{"numero_id": "bm-bmtnabi-1866-04-07-01", "volume": "bmtnabi_1866-04-07_01", "ocr_sha256": "abe994ad7bcd035b3d96caf896edeba8dc4aca36b88c9e90ef0ed109f60f693e", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1866/04/07_01/bmtnabi_1866-04-07_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660407-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1866-04-07-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-04-07_01#c001", "volume": "bmtnabi_1866-04-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "105", "page_fin": "105", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660407-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "105", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660407-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 434, "texte": "Inhalt.\nFerdinand Hiller als Lieder-Componist. Pariser Brief (Schluss). Von B. P. Theater in Köln (Gastspiel von Fräu-\nlein Therese Tietjens auf dem Stadttheater. Schluss Fräulein Langlois). Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, öffentliche\nVersammlung der Sing-Akademie Aachen, Bach's Passions-Musik Barmen, Händel's „Messias\", Mozart's Bequiem Bielefeld, Be-\nnefiz-Concert, Musikverein Stuttgart, Verein für classische Kirchenmusik)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-04-07-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-04-07_01#c002", "volume": "bmtnabi_1866-04-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "105", "page_fin": "108", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660407-01.2.2", "titre_corps": "Ferdinand Hiller als Lieder-Componist.", "titre_sommaire": "Ferdinand Hiller als Lieder-Componist.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "105", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660407-01.1.1", "debut_caractere": 436, "fin_caractere_exclue": 4086, "texte": "Ferdinand Hiller als Lieder-Componist.\nUnter den bereits weit über hundert hinausgehenden\nTonwerken Hiller's befindet sich bekanntlich eine grosse\nAnzahl von Liedern und Liedersammlungen; allein keine\nist so umfangreich und gibt in ihrem Bereiche ein so voll-\nständiges Bild von dem Componisten in dieser Gattung,\nals die „Drei Bücher neuer Gesänge\" für eine Stimme\nmit Begleitung des Pianoforte, Op. 100*). Ferner ist die-\nses Werk ohne Widmung an eine Person und nicht unter\ndem leitenden Einflüsse irgend eines besonderen Zweckes\nerschienen. Desshalb haben wir Ursache, in ihm einen\nreinen Ausfluss des inneren Schöpfungsdranges zu sehen.\nDas sind zwei Gründe, welche uns bestimmen, diesen\n47 Gesängen einen besonderen Werth beizulegen und\ndarauf noch einmal zurückzukommen, wiewohl sie bereits\nvor drei Jahren erschienen sind.\nVon der grossen Anzahl der Lieder ist eine jede ein-\nzelne Nummer so positiven musicalischen Gehaltes, so\nscharf ausgeprägter, poetischer Plastik, dass wir nicht zu\nirren fürchten, wenn wir annehmen, dass wir hier eine\nAuswahl vor uns liegen haben, die im Laufe der Jahre\nentstanden ist. Wenn man erwägt, dass in derselben Zeit\nWerke wie der „Saul\", „Die Hymne an die Nacht\" und\n„Die Katakomben\" entstanden, wie zahlreich die Geschäfte\nvon Hiller's vielfach combinirter Stellung in Köln sowohl\nals die Beziehungen nach aussen sind, so muss man mit\nuns über die Fruchtbarkeit und Arbeitskraft des Compo-\nnisten staunen. Der eben erwähnte Umstand veranlasst\nuns aber um so mehr, dem Werke eine ausnahmsweise\nBedeutung zu geben und es nicht nur wie ein einfaches\nOpus zu besprechen, sondern es zur Grundlage für eine\nCharakterisirung Hiller's als Lieder-Componisten uns die-\nnen zu lassen. Dass die anderen Lieder von ihm darum\nnicht unterschätzt oder als unwesentlich angesehen wer-\nden, ist selbstverständlich. Diese Betrachtung soll dadurch,\ndass sie diese Gesänge hervorhebt, nicht die anderen ver-\ndunkeln, sondern nur aus ihnen Hiller's lyrische Muse\ndarzustellen suchen. Gelingt ihr das, so kann sie vielleicht\nsogar zur richtigen Würdigung der anderen noch neben-\nher von Nutzen sein.\nBei der Aufgabe, die wir uns stellen, Hiller als Lie-\nder-Componisten zu charakterisiren, muss der Leser es\nsich schon gefallen lassen, mit uns ein wenig weiter aus-\nzuholen.\nDas Lied geniesst aus zwei Ursachen der allgemein-\nsten Pflege. Zuerst, weil es die einfachste und gleichzeitig\nam häufigsten vorkommende Art der Lyrik darstellt; dann,\nweil in ihm das Vorstellungs- und das Gefühls-Vermögen\ngleichzeitig in klarster und überschaulichster Weise an-\ngeregt werden. Jeder Moment des Empfindungslebens\nkann zum Liede werden, und die umgebende Wirklich-\nkeit (im poetischen Liede), wie das erregte subjective Füh-\nlen (im musicalischen) sind die nahe liegenden Factoren\ndesselben.\nDiese allgemeine Pflege bedingt eine sehr grosse Ver-\nschiedenheit der Kunst-Species in sich, welche zu mannig-\nfachen Eintheilungen geführt hat. Von diesen sind dieje-\nnigen, welche das Ethische zum Ausgangspunkte nehmen,\ndie einzig stichhaltigen, die anderen bei denen nicht\nselten die „musicalische Politik\" die Feder führen muss\nverwerflich.\nVom rein künstlerischen Standpunkte steht das Lied\nam höchsten, in dem sein Begriff im weitesten und tief-\nsten Sinne wiedergegeben erscheint. Bleibt das Lied immer\nnur gleichsam das Lichtbild eines Augenblicks, und in so\nfern in der Wahl des Vorwurfs äusserst beschränkt, so\nnimmt es dagegen je nach der Beschaffenheit desselben\nin seiner Ausführung eine grössere oder geringere Aus-\n\n*) Stuttgart, Cotta'scher Verlag. 1862 und 1863. Drei\nHefte gr. Fol., zu 1 Thlr. jedes. Vgl. Jahrg. 1862, Nr. 26."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660407-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5454, "texte": "dehnung an und wird dem gemäss eine sehr verschiedene\nMannigfaltigkeit der Kunstmittel in Anwendung zu brin-\ngen haben. Eben so wie der Dichter zur Erhöhung der\nEindringlichkeit seiner Gefühlschilderung alle Mittel des\nVorstellungs-Vermögens natürlich mit Maass und Ur-\ntheil benutzen darf, so hat der Componist im Reiche\nder Töne die Formen aufzusuchen, welche dazu dienen\nkönnen, dem Gefühle die weiteste Anregung zu geben.\nDa die Wirkungsfähigkeit der Musik sehr beschränkt er-\nscheint, wenn sie nur eine Melodie geben darf, so ist das\nCiavier ein fast unentbehrlich zu nennender Begleiter, wo\nes gilt, den Ansprüchen, welche an die musicalische Wie-\ndergabe der einfachsten, geschweige denn der zusammen-\ngesetzten Lieder gestellt werden, vollständig nachzukommen.\nDie Stimme kann nur eine Melodie für sich allein\nwiedergeben und muss auf alle Wirkungen verzichten, die\nharmonischer und polyphoner Natur sind. Vieles im Liede\nist aber nur durch solche musicalisch zu illustriren und\nauszudrücken. Darum spielt die Begleitung dabei eine so\ngrosse Rolle. Nehmen wir z. B. Nr. 1 des dritten Buches,\ndas bekannte Geibel'sche „Spielmanns Lied\". Dort singt\nein wandernder Spielmann seine Herzensweise: „Ich habe\ndich lieb\" u. s. w., wo sein Fuss ihn hinträgt, unter den\nVögeln, im Haidenwinde, in Stadt und Dorf. Mägde, Jä-\nger, Fischer, alle singen's ihm nach, ein Jeder nach seiner\nArt. Soll die Musik darauf verzichten, diesen Reichthum,\nder Phantasie entströmt zur Freude des Lauschenden,\nignoriren, ja, dadurch zur Armuth entstellen, dass sie\ndarüber hinweggeht, als wäre er gar nicht vorhanden?\nGewiss nicht! Dazu ist das Pianoforte ein willkommener\nBegleiter, nur geschieht ihm zuweilen durch die beschei-\ndene Bezeichnung „mit Begleitung\" Unrecht; denn es\nmuss in der Mehrzahl der Lieder eine gewichtigere Rolle,\nals die des blossen Begleiters, ausfüllen. Es muss, wie ge-\nsagt, durch harmonische und polyphone Wirkungen das\nmusicalische Lied erst vollständig machen, was denn nicht\nausschliesst, dass es, wo das genügt, nur begleitend und\nunterstützend, die Intentionen des Gesanges stärker aus-\nprägend dieses besonders in dynamischer und rhythmi-\nscher Hinsicht —, dem Gesänge beigesellt wird.\nWer dem Gesagten beistimmt, der wird uns auch\nnicht widersprechen, wenn wir die Aufgabe, ein gutes\nLied zu schreiben, die so häufig als eine leichte angesehen\nwird, und deren Lösung fast jeder junge Componist im\nBeginne seiner Carrikre zu versuchen und vor die Oeffent-\nlichkeit bringen zu können meint, als eine in den meisten\nFällen sogar sehr schwierige ansehen. Erfordert sie auch\nnicht den musicalischen Ueberblick, den Sinn für die Aus-\nfüllung und durchgängig harmonische Belebung der gros-\nsen Musikformen, so werden doch nur Meister sich mit\nGlück derselben unterziehen, denen eine reiche Erfin-\ndungskraft zu Gebote steht und die neben dem feinen\n„poetischen\" Sinne, der unerlässlich ist, über einen mög-\nlichst grossen Schatz von Erfahrungen aller Wirkungen\nder Stimme und des Pianoforte zu verfügen haben.\nBevor wir die Lieder einzeln berühren, um das flüch-\ntig anzuführen, was uns nach dem Allgemeinen, wozu\nuns dieses seinem quantitativen und qualitativen Inhalte\nnach einzig dastehende Lieder-Opus anregt, besonders\nanspricht, sei ein Versuch gemacht, Hiller's Muse, wie sie\nuns aus den Gesängen entgegenspricht, zu charakterisiren.\nWollten wir mit einem Schlagworte beginnen und\nein solches aufstellen, wie von Mendelssohn's in den Salon\nverpflanztem und veredeltem Volksgesange, von Schubert's\nquellenden Melodieen, von Schumann's origineller Leiden-\nschaftlichkeit und Romantik, von Franz' (ausßach's Musik-\ntiefe in das declamirte Lied übertragener) Macht der Po-\nlyphonie abgelauschter Wirkungen gesprochen werden\nkann, so spricht aus Hiller's Liedern der urbane Geist\neines Genius, der mit vollständiger, freier Disposition über\nalle in Betracht kommenden Mittel der Kunst eine Vollen-\ndung der Meisterschaft vereint, welche nicht nur nirgend\neinen Mangel oder etwa eine weniger bevorzugte Stelle\nerkennen lässt, sondern stets dadurch überrascht, dass die\ngewählte Auffassung sowohl wie deren Durchführung auf\ndas evidenteste des Liedes tiefsten Sinn erfassen und auf\ndas Gebiet der Musik übertragen.\nGehen wir näher darauf ein, ihn als Lieder-Compo-\nnisten zu charakterisiren, so müssen wir von seiner Be-\nhandlung des Gesanges und des Pianoforte gesondert spre-\nchen, fügen aber zuvor ein, dass freilich das Ensemble\nder beiden es gerade ist, welches Bewunderung erregt,\nindem eben deren Verwebung in dem Bau des Ganzen\nsowohl als in dem Gefüge der Details von einer so ho-\nhen, sich gegenseitig bedingenden Vollendung ist, dass\nwir so recht die specielle Begabung Hiller's für diese\nGattung daraus erkennen.