{"numero_id": "bm-bmtnabi-1866-04-28-01", "volume": "bmtnabi_1866-04-28_01", "ocr_sha256": "aba4cb7f18a58e5132eee7fab6b23754a0546f8f710164910053700683619989", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1866/04/28_01/bmtnabi_1866-04-28_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660428-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1866-04-28-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-04-28_01#c001", "volume": "bmtnabi_1866-04-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "129", "page_fin": "129", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660428-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "129", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660428-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 465, "texte": "Inhalt.\nUeber Kirchenmusik (Schluss). Julie Rettich Aus London (Die italiänischen Operntheater). Theater\nin Köln (Gastspiel der Frau Jauner-Krall). Tages- und Unterhaltungsblatt (Mainz, Aufführung der „Loreley\" von Max Bruch\nFrankfurt, Auszeichnung Minden, Musik-Auffuhrungen Halle, neue Oper Hannover, Musikfest Wien, italiänische Oper, der\n„Fliegende Holländer\", Fräulein Rockel Paris, Deficit der grossen Oper, Soiree von F. 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S. Nr. 16.)\nNachdem der Verfasser gezeigt, dass die Annahme,\ndie Kirchenmusik sei ein integrirender Theii der Messe\nselbst, nicht durchzuführen sei, ohne der Vernunft und\nErfahrung Gewalt anzuthun, nimmt er für die Tonkunst\ndie Anerkennung derselben als Zierde und Erhebung des\nCultus eben so wie der anderen Künste, namentlich der\nArchitektur, Sculptur und Malerei, in Anspruch, und er-\neifert sich, eingedenk des Goethe'schen Spruches: „Die\nKunst hat nie ein Mann allein besessen\", mit Recht ge-\ngen die Anmaassung, eine Form oder einen Stil in ir-\ngend einer Kunst als normal aufstellen zu wollen, wie\nz. B. in der kirchlichen Tonkunst den Palestrina-Stil oder\nden gregorianischen.\n„Wer die drei Hauptformen der katholischen Kir-\nchenmusik ins Auge fasst\" sagt er S. 81—, „wird die\nThatsache finden, dass der gregorianische, der Palestrina'-\nsche und der moderne Kirchenstil jeder seine eigenthüm-\nlichen charakteristischen Eigenschaften, seine Licht- und\nSchattenseiten hat.\n„An Reichthum der Ideen und der Mittel, sie in Tö-\nnen zu verkörpern, an Mannigfaltigkeit der Formen, die\nverschiedenartigsten religiösen Gefühle und Stimmungen\nauszudrücken, übertrifft der moderne Stil obige beide, die\nin dieser Beziehung nur arm und ungelenk gegen ihn er-\nscheinen ; aber er kann sich mit jenem Palestrina's nicht\nan einfacher Grossheit und erhabener Würde, ja, selbst\nnicht am ätherisch-klaren Wohllaute der fast durchaus\nauf reinen Dreiklängen ruhenden musicalischen Sprache\nmessen, während der gregorianische gerade durch seine\nFremdartigkeit in Bezug auf Rhythmus und Melodie, durch\ndie Abwesenheit alles dessen, was das Ohr ergötzt, sieb\nals einer, „„der nicht von dieser Welt\"\", als specifisch\nkirchlicher sich ausweist, aber nicht von jener allgemeinen\nKirchlichkeit, wie es doch das griechische Wort „ „katho-\nlisch\" \" prätendirt, sondern als einer, der durch seine\nfreudlose Düsterkeit und Monotonie das mönchische Ge-\npräge seiner Zeit und seines Urhebers, des gewaltigen\nGregor, der selbst auf dem päpstlichen Stuhle vor Allem\nMönch geblieben, nur zu deutlich an sich trägt*).\n„Diesen Stil, dessen unheimliche Trostlosigkeit der\nVerfasser durch eine Reihe von Jahren in einem Cister-\nzienser-Stifte, wo jener sich noch erhalten, zu beobachten\nGelegenheit gehabt, gerade in jetziger Zeit wieder einfüh-\nren zu wollen, zeugt von dem Grade leidenschaftlicher\nVerblendung, der sich gewisser clericaler Coterieen be-\nmächtigt hat; denn um es gerade heraus zu sagen, der\nVersuch, den Zeiger der Weltenuhr gleich um volle zwölf\nJahrhunderte zurück zu schieben, wär's auch nur in mu-\nsicalischer Beziehung, würde keine Reform mehr—würde\neine Revolution zu nennen sein.\n„Mit Recht können wir fragen, warum man denn ge-\nrade im katholischen Deutschland, namentlich im deut-\nschen Rom, „ „der heiligen Cöln\"so übereifrig sich be-\neilt, unsere vaterländische Kirchenmusik durch den grego-\nrianischen Gesang zu verdrängen, während aus dem Rom\nder Italiäner, wo doch dieselben liturgisch kirchlichen Be-\nweggründe sich geltend machen müssten, von einer Ver-\ndrängung des Palestrina-Stils durch den gregorianischen\nnoch nichts verlautete.\n„Der Verfasser hofft indess, wenngleich mit täglich\nmehr sinkendem Vertrauen, im Interesse der Religion wie\nder Kunst noch immer, dass trotz der gewaltigen Anstren-\n\n*) „Ich kann mir einmal nicht helfen, es empört mich, wenn\nich die allerheiligsten, schönsten Worte auf so nichtssagende, leier-\nmässige Weise muss abgesungen hören. Sie sagen, es sei Canto\nfermo, sei Gregorianisch das ist All Eins. Wenn man es damals\nnicht anders gefühlt hat, oder nicht anders hat machen können, so\nkönnen wir es jetzt. Das soll Kirchengesang sein! Freilich, ein\nfalscher Ausdruck ist nicht darin, denn es ist gar kein Ausdruck\ndarin!\" Mendelssohn, Brief an Zelter."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "130", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660428-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5462, "texte": "guiigen einzelner Fanatiker und ihrer blinden Nachbeter\ndie Wiedereinführung eines Kirchenstils scheitern werde,\nvon dem man und dies ist das Lächerliche an der\nSache nach dem eigenen Gestandnisse seiner Anhänger\nnicht einmal mehr weiss, wie er ursprünglich beschaffen\ngewesen, da er im Laufe der Zeiten fort und fort Umge-\nstaltungen unterworfen worden, das Antiphonarium Gre-\ngors selbst verloren gegangen, ein aufgefundenes Fragment\neiner Abschrift aber nicht mehr zu entziffern ist.\n„Einen gefährlicheren Rivalen dürfte unsere österrei-\nchische figurirte Kirchenmusik am Palestrina-Stile finden,\nnur möge man ums Himmels willen doch endlich einmal\nvon der seit Thibaut eingerissenen, aller Kunstgeschichte\nins Angesicht schlagenden Unsitte ablassen, in ihm den\nKirchenstil par excellence zu erkennen. Es gibt, man kann\nes nicht oft genug wiederholen, keinen solchen, es gibt\nkeine Normal-Messe, so wenig als es eine Normal-Ma-\ndonna gibt. Der neuere Stil und auch jener Palestrina's\nund Gregor's sind lediglich ein Spiegel ihrer Zeit und der\nEntwicklungsstufe der Kunst. Es lässt sich nachweisen,\nund dieser Nachweis ist schlagend, dass im Palestrina-\nStile damals nicht bloss in der Kirche, sondern\nauch im weltlichen Genre componirt und musi-\ncirt ward, gleichwie die Muse des kaiserlichen Capell-\nmeisters J. J. Fux ein und dasselbe altmodische Schlepp-\nkleid bei Hochmessen und Hoffesten zur Schau trug,\ngleichwie die moderne Kirchenmusik unserer grossen Mei-\nster ihren bestimmten, nur ihr eigentümlichen Charakter\nbekam, nicht weil ihre Urheber „ „frivol in frivoler Zeit\"\"\ngelebt, sondern weil die Tonkunst selbst, indem sie durch\ndie endliche Ausbildung auch ihrer instrumentalen Sphäre\nund Verschmelzung derselben mit der gesanglichen schliess-\nlich zur vollen Totalität, zu ihrem Culminationspunkte ge-\nlangt, eben dadurch auf kirchlichem wie weltlichem Ge-\nbiete freier, frischer, reicher und lebensvoller geworden\nwar.\n„0. Jahn hat, so wenig der Verfasser dessen Ansich-\nten in ecclesiasücisalle unterschreiben möchte, doch hierin\nden Nagel auf den Kopf getroffen, dass er dem Palestrina-\nStile den Charakter des Elementaren vindicirte, ihn mit\ndem Oceane verglich, von dessen ungemessener Fläche\nWoge um Woge im gleichen Rhythmus ans Ufer und an\nunser Ohr schlägt. Der Eindruck, den unser Aug' und Ohr\nund mittels desselben unser Gemüth empfängt, ist ein ma-\njestätischer, an die Ewigkeit gemahnender; er wirkt um\nso mächtiger, je ungemischter er ist, wird aber eben da-\ndurch, man kann es nicht läugnen, auf die Länge zu einem\nmonotonen, ermüdenden, während eine Alpenlandschaft,\ndie gleichfalls erhabene Gegenstände, aber vermischt mit\nbald düster schaurigen, bald sanften und lieblichen Scene-\nrieen im reichen Wechsel bietet, stets aufs Neue Herz und\nSinn zu fesseln vermag; oder, um nicht länger mit Bildern\nFangball zu spielen, der Palestrina-Stil ist, da er das Er-\nhabene rein und unvermischt repräsentirt, der grössere,\nder österreichische, der das Gesammterbe der Vergangen-\nheit in eine volle Garbe zusammenfasst, der reichere zu\nnennen. Sie halten sich in ihren Vorzügen das Gleichge-\nwicht, ja, auch in ihren Mängeln; droht diesem die Klippe\ndes zu Bunten, hat jener die der Ausdruckslosigkeit, der\nMonotonie zu scheuen. Letzteres ist nirgends besser als\nan dem Hauptsitze desselben, in Rom, seit Langem ge-\nfühlt und Abhülfe dagegen durch äusserst grelles und un-\naufhörliches Wechseln vom Forte zum Piano im steten\nCrescendo und Decrescendo versucht worden, wodurch\naber, wie sich der Verfasser dort während der Cbarwoche\nselbst überzeugt hat, ein so coquettes, sicherlich nicht in\nden Intentionen Palestrina's und Allegri's gelegenes Ueber-\nmaass von Betonung entsteht, dass unsere Ultramontanen\n„ „von diesseits der Berge\"\" gar nicht Ursache haben, die\nneuere Musik der Effecthascherei, die nirgends ärger ge-\ntrieben wird, als in der Sixtina, anzuklagen. Auch Men-\ndelssohn gewann bekanntlich diese Ueberzeugung, die,\nohne nach Rom zu gehen, jeder sich verschaffen kann,\nder die gestochene Partitur von Allegri's Miserere mit\nihren unaufhörlich hinter einander herjagenden und\nPiano zur Hand nimmt.\n„Doch zugegeben, der Palestrina-Stil sei der Ausbund\naller Vollkommenheit, und in Einer Beziehung ist er's\nauch wirklich, welche Mittel habt ihr denn diesseit der\nAlpen, die Werke dieses und verwandter Meister, die wohl\nwussten und berechneten, für welche Kehlen und Chöre\nsie schrieben, zur Aufführung zu bringen? Wie wollt ihr\neiner Musik, die, wenn sie wahrhaft ergreifend und maje-\nstätisch wirken soll, glockenreine Stimmen, strengste Schu-\nlung der Sänger und durch den Wegfall der Instrumente\nmassenhafte Besetzung verlangt, gerecht werden mit euren\nverschleimten Bier-Bässen, euren Schrei- und Heul-Tenö-\nren nur diese zwei Species sind in der Regel hier zu\nLande üblich ? Wie wollt ihr die Sopran-Partie passend\nund dauernd besetzen, da es keine Castralen mehr gibt,\ndie Knabenstimme, kaum dass sie mühsam durch einige\nJahre für diesen schwierigen Gesang zugerichtet worden,\nzu mutiren pflegt und die Weibsen nach denselben Satzun-\ngen, die den Stil a capella vorschreiben und die das\nkölner Provincial-Concil von 1860 aufs Neue wieder ein-\ngeschärft, principiel vom Kirchengesange ausgeschlossen\nsind? Leset doch in des Domherrn Spetb „ „Italiänischer\nReise\" * die ausführliche Schilderung der unglaublichen\nDressur und Schulung, der die Sänger der Sixtina unter-\nzogen zu werden pflegen, und wie oft gixten und disto-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "131", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660428-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5032, "texte": "nirten sie dennoch zur Zeit, als der Verfasser sie hörte,\nund auf eine Weise, die in dieser heiklichsten aller Musiken,\nbei dem steten Schweben und Auf- und Niederschwellen\nder Tone, dann um so schmerzlicher das Ohr berührte,\nEngelstimmen und Katzengeschrei durch einander mi-\nschend,\n„Deutsche Schätze sind es, die ihr mit so blinder\nHast los zu werden suchet,\n„Wie der riesige Alpenzug von West nach Ost, so\nzieht sich das erhabene, aber schmale Terrain der Mu-\nsica sacra, rings vom Flachlande begränzt, von Süd nach\nNord, von Italiens Halbstiefel durch Oesterreich, Deutsch-\nland nach den Niederlanden hin, äus welchem in geister-\nhafter Majestät einzelne Gipfel wie Scarlatti, Palestrina,\ndie Haydn, Mozart, Beethoven, Bach, Händel, Roland\nLassus emporragen. Diese Höhen, darunter wahre Gipfel-\npunkte der Menschheit, unter einander auf Fuss und Zoll\nzu messen, zu bestimmen, ob die Missa pro Papa Mar-\ncello, das Requiem oder die D-Messe, ob die „ „Matthäus-\nPassion\"\", der „„Messias\"\" oder die „„Schöpfung\"\"\ndas Höchste, mögen Andere als der Verfasser den toll-\ndreisten Versuch wagen. Nur wer selbst auf einem solchen\nHöhepunkte stünde, könnte es mit einiger Sicherheit ver-\nsuchen; vom Thale aus gesehen, werden derlei Kolosse\nbald über-, bald unterschätzt; gemeiniglich erscheint der\nals der höchste, der dem Gesichtskreise des Beschauers\nam nächsten liegt.