{"numero_id": "bm-bmtnabi-1866-06-09-01", "volume": "bmtnabi_1866-06-09_01", "ocr_sha256": "2c37bc5e77c7dabe8cae0244b78f042140becc1b5ed737b3e159dab1b7d0149d", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1866/06/09_01/bmtnabi_1866-06-09_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660609-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1866-06-09-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-06-09_01#c001", "volume": "bmtnabi_1866-06-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "177", "page_fin": "177", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660609-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "177", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660609-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 469, "texte": "Inhalt.\nDas 43. Niederrheinische Musikfest. 11. Das Musikfest in Hamburg. Von F. Das Musikfest in Leiden. Theater\nin Köln. Tages- und Unterhaltungsblatt (Berlin, Vermahlung, Verlobung, Aufführung der „Antigone\" Portrait Beethoven's\nStuttgart, Aufführung von Abert's „Astorga\" Dr. Faisst Die Theater Europa's Wien, Theater Florenz, Theater, Preis-Aus-\nschreiben Turin, „Africanerin\" Theater in Pompeji Paris, Concert-Statistik, Ueber das 43. 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Tausch (neu). 2. „Pfingsten\", Gesangstück für\nChor und Orchester von F. Hiller. 3. Clavier-Concert\nin A-moll von Rob. Schumann (Frau Clara Schumann).\n4. Scenen aus der Oper „Armida\" von Gluck. 5. Musik\nzu Racine's „Athalia\" von Felix Mendelssohn-Bar-\ntholdy.\nHerr J. Tausch, der alle Orchestersachen an den\ndrei Tagen dirigirte, hatte eine neue Ouvertüre (in\ndur) zu dem diesjährigen Feste geschrieben und dabei\neinmal wieder sein Talent zur Composition bekundet, wel-\nches er vielleicht zu wenig benutzt, wiewohl man es heut-\nzutage loben muss, wenn ein Musiker sich nicht zu der\nRennbahn drängt, auf welcher ganze Massen nach dem\nZiele jagen und meist darüber hinaus schiessen. Die\nOuvertüre hat nach einer schönen und originellen Einlei-\ntung ein Allegro voll Leben und Frische, dessen Motive\nkeineswegs zu den gewöhnlichen gehören und mit Klar-\nheit und Fluss zu einem Ganzen gearbeitet sind, das be-\nsonders auch durch die abgerundete Form, die man nicht\nerst aus unzähligen Episoden und sich kreuzenden Schling-\nGewächsen von Tönen herausklauben muss, sich vortheil-\nhaft vor den neueren Productionen für Orchester aus-\nzeichnet.\nFerdinand Hiller dirigirte auf Ersuchen des Co-\nmite's sein neuestes Vocalstück „Pfingsten\"*) und wurde\nmit lebhaftem, andauerndem Applaus empfangen. Das\nWerk ist von massigem Umfange und auch desshalb schon\nfür gemischte Concert-Programme eine geeignete Gabe,\ndie bei ihrem inneren Werthe doppelt willkommen sein\nwird. Es besteht aus einem reizenden, durchweg melo-\ndisch-anmulhigen Andante con rnoto, C-dur, 4/4-Tact, auf\ndie Worte: „Durch die Wälder geht ein Rauschen Früh\nam Morgen feierlich\" u. s. w., welches fast die Hälfte der\nPartitur (20 von 45 Seiten) füllt und unserer Ansicht\nnach die gelungenste Partie des Ganzen bildet. Das\nvace, 6/8-Tact: „Pfingsten, Pfingsten ist gekommen, Neues\nLeben Allen blüht\", muss mit genauer Beobachtung der\nNuancen des Ausdrucks gesungen und begleitet werden,\nwas in Düsseldorf nicht immer der Fall war; es läuft sonst\nGefahr, ins Gewöhnliche zu fallen, wiewohl es mehrere\nStellen hat, die in überraschendem Contraste durch einen\nernsten und edlen Charakter in Modulation und Rhyth-\nmus sich weit darüber erheben.\nDass Frau Schumann das Clavier-Concert in A-moll,\neine der besten Compositionen ihres Gatten, in demjeni-\ngen Geiste, den es verlangt, und mit vollendeter Technik\nwiedergab, versteht sich von selbst; der Empfang der gros-\nsen Künstlerin war ein eben so herzlicher als rauschender.\nEs folgten die Scenen aus Gluck's „Armida\".\nDer Opernmusik Zutritt zu den Musikfesten zu ge-\nstatten, trug man in den ersten dreissig Jahren des Be-\nstehens derselben Bedenken. Später gewährte man auch\n\n*) Pfingsten, Gedicht von Immergrün, für Chor und Orche-\nster componirt von Ferd. Hill er. Karl Reinecke zugeeignet. Op.\n119. Leipzig, bei Fr. Kistner. Partitur (2 Thlr.), Clavier-Auszug\n(1 Thlr. 10 Sgr.)."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "178", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660609-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5170, "texte": "der dramatischen Musik Vertretung mit der Beschrän-\nkung, dass nur aus Werken ernster Gattung anerkannt\nclassischer Meister, deren. Aufführung auf den Bühnen\nverschwunden oder selten geworden, und in denen zugleich\nder Chor beschäftigt wäre, eine Auswahl getroffen werde.\nDas erste Beispiel der Art gab Köln im Jahre 1847, wo\ndie Ouvertüre und der zweite Act der „Olympia\" von\nSpontini gegeben wurde. Darauf folgten 1851 in\nAachen Ouvertüre und Scenen aus „Idomeneo\" von Mo-\nzart, 1853 in Köln Scenen aus der „Alceste\" von\nGluck, 1858 eben da aus der „Armida\", 1860 in Düs-\nseldorf aus der „Iphigenie auf Tauris\", 1862 in Köln\naus der „Iphigenie in Aulis\", 1864 in Aachen aus der\n„Iphigenie auf Tauris\" und dann dieses Jahr in Düssel-\ndorf aus der „Armida\".\nUeberall waren die Scenen so gewählt und zusam-\nmengestellt, dass man den Inhalt des Drama's in seinen\nHaupt-Umrissen daraus erkennen konnte. Dieses Mal war\ndieselbe Idee auch wohl leitend gewesen, aber durch das\noben angegebene Ausbleiben der fremden Celebrität\nmusste Alles so verkürzt und gestrichen werden, dass von\neinem irgendwie fassbaren Ganzen nicht mehr die Rede\nsein konnte, und nach der Erklärung des Comite's selbst\n„nur durch das freundliche Entgegenkommen der Damen\nGoldschmidt, von Edelsberg und Rothenberger es möglich\ngeworden, das Programm mit Abkürzungen aufrecht zu\nhalten\". Frau Goldschmidt wählte sich nur die reizende\nPartie der „Najade\", für welche Fräulein Rothenberger\nengagirt war, und diese übernahm die „Armida\", Fräu-\nlein von Edelsberg die „Furie des Hasses\". Dieses Arran-\ngement kam definitiv erst am Sonntag früh zu Stande.\nVon der Partie der Armida konnte also nicht viel beibe-\nhalten werden, da man von keiner Sängerin verlangen\nkann, mit einer solchen Partie unvorbereitet bei einem\nMusikfeste aufzutreten, und es verdient alle Anerkennung,\ndass Fräulein Rothenberger das, was noch davon stehen\nblieb (das Duett mit Hydraot und die Scene mit der Furie\ndes Hasses), so vorzüglich sang. Auch Fräulein vo n Ede 1 s-\nberg trug ihre Partie mit Feuer und mehr dramatischer\nLeidenschaft vor, als wir bisher bei ihr wahrgenommen\nhatten. Auch die Arie des Hydraot (Stockhausen) und die\nerste des Rinaldo (Gunz) blieben weg, weil das Programm\ndes zweiten Tages überhaupt zu lang war; die zweite\nschöne Arie Rinaldo's: „Hehres Wonnegefild!\" sang Herr\nGunz mit besonderem Schmelz und schönem Tragen der\nStimme. Eine Perle war natürlich der überaus liebliche\nGesang der „Najade\" durch den Vortrag von Frau Gold-\nschmidt, der allerdings an den Zauber in den Gärten der\nArmida glauben liess.\nDie zweite Abtheilung des Concertes füllte Mendels-\nsohn's Musik zur „Athalia\" von Racine. Unsere An-\nsicht über diese Composition, deren relativen Werth\nwir übrigens anerkennen, haben wir vor Kurzem in die-\nsen Blättern ausgesprochen*). Die Ausführung war recht\ngut, im Ganzen betrachtet vielleicht die beste am ganzen\nFeste. Die drei Solostimmen wurden von Frau Gold-\nschmidt, Fräulein Daberkow aus Düsseldorf und Frä-\nulein von Edelsberg gesungen; das verbindende Gedicht\nvon Ed. Devrient las Herr Professor Nielo, durch seine\ndramatischen Vorlesungen am Rheine rühmlichst bekannt,\nrecht ausdrucksvoll. Die Tempi wurden auch hier bei eini-\ngen Nummern zu schnell genommen, z. B. in dem Choral:\n„Nur Angst und Weinen, Herr\", dem Chor mit Alt-Solo:\n„Du schweigst, Zion\", und auch bei einigen Sopran-Soli,\nbei welchen die Schnelligkeit dem Stil von eigentümlicher\nFarbe, den Mendelssohn hier mit Recht, Meyerbeer aber,\nwenn er in christliche Hymnologie kommt, mit Unrecht\nanwendet, Eintrag thut. Das hebräisch-nationale Colorit\nist hier an seiner Stelle, wogegen es bei Meyerbeer z. B.\nin Johann's Hymnus vor dem Sturme auf Münster im\n„Propheten\" und in dem Chor der Bischöfe in der „Afri-\ncanerin\" widerlich ist.