\nIn der Behandlung des Gesanges kommt neben dem\nMusicalischen das Poetische in Betracht. Das Letztere ist\nzwar nicht das Werk des Componisten, doch wird er sich\ndurch die getroffene Wahl kennzeichnen und die konnte\nin dem Dichterhain unserer Zeit nicht besser sein; denn\nsie hat nur von dem Besten genommen. Sein alleiniges\nWerk ist dagegen die Uebertragung der poetischen Form\nin das Musicalische. Eben so leicht, wie die grosse Schar\nder Lieder-Componisten es damit nimmt, wobei dann die\nSchönheiten der Poetik und Prosodik verloren gehen, so\ngewissenhaft und glücklich ist Hiller hierin. Mit einer Mei-\nsterschaft sonder Gleichen weiss er den Rhythmus, das ist\nbekannt, zu handhaben, und die Kunst, Melodieen in alle"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660407-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5394, "texte": "Formen zu schmelzen, kann fast in jedem einzelnen Liede\naufs Neue bewundert werden. Was aber die Melodieen\nHiller's als rein musicalische auszeichnet, das ist die Schön-\nheit der Linien, welche sie beschreiben. Da hat jede Spitze\nihre richtige Stelle und die ihr gebührende Höhe; kein\nAnfang ist plump und bombastisch, hohl oder affectirt,\nniemals im Abschlüsse trivial und ungenial, die Ueber-\ngänge sind mit einer Sicherheit der künstlerischen Inten-\ntion gemacht, die genau weiss, was sie will, und darum\nauch erreicht, was sie beabsichtigt; und die Bewegung in\nden Intervallen durch Herbeiziehung von chromatischen,\ndiatonischen, ja, ferner liegenden Hülfsnoten ist einerseits\ngeschmeidiger und weicher, andererseits reicher und in-\nteressanter gestaltet. Eine Originalität der Art, wie sie\nmanches Special-Genie besitzt, das man bei der ersten\nNote herauserkennt, wie den äusserlichen Menschen an\nseinem Gange, weist Hiller nicht auf; allein im Laufe der\nComposition dürfte er schwerlich unerkannt bleiben. Die\nMeisterschaft, die sich in dem Angeführten und dem, was\nwir nicht anführten und sich nicht in Worte bringen\nlässt, ausspricht, lässt ihn nicht verborgen bleiben. Wir\nmöchten, von diesen Liedern ausgehend, Hiller's Stellung\nzur Jetztzeit mit der Mozart's zu der damaligen vergleichen.\nWer die Melodieen Cimarosa's, Paesiello's, des Spaniers\nMartin, deren hell aufflackernde Lichter Mozart's Stern\nnur zu oft zu verdunkeln im Stande waren, mit denen des\nunvergänglichen Amadeus vergleicht, der kann ihnen häufig\neine an Ebenbürtigkeit streifende Aehnlichkeit nicht ab-\nläugnen; allein wie ärmlich erscheinen uns seine Rivalen\nim Verlaufe der Composition, wo es nicht nur gilt, sich auf\nder Höhe zu erhalten, sondern den angeregten und glei-\ncher Zeit schon mit dem Gegebenen erfüllten Kunstsinn\ndurch fortwährende Steigerung des inneren Gehaltes und\nder äusseren Wirkungen zu fesseln—im Vergleiche zu dem\nKönige der Musiker! Auch über die Anmuth der Melodie-\nZeichnung und über Anderes wäre manches treffende\nWort noch beizubringen; wir wollen den Leser jedoch\nnicht ermüden.\nAuch die Behandlung des Pianoforteist in zweifacliem\nSinne zu schätzen: nach dem Werthe, welchen dessen An-\ntheil für sich in Anspruch nimmt, und nach der Kunst,\nmit der er sich dem Gesänge anschliesst. Er ist, je nach-\ndem der Vorwurf im oben angeführten Sinne auf ihn hin-\nweist, ein verschiedener, in den Liedern besonders selbstän-\ndig zu schätzender, wo dieses in hohem Grade der Fall\nist. Die Verschmelzung der beiden Klang-Media ist aber\neine so vollkommene, dass auch in der zweiten Beziehung\nder Begleitung eine Anerkennung gezollt werden kann,\ndie so vielen anderen Liedern grosser Meister versagt blei-\nben muss. Sei es, dass das Ciavier ganz untergeordnet ist,\nsei es, dass es dem Gesänge gegenübertritt, dass es ihm\ndie Fortspinnung des musicalischen Gedankens überlässt,\ndass es scheinbar achtlos seinen Weg für sich geht: im-\nmer fühlen wir das Walten der höchsten Macht des Ge-\nnius heraus.\nWir wollen nun die einzelnen Nummern dieses im\nGanzen gegen 140 Seiten zählenden Werkes eine kurze\nMusterung passiren lassen und das, was noch neben dem be-\nreits allgemein Erörterten zu bemerken geblieben, oder\nim Anschlüsse daran zu erwähnen ist, niederschreiben.\nWem eine so eingehende Betrachtung von einfachen Lie-\ndern zu lang erscheinen dürfte, dem möchten wir entgeg-\nnen, dass er das Lied nicht unterschätzen möge, und dass\ndie Aufmerksamkeit, welche den kleinsten Sammlungen\ngeschenkt wird, einem so grossen Sammelwerke, wenn es\nnicht mit der Absicht, zu verblenden, nur der äusseren\nGrösse halber, aus flüchtig concipirten, mittelmässigen\nArbeiten zusammengestellt wurde wie solches in neue-\nster Zeit mehrfach der Fall gewesen —, sondern durch-\nweg Gediegenes darbietet, in höherem Maasse zusteht.\nZur Erleichterung der Orientirung und der Bequem-\nlichkeit des Vergleiches mit dem Werke, das wir in den\nHänden aller gebildeten Liederfreunde zu erblicken\nwünschten, folgen wir den Nummern der Zahl nach. Vor-\nher nur noch eine Zusammenstellung der Dichternamen\nmit der Anzahl der von ihnen gewählten Lieder. Es sind\nvon J. Sturm 2, von Geibel 11, Pfau 4, Rückert 2,\nUhland 2, Roquette 1, Dreves 2, Reinick 1, Lingg 1,\nHartmann 3 (eines davon nach Petöfi), Möricke 1, Lenau\n1, Böttger 1, Müller von Königswinter 2, eines aus den\nsiebenziger Jahren und 12 aus dem spanischen Lieder-\nbuche in den Uebersetzungen von Geibel und Heyse.\nNr. 1, das oben analysirte „Lied\", ist gleich ein Bei-\nspiel für die Kunst, mit der Hiller die Melodie nach den\nBedürfnissen des Textes umzuschmieden versteht, ohne die\nConstruction zu verderben und die Stimmung zu verlieren.\nNr. 2, „Die Verlassene\", entrollt ein Bild der Ver-\nzweiflung, wie sie im Contraste mit der Umgebung grell\nhervortritt und im Hinblicke auf die gleich der Treue\nverloren gegangene Liebe ihr höchstes Maass erreicht, das\ndurch die reichsten Ausdrucksmittel wiedergegeben wird.\nDie Wirkung hängt vom richtigen Vortrage ab, beson-\nders am Schlüsse, wo Durchgangsnoten von Hülfsnoten\ndem Ohr unterscheidbar gegeben und die Bewegung rich-\ntig gezeichnet werden muss.\nNr. 3, „Nachtbalsam\", gibt eine Melodie in acht\nTacten, die mit wenigen nothwendigen Aenderungen die\nvier Verse begleitet, von einer Tiefe der Empfindungen\nund einer sich gleich tief einprägenden Sicherheit der\nZeichnung, wie sie nur grossen Meistern gelingt. Die\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660407-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3939, "texte": "Begleitung stattet den seelischen Gehalt mit echter Cla-\nvierpracht aus.\nNr. 4, »Der Frühling sprach zu mir\", ein in musi-\ncalisch-metrischer Beziehung in 3/8-, 2/s-Tact geschriebe-\nnes Lied, ist von feinster Grazie erfüllt, wenn Sänger und\nSpieler im richtigen Zeitmaasse das Tactische zur Wir-\nkung bringen.\nIn Nr. 5, „Der Ungenannten\", ist die Dankbarkeit\ndes aus der Liebe schöpfenden Dichterherzens wahr ge-\ntroffen. Der Schlussist hier, wie häufig, mit grossem Ge-\nschick so erfunden, dass dem Ciavier noch etwas zu sagen\nbleibt, was der Dichtermund nicht in Worten, sondern\nnur dem in Tönen sprechenden Gefühle zu ahnen gegeben.\nDer eingeschobene 6/i6-Tact in Nr. 6, „Neuer Früh-\nling\", ist ein Beleg für Hiller's feines Gefühl für den kür-\nzesten Moment, das kleinste Glied seiner Melodieen. Dass\nes nur nicht zu langsam genommen werde! Tact 6 gibt\nin dem eingestrichenen geine kleine Finesse, eine Modu-\nlation nach der Unter-Dominante, welche das eingestrichene\ngis des folgenden Tactes gleich wieder verläugnet.\nEin zartes, süsses Ständchen ist Nr. 7. Auch hier der\nSchluss, wie bei Nr. 5. Hier ist es, als verstummte der zit-\nternde Mund und müsste die über dem leidenschaftlichen\nHerzen schwebende Muse das letzte Wort bringen.\nNr. 8, „Lauf der Welt\", behandelt das Walten der\nreinen Sinnlichkeit in keuscher Anmuth. Ihr Schmelz und\nZauber spricht aus der Begleitung vor dem Schlüsse zu\nuns; der Gesang bleibt zart und unbefangen, wie er sein\nmuss und so selten ist!\nEin Moment der tiefsten, über das Leben hinausstre-\nbenden Stimmung, nicht so weich, aber grossartiger noch\nwie Goethe's „Ueber allen Wipfeln\" ist das „Nachtlied\"\nNr. 9, in musicalischer Hinsicht reich an mystischen und\nerhabenen Harmoniefolgen.\nIn dem Zwiegespräch der Mutter mit ihrem unglück-\nlich liebenden Kinde, Nr. 10, wie in anderen Nummern\nvermeidet Hiller, den Abschluss des Verses, der im poeti-\nschen Liede nur einen prosodischen Einschnitt darstellt,\nin der Musik mehr sein zu lassen, auf eben so einfache\nals wirkungsvolle Weise, indem er ihn auf die Dominante\nführt. Es gewinnt dadurch der Anfang des folgenden Ver-\nses an Frische und es bleibt dem Lied-Ende die abschlies-\nsende Wirkung der Tonica. Die Wahl der Quinte, des\nGrund-Accords zur Schlussnote der Melodie die Worte\nlauten: „Meine Treue, die hält ihn (den Sturm) aus\"—-\ngibt dem Ausspruche für die musicalische Empfindung\nGeltung bis in die fernste Zukunft.\nAnspruchslose, in sich selbst genügsame, Glück genug\nfindende Liebe hat einen entsprechenden Ausdruck in\nNr. 11 gefunden. Wie wahr die Wirkung des so klar\ngezeichneten Schlusses der Stimmen und der Synkopen\nim Ciavier dahinter!\nGeibel's „Kornblumen\", Nr. 12, haben in der Musik\neine Illustration gefunden, so lieblich und elastisch, dass\nwir Pausias sein Blumenmädchen schmücken zu sehen\nr\nmeinten.\nNr. 13 nimmt nach den reichen, der Phantasie in\ndem Gesänge und der Stimme fesselnden Stoff bietenden\nBearbeitungen der vorhergehenden Verse in dem letzten\nzu den Worten: „Vergiss, o Menschenseele, nicht, dass\ndu Flügel hast\", einen gewaltigen, polyhymnischen Auf-\nschwung. Drei Mal schwingt sich vermittels chromatischer\nZwischenstufen der Gesang immer mächtiger empor.\nAuch das „Gute Nacht\", welches hier folgt, sieht da-\nvon ab, der Bequemlichkeit des musicalischen Gedächtnis-\nses zu Liebe dieselbe Melodie strophisch wiederholen zu\nlassen und dem Gesangs-Vortrage mit der Begleitung das\nWeitere zu überlassen, sondern es sind die Verse interes-\nsant und zutreffend, doch immer so variirt, wie es das\nhöchste Gesetz der Kunst vorschreibt. Hier ist der Pol,\ndem der melodische Strom zustrebt, natürlich das „gute\nNacht\", das wiederum nur beim letzten Verse vollständig\nabschliesst.\nDie letzte Nummer des ersten Buches ist ein Bild\nübergrossen Glückes, doch weniger in dithyrambisch-stro-\nphischer Ausströmung des Jubels, als in fast episch zu\nnennender breiter Schilderung des Empfundenen und des\nErlebten.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-04-07-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-04-07_01#c003", "volume": "bmtnabi_1866-04-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "108", "page_fin": "110", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660407-01.2.3", "titre_corps": "Pariser Brief.", "titre_sommaire": "Pariser Brief.", "signature_source": "B. P", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660407-01.1.4", "debut_caractere": 3941, "fin_caractere_exclue": 4828, "texte": "Pariser Brief.\n\n(Schluss. S. Nr. 13.)\n%\nDie Concertzeit ist in den letzten Jahren in der\nRegel erst im Februar und März in ihrer vollsten Blüthe:\nihre Strömung schwillt dann zum Erschrecken an und\ntreibt auf hoher Flut neben den Orchester-Instituten Ein-\nzel-Concerte fremder Virtuosen und in Paris wohnender\npatentirter Künstler, Soireen und Matineen für Kammer-\nmusik u. s. w. in dichtem Gedränge vorüber. Dass die\nKunst dabei gewinnt, wenigstens die Kunst der Ausfüh-\nrung und Virtuosität, wollen wir nicht in Abrede stellen;\nsicher ist aber, dass die Künstler nichts dabei gewinnen.\nWer ihre Einnahme nach den gefüllten Sälen beurtheilen\nwollte, würde sehr fehl schiessen, denn die Hälfte der Zu-\nhörer sind steuerfreie Künstler, Journalisten und gute\nFreunde der Concertgeber.