{"numero_id": "bm-bmtnabi-1866-04-14-01", "volume": "bmtnabi_1866-04-14_01", "ocr_sha256": "73113f5c7e3d12f017230a81d8d8f4a4b5c71c932ce7bc12f4bac78d8be27bfb", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1866/04/14_01/bmtnabi_1866-04-14_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660414-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1866-04-14-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-04-14_01#c001", "volume": "bmtnabi_1866-04-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "113", "page_fin": "113", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660414-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660414-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 444, "texte": "Inhalt.\nFerdinand Hiller als Lieder-Componist (Schluss). Auflösung der grossen Oper in Paris als kaiserliches Kunst-Institut.\nClapisson (Nekrolog). Aus Hamburg (Aufführung der Johannes-Passion von J. S. Bach). Von v. Do mm er. Das 43. nieder-\nrheinische Musikfest in Düsseldorf. Concert der Liedertafel in Elberfeld. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, sechste\nSoiree für Kammermusik Berlin, Fräulein Grün Bremen, Händel's „Messias\", Concert)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-04-14-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-04-14_01#c002", "volume": "bmtnabi_1866-04-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "113", "page_fin": "115", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660414-01.2.2", "titre_corps": "Ferdinand Hiller als Lieder-Componist.", "titre_sommaire": "Ferdinand Hiller als Lieder-Componist.", "signature_source": "A. 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Wenn es sich sagen und\nbeweisen Hesse, worin es liegt, dass diese Musik dem so\nhöchst eigentümlichen, aus der Poesie Calderon's, Lope\nde Vega's, Cervantes', aus den Bildern Murillo's, der Bar-\ntholomäusse zu uns sprechenden Geiste der Hispania einen\neben so scharfen als farbenwahren Spiegel vorgehalten,\nso erforderte das jedenfalls einen Aufwand von Worten\nund Zeit, der hier nicht am Orte ist. Wohl aber mögen\nwir die Lieder nicht vorüber führen, ohne es niederzu-\nschreiben, dass auch jetzt, nachdem sie uns zu bekannt\ngeworden, um noch durch den Reiz der Neuheit auf uns\nzu wirken, da wir die Feder führen, darüber ruhig zu\nberichten, uns ein Geist entgegenweht, dessen glühender\nAthem und dessen balsamischer Duft, gepaart mit der\nSchärfe und Knappheit des geistigen Ausdrucks, aus wei-\nter Ferne Kunde zu bringen scheint, deren ganze, theils\ntragische, theils wilde Natur für uns des fesselnd Wun-\nderbaren ungemein viel enthält.\nDie beiden ersten Lieder: „An die heilige Maria\" und\nderen „Wiegenlied\", eröffnen den Reigen in würdigster\nWeise. Nur ein Land, in dem die blühendsten Gefilde an\nschroffe Felsen-Regionen gränzen, wo die Contraste der\nUeppigkeit und der phantastischsten Unfruchtbarkeit so\nschroff an einander stossen und doch ein harmonisches\nGanzes bilden, konnte ein solches Werk erzeugen. Nur\nein solches Volk konnte eine so eigentümliche Welt der\nPhantasie erträumen. Alles erscheint sinnlicher und leiden-\nschaftlicher, zugleich aber auch schärfer gedacht und ori-\ngineller erfunden: Ist der geistige Horizont im Vergleich\nzum germanischen begränzter, so ist die geringere Anzahl\nder Stoffe im Colorit saftiger und farbengesättigter, in der\nZeichnung energischer und kecker.\nNr. 1 mit dem selbständigen Begleitungs-Motiv weist\nwieder einen originellen, so recht allem Formzwang ent-\nhobenen Schluss auf.\nDas andere Marienlied ist eine Perle, werth, den\nschönsten Murillo's an die Seite gestellt zu werden, so kurz\nes ist wenn auch als Gesang breit ausgeprägt.\nNr. 3, »Dereinst—wirst ruhig sein\", in kühler Erde\nnämlich, du unglücklich liebendes Herz! enthält ausser\nvielem Bedeutsamen jenes merkwürdige clair-öbscur der\nLeidenschaft, die im Leiden ermattet und zum letzten\nTröste greift, das in der Schluss-Pointe am kühnsten ge-\nmischt ist.\nStatt eingestrichen c d Tact 2 und 10, muss es beis-\nsen heingestrichen cin Nr. 4, ein Druckfehler, der beim\nersten Male entgehen könnte. S. 11 Z. 3 stellt sich bei\nden arpeggirenden Accorden, wo ein Mal auch das einge-\nstrichene e von beiden Händen hinter einander gegeben\nwerden muss ein Effect, den die deutsche Clavier-Me-\ncbanik kaum hergibt —, eine Mittelstimme dem Ohr von\nselbst heraus. Wie schön das bei dem Gedanken an die\ntiefen Fluten des Guadalquivir erschauernde, den Reiz des\nGesanges aufgebendepp parbndo der Stimme!\nDie „Nelken windende\" Liebende erscheint in Nr. 5\nvor uns. Die das Winden in der Linie der sich folgenden\nIntervallen vor dem geistigen Ohr hinzeichnende Tonfigur\nerhält durch das langsame Tempo so einfach sind die\nWirkungen, welche das Genie erfindet den Ausdruck\nder unter dem Druck der Trennung seufzenden Sehnsucht.\nMan verfolge die kunstreiche Weise, in der Ciavier und\nGesang an dieser Figur sich betheiligen. Wie die Finger\nfort und fort flechten und das Herz die Gedanken einstreut,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660414-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5070, "texte": "so spinnt jenes die Melodieen-Guirlande, in die der Ge-\nsang die Blumen einreiht. S. 13, T. 1 v. u., muss gleich\nMs, statt h, S. 15, T. 1, muss *f, statt stehen.\nNr. 6 ist ein in seiner absichtlichen Armuth desto\nschneidenderes Bild des Zustandes unbefriedigter Liebe,\ndie sich ihrer schmachtenden Leere beim Contraste des\nAnblicks erblühender Rosen bewusst wird. Ein richtiger\nVortrag macht die zum Ausdrucksmittel ein Blick\nder nichts Erwartenden aus mattem, weit geöffnetem Auge\nin die leere Ferne.\nDie Begleitung zu „Horch!\" muss so zart als möglich\nhingehaucht werden. Der Schluss des Liedes gab Veran-\nlassung zu dem kühnen Schlüsse der Stimme auf dem zwei-\ngestrichenen es.\nEine prosodiscbe Feinheit ist der eingeschobene 3/s-\nTact des folgenden Liedes vor den Pointen des Liedes. Zu\nden Worten: „Ach, dass ich ihr nahe wär'!\" bleibt die\nStimme stehen über der wie früher forteilenden Musik,\nwie der Herzenswunsch in dem Bilde wogender Unruhe\nder unbewegt darüber schwebende blasse Stern zu sein\nscheint.\nIn zartester Weise führt das Uebermaass der Be-\nglückung durch Liebe Nr. 9 uns vor. Freilich auch so echt\nglühend spanisch, deutscher „Nüchternheit\" vielleicht\nzu viel.\nAeusserst kühn und wild ist Nr. 10. Demjenigen, der\nin solch eine Stimmung sich versetzt, gewiss ein willkom-\nmener Fund. Ruhigeren Naturen erscheint wohl Manches,\ndas hier ganz am Platze ist, zu gewagt. So der Schluss.\nNun kommt ein reizendes Bild sich selbst täuschender\nunglücklicher Liebe, die den Magnet nebenher nur be-\nkennt und mit trügerischen Scheingründen die Schritte\nlenkt. Zwischen den Zeilen des Liedes, aus den Tönen,\nspricht Entsagung ihr trauriges Wort mit.\nDas letzte Lied: „Preciosa's Sprüchlein gegen Kopf-\nweh\", eine echt spanische Humoreske.\nWir nehmen Abschied von den spanischen Liedern.\nNoch einmal sei es gesagt: die nüchterne Gegnerschaft\nalles dessen, was in exotischer Excentricität auftritt, wird\nzuweilen nicht finden, was sich uns erschloss, ein mit glü-\nhender Wahrheit ausgestatteter, in dem Reichthum aller\nhierbei zu benutzenden Kunstmittel prangender bedeutsa-\nmer Genius eines fremden Volkes, dessen Verkehr uns\nsowohl durch den Reiz des Aussergewöhnlichen fesselte,\nals auch durch die leidenschaftliche Kernigkeit erfrischte.\nDas dritte Buch das inhaltreichste, denn es enthält\nzwanzig Lieder gibt zur Einleitung das „Spielmanns-\nlied\" von Geibel, so bekannt durch andere Compositionen»\nhier freilich in der musicalischen Bearbeitung, die wir für\ndie richtigere halten, und möchten wir dieses wohl als ein\nBeispiel, wie solche Lieder zu componiren sind, gelten\nlassen. Die Weise zu: „Ich habe dich lieb\", kehrt natür-\nlich unverändert wieder. Eigentlich nur acht Tacte lang,\nist sie ein in glücklichstem Augenblicke geborenes Kind\nder frischen Wanderlust in Bergesluft und Waldesduft.\nWie konnte der Sinn des zweiten Liedes treffender\ngegeben werden, als hier! Es ist, als ob die Melodie den\nin der Begleitung ertönenden lockenden Rufen umzaubert,\nwillenberaubt nachgeht.\nNr. 3. Neue Liebe in voller Gluth und Glückes-\nAhnung.\nDas Pilgerlied aus den siebenziger Jahren, hoffnungs-\nlose, sich bescheidende Mädchenliebe, ein Gegenstück zu\ndem Pagen von Geibel: „Da ich nun entsagen müssen\".\n„Um Mitternacht\" ist ein durch seine Wahrheit und\nOriginalität ausgezeichnetes feines Nachtbild.\nIn Nr. 6 kann beobachtet werden, wie einfach Hiller\nden Schluss des letzten Verses bei strophischer Behandlung\nder Composition hervorhebt, indem er das Ritornell der\nvorhergehenden Verse für einen angehängten Schluss der\nMelodie zur Begleitung werden lässt.\nLenau's „Schwerer Abend\", so markig, schauervoll\nwiedergegeben—übrigens ist das Agitato nicht zu schnell\nzu nehmen —, stellt sich der R. Schumann'schen Compo-\nsition an die Seite, ohne an Interesse einzubüssen.\nIn Nr. 8, „Es läuten die Osterglocken den Lenz ein\",\nmit dem erhebenden Schlüsse, vereint sich der Realismus\nder musicalischen Motive auf das reizvollste mit dem gei-\nstigen, aufstrebenden Inhalte.\nDas Rückert'sche „Grün ist der Jasminstrauch\", diese\nnur dem Deutschen verständliche Humoreske, zeigt, dass\nHiller einer der feinsten Eigentümlichkeiten seines Vater-\nlandes nicht mindere Hingebung zu zollen weiss.\nNr. 10, „Getrennte Liebe\", eines der dunkelsten\nStimmungsbilder des reichen Albums. Der Bass steigt\nlangsam und schwer chromatisch bis zur Dominante und\nschliesst. Die Melodie zieht, vielfach unterbrochen, in\neben so künstlicher als kühner und ausdrucksvoller Zeich-\nnung darüber hin.\n„Doppelter Frühling\", in der Natur und im Herzen.\nEine fröhliche, den ewig fröhlichen, zwitschernden Vögeln\nabgelauschte Plauderei. Das lehrt die Benutzung der er-\nsten Tacte des Vorspiels später S. 29, T. 7 B, so könnte\nman sagen, wollte man beweisen.\nDie kurze Nr. 12 bietet mehrfach Interessantes. Zu-\nerst T. 3 und 4, wo die Begleitung nicht feststellt, ob wir\nin A-moll oder C-dur sind, denn das entscheidende a oder\ng fehlt, und die Melodie erst den Schlussstein bringt: ein\nVerfahren, dieser musicalische Geltung zu geben, dem wir\nbei Hiller öfter begegnet sind. Dann der geschickte Sprung"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660414-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3010, "texte": "von 14 Tacten, und endlich, wie natürlich und schön die\nEntwicklung der Empfindung aus der Stimmung der Me-\nlancholie in der Einsamkeit bis zu dem schönsten Rinde\nder Liebe, der Dankbarkeit für die Glückspenderin.\nDie Prosodik des folgenden Liedes ist drei Mal 5/2-\nund zwei Mal 4/2-Tact. Sie überträgt die Satz-Construction\nmit ihrer geistigen Logik in die Musik. Den schwerer über-\nsichtlichen Vordersätzen im 5/2-Tacte stellt sich der er-\nquickende Nachsatz im 4/4-Tacte entgegen.