{"numero_id": "bm-bmtnabi-1866-05-12-01", "volume": "bmtnabi_1866-05-12_01", "ocr_sha256": "b4af40cda758181a32ddcdc2c2a818aa665301495ce92fe4df029b767d005b25", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1866/05/12_01/bmtnabi_1866-05-12_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660512-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1866-05-12-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-05-12_01#c001", "volume": "bmtnabi_1866-05-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "145", "page_fin": "145", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660512-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "145", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660512-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 437, "texte": "Inhalt.\nAus der Fremde über Robert Schumann. Aus Regensburg (Musicalische Zustände). Aus München (Kirchen-\nMusik). Die Winter-Concerte im Krystallpalaste zu London. Tages- und Unterhaltungsblatt (Mainz, Herr Betz, Sinfonie-\nConcert Frankfurt a. M., Tenorist Eppich f Berlin, Auszeichnung Hamburg, Musikfest Wien, Herr Randhartinger, Chormeister\nHerbeck Richard Wagner Ole Bull „Elisabeth\" von F. Liszt Alfred Jaell Prag, Herr J. Krejci)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-05-12-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-05-12_01#c002", "volume": "bmtnabi_1866-05-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "145", "page_fin": "148", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660512-01.2.2", "titre_corps": "Aus der Fremde über Robert Schumann.", "titre_sommaire": "Aus der Fremde über Robert Schumann.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "145", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660512-01.1.1", "debut_caractere": 439, "fin_caractere_exclue": 4134, "texte": "Aus der Fremde über Robert Schumann.\nDie Wahrheit des alten Sprücbwortes, dass man aus\njedem Buche etwas lernen könne, leidet freilich bei der\nUeberfüllung des beutigen literarischen Marktes mit Ma-\nculatur eine grosse Beschränkung. Trotzdem bleibt, wie\nvor Gericht ein Schuldig über einen Menschen, ohne ihn\nzu hören, eben so ein Verdammungs-Urtheil über ein\nBuch, ohne es zu lesen, eine unverantwortliche Anmaas-\nsung. Und doch lassen wir Deutschen, besonders in Bezug\nauf die Kunst und deren Kritik im Auslande, uns gar\nhäufig Selbstüberschätzung und Ausschliesslichkeit zu\nSchulden kommen, indem wir Urtheile von Engländern,\nFranzosen, Italiänern über deutsche' Kunst und Künstler,\nMaler und Musiker, mit einem vornehmen Achselzucken,\ndas da sagen will: „Was kann da sein?\" ungelesen bei\nSeite schieben oder im besten Falle durch eine von Na-\ntional-Vorurtheil und Egoismus gefärbte Brille betrachten.\nDie Redaction dieser Blätter geht von anderen Grund-\nsätzen aus; sie hält die Ansichten sachverständiger Auslän-\nder überall für berücksichtigungswerth und ist der Mei-\nnung, dass man aus ihnen immerhin etwas lernen könne,\nsei es nun, dass deren Begründung sich nach allgemeinen\nästhetischen Grundsätzen als richtig bewähre, sei es, dass\nwir durch den Einfluss einer der unsrigen entgegengesetz-\nten nationalen Eigentümlichkeit auf die Betrachtung der\nKunstwerke zur Prüfung unseres eigenen oder des bei uns\ngäng und gebe gewordenen Urtheils veranlasst werden.\nIn diesem Sinne mögen die Leser die folgenden Mitthei-\nlungen von englischen und französischen Kritikern über\nRobert Schumann aufnehmen.\nDie Aufführung von Schumann's „Paradies und Peri\"\nim ersten diesjährigen Concerte der philharmonischen Ge-\nsellschaft in London am 5. März*) gab Veranlassung zu\nmehreren kritischen Aufsätzen in englischen Blättern, von\ndenen wir das Interessanteste im Auszuge mittheilen.\nI. Aus einem Aufsatze: „Haydn, Schumann, Rubin-\nstein, Wagner, Berlioz.\" {Mus. Nr. 10.)\nWenn ich einen Sprung, einen gefährlichen Sprung\nvon Haydn auf Schumann mache, so muss ich daran erin-\nnern, dass es zehn Jahre her ist, dass Schumann's „Pa-\nradies und Peri\" zum ersten Male in England gehört\nwurde, und zwar in einem Concerte derselben Gesellschaft,\nwelche es jetzt wieder aufgeführt hat. Man war damals\nder Meinung, dass die erste Aufführung die letzte sein\nwürde, und ich kann mir nicht helfen ich bilde mir\nein, dass auch jetzt wiederum ein langer Zeitraum ver-\ngehen wird, ehe die dritte der zweiten folgt. Schumann's\nVerehrer behaupten, dass, wer nicht im Stande sei, das\nSchöne in seinen Werken zu vernehmen, diese immer\nwieder hören müsse, und dann am Ende dahin kommen\nwürde, sie wahrhaft zu schätzen. Bei „Paradies und Peri\"\nwird das Publicum schwerlich Gelegenheit haben, solche\nAusdauer zu bewähren. Bei allem Verdienstlichen des\nWerkes steht das Eine fest, dass es nicht gefallen hat.\nDies ist vielleicht die Schuld der Zuhörer, die trotz der\nvortrefflichen Gründe, die man ihnen vorgehalten, um sich\nfür Schumann zu begeistern, doch nicht dazu kommen\nkonnten. Es ist vielleicht nicht durchaus nothwendig, dass\neine Musik schön sei, und Musik ohne Reiz mag, wie ein\ngeschicktes und gebildetes, aber hässliches Mädchen, alle\nAchtung einflössen. Dass Schumann ein denkender, ernst\ngesinnter Mann war, der lange und gründlich über seine\ngeliebte Kunst nachgedacht, und wohl begriff, wie die\nMusik sein sollte, weiss ein Jeder, der seine kritischen\nAufsätze gelesen hat: allein es scheint mir, als habe es ihm\nan schöpferischem Talente gefehlt, daher findet sich in sei-\nner Musik ein Mangel an Spontaneität, der um so merk-\nwürdiger ist, als Manches den Schein von Originalität hat.\n\n*) S. Nr. 18, S. 141."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "146", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660512-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5182, "texte": "Von Gemeinheit ist er allerdings vollkommen frei, aber in\ndem ganzen „Paradies und Peri\" ist kaum eine echte\nMelodie vorhanden. Wie Heine von einem Paradiese, in\nwelchem der Baum mit der verbotenen Frucht fehlt, sagt:\n„Das ist kein echtes Paradies!\" so scheint auch Schü-\nParadies, wobei die Melodie eine verbotene Frucht\nist, kein echtes zu sein.\nIch für meine Person gestehe offen, dass mir das\nWerk durchaus nicht zusagt, und ich bin überzeugt, dass\nich nach der sechsten oder siebenten Anhörung noch der-\nselben Meinung sein würde, wie heute. Indess ist es be-\nkannt, dass der Mensch sich am Ende an Alles gewöhnt,\nund so mag es auch sein, dass eine lange Vertraulichkeit\nauch mit „Paradies und Peri\" aussöhnt. Vor zehn Jahren\nschrieb einer unserer Collegen: „Es ist ein Werk voll\nGenie und Geisteskraft, dessen Schönheiten sich immer\nmehr enthüllen werden, je öfter man es hört,\" —während\nein Anderer sagte: „nichts sei leerer an Erfindung und\naller verständlichen Form bar, überhaupt so uninteressant,\nwie man selten etwas gehört.\" Nun, die Wahrheit wird\nwohl in der Mitte liegen. Ein Dritter half sich durch\nfolgenden Lakonismus aus der Schlinge: „Dr. Schumann's\nCantate ist sehr lang, sie dauerte drei Stunden\".\n(D. Peters Esq. in Mus. World.Nr. 10 vom 10. März.)\n11. Im ersten philharmonischen Concerte bildete S c h u -\nmann's „Paradies und Peri\" das Programm.\nVor zehn Jahren (den 23. Juni 1856) wurde das\nWerk mit Frau Lind-Goldschmidt von derselben Gesell-\nschaft, in Anwesenheit der Königin und einer glänzenden\nZuhörerschaft, ebenfalls unter Sterndale Bennett's Direc-\ntion, wie jetzt auch, gegeben. Trotzdem, dass Frau Gold-\nschmidt sang, wie nur sie allein singen kann, und dass\nAlles zu einer trefflichen Aufführung zusammenwirkte,\nmachte das Werk doch keinen anderen Eindruck, als den\nder Ermüdung— mit Einem Worte: es konnte nicht im\nGeringsten von einem Erfolge die Rede sein. Seitdem hat\nSchumann, Dank seinen Verehrern und eifrigen Freun-\nden, entschieden Fortschritte in England gemacht. In\nneuerer Zeit haben unsere Kunstfreunde so viel gute Mu-\nsik gehört, von deren Existenz sie noch vor Kurzem keine\nAhnung hatten, und ein so überwiegender Theil dieser\nMusik kam direct aus Deutschland, dass sie, besser vorbe-\nreitet, als früher, auch williger waren, alles, was den\nStempel deutscher Anerkennung trug, mit Aufmerksam-\nkeit anzuhören und dem gemäss zu würdigen. Dass eine\ngrosse Anzahl deutscher Musiker Schumann seit Mendels-\nsohn's Tode als ihr Idol verehrt, ist jedem bekannt, der\nsich um musicalische Zustände bekümmert. Dass ihre Be-\nwunderung grossentheils durch Schumann's Verdienste\ngerechtfertigt ist, kann nur von den wenigen hartnäckigen\nGegnern desselben geläugnet werden: allein, dass alles,\nwas er hinterlassen, glückliche Inspiration beweist, ist\nschwerer anzunehmen. Zehn Jahre, die von seinen Anhän-\ngern und Schülern gut benutzt worden sind, haben hinge-\nreicht, ein wahres Interesse für ihn zu erregen, nicht aber\neinen unbedingten Gefallen an Vielem, was er geschrieben\nhat, zu begründen, wesshalb wir denn auch zweifeln, ob\n„Paradies und Peri\" nach zehn Mal zehn Jahren vom\nPublicum, mit Ausnahme einiger Enthusiasten\nmeme, für mehr angesehen werden dürfte, als für einen\nComplex von Ergebnissen geschickter Arbeit, welcher\nmanche schöne Stellen, besonders im ersten und zweiten\nTheile, enthält, die jedoch im Zusammenhange nicht so\nhervortreten, dass sie einen im Gedächtnisse haftenden\nEindruck machten. Nie ward ein so leicht und phantastisch\nduftiges Gedicht von einem Musiker mit solcher Schwere\nbelastet. Alle Fehler Schumann's kommen darin vor, viel-\nleicht am stärksten die Unbestimmtheit in melodischen\nUmrissen, ein Mangel, welchen das reiche Colorit des\nOrchesters nicht ausgleichen kann. Dass zwischen Thomas\nMoore und Schumann Sympathie Statt finden könne, hat\nNiemand, der mit dem Geiste Beider bekannt ist, auch\nnur einen Augenblick sich eingebildet; aber ein drei Stun-\nden langes, schwerfälliges Düster, nur dann und wann\ndurch das Aufblitzen schnell wieder verschwindender\nHelle unterbrochen, konnte kaum erwartet werden von\neinem Componisten, dessen Sinfonieen und Ouvertüren\nund andere weniger umfangreiche Werke in neuerer Zeit\naufmerksame Hörer gefunden und Viele mehr oder weni-\nger leicht zu Schumann's Musik bekehrt hatten. Trotz\nder guten Ausführung der Soli (Sopran Miss Parepa\nu. s. w.) und der Chöre mit trefflichem Orchester machte\n„Paradies und Peri\" denselben Eindruck der Ermüdung,\nwie vor zehn Jahren, und allein das Tenor-Solo und Quar-\ntett im zweiten Theile („Die Peri weint\") rief Applaus\nund Dacapo-Ruf hervor. [Mus. World, Nr. 11.)