiel, mit Einem Worte, durch die Darstellung der Prie-\nsterin, das zahlreich versammelte Publicum zur Bewunde-\nrung hin, welche sich in begeistertem Applaus und stür-\nmisch wiederholtem Hervorruf kundgab. Alles ist gross-\nartig und, man möchte sagen: gewaltig bei dieser Künst-\nlerin: Erscheinung, Plastik, Stimme und Charakter des\nVortrags. Wie viele andere Sängerinnen würden solche\nMittel, wie sie die Natur Fräulein Tietjens verliehen bat,\nzum Missbrauch derselben verleiten; allein Fräulein Tiet-\njens bewährt das Grosse auch in der Herrschaft über ihre\nMittel, deren Macht sie sehr wohl kennt, aber sie im vol-\nlen Bewusstsein derselben stets nur mit richtigem Verständ-\nnisse und im Charakter der jedesmaligen Situation verwen-\ndet. Daher dann in Tönen das Bild der Seelenstimmung\nnach den verschiedenen Gefühlen, welche die Darstellung\nverlangt; durch diese Beherrschung der Mittel wird es ihr\nmöglich, die leidenschaftlichen Stellen so kräftig und er-\nschütternd herauszuschleudern, dass selbst die Coloratur\nin ihnen zu einer Lawine von Tönen wird und doch da-\nneben, wo es der Moment verlangt, die Klänge der Liebe\nund Wehmuth in rührender Weise anzuschlagen. Bei allem\ndem aber bewahrt dieselbe künstlerische Einsicht die Sän-\ngerin vor jenem geschmacklosen Nebeneinanderstellen der\nContraste von forte und piano, wodurch Andere auf die\nMenge zu wirken suchen; bei ihr ist Alles Ton und Wohl-\nlaut, die Kraft wird nie zum Schrei, die Milde nie zu un-\nnatürlich leisem Laut, in beiden bleibt der Gesang vor-\nherrschend, den weder ein falsches declamatorisches Pa-\nthos, noch ein affectirt sentimentales Geflüster verunstaltet\nund aus der Sphäre der Kunst herausdrängt.\nWenn uns vor zwei Jahren unser musicalischer Cor-\nrespondent aus London schrieb: „Der Director der Oper\nim Theater Ihrer Majestät gibt sich keine grosse Mühe mit\nEngagements grosser Berühmtheiten, er hat Fräulein Tiet-\njens, das reicht hin, um alles Andere aus dem Felde zu\nschlagen\", so freuten wir uns zwar über diese dominirende\nStellung der deutseben Sängerin in London, die Ueberzeu-\ngung aber von der Wahrheit der Thatsache haben wir\nam 20. d. Mts. durch die Darstellung der Valentine in\nden „Hugenotten\" gewonnen, in welcher Fräulein Tietjens\nalle charakteristischen Vorzüge ihres Gesanges in Verbin-\ndung mit einer vortrefflichen Auffassung der Rolle und\ndaraus fliessender mimisch-plastischer Darstellung auf\nglänzende Weise entwickelte und das in allen Räumen voll-\nbesetzte Haus zu enthusiastischem Beifalle mit allen Zeichen\nder Bewunderung binriss. Bei allen Zuschauern war das\nErgebniss des tiefen Eindrucks, den ihre Leistung hervor-\nrief, die allgemeine Uebereinstimmung, dass man eine\ngrosse Kunsterscheinung vor sich habe, die allerdings nicht\nnur das gewöhnlich Anerkennenswerthe, sondern auch das\nBedeutende und Ausserordentliche überrage. Gewiss, diese\nKünstlerin behauptet mit vollem Rechte seit sechs Jahren\nden Thron im Theater der Königin von England, denn sie\nist selbst die Königin des Gesanges, und nicht nur bei die-\nser Bühne, sondern auch bei allen grossen Concert-Auf-\nfübrungen und Musikfesten. Ueberall vertritt sie die deut-\nsche Kunst auf glorreiche Weise; denn es ist keine Frage,\ndass das deutsche Element mit seiner Tiefe