\n„Gebe sich Niemand hierüber Täuschungen hin. Was\nLichtenberg von gewissen prätentiösen Zeichnern sagt,\ndass sie Alles apart und ja so vollkommen als möglich\nhaben müssen: die feinsten Stifte, eigens präparirtes Pa-\npier, ein besonders construirtes Zeichenbrett, ein günstig\ngelegenes Fenster, um das Licht gut einfallen zu lassen,\nund am Ende, wenn es darum und darauf ankommt, doch\nschlecht zeichnen, wird auch hier eintreten. Vor lauter\nBestreben, die Kirchenmusik recht kirchlich und vollkom-\nmen zu machen, wird sie durch das Treiben unserer zelo-\ntischen Puristen erst recht unvollkommen und unkirchlich\nwerden. Hält es schon, wie gezeigt worden, ausserordent-\nlich schwer, mit unseren Mitteln Werke Palestrina's und\nseiner Zeit zur Aufführung zu bringen, wie denkt man\ndenn die Schwierigkeiten zu besiegen, die sich dem Com-\nponisten entgegen stellen, der auf Geheiss und unter\nControle des Priesterthums, wie beabsichtigt wird, Kir-\nchenwerke in diesem Stile componiren soll, einem Stile,\nder für seine kunstvoll verschlungenen Accordenfolge nicht\nbloss das feinste Ohr, die gründlichste Technik, sondern\nauch, was die Hauptsache, zur Beseelung des Ganzen jenen\nfrommen, edlen und schlichten Geist von Tagen, „ „die\ngewesen sind\"\", als unerlässliche Bedingungen fordert.\n„Aber wie überall, wo man, ohne im Innern davon\nerfüllt zu sein, nur den Schein des Hohen und Grossen\nsich anzumaassen sucht, wird auch hier, statt des Echten,\ndas klägliche Surrogat desselben, statt des Heiligen, die\nCaricatur des Heiligen nicht lange auf sich warten lassen.\nNicht Gregor's, nicht Palestrina's Geist, der Geist der\nNeuzeit wird, wenn unsere bisherige Kirchenmusik gefal-\nlen, seinen Einzug in die Tempel halten, der prägnante\nAusdruck desselben, die Männer-Gesangvereine,\nwerden sich mit ihren Compositionen und Productionen\nder Chorpulte bemächtigen, vor denen einst unsere Alt-\nmeister durch „„Kennen und Können\"\" im schönsten\nVereine die Ehrenprobe bestanden. Schon drängt sich\ndiese neueste Art der „ „Musikmacherei\"\", in welcher (und\nin dem einseitigen Beethoven-Cultus) der Verfasser die\nGrund-Ursachen der gleichzeitigen Entartung unserer Ton-\nkunst in Verflachung einerseits, in Verwilderung an-\ndererseits erblickt, immer häufiger und zudringlicher\nzu den Kirchenchören, sei es in der Gestalt jener süsslich-\nfaden Einlagestücke, dem unerträglichen ewigen Salve\nund Ave, sei es in der Gestalt von so genannten Vocal-\nmessen ä la Palestrina, wie die prätentiöse Impotenz ihrer\nUrheber sie nennt, und deren innere Gehaltlosigkeit und\nliederliche Mache nur noch durch die Coquetterie ihres\nVortrages überboten wird.\n„Welche musicaliscbe Zustände durch diese einreis-\nsende babylonische Verwirrung wir überhaupt in unserer\nKirchenmusik zu gewärtigen haben, möge ein Pröbchen\naus einem vielgelesenen wiener Blatte zeigen. Dort fand\nsich unterm 19. October 1864 Folgendes: „„Wie all-\njährlich feierte auch heuer die Sparcasse das Geburtsfest\ndes Kaisers durch eine stille Messe. Bei dieser Feier hat\nder Director des Tonkünstler-Instituts H. N. aus Schu-\nbert's, Beethoven's, J. Haydn's und einer religiösen Hymne\neigener Composition einen Messgesang für Männer-\nstimmen compilirt, der den schönen Zweck: „„An-\ndachterweckung, vollkommen erfüllte\"\".\n„Auch in Prag, wo durch einen Beschluss der Pro-\nvincial-Synode im Jahre 1863 der figurirte Kirchenstil\nfeierlich in den Bann gethan worden, sollen die Zustände\nganz heillos, die Zeloten aber, die sie herbeigeführt, be-\nreits rathlos und unschlüssig sein, ob sie unsere Kirchen-\nComponisten, die sie durch das grosse Kirchenthor ins\nExil geschickt, nicht durch ein Hinterpförtchen wieder\nherein lassen sollen.\"\n\n[*]"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-04-28-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-04-28_01#c003", "volume": "bmtnabi_1866-04-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "132", "page_fin": "133", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660428-01.2.3", "titre_corps": "Julie Rettich †.", "titre_sommaire": "Julie Rettich †.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "132", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660428-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5313, "texte": "Julie Rettich †.\nDas Burgtheater hat eine seiner schönsten Zierden,\ndie deutsche Schauspielkunst eine ihrer begabtesten, wür-\ndigsten Vertreterinnen verloren. Sie war nach Sophie\nSchröder die grösste Schauspielerin der Deutschen in\nneuerer Zeit. Sie blieb sowohl in der Antike, als auch im\nReiche des Modernen gleich bewundernswerth. Der 11.\nApril hat nach einem sechsmonatlichen Leiden ihrem Le-\nben ein Ende gemacht. Jqlie Rettich, geborene Gley,\nerblickte zu Hamburg am 17. April 1810 das Licht der\nWelt. Sie fühlte schon in frühester Jugend unwidersteh-\nliche Neigung zum Theater. Mit den ausgezeichnetsten\nAnlagen und einer an Begeisterung gränzenden Liebe für\ndie darstellende Kunst begabt, genoss sie noch obendrein\nTieck's Unterricht, der ihr vorzügliches Talent erkannte\nund würdigte. Sie betrat in Dresden zuerst die Bühne,\nund obschon die Neuheit ihrer Darstellungsweise, die mit\nkeiner irgend einer früheren Schauspielerin Aehnlichkeit\nhatte, Anfangs mit dem Gewohnten harte Kämpfe zu be-\nstehen hatte, so siegte doch bald ihr angeborenes Talent.\nSo kam es bald, dass ihre Gastspiele in Hamburg, Berlin,\nPrag und Wien mit enthusiastischem Beifalle aufgenom-\nmen wurden. 1828 erhielt Fräulein Gley ein Engage-\nment am Hof-Burgtheater in Wien, 1832 vermählte sie\nsich mit dem Hof-Schauspieler Karl Rettich, verliess\naber bald darauf die Hofbühne, gab im Auslande Gast-\nVorstellungen, wurde nebst ihrem Gatten an der dresde-\nner Hofbühne engagirt und kehrte 1835 nach Wien zu-\nrück, wo sie, seit October neuerdings engagirt, bis nun\ndem k. k. Hof-Burgtheater als eine seiner edelsten Zier-\nden angehörte. Aus ihrem glänzenden Rollenkreise nennen\nwir heute nur von den bekannteren: Desdemona, Julie,\nEboli, Königin Elisabeth, Lady Macbeth, Sappho, Grisel-\ndis, Iphigenie, Maria de Molina, Thusnelda im „Fechter\nvon Ravenna\", Isabella in der „Braut von Messina\" und\nandere.\nSamstag den 14. d. Mts., um die zweite Nachmittags-\nstunde, fand das Leichenbegängniss der unsterblichen\nKünstlerin Statt. Die evangelische Kirche war von Men-\nschen überfüllt, im Schiffe derselben stand der Sarg, von\nBlumenkränzen bedeckt, worunter sich einer von den Col-\nlegen mit der Inschrift befand: „Der grossen, unsterb-\nlichen Künstlerin, der edlen, hochherzigen Frau Julie\nRettich, als letzte Liebesgabe von ihren trauernden Colle-\ngen.\" Ausserdem sandte die Frau Erzherzogin Sophie,\nder Männer-Gesangverein und viele Verehrer der Dahin-\ngeschiedenen letzte Liebeszeichen. Nach beendigter Rede\nsetzte sich ein fast unabsehbarer Menschenzug in Bewe-\ngung, und die lange Wagenreihe fuhr durch ein dicht\ngedrängtes Menschenspalier, das vom Augustinerplatze bis\nzjur Paulanerkirche reichte. Nach einer Stunde war man\nim Friedhofe angelangt, der von Menschen wieder über-\nsäet war. Das Grab umstanden die Familie und die Colle-\ngen, um Blumen in dasselbe zu senken, und in diesem\nMomente ergriff Director Laube mit bewegter Stimme\ndas Wort und weihte der Dahingeschiedenen den folgen-\nden Nachruf:\n»Fallen seh' ich Zweig auf Zweig! Vor wenig Mon-\nden senkten wir Todtenkränze hier hinab auf Vater und\nMeister Anschütz, heute stehen wir an dem Grabe, wel-\nches Julie Rettich einschliessen und auf immer von uns\ntrennen soll. Damals roussten und konnten wir uns trösten\nmit der Last des Alters, welche den Greis hinabgezogen\nin die Grube womit sollen wir uns heute trösten? Eine\nFrau in der Kraft der Jahre, ausgerüstet mit ungewöhn-\nlicher Lebens- und Schaffensfähigkeit, wird überfallen von\nverheerender Krankheit wie von einem Raubthiere, und\nwird unter grimmigen Schmerzen aus unserer Mitte ge-\nrissen. Hier gibt's keinen Trost Gottes Wege sind un-\nerforschlich! Ach, und wie viel ist uns mit ihr entrissen!\nWelch ein Verein von Eigenschaften lebte und waltete in\nihr! Geist, Herz, Talent, Kenntniss und Fleiss, von einer\nenergischen Seele geführt, von einem starken Körper ge-\ntragen und das Alles dahin, weil ein Gifttropfen ins\nBlut dringt und mit furchtbarer Stetigkeit den reichsten\nOrganismus zerstört. Julie Rettich wäre eine bedeutende\nFrau gewesen, auch wenn sie keine Künstlerin geworden\nwäre sie hatte alle Fähigkeiten zu einer Regentin, wie\nsie eine solche darstellte in Goethe's „ „Egmonf\"4, und\nsie wurde eine grosse Künstlerin, weil sie eine bedeutende\nFrau war. Wahrlich, der deutsche Schauspieler weint nicht\nnur an ihrem Grabe, er sieht mit Ehrfurcht auf diesen\nSarg. Denn in diesem Sarge liegt die Hülle eines Wesens,\nwelches der deutschen Schauspielkunst hohe Ehre ge-\nmacht. Julie Rettich gegenüber durfte Niemand vom Zu-\nfalle schauspielerischer Begabung sprechen. 0 nein! Jeder-\nmann musste sich neigen vor einer Fülle von Bildung,\nwelche die schauspielerische Begabung veredelte und be-\nherrschte. Sie verkehrte mit den schöpferischen Dichtern\nwie mit Ihresgleichen, und sie war Ihresgleichen. Und nie-\nmals überhob sie sich dessen auch die Bildung ihres\nHerzens war glücklich und warm. Die Thränen ihres ver-\nzweiflungsvollen Gatten und ihrer Kinder, die Thränen\nihrer Freunde, die Thränen vieler Tausende, deren Noth\nsie mit unermüdlicher Hand gemildert, die Thränen spre-\nchen in schmerzlich verständlicher Sprache: Wir haben\ndie liebevollste Gattin und Mutter verloren, wir haben die\ntreueste Freundin verloren, wir haben eine unerschöpfliche\nWohlthäterin verloren. Und nie war ein Schmerz gerech-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "133", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660428-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 443, "texte": "ter. Julie Bettich! Die höchste Achtung der Welt schwebt\nüber deinem Grabe, die Verzweiflung der Deinen schluchzt\nan deinem Grabe, der Segen der Armen betet an deinem\nGrabe. Dein Scheiden von dieser Welt ist ein tiefes Wehe\nfür alle, die dich gekannt; dein Andenken dies allein\nmag uns trösten dein Andenken wird unvergesslich sein.