{"numero_id": "bm-bmtnabi-1866-03-31-01", "volume": "bmtnabi_1866-03-31_01", "ocr_sha256": "69c8070495fa7be6c0d20f6aac0c45c1a367161dd2ebe75271961bbf381e97a1", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1866/03/31_01/bmtnabi_1866-03-31_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660331-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1866-03-31-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-03-31_01#c001", "volume": "bmtnabi_1866-03-31_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "97", "page_fin": "97", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660331-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "97", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660331-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 498, "texte": "Inhalt.\nPariser Brief (F. Liszt's „Graner Messe\" Die Operntheater Concerte). Maurerische Bedeutung der „Zauber-\nflöte\" von Mozart. Theater in Köln (Gastspiel von Fräulein Therese Tietjens auf dem Stadttheater). Zehntes Gesellschafts-Concert in\nKöln im Gürzenich. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, dritte Vorlesung von Capellmeister F. Hiller, Prüfungen am Con-\nservatorium Düsseldorf, das bevorstehende niederrheinische Musikfest Berlin, Operntheater, Flötist H. Ritter f, M. Taglioni u. s. w.)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-03-31-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-03-31_01#c002", "volume": "bmtnabi_1866-03-31_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "97", "page_fin": "100", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660331-01.2.2", "titre_corps": "Pariser Brief.", "titre_sommaire": "Pariser Brief.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "97", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660331-01.1.1", "debut_caractere": 500, "fin_caractere_exclue": 4089, "texte": "Pariser Brief.\n(F. Liszt's „Graner Messe\" Die Operntheater\nC oncerte.)\nParis, den 22. März 1866.\n„Am Donnerstag den 15. März wurde die genannte\nMesse von Liszt in der Kirche St. Eustache aufgeführt.\nDie lange vorher angekündigte und mit Spannung erwar-\ntete Feierlichkeit fand mit allem Pomp Statt, mit dem\nman sie nur umgeben konnte. Bekanntlich rührt die Com-\nposition aus dem Jahre 1855 her und wurde zur Ein-\nweihung der Kirche zu Gran in Ungarn geschrieben. Ein-\nmaliges Anhören macht es uns unmöglich, jeden Satz der-\nselben zu analysiren; auch fürchten wir, der Schwierigkeit\nder Aufgabe nicht gewachsen zu sein. Denn wir schwim-\nmen hier in dem Meere philosophischer Musik, die gewiss\nauf trefflichen Intentionen beruht, zu denen aber der Com-\nponist allein den Schlüssel hat; die Musik der Reflexion\nkonnte sich nicht so aussprechen, wie die Musik des Her-\nzens: sie hat natürlich neue Bahnen aufsuchen müssen,\nund hat geglaubt, sie im Aufgeben der Melodie, in der\nVervielfältigung der Tonarten und abschweifenden Modu-\nlationen, mit Einem Worte: in einem eigenthümlichen\nund ausschiesslichen Systeme von harmonischen Combi-\nnationen und reinen Abstractionen zu finden Abstractio-\nnen in der Musik!\nDie Führung der Stimmen, selbst der am meisten\nhervortretenden, hat in Liszt's Messe jene unentschiedene,\nabsonderlichie Form, welche in der Seele des Zuhörers ein\nGefühl von unsteter Unruhe hinterlässt, wozu dann noch\ndie physische Ermüdung kommt, welche die unaufhörli-\nchen Modulationen erzeugen, worüber man die Haupt-\nTonart ganz und gar vergisst. Sobald sich aber Liszt,\nvielleicht unbewusst, von den Fesseln seines absichtlichen\nSystems befreit, so trifft er fast immer das Rechte, wie\nz. B. durch den schönen und echt christlichen Ausdruck\nim Benedictus,auch im Anfange des in der Coda\ndes Credo; das Agnus Dei ist trotz einiger schönen Stel-\nlen weniger gelungen, zumal da dessen Ueberlänge ab-\nspannt.\nEine instrumentale charakteristische Phrase, die in\nden verschiedenen Nummern wiederkehrt, trägt vielleicht\ndazu bei, ihnen eine gewisse Einheit zu geben*). Warum\nmacht aber ein Componist, der den Verirrungen der Zu-\nkunftsmusik folgt, noch mit den alten Traditionen Ver-\nträge? Warum trägt er noch Bedenken, den Rest der\nScholastik über Bord zu werfen, und nimmt die Fuge wie-\nder zu Gnaden an, die in sein neues System wie die Faust\naufs Auge passt? Wir begegnen ihr zwei Mal an den her-\ngebrachten Stellen, im Gloria und im Diese Con-\ncession ist nichts weniger als glücklich.\nDie Instrumental-Partie ist offenbar am sorgfältigsten\nbehandelt; sie macht oft grossartige Wirkung, wie z. B.\nin dem Venturus est judicare auch das\nTremolo der Violinen auf den hohen Tönen im Anfange\ndes Gloria versinnlicht eine Musik der Engel**). Der\nvocale Theil der Messe erscheint in der Regel erst auf\ndem zweiten Grunde des Gemäldes: er wird durch ein\nQuartett von Solisten und einen vierstimmigen Chor aus-\ngeführt. Frau Baronin Caters sollte die Sopran-Soli sin-\ngen; da aber die Geistlichkeit dagegen war, vertrat ein\nChorknabe ihre Stelle. Die Herren Warot und Agnesi\nsangen die Tenor- und Bass-Soli und lösten ihre schwie-\nrige Aufgabe sehr rühmlich. Der Chor war aus den be-\nsten Choristen der Operntheater und (im Sopran und Alt)\naus der ersten Abtheilung der Gesangschule (Orpheon)\n\n*) Sie ist aber rein äusserlich und verhält sich zum Ganzen\nnur eben so, wie die ähnlichen Orchesterphrasen in Wagner's „Lo-\nhengrin\" zum Ganzen. B. p.\n**) Ich habe darin nur eine Wiederholung des von Meyerbeer\nund Wagner bereits bis zum IJeberdruss gebrauchten Kunstgriffes\ngefunden. B. P."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "98", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660331-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5207, "texte": "von Pasdeloup gebildet. Der Capellmeister der Kirche\nSt. Eustache dirigirte (Liszt selbst hatte es verweigert).\nHerr Battiste spielte die Orgel und pbantasirte vor der\nMesse über ein Motiv aus dem Tannhäuser-Marsch—eine\nSchmeichelei, wofür Liszt ihm dankbar sein wird.\"\nSo weit die Revue et\n(Nr. 11). Wie die letzte Aeusserung zu nehmen sei, kann\nman nicht wissen, da dergleichen Phantasieen über höchst\nweltliche Thema's hier nichts Seltenes in den Kirchen sind\nund der Herr Organist nur einmal anstatt des sonst ge-\nwöhnlichen Prophetenmarsches von Meyerbeer den Wag-\nner'schen gespielt hat wahrscheinlich als Compliment\nfür Liszt, der eine solche Farce in Deutschland (wenn sie\nda überhaupt vorkommen könnte!) als starke Ironie auf-\ngefasst haben würde.\nDie Einnahme war zum Vortheil der Schulcasse des\nzweiten Arrondissements und soll einschliesslich der Samm-\nlung in der Kirche, des Eintrittsgeldes und der Stuhlmiethe\nan 50,000 Francs betragen haben.\nSo sagt die Revue et Gasette. Ich theile zur Vervoll-\nständigung aus den Berichten anderer Blätter, nament-\nlich dem Feuilleton von J. Weber im „Temps\", noch fol-\ngende Nachrichten und Urtheile mit, da ich selbst verhin-\ndert war, der ganzen Aufführung beizuwohnen.\n„Schon mehrere Tage vor der Aufführung war die\nVermiethung der Plätze geschlossen. Etwa 500 Plätze im\nHauptschiffe waren zu 20 Frcs., die übrigen zu lOFrcs.,\nim Nebenschiffe zu 3 Frcs. vermiethet im Ganzen zu\n45,000 Frcs. Das eine Nebenschiff war, wie gewöhnlich\nbei solchen Gelegenheiten, dem Publicum ohne Eintritts-\ngeld zugänglich.\"\n„Die Ausführung liess viel zu wünschen übrig. Das\nOrchester war das von der italiänischen Oper; die Mitwir-\nkung von Frauenstimmen hatte die geistliche Behörde als\nungehörig in der Kirche untersagt. Dagegen rückte die\nNationalgarde mit Trommeln und Pfeifen und vollständi-\ngem klingenden Spiel ein, beim Eintritte des Generals\nMellinet, ihres Commandanten, präsentirte sie das Gewehr\nund spielte einen Marsch, bei der Erhebung der Mon-\nstranz fielen die Soldaten aufs Knie und die Trommeln\nwirbelten, so dass man von Liszt's Messe nichts hörte!\"\nNach einer Vertheidigung des „dramatischen Stils\"\nder Messe, wie sie besonders Mozart und Cherubini be-\nhandelt haben, welche man gelten lassen müsse, wenn\nman nicht das Orchester ganz und gar aus der Kirche\nverbannen wolle, meint der Referent, dass trotzdem ein\nUnterschied zwischen Kirchenmusik und der Opernmusik\nfestgehalten werden könne, findet es aber natürlich, dass\nman in neuester Zeit auch -bei der Messe reichere Har-\nmonie und Instrumentation angewendet, so dass selbst die\nPiccoloflöte und der Tamtam zuweilen angebracht wor-\nden wären. „Dieser Schule gehören sowohl Gounod als\nLiszt an.\"\n„Liszt hat übrigens von je her die grösstmögliche\nMacht des Klang-Ausdrucks erstrebt, so dass man ihn\nnicht ohne Grund der Wunderlichkeit zeihen kann. Den-\nnoch ist seine Messe der Ausdruck einer tiefen Ueberzeu-\ngung, eines festen Systems und des lebhaftesten Strebens,\nein grossartiges Kirchenwerk zu schaffen. Die Orchester-\nEffecte muss man von dem eben angegebenen Standpunkte\naus betrachten. Selbst die Modulationen sind nicht opern-\nmässig behandelt, so schroff sie auch manchmal sind. Hier\nund da findet sich in Fortscbritten von Dreiklängen ein\nmodernisirter Palestrina-Slil. Das innehat einen schmerz-\nlichen und eindringlichen Ausdruck; das Gloria enthält\nschöne Contraste und schliesst mit einer Fuge, die weder\nzu lang noch zu schulmässig ist. (?) Das Credo mit seinen\nmächtigen und mannigfach wechselnden Effecten und\nselbst mit seinen Tamtamschlägen findet seine Rechtferti-\ngung in dem, was wir oben gesagt haben. Das Sanctus\nlitt zu sehr unter der mangelhaften Ausführung und den\nTrommelwirbeln der Nationalgarde. Das bringt\neinen Schluss von grossartiger Wirkung. Ich kann mich\nnicht auf eine Zergliederung der Composition einlassen,\nhabe auch nur aussprechen wollen, von welchem Gesichts-\npunkte aus man das Werk betrachten müsse. Ich kann\nnicht sagen, ob diese Messe das Capitalwerk von Liszt sei,\naber es ist gewiss eines der grössten und originellsten, die\ner geschrieben hat.\"\nZiehe ich das Facit von allem dem, was hier sonst\ngeschrieben und gesprochen worden, so sind die Musiker\ndarüber einig, die Messe Liszt's als ein Werk grosser An-\nstrengung zu achten, aber weder eine religiöse Begeiste-\nrung, noch eine irgendwie fesselnde musicalische Schön-\nheit darin zu finden, sondern nur eine in manchen Theilen\nselbst dem Kenner imponirende, die Masse der Zuhörer\naber verblüffende Klangwirkung, welche jedoch stets als\nein Resultat der Reflexion, nicht aber des in Begeisterung\nschaffenden Genies erscheint.\nDas Theater der komischen Oper brachte am 5. Fe-\nbruar eine neue Oper: „Fior d'Aliza\", Text von H. Lu-\ncas und M. Carre, Musik von Victor Masse.\nMasse, Gesang- und Chor-Director an der grossen\nOper, hatte durch die angenehme Musik in\nJeannett und in Galatheemit Erfolg bereits vor mehreren\nJahren die theatralische Laufbahn betreten, war seitdem\naber durch seine amtliche Thätigkeit sehr in Anspruch\ngenommen, und bei einigen neuen Versuchen in der Com-\nposition war es ihm nicht gelungen, die Erwartungen des\nPublicums in demselben Maasse wie früher zu befriedigen."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660331-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5408, "texte": "Jetzt hat er aber wieder einen glücklichen Wurf gethan,\nseine neueste Arbeit hat bis jetzt dauernden Erfolg und\nverdient ihn auch wohl.