\nDie Poesie der folgenden Nummer: ein Liebender\nwandelt Nachts auf den Wegen, die er mit der Geliebten\ngegangen wird durch die mannigfaltigsten Mittel musi-\ncalisch geschildert. Der Legato-Bass, die durchbrochene\nAccordfolge darüber, die Querstände, ja, scheinbare plan-\nvolle Verwirrung zwischen beiden alles dient, leicht er-\nfassbar, der Deutung, das Lied zu illustriren.\nEin reizendes Rondo, dessen Zwischensätze aus den-\nselben Motiven entstanden und doch so verschieden sind,\nist die graziöse, heitere Plauderei: „Glückliche Liebe\".\nWas die Melodie des Claviers S. 36, T. 12 ff. sagt, fühlt\nJeder, und wie konnte das anders gegeben werden, wenn\nnicht so?\nDass die Schlussworte des ersten Verses in Nr. 16:\n„Fahr' hin mit der Welle\", auf den abwärts arpeggirten\nverminderten Septimen-Accord geführt werden, ist ein\nGebrauch dieser jetzt so viel gemissbrauchten Harmonie,\ndie hieher gehört. Der folgende Vers bringt natürlich\neinen breiten Schluss.\n17, 18 und 19 zeigen das grosse Geschick Hiller's,\ndie Grundmelodie den Incongruenzen der Verse unter\neinander entsprechend zu ändern, ohne sie ganz aufzuge-\nben, sich selbst zu entfremden oder deren Werth zu ver-\nringern. In dieser Kunst wüssten wir kaum einen Anderen\nihm an die Seite zu stellen.\nDie letzte Nummer: „Herbstnacht\", ist ein Lied in\nbreitester, an Balladenform gränzender Anlage. Eine unge-\nmein reiche, phantastische und schwungvolle Composition.\nSchliesslich folge zur Feststellung der Richtung Hil-\nler's nur noch ein numerischer Ueberblick der Lieder ihrer\nGattung nach. Vorwiegend ist das Liebeslied, das mit 33\nNummern vertreten ist. Allgemeine erhabene Stoffe be-\nhandeln 10 (1, 3, 6, 9, 13 7 5, 6, 8, 11), reli-\ngiöse nur 1 und 2 des zweiten Buches, scherzhafte 11. 12\nund 11. 9. Im Liebesliede folgt er jedoch nicht einer typi-\nschen Einseitigkeit, wie sie sich in Ueberschwänglichkeit,\nWeltschmerzlichkeit oder jener der Masse so wohl-\nschmeckenden Ständchen-Seligkeit bei verschiedenen be-\nliebten Componisten zeigt; er ist in jeder Nummer neu.\nMit kritischem Jägerblicke hat er sich aus unserem Dich-\ntergarten das Verschiedenste auszusuchen gewusst und\nüberrascht bei Jedem aufs Neue durch die Proteus-Natur\nseiner musicalischen Lyrik.\nFreilich sind das keine Lieder für Kaffees und Thees,\naber ein Schatz für die grosse, überall vertretene Kunst-\nliebhaberschaft, die nicht bloss in der Singezeit der Vögel\nihr Herzensdrängen in Tönen ausathmen möchte, sondern\ndenen Apoll die wahre Liebe zur Kunst „ihrer selbst we-\ngen\" eingeimpft hat.\n\nA. H."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-04-14-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-04-14_01#c003", "volume": "bmtnabi_1866-04-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "115", "page_fin": "116", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660414-01.2.3", "titre_corps": "Auflösung der grossen Oper in Paris als kaiserliches Kunst-Institut.", "titre_sommaire": "Auflösung der grossen Oper in Paris als kaiserliches Kunst-Institut.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660414-01.1.3", "debut_caractere": 3012, "fin_caractere_exclue": 5002, "texte": "Auflösung der grossen Oper in Paris als\nkaiserliches Kunst-Institut.\nUnsere Leser erinnern sich der Mittheilung unseres\npariser Correspondenten, dass die Mitglieder des Orche-\nsters der kaiserlichen grossen Oper eine Beschwerdeschrift\nüber zu geringes Gehalt bei dem Minister des kaiserlichen\nHauses, Marschall Vaillant, eingereicht hatten. Es erfolgte\ndarauf in so fern ein günstiger Bescheid, als das Budget\nfür das Orchester um 16,000 Francs jährlich aus der\nCasse der kaiserlichen Civilliste erhöht wurde. Damit wa-\nren die Herren Künstler aber keineswegs zufrieden, son-\ndern wiesen die Annahme dieser Gehalts-Erhöhung zu-\nrück und bebarrten, wofern jene Summe nicht erhöht\nwürde, auf Einstellung ihrer Mitwirkung.\nDas war dem Minister doch etwas zu arg. Er ver-\nfügte sich mit dem Ober-Intendanten, Grafen Bacciocehi,\nund dem Sections-Chef der Theater-Angelegenheiten,\nHerrn Doucet, zum Kaiser und sie schlugen ihm die Auf-\nlösung des jetzigen Verhältnisses der Regierung zur Oper\nund die Zurückgabe des Instituts an die Privat-Unterneh-\nmung vor.\nDer Kaiser ging auf der Stelle darauf ein und fügte\nnur hinzu, dass die bisherige Subvention aus Staatsmitteln\nbeibehalten und noch um 100,000 Francs aus der Casse\nder Civilliste vermehrt werden solle, damit man die plötz-\nliche Maassregel nicht auf Rechnung der Sparsamkeit\nschreibe.\nHierauf erschien das Decret vom 22. März, gemäss\ndessen die Verwaltung der Oper vom 15. April d. J. an\neinem Unternehmer (Directeur-entrepreneur) überlassen\nwerden soll, der sie auf seine Kosten und Gefahr zu füh-\nren hat. Er bat eine Caution von 500,000 Francs zu\nstellen; zu dieser werden die 100,000 Francs von der\nCivilliste fünf Jahre lang baar hinterlegt, vom sechs-\nten Jahre an tritt aber der Director in den Genuss der-\nselben. Die gegenwärtig laufenden Verträge mit dem\nOpern-Personale hat er zu halten. (Zu irgend einer Er-\nhöhung der Gehälter ist er mithin nicht im Geringsten\nverpflichtet, dagegen steht z. B. dem Orchester die ange-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660414-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1205, "texte": "kündigte Einstellung der Arbeit frei.) Die Pensions-Casse\nbleibt unter der Verwaltung der Regierung.\nDem Vernehmen nach ist der frühere Director Roque-\nplan als Unternehmer vom Minister bestätigt worden.\nZu den Lasten, die der Director übernehmen muss,\ngehört nach wie vor die Abgabe an die städtischen Ar-\nmen, welche auch während der Periode der kaiserlichen\nVerwaltung bezahlt wurde. Die Rechnungs-Ablage über\ndie ersten 100 Vorstellungen der „ Africanerin\" hat fol-\ngendes Resultat gegeben:\nErtrag der Einnahme 1,060,000 Francs.\nDa das Autorrecht bei der Oper auf 500 Francs für\njede Vorstellung festgesetzt ist, so haben die beiden Auto-\nren (die Erben Scribe und Meyerbeer) 50,000 Francs\nerhalten, wovon jedem die Hälfte zukommt.\nDie Armencasse erhält ein Eilftel von der Brutto-\nEinnahme: während also Meyerbeer 25,000 Francs von\nden 100 Vorstellungen seiner Oper erhalten hat, ist der\nArmenfonds in den Besitz von 96,364 Francs, mithin die\nTheatercasse um beinahe 100,000 Francs zu kurz ge-\nkommen. Diese Zusammenstellung zeigt klarer als jede\nErörterung die Unverhältnissmässigkeit des so genannten\nArmenrechts auf die Beschlagnahme des Ertrags der Kunst\nund des verdienten Lohnes der Künstler*)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-04-14-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-04-14_01#c004", "volume": "bmtnabi_1866-04-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "116", "page_fin": "116", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660414-01.2.4", "titre_corps": "Clapisson.", "titre_sommaire": "Clapisson.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660414-01.1.4", "debut_caractere": 1207, "fin_caractere_exclue": 4515, "texte": "Clapisson.\n(Nekrolog.)\nAntoine Louis Clapisson ist am 19. März durch\nVernachlässigung eines leichten Unwohlseins in seinem\nachtundfünfzigsten Jahre plötzlich gestorben.\nEr war zu Neapel den 15. September 1808 geboren;\nsein in Lyon angesessener Vater war damals im Dienste\ndes Königs Murat, kehrte aber nach den Ereignissen von\n1815 nach Frankreich zurück. Seit 1830 auf dem Con-\nservatorium zu Paris, war Clapisson Habeneck's Schüler\nim Violinspiel und Reicha's in der Composition. Seine er-\nsten Compositionen waren Concerte für die Violine. Bald\naber, nachdem er die Anstalt verlassen, machte er sich\ndurch Romanzen vortheilhaft bekannt und gab sich der\nNeigung hin, für die Oper zu schreiben. Sein erster Ver-\nsuch glückte: seine erste Oper in drei Acten, „La Figu•\nrante\", hatte 1838 auf dem Theater der komischen Oper\nentschiedenen Erfolg. Eine Reihe von Opern und Operet-\nten, für dasselbe Theater geschrieben, erwarben nur ge-\ntheilten Beifall; am längsten hielt sich „Gibby\" (in drei\nActen, 1846). An der grossen Oper machte seine „ Jeanne\nla Folie\" namentlich durch den schlechten Text (obwohl\ner von Scribe war) Fiasco, eben so eine andere Arbeit\nfür die komische Oper. Dagegen erholte er sich von die-\nsen Missgeschicken im Theätre lyrique, wo er mit „La\nPromise\" (1854) und vollends mit „La Fanchonette*\n(1856) grosses Glück machte. Spätere Arbeiten kamen\ndiesen beiden, namentlich der letztgenannten, welche of-\nfenbar sein bestes Werk ist*), nicht gleich. In seinem\nNachlasse befindet sich noch eine vollständige Partitur:\n„Der Baron von Trenck*.\nClapisson's Werke zeugen von Talent und natürlicher\nLeichtigkeit der Arbeit, lassen aber wirkliches Genie ver-\nmissen. Dass er nicht in die neuen Bahnen der komischen\nOper, auf welchen sie zu sentimentalem Drama mit grös-\nseren musicalischen Formen wurde, einlenkte, möchte\nnicht zu tadeln gewesen sein, allein es fehlte ihm an Er-\nfindungsgabe, um die ältere schöne Form der Boieldieu'-\nschen Oper würdig auszufüllen.\nIm Jahre 1847 wurde er zum Officier der Ehren-\nlegion ernannt und 1854 zum Mitgliede des Instituts an\nStelle, als dieser zum immerwährenden Secretär\nder Akademie der schönen Künste gewählt worden war.\nEr leitete eine Classe im Conservatoire, wo er auch zu-\nletzt wohnte als Conservator der Instrumenten-Sammlung,\ndie er dem Staate für 30,000 Francs und eine Rente von\n3000 Francs, welche auch seine Witwe fortbezieht, ver-\nkauft hatte. Diese merkwürdige Sammlung hatte Clapisson\nseit Jahren mit der echten Liebhaberei eines musicalischen\nAlterthümlers und vielem Aufwand an Geld und Zeit im\nAufspüren und Ankaufen von Seltenheiten zusammen ge-\nbracht; sie enthält besonders Instrumente aus dem Mittel-\nalter und eine schöne Reihenfolge von solchen, die aus\nden drei letzten Jahrhunderten herrühren.\nSeine Obsequien wurden mit Glanz gefeiert und ga-\nben durch die Theilnahme sämmtlicher Mitglieder des In-\nstituts, der Professoren des Conservatoriums, Auber an\nihrer Spitze, und einer grossen Anzahl von musicalischen\nund anderen Notabilitäten Zeugniss von der Achtung, die\ner als Künstler und als Mensch genoss.\n*) Bekanntlich hat die Theater-Direction in Köln auch diese\nArmenabgabe, als Denkmal der französischen Herrschaft am Rheine!\nnoch zu leisten. Hoffentlich wird sie im laufenden Jahre doch end-\nlich abgeschafft werden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-04-14-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-04-14_01#c005", "volume": "bmtnabi_1866-04-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "116", "page_fin": "118", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660414-01.2.5", "titre_corps": "Aus Hamburg.", "titre_sommaire": "Aus Hamburg.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660414-01.1.4", "debut_caractere": 4517, "fin_caractere_exclue": 4811, "texte": "Aus Hamburg.\n(Aufführung der Johannes-Passion von J. S. Bach.)\nAm Dinstag den 27. März wurde die Johannes-Pas-\nsion durch die Sing-Akademie des Herrn Stockhausen\nunter Leitung des Herrn Grädener in der grossen Mi-\nchaeliskirche aufgeführt.\n\n*) Vgl. Niederrh. Musik-Zeitung, Jahrg. 1856, Nr. 30."