{"numero_id": "bm-bmtnabi-1866-05-19-01", "volume": "bmtnabi_1866-05-19_01", "ocr_sha256": "c71766ff939b7af0a5bd67e860197f212c8e51947311f222a68754fca391f4ab", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1866/05/19_01/bmtnabi_1866-05-19_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660519-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1866-05-19-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-05-19_01#c001", "volume": "bmtnabi_1866-05-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "153", "page_fin": "153", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660519-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "153", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660519-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 438, "texte": "Inhalt.\nAus der Fremde über Robert Schumann (Schluss). Von L. B. Aus Kassel (Concerte der Hofcapelle Opern-Per-\nsonal). Die Concertgeber in Paris. Von H. Berlioz. Tages- und Unterhaltungsblatt (Darmstadt, Frau Peschka-Leutner\nHannover, Capellmeister J. J. Bott Hamburg, Theater Wien, Herr Herbeck Wiener Witwen- und Waisen-Unterstützungs-Verein\nfür Tonkünstler L. A. Zellner Beetboven's Ciavier Prag, Herr Roger Violin-Virtuose J. Lotto)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-05-19-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-05-19_01#c002", "volume": "bmtnabi_1866-05-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "153", "page_fin": "155", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660519-01.2.2", "titre_corps": "Aus der Fremde über Robert Schumann.", "titre_sommaire": "Aus der Fremde über Robert Schumann.", "signature_source": "L. 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Wenn man den engli-\nschen Kritikern eine genauere Einsicht in die Werke des\ndeutschen Tonsetzers und eine redliche Ueberzeugung von\ndem, was sie als Resultat derselben geben, nicht abspre-\nchen kann, so begnügen sich die Franzosen nach ihrer\nWeise mehr mit allgemeinen Redensarten und oberfläch-\nlichem Ueberblick.\nEiniger Maassen macht Fetis eine Ausnahme davon\nin der neuen Auflage seiner Biographie universelle; doch\nbeurtheilt auch er zunächst die Grundsätze und die Wirk-\nsamkeit Schumann's als Kritikers in der von ihm begrün-\ndeten und mehrere Jahre lang redigirten leipziger Zeit-\nschrift nicht nach eigenem gründlichen Studium der Auf-\nsätze Schumann's und mit richtiger Würdigung seines\nEinflusses, sondern er hebt nur die Extreme hervor und\nschiebt die Tendenzen und Gebahren der späteren Redac-\ntoren und Mitarbeiter an der „Neuen Zeitschrift\" mit ihren\nLehren von realem Inhalt der Musik und der Präconisirung\nder Programmatisten Schumann in die Schuhe, der an\ndiesen Uebertreibungen ganz unschuldig ist.\nUeber Schumann als Componisten drückt er sich unter\nAnderem folgender Maassen aus, nachdem er bemerkt\nhat, dass dessen Musik nach Mendelssohn's Tode beson-\nders in Norddeutschland mehr Anhänger als früher, in\nParis, Brüssel und London hingegen keinen Eingang ge-\nfunden habe:\n„Es liegt wohl nach beiden Seiten hin eine Uebertrei-\nbung vor, sowohl im Enthusiamus, als in der Gering-\nschätzung. In der ersten Periode seiner Thätigkeit als Com-\nponist, etwa von 1832 —lB4O, war seine Kenntniss und\nGewandtheit im Handwerk noch gering, allein er hatte\nIdeen und Gefühl. In kleinen Verhältnissen traten diese\nund sein talentvolles, eigentümliches Wesen überhaupt\nhervor, und er schrieb anmuthige, reizende Sachen. Allein\ngrössere Versuche, wie z. B. Sonaten, zeigten den Mangel\nan logischer Beherrschung der Form und die Schwerfäl-\nligkeit der Factur. In seiner zweiten Periode nahm er\neifrige Studien des Contrapunktes und der Partituren der\nclassischen Meister vor [das besondere tiefere Studium von\nJ. S. Bach erwähnt Fetis nicht]; auch der neueren, um\ndie Kunst der Instrumentirung zu lernen. Diese späteren\nStudien haben in der Regel den Erfolg nicht, den man\nsich davon verspricht, denn sie legen dem Geiste, der sich\nschon an freie Bewegung und schrankenlose Phantasie\ngewöhnt hat, Fesseln an, die ihm nicht mehr zusagen. Das\nTechnische der Composition und die Handhabung der Form\nmuss man in früher Jugend lernen, um damit so vertraut\nzu werden, dass Geist und Phantasie im Augenblicke der\nGedankenerzeugung dadurch nicht gehemmt werden*).\nBis zu seinem dreissigsten Jahre hatte Schumann nur für\ndas Ciavier geschrieben; durch das nun betriebene Stu-\ndium der Partituren begriff er als Mann von Verstand und\nTalent die Combinationen der Instrumentirung sehr bald:\n\n*) Diese Bemerkung ist sehr wahr. Der Mangel früher Stu-\ndien und Uebungen im Schreiben zeigt sich bei den Componisten,\ndie sich erst aus später entwickelter Neigung der Kunst zugewendet\nhaben, in demjenigen Charakter ihrer Musik, den wir den dilet-\ntantischen zu nennen pflegen, und die Spuren dieses „Dilettanti-\nschen\" in ihren Werken verlieren sich auch bei grossen Talenten\nnicht, und zwar desto weniger, je gebildeter sie im Allgemeinen\nund folglich je zugänglicher der Reflexion, als einem der Haupt-\nfactoren ihres Schaffens, sind. So sind z. B. weder Schumann noch\nWagner frei davon."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "154", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660519-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5351, "texte": "allein das genügte nicht; er war nicht von Jugend auf ge-\nwöhnt, seine Compositionen mit dem inneren Ohr, welches\ndas ganze Orchester vernimmt, aufzufassen. Daher die\nMängel in seinen Ouvertüren und Sinfonieen in dieser Be-\nziehung: sein Orchester ist oft voll und rauschend, aber\nman vermisst darin jene glücklichen Combinationen, welche\ndas Genie der Instrumentirung verrathen. Dann fehlt auch,\nweil er in seinen früheren Arbeiten sich wenig an logische\nEntwicklung gewöhnt hatte, die gehörige Klarheit im\nPlane bei seinen grösseren Werken; allein man wäre un-\ngerecht, wenn man nicht anerkennen wollte, dass in den-\nselben Werken sich eine Originalität offenbare, die nur in\nder Form sündigt. Seine zwei ersten Sinfonieen wurden\nmit Recht beifällig aufgenommen; die dritte ist mühsamer\ngearbeitet und gehört schon der Periode an, wo die über-\nmässigen Anstrengungen das geistige Vermögen des Com-\nponisten angegriffen hatten*).\nDer besten Periode seiner Schöpfungskraft gehören\nmehrere sehr interessante Werke an, z. B. namentlich das\nClavier-Quintett Op. 44.. Glückliche Eingebungen, ein\neminent poetischer Charakter, zumal im Adagio, regel-\nrechter Plan und Klarheit in der Durchführung desselben\nsind die Eigenschaften, welche dieses Werk auszeichnen.\nDie Variationen für zwei Claviere und das Ciavier-Quartett\nOp. 47 schliessen sich dem an. Die drei Violin-Quartette\nOp. 41 sind nicht tadellos, sie gehen oft ins Unbestimmte\nund Dunkle und zeigen nicht überall einen reinen Stil;\naber gewisse Theile derselben tragen abgesehen von der\nNachahmung der letzten Beethoven'schen Quartette—den\nStempel der Individualität Schumann's und haben oft einen\nträumerischen Reiz, dessen Einflüsse man sich nicht ent-\nziehen kann. Aus derselben Periode stammt das Gesang-\nwerk „Paradies und Peri\", eine poetische Phantasie für\nSolostimmen, Chor und Orchester, das in Deutschland,\nHoiland und Russland glänzenden Erfolg gehabt hat, so\nwie mehrere Hefte von „Liedern\".\nIndessen sind alle diese Werke nicht von vollendeter\nSchönheit, es finden sich in ihnen immer Dinge, die man\nnicht billigen kann, wenn auch nur in Bezug auf die Form;\naber überall fühlt man, dass der Componist keine gewöhn-\nliche Organisation hat, und dass ihm, wenn er auch das\nZiel seines hohen Strebens nicht erreicht, doch jedenfalls\ndas Verdienst bleibt, danach zu streben. Uebrigens leidet\nes keinen Zweifel, dass Schumann in seinem Vaterlande\nvon den Musikern zu hoch, in anderen Ländern zu tief\ngestellt wird.\"\nSo weit Fetis.\nEine anerkennende Besprechung der kritischen und\nmusicaiischen Thätigkeit Schumann's enthielt die\ncontemporaine im vorigen Jahre aus der Feder des Barons\nErnouf, allein sie ist noch weit entfernt von dem, was\nwir in Deutschland eine Charakteristik des Künstlers und\nseiner Schöpfungen zu nennen gewohnt sind. Auch ist der\nArtikel dazu zu kurz, was freilich in Frankreich nicht an-\nders sein darf, wenn man gelesen sein will. Ernouf hebt\nmit Recht die Vertiefung Schumann's in Bach und Bach's\nEinfluss auf seine Musik hervor; auch ist er sich ziemlich\nklar über die Zwecke Schumann's und seiner Genossen bei\nGründung der Neuen Zeitschrift, deren Kampf gegen die\n„Philister\" er richtig als entsprungen aus dem Gegensatze\necht künstlerischer Gesinnung gegen die Herrschaft des\nverweichlichenden Rossinismus bezeichnet. Er spricht sich\nferner dahin aus, dass Schumann viel dazu beigetragen,\nden musicaüschen Sinn für ernste Musik wieder zu wecken\nund zu stärken, zugleich aber auch eine gewisse Richtung\nder jüngeren Componisten in Deutschland begünstigt und\nallem unmittelbar Vorhergegangenen den Krieg ange-\nkündigt habe. Dass Schumann und vollends seine Nachtre-\nter auf dieser kritischen Bahn weiter gegangen sind und\nnicht bioss gegen das Nächstvergangene auf dem Gebiete\nder lonkunst eiferten, sondern in Ueberschätzung ihres\neigenen Strebens auch die Altäre der Götter Haydn und\nMozart stürzen wollten, an deren Stelle sie allein den Cul-\ntus Beethoven's in seinen letzten Thaten setzten und Schu-\nmann als Beethoven's Fortsetzer, wenn nicht „Ueberwin-\nder\", proclamirten, das deutet Ernouf nur mit den Worten\nan, dass freilich nicht alle Ansichten Schumann's Offenba-\nrungen einer echten Lehre seien, und dass er sich oft in\nseinem Urtheile über die Lebensfähigkeit der neueren Bich-\ntung und namentlich über die Talente der Träger dersel-\nben getäuscht habe. Doch verkennt er dagegen nicht, dass\nbei jeder kräftigen Reaction Mittelmässige der-\ngleichen Ausschreitungen vorkommen, und gibt Schumann\ndas wohlverdiente Zeugniss, dass sie bei ihm nur durch die\nWärme der Ueberzeugung, den Glauben an das Höhere\nin der Kunst und die Aufopferung für die Sache ohne alle\nEigenliebe erzeugt wurden.\nUnter den Urtheilen aus älterer Zeit in französischen\nBlättern führt Ernouf auch eines von Liszt an. Liszt hatte\nallerdings um 1840 versucht, zwei oder drei Mal in seinen\nConcerten Sachen von Schumann zu spielen, allein abge-\nschreckt durch die Kälte, mit der das Publicum sie auf-\nnahm, liess er es dabei bewenden. Später machte er sich\nselbst Vorwürfe darüber. „Ich habe dadurch\", schrieb er.\n„ein böses Beispiel gegeben. Die grösste Gefahr für den\nwahren Künstler liegt nicht darin, seinen Zuhörern zu miss-\nfallen, sondern gegen sein besseres Bewusstsein der Sclave\n\n*) Die vierte, obwohl früher geschriebene Sinfonie in D-moll\nscheint Fetis nicht zu kennen."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "155", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660519-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3652, "texte": "ihrer Launen zu werden. Er muss den Muth haben, Allen\ngegenüber seinen Ueberzeugungen treu zu bleiben und die\nWerke zu Gehör zu bringen, die er in seinem künstleri-\nschen Gewissen für gut hält.