\n111. Die Tonkunst ist in den letzten Jahrzehenden eher\nzurückgegangen, als fortgeschritten. Auch von den Com-\nponisten, die Mendelssohn überlebt haben, von Spohr und\nMeyerbeer, kann man nicht sagen, dass ihre letzten Werke\nihre besten sind. Mit Schumann starb die Hoffnung von\nJung-Deutschland, und es ist keine Frage, dass auch seine\nletzten Werke fern davon sind, seine glücklichsten zu sein.\nUnter der Zeit hat die Kunst in England in so fern grosse\nFortschritte gemacht, als ein richtigeres Kunst-Urtheil im-\nmer allgemeiner geworden. Schumann's Werke haben"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "147", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660512-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5415, "texte": "indess am spätesten erst Gewinn von dieser erstarkten\nUrtheilsfähigkeit gezogen, und wenn man ihren eigen-\nthümlichen Charakter bedenkt, so ist das eben nicht sehr\nzu verwundern. Vielleicht hat nie ein Meister von so hohen\nTendenzen die Eigenschaften, die Menge anzuziehen und\nzu gewinnen, in so geringem Grade besessen, wie Schu-\nmann: aber auch kein Meister war so spärlich mit der\nseltenen, aber unentbehrlichen Gabe ursprünglich quellen-\nder Melodie begabt. Rein einziges Werk von Schumann\nist aus dem unbewussten Schaffenstriebe entsprungen,\nwelcher allem, was Haydn, Mozart und Beethoven ge-\nschrieben, einen unbeschreiblichen Beiz verleibt, deren\nMelodie eine natürliche Sprache war und deren Gedanken\ndurch geniale Conception künstlerische Gestalt annahmen.\nFerner war Schumann nicht gegeben, sich die Handha-\nbung der thematischen Entwicklung und der Form über-\nhaupt in dem Grade anzueignen, dass sie seine eigentüm-\nliche Bichtung hätte unterstützen können, wie dies z. B.\nbei Mendelssohn der Fall war, welcher durch die Art,\nwie er sie vorbrachte und ausführte, und durch die\nGewandtheit im Formellen verhältnissmässig unbedeuten-\nden Gedanken einen Schein von Schönheit zu geben ver-\nstand. Indess haben geistige Tiefe, hohes Streben, aufrich-\ntiger Ernst der Gesinnung, Glaube an die Kunst und Be-\ngeisterung für sie die Werke Schumann's geschaffen und\nihm eine, wenn auch nicht zahlreiche, doch entschieden\ngeweihte Schar von Jüngern gewonnen. Diese haben durch\nihr beharrliches, blendendes, oft nicht unberedtes Predigen\nden Kreis seiner Gönner erweitert und vielen Compositio-\nnen von ihm Eingang verschafft. Dies ist aber insbeson-\ndere nur bei seinen Sachen für Orchester, Sinfonieen und\nOuvertüren, auch einigen Werken für Kammermusik und\nvon Liedern oder Vocal-Quartetten der Fall. Seine grös-\nseren Vocalwerke, wie die Oper „Genoveva\", die Cantate\n„Paradies und Peri\"*), haben, ausser bei seinen Aposteln,\nkeinen festen Boden gewonnen und haben auch schwerlich\nAussicht, ihn jemals zu erobern; aber um die Schumanniten\nzu besänftigen, müsste man sich stets vor ihrem Idol beugen,\nwiewohl es klar ist, dass es Schumann nicht verliehen war,\ndie Theilnahme einer musicalisch gebildeten Zuhörerschaft\ndrei Stunden lang zu fesseln. Wenn er am glücklichsten\nin seinen ersten Gedanken und am genialsten in der Er-\nfindung ist, stockt es plötzlich bei ihm aus Mangel an\nFluss, aus Unbebolfenheit im Weiterführen und Ent-\nwickeln, eine Art von Nemesis ergreift ihn, und er steht\nda wie ein Stein auf dem Wege zu dem Ziele, das er im\nSinne hat.\nDas Vocalwerk „Paradies und Peri* bat zwei schwa-\nche Seiten, die eine im Inhalt, die andere in der Form.\nDer Charakter der Musik passt nicht im Geringsten zu\ndem Geiste des Gedichtes. Thomas Moore's Werk ist\nmit all seiner blühenden Sprache und reichen Phantasie\ndoch nur ein einfaches Gedicht: Schumann aber sah darin\neinen sehr ernsten Stoff. Selbst zu düsterer Mystik geneigt,\nfand er Mysticismus in einer der letzten Arbeiten des lieb-\nlichsten epigrammatischen (?) Dichters. Während drei\nStunden leuchtet kaum eine halbe Stunde das Licht der\nPhantasie in der schwerfälligen Musik: schwerlich würde\nsich der irische Barde in dieser wiedererkannt haben. In\nden Wellen von Schumann's Harmonieen gleicht das zarte\nGedicht einer Schaluppe im Sturm. Kurz, ein grösserer\nGegensatz, als die breit ausgearbeitete Musik Schumann's\nzu dem Geiste von Moore's Poesie lässt sich kaum denken.\nIn rein musicalischer Beziehung bietet dasselbe Werk\nebenfalls manche Mängel dar. Es ist nicht nur zu lang,\nsondern auch ohne Zusammenhang. Man mag es ein\nDutzend Mal hören, und man kann es doch nicht als ein\nGanzes auffassen. Melodie ist darin, und keine verbrauchte,\ndenn Schumann verschmäht es, von der Eigentümlichkeit\nfremder Nationalität Gebrauch zu machen, oder gar, wie\nein grosser Opern-Componist, das Alte zu Neuem zuzu-\nstutzen. Allein die Melodie fliesst nicht in voller Strömung\ndaher, wie bei den grossen Meistern; sie macht oft einen\nplötzlichen Halt, und statt der Weiterführung stossen wir\nauf abspringende Gedanken und Modulationen. Schumann's\nMangel an Geschick in der Ausführung seiner Ideen er-\nscheint nirgends in stärkerem Lichte, als hier. Wenn die\nMelodie einmal natürlich, fliessend und abgeschlossen ist,\nso ist das nur in kurzen Perioden der Fall, und die lei-\ntende Phrase wird dann immer wiederholt, sei's mit ver-\nänderter Begleitung oder auch nicht. Als Beispiel führe\nich an die erste Arie der Peri: „Wie glücklich sie wan-\ndeln, die sel'gen Geister\"; hier besteht der Gesang aus\nzwei Phrasen, einer in Moll, 6jB, der andern in Dur, 4/s,\nund diese werden immer und immer wieder mit geringer\noder gar keiner Aenderung wiederholt.\nDieser hübsche Gesang enthält übrigens die einzige\nwirkliche Melodie in dem ersten Theile des Werkes; allein\nso hübsch sie auch ist, so fesselt doch hauptsächlich die\npikante Art und Weise, wie die Tonart zwischen B und\nFis-mollcoquettirt, so dass die letztere beabsichtigt, aber\ndoch nicht bis zu Ende festgehalten bleibt. Die erste\nNummer des zweiten Theiles: „Die Peri tritt mit schüch-\nterner Geberde\", für Tenor und Alt mit dem Chor der\nEngel ist anziehend, wenn schon die Melodie abgebrochen\nund nicht recht symmetrisch ist; sie ist aber völlig frisch\nund neu, was man nicht von den anderen sagen kann.\n\n*) Die „Scenen aus Goethe's Faust* scheinen noch ganz\nunbekannt in England zu sein. Die Redaction.\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "148", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660512-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2295, "texte": "Ueberhaupt enthält der zweite Theil die vorzüglichsten\nSchönheiten des Werkes, ungeachtet der ermüdenden Ein-\ntönigkeit und des zerstückten Baues des Chors in\nDieser soll von Nilgeistern gesungen werden, aber die\nGeisterwelt ist eben nicht Schumann's Element. Seine\neigenthümliche Geistesrichtung und seine technische Un-\ngewandtheil hinderten ihn an der freien Behandlung der-\nartiger Stoffe. Das Tenor-Solo und Quartett: „Die Peri\nweint\", hat Melodie, und zwar in den Singstimmen und\nim Orchester ein seltenes Zusammentreffen bei Schu-\nmann. Das Alt-Solo: „Verlass'ner Jüngling\", ein ermü-\ndendes Füllstück ohne den geringsten musicalischen Reiz,\nist die zweite schwache Nummer des zweiten Theiles. Die\nArie der Jungfrau: „O,lass' mich von der Lust durch-\ndringen\", ist nicht nur ausserordentlich ausdrucksvoll,\nsondern auch hervorragend schön. Die Todesscene der\nbeiden Liebenden ist in anderem Charakter eben so vor-\nzüglich, und die Arie der Peri: „Schlaf' nun\", mit Chor\nist eben so lieblich als kurz. Hier haben wir Moore's na-\ntürliche Einfachheit und Anmuth mit einer Tiefe des\nGefühls gepaart, an die Moore nie reichte.\nDie letzte Nummer in der Cantate, welche noch eini-\nger Maassen melodiös klingt, ist der Chor der Houris zu\nAnfang des dritten Theiles.\n„Paradies und Peri\" ist gerade da am schwächsten,\nwo es am stärksten sein sollte. Das Ende fällt immer mehr\nab. Das letzte Finale ist viel gelobt worden: ich kann nicht\nin das Lob einstimmen. Die zwei Thema's, über welche\nes gebaut ist, werden bis zum Ueberdrusse wiederholt\nund sind eben nicht besonders neu; doch ist ein gewisser\nSchwung unläugbar darin. Auch kann ich nicht begrei-\nfen, wesshalb das Finale nicht früher zu Ende kommt, da\nso oft Gelegenheit dazu da ist.\nSchumann's Musik ist ein streitiges Thema nach sei-\nnem Tode geworden, war es schon bei seinem Leben und\nwird es so lange sein, bis ein neuer Genius ersteht und\nuns durch die That zeigt, was jene werth ist. Dass aber\ndie Kritik schweigen und den Urtheilsspruch der Zeit ab-\nwarten müsse, das können nur jene Blätter sagen, welche\nder neueren dilettantisch-sentimentalen Schule, die in Gou-\nnod ihren Vertreter hat, huldigen und mit apathischer\nGleichgültigkeit bedeutende Kunsterscheinungen vorüber-\ngehen lassen.\n(Z. in Poll Mall Gazette)\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-05-12-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-05-12_01#c003", "volume": "bmtnabi_1866-05-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "148", "page_fin": "150", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660512-01.2.3", "titre_corps": "Aus Regensburg.", "titre_sommaire": "Aus Regensburg.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "148", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660512-01.1.4", "debut_caractere": 2297, "fin_caractere_exclue": 4921, "texte": "Aus Regensburg.\nAnfang Mai 1866.\nGlauben Sie ja nicht, es sei hier eine Stagnation in\nder musicalischen Strömung eingetreten, weil ich Ihnen\nso lange nicht berichtet habe. Im Gegentheil, es gehen\nnamentlich seit ein paar Monaten die Wogen sehr hoch;\nich will damit jedoch keineswegs gesagt haben, dass die\nMusik als solche hier einen hohen Grad erreicht habe.\nOft peitschen sich ja die Wellen und überstürzen sich\nund schäumen und tosen: und doch ist sehr häufig daran\nnichts Anderes schuld, als etwa ein verborgenes Felsen-\nriff, eine Klippe, eine Untiefe oder gar ein See-Ungeheuer.