\nDen Stoff der Oper haben die Verfasser des Buches\naus Lamartine's Roman „Fior d'Aliza\" genommen. Zwei\nFamilien leben unter dem Himmel von Italien in länd-\nlichen Wohnungen im Schutze eines alten Castanien-\nbaumes; denn seit der „Africanerin\" spielen die Bäume\neine bedeutende Rolle auf den Bühnen. Ihre Rinder, Fior\nd'Aliza und Geronimo, lieben sich; ein Hauptmann der\nSbirren sieht das reizende Mädchen, verfolgt sie mit sei-\nnen Anträgen, und da seine Intriguen gegen ihre Eltern\nihn nicht zum Ziele bringen, will er sie mit Gewalt ent-\nführen. Geronimo erscheint zur rechten Zeit, rettet die\nGeliebte und schiesst ihn nieder. Er wird verhaftet und\nzum Tode verurtheilt. Fior d'Aliza will ihn retten oder\nmit ihm sterben. Sie verkleidet sich als junger Pifferaro,\nschliesst sich als solcher einem Hochzeitszuge an, mit wel-\nchem sie, da der Schliesser des Gefängnisses, in welches\nGeronimo gebracht worden, der Bräutigam ist, in den\nKerker gelangt. Dort schwindet indess die Hoffnung auf\nBefreiung, und ein Mönch, der Beide liebt, vermählt sie\nin der letzten Nacht vor dem Morgen, an welchem das\nTodesurtheil an Geronimo vollzogen werden soll. Aber\nein anderes junges Mädchen, das halb irre ist, entführt\nden Verurtbeilten, während Fior d'Aliza im Gewände des\nMönches im Kerker bleibt. Sie wird für Geronimo gehal-\nten und zum Richtplatze geführt. Ihr Geliebter eilt aber\nherbei und bringt Rettung und Freiheit durch Begna-\ndigiing.\nNun macht sich freilich dieser Stoff in Lamartine's\nErzählung und zart poetischer Darstellung ganz anders,\nals in der dramatisirten Handlung; da in dieser das duf-\ntige Colorit der schönen Sprache Lamartine's wegfällt, so\nzieht sich das Ganze gar zu sehr in die Länge und hält\ndie Theilnahme nicht so gespannt, als die Lecture des\nRomans. Die Librettisten und die Direction des Theaters\nhaben die unbeschränkte Freiheit der Gattungen benutzt\nund auf die Bühne der komischen Oper ein melodramati-\nsches, höchst sentimentales Sujet, gebracht, in welchem\nnichts Komisches ist, ausser dem Schliesser, den die\nHerren auf sehr ungeschickte Weise zu einer komischen\nFigur haben stempeln wollen. Auch die dreiactige Form,\ndie bisher für diese Bühne feststand, ist überschritten, in-\ndem die neue Oper vier Acte in sieben Tableaux enthält.\nHiernach musste denn auch die Musik die Formen\nund das Colorit einer ernsten Oper annehmen, und der\nComponist hat darin sein Talent in einer bisher an ihm\nnoch unbekannten Weise bewährt, denn die Partitur ent-\nhält viel Schönes. Der Stil bleibt trotz des Stoffes, der zu\nRaffinements auf Effecte und Ueberladung der Instrumen-\ntirung verleiten konnte, melodiös und klar, und die Arbeit\nzeigt überall den Musiker, der seine Sache versteht, aber\nauch eine richtige Bühnenkenntniss besitzt, die er mit Ge-\nwandtheit anwendet, ohne ihr das wahrhaft Musicalische\nzu opfern. Dagegen trifft ihn der Vorwurf, dass er im\nEinzelnen hier und da der Manier der neueren Schule be-\nsonders in Bezug auf Tonmalerei durch Solo-Instrumente\nverfällt, wovon hauptsächlich die erste Hälfte des ersten\nActes Beweise gibt, die über musicalische Poesie hinaus-\ngehen und am Ende langweilig werden, weil sie das idyl-\nlische Colorit weniger durch innige Melodie, als durch\näussere Hülfsmittel, wie Vogelzwitschern, Windesrauschen\nund dergleichen Spielereien vermittels Oboen- und Flöten-\nSoli zu erreichen suchen. Sehr bald erhebt sich aber die\nMusik in trefflichen Ensembles, einem Quintett und einem\nFinale. Das letztere ist veranlasst durch das Eintreten der\nSbirren und Holzfäller, die den Castanienbaum umhauen\nsollen, den der Hauptmann durch Ankauf von Schuld-\nscheinen an sich gebracht hat; es ist freilich für die Si-\ntuation und den Charakter der Handelnden etwas an-\nspruchsvoll, aber von guter Wirkung. Der zweite Act ist\nder musicalisch schwächste; der dritte und vierte erheben\nsich wieder mehr, ohne dass wir unterschreiben möchten,\ndass Alles darin befriedigte. Decorationen und scenische\nAusstattung tragen, wie das jetzt nicht anders sein darf,\nzur günstigen Aufnahme des Ganzen beim Publicum bei.\nAn demselben Abende gab das Theätre des Varietes,\nfür welches J. Offenbacb „Die schöne Helene\" geschrie-\nben hatte, die bereits an 300 Aufführungen erlebte (!),\neine neue Buffo-Oper, oder eine „Cascade\", denn so lau-\ntet jetzt in der Komödiantensprache der Kunst-Ausdruck\nfür dergleichen Farcen, und un fameux cascadeur ist ein\nEhrentitel für einen guten Possenreisser also ebenfalls\nvon Offenbach: einen „Blaubart\" worin\ndie höchste Blüthe des Unsinns die Pariser drei Acte in\nvier Tableaux hindurch ergötzt und lachen macht. Dieses\nMal ist es nicht die antike Welt, sondern die mittelalter-\nliche, welche travestirt wird. Blaubart lässt seine sechs\nbis zwölf Frauen eine nach der anderen vergiften, sie\nstehen aber alle wieder auf und tanzen zuletzt Polka auf\n0\nseiner Hochzeit mit der dreizehnten. Zwanzig hübsche\njunge Mädchen mit angenehmen Stimmen auf der Bühne,\nwas will man mehr? Doch nicht etwa zur Besinnung\nkommen über den Unsinn?\nDie grosse Oper lebt von der „Africanerin\", die in\nder Regel drei Mal in der Woche vorkommt, und daneben\nvon „Robert der Teufel\" und von Halevy's „Jüdin\". Zu\nbemerken ist, dass das pariser Publicum jetzt auch die\nTheaterfreiheit auf seine Weise auslegt und für sich in\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660331-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3608, "texte": "Anspruch nimmt, um zu pfeifen. Neulich wurde in der\n„Jüdin\" der beliebte Tenor Villaret, der sich schon vor\nMittag bei der Direction als unwohl gemeldet hatte, in\nder Rolle des Eleazar durch einen neuen Tenoristen\nMatlhieu ersetzt. Aber dem Publicum behagte der Ersatz\nnicht, es protestirte lärmend und pfeifend dagegen, und\nzwar zu Anfang des fünften Actes so stark, dass der Po-\nlizei-Commissar das Haus räumen liess und die Oper nicht\nausgespielt wurde. Und das in dem ersten kaiserlichen\nTheater von Paris! Ja, neulich am 7. März ertönte\nsogar in einem Concerte im Circus Napoleon, das Pasde-\nloup dirigirte, am Schlüsse von Meyerbeer's Ouvertüre\nzum „Propheten\", die Pasdeloup allerdings, weil sie das\nerste Mal unter dem Eindrucke der Vogue der „Africa-\nnerin\" stark applaudirt worden war, zum dritten Male\nwieder vorbrachte, ein scharfer Pfiff, worauf Scandal und\nOpposition, Geschrei nach der Polizei u. s. w., bis Pasde-\nloup endlich zu Worte kommen konnte und mit: „Mes-\nsieurs, les opinions sont libres ici/\" den Sturm beschwich-\ntigte, der sich zum Theil in Lachen auflöste.\nBei dem grossen Wettlaufe, den drei von unseren\nTheatern um den Preis mit Mozart's „Don Juan\" zu\nbeginnen im Begriffe sind, die Italiäner, die grosse Oper\nund das Theätre lyrique (beide letzteren mit französischem\nTexte), glaubten die Italiäner, als im ältesten und bisher\nausschliesslichen Besitze, zuerst in die Schranken treten zu\nmüssen. Sie können froh sein, dass ihre Abonnenten zu\nvornehm sind, um zu pfeifen, und sich lieber standesmäs-\nsig ennuyiren, als ihren Unwillen kund geben. Etwas\nJämmerlicheres, als die Aufführung des „Don Giovanni\"\nam 4. März, hat man wohl noch selten erlebt, wenigstens\nübertraf sie im schlimmen Sinne alle die schlechten Vor-\nstellungen, die man in den letzten Jahren hier gesehen\nhat. Wenn wir Jüngeren nun schon so ziemlich an die\nmittelmässige Ausführung des Meisterwerkes gewöhnt\nwaren, so wollten dagegen die älteren Stammgäste der\nitaliänischen Oper aus der Haut fahren und citirten ein\nMal über das Andere die Geister von Garcia, Pellegrini,\nRubini, Lablache, Mario, Tamburini, der Fodor, Malibran,\nSontag u. s. w. Ausser Adelina Patti (Zerline) hat keine\nAndere und kein Anderer gesungen noch gespielt; die\neisige Kälte des Publicums wich nur ein einziges Mal, nach\nZerlinens „Batti, batti\", welches sie wiederholen musste,\neiner wärmeren Stimmung, alles Uebrige, Arien, Duette,\nEnsembles, Finales, gingen spurlos und ohne das leiseste\nZeichen des Beifalls vorüber. Es war, als wäre man nicht\nzu einem festlichen Abende, sondern zu einer Leichenfeier\ngeladen, wobei Don Juan zu Grabe getragen wurde. Die\nLa Grange (Anna) und Delle Sedie (Don Giovanni) ohne\nStimme, Zucchini ein gemeiner Leporello für die Galerie,\nNicolini ein Ottavio im Spiel unter Null, und im Gesänge\nschülerhaft; die Elvira (nicht Mad. Penco) hatte wenig-\nstens guten Willen, aber schwache Kräfte knrz, das\nGanze war eine Unwürdigkeit. Auch haben die mildesten\nund den Italiänern am meisten ergebenen Blätter nicht\numhin gekonnt, die Wahrheit zu sagen. Nun, jetzt ge-\nben sie Flotow's „Martha\", freilich eine würdigere Auf-\ngabe, wesshalb denn auch Frascbini den Lionel singt!\nWas aber die liebenswürdige Adelina Patti neben ihren\nBewunderern für eine Menge von Feinden hat, davon\nwird man sich in Köln, wo sie Euch so entzückt hat, keine\nVorstellung machen können; eine ganze Anzahl von Blät-\ntern hat es sich zur Aufgabe gemacht, die reizende Sän-\ngerin in gehässigstem Tone zu verkleinern und zu miss-\nhandeln, dringen aber natürlich beim Publicum, das seine\nLeute kennt, nicht durch.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-03-31-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-03-31_01#c003", "volume": "bmtnabi_1866-03-31_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "100", "page_fin": "101", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660331-01.2.3", "titre_corps": "Maurerische Bedeutung der „Zauberflöte“ von Mozart", "titre_sommaire": "Maurerische Bedeutung der „Zauberflöte“ von Mozart", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660331-01.1.4", "debut_caractere": 3610, "fin_caractere_exclue": 5098, "texte": "Maurerische Bedeutung der „Zauberflöte“ von\nMozart\n*).\nDas unten angegebene Heft, dessen Verfasser sich\nnicht genannt hat und dessen „Reinertrag zur Anschaf-\nfung einer Büste von Mozart für das neue Schauspielhaus\nin Leipzig\" bestimmt ist (bedarf das reiche Leipzig, die\nMusikstadt par exeellence, solcher Hülfsmittel zu diesem\nZwecke??), hat es sich zur Aufgabe gestellt, die musicali-\nsche Wirksamkeit Mozart's als Freimaurer darzustellen,\nführt die Compositionen desselben für die Loge an und\nnennt die „Zauberflöte\" „das grösste maurerische Musik-\nwerk Mozart's\". Das Wahre und für die Op er wirklich\nWissenswerthe bat 0. Jahn in seiner Biographie Mozart's\nhinlänglich besprochen, und der Verfasser führt denn auch\ndie darauf bezüglichen Stellen reichlich an und betont sie\num so mehr, „als Jahn nicht zu den Geweihten gehört,\nihm aber das Eindringen in die Mozart'sche Tondichtung\ngleichsam die Weihe gegeben hat, so dass er spricht, wie\nein Geweihter\" (S. 20). Allein so tief in die Deutung\nder Geheimnisse ist Jahn doch nicht gedrungen, wie der\nVerfasser: denn dieser erkennt im Sarastro das Bild des\nEdeln Ignaz von Born, Stifters und Meisters vom Stuhl\neiner wiener Loge, ja, nachdem er über die Verfolgung\nder Freimaurerei in Oesterreich historische Notizen gege-\nben, versteigt er sich zu folgender Deutung der anderen\nRollen, die wir als Curiosum mittheilen:\n\n*) Die Zauberflöte. Text-Erläuterungen nebst dem voll-\nständigen Texte. Leipzig, bei Th. Lissner. 1866. 64 S. Gr. 8."