\nDas Concert des dritten Festtages, dessen Feier vor\n33 Jahren mit einer bescheidenen Matinee unter Mendels-\nsohn's Direction in Düsseldorf (1833) begann, war dieses\nMal zu einem Haupt-Concerte mit einem überreichen und\nfast engländisch überfüllten Programme geworden, denn\nes enthielt eilf Nummern und darunter sechs grössere\nWerke: die sinfonia eroica von Beethoven, ein Con-\ncert für Violine von Spohr, den zweiten Theil von „Pa-\nradies und Peri\" von Schumann, Fest-Ouverture von\nJ. Rietz, Concert für Violoncell von Molique, Doppel-\nchor von J. S. Bach. Dazwischen noch fünf Sologesang-\nVorträge!— Dass wir aus inneren Gründen nicht wünschen\nkönnen, dass dem dritten Concerte eine solche Ausdeh-\nnung gegeben werde, haben wir im ersten Artikel schon\ngesagt. Aber auch ein äusserer Grund spricht dagegen.\nWird nämlich das dritte Concert, welches durch die Vir-\ntuosen-Vorträge schon immer einen grossen Reiz für den\nBesuch der Menge hatte, auch mit Aufführungen grosser\nWerke, die in die beiden Haupttage gehören, ausgestat-\ntet, so wird die Theilnahme an den beiden ersten Tagen\ndarunter leiden, weil die Besucher dann am dritten Tage,\nder bisher als eine Zugabe galt, alles, wesshalb man zu\neinem Musikfeste kommt, hören können, grosse Chöre\nund grosse Orchestersachen, und dabei die Würze der\nSolo-Vorträge noch als lockende Zukost bekommen. Man\n\n*) S. Nr. 21 vom 26. Mai d. J."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "179", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660609-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3356, "texte": "hüte sich also, den dritten Tag zu dem anziehendsten für\ndie Masse der Dilettanten zu machen und dadurch die\nkünstlerische Bedeutung namentlich des zweiten Tages\nabzuschwächen.\nEs war zu bedauern, dass unter diesen Verhältnissen\ndie herrliche Eroicalitt, indem die Mängel der Ausfüh-\nrung nicht bloss für die höhere Kritik, sondern auch selbst\nfür die ganze Zuhörerschaft hörbar wurden, da nicht ein-\nmal das Abspielen der Noten überall correct war, ge-\nschweige denn Schwung, Feuer, Charakteristik und Fein-\nheit des Ausdrucks künstlerischen Ansprüchen gerecht\nwurden. Wir erinnerten uns dabei an einen Brief Schind-\nlers, den er uns nach Lesung unserer Aufsätze „Ueber\nden Vortrag der Eroica\"*) schrieb. Schon mit der\nAnrede: „Verehrter Danaiden-Chef!\" deutete er seine\nAnsicht über die Vergeblichkeit unserer ästhetischen Be-\nmühungen, die er einer Danaiden-Arbeit verglich, an und\nbricht am Ende in den Ausruf aus: „Aber wo wollen Sie\ndenn ein Orchester hernehmen, das Ihren jedem Pünkt-\nchen Beethoven's abgelauschten Vorschriften, z. B. dem\nverschiedenen Ausdruck des Thema'sdes ersten Allegro,\ngerecht werde, welches 23 Mal ganz und 43 Mal, wie Sie\nnachweisen, in seinem Haupt-Motive vorkommt? Und\nglauben Sie denn, dass die Herren Capellmeister derglei-\nchen Aufsätze überhaupt lesen? und wenn Einer es liest,\nso wird er sagen: „„Bei meinem Orchester versteht sich\ndas alles von selbst, es kann diese Sinfonie auswendig,\nwie ich selbst.\"\"\nDie schon öfter, aber stets gern gehörte Concert-\nOuv erture von Rietz ging vortrefflich. Auch dem zwei-\nten Theile von „Paradies und Peri\" von Schumann\nwurde besonders durch die Solisten Frau Goldschmidt,\nFrau Flintsch-d'Orville aus Leipzig, welche aus der\nReihe der Zuhörerinnen trat und die grosse Gefälligkeit\nhatte, die zweite Sopranstimme zu übernehmen, Fräulein\nvon Edelsberg und Herrn Gunz (Herr Stockhausen\nwar nur bei dem kurzen, aber sehr schönen Quartette\nbetheiligt) eine gute Ausführung zu Theil. Von Schu-\nmann's Compositionen sind auf den niederrheinischen Mu-\nsikfesten seit 1853 aufgeführt worden: Sinfonie in\n(1853), „Paradies und Peri\" (Jenny Lind-—1855), Ad-\nventlied (1856), alle drei in Düsseldorf; „Des Sängers\nFluch\" (1857, Aachen); Sinfonie in B-dur (1860, Düs-\nseldorf); Scenen aus „Faust\", dritte Abtheilung (1865,\nKöln).\nFrau Goldschmidt erregte durch die Arie mit obli-\ngater Flöte in D-duraus Händel's\nden Jubel des entzückten Publicums; die Flöte hatte ne-\nben ibr einen schweren Stand und klang sehr trocken ge-\ngen den Gesang. Herr Gunz sang die zweite Arie des\nBelmonte von Mozart sehr schön, eben so Herr Stock-\nhausen „Die Löwenbraut\", beide i Marinari von Ros-\nsini; letzteres Stück mussten sie wiederholen. Es war zu\nbedauern, dass Fräulein von Edelsberg eine so fade\nComposition wie die Arie aus Benedict's Oper: „Die Bräute\nvon Venedig\", gewählt hatte. Einen Sturm von Applaus\nrief der ganz vortreffliche Vortrag des Concertes von Spohr\ndurch Herrn Leopold Auer hervor, und auch Herr\nJul. de Sweert erwarb, trotz der ungünstigen Stellung\nseiner Nummer fast am Ende eines so langen Programms,\ndurch schönen Ton auf dem Violoncell und grosse tech-\nnische Fertigkeit verdienten Beifall. Die Aufführung des\nprächtigen Doppelchors von J. S. Bach beschloss auf eine\nwürdige Weise das Fest.\n\n*) Niederrheinische Musik-Zeitung, Jahrgang 1862, in\nden Nummern 33, 34, 35 und 36."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-06-09-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-06-09_01#c003", "volume": "bmtnabi_1866-06-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "179", "page_fin": "182", "image_debut": 3, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660609-01.2.3", "titre_corps": "Das Musikfest in Hamburg.", "titre_sommaire": "Das Musikfest in Hamburg.", "signature_source": "F", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "179", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660609-01.1.3", "debut_caractere": 3358, "fin_caractere_exclue": 4912, "texte": "Das Musikfest in Hamburg.\n\nDas Musikfest in Hamburg begann am ersten Tage,\nden 29. Mai, mit der Aufführung des „Messias\" von\nHändel in der grossen St. Michaeliskirche, Abends\nUhr.\nDass die Michaeliskirche, deren Räume für 4000\nZuhörer Platz bieten, nur etwa zur Hälfte gefüllt war,\ndas hatte der Druck einer Gegenwart zu verantworten,\ndie wie ein hiesiges Blatt sagt mit den schwersten\nSorgen nicht bloss auf den Gemüthern der Gewerbswelt\nlastet. Indess steigerte sich die Theilnahme des Publicums\nvon nah und fern mit jedem Festtage, da die Aufführung\ndes „Messias\" die Vorzüge einer seltenen Vereinigung von\nausgezeichneten musicalischen Kräften in helles Licht\nstellte. Diese Aufführung war im Ganzen recht schön.\nDer Chor, aus den Chören der verschiedenen hiesigen\nAkademieen gebildet, entwickelte in allen Stimmen einen\nvollen, schönen Klang, der bei grosser Reinheit der Into-\nnation und Sicherheit eine herrliche Wirkung machte.\nDazu kam ein vortreffliches Orchester, die Saiten-Instru-\nmente in verhältnissmässiger Anzahl zu neun Contrabässen,\nund eine prachtvolle Orgel, gespielt von Musik-Director\nFranz Weber aus Köln, ein 32füssiges Werk mit 80\nRegisterzügen. Es ist doch etwas Herrliches und Gross-\nartiges um die Aufführung eines Oratoriums in einer\nKirche, und zumal in einer solchen, wie die Michaeliskirche,\nderen akustische Verhältnisse so erstaunlich günstig sind,\ndass man an jedem Platze auch in den entlegensten Räu-\nmen jeden Ton noch im leisesten piano deutlich vernimmt.\nUeber das Einzelne der Ausführung unter Goldschmidt's\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "180", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660609-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5220, "texte": "4\nLeitung und über die Leistungen der Solisten brauche\nich Ihnen nichts zu sagen, da in dieser Hinsicht ungefähr\nAlles so wie neulich in Düsseldorf war. Auch die Ein-\nrichtung des Oratoriums war dieselbe bis auf die Auf-\nnahme des Chors Nr. 7 in Gim ersten Theile und\ndie Auslassung der letzten Sopran-Arie Nr. 51 in\n„Ist Gott für uns\" u. s. w., deren Vortrag eine der wun-\nderbarsten Leistungen der Frau Goldschmidt in Düssel-\ndorf war. Frau Goldschmidt hatte aber, da Fräulein\nTb erese Schneider von Berlin wegen Krankheit abgesagt,\ndie ganze übrige Sopran-Partie übernommen. Die Herren\nGunz und Stockhausen haben Sie ebenfalls dort ge-\nhört, doch hatten die Stimmen Beider in der Kirche einen\nnoch schöneren Klang. Nur die Partie des Alt war hier\nanders besetzt, oämüch durch Fräulein Caroline Bet-\ntel heim aus Wien. Sie ist im Besitze einer sehr schönen,\nvollen und wohllautenden Stimme, mit welcher sie noch\nmehr wirken würde, wenn der Ausdruck mehr Wärme\nhätte.