\nIn den letzten Jahren sind selbst die Aufführungen\nin den Kirchen nicht zurückgeblieben; wir haben diesen"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660407-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5503, "texte": "Winter neben Messen von Cherubini vier bis sechs Messen\nvon hier lebenden Componisten gehört, da die Kirche noch\ndas einzige Gebiet ist, das sich nicht, wie die Opernthea-\nter, den zeitgenössischen jüngeren Tonsetzern, welche sich\nin grösseren Werken versuchen, verschliesst. Im Allge-\nmeinen gehören diese Componisten von Kirchenstücken\nhier zu denjenigen Musikern, die für die Kunst um der\nKunst willen arbeiten, und in so fern verdienen sie alle\nAchtung, wenn auch ihre Namen durch das Cultiviren\neiner so ernsten Musik-Gattung selten zur Geltung in der\nhiesigen Musikwelt kommen. Einen der tüchtigsten unter\nihnen, Charles Manry, hat der Tod zu Anfang dieses\nJahres dahingerafft; als Dilettant, der ursprünglich dem\nAdvocatenstande angehörte, begann er musicalische Stu-\ndien, deren Erfolg sein Talent durch künstlerische Ausbil-\ndung erhob, so dass er, durch glückliche äussere Verhält-\nnisse in unabhängiger Lage, sich ganz der Tonkunst wid-\nmete und namentlich in der Composition von Messen und\nanderen geistlichen Gesängen sich auszeichnete. Sein bestes\nWerk ist eine grosse dreistimmige Messe für Soli, Chor\nund Orchester, welche zuerst 1860 und seitdem noch\nmehrere Male aufgeführt worden ist.\nVon den grossen Concert-Instituten haben die Con-\nservatoire-Concerte und die C von Pas-\ndeloup ihre Aufführungen wie in den vorigen Jahren fort-\ngesetzt, beide mit wachsendem Zudrang, so dass die Ge-\nsellschaft der ersteren, um den zahllosen Aspiranten zu\ndem privilegirten Kreise der haute volee der Musikkenner\ndenn für einen solchen gilt jeder Abonnent Zutritt\nzu verschaffen, eine zweite Reihe von Concerten eröffnet\nhat. Ihre Programme ändert diese Gesellschaft bekanntlich\nwenig oder gar nicht, woran sie meiner Meinung nach\nRecht thut; denn sie constituirt sich dadurch als die eigent-\nliche Vertreterin wirklich classischer Musik, und dass solch\nein Institut für Paris nothwendig ist, dürfte wohl von Nie-\nmandem geläugnet werden. Sobald dasselbe aber auch\nmit der Musik neuer und neuester Schule an zu experi-\nmentiren fängt, so ist es mit dem Einflüsse der Autorität\nauf den Geschmack vorbei. Trotzdem wagt freilich, dieses\nGrundsatzes ungeachtet, auch diese Gesellschaft nicht, stets\nin den aufzuführenden Werken ein Ganzes zu bringen,\nwas doch das erste Erforderniss einer classiscben Richtung\nist; und wenn auch die Sinfonieen meistens ganz gegeben\nwerden, so kommen doch auch selbst von diesen zuweilen\nnur Fragmente vor, und an Aufführung vollständiger Vo-\ncalwerke ist vollends nicht zu denken.\nIn dieselben Fussstapfen muss auch Pasdeloup treten,\nwenn er sein Publicum dauernd fesseln und vergrössern\nwill, nur dass er dann und wann Werke der neueren\ndeutschen Meister, wie z. B. von Schumann, bringt, und\nzuletzt sogar von Wagner, z. B. die Tannbäuser-Ouver-\nture und das Vorspiel zu Lohengrin, letzteres ohne allen\nErfolg. Das Fragmentarische wagt er aber auch nicht,\nvon seinen Programmen auszuschliessen: wir finden auf\nihnen z. B. Andante und Intermezzo aus der Suite von\nFranz Lachner (das Andante liess kalt, das Intermezzo er-\nregte stürmischen Beifall), Adagio und Menuett aus dem\nQuintett Op. 34 von Weber (von der Clarinette solo und\nsämmtlichen Saiten-Instrumenten vorgetragen!), Adagio\nund Scherzo aus der Sinfonie „Ocean\" von A. Rubinstein,\nMendelssohn's Canzonetta aus dem Violin-Quartett Op.\n112 (von sämmtlichen Geigern) u. s. w. Ich darf aber nicht\nvergessen, zu erwähnen, dass Pasdeloup in einem der letz-\nten Concerte die zweite Suite von F. Lachner ganz\nbrachte und damit einen grossen Erfolg erzielte.\nIm Laufe des Winters hat sich noch ein grosser Or-\nchester-Verein gebildet, die Societe philharmonique; sie\nist erst gegen Ende der Saison öffentlich aufgetreten und\nhat noch drei Concerte im Cirque de l'lmperatrice, eben-\nfalls Sonntags um 2 Uhr, wie das Conservatoire und Pasde-\nloup, gegeben. Ihre Einrichtung beruht auf dem Princip der\nAssociation: Mitglied des Orchesters wird man durch Stim-\nmenmehrheit der General-Versammlung, von der Einnahme\nwerden zuerst die Mitwirkenden und die allgemeinen Ko-\nsten bezahlt, der Ueberschuss getheilt. Dirigenten sind ein\nHerr Placet, ein tüchtiger Theater-Orchester-Chef, für die\nInstrumental-, Herr Armand Cheve für die Vocal-Partie,\ndenn ein Chor soll stets mitwirken. Das Eröffnungs-Pro-\ngramm brachte Beethoven's C-moll-Sinfonie, Weber's Obe-\nron-Ouverture, einen Chor von Bortnianski, den Marsch\nmit Chor aus dem Tannhäuser. Berlioz und mehrere mu-\nsicalische Notabilitäten waren unter den Zuhörern.\nAusserdem spricht man von einer vierten Unterneh-\nmung, bei welcher das Orchester der grossen Oper unter\nGeorge Hainl's Direction engagirt sein würde, um an\nopernfreien Tagen Abend-Concerte zu geben, und zwar in\neinem Saale, den ein reicher Musikfreund zu diesem Zwecke\nin der Nähe des neuen Opernhauses erbauen lässt. Die\nSache verhält sich wirklich so, wird aber natürlich erst\nim nächsten Winter ins Leben treten. Jedenfalls sind alle\ndiese Concert-Gesellschaften, welche der bisher fast einzig\nvorhandenen des Conserva,toires Concurrenz machen, von\nunzweifelhafter Wirksamkeit auf den Sinn für Musik als\nsolche, nicht bloss als Substrat der virtuosen Ausführung,\ndenn diese galt bisher fast allein etwas in Paris; dadurch\naber, dass Tausende jetzt grosse Orchesterwerke hören\nkönnen, was sonst nur der musicalischen Aristokratie ver-\ngönnt war, wird den Musikfreunden ein Gebiet erschlos-\nsen, das der grösseren Zahl von ihnen bisher unzugänglich\nwar. Der zahlreiche Besuch und der steigende Erfolg der"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660407-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4372, "texte": "neuen Concert-Vereine beweist, dass die gebildete Menge\ndas Bedürfniss eines höheren musicalischen Genusses, als\nderjenige ist, den das glänzende Solospiel bieten kann,\nfühlt, und wie sehr das Gefühl für diesen Genuss bereits\nerstarkt ist, zeigt nicht bloss die Freude des Publicums an\nHaydn und Beethoven, sondern auch die Aufnahme von\nWerken wie die Sinfonieen von Mendelssohn, die zweite\nSuite von Lachner, ja, theilweise selbst einiger sinfonischen\nSätze von Schumann Musik, die noch vor zehn bis zwan-\nzig Jahren den Parisern ein Gräuel gewesen wäre. Nehmen\nwir hinzu, dass es vor Allem die Werke deutscher Meister\nsind, welche diesen Umschwung veranlasst haben, so kön-\nnen wir hoffen, dass mit der Zeit der Geist, der in unseren\nOrchesterwerken lebt und webt, den Geschmack der Fran-\nzosen auch für grosse Vocalwerke und Oratorienmusik\nempfänglich machen werde. Damit ist nicht gesagt, dass\nes nicht auch jetzt noch Stimmen gebe, welche die\nallemandeals Verderberin des feinen betrachten\nund den Untergang des französischen Kunstsinnes eben so\nvorhersagen, wie vor dreissig bis vierzig Jahren von litera-\nrischen Autoritäten der Untergang der Poesie den Fran-\nzosen geweissagt wurde, sobald sie beginnen würden, die\nUngeheuer [les monstres)Shakespeare und Schiller zu be-\nwundern. *\nNeben den grösseren Concert-Instituten florirt die\nKammermusik, deren Markt wirklich überfüllt war. Da\nwetteiferten die Vereine von Gouffe, Lamoureux, Alfred\nHolmes, Armingaud, Maurin, Paul Bernard u. s. w., und\nin fünf sehr besuchten Sitzungen die Gebrüder Müller in\nVerbindung mit Frau Szarvady-Clauss.\nDie Gebrüder Müller haben namentlich in den beiden\nersten Sitzungen ausserordentlichen Erfolg gehabt; Zu-\nsammenspiel, Ton und Vortrag wurden über alles bisher\nGehörte erhoben, „ils etaient\nraison\" y wie sich die Gazette ausdrückte; sie traf\ndamit den wirklichen Eindruck, den das Quartett der deut-\nschen Künstler machte. Sie traten auf mit: Quartett in\nD-dur, Op. 20 Nr. 4, von Haydn, Quartett von F. Schu-\nbert mit den Variationen im Andante, das einen Sturm von\nApplaus erregte, und dem Trio in von Beethoven,\nin welchem Frau Szarvady die Clavier-Partie spielte. Die\nzweite Sitzung brachte ein Quartett von Dittersdorf mit\nallerliebstem Finale, Beethoven's Trio-Variationen über\n„Ich bin der Schneider Kakadu\", Violin-Quartett in\nvon Schumann, Clavier-Quartett in H-moll von Mendels-\nsohn. Das Schumannsche Quartett wollte im Ganzen nicht\nrecht packen, Einzelnes, wie die zweite Variation im zwei-\nten Satze, wurde ausgezeichnet. Noch weniger behagte den\nParisern ein Quartett von J. Raff, Op. 77; dagegen wurde\ndas Clavier-Trio in D,Op. 70, und die Violin-Quartette\nOp. 59 und 127 von Beethoven mit allgemeinem Beifalle\naufgenommen. Ein Quartett von F. Hiller und ein anderes\nvon Damcke hatten einen sueces d'estime. Die Kritik der\nletzten Aufführungen sprach sich über das öftere Ritar-\ndando und Accelerando aus; wiewohl sie darin eine aller-\ndings schöne Eigentümlichkeit des Vortrages der deut-\nschen Künstler anerkannte, so fand sie doch dasselbe zu\nhäufig angewandt. Von hier sind die Gebrüder Müller nach\nBasel gegangen: ihre letzte Sitzung fand am 15. März\nStatt; in derselben spielten sie mit Frau Szarvady das Quin-\ntett von Schumann in Es,welches gewaltig durchschlug,\nund Bruchstücke aus Violin-Quartetten von Haydn (un-\nnachahmlich schön die Variationen auf „Gott erhalte Franz\nden Kaiser), Schubert und Rubinstein [Andante con sordini).\nTrotz allen den genannten und manchen von mir nicht\nerwähnten Matineen und Soireen gab es doch in dieser\nSaison noch eine so grosse Menge von Privat- Concerten\neinzelner Virtuosen, wie sie seit Jahren nicht mehr da wa-\nren; da sie dieses Mal die alte Erfahrung noch einmal ge-\nmacht haben, dass dabei nichts zu gewinnen, als eine Er-\nwähnung ihres Namens in Paris auf Anschlagzetteln und\nin Zeitungen, wohl aber Geld zu verlieren ist, so wird das\nvielleicht für die Zukunft abschrecken. Die\nzette musicale veröffentlicht seit Januar jede Woche eine\nUebersicht der angekündigten Concerte; sie ergibt z. B.\nim Februar für die erste Woche 8, für die zweite 10,\nfür die dritte 15, für die vierte 14; für die erste im März\n15, für die zweite 14 u. s. w. Dabei sind nur die Sitzun-\ngen der oben genannten Quartett-Vereine und die Pri-\nvat-Concerte gerechnet; die abonnirten Orchester-Concerte\nsind nicht darin begriffen.\n\nB. P."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-04-07-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-04-07_01#c004", "volume": "bmtnabi_1866-04-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "110", "page_fin": "112", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660407-01.2.4", "titre_corps": "Theater in Köln.", "titre_sommaire": "Theater in Köln.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660407-01.1.6", "debut_caractere": 4374, "fin_caractere_exclue": 5182, "texte": "Theater in Köln.\n(Schluss. S. Nr. 13.)