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "101", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660331-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3333, "texte": "„Die Königin mit ihren Damen dringt in den Tempel\nein, vom Mohr Monostatos geführt, um die Priester zu\nüberfallen und sie von der Erde zu vertilgen. Wer dächte\nnun bei der Königin der Nacht nicht an die Kaiserin\nMaria Theresia? Bereits am 7. März 1743 hatte die\nKaiserin eine Versammlung der ersten wiener Loge: „ „Zu\nden drei Kanonen\"\" (gestiftet den 17. Sept. 1742), wel-\ncher auch ihr Gemahl Franz I. angehörte, durch mehrere\nHundert Mann Grenadiere und Cuirassiere überfallen und\naufheben lassen. Gegen 18 Freimaurer wurden festge-\nnommen und in Haft gebracht. Dem Verhör wohnten\nder Cardinal und Erzbischof von Wien und der päpstliche\nNuncius bei. Franz I. soll, wie die Sage berichtet, in der\nLoge gegenwärtig gewesen und nur mit Mühe den Ver-\nfolgungen der Soldaten auf einer Hintertreppe entgangen\nsein. Unter den ältesten Bewohnern Wiens hat sich aus\njenen Tagen noch die traditionelle Sage bis heute erhal-\nten: Maria Theresia soll eines Tages, um Gewissheit\nüber diesen Punkt zu erhalten, in Gesellschaft einer ver-\ntrauten Dame in männlicher Kleidung ihrem Gatten in\ndie Versammlung der Loge gefolgt sein, habe aber die-\nselbe alsbald verlassen, als sie Niemanden vom weiblichen\nGeschlecbte daselbst gesehen hätte. Endlich erschien 1764\nim Namen der Kaiserin eine Verordnung, durch welche\ndie Freimaurerei in allen österreichischen Staaten aufge-\nhoben wurde.\n„Werden wir durch die Königin der Nacht an die\nKaiserin Maria Theresia erinnert, so liegt die Deutung des\nMohren Monostatos (d. h. des Alleinstehenden) nicht fern:\nes ist die päpstliche Clerisei und deren Anhang, das\nMönchsthum. [Wahrscheinlich, weil der Mohr schwarz\nist!] Dem Mohren, der seine „„ Wachsamkeit\"\" rühmt,\nvon Paminen aber Liebe verlangt hatte, verordnet Sarastro\n77 Sohlenstreiche. Solche Streiche hatte Born (Sarastro)\nallerdings ausgetheilt in seinem „\nmethodo Linaeano\"\" (Wien, 1783), deutsch unter dem\nTitel „ „Ignaz Loyola Kuttenpeitscher\"\" (München, 1784).\n„Unter dem Prinzen Tamino darf wohl an Joseph 11.\ngedacht werden. War derselbe auch nicht wie sein Vater\nein Mitglied des Bundes, so war er doch von demselben\nerzogen und huldigte denselben Grundsätzen, welche Born\ninnerhalb und ausserhalb der Loge Er war ein\nFreimaurer ohne Schurz; daher gewährte er der Frei-\nmaurerei öffentlichen Schutz in seinen Landen, wovon\nauch das von ihm eigenhändig geschriebene Cabinets-\nschreiben vom 12. December 1785 zeugt, in welchem\ner verfügt, dass alle Landesregierungen den Freimaurern\nvollkommene Freiheit und Schutz zu gewähren hätten.\n„Haben wir in der Königin der Nacht die Kaiserin\nzu erkennen, so ist auch die Deutung für Pamina, die\nTochter der Landesmutter, gefunden: es ist das österrei-\nchische Volk in seinem innersten nnd edelsten Kern, wäh-\nrend Papageno und Papagena dessen harmlos heilere\nund genusssüchtige Seite darstellen. Pamina ist durch\nSarastro und dessen Priester der Leitung der Mutter\nentrissen worden. Defr Aufklärung einer neuen Zeit war\ndas österreichische Volk zugeführt worden, ein sittlich-\nedler und sittlich-freier Geist war eingedrungen.\n„Das österreichische Volk (Pamina) vermählt sich mit\nJoseph 11. (Tamino) und ist trotz des Verbotes der Frei-\nmaurerei bis auf den heutigen Tag noch voll Sehnsucht\nnach den Zeiten, in welchen die Freimaurerei in Oester-\nreich unter Joseph 11. erlaubt und beschützt war.\" (!)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-03-31-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-03-31_01#c004", "volume": "bmtnabi_1866-03-31_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "101", "page_fin": "102", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660331-01.2.4", "titre_corps": "Theater in Köln.", "titre_sommaire": "Theater in Köln.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "101", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660331-01.1.5", "debut_caractere": 3335, "fin_caractere_exclue": 5167, "texte": "Theater in Köln.\nDie Darstellung der Donna Anna in Mozart's „Don\nJuan\" durch Fräulein Therese Tietjens ist ohne Zwei-\nfel eine der vorzüglichsten in der Reihe der dramatischen\nGestalten, denen die grosse . Künstlerin Leben auf der\nBühne verleiht, denn sie entspricht darin durch ihre Auf-\nfassung eben so dem Charakter der Rolle, als durch den\nGesang den hohen Forderungen, welche Mozart's Musik\nan die Ausführenden macht. Gerade in Beziehung auf\nletzteren, auf den Gesang, besorgen wir keinen Wider-\nspruch, wenn wir unsere Ueberzeugung aussprechen, dass\nsie in der Donna Anna als Sängerin selbst ihre „Norma\"\nund „Valentine\", so trefflich diese auch waren, übertrof-\nfen hat. Denn um so viel schwieriger es an und für sich\nist, Mozart'sche Musik vorzutragen, als die der neueren\nitaliänischen und der Meyerbeer'schen Opern, trotz der\nübermässigen Ansprüche der letzteren an das Material der\nSänger, um so mehr überragte die Ausführung der Partie\nder Donna Anna die früheren Leistungen der Künstlerin\nund erhöhte die Bewunderung für sie. Wir erinnern zur\nRechtfertigung dieses Urtheils nur an ihren Vortrag der\nso genannten Brief-Arie, welcher durch den Schmelz des\nAusdrucks und die vollendete Correctheit und Schönheit\nder Coloratur den Glanzpunkt des Abends bildete und\nalles übertraf, was wir bisher hier von der Künstlerin ge-\nhört haben. Keiner unter den Zuhörern, die das Haus in\nallen Räumen füllten, mochte er nun das Kunstscböne\nbewusst bewundern oder unbewusst dem Reize desselben\nsich hingeben, konnte sich dem Eindrucke eines solchen\nGesanges entziehen, und es war nicht anders möglich, als\ndass stürmischer Applaus und wiederholter Hervorruf der\ngrossen Sängerin einen wirklichen Triumph bereitete.\nDiese Arie, die so oft nur wie eine Einlage, wie eine Con-\ncession an die Sängerin betrachtet wird, trat hier in ihrer"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "102", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660331-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2148, "texte": "ganzen Bedeutung hervor als Schlussstein der Charakte-\nristik der Donna Anna, die darin aus vollem Herzen ihre\nLiebe zu Don Ottavio ausspricht, während bisher nur das\nGefühl des Schmerzes, der Trauer und der Rache an dem\nMörder des Vaters sie vorzugsweise beseelten. Wenn sie\nan der Leiche des Vaters den Geliebten zum Schwur, und\nnachher, als sie in Don Juan den Mörder erkannt, zur\nRache aufruft, tritt die Empfindung der Liebe vor jenen\nGefühlen zurück und offenbart sich nur darin, dass sie\nmit dem vollsten Vertrauen ihre heiligsten Interessen in\ndie Hände des Verlobten legt. Sie ist keine Heldin, sie ist\nnur die zürnende und doch zagende Jungfrau, deren rüh-\nrende Erscheinung eben desshalb so sehr fesselt, und was\ndas Bild dieser Erscheinung vervollständigt, ist eben die\nletzte Arie, wenn sie mit solchem Ausdrucke gesungen\nwird, wie wir sie von Fräulein Tietjens gehört haben.\nWenn viele Zuschauer bei der ersten Arie („Du kennst\nden Verräther\"), durch die gewöhnlichen Darstellungen\nverwöhnt, einen mehr heroischen oder gar dämonischen\nCharakter des Vortrages verlangen, so vergessen sie, dass\nin dieser Arie nicht der plötzliche Ausbruch von Leiden-\nschaftlichkeit, sondern der Stolz und die Hoheit der be-\nleidigten Jungfräulichkeit, der sittlichen Entrüstung und\nder Aufforderung zur Rache an dem nun erkannten Frev-\nler Ausdruck geben müssen. Diese allein richtige Auffas-\nsung des Charakters der Donna Anna haben wir in der\nganzen Darstellung derselben durch Fräulein Tietjens nir-\ngends vermisst und stellen sie desshalb sehr hoch.\nDie Vorstellung des Don Juan im Ganzen liess viel\nzu wünschen übrig und bestätigte die oben ausgesprochene\nErfahrung, dass es viel leichter ist, eine Oper wie die Hu-\ngenotten und die Africanerin zu befriedigender Auffüh-\nrung zu bringen, als einen Don Juan oder Figaro. In der\nRolle der Zerline machte eine noch sehr junge Verwandte\ndes Fräuleins Tietjens, Fräulein Auguste Kruls, ihren er-\nsten dramatischen Versuch; sie zeigte Talent zum Theater\nund vereinigt mit einer hübschen Erscheinung eine bereits\nziemlich geschulte Stimme, die aber natürlich noch der\nKräftigung bedarf.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-03-31-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-03-31_01#c005", "volume": "bmtnabi_1866-03-31_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "102", "page_fin": "103", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660331-01.2.5", "titre_corps": "Zehntes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller.", "titre_sommaire": "Zehntes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "102", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660331-01.1.6", "debut_caractere": 2150, "fin_caractere_exclue": 5993, "texte": "Zehntes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn\nFerdinand Hiller.\nSonntag, den 25. März 1866.\nDie Aufführung der grossen Passionsmusik nach dem Evan-\ngelisten Matthäus yon Joh. Seb. Bach war eine hochherrliche\nFeier des Palmsonntag-Abends. Sie hatte eine so zahlreiche Zuhö-\nrerschaft yon nah und fern herbeigezogen, dass die Bäume des Gür-\nzenich so angefüllt waren, wie noch niemals in diesem Winter;\nAlles hörte in wahrhaft kirchlicher Stille und Sammlung zu und\ngab sich dem tiefen Eindrucke einer heiligen Musik, wie sie nicht\nzwei Mal in der ganzen Schöpfung der Tonkunst vorhanden ist,\nhin. Wie diese Passion hoch über allen übrigen Werken des Mei-\nsters steht, denn die Johannes-Passion reicht nicht an ihre Höhe\nhinan, und selbst die i7-mo//-Messe ist ihr zwar an Grossartigkeit\nder musicalischen Ausführung ebenbürtig, nicht aber an Einheit der\nStimmung und Innerlichkeit der gläubigen Empfindung : so ist\nsie auch das grösste und erhabenste Werk in der gesammten Lite-\nratur der Musik aller Zeiten und Länder, und wie es über alle vor-\nher und nachher bis auf unsere Zeit geschaffenen emporragt, so\nbleibt es auch für die Kunst der Gegenwart und der Zukunft uner-\nreichbar, ein Denkmal eines Genius, zu dessen Hoheit wir nur mit\nAndacht und Bewunderung emporblicken, niemals aber daran den-\nken können, auf seinen Spuren zu wandeln.\nDiese Ueberzeugung ist am Palmsonntage wieder einmal im\nvollsten Maasse in uns befestigt worden, allerdings auch dureh die\nausgezeichnete Aufführung, von der wir gewiss nicht zu viel sagen,\nwenn wir sie für eine der besten halten, die wir noch je gehört\nhaben. Denn die drei Factoren der Ausführung: Chor, Sologesang\nund Orchester sammt Orgel, hielten einander die Wage in Klang\nund musicalischem Ausdruck und wirkten unter der Leitung Hil-\nlens, die dessen vortreffliche Auffassung des Werkes vollständig\nzur Geltung brachte, so sicher und von ihrer Aufgabe durchdrungen\nzusammen, dass sie ein künstlerisches Ganzes bildeten, welches der\nGrösse und Erhabenheit der Tonschöpfung, die sie von Neuem ins\nLeben riefen, vollkommen würdig war.\nZunächst gebührt dem Chorpersonale der aufrichtigste Dank,\nden wir um so lieber aussprechen, als die Klangfülle, die Präcision\nund, wir möchten sagen: der frische Muth aller Betheiligten wieder\neinmal die volle Kraft und Tüchtigkeit zeigten, welche die rheini-\nschen Chöre berühmt gemacht haben. Alle Abtheilungen, der erste\nund zweite grosse Chor, der kleinere Chor der Jünger, der Knaben-\nchor, lösten ihre Aufgabe sehr gut; in den Gesammtchören fand die\nmeisterhafte musicalische Schilderung des Fanatismus der Verfolger\nChristi und im Gegensatze dazu die Liebe, Zuversicht und Erge-\nbung seiner Anhänger und der gläubigen christlichen Gemeinde den\nvollen Ausdruck, und so leidenschaftlich und erschreckend die Aus-\nbrüche des Hasses und der Verblendung wiedergegeben wurden, so\nergreifend und inniglich stiegen die milden Klänge des Schmerzes\nüber das Leiden des Heilandes und des Trostes im Glauben an die\nErlösung wie lichte Regenbogen über dunkeln Wolkengrund herauf.\nDie Choräle, von denen manche sowohl vom ganzen, als wie vom\nkleineren Chor ohne Begleitung gesungen wurden, gaben dureh die\nherrliche Harmonie ihrer einfachen Melodieen auf die Frage: „Was\nist Kirchenstil?\" die einzig richtige Antwort: „Nur der Choral.