der Empfin-\ndung, Innigkeit des Ausdrucks, poetischen Auffassung des\nCharakters, maasshaltendem Pathos und dramatischer\nWahrheit in ihrer Vortragsweise vorherrscht, unterstützt\nvon einer Stimme, welche den grössten und schönsten der\nitaliänischen Sängerinnen ebenbürtig erscheint und dieje-\nnigen, welche die Catalani noch gehört haben, lebhaft an\ndiese grosse Sängerin erinnert. Den Eindruck des Gross-\nartigen theilt sie mit der Catalani, in der brillanten Vir-\ntuosität war diese ihr überlegen, allein die Milde und In-\nnigkeit des empfindungsvollen Gesanges kam bei ihr dem\nVortrage alles dahin Gehörigen durch Fräulein Tietjens\nnicht gleich, welche z. B. in Liedern von Schumann und\nin Weber's „Glöcklein im Thale\" (aus „Euryanthe\"),\nwelche wir neulich in einem Privatkreise von ihr vortra-\ngen hörten, wahrhaft bezaubernd wirkte und durch den\nwunderbaren Schmelz des sonst so mächtigen Organs eine\nErinnerung an Jenny Lind in ihrer schönsten Blüthezeit\nweckte. Diese Vereinigung des „Strengen mit dem Zarten\"\nist bei einer Künstlerin, deren Stimme sie fast nur auf das\nHeroische angewiesen zu haben scheint, um so höher zu\nschätzen. Die ganze Vorstellung der „Hugenotten\" war lo-\nbenswert!), die übrigen Hauptpartieen neben der Valentine\nwaren durch Frl. Schubert (Königin), die Herren Riese\n(Raoul), BehrJSt. Bris), Schelper (Nevers) recht gut be-\nsetzt, und Herrn Riese, der die Rolle des Raoul erst zum\nzweiten Male sang, können wir zu den grossen Fortschritten\nauf der Künstler-Laufbahn um so mehr Glück wünschen, als\nsein Gesang der Naturgabe einer frischen, klangvollen Te-\nnorstimme jetzt auch künstlerisch gerecht zu werden strebt."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "95", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660324-01.1.7", "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMo lii. Am 18. März fand im Hotel Disch die Soiree des\nHerrn Dr. Hans von Bülow Statt, in welcher kr die grosse Suite\nin D-moll in vier Sätzen, Op. 91, von Joachim Raff, Präludium\nund Fuge für Orgel in E-moll von J. S. Bach (Clavier-Uebertra-\ngung von Liszt), zwei kirchliche Legenden: „Die Vogelpredigt des\nheiligen Franciscus von Assisi\" und „Der heilige Franciscus von\nPaula auf den Wogen schreitend\", und die 33 Variationen von Beet-\nhoven Op. 120 über einen Walzer von Diabelli auf einem Flügel\nvon C. Becbstein in Berlin vortrug. - Das Programm enthielt „Er-\nläuterungen\" : über die 33 Variationen haben wir schon in der vo-\nrigen Nummer gesprochen; zu Ciszt's „Vogelpredigt\" gab es nur die\nQuelle der Legende in Fioretti di San Francesco cap. 16 an; zu\nder zweiten Legende lautete die Erläuterung: „Das bezügliche Wun-\nder des Heiligen ist im 35. Cap. seiner Lebensgeschichte von Giu-\nseppe Miscimarra ausführlich erzählt. Herr Prof. Steinle? der be-\nkannte Maler, hat dasselbe Motiv zu einer Zeichnung benutzt, welche\nden Heiligen darstellt auf wildbewegter Flut aufrecht stehend, den\nMantel unter den Füssen, die Rechte erhoben, wie um dem Elemente\nzu gebieten, in der Linken eine glühende Kohle, als Symbol des\nchristlichen Feuers, den Blick verklärt zum Himmel gerichtet.