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660414-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5467, "texte": "Mit Sorgfalt vorbereitet, war die Aufführung im All-\ngemeinen zu befriedigen geeignet, wenn auch gegen Ein-\nzelheiten manche Einwendungen sich erheben lassen. Der\nChor zeigte durchschnittlich Festigkeit und Reinheit, über-\nhaupt die bereits früher ihm zuerkannten Vorzüge; ein-\nzelne Unebenheiten waren nicht von Bedeutung. Man sah,\ndass der Chor im Ganzen gut studirt hatte, wenn man\nauch glauben möchte, dass er noch Höheres zu leisten im\nStande ist. Nicht überall einverstanden sein konnte man\nmit dem Tempo. So würde der Einleitungs-Chor, um ein\nnur Geringes langsamer genommen, erheblich an Würde\ngewonnen haben; und den Turbae gegenüber darf man,\nihrer dramatischen Natur ungeachtet, doch nicht verges-\nsen, dass sie immerhin einem kirchlichen Werke angehö-\nren. In den Chorälen traf man durchschnittlich das Rich-\ntige, und am besten wirkten: „Durch Dein Gefängniss\"\n(a capella), und die der Partitur gemäss auch durch In-\nstrumente verdoppelten, am wenigsten gut die von der\nOrgel allein begleiteten.\nDas Princip, von welchem man bei Verwendung der\nOrgel sich hat leiten lassen, habe ich mir überhaupt nicht\nklar machen können. Den Einleitungs-Chor hätte sie noch\nviel grossartiger auszubauen und in der Zusammenwir-\nkung zu steigern vermocht, als geschah. Eben so den leicht\nmonoton werdenden Schluss-Chor; mehr füllend, färbend\nund verstärkend, würde sie ihm mehr Wucht und Ab-\nwechslung verliehen haben, während sie wesentlich nur\nauf die Ritornelle sich beschränkte, in denen sie aber doch\nentbehrlicher ist. In den Volkschören fehlte sie unbegreif-\nlicher Weise ganz, wiewohl sie gerade hier die besten\nEffecte hätte hervorbringen und den Chören eine Energie\nund Schlagkraft mittheilen können, welche doch von aller\nverweltlichenden Dramatik weit entfernt bleibt. So insbe-\nsondere den Chören: „Nicht diesen, sondern Barrabam\",\n„Kreuzige\", „Weg, weg mit ihm!\" „Wir haben keinen\nKönig!\" „Lasset uns den nicht zertheilen\" u. s. w., wo\nsie theils die Gruppirung plastischer herausbildend und\nkräftiger zusammenfassend, theils färbend, verbindend und\neinen festen Untergrund bildend hätte verfahren können.\nEben so fehlte sie mit Einer Ausnahme in den Arien. In\n„Ich folge Dir\" diente zwar Ciavier zur Ausfüllung, doch\nlassen sich gegen die Anwendung des Claviers in Bach'-\nschen Arien (in Händel'schen ist sie häufig ausser Zweifel)\nüberhaupt manche Bedenken erheben; den meist durch-\naus gebundenen Solo-Begleit-Instrumenten gegenüber er-\nscheinen seine abgerissenen, klappenden Accorde trocken\nund nüchtern, und sein kurzer Klang ist für eine feine\ncontrapunktische Durchbildung der Mittelstimmen bei\nWeitem weniger geeignet, als der tragende Orgelklang.\nFerner vermittelt letzterer vortrefflich zwischen den Sing-\nstimmen und Instrumenten und verleiht unruhigen Bewe-\ngungen mehr Haltung, in welchem Sinne die Orgel auch\nin der Arie: „Eilt, ihr angefochtenen Seelen\", sehr wohl-\nthuend hätte eingreifen können. Nur in der Arie: „Mein\ntheurer Heiland\", wurde sie angewendet, meist aber zu\nstark registrirt, sowohl in den Ritornellen als auch ver-\nhältnissmässig in der Begleitung der Singstimme. Im Arioso:\n„Betrachte meine Seele\", that das Orgel-Pedal beste Wir-\nkung, eben so das volle Werk in der Stelle vom Zerreis-\nsen des Vorhanges. Die Recitative Jesu wurden theils vom\nCiavier, theils von der Orgel accompagnirt, einen Grund\nfür diese Theilung vermag ich aber nicht herauszufinden.\nIn der Matthäus-Passion hat bekanntlich Bach zu allen\nReden des Heilandes Streich-Quartett gesetzt, um eben\nseine ganze Erscheinung idealer zu färben; nur im\nEli!\" erlischt dieser Heiligenschein vor dem Herannahen\ndes Todes. Bach hat also unverkennbar die ganze Person\nChristi vor den übrigen Personen auszeichnen wollen, nicht\nbloss einzelne seiner Reden, und jenes Fortfallen dieser\nAuszeichnung allein beim Eli ist ein wundervoller Zug\nkünstlerischer Feinheit. Die eine Rede aber auf gewöhn-\nliche Art mit Ciavier zu begleiten, die andere mittels der\nOrgel hervorzuheben, wie man hier in der Johannes-Pas-\nsion ziemlich willkürlich that, ist gar keine Veranlassung\nvorhanden; Ein Wort Christi in diesen letzten leidenden\nMomenten ist geschichtlich so bedeutungsvoll, als das an-\ndere. Uebrigens klang das Orgel-Accompagnement zu den\nRecitativen nicht gerade zum besten, es war auch hier im-\nmer noch zu stark, wodurch die ohne alle Bewegung der\nStimmen so lange anhaltenden Accorde mitunter etwas\nentschieden Starres bekamen. In den Chorälen hätte man\nebenfalls mehr bei der Praxis Bach's bleiben und nach\nVorschrift der Partitur verfahren sollen, wie man in dem\nersten und letzten Choral beider Theile auch mit bestem\nErfolge that. Der reine einzelner Cho-\nräle kann allerdings von schönster Wirkung sein, aber das\nBegleiten durch die Orgel allein, ohne Instrumente, hat\nwenig für sich; denn die Orgel scheidet sich von den Stim-\nmen ab, die Rundung des Zusammenklanges fehlt, zur\nVerdeutlichung der Stimmführung trägt sie (auch unter\nAnwendung von Rohrwerken) nicht bei, sondern verdun-\nkelt sie noch eher, während die von Bach vorgeschriebene\nVerdoppelung der Singstimmen durch Flöten, Oboen und\nnamentlich Geigen nicht allein die Stimmführung ver-\nschärft, sondern auch den Chor vortrefflich mit der Orgei\nvermittelt, den ganzen Zusammenhang füllt und rundet\nund ihm einen feinen Schimmer verleiht. Die Orgel darf\ndabei nur einen gewichtigen, aber ganz weichen Unter-\ngrund geben, über dem die Stimmen, ohne gedeckt zu\nwerden, beliebig sich moderiren können."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660414-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3048, "texte": "Dem zweiten Tbeile des Werkes ging ein ziemlich\nweit ausgesponnenes Orgel-Präludium vorauf, dem aber,\num einheitlich zum Ganzen zu sein, vor Allem der Bach'-\nsche Geist fehlte; es war vielmehr ziemlich trocken und\nohne innere Beziehung zum Ganzen.\nDie Soli waren überwiegend in den besten Händen.\nDie Partie des Jesus und die Bass-Arien der gläubigen\nSeele trug Herr Stockhausen vor. Man kann vor der\nKunst dieses vortrefflichen Sängers alle Achtung haben\nund doch mit seiner Wiedergabe dieser Partie nicht über-\nall einverstanden sein. In welchem Maasse Herrn Stock-\nhausen alle Kunstmittel des Vortrages zu Gebote stehen,\nist allbekannt, nur ist die Kirchenmusik strengeren Stils\nnicht gerade das Feld, auf welchem er mit vorzugsweisem\nGlückesich bewegt. [?] Auch litt die e an Ueber-\neilung, woraus nicht nur Undeutlichkeit namentlich der\nBegleitung entstand, sondern auch die Fragen des Chors:\n„Wohin?\" nothwendig etwas Leidenschaftliches und Ge-\nreiztes annehmen mussten und überdies bei der Schwie-\nrigkeit einzelner Einsätze nicht immer correct und wohl-\nklingend bleiben konnten.\nEben dasselbe gilt von der Sylbendehnung des Evan-\ngelisten auf dem Worte „geisselte\"; schon an sich eigent-\nlich unschöne Malerei, wird diese Stelle, wenn mit solcher\nHast vorgetragen, dass die Bässe kaum folgen können,\ngeradezu gewaltsam. Im Uebrigen aber fand der Evange-\nlist, ungeachtet aller ausserordentlichen Schwierigkeit die-\nser Partie, an Herrn Wolters aus Braunschweig (Schü-\nler von Herrn Koch in Köln) einen die beste Anerkennung\nverdienenden Vertreter. Seine Stimme ist umfangreich,\nkräftig und sehr wohlklingend, sein Naturel musicalisch;\ndabei bekundet seine Vortragsart eine tüchtige Schule:\nDeclamation und Betonung zeugten überall von Verständ-\nnisse wie überhaupt die ganze Auffassung gesund, natür-\nlich, einfach und doch von angenehmer Wärme belebt er-\nschien. Ueber Fräulein Mandl ist es erfreulich, berichten\nzu dürfen, dass sie namentlich die nicht leichte\nArie: „Ich folge dir!\" mit vielem Glück überwand und\nrecht wohl zur Geltung brachte. Die Alt-Arie mit der\nSolo-Gambe: „Es ist vollbracht!\" fand eine gehaltvolle,\nwürdige und durch ein schönes Stimm-Organ gehobene\nWiedergabe und in Herrn Lee (die Gamba ganz richtig\ndurch Violoncell und nicht durch Viola ersetzt) einen vor-\ntrefflichen Begleiter. Nur durfte man die Vorschläge und\nVorhalte zwischen Begleitung und Singstimme überall con-\nform, und zwar durchgängig lang (als Vorhalte) wünschen.\nIm Grossen und Ganzen verdient die Aufführung, als\nmit Sorgfalt vorbereitet und in wesentlichen Punkten ge-\nlungen, besten Dank und Anerkennung, wie sie auch einer\nnoch zahlreicheren Betheiligung des Publicums wohl werth\ngewesen wäre. Aber ungeachtet aller Herrlichkeit der\nPassion nach dem Johannes, wird doch der Wunsch rege,\nim nächsten Jahre die Matthäus-Passion vorgeführt zu\nsehen, nicht allein ihrer höheren Kunstgeltung wegen,\nsondern auch damit das Publicum durch Vergleichung\ndieser Werke zu einer selbständigen Ansicht über beide\ngelangen könne. v. Dommer. (Hamb. Corr.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-04-14-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-04-14_01#c006", "volume": "bmtnabi_1866-04-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "118", "page_fin": "119", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660414-01.2.6", "titre_corps": "Das 43. niederrheinische Musikfest in Düsseldorf.", "titre_sommaire": "Das 43. niederrheinische Musikfest in Düsseldorf.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660414-01.1.6", "debut_caractere": 3050, "fin_caractere_exclue": 5047, "texte": "Das 43. niederrheinische Musikfest in Düsseldorf.\nDas im Jahre 1863 hier gefeierte Musikfest hat die\nErbauung eines grossen, neuen Festsaales zur Folge ge-\nhabt und soll derselbe mit dem 43. niederrheiniscben Mu-\nsikfeste zu Pfingsten, am 20., 21. und 22. Mai d. J., hier-\nselbst seine künstlerische Weihe erhalten.\nWir haben uns verpflichtet erachtet, dieses für un-\nseren Musikverein immerhin bedeutsame Ereigniss zunächst\ndadurch zu feiern, dass wir diejenigen geehrten Künstler,\nwelchen wir den Erfolg des letzten Festes so wesentlich\nverdanken, auch diesmal wieder hier vereinigen. Es haben\ndaher die Herren Musik-Directoren Otto Goldschmidt\naus London und Julius Tausch von hier die Leitung\nder Aufführungen freundlichst übernommen, und Frau\nJenny Lind-Goldschmidt aus London, Fräulein von\nEdelsberg aus Berlin, Herr Dr. Gunz aus Hannover,\nHerr Stockhausen aus Hamburg ihre abermalige Mit-\nwirkung gütigst zugesagt.\nWir haben es ferner für passend gehalten, bei der\nFeststellung des Programms an diejenigen bedeutenden\nMänner zu erinnern, welche hier in Düsseldorf der Reihe\nnach einen hervorragenden Einfluss auf die Entwicklung\ndes musicalischen Lebens gehabt haben, und wünschen\nwir desshalb Werke von Mendelssohn, Rietz, Hiller,\nSchumann und Tausch zur Aufführung zu bringen.\nDemnach haben wir für das Programm in Aussicht\ngenommen: am ersten Tage: Ouvertüre „Zur Weihe\ndes Hauses\" von Beethoven; „Messias\", Oratorium\nvon Händel. Am zweiten und dritten Tage: Sce-\nnen aus der „Armide\" von Gluck; Sinfonie Eroica von\nBeethoven; Cantate für Doppelchor und Orgelbegleitung\nvon J. S. Bach; Musik zu „Athalia\" von Mendelssohn;\nÄ-moll-Concert für Pianoforte und Orchester von Robert\nSchumann; „Pfingsten\", Vocalwerk von Ferdinand\nHiller; Ouvertüren von J. Rietz und J. Tausch; Solo-\nVorträge.