\"\nZu der ,untadelhaften Ausführung der Chöre traten Solostim-\nmen, wie sie nur selten für die Recitative und Arien der Matthäus-\nPassion in so schönem Verein gefunden werden dürften.\nDie Besetzung war folgende: Fräulein Emilie Wagner,\nConcertsängerin aus Karlsruhe, Sopran; Fräulein Francisca\nSchreck, Concertsängerin aus Bonn, Alt; Herr Dr. Gunz vom\nHoftheater in Hannover, Tenor; Herr Karl Hill, Concertsänger\naus Frankfurt am Main, Bass; Herr Michael DuMont aus Köln,\nBass."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "103", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660331-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5063, "texte": "Fräulein Emilie Wagner sang zum ersten Male in unseren\nConcerten, und für ein erstes Auftreten vor einem fremden Publi-\ncum gehörte die Ausführung einer Partie von J. S. Bach nicht zu\nden leichten Aufgaben. Um so erfreulicher war es für uns, in ihr\neine Sängerin kennen zu lernen, die, mit einer schönen, egalen und\ngebildeten Stimme ausgestattet, diese Aufgabe mit Verständniss und\nausdrucksvollem Vortrage löste und dadurch einen offenbaren Beruf\nfür die Kunst bekundete. Die Arie in H-moll: „Blute nur, du liebes\nHerz!\" gab sie mit innigem, tief empfundenem, aber dennoch ein-\nfachem, von aller Affectation entferntem Ausdruck wieder; in dem\nrecitativischen Arioso in E-moll: „Wiewohl mein Herz in Thränen\nschwimmt\", und der darauf folgenden Arie in G-dur: „Ich will Dir\nmein Herze schenken\", nahm in jenem die richtige Declamation,\nSn dieser der schmelzende, gebundene Vortrag der Figuren besonders\nfür ihre Auffassung und ihren Vortrag religiöser Musik ein. Das\nPublicum war, wiewohl bei Aufführung der Passion nicht applaudirt\nwird, sichtbarlicli durch die Leistung der Sängerin befriedigt.\nUeber die Ausführung der Alt-Partie durch Fräulein Schreck,\nwas können wir darüber sagen, was jeder Zuhörer, so oft er sie\nhört, bei allen Vorträgen dieser trefflichen Sängerin nicht schon\nmit uns empfunden hätte? Die Natur hat ihr die eigenthümliche\nKünstler-Individualität verliehen, die dazu gehört, die Schöpfungen\nBaclTs und HändeVs, welche den Gesang der Altstimme offenbar\nmit besonderer Vorliebe behandelt haben, in ihrer ganzen Bedeutung\nzu erfassen, und ein ernstes, gediegenes Studium hat diese Natur\ndahin gebracht, sich ganz und gar in den tiefen Sinn jener Töne\nzu versenken und sie von Herz zu Herzen wiederklingen zu lassen.\nNeben der berühmten Arie mit der Solo-Violine: „Erbarme Dich,\nmein Gott!\" war das kleine, aber wunderbar schöne Arioso: „Ach,\nGolgatha!\" die Krone ihrer Leistung am Palmsonntag-Abend.\nDie Herren Gunz und Hill würden den Preisrichtern, wenn\nsie Einem von ihnen die Palme zuerkennen müssten, den Ausspruch\nschwer machen. Wir sind zufrieden, dass man einen solchen Aus-\nspruch nicht von uns verlangt, und freuen uns, die ausserordent-\nlichen Fortschritte, welche beide Sänger seit 1863, wo sie zum er-\nsten Male hier dieselben Partieen sangen, in der Auffassung und\nAusführung der Bach'schen Musik gemacht haben, bekunden zu\nkönnen, da es eben diese Fortschritte sind, welche dem Vortrage\nbeider Künstler eine Vollendung gegeben haben, die eine Preis-Ent-\nscheidung geradezu unmöglich macht. Die Schwierigkeit ist für die\nPartie des „Evangelisten\" grösser, da dieselbe fast bloss aus Reci-\ntativen besteht, welche nur die nothdürftigste harmonische Unterlage\nim Bass haben, während die Worte Christi oft mehr ins melodische\nArioso übergehen und von dem Quartett der Streich-Instrumente\nharmonisch getragen werden. Die Würde und-Hoheit dieser Worte,\nso wie an anderen Stellen der Schmerz und die Entsagung, fanden\ndurch Herrn Hill im Klange der Stimme und im Vortrage den\nwahrhaft entsprechenden und ergreifenden Ausdruck. Dem Evan-\ngelisten liegt die schwere Aufgabe ob, die Einfachheit des erzäh-\nlenden Vortrages mit dem Ausdrucke dessen, was sein eigenes Ge-\nmütli dabei empfindet, zu vereinigen, und dies ist die Klippe, an\nwelcher so manche Sänger dieser Partie scheitern, indem ihr Vor-\ntrag entweder zu trocken oder zu sentimental wird. Herr Gunz hat\nes trefflich verstanden, das innere Gefühl mit dem Tone der einfa-\nchen Erzählung zu verbinden, und liess es nur da, wo der Compo-\nuist es in Tönen ebenfalls ausspricht, vorherrschen, dann aber auch\nin der rührendsten und ergreifendsten Weise, wie in den Stellen:\n„Und Jesus fing an zu trauern und zu zagen\" (Nr. 24) — „und\nbetete und sprach\" (Nr. 27) — „und Petrus ging hinaus und wei-\nnete bitterlich\" (Nr. 46), und in der Arie: „Ich will bei meinem\nJesu wachen\". Die zuletzt angeführte Recitativ-Stelle trug schon in\nder Generalprobe Herr Gunz so schön vor, dass das anwesende Pu-\nblicum sich nicht enthalten konnte, in lebhaften Applaus auszu-\nbrechen. Bei der ganzen Partie kam dem Sänger seine ausgezeich-\nnet frische, der verschiedenen Nuancen und Klangfarben fähige,\nechte Tenorstimme trefflich zu Statten, wobei die Reinheit der In-\ntonation und die Sicherheit der schwierigsten Einsätze oft auf hohen\nTönen, die selbst tüchtige Sänger nur in Verbindung mit der Ton-\nleiter erreichen, zu bewundern war, und auch das noch besonderes\nLob verdient, dass er trotz der Leichtigkeit im Ansätze hoher Töne\nes dennoch verschmähte, damit zu glänzen, sondern jede Accen-\ntuation der richtigen Declamation unterordnete.\nHerr DuMont, der als Dilettant aus Liebe zur Sache die\nkleineren Bass-Soli des Petrus, Judas u. s. w. übernommen hatte,\nbrachte sie mit seiner starken und wohlklingenden Stimme recht\ngut zur Geltung.\nSo hatte sich denn Alles verbunden, um das grösste Werk des\nunsterblichen Meisters mit einem Verein von musicalischen Kräften\nund einem Glänze zu einer Aufführung zu bringen, wie sie ihm nur\nim Geiste vorschwebte, die er aber selbst niemals erlebt hat."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-03-31-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-03-31_01#c006", "volume": "bmtnabi_1866-03-31_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "103", "page_fin": "104", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660331-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "103", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660331-01.1.7", "debut_caractere": 5065, "fin_caractere_exclue": 7173, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nSiölu« Am 21. März hat Herr Capellmeister Ferd. Hiller\nin seiner dritten und letzten Vorlesung über Geschichte der Musik\nin seiner bekannten geistreichen Weise ein lebendiges und anschau-\nliches Bild der Entwicklung der Tonkunst und namentlich der Oper\nin Italien gegeben, in welchem auf dem allgemeinen kunsthistori-\nschen Hintergrunde besonders die Hauptfiguren eines Scarlatti, Per-\ngolese und der Häupter der neapolitanischen, dann der venetiani-\nschen Schule, des Dichters Metastasio, der ein halbes Jahrhundert\nlang das italiänische Theater durch seine Operntexte beherrschte,\nder bedeutendsten Sänger, z. B. Forinilli's, hervortraten. Hierauf\nging der stets fesselnde und anregende Vortrag auf die ältere fran-\nzösische Oper über, charakterisirte Lulli's und Rameau's lyrisch-\ndramatische Weise, ferner auf die ersten Anfänge der deutschen\nOper, auf Kaiser, Hasse u. s. w., woran der Redner einen begei-\nsterten Blick auf das heroische Zeitalter eines Bach und Händel\nwarf und dann mit Gluck's Auftreten als Reformator der italiäni-\nschen Oper schloss und dessen Erfolge und die Art seines Einflusses\nauf seine Zeitgenossen, namentlich auf Mozart, schilderte. Hoffent-\nlich wird Herr Capellmeister Hiller dem allgemeinen Wunsche einer\nFortsetzung ähnlicher Vorlesungen früher oder später genügen, da\nes ganfc besonders interessant sein würde, eine eben so anschauliche\nDarstellung der Stadien zu erhalten, welche die Entwicklung der\nTonkunst von Mozart bis auf unsere Zeit durchlaufen hat, als sie\nseine Vorträge über die vergangenen Jahrhunderte gegeben haben.\nHerr Capellmeister Hill er ist nach dem Schlüsse der Concert-\nSaison durch die Aufführung der Matthäus-Passion am 26. d. Mts,\nnach Paris gereist. Er hat den Auftrag, für das grosse Gesaugfest\nin Lüttich zur Feier der Thronbesteigung des Königs der Belgier\neine Cantate für Männerstimmen zum Zwecke des Concurses um\nden Prix dexcellence zu componiren, angenommen, so wie die Ein-\nladung vom Comite des diesjährigen mecklenburgischen Musikfestes\nin Güstrow, seine „Hymne an die Nacht\" persönlich zu dirigiren."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "104", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660331-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4789, "texte": "Die dreitägigen Prüfungen am Conservatorium haben sehr er-\nfreuliche Resultate geliefert: die Gesangprüfung der Classe der Frau\nMarchesi, in welcher achtzehn Nummern gesungen wurden, zeigte\neinige recht angenehme Stimmen und recht artige Beweise von\nFortschritten.\nDem Vernehmen nach beginnt auf dem diesjährigen niederrhei-\nnischen Masikfeste in Düsseldorf die Aufführung am ersten Fest-\ntage mit Beethoven's Ouvertüre Op. 124 „Die Weihe des Hauses\",\nderselben folgt Händers „Messias\". Die Nummern des Programms\nfür die beiden folgenden Tage sind noch nicht festgesetzt. Dirigent\ndes Ganzen wird Herr Otto Goldschmidt sein, dessen Gemahlin,\nFrau Jenny Lind-Goldschmidt, die Sopran-Soli übernommen\nhat. Fräulein Parepa, welche in den Städten Nordamerica's grosse\nTriumphe gefeiert, und Fräulein von Edelsberg, so wie die\nHerren Stock hausen und Dr. Gunz sind für die übrigen Soli\ngewonnen worden. Auch Frau Clara Schumann hat für das\nKünstler-Concert am dritten Tage ihre Mitwirkung zugesagt.\nBerlin, 25. März. Im Opernhause kamen die Wiederholun-\ngen der „Africanerin\" mit der Vorstellung am 24. März für die\nlaufende Saison zu Ende. Darauf wird Wachtel zum Beschlüsse\nseines Gastspiels in der Charwoche noch in einer Abschieds-Vor-\nstellung auftreten. Für die nächste Saison ist er von Neuem enga-\ngirt; er wird in Folge dessen zu Anfang des September an die kö-\nnigliche Oper zurückkehren. Fräulein Artöt, welche zuletzt in\nden neu einstudirten „Krondiamanten\" sang, wird ebenfalls ihr Gast-\nspiel im Opernhause beschliessen. Dagegen wird Frau Lucca\nnoch bis Mitte April auftreten und unter anderen Rollen auch die\nGilda in Verdi's „Rigoletto\" singen, während der wieder engagirte\nTenorist Herr Adams in dieser Oper die Partie des Herzogs gibt.\nAuch soll im April noch eine neue Oper in Scene gehen, die bisher\ndurch die „Africanerin\" zurückgedrängte „Wanda\" von Doppler,\nworin Frau Harriers-Wippern die Titelrolle singt.\nIn Berlin starb der in früheren Jahren durch die Eigentüm-\nlichkeit seiner Concert-Aufführungen bekannt gewordene Flötist\nH. Ritter, auch „Flöten-Ritter\" genannt. In Königsberg der\nConcertmeister und Violin-Virtuose Johann Rudersdorf, Vater\nder berühmten Sängerin Rudersdorf, 78 Jahre alt.\nFräulein Marie Taglioni, welche die berliner Bühne für im-\nmer verlässt, um sich mit dem Fürsten Windischgrätz zu vermäh-\nlen, wird sich am 14. April in einer Benefiz-Vorstellung von der-\nselben verabschieden.\nHannover» Als nächste Veranlassung des Rücktrittes des\nIntendanten Grafen Platen wird angegeben, dass der Schauspieler\nSontag, dem wegen Uebertretung der Theatergesetze von der In-\ntendanz Geldstrafen zuerkannt waren, sich dieserhalb an den König\nwandte und derselbe die Aufhebung jener Strafe verfügte, worauf\nGraf Platen seine Entlassung einreichen zu müssen glaubte. Ueber\nseinen Nachfolger verlautet nichts Bestimmtes. Der Graf ist der\nBruder des hannoverschen Ministers des Auswärtigen.