\nDie letzte Märzwoche hat noch Beethoven'» „Fidelio\"\nund Gounod's „Faust\" gebracht mit Fräulein Tietjens\nals Leonore und Margarethe; dazwischen Verdi's „Trova-\ntore\", in welchem ebenfalls ein Gast, Fräulein Langlois\nvom Hoftheater zu Wiesbaden, die Leonore sang. Wir\nsind in der Kritik den Vergleichungen nicht hold, denn sie\nverschieben den Standpunkt, von welchem aus man der\nIndividualität des Künstlers Rechnung tragen muss. Trotz-\ndem wird es immer interessant bleiben, die Leistungen\ngrosser Künstler in bedeutenden Rollen neben einander\nzu stellen, nur sollte man sie nicht nach dem Maassstabe\nmessen, den man von einem Ideal hernimmt, da der Künst-\nler dem Kritiker gegenüber doch am Ende eben so be-\nrechtigt ist, die absolute Gültigkeit jenes Ideals zu bezwei-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660407-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5647, "texte": "fein, wie der Beurtheiler sich für befugt hält, die Leistung\ndes Künstlers danach allein zu würdigen. Natürlich kann\nsich dies nur auf die Auffassung der Rolle beziehen; auf\ndie technische Ausführung nur in so weit, als diese aus\njener fliesst und durch sie motivirt wird. Ohne dass es uns\nalso einfällt, über die Rolle des Fidelio und der Marga-\nrethe eine dramaturgische Abhandlung zu schreiben, kön-\nnen und wollen wir uns doch der Erinnerung nicht ver-\nschliessen, welche die Darstellung derselben durch Fräulein\nTietjens an die beiden anderen deutschen Künstlerinnen\nhervorruft, die in unseren Tagen einen grossen Theil ihres\nRufes denselben verdanken, Louise Dustmann in Wien als\nLeonore und Pauline Lucca in Berlin als Margarethe.\nWir haben hier in Köln, wo die Darstellungen des\nFidelio durch die beiden Künstlerinnen schnell auf einan-\nder folgten, von den Einen diese, von den Anderen jene\nvorzugsweise rühmen hören: in der Auffassung der Rolle,\nnamentlich im ersten Acte, suchte Fräulein Tietjens weni-\nger das Weibliche des Charakters zu verbergen, als Frau\nDustmann, welche den männlichen Muth, wo nur Gelegen-\nheit dazu war, namentlich im Spiel, mehr betonte. Trotz-\ndem waren diejenigen Stellen, bei denen im Gesänge\ndas Herz des liebenden Weibes sprach, z. B. in dem piw\nsostenuto und dem ganzen Adagio der grossen Arie, so wie\nim Terzett des zweiten Actes im Kerker, von innigerem\nund mehr sympathischen Ausdruck bei ihr, als bei Fräu-\nlein Tietjens, wogegen diese sich in ihrer ganzen Grösse\nin der entscheidenden Kerkerscene zeigte, wo sie, unter-\nstützt von ihrer körperlichen Erscheinung und der pracht-\nvollen Stimme, die über das Toben des Orchesters und die\ndrei Männerstimmen siegreich empor strahlte, allerdings\neine Steigerung gegen alles Frühere hervorbrachte, die\neine ausserordentliche Wirkung machte, zumal da die ein-\nmal zum Ausbruche gekommene leidenschaftliche Aufre-\ngung sie auch im Duett mit Florestan nicht verliess, wo-\nbei wir ihr freilich einen mehr ebenbürtigen Partner ge-\nwünscht hätten. Kurz, beide Künstlerinnen sind Deutsch-\nlands Ehre, und die gegenwärtige Generation muss ihnen\nvor Allem auch desshalb huldigen, dass sie ihren Ruhm\nmehr darein setzen, Beethoven's Werk zu verherrlichen,\nals sich selbst*).\nWas die Margarethe in Gounod's „Faust\" betrifft, so\nhat uns Fräulein Tietjens in dieser Rolle dermaassen be-\nfriedigt, dass weder das Gretchen der Patti, noch das Gret-\nchen der Lucca, trotz allem Talent und aller Liebenswür-\ndigkeit dieser beiden Persönlichkeiten, einen Vergleich mit\nihrer Margarethe aushält. Wir gestehen offen, dass sie uns\ndurch diese Leistung überrascht hat, und wir möchten ihr\nfast grollen, dass sie an einigen Stellen der Norma, der\nValentine und der Leonore nicht denselben süssen Schmelz\nder Stimme, denselben sympathischen Ausdruck hingeben-\nden Gefühls, denselben wunderbar und doch so zart\nschwingenden Ton angewandt hat, der hier auch noch in\ndem leisesten Hauche entzückte. Dass sie die vollkommenste\nHerrschaft über diesen Ton besitzt, hat sie im „Faust\"\nbewiesen. Hatte aber vielleicht erst jetzt ihre Stimme die,\nwenn auch unbedeutenden, Nachwehen einer angestreng-\nten Reise von Schottland nach dem Rheine ganz überwun-\nden? Und mit welcher Anmuth spielte und sang sie die\nSchmuck-Scene ohne alle Ziererei und mit technischer\nVollkommenheit, und zu welch einer erschütternden Grösse\nerhob sie sich, wie eine schon halb Verklärte, in der\nSchlussscene des Drama's! Diese Margarethe, zusammen-\ngestellt mit ihrer Donna Anna und ihrem Fidelio, charak-\nterisirt in Fräulein Tietjens die grosse dramatische Sän-\ngerin, d. h. die Künstlerin, welche es in der Gewalt hat,\nihrem Gesänge die verschiedensten Gestalten und Situatio-\nnen eines Drama's anzupassen.\nZwischen den Aufführungen des „Fidelio\" und „Faust\"\nhatten Verdi's „Troubadour\" und Fräulein Langlois aus\nWiesbaden einen schweren Stand: um so mehr muss diese\nSängerin die Aufnahme befriedigen, die sie bei dem hiesi-\ngen Publicum fand, denn sie wurde schon nach ihrer er-\nsten Arie sehr applaudirt und bei offener Scene gerufen.\nSie ist im Besitze einer schönen, kräftigen Stimme, welcher\nes, zumal wenn sie nicht forcirt wird, auch nicht an Wohl-\nlaut gebricht. Dabei hat die Künstlerin eine sehr schätzens-\nwerthe Coloratur-Fertigkeit, was selten bei so vollen Stim-\nmen der Fall ist; wir erinnern uns mit Vergnügen der\nErfolge, die sie in eigentlichen Coloratur-Partieen in Kas-\nsel und im vorigen Sommer in Wiesbaden erzielt hat, und\nhaben uns gefreut, sie bei uns wieder zu hören. Herr\nSchelper, zu dessen Benefiz die Oper gegeben wurde, war\nals Graf Luna vortrefflich, wurde vom Publicum, dessen\n\n*) Wenn in einer überhaupt albernen Correspondenz von Köln\naus in dem londoner Musical World die „gemüthlichen\" (sie) Deut-\nschen belächelt werden, dass sie Fräulein Tietjens als ihnen ange-\nhörig preisen, „da doch die Engländer dieselbe erst entdeckt und\nermuthigt hätten\", so verweisen wir den Correspondenten, der, wie\nes scheint, sich erst seit Kurzem hier niedergelassen hat, auf das, was\nvor zehn Jahren in der Kölnischen Zeitung, 1856, im Mai, und in die-\nsen Blättern über die treffliche Sängerin gesagt ist. Auch ist die Be-\nhauptung desselben Correspondenten, dass in der „Norma\" das köl-\nner Orchester „ausser Rand und Band\" gewesen sei, eine grobe Un-\nWahrheit, und es ist sehr plump, auf Kosten eines Orchesters, wie\ndas hiesige, welches die Musik einer Bellini'schen Oper auch im\nSchlafe immer noch präcis spielen würde, eine Künstlerin erheben\nzu wollen, die der Folie einer „miserabeln\" Aufführung, wie der\nbesagte Correspondent sich ausdrückt, wahrlich nicht bedarf, um\nzu glänzen."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660407-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 132, "texte": "Gunst er mit Recht besitzt, mit Applaus empfangen und\nim Laufe der Vorstellung mehrmals gerufen, eben so\nFräulein Jäger als Azucena."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-04-07-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-04-07_01#c005", "volume": "bmtnabi_1866-04-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "112", "page_fin": "112", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660407-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660407-01.1.8", "debut_caractere": 134, "fin_caractere_exclue": 5390, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\n** Kolli* Am 27. März hielt die Sing-Akademie unter\nLeitung ihres Dirigenten. Herrn Musik-Directors Weber, eine öf-\nfentliche Versammlung im grossen Saale des Casino. Aufgeführt\nwurden das Stabat mater von Rossini, Tenebrae factae sunt von\nMich. Haydn, „Du Hirte Israels\" von Bortnianski und der\ndritte Theil des „Weltgerichts\" von F. Schneider. Der Chor\nzählte über hundert, in den vier Stimmen ziemlich gleich vertheilte\nMitglieder und zeichnete sich durch Klangfrische, Intonation und\nPräcision aus; auch die zwei Nummern a capella von Rossini und\nBortnianski wurden rein und sicher gesungen. Die Solostimmen wur-\nden im Stabat von den Damen Elise Rempel und Jenny Nie-\nthen, deren Arien und Duett vorzüglich gut aufgeführt wurden,\nund den Herren A. Pütz und Mich. DuMont gesungen. Die\nQuartette wurden sehr gut vorgetragen. Im „Weltgerichte\" bildeten\nFräulein Simons, ein sehr angenehmer Sopran, und Fräulein\nHo ecke, mit starker, wohlklingender Altstimme, und die Herren\nGreven und Peltzer das Quartett, Herr Merbeck hatte die\nPartie des „Satan\" übernommen. Auszuzeichnen war das Maria-\nQuartett (Fräulein Rempel und Hoecke, Herren Greven und Peltzer).\nDie ganze Aufführung gab ein sehr erfreuliches Zeugniss von der\nKunstliebe und dem Eifer der Vereins-Mitglieder und der bekannten\ntüchtigen Direction Franz Weber's, des berühmten Dirigenten des\nkölner Männer-Gesangvereins.\nAachen, 29. März. Die Aachener Zeitung schreibt: „Ueber\ndie gestrige Aufführung der Bach'schen Passions-Musik im grossen\nCurhaussaale wollen wir an dieser Stelle nur notiren, dass sie einen\nwahrhaft glänzenden Abschluss unserer diesjährigen Abonnements-\nConcerte bildete. Wurden die Solo-Partieen grossentheils in ganz\nausgezeichneter Weise ausgeführt, so müssen wir ein Gleiches von\nunserem wackeren Chor berichten, welcher einen Eifer und eine\nHingebung an den Tag legte, welche ihm selbst sowohl, wie den\nBemühungen des hochgeschätzten Dirigenten, Herrn Capellmeisters\nBreunung, zur höchsten Ehre anzurechnen sind.\"\nBarmen, 28. März. Gestern Abend wurde im Concordiasaale\nunter der Direction des Herrn Anton Krause eine Auswahl von\nSologesängen und Chören aus Händel's „Messias\" und das Be-\nquiem von Mozart vollständig und zu grosser Befriedigung der\nzahlreichen Zuhörerschaft aufgeführt. Solisten waren Fräulein Julie\nRothenberger aus Köln, Francisca Schreck aus Bonn, die\nHerren Göbbels aus Aachen und Behr aus Köln.\nBielefeld. Am 25. Februar fand das Benefiz-Concert\ndes Musik-Directors Hahn vor einem bis auf den letzten Platz ge-\nfüllten Auditorium Statt, das sich beeiferte, demselben seine Aner-\nkennung auszusprechen. Besonderes Interesse erregte als Novität\nHiller's „Christnacht\" (Dichtung von Platen) für Soli (Mezzo-\nsopran und Tenor), Chor und Ciavier in allen ihren Nummern. Die\nbeiden Doppelchöre, die eben so populär gehalten, als mit grosser\nKunst hingeworfen sind, sowohl als die eingestreuten Solostellen,\nnamentlich die zweite Arie des Engels der Verkündigung, weisen\ndem kleinen Chorwerke einen ehrenvollen Platz unter den Werken\nan, die sich wohl eignen zu combinirten Programmen. Die Lieder-\ntafel trug einige Lieder vor. Von den Solo-Vorträgen interessirte\nam meisten die Sonate von Mozart und eine Phantasie von Thalberg\nfür zwei Flügel, von Herrn Hahn mit seiner Gattin vorgetra-\ngen. Besonders entzückte jene das Publicum und steigerte sich der\nBeifall von Satz zu Satz. Am 9. März gab Fräulein Marie\nCrüvell, Schwester der berühmten Sophie Cruvelli, unter Mitwir-\nkung des Musikvereins und des Orchesters ein Concert, das in An-\nbetracht der Verdienste, welche die Geschwister Crüvell um das\nMusikleben hier haben, grossen Anklang fand und der Sängerin\nallerseits die lebhafteste Theilnahme erwarb. Palmsonntag gab\nder Musikverein Beethoven's C-dur-Messe mit der k. Hof-Opern-\nsängerin Fräulein Reg an und Herrn Pirk aus Hannover für Sopran\nund Tenor, während der Alt durch Frau K., eine vortreffliche Di-\nlettantin, und der Bass durch Herrn M., einen sehr tüchtigen Bas-\nsisten, ausgeführt wurde. Es bekundete diese Aufführung einen be-\ndeutenden Fortschritt für das Ensemble der Solo-Quartett-, Chor-\nund Orchester-Wirkung. Es herrschte in dem Ganzen eine Präcision,\nReinheit der Intonation und Klarheit des Vortrags, die bei dieser\nso äusserst wirkungsvollen Composition von ergreifender Kraft war.