\nDas Gleichniss passt mehr oder weniger auf das musicali-\nsche Treiben dahier. Um vom Ende anzufangen, weil das\nnäher der Zeit nach liegt: die hiesige Theaterfrage ist fast\nschon eine Cause celebregeworden, nicht im guten Sinne,\nsondern leider in der schlimmen Bedeutung des Wor-\ntes, welches sowohl für berühmt und für berüchtigt\ngebraucht wird. Die Chronik von Regensburg wird durch\ndiese Affaire nicht mit einem rühmlichen Blatte bereichert;\ngibt es daher, was ich nicht weiss, eine\ndaleuse, so rathe ich, diese Geschichte in dieselbe aufzu-\nnehmen. Da ist sie jedenfalls am Piatze. Sie werden nun\nerwarten, dass ich Ihnen die ganze Angelegenheit weit\nund breit erzähle. Ersparen Sie mir diese Mühe! Es sind\nschon so viele unnütze Worte darüber gesprochen und\ngeschrieben worden, dass mir die Mahnung der Schrift\nüber die Rechenschaft, welche man für jedes unnütze\nWort geben müsse, schwer aufs Herz fälit. Es genüge\nIhnen also, zu erfahren, dass das neugebildete Theater-\nComite nach monatelangem Hin- und Herschleppen bis\nzur heutigen Stunde noch keinen Theater-Director hat be-\nschaffen können; Herr Meisinger, den es erwählt hatte,\nstarb fast am Tage seiner Wahl, und den allgemein ge-\nachteten, seit neun Jahren hier in dieser Eigenschaft thä-\ntigen Director Wihrler will eben das Comite absolut aus-\nschliessen trotz dem gegenüber stehenden Willen des Pu-\nblicums, das in dieser Angelegenheit diesmal fast einstim-\nmig ist. Warum das Comite gegen diesen reellen Geschäfts-\nmann, unter dessen Leitung nicht nur die Bühne stets\nGutes leistete, sondern auch Niemand in Regensburg die\nmindeste Einbusse erlitt (was man leider nicht von allen frü-\nheren Directoren sagen kann), eine solche Abneigung hat,\ndas zu detailliren, müsste ich Dinge berühren so delicater\nNatur, dass ich lieber darüber weggehe; sie hangen mit\ndem geträumten Ueber-Einflusse eines hohen Mäcen's der\nKunst, der zugleich der grösste Wohlthäter Regensburgs\nist, zusammen: er sollte um jeden Preis gebrochen werden.\nWas dann nachfolgen werde? Das kümmert die Herren"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "149", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660512-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5440, "texte": "nicht. Apres nous le deluge! Mag's gehen, wie immer,\nwenn sie nur siegreich aus dem finstern Kampfe hervor-\ngehen !\nDieser unerquicklichen Theater-Affaire ziemlich ähn-\nlich ist, um zu einem anderen Thema zu kommen, die\nVerkommenheit inmitten unseres Orchester-Vereins, d. i.\njener hiesigen Musiker, welche in eine gemeinsame Casse\nzahlen Behufs Unterstützung kranker u. s. w. Musiker.\nIch sage dies, damit man nicht den Begriff „Orchester-\nVerein\" falsch verstehe. Ein ständiges Orchester als ge-\nschlossene Corporation hat Regensburg nämlich nicht; der\nTheater-Director bezahlt den Musikern, die er engagirt,\nGage; wer ein Concert geben will, honorirt diejenigen,\nwelche er braucht, in gleicher Weise; während der\nSommerzeit haben sie ausser den Land-Kirchweihen\nund Gartenmusiken u. s. w. keinen Verdienst. Die Not-\nwendigkeit, einen gegenseitigen Unterstützungs-Verein zu\ngründen, ist danach gerechtfertigt genug, und Regensburg\nhat auch in Anbetracht dieser Verhältnisse nicht gesäumt,\nin den zu diesem Zwecke gegebenen jährlichen Concerten\nsein Scherflein beizutragen. Wenn aber in letzter Zeit diese\nBetheiligung geringer geworden ist, so wolle der Verein dies\nnicht der mangelnden Theilnahme, sondern den von Jahr\nzu Jahr unbedeutender gewordenen Aufführungen in sei-\nnen Concerten, vorzüglich aber den Reibungen und Ge-\nhässigkeiten zuschreiben, welche namentlich im Verlaufe\nder letzten Monate in der Tagespresse das Publicum nur\nscandalisirt, leider aber nicht erbaut haben. Doch genug\ndes Unerquicklichen!\nNun zu einem dritten Punkte, den Musik-Gesell-\nschaften dahier. Leider habe ich auch da zu klagen!\nThut mir leid, aber es ist nicht meine Schuld. Regensburg\nhat viel zu viele Vereine! Dadurch zersplittern sich die\nKräfte, die am Ende doch nicht gar so zahlreich sind, wie\nman sich so gern einreden möchte; die nothwendige Folge\nist, dass es ungeachtet der vielen Productionen, Concerte,\nSoireen und wie die vereinlichen Versammlungen alle ge-\nnannt werden, doch kein rechtes, tüchtiges, erquikliches\nMusikleben gibt, dass kein einziges Concert, das in der\nganzen Bedeutung dieses Wortes ein solches wäre, zu\nStande kommt. Diesen Winter hat Regensburg nicht einmal\neine Sinfonie zu hören bekommen. Auswärts wird man daraus\nermessen können, was hier die Glocke geschlagen hat.\nDass man, wenn man hierorts sein Bedauern darüber aus-\nspricht, in das Narrenhaus gewiesen wird (conf. Regensb.\nTagblatt), ist leider nur geeignet, Rdgensburgs Kunstsinn\nund Musikhöhe als sehr tief stehend zu charakterisiren.\nHielten Sie einen solchen Zustand der Musik in Regens-\nburg für möglich, hier, wo die musicalische Vergangen-\nheit eine so glänzende gewesen ist, wie kaum in zwei an-\nderen Städten Baierns? Aber Sie werden mich im Ver-\ndachte haben, als ob ich zu schwarz sehe? Nicht doch!\nGlücklicher Weise stehe ich nicht vereinzelt. Im Gegen-\ntheil. Jüngst hat ein Verein von gebildeten Männern aus\nallen Kreisen diesen trübseligen Stand ins Auge gefasst\nund ein eigenes Schriftchen: „Die dermaligen musicali-\nschen Zustände Regensburgs, dargestellt unter Rückblicken\nauf die Vergangenheit zugleich mit dem Hinweise auf\nderen fernere gedeihliche Entwicklung\", drucken lassen,\ndas sich über die alte Kirchenmusik in den verschiedenen\nkatholischen Kirchen, über die Opernmusik, über das Ora-\ntorium, über die Pflege der Musik im Hause, über die\nKammermusik und Concertmusik sehr sachgemäss und\neingehend verbreitet. Ob's wohl was nützen wird, dieses\nBrochürchen eines der gediegensten Musik-Dilettanten\ndahier? Ich bezweifle es; es gibt hier Leute, die alles\nnegiren und abweisen, was nicht aus ihrem Hirn entspros-\nsen ist. Mag dies bisweilen auch recht herzlich ungeschickt\nund unpraktisch, ja, sogar schädlich sein thut nichts,\nes ist doch immerhin besser, als sich als Ignoranten,\nEgoisten u. s. w. bekennen zu müssen. Der Verfasser möge\nsich nur gefasst halten auf Machinationen, Intriguen, Ver-\ndächtigungen gegen ihn; es wird daran nicht fehlen. Nenne\nnur einmal Einer das Kind beim rechten Namen; er darf\nsicher sein, eine Vehme wird über ihn eröffnet und tau-\nsend Spitzen werden nach seinem Herzen zielen. Der Herr\nAutor hat's aber auch zu arg gemacht! Der alten mittel-\nalterlichen Kirchenmusik gibt er Schuld, dass Regensburg\nkein stabiles Orchester hat, dass die Musiker hier fast\nHungers sterben müssen. Nun, Gnade Ihnen Gott, Herr\nVerfasser! Da haben Sie was Schönes angefangen! Und\ndann erst die freilich mit Sammt übertünchten, aber des-\nsen ungeachtet borstig sich anlassenden Auslassungen über\nden hiesigen Musikverein! Hu, es graust mir vor dir!\nUeber deinem Haupte schwebt das Damoklesschwert. Am\ngescheitesten wäre es, du holtest dir selbst vom Pascha\ndie seidene Schnur; der Stab ist über dich doch gebrochen.\nUnd endlich dein Vorschlag zur Bildung eines vollständi-\ngen städtischen und ständigen Orchesters! Was untersteht\nsich dein subalterner Verstand, dem vorstehenden Hirne\nVorschläge und Rathschläge zu machen? Hast du wirklich\ngeglaubt, hier seien 8530 Fl. für ein Orchester auf-\nzubringen? „Glücklich ist der Mensch in seinem Wahn!\"\n„Sufftcit! Es genügt für diesmal!\" rufen Sie Ja,\nHerr Redacteur, Sie haben auch ganz Recht; und so\nschliesse ich denn, obwohl ich noch gar Vieles auf dem\nHerzen hätte. Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben.\nIch wünsche sehr, dass ich meinen nächsten Bericht also\nbeginnen kann: „Wir haben endlich einen Theater-Di-\nrector, der mehr als Versprechungen hat; wir haben ein"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660512-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 260, "texte": "wirkliches, grosses Vocal- und Instrumental-Concert ge-\nhabt; wir besitzen ein ständiges Orchester; Regensburg\nhat sich aus dem Zustande seiner musicalischen Niedrig-\nkeit erhoben.\" Aber ich fürchte, ich werde schreiben müs-\nsen: „Noch immer Alles beim Alten!\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-05-12-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-05-12_01#c004", "volume": "bmtnabi_1866-05-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "150", "page_fin": "150", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660512-01.2.4", "titre_corps": "Aus München.", "titre_sommaire": "Aus München.", "signature_source": "V", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660512-01.1.6", "debut_caractere": 262, "fin_caractere_exclue": 3495, "texte": "Aus München.\nV.\n(Kirchenmusik,)\nUnberührt von den musicalischen Unruhen und Par-\nteikämpfen und dem ganzen Wagner-Sturm, hat die Musik\nin der Allerheiligen-Hofcapelle in vergangenem Winter\nund namentlich an den beiden hohen Rirchenfesten, Weih-\nnachten und Ostern, unter Herrn Capellmeister Franz\nWüllner's Direction eine reiche und wohlthuende Thä-\ntigkeit entfaltet. Ausser der e von Beethoven\nund dem Requiem von Cherubini sind in der genannten\nCapelle folgende Kirchenstücke a gesungen worden:\nSonntag den 24. December 1865: Missa:\nChristimunera\" von Palestrina; Graduale:\nvon Aiblinger; Offertorium: „Prope est Dominus\" von\nEtt (geb. 1788).\nAm ersten Christtage: *Messe für Solostimmen und\nChor von Fr. Wüllner; Graduale: „Exultandi tempus est\"\nvon Sale (fünfstimmig); Offertorium: „Hodie Christus na-\ntus est\" von Palestrina (zweichörig).\nAm zweiten Christtage: Missa: „Assumpta est Maria\"\n(sechsstimmig) von Palestrina; Graduale: „Sederunt Prin-\ncipes\" von Aiblinger; Offertorium: „Lapidabant Stepha-\nnum\" (fünfstimmig) von Palestrina.\nSonntag den 31. December: Missa (vierstimmig) von\nGosswinus (1576). Nachmittags zum Jahresschlüsse: Te\nDeumfür zwei Chöre von Allegri.\nIn der Charwoche. Palmsonntag den 25. März, halb\n11 Uhr: Missa: „ Vidi speeiosam\" (sechsstimmig) von Vit-\ntoria; Graduale: „Super flumina\" (vierstimmig) von Or-\nlando di Lasso; Passio mit Responsorien von G. A. Ber-\nnabei; Offertorium: „Stabat (zweichörig) von Pa-\nlestrina. Mittwoch den 28. März, 4 Uhr Nachmittags:\nMatutin mit *Responsorien von Palestrina; Benedictus von\nF. Lachner. Gründonnerstag den 29. März, halb 11\nUhr: Missa: „Assumpta est\" (sechsstimmig) von Palestrina;\n*Graduale: „Christus factus (vierstimmig) von Pale-\nstrina; *Offertorium: „Fratres ego enim\" (zweichörig) von\nPalestrina. Nachmittags 4 Uhr: Matutin mit *Responso-\nrien von Palestrina; * Benedictus von Jac. Händl (Gallus).