\" Dass dies bei ihm mit\nSchumann's Werken also war, hatte er bereits 1837 in\neinem Artikel der Gazette musbewiesen, in welchem\ner sagt: „Von allen neueren Compositionen, mit Ausnahme\nder Musik Chopin's, sind die Sachen des jungen deutschen\nComponisten Robert Schumann diejenigen, in welchen ich\ndie meiste Individualität und Neuheit der Ideen gefunden\nhabe.\"\nWerfen wir nun noch einen Blick auf unsere nächsten\nNachbarländer im Westen, auf Belgien und Holland,\nso zeigt sich dort in dem Interesse an Schumann's Werken\nund der Würdigung derselben in auffallender Weise der\nStamm-Unterschied beider Nationen. Das neuere musicali-\nsche Belgien folgt, die Flamänder und Germanomanen\nmögen sich dagegen wehren, so viel sie wollen, im grossen\nGanzen der französischen Geschmacksrichtung; hier, wie\nvorzugsweise auch immer noch in Frankreich, ist die Aus-\nführung, die technische Virtuosität in der Musik die Haupt-\nsache, daher auch das Charakteristische in der Schule der\nbelgischen Violinisten. Die Theilnahme für die Compo-\nsition ist im Allgemeinen denn dass einzelne Künstler\nund musicalische Kreise eine Ausnahme davon machen,\nversteht sich von selbst eine geringe. So hat denn vollends\nSchumann s Musik dort keinen Boden gefunden, denn die\nwenigen Versuche mit Ausführung seiner Compositionen\nfür Kammermusik, die in die neueste Zeit fallen, können\nkaum in Anschlag gebracht werden.\nWie anders in Holland! Hier ist von je her die Em-\npfänglichkeit für deutsche Musik überhaupt grösser und\nallgemeiner gewesen, als in Belgien und Frankreich; allein\neine ganz besondere Gunst hat das musicalische Publicum\nSchumann in dem Grade zugewandt, dass nicht bloss von\nder ganzen Fremde Holland dasjenige Land ist, wo Schu-\nmann's Musik die meisten Freunde hat, sondern dass ver-\nbältnissmässig Schumann in Holland populärer ist, als in\nDeutschland selbst. Viele und gut geschriebene Artikel in\nholländischen Blättern, und namentlich in der „Caecilia,\nallgemeenMuzikaal Tijdschrift , sprechen\nsich seit Jahren übereinstimmend im Sinne der Anerken-\nnung der Schumann'schen Muse aus und bestätigen die\nThatsache des Interesses für dieselbe beim Publicum. Je-\ndoch wendet sich dieses Interesse von den grösseren Wer-\nken auch hier vorzüglich den Instrumental-Compositionen\nzu. Die Kunstreise, die Schumann im Jahre 1853 mit sei-\nner Gattin von Düsseldorf aus durch Holland machte, war\nein letztes erfreuliches und erhebendes Ereigniss im äus-\nSeren Leben des Künstlers. Er selbst schrieb darüber an\neinen Freund in Oldenburg im Januar 1854: „Die Zeit,\nwo ich Ihnen nicht schrieb, war eine sehr bewegte. Wir\nhatten eine Musikfahrt nach den Niederlanden unternom-\nmen, die vom Anfang bis zum Schlüsse von guten Glücks-\ngenien begleitet war. In allen Städten wurden wir mit Freu-\nden, ja, mit vielen Ehren bewillkommt. Ich habe zu mei-\nner Verwunderung gesehen, wie meine Musik in Hol-\nland beinahe heimischer ist, als im Vaterlande.\nUeberall waren grosse Aufführungen der Sinfonieen, ge-\nrade der schwierigsten, der zweiten und dritten, im Haag\nauch mir die Rose vorbereitet. Ich könnte Ihnen eine bo-\ngenlange Reisebeschreibung darüber machen, wollte Ihnen\naber wenigstens das Hauptsächlichste mittheilen, da ich\nweiss, welchen freundlichen Antheil Sie an unseren Ge-\nschicken nehmen.\"\nIn d iesen Zeilen noch keine Spur, welche die Ahnung\nder furchtbaren Katastrophe begründen konnte, die schon\nvier Wochen nachher die völlige Umnachtung seines Gei-\nstes offenbarte!\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-05-19-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-05-19_01#c003", "volume": "bmtnabi_1866-05-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "155", "page_fin": "157", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660519-01.2.3", "titre_corps": "Aus Kassel.", "titre_sommaire": "Aus Kassel.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "155", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660519-01.1.3", "debut_caractere": 3654, "fin_caractere_exclue": 5038, "texte": "Aus Kassel.\n(Concerte der Hofcapelle Opern-Personal.)\nDen 12. Mai 1866.\nNach dem Schlüsse unserer Concert-Saison ist zu-\nnächst das erfreuliche Ergebniss der stets wachsenden\nTheilnahme des Publicuras an den Abonnements-Concer-\nten der Hofcapelle zu bekunden, was am besten daraus\nhervorgebt, dass in den letzten acht Jahren die Einnahme\nfür den Witwenfonds des Hoforchesters sich im Durch-\nschnitte um das Dreifache gegen die früheren Jahre ge-\nsteigert hat. Allerdings scheut der Vorstand des Orchesters\nkeine Opfer, um diese Theilnahme des Publicums zu er-\nhalten und zu steigern, was in einer Stadt, in welcher ein\nHoftheater mit einer guten Oper seine Anziehungskraft\nübt, weit schwieriger ist, als in den Städten, in welchen\ndie Theater in den Händen von Privat-Unternehmern sind\nund folglich den Concert-Instituten keine so gefährliche\nConcurrenz machen können. Um so mehr ist die warme\nAnerkennung zu schätzen, welche man hier allgemein nicht\nbloss fremden, ausgezeichneten Künstlern, sondern eben\nso sehr den Leistungen der vortrefflichen Capelle und ihres\nausgezeichneten Dirigenten, Herrn Capellmeisters Reiss,\nzollt.\nDa die Richtung eines Concert-Instituts hauptsächlich\naus dessen Programmen hervorgeht, so theile ich Ihnen\neinen übersichtlichen Inhalt derselben mit.\nIn den sechs Abonnements-Concerten hörten wir\nOuvertüren von Mendelssohn (Athalia, hier neu), Che-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "156", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660519-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5292, "texte": "rubini (Lodoiska), Gade (Michel Angelo), Spontini (Olym-\npia), Wagner (Vorspiel zu Tristan und Isolde), Beethoven\n(Op. 124).—Sinfonieen von Schumann Ernst\nHerzogenrath (neu, Manuscript), Beethoven (Nr. II), Spohr\n(G-moll, Nr. III), Esser (Suile, F-dur), Mendelssohn [A-\ndur, Nr. IV). Concerte mit Orchester von Beethoven\nfür Pianoforte (C-moll,Fräulein Anna Mehlig aus Stutt-\ngart); Spohr [H-moll,Nr 4, Concertmeister Wipplin-\nger); Molique für Violine [DConcertmeister Sin-\nger aus Stuttgart); C. M. von Weber, Concertstück für\nPianoforte {F-moll, Fräulein Mary Krebs aus Dresden);\nVolkmann für Violoncello (Kammer-Virtuose D. Popper\naus Löwenberg) ; Molique, Adagio (aus dem Violoncell-\nConcerte, derselbe); Beethoven (Violin-Concert, Concert-\nmeister Lauterbach aus Dresden);Spohr (Gesangsscene,\nderselbe); Spohr (Violin-Concert D-moll, Nr. 9, Concert-\nDirector Joachim). Ausserdem trugen die Concert-Spie-\nlerinnen und Spieler noch einzelne Solostücke vor; auch\nauf der Harfe hörten wir Herrn Gers tenberger in zwei\ndergleichen Stücken. Gesangstücke, theils Scenen und\nArien, theils Lieder trugen vor die Damen Wlzeck,\nGrün, Winckler, Bauer von hier und v. Pöllnitz aus\nBerlin; die Herren Bachmann, Lindemann. Von mehr-\nstimmigen Gesangstücken kamen vor: „Lied der Städte\" für\nMännerchor von M. Bruch, „Das deutsche Schwert\" ebenso\nvon K. Schuppert, Sextett aus Boieldieu's\nversees(zum ersten Male), Frauenchöre von Rieh. Hempel.\nAusserdem fand, wie alljährlich, ein von dem Hof-\nOrchester veranstaltetes geistliches Concert in der\nlutherischen Kirche am Charfreitage Statt, und kam in\ndemselben nach langjähriger Ruhe Mendelssohn's „Elias\"\nin sehr gelungener Weise zur Aufführung. Die Chöre be-\nstanden aus den Mitgliedern der hiesigen Gesangvereine,\nund die Solo-Partieen wurden durch die Damen Winckler,\nWlzeck und Buchenne, so wie die Herren Denner, Schulze\nund Hoffmeister in würdigster Weise vorgetragen.\nDie Orchester-Ausführungen zeichneten sich durch\nkünstlerische Reife und möglichst feine Nuancirung aus\nund fanden stets den ungeteiltesten Beifall. So wurde\ndenn den älteren, bekannteren Orchesterwerken nach sorg-\nfältiger Vorbereitung und schwungvoller Ausführung eine\nbegeisterte Aufnahme, während sich die oben verzeichne-\nten Novitäten (mit Ausnahme des allerdings unerquickli-\nchen Vorspiels zu Tristan und Isolde von Wagner und der\nMichel-Angelo-Ouverture von Gade) eines sehr ehrenvollen\nErfolges erfreuten. Es gilt dies vor Allem Mendelssohn's\nfür uns neuer Athalia-Ouverture, Gluck's „Furientanz\"\nund „Reigen seliger Geister\" (im zweiten Concerte) und\nEsser's erster Orchester-Suite, welches letztere Werk sich\ndurch ebenmässige Form, noble Erfindung, interessante\ncontrapunktische Combinationen und eine blühende In-\nstrumentation vor vielen Werken der Neuzeit rühmlichst\nauszeichnet.\nFerner erhielt auch das Erstlingswerk eines jüngeren\nMitgliedes unserer Hofcapelle, die Sinfonie von E. Her-\nzogenrath, verdienter Maassen die aufmunterndsten Bei-\nfallsbezeigungen. Das Werk lehnt sich zwar, ohne grosse\nOriginalität zu verrathen, an Mendelssohn und Schumann\nan, bekundet aber ein gediegenes Wissen und edles Stre-\nben des jugendlichen Componisten, welchem nach der Auf-\nführung lebhafter Hervorruf zu Theil ward.\nUeber sämmtliche Instrumental-Solisten der Saison\nkann man gleichfalls nur Rühmliches berichten, und nenne\nich zunächst die Damen Mehlig und Mary Krebs, de-\nren Erfolg ein durchschlagender war. Mag Erstere eine\ngrössere Reife der Auffassung in ihren Vorträgen docu-\nmentiren, so überrascht Letztere durch erstaunliche Bra-\nvour und für ihr zartes Alter seltene Kraft, welche Eigen-\nschaften in dem Weber'schen Concertstücke ganz beson-\nders zur Geltung kamen.\nIn Herrn Popper aus Löwenberg lernten wir einen\nwahrhaft genialen, jungen Violoncellisten kennen, der sich\ndurch eine eminente Technik, so wie einen äusserst sym-\npathischen Ton ganz besonders auszeichnet. Die Bekannt-\nschaft des allerdings etwas düsteren Volkmann'schen Con-\ncertes war uns um so willkommener und interessanter, als\ngerade die Literatur dieses Instrumentes eine noch unge-\nmein arme ist. Herr Popper hatte wenigstens die Genug-\ntuung, mit diesem nur einem kleinen Theile des Publi-\ncums zugänglichen Werke einen vollständigen Erfolg zu\nerringen.\nAuch Herr Capellmeister Singer aus Stuttgart\nwusste sieh durch seine vollendete Technik und seinen\ngrossen Ton schnell die Sympathie des Publicums zu er-\nringen, wenn man auch vielseitig sein Spiel kalt und poe-\nsielos finden wollte. Vielleicht mag auch die Wahl seiner\nStücke derartige Urtheile hervorgerufen haben.\nDagegen begrüsste man in Herrn Concertmeister\nLauterbach aus Dresden einen alten lieben Bekannten,\nder wiederum durch Wärme des Vortrags, schönen Ton\nund poetische Auffassungsweise sofort das Publicum für\nsich einnahm. Spohr's Gesangsscenc erinnern wir uns, und\ndies ist das allgemeine Urtheil, hier in Kassel niemals schöner\ngehört zu haben. [Das heisst doch wohl seit Spohr's Tod.]