\nSchwer war dein Leiden, leicht sei dir die Erde, in wel-\ncher dein Leib für uns verschwindet.\"\n(Z. 81. f. Th.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-04-28-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-04-28_01#c004", "volume": "bmtnabi_1866-04-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "133", "page_fin": "134", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660428-01.2.4", "titre_corps": "Aus London.", "titre_sommaire": "Aus London.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "133", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660428-01.1.5", "debut_caractere": 445, "fin_caractere_exclue": 4607, "texte": "Aus London.\n(Die italiänischen Operntheater.)\nDen 21. April 1866.\nDer Frühling ist zwar hier noch nicht in voller Blüthe,\naber die Nachtigallen sind trotzdem schon wieder da, und\ndie meisten haben wieder aus Deutschland und Italien\nihren Flug über's Meer genommen, um in den goldenen\nHainen der britischen Insel zu flöten und zu trillern. Die\nUnternehmer der beiden italiänischen Opern—denn eine\nenglische kann in der aristokratischen Frübjahrs-Season\nnicht aufkommen und fristet ihr kümmerliches Dasein\nkaum einige Wintermonate lang durch den Besuch der\nMittelclassen, die nicht reich genug sind, dem feuchten\nKohlendampf zu entfliehen also die Herren Gye und\nMapleson machen ihre jährlichen Reisen nach dem Conti-\nnente und suchen, jener für Coventgarden, dieser für Ihrer\nMajestät Theater, die besten Vögel einzufangen. Wie wir\nhören, verderben sie dadurch den deutschen Opern-Insti-\ntuten den Markt, indem einiger Maassen tüchtige Künstler\nund Künstlerinnen sich bei Ihnen ohne zwei- bis dreimo-\nnatlichen Urlaub nicht mehr anstellen lassen, um diesen\nUrlaub hauptsächlich in London zu verwerthen.\nDas Coventgarden-Theater ist Eigenthum des Herrn\nGye geblieben, da der Plan, eine Actien-Gesellschaft für\nden Ankauf desselben zu gründen, nicht zu Stande ge-\nkommen ist. Vor zwanzig Jahren umgebaut und neu re-\nstaurirt, überdauerte es den Brand im Jahre 1856, der\nalles Theater-Material an Decorationen, Garderobe, ferner\ndie ganze Bibliothek verzehrte, so bald, dass im Frühjahre\n1858 schon wieder die erste Vorstellung Statt fand. Al-\nlerdings gehörte für einen Privat-Unternehmer viel Muth\nund Vertrauen auf die Kunst-Liebhaberei der Aristokratie\ndazu, so enorme Capitalien auf ein Theater zu verwenden:\nallein dieses Vertrauen hat Herrn Gye nicht getäuscht, er\nhat in den neun Jahren sehr gute Geschäfte gemacht, ob-\nscbon er seit einigen Jahren an dem Herrn Mapleson im\nMajestäts-Theater einen tüchtigen Concurrenten neben\nsich hatte.\nFür die gegenwärtige Season hat er die Damen Ade-\nlina und Carlotla Patti, Pauline Lucca,\nArtöt, Aglaja Orgeni, Maria Vilda (Wilt vom\nberliner Operntbeater), Philippine von Edelsberg,\nMariettaßiancolini, Lemmens-Sherrington, An-\ntonia Fricci, Fanny Deconei, Vestri u. s. w. enga-\ngirt; die Herren Tenöre Mario, Brignoli, Naudin,\nFancelli, N icolini, die Baritone und Bässe Faure\n(von der grossen Oper zu Paris), Graziani, Ronconi,\nAstri, Ciampi, Schroid (von Wien) u. s. w. Dirigent\ndes Orchesters ist Costa.\nMit diesem Personale wird Gye vierzig Vorstellun-\ngen geben, für welche das Abonnement für eine Loge\nzu vier Plätzen im\nBalcon-Rang 240 Guineas\nParterre-Loge 220 „\nErster Rang 200 „\nzur Seite... 150 „\nZweiter Rang 100 „\nOrchester-Sperrsitz jeder . 35 „\nAmphitheater dito 1 18 „\nII 12 „\nkostet. Die Spieltage sind Montag, Dinstag, Donnerstag,\nSamstag.\nDas Programm enthält 35 Opern: von Meyerbeer 6\n(Hugenotten, Robert, Prophet, Africanerin, Nordstern,\nDinorah); Mozart 2 (Don Giovanni, Figaro's Hochzeit);\nRossini 4 (Barbier, Othello, Teil, Gazza ladra)', Donizetti\n8 (Borgia, Pasquale, Maria di Rohan, Favorita, Lucia,\nRegimentstochter, Elisir d'Amore, Linda); Bellini 3 (Nor-\nma, Sonnambula, Puritani); Verdi 4 (Traviata, Trovatore,\nRigoletto, Maskenball); Flotow 2 (Stradella, Martha);\nHerold (Zampa); Auber 2 (Masaniello, Fra Diavolo); Mer-\ncadante (Schwur); Beethoven (Fidelio); Gluck (Orpheus);\nGounod (Faust). Im Juni soll noch Donizetti's „Don\nSebastian\" (mit Fräulein Art6t, Faure und Schmid) dazu\nkommen; ausserdem ist noch von Mozart's Figaro (mit\nAdelina Patti als Susanne) und von Ricci's Crispina e la\nComara die Rede.\nAm häufigsten wird Adelina Patti auftreten, in 15\nOpern. Neu ist, dass Carlotta Patti zum ersten Male\nauf der Bühne erscheinen wird,' und zwar in den Par-\ntieen der Königin in den „Hugenotten\" und der Isabella\nin „Robert der Teufel\". Pauline Lucca wird als Se-\nlika (Africanerin), Cherubino (Figaro's Hochzeit), Zerline\n(Fra Diavolo), Valentine (Hugenotten), Gretchen, Favorite\n—Desiree Artöt als Gräfin (Figaro), Desdemona, Pippo\n(in Gazza ladra),Traviata, Elvira (Don Juan), Adalgisa\nAglaja Orgeni als Traviata, Philippine von\nEdelsberg als Fides u. s. w. u. s. w. auftreten."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "134", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660428-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5013, "texte": "Die andere italiänische Oper \\\\\\Her Majesty's Theatre\nweist aber nicht minder berühmte Künstlernamen auf.\nAuf Herrn Mapleson's Programm glänzen die Damen\nThereseTietjens, Grisi, Louise Lichtmay, Har-\nriers-Wippern, Ilma von Murska, Bettelheim,\nTrebel li, Demeric-Lablache; die Tenoristen Mon-\ngini, Dr. Gunz, Arvin, Gardoni, Tasca u. s. w.,\ndie Baritone und Bässe Santiey, Rokitansky (von\nWien), Scalese, Verger, Junca, Anodio u. s. w.—\nOrchester-Dirigent ist Arditi.\nDas Abonnement ist auf 35 Vorstellungen eröffnet,\nder Preis der Logen je nach dem Range 230, 175, 115\nGuineas, Sperrsitz 30 Guineas.\nDas Repertoire ist gewählter, als in Coventgarden; es\nschliesst die gewöhnlichen italiänischen Opern nicht aus,\nbringt aber dazwischen Gluck's Iphigenie auf Tauris\n(Tietjens, Gunz); Cherubini's Medea (Tietjens); Mo-\nzart's Don Juan (Grisi Anna, Tietjens Elvira, Trebelli\nZerline, Santiey Don Juan, Gardoni Ottavio), Figaro's\nHochzeit, Entführung aus dem Serail (Tietjens Constanze,\nGunz Belmonte, Rokitansky Osmin), Die Zauberflöte;\nSponti ni's Vestalin (Tietjens Julia, Harriers-Wippern\nOberpriesterin, Mongini Licinius); Weber's Freischütz\n(Tietjens, Mademoiselle Sinico Aennchen, Mongini Max),\nOberon (Tietjens, Trebelli Fatime, Bettelheim Puk, Mon-\ngini Hüon); Meyer beer's Hugenotten (Tietjens, Fräulein\nvon Murska Königin, Mongini Raoul, Rokitansky Marcel).\nDer Kampf zwischen beiden Theatern wird also heiss\nwerden, um so mehr, da der Versuch, beide Unterneh-\nmungen in Eine zu verschmelzen, misslungen ist, und folg-\nlich jede Gesellschaft Alles aufbieten wird, den ersten\nRang zu behaupten. Das kann dem Publicum nur ange-\nnehm sein. Das Wiederauftreten der Grisi wird auf dem\nContinente auffallen; freilich ist so etwas auch nur in Eng-\nland möglich, wo die Pietät für Celebritäten ins Ueber-\ntriebene geht. Die berühmte Künstlerin war bei ihrer\nzweiten (!) Abschieds-Season die Bedingung eingegan-\ngen, binnen drei Jahren die Bühne nicht wieder zu betre-\nten. Sie hat sich aber von diesem Contracte frei zu machen\ngewusst und sich jetzt von Neuem von Herrn Mapleson\nengagiren lassen. Dass sie eine Donna Anna im Don Gio-\nvanni war, wie kaum eine andere, ist bekannt, und es ist\nein Zeichen der Hochachtung, welche Fräulein Tietjens\nihr zollt, dass diese neben ihr die Donna Elvira singen\nwird. Dadurch können und werden wir wahrscheinlich er-\nleben, dass die verlassene Elvira die ganze Theilnahme,\ndie ihr Schicksal verdient, aber selten findet, beim Publi-\ncum hervorzaubern wird. Denn Julia Grisi trat am 16.\nOctober 1832 in Rossini's Semiramis zum ersten Male in\nParis auf und war damals einundzwanzig Jahre alt, denn\nsie ist am 28. Juli 1811 im Kometenjahre geboren, tritt\nalso im diesjährigen Juli ihr sechsundfünfzigstes Jahr an.\nDa im Jahre 1829 für die achtzehnjährige Sängerin in\nMailand schon Opern geschrieben wurden, da sie in Bo-\nlogna schon in einer Saison und in Florenz in einer zwei-\nten Aufsehen gemacht hatte, so bietet sie jetzt der Welt\ndas Wunder dar, dass eine Künstlerin, welche bereits\nvierzig Jahre lang auf der Bühne gesungen, noch einmal\nfür eine Saison engagirt wird! Aber, aufrichtig gespro-\nchen, ist von der Schönheit nur die Gestalt in ruhiger\nPose, von der Stimme so gut wie nichts und nicht einmal\ndie Kraft, rein zu intoniren, übrig geblieben. Nur in Eng-\nland findet die Sucht der Künstler, den erworbenen Na-\nmen bis auf die letzte Faser auszubeuten, Entschuldigung,\nweil dem Engländer jeder Mensch, der sein Vermögen\nnicht bis auf den letzten Lebensblick zu vergrössern strebt,\nthöricht vorkommt.\nAuch die bisherige Concertsängerin Frau Lemmens-\nSherrington hat sich in der vorigen Season auf die Scene\ngewagt und will den erlangten Erfolg, den sie besonders\nihrem colorirten Gesänge verdankte, fortsetzen; sie wird\nim „Nordstern\" als Prescovia neben Adelina Patti (Ka-\ntharina) auftreten. Am neugierigsten ist man auf Frau\nWilt (hier Maria Vilda genannt) aus Berlin, wo sie in\nneuerer Zeit Aufsehen gemacht haben soll; sie wird in\nCoventgarden das tragische Repertoire singen, Norma,\nDonna Anna u. s. w.\nCoventgarden hat bezeichnend genug für seine\nRichtung mit Verdi's Ballo in maschera am 4. April\neröffnet, La Traviata und Meyerbeer's Prophet folgten.\nIn der Traviata debutirte Fräulein Orgeni als Violetta,\nim Propheten Fräulein von Edelsberg als Fides. Fräu-\nlein Orgeni kann mit dem Publicum und mit der Kritik\nsehr zufrieden sein: sie hat als Violetta viel Erfolg gehabt\nund auch als Lucia wurde ihr Hervorruf zu Theil; feine\nSchule und eine Lehrerin wie Madame Viardot-Garcia\ngereichten ihr zur Empfehlung. Auch Fräulein von Edels-\nberg gefiel als Fides. Auf Ihrer Majestät Theater wurde\nFräulein Tietjens als Agathe im Freischütz mit stürmi-\nschem Applaus empfangen. Das Orchester musste die\nOuvertüre wiederholen. Die Vorstellung war gut bis auf\nden Tenor Stagno (Max oder Rodolfo, wie er hier heisst),\nder seine grosse Arie im ersten Acte wegliess, wegen\n„Indisposition\". Ein Max ohne die Arie das kann auch\nnur in London vorkommen!\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-04-28-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-04-28_01#c005", "volume": "bmtnabi_1866-04-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "135", "page_fin": "135", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660428-01.2.5", "titre_corps": "Theater in Köln.", "titre_sommaire": "Theater in Köln.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "135", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660428-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2502, "texte": "Theater in Köln.\nNachdem unsere Gäste vom dresdener Hoftheater, Herr und\nFrau Jauner, in den verschiedensten Köllen ihr ausgezeichnetes\nTalent bewiesen haben, hatten wir am vorigen Sonntag das Vergnü-\ngen, Frau Jauner auch als Margarethe in Gounod's „Faust\" zu\nsehen, in welcher Rolle sie neben den anderen Darstellerinnen nicht\nzurückstand, wiewohl jede von ihnen ihre Besonderheiten nament-\nlich in der Auffassung der Rolle hat. Es wird kaum ein Theater in\nDeutschland geben, welches seinem Publicum die Gelegenheit wie\ndas hiesige geboten hat, fünf der berühmtesten Sängerinnen der\n„Margarethe\" (die sie allesammt singen wollen, so viele ihrer an\nden 170 Bühnen in Deutschland beschäftigt sind) zu hören, die Da-\nmen Lucca, Patti, Dustmann, Tietjens, Jauner-Krall. Wie schon ge-\nsagt, jede dieser Künstlerinnen hat ihre eigentümlichen Vorzüge\nund verlieh diesem oder jenem Momente einen besonderen Reiz;\nwir können daher jenem londoner Kritiker nicht beistimmen, der\nda schrieb:\n„Habe nun, ach! die Miolan schon\nUnd die Tietjens und die Sherrington\nUnd auch glücklicher Weise die Lucca noch\nDurchaus studirt mit Aug' und Ohr\nUnd bin so klug als wie zuvor!