\nDas zweite Fest-Concert fand am 31. Mai im Sage-\nbiel'schen Saale Abends 7 Uhr Statt. Es ist dies ein neu\ngebauter, geräumiger und schöner Saal, welcher im un-\nteren Räume bequem 13 —l4OO Zuhörer fasst. Die Ga-\nlerieen sind in derselben Art angebracht, wie in der neuen\nTonhalle zu Düsseldorf, und können ebenfalls 12 1300\nMenschen fassen. Das Orchester ist so wie in Exeter Hall\nzu London gebaut, das heisst gehörig steil ansteigend, so\ndass hier wie dort der Dirigent, obwohl auf der untersten\nStufe auf einer kleinen Erhöhung stehend, bequem von\nallen Mitwirkenden gesehen werden kann. Auch dieser\nSaal hat eine vortreffliche Akustik, so dass sowohl der\nGesang als das Orchester ausgezeichnet klangen, die Sai-\nten Instrumente namentlich sehr voll und gleichmässig.\nDas Programm brachte die „Cäcilien-Ode\" von\nHändel, die Furien-Scene aus Gluck's „Orpheus\"\nund Beethoven's neunte Sinfonie die Cäcilien-Ode\nvon Herrn Goldschmidt, die beiden anderen Auffüh-\nrungen von Herrn Julius Stockhausen dirigirt.\nDie Cäcilien-Ode ist am Rheine durch die Aufführung\nam Musikfeste 1863 zu Düsseldorf bekannt, wo ebenfalls,\nwie jetzt hier, Frau Goldschmidt und Herr Gunz die\nSoli sangen*). Eine Perle im Kranze der vielen schönen\nVorträge war die Sopran-Arie Nr. 4 in mit Violon-\ncell-Solo und obligater Orgel, von Frau Goldschmidt\nmit dem ihr allein eigenen Zauber gesungen, von Herrn\nWeber auf der Orgel und Herrn Lindner aus der Hof-\nCapelle von Hannover auf dem Violoncell begleitet, einem\nVereine, durch welchen auch die leiseste Intention des\nCoroponisten und der Trägerin der Hauptstimme auf echt\nkünstlerische Weise zur schönsten Geltung kam. Herr\nLindner bewährte sich durch vorzüglich schönen Ton,\nReinheit des Spiels und gefühlvollen Ausdruck als einen\nausgezeichneten Künstler. Die Orgel im Sagebiel'schen\nSaale ist nur ein kleines Werk von acht Stimmen vom\nOrgelbauer Wolfsteller; sie ist aber weich und wohlklin-\ngend intonirt. Herr Dr. Gunz war ganz vorzüglich bei\nStimme und sang die Tenor-Partie vortrefflich und mit\ncharakteristischem Vortrage. Von den Solo-Instrumenten\nverdienen noch die Violine, die Flöte und die Trompete\nrühmliche Erwähnung.\nIn der Scene aus Gluck's „Orpheus\" hatte Fräulein\nBettelheim Gelegenheit, die Vorzüge ihrer schönen\nStimme zu entfalten, welche denn auch für das, was der\nVortrag an Charakter zu wünschen übrig lässt_, zum Theil\nentschädigt.\nIn der neunten Sinfonie zeigte sich vollends das\nOrchester in seinem ganzen Glänze, an der Spitze der Vio-\nlinen die Herren von Königslöw aus Köln und Böie\naus Altona, bei den Contrabässen Müller aus Darmstadt,\nBreuer aus Köln, alle Holz-Blasinstrumente gut, Horn\nund Trompete vorzüglich, wie auch die Pauken. Der Chor\nbewährte sich vortrefflich; die Solostimmen waren durch\nFräulein Mandl von hier, Fräulein Bettelheim, die\nHerren Gunz und Stägemann aus Hannover gut ver-\ntreten. Fräulein Mandl hat eine schöne, leicht ansprechende\nSopranstimme. Stockhausen dirigirte die Aufführung,\nwelche von tüchtigen, gut geleiteten Studien in der Instru-\nmental- und Vocal-Partie Zeugniss gab und im Allgemei-\nnen eine lobenswerthe und schwungvolle war, wobei\nStockhausen sein Talent zum Dirigiren und Zusammen-\nhalten von Massen bekundete. Im Einzelnen jedoch konn-\nten sich Viele nicht mit Allem einverstanden erklären, zu\ndenen Ihr Correspondent ebenfalls gehört, der so, wie Sie\nselbst, kein Anhänger der individuellen Auffassung classi-\nscher Werke ist und Ihrem Grundsatze, dass es für alle\nMusikstücke nur ein richtiges Tempo und nur eine rich-\ntige Vortragsweise gibt, beistimmt,.wenngleich die Auf-\nfassung derselben aus dem Geiste und der Form der Com-\nposition nicht immer gleich auf der Hand liegt, auch hier,\nwie überall, errare humanuni est, und eine Demonstratio\nad ocubs bei so rein geistigen Dingen nicht möglich ist.\nSo erschien uns das Tempo des 3/4-Tact,\nim Scherzo als zu schnell genommen, so dass für das\nPresto, 4/4-Tact, kaum eine Steigerung übrig blieb und\nder Satz auch einige Male im präcisen Tacte schwankte.\nIm Adagio trat hingegen durch das zu langsame Tempo\n\n*) Vergleiche den Festbericht im Jahrgang 1863, Nr. 24\ndieser Zeitung, woselbst auch über die Einrichtung der Partitur\ndurch Herrn Goldschmidt ausführliche Notizen gegeben sind.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "181", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660609-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5315, "texte": "der Mittelsatz Andante modera3/4-Tact, gegen das\nAdagio molto e cantabile,4/4-Tact, nicht markirt genug\nhervor. Am auffallendsten war aber allen Musikern das\nTempo der Becitative der Bässe in der Einleitung zum\nFinale. Stockhausen liess sie in dem (der ersten\nacht Tacte) spielen und rechtfertigte in der Probe dieses\ngegen alle Tradition anstürmende Tempo dadurch, dass\ner als Sänger diese Becitative so und nicht anders auf-\nfassen müsse u. s. w. Im Orchester meinten nun Viele,\ngerade der Sänger müsse am besten wissen, was Recita-\ntivo zu bedeuten habe, nämlich einen declamatorischen\nVortrag, der eben sowohl mitten in ein Presto, als in ein\nAdagio fallen könne und dennoch seinen eigenen Gang\nfesthalte; allein da die Redefreiheit glücklicher Weise noch\nnicht in den Orchestern eingeführt ist, und wir auch,\nebenfalls glücklicher Weise, noch nicht so weit gekommen\nsind, dass jeder Instrumentalist im Orchester seiner eige-\nnen Auffassung im Vortrage eines Solo's folgen dürfe, wie\neinmal ein Koryphäe der neuesten Schule behauptete, so\nwurden die Recitative presto gespielt. Was ist Ihre Mei-\nnung darüber?*)\nAm dritten Festtage, Freitag den 1. Juni, fand das\nletzte Concert wieder im Sagebiel'schen Saale Abends\n67a Uhr Statt.\nDas Programm brachte von grösseren Werken die\nOuvertüren zum „Freischütz\" von Weber und „Die\nschöne Melusine\" von Mendelssohn, den zweiten Theil\nvon Schumann's „Paradies und Peri\", Violin-Concert\nvon Viotti und Sologesang-Vorträge der Damen Gold-\nschmidt und Bettelheim und des Herrn Stäge-\nmann.\nDie Ouvertüre zum „Freischütz\" bereitete dem An-\ndenken C. M. von Weber's einen wahren Triumph: nach\nder trefflichen Ausführung (bei welcher nur im vor\nder zweiten Fermate eine Trompete aus Versehen einen\nTact zu früh in den aufsteigenden Lauf der Violinen ein-\nsetzte) wurde die Wiederholung stürmisch verlangt, mit\nBegeisterung ausgeführt und mit Jubel aufgenommen.\nDas Violin-Concert von Viotti trug Joachim so schön\nvor, wie ich ihn fast nie habe spielen hören; namentlich\ndas Adagio war ein wundervoller Gesang und die einge-\nlegten Cadenzen prächtig. Da auch die Begleitung durch\ndas Orchester vortrefflich war, so gab das Ganze einen\nseltenen Kunstgenuss edelster Gattung.\nin Schumann's „Paradies und Peri\" sangen Frau\nGoldschmidt, Fräulein Mandl, Fräulein Bettelheim, die\nHerren Dr. Gunz, Stägemann und Stockhausen die Soli.\nIm Orchester kamen trotz der vielen Wiederholungen in\nder Probe dennoch in den Blas-Instrumenten einige starke\nVerseben vor. Ueber die Kunst, zweckmässig zu probiren,\nohne Zeitverlust, mit augenblicklich klarer Angabe des\nFehlers und der Art der Verbesserung, ohne das Orchester\nzu langweilen und dadurch eher Nachlässigkeit als gestei-\ngerte Aufmerksamkeit zu veranlassen u. s. w., über diese\njedem Dirigenten sehr nothwendige Kunst müsste ein\nBuch geschrieben aber auch gelesen werden! Men-\ndelssohn's „Melusine\" wurde recht gut ausgeführt, aber\nnicht da capoverlangt.\nVon den Sologesängen liess der Vortrag von Mo-\nzart's Sopran-Arie mit obligater Violine (aus der Oper\nII R'e pastore)durch Frau Goldschmidt und Joachim\nnicht nur alles Andere an diesem Feste, sondern alles, was\nman je in dieser Gattung gehört hat, weit hinter sich zu-\nrück. Dieses Ineinander-Verschmelzen der Stimme und des\nTones der Saiten, diese Poesie des Ausdrucks in beiden\nwürde Mozart selbst entzückt haben, wenn er es gehört\nhätte.