\nIn die freudigste Aufregung wurden aber unsere Mu-\nsikfreunde durch das erstmalige Auftreten Joachim's in\nKassel versetzt, der in bereitwilligster Weise, mit aus-\ndrücklichem Verzicht auf jedes Honorar, seine Mitwirkung\nim letzten Abonnements-Concerte zusagte. Der Empfang\nSeitens der Capelle wie des Publicums war ein wahrhaft"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "157", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660519-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4084, "texte": "enthusiastischer. Die Erfolge dieses ersten aller lebenden\nViolinisten übertrafen noch die kühnsten Erwartungen\nAller. Ton, Technik, Auffassung u. s. w. finden sich bei\nJoachim in solch hohem Grade der Vollendung vereinigt,\ndass die Kritik schweigen muss. Dass Herrn Joachim Sei-\ntens des Publicums die wärmsten Ovationen dargebracht\nwurden, welche Seitens der Capelle durch Ueberreichung\neines frischen Lorberkranzes eine besondere Bekräftigung\nerhielten, war wohl die geringste Auszeichnung, welche\nHerrn Joachim zu Theil werden konnte. Nach Beendigung\ndes Concertes fand zu Ehren des verehrten Gastes im\nHotel Schirmer ein Souper Statt, an welchem sich nicht\nnur viele Mitglieder des Hoforchesters, sondern auch viele\nunserer ersten hiesigen Musikfreunde betheiligten.\nNoch bleiben mir einige Bemerkungen über den ge-\nsanglichen Theil der verschiedenen Concerte.\nDer grösste Beifall ward den im dritten Concerte auf-\ngeführten Männerchören von Max Bruch und Karl\nSchuppert zu Theil. Die Composition des Letzteren,\nwelche bekanntlich zu den Preisgesängen des dresdener\nSängerfestes zählt, fand sogar enthusiastische Aufnahme,\nzumal Schuppert sich als Hoforganist und langjähriger\nLeiter der Liedertafel hier einer allgemeinen Beliebtheit\nerfreute*).\nFerner war es das allbekannte und beliebte Lorelei-\nFinale von Mendelssohn, welches mit Fräulein Bauer\nwiederum seine Wirkung auf das Auditorium nicht ver-\nfehlte. Auch die Lieder-Vorträge der Damen Wlzeck\nund Grün fanden den allseitigsten Beifall.\nDen Solisten wurde mit wenigen Ausnahmen stets\nlebhafter Hervorruf, welche Auszeichnung auch dem Lei-\nter der Concerte, Herrn Capellmeister Reiss, zu wieder-\nholten Malen zu Theil wurde.\nAusser den so eben besprochenen Concerten der Hof-\ncapelle fanden noch mehrere kleinere Privat-Concerte Statt,\nvon denen dasjenige des Kasseler Gesangvereins, unter\nMitwirkung des Violinisten Heermann aus Frankfurt und\nder Harfen-Virtuosin Fräulein Helene Heermann aus\nBaden, so wie eine von Herrn Denn er, unter Mitwir-\nkung des trefflichen Concertsängers Karl Hill veran-\nstaltete Abend-Unterhaltung in erster Linie stehen.\nUnsere Oper bietet mir dieses Mal wenig Stoff, wie-\nwohl deren jetziger Bestand zu den schönsten Hoffnungen\nfür ein eben so reichhaltiges Repertoire als treffliches En-\nsemble berechtigen würde, stände uns nicht leider, wie\nfast alljährlich, wieder ein umfassender Personenwechsel\nin Aussicht. Zunächst werden uns die Vertreterinnen des\nersten dramatischen und des jugendlichen Faches, nämlich\ndie Damen Bauer und Grün, verlassen, erstere, um mit\nihrem zukünftigen Gatten ein gemeinsames Engagement\nan dem Hoftheater in Braunschweig anzunehmen, letztere,\num einem Rufe an die königliche Hofbühne in Berlin zu\nfolgen. Der Verlust beider Sängerinnen ist für unsere Hof-\nbühne ein um so empfindlicherer, als sich dieselben der\nungetheiltesten Beliebtheit erfreuen und wesentliche Trä-\ngerinnen des Repertoires sind, zumal aber ferner keine der\nbis jetzt aufgetretenen Bewerberinnen um die betreffenden\nFächer ihre Vorgängerin einiger Maassen zu ersetzen ver-\nmochte. Glücklicher Weise bleiben dem Institute der treff-\nliche Bassist Lindemann und der Helden-Tenor Bach-\nmann erhalten; ferner nennen wir als wesentliche Zier-\nden des Personals die jugendliche Coloratursängerin Fräu-\nlein Aurelie Wlzeck, welche erst vor wenigen Monaten\nihre künstlerische Laufbahn an hiesiger Hofbühne mit\nbestem Erfolg begonnen, und unsere neu gewonnene Sou-\nbrette, Fräulein Winckler, welche im Besitze einer so\nschönen Stimme, dass sie aushülfsweise Partieen wie die\nVenus im Tannhäuser sogar mit bestem Erfolge gesungen.\nDas Repertoire laufender Saison umfasste etwa 35\nOpern der verschiedensten Gattungen, unter welchen die\ngrössere Anzahl der deutschen und der französischen\nSchule zufällt. Von Novitäten hatten wir während des\nWinters nicht eine einzige, doch soll vor Kurzem die un-\nvermeidliche „ Africanerin\", um am Geburtstage des Kur-\nfürsten, den 20. August, in Scene zu gehen, in Angriff\ngenommen worden sein.\n\n*) Karl Schuppert starb hier im December vorigen Jahres am\nTyphus*"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-05-19-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-05-19_01#c004", "volume": "bmtnabi_1866-05-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "157", "page_fin": "159", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660519-01.2.4", "titre_corps": "Die Concertgeber in Paris", "titre_sommaire": "Die Concertgeber in Paris", "signature_source": "H. Berlioz", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "157", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660519-01.1.5", "debut_caractere": 4086, "fin_caractere_exclue": 5200, "texte": "Die Concertgeber in Paris\nVon H. Berlioz.\n*).\n(Ein Harfenist aus Steyermark theilt Berlioz seinen\nEntschluss mit, nach Paris zu gehen, um dort und in Frank-\nreich überhaupt Concerte zu geben. Berlioz erwiedert:)\n»In Paris? Concerte in Frankreich? Ah! Lassen Sie\nmich erst lachen. Ich lache nicht über Sie, aber der\n\n*) Dass es immer noch Musiker gibt, die da meinen, Paris sei\ndas Eldorado für die Künstler, beweisen die neuesten Wahrnehmun-\ngen über die diesjährige pariser Saison, die dermaassen überfüllt\nvon Concertgebern gewesen ist, dass auf jede Woche der Monate\nFebruar und März an zwanzig Concerte, Soireen, Matineen fielen!\nDie Humoreske, welche H. Berlioz in seinen Soirees d'Orchestre\nin Beziehung darauf gegeben, hat wenig gefruchtet, und da das Mu-\nsiktreiben in Paris, wie es Berlioz schildert, nach den neuesten Mit-\ntheilungen von dort jetzt dasselbe Gepräge in noch höherem Grade\nträgt, so geben wir zur Beherzigung für deutsche Künstler seine\nDarstellung zum Besten. Uebrigens wird man darin dasselbe Bild\nwieder erkennen, das jetzt auch Deutschland für Privat-Concerte\ndarbietet. Die Redaction."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660519-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5282, "texte": "Gedanke ist so komisch, dass ich unwillkürlich darüber\nlachen muss.\"\nNun, was ist denn daran so Lächerliches?\n„Sie wollen in Frankreich durch Concertgeben Geld\nverdienen? Nun, das ist wahrhaftig eine steyerische\nIdee! Jetzt ist es an mir, zu reden. Hören Sie mich an!\nIn Frankreich warten Sie noch, ich bin ganz ausser\nAthem in Frankreich wird Jeder, der ein Concert gibt,\nvon einer grossen Besteuerung heimgesucht. Wussten Sie\ndas schon?\"\nDonnerwetter! 1 -\n„Es gibt Leute, deren Gewerbe darin besteht, aus\nLiebe zu den Armen der Stadt Paris den achten Theil der\nBrutto-Einnahme aller Concerte zu erheben (das heisst,\nwegzunehmen); ja, sie dürfen sogar den vierten Theil\nder Einnahme für sich beanspruchen, wenn es ihnen an-\nsteht.—Sie kommen also nach Paris. Sie veranstalten auf\nIh re Kosten und Gefahr eine musicalische Soiree oder Ma-\ntinee; Sie haben Saalmiethe, Beleuchtung, Heizung, Druck-\nkosten, Anzeigen, Lohndiener, Copisten und Musiker zu\nbezahlen. Da Sie noch keinen Buf haben, dürfen Sie Sich\nglücklich schätzen, wenn Sie 800 Francs einnehmen; 600\nFrancs mindestens betragen die Unkosten: folglich würden\nIhnen 200 Francs Ueberscbuss verbleiben. Aber sie blei-\nben Ihnen eben nicht. Der „„Einnehmer\"\" nimmt damit\nfürlieb, da das Gesetz ihm die 200 Francs zuspricht; er\nsteckt sie ein und empfiehlt sich ergebenst, denn er ist ein\nsehr höflicher Mann. Wenn Sie jedoch, was noch wahr-\nscheinlicher ist, nur 600 Francs, mithin nur genau die\nKosten machen, so verlangt der Einnehmer nichts desto\nweniger seinen achten Theil der Brutto-Casse, und auf\ndiese Weise werden Sie mit einer Geldbusse von 75 Francs\nfür die Unverschämtheit bestraft, Sich in Paris bekannt\nmachen und auf anständige Weise von den Früchten Ihres\nTalentes dort leben zu wollen.\"\nDas ist doch nicht möglich!\n„Gewiss ist es nicht möglich es ist aber doch so!\nAus Höflichkeit setzte ich noch voraus, dass Sie 800 oder\n600 Francs einnehmen würden. Aber unbekannt und arm,\nwie Sie sind, würden Sie als Harfenist wenn ich aufrich-\ntig sein soll—nicht zwanzig Zuhörer haben. Mussten doch\nselbst die grössten und berühmtesten Virtuosen in Frank-\nreich die seltsamsten Erfahrungen über die Launen und\ndie Gleichgültigkeit des Publicums machen. Im Foyer des\nTheaters von Marseille zeigte man mir einen Spiegel,\nden Paganini im Zorn zerschlagen hat, weil der Saal bei\neinem seiner Concerte leer war.\"\nWie? Paganini?\n„Ja, Paganini. An dem Tage war es vielleicht\nbesonders heiss. Denn auch das müssen Sie wissen: es gibt\nin Frankreich Verhältnisse und Umstände, gegen welche\nselbst das ausserordentlichste, unzweifelhafteste musicali-\nsche Genie, ja, Götter, selbst vergebens kämpfen würden.\nWeder in Paris, noch in den Provinzen liebt das Publicum\ndie Musik hinreichend, um ihr zu Liebe Hitze, Kälte oder\nNässe ertragen, ja, nur die gewohnte Stunde seiner Mahl-\nzeit um wenige Minuten verschieben zu wollen. Kein\nMensch geht in die Oper oder in ein Concert, wenn es ihm\nnur die geringste Mühe oder Unbequemlichkeit macht,\noder nur einiger Maassen nennenswerthe Unkosten verur-\nsacht. Für unser grosses Publicum ist die Kunst thatsäch-\nlich nur vorhanden, wenn es absolut nichts Besseres zu\nthun weiss! lch habe die feste Ueberzeugung, dass man\nnicht Einen unter Tausend fände, der sich dazu verstehen\nwürde, den ausserordentlichsten Virtuosen oder das sel-\ntenste Meisterwerk mit anzuhören, sobald er genöthigt\nwäre, sich dazu allein in einen dunkeln Saal zu setzen! Man\nwird auch nicht Einen unter Tausend finden, der 25 Francs\nausgeben möchte, um ein grosses, echtes Kunstwerk zu ge-\nmessen, ausgenommen, wenn die Mode es erfordert, denn\nzuweilen sind sogar Meisterwerke in der Mode, obgleich\nman sich nicht besinnen würde, einem Künstler gelegent-\nlich eine Aufmerksamkeit zu erweisen, die möglicher\nWeise das Doppelte kostet. Man opfert' der Musik weder\nein Diner, noch den einfachsten Spazirgang; viel weniger\nalso ein Pferderennen oder eine Verhandlung vor den As-\nsisen. Man geht in die Oper, weil sie neu ist, und weil die\nSängerin oder der Tenorist darin auftreten, die gerade an\nder Tagesordnung sind. Man geht in ein Concert, um seine\nNeugierde zu befriedigen, wenn es sich um die Rivalität\nzweier Sängerinnen, um den öffentlichen Kampf zweier\nberühmten Virtuosen bandelt. Dann gilt es aber auch nicht,\nihr Talent zu bewundern, sondern zu erfahren, wer von\nBeiden unterliegen wird; es ist nur eine andere Art von\nKirchthurm-Rennen oder öffentlichem Ringkampf! Man\ngeht allerdings auch sonst wohl ins Theater, um sich vier\nStunden zu langweilen, oder in ein classisches Concert,\num die anstrengende Komödie als Enthusiast zu spielen,\nweil es zum guten Tone gehört, dort seine Loge zu haben,\nund weil die Plätze sehr gesucht und selten sind. Man be-\nsucht überhaupt gewisse erste Aufführungen und zahlt\ndann ohne Besinnen oft übertrieben hohe Eintrittspreise,\nwenn nämlich der Director oder die Autoren an diesem\nAbende eines jener gewagten Spiele spielen, die über ihr\nGeschick, über ihre ganze Zukunft entscheiden sollen. Dann\nist das allgemeine Interesse ungeheuer gross! Man küm-\nmert sich äusserst wenig um das neue Werk und seinen\nWerth: man will nur wissen, ob es durchfällt oder nicht.