\"\nEines haben wir aber an allen Margarethen bemerkt, was wir nicht\nbilligen können: sie wollen in die erste Begegnung mit Faust viel\nzu viel hineinlegen. Wenn Gretchen auch sich selbst und nachher\nauch dem geliebten Manne nicht verhehlt, dass er sogleich Eindruck\nauf sie gemacht hat, so darf sie doch dies dem Publicum auf kei-\nnen Fall zeigen, sonst wird der schöne Moment chargirt. Haben\ndenn alle diese Damen Marie Seebach nie gesehen? oder fällt es\nden Sängerinnen so schwer, das starke Markiren des Innern durch\nAeusseres, wie es die Oper allerdings mehr verlangt, als das Schau-\nspiel, zu beschränken? Frau Jauner erhielt besonders nach der\nSchmuckscene rauschenden Applaus und wurde wiederholt gerufen.\nVom übrigen Wochen-Repertoire dürfte sicherlich der Vorstel-\nlung von Mozart's „Figaro\" am Mittwoch die Palme gebühren.\nAusser der guten Besetzung der zwei anderen Hauptrollen (Gräfin\nFräulein Jäger, Figaro Herr Lindeck), erhielt die Auffüh-\nrung durch die Darstellung der Susanne durch Frau Jauner-\nKrall einen ganz neuen Reiz, da die liebenswürdige Künstlerin in\ndieser classischen Partie alle ihre eminenten Vorzüge in Gesang und\nSpiel so einnehmend und anmutbig entfaltete, dass die Erinnerung\nan ihr Gastspiel, welches sie damit beschloss, zumal durch den\nvollendet schönen Vortrag der F-dur-Arie, immer in uns fort-\nleben wird."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-04-28-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-04-28_01#c006", "volume": "bmtnabi_1866-04-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "135", "page_fin": "136", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660428-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "135", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660428-01.1.7", "debut_caractere": 2504, "fin_caractere_exclue": 6939, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMainz« Am Samstag den 7. d. Mts. fand im Stadttheater die\nerste Aufführung der Oper „Die Loreley\", Dichtung von Emanuel\nGeibel, Musik von Max Bruch, Statt. Der rühmlichst bekannte\nDecorationen- und Maschinenfabricant Mühldorfer in Coburg hatte\nvier sehr schöne neue Decorationen geliefert und das ganze Maschi-\nnenwesen bei dieser ersten Aufführung persönlich geleitet. Mit der\nArt und Weise, in der man das Libretto für die hiesige Bühne zu-\nrechtgestutzt hatte, können wir uns durchaus nicht einverstanden\nerklären, da ein Kürzen gewisser Scenen und Musikstücke gewiss\nnicht in einer Weise geschehen durfte, die den Zusammenhang der\nHandlung zerstört. Man sagt uns zwar, man habe sich genau nach\nder leipziger Einrichtung dieser Oper gerichtet, allein wenn man\nwirklich in Leipzig diese barbarische Verstümmelung des Werkes\nzuerst sich erlaubt hat, so sehen wir doch darin keinen Grund, die-\nselbe auf unserer Bühne zu wiederholen. Uebrigens ist man der\nTheater-Verwaltung immerhin Dank schuldig für die Vorführung\ndieses Werkes eines unserer begabtesten jüngeren deutschen Ton-\ndichter, gegenüber der Thatsache, dass gerade die vaterländischen\nComponisten im Allgemeinen viel zu wenig Beachtung und Aufmun-\nterung von Seiteu der deutschen Bühnen-Directionen finden. „Es fehlt\nder Oper an Melodie,\" sagen viele Leute. Freilich, an Dideldumdei\nleidet die Bruch'sche Musik bedenklichen Mangel, allein an recht\nwarmem Gefühls-Ausdrucke, an Innigkeit und Wahrheit, an Origi-\nnalität der Erfindung, an wirklich edlen und schönen Melodieen, so\nwie an gewandter und sicherer Behandlung der Singstimmen und\ndes Orchesters fehlt es dieser Oper wahrlich nicht. Wir führen bei-\nspielsweise nur an: das erste Lied der Leonore und ihr darauf fol-\ngendes Duett mit Otto, das „Ave Maria\", Lied und Chor der Win-\nzerinnen, die Arie der Bertha in der Capelle, das treffliche Lied des\nalten Hubert: „Des Tags beim Werk, zur Nacht beim WTein\", im\nFinale des dritten Actes Leonoren's Gesang: „Siehst du ihn glüh'n\nim Brautpocal?1' so wie deren Lied auf dem Fels im letzten Acte:\n„Ich hab' mein Herz verloren\" u. s. w. Der zweite Act, welcher\naus dem auch von Mendelssohn componirten Finale des ersten Actes\nbesteht, enthält der Schönheiten viele und zählt zu dem Besten,\nwas die Oper enthält. Was man dem Componisten vorwerfen kann,\ndas ist allenfalls eine zu üppige Instrumentation und das zu häufige\nModuliren, welches mitunter eine gewisse Unruhe mit sich bringt,\ndie wenigstens beim ersten Anhören störend wirkt. Was die Auf-\nführung betrifft, so war dieselbe freilich im Ganzen noch ziemlich\nschwankend, was bei den Schwierigkeiten, welche dies Werk ent-\nhält, wohl zu entschuldigen sein dürfte. Uebrigens war das ganze\nWerk von Herrn Capellmeister Dumont sehr sorgfältig einstudirt\nund umsichtig geleitet. Der zweiten Aufführung am Sonntag den\n8. d. Mts. konnten wir leider nicht beiwohnen, haben aber vernom-\nmen, dass dieselbe schon viel sicherer und präciser als die erste\nvon Statten gegangen sei. (Südd. M.-Z.)\nFranklin*! a. M. Der König von Schweden hat dem hie-\nsigen Pianisten Julius Sachs für eine ihm gewidmete Orchester-\nComposition die goldene Medaille für Kunst verliehen.\nMinden, 23. April. In unserem zweiten, im Februar Statt\ngefundenen Orchester-Concerte wurden unter Anderem die A-dur-\nSinfonie von Beethoven, die Frühlings-Botschaft von Gade u. s. w.\nrecht gelungen aufgeführt. Einen würdigen Schluss der Saison bil-\ndete am 21. April die Aufführung von Mendelssohn's „Paulus\". Die\nSolisten, Fräulein Rempel aus Köln und die Herren Haas und\nPirk von Hannover, waren vortrefflich. Die Chöre gingen nach\ndem einstimmigen Urtheil der genannten Künstler sehr präcis, und\ndas Orchester begleitete recht brav. Ueberhaupt machte die Auffüh-\nrung durch einen schönen Total-Eindruck dem Dirigenten Herrn\nEugen Drobisch alle Ehre.\nIn Halle kam am 19. v. Mts. eine neue dreiactige Oper:\n„Die Bettlerin*, von H. J. Vincent zur Aufführung und fand sehr\nfreundliche Aufnahme. Der Componist, welcher zugleich die Tenor-\nPartie in der Oper vertrat, wurde am Schlüsse der Oper gerufen\nund vom Orchester durch einen Tusch geehrt.\nDas hannover' sehe Musikfest findet in der ersten Hälfte\ndes Monats Juni unter dem Protectorate des Königs Statt; zur\nAufführung kommen: die „Jahreszeiten\" von Haydn, die „Cäcilien-\nOde\" und das „Hallelujah\" von Händel, die neunte Sinfonie von\nBeethoven und einige andere Musikstücke."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "136", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660428-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5543, "texte": "Wien, 17. April. Die Italiäner eilen von Sieg zu Sieg, und\nbald werden wir sie im Verdachte haben, dass sie es sind, mit wel-\nchen Bismarck einen geheimen Tractat geschlossen, um, wenn auch\nnicht Venetien, doch Wien zu erobern. Und wahrhaftig, im letzteren\nPuncte hat sich der preussische Premier nicht verrechnet. Wien\nanerkennt in diesem Augenblicke die Herrschaft Italiens des sin-\ngenden. Wer wollte ihr auch widerstreben, wenn sie mit solcher\nVollendung künstlerischer Meisterschaft, mit solcher Anmuth und\nGeschmacksfülle geübt wird! Wir bekennen uns unterjocht. Schon\nder „Barbier\" hatte jede Opposition von vorne weg glatt rasirt, und\nwer noch widerstand, musste bei der „Generentola\" widerrufend\nAsche auf sein Haupt streuen, und nun kam „Elisir d*amoreu, das\nwie ein Zaubertrank in die Lebensgeister sich ergoss. Meister Cal-\nzolari (Tenor) erregte geradezu Fanatismus. So zweifellos seine\ngrosse Kunstfertigkeit erwiesen war, so hätte man ihm doch bis da-\nhin die tiefe lyrische Empfindung nicht zugetraut, die er in der\nneuesten Rolle entfaltete. Fräulein Art6t war eine durch und durch\nreizende Adine, ein trefflicherer Belcore als Everardi, ein lusti-\ngerer Dulcamare als Zucchini dürfte schwer aufzutreiben sein.\nDas Haus, gedrängt voll, befand sich in einer animirten Stimmung,\nwie selten. Es war ein wirklicher hoher Genuss. Se. Majestät der\nKaiser wohnte der Vorstellung bis zum Schlüsse bei.\nDie jüngste Vorstellung des „Fliegenden Holländer\" hatte dem\nFräulein Stehle einen schönen Erfolg eingebracht. Ihre volle\nStimme, ihre prägnante Sprache und ihr interessantes AufFassungs-\nTalent fanden in der Rolle der Senta ein breites Gebiet, sich gel-\ntend zu machen. Fräulein Stehle fand, zumal im Verlaufe der Rolle,\nreichlichen Beifall. Ueber die Meisterleistungen eines Beck, der\nHerren Walter und Meyerhofer zu sprechen, hiesse Eulen nach\nAthen tragen. (Z. 81. f. Th.)\nFräulein Rockelist mit ihren beiden Antrittsrollen: Gretchen\nim „Faust\" und Käthchen von Heilbronn, die gelegentlich ihres er-\nsten Auftretens in diesen Blättern eine ausführliche Besprechung\nfanden, bereits in den Verband des Hof-Burgtheaters definitiv ge-\ntreten.\nPinns» Deficit der grossen Oper. Die Mittheilung über\nden Ertrag der „Africanerin\", die wir in Nr. 15 d. 81. gegeben,\nerhält ihre Kehrseite durch die Rechnungs-Ablage der grossen Oper\nfür das Jahr 1865, welche bei einer Einnahme von 1,541,000 Fr.\nein Deficit von 250,000 Fr. nachweist. Die Opinion Nationale\nschreibt dieses Deficit den ungeheuren Kosten zu, welche die „Afri-\ncanerin\" veranlasst und noch nicht wieder eingebracht hat, und der\nübermässigen Gage des Sängers Naudin von 100,000 Fr. jährlich.\nDas genannte Blatt vergisst aber dabei einen bedeutenden dritten\nFactor, die Abgaben an die Armen der reichen Stadt Paris, welche\nim vergangenen Jahre 140,000 Fr. betragen haben. In den letzten\nsechs Jahren (1860—1865) nahm die Oper 8,062,000 Fr. ein, wo-\nvon die Stadt für ihre Armen 732,000 Fr. bezog!\nDer Moniteur vom 15. April enthält das Ministerial-Decret,\nwelches Herrn Perrin, den bisherigen Director, zum Directeur-\nentrepreneur der grossen Oper ernennt.\nDas Thedtre lyrique hat am 21. d. Mts. Flotow's „Martha\"\nzum einundfünfzigsten Male bei vollem Hause gegeben.\nDie erste Soiree von Jaell und Sivori in Erard's Saale war\nsehr besucht; Beiden wurden Ovationen von Applaus gebracht.\nSoiree von Ferdinand Hiller. F. Hiller war dem musi-\ncalischen Publicum von Paris seit Langem kein Fremder mehr, so\nzwar, dass die Concerte der Gebrüder Müller und Pasdeloup's, in\ndenen neuerdings einzelne seiner Werke zur Aufführung gelangten,\nnur dazu dienen konnten, seinen Namen auch den weiteren Kreisen\nder Musikfreunde wieder ins Gedächtniss zurückzurufen. So sah\ndenn der Abend des 23. d. Mts. im Saale Erard die Elite der mu-\nsicalischen Gesellschaft der französischen Hauptstadt versammelt\ndie erschienen war, dem deutschen Meister der Töne ihre Anerken-\nnung und ihre Verehrung darzubringen. Es ist hier nicht der Ort,\neine eingehend musicalische Kritik über die Schöpfungen eines\nComponisten zu geben, die bei Ihnen selbst, wie in ganz Deutsch-\nland schon so lange des grössten Ansehens geniessen. Hier gilt es\nnur, einen Erfolg, einen kolossalen Erfolg zu constatiren.