\nDas Publicum war denn auch so hingerissen, dass es trotz alter\nSitte, die das Klatschen in dieser Zeit untersagt, am Schlüsse zu\nlautem Beifall überging. In Fräulein Regan lernten wir hierbei eine\nSängerin (Schülerin der Ünger-Sabatier aus Florenz) kennen, die\nsich, was Lieblichkeit der Stimme, Methode und Geschmack anlangt,\nHerrn Pirk, den wir bereits mehrere Male hier zu hören Gelegenheit\nhatten, würdig an die Seite stellt.\nStuttgart« Die Aufführung des Vereins für classische Kir-\nchenmusik, unter Mitwirkung von Frau Bennewitz, Fräulein Mar-\nschalk, Herrn Hauser und Herrn Wallenreiter, so wie der k. Hof-\ncapelle und der Herren Tod und Reichardt, den 30. März 1866,\nAbends, in der Stiftskirche, brachte in der ersten Abtheilung die\nPassions-Cantate (Stabat mater) von Emanuel d'Astorga, in der zwei-\nten die letzten zwölf Nummern aus der Passionsmusik nach dem\nEvangelium Johannis von Job. Seb. Bach."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "105", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660407-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nFerdinand Hiller als Lieder-Componist. Pariser Brief (Schluss). Von B. P. Theater in Köln (Gastspiel von Fräu-\nlein Therese Tietjens auf dem Stadttheater. Schluss Fräulein Langlois). Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, öffentliche\nVersammlung der Sing-Akademie Aachen, Bach's Passions-Musik Barmen, Händel's „Messias\", Mozart's Bequiem Bielefeld, Be-\nnefiz-Concert, Musikverein Stuttgart, Verein für classische Kirchenmusik).\n\nFerdinand Hiller als Lieder-Componist.\nUnter den bereits weit über hundert hinausgehenden\nTonwerken Hiller's befindet sich bekanntlich eine grosse\nAnzahl von Liedern und Liedersammlungen; allein keine\nist so umfangreich und gibt in ihrem Bereiche ein so voll-\nständiges Bild von dem Componisten in dieser Gattung,\nals die „Drei Bücher neuer Gesänge\" für eine Stimme\nmit Begleitung des Pianoforte, Op. 100*). Ferner ist die-\nses Werk ohne Widmung an eine Person und nicht unter\ndem leitenden Einflüsse irgend eines besonderen Zweckes\nerschienen. Desshalb haben wir Ursache, in ihm einen\nreinen Ausfluss des inneren Schöpfungsdranges zu sehen.\nDas sind zwei Gründe, welche uns bestimmen, diesen\n47 Gesängen einen besonderen Werth beizulegen und\ndarauf noch einmal zurückzukommen, wiewohl sie bereits\nvor drei Jahren erschienen sind.\nVon der grossen Anzahl der Lieder ist eine jede ein-\nzelne Nummer so positiven musicalischen Gehaltes, so\nscharf ausgeprägter, poetischer Plastik, dass wir nicht zu\nirren fürchten, wenn wir annehmen, dass wir hier eine\nAuswahl vor uns liegen haben, die im Laufe der Jahre\nentstanden ist. Wenn man erwägt, dass in derselben Zeit\nWerke wie der „Saul\", „Die Hymne an die Nacht\" und\n„Die Katakomben\" entstanden, wie zahlreich die Geschäfte\nvon Hiller's vielfach combinirter Stellung in Köln sowohl\nals die Beziehungen nach aussen sind, so muss man mit\nuns über die Fruchtbarkeit und Arbeitskraft des Compo-\nnisten staunen. Der eben erwähnte Umstand veranlasst\nuns aber um so mehr, dem Werke eine ausnahmsweise\nBedeutung zu geben und es nicht nur wie ein einfaches\nOpus zu besprechen, sondern es zur Grundlage für eine\nCharakterisirung Hiller's als Lieder-Componisten uns die-\nnen zu lassen. Dass die anderen Lieder von ihm darum\nnicht unterschätzt oder als unwesentlich angesehen wer-\nden, ist selbstverständlich. Diese Betrachtung soll dadurch,\ndass sie diese Gesänge hervorhebt, nicht die anderen ver-\ndunkeln, sondern nur aus ihnen Hiller's lyrische Muse\ndarzustellen suchen. Gelingt ihr das, so kann sie vielleicht\nsogar zur richtigen Würdigung der anderen noch neben-\nher von Nutzen sein.\nBei der Aufgabe, die wir uns stellen, Hiller als Lie-\nder-Componisten zu charakterisiren, muss der Leser es\nsich schon gefallen lassen, mit uns ein wenig weiter aus-\nzuholen.\nDas Lied geniesst aus zwei Ursachen der allgemein-\nsten Pflege. Zuerst, weil es die einfachste und gleichzeitig\nam häufigsten vorkommende Art der Lyrik darstellt; dann,\nweil in ihm das Vorstellungs- und das Gefühls-Vermögen\ngleichzeitig in klarster und überschaulichster Weise an-\ngeregt werden. Jeder Moment des Empfindungslebens\nkann zum Liede werden, und die umgebende Wirklich-\nkeit (im poetischen Liede), wie das erregte subjective Füh-\nlen (im musicalischen) sind die nahe liegenden Factoren\ndesselben.\nDiese allgemeine Pflege bedingt eine sehr grosse Ver-\nschiedenheit der Kunst-Species in sich, welche zu mannig-\nfachen Eintheilungen geführt hat. Von diesen sind dieje-\nnigen, welche das Ethische zum Ausgangspunkte nehmen,\ndie einzig stichhaltigen, die anderen bei denen nicht\nselten die „musicalische Politik\" die Feder führen muss\nverwerflich.\nVom rein künstlerischen Standpunkte steht das Lied\nam höchsten, in dem sein Begriff im weitesten und tief-\nsten Sinne wiedergegeben erscheint. Bleibt das Lied immer\nnur gleichsam das Lichtbild eines Augenblicks, und in so\nfern in der Wahl des Vorwurfs äusserst beschränkt, so\nnimmt es dagegen je nach der Beschaffenheit desselben\nin seiner Ausführung eine grössere oder geringere Aus-\n\n*) Stuttgart, Cotta'scher Verlag. 1862 und 1863. Drei\nHefte gr. Fol., zu 1 Thlr. jedes. Vgl. Jahrg. 1862, Nr. 26."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660407-01.1.2", "texte": "dehnung an und wird dem gemäss eine sehr verschiedene\nMannigfaltigkeit der Kunstmittel in Anwendung zu brin-\ngen haben. Eben so wie der Dichter zur Erhöhung der\nEindringlichkeit seiner Gefühlschilderung alle Mittel des\nVorstellungs-Vermögens natürlich mit Maass und Ur-\ntheil benutzen darf, so hat der Componist im Reiche\nder Töne die Formen aufzusuchen, welche dazu dienen\nkönnen, dem Gefühle die weiteste Anregung zu geben.\nDa die Wirkungsfähigkeit der Musik sehr beschränkt er-\nscheint, wenn sie nur eine Melodie geben darf, so ist das\nCiavier ein fast unentbehrlich zu nennender Begleiter, wo\nes gilt, den Ansprüchen, welche an die musicalische Wie-\ndergabe der einfachsten, geschweige denn der zusammen-\ngesetzten Lieder gestellt werden, vollständig nachzukommen.\nDie Stimme kann nur eine Melodie für sich allein\nwiedergeben und muss auf alle Wirkungen verzichten, die\nharmonischer und polyphoner Natur sind. Vieles im Liede\nist aber nur durch solche musicalisch zu illustriren und\nauszudrücken. Darum spielt die Begleitung dabei eine so\ngrosse Rolle. Nehmen wir z. B. Nr. 1 des dritten Buches,\ndas bekannte Geibel'sche „Spielmanns Lied\". Dort singt\nein wandernder Spielmann seine Herzensweise: „Ich habe\ndich lieb\" u. s. w., wo sein Fuss ihn hinträgt, unter den\nVögeln, im Haidenwinde, in Stadt und Dorf. Mägde, Jä-\nger, Fischer, alle singen's ihm nach, ein Jeder nach seiner\nArt. Soll die Musik darauf verzichten, diesen Reichthum,\nder Phantasie entströmt zur Freude des Lauschenden,\nignoriren, ja, dadurch zur Armuth entstellen, dass sie\ndarüber hinweggeht, als wäre er gar nicht vorhanden?\nGewiss nicht! Dazu ist das Pianoforte ein willkommener\nBegleiter, nur geschieht ihm zuweilen durch die beschei-\ndene Bezeichnung „mit Begleitung\" Unrecht; denn es\nmuss in der Mehrzahl der Lieder eine gewichtigere Rolle,\nals die des blossen Begleiters, ausfüllen. Es muss, wie ge-\nsagt, durch harmonische und polyphone Wirkungen das\nmusicalische Lied erst vollständig machen, was denn nicht\nausschliesst, dass es, wo das genügt, nur begleitend und\nunterstützend, die Intentionen des Gesanges stärker aus-\nprägend dieses besonders in dynamischer und rhythmi-\nscher Hinsicht —, dem Gesänge beigesellt wird.\nWer dem Gesagten beistimmt, der wird uns auch\nnicht widersprechen, wenn wir die Aufgabe, ein gutes\nLied zu schreiben, die so häufig als eine leichte angesehen\nwird, und deren Lösung fast jeder junge Componist im\nBeginne seiner Carrikre zu versuchen und vor die Oeffent-\nlichkeit bringen zu können meint, als eine in den meisten\nFällen sogar sehr schwierige ansehen. Erfordert sie auch\nnicht den musicalischen Ueberblick, den Sinn für die Aus-\nfüllung und durchgängig harmonische Belebung der gros-\nsen Musikformen, so werden doch nur Meister sich mit\nGlück derselben unterziehen, denen eine reiche Erfin-\ndungskraft zu Gebote steht und die neben dem feinen\n„poetischen\" Sinne, der unerlässlich ist, über einen mög-\nlichst grossen Schatz von Erfahrungen aller Wirkungen\nder Stimme und des Pianoforte zu verfügen haben.\nBevor wir die Lieder einzeln berühren, um das flüch-\ntig anzuführen, was uns nach dem Allgemeinen, wozu\nuns dieses seinem quantitativen und qualitativen Inhalte\nnach einzig dastehende Lieder-Opus anregt, besonders\nanspricht, sei ein Versuch gemacht, Hiller's Muse, wie sie\nuns aus den Gesängen entgegenspricht, zu charakterisiren.\nWollten wir mit einem Schlagworte beginnen und\nein solches aufstellen, wie von Mendelssohn's in den Salon\nverpflanztem und veredeltem Volksgesange, von Schubert's\nquellenden Melodieen, von Schumann's origineller Leiden-\nschaftlichkeit und Romantik, von Franz' (ausßach's Musik-\ntiefe in das declamirte Lied übertragener) Macht der Po-\nlyphonie abgelauschter Wirkungen gesprochen werden\nkann, so spricht aus Hiller's Liedern der urbane Geist\neines Genius, der mit vollständiger, freier Disposition über\nalle in Betracht kommenden Mittel der Kunst eine Vollen-\ndung der Meisterschaft vereint, welche nicht nur nirgend\neinen Mangel oder etwa eine weniger bevorzugte Stelle\nerkennen lässt, sondern stets dadurch überrascht, dass die\ngewählte Auffassung sowohl wie deren Durchführung auf\ndas evidenteste des Liedes tiefsten Sinn erfassen und auf\ndas Gebiet der Musik übertragen.\nGehen wir näher darauf ein, ihn als Lieder-Compo-\nnisten zu charakterisiren, so müssen wir von seiner Be-\nhandlung des Gesanges und des Pianoforte gesondert spre-\nchen, fügen aber zuvor ein, dass freilich das Ensemble\nder beiden es gerade ist, welches Bewunderung erregt,\nindem eben deren Verwebung in dem Bau des Ganzen\nsowohl als in dem Gefüge der Details von einer so ho-\nhen, sich gegenseitig bedingenden Vollendung ist, dass\nwir so recht die specielle Begabung Hiller's für diese\nGattung daraus erkennen.