\nJe nachdem die Umstände ihm günstig sind oder nicht, je\nnachdem der Eindruck für oder wider entscheidet, wobei"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660519-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4878, "texte": "jene gebeimnissvollen und unerklärlichen Ursachen oft die\nHauptrolle spielen, welche in solchen Momenten der un-\nbedeutendste Zufall hervorrufen kann, je nachdem ergreift\nman edler Weise die Partei des Stärkeren: tritt den Ge-\nfallenen noch vollends zu Boden, wenn das Werk unter-\nliegt; oder vermehrt den Triumph des Siegers, wenn er\nGlück hat, ohne dabei vom Werke das Geringste verstan-\nden zu haben. Dann mag es noch so heiss oder noch so\nkalt sein, dann kann es stürmen, donnern oder schneien,\ndann mag es hundert Francs oder hundert Sous kosten:\nso etwas muss man sehen! Das ist eine Bataille, oft sogar\neine Execution: dabei muss man gewesen sein!\n„In Frankreich, mein Bester, muss man das Publicum\n„ „in Gang\"\" zu bringen verstehen, wie die Pferde beim\nWettrennen. Das ist eine besondere Kunst! Es gibt hin-\nreissende Künstler, welche das Publicum doch niemals\nfo rtz u r ei ssen verstanden, und wieder Andere von der\ngewöhnlichsten Mittelsorte, die es unwiderstehlich herum-\nzureissen wissen. Glücklich die, welche beide Eigen-\nschaften in seltener Vereinigung besitzen! Und dennoch\nfinden selbst die aussergewöhnlichsten Erscheinungen die-\nser Art zuweilen ihre Meister in den phlegmatischen Bür-\ngern gewisser Provincialstädte mit antediluvianischen Ge-\nwohnheiten, die einen ewigen Schlaf schlafen, aus dem\nnichts sie erwecken kann, oder die aus Indifferentismus\nfür jede Kunst der Oekonomie bis zum Fanatismus erge-\nben sind!\n„Ich begegnete einmal einem unserer ersten Pianisten,\nder sehr enttäuscht aus einer Hafenstadt zurückkehrte, wo\ner sich wollte hören lassen.— „„Es war rein unmöglich,\ndort ein Concert zu veranstalten,\"\" sagte er ganz ernsthaft\nzu mir, „„die Häringe waren gerade im Anzüge,\nund die ganze Stadt dachte nur an den Häringsfang.\"\"\n„Sie sehen, mein Bester, dass das „ „in Gang bringen\"\"\nkeine leichte Aufgabe ist, besonders in Städten zweiten\nRanges. Nachdem ich aber den Musiksinn des grossen\nPublicums einer so scharfen Kritik unterworfen habe, müs-\nsen Sie nun auch erfahren, wie viele Tölpel, vom höchsten\nSopran bis zum tiefsten Bass, von der Pickelflöte bis zum\nBombardon, das arme Publicum unablässig quälen, über-\nlaufen, bestürmen und auf die schamloseste Weise zu\nübertölpeln suchen. Da gibt es keinen noch so elenden\nGuitarren-Kratzer, keinen noch so plumpen Clavier-Pau-\nker, keinen noch so fade girrenden Jodler, der nicht durch\nConcertgeben Ruhm und Geld verdienen möchte. In Paris\nhat einmal sogar Einer ein Concert auf der Maultrom-\nmel gegeben. ...\n„Daher auch die wahrhaft bemitieidenswerthen Quä-\nlereien, denen alle ausgesetzt sind, die nur irgend ein Haus\nmachen. Jeder Virtuose hat nämlich seine Gönner, die man\nBillet-Aufdringer nennen sollte; diese Schutzpatrone\nsind wie die Wespen—man kann sich ihrer kaum erweh-\nren; und ihr Stich ist äusserst empfindlich. Da gibt es kei-\nnen nur erdenklichen Vorwand, keinen diplomatischen\nKniff, den sie verschmähten, sobald es gilt, den armen rei-\nchen Leuten ein Dutzend jener entsetzlichen viereckigen\nPapiere aufzudringen, die man Concert-Billets nennt. Und\nwenn nun vollends eine hübsche junge Frau diese grau-\nsame Manie hat, dann muss man sehen, mit welch bar-\nbarischem Despotismus sie die alten und jungen Männer\nin Contribution setzt, die das Glück haben, ihr in den\nWeg zu kommen.\n„Ich kenne Leute, die während der Monate Februar\nund März, wo diese Geissei alljährlich am grausamsten\nüber Paris geschwungen wird, sich wohl hüten, die Salons\nauch nur mit einem Fusse zu betreten, um nicht ganz und\ngar ausgeplündert zu werden. Ich will hier nicht von der\nbedrohlichen Reihenfolge der allerbekanntesten und unver-\nmeidlichsten Concerte sprechen; die unglücklichen Recen-\nsenten müssen sie alle ohne Erbarmen aushalten: doch\nwürde es zu weit führen, wenn ich auch ihre Drangsale\nschildern wollte. Seit Kurzem leiden übrigens die Recen-\nsenten nicht allein darunter. Gegenwärtig glaubt aber jeder\n„ „Künstler\"\" —sei er nun Virtuose auf der Maultrommel,\noder auf was sonst —, der (nach dem Kunst-Ausdruck) Paris\n„„gemacht\"\", d. h. dort ein Concert gegeben bat, auch\n„ „reisen\"\" zu müssen, und peinigt zu diesem Zwecke alle\nanständigen Menschen seiner Bekanntschaft, die nicht klug\ngenug waren, ihre Verbindungen mit dem Auslande sorg-\nfältigst zu verhehlen. Er muss von ihnen „„Empfehlungs-\nbriefe\"\" herauspressen; er muss sie dahin zu bringen su-\nchen, an irgend einen unschuldigen Banquier, an irgend\neinen liebenswürdigen Gesandten, oder an einige wohlha-\nbende Kunstfreunde die wichtige Nachricht zu schreiben,\ndass Fräulein C*** in Kopenhagen oder Amsterdam Con-\ncerte geben will; dass sie ein seltenes Talent besitzt, und\ndass man sie doch nach Kräften aufmuntern d. h. ihr\nmöglichst viele Billets abnehmen möchte. Solche erpresste\nEmpfehlungen erzielen aber gewöhnlich die elendesten\nResultate für alle Welt, besonders aber für die recom-\nmandirten Virtuosen selbst*).\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-05-19-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-05-19_01#c005", "volume": "bmtnabi_1866-05-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "159", "page_fin": "160", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660519-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660519-01.1.7", "debut_caractere": 4880, "fin_caractere_exclue": 5250, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nIn Darmstadt hat sich diesen Winter Frau Peschka-Leut-\nner im Hoftheater die Gunst des Publicums in hohem Grade er-\nworben. Ihre Stimme ist ein hoher Sopran mit ausgebildeter Colo-\n\n*) Wir empfehlen hierbei die recht gute deutsche Uebersetzung\nvon Berlioz' Gesammelten Schriften von Richard Pohl,\nLeipzig, bei Gust. Heinze. 1863 und 1864."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "160", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660519-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6023, "texte": "raturfähigkeit. Seit ihrem ersten Auftreten am 8. September v. J.\nals Lucia sang sie am 15. April zum 53. Male, und zwar in 22\nverschiedenen Partieen* In allen erfreute sie sich der ehrenvollsten\nAnerkennung und des lebhaftesten Beifalls. Sie sang die Königin in\nden „Hugenotten\", die Prinzessin in „Robert\", Dinorah, Violetta,\nSusanna, Martha, Donna Elvira, Bertha im „Propheten\", Leonore\nim „Troubadour\" und in nCosl fan tutte\", Katharina, Ines, Prin-\nzessin in der „Jüdin\", Madeleine, Elvira in der „Stummen\", Kö-\nnigin der Nacht, „Weisse Dame\", „Regimentstochter\", „Lorelei\"\n(von Mendelssohn).\nHerr Capellmeister J. J. Bott in Hannover hat vor einigen\nTagen das Decret seiner lebenslänglichen Anstellung erhalten.\nMan schreibt aus Hamburg: „Ein Directionswechsel im Stadt-\ntheater hat in diesen Tagen das Publicum überrascht, obwohl das\nBevorstehen einer Krisis kein Geheimniss mehr war. Nachdem eine\nEinigung zwischen den Directoren Hermann und Reichardt nicht\nerzielt worden, liess Hermann sich gegen eine von Reichardt zu\nzahlende Abstandssumme von 10,000 Mark bewegen, auf seine noch\ndrei Jahre laufende Concession zu verzichten und die Uebertragung\nderselben an Reichardt zu beantragen. Der Senat hat am Freitag\ndie Concession ertheilt und die artistische Leitung des seinem\nUmfange nach ersten hamburgischen Kunst-Instituts dem durch\nsein Wirken während des verflossenen Winters sattsam bekannten\nRegisseur Wohlstadt übergeben. Zugleich hat der Senat bewilligt,\ndass wöchentlich nur fünf Vorstellungen Statt zu finden brauchen,\nwas zur Schonung der Gesangs- und Orchesterkräfte nothwendig\nwird, da der neue Bühnenlenker das Schauspiel gänzlich abzuschaf-\nfen gedenkt. (?!)\nW ■eil. An die Stelle des in Ruhestand versetzten und aus\ndiesem Anlasse mit dem Ritterkreuze des Franz-Joseph-Ordens aus-\ngezeichneten Hof-Capellmeisters Herrn Bernhard Randhartin-\nger wurde der bisher überzählige Vice-Hofcapellmeister Herr Jo-\nhann Herbeck zum ersten wirklichen Hof-Capellmeister ernannt.\nBeide Fälle, nämlich sowohl die Pensionirung, wie die Präterirung\ndes seit Langem dienenden Vice-Hofcapellmeisters Preyer, machen,\nals in der Geschichte der k. k. Hofcapelle ohne Präcedens dastehende\nVorgänge, in den musicalischen Kreisen nicht geringes Aufsehen.\nHerr Herbeck., dessen glänzende Carriere übrigens durch seine künst-\nlerischen Verdienste vollkommen gerechtfertigt erscheint, bezieht in\nseiner neuen Stellung an Gehalt und Nebengebühren ungefähr 2000\nFl. per Jahr.\nDer Witwen- und Waisen-Unterstützungs-Verein der Tonkünstler\nWiens, „Haydn\", veröffentlichte den Rechnungs-Abschluss für\ndas fünfundneunzigste Vereinsjahr 1865. Nach demselben ergaben\ndie beiden Akademieen zu Ostern und Weihnachten ein Erträgniss\nvon 2479 Fl. 24 Kr., und nach Abzug aller Auslagen ein reines\nEinkommen von 2357 Fl. 77 Kr. in Baarem, 608,405 Fl. an Obli-\ngationen. An Pensionen wurden 16,6 30 Fl. 25 Kr., an Unter-\nstützungen 235 Fl. 75 Kr. verabfolgt. Die Anzahl der Mitglieder\nbeläuft sich auf 88. Pensionen wurden an 35 Witwen und Waisen\ngezahlt. Nach einem Beschlüsse der General-Versammlung werden\ndie Pensionen für je eine Person von 460 Fl. auf 480 Fl. erhöht.\nProtector des Vereins ist Graf Kuefstein, Vorstand Herr Esser,\nStellvertreter Hellmesberger.\nDer Kaiser von Oesterreich hat dem Herausgeber und Redacteur\nder Blätter für Theater u. s. w., Herrn L. A. Zellner in Wien,\nin Anerkennung seiner Leistungen auf dem Gebiete der Kunst die\ngrosse goldene Verdienst-Medaille für Wissenschaft und Künste zu\nverleihen geruht.\n(Beethoven's Gl a vier.) Das Ciavier Beethoven's befindet\nsich in Klausenburg (Siebenbürgen). Dasselbe ist circa siebenzig\nJahre alt; im Stimmstocke befindet sich das meisterhaft gearbeitete\nWappen (?) und deutlich erkennbare Portrait aus der Jugendzeit\ndes Componisten. Der um das Portrait geschlungene Name „Louis\nv. Beethoven\" lässt vermuthen, dass dieses Ciavier entweder als Ge-\nschenk für ihn oder aber auf eigene Bestellung desselben durch den\ndamaligen Ciaviermacher S. A. Vogel in Pesth angefertigt wurde.\nDas Ciavier wurde laut Aussage noch lebender Zeugen durch Beet-\nhoven in Wien einem seiner Schüler zum Andenken hinterlassen,\nwelcher später in der Eigenschaft eines Musiklehrers nach Ungarn\nzu Fräulein Elise Kallai, nachmaligen Gattin des Dichters Jozsika\nMiklos, kam, welcher auch der Musiklehrer das Ciavier aus Dank-\nbarkeit als theure Reliquie zum Präsente machte. Von hier gelangte\ndas Ciavier nach langem Gebrauche in den Besitz der Familie Pa-\ntaki Daniel in Dees, von da nach Klausenburg zu Pataki Mihaly,\nspäter zum Kaufmanne Akoncz und endlich zum Einsender dieser\nZeilen, welcher nun den dunklen Nebel, der dieses interessante An-\ndenken des Meisters umgab, endlich lichtete. Ueberzeugt, dem ge-\nbildeten Publicum mit dieser Nachricht gedient zu haben, hat der\nBesitzer des Claviers es für entsprechend gehalten, Vorstehendes zur\nallgemeinen Kenntniss zu bringen; gleichzeitg erklärt derselbe, das\nCiavier irgend einer Sammlung bereitwilligst zu überlassen, wo das-\nselbe zum Andenken an Beethoven einen bleibenden Platz erhielte,\nNäheres zu Klausenburg bei Samuel Gyulai, Belso-Farkas-Utsza\nNr. 81, allwo auch das Ciavier in Augenschein genommen werden\nkann. (Z. 81. f. Th.)