\nErwähnen wir zunächst die Serenade (Op. 64) für Violine, Violon-\ncell und Piano, die, vom Autor und den Herren Allard und Fran-\nchomme meisterhaft vorgetragen, ganz besonders in dem originel\ngeformten „Ghasel\" einen wahren Beifallssturm erregte, so dass das-\nselbe wiederholt werden musste. Denselben Erfolg hatte eine Art\n„Suite , in der die „Gavotte\" und die „Sarabande\", vor Allem aber\ndas „h la Guitarre\" betitelte Stück durch die liebliche Frische und\nEigenthümlichkeit, welche dieselben auszeichneten, einer bevorzug-\nten Aufnahme genossen. Fräulein Goury, mit einem vorzüglichen\nTimbre der Stimme begabt, brachte in besonders ausdrucksvoller\nWeise die Ariette „Weine nicht\" und das Lied „Neuer Frühling\"\nzur Geltung. Ein zweiter Theil führte dann die vierhändige „Ope-\nrette*' ohne Worte (Op. 106) vor, die von Frau Szarvady-Clauss\ngemeinsam mit dem Componisten in wunderbar vollendeter Weise\nvorgetragen wurde. Ferd. Hiller feierte einen glänzenden Triumph\nals Componist, mit ihm aber die Muse der echt deutschen Musik,\nderen treuester Sohn und Verehrer er ist. (K. Z.)\nJenny Goldschmidt-Lind hat am 7. April zu Cannes\nim Gercle nautique ein Concert für die Armen gegeben aus Dank-\nbarkeit dafür, dass sie dort Stimme und Gesundheit, die beide ge-\nlitten hatten, im vorigen Jahre wieder erhalten hat."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "129", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660428-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nUeber Kirchenmusik (Schluss). Julie Rettich Aus London (Die italiänischen Operntheater). Theater\nin Köln (Gastspiel der Frau Jauner-Krall). Tages- und Unterhaltungsblatt (Mainz, Aufführung der „Loreley\" von Max Bruch\nFrankfurt, Auszeichnung Minden, Musik-Auffuhrungen Halle, neue Oper Hannover, Musikfest Wien, italiänische Oper, der\n„Fliegende Holländer\", Fräulein Rockel Paris, Deficit der grossen Oper, Soiree von F. Hiller, Frau Jenny Goldschmidt-Lind).\n\nUeber Kirchenmusik.\n(Schluss. S. Nr. 16.)\nNachdem der Verfasser gezeigt, dass die Annahme,\ndie Kirchenmusik sei ein integrirender Theii der Messe\nselbst, nicht durchzuführen sei, ohne der Vernunft und\nErfahrung Gewalt anzuthun, nimmt er für die Tonkunst\ndie Anerkennung derselben als Zierde und Erhebung des\nCultus eben so wie der anderen Künste, namentlich der\nArchitektur, Sculptur und Malerei, in Anspruch, und er-\neifert sich, eingedenk des Goethe'schen Spruches: „Die\nKunst hat nie ein Mann allein besessen\", mit Recht ge-\ngen die Anmaassung, eine Form oder einen Stil in ir-\ngend einer Kunst als normal aufstellen zu wollen, wie\nz. B. in der kirchlichen Tonkunst den Palestrina-Stil oder\nden gregorianischen.\n„Wer die drei Hauptformen der katholischen Kir-\nchenmusik ins Auge fasst\" sagt er S. 81—, „wird die\nThatsache finden, dass der gregorianische, der Palestrina'-\nsche und der moderne Kirchenstil jeder seine eigenthüm-\nlichen charakteristischen Eigenschaften, seine Licht- und\nSchattenseiten hat.\n„An Reichthum der Ideen und der Mittel, sie in Tö-\nnen zu verkörpern, an Mannigfaltigkeit der Formen, die\nverschiedenartigsten religiösen Gefühle und Stimmungen\nauszudrücken, übertrifft der moderne Stil obige beide, die\nin dieser Beziehung nur arm und ungelenk gegen ihn er-\nscheinen ; aber er kann sich mit jenem Palestrina's nicht\nan einfacher Grossheit und erhabener Würde, ja, selbst\nnicht am ätherisch-klaren Wohllaute der fast durchaus\nauf reinen Dreiklängen ruhenden musicalischen Sprache\nmessen, während der gregorianische gerade durch seine\nFremdartigkeit in Bezug auf Rhythmus und Melodie, durch\ndie Abwesenheit alles dessen, was das Ohr ergötzt, sieb\nals einer, „„der nicht von dieser Welt\"\", als specifisch\nkirchlicher sich ausweist, aber nicht von jener allgemeinen\nKirchlichkeit, wie es doch das griechische Wort „ „katho-\nlisch\" \" prätendirt, sondern als einer, der durch seine\nfreudlose Düsterkeit und Monotonie das mönchische Ge-\npräge seiner Zeit und seines Urhebers, des gewaltigen\nGregor, der selbst auf dem päpstlichen Stuhle vor Allem\nMönch geblieben, nur zu deutlich an sich trägt*).\n„Diesen Stil, dessen unheimliche Trostlosigkeit der\nVerfasser durch eine Reihe von Jahren in einem Cister-\nzienser-Stifte, wo jener sich noch erhalten, zu beobachten\nGelegenheit gehabt, gerade in jetziger Zeit wieder einfüh-\nren zu wollen, zeugt von dem Grade leidenschaftlicher\nVerblendung, der sich gewisser clericaler Coterieen be-\nmächtigt hat; denn um es gerade heraus zu sagen, der\nVersuch, den Zeiger der Weltenuhr gleich um volle zwölf\nJahrhunderte zurück zu schieben, wär's auch nur in mu-\nsicalischer Beziehung, würde keine Reform mehr—würde\neine Revolution zu nennen sein.\n„Mit Recht können wir fragen, warum man denn ge-\nrade im katholischen Deutschland, namentlich im deut-\nschen Rom, „ „der heiligen Cöln\"so übereifrig sich be-\neilt, unsere vaterländische Kirchenmusik durch den grego-\nrianischen Gesang zu verdrängen, während aus dem Rom\nder Italiäner, wo doch dieselben liturgisch kirchlichen Be-\nweggründe sich geltend machen müssten, von einer Ver-\ndrängung des Palestrina-Stils durch den gregorianischen\nnoch nichts verlautete.\n„Der Verfasser hofft indess, wenngleich mit täglich\nmehr sinkendem Vertrauen, im Interesse der Religion wie\nder Kunst noch immer, dass trotz der gewaltigen Anstren-\n\n*) „Ich kann mir einmal nicht helfen, es empört mich, wenn\nich die allerheiligsten, schönsten Worte auf so nichtssagende, leier-\nmässige Weise muss abgesungen hören. Sie sagen, es sei Canto\nfermo, sei Gregorianisch das ist All Eins. Wenn man es damals\nnicht anders gefühlt hat, oder nicht anders hat machen können, so\nkönnen wir es jetzt. Das soll Kirchengesang sein! Freilich, ein\nfalscher Ausdruck ist nicht darin, denn es ist gar kein Ausdruck\ndarin!\" Mendelssohn, Brief an Zelter."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "130", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660428-01.1.2", "texte": "guiigen einzelner Fanatiker und ihrer blinden Nachbeter\ndie Wiedereinführung eines Kirchenstils scheitern werde,\nvon dem man und dies ist das Lächerliche an der\nSache nach dem eigenen Gestandnisse seiner Anhänger\nnicht einmal mehr weiss, wie er ursprünglich beschaffen\ngewesen, da er im Laufe der Zeiten fort und fort Umge-\nstaltungen unterworfen worden, das Antiphonarium Gre-\ngors selbst verloren gegangen, ein aufgefundenes Fragment\neiner Abschrift aber nicht mehr zu entziffern ist.\n„Einen gefährlicheren Rivalen dürfte unsere österrei-\nchische figurirte Kirchenmusik am Palestrina-Stile finden,\nnur möge man ums Himmels willen doch endlich einmal\nvon der seit Thibaut eingerissenen, aller Kunstgeschichte\nins Angesicht schlagenden Unsitte ablassen, in ihm den\nKirchenstil par excellence zu erkennen. Es gibt, man kann\nes nicht oft genug wiederholen, keinen solchen, es gibt\nkeine Normal-Messe, so wenig als es eine Normal-Ma-\ndonna gibt. Der neuere Stil und auch jener Palestrina's\nund Gregor's sind lediglich ein Spiegel ihrer Zeit und der\nEntwicklungsstufe der Kunst. Es lässt sich nachweisen,\nund dieser Nachweis ist schlagend, dass im Palestrina-\nStile damals nicht bloss in der Kirche, sondern\nauch im weltlichen Genre componirt und musi-\ncirt ward, gleichwie die Muse des kaiserlichen Capell-\nmeisters J. J. Fux ein und dasselbe altmodische Schlepp-\nkleid bei Hochmessen und Hoffesten zur Schau trug,\ngleichwie die moderne Kirchenmusik unserer grossen Mei-\nster ihren bestimmten, nur ihr eigentümlichen Charakter\nbekam, nicht weil ihre Urheber „ „frivol in frivoler Zeit\"\"\ngelebt, sondern weil die Tonkunst selbst, indem sie durch\ndie endliche Ausbildung auch ihrer instrumentalen Sphäre\nund Verschmelzung derselben mit der gesanglichen schliess-\nlich zur vollen Totalität, zu ihrem Culminationspunkte ge-\nlangt, eben dadurch auf kirchlichem wie weltlichem Ge-\nbiete freier, frischer, reicher und lebensvoller geworden\nwar.\n„0. Jahn hat, so wenig der Verfasser dessen Ansich-\nten in ecclesiasücisalle unterschreiben möchte, doch hierin\nden Nagel auf den Kopf getroffen, dass er dem Palestrina-\nStile den Charakter des Elementaren vindicirte, ihn mit\ndem Oceane verglich, von dessen ungemessener Fläche\nWoge um Woge im gleichen Rhythmus ans Ufer und an\nunser Ohr schlägt. Der Eindruck, den unser Aug' und Ohr\nund mittels desselben unser Gemüth empfängt, ist ein ma-\njestätischer, an die Ewigkeit gemahnender; er wirkt um\nso mächtiger, je ungemischter er ist, wird aber eben da-\ndurch, man kann es nicht läugnen, auf die Länge zu einem\nmonotonen, ermüdenden, während eine Alpenlandschaft,\ndie gleichfalls erhabene Gegenstände, aber vermischt mit\nbald düster schaurigen, bald sanften und lieblichen Scene-\nrieen im reichen Wechsel bietet, stets aufs Neue Herz und\nSinn zu fesseln vermag; oder, um nicht länger mit Bildern\nFangball zu spielen, der Palestrina-Stil ist, da er das Er-\nhabene rein und unvermischt repräsentirt, der grössere,\nder österreichische, der das Gesammterbe der Vergangen-\nheit in eine volle Garbe zusammenfasst, der reichere zu\nnennen. Sie halten sich in ihren Vorzügen das Gleichge-\nwicht, ja, auch in ihren Mängeln; droht diesem die Klippe\ndes zu Bunten, hat jener die der Ausdruckslosigkeit, der\nMonotonie zu scheuen. Letzteres ist nirgends besser als\nan dem Hauptsitze desselben, in Rom, seit Langem ge-\nfühlt und Abhülfe dagegen durch äusserst grelles und un-\naufhörliches Wechseln vom Forte zum Piano im steten\nCrescendo und Decrescendo versucht worden, wodurch\naber, wie sich der Verfasser dort während der Cbarwoche\nselbst überzeugt hat, ein so coquettes, sicherlich nicht in\nden Intentionen Palestrina's und Allegri's gelegenes Ueber-\nmaass von Betonung entsteht, dass unsere Ultramontanen\n„ „von diesseits der Berge\"\" gar nicht Ursache haben, die\nneuere Musik der Effecthascherei, die nirgends ärger ge-\ntrieben wird, als in der Sixtina, anzuklagen. Auch Men-\ndelssohn gewann bekanntlich diese Ueberzeugung, die,\nohne nach Rom zu gehen, jeder sich verschaffen kann,\nder die gestochene Partitur von Allegri's Miserere mit\nihren unaufhörlich hinter einander herjagenden und\nPiano zur Hand nimmt.