\nIn der Behandlung des Gesanges kommt neben dem\nMusicalischen das Poetische in Betracht. Das Letztere ist\nzwar nicht das Werk des Componisten, doch wird er sich\ndurch die getroffene Wahl kennzeichnen und die konnte\nin dem Dichterhain unserer Zeit nicht besser sein; denn\nsie hat nur von dem Besten genommen. Sein alleiniges\nWerk ist dagegen die Uebertragung der poetischen Form\nin das Musicalische. Eben so leicht, wie die grosse Schar\nder Lieder-Componisten es damit nimmt, wobei dann die\nSchönheiten der Poetik und Prosodik verloren gehen, so\ngewissenhaft und glücklich ist Hiller hierin. Mit einer Mei-\nsterschaft sonder Gleichen weiss er den Rhythmus, das ist\nbekannt, zu handhaben, und die Kunst, Melodieen in alle"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660407-01.1.3", "texte": "Formen zu schmelzen, kann fast in jedem einzelnen Liede\naufs Neue bewundert werden. Was aber die Melodieen\nHiller's als rein musicalische auszeichnet, das ist die Schön-\nheit der Linien, welche sie beschreiben. Da hat jede Spitze\nihre richtige Stelle und die ihr gebührende Höhe; kein\nAnfang ist plump und bombastisch, hohl oder affectirt,\nniemals im Abschlüsse trivial und ungenial, die Ueber-\ngänge sind mit einer Sicherheit der künstlerischen Inten-\ntion gemacht, die genau weiss, was sie will, und darum\nauch erreicht, was sie beabsichtigt; und die Bewegung in\nden Intervallen durch Herbeiziehung von chromatischen,\ndiatonischen, ja, ferner liegenden Hülfsnoten ist einerseits\ngeschmeidiger und weicher, andererseits reicher und in-\nteressanter gestaltet. Eine Originalität der Art, wie sie\nmanches Special-Genie besitzt, das man bei der ersten\nNote herauserkennt, wie den äusserlichen Menschen an\nseinem Gange, weist Hiller nicht auf; allein im Laufe der\nComposition dürfte er schwerlich unerkannt bleiben. Die\nMeisterschaft, die sich in dem Angeführten und dem, was\nwir nicht anführten und sich nicht in Worte bringen\nlässt, ausspricht, lässt ihn nicht verborgen bleiben. Wir\nmöchten, von diesen Liedern ausgehend, Hiller's Stellung\nzur Jetztzeit mit der Mozart's zu der damaligen vergleichen.\nWer die Melodieen Cimarosa's, Paesiello's, des Spaniers\nMartin, deren hell aufflackernde Lichter Mozart's Stern\nnur zu oft zu verdunkeln im Stande waren, mit denen des\nunvergänglichen Amadeus vergleicht, der kann ihnen häufig\neine an Ebenbürtigkeit streifende Aehnlichkeit nicht ab-\nläugnen; allein wie ärmlich erscheinen uns seine Rivalen\nim Verlaufe der Composition, wo es nicht nur gilt, sich auf\nder Höhe zu erhalten, sondern den angeregten und glei-\ncher Zeit schon mit dem Gegebenen erfüllten Kunstsinn\ndurch fortwährende Steigerung des inneren Gehaltes und\nder äusseren Wirkungen zu fesseln—im Vergleiche zu dem\nKönige der Musiker! Auch über die Anmuth der Melodie-\nZeichnung und über Anderes wäre manches treffende\nWort noch beizubringen; wir wollen den Leser jedoch\nnicht ermüden.\nAuch die Behandlung des Pianoforteist in zweifacliem\nSinne zu schätzen: nach dem Werthe, welchen dessen An-\ntheil für sich in Anspruch nimmt, und nach der Kunst,\nmit der er sich dem Gesänge anschliesst. Er ist, je nach-\ndem der Vorwurf im oben angeführten Sinne auf ihn hin-\nweist, ein verschiedener, in den Liedern besonders selbstän-\ndig zu schätzender, wo dieses in hohem Grade der Fall\nist. Die Verschmelzung der beiden Klang-Media ist aber\neine so vollkommene, dass auch in der zweiten Beziehung\nder Begleitung eine Anerkennung gezollt werden kann,\ndie so vielen anderen Liedern grosser Meister versagt blei-\nben muss. Sei es, dass das Ciavier ganz untergeordnet ist,\nsei es, dass es dem Gesänge gegenübertritt, dass es ihm\ndie Fortspinnung des musicalischen Gedankens überlässt,\ndass es scheinbar achtlos seinen Weg für sich geht: im-\nmer fühlen wir das Walten der höchsten Macht des Ge-\nnius heraus.\nWir wollen nun die einzelnen Nummern dieses im\nGanzen gegen 140 Seiten zählenden Werkes eine kurze\nMusterung passiren lassen und das, was noch neben dem be-\nreits allgemein Erörterten zu bemerken geblieben, oder\nim Anschlüsse daran zu erwähnen ist, niederschreiben.\nWem eine so eingehende Betrachtung von einfachen Lie-\ndern zu lang erscheinen dürfte, dem möchten wir entgeg-\nnen, dass er das Lied nicht unterschätzen möge, und dass\ndie Aufmerksamkeit, welche den kleinsten Sammlungen\ngeschenkt wird, einem so grossen Sammelwerke, wenn es\nnicht mit der Absicht, zu verblenden, nur der äusseren\nGrösse halber, aus flüchtig concipirten, mittelmässigen\nArbeiten zusammengestellt wurde wie solches in neue-\nster Zeit mehrfach der Fall gewesen —, sondern durch-\nweg Gediegenes darbietet, in höherem Maasse zusteht.\nZur Erleichterung der Orientirung und der Bequem-\nlichkeit des Vergleiches mit dem Werke, das wir in den\nHänden aller gebildeten Liederfreunde zu erblicken\nwünschten, folgen wir den Nummern der Zahl nach. Vor-\nher nur noch eine Zusammenstellung der Dichternamen\nmit der Anzahl der von ihnen gewählten Lieder. Es sind\nvon J. Sturm 2, von Geibel 11, Pfau 4, Rückert 2,\nUhland 2, Roquette 1, Dreves 2, Reinick 1, Lingg 1,\nHartmann 3 (eines davon nach Petöfi), Möricke 1, Lenau\n1, Böttger 1, Müller von Königswinter 2, eines aus den\nsiebenziger Jahren und 12 aus dem spanischen Lieder-\nbuche in den Uebersetzungen von Geibel und Heyse.\nNr. 1, das oben analysirte „Lied\", ist gleich ein Bei-\nspiel für die Kunst, mit der Hiller die Melodie nach den\nBedürfnissen des Textes umzuschmieden versteht, ohne die\nConstruction zu verderben und die Stimmung zu verlieren.\nNr. 2, „Die Verlassene\", entrollt ein Bild der Ver-\nzweiflung, wie sie im Contraste mit der Umgebung grell\nhervortritt und im Hinblicke auf die gleich der Treue\nverloren gegangene Liebe ihr höchstes Maass erreicht, das\ndurch die reichsten Ausdrucksmittel wiedergegeben wird.\nDie Wirkung hängt vom richtigen Vortrage ab, beson-\nders am Schlüsse, wo Durchgangsnoten von Hülfsnoten\ndem Ohr unterscheidbar gegeben und die Bewegung rich-\ntig gezeichnet werden muss.\nNr. 3, „Nachtbalsam\", gibt eine Melodie in acht\nTacten, die mit wenigen nothwendigen Aenderungen die\nvier Verse begleitet, von einer Tiefe der Empfindungen\nund einer sich gleich tief einprägenden Sicherheit der\nZeichnung, wie sie nur grossen Meistern gelingt. Die\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660407-01.1.4", "texte": "Begleitung stattet den seelischen Gehalt mit echter Cla-\nvierpracht aus.\nNr. 4, »Der Frühling sprach zu mir\", ein in musi-\ncalisch-metrischer Beziehung in 3/8-, 2/s-Tact geschriebe-\nnes Lied, ist von feinster Grazie erfüllt, wenn Sänger und\nSpieler im richtigen Zeitmaasse das Tactische zur Wir-\nkung bringen.\nIn Nr. 5, „Der Ungenannten\", ist die Dankbarkeit\ndes aus der Liebe schöpfenden Dichterherzens wahr ge-\ntroffen. Der Schlussist hier, wie häufig, mit grossem Ge-\nschick so erfunden, dass dem Ciavier noch etwas zu sagen\nbleibt, was der Dichtermund nicht in Worten, sondern\nnur dem in Tönen sprechenden Gefühle zu ahnen gegeben.\nDer eingeschobene 6/i6-Tact in Nr. 6, „Neuer Früh-\nling\", ist ein Beleg für Hiller's feines Gefühl für den kür-\nzesten Moment, das kleinste Glied seiner Melodieen. Dass\nes nur nicht zu langsam genommen werde! Tact 6 gibt\nin dem eingestrichenen geine kleine Finesse, eine Modu-\nlation nach der Unter-Dominante, welche das eingestrichene\ngis des folgenden Tactes gleich wieder verläugnet.\nEin zartes, süsses Ständchen ist Nr. 7. Auch hier der\nSchluss, wie bei Nr. 5. Hier ist es, als verstummte der zit-\nternde Mund und müsste die über dem leidenschaftlichen\nHerzen schwebende Muse das letzte Wort bringen.\nNr. 8, „Lauf der Welt\", behandelt das Walten der\nreinen Sinnlichkeit in keuscher Anmuth. Ihr Schmelz und\nZauber spricht aus der Begleitung vor dem Schlüsse zu\nuns; der Gesang bleibt zart und unbefangen, wie er sein\nmuss und so selten ist!\nEin Moment der tiefsten, über das Leben hinausstre-\nbenden Stimmung, nicht so weich, aber grossartiger noch\nwie Goethe's „Ueber allen Wipfeln\" ist das „Nachtlied\"\nNr. 9, in musicalischer Hinsicht reich an mystischen und\nerhabenen Harmoniefolgen.\nIn dem Zwiegespräch der Mutter mit ihrem unglück-\nlich liebenden Kinde, Nr. 10, wie in anderen Nummern\nvermeidet Hiller, den Abschluss des Verses, der im poeti-\nschen Liede nur einen prosodischen Einschnitt darstellt,\nin der Musik mehr sein zu lassen, auf eben so einfache\nals wirkungsvolle Weise, indem er ihn auf die Dominante\nführt. Es gewinnt dadurch der Anfang des folgenden Ver-\nses an Frische und es bleibt dem Lied-Ende die abschlies-\nsende Wirkung der Tonica. Die Wahl der Quinte, des\nGrund-Accords zur Schlussnote der Melodie die Worte\nlauten: „Meine Treue, die hält ihn (den Sturm) aus\"—-\ngibt dem Ausspruche für die musicalische Empfindung\nGeltung bis in die fernste Zukunft.\nAnspruchslose, in sich selbst genügsame, Glück genug\nfindende Liebe hat einen entsprechenden Ausdruck in\nNr. 11 gefunden. Wie wahr die Wirkung des so klar\ngezeichneten Schlusses der Stimmen und der Synkopen\nim Ciavier dahinter!\nGeibel's „Kornblumen\", Nr. 12, haben in der Musik\neine Illustration gefunden, so lieblich und elastisch, dass\nwir Pausias sein Blumenmädchen schmücken zu sehen\nr\nmeinten.\nNr. 13 nimmt nach den reichen, der Phantasie in\ndem Gesänge und der Stimme fesselnden Stoff bietenden\nBearbeitungen der vorhergehenden Verse in dem letzten\nzu den Worten: „Vergiss, o Menschenseele, nicht, dass\ndu Flügel hast\", einen gewaltigen, polyhymnischen Auf-\nschwung. Drei Mal schwingt sich vermittels chromatischer\nZwischenstufen der Gesang immer mächtiger empor.\nAuch das „Gute Nacht\", welches hier folgt, sieht da-\nvon ab, der Bequemlichkeit des musicalischen Gedächtnis-\nses zu Liebe dieselbe Melodie strophisch wiederholen zu\nlassen und dem Gesangs-Vortrage mit der Begleitung das\nWeitere zu überlassen, sondern es sind die Verse interes-\nsant und zutreffend, doch immer so variirt, wie es das\nhöchste Gesetz der Kunst vorschreibt. Hier ist der Pol,\ndem der melodische Strom zustrebt, natürlich das „gute\nNacht\", das wiederum nur beim letzten Verse vollständig\nabschliesst.\nDie letzte Nummer des ersten Buches ist ein Bild\nübergrossen Glückes, doch weniger in dithyrambisch-stro-\nphischer Ausströmung des Jubels, als in fast episch zu\nnennender breiter Schilderung des Empfundenen und des\nErlebten.\n(Schluss folgt.)\n\nPariser Brief.\n\n(Schluss. S. Nr. 13.)\n%\nDie Concertzeit ist in den letzten Jahren in der\nRegel erst im Februar und März in ihrer vollsten Blüthe:\nihre Strömung schwillt dann zum Erschrecken an und\ntreibt auf hoher Flut neben den Orchester-Instituten Ein-\nzel-Concerte fremder Virtuosen und in Paris wohnender\npatentirter Künstler, Soireen und Matineen für Kammer-\nmusik u. s. w. in dichtem Gedränge vorüber. Dass die\nKunst dabei gewinnt, wenigstens die Kunst der Ausfüh-\nrung und Virtuosität, wollen wir nicht in Abrede stellen;\nsicher ist aber, dass die Künstler nichts dabei gewinnen.\nWer ihre Einnahme nach den gefüllten Sälen beurtheilen\nwollte, würde sehr fehl schiessen, denn die Hälfte der Zu-\nhörer sind steuerfreie Künstler, Journalisten und gute\nFreunde der Concertgeber.