\nDen Schluss des Concertes machte eine Wiederho-\nlung des Händel'schen „Halleluja\", das mit Begeisterung\nvom Chor und sämmtlichen Solo-Sängerinnen und Sängern\ngesungen wurde und in Einem Tonerguss mit dem Or-\nchester ein Prachtstück bildete, das dem Feste den Stem-\npel eines echt künstlerischen Festes aufdrückte. Wir kön-\nnen nicht umhin, hier noch einmal auf die vortreffliche\nAusführung der Chöre im „Messias\" zurückzukommen,\nwobei sich evident herausstellte, was die Studien eines\nGesangvereins, wie die Akademie von Stockhausen, den\nein Sänger leitet, für einen Werth und Erfolg haben.\nWie anders würden die Leistungen selbst guter Sing-\nvereine ausfallen, wenn ihre Dirigenten mehr von der\nTechnik des Gesanges verständen, die für den Chorgesang\nin Bezug auf Athemholen, Tonansatz u. s. w. eben so\nwichtig ist, als für den Sologesang.\n\n*) Ich werde bald Gelegenheit haben, über den Vortrag der\nneunten Sinfonie überhaupt das auszusprechen, was ich aus\nhäufigem Anhören derselben unter tüchtigen Dirigenten und aus\neigenen Studien geschöpft habe. Für jetzt in Betreff der Recitative\nnur so viel, dass in der Ueberschrift Beethoven's: „Selon le carac-\ntere d?un Becitative mais in Tempodie zwei letzten Worte\nnicht bedeuten: in istesso tempo, sondern sich nur auf die rhyth-\nmische Beschränkung des sonst im Tacte ganz freien Recitativs be-\nziehen; ferner, dass bei der Wiederkehr der Recitative zwar S. 98\nder Partitur Tempo primo steht, allein die letzten Tacte des Reci-\ntativs mit poco Adagio bezeichnet sind, welches als Ritardando aus\neinem Presto auffallend wäre, und dass über die zwei folgenden\nWiederkehren S. 99 und 100 Tempo primo Allegro von Beetho-\nven geschrieben worden ist, und zwar S. 100 sogar nach den vier\nTacten des vorhergehenden Allegro assai, als sicherer Beweis, dass\ner das Recitativ im Gegensatze zu dem assai bloss allegro, also\nlangsamer haben wollte, als allegro assai, geschweige denn als\npresto. L» B*"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "182", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660609-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 602, "texte": "Nach dem Schlüsse improvisirte Concert-Director\nStockhausen im Nebensaale nicht eine Liedertafel, aber\neine Erfrischungs-Composition, die an schnell zusammen\ngerückten und mit kalter Küche und Weinflaschen wohl\nbesetzten Tafeln von sämmtlichen Künstlern ohne Probe\nsehr präcis ausgeführt und mit einer Reihe von Denk-\nsprüchen als verbindenden Gedichten in der heitersten\nStimmung ob des gelungenen Festes durchflochten wurde.\nDas eigentliche Festmahl fand um 11 Uhr Abends im\nHotel Victoria Statt und beschloss das schöne Fest, das\nauch vom Wetter vorzüglich begünstigt wurde, in fröh-\nlicher Weise*)."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "182", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660609-01.1.6", "debut_caractere": 4725, "fin_caractere_exclue": 4727, "texte": "F."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-06-09-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-06-09_01#c004", "volume": "bmtnabi_1866-06-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "182", "page_fin": "182", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660609-01.2.4", "titre_corps": "Das Musikfest in Leiden.", "titre_sommaire": "Das Musikfest in Leiden.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "182", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660609-01.1.6", "debut_caractere": 604, "fin_caractere_exclue": 3499, "texte": "Das Musikfest in Leiden.\nInmitten des Chaos von politischen und financiellen\nWirren und Bekümmernissen ist es dem Muthe des Co-\nmite's für das Musikfest des Leiden'sehen Gesang-\nvereins gelungen, dasselbe an den Tagen des 24. und\n25. Mai mit Erfolg zu feiern. Das Fest besteht seit 1862\nals ein zweijähriges; wie damals und 1864 war auch die-\nses Mal die Hochländische Kirche zum Tempel der Kunst\neingerichtet, eine Concession der Geistlichkeit, die nicht\neben allgemein in Holland ist. Eines der prächtigen Tran-\nsepte war sehr zweckmässig für die musicalischen Auf-\nführungen eingerichtet, und der Klang ist ganz vorzüg-\nlich. Die Musik-Zeitung „Caespendet daher mit\nRecht dem Kirchenvorstande Lob, der da mit Lutber's\nWorten einstimme: „Auch dass ich nicht der Meinung\nbin, dass durch's Evangelium sollten alle Künste zu Bo-\nden geschlagen werden und vergehen, wie etzliche Aber-\nistliche vorgeben, sondern ich wollt alle Künste, sonder-\nlich die Musica, gern sehen im Dienst des, der sie geben\nund geschaffen hat. Bitte derhalb, ein jeglicher fromme\nChrist wolle solches ihm gefallen lassen, und wo ihm Gott\nmehr oder desgleichen verleihet, helfen fördern.\"**)\nDer erste Tag, der 24. Mai, war für die Auffüh-\nrung von Mend elssoh n's Oratorium „Paulus\" bestimmt.\nAm zweiten wurden gegeben: 1. Der hundertste Psalm\nvon Händel, in Holland noch selten aufgeführt. 2. Alt-\nArie mit Chor: „0 hör' mein Flehen\" aus „Samson\" von\nHändel. 3. Beethove n's 4. „Lenz\nund Sommer\" aus J. Haydn's „Jahreszeiten\". 5. Das\n„Halleluja\" aus Händel's „Messias\".—Die Sologesänge\nwaren den Damen Frau Offermans van Hove aus dem\nHaag, Fräulein Schreck aus Bonn, den Herren Schnei-\nder aus Rotterdam und Behr aus Köln anvertraut; Herr\nHill von Frankfurt, der ebenfalls eingeladen war, hatte\n„wegen der Kriegsbereitschaft\" keinen Urlaub bekommen.\nDer Chor bestand aus 60 Sopran-, 50 Altstimmen,\n45 Tenören und 65 Bässen; das Orchester aus 24 Vio-\nlinen, 6 Bratschen, 8 Violoncellen und 6 Contrabässen;\nferner 2 Flöten, 3 Oboen, 2 Clarinetten, 2 Fagotten, 4\nHörnern, 2 Trompeten, 3 Posaunen, Ophicleide und\nPauken. Das Textbuch enthielt ein lesenswerthes Vor-\nwort, den deutschen Text der Gesangwerke mit holländi-\nscher Uebersetzung gegenüber und das Verzeichniss der\nMitwirkenden. Die Leitung des Ganzen war in den Hän-\nden des Herrn Musik-Directors A. J. Wetrens aus Lei-\nden, dessen Bemühungen dieses Musikfest in einer Stadt\nvon nur 40,000 Einwohnern hauptsächlich sein Entstehen\nund seine gelungene Ausführung verdankt. Die Zahl der\nZuhörer konnte man ungefähr auf 2000 schätzen.\n(Schluss folgt.)\n*) Die uns mitgetheilte Uebersicht der ganzen musicalisehen\nWinterzeit in Hamburg heissen wir mit Dank willkommen und\nwerden sie in den nächsten Nummern dieser Zeitung benützen.\nDie Kedaction.\n**) Geistliches Gesangbüchlein, erstlich zu Wittenberg,\nund folgend durch Peter SchöfFern gedruckt im Jahre 1525. Vorwort."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-06-09-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-06-09_01#c005", "volume": "bmtnabi_1866-06-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "182", "page_fin": "183", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660609-01.2.5", "titre_corps": "Theater in Köln", "titre_sommaire": "Theater in Köln", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "182", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660609-01.1.6", "debut_caractere": 3501, "fin_caractere_exclue": 4723, "texte": "Theater in Köln\nUnter der Direction von M. Ernst wurden vom 1.\nJanuar bis 16. Mai 1866 folgende Opern-Vorstellungen\ngegeben:\nDas Nachtlager von Granada. Czaar und Zimmer-\nmann. Fidelio. Don Juan. Die Africanerin (27 Mal). Fra\nDiavolo. Die Stumme von Portici. Zum Benefiz des Herrn\nBehr (neu einstudirt): Jobann von Paris. Zum ersten Male:\nDer vierjährige Posten, komische Operette in einem Acte\nvon Th. Körner, Musik von Isidor Seiss. Undine. Die\nRegimentstochter. Zum Benefiz des Orchesterfonds: Das\nLied von der Glocke (mit Tableaux); Johann von Paris.\nDie lustigen Weiber von Nicolai. Die weisse Dame (zwei\nMal, Roger). Ouvertüre zu Tannhäuser; Der Erlkönig\n(Roger); Pas de deux;Ouvertüre zu Oberon; Finale\ndes 11. und 111. Actes aus Lucia von Lammermoor (Ro-\nger); IV. Act von Die Hugenotten (Roger). Neu einstu-\ndirt: Der Nordstern. Don Juan. Figaro's Hochzeit. Fi-\ndelio (Frau Dustmann-Meyer). Neu einstudirt: Iphi-\ngenia in Tauris (Frau Dustmann-Meyer). Norma\n(Fräulein Tietjens). Johann von Paris. Der Nordstern.\nDer Wasserträger. Die Hugenotten (Fräulein Tietjens).\nDon Juan (Fräulein Tietjens und Fräulein Kruls). Frei-\nschütz. Preciosa. Fidelio (Fräulein Tietjens und Fräulein\n.\n\n*) Vgl. Nr. 2 dieses Jahrgangs."