\n„Doch zugegeben, der Palestrina-Stil sei der Ausbund\naller Vollkommenheit, und in Einer Beziehung ist er's\nauch wirklich, welche Mittel habt ihr denn diesseit der\nAlpen, die Werke dieses und verwandter Meister, die wohl\nwussten und berechneten, für welche Kehlen und Chöre\nsie schrieben, zur Aufführung zu bringen? Wie wollt ihr\neiner Musik, die, wenn sie wahrhaft ergreifend und maje-\nstätisch wirken soll, glockenreine Stimmen, strengste Schu-\nlung der Sänger und durch den Wegfall der Instrumente\nmassenhafte Besetzung verlangt, gerecht werden mit euren\nverschleimten Bier-Bässen, euren Schrei- und Heul-Tenö-\nren nur diese zwei Species sind in der Regel hier zu\nLande üblich ? Wie wollt ihr die Sopran-Partie passend\nund dauernd besetzen, da es keine Castralen mehr gibt,\ndie Knabenstimme, kaum dass sie mühsam durch einige\nJahre für diesen schwierigen Gesang zugerichtet worden,\nzu mutiren pflegt und die Weibsen nach denselben Satzun-\ngen, die den Stil a capella vorschreiben und die das\nkölner Provincial-Concil von 1860 aufs Neue wieder ein-\ngeschärft, principiel vom Kirchengesange ausgeschlossen\nsind? Leset doch in des Domherrn Spetb „ „Italiänischer\nReise\" * die ausführliche Schilderung der unglaublichen\nDressur und Schulung, der die Sänger der Sixtina unter-\nzogen zu werden pflegen, und wie oft gixten und disto-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "131", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660428-01.1.3", "texte": "nirten sie dennoch zur Zeit, als der Verfasser sie hörte,\nund auf eine Weise, die in dieser heiklichsten aller Musiken,\nbei dem steten Schweben und Auf- und Niederschwellen\nder Tone, dann um so schmerzlicher das Ohr berührte,\nEngelstimmen und Katzengeschrei durch einander mi-\nschend,\n„Deutsche Schätze sind es, die ihr mit so blinder\nHast los zu werden suchet,\n„Wie der riesige Alpenzug von West nach Ost, so\nzieht sich das erhabene, aber schmale Terrain der Mu-\nsica sacra, rings vom Flachlande begränzt, von Süd nach\nNord, von Italiens Halbstiefel durch Oesterreich, Deutsch-\nland nach den Niederlanden hin, äus welchem in geister-\nhafter Majestät einzelne Gipfel wie Scarlatti, Palestrina,\ndie Haydn, Mozart, Beethoven, Bach, Händel, Roland\nLassus emporragen. Diese Höhen, darunter wahre Gipfel-\npunkte der Menschheit, unter einander auf Fuss und Zoll\nzu messen, zu bestimmen, ob die Missa pro Papa Mar-\ncello, das Requiem oder die D-Messe, ob die „ „Matthäus-\nPassion\"\", der „„Messias\"\" oder die „„Schöpfung\"\"\ndas Höchste, mögen Andere als der Verfasser den toll-\ndreisten Versuch wagen. Nur wer selbst auf einem solchen\nHöhepunkte stünde, könnte es mit einiger Sicherheit ver-\nsuchen; vom Thale aus gesehen, werden derlei Kolosse\nbald über-, bald unterschätzt; gemeiniglich erscheint der\nals der höchste, der dem Gesichtskreise des Beschauers\nam nächsten liegt.\n„Gebe sich Niemand hierüber Täuschungen hin. Was\nLichtenberg von gewissen prätentiösen Zeichnern sagt,\ndass sie Alles apart und ja so vollkommen als möglich\nhaben müssen: die feinsten Stifte, eigens präparirtes Pa-\npier, ein besonders construirtes Zeichenbrett, ein günstig\ngelegenes Fenster, um das Licht gut einfallen zu lassen,\nund am Ende, wenn es darum und darauf ankommt, doch\nschlecht zeichnen, wird auch hier eintreten. Vor lauter\nBestreben, die Kirchenmusik recht kirchlich und vollkom-\nmen zu machen, wird sie durch das Treiben unserer zelo-\ntischen Puristen erst recht unvollkommen und unkirchlich\nwerden. Hält es schon, wie gezeigt worden, ausserordent-\nlich schwer, mit unseren Mitteln Werke Palestrina's und\nseiner Zeit zur Aufführung zu bringen, wie denkt man\ndenn die Schwierigkeiten zu besiegen, die sich dem Com-\nponisten entgegen stellen, der auf Geheiss und unter\nControle des Priesterthums, wie beabsichtigt wird, Kir-\nchenwerke in diesem Stile componiren soll, einem Stile,\nder für seine kunstvoll verschlungenen Accordenfolge nicht\nbloss das feinste Ohr, die gründlichste Technik, sondern\nauch, was die Hauptsache, zur Beseelung des Ganzen jenen\nfrommen, edlen und schlichten Geist von Tagen, „ „die\ngewesen sind\"\", als unerlässliche Bedingungen fordert.\n„Aber wie überall, wo man, ohne im Innern davon\nerfüllt zu sein, nur den Schein des Hohen und Grossen\nsich anzumaassen sucht, wird auch hier, statt des Echten,\ndas klägliche Surrogat desselben, statt des Heiligen, die\nCaricatur des Heiligen nicht lange auf sich warten lassen.\nNicht Gregor's, nicht Palestrina's Geist, der Geist der\nNeuzeit wird, wenn unsere bisherige Kirchenmusik gefal-\nlen, seinen Einzug in die Tempel halten, der prägnante\nAusdruck desselben, die Männer-Gesangvereine,\nwerden sich mit ihren Compositionen und Productionen\nder Chorpulte bemächtigen, vor denen einst unsere Alt-\nmeister durch „„Kennen und Können\"\" im schönsten\nVereine die Ehrenprobe bestanden. Schon drängt sich\ndiese neueste Art der „ „Musikmacherei\"\", in welcher (und\nin dem einseitigen Beethoven-Cultus) der Verfasser die\nGrund-Ursachen der gleichzeitigen Entartung unserer Ton-\nkunst in Verflachung einerseits, in Verwilderung an-\ndererseits erblickt, immer häufiger und zudringlicher\nzu den Kirchenchören, sei es in der Gestalt jener süsslich-\nfaden Einlagestücke, dem unerträglichen ewigen Salve\nund Ave, sei es in der Gestalt von so genannten Vocal-\nmessen ä la Palestrina, wie die prätentiöse Impotenz ihrer\nUrheber sie nennt, und deren innere Gehaltlosigkeit und\nliederliche Mache nur noch durch die Coquetterie ihres\nVortrages überboten wird.\n„Welche musicaliscbe Zustände durch diese einreis-\nsende babylonische Verwirrung wir überhaupt in unserer\nKirchenmusik zu gewärtigen haben, möge ein Pröbchen\naus einem vielgelesenen wiener Blatte zeigen. Dort fand\nsich unterm 19. October 1864 Folgendes: „„Wie all-\njährlich feierte auch heuer die Sparcasse das Geburtsfest\ndes Kaisers durch eine stille Messe. Bei dieser Feier hat\nder Director des Tonkünstler-Instituts H. N. aus Schu-\nbert's, Beethoven's, J. Haydn's und einer religiösen Hymne\neigener Composition einen Messgesang für Männer-\nstimmen compilirt, der den schönen Zweck: „„An-\ndachterweckung, vollkommen erfüllte\"\".\n„Auch in Prag, wo durch einen Beschluss der Pro-\nvincial-Synode im Jahre 1863 der figurirte Kirchenstil\nfeierlich in den Bann gethan worden, sollen die Zustände\nganz heillos, die Zeloten aber, die sie herbeigeführt, be-\nreits rathlos und unschlüssig sein, ob sie unsere Kirchen-\nComponisten, die sie durch das grosse Kirchenthor ins\nExil geschickt, nicht durch ein Hinterpförtchen wieder\nherein lassen sollen.\"\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "132", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660428-01.1.4", "texte": "Julie Rettich †.\nDas Burgtheater hat eine seiner schönsten Zierden,\ndie deutsche Schauspielkunst eine ihrer begabtesten, wür-\ndigsten Vertreterinnen verloren. Sie war nach Sophie\nSchröder die grösste Schauspielerin der Deutschen in\nneuerer Zeit. Sie blieb sowohl in der Antike, als auch im\nReiche des Modernen gleich bewundernswerth. Der 11.\nApril hat nach einem sechsmonatlichen Leiden ihrem Le-\nben ein Ende gemacht. Jqlie Rettich, geborene Gley,\nerblickte zu Hamburg am 17. April 1810 das Licht der\nWelt. Sie fühlte schon in frühester Jugend unwidersteh-\nliche Neigung zum Theater. Mit den ausgezeichnetsten\nAnlagen und einer an Begeisterung gränzenden Liebe für\ndie darstellende Kunst begabt, genoss sie noch obendrein\nTieck's Unterricht, der ihr vorzügliches Talent erkannte\nund würdigte. Sie betrat in Dresden zuerst die Bühne,\nund obschon die Neuheit ihrer Darstellungsweise, die mit\nkeiner irgend einer früheren Schauspielerin Aehnlichkeit\nhatte, Anfangs mit dem Gewohnten harte Kämpfe zu be-\nstehen hatte, so siegte doch bald ihr angeborenes Talent.\nSo kam es bald, dass ihre Gastspiele in Hamburg, Berlin,\nPrag und Wien mit enthusiastischem Beifalle aufgenom-\nmen wurden. 1828 erhielt Fräulein Gley ein Engage-\nment am Hof-Burgtheater in Wien, 1832 vermählte sie\nsich mit dem Hof-Schauspieler Karl Rettich, verliess\naber bald darauf die Hofbühne, gab im Auslande Gast-\nVorstellungen, wurde nebst ihrem Gatten an der dresde-\nner Hofbühne engagirt und kehrte 1835 nach Wien zu-\nrück, wo sie, seit October neuerdings engagirt, bis nun\ndem k. k. Hof-Burgtheater als eine seiner edelsten Zier-\nden angehörte. Aus ihrem glänzenden Rollenkreise nennen\nwir heute nur von den bekannteren: Desdemona, Julie,\nEboli, Königin Elisabeth, Lady Macbeth, Sappho, Grisel-\ndis, Iphigenie, Maria de Molina, Thusnelda im „Fechter\nvon Ravenna\", Isabella in der „Braut von Messina\" und\nandere.\nSamstag den 14. d. Mts., um die zweite Nachmittags-\nstunde, fand das Leichenbegängniss der unsterblichen\nKünstlerin Statt. Die evangelische Kirche war von Men-\nschen überfüllt, im Schiffe derselben stand der Sarg, von\nBlumenkränzen bedeckt, worunter sich einer von den Col-\nlegen mit der Inschrift befand: „Der grossen, unsterb-\nlichen Künstlerin, der edlen, hochherzigen Frau Julie\nRettich, als letzte Liebesgabe von ihren trauernden Colle-\ngen.\" Ausserdem sandte die Frau Erzherzogin Sophie,\nder Männer-Gesangverein und viele Verehrer der Dahin-\ngeschiedenen letzte Liebeszeichen. Nach beendigter Rede\nsetzte sich ein fast unabsehbarer Menschenzug in Bewe-\ngung, und die lange Wagenreihe fuhr durch ein dicht\ngedrängtes Menschenspalier, das vom Augustinerplatze bis\nzjur Paulanerkirche reichte. Nach einer Stunde war man\nim Friedhofe angelangt, der von Menschen wieder über-\nsäet war. Das Grab umstanden die Familie und die Colle-\ngen, um Blumen in dasselbe zu senken, und in diesem\nMomente ergriff Director Laube mit bewegter Stimme\ndas Wort und weihte der Dahingeschiedenen den folgen-\nden Nachruf:\n»Fallen seh' ich Zweig auf Zweig! Vor wenig Mon-\nden senkten wir Todtenkränze hier hinab auf Vater und\nMeister Anschütz, heute stehen wir an dem Grabe, wel-\nches Julie Rettich einschliessen und auf immer von uns\ntrennen soll. Damals roussten und konnten wir uns trösten\nmit der Last des Alters, welche den Greis hinabgezogen\nin die Grube womit sollen wir uns heute trösten? Eine\nFrau in der Kraft der Jahre, ausgerüstet mit ungewöhn-\nlicher Lebens- und Schaffensfähigkeit, wird überfallen von\nverheerender Krankheit wie von einem Raubthiere, und\nwird unter grimmigen Schmerzen aus unserer Mitte ge-\nrissen. Hier gibt's keinen Trost Gottes Wege sind un-\nerforschlich! Ach, und wie viel ist uns mit ihr entrissen!\nWelch ein Verein von Eigenschaften lebte und waltete in\nihr! Geist, Herz, Talent, Kenntniss und Fleiss, von einer\nenergischen Seele geführt, von einem starken Körper ge-\ntragen und das Alles dahin, weil ein Gifttropfen ins\nBlut dringt und mit furchtbarer Stetigkeit den reichsten\nOrganismus zerstört. Julie Rettich wäre eine bedeutende\nFrau gewesen, auch wenn sie keine Künstlerin geworden\nwäre sie hatte alle Fähigkeiten zu einer Regentin, wie\nsie eine solche darstellte in Goethe's „ „Egmonf\"4, und\nsie wurde eine grosse Künstlerin, weil sie eine bedeutende\nFrau war. Wahrlich, der deutsche Schauspieler weint nicht\nnur an ihrem Grabe, er sieht mit Ehrfurcht auf diesen\nSarg. Denn in diesem Sarge liegt die Hülle eines Wesens,\nwelches der deutschen Schauspielkunst hohe Ehre ge-\nmacht. Julie Rettich gegenüber durfte Niemand vom Zu-\nfalle schauspielerischer Begabung sprechen. 0 nein! Jeder-\nmann musste sich neigen vor einer Fülle von Bildung,\nwelche die schauspielerische Begabung veredelte und be-\nherrschte. Sie verkehrte mit den schöpferischen Dichtern\nwie mit Ihresgleichen, und sie war Ihresgleichen. Und nie-\nmals überhob sie sich dessen auch die Bildung ihres\nHerzens war glücklich und warm. Die Thränen ihres ver-\nzweiflungsvollen Gatten und ihrer Kinder, die Thränen\nihrer Freunde, die Thränen vieler Tausende, deren Noth\nsie mit unermüdlicher Hand gemildert, die Thränen spre-\nchen in schmerzlich verständlicher Sprache: Wir haben\ndie liebevollste Gattin und Mutter verloren, wir haben die\ntreueste Freundin verloren, wir haben eine unerschöpfliche\nWohlthäterin verloren. Und nie war ein Schmerz gerech-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "133", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660428-01.1.5", "texte": "ter. Julie Bettich! Die höchste Achtung der Welt schwebt\nüber deinem Grabe, die Verzweiflung der Deinen schluchzt\nan deinem Grabe, der Segen der Armen betet an deinem\nGrabe. Dein Scheiden von dieser Welt ist ein tiefes Wehe\nfür alle, die dich gekannt; dein Andenken dies allein\nmag uns trösten dein Andenken wird unvergesslich sein.