\nDie Theaterfrage in Breslau ist entschieden. Herrn Rieger,\neinem in hiesigen Kunstkreisen sehr geachteten Manne, wurde die\nConcession verliehen.\nWien« Sonntag den 18. März kam in der k. k. Hofkirche\nzu St. Michael die berühmte Messe Papae Marcelli von Palestrina\nunter Leitung des Herrn Chor-Directors Krenn zur Aufführung.\n* Arillieim, 27. März. Die Aufführung des Messias von\nHändel durch die hiesige Abtheilung der Gesellschaft zur Beför-\nderung der Tonkunst war allerdings ein Wagestück, es ist aber im\nVerhältnisse der hiesigen Kräfte ganz befriedigend gelungen. Chor\nund Orchester, namentlich der erstere, leisteten das Mögliche und\nHessen nichts zu wünschen übrig. Die Alt- und die Bass-Partie im\nSologesänge wurden von hiesigen Dilettanten, Frau M. und Herrn\nDekker vortrefflich ausgeführt, die Sopran-Soli sang Fräulein\nJulie Rothenberger aus Köln, die Tenor-Partie Herr Karl\nSchneider aus Rotterdam. Die genannte vortreffliche Concertsän-\ngerin, die eine liebliche, hinreissende Stimme mit künstlerischer\nAusbildung verbindet, schien uns für den Vortrag Händel'scher Mu-\nsik wie geschaffen, und die Arien: „Er weidet seine Heerde\", „Die\nSchmach bricht ihm sein Herz\" und die folgenden Nummern, dann\n„Ich weiss, dass mein Erlöser lebt\", drangen allen Zuhörern tief\nins Herz. Herr Schneider bewährte seinen grossen Ruf als Ora-\ntoriensänger vollkommen.\nParis« Gounod hat seine Oper „Romeo und Julie\" beendigt\nund ist schon wieder mit einer neuen Oper, Text von\nfür das Theater der komischen Oper beschäftigt.\nPetersburg. Halevy's „Jüdin\" mit russischem Texte macht\nauf dem Theater der National-Oper volle Häuser. Am 12. und\n13. Januar fand die öffentliche Prüfung der Zöglinge des Conserva-\ntoriums Statt; Rubinstein, Wieniawski, Davidoff und Dreyschock\nführten ihre Schüler zu grosser Befriedigung der kaiserlichen Com-\nmission und der glänzenden Versammlung vor."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "97", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660331-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nPariser Brief (F. Liszt's „Graner Messe\" Die Operntheater Concerte). Maurerische Bedeutung der „Zauber-\nflöte\" von Mozart. Theater in Köln (Gastspiel von Fräulein Therese Tietjens auf dem Stadttheater). Zehntes Gesellschafts-Concert in\nKöln im Gürzenich. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, dritte Vorlesung von Capellmeister F. Hiller, Prüfungen am Con-\nservatorium Düsseldorf, das bevorstehende niederrheinische Musikfest Berlin, Operntheater, Flötist H. Ritter f, M. Taglioni u. s. w.).\n\nPariser Brief.\n(F. Liszt's „Graner Messe\" Die Operntheater\nC oncerte.)\nParis, den 22. März 1866.\n„Am Donnerstag den 15. März wurde die genannte\nMesse von Liszt in der Kirche St. Eustache aufgeführt.\nDie lange vorher angekündigte und mit Spannung erwar-\ntete Feierlichkeit fand mit allem Pomp Statt, mit dem\nman sie nur umgeben konnte. Bekanntlich rührt die Com-\nposition aus dem Jahre 1855 her und wurde zur Ein-\nweihung der Kirche zu Gran in Ungarn geschrieben. Ein-\nmaliges Anhören macht es uns unmöglich, jeden Satz der-\nselben zu analysiren; auch fürchten wir, der Schwierigkeit\nder Aufgabe nicht gewachsen zu sein. Denn wir schwim-\nmen hier in dem Meere philosophischer Musik, die gewiss\nauf trefflichen Intentionen beruht, zu denen aber der Com-\nponist allein den Schlüssel hat; die Musik der Reflexion\nkonnte sich nicht so aussprechen, wie die Musik des Her-\nzens: sie hat natürlich neue Bahnen aufsuchen müssen,\nund hat geglaubt, sie im Aufgeben der Melodie, in der\nVervielfältigung der Tonarten und abschweifenden Modu-\nlationen, mit Einem Worte: in einem eigenthümlichen\nund ausschiesslichen Systeme von harmonischen Combi-\nnationen und reinen Abstractionen zu finden Abstractio-\nnen in der Musik!\nDie Führung der Stimmen, selbst der am meisten\nhervortretenden, hat in Liszt's Messe jene unentschiedene,\nabsonderlichie Form, welche in der Seele des Zuhörers ein\nGefühl von unsteter Unruhe hinterlässt, wozu dann noch\ndie physische Ermüdung kommt, welche die unaufhörli-\nchen Modulationen erzeugen, worüber man die Haupt-\nTonart ganz und gar vergisst. Sobald sich aber Liszt,\nvielleicht unbewusst, von den Fesseln seines absichtlichen\nSystems befreit, so trifft er fast immer das Rechte, wie\nz. B. durch den schönen und echt christlichen Ausdruck\nim Benedictus,auch im Anfange des in der Coda\ndes Credo; das Agnus Dei ist trotz einiger schönen Stel-\nlen weniger gelungen, zumal da dessen Ueberlänge ab-\nspannt.\nEine instrumentale charakteristische Phrase, die in\nden verschiedenen Nummern wiederkehrt, trägt vielleicht\ndazu bei, ihnen eine gewisse Einheit zu geben*). Warum\nmacht aber ein Componist, der den Verirrungen der Zu-\nkunftsmusik folgt, noch mit den alten Traditionen Ver-\nträge? Warum trägt er noch Bedenken, den Rest der\nScholastik über Bord zu werfen, und nimmt die Fuge wie-\nder zu Gnaden an, die in sein neues System wie die Faust\naufs Auge passt? Wir begegnen ihr zwei Mal an den her-\ngebrachten Stellen, im Gloria und im Diese Con-\ncession ist nichts weniger als glücklich.\nDie Instrumental-Partie ist offenbar am sorgfältigsten\nbehandelt; sie macht oft grossartige Wirkung, wie z. B.\nin dem Venturus est judicare auch das\nTremolo der Violinen auf den hohen Tönen im Anfange\ndes Gloria versinnlicht eine Musik der Engel**). Der\nvocale Theil der Messe erscheint in der Regel erst auf\ndem zweiten Grunde des Gemäldes: er wird durch ein\nQuartett von Solisten und einen vierstimmigen Chor aus-\ngeführt. Frau Baronin Caters sollte die Sopran-Soli sin-\ngen; da aber die Geistlichkeit dagegen war, vertrat ein\nChorknabe ihre Stelle. Die Herren Warot und Agnesi\nsangen die Tenor- und Bass-Soli und lösten ihre schwie-\nrige Aufgabe sehr rühmlich. Der Chor war aus den be-\nsten Choristen der Operntheater und (im Sopran und Alt)\naus der ersten Abtheilung der Gesangschule (Orpheon)\n\n*) Sie ist aber rein äusserlich und verhält sich zum Ganzen\nnur eben so, wie die ähnlichen Orchesterphrasen in Wagner's „Lo-\nhengrin\" zum Ganzen. B. p.\n**) Ich habe darin nur eine Wiederholung des von Meyerbeer\nund Wagner bereits bis zum IJeberdruss gebrauchten Kunstgriffes\ngefunden. B. P."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "98", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660331-01.1.2", "texte": "von Pasdeloup gebildet. Der Capellmeister der Kirche\nSt. Eustache dirigirte (Liszt selbst hatte es verweigert).\nHerr Battiste spielte die Orgel und pbantasirte vor der\nMesse über ein Motiv aus dem Tannhäuser-Marsch—eine\nSchmeichelei, wofür Liszt ihm dankbar sein wird.\"\nSo weit die Revue et\n(Nr. 11). Wie die letzte Aeusserung zu nehmen sei, kann\nman nicht wissen, da dergleichen Phantasieen über höchst\nweltliche Thema's hier nichts Seltenes in den Kirchen sind\nund der Herr Organist nur einmal anstatt des sonst ge-\nwöhnlichen Prophetenmarsches von Meyerbeer den Wag-\nner'schen gespielt hat wahrscheinlich als Compliment\nfür Liszt, der eine solche Farce in Deutschland (wenn sie\nda überhaupt vorkommen könnte!) als starke Ironie auf-\ngefasst haben würde.\nDie Einnahme war zum Vortheil der Schulcasse des\nzweiten Arrondissements und soll einschliesslich der Samm-\nlung in der Kirche, des Eintrittsgeldes und der Stuhlmiethe\nan 50,000 Francs betragen haben.\nSo sagt die Revue et Gasette. Ich theile zur Vervoll-\nständigung aus den Berichten anderer Blätter, nament-\nlich dem Feuilleton von J. Weber im „Temps\", noch fol-\ngende Nachrichten und Urtheile mit, da ich selbst verhin-\ndert war, der ganzen Aufführung beizuwohnen.\n„Schon mehrere Tage vor der Aufführung war die\nVermiethung der Plätze geschlossen. Etwa 500 Plätze im\nHauptschiffe waren zu 20 Frcs., die übrigen zu lOFrcs.,\nim Nebenschiffe zu 3 Frcs. vermiethet im Ganzen zu\n45,000 Frcs. Das eine Nebenschiff war, wie gewöhnlich\nbei solchen Gelegenheiten, dem Publicum ohne Eintritts-\ngeld zugänglich.\"\n„Die Ausführung liess viel zu wünschen übrig. Das\nOrchester war das von der italiänischen Oper; die Mitwir-\nkung von Frauenstimmen hatte die geistliche Behörde als\nungehörig in der Kirche untersagt. Dagegen rückte die\nNationalgarde mit Trommeln und Pfeifen und vollständi-\ngem klingenden Spiel ein, beim Eintritte des Generals\nMellinet, ihres Commandanten, präsentirte sie das Gewehr\nund spielte einen Marsch, bei der Erhebung der Mon-\nstranz fielen die Soldaten aufs Knie und die Trommeln\nwirbelten, so dass man von Liszt's Messe nichts hörte!\"\nNach einer Vertheidigung des „dramatischen Stils\"\nder Messe, wie sie besonders Mozart und Cherubini be-\nhandelt haben, welche man gelten lassen müsse, wenn\nman nicht das Orchester ganz und gar aus der Kirche\nverbannen wolle, meint der Referent, dass trotzdem ein\nUnterschied zwischen Kirchenmusik und der Opernmusik\nfestgehalten werden könne, findet es aber natürlich, dass\nman in neuester Zeit auch -bei der Messe reichere Har-\nmonie und Instrumentation angewendet, so dass selbst die\nPiccoloflöte und der Tamtam zuweilen angebracht wor-\nden wären. „Dieser Schule gehören sowohl Gounod als\nLiszt an.\"\n„Liszt hat übrigens von je her die grösstmögliche\nMacht des Klang-Ausdrucks erstrebt, so dass man ihn\nnicht ohne Grund der Wunderlichkeit zeihen kann. Den-\nnoch ist seine Messe der Ausdruck einer tiefen Ueberzeu-\ngung, eines festen Systems und des lebhaftesten Strebens,\nein grossartiges Kirchenwerk zu schaffen. Die Orchester-\nEffecte muss man von dem eben angegebenen Standpunkte\naus betrachten. Selbst die Modulationen sind nicht opern-\nmässig behandelt, so schroff sie auch manchmal sind. Hier\nund da findet sich in Fortscbritten von Dreiklängen ein\nmodernisirter Palestrina-Slil. Das innehat einen schmerz-\nlichen und eindringlichen Ausdruck; das Gloria enthält\nschöne Contraste und schliesst mit einer Fuge, die weder\nzu lang noch zu schulmässig ist. (?) Das Credo mit seinen\nmächtigen und mannigfach wechselnden Effecten und\nselbst mit seinen Tamtamschlägen findet seine Rechtferti-\ngung in dem, was wir oben gesagt haben. Das Sanctus\nlitt zu sehr unter der mangelhaften Ausführung und den\nTrommelwirbeln der Nationalgarde. Das bringt\neinen Schluss von grossartiger Wirkung. Ich kann mich\nnicht auf eine Zergliederung der Composition einlassen,\nhabe auch nur aussprechen wollen, von welchem Gesichts-\npunkte aus man das Werk betrachten müsse. Ich kann\nnicht sagen, ob diese Messe das Capitalwerk von Liszt sei,\naber es ist gewiss eines der grössten und originellsten, die\ner geschrieben hat.\"\nZiehe ich das Facit von allem dem, was hier sonst\ngeschrieben und gesprochen worden, so sind die Musiker\ndarüber einig, die Messe Liszt's als ein Werk grosser An-\nstrengung zu achten, aber weder eine religiöse Begeiste-\nrung, noch eine irgendwie fesselnde musicalische Schön-\nheit darin zu finden, sondern nur eine in manchen Theilen\nselbst dem Kenner imponirende, die Masse der Zuhörer\naber verblüffende Klangwirkung, welche jedoch stets als\nein Resultat der Reflexion, nicht aber des in Begeisterung\nschaffenden Genies erscheint.\nDas Theater der komischen Oper brachte am 5. Fe-\nbruar eine neue Oper: „Fior d'Aliza\", Text von H. Lu-\ncas und M. Carre, Musik von Victor Masse.\nMasse, Gesang- und Chor-Director an der grossen\nOper, hatte durch die angenehme Musik in\nJeannett und in Galatheemit Erfolg bereits vor mehreren\nJahren die theatralische Laufbahn betreten, war seitdem\naber durch seine amtliche Thätigkeit sehr in Anspruch\ngenommen, und bei einigen neuen Versuchen in der Com-\nposition war es ihm nicht gelungen, die Erwartungen des\nPublicums in demselben Maasse wie früher zu befriedigen."