\nPl'Jtg. Theater-Director Thome hat uns mit Roger in Be-\nkanntschaft gebracht. Bei solchen Künstlern haben selbst die Reste\nnoch immer mehr Werth, als bei manchem jungen Sänger der heu-\ntigen Zeit die Blüthezeit. Roger hat sich schnell zum Manne des\nTages aufgeschwungen und füllt die Häuser. Ein Beweis, welch ma-\ngischen Zauber ein Künstler selbst in seinem letzten Stadium aus-\nzuüben versteht, und das nicht bloss auf den Zuschauer, sondern\nauch auf die Mitwirkenden. Er sang bisher den Edgar, George\nBrown, Johann von Paris und Raoul, obgleich Meyerbeer'sche Musik\neine Vollkraft von Stimme verlangt.\nDer Violin-Virtuose J. Lotto, der auf einer Kunstreise nach\nSchweden begriffen ist und in Kopenhagen mit vielem Beifalle con-\ncertirt hatte, hat vom Könige von Dänemark den Danebrog-Orden\nerhalten."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "153", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660519-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nAus der Fremde über Robert Schumann (Schluss). Von L. B. Aus Kassel (Concerte der Hofcapelle Opern-Per-\nsonal). Die Concertgeber in Paris. Von H. Berlioz. Tages- und Unterhaltungsblatt (Darmstadt, Frau Peschka-Leutner\nHannover, Capellmeister J. J. Bott Hamburg, Theater Wien, Herr Herbeck Wiener Witwen- und Waisen-Unterstützungs-Verein\nfür Tonkünstler L. A. Zellner Beetboven's Ciavier Prag, Herr Roger Violin-Virtuose J. Lotto).\n\nAus der Fremde über Robert Schumann.\n\n(Schluss. S. Nr. 19.)\nUngeachtet der mitgetheilten scharfen Beurtheilungen\nvon Schumann's „Paradies und Peri\" durch englische Kri-\ntiker, leuchtet doch aus ihnen eine tiefere Erkenntniss von\nSchumann's Wesen hervor, als wir sie bei französischen\nSchriftstellern finden, und es ist auch keine Frage, dass\ndessen Musik überhaupt, namentlich seine Instrumental-\nCompositionen, bei Weitem mehr Eingang in England,\nals in Frankreich gefunden haben. Wenn man den engli-\nschen Kritikern eine genauere Einsicht in die Werke des\ndeutschen Tonsetzers und eine redliche Ueberzeugung von\ndem, was sie als Resultat derselben geben, nicht abspre-\nchen kann, so begnügen sich die Franzosen nach ihrer\nWeise mehr mit allgemeinen Redensarten und oberfläch-\nlichem Ueberblick.\nEiniger Maassen macht Fetis eine Ausnahme davon\nin der neuen Auflage seiner Biographie universelle; doch\nbeurtheilt auch er zunächst die Grundsätze und die Wirk-\nsamkeit Schumann's als Kritikers in der von ihm begrün-\ndeten und mehrere Jahre lang redigirten leipziger Zeit-\nschrift nicht nach eigenem gründlichen Studium der Auf-\nsätze Schumann's und mit richtiger Würdigung seines\nEinflusses, sondern er hebt nur die Extreme hervor und\nschiebt die Tendenzen und Gebahren der späteren Redac-\ntoren und Mitarbeiter an der „Neuen Zeitschrift\" mit ihren\nLehren von realem Inhalt der Musik und der Präconisirung\nder Programmatisten Schumann in die Schuhe, der an\ndiesen Uebertreibungen ganz unschuldig ist.\nUeber Schumann als Componisten drückt er sich unter\nAnderem folgender Maassen aus, nachdem er bemerkt\nhat, dass dessen Musik nach Mendelssohn's Tode beson-\nders in Norddeutschland mehr Anhänger als früher, in\nParis, Brüssel und London hingegen keinen Eingang ge-\nfunden habe:\n„Es liegt wohl nach beiden Seiten hin eine Uebertrei-\nbung vor, sowohl im Enthusiamus, als in der Gering-\nschätzung. In der ersten Periode seiner Thätigkeit als Com-\nponist, etwa von 1832 —lB4O, war seine Kenntniss und\nGewandtheit im Handwerk noch gering, allein er hatte\nIdeen und Gefühl. In kleinen Verhältnissen traten diese\nund sein talentvolles, eigentümliches Wesen überhaupt\nhervor, und er schrieb anmuthige, reizende Sachen. Allein\ngrössere Versuche, wie z. B. Sonaten, zeigten den Mangel\nan logischer Beherrschung der Form und die Schwerfäl-\nligkeit der Factur. In seiner zweiten Periode nahm er\neifrige Studien des Contrapunktes und der Partituren der\nclassischen Meister vor [das besondere tiefere Studium von\nJ. S. Bach erwähnt Fetis nicht]; auch der neueren, um\ndie Kunst der Instrumentirung zu lernen. Diese späteren\nStudien haben in der Regel den Erfolg nicht, den man\nsich davon verspricht, denn sie legen dem Geiste, der sich\nschon an freie Bewegung und schrankenlose Phantasie\ngewöhnt hat, Fesseln an, die ihm nicht mehr zusagen. Das\nTechnische der Composition und die Handhabung der Form\nmuss man in früher Jugend lernen, um damit so vertraut\nzu werden, dass Geist und Phantasie im Augenblicke der\nGedankenerzeugung dadurch nicht gehemmt werden*).\nBis zu seinem dreissigsten Jahre hatte Schumann nur für\ndas Ciavier geschrieben; durch das nun betriebene Stu-\ndium der Partituren begriff er als Mann von Verstand und\nTalent die Combinationen der Instrumentirung sehr bald:\n\n*) Diese Bemerkung ist sehr wahr. Der Mangel früher Stu-\ndien und Uebungen im Schreiben zeigt sich bei den Componisten,\ndie sich erst aus später entwickelter Neigung der Kunst zugewendet\nhaben, in demjenigen Charakter ihrer Musik, den wir den dilet-\ntantischen zu nennen pflegen, und die Spuren dieses „Dilettanti-\nschen\" in ihren Werken verlieren sich auch bei grossen Talenten\nnicht, und zwar desto weniger, je gebildeter sie im Allgemeinen\nund folglich je zugänglicher der Reflexion, als einem der Haupt-\nfactoren ihres Schaffens, sind. So sind z. B. weder Schumann noch\nWagner frei davon."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "154", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660519-01.1.2", "texte": "allein das genügte nicht; er war nicht von Jugend auf ge-\nwöhnt, seine Compositionen mit dem inneren Ohr, welches\ndas ganze Orchester vernimmt, aufzufassen. Daher die\nMängel in seinen Ouvertüren und Sinfonieen in dieser Be-\nziehung: sein Orchester ist oft voll und rauschend, aber\nman vermisst darin jene glücklichen Combinationen, welche\ndas Genie der Instrumentirung verrathen. Dann fehlt auch,\nweil er in seinen früheren Arbeiten sich wenig an logische\nEntwicklung gewöhnt hatte, die gehörige Klarheit im\nPlane bei seinen grösseren Werken; allein man wäre un-\ngerecht, wenn man nicht anerkennen wollte, dass in den-\nselben Werken sich eine Originalität offenbare, die nur in\nder Form sündigt. Seine zwei ersten Sinfonieen wurden\nmit Recht beifällig aufgenommen; die dritte ist mühsamer\ngearbeitet und gehört schon der Periode an, wo die über-\nmässigen Anstrengungen das geistige Vermögen des Com-\nponisten angegriffen hatten*).\nDer besten Periode seiner Schöpfungskraft gehören\nmehrere sehr interessante Werke an, z. B. namentlich das\nClavier-Quintett Op. 44.. Glückliche Eingebungen, ein\neminent poetischer Charakter, zumal im Adagio, regel-\nrechter Plan und Klarheit in der Durchführung desselben\nsind die Eigenschaften, welche dieses Werk auszeichnen.\nDie Variationen für zwei Claviere und das Ciavier-Quartett\nOp. 47 schliessen sich dem an. Die drei Violin-Quartette\nOp. 41 sind nicht tadellos, sie gehen oft ins Unbestimmte\nund Dunkle und zeigen nicht überall einen reinen Stil;\naber gewisse Theile derselben tragen abgesehen von der\nNachahmung der letzten Beethoven'schen Quartette—den\nStempel der Individualität Schumann's und haben oft einen\nträumerischen Reiz, dessen Einflüsse man sich nicht ent-\nziehen kann. Aus derselben Periode stammt das Gesang-\nwerk „Paradies und Peri\", eine poetische Phantasie für\nSolostimmen, Chor und Orchester, das in Deutschland,\nHoiland und Russland glänzenden Erfolg gehabt hat, so\nwie mehrere Hefte von „Liedern\".\nIndessen sind alle diese Werke nicht von vollendeter\nSchönheit, es finden sich in ihnen immer Dinge, die man\nnicht billigen kann, wenn auch nur in Bezug auf die Form;\naber überall fühlt man, dass der Componist keine gewöhn-\nliche Organisation hat, und dass ihm, wenn er auch das\nZiel seines hohen Strebens nicht erreicht, doch jedenfalls\ndas Verdienst bleibt, danach zu streben. Uebrigens leidet\nes keinen Zweifel, dass Schumann in seinem Vaterlande\nvon den Musikern zu hoch, in anderen Ländern zu tief\ngestellt wird.\"\nSo weit Fetis.\nEine anerkennende Besprechung der kritischen und\nmusicaiischen Thätigkeit Schumann's enthielt die\ncontemporaine im vorigen Jahre aus der Feder des Barons\nErnouf, allein sie ist noch weit entfernt von dem, was\nwir in Deutschland eine Charakteristik des Künstlers und\nseiner Schöpfungen zu nennen gewohnt sind. Auch ist der\nArtikel dazu zu kurz, was freilich in Frankreich nicht an-\nders sein darf, wenn man gelesen sein will. Ernouf hebt\nmit Recht die Vertiefung Schumann's in Bach und Bach's\nEinfluss auf seine Musik hervor; auch ist er sich ziemlich\nklar über die Zwecke Schumann's und seiner Genossen bei\nGründung der Neuen Zeitschrift, deren Kampf gegen die\n„Philister\" er richtig als entsprungen aus dem Gegensatze\necht künstlerischer Gesinnung gegen die Herrschaft des\nverweichlichenden Rossinismus bezeichnet. Er spricht sich\nferner dahin aus, dass Schumann viel dazu beigetragen,\nden musicaüschen Sinn für ernste Musik wieder zu wecken\nund zu stärken, zugleich aber auch eine gewisse Richtung\nder jüngeren Componisten in Deutschland begünstigt und\nallem unmittelbar Vorhergegangenen den Krieg ange-\nkündigt habe. Dass Schumann und vollends seine Nachtre-\nter auf dieser kritischen Bahn weiter gegangen sind und\nnicht bioss gegen das Nächstvergangene auf dem Gebiete\nder lonkunst eiferten, sondern in Ueberschätzung ihres\neigenen Strebens auch die Altäre der Götter Haydn und\nMozart stürzen wollten, an deren Stelle sie allein den Cul-\ntus Beethoven's in seinen letzten Thaten setzten und Schu-\nmann als Beethoven's Fortsetzer, wenn nicht „Ueberwin-\nder\", proclamirten, das deutet Ernouf nur mit den Worten\nan, dass freilich nicht alle Ansichten Schumann's Offenba-\nrungen einer echten Lehre seien, und dass er sich oft in\nseinem Urtheile über die Lebensfähigkeit der neueren Bich-\ntung und namentlich über die Talente der Träger dersel-\nben getäuscht habe. Doch verkennt er dagegen nicht, dass\nbei jeder kräftigen Reaction Mittelmässige der-\ngleichen Ausschreitungen vorkommen, und gibt Schumann\ndas wohlverdiente Zeugniss, dass sie bei ihm nur durch die\nWärme der Ueberzeugung, den Glauben an das Höhere\nin der Kunst und die Aufopferung für die Sache ohne alle\nEigenliebe erzeugt wurden.\nUnter den Urtheilen aus älterer Zeit in französischen\nBlättern führt Ernouf auch eines von Liszt an. Liszt hatte\nallerdings um 1840 versucht, zwei oder drei Mal in seinen\nConcerten Sachen von Schumann zu spielen, allein abge-\nschreckt durch die Kälte, mit der das Publicum sie auf-\nnahm, liess er es dabei bewenden. Später machte er sich\nselbst Vorwürfe darüber. „Ich habe dadurch\", schrieb er.