\"\nNun, wenn die erste Legende überschrieben wäre: „Vögelgezwit-\nscher, eine Etüde\", so würde man die allerliebste Art der Nach-\nahmung freundlich aufnehmen; mit dem Eintritte des Recitativs\nder Predigt? dazwischen wird die Sache mehr als spasshaft. Ge-\nlungener als Ganzes ist die zweite Legende: aber auch selbst Herrn\nvon Bülow's überaus glänzende und grossartige Ausführung konnte\nuns die Ueberzeugung nicht nehmen, dass eine Ueberschrift und ein\nProgramm mehr störend als fördernd auf den Genuss eines Musik-\nstückes wirken, weil die grosse oder geringe, ja, die geringste Be-\nschäftigung des Verstandes mit dem Aufpassen auf die Tonmalerei\nund dem Anpassen des Gehörten an das Gelesene die Thätig-\nkeit der Phantasie, der wahren Quelle der Empfänglichkeit für das\nmusicalisch Schöne, hemmt und unterbricht. Es ist daher die Auf-\nstellung eines Programms, wenn es sich nicht ganz im Allgemeinen\nnur an eine vage Empfindung hält, als eines Mittels zu lebendige-\nrem Eindruck einer Musik ein grosser Irrthum, weil es abgesehen\nvon allem, was sonst dagegen zu sagen und oft genug gesagt ist\nseinen Zweck durchaus nicht erreicht* Die Suite von J. Raff\nist eine bedeutende Composition, namentlich in ihrem ersten Satze,\nder Phantasie und Fuge, welcher jedoch unserer Meinung nach noch\nmehr wirken würde, wenn er concentrirter geschrieben wäre und\nnicht zu häufig Läufe und Passagen wie aus den Wolken herab\nhinein fielen; in Bach's chromatischer Phantasie bringt der Stil des\nGanzen das mit sich, der Satz von Raff wird dadurch zu sehr aus-\ngedehnt und die Einheit des Stils leidet darunter. Alle Stücke\nwurden von Herrn von Bülow so gespielt, dass man nicht weiss, ob\nman dabei die fabelhafte Technik der Ausführung oder das unge-\nheure Gedächtniss mehr bewundern soll. Freilich mögen Einige, die\nin seinem Spiel Ausdruck vermissten, nicht ganz Unrecht haben;\nallein wir fragen dagegen: woher sollte das, was man so gewöhn-\nlich unter Ausdruck versteht, im Vortrage der gewählten Stücke\n(mit Ausnahme einiger weniger Variationen von Beethoven) herkom-\nmen? Wahr dürfte allerdings sein, dass uns bei seinem Spiel haupt-\nsächlich Erstaunen fesselt und dass dieses fast alle anderen Empfin-\ndungen gefangen hält.\nDie Matinee für Kammermusik, die am Donnerstag statt der\nAbonnements-Soiree eintrat, war besonders durch eine neue Compo-\nsition F. Hiller's, eine grosse C oncert-Son ate in D-dur für\nPianoforte und Violine, Op. 122 (Manuscript), interessant.\nHerr Capellmeister Hiller trug das umfangreiche, schwierige und\ndurchweg in grossartigem Stil gehaltene Werk mit Herrn Concert-\nMeister von Königslöw mit glänzender Bravour auf einem vortreff-\nlichen Erard'schen Flügel (aus der Niederlage von J. Bei hierselbst)\nvor, dessen Klangfülle für den Saal im Hotel Disch fast zu mächtig\nwar. Von den drei Sätzen schien, so viel man nach dem Eindrucke\neines einmaligen Hörens zu urtheilen vermag, der letzte der origi-\nnelste und durchschlagendste zu sein. Das erste Allegro energico\nimponirt durch seinen reichen, pompösen und massenhaften Inhalt\nin fast sinfonistischem Stile; man muss es aber öfter hören, zumal\nda bei der diesmaligen Ausführung der Klang des Flügels die Vio-\nlin-Partie nicht immer zu völligem Verständniss gelangen liess.