\nIn den letzten Jahren sind selbst die Aufführungen\nin den Kirchen nicht zurückgeblieben; wir haben diesen"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660407-01.1.5", "texte": "Winter neben Messen von Cherubini vier bis sechs Messen\nvon hier lebenden Componisten gehört, da die Kirche noch\ndas einzige Gebiet ist, das sich nicht, wie die Opernthea-\nter, den zeitgenössischen jüngeren Tonsetzern, welche sich\nin grösseren Werken versuchen, verschliesst. Im Allge-\nmeinen gehören diese Componisten von Kirchenstücken\nhier zu denjenigen Musikern, die für die Kunst um der\nKunst willen arbeiten, und in so fern verdienen sie alle\nAchtung, wenn auch ihre Namen durch das Cultiviren\neiner so ernsten Musik-Gattung selten zur Geltung in der\nhiesigen Musikwelt kommen. Einen der tüchtigsten unter\nihnen, Charles Manry, hat der Tod zu Anfang dieses\nJahres dahingerafft; als Dilettant, der ursprünglich dem\nAdvocatenstande angehörte, begann er musicalische Stu-\ndien, deren Erfolg sein Talent durch künstlerische Ausbil-\ndung erhob, so dass er, durch glückliche äussere Verhält-\nnisse in unabhängiger Lage, sich ganz der Tonkunst wid-\nmete und namentlich in der Composition von Messen und\nanderen geistlichen Gesängen sich auszeichnete. Sein bestes\nWerk ist eine grosse dreistimmige Messe für Soli, Chor\nund Orchester, welche zuerst 1860 und seitdem noch\nmehrere Male aufgeführt worden ist.\nVon den grossen Concert-Instituten haben die Con-\nservatoire-Concerte und die C von Pas-\ndeloup ihre Aufführungen wie in den vorigen Jahren fort-\ngesetzt, beide mit wachsendem Zudrang, so dass die Ge-\nsellschaft der ersteren, um den zahllosen Aspiranten zu\ndem privilegirten Kreise der haute volee der Musikkenner\ndenn für einen solchen gilt jeder Abonnent Zutritt\nzu verschaffen, eine zweite Reihe von Concerten eröffnet\nhat. Ihre Programme ändert diese Gesellschaft bekanntlich\nwenig oder gar nicht, woran sie meiner Meinung nach\nRecht thut; denn sie constituirt sich dadurch als die eigent-\nliche Vertreterin wirklich classischer Musik, und dass solch\nein Institut für Paris nothwendig ist, dürfte wohl von Nie-\nmandem geläugnet werden. Sobald dasselbe aber auch\nmit der Musik neuer und neuester Schule an zu experi-\nmentiren fängt, so ist es mit dem Einflüsse der Autorität\nauf den Geschmack vorbei. Trotzdem wagt freilich, dieses\nGrundsatzes ungeachtet, auch diese Gesellschaft nicht, stets\nin den aufzuführenden Werken ein Ganzes zu bringen,\nwas doch das erste Erforderniss einer classiscben Richtung\nist; und wenn auch die Sinfonieen meistens ganz gegeben\nwerden, so kommen doch auch selbst von diesen zuweilen\nnur Fragmente vor, und an Aufführung vollständiger Vo-\ncalwerke ist vollends nicht zu denken.\nIn dieselben Fussstapfen muss auch Pasdeloup treten,\nwenn er sein Publicum dauernd fesseln und vergrössern\nwill, nur dass er dann und wann Werke der neueren\ndeutschen Meister, wie z. B. von Schumann, bringt, und\nzuletzt sogar von Wagner, z. B. die Tannbäuser-Ouver-\nture und das Vorspiel zu Lohengrin, letzteres ohne allen\nErfolg. Das Fragmentarische wagt er aber auch nicht,\nvon seinen Programmen auszuschliessen: wir finden auf\nihnen z. B. Andante und Intermezzo aus der Suite von\nFranz Lachner (das Andante liess kalt, das Intermezzo er-\nregte stürmischen Beifall), Adagio und Menuett aus dem\nQuintett Op. 34 von Weber (von der Clarinette solo und\nsämmtlichen Saiten-Instrumenten vorgetragen!), Adagio\nund Scherzo aus der Sinfonie „Ocean\" von A. Rubinstein,\nMendelssohn's Canzonetta aus dem Violin-Quartett Op.\n112 (von sämmtlichen Geigern) u. s. w. Ich darf aber nicht\nvergessen, zu erwähnen, dass Pasdeloup in einem der letz-\nten Concerte die zweite Suite von F. Lachner ganz\nbrachte und damit einen grossen Erfolg erzielte.\nIm Laufe des Winters hat sich noch ein grosser Or-\nchester-Verein gebildet, die Societe philharmonique; sie\nist erst gegen Ende der Saison öffentlich aufgetreten und\nhat noch drei Concerte im Cirque de l'lmperatrice, eben-\nfalls Sonntags um 2 Uhr, wie das Conservatoire und Pasde-\nloup, gegeben. Ihre Einrichtung beruht auf dem Princip der\nAssociation: Mitglied des Orchesters wird man durch Stim-\nmenmehrheit der General-Versammlung, von der Einnahme\nwerden zuerst die Mitwirkenden und die allgemeinen Ko-\nsten bezahlt, der Ueberschuss getheilt. Dirigenten sind ein\nHerr Placet, ein tüchtiger Theater-Orchester-Chef, für die\nInstrumental-, Herr Armand Cheve für die Vocal-Partie,\ndenn ein Chor soll stets mitwirken. Das Eröffnungs-Pro-\ngramm brachte Beethoven's C-moll-Sinfonie, Weber's Obe-\nron-Ouverture, einen Chor von Bortnianski, den Marsch\nmit Chor aus dem Tannhäuser. Berlioz und mehrere mu-\nsicalische Notabilitäten waren unter den Zuhörern.\nAusserdem spricht man von einer vierten Unterneh-\nmung, bei welcher das Orchester der grossen Oper unter\nGeorge Hainl's Direction engagirt sein würde, um an\nopernfreien Tagen Abend-Concerte zu geben, und zwar in\neinem Saale, den ein reicher Musikfreund zu diesem Zwecke\nin der Nähe des neuen Opernhauses erbauen lässt. Die\nSache verhält sich wirklich so, wird aber natürlich erst\nim nächsten Winter ins Leben treten. Jedenfalls sind alle\ndiese Concert-Gesellschaften, welche der bisher fast einzig\nvorhandenen des Conserva,toires Concurrenz machen, von\nunzweifelhafter Wirksamkeit auf den Sinn für Musik als\nsolche, nicht bloss als Substrat der virtuosen Ausführung,\ndenn diese galt bisher fast allein etwas in Paris; dadurch\naber, dass Tausende jetzt grosse Orchesterwerke hören\nkönnen, was sonst nur der musicalischen Aristokratie ver-\ngönnt war, wird den Musikfreunden ein Gebiet erschlos-\nsen, das der grösseren Zahl von ihnen bisher unzugänglich\nwar. Der zahlreiche Besuch und der steigende Erfolg der"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660407-01.1.6", "texte": "neuen Concert-Vereine beweist, dass die gebildete Menge\ndas Bedürfniss eines höheren musicalischen Genusses, als\nderjenige ist, den das glänzende Solospiel bieten kann,\nfühlt, und wie sehr das Gefühl für diesen Genuss bereits\nerstarkt ist, zeigt nicht bloss die Freude des Publicums an\nHaydn und Beethoven, sondern auch die Aufnahme von\nWerken wie die Sinfonieen von Mendelssohn, die zweite\nSuite von Lachner, ja, theilweise selbst einiger sinfonischen\nSätze von Schumann Musik, die noch vor zehn bis zwan-\nzig Jahren den Parisern ein Gräuel gewesen wäre. Nehmen\nwir hinzu, dass es vor Allem die Werke deutscher Meister\nsind, welche diesen Umschwung veranlasst haben, so kön-\nnen wir hoffen, dass mit der Zeit der Geist, der in unseren\nOrchesterwerken lebt und webt, den Geschmack der Fran-\nzosen auch für grosse Vocalwerke und Oratorienmusik\nempfänglich machen werde. Damit ist nicht gesagt, dass\nes nicht auch jetzt noch Stimmen gebe, welche die\nallemandeals Verderberin des feinen betrachten\nund den Untergang des französischen Kunstsinnes eben so\nvorhersagen, wie vor dreissig bis vierzig Jahren von litera-\nrischen Autoritäten der Untergang der Poesie den Fran-\nzosen geweissagt wurde, sobald sie beginnen würden, die\nUngeheuer [les monstres)Shakespeare und Schiller zu be-\nwundern. *\nNeben den grösseren Concert-Instituten florirt die\nKammermusik, deren Markt wirklich überfüllt war. Da\nwetteiferten die Vereine von Gouffe, Lamoureux, Alfred\nHolmes, Armingaud, Maurin, Paul Bernard u. s. w., und\nin fünf sehr besuchten Sitzungen die Gebrüder Müller in\nVerbindung mit Frau Szarvady-Clauss.\nDie Gebrüder Müller haben namentlich in den beiden\nersten Sitzungen ausserordentlichen Erfolg gehabt; Zu-\nsammenspiel, Ton und Vortrag wurden über alles bisher\nGehörte erhoben, „ils etaient\nraison\" y wie sich die Gazette ausdrückte; sie traf\ndamit den wirklichen Eindruck, den das Quartett der deut-\nschen Künstler machte. Sie traten auf mit: Quartett in\nD-dur, Op. 20 Nr. 4, von Haydn, Quartett von F. Schu-\nbert mit den Variationen im Andante, das einen Sturm von\nApplaus erregte, und dem Trio in von Beethoven,\nin welchem Frau Szarvady die Clavier-Partie spielte. Die\nzweite Sitzung brachte ein Quartett von Dittersdorf mit\nallerliebstem Finale, Beethoven's Trio-Variationen über\n„Ich bin der Schneider Kakadu\", Violin-Quartett in\nvon Schumann, Clavier-Quartett in H-moll von Mendels-\nsohn. Das Schumannsche Quartett wollte im Ganzen nicht\nrecht packen, Einzelnes, wie die zweite Variation im zwei-\nten Satze, wurde ausgezeichnet. Noch weniger behagte den\nParisern ein Quartett von J. Raff, Op. 77; dagegen wurde\ndas Clavier-Trio in D,Op. 70, und die Violin-Quartette\nOp. 59 und 127 von Beethoven mit allgemeinem Beifalle\naufgenommen. Ein Quartett von F. Hiller und ein anderes\nvon Damcke hatten einen sueces d'estime. Die Kritik der\nletzten Aufführungen sprach sich über das öftere Ritar-\ndando und Accelerando aus; wiewohl sie darin eine aller-\ndings schöne Eigentümlichkeit des Vortrages der deut-\nschen Künstler anerkannte, so fand sie doch dasselbe zu\nhäufig angewandt. Von hier sind die Gebrüder Müller nach\nBasel gegangen: ihre letzte Sitzung fand am 15. März\nStatt; in derselben spielten sie mit Frau Szarvady das Quin-\ntett von Schumann in Es,welches gewaltig durchschlug,\nund Bruchstücke aus Violin-Quartetten von Haydn (un-\nnachahmlich schön die Variationen auf „Gott erhalte Franz\nden Kaiser), Schubert und Rubinstein [Andante con sordini).\nTrotz allen den genannten und manchen von mir nicht\nerwähnten Matineen und Soireen gab es doch in dieser\nSaison noch eine so grosse Menge von Privat- Concerten\neinzelner Virtuosen, wie sie seit Jahren nicht mehr da wa-\nren; da sie dieses Mal die alte Erfahrung noch einmal ge-\nmacht haben, dass dabei nichts zu gewinnen, als eine Er-\nwähnung ihres Namens in Paris auf Anschlagzetteln und\nin Zeitungen, wohl aber Geld zu verlieren ist, so wird das\nvielleicht für die Zukunft abschrecken. Die\nzette musicale veröffentlicht seit Januar jede Woche eine\nUebersicht der angekündigten Concerte; sie ergibt z. B.\nim Februar für die erste Woche 8, für die zweite 10,\nfür die dritte 15, für die vierte 14; für die erste im März\n15, für die zweite 14 u. s. w. Dabei sind nur die Sitzun-\ngen der oben genannten Quartett-Vereine und die Pri-\nvat-Concerte gerechnet; die abonnirten Orchester-Concerte\nsind nicht darin begriffen.\n\nB. P.\n\nTheater in Köln.\n(Schluss. S. Nr. 13.)\nDie letzte Märzwoche hat noch Beethoven'» „Fidelio\"\nund Gounod's „Faust\" gebracht mit Fräulein Tietjens\nals Leonore und Margarethe; dazwischen Verdi's „Trova-\ntore\", in welchem ebenfalls ein Gast, Fräulein Langlois\nvom Hoftheater zu Wiesbaden, die Leonore sang. Wir\nsind in der Kritik den Vergleichungen nicht hold, denn sie\nverschieben den Standpunkt, von welchem aus man der\nIndividualität des Künstlers Rechnung tragen muss. Trotz-\ndem wird es immer interessant bleiben, die Leistungen\ngrosser Künstler in bedeutenden Rollen neben einander\nzu stellen, nur sollte man sie nicht nach dem Maassstabe\nmessen, den man von einem Ideal hernimmt, da der Künst-\nler dem Kritiker gegenüber doch am Ende eben so be-\nrechtigt ist, die absolute Gültigkeit jenes Ideals zu bezwei-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660407-01.1.7", "texte": "fein, wie der Beurtheiler sich für befugt hält, die Leistung\ndes Künstlers danach allein zu würdigen. Natürlich kann\nsich dies nur auf die Auffassung der Rolle beziehen; auf\ndie technische Ausführung nur in so weit, als diese aus\njener fliesst und durch sie motivirt wird. Ohne dass es uns\nalso einfällt, über die Rolle des Fidelio und der Marga-\nrethe eine dramaturgische Abhandlung zu schreiben, kön-\nnen und wollen wir uns doch der Erinnerung nicht ver-\nschliessen, welche die Darstellung derselben durch Fräulein\nTietjens an die beiden anderen deutschen Künstlerinnen\nhervorruft, die in unseren Tagen einen grossen Theil ihres\nRufes denselben verdanken, Louise Dustmann in Wien als\nLeonore und Pauline Lucca in Berlin als Margarethe.