\nAbends halb 8 Uhr: Miserere für zwei Chöre von Leo-\nnardo Leo. Charfreitag den 30. März, 10 Uhr:\nmit Responsorien von G. A. Bernabei; Popule meus von\nVittoria; *Adoramus(vierstimmig) von Roselli (geb. um\n1520); Vexilla regisvon Ett. Abends halb 8 Uhr;\nbat Mater für Chor, Soli und Orchester von Astorga (geb.\num 1680). Charsamstag den 31. März, 11 Uhr: Kyrie\n(Choral); Gloria, Sanctus und Benedictus von Stuntz;\nLaudate Dominum und Magnificavon Aiblinger. Abends\nhalb 8 Uhr: Auferstehungs-Procession mit\nvon Ett.\nOstersonntag den 1. April, 11 Uhr: *i\\lissa für Chor\nund Soli von Hauptmann; Graduale: „Haec dies\" (fünf-\nstimmig) von Nanini (geb.um 1540); Offertorium:\ntremuit\" (zweichörig) von P. Cannicciari (geb. um 1670).\nOstermontag den 2. April, 11 Uhr: *Missa:\nChristus\" (zweichörig) von Palestrina.\nDie mit einem * bezeichneten Compositionen kamen\nzum ersten Male zur Aufführung.\nEs geht aus diesen Programmen hervor, dass hier in\nBezug auf die Wahl der Kirchenstücke keine einseitige\nRichtung noch Ausschliesslichkeit herrscht, sondern dass\nman das Würdige aus jedem Jahrhundert zu schätzen\nweiss. Neben Palestrina, Lasso u. s. w. finden Sie Aiblin-\nger, Ett, Stuntz und von den Neueren Lachner, Haupt-\nmann, Wüllner. Die Messe Wüllner's, die am ersten\nChrisltage gesungen wurde, ist eine neue Composition von\nihm und hat grossen Erfolg gehabt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-05-12-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-05-12_01#c005", "volume": "bmtnabi_1866-05-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "150", "page_fin": "151", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660512-01.2.5", "titre_corps": "Die Winter-Concerte im Krystallpalaste zu London.", "titre_sommaire": "Die Winter-Concerte im Krystallpalaste zu London.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660512-01.1.6", "debut_caractere": 3497, "fin_caractere_exclue": 4633, "texte": "Die Winter-Concerte im Krystallpalaste zu London.\nUeber diese Concerte, die unter der Leitung von\nAugust Manns stehen, gehen uns zur Ergänzung der\nCorrespondenz aus London in Nr. 18, S. 140, noch fol-\ngende Notizen zu.\nDas Abonnement schloss mit dem Concerte am 28.\nApril, bei weichem das Orchester 41 Violinen, 16 Violen,\n13 Vioioncelle und 13 Contrabässe, im Ganzen 102 In-\nstrumentalisten zählte. Die gewöhnliche Stärke desselben\nbesteht aus 24 Violinen, 9 Violen, 7 Violoncellen und 7\nBässen, im Ganzen aus 70 Mitgliedern; der Chor aus 150\nStimmen. Bei aussergewöhnlichen Gelegenheiten findet die\nVerstärkung beider nach dem oben gegebenen Maassstabe\nStatt. Das letzte Concert brachte die Ouvertüren zu „Obe-\nron\" und zu „Wilhelm Teil\" und Beethoven's Pastoral-\nSinfonie. Leopold Auer spielte mit grossem Erfolg Men-\ndelssohn's Violin-Concert; der Gesang war durch Madame\nParepa und Fräulein Übrich aus Hannover vertreten.\nDas ganze Abonnement begriff 25 Concerte vom 7.\nOctober 1865 bis 28. April 1866 und war sehr zahl-\nreich besucht, da eine Reihe von regelmässigen Concerte«\nwährend des Winters in London etwas Neues ist und die"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660512-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 867, "texte": "Leistungen einen wirklich künstlerischen Standpunkt ein-\nnahmen. Von Vocalwerken wurden gegeben: Händel's\n„Acis und Galathea\" drei Mal, Gounod's Irene (aus der\n„Königin von Saba\"), Henry Smart's „Braut von Dun-\nkerron\" und F. Hiller's „Lorelei\". Von Sinfonieen: 2\nvon Haydn, 3 von Mozart, 6 von Beethoven (darunter die\nneunte), 1 von Schubert, 2 von Mendelssohn, 2 von Schu-\nmann (in B und (7), 1 von Spohr (C-moll), 1 Gade (F),\nLachner's Suite in E-moll, 1 von Arthur Sullivan (neu);\nferner 28 Ouvertüren (Beethoven 3, Weber 6, Mendelssohn\n6, Schumann 2 u.s.w.). Concertstücke spielten für Piano-\nforteArabellaGoddard, Agnes Zimmermann, Pauer,\nSilas, Franklin Taylor; für Violine Sainton, L. Strauss,\nLeopold Auer, Blagrove, C.Rose. Unter den Sängerin-\nnen finden wir die Namen Pyne, Dolby, Lemmens-Sher-\nrington, Parepa, Rüdersdorf, Liebhardt, Bettel-\nheim u. s. w."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-05-12-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-05-12_01#c006", "volume": "bmtnabi_1866-05-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "151", "page_fin": "152", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660512-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660512-01.1.7", "debut_caractere": 869, "fin_caractere_exclue": 6827, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nJflailiz, 26. April. Herr Betz von Berlin beschloss sein Gast-\nspiel mit dem Wolfram im „Tannhäuser\" und dem König in „Er-\nnani\". Wir stimmen im Ganzen gern mit in den Beifall ein, der\nihm von dem Publicum so häufig als lebhaft dargebracht wurde.\nMöge Herr Betz seine Vaterstadt in nächster Saison, und zwar in\neiner für den Theaterbesuch günstigeren Jahreszeit wieder mit sei-\nnem Besuche erfreuen, und er wird mit derselben Wärme wie dies-\nmal empfangen werden.\nAm Mittwoch den 24. April fand das vierte und letzte Sinfonie-\nConcert des Theater-Orchesters unter Capellmeister Dumont's Lei-\ntung Statt. Man gab die Sinfonie „Columbus\" von Abert, eine\nOuvertüre zu „König Lear\" von Dumont und Beethoven's C-moll-\nSinfonie. Abert's schönes, poesievolles Werk wurde hier zum ersten\nMale gehört, und obwohl die Aufführung an Glätte Manches zu\nwünschen übrig liess, doch mit vielem Beifalle aufgenommen. Die\nOuvertüre Dumont's ist sehr effectvoll und fand vielen Beifall.\nMöge das Orchester das unter Dumont's Leitung so rühmlich be-\ngonnene Unternehmen mit Ausdauer und Consequenz fortführen, und\ndie guten Folgen für die Unternehmer wie für das hiesige Kunst-\nleben werden nicht ausbleiben.\nIn Frankfurt a. M. ist der ehemalige Tenorist Eppich im\n43. Lebensjahre gestorben. Mit einer schönen Stimme begabt, hatte\nes ihm aber an Gelegenheit zu einer vollendeten künstlerischen Aus-\nbildung gefehlt; gleichwohl liess ihn seine natürliche Begabung\nEollen wie Joseph, Tamino, Titus mit grosser Wahrheit und schö-\nner Wirkung durchführen, wogegen die eigentlichen Heldentenor-\nPartieen ihm weniger gelangen. Er war in Brünn, Lemberg, Ham-\nburg und zuletzt, von 1856 an, in Frankfurt engagirt, musste aber\nschon 1859 in Folge eines hartnäckigen, sich immer verschlimmern-\nden Halsübels der Bühne entsagen und um sieh und seine Familie\nzu ernähren, eine Kramerei betreiben. Bald starb seine Frau und\neines seiner Kinder; er verbrachte eine traurige Zeit, bis ihn ein\nHerzschlag von allen Sorgen und Leiden erlöste.\n(Südd. M.-Z.)\nDer Banquier Herr Jaques hat der königlichen Bibliothek in\nBerlin Mozart's Original-Partitur der „Zauberflöte\", die er für\neinen bedeutenden Preis man sagt, zwischen 2- und 3000 Thlr.\ngekauft, zum Geschenke gemacht. Der König verlieh ihm zum\nDanke dafür den Rothen Adler-Orden.\nEin Musikfest in Hamburg wird acht Tage nach dem nie-\nderrheinischen in Düsseldorf Statt finden, nämlich Dinstag den\n29., Donnerstag den 31. Mai und Freitag den 1. Juni, zum\ngrössten Theile unter Mitwirkung derselben Solokräfte. Dirigenten\nsind Otto Goldschmidt aus London und Jul. Stockhausen,\nConcert-Director in Hamburg, Vorgeiger die Concertmeister von\nKönigslöw aus Köln und Boie aus Altona, Orgelspieler Franz\nWeber aus Köln, Solo-Violinist Jos. Joachim. Die Vocal-Soli\nhaben übernommen Frau Jenny Goldschmidt-Lind, Fräulein\nBettelheim aus Wien, Dr. Gunz, Max Stägemann und Jul.\nStockhausen. Am ersten Tage (D in st ag) wird ebenfalls, wie\nin Düsseldorf, Händel's „Messias\" aufgeführt, aber in der Mi-\nchaeliskirche, Abends Uhr; die beiden anderen Concerte finden\nim Sagebiel'schen Saale Statt und bringen am Donnerstag Hän-\nde l's „Cäcilien-Ode\", aus Gluck's „Orpheus\" die Furien-Scene,\nfeolo (Fräulein Bettel he im) mit Chor, und Beethoven's neunte\nSinfonie; am I.' Juni Mendelssohn's Ouvertüre „Die schöne Me-\nlusine\", den zweiten Theil aus Schumann's „Paradies und Peri\"\nund einzelne Solo-Vorträge, darunter namentlich Arie von Mozart\naus 11 re pastore mit obligater Violine (Frau Goldschmidt und\nJoachim), Violin-Concert von Viotti (Joachim). Das Programm\nist, wie man sieht, recht schön; dass von „Paradies und> Peri\" nur\nder zweite Theil gegeben wird, billigen wir vollkommen, weil es\noffenbar der werthvollste ist, und desshalb trotz der Pedanten, die\njede theilweise Aufführung eines Werkes für einen Frevel an dem\nComponisten halten (wie das denn auch in diesem Falle nicht aus-\nbleiben wird), hier eher zum Vortheil als zum Nachtheil desselben,\ngereicht. Dass Frau Goldschmidt auch hier, wie in Düsseldorf, gros-\nsen Einfluss auf die Feststellung des Programms gehabt hat, ist er-\nsichtlich. Wird sie aber auch die Sopran-Partie in Beethoven's Sin-\nfonie singen? Wenn die Tüchtigkeit des Chors den Solisten ent-\nspricht, werden die Aufführungen hohen Genuss gewähren; hoffent-\nlich findet die bei anderen Concerten in Hamburg vorkommende\nTheilung der Kräfte bei dem Musikfeste nicht Statt, und die Mit-\nwirkung sämmtlicher Vereine wird einen imposanten Chor bilden.\nDie Pause von einem Tage zwischen dem ersten und zweiten Con-\ncerte ist bei deutschen Musikfesten eine Neuerung, die, wie es\nscheint, auch aus England herübergenommen ist. Für die Erholung\nder Mitwirkenden, namentlich der Solisten, hat sie natürlich ihr\nGutes, auch wird dadurch Zeit für eine Generalprobe zum zweiten\nConcerte gewonnen. Der Aufenthalt der Auswärtigen unter ihnen\nwird dadurch aber um einen Tag und eine Nacht verlängert, und\nfür fremde Zuhörer vollends gehört bei 6 Thalern Eintrittsgeld für\ndie drei Concerte (obligatorisch, da für ein einzelnes keine Billets\nausgegeben werden) ein gut versehenes Portefeuille dazu, um fast\neine ganze Woche sich in Hamburg aufzuhalten.\nWien. Herr Randhartinger hat Sonntag den 29. April\nzum letzten Male die k. k. Hofcapelle dirigirt. Nachdem die heilige\nHandlung beendet war, begaben sich sämmtliche Mitglieder der k. k.\nHofcapelle zu ihrem scheidenden Capellmeister, an welchen Herr\nJ. Hellmesberger eine herzliche Ansprache richtete, im Namen des\nganzen Körpers für sein oft bewährtes Wohlwollen dankend.