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "183", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660609-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1322, "texte": "Sabatzky). Zum Benefiz des Herrn Schelper: Der Trou-\nbadour (Fräulein Langlois). Faust und Margarethe (Fräu-\nlein Tietjens und Fräulein Kruls). Czaar und Zimmer-\nmann (Herr Fritsöh). Die Zauberflöte. Das Nachtlager\nvon Granada. Dießegimentstochter (Frau Jauner-Kral).\nDes Teufels Antheil (zwei Mal, Frau Jauner-Kral).\nDon Juan. Die Verlobung bei der Laterne (Herr und Frau\nJauner). Der Schauspiel-Director (Herr und Frau Jau-\nner). Faust und Margarethe (Frau Jauner-Kral). Ein\nSommernachtstraum (zwei Mal). Figaro's Hochzeit (Frau\nJauner-Kral). Der Verschwender (Herr und Frau Jau-\nner) und Einlagen von Frau Jauner; Harfen-Concert\n(Fräulein Jansen). Romeo und Julie. Don Juan. Trou-\nbadour (Azucena: Fräulein von Edelsberg). Waffen-\nschmied. Romeo und Julie (Romeo: Fräulein von Edels-\nberg. Schluss: Die Africanerin.\nIm Ganzen genommen, hat sich Köln seit Jahren nicht\neines so guten Theaters, sowohl was das Repertoire, als\ndie Ausführung und Ausstattung betrifft, zu erfreuen ge-\nhabt, als in der jetzt vergangenen Saison. Herr Director\nErnst hat dasselbe zu einer Bühne ersten Ranges unter\nden nicht von Hofcassen unterstützten Theatern erhoben,\nund hat in Vorführung neuer Opern und neuer Einstudi-\nrung älterer (z. B. Gluck's Iphigenie) und in glänzender\nAusstattung derselben mehr gethan, als manches Hof-\ntheater."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-06-09-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-06-09_01#c006", "volume": "bmtnabi_1866-06-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "183", "page_fin": "184", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660609-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "183", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660609-01.1.7", "debut_caractere": 1324, "fin_caractere_exclue": 6556, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nAm 25. Mai wurde die Hof-Opernsängerin Fräulein Bianca\nSanter mit dem ehemaligen Lieutenant, jetzigen Gesanglehrer\nHerrn Blume in der Petrikirche zu Berlin getraut. Der bekannte\nGeschichtsmaler und Professor Gustav Richter in Berlin hat\nsich mit der jüngsten Tochter der verwitweten Frau Meyerbeer\nverlobt.\nMan schreibt aus Berlin: Das königliche Opernhaus bot am\nSamstag einen eigenthümlichen Anblick. Gedrängt voll, bestand das\nAuditorium doch nur zum geringsten Theile aus den Stammgästen\ndes Hauses; die erste Vorstellung der neu einstudirten „Antigone\"\nhatte nicht allein eine Umgestaltung des Hörerkreises hervorge-\nbracht, sondern auch Persönlichkeiten aus gelehrten Kreisen ange-\nzogen, die für gewöhnlich nicht im Theater zu erscheinen pflegen.\nDer Erfolg des Stückes war ein ausserordentlicher. Die ernste Dis-\nposition der Anwesenden mochte das Ihrige dazu beitragen, dann\nbrachten aber auch die Hoheit und Einfachheit der Gedanken des\nGedichtes, im Vereine mit Mendelssohn's gehaltreicher Musik,\neinen so mächtigen Eindruck hervor, dass die Versammlung von\nden ersten Klängen der Ouvertüre an in ein ehrfurchtsvolles Schwei-\ngen versank und wiederholt allen denen Ruhe gebot, welche die\nfeierliche Stimmung durch „frivolen\" Beifallssturm stören wollten.\nVon den Mitwirkenden suchte jeder sein Bestes zu thun. Frau\nJachmann-Wagner stand an der Spitze. Alles in ihrer Indivi-\ndualität und Künstlerschaft vereinigt sich zu einem geistig und pla-\nstisch gleich harmonischen Model der Antigone. Herr Dessoir war\nnächstdem der geeignete Mann, dem Kreon die nöthige Energie zu\nverleihen, und Herr Kariowa als Hämon gewann schon bei sei-\nnem Auftreten die Sympatbieen der Zuschauer. Noch hätten wir des\nBoten lobend zu gedenken, den Herr Dahn mit vielem Feuer der\nRecitation darstellte. Der Chor, dessen Führerschaft die Herren\nBetz, Fricke und Krüger übernommen hatten, sang, unterstützt\ndurch die von Herrn Capellmeister W. Taubert geleitete Capelle,\nMendelssohn's Musik ganz vortrefflich.\nVon Herrn A. W. Thayer in Triest erhielt die Leipziger Allg.\nMusicalische Zeitung folgende Zuschrift: „Ich höre eben, dass kürz-\nlich ein neues lithographirtes Portrait Beethoven's von Kriehuber\nnach einem im Besitze der Familie Beethoven's befindlichen Oel-\nbilde bei Artaria in Wien erschienen ist. Das Original ist jenes\nKniestück, von dem Schindler schreibt (1. Band, Seite 287, 1. Aus-\ngabe), ohne jedoch etwas über den Ursprung zu wissen. Da ich so\nglücklich war, mit dem Maler einige Wochen vor seinem Tode be-\nkannt zu werden, und da ich mit ihm über den Gegenstand gespro-\nchen habe, so bin ich im Stande, einige Details mitzutheilen. Der\nverstorbene Secretär Mähler, aus Coblenz gebürtig, kam im Herbste\n1803 nach Wien und wurde bei Beethoven als Rheinländer durch\nStephan von Breuning eingeführt. Der junge Mähler war in seinen\nMussestunden Poet, Musiker, Componist und Maler, von ihm rühren\ndie Originale vieler Portraits von wiener Componisten her, die im\nBesitze der Gesellschaft der Musikfreunde daselbst sind. Das er-\nwähnte Portrait wurde nicht früher als 1805 und nicht später als\n1807 gemalt. Das bestimmte Datum konnte Mähler nach so langer\nZeit nicht mehr angeben. Ich besitze mehrere Copieen von Briefen\nBeethoven's an diesen Mähler; in einem derselben wird dieses Por-\ntraits erwähnt. Von demselben Herrn wurde Beethoven noch einmal\n1817 gemalt; dieses Bild wurde nach Mähler's Tode von Prof. Ka-\nrajan in Wien angekauft und befindet sich noch in dessen Besitz.\"\nWie aus Stuttgart berichtet wird, fand daselbst unter man-\nnigfachem Beifalle die erste Aufführung der Oper „Astorga\" von\nAbert Statt. Besonders hat sich der dritte Act durch grosse Wir-\nkungsfähigkeit ausgezeichnet. Das Sujet der Oper ist dem italieni-\nschen Novellenkreise entnommen. Astorga war Componist und lebte\nam Hofe des Herzogs von Parma. Das Textbuch lässt ihn zur\nNichte des Herzogs in einem ähnlichen Verhältnisse stehen, wie\nTasso zu seiner Prinzessin Leonore. Die Oper zeichnet sich durch\nschöne Charakteristik aus; im dritten Acte erscheint das Stabat\nMater von Astorga in einer dramatischen Ueberarbeitung, die mit\nvielem Geschick gemacht ist* Der Componist ist vom Könige von\nWürtemberg zum Musik-Director ernannt worden,\nDr. Faisst in Stuttgart hat den Preis des schlesischen Sän-\ngerbundes für Composition von Schiller's „Macht des Gesanges\" er-\nhalten, und haben die Preisrichter die besondere Erklärung abgege-\nben, dass dieses Stück eine wahre Bereicherung der Männergesang-\nLiteratur sei.\n(Die Theater Europa's.) Dem so eben erschienenen zwei-\nten Bande von Otto Hübner's „Vergleichende Statistik Europa's\"\nentnehmen wir folgende interessante Daten: Es gibt in Europa 1480\nSchauspielhäuser (doch nur 298 stehende Truppen); davon hat Frank-\nreich 337, Italien 296 (mit Venetien 348), Spanien 168, Grossbri-\ntannien 159, Oesterreich 152, das eigentliche Deutschland 115, Preus-\nsen 76, Russland 44 (Polen 10), Belgien 34, die Niederlande 23,\ndie Schweiz 20, Schweden 10, Norwegen 8, Portugal 16, Dänemark\n10 (Schleswig-Holstein 5), Griechenland 4, Türkei 4, Rumänien 3,\nSerbien 1 Theater. Stehende Truppen hat Frankreich 61, Klein-\ndeutschland 46, Grossbritannien 39, Oesterreich 34, Preussen 32,"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "184", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660609-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3342, "texte": "Italien 24, Russland 15. Unter den Städten haben die meisten Thea-\nter: Paris 40, London 26, Neapel und Mailand je 13, Rom, Turin\nund Brüssel je 10, Berlin, Wien und Florenz je 9 (bei Wien schei-\nnen Singspielhalle und Meidlinger Theater eingerechnet), Madrid,\nVenedig, Genua je 8, Sevilla 6, Lissabon, Amsterdam, Hamburg,\nPetersburg, Bologna, Livorno und Verona je 5 Theater. In ganz\nEuropa kommt ein Theater auf 190,000 Einwohner. Die meisten\nTheater haben: Italien (auf 75,000 Einwohner), Spanien (auf 93,000),\nFrankreich- (auf 110,000); dann folgen die Schweiz, Belgien, Klein-\ndeutschland (auf 150,000); die Niederlande und Grossbritannien (auf\n184,000); Norwegen und Oesterreich (auf 235,000); Preussen (auf\n243,000); Portugal, Dänemark, Schweden und Griechenland (auf\n380,000). Am wenigsten Theater zählt Russland (auf 1,360,000) und\ndie Balkan-Halbinsel (auf fast 2 Millionen Einwohner ein Theater).