\nWir haben hier in Köln, wo die Darstellungen des\nFidelio durch die beiden Künstlerinnen schnell auf einan-\nder folgten, von den Einen diese, von den Anderen jene\nvorzugsweise rühmen hören: in der Auffassung der Rolle,\nnamentlich im ersten Acte, suchte Fräulein Tietjens weni-\nger das Weibliche des Charakters zu verbergen, als Frau\nDustmann, welche den männlichen Muth, wo nur Gelegen-\nheit dazu war, namentlich im Spiel, mehr betonte. Trotz-\ndem waren diejenigen Stellen, bei denen im Gesänge\ndas Herz des liebenden Weibes sprach, z. B. in dem piw\nsostenuto und dem ganzen Adagio der grossen Arie, so wie\nim Terzett des zweiten Actes im Kerker, von innigerem\nund mehr sympathischen Ausdruck bei ihr, als bei Fräu-\nlein Tietjens, wogegen diese sich in ihrer ganzen Grösse\nin der entscheidenden Kerkerscene zeigte, wo sie, unter-\nstützt von ihrer körperlichen Erscheinung und der pracht-\nvollen Stimme, die über das Toben des Orchesters und die\ndrei Männerstimmen siegreich empor strahlte, allerdings\neine Steigerung gegen alles Frühere hervorbrachte, die\neine ausserordentliche Wirkung machte, zumal da die ein-\nmal zum Ausbruche gekommene leidenschaftliche Aufre-\ngung sie auch im Duett mit Florestan nicht verliess, wo-\nbei wir ihr freilich einen mehr ebenbürtigen Partner ge-\nwünscht hätten. Kurz, beide Künstlerinnen sind Deutsch-\nlands Ehre, und die gegenwärtige Generation muss ihnen\nvor Allem auch desshalb huldigen, dass sie ihren Ruhm\nmehr darein setzen, Beethoven's Werk zu verherrlichen,\nals sich selbst*).\nWas die Margarethe in Gounod's „Faust\" betrifft, so\nhat uns Fräulein Tietjens in dieser Rolle dermaassen be-\nfriedigt, dass weder das Gretchen der Patti, noch das Gret-\nchen der Lucca, trotz allem Talent und aller Liebenswür-\ndigkeit dieser beiden Persönlichkeiten, einen Vergleich mit\nihrer Margarethe aushält. Wir gestehen offen, dass sie uns\ndurch diese Leistung überrascht hat, und wir möchten ihr\nfast grollen, dass sie an einigen Stellen der Norma, der\nValentine und der Leonore nicht denselben süssen Schmelz\nder Stimme, denselben sympathischen Ausdruck hingeben-\nden Gefühls, denselben wunderbar und doch so zart\nschwingenden Ton angewandt hat, der hier auch noch in\ndem leisesten Hauche entzückte. Dass sie die vollkommenste\nHerrschaft über diesen Ton besitzt, hat sie im „Faust\"\nbewiesen. Hatte aber vielleicht erst jetzt ihre Stimme die,\nwenn auch unbedeutenden, Nachwehen einer angestreng-\nten Reise von Schottland nach dem Rheine ganz überwun-\nden? Und mit welcher Anmuth spielte und sang sie die\nSchmuck-Scene ohne alle Ziererei und mit technischer\nVollkommenheit, und zu welch einer erschütternden Grösse\nerhob sie sich, wie eine schon halb Verklärte, in der\nSchlussscene des Drama's! Diese Margarethe, zusammen-\ngestellt mit ihrer Donna Anna und ihrem Fidelio, charak-\nterisirt in Fräulein Tietjens die grosse dramatische Sän-\ngerin, d. h. die Künstlerin, welche es in der Gewalt hat,\nihrem Gesänge die verschiedensten Gestalten und Situatio-\nnen eines Drama's anzupassen.\nZwischen den Aufführungen des „Fidelio\" und „Faust\"\nhatten Verdi's „Troubadour\" und Fräulein Langlois aus\nWiesbaden einen schweren Stand: um so mehr muss diese\nSängerin die Aufnahme befriedigen, die sie bei dem hiesi-\ngen Publicum fand, denn sie wurde schon nach ihrer er-\nsten Arie sehr applaudirt und bei offener Scene gerufen.\nSie ist im Besitze einer schönen, kräftigen Stimme, welcher\nes, zumal wenn sie nicht forcirt wird, auch nicht an Wohl-\nlaut gebricht. Dabei hat die Künstlerin eine sehr schätzens-\nwerthe Coloratur-Fertigkeit, was selten bei so vollen Stim-\nmen der Fall ist; wir erinnern uns mit Vergnügen der\nErfolge, die sie in eigentlichen Coloratur-Partieen in Kas-\nsel und im vorigen Sommer in Wiesbaden erzielt hat, und\nhaben uns gefreut, sie bei uns wieder zu hören. Herr\nSchelper, zu dessen Benefiz die Oper gegeben wurde, war\nals Graf Luna vortrefflich, wurde vom Publicum, dessen\n\n*) Wenn in einer überhaupt albernen Correspondenz von Köln\naus in dem londoner Musical World die „gemüthlichen\" (sie) Deut-\nschen belächelt werden, dass sie Fräulein Tietjens als ihnen ange-\nhörig preisen, „da doch die Engländer dieselbe erst entdeckt und\nermuthigt hätten\", so verweisen wir den Correspondenten, der, wie\nes scheint, sich erst seit Kurzem hier niedergelassen hat, auf das, was\nvor zehn Jahren in der Kölnischen Zeitung, 1856, im Mai, und in die-\nsen Blättern über die treffliche Sängerin gesagt ist. Auch ist die Be-\nhauptung desselben Correspondenten, dass in der „Norma\" das köl-\nner Orchester „ausser Rand und Band\" gewesen sei, eine grobe Un-\nWahrheit, und es ist sehr plump, auf Kosten eines Orchesters, wie\ndas hiesige, welches die Musik einer Bellini'schen Oper auch im\nSchlafe immer noch präcis spielen würde, eine Künstlerin erheben\nzu wollen, die der Folie einer „miserabeln\" Aufführung, wie der\nbesagte Correspondent sich ausdrückt, wahrlich nicht bedarf, um\nzu glänzen."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660407-01.1.8", "texte": "Gunst er mit Recht besitzt, mit Applaus empfangen und\nim Laufe der Vorstellung mehrmals gerufen, eben so\nFräulein Jäger als Azucena.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\n** Kolli* Am 27. März hielt die Sing-Akademie unter\nLeitung ihres Dirigenten. Herrn Musik-Directors Weber, eine öf-\nfentliche Versammlung im grossen Saale des Casino. Aufgeführt\nwurden das Stabat mater von Rossini, Tenebrae factae sunt von\nMich. Haydn, „Du Hirte Israels\" von Bortnianski und der\ndritte Theil des „Weltgerichts\" von F. Schneider. Der Chor\nzählte über hundert, in den vier Stimmen ziemlich gleich vertheilte\nMitglieder und zeichnete sich durch Klangfrische, Intonation und\nPräcision aus; auch die zwei Nummern a capella von Rossini und\nBortnianski wurden rein und sicher gesungen. Die Solostimmen wur-\nden im Stabat von den Damen Elise Rempel und Jenny Nie-\nthen, deren Arien und Duett vorzüglich gut aufgeführt wurden,\nund den Herren A. Pütz und Mich. DuMont gesungen. Die\nQuartette wurden sehr gut vorgetragen. Im „Weltgerichte\" bildeten\nFräulein Simons, ein sehr angenehmer Sopran, und Fräulein\nHo ecke, mit starker, wohlklingender Altstimme, und die Herren\nGreven und Peltzer das Quartett, Herr Merbeck hatte die\nPartie des „Satan\" übernommen. Auszuzeichnen war das Maria-\nQuartett (Fräulein Rempel und Hoecke, Herren Greven und Peltzer).\nDie ganze Aufführung gab ein sehr erfreuliches Zeugniss von der\nKunstliebe und dem Eifer der Vereins-Mitglieder und der bekannten\ntüchtigen Direction Franz Weber's, des berühmten Dirigenten des\nkölner Männer-Gesangvereins.\nAachen, 29. März. Die Aachener Zeitung schreibt: „Ueber\ndie gestrige Aufführung der Bach'schen Passions-Musik im grossen\nCurhaussaale wollen wir an dieser Stelle nur notiren, dass sie einen\nwahrhaft glänzenden Abschluss unserer diesjährigen Abonnements-\nConcerte bildete. Wurden die Solo-Partieen grossentheils in ganz\nausgezeichneter Weise ausgeführt, so müssen wir ein Gleiches von\nunserem wackeren Chor berichten, welcher einen Eifer und eine\nHingebung an den Tag legte, welche ihm selbst sowohl, wie den\nBemühungen des hochgeschätzten Dirigenten, Herrn Capellmeisters\nBreunung, zur höchsten Ehre anzurechnen sind.\"\nBarmen, 28. März. Gestern Abend wurde im Concordiasaale\nunter der Direction des Herrn Anton Krause eine Auswahl von\nSologesängen und Chören aus Händel's „Messias\" und das Be-\nquiem von Mozart vollständig und zu grosser Befriedigung der\nzahlreichen Zuhörerschaft aufgeführt. Solisten waren Fräulein Julie\nRothenberger aus Köln, Francisca Schreck aus Bonn, die\nHerren Göbbels aus Aachen und Behr aus Köln.\nBielefeld. Am 25. Februar fand das Benefiz-Concert\ndes Musik-Directors Hahn vor einem bis auf den letzten Platz ge-\nfüllten Auditorium Statt, das sich beeiferte, demselben seine Aner-\nkennung auszusprechen. Besonderes Interesse erregte als Novität\nHiller's „Christnacht\" (Dichtung von Platen) für Soli (Mezzo-\nsopran und Tenor), Chor und Ciavier in allen ihren Nummern. Die\nbeiden Doppelchöre, die eben so populär gehalten, als mit grosser\nKunst hingeworfen sind, sowohl als die eingestreuten Solostellen,\nnamentlich die zweite Arie des Engels der Verkündigung, weisen\ndem kleinen Chorwerke einen ehrenvollen Platz unter den Werken\nan, die sich wohl eignen zu combinirten Programmen. Die Lieder-\ntafel trug einige Lieder vor. Von den Solo-Vorträgen interessirte\nam meisten die Sonate von Mozart und eine Phantasie von Thalberg\nfür zwei Flügel, von Herrn Hahn mit seiner Gattin vorgetra-\ngen. Besonders entzückte jene das Publicum und steigerte sich der\nBeifall von Satz zu Satz. Am 9. März gab Fräulein Marie\nCrüvell, Schwester der berühmten Sophie Cruvelli, unter Mitwir-\nkung des Musikvereins und des Orchesters ein Concert, das in An-\nbetracht der Verdienste, welche die Geschwister Crüvell um das\nMusikleben hier haben, grossen Anklang fand und der Sängerin\nallerseits die lebhafteste Theilnahme erwarb. Palmsonntag gab\nder Musikverein Beethoven's C-dur-Messe mit der k. Hof-Opern-\nsängerin Fräulein Reg an und Herrn Pirk aus Hannover für Sopran\nund Tenor, während der Alt durch Frau K., eine vortreffliche Di-\nlettantin, und der Bass durch Herrn M., einen sehr tüchtigen Bas-\nsisten, ausgeführt wurde. Es bekundete diese Aufführung einen be-\ndeutenden Fortschritt für das Ensemble der Solo-Quartett-, Chor-\nund Orchester-Wirkung. Es herrschte in dem Ganzen eine Präcision,\nReinheit der Intonation und Klarheit des Vortrags, die bei dieser\nso äusserst wirkungsvollen Composition von ergreifender Kraft war.\nDas Publicum war denn auch so hingerissen, dass es trotz alter\nSitte, die das Klatschen in dieser Zeit untersagt, am Schlüsse zu\nlautem Beifall überging. In Fräulein Regan lernten wir hierbei eine\nSängerin (Schülerin der Ünger-Sabatier aus Florenz) kennen, die\nsich, was Lieblichkeit der Stimme, Methode und Geschmack anlangt,\nHerrn Pirk, den wir bereits mehrere Male hier zu hören Gelegenheit\nhatten, würdig an die Seite stellt.\nStuttgart« Die Aufführung des Vereins für classische Kir-\nchenmusik, unter Mitwirkung von Frau Bennewitz, Fräulein Mar-\nschalk, Herrn Hauser und Herrn Wallenreiter, so wie der k. Hof-\ncapelle und der Herren Tod und Reichardt, den 30. März 1866,\nAbends, in der Stiftskirche, brachte in der ersten Abtheilung die\nPassions-Cantate (Stabat mater) von Emanuel d'Astorga, in der zwei-\nten die letzten zwölf Nummern aus der Passionsmusik nach dem\nEvangelium Johannis von Job. Seb. Bach."}]}