\nDer gewöhnliche Uebungsabend des Männer-Gesangvereins hatte\ndie Mitglieder vollzählig versammelt, denn es galt dem Abschiede\nvom Chormeister Herbeck. Präsident Dumba zeigte dem Vereine\nofficiel an, dass Herbeck, da seine Stellung als Chormeister mit den\nPflichten eines Hof-Capellmeisters nicht vereinbar sei, seine Demis-\nsion gegeben habe. Der Redner hob den Verlust, den der Verein"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "152", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660512-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1271, "texte": "erleidet, nachdrücklichst hervor, betonte es aber, dass der Verein\nstolz darauf sein könne, aus seiner Mitte einen Mann zu dem höch-\nsten musicalischen Ehrenposten Oesterreichs berufen zu sehen. Der\nVorschlag der Vereinsleitung, Herbeck zum Ehren-Mitgliede des\nMänner-Gesangvereins zu ernennen, wurde mit Acclamation und\nHochs begrüsst.\nDa Richard Wagner die Villa, welche er gegenwärtig in der\nNähe von Genf bewohnt, auf weitere sechs Monate gemiethet hat,\nso dürfte seine Rückkehr nach München wohl kaum vor dem näch-\nsten Winter erfolgen.\nOle Bull. Mehrere Blätter bringen Ole Bull meuchlings um;\nsie lassen ihn zu Quebec in Nordamerica sterben. Die New-Yorker\nMusik-Zeitung erklärt die Nachricht für einen „Irish Bullu. So\nviel wir wissen, ist Ole Bull nach Petersburg gereist.\nVom Könige von Baiern wurde dem pesther Conservatorium\nfür die Ueberlassung des grossen Oratoriums „Elisabeth\" von Fr.\nLiszt zur Aufführung in München eine Summe von 250 Fl.\nübersandt.\nAlfred Jaell erhielt vom Könige von Italien für Widmung\neiner Composition eine Brillantnadel mit des Königs Namenszuge.\nZum Director des prager Conservatoriums ist in der jüngsten\nGeneral-Versammlung der mit der provisorischen Leitung des Insti-\ntuts betraute Professor Herr Joseph Krejci gewählt worden."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "145", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660512-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nAus der Fremde über Robert Schumann. Aus Regensburg (Musicalische Zustände). Aus München (Kirchen-\nMusik). Die Winter-Concerte im Krystallpalaste zu London. Tages- und Unterhaltungsblatt (Mainz, Herr Betz, Sinfonie-\nConcert Frankfurt a. M., Tenorist Eppich f Berlin, Auszeichnung Hamburg, Musikfest Wien, Herr Randhartinger, Chormeister\nHerbeck Richard Wagner Ole Bull „Elisabeth\" von F. Liszt Alfred Jaell Prag, Herr J. Krejci).\n\nAus der Fremde über Robert Schumann.\nDie Wahrheit des alten Sprücbwortes, dass man aus\njedem Buche etwas lernen könne, leidet freilich bei der\nUeberfüllung des beutigen literarischen Marktes mit Ma-\nculatur eine grosse Beschränkung. Trotzdem bleibt, wie\nvor Gericht ein Schuldig über einen Menschen, ohne ihn\nzu hören, eben so ein Verdammungs-Urtheil über ein\nBuch, ohne es zu lesen, eine unverantwortliche Anmaas-\nsung. Und doch lassen wir Deutschen, besonders in Bezug\nauf die Kunst und deren Kritik im Auslande, uns gar\nhäufig Selbstüberschätzung und Ausschliesslichkeit zu\nSchulden kommen, indem wir Urtheile von Engländern,\nFranzosen, Italiänern über deutsche' Kunst und Künstler,\nMaler und Musiker, mit einem vornehmen Achselzucken,\ndas da sagen will: „Was kann da sein?\" ungelesen bei\nSeite schieben oder im besten Falle durch eine von Na-\ntional-Vorurtheil und Egoismus gefärbte Brille betrachten.\nDie Redaction dieser Blätter geht von anderen Grund-\nsätzen aus; sie hält die Ansichten sachverständiger Auslän-\nder überall für berücksichtigungswerth und ist der Mei-\nnung, dass man aus ihnen immerhin etwas lernen könne,\nsei es nun, dass deren Begründung sich nach allgemeinen\nästhetischen Grundsätzen als richtig bewähre, sei es, dass\nwir durch den Einfluss einer der unsrigen entgegengesetz-\nten nationalen Eigentümlichkeit auf die Betrachtung der\nKunstwerke zur Prüfung unseres eigenen oder des bei uns\ngäng und gebe gewordenen Urtheils veranlasst werden.\nIn diesem Sinne mögen die Leser die folgenden Mitthei-\nlungen von englischen und französischen Kritikern über\nRobert Schumann aufnehmen.\nDie Aufführung von Schumann's „Paradies und Peri\"\nim ersten diesjährigen Concerte der philharmonischen Ge-\nsellschaft in London am 5. März*) gab Veranlassung zu\nmehreren kritischen Aufsätzen in englischen Blättern, von\ndenen wir das Interessanteste im Auszuge mittheilen.\nI. Aus einem Aufsatze: „Haydn, Schumann, Rubin-\nstein, Wagner, Berlioz.\" {Mus. Nr. 10.)\nWenn ich einen Sprung, einen gefährlichen Sprung\nvon Haydn auf Schumann mache, so muss ich daran erin-\nnern, dass es zehn Jahre her ist, dass Schumann's „Pa-\nradies und Peri\" zum ersten Male in England gehört\nwurde, und zwar in einem Concerte derselben Gesellschaft,\nwelche es jetzt wieder aufgeführt hat. Man war damals\nder Meinung, dass die erste Aufführung die letzte sein\nwürde, und ich kann mir nicht helfen ich bilde mir\nein, dass auch jetzt wiederum ein langer Zeitraum ver-\ngehen wird, ehe die dritte der zweiten folgt. Schumann's\nVerehrer behaupten, dass, wer nicht im Stande sei, das\nSchöne in seinen Werken zu vernehmen, diese immer\nwieder hören müsse, und dann am Ende dahin kommen\nwürde, sie wahrhaft zu schätzen. Bei „Paradies und Peri\"\nwird das Publicum schwerlich Gelegenheit haben, solche\nAusdauer zu bewähren. Bei allem Verdienstlichen des\nWerkes steht das Eine fest, dass es nicht gefallen hat.\nDies ist vielleicht die Schuld der Zuhörer, die trotz der\nvortrefflichen Gründe, die man ihnen vorgehalten, um sich\nfür Schumann zu begeistern, doch nicht dazu kommen\nkonnten. Es ist vielleicht nicht durchaus nothwendig, dass\neine Musik schön sei, und Musik ohne Reiz mag, wie ein\ngeschicktes und gebildetes, aber hässliches Mädchen, alle\nAchtung einflössen. Dass Schumann ein denkender, ernst\ngesinnter Mann war, der lange und gründlich über seine\ngeliebte Kunst nachgedacht, und wohl begriff, wie die\nMusik sein sollte, weiss ein Jeder, der seine kritischen\nAufsätze gelesen hat: allein es scheint mir, als habe es ihm\nan schöpferischem Talente gefehlt, daher findet sich in sei-\nner Musik ein Mangel an Spontaneität, der um so merk-\nwürdiger ist, als Manches den Schein von Originalität hat.\n\n*) S. Nr. 18, S. 141."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "146", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660512-01.1.2", "texte": "Von Gemeinheit ist er allerdings vollkommen frei, aber in\ndem ganzen „Paradies und Peri\" ist kaum eine echte\nMelodie vorhanden. Wie Heine von einem Paradiese, in\nwelchem der Baum mit der verbotenen Frucht fehlt, sagt:\n„Das ist kein echtes Paradies!\" so scheint auch Schü-\nParadies, wobei die Melodie eine verbotene Frucht\nist, kein echtes zu sein.\nIch für meine Person gestehe offen, dass mir das\nWerk durchaus nicht zusagt, und ich bin überzeugt, dass\nich nach der sechsten oder siebenten Anhörung noch der-\nselben Meinung sein würde, wie heute. Indess ist es be-\nkannt, dass der Mensch sich am Ende an Alles gewöhnt,\nund so mag es auch sein, dass eine lange Vertraulichkeit\nauch mit „Paradies und Peri\" aussöhnt. Vor zehn Jahren\nschrieb einer unserer Collegen: „Es ist ein Werk voll\nGenie und Geisteskraft, dessen Schönheiten sich immer\nmehr enthüllen werden, je öfter man es hört,\" —während\nein Anderer sagte: „nichts sei leerer an Erfindung und\naller verständlichen Form bar, überhaupt so uninteressant,\nwie man selten etwas gehört.\" Nun, die Wahrheit wird\nwohl in der Mitte liegen. Ein Dritter half sich durch\nfolgenden Lakonismus aus der Schlinge: „Dr. Schumann's\nCantate ist sehr lang, sie dauerte drei Stunden\".\n(D. Peters Esq. in Mus. World.Nr. 10 vom 10. März.)\n11. Im ersten philharmonischen Concerte bildete S c h u -\nmann's „Paradies und Peri\" das Programm.\nVor zehn Jahren (den 23. Juni 1856) wurde das\nWerk mit Frau Lind-Goldschmidt von derselben Gesell-\nschaft, in Anwesenheit der Königin und einer glänzenden\nZuhörerschaft, ebenfalls unter Sterndale Bennett's Direc-\ntion, wie jetzt auch, gegeben. Trotzdem, dass Frau Gold-\nschmidt sang, wie nur sie allein singen kann, und dass\nAlles zu einer trefflichen Aufführung zusammenwirkte,\nmachte das Werk doch keinen anderen Eindruck, als den\nder Ermüdung— mit Einem Worte: es konnte nicht im\nGeringsten von einem Erfolge die Rede sein. Seitdem hat\nSchumann, Dank seinen Verehrern und eifrigen Freun-\nden, entschieden Fortschritte in England gemacht. In\nneuerer Zeit haben unsere Kunstfreunde so viel gute Mu-\nsik gehört, von deren Existenz sie noch vor Kurzem keine\nAhnung hatten, und ein so überwiegender Theil dieser\nMusik kam direct aus Deutschland, dass sie, besser vorbe-\nreitet, als früher, auch williger waren, alles, was den\nStempel deutscher Anerkennung trug, mit Aufmerksam-\nkeit anzuhören und dem gemäss zu würdigen. Dass eine\ngrosse Anzahl deutscher Musiker Schumann seit Mendels-\nsohn's Tode als ihr Idol verehrt, ist jedem bekannt, der\nsich um musicalische Zustände bekümmert. Dass ihre Be-\nwunderung grossentheils durch Schumann's Verdienste\ngerechtfertigt ist, kann nur von den wenigen hartnäckigen\nGegnern desselben geläugnet werden: allein, dass alles,\nwas er hinterlassen, glückliche Inspiration beweist, ist\nschwerer anzunehmen. Zehn Jahre, die von seinen Anhän-\ngern und Schülern gut benutzt worden sind, haben hinge-\nreicht, ein wahres Interesse für ihn zu erregen, nicht aber\neinen unbedingten Gefallen an Vielem, was er geschrieben\nhat, zu begründen, wesshalb wir denn auch zweifeln, ob\n„Paradies und Peri\" nach zehn Mal zehn Jahren vom\nPublicum, mit Ausnahme einiger Enthusiasten\nmeme, für mehr angesehen werden dürfte, als für einen\nComplex von Ergebnissen geschickter Arbeit, welcher\nmanche schöne Stellen, besonders im ersten und zweiten\nTheile, enthält, die jedoch im Zusammenhange nicht so\nhervortreten, dass sie einen im Gedächtnisse haftenden\nEindruck machten. Nie ward ein so leicht und phantastisch\nduftiges Gedicht von einem Musiker mit solcher Schwere\nbelastet. Alle Fehler Schumann's kommen darin vor, viel-\nleicht am stärksten die Unbestimmtheit in melodischen\nUmrissen, ein Mangel, welchen das reiche Colorit des\nOrchesters nicht ausgleichen kann. Dass zwischen Thomas\nMoore und Schumann Sympathie Statt finden könne, hat\nNiemand, der mit dem Geiste Beider bekannt ist, auch\nnur einen Augenblick sich eingebildet; aber ein drei Stun-\nden langes, schwerfälliges Düster, nur dann und wann\ndurch das Aufblitzen schnell wieder verschwindender\nHelle unterbrochen, konnte kaum erwartet werden von\neinem Componisten, dessen Sinfonieen und Ouvertüren\nund andere weniger umfangreiche Werke in neuerer Zeit\naufmerksame Hörer gefunden und Viele mehr oder weni-\nger leicht zu Schumann's Musik bekehrt hatten. Trotz\nder guten Ausführung der Soli (Sopran Miss Parepa\nu. s. w.) und der Chöre mit trefflichem Orchester machte\n„Paradies und Peri\" denselben Eindruck der Ermüdung,\nwie vor zehn Jahren, und allein das Tenor-Solo und Quar-\ntett im zweiten Theile („Die Peri weint\") rief Applaus\nund Dacapo-Ruf hervor. [Mus. World, Nr. 11.)