\nAn der Mitwirkung zu diesen Aufführungen werden\nsich ferner betheiligen: Madame Parepa aus New-York\n(Sopran), Frau Clara Schumann (Pianoforte) aus Ba-\nden-Baden, Musik-Director Weber aus Köln und Herr"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660414-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 358, "texte": "van Eyken aus Barmen (Orgel), Herren Concertmeister\nAuer (Violine) und de Swert (Cello). Die grosse Orgel\nin dem neuen Saale hat 53 klingende Stimmen (2064\nPfeifen) und ist aus der Fabrik von Johann Friedrich\nSchulze5s Söhnen in Paulinzelle*).\nDüsseldorf, 21. März 1866. Das Comite des 43.\nniederrheinischen Musikfestes. Im Auftrage: von Sybel,\nVorsitzender."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-04-14-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-04-14_01#c007", "volume": "bmtnabi_1866-04-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "119", "page_fin": "119", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660414-01.2.7", "titre_corps": "Concert der Liedertafel in Elberfeld.", "titre_sommaire": "Concert der Liedertafel in Elberfeld.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660414-01.1.7", "debut_caractere": 360, "fin_caractere_exclue": 5035, "texte": "Concert der Liedertafel in Elberfeld.\nEs ist sehr erfreulich, dass die Sängervereine am Niederrheine\nin den letzten Jahren begonnen haben, ihren Concerten mehr Man-\nnigfaltigkeit und zugleich einen mehr künstlerischen Gehalt zu ver-\nleihen, als die sonst übliche Reihe von vierstimmigen Liedern allein\nzu bieten vermochte. Sie haben dies dadurch erreicht, dass sie zu-\nnächst Compositionen für Männergesang mit Orchester in ihre Pro-\ngramme aufnahmen und dann auch Sologesang von Frauenstimmen\nmit Männerchor nicht davon ausschlössen. Den ersten Anstoss zur\nVerbindung der beiden letztgenannten Musik-Elemente hatte vor\nJahren F. Hiller durch seine in Rom geschriebenen vortrefflichen\nLieder für Sopran-Solo und Männerchor gegeben; allein erst in\nneuerer Zeit wurden diese Lieder häufiger und mit grossem Beifalle\ngesungen und regten zu grösseren Compositionen für Männerchor,\nSoli von Frauen- und Männerstimmen und Orchester an, unter de-\nnen die „Velleda\" von J. Brambach und der „Frithjof\" von Max\nBruch besonders hervortraten. Die Liedertafel von Elberfeld ist nun\nin ihrem letzten Concerte Sonntag, den 8. April noch weiter\ngegangen, indem sie in das Programm desselben eine Ouvertüre,\nGesänge für Sopran und Bariton und ein Instrumental-Solo für Harfe\naufnahm und nur einen Männerchor mit Orchester („Römischer\nTriumphgesangu von M. Bruch) zum Schlüsse der ersten Abthei-\nlung, und für die zweite den „Frithjof\" von M. Bruch bestimmte.\nAuf diese Weise kam ein Concert zu Stande, das sowohl durch\ndie Wahl der Musikstücke, als durch die Ausführung einen herr-\nlichen Kunstgenuss gewährte, dem der Gesang von Fräulein The-\nrese Tietjens und des Herrn Karl Hill einen ganz besonderen\nGlanz verlieh. Sämmtliche Aufführungen der Gesammtwerke (der\nOuvertüre „Im Hochland\" von Gade und der beiden genannten Vo-\ncalwerke) waren von Herrn Musik-Director Hermann Schorn-\nstein sorgfältig vorbereitet und wurden von ihm mit richtigem Ver-\nständnisse und mit Sicherheit dirigirt. Der Chor bestand aus den\nMitgliedern der elberfelder, barmer und crefelder Liedertafeln u. s. w.\nund bildete eine durch frische Stimmen klangvolle Masse, welcher\ndie ganz vorzügliche Akustik des Casinosaales noch ausserdem zu\nStatten kam; das Orchester bestand aus den Mitgliedern der Lan-\ngenbach'schen Capelle.\nNatürlich war Therese Tietjens der leuchtendste Stern des\nAbends; die grosse Künstlerin war trotzdem, dass sie eben erst von\nHamburg kam, wo sie die Aufführung von Händel's „Judas Macca-\nbäus\" (durch den Verein des Musik-Directors Deppe) verherrlicht\nund drei Mal auf der Bühne gesungen hatte, so vorzüglich bei\nStimme, dass es uns vorkam, als hätten wir dieses wunderbare Or-\ngan noch nie in so vollendeter Schönheit gehört. Allein es ist frei-\nlich das Kennzeichen des Ausserordentlichen, dass man die letzte\nErscheinung desselben stets für die beste hält. Sie sang die Brief-\nArie aus Don Juan und zwei Lieder von Schumann, denen sie nach\nstürmischem Hervorrufe noch eines von Schubert zugab. So bezau-\nbernd diese Vorträge auch waren, so war doch die Wiedergabe der\nbeiden Solonummern der Ingeborg in Bruch's „Frithjof\", namentlich\nvon „Ingeborg's Klage\", eine so vollendet künstlerische und so see-\nlenvolle Leistung, dass der Eindruck davon allen Anwesenden un-\nvergesslich sein wird. Aber nicht bloss würdig, sondern ebenbürtig\nstand ihr Karl Hill zur Seite, der in dem Duett von Haydn:\n„Holde Gattinu, mit ihr, dann in zwei Liedern für Bariton und vor\nAllem in der Partie des Frithjof den Klang einer Stimme, in wel-\ncher jeder Ton den Adel derselben bekundet, und das Feuer wie\nden Schmelz des Vortrages auf so treffliche Weise entfaltete, dass\ndie herrliche Composition dadurch wieder einen neuen Glanz bekam.\nDa die Chöre gut einstudirt waren und schwungvoll ausgeführt\nwurden, so war auch bei dieser Aufführung wieder, wie bei allen\nfrüheren, der Eindruck des genialen Werkes auf die Mitwirkenden\nund die Zuhörer, welche den Saal bis in die letzten Räume füllten,\nein mächtiger und überall zündender.\nNeben so grossartigen Productionen verdient es eine besondere\nHervorhebung, dass das Harfen-Solo, eine Salon-Composition von\nGodefroi, durch die vortreffliche Ausführung des Fräuleins Jansen,\ndie eine Zierde des kölner Orchesters ist, rauschenden Beifall ge-\nwann, den die grosse technische Fertigkeit und die auf diesem In-\nstrumente so schwierig zu bewirkende Nuancirung des Vortrags mit\nRecht verdienten.\n*) Für diejenigen Kunstfreunde, welche dem Feste als Zuhörer\nbeizuwohnen gedenken, fügen wir hinzu, dass der Eintrittspreis für\ndie drei Tage sechs Thaler beträgt, und dass sicherem Verneh-\nmen nach bis zum 11. April bereits 1067 Plätze bestellt waren.\nDie Redaction."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-04-14-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-04-14_01#c008", "volume": "bmtnabi_1866-04-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "119", "page_fin": "120", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660414-01.2.8", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660414-01.1.7", "debut_caractere": 5037, "fin_caractere_exclue": 7362, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nHohl. Die sechste und letzte der Soireen für Kammer-\nmusik, welche uns so manchen edeln Kunstgenuss gebracht haben,\nfand am 10. d. Mts. Statt. Ein Violin-Quartett von H. Seidel\n(Capellmeister am hiesigen Theater), in anspruchsloser, gewandter\nForm gearbeitet, eröffnete die Sitzung. Herr Fr. Gernsheim spielte\ndarauf die Clavier-Partie in dem Quartett in Es von Schumann,\nOp. 47, mit grossem Beifalle, den sein durch Auffassung und tech-\nnische Ausführung lobenswerther Vortrag vollkommen verdiente;\ndas Werk selbst steht uns besonders dadurch, dass es ein wirkliches\nQuartett ist, höher, als das beliebte Quintett des Meisters. Eine\nschöne Ausführung des prächtigen Quintetts in C-dur, Op. 29, von\nBeethoven durch die Herren Japha, Derckum, von Königs-\nlöw, Fr. Weber und Schmit beschloss den Abend und fand\nnach jedem Satze lebhaften Applaus. In uns und gewiss Manchem\nunter den älteren Zuhörern lebte dabei die Erinnerung an Franz\nHartmann auf, der dieses Quintett zu seinen Lieblings-Vorträgen zählte.\nBerlin, 12. April. Im königlichen Opernhause gastirt jetzt\nFräulein Grün vom Hoftheater in Kassel, früher in Köln. Dieselbe\ntrat am Donnerstag den 5. d. Mts. zum ersten Male als Agathe auf,\nin einer Partie also, in der schon die bedeutendsten Künstlerinnen\naufgetreten sind, und in der sich auch gar manche Anfängerin ver-\nsucht hat. Dem Gaste ging ein guter Ruf voran, der sich auch hier\nwohl bewährt hat: die junge Dame gewann zuerst die Herzen des\nPublicums durch eine sehr anmuthige Erscheinung und wusste durch\nihre ganze Leistung sich diese Neigung zu erhalten, sie zu verstär-\nken. Sie besitzt ein schönes, ausgiebiges Organ, in allen Lagen\nwohlklingend, zum piano eben so geeignet, als zum forte, und\nmachte dadurch einen überaus günstigen Eindruck. Dazu besitzt sie\neine gute Schule, reine Intonation, deutliche Aussprache, so dass\nwir sie als eine treffliche' Acquisition für unsere Oper mit Freuden\nwillkommen heissen. Ihre Darstellung zeugte von Uebung und Ver-\nständniss; die Aufnahme Seitens des Publicums war eine sehr\nwarme, günstige. Der Max des Herrn Krüger war ein recht\nverständiger, braver Herr, der in der Schule gewiss immer ein gutes\nZeugniss erhalten hat, und der sich weder durch die Vorstellungen\nder höheren Magie des Herrn Prof. Fricke verblüffen, noch durch"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660414-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4004, "texte": "die Liebenswürdigkeit des Fräuleins Grün sehr hinreissen liess, auch\nseine- grosse Arie gar angenehm vortrug; freilich von einem Max,\nder vor dem Caspar bebt und für Agathe glüht, war nichts zu ent-\ndecken. Herr Fricke, Caspar, und Fräulein Gericke, das rei-\nzende Aennchen, waren recht lobwürdig. Am 10. feierte Fräulein\nGrün als Alice einen wahren Triumph und wurde schon nach dem\ndritten Acte als königliche Hof-Opernsängerin engagirt.\nBremen« Die Charfreitags-Aufführung des Händel'sehen\n„Messias\" durch die Sing-Akademie unter Musik-Director Rein-\nthaler's Leitung erfreute sich einer ganz ausserordentlichen Theil-\nnahme. Man schmeichelte sich Anfangs mit der Hoffnung, alle vier\nSolostimmen durch vier erste Celebritäteii vertreten zu sehen. Diese\nErwartung wurde nur zur Hälfte erfüllt. Auf die Mitwirkung der\nFrau Dustmann-Meyer musste sehr bald verzichtet werden; später\nschrieb auch Herr Stockhausen krankheitshalber ab; es blieben also\nnur Fräulein Caroline Bettelheim für die Alt- und Dr. Gunz\nfür die Tenor-Soli. Wir hatten übrigens Ursache, für den Ersatz der\nbeiden erstgenannten Sänger ganz dankbar zu sein, und auf die Fre-\nquenz in der Kirche hat die getäuschte Erwartung durchaus keinen\nEinfluss geübt. Diese überaus lebhafte Betheiligung liefert uns von\nNeuem den schönen Beweis, dass der Cultus der Meisterwerke Hän-\nin unserer Generation nichts weniger als erstorben ist. Wir\nglauben vielmehr, dass sie bei uns den Gipfelpunkt ihrer Popularität\nund damit auch ihrer künstlerischen und geistigen Wirkung noch\nvor sich haben. Die Ursache hiervon wird zunächst darin zu suchen\nsein, dass die musicalische Bildung sich im Allgemeinen zugleich\nvertieft und verbreitert hat; einen nicht unbedeutenden Antheil daran\nhaben aber ohne Zweifel auch die neuen Ciavier-Auszüge, welche\ndurch ihre Handlichkeit und Wohlfeilheit den Händel'schen Oratorien\nden Eingang in die weitesten musicalischen Kreise verschafft haben.