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660331-01.1.3", "texte": "Jetzt hat er aber wieder einen glücklichen Wurf gethan,\nseine neueste Arbeit hat bis jetzt dauernden Erfolg und\nverdient ihn auch wohl.\nDen Stoff der Oper haben die Verfasser des Buches\naus Lamartine's Roman „Fior d'Aliza\" genommen. Zwei\nFamilien leben unter dem Himmel von Italien in länd-\nlichen Wohnungen im Schutze eines alten Castanien-\nbaumes; denn seit der „Africanerin\" spielen die Bäume\neine bedeutende Rolle auf den Bühnen. Ihre Rinder, Fior\nd'Aliza und Geronimo, lieben sich; ein Hauptmann der\nSbirren sieht das reizende Mädchen, verfolgt sie mit sei-\nnen Anträgen, und da seine Intriguen gegen ihre Eltern\nihn nicht zum Ziele bringen, will er sie mit Gewalt ent-\nführen. Geronimo erscheint zur rechten Zeit, rettet die\nGeliebte und schiesst ihn nieder. Er wird verhaftet und\nzum Tode verurtheilt. Fior d'Aliza will ihn retten oder\nmit ihm sterben. Sie verkleidet sich als junger Pifferaro,\nschliesst sich als solcher einem Hochzeitszuge an, mit wel-\nchem sie, da der Schliesser des Gefängnisses, in welches\nGeronimo gebracht worden, der Bräutigam ist, in den\nKerker gelangt. Dort schwindet indess die Hoffnung auf\nBefreiung, und ein Mönch, der Beide liebt, vermählt sie\nin der letzten Nacht vor dem Morgen, an welchem das\nTodesurtheil an Geronimo vollzogen werden soll. Aber\nein anderes junges Mädchen, das halb irre ist, entführt\nden Verurtbeilten, während Fior d'Aliza im Gewände des\nMönches im Kerker bleibt. Sie wird für Geronimo gehal-\nten und zum Richtplatze geführt. Ihr Geliebter eilt aber\nherbei und bringt Rettung und Freiheit durch Begna-\ndigiing.\nNun macht sich freilich dieser Stoff in Lamartine's\nErzählung und zart poetischer Darstellung ganz anders,\nals in der dramatisirten Handlung; da in dieser das duf-\ntige Colorit der schönen Sprache Lamartine's wegfällt, so\nzieht sich das Ganze gar zu sehr in die Länge und hält\ndie Theilnahme nicht so gespannt, als die Lecture des\nRomans. Die Librettisten und die Direction des Theaters\nhaben die unbeschränkte Freiheit der Gattungen benutzt\nund auf die Bühne der komischen Oper ein melodramati-\nsches, höchst sentimentales Sujet, gebracht, in welchem\nnichts Komisches ist, ausser dem Schliesser, den die\nHerren auf sehr ungeschickte Weise zu einer komischen\nFigur haben stempeln wollen. Auch die dreiactige Form,\ndie bisher für diese Bühne feststand, ist überschritten, in-\ndem die neue Oper vier Acte in sieben Tableaux enthält.\nHiernach musste denn auch die Musik die Formen\nund das Colorit einer ernsten Oper annehmen, und der\nComponist hat darin sein Talent in einer bisher an ihm\nnoch unbekannten Weise bewährt, denn die Partitur ent-\nhält viel Schönes. Der Stil bleibt trotz des Stoffes, der zu\nRaffinements auf Effecte und Ueberladung der Instrumen-\ntirung verleiten konnte, melodiös und klar, und die Arbeit\nzeigt überall den Musiker, der seine Sache versteht, aber\nauch eine richtige Bühnenkenntniss besitzt, die er mit Ge-\nwandtheit anwendet, ohne ihr das wahrhaft Musicalische\nzu opfern. Dagegen trifft ihn der Vorwurf, dass er im\nEinzelnen hier und da der Manier der neueren Schule be-\nsonders in Bezug auf Tonmalerei durch Solo-Instrumente\nverfällt, wovon hauptsächlich die erste Hälfte des ersten\nActes Beweise gibt, die über musicalische Poesie hinaus-\ngehen und am Ende langweilig werden, weil sie das idyl-\nlische Colorit weniger durch innige Melodie, als durch\näussere Hülfsmittel, wie Vogelzwitschern, Windesrauschen\nund dergleichen Spielereien vermittels Oboen- und Flöten-\nSoli zu erreichen suchen. Sehr bald erhebt sich aber die\nMusik in trefflichen Ensembles, einem Quintett und einem\nFinale. Das letztere ist veranlasst durch das Eintreten der\nSbirren und Holzfäller, die den Castanienbaum umhauen\nsollen, den der Hauptmann durch Ankauf von Schuld-\nscheinen an sich gebracht hat; es ist freilich für die Si-\ntuation und den Charakter der Handelnden etwas an-\nspruchsvoll, aber von guter Wirkung. Der zweite Act ist\nder musicalisch schwächste; der dritte und vierte erheben\nsich wieder mehr, ohne dass wir unterschreiben möchten,\ndass Alles darin befriedigte. Decorationen und scenische\nAusstattung tragen, wie das jetzt nicht anders sein darf,\nzur günstigen Aufnahme des Ganzen beim Publicum bei.\nAn demselben Abende gab das Theätre des Varietes,\nfür welches J. Offenbacb „Die schöne Helene\" geschrie-\nben hatte, die bereits an 300 Aufführungen erlebte (!),\neine neue Buffo-Oper, oder eine „Cascade\", denn so lau-\ntet jetzt in der Komödiantensprache der Kunst-Ausdruck\nfür dergleichen Farcen, und un fameux cascadeur ist ein\nEhrentitel für einen guten Possenreisser also ebenfalls\nvon Offenbach: einen „Blaubart\" worin\ndie höchste Blüthe des Unsinns die Pariser drei Acte in\nvier Tableaux hindurch ergötzt und lachen macht. Dieses\nMal ist es nicht die antike Welt, sondern die mittelalter-\nliche, welche travestirt wird. Blaubart lässt seine sechs\nbis zwölf Frauen eine nach der anderen vergiften, sie\nstehen aber alle wieder auf und tanzen zuletzt Polka auf\n0\nseiner Hochzeit mit der dreizehnten. Zwanzig hübsche\njunge Mädchen mit angenehmen Stimmen auf der Bühne,\nwas will man mehr? Doch nicht etwa zur Besinnung\nkommen über den Unsinn?\nDie grosse Oper lebt von der „Africanerin\", die in\nder Regel drei Mal in der Woche vorkommt, und daneben\nvon „Robert der Teufel\" und von Halevy's „Jüdin\". Zu\nbemerken ist, dass das pariser Publicum jetzt auch die\nTheaterfreiheit auf seine Weise auslegt und für sich in\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660331-01.1.4", "texte": "Anspruch nimmt, um zu pfeifen. Neulich wurde in der\n„Jüdin\" der beliebte Tenor Villaret, der sich schon vor\nMittag bei der Direction als unwohl gemeldet hatte, in\nder Rolle des Eleazar durch einen neuen Tenoristen\nMatlhieu ersetzt. Aber dem Publicum behagte der Ersatz\nnicht, es protestirte lärmend und pfeifend dagegen, und\nzwar zu Anfang des fünften Actes so stark, dass der Po-\nlizei-Commissar das Haus räumen liess und die Oper nicht\nausgespielt wurde. Und das in dem ersten kaiserlichen\nTheater von Paris! Ja, neulich am 7. März ertönte\nsogar in einem Concerte im Circus Napoleon, das Pasde-\nloup dirigirte, am Schlüsse von Meyerbeer's Ouvertüre\nzum „Propheten\", die Pasdeloup allerdings, weil sie das\nerste Mal unter dem Eindrucke der Vogue der „Africa-\nnerin\" stark applaudirt worden war, zum dritten Male\nwieder vorbrachte, ein scharfer Pfiff, worauf Scandal und\nOpposition, Geschrei nach der Polizei u. s. w., bis Pasde-\nloup endlich zu Worte kommen konnte und mit: „Mes-\nsieurs, les opinions sont libres ici/\" den Sturm beschwich-\ntigte, der sich zum Theil in Lachen auflöste.\nBei dem grossen Wettlaufe, den drei von unseren\nTheatern um den Preis mit Mozart's „Don Juan\" zu\nbeginnen im Begriffe sind, die Italiäner, die grosse Oper\nund das Theätre lyrique (beide letzteren mit französischem\nTexte), glaubten die Italiäner, als im ältesten und bisher\nausschliesslichen Besitze, zuerst in die Schranken treten zu\nmüssen. Sie können froh sein, dass ihre Abonnenten zu\nvornehm sind, um zu pfeifen, und sich lieber standesmäs-\nsig ennuyiren, als ihren Unwillen kund geben. Etwas\nJämmerlicheres, als die Aufführung des „Don Giovanni\"\nam 4. März, hat man wohl noch selten erlebt, wenigstens\nübertraf sie im schlimmen Sinne alle die schlechten Vor-\nstellungen, die man in den letzten Jahren hier gesehen\nhat. Wenn wir Jüngeren nun schon so ziemlich an die\nmittelmässige Ausführung des Meisterwerkes gewöhnt\nwaren, so wollten dagegen die älteren Stammgäste der\nitaliänischen Oper aus der Haut fahren und citirten ein\nMal über das Andere die Geister von Garcia, Pellegrini,\nRubini, Lablache, Mario, Tamburini, der Fodor, Malibran,\nSontag u. s. w. Ausser Adelina Patti (Zerline) hat keine\nAndere und kein Anderer gesungen noch gespielt; die\neisige Kälte des Publicums wich nur ein einziges Mal, nach\nZerlinens „Batti, batti\", welches sie wiederholen musste,\neiner wärmeren Stimmung, alles Uebrige, Arien, Duette,\nEnsembles, Finales, gingen spurlos und ohne das leiseste\nZeichen des Beifalls vorüber. Es war, als wäre man nicht\nzu einem festlichen Abende, sondern zu einer Leichenfeier\ngeladen, wobei Don Juan zu Grabe getragen wurde. Die\nLa Grange (Anna) und Delle Sedie (Don Giovanni) ohne\nStimme, Zucchini ein gemeiner Leporello für die Galerie,\nNicolini ein Ottavio im Spiel unter Null, und im Gesänge\nschülerhaft; die Elvira (nicht Mad. Penco) hatte wenig-\nstens guten Willen, aber schwache Kräfte knrz, das\nGanze war eine Unwürdigkeit. Auch haben die mildesten\nund den Italiänern am meisten ergebenen Blätter nicht\numhin gekonnt, die Wahrheit zu sagen. Nun, jetzt ge-\nben sie Flotow's „Martha\", freilich eine würdigere Auf-\ngabe, wesshalb denn auch Frascbini den Lionel singt!\nWas aber die liebenswürdige Adelina Patti neben ihren\nBewunderern für eine Menge von Feinden hat, davon\nwird man sich in Köln, wo sie Euch so entzückt hat, keine\nVorstellung machen können; eine ganze Anzahl von Blät-\ntern hat es sich zur Aufgabe gemacht, die reizende Sän-\ngerin in gehässigstem Tone zu verkleinern und zu miss-\nhandeln, dringen aber natürlich beim Publicum, das seine\nLeute kennt, nicht durch.\n(Schluss folgt.)\n\nMaurerische Bedeutung der „Zauberflöte“ von\nMozart\n*).\nDas unten angegebene Heft, dessen Verfasser sich\nnicht genannt hat und dessen „Reinertrag zur Anschaf-\nfung einer Büste von Mozart für das neue Schauspielhaus\nin Leipzig\" bestimmt ist (bedarf das reiche Leipzig, die\nMusikstadt par exeellence, solcher Hülfsmittel zu diesem\nZwecke??), hat es sich zur Aufgabe gestellt, die musicali-\nsche Wirksamkeit Mozart's als Freimaurer darzustellen,\nführt die Compositionen desselben für die Loge an und\nnennt die „Zauberflöte\" „das grösste maurerische Musik-\nwerk Mozart's\". Das Wahre und für die Op er wirklich\nWissenswerthe bat 0. Jahn in seiner Biographie Mozart's\nhinlänglich besprochen, und der Verfasser führt denn auch\ndie darauf bezüglichen Stellen reichlich an und betont sie\num so mehr, „als Jahn nicht zu den Geweihten gehört,\nihm aber das Eindringen in die Mozart'sche Tondichtung\ngleichsam die Weihe gegeben hat, so dass er spricht, wie\nein Geweihter\" (S. 20). Allein so tief in die Deutung\nder Geheimnisse ist Jahn doch nicht gedrungen, wie der\nVerfasser: denn dieser erkennt im Sarastro das Bild des\nEdeln Ignaz von Born, Stifters und Meisters vom Stuhl\neiner wiener Loge, ja, nachdem er über die Verfolgung\nder Freimaurerei in Oesterreich historische Notizen gege-\nben, versteigt er sich zu folgender Deutung der anderen\nRollen, die wir als Curiosum mittheilen:\n\n*) Die Zauberflöte. Text-Erläuterungen nebst dem voll-\nständigen Texte. Leipzig, bei Th. Lissner. 1866. 64 S. Gr. 8."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "101", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660331-01.1.5", "texte": "„Die Königin mit ihren Damen dringt in den Tempel\nein, vom Mohr Monostatos geführt, um die Priester zu\nüberfallen und sie von der Erde zu vertilgen. Wer dächte\nnun bei der Königin der Nacht nicht an die Kaiserin\nMaria Theresia? Bereits am 7. März 1743 hatte die\nKaiserin eine Versammlung der ersten wiener Loge: „ „Zu\nden drei Kanonen\"\" (gestiftet den 17. Sept. 1742), wel-\ncher auch ihr Gemahl Franz I. angehörte, durch mehrere\nHundert Mann Grenadiere und Cuirassiere überfallen und\naufheben lassen. Gegen 18 Freimaurer wurden festge-\nnommen und in Haft gebracht. Dem Verhör wohnten\nder Cardinal und Erzbischof von Wien und der päpstliche\nNuncius bei. Franz I. soll, wie die Sage berichtet, in der\nLoge gegenwärtig gewesen und nur mit Mühe den Ver-\nfolgungen der Soldaten auf einer Hintertreppe entgangen\nsein. Unter den ältesten Bewohnern Wiens hat sich aus\njenen Tagen noch die traditionelle Sage bis heute erhal-\nten: Maria Theresia soll eines Tages, um Gewissheit\nüber diesen Punkt zu erhalten, in Gesellschaft einer ver-\ntrauten Dame in männlicher Kleidung ihrem Gatten in\ndie Versammlung der Loge gefolgt sein, habe aber die-\nselbe alsbald verlassen, als sie Niemanden vom weiblichen\nGeschlecbte daselbst gesehen hätte. Endlich erschien 1764\nim Namen der Kaiserin eine Verordnung, durch welche\ndie Freimaurerei in allen österreichischen Staaten aufge-\nhoben wurde.