\n111. Die Tonkunst ist in den letzten Jahrzehenden eher\nzurückgegangen, als fortgeschritten. Auch von den Com-\nponisten, die Mendelssohn überlebt haben, von Spohr und\nMeyerbeer, kann man nicht sagen, dass ihre letzten Werke\nihre besten sind. Mit Schumann starb die Hoffnung von\nJung-Deutschland, und es ist keine Frage, dass auch seine\nletzten Werke fern davon sind, seine glücklichsten zu sein.\nUnter der Zeit hat die Kunst in England in so fern grosse\nFortschritte gemacht, als ein richtigeres Kunst-Urtheil im-\nmer allgemeiner geworden. Schumann's Werke haben"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "147", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660512-01.1.3", "texte": "indess am spätesten erst Gewinn von dieser erstarkten\nUrtheilsfähigkeit gezogen, und wenn man ihren eigen-\nthümlichen Charakter bedenkt, so ist das eben nicht sehr\nzu verwundern. Vielleicht hat nie ein Meister von so hohen\nTendenzen die Eigenschaften, die Menge anzuziehen und\nzu gewinnen, in so geringem Grade besessen, wie Schu-\nmann: aber auch kein Meister war so spärlich mit der\nseltenen, aber unentbehrlichen Gabe ursprünglich quellen-\nder Melodie begabt. Rein einziges Werk von Schumann\nist aus dem unbewussten Schaffenstriebe entsprungen,\nwelcher allem, was Haydn, Mozart und Beethoven ge-\nschrieben, einen unbeschreiblichen Beiz verleibt, deren\nMelodie eine natürliche Sprache war und deren Gedanken\ndurch geniale Conception künstlerische Gestalt annahmen.\nFerner war Schumann nicht gegeben, sich die Handha-\nbung der thematischen Entwicklung und der Form über-\nhaupt in dem Grade anzueignen, dass sie seine eigentüm-\nliche Bichtung hätte unterstützen können, wie dies z. B.\nbei Mendelssohn der Fall war, welcher durch die Art,\nwie er sie vorbrachte und ausführte, und durch die\nGewandtheit im Formellen verhältnissmässig unbedeuten-\nden Gedanken einen Schein von Schönheit zu geben ver-\nstand. Indess haben geistige Tiefe, hohes Streben, aufrich-\ntiger Ernst der Gesinnung, Glaube an die Kunst und Be-\ngeisterung für sie die Werke Schumann's geschaffen und\nihm eine, wenn auch nicht zahlreiche, doch entschieden\ngeweihte Schar von Jüngern gewonnen. Diese haben durch\nihr beharrliches, blendendes, oft nicht unberedtes Predigen\nden Kreis seiner Gönner erweitert und vielen Compositio-\nnen von ihm Eingang verschafft. Dies ist aber insbeson-\ndere nur bei seinen Sachen für Orchester, Sinfonieen und\nOuvertüren, auch einigen Werken für Kammermusik und\nvon Liedern oder Vocal-Quartetten der Fall. Seine grös-\nseren Vocalwerke, wie die Oper „Genoveva\", die Cantate\n„Paradies und Peri\"*), haben, ausser bei seinen Aposteln,\nkeinen festen Boden gewonnen und haben auch schwerlich\nAussicht, ihn jemals zu erobern; aber um die Schumanniten\nzu besänftigen, müsste man sich stets vor ihrem Idol beugen,\nwiewohl es klar ist, dass es Schumann nicht verliehen war,\ndie Theilnahme einer musicalisch gebildeten Zuhörerschaft\ndrei Stunden lang zu fesseln. Wenn er am glücklichsten\nin seinen ersten Gedanken und am genialsten in der Er-\nfindung ist, stockt es plötzlich bei ihm aus Mangel an\nFluss, aus Unbebolfenheit im Weiterführen und Ent-\nwickeln, eine Art von Nemesis ergreift ihn, und er steht\nda wie ein Stein auf dem Wege zu dem Ziele, das er im\nSinne hat.\nDas Vocalwerk „Paradies und Peri* bat zwei schwa-\nche Seiten, die eine im Inhalt, die andere in der Form.\nDer Charakter der Musik passt nicht im Geringsten zu\ndem Geiste des Gedichtes. Thomas Moore's Werk ist\nmit all seiner blühenden Sprache und reichen Phantasie\ndoch nur ein einfaches Gedicht: Schumann aber sah darin\neinen sehr ernsten Stoff. Selbst zu düsterer Mystik geneigt,\nfand er Mysticismus in einer der letzten Arbeiten des lieb-\nlichsten epigrammatischen (?) Dichters. Während drei\nStunden leuchtet kaum eine halbe Stunde das Licht der\nPhantasie in der schwerfälligen Musik: schwerlich würde\nsich der irische Barde in dieser wiedererkannt haben. In\nden Wellen von Schumann's Harmonieen gleicht das zarte\nGedicht einer Schaluppe im Sturm. Kurz, ein grösserer\nGegensatz, als die breit ausgearbeitete Musik Schumann's\nzu dem Geiste von Moore's Poesie lässt sich kaum denken.\nIn rein musicalischer Beziehung bietet dasselbe Werk\nebenfalls manche Mängel dar. Es ist nicht nur zu lang,\nsondern auch ohne Zusammenhang. Man mag es ein\nDutzend Mal hören, und man kann es doch nicht als ein\nGanzes auffassen. Melodie ist darin, und keine verbrauchte,\ndenn Schumann verschmäht es, von der Eigentümlichkeit\nfremder Nationalität Gebrauch zu machen, oder gar, wie\nein grosser Opern-Componist, das Alte zu Neuem zuzu-\nstutzen. Allein die Melodie fliesst nicht in voller Strömung\ndaher, wie bei den grossen Meistern; sie macht oft einen\nplötzlichen Halt, und statt der Weiterführung stossen wir\nauf abspringende Gedanken und Modulationen. Schumann's\nMangel an Geschick in der Ausführung seiner Ideen er-\nscheint nirgends in stärkerem Lichte, als hier. Wenn die\nMelodie einmal natürlich, fliessend und abgeschlossen ist,\nso ist das nur in kurzen Perioden der Fall, und die lei-\ntende Phrase wird dann immer wiederholt, sei's mit ver-\nänderter Begleitung oder auch nicht. Als Beispiel führe\nich an die erste Arie der Peri: „Wie glücklich sie wan-\ndeln, die sel'gen Geister\"; hier besteht der Gesang aus\nzwei Phrasen, einer in Moll, 6jB, der andern in Dur, 4/s,\nund diese werden immer und immer wieder mit geringer\noder gar keiner Aenderung wiederholt.\nDieser hübsche Gesang enthält übrigens die einzige\nwirkliche Melodie in dem ersten Theile des Werkes; allein\nso hübsch sie auch ist, so fesselt doch hauptsächlich die\npikante Art und Weise, wie die Tonart zwischen B und\nFis-mollcoquettirt, so dass die letztere beabsichtigt, aber\ndoch nicht bis zu Ende festgehalten bleibt. Die erste\nNummer des zweiten Theiles: „Die Peri tritt mit schüch-\nterner Geberde\", für Tenor und Alt mit dem Chor der\nEngel ist anziehend, wenn schon die Melodie abgebrochen\nund nicht recht symmetrisch ist; sie ist aber völlig frisch\nund neu, was man nicht von den anderen sagen kann.\n\n*) Die „Scenen aus Goethe's Faust* scheinen noch ganz\nunbekannt in England zu sein. Die Redaction.\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "148", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660512-01.1.4", "texte": "Ueberhaupt enthält der zweite Theil die vorzüglichsten\nSchönheiten des Werkes, ungeachtet der ermüdenden Ein-\ntönigkeit und des zerstückten Baues des Chors in\nDieser soll von Nilgeistern gesungen werden, aber die\nGeisterwelt ist eben nicht Schumann's Element. Seine\neigenthümliche Geistesrichtung und seine technische Un-\ngewandtheil hinderten ihn an der freien Behandlung der-\nartiger Stoffe. Das Tenor-Solo und Quartett: „Die Peri\nweint\", hat Melodie, und zwar in den Singstimmen und\nim Orchester ein seltenes Zusammentreffen bei Schu-\nmann. Das Alt-Solo: „Verlass'ner Jüngling\", ein ermü-\ndendes Füllstück ohne den geringsten musicalischen Reiz,\nist die zweite schwache Nummer des zweiten Theiles. Die\nArie der Jungfrau: „O,lass' mich von der Lust durch-\ndringen\", ist nicht nur ausserordentlich ausdrucksvoll,\nsondern auch hervorragend schön. Die Todesscene der\nbeiden Liebenden ist in anderem Charakter eben so vor-\nzüglich, und die Arie der Peri: „Schlaf' nun\", mit Chor\nist eben so lieblich als kurz. Hier haben wir Moore's na-\ntürliche Einfachheit und Anmuth mit einer Tiefe des\nGefühls gepaart, an die Moore nie reichte.\nDie letzte Nummer in der Cantate, welche noch eini-\nger Maassen melodiös klingt, ist der Chor der Houris zu\nAnfang des dritten Theiles.\n„Paradies und Peri\" ist gerade da am schwächsten,\nwo es am stärksten sein sollte. Das Ende fällt immer mehr\nab. Das letzte Finale ist viel gelobt worden: ich kann nicht\nin das Lob einstimmen. Die zwei Thema's, über welche\nes gebaut ist, werden bis zum Ueberdrusse wiederholt\nund sind eben nicht besonders neu; doch ist ein gewisser\nSchwung unläugbar darin. Auch kann ich nicht begrei-\nfen, wesshalb das Finale nicht früher zu Ende kommt, da\nso oft Gelegenheit dazu da ist.\nSchumann's Musik ist ein streitiges Thema nach sei-\nnem Tode geworden, war es schon bei seinem Leben und\nwird es so lange sein, bis ein neuer Genius ersteht und\nuns durch die That zeigt, was jene werth ist. Dass aber\ndie Kritik schweigen und den Urtheilsspruch der Zeit ab-\nwarten müsse, das können nur jene Blätter sagen, welche\nder neueren dilettantisch-sentimentalen Schule, die in Gou-\nnod ihren Vertreter hat, huldigen und mit apathischer\nGleichgültigkeit bedeutende Kunsterscheinungen vorüber-\ngehen lassen.\n(Z. in Poll Mall Gazette)\n(Schluss folgt.)\n\nAus Regensburg.\nAnfang Mai 1866.\nGlauben Sie ja nicht, es sei hier eine Stagnation in\nder musicalischen Strömung eingetreten, weil ich Ihnen\nso lange nicht berichtet habe. Im Gegentheil, es gehen\nnamentlich seit ein paar Monaten die Wogen sehr hoch;\nich will damit jedoch keineswegs gesagt haben, dass die\nMusik als solche hier einen hohen Grad erreicht habe.\nOft peitschen sich ja die Wellen und überstürzen sich\nund schäumen und tosen: und doch ist sehr häufig daran\nnichts Anderes schuld, als etwa ein verborgenes Felsen-\nriff, eine Klippe, eine Untiefe oder gar ein See-Ungeheuer.