\nSchwer war dein Leiden, leicht sei dir die Erde, in wel-\ncher dein Leib für uns verschwindet.\"\n(Z. 81. f. Th.)\n\nAus London.\n(Die italiänischen Operntheater.)\nDen 21. April 1866.\nDer Frühling ist zwar hier noch nicht in voller Blüthe,\naber die Nachtigallen sind trotzdem schon wieder da, und\ndie meisten haben wieder aus Deutschland und Italien\nihren Flug über's Meer genommen, um in den goldenen\nHainen der britischen Insel zu flöten und zu trillern. Die\nUnternehmer der beiden italiänischen Opern—denn eine\nenglische kann in der aristokratischen Frübjahrs-Season\nnicht aufkommen und fristet ihr kümmerliches Dasein\nkaum einige Wintermonate lang durch den Besuch der\nMittelclassen, die nicht reich genug sind, dem feuchten\nKohlendampf zu entfliehen also die Herren Gye und\nMapleson machen ihre jährlichen Reisen nach dem Conti-\nnente und suchen, jener für Coventgarden, dieser für Ihrer\nMajestät Theater, die besten Vögel einzufangen. Wie wir\nhören, verderben sie dadurch den deutschen Opern-Insti-\ntuten den Markt, indem einiger Maassen tüchtige Künstler\nund Künstlerinnen sich bei Ihnen ohne zwei- bis dreimo-\nnatlichen Urlaub nicht mehr anstellen lassen, um diesen\nUrlaub hauptsächlich in London zu verwerthen.\nDas Coventgarden-Theater ist Eigenthum des Herrn\nGye geblieben, da der Plan, eine Actien-Gesellschaft für\nden Ankauf desselben zu gründen, nicht zu Stande ge-\nkommen ist. Vor zwanzig Jahren umgebaut und neu re-\nstaurirt, überdauerte es den Brand im Jahre 1856, der\nalles Theater-Material an Decorationen, Garderobe, ferner\ndie ganze Bibliothek verzehrte, so bald, dass im Frühjahre\n1858 schon wieder die erste Vorstellung Statt fand. Al-\nlerdings gehörte für einen Privat-Unternehmer viel Muth\nund Vertrauen auf die Kunst-Liebhaberei der Aristokratie\ndazu, so enorme Capitalien auf ein Theater zu verwenden:\nallein dieses Vertrauen hat Herrn Gye nicht getäuscht, er\nhat in den neun Jahren sehr gute Geschäfte gemacht, ob-\nscbon er seit einigen Jahren an dem Herrn Mapleson im\nMajestäts-Theater einen tüchtigen Concurrenten neben\nsich hatte.\nFür die gegenwärtige Season hat er die Damen Ade-\nlina und Carlotla Patti, Pauline Lucca,\nArtöt, Aglaja Orgeni, Maria Vilda (Wilt vom\nberliner Operntbeater), Philippine von Edelsberg,\nMariettaßiancolini, Lemmens-Sherrington, An-\ntonia Fricci, Fanny Deconei, Vestri u. s. w. enga-\ngirt; die Herren Tenöre Mario, Brignoli, Naudin,\nFancelli, N icolini, die Baritone und Bässe Faure\n(von der grossen Oper zu Paris), Graziani, Ronconi,\nAstri, Ciampi, Schroid (von Wien) u. s. w. Dirigent\ndes Orchesters ist Costa.\nMit diesem Personale wird Gye vierzig Vorstellun-\ngen geben, für welche das Abonnement für eine Loge\nzu vier Plätzen im\nBalcon-Rang 240 Guineas\nParterre-Loge 220 „\nErster Rang 200 „\nzur Seite... 150 „\nZweiter Rang 100 „\nOrchester-Sperrsitz jeder . 35 „\nAmphitheater dito 1 18 „\nII 12 „\nkostet. Die Spieltage sind Montag, Dinstag, Donnerstag,\nSamstag.\nDas Programm enthält 35 Opern: von Meyerbeer 6\n(Hugenotten, Robert, Prophet, Africanerin, Nordstern,\nDinorah); Mozart 2 (Don Giovanni, Figaro's Hochzeit);\nRossini 4 (Barbier, Othello, Teil, Gazza ladra)', Donizetti\n8 (Borgia, Pasquale, Maria di Rohan, Favorita, Lucia,\nRegimentstochter, Elisir d'Amore, Linda); Bellini 3 (Nor-\nma, Sonnambula, Puritani); Verdi 4 (Traviata, Trovatore,\nRigoletto, Maskenball); Flotow 2 (Stradella, Martha);\nHerold (Zampa); Auber 2 (Masaniello, Fra Diavolo); Mer-\ncadante (Schwur); Beethoven (Fidelio); Gluck (Orpheus);\nGounod (Faust). Im Juni soll noch Donizetti's „Don\nSebastian\" (mit Fräulein Art6t, Faure und Schmid) dazu\nkommen; ausserdem ist noch von Mozart's Figaro (mit\nAdelina Patti als Susanne) und von Ricci's Crispina e la\nComara die Rede.\nAm häufigsten wird Adelina Patti auftreten, in 15\nOpern. Neu ist, dass Carlotta Patti zum ersten Male\nauf der Bühne erscheinen wird,' und zwar in den Par-\ntieen der Königin in den „Hugenotten\" und der Isabella\nin „Robert der Teufel\". Pauline Lucca wird als Se-\nlika (Africanerin), Cherubino (Figaro's Hochzeit), Zerline\n(Fra Diavolo), Valentine (Hugenotten), Gretchen, Favorite\n—Desiree Artöt als Gräfin (Figaro), Desdemona, Pippo\n(in Gazza ladra),Traviata, Elvira (Don Juan), Adalgisa\nAglaja Orgeni als Traviata, Philippine von\nEdelsberg als Fides u. s. w. u. s. w. auftreten."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "134", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660428-01.1.6", "texte": "Die andere italiänische Oper \\\\\\Her Majesty's Theatre\nweist aber nicht minder berühmte Künstlernamen auf.\nAuf Herrn Mapleson's Programm glänzen die Damen\nThereseTietjens, Grisi, Louise Lichtmay, Har-\nriers-Wippern, Ilma von Murska, Bettelheim,\nTrebel li, Demeric-Lablache; die Tenoristen Mon-\ngini, Dr. Gunz, Arvin, Gardoni, Tasca u. s. w.,\ndie Baritone und Bässe Santiey, Rokitansky (von\nWien), Scalese, Verger, Junca, Anodio u. s. w.—\nOrchester-Dirigent ist Arditi.\nDas Abonnement ist auf 35 Vorstellungen eröffnet,\nder Preis der Logen je nach dem Range 230, 175, 115\nGuineas, Sperrsitz 30 Guineas.\nDas Repertoire ist gewählter, als in Coventgarden; es\nschliesst die gewöhnlichen italiänischen Opern nicht aus,\nbringt aber dazwischen Gluck's Iphigenie auf Tauris\n(Tietjens, Gunz); Cherubini's Medea (Tietjens); Mo-\nzart's Don Juan (Grisi Anna, Tietjens Elvira, Trebelli\nZerline, Santiey Don Juan, Gardoni Ottavio), Figaro's\nHochzeit, Entführung aus dem Serail (Tietjens Constanze,\nGunz Belmonte, Rokitansky Osmin), Die Zauberflöte;\nSponti ni's Vestalin (Tietjens Julia, Harriers-Wippern\nOberpriesterin, Mongini Licinius); Weber's Freischütz\n(Tietjens, Mademoiselle Sinico Aennchen, Mongini Max),\nOberon (Tietjens, Trebelli Fatime, Bettelheim Puk, Mon-\ngini Hüon); Meyer beer's Hugenotten (Tietjens, Fräulein\nvon Murska Königin, Mongini Raoul, Rokitansky Marcel).\nDer Kampf zwischen beiden Theatern wird also heiss\nwerden, um so mehr, da der Versuch, beide Unterneh-\nmungen in Eine zu verschmelzen, misslungen ist, und folg-\nlich jede Gesellschaft Alles aufbieten wird, den ersten\nRang zu behaupten. Das kann dem Publicum nur ange-\nnehm sein. Das Wiederauftreten der Grisi wird auf dem\nContinente auffallen; freilich ist so etwas auch nur in Eng-\nland möglich, wo die Pietät für Celebritäten ins Ueber-\ntriebene geht. Die berühmte Künstlerin war bei ihrer\nzweiten (!) Abschieds-Season die Bedingung eingegan-\ngen, binnen drei Jahren die Bühne nicht wieder zu betre-\nten. Sie hat sich aber von diesem Contracte frei zu machen\ngewusst und sich jetzt von Neuem von Herrn Mapleson\nengagiren lassen. Dass sie eine Donna Anna im Don Gio-\nvanni war, wie kaum eine andere, ist bekannt, und es ist\nein Zeichen der Hochachtung, welche Fräulein Tietjens\nihr zollt, dass diese neben ihr die Donna Elvira singen\nwird. Dadurch können und werden wir wahrscheinlich er-\nleben, dass die verlassene Elvira die ganze Theilnahme,\ndie ihr Schicksal verdient, aber selten findet, beim Publi-\ncum hervorzaubern wird. Denn Julia Grisi trat am 16.\nOctober 1832 in Rossini's Semiramis zum ersten Male in\nParis auf und war damals einundzwanzig Jahre alt, denn\nsie ist am 28. Juli 1811 im Kometenjahre geboren, tritt\nalso im diesjährigen Juli ihr sechsundfünfzigstes Jahr an.\nDa im Jahre 1829 für die achtzehnjährige Sängerin in\nMailand schon Opern geschrieben wurden, da sie in Bo-\nlogna schon in einer Saison und in Florenz in einer zwei-\nten Aufsehen gemacht hatte, so bietet sie jetzt der Welt\ndas Wunder dar, dass eine Künstlerin, welche bereits\nvierzig Jahre lang auf der Bühne gesungen, noch einmal\nfür eine Saison engagirt wird! Aber, aufrichtig gespro-\nchen, ist von der Schönheit nur die Gestalt in ruhiger\nPose, von der Stimme so gut wie nichts und nicht einmal\ndie Kraft, rein zu intoniren, übrig geblieben. Nur in Eng-\nland findet die Sucht der Künstler, den erworbenen Na-\nmen bis auf die letzte Faser auszubeuten, Entschuldigung,\nweil dem Engländer jeder Mensch, der sein Vermögen\nnicht bis auf den letzten Lebensblick zu vergrössern strebt,\nthöricht vorkommt.\nAuch die bisherige Concertsängerin Frau Lemmens-\nSherrington hat sich in der vorigen Season auf die Scene\ngewagt und will den erlangten Erfolg, den sie besonders\nihrem colorirten Gesänge verdankte, fortsetzen; sie wird\nim „Nordstern\" als Prescovia neben Adelina Patti (Ka-\ntharina) auftreten. Am neugierigsten ist man auf Frau\nWilt (hier Maria Vilda genannt) aus Berlin, wo sie in\nneuerer Zeit Aufsehen gemacht haben soll; sie wird in\nCoventgarden das tragische Repertoire singen, Norma,\nDonna Anna u. s. w.\nCoventgarden hat bezeichnend genug für seine\nRichtung mit Verdi's Ballo in maschera am 4. April\neröffnet, La Traviata und Meyerbeer's Prophet folgten.\nIn der Traviata debutirte Fräulein Orgeni als Violetta,\nim Propheten Fräulein von Edelsberg als Fides. Fräu-\nlein Orgeni kann mit dem Publicum und mit der Kritik\nsehr zufrieden sein: sie hat als Violetta viel Erfolg gehabt\nund auch als Lucia wurde ihr Hervorruf zu Theil; feine\nSchule und eine Lehrerin wie Madame Viardot-Garcia\ngereichten ihr zur Empfehlung. Auch Fräulein von Edels-\nberg gefiel als Fides. Auf Ihrer Majestät Theater wurde\nFräulein Tietjens als Agathe im Freischütz mit stürmi-\nschem Applaus empfangen. Das Orchester musste die\nOuvertüre wiederholen. Die Vorstellung war gut bis auf\nden Tenor Stagno (Max oder Rodolfo, wie er hier heisst),\nder seine grosse Arie im ersten Acte wegliess, wegen\n„Indisposition\". Ein Max ohne die Arie das kann auch\nnur in London vorkommen!\n(Schluss folgt.)"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "135", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660428-01.1.7", "texte": "Theater in Köln.\nNachdem unsere Gäste vom dresdener Hoftheater, Herr und\nFrau Jauner, in den verschiedensten Köllen ihr ausgezeichnetes\nTalent bewiesen haben, hatten wir am vorigen Sonntag das Vergnü-\ngen, Frau Jauner auch als Margarethe in Gounod's „Faust\" zu\nsehen, in welcher Rolle sie neben den anderen Darstellerinnen nicht\nzurückstand, wiewohl jede von ihnen ihre Besonderheiten nament-\nlich in der Auffassung der Rolle hat. Es wird kaum ein Theater in\nDeutschland geben, welches seinem Publicum die Gelegenheit wie\ndas hiesige geboten hat, fünf der berühmtesten Sängerinnen der\n„Margarethe\" (die sie allesammt singen wollen, so viele ihrer an\nden 170 Bühnen in Deutschland beschäftigt sind) zu hören, die Da-\nmen Lucca, Patti, Dustmann, Tietjens, Jauner-Krall. Wie schon ge-\nsagt, jede dieser Künstlerinnen hat ihre eigentümlichen Vorzüge\nund verlieh diesem oder jenem Momente einen besonderen Reiz;\nwir können daher jenem londoner Kritiker nicht beistimmen, der\nda schrieb:\n„Habe nun, ach! die Miolan schon\nUnd die Tietjens und die Sherrington\nUnd auch glücklicher Weise die Lucca noch\nDurchaus studirt mit Aug' und Ohr\nUnd bin so klug als wie zuvor!