\nUnter den vier Solisten ist Dr. Gunz als einer unserer ersten Tenor-\nsänger in der Oratorienmusik so anerkannt, dass über diese Seite\nder Ausführung nichts weiter zu sagen ist. Mit den Sopran-Soli\nfand Frau May r-Ol brich sich recht wohl ab. Die Frische und\nFestigkeit ihrer Stimme zeigen sich Anforderungen gewachsen, de-\nnen andere Sängerinnen erliegen würden. Was sie in dem Oratorien-\ngesange vorzugsweise noch herauszubilden hätte, wäre eine grössere\nWeichheit des Tones und ein festerer Ansatz. —Herr A. Schultze\naus Hamburg hat einen Namen als Oratoriensänger; seine techni-\nsche Bildung ist sehr bedeutend. Im Concertsaale war der Ton des\nGastes etwas schwach, in dem hallenden Räume der Kirche gewann\ner an Rundung und Kraft. Mit dem grössten Interesse sah man\nnatürlich der Ausführung der Alt-Partie durch Fräulein Bettel-\nheim entgegen. Allen Erwartungen ward die vollste Erfüllung.\nErst in dieser Aufführung schien durch die noch innigere Ver-\nschmelzung der verschiedenen Register und Tonfarben dieser gross-\nartigen Stimme deren ganze Schönheit sich zu erschliessen. Die\nPerle ihrer Vorträge war natürlich die des musicalischen Parts, die\nArie: „Er ward verschmäht und verachtet\" u. s. w. Die vier Stim-\nmen, so verschiedenartig auch immer, vereinigten sich in den Quar-\ntetten doch zu einem wirksamen Ganzen. Seitens der Akademie ist\neine gute Aufführung des „Messias\" eine alte Tradition; die diesmalige\nsetzte diese fort, und das Orchester unterstützte die Sänger aufs beste.\nDas Concert der Herren Jacobsohn (Violinist) und Kroll-\nmann (Pianist), zahlreich besucht, entsprach allen Erwartungen;\ndie Compositionen, voran Beethoven's Kreutzer-Sonate, erhielten\neine dem Geiste der Meister entsprechende würdige Ausführung.\nFräulein Schlömann, welche in dem Concerte mitwirkte, ist ein\nhäufigeres Hervortreten an die Oeffentlichkeit zu wünschen. Der\nWerth ihrer Leistungen steigerte sich mit dem Schwinden ihrer\nBefangenheit; der gelungenste Vortrag war der letzte, der der\nRiickert-Schumann'schen „Widmung\"; er verdiente ganz die ihm\ngewordene Auszeichnung."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660414-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nFerdinand Hiller als Lieder-Componist (Schluss). Auflösung der grossen Oper in Paris als kaiserliches Kunst-Institut.\nClapisson (Nekrolog). Aus Hamburg (Aufführung der Johannes-Passion von J. S. Bach). Von v. Do mm er. Das 43. nieder-\nrheinische Musikfest in Düsseldorf. Concert der Liedertafel in Elberfeld. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, sechste\nSoiree für Kammermusik Berlin, Fräulein Grün Bremen, Händel's „Messias\", Concert).\n\nFerdinand Hiller als Lieder-Componist.\n\n(Schluss. S. Nr. 14.)\nDas zweite Buch, zwölf Gesänge aus dem spanischen\nLiederbuche, nimmt für sich eine Sonderstellung ein; es\nzeigt uns Hiller in seiner Eigenschaft als Interpreten eines\nihm fremden, nationalen Elementes. Ohne uns bei einlei-\ntenden Deductionen aufzuhalten, rein von der musicali-\nschen Empirik ausgehend, freuen wir uns, Hiller den Lor-\nber auch hier reichen zu dürfen. Wenn es sich sagen und\nbeweisen Hesse, worin es liegt, dass diese Musik dem so\nhöchst eigentümlichen, aus der Poesie Calderon's, Lope\nde Vega's, Cervantes', aus den Bildern Murillo's, der Bar-\ntholomäusse zu uns sprechenden Geiste der Hispania einen\neben so scharfen als farbenwahren Spiegel vorgehalten,\nso erforderte das jedenfalls einen Aufwand von Worten\nund Zeit, der hier nicht am Orte ist. Wohl aber mögen\nwir die Lieder nicht vorüber führen, ohne es niederzu-\nschreiben, dass auch jetzt, nachdem sie uns zu bekannt\ngeworden, um noch durch den Reiz der Neuheit auf uns\nzu wirken, da wir die Feder führen, darüber ruhig zu\nberichten, uns ein Geist entgegenweht, dessen glühender\nAthem und dessen balsamischer Duft, gepaart mit der\nSchärfe und Knappheit des geistigen Ausdrucks, aus wei-\nter Ferne Kunde zu bringen scheint, deren ganze, theils\ntragische, theils wilde Natur für uns des fesselnd Wun-\nderbaren ungemein viel enthält.\nDie beiden ersten Lieder: „An die heilige Maria\" und\nderen „Wiegenlied\", eröffnen den Reigen in würdigster\nWeise. Nur ein Land, in dem die blühendsten Gefilde an\nschroffe Felsen-Regionen gränzen, wo die Contraste der\nUeppigkeit und der phantastischsten Unfruchtbarkeit so\nschroff an einander stossen und doch ein harmonisches\nGanzes bilden, konnte ein solches Werk erzeugen. Nur\nein solches Volk konnte eine so eigentümliche Welt der\nPhantasie erträumen. Alles erscheint sinnlicher und leiden-\nschaftlicher, zugleich aber auch schärfer gedacht und ori-\ngineller erfunden: Ist der geistige Horizont im Vergleich\nzum germanischen begränzter, so ist die geringere Anzahl\nder Stoffe im Colorit saftiger und farbengesättigter, in der\nZeichnung energischer und kecker.\nNr. 1 mit dem selbständigen Begleitungs-Motiv weist\nwieder einen originellen, so recht allem Formzwang ent-\nhobenen Schluss auf.\nDas andere Marienlied ist eine Perle, werth, den\nschönsten Murillo's an die Seite gestellt zu werden, so kurz\nes ist wenn auch als Gesang breit ausgeprägt.\nNr. 3, »Dereinst—wirst ruhig sein\", in kühler Erde\nnämlich, du unglücklich liebendes Herz! enthält ausser\nvielem Bedeutsamen jenes merkwürdige clair-öbscur der\nLeidenschaft, die im Leiden ermattet und zum letzten\nTröste greift, das in der Schluss-Pointe am kühnsten ge-\nmischt ist.\nStatt eingestrichen c d Tact 2 und 10, muss es beis-\nsen heingestrichen cin Nr. 4, ein Druckfehler, der beim\nersten Male entgehen könnte. S. 11 Z. 3 stellt sich bei\nden arpeggirenden Accorden, wo ein Mal auch das einge-\nstrichene e von beiden Händen hinter einander gegeben\nwerden muss ein Effect, den die deutsche Clavier-Me-\ncbanik kaum hergibt —, eine Mittelstimme dem Ohr von\nselbst heraus. Wie schön das bei dem Gedanken an die\ntiefen Fluten des Guadalquivir erschauernde, den Reiz des\nGesanges aufgebendepp parbndo der Stimme!\nDie „Nelken windende\" Liebende erscheint in Nr. 5\nvor uns. Die das Winden in der Linie der sich folgenden\nIntervallen vor dem geistigen Ohr hinzeichnende Tonfigur\nerhält durch das langsame Tempo so einfach sind die\nWirkungen, welche das Genie erfindet den Ausdruck\nder unter dem Druck der Trennung seufzenden Sehnsucht.\nMan verfolge die kunstreiche Weise, in der Ciavier und\nGesang an dieser Figur sich betheiligen. Wie die Finger\nfort und fort flechten und das Herz die Gedanken einstreut,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660414-01.1.2", "texte": "so spinnt jenes die Melodieen-Guirlande, in die der Ge-\nsang die Blumen einreiht. S. 13, T. 1 v. u., muss gleich\nMs, statt h, S. 15, T. 1, muss *f, statt stehen.\nNr. 6 ist ein in seiner absichtlichen Armuth desto\nschneidenderes Bild des Zustandes unbefriedigter Liebe,\ndie sich ihrer schmachtenden Leere beim Contraste des\nAnblicks erblühender Rosen bewusst wird. Ein richtiger\nVortrag macht die zum Ausdrucksmittel ein Blick\nder nichts Erwartenden aus mattem, weit geöffnetem Auge\nin die leere Ferne.\nDie Begleitung zu „Horch!\" muss so zart als möglich\nhingehaucht werden. Der Schluss des Liedes gab Veran-\nlassung zu dem kühnen Schlüsse der Stimme auf dem zwei-\ngestrichenen es.\nEine prosodiscbe Feinheit ist der eingeschobene 3/s-\nTact des folgenden Liedes vor den Pointen des Liedes. Zu\nden Worten: „Ach, dass ich ihr nahe wär'!\" bleibt die\nStimme stehen über der wie früher forteilenden Musik,\nwie der Herzenswunsch in dem Bilde wogender Unruhe\nder unbewegt darüber schwebende blasse Stern zu sein\nscheint.\nIn zartester Weise führt das Uebermaass der Be-\nglückung durch Liebe Nr. 9 uns vor. Freilich auch so echt\nglühend spanisch, deutscher „Nüchternheit\" vielleicht\nzu viel.\nAeusserst kühn und wild ist Nr. 10. Demjenigen, der\nin solch eine Stimmung sich versetzt, gewiss ein willkom-\nmener Fund. Ruhigeren Naturen erscheint wohl Manches,\ndas hier ganz am Platze ist, zu gewagt. So der Schluss.\nNun kommt ein reizendes Bild sich selbst täuschender\nunglücklicher Liebe, die den Magnet nebenher nur be-\nkennt und mit trügerischen Scheingründen die Schritte\nlenkt. Zwischen den Zeilen des Liedes, aus den Tönen,\nspricht Entsagung ihr trauriges Wort mit.\nDas letzte Lied: „Preciosa's Sprüchlein gegen Kopf-\nweh\", eine echt spanische Humoreske.\nWir nehmen Abschied von den spanischen Liedern.\nNoch einmal sei es gesagt: die nüchterne Gegnerschaft\nalles dessen, was in exotischer Excentricität auftritt, wird\nzuweilen nicht finden, was sich uns erschloss, ein mit glü-\nhender Wahrheit ausgestatteter, in dem Reichthum aller\nhierbei zu benutzenden Kunstmittel prangender bedeutsa-\nmer Genius eines fremden Volkes, dessen Verkehr uns\nsowohl durch den Reiz des Aussergewöhnlichen fesselte,\nals auch durch die leidenschaftliche Kernigkeit erfrischte.\nDas dritte Buch das inhaltreichste, denn es enthält\nzwanzig Lieder gibt zur Einleitung das „Spielmanns-\nlied\" von Geibel, so bekannt durch andere Compositionen»\nhier freilich in der musicalischen Bearbeitung, die wir für\ndie richtigere halten, und möchten wir dieses wohl als ein\nBeispiel, wie solche Lieder zu componiren sind, gelten\nlassen. Die Weise zu: „Ich habe dich lieb\", kehrt natür-\nlich unverändert wieder. Eigentlich nur acht Tacte lang,\nist sie ein in glücklichstem Augenblicke geborenes Kind\nder frischen Wanderlust in Bergesluft und Waldesduft.\nWie konnte der Sinn des zweiten Liedes treffender\ngegeben werden, als hier! Es ist, als ob die Melodie den\nin der Begleitung ertönenden lockenden Rufen umzaubert,\nwillenberaubt nachgeht.\nNr. 3. Neue Liebe in voller Gluth und Glückes-\nAhnung.\nDas Pilgerlied aus den siebenziger Jahren, hoffnungs-\nlose, sich bescheidende Mädchenliebe, ein Gegenstück zu\ndem Pagen von Geibel: „Da ich nun entsagen müssen\".\n„Um Mitternacht\" ist ein durch seine Wahrheit und\nOriginalität ausgezeichnetes feines Nachtbild.\nIn Nr. 6 kann beobachtet werden, wie einfach Hiller\nden Schluss des letzten Verses bei strophischer Behandlung\nder Composition hervorhebt, indem er das Ritornell der\nvorhergehenden Verse für einen angehängten Schluss der\nMelodie zur Begleitung werden lässt.\nLenau's „Schwerer Abend\", so markig, schauervoll\nwiedergegeben—übrigens ist das Agitato nicht zu schnell\nzu nehmen —, stellt sich der R. Schumann'schen Compo-\nsition an die Seite, ohne an Interesse einzubüssen.\nIn Nr. 8, „Es läuten die Osterglocken den Lenz ein\",\nmit dem erhebenden Schlüsse, vereint sich der Realismus\nder musicalischen Motive auf das reizvollste mit dem gei-\nstigen, aufstrebenden Inhalte.\nDas Rückert'sche „Grün ist der Jasminstrauch\", diese\nnur dem Deutschen verständliche Humoreske, zeigt, dass\nHiller einer der feinsten Eigentümlichkeiten seines Vater-\nlandes nicht mindere Hingebung zu zollen weiss.\nNr. 10, „Getrennte Liebe\", eines der dunkelsten\nStimmungsbilder des reichen Albums. Der Bass steigt\nlangsam und schwer chromatisch bis zur Dominante und\nschliesst. Die Melodie zieht, vielfach unterbrochen, in\neben so künstlicher als kühner und ausdrucksvoller Zeich-\nnung darüber hin.