\n„Werden wir durch die Königin der Nacht an die\nKaiserin Maria Theresia erinnert, so liegt die Deutung des\nMohren Monostatos (d. h. des Alleinstehenden) nicht fern:\nes ist die päpstliche Clerisei und deren Anhang, das\nMönchsthum. [Wahrscheinlich, weil der Mohr schwarz\nist!] Dem Mohren, der seine „„ Wachsamkeit\"\" rühmt,\nvon Paminen aber Liebe verlangt hatte, verordnet Sarastro\n77 Sohlenstreiche. Solche Streiche hatte Born (Sarastro)\nallerdings ausgetheilt in seinem „\nmethodo Linaeano\"\" (Wien, 1783), deutsch unter dem\nTitel „ „Ignaz Loyola Kuttenpeitscher\"\" (München, 1784).\n„Unter dem Prinzen Tamino darf wohl an Joseph 11.\ngedacht werden. War derselbe auch nicht wie sein Vater\nein Mitglied des Bundes, so war er doch von demselben\nerzogen und huldigte denselben Grundsätzen, welche Born\ninnerhalb und ausserhalb der Loge Er war ein\nFreimaurer ohne Schurz; daher gewährte er der Frei-\nmaurerei öffentlichen Schutz in seinen Landen, wovon\nauch das von ihm eigenhändig geschriebene Cabinets-\nschreiben vom 12. December 1785 zeugt, in welchem\ner verfügt, dass alle Landesregierungen den Freimaurern\nvollkommene Freiheit und Schutz zu gewähren hätten.\n„Haben wir in der Königin der Nacht die Kaiserin\nzu erkennen, so ist auch die Deutung für Pamina, die\nTochter der Landesmutter, gefunden: es ist das österrei-\nchische Volk in seinem innersten nnd edelsten Kern, wäh-\nrend Papageno und Papagena dessen harmlos heilere\nund genusssüchtige Seite darstellen. Pamina ist durch\nSarastro und dessen Priester der Leitung der Mutter\nentrissen worden. Defr Aufklärung einer neuen Zeit war\ndas österreichische Volk zugeführt worden, ein sittlich-\nedler und sittlich-freier Geist war eingedrungen.\n„Das österreichische Volk (Pamina) vermählt sich mit\nJoseph 11. (Tamino) und ist trotz des Verbotes der Frei-\nmaurerei bis auf den heutigen Tag noch voll Sehnsucht\nnach den Zeiten, in welchen die Freimaurerei in Oester-\nreich unter Joseph 11. erlaubt und beschützt war.\" (!)\n\nTheater in Köln.\nDie Darstellung der Donna Anna in Mozart's „Don\nJuan\" durch Fräulein Therese Tietjens ist ohne Zwei-\nfel eine der vorzüglichsten in der Reihe der dramatischen\nGestalten, denen die grosse . Künstlerin Leben auf der\nBühne verleiht, denn sie entspricht darin durch ihre Auf-\nfassung eben so dem Charakter der Rolle, als durch den\nGesang den hohen Forderungen, welche Mozart's Musik\nan die Ausführenden macht. Gerade in Beziehung auf\nletzteren, auf den Gesang, besorgen wir keinen Wider-\nspruch, wenn wir unsere Ueberzeugung aussprechen, dass\nsie in der Donna Anna als Sängerin selbst ihre „Norma\"\nund „Valentine\", so trefflich diese auch waren, übertrof-\nfen hat. Denn um so viel schwieriger es an und für sich\nist, Mozart'sche Musik vorzutragen, als die der neueren\nitaliänischen und der Meyerbeer'schen Opern, trotz der\nübermässigen Ansprüche der letzteren an das Material der\nSänger, um so mehr überragte die Ausführung der Partie\nder Donna Anna die früheren Leistungen der Künstlerin\nund erhöhte die Bewunderung für sie. Wir erinnern zur\nRechtfertigung dieses Urtheils nur an ihren Vortrag der\nso genannten Brief-Arie, welcher durch den Schmelz des\nAusdrucks und die vollendete Correctheit und Schönheit\nder Coloratur den Glanzpunkt des Abends bildete und\nalles übertraf, was wir bisher hier von der Künstlerin ge-\nhört haben. Keiner unter den Zuhörern, die das Haus in\nallen Räumen füllten, mochte er nun das Kunstscböne\nbewusst bewundern oder unbewusst dem Reize desselben\nsich hingeben, konnte sich dem Eindrucke eines solchen\nGesanges entziehen, und es war nicht anders möglich, als\ndass stürmischer Applaus und wiederholter Hervorruf der\ngrossen Sängerin einen wirklichen Triumph bereitete.\nDiese Arie, die so oft nur wie eine Einlage, wie eine Con-\ncession an die Sängerin betrachtet wird, trat hier in ihrer"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "102", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660331-01.1.6", "texte": "ganzen Bedeutung hervor als Schlussstein der Charakte-\nristik der Donna Anna, die darin aus vollem Herzen ihre\nLiebe zu Don Ottavio ausspricht, während bisher nur das\nGefühl des Schmerzes, der Trauer und der Rache an dem\nMörder des Vaters sie vorzugsweise beseelten. Wenn sie\nan der Leiche des Vaters den Geliebten zum Schwur, und\nnachher, als sie in Don Juan den Mörder erkannt, zur\nRache aufruft, tritt die Empfindung der Liebe vor jenen\nGefühlen zurück und offenbart sich nur darin, dass sie\nmit dem vollsten Vertrauen ihre heiligsten Interessen in\ndie Hände des Verlobten legt. Sie ist keine Heldin, sie ist\nnur die zürnende und doch zagende Jungfrau, deren rüh-\nrende Erscheinung eben desshalb so sehr fesselt, und was\ndas Bild dieser Erscheinung vervollständigt, ist eben die\nletzte Arie, wenn sie mit solchem Ausdrucke gesungen\nwird, wie wir sie von Fräulein Tietjens gehört haben.\nWenn viele Zuschauer bei der ersten Arie („Du kennst\nden Verräther\"), durch die gewöhnlichen Darstellungen\nverwöhnt, einen mehr heroischen oder gar dämonischen\nCharakter des Vortrages verlangen, so vergessen sie, dass\nin dieser Arie nicht der plötzliche Ausbruch von Leiden-\nschaftlichkeit, sondern der Stolz und die Hoheit der be-\nleidigten Jungfräulichkeit, der sittlichen Entrüstung und\nder Aufforderung zur Rache an dem nun erkannten Frev-\nler Ausdruck geben müssen. Diese allein richtige Auffas-\nsung des Charakters der Donna Anna haben wir in der\nganzen Darstellung derselben durch Fräulein Tietjens nir-\ngends vermisst und stellen sie desshalb sehr hoch.\nDie Vorstellung des Don Juan im Ganzen liess viel\nzu wünschen übrig und bestätigte die oben ausgesprochene\nErfahrung, dass es viel leichter ist, eine Oper wie die Hu-\ngenotten und die Africanerin zu befriedigender Auffüh-\nrung zu bringen, als einen Don Juan oder Figaro. In der\nRolle der Zerline machte eine noch sehr junge Verwandte\ndes Fräuleins Tietjens, Fräulein Auguste Kruls, ihren er-\nsten dramatischen Versuch; sie zeigte Talent zum Theater\nund vereinigt mit einer hübschen Erscheinung eine bereits\nziemlich geschulte Stimme, die aber natürlich noch der\nKräftigung bedarf.\n(Schluss folgt.)\n\nZehntes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn\nFerdinand Hiller.\nSonntag, den 25. März 1866.\nDie Aufführung der grossen Passionsmusik nach dem Evan-\ngelisten Matthäus yon Joh. Seb. Bach war eine hochherrliche\nFeier des Palmsonntag-Abends. Sie hatte eine so zahlreiche Zuhö-\nrerschaft yon nah und fern herbeigezogen, dass die Bäume des Gür-\nzenich so angefüllt waren, wie noch niemals in diesem Winter;\nAlles hörte in wahrhaft kirchlicher Stille und Sammlung zu und\ngab sich dem tiefen Eindrucke einer heiligen Musik, wie sie nicht\nzwei Mal in der ganzen Schöpfung der Tonkunst vorhanden ist,\nhin. Wie diese Passion hoch über allen übrigen Werken des Mei-\nsters steht, denn die Johannes-Passion reicht nicht an ihre Höhe\nhinan, und selbst die i7-mo//-Messe ist ihr zwar an Grossartigkeit\nder musicalischen Ausführung ebenbürtig, nicht aber an Einheit der\nStimmung und Innerlichkeit der gläubigen Empfindung : so ist\nsie auch das grösste und erhabenste Werk in der gesammten Lite-\nratur der Musik aller Zeiten und Länder, und wie es über alle vor-\nher und nachher bis auf unsere Zeit geschaffenen emporragt, so\nbleibt es auch für die Kunst der Gegenwart und der Zukunft uner-\nreichbar, ein Denkmal eines Genius, zu dessen Hoheit wir nur mit\nAndacht und Bewunderung emporblicken, niemals aber daran den-\nken können, auf seinen Spuren zu wandeln.\nDiese Ueberzeugung ist am Palmsonntage wieder einmal im\nvollsten Maasse in uns befestigt worden, allerdings auch dureh die\nausgezeichnete Aufführung, von der wir gewiss nicht zu viel sagen,\nwenn wir sie für eine der besten halten, die wir noch je gehört\nhaben. Denn die drei Factoren der Ausführung: Chor, Sologesang\nund Orchester sammt Orgel, hielten einander die Wage in Klang\nund musicalischem Ausdruck und wirkten unter der Leitung Hil-\nlens, die dessen vortreffliche Auffassung des Werkes vollständig\nzur Geltung brachte, so sicher und von ihrer Aufgabe durchdrungen\nzusammen, dass sie ein künstlerisches Ganzes bildeten, welches der\nGrösse und Erhabenheit der Tonschöpfung, die sie von Neuem ins\nLeben riefen, vollkommen würdig war.\nZunächst gebührt dem Chorpersonale der aufrichtigste Dank,\nden wir um so lieber aussprechen, als die Klangfülle, die Präcision\nund, wir möchten sagen: der frische Muth aller Betheiligten wieder\neinmal die volle Kraft und Tüchtigkeit zeigten, welche die rheini-\nschen Chöre berühmt gemacht haben. Alle Abtheilungen, der erste\nund zweite grosse Chor, der kleinere Chor der Jünger, der Knaben-\nchor, lösten ihre Aufgabe sehr gut; in den Gesammtchören fand die\nmeisterhafte musicalische Schilderung des Fanatismus der Verfolger\nChristi und im Gegensatze dazu die Liebe, Zuversicht und Erge-\nbung seiner Anhänger und der gläubigen christlichen Gemeinde den\nvollen Ausdruck, und so leidenschaftlich und erschreckend die Aus-\nbrüche des Hasses und der Verblendung wiedergegeben wurden, so\nergreifend und inniglich stiegen die milden Klänge des Schmerzes\nüber das Leiden des Heilandes und des Trostes im Glauben an die\nErlösung wie lichte Regenbogen über dunkeln Wolkengrund herauf.\nDie Choräle, von denen manche sowohl vom ganzen, als wie vom\nkleineren Chor ohne Begleitung gesungen wurden, gaben dureh die\nherrliche Harmonie ihrer einfachen Melodieen auf die Frage: „Was\nist Kirchenstil?\" die einzig richtige Antwort: „Nur der Choral.\"\nZu der ,untadelhaften Ausführung der Chöre traten Solostim-\nmen, wie sie nur selten für die Recitative und Arien der Matthäus-\nPassion in so schönem Verein gefunden werden dürften.\nDie Besetzung war folgende: Fräulein Emilie Wagner,\nConcertsängerin aus Karlsruhe, Sopran; Fräulein Francisca\nSchreck, Concertsängerin aus Bonn, Alt; Herr Dr. Gunz vom\nHoftheater in Hannover, Tenor; Herr Karl Hill, Concertsänger\naus Frankfurt am Main, Bass; Herr Michael DuMont aus Köln,\nBass."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "103", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660331-01.1.7", "texte": "Fräulein Emilie Wagner sang zum ersten Male in unseren\nConcerten, und für ein erstes Auftreten vor einem fremden Publi-\ncum gehörte die Ausführung einer Partie von J. S. Bach nicht zu\nden leichten Aufgaben. Um so erfreulicher war es für uns, in ihr\neine Sängerin kennen zu lernen, die, mit einer schönen, egalen und\ngebildeten Stimme ausgestattet, diese Aufgabe mit Verständniss und\nausdrucksvollem Vortrage löste und dadurch einen offenbaren Beruf\nfür die Kunst bekundete. Die Arie in H-moll: „Blute nur, du liebes\nHerz!