\"\nEines haben wir aber an allen Margarethen bemerkt, was wir nicht\nbilligen können: sie wollen in die erste Begegnung mit Faust viel\nzu viel hineinlegen. Wenn Gretchen auch sich selbst und nachher\nauch dem geliebten Manne nicht verhehlt, dass er sogleich Eindruck\nauf sie gemacht hat, so darf sie doch dies dem Publicum auf kei-\nnen Fall zeigen, sonst wird der schöne Moment chargirt. Haben\ndenn alle diese Damen Marie Seebach nie gesehen? oder fällt es\nden Sängerinnen so schwer, das starke Markiren des Innern durch\nAeusseres, wie es die Oper allerdings mehr verlangt, als das Schau-\nspiel, zu beschränken? Frau Jauner erhielt besonders nach der\nSchmuckscene rauschenden Applaus und wurde wiederholt gerufen.\nVom übrigen Wochen-Repertoire dürfte sicherlich der Vorstel-\nlung von Mozart's „Figaro\" am Mittwoch die Palme gebühren.\nAusser der guten Besetzung der zwei anderen Hauptrollen (Gräfin\nFräulein Jäger, Figaro Herr Lindeck), erhielt die Auffüh-\nrung durch die Darstellung der Susanne durch Frau Jauner-\nKrall einen ganz neuen Reiz, da die liebenswürdige Künstlerin in\ndieser classischen Partie alle ihre eminenten Vorzüge in Gesang und\nSpiel so einnehmend und anmutbig entfaltete, dass die Erinnerung\nan ihr Gastspiel, welches sie damit beschloss, zumal durch den\nvollendet schönen Vortrag der F-dur-Arie, immer in uns fort-\nleben wird.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMainz« Am Samstag den 7. d. Mts. fand im Stadttheater die\nerste Aufführung der Oper „Die Loreley\", Dichtung von Emanuel\nGeibel, Musik von Max Bruch, Statt. Der rühmlichst bekannte\nDecorationen- und Maschinenfabricant Mühldorfer in Coburg hatte\nvier sehr schöne neue Decorationen geliefert und das ganze Maschi-\nnenwesen bei dieser ersten Aufführung persönlich geleitet. Mit der\nArt und Weise, in der man das Libretto für die hiesige Bühne zu-\nrechtgestutzt hatte, können wir uns durchaus nicht einverstanden\nerklären, da ein Kürzen gewisser Scenen und Musikstücke gewiss\nnicht in einer Weise geschehen durfte, die den Zusammenhang der\nHandlung zerstört. Man sagt uns zwar, man habe sich genau nach\nder leipziger Einrichtung dieser Oper gerichtet, allein wenn man\nwirklich in Leipzig diese barbarische Verstümmelung des Werkes\nzuerst sich erlaubt hat, so sehen wir doch darin keinen Grund, die-\nselbe auf unserer Bühne zu wiederholen. Uebrigens ist man der\nTheater-Verwaltung immerhin Dank schuldig für die Vorführung\ndieses Werkes eines unserer begabtesten jüngeren deutschen Ton-\ndichter, gegenüber der Thatsache, dass gerade die vaterländischen\nComponisten im Allgemeinen viel zu wenig Beachtung und Aufmun-\nterung von Seiteu der deutschen Bühnen-Directionen finden. „Es fehlt\nder Oper an Melodie,\" sagen viele Leute. Freilich, an Dideldumdei\nleidet die Bruch'sche Musik bedenklichen Mangel, allein an recht\nwarmem Gefühls-Ausdrucke, an Innigkeit und Wahrheit, an Origi-\nnalität der Erfindung, an wirklich edlen und schönen Melodieen, so\nwie an gewandter und sicherer Behandlung der Singstimmen und\ndes Orchesters fehlt es dieser Oper wahrlich nicht. Wir führen bei-\nspielsweise nur an: das erste Lied der Leonore und ihr darauf fol-\ngendes Duett mit Otto, das „Ave Maria\", Lied und Chor der Win-\nzerinnen, die Arie der Bertha in der Capelle, das treffliche Lied des\nalten Hubert: „Des Tags beim Werk, zur Nacht beim WTein\", im\nFinale des dritten Actes Leonoren's Gesang: „Siehst du ihn glüh'n\nim Brautpocal?1' so wie deren Lied auf dem Fels im letzten Acte:\n„Ich hab' mein Herz verloren\" u. s. w. Der zweite Act, welcher\naus dem auch von Mendelssohn componirten Finale des ersten Actes\nbesteht, enthält der Schönheiten viele und zählt zu dem Besten,\nwas die Oper enthält. Was man dem Componisten vorwerfen kann,\ndas ist allenfalls eine zu üppige Instrumentation und das zu häufige\nModuliren, welches mitunter eine gewisse Unruhe mit sich bringt,\ndie wenigstens beim ersten Anhören störend wirkt. Was die Auf-\nführung betrifft, so war dieselbe freilich im Ganzen noch ziemlich\nschwankend, was bei den Schwierigkeiten, welche dies Werk ent-\nhält, wohl zu entschuldigen sein dürfte. Uebrigens war das ganze\nWerk von Herrn Capellmeister Dumont sehr sorgfältig einstudirt\nund umsichtig geleitet. Der zweiten Aufführung am Sonntag den\n8. d. Mts. konnten wir leider nicht beiwohnen, haben aber vernom-\nmen, dass dieselbe schon viel sicherer und präciser als die erste\nvon Statten gegangen sei. (Südd. M.-Z.)\nFranklin*! a. M. Der König von Schweden hat dem hie-\nsigen Pianisten Julius Sachs für eine ihm gewidmete Orchester-\nComposition die goldene Medaille für Kunst verliehen.\nMinden, 23. April. In unserem zweiten, im Februar Statt\ngefundenen Orchester-Concerte wurden unter Anderem die A-dur-\nSinfonie von Beethoven, die Frühlings-Botschaft von Gade u. s. w.\nrecht gelungen aufgeführt. Einen würdigen Schluss der Saison bil-\ndete am 21. April die Aufführung von Mendelssohn's „Paulus\". Die\nSolisten, Fräulein Rempel aus Köln und die Herren Haas und\nPirk von Hannover, waren vortrefflich. Die Chöre gingen nach\ndem einstimmigen Urtheil der genannten Künstler sehr präcis, und\ndas Orchester begleitete recht brav. Ueberhaupt machte die Auffüh-\nrung durch einen schönen Total-Eindruck dem Dirigenten Herrn\nEugen Drobisch alle Ehre.\nIn Halle kam am 19. v. Mts. eine neue dreiactige Oper:\n„Die Bettlerin*, von H. J. Vincent zur Aufführung und fand sehr\nfreundliche Aufnahme. Der Componist, welcher zugleich die Tenor-\nPartie in der Oper vertrat, wurde am Schlüsse der Oper gerufen\nund vom Orchester durch einen Tusch geehrt.\nDas hannover' sehe Musikfest findet in der ersten Hälfte\ndes Monats Juni unter dem Protectorate des Königs Statt; zur\nAufführung kommen: die „Jahreszeiten\" von Haydn, die „Cäcilien-\nOde\" und das „Hallelujah\" von Händel, die neunte Sinfonie von\nBeethoven und einige andere Musikstücke."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "136", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660428-01.1.8", "texte": "Wien, 17. April. Die Italiäner eilen von Sieg zu Sieg, und\nbald werden wir sie im Verdachte haben, dass sie es sind, mit wel-\nchen Bismarck einen geheimen Tractat geschlossen, um, wenn auch\nnicht Venetien, doch Wien zu erobern. Und wahrhaftig, im letzteren\nPuncte hat sich der preussische Premier nicht verrechnet. Wien\nanerkennt in diesem Augenblicke die Herrschaft Italiens des sin-\ngenden. Wer wollte ihr auch widerstreben, wenn sie mit solcher\nVollendung künstlerischer Meisterschaft, mit solcher Anmuth und\nGeschmacksfülle geübt wird! Wir bekennen uns unterjocht. Schon\nder „Barbier\" hatte jede Opposition von vorne weg glatt rasirt, und\nwer noch widerstand, musste bei der „Generentola\" widerrufend\nAsche auf sein Haupt streuen, und nun kam „Elisir d*amoreu, das\nwie ein Zaubertrank in die Lebensgeister sich ergoss. Meister Cal-\nzolari (Tenor) erregte geradezu Fanatismus. So zweifellos seine\ngrosse Kunstfertigkeit erwiesen war, so hätte man ihm doch bis da-\nhin die tiefe lyrische Empfindung nicht zugetraut, die er in der\nneuesten Rolle entfaltete. Fräulein Art6t war eine durch und durch\nreizende Adine, ein trefflicherer Belcore als Everardi, ein lusti-\ngerer Dulcamare als Zucchini dürfte schwer aufzutreiben sein.\nDas Haus, gedrängt voll, befand sich in einer animirten Stimmung,\nwie selten. Es war ein wirklicher hoher Genuss. Se. Majestät der\nKaiser wohnte der Vorstellung bis zum Schlüsse bei.\nDie jüngste Vorstellung des „Fliegenden Holländer\" hatte dem\nFräulein Stehle einen schönen Erfolg eingebracht. Ihre volle\nStimme, ihre prägnante Sprache und ihr interessantes AufFassungs-\nTalent fanden in der Rolle der Senta ein breites Gebiet, sich gel-\ntend zu machen. Fräulein Stehle fand, zumal im Verlaufe der Rolle,\nreichlichen Beifall. Ueber die Meisterleistungen eines Beck, der\nHerren Walter und Meyerhofer zu sprechen, hiesse Eulen nach\nAthen tragen. (Z. 81. f. Th.)\nFräulein Rockelist mit ihren beiden Antrittsrollen: Gretchen\nim „Faust\" und Käthchen von Heilbronn, die gelegentlich ihres er-\nsten Auftretens in diesen Blättern eine ausführliche Besprechung\nfanden, bereits in den Verband des Hof-Burgtheaters definitiv ge-\ntreten.\nPinns» Deficit der grossen Oper. Die Mittheilung über\nden Ertrag der „Africanerin\", die wir in Nr. 15 d. 81. gegeben,\nerhält ihre Kehrseite durch die Rechnungs-Ablage der grossen Oper\nfür das Jahr 1865, welche bei einer Einnahme von 1,541,000 Fr.\nein Deficit von 250,000 Fr. nachweist. Die Opinion Nationale\nschreibt dieses Deficit den ungeheuren Kosten zu, welche die „Afri-\ncanerin\" veranlasst und noch nicht wieder eingebracht hat, und der\nübermässigen Gage des Sängers Naudin von 100,000 Fr. jährlich.\nDas genannte Blatt vergisst aber dabei einen bedeutenden dritten\nFactor, die Abgaben an die Armen der reichen Stadt Paris, welche\nim vergangenen Jahre 140,000 Fr. betragen haben. In den letzten\nsechs Jahren (1860—1865) nahm die Oper 8,062,000 Fr. ein, wo-\nvon die Stadt für ihre Armen 732,000 Fr. bezog!\nDer Moniteur vom 15. April enthält das Ministerial-Decret,\nwelches Herrn Perrin, den bisherigen Director, zum Directeur-\nentrepreneur der grossen Oper ernennt.\nDas Thedtre lyrique hat am 21. d. Mts. Flotow's „Martha\"\nzum einundfünfzigsten Male bei vollem Hause gegeben.\nDie erste Soiree von Jaell und Sivori in Erard's Saale war\nsehr besucht; Beiden wurden Ovationen von Applaus gebracht.\nSoiree von Ferdinand Hiller. F. Hiller war dem musi-\ncalischen Publicum von Paris seit Langem kein Fremder mehr, so\nzwar, dass die Concerte der Gebrüder Müller und Pasdeloup's, in\ndenen neuerdings einzelne seiner Werke zur Aufführung gelangten,\nnur dazu dienen konnten, seinen Namen auch den weiteren Kreisen\nder Musikfreunde wieder ins Gedächtniss zurückzurufen. So sah\ndenn der Abend des 23. d. Mts. im Saale Erard die Elite der mu-\nsicalischen Gesellschaft der französischen Hauptstadt versammelt\ndie erschienen war, dem deutschen Meister der Töne ihre Anerken-\nnung und ihre Verehrung darzubringen. Es ist hier nicht der Ort,\neine eingehend musicalische Kritik über die Schöpfungen eines\nComponisten zu geben, die bei Ihnen selbst, wie in ganz Deutsch-\nland schon so lange des grössten Ansehens geniessen. Hier gilt es\nnur, einen Erfolg, einen kolossalen Erfolg zu constatiren.\nErwähnen wir zunächst die Serenade (Op. 64) für Violine, Violon-\ncell und Piano, die, vom Autor und den Herren Allard und Fran-\nchomme meisterhaft vorgetragen, ganz besonders in dem originel\ngeformten „Ghasel\" einen wahren Beifallssturm erregte, so dass das-\nselbe wiederholt werden musste. Denselben Erfolg hatte eine Art\n„Suite , in der die „Gavotte\" und die „Sarabande\", vor Allem aber\ndas „h la Guitarre\" betitelte Stück durch die liebliche Frische und\nEigenthümlichkeit, welche dieselben auszeichneten, einer bevorzug-\nten Aufnahme genossen. Fräulein Goury, mit einem vorzüglichen\nTimbre der Stimme begabt, brachte in besonders ausdrucksvoller\nWeise die Ariette „Weine nicht\" und das Lied „Neuer Frühling\"\nzur Geltung. Ein zweiter Theil führte dann die vierhändige „Ope-\nrette*' ohne Worte (Op. 106) vor, die von Frau Szarvady-Clauss\ngemeinsam mit dem Componisten in wunderbar vollendeter Weise\nvorgetragen wurde. Ferd. Hiller feierte einen glänzenden Triumph\nals Componist, mit ihm aber die Muse der echt deutschen Musik,\nderen treuester Sohn und Verehrer er ist. (K. Z.)\nJenny Goldschmidt-Lind hat am 7. April zu Cannes\nim Gercle nautique ein Concert für die Armen gegeben aus Dank-\nbarkeit dafür, dass sie dort Stimme und Gesundheit, die beide ge-\nlitten hatten, im vorigen Jahre wieder erhalten hat."}]}