\n„ein böses Beispiel gegeben. Die grösste Gefahr für den\nwahren Künstler liegt nicht darin, seinen Zuhörern zu miss-\nfallen, sondern gegen sein besseres Bewusstsein der Sclave\n\n*) Die vierte, obwohl früher geschriebene Sinfonie in D-moll\nscheint Fetis nicht zu kennen."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "155", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660519-01.1.3", "texte": "ihrer Launen zu werden. Er muss den Muth haben, Allen\ngegenüber seinen Ueberzeugungen treu zu bleiben und die\nWerke zu Gehör zu bringen, die er in seinem künstleri-\nschen Gewissen für gut hält.\" Dass dies bei ihm mit\nSchumann's Werken also war, hatte er bereits 1837 in\neinem Artikel der Gazette musbewiesen, in welchem\ner sagt: „Von allen neueren Compositionen, mit Ausnahme\nder Musik Chopin's, sind die Sachen des jungen deutschen\nComponisten Robert Schumann diejenigen, in welchen ich\ndie meiste Individualität und Neuheit der Ideen gefunden\nhabe.\"\nWerfen wir nun noch einen Blick auf unsere nächsten\nNachbarländer im Westen, auf Belgien und Holland,\nso zeigt sich dort in dem Interesse an Schumann's Werken\nund der Würdigung derselben in auffallender Weise der\nStamm-Unterschied beider Nationen. Das neuere musicali-\nsche Belgien folgt, die Flamänder und Germanomanen\nmögen sich dagegen wehren, so viel sie wollen, im grossen\nGanzen der französischen Geschmacksrichtung; hier, wie\nvorzugsweise auch immer noch in Frankreich, ist die Aus-\nführung, die technische Virtuosität in der Musik die Haupt-\nsache, daher auch das Charakteristische in der Schule der\nbelgischen Violinisten. Die Theilnahme für die Compo-\nsition ist im Allgemeinen denn dass einzelne Künstler\nund musicalische Kreise eine Ausnahme davon machen,\nversteht sich von selbst eine geringe. So hat denn vollends\nSchumann s Musik dort keinen Boden gefunden, denn die\nwenigen Versuche mit Ausführung seiner Compositionen\nfür Kammermusik, die in die neueste Zeit fallen, können\nkaum in Anschlag gebracht werden.\nWie anders in Holland! Hier ist von je her die Em-\npfänglichkeit für deutsche Musik überhaupt grösser und\nallgemeiner gewesen, als in Belgien und Frankreich; allein\neine ganz besondere Gunst hat das musicalische Publicum\nSchumann in dem Grade zugewandt, dass nicht bloss von\nder ganzen Fremde Holland dasjenige Land ist, wo Schu-\nmann's Musik die meisten Freunde hat, sondern dass ver-\nbältnissmässig Schumann in Holland populärer ist, als in\nDeutschland selbst. Viele und gut geschriebene Artikel in\nholländischen Blättern, und namentlich in der „Caecilia,\nallgemeenMuzikaal Tijdschrift , sprechen\nsich seit Jahren übereinstimmend im Sinne der Anerken-\nnung der Schumann'schen Muse aus und bestätigen die\nThatsache des Interesses für dieselbe beim Publicum. Je-\ndoch wendet sich dieses Interesse von den grösseren Wer-\nken auch hier vorzüglich den Instrumental-Compositionen\nzu. Die Kunstreise, die Schumann im Jahre 1853 mit sei-\nner Gattin von Düsseldorf aus durch Holland machte, war\nein letztes erfreuliches und erhebendes Ereigniss im äus-\nSeren Leben des Künstlers. Er selbst schrieb darüber an\neinen Freund in Oldenburg im Januar 1854: „Die Zeit,\nwo ich Ihnen nicht schrieb, war eine sehr bewegte. Wir\nhatten eine Musikfahrt nach den Niederlanden unternom-\nmen, die vom Anfang bis zum Schlüsse von guten Glücks-\ngenien begleitet war. In allen Städten wurden wir mit Freu-\nden, ja, mit vielen Ehren bewillkommt. Ich habe zu mei-\nner Verwunderung gesehen, wie meine Musik in Hol-\nland beinahe heimischer ist, als im Vaterlande.\nUeberall waren grosse Aufführungen der Sinfonieen, ge-\nrade der schwierigsten, der zweiten und dritten, im Haag\nauch mir die Rose vorbereitet. Ich könnte Ihnen eine bo-\ngenlange Reisebeschreibung darüber machen, wollte Ihnen\naber wenigstens das Hauptsächlichste mittheilen, da ich\nweiss, welchen freundlichen Antheil Sie an unseren Ge-\nschicken nehmen.\"\nIn d iesen Zeilen noch keine Spur, welche die Ahnung\nder furchtbaren Katastrophe begründen konnte, die schon\nvier Wochen nachher die völlige Umnachtung seines Gei-\nstes offenbarte!\n\nL. B.\n\nAus Kassel.\n(Concerte der Hofcapelle Opern-Personal.)\nDen 12. Mai 1866.\nNach dem Schlüsse unserer Concert-Saison ist zu-\nnächst das erfreuliche Ergebniss der stets wachsenden\nTheilnahme des Publicuras an den Abonnements-Concer-\nten der Hofcapelle zu bekunden, was am besten daraus\nhervorgebt, dass in den letzten acht Jahren die Einnahme\nfür den Witwenfonds des Hoforchesters sich im Durch-\nschnitte um das Dreifache gegen die früheren Jahre ge-\nsteigert hat. Allerdings scheut der Vorstand des Orchesters\nkeine Opfer, um diese Theilnahme des Publicums zu er-\nhalten und zu steigern, was in einer Stadt, in welcher ein\nHoftheater mit einer guten Oper seine Anziehungskraft\nübt, weit schwieriger ist, als in den Städten, in welchen\ndie Theater in den Händen von Privat-Unternehmern sind\nund folglich den Concert-Instituten keine so gefährliche\nConcurrenz machen können. Um so mehr ist die warme\nAnerkennung zu schätzen, welche man hier allgemein nicht\nbloss fremden, ausgezeichneten Künstlern, sondern eben\nso sehr den Leistungen der vortrefflichen Capelle und ihres\nausgezeichneten Dirigenten, Herrn Capellmeisters Reiss,\nzollt.\nDa die Richtung eines Concert-Instituts hauptsächlich\naus dessen Programmen hervorgeht, so theile ich Ihnen\neinen übersichtlichen Inhalt derselben mit.\nIn den sechs Abonnements-Concerten hörten wir\nOuvertüren von Mendelssohn (Athalia, hier neu), Che-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "156", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660519-01.1.4", "texte": "rubini (Lodoiska), Gade (Michel Angelo), Spontini (Olym-\npia), Wagner (Vorspiel zu Tristan und Isolde), Beethoven\n(Op. 124).—Sinfonieen von Schumann Ernst\nHerzogenrath (neu, Manuscript), Beethoven (Nr. II), Spohr\n(G-moll, Nr. III), Esser (Suile, F-dur), Mendelssohn [A-\ndur, Nr. IV). Concerte mit Orchester von Beethoven\nfür Pianoforte (C-moll,Fräulein Anna Mehlig aus Stutt-\ngart); Spohr [H-moll,Nr 4, Concertmeister Wipplin-\nger); Molique für Violine [DConcertmeister Sin-\nger aus Stuttgart); C. M. von Weber, Concertstück für\nPianoforte {F-moll, Fräulein Mary Krebs aus Dresden);\nVolkmann für Violoncello (Kammer-Virtuose D. Popper\naus Löwenberg) ; Molique, Adagio (aus dem Violoncell-\nConcerte, derselbe); Beethoven (Violin-Concert, Concert-\nmeister Lauterbach aus Dresden);Spohr (Gesangsscene,\nderselbe); Spohr (Violin-Concert D-moll, Nr. 9, Concert-\nDirector Joachim). Ausserdem trugen die Concert-Spie-\nlerinnen und Spieler noch einzelne Solostücke vor; auch\nauf der Harfe hörten wir Herrn Gers tenberger in zwei\ndergleichen Stücken. Gesangstücke, theils Scenen und\nArien, theils Lieder trugen vor die Damen Wlzeck,\nGrün, Winckler, Bauer von hier und v. Pöllnitz aus\nBerlin; die Herren Bachmann, Lindemann. Von mehr-\nstimmigen Gesangstücken kamen vor: „Lied der Städte\" für\nMännerchor von M. Bruch, „Das deutsche Schwert\" ebenso\nvon K. Schuppert, Sextett aus Boieldieu's\nversees(zum ersten Male), Frauenchöre von Rieh. Hempel.\nAusserdem fand, wie alljährlich, ein von dem Hof-\nOrchester veranstaltetes geistliches Concert in der\nlutherischen Kirche am Charfreitage Statt, und kam in\ndemselben nach langjähriger Ruhe Mendelssohn's „Elias\"\nin sehr gelungener Weise zur Aufführung. Die Chöre be-\nstanden aus den Mitgliedern der hiesigen Gesangvereine,\nund die Solo-Partieen wurden durch die Damen Winckler,\nWlzeck und Buchenne, so wie die Herren Denner, Schulze\nund Hoffmeister in würdigster Weise vorgetragen.\nDie Orchester-Ausführungen zeichneten sich durch\nkünstlerische Reife und möglichst feine Nuancirung aus\nund fanden stets den ungeteiltesten Beifall. So wurde\ndenn den älteren, bekannteren Orchesterwerken nach sorg-\nfältiger Vorbereitung und schwungvoller Ausführung eine\nbegeisterte Aufnahme, während sich die oben verzeichne-\nten Novitäten (mit Ausnahme des allerdings unerquickli-\nchen Vorspiels zu Tristan und Isolde von Wagner und der\nMichel-Angelo-Ouverture von Gade) eines sehr ehrenvollen\nErfolges erfreuten. Es gilt dies vor Allem Mendelssohn's\nfür uns neuer Athalia-Ouverture, Gluck's „Furientanz\"\nund „Reigen seliger Geister\" (im zweiten Concerte) und\nEsser's erster Orchester-Suite, welches letztere Werk sich\ndurch ebenmässige Form, noble Erfindung, interessante\ncontrapunktische Combinationen und eine blühende In-\nstrumentation vor vielen Werken der Neuzeit rühmlichst\nauszeichnet.\nFerner erhielt auch das Erstlingswerk eines jüngeren\nMitgliedes unserer Hofcapelle, die Sinfonie von E. Her-\nzogenrath, verdienter Maassen die aufmunterndsten Bei-\nfallsbezeigungen. Das Werk lehnt sich zwar, ohne grosse\nOriginalität zu verrathen, an Mendelssohn und Schumann\nan, bekundet aber ein gediegenes Wissen und edles Stre-\nben des jugendlichen Componisten, welchem nach der Auf-\nführung lebhafter Hervorruf zu Theil ward.\nUeber sämmtliche Instrumental-Solisten der Saison\nkann man gleichfalls nur Rühmliches berichten, und nenne\nich zunächst die Damen Mehlig und Mary Krebs, de-\nren Erfolg ein durchschlagender war. Mag Erstere eine\ngrössere Reife der Auffassung in ihren Vorträgen docu-\nmentiren, so überrascht Letztere durch erstaunliche Bra-\nvour und für ihr zartes Alter seltene Kraft, welche Eigen-\nschaften in dem Weber'schen Concertstücke ganz beson-\nders zur Geltung kamen.\nIn Herrn Popper aus Löwenberg lernten wir einen\nwahrhaft genialen, jungen Violoncellisten kennen, der sich\ndurch eine eminente Technik, so wie einen äusserst sym-\npathischen Ton ganz besonders auszeichnet. Die Bekannt-\nschaft des allerdings etwas düsteren Volkmann'schen Con-\ncertes war uns um so willkommener und interessanter, als\ngerade die Literatur dieses Instrumentes eine noch unge-\nmein arme ist. Herr Popper hatte wenigstens die Genug-\ntuung, mit diesem nur einem kleinen Theile des Publi-\ncums zugänglichen Werke einen vollständigen Erfolg zu\nerringen.\nAuch Herr Capellmeister Singer aus Stuttgart\nwusste sieh durch seine vollendete Technik und seinen\ngrossen Ton schnell die Sympathie des Publicums zu er-\nringen, wenn man auch vielseitig sein Spiel kalt und poe-\nsielos finden wollte. Vielleicht mag auch die Wahl seiner\nStücke derartige Urtheile hervorgerufen haben.\nDagegen begrüsste man in Herrn Concertmeister\nLauterbach aus Dresden einen alten lieben Bekannten,\nder wiederum durch Wärme des Vortrags, schönen Ton\nund poetische Auffassungsweise sofort das Publicum für\nsich einnahm. Spohr's Gesangsscenc erinnern wir uns, und\ndies ist das allgemeine Urtheil, hier in Kassel niemals schöner\ngehört zu haben. [Das heisst doch wohl seit Spohr's Tod.]