\nVor der Sonate spielten die Herren von Königslöw und Genossen\ndas Op. 135 (eigentlich 133) von Beethoven, das\ntrotz der einzelnen Schönheiten doch, gegen andere Beethoven'sche\nWerke gehalten, keinen erhebenden Gesammt-Eindruck macht. Da-\ngegen versetzte die treffliche, durchweg von ausdrucksvollem Vor-\ntrage gehobene Ausführung des Quintetts in G-moll von Mozart\n(mit dem wunderbar schönen Adagio mit Sordinen) die Zuhörerschaft\nin wahres Entzücken, das nach jedem Satze und besonders am\nSchlüsse in lebhaftestem Applaus sich offenbarte.\nAm Sonntag den 18. d. Mts. gab der Kölner Männer-Ge-\nsangverein unter Leitung von Franz Weber ein Concert in\nder neuen Kirche zu Kalk bei Deutz, dessen ganzer Ertrag für die\nVollendung des Baues dieser Kirche im Innern bestimmt war und\neine schöne Einnahme brachte. Die ernsten und religiösen Gesänge,\nunter denen Vittoria's Popule mens, F. Schuberts Salve Beginal\nCherubini's 0 salutaris hostia (Duett für Sopran und Tenor Fräu-\nlein Elise Rempel und Herr A. Pütz), Tenor-Arie aus „Elias\"\nvon Mendelssohn (Herr Jos. Wolff) u. s. w., wurden ausdrucks-\nvoll gesungen. Besondere Auszeichnung verdient noch der Vortrag\nder Arie von Händel: „Ich weiss, dass mein Erlöser lebt\", durch\nFräulein Elise Rempel.\nMorgen, am Palmsonntage, findet die Aufführung der grossen\nPassion nach dem Evangelisten Matthäus von J. S. Bach im\nletzten Abonnements-Concerte im Gürzenich Statt. Die Haupt-Soli\nwerden durch Fräulein Wagner (Sopran), Concertsängerin aus\nKarlsruhe, die wir in Köln zum ersten Male hören werden, und\nFräulein Schreck, durch die Herren Gunz und Hill vorgetragen.\nDie Chöre sind in derselben Weise wie bei früheren Aufführungen\nverstärkt und vertheilt, Herr Musik-Director Weber an der Orgel,\nCapellmeister Hiller Dirigent des Ganzen.\nIn der Charwoche finden auch in Aachen und in Barmen Auf-\nführungen religiöser Musik Statt, in Aachen am Dinstag den 27.\ndie Matthäus-Passion mit den Solisten Fräulein Wagner aus\nKarlsruhe, Frau P. aus Aachen, Herrn Karl Schneider aus\nRotterdam und Herrn Hill aus Frankfurt; in Barmen ebenfalls\nDinstag den 27. d„ Mts. Mozart's JRequiem und der zweite Theil\nvon Hände Ts „Messias\" Sopran-Partie in beiden Fräulein\nJulie Rothenberger.\nAus Giessen, 15. März. Gestern fand hierdurch Vereinigung\naller hiesigen musicalischen Kräfte unter der Direction des Musik-\nDirectors Mickler eine schöne Aufführung der grossen Matthäus-\nPassion von J. S. Bach Statt, Die Solo-Partieen waren durch\nFräulein Julie Rothenberger aus Köln, Fräulein Assmann\naus Barmen, Herrn Otto aus Berlin und Herrn Gregor (Bass)\nvom Hoftheater zu Darmstadt besetzt.\nHamburg, 20. März. In dem vorletzten philharmonischen\nConcerte hörten wir als Neuigkeit eine Suite in Canonform für\nStreich-Instrumente von Otto Grimm, einem Tonsetzer, der sich\nvom juristischen Berufe dem Cultus der Musik zugewendet bat und\ngegenwärtig den Posten eines Orchester-Dirigenten in Münster be-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660324-01.1.8", "texte": "kleidet. Die Composition, die unter Herrn Stockhausenrs Lei-\ntung in einem schwunghaft frischen Gusse zur Aufführung kam,\nbesteht aus vier Sätzen und ward mit Beifall aufgenommen. Die\nSuite ist nicht nur von kunstvoller Arbeit, sondern sie besitzt\nauch melodische Erfindung. Am lebhaftesten sprachen die beiden\nersten Sätze an, obgleich wir nicht gerade etwas Hervorragendes\nvon ihrer thematischen