\nItalien hat also relativ achtzehn Mal mehr Theater als Russland.\nIn Wien hat das Thalia-Theater am Sonntag den 27. Mai zum\nBesten des Ausrüstungs-Fonds für die Freiwilligen „Die Räuber\"\nvon Schiller gegeben. Auch die italiänische Oper bezweckt\neine Vorstellung „zu patriotischen Zwecken\", wie die wiener Blätter\nbekannt machen.\nIn Florenz sind das Pergola- und Pagliano-Theater wegen\nmangelnden Publicums geschlossen worden.\nDas musicalische Institut zu Florenz hat einen Preis von\n500 Francs auf die beste Ouvertüre für grosses Orchester\nausgeschrieben. Termin der Einsendung Ende October 1866.\nIn Turin ging die „Africanerin\" im Teatro Vittorio Emanuele\nmit aussergewöhnlichem Beifalle in Scene. Die ehemalige Violin-\nspielerin Carolina Ferni sang die Selica.\nDas Theater in Pompeji wurde kürzlich mit einer Opern-Vor-\nstellung wieder eröffnet. Die Ankündigung des Directors lautete:\n„Das Theater in Pompeji wird u. s. w. wieder eröffnet, nachdem\nunter Direction des Herrn Quintus Marcius zuletzt „„Die Trojane-\nrinnen\"\", Trauerspiel von Seneca, gegeben worden und seitdem die\nVorstellungen mehr als 1900 Jahre lang suspendirt waren. Ich bitte\ndesshalb, die meinem Vorgänger geschenkte Gunst auch auf mich\nfcu übertragen, da ich mich nach Kräften bemühen werde, mein\nRepertoire würdig dem seinigen anzureihen.\"\nNach einer hier erschienenen musicalischen Statistik\nhaben in diesem Winter in Paris 269 Concerte Statt gefunden,\nund zwar 27 im Conservatoire und Cirque Napoleon, 72 im Saale\nHerz, 85 im Saale Pleyel, 51 im Saale Erard, die übrigen in Sälen\nzweiten Ranges.\nEine Correspondenz aus Düsseldorf vom 25. Mai, unter-\nzeichnet As E., in der hiesigen Revue et Gazette musicale Nr. 21\nsagt über das 43. Musikfest unter Anderem: „Das Comite, präsidirt\nvon Herrn von Sybel, zählte unter seinen Mitgliedern die ausge-\nzeichnetsten Männer der Rheinprovinz. Das Orchester von 200\nKünstlern wurde von Herrn Tausch, Componisten von grossem Ver-\ndienste, von dem man eine sehr gut geschriebene Ouvertüre mit\norigineller Einleitung aufführte, dirigirt; die Vocal-Partie war der\nintelligenten Direction des Herrn Otto Goldschmidt von Hamburg\nanvertraut. Fräulein Philippine von Eisberg (sic)} ein prachtvoller\nMezzo-Sopran, eine Dame von vollkommen orientalischer Schönheit,\nerhielt wahrhafte Ovationen; nur Frau Goldschmidt übertraf sie.\nFräulein Daberkow, eine junge, graziöse Debütantin, fand eine sehr\nwarme Aufnahme\" u. s. w. u. s. w."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "177", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660609-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDas 43. Niederrheinische Musikfest. 11. Das Musikfest in Hamburg. Von F. Das Musikfest in Leiden. Theater\nin Köln. Tages- und Unterhaltungsblatt (Berlin, Vermahlung, Verlobung, Aufführung der „Antigone\" Portrait Beethoven's\nStuttgart, Aufführung von Abert's „Astorga\" Dr. Faisst Die Theater Europa's Wien, Theater Florenz, Theater, Preis-Aus-\nschreiben Turin, „Africanerin\" Theater in Pompeji Paris, Concert-Statistik, Ueber das 43. Niederrheinische Musikfest).\n\nDas 43. Niederrheinische Musikfest.\nII.\n(I. s. Nr. 22.)\nDas Programm des zweiten Festtages erlitt in der\nzwölften Stunde, wie man zu sagen pflegt, noch bedeu-\ntende Aenderungen, die hauptsächlich durch das Nicht-\neintreffen der Sängerin Parepa aus London verursacht\nwaren, welches dem Coraite erst am letzten Freitag vor\ndem Feste bekannt wurde. Auch das Engagement dieser\nDame zeugt von der überhand nehmenden Sucht nach\nCelebritäten, als wenn diese, wie bei einer Ausstellung\nvon Seltenheiten, auch bei einem Musikfeste die Haupt-\nsache wären.\nDas geänderte Programm brachte: 1. Ouvertüre von\nJ. Tausch (neu). 2. „Pfingsten\", Gesangstück für\nChor und Orchester von F. Hiller. 3. Clavier-Concert\nin A-moll von Rob. Schumann (Frau Clara Schumann).\n4. Scenen aus der Oper „Armida\" von Gluck. 5. Musik\nzu Racine's „Athalia\" von Felix Mendelssohn-Bar-\ntholdy.\nHerr J. Tausch, der alle Orchestersachen an den\ndrei Tagen dirigirte, hatte eine neue Ouvertüre (in\ndur) zu dem diesjährigen Feste geschrieben und dabei\neinmal wieder sein Talent zur Composition bekundet, wel-\nches er vielleicht zu wenig benutzt, wiewohl man es heut-\nzutage loben muss, wenn ein Musiker sich nicht zu der\nRennbahn drängt, auf welcher ganze Massen nach dem\nZiele jagen und meist darüber hinaus schiessen. Die\nOuvertüre hat nach einer schönen und originellen Einlei-\ntung ein Allegro voll Leben und Frische, dessen Motive\nkeineswegs zu den gewöhnlichen gehören und mit Klar-\nheit und Fluss zu einem Ganzen gearbeitet sind, das be-\nsonders auch durch die abgerundete Form, die man nicht\nerst aus unzähligen Episoden und sich kreuzenden Schling-\nGewächsen von Tönen herausklauben muss, sich vortheil-\nhaft vor den neueren Productionen für Orchester aus-\nzeichnet.\nFerdinand Hiller dirigirte auf Ersuchen des Co-\nmite's sein neuestes Vocalstück „Pfingsten\"*) und wurde\nmit lebhaftem, andauerndem Applaus empfangen. Das\nWerk ist von massigem Umfange und auch desshalb schon\nfür gemischte Concert-Programme eine geeignete Gabe,\ndie bei ihrem inneren Werthe doppelt willkommen sein\nwird. Es besteht aus einem reizenden, durchweg melo-\ndisch-anmulhigen Andante con rnoto, C-dur, 4/4-Tact, auf\ndie Worte: „Durch die Wälder geht ein Rauschen Früh\nam Morgen feierlich\" u. s. w., welches fast die Hälfte der\nPartitur (20 von 45 Seiten) füllt und unserer Ansicht\nnach die gelungenste Partie des Ganzen bildet. Das\nvace, 6/8-Tact: „Pfingsten, Pfingsten ist gekommen, Neues\nLeben Allen blüht\", muss mit genauer Beobachtung der\nNuancen des Ausdrucks gesungen und begleitet werden,\nwas in Düsseldorf nicht immer der Fall war; es läuft sonst\nGefahr, ins Gewöhnliche zu fallen, wiewohl es mehrere\nStellen hat, die in überraschendem Contraste durch einen\nernsten und edlen Charakter in Modulation und Rhyth-\nmus sich weit darüber erheben.\nDass Frau Schumann das Clavier-Concert in A-moll,\neine der besten Compositionen ihres Gatten, in demjeni-\ngen Geiste, den es verlangt, und mit vollendeter Technik\nwiedergab, versteht sich von selbst; der Empfang der gros-\nsen Künstlerin war ein eben so herzlicher als rauschender.\nEs folgten die Scenen aus Gluck's „Armida\".\nDer Opernmusik Zutritt zu den Musikfesten zu ge-\nstatten, trug man in den ersten dreissig Jahren des Be-\nstehens derselben Bedenken. Später gewährte man auch\n\n*) Pfingsten, Gedicht von Immergrün, für Chor und Orche-\nster componirt von Ferd. Hill er. Karl Reinecke zugeeignet. Op.\n119. Leipzig, bei Fr. Kistner. Partitur (2 Thlr.), Clavier-Auszug\n(1 Thlr. 10 Sgr.)."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "178", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660609-01.1.2", "texte": "der dramatischen Musik Vertretung mit der Beschrän-\nkung, dass nur aus Werken ernster Gattung anerkannt\nclassischer Meister, deren. Aufführung auf den Bühnen\nverschwunden oder selten geworden, und in denen zugleich\nder Chor beschäftigt wäre, eine Auswahl getroffen werde.\nDas erste Beispiel der Art gab Köln im Jahre 1847, wo\ndie Ouvertüre und der zweite Act der „Olympia\" von\nSpontini gegeben wurde. Darauf folgten 1851 in\nAachen Ouvertüre und Scenen aus „Idomeneo\" von Mo-\nzart, 1853 in Köln Scenen aus der „Alceste\" von\nGluck, 1858 eben da aus der „Armida\", 1860 in Düs-\nseldorf aus der „Iphigenie auf Tauris\", 1862 in Köln\naus der „Iphigenie in Aulis\", 1864 in Aachen aus der\n„Iphigenie auf Tauris\" und dann dieses Jahr in Düssel-\ndorf aus der „Armida\".\nUeberall waren die Scenen so gewählt und zusam-\nmengestellt, dass man den Inhalt des Drama's in seinen\nHaupt-Umrissen daraus erkennen konnte. Dieses Mal war\ndieselbe Idee auch wohl leitend gewesen, aber durch das\noben angegebene Ausbleiben der fremden Celebrität\nmusste Alles so verkürzt und gestrichen werden, dass von\neinem irgendwie fassbaren Ganzen nicht mehr die Rede\nsein konnte, und nach der Erklärung des Comite's selbst\n„nur durch das freundliche Entgegenkommen der Damen\nGoldschmidt, von Edelsberg und Rothenberger es möglich\ngeworden, das Programm mit Abkürzungen aufrecht zu\nhalten\". Frau Goldschmidt wählte sich nur die reizende\nPartie der „Najade\", für welche Fräulein Rothenberger\nengagirt war, und diese übernahm die „Armida\", Fräu-\nlein von Edelsberg die „Furie des Hasses\". Dieses Arran-\ngement kam definitiv erst am Sonntag früh zu Stande.