\nIn die freudigste Aufregung wurden aber unsere Mu-\nsikfreunde durch das erstmalige Auftreten Joachim's in\nKassel versetzt, der in bereitwilligster Weise, mit aus-\ndrücklichem Verzicht auf jedes Honorar, seine Mitwirkung\nim letzten Abonnements-Concerte zusagte. Der Empfang\nSeitens der Capelle wie des Publicums war ein wahrhaft"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "157", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660519-01.1.5", "texte": "enthusiastischer. Die Erfolge dieses ersten aller lebenden\nViolinisten übertrafen noch die kühnsten Erwartungen\nAller. Ton, Technik, Auffassung u. s. w. finden sich bei\nJoachim in solch hohem Grade der Vollendung vereinigt,\ndass die Kritik schweigen muss. Dass Herrn Joachim Sei-\ntens des Publicums die wärmsten Ovationen dargebracht\nwurden, welche Seitens der Capelle durch Ueberreichung\neines frischen Lorberkranzes eine besondere Bekräftigung\nerhielten, war wohl die geringste Auszeichnung, welche\nHerrn Joachim zu Theil werden konnte. Nach Beendigung\ndes Concertes fand zu Ehren des verehrten Gastes im\nHotel Schirmer ein Souper Statt, an welchem sich nicht\nnur viele Mitglieder des Hoforchesters, sondern auch viele\nunserer ersten hiesigen Musikfreunde betheiligten.\nNoch bleiben mir einige Bemerkungen über den ge-\nsanglichen Theil der verschiedenen Concerte.\nDer grösste Beifall ward den im dritten Concerte auf-\ngeführten Männerchören von Max Bruch und Karl\nSchuppert zu Theil. Die Composition des Letzteren,\nwelche bekanntlich zu den Preisgesängen des dresdener\nSängerfestes zählt, fand sogar enthusiastische Aufnahme,\nzumal Schuppert sich als Hoforganist und langjähriger\nLeiter der Liedertafel hier einer allgemeinen Beliebtheit\nerfreute*).\nFerner war es das allbekannte und beliebte Lorelei-\nFinale von Mendelssohn, welches mit Fräulein Bauer\nwiederum seine Wirkung auf das Auditorium nicht ver-\nfehlte. Auch die Lieder-Vorträge der Damen Wlzeck\nund Grün fanden den allseitigsten Beifall.\nDen Solisten wurde mit wenigen Ausnahmen stets\nlebhafter Hervorruf, welche Auszeichnung auch dem Lei-\nter der Concerte, Herrn Capellmeister Reiss, zu wieder-\nholten Malen zu Theil wurde.\nAusser den so eben besprochenen Concerten der Hof-\ncapelle fanden noch mehrere kleinere Privat-Concerte Statt,\nvon denen dasjenige des Kasseler Gesangvereins, unter\nMitwirkung des Violinisten Heermann aus Frankfurt und\nder Harfen-Virtuosin Fräulein Helene Heermann aus\nBaden, so wie eine von Herrn Denn er, unter Mitwir-\nkung des trefflichen Concertsängers Karl Hill veran-\nstaltete Abend-Unterhaltung in erster Linie stehen.\nUnsere Oper bietet mir dieses Mal wenig Stoff, wie-\nwohl deren jetziger Bestand zu den schönsten Hoffnungen\nfür ein eben so reichhaltiges Repertoire als treffliches En-\nsemble berechtigen würde, stände uns nicht leider, wie\nfast alljährlich, wieder ein umfassender Personenwechsel\nin Aussicht. Zunächst werden uns die Vertreterinnen des\nersten dramatischen und des jugendlichen Faches, nämlich\ndie Damen Bauer und Grün, verlassen, erstere, um mit\nihrem zukünftigen Gatten ein gemeinsames Engagement\nan dem Hoftheater in Braunschweig anzunehmen, letztere,\num einem Rufe an die königliche Hofbühne in Berlin zu\nfolgen. Der Verlust beider Sängerinnen ist für unsere Hof-\nbühne ein um so empfindlicherer, als sich dieselben der\nungetheiltesten Beliebtheit erfreuen und wesentliche Trä-\ngerinnen des Repertoires sind, zumal aber ferner keine der\nbis jetzt aufgetretenen Bewerberinnen um die betreffenden\nFächer ihre Vorgängerin einiger Maassen zu ersetzen ver-\nmochte. Glücklicher Weise bleiben dem Institute der treff-\nliche Bassist Lindemann und der Helden-Tenor Bach-\nmann erhalten; ferner nennen wir als wesentliche Zier-\nden des Personals die jugendliche Coloratursängerin Fräu-\nlein Aurelie Wlzeck, welche erst vor wenigen Monaten\nihre künstlerische Laufbahn an hiesiger Hofbühne mit\nbestem Erfolg begonnen, und unsere neu gewonnene Sou-\nbrette, Fräulein Winckler, welche im Besitze einer so\nschönen Stimme, dass sie aushülfsweise Partieen wie die\nVenus im Tannhäuser sogar mit bestem Erfolge gesungen.\nDas Repertoire laufender Saison umfasste etwa 35\nOpern der verschiedensten Gattungen, unter welchen die\ngrössere Anzahl der deutschen und der französischen\nSchule zufällt. Von Novitäten hatten wir während des\nWinters nicht eine einzige, doch soll vor Kurzem die un-\nvermeidliche „ Africanerin\", um am Geburtstage des Kur-\nfürsten, den 20. August, in Scene zu gehen, in Angriff\ngenommen worden sein.\n\n*) Karl Schuppert starb hier im December vorigen Jahres am\nTyphus*\n\nDie Concertgeber in Paris\nVon H. Berlioz.\n*).\n(Ein Harfenist aus Steyermark theilt Berlioz seinen\nEntschluss mit, nach Paris zu gehen, um dort und in Frank-\nreich überhaupt Concerte zu geben. Berlioz erwiedert:)\n»In Paris? Concerte in Frankreich? Ah! Lassen Sie\nmich erst lachen. Ich lache nicht über Sie, aber der\n\n*) Dass es immer noch Musiker gibt, die da meinen, Paris sei\ndas Eldorado für die Künstler, beweisen die neuesten Wahrnehmun-\ngen über die diesjährige pariser Saison, die dermaassen überfüllt\nvon Concertgebern gewesen ist, dass auf jede Woche der Monate\nFebruar und März an zwanzig Concerte, Soireen, Matineen fielen!\nDie Humoreske, welche H. Berlioz in seinen Soirees d'Orchestre\nin Beziehung darauf gegeben, hat wenig gefruchtet, und da das Mu-\nsiktreiben in Paris, wie es Berlioz schildert, nach den neuesten Mit-\ntheilungen von dort jetzt dasselbe Gepräge in noch höherem Grade\nträgt, so geben wir zur Beherzigung für deutsche Künstler seine\nDarstellung zum Besten. Uebrigens wird man darin dasselbe Bild\nwieder erkennen, das jetzt auch Deutschland für Privat-Concerte\ndarbietet. Die Redaction."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660519-01.1.6", "texte": "Gedanke ist so komisch, dass ich unwillkürlich darüber\nlachen muss.\"\nNun, was ist denn daran so Lächerliches?\n„Sie wollen in Frankreich durch Concertgeben Geld\nverdienen? Nun, das ist wahrhaftig eine steyerische\nIdee! Jetzt ist es an mir, zu reden. Hören Sie mich an!\nIn Frankreich warten Sie noch, ich bin ganz ausser\nAthem in Frankreich wird Jeder, der ein Concert gibt,\nvon einer grossen Besteuerung heimgesucht. Wussten Sie\ndas schon?\"\nDonnerwetter! 1 -\n„Es gibt Leute, deren Gewerbe darin besteht, aus\nLiebe zu den Armen der Stadt Paris den achten Theil der\nBrutto-Einnahme aller Concerte zu erheben (das heisst,\nwegzunehmen); ja, sie dürfen sogar den vierten Theil\nder Einnahme für sich beanspruchen, wenn es ihnen an-\nsteht.—Sie kommen also nach Paris. Sie veranstalten auf\nIh re Kosten und Gefahr eine musicalische Soiree oder Ma-\ntinee; Sie haben Saalmiethe, Beleuchtung, Heizung, Druck-\nkosten, Anzeigen, Lohndiener, Copisten und Musiker zu\nbezahlen. Da Sie noch keinen Buf haben, dürfen Sie Sich\nglücklich schätzen, wenn Sie 800 Francs einnehmen; 600\nFrancs mindestens betragen die Unkosten: folglich würden\nIhnen 200 Francs Ueberscbuss verbleiben. Aber sie blei-\nben Ihnen eben nicht. Der „„Einnehmer\"\" nimmt damit\nfürlieb, da das Gesetz ihm die 200 Francs zuspricht; er\nsteckt sie ein und empfiehlt sich ergebenst, denn er ist ein\nsehr höflicher Mann. Wenn Sie jedoch, was noch wahr-\nscheinlicher ist, nur 600 Francs, mithin nur genau die\nKosten machen, so verlangt der Einnehmer nichts desto\nweniger seinen achten Theil der Brutto-Casse, und auf\ndiese Weise werden Sie mit einer Geldbusse von 75 Francs\nfür die Unverschämtheit bestraft, Sich in Paris bekannt\nmachen und auf anständige Weise von den Früchten Ihres\nTalentes dort leben zu wollen.\"\nDas ist doch nicht möglich!\n„Gewiss ist es nicht möglich es ist aber doch so!\nAus Höflichkeit setzte ich noch voraus, dass Sie 800 oder\n600 Francs einnehmen würden. Aber unbekannt und arm,\nwie Sie sind, würden Sie als Harfenist wenn ich aufrich-\ntig sein soll—nicht zwanzig Zuhörer haben. Mussten doch\nselbst die grössten und berühmtesten Virtuosen in Frank-\nreich die seltsamsten Erfahrungen über die Launen und\ndie Gleichgültigkeit des Publicums machen. Im Foyer des\nTheaters von Marseille zeigte man mir einen Spiegel,\nden Paganini im Zorn zerschlagen hat, weil der Saal bei\neinem seiner Concerte leer war.\"\nWie? Paganini?\n„Ja, Paganini. An dem Tage war es vielleicht\nbesonders heiss. Denn auch das müssen Sie wissen: es gibt\nin Frankreich Verhältnisse und Umstände, gegen welche\nselbst das ausserordentlichste, unzweifelhafteste musicali-\nsche Genie, ja, Götter, selbst vergebens kämpfen würden.\nWeder in Paris, noch in den Provinzen liebt das Publicum\ndie Musik hinreichend, um ihr zu Liebe Hitze, Kälte oder\nNässe ertragen, ja, nur die gewohnte Stunde seiner Mahl-\nzeit um wenige Minuten verschieben zu wollen. Kein\nMensch geht in die Oper oder in ein Concert, wenn es ihm\nnur die geringste Mühe oder Unbequemlichkeit macht,\noder nur einiger Maassen nennenswerthe Unkosten verur-\nsacht. Für unser grosses Publicum ist die Kunst thatsäch-\nlich nur vorhanden, wenn es absolut nichts Besseres zu\nthun weiss! lch habe die feste Ueberzeugung, dass man\nnicht Einen unter Tausend fände, der sich dazu verstehen\nwürde, den ausserordentlichsten Virtuosen oder das sel-\ntenste Meisterwerk mit anzuhören, sobald er genöthigt\nwäre, sich dazu allein in einen dunkeln Saal zu setzen! Man\nwird auch nicht Einen unter Tausend finden, der 25 Francs\nausgeben möchte, um ein grosses, echtes Kunstwerk zu ge-\nmessen, ausgenommen, wenn die Mode es erfordert, denn\nzuweilen sind sogar Meisterwerke in der Mode, obgleich\nman sich nicht besinnen würde, einem Künstler gelegent-\nlich eine Aufmerksamkeit zu erweisen, die möglicher\nWeise das Doppelte kostet. Man opfert' der Musik weder\nein Diner, noch den einfachsten Spazirgang; viel weniger\nalso ein Pferderennen oder eine Verhandlung vor den As-\nsisen. Man geht in die Oper, weil sie neu ist, und weil die\nSängerin oder der Tenorist darin auftreten, die gerade an\nder Tagesordnung sind. Man geht in ein Concert, um seine\nNeugierde zu befriedigen, wenn es sich um die Rivalität\nzweier Sängerinnen, um den öffentlichen Kampf zweier\nberühmten Virtuosen bandelt. Dann gilt es aber auch nicht,\nihr Talent zu bewundern, sondern zu erfahren, wer von\nBeiden unterliegen wird; es ist nur eine andere Art von\nKirchthurm-Rennen oder öffentlichem Ringkampf! Man\ngeht allerdings auch sonst wohl ins Theater, um sich vier\nStunden zu langweilen, oder in ein classisches Concert,\num die anstrengende Komödie als Enthusiast zu spielen,\nweil es zum guten Tone gehört, dort seine Loge zu haben,\nund weil die Plätze sehr gesucht und selten sind. Man be-\nsucht überhaupt gewisse erste Aufführungen und zahlt\ndann ohne Besinnen oft übertrieben hohe Eintrittspreise,\nwenn nämlich der Director oder die Autoren an diesem\nAbende eines jener gewagten Spiele spielen, die über ihr\nGeschick, über ihre ganze Zukunft entscheiden sollen. Dann\nist das allgemeine Interesse ungeheuer gross! Man küm-\nmert sich äusserst wenig um das neue Werk und seinen\nWerth: man will nur wissen, ob es durchfällt oder nicht.\nJe nachdem die Umstände ihm günstig sind oder nicht, je\nnachdem der Eindruck für oder wider entscheidet, wobei"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660519-01.1.7", "texte": "jene gebeimnissvollen und unerklärlichen Ursachen oft die\nHauptrolle spielen, welche in solchen Momenten der un-\nbedeutendste Zufall hervorrufen kann, je nachdem ergreift\nman edler Weise die Partei des Stärkeren: tritt den Ge-\nfallenen noch vollends zu Boden, wenn das Werk unter-\nliegt; oder vermehrt den Triumph des Siegers, wenn er\nGlück hat, ohne dabei vom Werke das Geringste verstan-\nden zu haben. Dann mag es noch so heiss oder noch so\nkalt sein, dann kann es stürmen, donnern oder schneien,\ndann mag es hundert Francs oder hundert Sous kosten:\nso etwas muss man sehen! Das ist eine Bataille, oft sogar\neine Execution: dabei muss man gewesen sein!