Gestaltung oder in harmonischer Hinsicht\nzu rühmen haben. Das Interesse des Abends war jedoch vor Allem\nauf Herrn Aug. Wilhelmi aus Wiesbaden und dessen Solo-Geige,\nso wie auf die Lieder-Vorträge gerichtet, die von Herrn Stock-\nhausen angemeldet waren. Herr Wilhelmi begann mit einem Vio-\nlin-Concerte Paganini's und fügte darauf Reverie von Vieuxtemps\nund Adagio von Bach hinzu, alle drei Nummern mit vollständigem\nErfolg. Das Erscheinen des Herrn Jul. Stockhausen am Ciavier\nzum Liedergesange ward von dem Publicum mit anhaltendem Ap-\nplaus begrüsst. Die Beethoven'sche Composition der fünf Gedichte\nvon Jeitteles: „An die ferne Geliebte\", ist einer populäreren Wür-\ndigung auf keinem Wege und durch Niemanden sicherer, als durch\nHerrn Stockhausen, entgegenzuführen. Der poetische Zauber, womit\nsich die Geinüthsfülle des deutschen Liedes in seinem Gesänge aus-\nspricht, ist auch kürzlich in Petersburg zu so rascher und allge-\nmeiner Geltung gelangt, dass Herr Stockhausen seinem jetzigen\nersten Besuche Russlands künftig regelmässige Kunstreisen dahin\nfolgen lassen wird. Diesmal ging er auf die Aufforderung der phil-\nharmonischen Gesellschaft in Petersburg zur Aufführung des „Elias\"\ndahin und zur Mitwirkung in einem Concerte derselben Gesellschaft,\ndas Arien, Lieder, Instrumental-Soli und die neunte Sinfonie Beet-\nhoven's brachte. Die Elias-Aufführung dirigirte Herr Stiehl, der\nSohn des Organisten in Lübeck, das zweite Concert Herr Anton\nRubin stein. Zwischen beiden Concerten konnte Herr Stockhausen\nnur eine Matinee geben, wozu sich, obschon zum Bekanntmachen\nnur zwei Tage möglich waren, ein eben so zahlreiches wie dank-\nbares Publicum einstellte. Ausserdem sang Herr Stockhausen in\nPetersburg für Herrn Rubinstein, so wie bei der Grossfürstin Helene\nund bei der Kaiserin.\n** Aus Arnheim, 22. März. Die Concerte unserer Gesell-\nschaft „Cacilia\" haben diesen Winter im neuen Theater Statt ge-\nfunden und einen unverkennbaren Aufschwung unter der Leitung\ndes Herrn H. A. Meyroos genommen. Wir haben in denselben\nSinfonieen von Haydn, Mendelssohn, Beethoven, Ouvertüren\nvon C. M. von Weber, Mendelssohn, Mozart, Kalliwoda\nu. s. w, gehört; von Instrumental-Solisten traten auf die Herren\nVioloncellisten Alex. Schmit aus Köln und Jules Desweert\naus Düsseldorf, die Violinisten de Graan aus Amsterdam und Karl\nBargheer, fürstlich Lippe'scher Capellmeister aus Detmold. Im\nSologesänge erfreuten uns die Damen Fräulein Georgine Schu-\nbert, die am Stadttheater zu Köln gastirt, Fräulein Elise Rem-\npel aus Köln, Frau Collin-Tobisch aus Amsterdam und Fräu-\nlein Julie Rothenberger, Concertsängerin aus Köln, welche\nim fünften Concerte am 2. d. Mts. mit Donizetti's Arie der Linda\nvon Chamounix durch ihre vorzügliche italiänische Schule und\ncorrecte Coloratur, und mit Liedern von Beethoven, F. Schubert\nund H. Dorn durch Auffassung und ausdrucksvollen Vortrag des\ndeutschen Liedes ausserordentlichen Beifall ärntete. Wir hatten\ndiese treffliche Künstlerin schon früher hier in Arnheim und auch\nkürzlich in Nym wegen gehört, und sind sehr erfreut, dass sie morgen\nAbend die Sopran-Arie in Händel's „Messias\" in dem Concerte\nder Gesellschaft zur Beförderung der Tonkunst im neuen Concert-\nsaale „Musis sacrumtt wieder übernommen hat."}]}