\nVon der Partie der Armida konnte also nicht viel beibe-\nhalten werden, da man von keiner Sängerin verlangen\nkann, mit einer solchen Partie unvorbereitet bei einem\nMusikfeste aufzutreten, und es verdient alle Anerkennung,\ndass Fräulein Rothenberger das, was noch davon stehen\nblieb (das Duett mit Hydraot und die Scene mit der Furie\ndes Hasses), so vorzüglich sang. Auch Fräulein vo n Ede 1 s-\nberg trug ihre Partie mit Feuer und mehr dramatischer\nLeidenschaft vor, als wir bisher bei ihr wahrgenommen\nhatten. Auch die Arie des Hydraot (Stockhausen) und die\nerste des Rinaldo (Gunz) blieben weg, weil das Programm\ndes zweiten Tages überhaupt zu lang war; die zweite\nschöne Arie Rinaldo's: „Hehres Wonnegefild!\" sang Herr\nGunz mit besonderem Schmelz und schönem Tragen der\nStimme. Eine Perle war natürlich der überaus liebliche\nGesang der „Najade\" durch den Vortrag von Frau Gold-\nschmidt, der allerdings an den Zauber in den Gärten der\nArmida glauben liess.\nDie zweite Abtheilung des Concertes füllte Mendels-\nsohn's Musik zur „Athalia\" von Racine. Unsere An-\nsicht über diese Composition, deren relativen Werth\nwir übrigens anerkennen, haben wir vor Kurzem in die-\nsen Blättern ausgesprochen*). Die Ausführung war recht\ngut, im Ganzen betrachtet vielleicht die beste am ganzen\nFeste. Die drei Solostimmen wurden von Frau Gold-\nschmidt, Fräulein Daberkow aus Düsseldorf und Frä-\nulein von Edelsberg gesungen; das verbindende Gedicht\nvon Ed. Devrient las Herr Professor Nielo, durch seine\ndramatischen Vorlesungen am Rheine rühmlichst bekannt,\nrecht ausdrucksvoll. Die Tempi wurden auch hier bei eini-\ngen Nummern zu schnell genommen, z. B. in dem Choral:\n„Nur Angst und Weinen, Herr\", dem Chor mit Alt-Solo:\n„Du schweigst, Zion\", und auch bei einigen Sopran-Soli,\nbei welchen die Schnelligkeit dem Stil von eigentümlicher\nFarbe, den Mendelssohn hier mit Recht, Meyerbeer aber,\nwenn er in christliche Hymnologie kommt, mit Unrecht\nanwendet, Eintrag thut. Das hebräisch-nationale Colorit\nist hier an seiner Stelle, wogegen es bei Meyerbeer z. B.\nin Johann's Hymnus vor dem Sturme auf Münster im\n„Propheten\" und in dem Chor der Bischöfe in der „Afri-\ncanerin\" widerlich ist.\nDas Concert des dritten Festtages, dessen Feier vor\n33 Jahren mit einer bescheidenen Matinee unter Mendels-\nsohn's Direction in Düsseldorf (1833) begann, war dieses\nMal zu einem Haupt-Concerte mit einem überreichen und\nfast engländisch überfüllten Programme geworden, denn\nes enthielt eilf Nummern und darunter sechs grössere\nWerke: die sinfonia eroica von Beethoven, ein Con-\ncert für Violine von Spohr, den zweiten Theil von „Pa-\nradies und Peri\" von Schumann, Fest-Ouverture von\nJ. Rietz, Concert für Violoncell von Molique, Doppel-\nchor von J. S. Bach. Dazwischen noch fünf Sologesang-\nVorträge!— Dass wir aus inneren Gründen nicht wünschen\nkönnen, dass dem dritten Concerte eine solche Ausdeh-\nnung gegeben werde, haben wir im ersten Artikel schon\ngesagt. Aber auch ein äusserer Grund spricht dagegen.\nWird nämlich das dritte Concert, welches durch die Vir-\ntuosen-Vorträge schon immer einen grossen Reiz für den\nBesuch der Menge hatte, auch mit Aufführungen grosser\nWerke, die in die beiden Haupttage gehören, ausgestat-\ntet, so wird die Theilnahme an den beiden ersten Tagen\ndarunter leiden, weil die Besucher dann am dritten Tage,\nder bisher als eine Zugabe galt, alles, wesshalb man zu\neinem Musikfeste kommt, hören können, grosse Chöre\nund grosse Orchestersachen, und dabei die Würze der\nSolo-Vorträge noch als lockende Zukost bekommen. Man\n\n*) S. Nr. 21 vom 26. Mai d. J."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "179", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660609-01.1.3", "texte": "hüte sich also, den dritten Tag zu dem anziehendsten für\ndie Masse der Dilettanten zu machen und dadurch die\nkünstlerische Bedeutung namentlich des zweiten Tages\nabzuschwächen.\nEs war zu bedauern, dass unter diesen Verhältnissen\ndie herrliche Eroicalitt, indem die Mängel der Ausfüh-\nrung nicht bloss für die höhere Kritik, sondern auch selbst\nfür die ganze Zuhörerschaft hörbar wurden, da nicht ein-\nmal das Abspielen der Noten überall correct war, ge-\nschweige denn Schwung, Feuer, Charakteristik und Fein-\nheit des Ausdrucks künstlerischen Ansprüchen gerecht\nwurden. Wir erinnerten uns dabei an einen Brief Schind-\nlers, den er uns nach Lesung unserer Aufsätze „Ueber\nden Vortrag der Eroica\"*) schrieb. Schon mit der\nAnrede: „Verehrter Danaiden-Chef!\" deutete er seine\nAnsicht über die Vergeblichkeit unserer ästhetischen Be-\nmühungen, die er einer Danaiden-Arbeit verglich, an und\nbricht am Ende in den Ausruf aus: „Aber wo wollen Sie\ndenn ein Orchester hernehmen, das Ihren jedem Pünkt-\nchen Beethoven's abgelauschten Vorschriften, z. B. dem\nverschiedenen Ausdruck des Thema'sdes ersten Allegro,\ngerecht werde, welches 23 Mal ganz und 43 Mal, wie Sie\nnachweisen, in seinem Haupt-Motive vorkommt? Und\nglauben Sie denn, dass die Herren Capellmeister derglei-\nchen Aufsätze überhaupt lesen? und wenn Einer es liest,\nso wird er sagen: „„Bei meinem Orchester versteht sich\ndas alles von selbst, es kann diese Sinfonie auswendig,\nwie ich selbst.\"\"\nDie schon öfter, aber stets gern gehörte Concert-\nOuv erture von Rietz ging vortrefflich. Auch dem zwei-\nten Theile von „Paradies und Peri\" von Schumann\nwurde besonders durch die Solisten Frau Goldschmidt,\nFrau Flintsch-d'Orville aus Leipzig, welche aus der\nReihe der Zuhörerinnen trat und die grosse Gefälligkeit\nhatte, die zweite Sopranstimme zu übernehmen, Fräulein\nvon Edelsberg und Herrn Gunz (Herr Stockhausen\nwar nur bei dem kurzen, aber sehr schönen Quartette\nbetheiligt) eine gute Ausführung zu Theil. Von Schu-\nmann's Compositionen sind auf den niederrheinischen Mu-\nsikfesten seit 1853 aufgeführt worden: Sinfonie in\n(1853), „Paradies und Peri\" (Jenny Lind-—1855), Ad-\nventlied (1856), alle drei in Düsseldorf; „Des Sängers\nFluch\" (1857, Aachen); Sinfonie in B-dur (1860, Düs-\nseldorf); Scenen aus „Faust\", dritte Abtheilung (1865,\nKöln).\nFrau Goldschmidt erregte durch die Arie mit obli-\ngater Flöte in D-duraus Händel's\nden Jubel des entzückten Publicums; die Flöte hatte ne-\nben ibr einen schweren Stand und klang sehr trocken ge-\ngen den Gesang. Herr Gunz sang die zweite Arie des\nBelmonte von Mozart sehr schön, eben so Herr Stock-\nhausen „Die Löwenbraut\", beide i Marinari von Ros-\nsini; letzteres Stück mussten sie wiederholen. Es war zu\nbedauern, dass Fräulein von Edelsberg eine so fade\nComposition wie die Arie aus Benedict's Oper: „Die Bräute\nvon Venedig\", gewählt hatte. Einen Sturm von Applaus\nrief der ganz vortreffliche Vortrag des Concertes von Spohr\ndurch Herrn Leopold Auer hervor, und auch Herr\nJul. de Sweert erwarb, trotz der ungünstigen Stellung\nseiner Nummer fast am Ende eines so langen Programms,\ndurch schönen Ton auf dem Violoncell und grosse tech-\nnische Fertigkeit verdienten Beifall. Die Aufführung des\nprächtigen Doppelchors von J. S. Bach beschloss auf eine\nwürdige Weise das Fest.\n\n*) Niederrheinische Musik-Zeitung, Jahrgang 1862, in\nden Nummern 33, 34, 35 und 36.\n\nDas Musikfest in Hamburg.\n\nDas Musikfest in Hamburg begann am ersten Tage,\nden 29. Mai, mit der Aufführung des „Messias\" von\nHändel in der grossen St. Michaeliskirche, Abends\nUhr.\nDass die Michaeliskirche, deren Räume für 4000\nZuhörer Platz bieten, nur etwa zur Hälfte gefüllt war,\ndas hatte der Druck einer Gegenwart zu verantworten,\ndie wie ein hiesiges Blatt sagt mit den schwersten\nSorgen nicht bloss auf den Gemüthern der Gewerbswelt\nlastet. Indess steigerte sich die Theilnahme des Publicums\nvon nah und fern mit jedem Festtage, da die Aufführung\ndes „Messias\" die Vorzüge einer seltenen Vereinigung von\nausgezeichneten musicalischen Kräften in helles Licht\nstellte. Diese Aufführung war im Ganzen recht schön.