\n„In Frankreich, mein Bester, muss man das Publicum\n„ „in Gang\"\" zu bringen verstehen, wie die Pferde beim\nWettrennen. Das ist eine besondere Kunst! Es gibt hin-\nreissende Künstler, welche das Publicum doch niemals\nfo rtz u r ei ssen verstanden, und wieder Andere von der\ngewöhnlichsten Mittelsorte, die es unwiderstehlich herum-\nzureissen wissen. Glücklich die, welche beide Eigen-\nschaften in seltener Vereinigung besitzen! Und dennoch\nfinden selbst die aussergewöhnlichsten Erscheinungen die-\nser Art zuweilen ihre Meister in den phlegmatischen Bür-\ngern gewisser Provincialstädte mit antediluvianischen Ge-\nwohnheiten, die einen ewigen Schlaf schlafen, aus dem\nnichts sie erwecken kann, oder die aus Indifferentismus\nfür jede Kunst der Oekonomie bis zum Fanatismus erge-\nben sind!\n„Ich begegnete einmal einem unserer ersten Pianisten,\nder sehr enttäuscht aus einer Hafenstadt zurückkehrte, wo\ner sich wollte hören lassen.— „„Es war rein unmöglich,\ndort ein Concert zu veranstalten,\"\" sagte er ganz ernsthaft\nzu mir, „„die Häringe waren gerade im Anzüge,\nund die ganze Stadt dachte nur an den Häringsfang.\"\"\n„Sie sehen, mein Bester, dass das „ „in Gang bringen\"\"\nkeine leichte Aufgabe ist, besonders in Städten zweiten\nRanges. Nachdem ich aber den Musiksinn des grossen\nPublicums einer so scharfen Kritik unterworfen habe, müs-\nsen Sie nun auch erfahren, wie viele Tölpel, vom höchsten\nSopran bis zum tiefsten Bass, von der Pickelflöte bis zum\nBombardon, das arme Publicum unablässig quälen, über-\nlaufen, bestürmen und auf die schamloseste Weise zu\nübertölpeln suchen. Da gibt es keinen noch so elenden\nGuitarren-Kratzer, keinen noch so plumpen Clavier-Pau-\nker, keinen noch so fade girrenden Jodler, der nicht durch\nConcertgeben Ruhm und Geld verdienen möchte. In Paris\nhat einmal sogar Einer ein Concert auf der Maultrom-\nmel gegeben. ...\n„Daher auch die wahrhaft bemitieidenswerthen Quä-\nlereien, denen alle ausgesetzt sind, die nur irgend ein Haus\nmachen. Jeder Virtuose hat nämlich seine Gönner, die man\nBillet-Aufdringer nennen sollte; diese Schutzpatrone\nsind wie die Wespen—man kann sich ihrer kaum erweh-\nren; und ihr Stich ist äusserst empfindlich. Da gibt es kei-\nnen nur erdenklichen Vorwand, keinen diplomatischen\nKniff, den sie verschmähten, sobald es gilt, den armen rei-\nchen Leuten ein Dutzend jener entsetzlichen viereckigen\nPapiere aufzudringen, die man Concert-Billets nennt. Und\nwenn nun vollends eine hübsche junge Frau diese grau-\nsame Manie hat, dann muss man sehen, mit welch bar-\nbarischem Despotismus sie die alten und jungen Männer\nin Contribution setzt, die das Glück haben, ihr in den\nWeg zu kommen.\n„Ich kenne Leute, die während der Monate Februar\nund März, wo diese Geissei alljährlich am grausamsten\nüber Paris geschwungen wird, sich wohl hüten, die Salons\nauch nur mit einem Fusse zu betreten, um nicht ganz und\ngar ausgeplündert zu werden. Ich will hier nicht von der\nbedrohlichen Reihenfolge der allerbekanntesten und unver-\nmeidlichsten Concerte sprechen; die unglücklichen Recen-\nsenten müssen sie alle ohne Erbarmen aushalten: doch\nwürde es zu weit führen, wenn ich auch ihre Drangsale\nschildern wollte. Seit Kurzem leiden übrigens die Recen-\nsenten nicht allein darunter. Gegenwärtig glaubt aber jeder\n„ „Künstler\"\" —sei er nun Virtuose auf der Maultrommel,\noder auf was sonst —, der (nach dem Kunst-Ausdruck) Paris\n„„gemacht\"\", d. h. dort ein Concert gegeben bat, auch\n„ „reisen\"\" zu müssen, und peinigt zu diesem Zwecke alle\nanständigen Menschen seiner Bekanntschaft, die nicht klug\ngenug waren, ihre Verbindungen mit dem Auslande sorg-\nfältigst zu verhehlen. Er muss von ihnen „„Empfehlungs-\nbriefe\"\" herauspressen; er muss sie dahin zu bringen su-\nchen, an irgend einen unschuldigen Banquier, an irgend\neinen liebenswürdigen Gesandten, oder an einige wohlha-\nbende Kunstfreunde die wichtige Nachricht zu schreiben,\ndass Fräulein C*** in Kopenhagen oder Amsterdam Con-\ncerte geben will; dass sie ein seltenes Talent besitzt, und\ndass man sie doch nach Kräften aufmuntern d. h. ihr\nmöglichst viele Billets abnehmen möchte. Solche erpresste\nEmpfehlungen erzielen aber gewöhnlich die elendesten\nResultate für alle Welt, besonders aber für die recom-\nmandirten Virtuosen selbst*).\"\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nIn Darmstadt hat sich diesen Winter Frau Peschka-Leut-\nner im Hoftheater die Gunst des Publicums in hohem Grade er-\nworben. Ihre Stimme ist ein hoher Sopran mit ausgebildeter Colo-\n\n*) Wir empfehlen hierbei die recht gute deutsche Uebersetzung\nvon Berlioz' Gesammelten Schriften von Richard Pohl,\nLeipzig, bei Gust. Heinze. 1863 und 1864."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "160", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660519-01.1.8", "texte": "raturfähigkeit. Seit ihrem ersten Auftreten am 8. September v. J.\nals Lucia sang sie am 15. April zum 53. Male, und zwar in 22\nverschiedenen Partieen* In allen erfreute sie sich der ehrenvollsten\nAnerkennung und des lebhaftesten Beifalls. Sie sang die Königin in\nden „Hugenotten\", die Prinzessin in „Robert\", Dinorah, Violetta,\nSusanna, Martha, Donna Elvira, Bertha im „Propheten\", Leonore\nim „Troubadour\" und in nCosl fan tutte\", Katharina, Ines, Prin-\nzessin in der „Jüdin\", Madeleine, Elvira in der „Stummen\", Kö-\nnigin der Nacht, „Weisse Dame\", „Regimentstochter\", „Lorelei\"\n(von Mendelssohn).\nHerr Capellmeister J. J. Bott in Hannover hat vor einigen\nTagen das Decret seiner lebenslänglichen Anstellung erhalten.\nMan schreibt aus Hamburg: „Ein Directionswechsel im Stadt-\ntheater hat in diesen Tagen das Publicum überrascht, obwohl das\nBevorstehen einer Krisis kein Geheimniss mehr war. Nachdem eine\nEinigung zwischen den Directoren Hermann und Reichardt nicht\nerzielt worden, liess Hermann sich gegen eine von Reichardt zu\nzahlende Abstandssumme von 10,000 Mark bewegen, auf seine noch\ndrei Jahre laufende Concession zu verzichten und die Uebertragung\nderselben an Reichardt zu beantragen. Der Senat hat am Freitag\ndie Concession ertheilt und die artistische Leitung des seinem\nUmfange nach ersten hamburgischen Kunst-Instituts dem durch\nsein Wirken während des verflossenen Winters sattsam bekannten\nRegisseur Wohlstadt übergeben. Zugleich hat der Senat bewilligt,\ndass wöchentlich nur fünf Vorstellungen Statt zu finden brauchen,\nwas zur Schonung der Gesangs- und Orchesterkräfte nothwendig\nwird, da der neue Bühnenlenker das Schauspiel gänzlich abzuschaf-\nfen gedenkt. (?!)\nW ■eil. An die Stelle des in Ruhestand versetzten und aus\ndiesem Anlasse mit dem Ritterkreuze des Franz-Joseph-Ordens aus-\ngezeichneten Hof-Capellmeisters Herrn Bernhard Randhartin-\nger wurde der bisher überzählige Vice-Hofcapellmeister Herr Jo-\nhann Herbeck zum ersten wirklichen Hof-Capellmeister ernannt.\nBeide Fälle, nämlich sowohl die Pensionirung, wie die Präterirung\ndes seit Langem dienenden Vice-Hofcapellmeisters Preyer, machen,\nals in der Geschichte der k. k. Hofcapelle ohne Präcedens dastehende\nVorgänge, in den musicalischen Kreisen nicht geringes Aufsehen.\nHerr Herbeck., dessen glänzende Carriere übrigens durch seine künst-\nlerischen Verdienste vollkommen gerechtfertigt erscheint, bezieht in\nseiner neuen Stellung an Gehalt und Nebengebühren ungefähr 2000\nFl. per Jahr.\nDer Witwen- und Waisen-Unterstützungs-Verein der Tonkünstler\nWiens, „Haydn\", veröffentlichte den Rechnungs-Abschluss für\ndas fünfundneunzigste Vereinsjahr 1865. Nach demselben ergaben\ndie beiden Akademieen zu Ostern und Weihnachten ein Erträgniss\nvon 2479 Fl. 24 Kr., und nach Abzug aller Auslagen ein reines\nEinkommen von 2357 Fl. 77 Kr. in Baarem, 608,405 Fl. an Obli-\ngationen. An Pensionen wurden 16,6 30 Fl. 25 Kr., an Unter-\nstützungen 235 Fl. 75 Kr. verabfolgt. Die Anzahl der Mitglieder\nbeläuft sich auf 88. Pensionen wurden an 35 Witwen und Waisen\ngezahlt. Nach einem Beschlüsse der General-Versammlung werden\ndie Pensionen für je eine Person von 460 Fl. auf 480 Fl. erhöht.\nProtector des Vereins ist Graf Kuefstein, Vorstand Herr Esser,\nStellvertreter Hellmesberger.\nDer Kaiser von Oesterreich hat dem Herausgeber und Redacteur\nder Blätter für Theater u. s. w., Herrn L. A. Zellner in Wien,\nin Anerkennung seiner Leistungen auf dem Gebiete der Kunst die\ngrosse goldene Verdienst-Medaille für Wissenschaft und Künste zu\nverleihen geruht.\n(Beethoven's Gl a vier.) Das Ciavier Beethoven's befindet\nsich in Klausenburg (Siebenbürgen). Dasselbe ist circa siebenzig\nJahre alt; im Stimmstocke befindet sich das meisterhaft gearbeitete\nWappen (?) und deutlich erkennbare Portrait aus der Jugendzeit\ndes Componisten. Der um das Portrait geschlungene Name „Louis\nv. Beethoven\" lässt vermuthen, dass dieses Ciavier entweder als Ge-\nschenk für ihn oder aber auf eigene Bestellung desselben durch den\ndamaligen Ciaviermacher S. A. Vogel in Pesth angefertigt wurde.\nDas Ciavier wurde laut Aussage noch lebender Zeugen durch Beet-\nhoven in Wien einem seiner Schüler zum Andenken hinterlassen,\nwelcher später in der Eigenschaft eines Musiklehrers nach Ungarn\nzu Fräulein Elise Kallai, nachmaligen Gattin des Dichters Jozsika\nMiklos, kam, welcher auch der Musiklehrer das Ciavier aus Dank-\nbarkeit als theure Reliquie zum Präsente machte. Von hier gelangte\ndas Ciavier nach langem Gebrauche in den Besitz der Familie Pa-\ntaki Daniel in Dees, von da nach Klausenburg zu Pataki Mihaly,\nspäter zum Kaufmanne Akoncz und endlich zum Einsender dieser\nZeilen, welcher nun den dunklen Nebel, der dieses interessante An-\ndenken des Meisters umgab, endlich lichtete. Ueberzeugt, dem ge-\nbildeten Publicum mit dieser Nachricht gedient zu haben, hat der\nBesitzer des Claviers es für entsprechend gehalten, Vorstehendes zur\nallgemeinen Kenntniss zu bringen; gleichzeitg erklärt derselbe, das\nCiavier irgend einer Sammlung bereitwilligst zu überlassen, wo das-\nselbe zum Andenken an Beethoven einen bleibenden Platz erhielte,\nNäheres zu Klausenburg bei Samuel Gyulai, Belso-Farkas-Utsza\nNr. 81, allwo auch das Ciavier in Augenschein genommen werden\nkann. (Z. 81. f. Th.)\nPl'Jtg. Theater-Director Thome hat uns mit Roger in Be-\nkanntschaft gebracht. Bei solchen Künstlern haben selbst die Reste\nnoch immer mehr Werth, als bei manchem jungen Sänger der heu-\ntigen Zeit die Blüthezeit. Roger hat sich schnell zum Manne des\nTages aufgeschwungen und füllt die Häuser. Ein Beweis, welch ma-\ngischen Zauber ein Künstler selbst in seinem letzten Stadium aus-\nzuüben versteht, und das nicht bloss auf den Zuschauer, sondern\nauch auf die Mitwirkenden. Er sang bisher den Edgar, George\nBrown, Johann von Paris und Raoul, obgleich Meyerbeer'sche Musik\neine Vollkraft von Stimme verlangt.\nDer Violin-Virtuose J. Lotto, der auf einer Kunstreise nach\nSchweden begriffen ist und in Kopenhagen mit vielem Beifalle con-\ncertirt hatte, hat vom Könige von Dänemark den Danebrog-Orden\nerhalten."}]}