\nDas Gleichniss passt mehr oder weniger auf das musicali-\nsche Treiben dahier. Um vom Ende anzufangen, weil das\nnäher der Zeit nach liegt: die hiesige Theaterfrage ist fast\nschon eine Cause celebregeworden, nicht im guten Sinne,\nsondern leider in der schlimmen Bedeutung des Wor-\ntes, welches sowohl für berühmt und für berüchtigt\ngebraucht wird. Die Chronik von Regensburg wird durch\ndiese Affaire nicht mit einem rühmlichen Blatte bereichert;\ngibt es daher, was ich nicht weiss, eine\ndaleuse, so rathe ich, diese Geschichte in dieselbe aufzu-\nnehmen. Da ist sie jedenfalls am Piatze. Sie werden nun\nerwarten, dass ich Ihnen die ganze Angelegenheit weit\nund breit erzähle. Ersparen Sie mir diese Mühe! Es sind\nschon so viele unnütze Worte darüber gesprochen und\ngeschrieben worden, dass mir die Mahnung der Schrift\nüber die Rechenschaft, welche man für jedes unnütze\nWort geben müsse, schwer aufs Herz fälit. Es genüge\nIhnen also, zu erfahren, dass das neugebildete Theater-\nComite nach monatelangem Hin- und Herschleppen bis\nzur heutigen Stunde noch keinen Theater-Director hat be-\nschaffen können; Herr Meisinger, den es erwählt hatte,\nstarb fast am Tage seiner Wahl, und den allgemein ge-\nachteten, seit neun Jahren hier in dieser Eigenschaft thä-\ntigen Director Wihrler will eben das Comite absolut aus-\nschliessen trotz dem gegenüber stehenden Willen des Pu-\nblicums, das in dieser Angelegenheit diesmal fast einstim-\nmig ist. Warum das Comite gegen diesen reellen Geschäfts-\nmann, unter dessen Leitung nicht nur die Bühne stets\nGutes leistete, sondern auch Niemand in Regensburg die\nmindeste Einbusse erlitt (was man leider nicht von allen frü-\nheren Directoren sagen kann), eine solche Abneigung hat,\ndas zu detailliren, müsste ich Dinge berühren so delicater\nNatur, dass ich lieber darüber weggehe; sie hangen mit\ndem geträumten Ueber-Einflusse eines hohen Mäcen's der\nKunst, der zugleich der grösste Wohlthäter Regensburgs\nist, zusammen: er sollte um jeden Preis gebrochen werden.\nWas dann nachfolgen werde? Das kümmert die Herren"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "149", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660512-01.1.5", "texte": "nicht. Apres nous le deluge! Mag's gehen, wie immer,\nwenn sie nur siegreich aus dem finstern Kampfe hervor-\ngehen !\nDieser unerquicklichen Theater-Affaire ziemlich ähn-\nlich ist, um zu einem anderen Thema zu kommen, die\nVerkommenheit inmitten unseres Orchester-Vereins, d. i.\njener hiesigen Musiker, welche in eine gemeinsame Casse\nzahlen Behufs Unterstützung kranker u. s. w. Musiker.\nIch sage dies, damit man nicht den Begriff „Orchester-\nVerein\" falsch verstehe. Ein ständiges Orchester als ge-\nschlossene Corporation hat Regensburg nämlich nicht; der\nTheater-Director bezahlt den Musikern, die er engagirt,\nGage; wer ein Concert geben will, honorirt diejenigen,\nwelche er braucht, in gleicher Weise; während der\nSommerzeit haben sie ausser den Land-Kirchweihen\nund Gartenmusiken u. s. w. keinen Verdienst. Die Not-\nwendigkeit, einen gegenseitigen Unterstützungs-Verein zu\ngründen, ist danach gerechtfertigt genug, und Regensburg\nhat auch in Anbetracht dieser Verhältnisse nicht gesäumt,\nin den zu diesem Zwecke gegebenen jährlichen Concerten\nsein Scherflein beizutragen. Wenn aber in letzter Zeit diese\nBetheiligung geringer geworden ist, so wolle der Verein dies\nnicht der mangelnden Theilnahme, sondern den von Jahr\nzu Jahr unbedeutender gewordenen Aufführungen in sei-\nnen Concerten, vorzüglich aber den Reibungen und Ge-\nhässigkeiten zuschreiben, welche namentlich im Verlaufe\nder letzten Monate in der Tagespresse das Publicum nur\nscandalisirt, leider aber nicht erbaut haben. Doch genug\ndes Unerquicklichen!\nNun zu einem dritten Punkte, den Musik-Gesell-\nschaften dahier. Leider habe ich auch da zu klagen!\nThut mir leid, aber es ist nicht meine Schuld. Regensburg\nhat viel zu viele Vereine! Dadurch zersplittern sich die\nKräfte, die am Ende doch nicht gar so zahlreich sind, wie\nman sich so gern einreden möchte; die nothwendige Folge\nist, dass es ungeachtet der vielen Productionen, Concerte,\nSoireen und wie die vereinlichen Versammlungen alle ge-\nnannt werden, doch kein rechtes, tüchtiges, erquikliches\nMusikleben gibt, dass kein einziges Concert, das in der\nganzen Bedeutung dieses Wortes ein solches wäre, zu\nStande kommt. Diesen Winter hat Regensburg nicht einmal\neine Sinfonie zu hören bekommen. Auswärts wird man daraus\nermessen können, was hier die Glocke geschlagen hat.\nDass man, wenn man hierorts sein Bedauern darüber aus-\nspricht, in das Narrenhaus gewiesen wird (conf. Regensb.\nTagblatt), ist leider nur geeignet, Rdgensburgs Kunstsinn\nund Musikhöhe als sehr tief stehend zu charakterisiren.\nHielten Sie einen solchen Zustand der Musik in Regens-\nburg für möglich, hier, wo die musicalische Vergangen-\nheit eine so glänzende gewesen ist, wie kaum in zwei an-\nderen Städten Baierns? Aber Sie werden mich im Ver-\ndachte haben, als ob ich zu schwarz sehe? Nicht doch!\nGlücklicher Weise stehe ich nicht vereinzelt. Im Gegen-\ntheil. Jüngst hat ein Verein von gebildeten Männern aus\nallen Kreisen diesen trübseligen Stand ins Auge gefasst\nund ein eigenes Schriftchen: „Die dermaligen musicali-\nschen Zustände Regensburgs, dargestellt unter Rückblicken\nauf die Vergangenheit zugleich mit dem Hinweise auf\nderen fernere gedeihliche Entwicklung\", drucken lassen,\ndas sich über die alte Kirchenmusik in den verschiedenen\nkatholischen Kirchen, über die Opernmusik, über das Ora-\ntorium, über die Pflege der Musik im Hause, über die\nKammermusik und Concertmusik sehr sachgemäss und\neingehend verbreitet. Ob's wohl was nützen wird, dieses\nBrochürchen eines der gediegensten Musik-Dilettanten\ndahier? Ich bezweifle es; es gibt hier Leute, die alles\nnegiren und abweisen, was nicht aus ihrem Hirn entspros-\nsen ist. Mag dies bisweilen auch recht herzlich ungeschickt\nund unpraktisch, ja, sogar schädlich sein thut nichts,\nes ist doch immerhin besser, als sich als Ignoranten,\nEgoisten u. s. w. bekennen zu müssen. Der Verfasser möge\nsich nur gefasst halten auf Machinationen, Intriguen, Ver-\ndächtigungen gegen ihn; es wird daran nicht fehlen. Nenne\nnur einmal Einer das Kind beim rechten Namen; er darf\nsicher sein, eine Vehme wird über ihn eröffnet und tau-\nsend Spitzen werden nach seinem Herzen zielen. Der Herr\nAutor hat's aber auch zu arg gemacht! Der alten mittel-\nalterlichen Kirchenmusik gibt er Schuld, dass Regensburg\nkein stabiles Orchester hat, dass die Musiker hier fast\nHungers sterben müssen. Nun, Gnade Ihnen Gott, Herr\nVerfasser! Da haben Sie was Schönes angefangen! Und\ndann erst die freilich mit Sammt übertünchten, aber des-\nsen ungeachtet borstig sich anlassenden Auslassungen über\nden hiesigen Musikverein! Hu, es graust mir vor dir!\nUeber deinem Haupte schwebt das Damoklesschwert. Am\ngescheitesten wäre es, du holtest dir selbst vom Pascha\ndie seidene Schnur; der Stab ist über dich doch gebrochen.\nUnd endlich dein Vorschlag zur Bildung eines vollständi-\ngen städtischen und ständigen Orchesters! Was untersteht\nsich dein subalterner Verstand, dem vorstehenden Hirne\nVorschläge und Rathschläge zu machen? Hast du wirklich\ngeglaubt, hier seien 8530 Fl. für ein Orchester auf-\nzubringen? „Glücklich ist der Mensch in seinem Wahn!\"\n„Sufftcit! Es genügt für diesmal!\" rufen Sie Ja,\nHerr Redacteur, Sie haben auch ganz Recht; und so\nschliesse ich denn, obwohl ich noch gar Vieles auf dem\nHerzen hätte. Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben.\nIch wünsche sehr, dass ich meinen nächsten Bericht also\nbeginnen kann: „Wir haben endlich einen Theater-Di-\nrector, der mehr als Versprechungen hat; wir haben ein"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660512-01.1.6", "texte": "wirkliches, grosses Vocal- und Instrumental-Concert ge-\nhabt; wir besitzen ein ständiges Orchester; Regensburg\nhat sich aus dem Zustande seiner musicalischen Niedrig-\nkeit erhoben.\" Aber ich fürchte, ich werde schreiben müs-\nsen: „Noch immer Alles beim Alten!\"\n\nAus München.\nV.\n(Kirchenmusik,)\nUnberührt von den musicalischen Unruhen und Par-\nteikämpfen und dem ganzen Wagner-Sturm, hat die Musik\nin der Allerheiligen-Hofcapelle in vergangenem Winter\nund namentlich an den beiden hohen Rirchenfesten, Weih-\nnachten und Ostern, unter Herrn Capellmeister Franz\nWüllner's Direction eine reiche und wohlthuende Thä-\ntigkeit entfaltet. Ausser der e von Beethoven\nund dem Requiem von Cherubini sind in der genannten\nCapelle folgende Kirchenstücke a gesungen worden:\nSonntag den 24. December 1865: Missa:\nChristimunera\" von Palestrina; Graduale:\nvon Aiblinger; Offertorium: „Prope est Dominus\" von\nEtt (geb. 1788).\nAm ersten Christtage: *Messe für Solostimmen und\nChor von Fr. Wüllner; Graduale: „Exultandi tempus est\"\nvon Sale (fünfstimmig); Offertorium: „Hodie Christus na-\ntus est\" von Palestrina (zweichörig).\nAm zweiten Christtage: Missa: „Assumpta est Maria\"\n(sechsstimmig) von Palestrina; Graduale: „Sederunt Prin-\ncipes\" von Aiblinger; Offertorium: „Lapidabant Stepha-\nnum\" (fünfstimmig) von Palestrina.\nSonntag den 31. December: Missa (vierstimmig) von\nGosswinus (1576). Nachmittags zum Jahresschlüsse: Te\nDeumfür zwei Chöre von Allegri.\nIn der Charwoche. Palmsonntag den 25. März, halb\n11 Uhr: Missa: „ Vidi speeiosam\" (sechsstimmig) von Vit-\ntoria; Graduale: „Super flumina\" (vierstimmig) von Or-\nlando di Lasso; Passio mit Responsorien von G. A. Ber-\nnabei; Offertorium: „Stabat (zweichörig) von Pa-\nlestrina. Mittwoch den 28. März, 4 Uhr Nachmittags:\nMatutin mit *Responsorien von Palestrina; Benedictus von\nF. Lachner. Gründonnerstag den 29. März, halb 11\nUhr: Missa: „Assumpta est\" (sechsstimmig) von Palestrina;\n*Graduale: „Christus factus (vierstimmig) von Pale-\nstrina; *Offertorium: „Fratres ego enim\" (zweichörig) von\nPalestrina. Nachmittags 4 Uhr: Matutin mit *Responso-\nrien von Palestrina; * Benedictus von Jac. Händl (Gallus).\nAbends halb 8 Uhr: Miserere für zwei Chöre von Leo-\nnardo Leo. Charfreitag den 30. März, 10 Uhr:\nmit Responsorien von G. A. Bernabei; Popule meus von\nVittoria; *Adoramus(vierstimmig) von Roselli (geb. um\n1520); Vexilla regisvon Ett. Abends halb 8 Uhr;\nbat Mater für Chor, Soli und Orchester von Astorga (geb.\num 1680). Charsamstag den 31. März, 11 Uhr: Kyrie\n(Choral); Gloria, Sanctus und Benedictus von Stuntz;\nLaudate Dominum und Magnificavon Aiblinger. Abends\nhalb 8 Uhr: Auferstehungs-Procession mit\nvon Ett.\nOstersonntag den 1. April, 11 Uhr: *i\\lissa für Chor\nund Soli von Hauptmann; Graduale: „Haec dies\" (fünf-\nstimmig) von Nanini (geb.um 1540); Offertorium:\ntremuit\" (zweichörig) von P. Cannicciari (geb. um 1670).