\n„Doppelter Frühling\", in der Natur und im Herzen.\nEine fröhliche, den ewig fröhlichen, zwitschernden Vögeln\nabgelauschte Plauderei. Das lehrt die Benutzung der er-\nsten Tacte des Vorspiels später S. 29, T. 7 B, so könnte\nman sagen, wollte man beweisen.\nDie kurze Nr. 12 bietet mehrfach Interessantes. Zu-\nerst T. 3 und 4, wo die Begleitung nicht feststellt, ob wir\nin A-moll oder C-dur sind, denn das entscheidende a oder\ng fehlt, und die Melodie erst den Schlussstein bringt: ein\nVerfahren, dieser musicalische Geltung zu geben, dem wir\nbei Hiller öfter begegnet sind. Dann der geschickte Sprung"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660414-01.1.3", "texte": "von 14 Tacten, und endlich, wie natürlich und schön die\nEntwicklung der Empfindung aus der Stimmung der Me-\nlancholie in der Einsamkeit bis zu dem schönsten Rinde\nder Liebe, der Dankbarkeit für die Glückspenderin.\nDie Prosodik des folgenden Liedes ist drei Mal 5/2-\nund zwei Mal 4/2-Tact. Sie überträgt die Satz-Construction\nmit ihrer geistigen Logik in die Musik. Den schwerer über-\nsichtlichen Vordersätzen im 5/2-Tacte stellt sich der er-\nquickende Nachsatz im 4/4-Tacte entgegen.\nDie Poesie der folgenden Nummer: ein Liebender\nwandelt Nachts auf den Wegen, die er mit der Geliebten\ngegangen wird durch die mannigfaltigsten Mittel musi-\ncalisch geschildert. Der Legato-Bass, die durchbrochene\nAccordfolge darüber, die Querstände, ja, scheinbare plan-\nvolle Verwirrung zwischen beiden alles dient, leicht er-\nfassbar, der Deutung, das Lied zu illustriren.\nEin reizendes Rondo, dessen Zwischensätze aus den-\nselben Motiven entstanden und doch so verschieden sind,\nist die graziöse, heitere Plauderei: „Glückliche Liebe\".\nWas die Melodie des Claviers S. 36, T. 12 ff. sagt, fühlt\nJeder, und wie konnte das anders gegeben werden, wenn\nnicht so?\nDass die Schlussworte des ersten Verses in Nr. 16:\n„Fahr' hin mit der Welle\", auf den abwärts arpeggirten\nverminderten Septimen-Accord geführt werden, ist ein\nGebrauch dieser jetzt so viel gemissbrauchten Harmonie,\ndie hieher gehört. Der folgende Vers bringt natürlich\neinen breiten Schluss.\n17, 18 und 19 zeigen das grosse Geschick Hiller's,\ndie Grundmelodie den Incongruenzen der Verse unter\neinander entsprechend zu ändern, ohne sie ganz aufzuge-\nben, sich selbst zu entfremden oder deren Werth zu ver-\nringern. In dieser Kunst wüssten wir kaum einen Anderen\nihm an die Seite zu stellen.\nDie letzte Nummer: „Herbstnacht\", ist ein Lied in\nbreitester, an Balladenform gränzender Anlage. Eine unge-\nmein reiche, phantastische und schwungvolle Composition.\nSchliesslich folge zur Feststellung der Richtung Hil-\nler's nur noch ein numerischer Ueberblick der Lieder ihrer\nGattung nach. Vorwiegend ist das Liebeslied, das mit 33\nNummern vertreten ist. Allgemeine erhabene Stoffe be-\nhandeln 10 (1, 3, 6, 9, 13 7 5, 6, 8, 11), reli-\ngiöse nur 1 und 2 des zweiten Buches, scherzhafte 11. 12\nund 11. 9. Im Liebesliede folgt er jedoch nicht einer typi-\nschen Einseitigkeit, wie sie sich in Ueberschwänglichkeit,\nWeltschmerzlichkeit oder jener der Masse so wohl-\nschmeckenden Ständchen-Seligkeit bei verschiedenen be-\nliebten Componisten zeigt; er ist in jeder Nummer neu.\nMit kritischem Jägerblicke hat er sich aus unserem Dich-\ntergarten das Verschiedenste auszusuchen gewusst und\nüberrascht bei Jedem aufs Neue durch die Proteus-Natur\nseiner musicalischen Lyrik.\nFreilich sind das keine Lieder für Kaffees und Thees,\naber ein Schatz für die grosse, überall vertretene Kunst-\nliebhaberschaft, die nicht bloss in der Singezeit der Vögel\nihr Herzensdrängen in Tönen ausathmen möchte, sondern\ndenen Apoll die wahre Liebe zur Kunst „ihrer selbst we-\ngen\" eingeimpft hat.\n\nA. H.\n\nAuflösung der grossen Oper in Paris als\nkaiserliches Kunst-Institut.\nUnsere Leser erinnern sich der Mittheilung unseres\npariser Correspondenten, dass die Mitglieder des Orche-\nsters der kaiserlichen grossen Oper eine Beschwerdeschrift\nüber zu geringes Gehalt bei dem Minister des kaiserlichen\nHauses, Marschall Vaillant, eingereicht hatten. Es erfolgte\ndarauf in so fern ein günstiger Bescheid, als das Budget\nfür das Orchester um 16,000 Francs jährlich aus der\nCasse der kaiserlichen Civilliste erhöht wurde. Damit wa-\nren die Herren Künstler aber keineswegs zufrieden, son-\ndern wiesen die Annahme dieser Gehalts-Erhöhung zu-\nrück und bebarrten, wofern jene Summe nicht erhöht\nwürde, auf Einstellung ihrer Mitwirkung.\nDas war dem Minister doch etwas zu arg. Er ver-\nfügte sich mit dem Ober-Intendanten, Grafen Bacciocehi,\nund dem Sections-Chef der Theater-Angelegenheiten,\nHerrn Doucet, zum Kaiser und sie schlugen ihm die Auf-\nlösung des jetzigen Verhältnisses der Regierung zur Oper\nund die Zurückgabe des Instituts an die Privat-Unterneh-\nmung vor.\nDer Kaiser ging auf der Stelle darauf ein und fügte\nnur hinzu, dass die bisherige Subvention aus Staatsmitteln\nbeibehalten und noch um 100,000 Francs aus der Casse\nder Civilliste vermehrt werden solle, damit man die plötz-\nliche Maassregel nicht auf Rechnung der Sparsamkeit\nschreibe.\nHierauf erschien das Decret vom 22. März, gemäss\ndessen die Verwaltung der Oper vom 15. April d. J. an\neinem Unternehmer (Directeur-entrepreneur) überlassen\nwerden soll, der sie auf seine Kosten und Gefahr zu füh-\nren hat. Er bat eine Caution von 500,000 Francs zu\nstellen; zu dieser werden die 100,000 Francs von der\nCivilliste fünf Jahre lang baar hinterlegt, vom sechs-\nten Jahre an tritt aber der Director in den Genuss der-\nselben. Die gegenwärtig laufenden Verträge mit dem\nOpern-Personale hat er zu halten. (Zu irgend einer Er-\nhöhung der Gehälter ist er mithin nicht im Geringsten\nverpflichtet, dagegen steht z. B. dem Orchester die ange-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660414-01.1.4", "texte": "kündigte Einstellung der Arbeit frei.) Die Pensions-Casse\nbleibt unter der Verwaltung der Regierung.\nDem Vernehmen nach ist der frühere Director Roque-\nplan als Unternehmer vom Minister bestätigt worden.\nZu den Lasten, die der Director übernehmen muss,\ngehört nach wie vor die Abgabe an die städtischen Ar-\nmen, welche auch während der Periode der kaiserlichen\nVerwaltung bezahlt wurde. Die Rechnungs-Ablage über\ndie ersten 100 Vorstellungen der „ Africanerin\" hat fol-\ngendes Resultat gegeben:\nErtrag der Einnahme 1,060,000 Francs.\nDa das Autorrecht bei der Oper auf 500 Francs für\njede Vorstellung festgesetzt ist, so haben die beiden Auto-\nren (die Erben Scribe und Meyerbeer) 50,000 Francs\nerhalten, wovon jedem die Hälfte zukommt.\nDie Armencasse erhält ein Eilftel von der Brutto-\nEinnahme: während also Meyerbeer 25,000 Francs von\nden 100 Vorstellungen seiner Oper erhalten hat, ist der\nArmenfonds in den Besitz von 96,364 Francs, mithin die\nTheatercasse um beinahe 100,000 Francs zu kurz ge-\nkommen. Diese Zusammenstellung zeigt klarer als jede\nErörterung die Unverhältnissmässigkeit des so genannten\nArmenrechts auf die Beschlagnahme des Ertrags der Kunst\nund des verdienten Lohnes der Künstler*).\n\nClapisson.\n(Nekrolog.)\nAntoine Louis Clapisson ist am 19. März durch\nVernachlässigung eines leichten Unwohlseins in seinem\nachtundfünfzigsten Jahre plötzlich gestorben.\nEr war zu Neapel den 15. September 1808 geboren;\nsein in Lyon angesessener Vater war damals im Dienste\ndes Königs Murat, kehrte aber nach den Ereignissen von\n1815 nach Frankreich zurück. Seit 1830 auf dem Con-\nservatorium zu Paris, war Clapisson Habeneck's Schüler\nim Violinspiel und Reicha's in der Composition. Seine er-\nsten Compositionen waren Concerte für die Violine. Bald\naber, nachdem er die Anstalt verlassen, machte er sich\ndurch Romanzen vortheilhaft bekannt und gab sich der\nNeigung hin, für die Oper zu schreiben. Sein erster Ver-\nsuch glückte: seine erste Oper in drei Acten, „La Figu•\nrante\", hatte 1838 auf dem Theater der komischen Oper\nentschiedenen Erfolg. Eine Reihe von Opern und Operet-\nten, für dasselbe Theater geschrieben, erwarben nur ge-\ntheilten Beifall; am längsten hielt sich „Gibby\" (in drei\nActen, 1846). An der grossen Oper machte seine „ Jeanne\nla Folie\" namentlich durch den schlechten Text (obwohl\ner von Scribe war) Fiasco, eben so eine andere Arbeit\nfür die komische Oper. Dagegen erholte er sich von die-\nsen Missgeschicken im Theätre lyrique, wo er mit „La\nPromise\" (1854) und vollends mit „La Fanchonette*\n(1856) grosses Glück machte. Spätere Arbeiten kamen\ndiesen beiden, namentlich der letztgenannten, welche of-\nfenbar sein bestes Werk ist*), nicht gleich. In seinem\nNachlasse befindet sich noch eine vollständige Partitur:\n„Der Baron von Trenck*.\nClapisson's Werke zeugen von Talent und natürlicher\nLeichtigkeit der Arbeit, lassen aber wirkliches Genie ver-\nmissen. Dass er nicht in die neuen Bahnen der komischen\nOper, auf welchen sie zu sentimentalem Drama mit grös-\nseren musicalischen Formen wurde, einlenkte, möchte\nnicht zu tadeln gewesen sein, allein es fehlte ihm an Er-\nfindungsgabe, um die ältere schöne Form der Boieldieu'-\nschen Oper würdig auszufüllen.\nIm Jahre 1847 wurde er zum Officier der Ehren-\nlegion ernannt und 1854 zum Mitgliede des Instituts an\nStelle, als dieser zum immerwährenden Secretär\nder Akademie der schönen Künste gewählt worden war.\nEr leitete eine Classe im Conservatoire, wo er auch zu-\nletzt wohnte als Conservator der Instrumenten-Sammlung,\ndie er dem Staate für 30,000 Francs und eine Rente von\n3000 Francs, welche auch seine Witwe fortbezieht, ver-\nkauft hatte. Diese merkwürdige Sammlung hatte Clapisson\nseit Jahren mit der echten Liebhaberei eines musicalischen\nAlterthümlers und vielem Aufwand an Geld und Zeit im\nAufspüren und Ankaufen von Seltenheiten zusammen ge-\nbracht; sie enthält besonders Instrumente aus dem Mittel-\nalter und eine schöne Reihenfolge von solchen, die aus\nden drei letzten Jahrhunderten herrühren.\nSeine Obsequien wurden mit Glanz gefeiert und ga-\nben durch die Theilnahme sämmtlicher Mitglieder des In-\nstituts, der Professoren des Conservatoriums, Auber an\nihrer Spitze, und einer grossen Anzahl von musicalischen\nund anderen Notabilitäten Zeugniss von der Achtung, die\ner als Künstler und als Mensch genoss.\n*) Bekanntlich hat die Theater-Direction in Köln auch diese\nArmenabgabe, als Denkmal der französischen Herrschaft am Rheine!\nnoch zu leisten. Hoffentlich wird sie im laufenden Jahre doch end-\nlich abgeschafft werden.\n\nAus Hamburg.\n(Aufführung der Johannes-Passion von J. S. Bach.)\nAm Dinstag den 27. März wurde die Johannes-Pas-\nsion durch die Sing-Akademie des Herrn Stockhausen\nunter Leitung des Herrn Grädener in der grossen Mi-\nchaeliskirche aufgeführt.\n\n*) Vgl. Niederrh. Musik-Zeitung, Jahrg. 1856, Nr. 30."