\" gab sie mit innigem, tief empfundenem, aber dennoch ein-\nfachem, von aller Affectation entferntem Ausdruck wieder; in dem\nrecitativischen Arioso in E-moll: „Wiewohl mein Herz in Thränen\nschwimmt\", und der darauf folgenden Arie in G-dur: „Ich will Dir\nmein Herze schenken\", nahm in jenem die richtige Declamation,\nSn dieser der schmelzende, gebundene Vortrag der Figuren besonders\nfür ihre Auffassung und ihren Vortrag religiöser Musik ein. Das\nPublicum war, wiewohl bei Aufführung der Passion nicht applaudirt\nwird, sichtbarlicli durch die Leistung der Sängerin befriedigt.\nUeber die Ausführung der Alt-Partie durch Fräulein Schreck,\nwas können wir darüber sagen, was jeder Zuhörer, so oft er sie\nhört, bei allen Vorträgen dieser trefflichen Sängerin nicht schon\nmit uns empfunden hätte? Die Natur hat ihr die eigenthümliche\nKünstler-Individualität verliehen, die dazu gehört, die Schöpfungen\nBaclTs und HändeVs, welche den Gesang der Altstimme offenbar\nmit besonderer Vorliebe behandelt haben, in ihrer ganzen Bedeutung\nzu erfassen, und ein ernstes, gediegenes Studium hat diese Natur\ndahin gebracht, sich ganz und gar in den tiefen Sinn jener Töne\nzu versenken und sie von Herz zu Herzen wiederklingen zu lassen.\nNeben der berühmten Arie mit der Solo-Violine: „Erbarme Dich,\nmein Gott!\" war das kleine, aber wunderbar schöne Arioso: „Ach,\nGolgatha!\" die Krone ihrer Leistung am Palmsonntag-Abend.\nDie Herren Gunz und Hill würden den Preisrichtern, wenn\nsie Einem von ihnen die Palme zuerkennen müssten, den Ausspruch\nschwer machen. Wir sind zufrieden, dass man einen solchen Aus-\nspruch nicht von uns verlangt, und freuen uns, die ausserordent-\nlichen Fortschritte, welche beide Sänger seit 1863, wo sie zum er-\nsten Male hier dieselben Partieen sangen, in der Auffassung und\nAusführung der Bach'schen Musik gemacht haben, bekunden zu\nkönnen, da es eben diese Fortschritte sind, welche dem Vortrage\nbeider Künstler eine Vollendung gegeben haben, die eine Preis-Ent-\nscheidung geradezu unmöglich macht. Die Schwierigkeit ist für die\nPartie des „Evangelisten\" grösser, da dieselbe fast bloss aus Reci-\ntativen besteht, welche nur die nothdürftigste harmonische Unterlage\nim Bass haben, während die Worte Christi oft mehr ins melodische\nArioso übergehen und von dem Quartett der Streich-Instrumente\nharmonisch getragen werden. Die Würde und-Hoheit dieser Worte,\nso wie an anderen Stellen der Schmerz und die Entsagung, fanden\ndurch Herrn Hill im Klange der Stimme und im Vortrage den\nwahrhaft entsprechenden und ergreifenden Ausdruck. Dem Evan-\ngelisten liegt die schwere Aufgabe ob, die Einfachheit des erzäh-\nlenden Vortrages mit dem Ausdrucke dessen, was sein eigenes Ge-\nmütli dabei empfindet, zu vereinigen, und dies ist die Klippe, an\nwelcher so manche Sänger dieser Partie scheitern, indem ihr Vor-\ntrag entweder zu trocken oder zu sentimental wird. Herr Gunz hat\nes trefflich verstanden, das innere Gefühl mit dem Tone der einfa-\nchen Erzählung zu verbinden, und liess es nur da, wo der Compo-\nuist es in Tönen ebenfalls ausspricht, vorherrschen, dann aber auch\nin der rührendsten und ergreifendsten Weise, wie in den Stellen:\n„Und Jesus fing an zu trauern und zu zagen\" (Nr. 24) — „und\nbetete und sprach\" (Nr. 27) — „und Petrus ging hinaus und wei-\nnete bitterlich\" (Nr. 46), und in der Arie: „Ich will bei meinem\nJesu wachen\". Die zuletzt angeführte Recitativ-Stelle trug schon in\nder Generalprobe Herr Gunz so schön vor, dass das anwesende Pu-\nblicum sich nicht enthalten konnte, in lebhaften Applaus auszu-\nbrechen. Bei der ganzen Partie kam dem Sänger seine ausgezeich-\nnet frische, der verschiedenen Nuancen und Klangfarben fähige,\nechte Tenorstimme trefflich zu Statten, wobei die Reinheit der In-\ntonation und die Sicherheit der schwierigsten Einsätze oft auf hohen\nTönen, die selbst tüchtige Sänger nur in Verbindung mit der Ton-\nleiter erreichen, zu bewundern war, und auch das noch besonderes\nLob verdient, dass er trotz der Leichtigkeit im Ansätze hoher Töne\nes dennoch verschmähte, damit zu glänzen, sondern jede Accen-\ntuation der richtigen Declamation unterordnete.\nHerr DuMont, der als Dilettant aus Liebe zur Sache die\nkleineren Bass-Soli des Petrus, Judas u. s. w. übernommen hatte,\nbrachte sie mit seiner starken und wohlklingenden Stimme recht\ngut zur Geltung.\nSo hatte sich denn Alles verbunden, um das grösste Werk des\nunsterblichen Meisters mit einem Verein von musicalischen Kräften\nund einem Glänze zu einer Aufführung zu bringen, wie sie ihm nur\nim Geiste vorschwebte, die er aber selbst niemals erlebt hat.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nSiölu« Am 21. März hat Herr Capellmeister Ferd. Hiller\nin seiner dritten und letzten Vorlesung über Geschichte der Musik\nin seiner bekannten geistreichen Weise ein lebendiges und anschau-\nliches Bild der Entwicklung der Tonkunst und namentlich der Oper\nin Italien gegeben, in welchem auf dem allgemeinen kunsthistori-\nschen Hintergrunde besonders die Hauptfiguren eines Scarlatti, Per-\ngolese und der Häupter der neapolitanischen, dann der venetiani-\nschen Schule, des Dichters Metastasio, der ein halbes Jahrhundert\nlang das italiänische Theater durch seine Operntexte beherrschte,\nder bedeutendsten Sänger, z. B. Forinilli's, hervortraten. Hierauf\nging der stets fesselnde und anregende Vortrag auf die ältere fran-\nzösische Oper über, charakterisirte Lulli's und Rameau's lyrisch-\ndramatische Weise, ferner auf die ersten Anfänge der deutschen\nOper, auf Kaiser, Hasse u. s. w., woran der Redner einen begei-\nsterten Blick auf das heroische Zeitalter eines Bach und Händel\nwarf und dann mit Gluck's Auftreten als Reformator der italiäni-\nschen Oper schloss und dessen Erfolge und die Art seines Einflusses\nauf seine Zeitgenossen, namentlich auf Mozart, schilderte. Hoffent-\nlich wird Herr Capellmeister Hiller dem allgemeinen Wunsche einer\nFortsetzung ähnlicher Vorlesungen früher oder später genügen, da\nes ganfc besonders interessant sein würde, eine eben so anschauliche\nDarstellung der Stadien zu erhalten, welche die Entwicklung der\nTonkunst von Mozart bis auf unsere Zeit durchlaufen hat, als sie\nseine Vorträge über die vergangenen Jahrhunderte gegeben haben.\nHerr Capellmeister Hill er ist nach dem Schlüsse der Concert-\nSaison durch die Aufführung der Matthäus-Passion am 26. d. Mts,\nnach Paris gereist. Er hat den Auftrag, für das grosse Gesaugfest\nin Lüttich zur Feier der Thronbesteigung des Königs der Belgier\neine Cantate für Männerstimmen zum Zwecke des Concurses um\nden Prix dexcellence zu componiren, angenommen, so wie die Ein-\nladung vom Comite des diesjährigen mecklenburgischen Musikfestes\nin Güstrow, seine „Hymne an die Nacht\" persönlich zu dirigiren."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "104", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660331-01.1.8", "texte": "Die dreitägigen Prüfungen am Conservatorium haben sehr er-\nfreuliche Resultate geliefert: die Gesangprüfung der Classe der Frau\nMarchesi, in welcher achtzehn Nummern gesungen wurden, zeigte\neinige recht angenehme Stimmen und recht artige Beweise von\nFortschritten.\nDem Vernehmen nach beginnt auf dem diesjährigen niederrhei-\nnischen Masikfeste in Düsseldorf die Aufführung am ersten Fest-\ntage mit Beethoven's Ouvertüre Op. 124 „Die Weihe des Hauses\",\nderselben folgt Händers „Messias\". Die Nummern des Programms\nfür die beiden folgenden Tage sind noch nicht festgesetzt. Dirigent\ndes Ganzen wird Herr Otto Goldschmidt sein, dessen Gemahlin,\nFrau Jenny Lind-Goldschmidt, die Sopran-Soli übernommen\nhat. Fräulein Parepa, welche in den Städten Nordamerica's grosse\nTriumphe gefeiert, und Fräulein von Edelsberg, so wie die\nHerren Stock hausen und Dr. Gunz sind für die übrigen Soli\ngewonnen worden. Auch Frau Clara Schumann hat für das\nKünstler-Concert am dritten Tage ihre Mitwirkung zugesagt.\nBerlin, 25. März. Im Opernhause kamen die Wiederholun-\ngen der „Africanerin\" mit der Vorstellung am 24. März für die\nlaufende Saison zu Ende. Darauf wird Wachtel zum Beschlüsse\nseines Gastspiels in der Charwoche noch in einer Abschieds-Vor-\nstellung auftreten. Für die nächste Saison ist er von Neuem enga-\ngirt; er wird in Folge dessen zu Anfang des September an die kö-\nnigliche Oper zurückkehren. Fräulein Artöt, welche zuletzt in\nden neu einstudirten „Krondiamanten\" sang, wird ebenfalls ihr Gast-\nspiel im Opernhause beschliessen. Dagegen wird Frau Lucca\nnoch bis Mitte April auftreten und unter anderen Rollen auch die\nGilda in Verdi's „Rigoletto\" singen, während der wieder engagirte\nTenorist Herr Adams in dieser Oper die Partie des Herzogs gibt.\nAuch soll im April noch eine neue Oper in Scene gehen, die bisher\ndurch die „Africanerin\" zurückgedrängte „Wanda\" von Doppler,\nworin Frau Harriers-Wippern die Titelrolle singt.\nIn Berlin starb der in früheren Jahren durch die Eigentüm-\nlichkeit seiner Concert-Aufführungen bekannt gewordene Flötist\nH. Ritter, auch „Flöten-Ritter\" genannt. In Königsberg der\nConcertmeister und Violin-Virtuose Johann Rudersdorf, Vater\nder berühmten Sängerin Rudersdorf, 78 Jahre alt.\nFräulein Marie Taglioni, welche die berliner Bühne für im-\nmer verlässt, um sich mit dem Fürsten Windischgrätz zu vermäh-\nlen, wird sich am 14. April in einer Benefiz-Vorstellung von der-\nselben verabschieden.\nHannover» Als nächste Veranlassung des Rücktrittes des\nIntendanten Grafen Platen wird angegeben, dass der Schauspieler\nSontag, dem wegen Uebertretung der Theatergesetze von der In-\ntendanz Geldstrafen zuerkannt waren, sich dieserhalb an den König\nwandte und derselbe die Aufhebung jener Strafe verfügte, worauf\nGraf Platen seine Entlassung einreichen zu müssen glaubte. Ueber\nseinen Nachfolger verlautet nichts Bestimmtes. Der Graf ist der\nBruder des hannoverschen Ministers des Auswärtigen.\nDie Theaterfrage in Breslau ist entschieden. Herrn Rieger,\neinem in hiesigen Kunstkreisen sehr geachteten Manne, wurde die\nConcession verliehen.\nWien« Sonntag den 18. März kam in der k. k. Hofkirche\nzu St. Michael die berühmte Messe Papae Marcelli von Palestrina\nunter Leitung des Herrn Chor-Directors Krenn zur Aufführung.\n* Arillieim, 27. März. Die Aufführung des Messias von\nHändel durch die hiesige Abtheilung der Gesellschaft zur Beför-\nderung der Tonkunst war allerdings ein Wagestück, es ist aber im\nVerhältnisse der hiesigen Kräfte ganz befriedigend gelungen. Chor\nund Orchester, namentlich der erstere, leisteten das Mögliche und\nHessen nichts zu wünschen übrig. Die Alt- und die Bass-Partie im\nSologesänge wurden von hiesigen Dilettanten, Frau M. und Herrn\nDekker vortrefflich ausgeführt, die Sopran-Soli sang Fräulein\nJulie Rothenberger aus Köln, die Tenor-Partie Herr Karl\nSchneider aus Rotterdam. Die genannte vortreffliche Concertsän-\ngerin, die eine liebliche, hinreissende Stimme mit künstlerischer\nAusbildung verbindet, schien uns für den Vortrag Händel'scher Mu-\nsik wie geschaffen, und die Arien: „Er weidet seine Heerde\", „Die\nSchmach bricht ihm sein Herz\" und die folgenden Nummern, dann\n„Ich weiss, dass mein Erlöser lebt\", drangen allen Zuhörern tief\nins Herz. Herr Schneider bewährte seinen grossen Ruf als Ora-\ntoriensänger vollkommen.\nParis« Gounod hat seine Oper „Romeo und Julie\" beendigt\nund ist schon wieder mit einer neuen Oper, Text von\nfür das Theater der komischen Oper beschäftigt.\nPetersburg. Halevy's „Jüdin\" mit russischem Texte macht\nauf dem Theater der National-Oper volle Häuser. Am 12. und\n13. Januar fand die öffentliche Prüfung der Zöglinge des Conserva-\ntoriums Statt; Rubinstein, Wieniawski, Davidoff und Dreyschock\nführten ihre Schüler zu grosser Befriedigung der kaiserlichen Com-\nmission und der glänzenden Versammlung vor."}]}