\nOstermontag den 2. April, 11 Uhr: *Missa:\nChristus\" (zweichörig) von Palestrina.\nDie mit einem * bezeichneten Compositionen kamen\nzum ersten Male zur Aufführung.\nEs geht aus diesen Programmen hervor, dass hier in\nBezug auf die Wahl der Kirchenstücke keine einseitige\nRichtung noch Ausschliesslichkeit herrscht, sondern dass\nman das Würdige aus jedem Jahrhundert zu schätzen\nweiss. Neben Palestrina, Lasso u. s. w. finden Sie Aiblin-\nger, Ett, Stuntz und von den Neueren Lachner, Haupt-\nmann, Wüllner. Die Messe Wüllner's, die am ersten\nChrisltage gesungen wurde, ist eine neue Composition von\nihm und hat grossen Erfolg gehabt.\n\nDie Winter-Concerte im Krystallpalaste zu London.\nUeber diese Concerte, die unter der Leitung von\nAugust Manns stehen, gehen uns zur Ergänzung der\nCorrespondenz aus London in Nr. 18, S. 140, noch fol-\ngende Notizen zu.\nDas Abonnement schloss mit dem Concerte am 28.\nApril, bei weichem das Orchester 41 Violinen, 16 Violen,\n13 Vioioncelle und 13 Contrabässe, im Ganzen 102 In-\nstrumentalisten zählte. Die gewöhnliche Stärke desselben\nbesteht aus 24 Violinen, 9 Violen, 7 Violoncellen und 7\nBässen, im Ganzen aus 70 Mitgliedern; der Chor aus 150\nStimmen. Bei aussergewöhnlichen Gelegenheiten findet die\nVerstärkung beider nach dem oben gegebenen Maassstabe\nStatt. Das letzte Concert brachte die Ouvertüren zu „Obe-\nron\" und zu „Wilhelm Teil\" und Beethoven's Pastoral-\nSinfonie. Leopold Auer spielte mit grossem Erfolg Men-\ndelssohn's Violin-Concert; der Gesang war durch Madame\nParepa und Fräulein Übrich aus Hannover vertreten.\nDas ganze Abonnement begriff 25 Concerte vom 7.\nOctober 1865 bis 28. April 1866 und war sehr zahl-\nreich besucht, da eine Reihe von regelmässigen Concerte«\nwährend des Winters in London etwas Neues ist und die"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660512-01.1.7", "texte": "Leistungen einen wirklich künstlerischen Standpunkt ein-\nnahmen. Von Vocalwerken wurden gegeben: Händel's\n„Acis und Galathea\" drei Mal, Gounod's Irene (aus der\n„Königin von Saba\"), Henry Smart's „Braut von Dun-\nkerron\" und F. Hiller's „Lorelei\". Von Sinfonieen: 2\nvon Haydn, 3 von Mozart, 6 von Beethoven (darunter die\nneunte), 1 von Schubert, 2 von Mendelssohn, 2 von Schu-\nmann (in B und (7), 1 von Spohr (C-moll), 1 Gade (F),\nLachner's Suite in E-moll, 1 von Arthur Sullivan (neu);\nferner 28 Ouvertüren (Beethoven 3, Weber 6, Mendelssohn\n6, Schumann 2 u.s.w.). Concertstücke spielten für Piano-\nforteArabellaGoddard, Agnes Zimmermann, Pauer,\nSilas, Franklin Taylor; für Violine Sainton, L. Strauss,\nLeopold Auer, Blagrove, C.Rose. Unter den Sängerin-\nnen finden wir die Namen Pyne, Dolby, Lemmens-Sher-\nrington, Parepa, Rüdersdorf, Liebhardt, Bettel-\nheim u. s. w.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nJflailiz, 26. April. Herr Betz von Berlin beschloss sein Gast-\nspiel mit dem Wolfram im „Tannhäuser\" und dem König in „Er-\nnani\". Wir stimmen im Ganzen gern mit in den Beifall ein, der\nihm von dem Publicum so häufig als lebhaft dargebracht wurde.\nMöge Herr Betz seine Vaterstadt in nächster Saison, und zwar in\neiner für den Theaterbesuch günstigeren Jahreszeit wieder mit sei-\nnem Besuche erfreuen, und er wird mit derselben Wärme wie dies-\nmal empfangen werden.\nAm Mittwoch den 24. April fand das vierte und letzte Sinfonie-\nConcert des Theater-Orchesters unter Capellmeister Dumont's Lei-\ntung Statt. Man gab die Sinfonie „Columbus\" von Abert, eine\nOuvertüre zu „König Lear\" von Dumont und Beethoven's C-moll-\nSinfonie. Abert's schönes, poesievolles Werk wurde hier zum ersten\nMale gehört, und obwohl die Aufführung an Glätte Manches zu\nwünschen übrig liess, doch mit vielem Beifalle aufgenommen. Die\nOuvertüre Dumont's ist sehr effectvoll und fand vielen Beifall.\nMöge das Orchester das unter Dumont's Leitung so rühmlich be-\ngonnene Unternehmen mit Ausdauer und Consequenz fortführen, und\ndie guten Folgen für die Unternehmer wie für das hiesige Kunst-\nleben werden nicht ausbleiben.\nIn Frankfurt a. M. ist der ehemalige Tenorist Eppich im\n43. Lebensjahre gestorben. Mit einer schönen Stimme begabt, hatte\nes ihm aber an Gelegenheit zu einer vollendeten künstlerischen Aus-\nbildung gefehlt; gleichwohl liess ihn seine natürliche Begabung\nEollen wie Joseph, Tamino, Titus mit grosser Wahrheit und schö-\nner Wirkung durchführen, wogegen die eigentlichen Heldentenor-\nPartieen ihm weniger gelangen. Er war in Brünn, Lemberg, Ham-\nburg und zuletzt, von 1856 an, in Frankfurt engagirt, musste aber\nschon 1859 in Folge eines hartnäckigen, sich immer verschlimmern-\nden Halsübels der Bühne entsagen und um sieh und seine Familie\nzu ernähren, eine Kramerei betreiben. Bald starb seine Frau und\neines seiner Kinder; er verbrachte eine traurige Zeit, bis ihn ein\nHerzschlag von allen Sorgen und Leiden erlöste.\n(Südd. M.-Z.)\nDer Banquier Herr Jaques hat der königlichen Bibliothek in\nBerlin Mozart's Original-Partitur der „Zauberflöte\", die er für\neinen bedeutenden Preis man sagt, zwischen 2- und 3000 Thlr.\ngekauft, zum Geschenke gemacht. Der König verlieh ihm zum\nDanke dafür den Rothen Adler-Orden.\nEin Musikfest in Hamburg wird acht Tage nach dem nie-\nderrheinischen in Düsseldorf Statt finden, nämlich Dinstag den\n29., Donnerstag den 31. Mai und Freitag den 1. Juni, zum\ngrössten Theile unter Mitwirkung derselben Solokräfte. Dirigenten\nsind Otto Goldschmidt aus London und Jul. Stockhausen,\nConcert-Director in Hamburg, Vorgeiger die Concertmeister von\nKönigslöw aus Köln und Boie aus Altona, Orgelspieler Franz\nWeber aus Köln, Solo-Violinist Jos. Joachim. Die Vocal-Soli\nhaben übernommen Frau Jenny Goldschmidt-Lind, Fräulein\nBettelheim aus Wien, Dr. Gunz, Max Stägemann und Jul.\nStockhausen. Am ersten Tage (D in st ag) wird ebenfalls, wie\nin Düsseldorf, Händel's „Messias\" aufgeführt, aber in der Mi-\nchaeliskirche, Abends Uhr; die beiden anderen Concerte finden\nim Sagebiel'schen Saale Statt und bringen am Donnerstag Hän-\nde l's „Cäcilien-Ode\", aus Gluck's „Orpheus\" die Furien-Scene,\nfeolo (Fräulein Bettel he im) mit Chor, und Beethoven's neunte\nSinfonie; am I.' Juni Mendelssohn's Ouvertüre „Die schöne Me-\nlusine\", den zweiten Theil aus Schumann's „Paradies und Peri\"\nund einzelne Solo-Vorträge, darunter namentlich Arie von Mozart\naus 11 re pastore mit obligater Violine (Frau Goldschmidt und\nJoachim), Violin-Concert von Viotti (Joachim). Das Programm\nist, wie man sieht, recht schön; dass von „Paradies und> Peri\" nur\nder zweite Theil gegeben wird, billigen wir vollkommen, weil es\noffenbar der werthvollste ist, und desshalb trotz der Pedanten, die\njede theilweise Aufführung eines Werkes für einen Frevel an dem\nComponisten halten (wie das denn auch in diesem Falle nicht aus-\nbleiben wird), hier eher zum Vortheil als zum Nachtheil desselben,\ngereicht. Dass Frau Goldschmidt auch hier, wie in Düsseldorf, gros-\nsen Einfluss auf die Feststellung des Programms gehabt hat, ist er-\nsichtlich. Wird sie aber auch die Sopran-Partie in Beethoven's Sin-\nfonie singen? Wenn die Tüchtigkeit des Chors den Solisten ent-\nspricht, werden die Aufführungen hohen Genuss gewähren; hoffent-\nlich findet die bei anderen Concerten in Hamburg vorkommende\nTheilung der Kräfte bei dem Musikfeste nicht Statt, und die Mit-\nwirkung sämmtlicher Vereine wird einen imposanten Chor bilden.\nDie Pause von einem Tage zwischen dem ersten und zweiten Con-\ncerte ist bei deutschen Musikfesten eine Neuerung, die, wie es\nscheint, auch aus England herübergenommen ist. Für die Erholung\nder Mitwirkenden, namentlich der Solisten, hat sie natürlich ihr\nGutes, auch wird dadurch Zeit für eine Generalprobe zum zweiten\nConcerte gewonnen. Der Aufenthalt der Auswärtigen unter ihnen\nwird dadurch aber um einen Tag und eine Nacht verlängert, und\nfür fremde Zuhörer vollends gehört bei 6 Thalern Eintrittsgeld für\ndie drei Concerte (obligatorisch, da für ein einzelnes keine Billets\nausgegeben werden) ein gut versehenes Portefeuille dazu, um fast\neine ganze Woche sich in Hamburg aufzuhalten.\nWien. Herr Randhartinger hat Sonntag den 29. April\nzum letzten Male die k. k. Hofcapelle dirigirt. Nachdem die heilige\nHandlung beendet war, begaben sich sämmtliche Mitglieder der k. k.\nHofcapelle zu ihrem scheidenden Capellmeister, an welchen Herr\nJ. Hellmesberger eine herzliche Ansprache richtete, im Namen des\nganzen Körpers für sein oft bewährtes Wohlwollen dankend.\nDer gewöhnliche Uebungsabend des Männer-Gesangvereins hatte\ndie Mitglieder vollzählig versammelt, denn es galt dem Abschiede\nvom Chormeister Herbeck. Präsident Dumba zeigte dem Vereine\nofficiel an, dass Herbeck, da seine Stellung als Chormeister mit den\nPflichten eines Hof-Capellmeisters nicht vereinbar sei, seine Demis-\nsion gegeben habe. Der Redner hob den Verlust, den der Verein"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "152", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660512-01.1.8", "texte": "erleidet, nachdrücklichst hervor, betonte es aber, dass der Verein\nstolz darauf sein könne, aus seiner Mitte einen Mann zu dem höch-\nsten musicalischen Ehrenposten Oesterreichs berufen zu sehen. Der\nVorschlag der Vereinsleitung, Herbeck zum Ehren-Mitgliede des\nMänner-Gesangvereins zu ernennen, wurde mit Acclamation und\nHochs begrüsst.\nDa Richard Wagner die Villa, welche er gegenwärtig in der\nNähe von Genf bewohnt, auf weitere sechs Monate gemiethet hat,\nso dürfte seine Rückkehr nach München wohl kaum vor dem näch-\nsten Winter erfolgen.\nOle Bull. Mehrere Blätter bringen Ole Bull meuchlings um;\nsie lassen ihn zu Quebec in Nordamerica sterben. Die New-Yorker\nMusik-Zeitung erklärt die Nachricht für einen „Irish Bullu. So\nviel wir wissen, ist Ole Bull nach Petersburg gereist.\nVom Könige von Baiern wurde dem pesther Conservatorium\nfür die Ueberlassung des grossen Oratoriums „Elisabeth\" von Fr.\nLiszt zur Aufführung in München eine Summe von 250 Fl.\nübersandt.\nAlfred Jaell erhielt vom Könige von Italien für Widmung\neiner Composition eine Brillantnadel mit des Königs Namenszuge.\nZum Director des prager Conservatoriums ist in der jüngsten\nGeneral-Versammlung der mit der provisorischen Leitung des Insti-\ntuts betraute Professor Herr Joseph Krejci gewählt worden."}]}