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660414-01.1.5", "texte": "Mit Sorgfalt vorbereitet, war die Aufführung im All-\ngemeinen zu befriedigen geeignet, wenn auch gegen Ein-\nzelheiten manche Einwendungen sich erheben lassen. Der\nChor zeigte durchschnittlich Festigkeit und Reinheit, über-\nhaupt die bereits früher ihm zuerkannten Vorzüge; ein-\nzelne Unebenheiten waren nicht von Bedeutung. Man sah,\ndass der Chor im Ganzen gut studirt hatte, wenn man\nauch glauben möchte, dass er noch Höheres zu leisten im\nStande ist. Nicht überall einverstanden sein konnte man\nmit dem Tempo. So würde der Einleitungs-Chor, um ein\nnur Geringes langsamer genommen, erheblich an Würde\ngewonnen haben; und den Turbae gegenüber darf man,\nihrer dramatischen Natur ungeachtet, doch nicht verges-\nsen, dass sie immerhin einem kirchlichen Werke angehö-\nren. In den Chorälen traf man durchschnittlich das Rich-\ntige, und am besten wirkten: „Durch Dein Gefängniss\"\n(a capella), und die der Partitur gemäss auch durch In-\nstrumente verdoppelten, am wenigsten gut die von der\nOrgel allein begleiteten.\nDas Princip, von welchem man bei Verwendung der\nOrgel sich hat leiten lassen, habe ich mir überhaupt nicht\nklar machen können. Den Einleitungs-Chor hätte sie noch\nviel grossartiger auszubauen und in der Zusammenwir-\nkung zu steigern vermocht, als geschah. Eben so den leicht\nmonoton werdenden Schluss-Chor; mehr füllend, färbend\nund verstärkend, würde sie ihm mehr Wucht und Ab-\nwechslung verliehen haben, während sie wesentlich nur\nauf die Ritornelle sich beschränkte, in denen sie aber doch\nentbehrlicher ist. In den Volkschören fehlte sie unbegreif-\nlicher Weise ganz, wiewohl sie gerade hier die besten\nEffecte hätte hervorbringen und den Chören eine Energie\nund Schlagkraft mittheilen können, welche doch von aller\nverweltlichenden Dramatik weit entfernt bleibt. So insbe-\nsondere den Chören: „Nicht diesen, sondern Barrabam\",\n„Kreuzige\", „Weg, weg mit ihm!\" „Wir haben keinen\nKönig!\" „Lasset uns den nicht zertheilen\" u. s. w., wo\nsie theils die Gruppirung plastischer herausbildend und\nkräftiger zusammenfassend, theils färbend, verbindend und\neinen festen Untergrund bildend hätte verfahren können.\nEben so fehlte sie mit Einer Ausnahme in den Arien. In\n„Ich folge Dir\" diente zwar Ciavier zur Ausfüllung, doch\nlassen sich gegen die Anwendung des Claviers in Bach'-\nschen Arien (in Händel'schen ist sie häufig ausser Zweifel)\nüberhaupt manche Bedenken erheben; den meist durch-\naus gebundenen Solo-Begleit-Instrumenten gegenüber er-\nscheinen seine abgerissenen, klappenden Accorde trocken\nund nüchtern, und sein kurzer Klang ist für eine feine\ncontrapunktische Durchbildung der Mittelstimmen bei\nWeitem weniger geeignet, als der tragende Orgelklang.\nFerner vermittelt letzterer vortrefflich zwischen den Sing-\nstimmen und Instrumenten und verleiht unruhigen Bewe-\ngungen mehr Haltung, in welchem Sinne die Orgel auch\nin der Arie: „Eilt, ihr angefochtenen Seelen\", sehr wohl-\nthuend hätte eingreifen können. Nur in der Arie: „Mein\ntheurer Heiland\", wurde sie angewendet, meist aber zu\nstark registrirt, sowohl in den Ritornellen als auch ver-\nhältnissmässig in der Begleitung der Singstimme. Im Arioso:\n„Betrachte meine Seele\", that das Orgel-Pedal beste Wir-\nkung, eben so das volle Werk in der Stelle vom Zerreis-\nsen des Vorhanges. Die Recitative Jesu wurden theils vom\nCiavier, theils von der Orgel accompagnirt, einen Grund\nfür diese Theilung vermag ich aber nicht herauszufinden.\nIn der Matthäus-Passion hat bekanntlich Bach zu allen\nReden des Heilandes Streich-Quartett gesetzt, um eben\nseine ganze Erscheinung idealer zu färben; nur im\nEli!\" erlischt dieser Heiligenschein vor dem Herannahen\ndes Todes. Bach hat also unverkennbar die ganze Person\nChristi vor den übrigen Personen auszeichnen wollen, nicht\nbloss einzelne seiner Reden, und jenes Fortfallen dieser\nAuszeichnung allein beim Eli ist ein wundervoller Zug\nkünstlerischer Feinheit. Die eine Rede aber auf gewöhn-\nliche Art mit Ciavier zu begleiten, die andere mittels der\nOrgel hervorzuheben, wie man hier in der Johannes-Pas-\nsion ziemlich willkürlich that, ist gar keine Veranlassung\nvorhanden; Ein Wort Christi in diesen letzten leidenden\nMomenten ist geschichtlich so bedeutungsvoll, als das an-\ndere. Uebrigens klang das Orgel-Accompagnement zu den\nRecitativen nicht gerade zum besten, es war auch hier im-\nmer noch zu stark, wodurch die ohne alle Bewegung der\nStimmen so lange anhaltenden Accorde mitunter etwas\nentschieden Starres bekamen. In den Chorälen hätte man\nebenfalls mehr bei der Praxis Bach's bleiben und nach\nVorschrift der Partitur verfahren sollen, wie man in dem\nersten und letzten Choral beider Theile auch mit bestem\nErfolge that. Der reine einzelner Cho-\nräle kann allerdings von schönster Wirkung sein, aber das\nBegleiten durch die Orgel allein, ohne Instrumente, hat\nwenig für sich; denn die Orgel scheidet sich von den Stim-\nmen ab, die Rundung des Zusammenklanges fehlt, zur\nVerdeutlichung der Stimmführung trägt sie (auch unter\nAnwendung von Rohrwerken) nicht bei, sondern verdun-\nkelt sie noch eher, während die von Bach vorgeschriebene\nVerdoppelung der Singstimmen durch Flöten, Oboen und\nnamentlich Geigen nicht allein die Stimmführung ver-\nschärft, sondern auch den Chor vortrefflich mit der Orgei\nvermittelt, den ganzen Zusammenhang füllt und rundet\nund ihm einen feinen Schimmer verleiht. Die Orgel darf\ndabei nur einen gewichtigen, aber ganz weichen Unter-\ngrund geben, über dem die Stimmen, ohne gedeckt zu\nwerden, beliebig sich moderiren können."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660414-01.1.6", "texte": "Dem zweiten Tbeile des Werkes ging ein ziemlich\nweit ausgesponnenes Orgel-Präludium vorauf, dem aber,\num einheitlich zum Ganzen zu sein, vor Allem der Bach'-\nsche Geist fehlte; es war vielmehr ziemlich trocken und\nohne innere Beziehung zum Ganzen.\nDie Soli waren überwiegend in den besten Händen.\nDie Partie des Jesus und die Bass-Arien der gläubigen\nSeele trug Herr Stockhausen vor. Man kann vor der\nKunst dieses vortrefflichen Sängers alle Achtung haben\nund doch mit seiner Wiedergabe dieser Partie nicht über-\nall einverstanden sein. In welchem Maasse Herrn Stock-\nhausen alle Kunstmittel des Vortrages zu Gebote stehen,\nist allbekannt, nur ist die Kirchenmusik strengeren Stils\nnicht gerade das Feld, auf welchem er mit vorzugsweisem\nGlückesich bewegt. [?] Auch litt die e an Ueber-\neilung, woraus nicht nur Undeutlichkeit namentlich der\nBegleitung entstand, sondern auch die Fragen des Chors:\n„Wohin?\" nothwendig etwas Leidenschaftliches und Ge-\nreiztes annehmen mussten und überdies bei der Schwie-\nrigkeit einzelner Einsätze nicht immer correct und wohl-\nklingend bleiben konnten.\nEben dasselbe gilt von der Sylbendehnung des Evan-\ngelisten auf dem Worte „geisselte\"; schon an sich eigent-\nlich unschöne Malerei, wird diese Stelle, wenn mit solcher\nHast vorgetragen, dass die Bässe kaum folgen können,\ngeradezu gewaltsam. Im Uebrigen aber fand der Evange-\nlist, ungeachtet aller ausserordentlichen Schwierigkeit die-\nser Partie, an Herrn Wolters aus Braunschweig (Schü-\nler von Herrn Koch in Köln) einen die beste Anerkennung\nverdienenden Vertreter. Seine Stimme ist umfangreich,\nkräftig und sehr wohlklingend, sein Naturel musicalisch;\ndabei bekundet seine Vortragsart eine tüchtige Schule:\nDeclamation und Betonung zeugten überall von Verständ-\nnisse wie überhaupt die ganze Auffassung gesund, natür-\nlich, einfach und doch von angenehmer Wärme belebt er-\nschien. Ueber Fräulein Mandl ist es erfreulich, berichten\nzu dürfen, dass sie namentlich die nicht leichte\nArie: „Ich folge dir!\" mit vielem Glück überwand und\nrecht wohl zur Geltung brachte. Die Alt-Arie mit der\nSolo-Gambe: „Es ist vollbracht!\" fand eine gehaltvolle,\nwürdige und durch ein schönes Stimm-Organ gehobene\nWiedergabe und in Herrn Lee (die Gamba ganz richtig\ndurch Violoncell und nicht durch Viola ersetzt) einen vor-\ntrefflichen Begleiter. Nur durfte man die Vorschläge und\nVorhalte zwischen Begleitung und Singstimme überall con-\nform, und zwar durchgängig lang (als Vorhalte) wünschen.\nIm Grossen und Ganzen verdient die Aufführung, als\nmit Sorgfalt vorbereitet und in wesentlichen Punkten ge-\nlungen, besten Dank und Anerkennung, wie sie auch einer\nnoch zahlreicheren Betheiligung des Publicums wohl werth\ngewesen wäre. Aber ungeachtet aller Herrlichkeit der\nPassion nach dem Johannes, wird doch der Wunsch rege,\nim nächsten Jahre die Matthäus-Passion vorgeführt zu\nsehen, nicht allein ihrer höheren Kunstgeltung wegen,\nsondern auch damit das Publicum durch Vergleichung\ndieser Werke zu einer selbständigen Ansicht über beide\ngelangen könne. v. Dommer. (Hamb. Corr.)\n\nDas 43. niederrheinische Musikfest in Düsseldorf.\nDas im Jahre 1863 hier gefeierte Musikfest hat die\nErbauung eines grossen, neuen Festsaales zur Folge ge-\nhabt und soll derselbe mit dem 43. niederrheiniscben Mu-\nsikfeste zu Pfingsten, am 20., 21. und 22. Mai d. J., hier-\nselbst seine künstlerische Weihe erhalten.\nWir haben uns verpflichtet erachtet, dieses für un-\nseren Musikverein immerhin bedeutsame Ereigniss zunächst\ndadurch zu feiern, dass wir diejenigen geehrten Künstler,\nwelchen wir den Erfolg des letzten Festes so wesentlich\nverdanken, auch diesmal wieder hier vereinigen. Es haben\ndaher die Herren Musik-Directoren Otto Goldschmidt\naus London und Julius Tausch von hier die Leitung\nder Aufführungen freundlichst übernommen, und Frau\nJenny Lind-Goldschmidt aus London, Fräulein von\nEdelsberg aus Berlin, Herr Dr. Gunz aus Hannover,\nHerr Stockhausen aus Hamburg ihre abermalige Mit-\nwirkung gütigst zugesagt.\nWir haben es ferner für passend gehalten, bei der\nFeststellung des Programms an diejenigen bedeutenden\nMänner zu erinnern, welche hier in Düsseldorf der Reihe\nnach einen hervorragenden Einfluss auf die Entwicklung\ndes musicalischen Lebens gehabt haben, und wünschen\nwir desshalb Werke von Mendelssohn, Rietz, Hiller,\nSchumann und Tausch zur Aufführung zu bringen.\nDemnach haben wir für das Programm in Aussicht\ngenommen: am ersten Tage: Ouvertüre „Zur Weihe\ndes Hauses\" von Beethoven; „Messias\", Oratorium\nvon Händel. Am zweiten und dritten Tage: Sce-\nnen aus der „Armide\" von Gluck; Sinfonie Eroica von\nBeethoven; Cantate für Doppelchor und Orgelbegleitung\nvon J. S. Bach; Musik zu „Athalia\" von Mendelssohn;\nÄ-moll-Concert für Pianoforte und Orchester von Robert\nSchumann; „Pfingsten\", Vocalwerk von Ferdinand\nHiller; Ouvertüren von J. Rietz und J. Tausch; Solo-\nVorträge.\nAn der Mitwirkung zu diesen Aufführungen werden\nsich ferner betheiligen: Madame Parepa aus New-York\n(Sopran), Frau Clara Schumann (Pianoforte) aus Ba-\nden-Baden, Musik-Director Weber aus Köln und Herr"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660414-01.1.7", "texte": "van Eyken aus Barmen (Orgel), Herren Concertmeister\nAuer (Violine) und de Swert (Cello). Die grosse Orgel\nin dem neuen Saale hat 53 klingende Stimmen (2064\nPfeifen) und ist aus der Fabrik von Johann Friedrich\nSchulze5s Söhnen in Paulinzelle*).\nDüsseldorf, 21. März 1866. Das Comite des 43.\nniederrheinischen Musikfestes. Im Auftrage: von Sybel,\nVorsitzender.\n\nConcert der Liedertafel in Elberfeld.\nEs ist sehr erfreulich, dass die Sängervereine am Niederrheine\nin den letzten Jahren begonnen haben, ihren Concerten mehr Man-\nnigfaltigkeit und zugleich einen mehr künstlerischen Gehalt zu ver-\nleihen, als die sonst übliche Reihe von vierstimmigen Liedern allein\nzu bieten vermochte. Sie haben dies dadurch erreicht, dass sie zu-\nnächst Compositionen für Männergesang mit Orchester in ihre Pro-\ngramme aufnahmen und dann auch Sologesang von Frauenstimmen\nmit Männerchor nicht davon ausschlössen. Den ersten Anstoss zur\nVerbindung der beiden letztgenannten Musik-Elemente hatte vor\nJahren F. Hiller durch seine in Rom geschriebenen vortrefflichen\nLieder für Sopran-Solo und Männerchor gegeben; allein erst in\nneuerer Zeit wurden diese Lieder häufiger und mit grossem Beifalle\ngesungen und regten zu grösseren Compositionen für Männerchor,\nSoli von Frauen- und Männerstimmen und Orchester an, unter de-\nnen die „Velleda\" von J. Brambach und der „Frithjof\" von Max\nBruch besonders hervortraten. Die Liedertafel von Elberfeld ist nun\nin ihrem letzten Concerte Sonntag, den 8. April noch weiter\ngegangen, indem sie in das Programm desselben eine Ouvertüre,\nGesänge für Sopran und Bariton und ein Instrumental-Solo für Harfe\naufnahm und nur einen Männerchor mit Orchester („Römischer\nTriumphgesangu von M. Bruch) zum Schlüsse der ersten Abthei-\nlung, und für die zweite den „Frithjof\" von M. Bruch bestimmte.\nAuf diese Weise kam ein Concert zu Stande, das sowohl durch\ndie Wahl der Musikstücke, als durch die Ausführung einen herr-\nlichen Kunstgenuss gewährte, dem der Gesang von Fräulein The-\nrese Tietjens und des Herrn Karl Hill einen ganz besonderen\nGlanz verlieh. Sämmtliche Aufführungen der Gesammtwerke (der\nOuvertüre „Im Hochland\" von Gade und der beiden genannten Vo-\ncalwerke) waren von Herrn Musik-Director Hermann Schorn-\nstein sorgfältig vorbereitet und wurden von ihm mit richtigem Ver-\nständnisse und mit Sicherheit dirigirt. Der Chor bestand aus den\nMitgliedern der elberfelder, barmer und crefelder Liedertafeln u. s. w.\nund bildete eine durch frische Stimmen klangvolle Masse, welcher\ndie ganz vorzügliche Akustik des Casinosaales noch ausserdem zu\nStatten kam; das Orchester bestand aus den Mitgliedern der Lan-\ngenbach'schen Capelle.\nNatürlich war Therese Tietjens der leuchtendste Stern des\nAbends; die grosse Künstlerin war trotzdem, dass sie eben erst von\nHamburg kam, wo sie die Aufführung von Händel's „Judas Macca-\nbäus\" (durch den Verein des Musik-Directors Deppe) verherrlicht\nund drei Mal auf der Bühne gesungen hatte, so vorzüglich bei\nStimme, dass es uns vorkam, als hätten wir dieses wunderbare Or-\ngan noch nie in so vollendeter Schönheit gehört. Allein es ist frei-\nlich das Kennzeichen des Ausserordentlichen, dass man die letzte\nErscheinung desselben stets für die beste hält. Sie sang die Brief-\nArie aus Don Juan und zwei Lieder von Schumann, denen sie nach\nstürmischem Hervorrufe noch eines von Schubert zugab. So bezau-\nbernd diese Vorträge auch waren, so war doch die Wiedergabe der\nbeiden Solonummern der Ingeborg in Bruch's „Frithjof\", namentlich\nvon „Ingeborg's Klage\", eine so vollendet künstlerische und so see-\nlenvolle Leistung, dass der Eindruck davon allen Anwesenden un-\nvergesslich sein wird. Aber nicht bloss würdig, sondern ebenbürtig\nstand ihr Karl Hill zur Seite, der in dem Duett von Haydn:\n„Holde Gattinu, mit ihr, dann in zwei Liedern für Bariton und vor\nAllem in der Partie des Frithjof den Klang einer Stimme, in wel-\ncher jeder Ton den Adel derselben bekundet, und das Feuer wie\nden Schmelz des Vortrages auf so treffliche Weise entfaltete, dass\ndie herrliche Composition dadurch wieder einen neuen Glanz bekam.\nDa die Chöre gut einstudirt waren und schwungvoll ausgeführt\nwurden, so war auch bei dieser Aufführung wieder, wie bei allen\nfrüheren, der Eindruck des genialen Werkes auf die Mitwirkenden\nund die Zuhörer, welche den Saal bis in die letzten Räume füllten,\nein mächtiger und überall zündender.\nNeben so grossartigen Productionen verdient es eine besondere\nHervorhebung, dass das Harfen-Solo, eine Salon-Composition von\nGodefroi, durch die vortreffliche Ausführung des Fräuleins Jansen,\ndie eine Zierde des kölner Orchesters ist, rauschenden Beifall ge-\nwann, den die grosse technische Fertigkeit und die auf diesem In-\nstrumente so schwierig zu bewirkende Nuancirung des Vortrags mit\nRecht verdienten.\n*) Für diejenigen Kunstfreunde, welche dem Feste als Zuhörer\nbeizuwohnen gedenken, fügen wir hinzu, dass der Eintrittspreis für\ndie drei Tage sechs Thaler beträgt, und dass sicherem Verneh-\nmen nach bis zum 11. April bereits 1067 Plätze bestellt waren.\nDie Redaction.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nHohl. Die sechste und letzte der Soireen für Kammer-\nmusik, welche uns so manchen edeln Kunstgenuss gebracht haben,\nfand am 10. d. Mts. Statt. Ein Violin-Quartett von H. Seidel\n(Capellmeister am hiesigen Theater), in anspruchsloser, gewandter\nForm gearbeitet, eröffnete die Sitzung. Herr Fr. Gernsheim spielte\ndarauf die Clavier-Partie in dem Quartett in Es von Schumann,\nOp. 47, mit grossem Beifalle, den sein durch Auffassung und tech-\nnische Ausführung lobenswerther Vortrag vollkommen verdiente;\ndas Werk selbst steht uns besonders dadurch, dass es ein wirkliches\nQuartett ist, höher, als das beliebte Quintett des Meisters. Eine\nschöne Ausführung des prächtigen Quintetts in C-dur, Op. 29, von\nBeethoven durch die Herren Japha, Derckum, von Königs-\nlöw, Fr. Weber und Schmit beschloss den Abend und fand\nnach jedem Satze lebhaften Applaus. In uns und gewiss Manchem\nunter den älteren Zuhörern lebte dabei die Erinnerung an Franz\nHartmann auf, der dieses Quintett zu seinen Lieblings-Vorträgen zählte.\nBerlin, 12. April. Im königlichen Opernhause gastirt jetzt\nFräulein Grün vom Hoftheater in Kassel, früher in Köln. Dieselbe\ntrat am Donnerstag den 5. d. Mts. zum ersten Male als Agathe auf,\nin einer Partie also, in der schon die bedeutendsten Künstlerinnen\naufgetreten sind, und in der sich auch gar manche Anfängerin ver-\nsucht hat. Dem Gaste ging ein guter Ruf voran, der sich auch hier\nwohl bewährt hat: die junge Dame gewann zuerst die Herzen des\nPublicums durch eine sehr anmuthige Erscheinung und wusste durch\nihre ganze Leistung sich diese Neigung zu erhalten, sie zu verstär-\nken. Sie besitzt ein schönes, ausgiebiges Organ, in allen Lagen\nwohlklingend, zum piano eben so geeignet, als zum forte, und\nmachte dadurch einen überaus günstigen Eindruck. Dazu besitzt sie\neine gute Schule, reine Intonation, deutliche Aussprache, so dass\nwir sie als eine treffliche' Acquisition für unsere Oper mit Freuden\nwillkommen heissen. Ihre Darstellung zeugte von Uebung und Ver-\nständniss; die Aufnahme Seitens des Publicums war eine sehr\nwarme, günstige. Der Max des Herrn Krüger war ein recht\nverständiger, braver Herr, der in der Schule gewiss immer ein gutes\nZeugniss erhalten hat, und der sich weder durch die Vorstellungen\nder höheren Magie des Herrn Prof. Fricke verblüffen, noch durch"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660414-01.1.8", "texte": "die Liebenswürdigkeit des Fräuleins Grün sehr hinreissen liess, auch\nseine- grosse Arie gar angenehm vortrug; freilich von einem Max,\nder vor dem Caspar bebt und für Agathe glüht, war nichts zu ent-\ndecken. Herr Fricke, Caspar, und Fräulein Gericke, das rei-\nzende Aennchen, waren recht lobwürdig. Am 10. feierte Fräulein\nGrün als Alice einen wahren Triumph und wurde schon nach dem\ndritten Acte als königliche Hof-Opernsängerin engagirt.\nBremen« Die Charfreitags-Aufführung des Händel'sehen\n„Messias\" durch die Sing-Akademie unter Musik-Director Rein-\nthaler's Leitung erfreute sich einer ganz ausserordentlichen Theil-\nnahme. Man schmeichelte sich Anfangs mit der Hoffnung, alle vier\nSolostimmen durch vier erste Celebritäteii vertreten zu sehen. Diese\nErwartung wurde nur zur Hälfte erfüllt. Auf die Mitwirkung der\nFrau Dustmann-Meyer musste sehr bald verzichtet werden; später\nschrieb auch Herr Stockhausen krankheitshalber ab; es blieben also\nnur Fräulein Caroline Bettelheim für die Alt- und Dr. Gunz\nfür die Tenor-Soli. Wir hatten übrigens Ursache, für den Ersatz der\nbeiden erstgenannten Sänger ganz dankbar zu sein, und auf die Fre-\nquenz in der Kirche hat die getäuschte Erwartung durchaus keinen\nEinfluss geübt. Diese überaus lebhafte Betheiligung liefert uns von\nNeuem den schönen Beweis, dass der Cultus der Meisterwerke Hän-\nin unserer Generation nichts weniger als erstorben ist. Wir\nglauben vielmehr, dass sie bei uns den Gipfelpunkt ihrer Popularität\nund damit auch ihrer künstlerischen und geistigen Wirkung noch\nvor sich haben. Die Ursache hiervon wird zunächst darin zu suchen\nsein, dass die musicalische Bildung sich im Allgemeinen zugleich\nvertieft und verbreitert hat; einen nicht unbedeutenden Antheil daran\nhaben aber ohne Zweifel auch die neuen Ciavier-Auszüge, welche\ndurch ihre Handlichkeit und Wohlfeilheit den Händel'schen Oratorien\nden Eingang in die weitesten musicalischen Kreise verschafft haben.\nUnter den vier Solisten ist Dr. Gunz als einer unserer ersten Tenor-\nsänger in der Oratorienmusik so anerkannt, dass über diese Seite\nder Ausführung nichts weiter zu sagen ist. Mit den Sopran-Soli\nfand Frau May r-Ol brich sich recht wohl ab. Die Frische und\nFestigkeit ihrer Stimme zeigen sich Anforderungen gewachsen, de-\nnen andere Sängerinnen erliegen würden. Was sie in dem Oratorien-\ngesange vorzugsweise noch herauszubilden hätte, wäre eine grössere\nWeichheit des Tones und ein festerer Ansatz. —Herr A. Schultze\naus Hamburg hat einen Namen als Oratoriensänger; seine techni-\nsche Bildung ist sehr bedeutend. Im Concertsaale war der Ton des\nGastes etwas schwach, in dem hallenden Räume der Kirche gewann\ner an Rundung und Kraft. Mit dem grössten Interesse sah man\nnatürlich der Ausführung der Alt-Partie durch Fräulein Bettel-\nheim entgegen. Allen Erwartungen ward die vollste Erfüllung.\nErst in dieser Aufführung schien durch die noch innigere Ver-\nschmelzung der verschiedenen Register und Tonfarben dieser gross-\nartigen Stimme deren ganze Schönheit sich zu erschliessen. Die\nPerle ihrer Vorträge war natürlich die des musicalischen Parts, die\nArie: „Er ward verschmäht und verachtet\" u. s. w. Die vier Stim-\nmen, so verschiedenartig auch immer, vereinigten sich in den Quar-\ntetten doch zu einem wirksamen Ganzen. Seitens der Akademie ist\neine gute Aufführung des „Messias\" eine alte Tradition; die diesmalige\nsetzte diese fort, und das Orchester unterstützte die Sänger aufs beste.\nDas Concert der Herren Jacobsohn (Violinist) und Kroll-\nmann (Pianist), zahlreich besucht, entsprach allen Erwartungen;\ndie Compositionen, voran Beethoven's Kreutzer-Sonate, erhielten\neine dem Geiste der Meister entsprechende würdige Ausführung.\nFräulein Schlömann, welche in dem Concerte mitwirkte, ist ein\nhäufigeres Hervortreten an die Oeffentlichkeit zu wünschen. Der\nWerth ihrer Leistungen steigerte sich mit dem Schwinden ihrer\nBefangenheit; der gelungenste Vortrag war der letzte, der der\nRiickert-Schumann'schen „Widmung\"; er verdiente ganz die ihm\ngewordene Auszeichnung."}]}