\nDer Chor, aus den Chören der verschiedenen hiesigen\nAkademieen gebildet, entwickelte in allen Stimmen einen\nvollen, schönen Klang, der bei grosser Reinheit der Into-\nnation und Sicherheit eine herrliche Wirkung machte.\nDazu kam ein vortreffliches Orchester, die Saiten-Instru-\nmente in verhältnissmässiger Anzahl zu neun Contrabässen,\nund eine prachtvolle Orgel, gespielt von Musik-Director\nFranz Weber aus Köln, ein 32füssiges Werk mit 80\nRegisterzügen. Es ist doch etwas Herrliches und Gross-\nartiges um die Aufführung eines Oratoriums in einer\nKirche, und zumal in einer solchen, wie die Michaeliskirche,\nderen akustische Verhältnisse so erstaunlich günstig sind,\ndass man an jedem Platze auch in den entlegensten Räu-\nmen jeden Ton noch im leisesten piano deutlich vernimmt.\nUeber das Einzelne der Ausführung unter Goldschmidt's\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "180", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660609-01.1.4", "texte": "4\nLeitung und über die Leistungen der Solisten brauche\nich Ihnen nichts zu sagen, da in dieser Hinsicht ungefähr\nAlles so wie neulich in Düsseldorf war. Auch die Ein-\nrichtung des Oratoriums war dieselbe bis auf die Auf-\nnahme des Chors Nr. 7 in Gim ersten Theile und\ndie Auslassung der letzten Sopran-Arie Nr. 51 in\n„Ist Gott für uns\" u. s. w., deren Vortrag eine der wun-\nderbarsten Leistungen der Frau Goldschmidt in Düssel-\ndorf war. Frau Goldschmidt hatte aber, da Fräulein\nTb erese Schneider von Berlin wegen Krankheit abgesagt,\ndie ganze übrige Sopran-Partie übernommen. Die Herren\nGunz und Stockhausen haben Sie ebenfalls dort ge-\nhört, doch hatten die Stimmen Beider in der Kirche einen\nnoch schöneren Klang. Nur die Partie des Alt war hier\nanders besetzt, oämüch durch Fräulein Caroline Bet-\ntel heim aus Wien. Sie ist im Besitze einer sehr schönen,\nvollen und wohllautenden Stimme, mit welcher sie noch\nmehr wirken würde, wenn der Ausdruck mehr Wärme\nhätte.\nDas zweite Fest-Concert fand am 31. Mai im Sage-\nbiel'schen Saale Abends 7 Uhr Statt. Es ist dies ein neu\ngebauter, geräumiger und schöner Saal, welcher im un-\nteren Räume bequem 13 —l4OO Zuhörer fasst. Die Ga-\nlerieen sind in derselben Art angebracht, wie in der neuen\nTonhalle zu Düsseldorf, und können ebenfalls 12 1300\nMenschen fassen. Das Orchester ist so wie in Exeter Hall\nzu London gebaut, das heisst gehörig steil ansteigend, so\ndass hier wie dort der Dirigent, obwohl auf der untersten\nStufe auf einer kleinen Erhöhung stehend, bequem von\nallen Mitwirkenden gesehen werden kann. Auch dieser\nSaal hat eine vortreffliche Akustik, so dass sowohl der\nGesang als das Orchester ausgezeichnet klangen, die Sai-\nten Instrumente namentlich sehr voll und gleichmässig.\nDas Programm brachte die „Cäcilien-Ode\" von\nHändel, die Furien-Scene aus Gluck's „Orpheus\"\nund Beethoven's neunte Sinfonie die Cäcilien-Ode\nvon Herrn Goldschmidt, die beiden anderen Auffüh-\nrungen von Herrn Julius Stockhausen dirigirt.\nDie Cäcilien-Ode ist am Rheine durch die Aufführung\nam Musikfeste 1863 zu Düsseldorf bekannt, wo ebenfalls,\nwie jetzt hier, Frau Goldschmidt und Herr Gunz die\nSoli sangen*). Eine Perle im Kranze der vielen schönen\nVorträge war die Sopran-Arie Nr. 4 in mit Violon-\ncell-Solo und obligater Orgel, von Frau Goldschmidt\nmit dem ihr allein eigenen Zauber gesungen, von Herrn\nWeber auf der Orgel und Herrn Lindner aus der Hof-\nCapelle von Hannover auf dem Violoncell begleitet, einem\nVereine, durch welchen auch die leiseste Intention des\nCoroponisten und der Trägerin der Hauptstimme auf echt\nkünstlerische Weise zur schönsten Geltung kam. Herr\nLindner bewährte sich durch vorzüglich schönen Ton,\nReinheit des Spiels und gefühlvollen Ausdruck als einen\nausgezeichneten Künstler. Die Orgel im Sagebiel'schen\nSaale ist nur ein kleines Werk von acht Stimmen vom\nOrgelbauer Wolfsteller; sie ist aber weich und wohlklin-\ngend intonirt. Herr Dr. Gunz war ganz vorzüglich bei\nStimme und sang die Tenor-Partie vortrefflich und mit\ncharakteristischem Vortrage. Von den Solo-Instrumenten\nverdienen noch die Violine, die Flöte und die Trompete\nrühmliche Erwähnung.\nIn der Scene aus Gluck's „Orpheus\" hatte Fräulein\nBettelheim Gelegenheit, die Vorzüge ihrer schönen\nStimme zu entfalten, welche denn auch für das, was der\nVortrag an Charakter zu wünschen übrig lässt_, zum Theil\nentschädigt.\nIn der neunten Sinfonie zeigte sich vollends das\nOrchester in seinem ganzen Glänze, an der Spitze der Vio-\nlinen die Herren von Königslöw aus Köln und Böie\naus Altona, bei den Contrabässen Müller aus Darmstadt,\nBreuer aus Köln, alle Holz-Blasinstrumente gut, Horn\nund Trompete vorzüglich, wie auch die Pauken. Der Chor\nbewährte sich vortrefflich; die Solostimmen waren durch\nFräulein Mandl von hier, Fräulein Bettelheim, die\nHerren Gunz und Stägemann aus Hannover gut ver-\ntreten. Fräulein Mandl hat eine schöne, leicht ansprechende\nSopranstimme. Stockhausen dirigirte die Aufführung,\nwelche von tüchtigen, gut geleiteten Studien in der Instru-\nmental- und Vocal-Partie Zeugniss gab und im Allgemei-\nnen eine lobenswerthe und schwungvolle war, wobei\nStockhausen sein Talent zum Dirigiren und Zusammen-\nhalten von Massen bekundete. Im Einzelnen jedoch konn-\nten sich Viele nicht mit Allem einverstanden erklären, zu\ndenen Ihr Correspondent ebenfalls gehört, der so, wie Sie\nselbst, kein Anhänger der individuellen Auffassung classi-\nscher Werke ist und Ihrem Grundsatze, dass es für alle\nMusikstücke nur ein richtiges Tempo und nur eine rich-\ntige Vortragsweise gibt, beistimmt,.wenngleich die Auf-\nfassung derselben aus dem Geiste und der Form der Com-\nposition nicht immer gleich auf der Hand liegt, auch hier,\nwie überall, errare humanuni est, und eine Demonstratio\nad ocubs bei so rein geistigen Dingen nicht möglich ist.\nSo erschien uns das Tempo des 3/4-Tact,\nim Scherzo als zu schnell genommen, so dass für das\nPresto, 4/4-Tact, kaum eine Steigerung übrig blieb und\nder Satz auch einige Male im präcisen Tacte schwankte.\nIm Adagio trat hingegen durch das zu langsame Tempo\n\n*) Vergleiche den Festbericht im Jahrgang 1863, Nr. 24\ndieser Zeitung, woselbst auch über die Einrichtung der Partitur\ndurch Herrn Goldschmidt ausführliche Notizen gegeben sind.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "181", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660609-01.1.5", "texte": "der Mittelsatz Andante modera3/4-Tact, gegen das\nAdagio molto e cantabile,4/4-Tact, nicht markirt genug\nhervor. Am auffallendsten war aber allen Musikern das\nTempo der Becitative der Bässe in der Einleitung zum\nFinale. Stockhausen liess sie in dem (der ersten\nacht Tacte) spielen und rechtfertigte in der Probe dieses\ngegen alle Tradition anstürmende Tempo dadurch, dass\ner als Sänger diese Becitative so und nicht anders auf-\nfassen müsse u. s. w. Im Orchester meinten nun Viele,\ngerade der Sänger müsse am besten wissen, was Recita-\ntivo zu bedeuten habe, nämlich einen declamatorischen\nVortrag, der eben sowohl mitten in ein Presto, als in ein\nAdagio fallen könne und dennoch seinen eigenen Gang\nfesthalte; allein da die Redefreiheit glücklicher Weise noch\nnicht in den Orchestern eingeführt ist, und wir auch,\nebenfalls glücklicher Weise, noch nicht so weit gekommen\nsind, dass jeder Instrumentalist im Orchester seiner eige-\nnen Auffassung im Vortrage eines Solo's folgen dürfe, wie\neinmal ein Koryphäe der neuesten Schule behauptete, so\nwurden die Recitative presto gespielt. Was ist Ihre Mei-\nnung darüber?*)\nAm dritten Festtage, Freitag den 1. Juni, fand das\nletzte Concert wieder im Sagebiel'schen Saale Abends\n67a Uhr Statt.\nDas Programm brachte von grösseren Werken die\nOuvertüren zum „Freischütz\" von Weber und „Die\nschöne Melusine\" von Mendelssohn, den zweiten Theil\nvon Schumann's „Paradies und Peri\", Violin-Concert\nvon Viotti und Sologesang-Vorträge der Damen Gold-\nschmidt und Bettelheim und des Herrn Stäge-\nmann.\nDie Ouvertüre zum „Freischütz\" bereitete dem An-\ndenken C. M. von Weber's einen wahren Triumph: nach\nder trefflichen Ausführung (bei welcher nur im vor\nder zweiten Fermate eine Trompete aus Versehen einen\nTact zu früh in den aufsteigenden Lauf der Violinen ein-\nsetzte) wurde die Wiederholung stürmisch verlangt, mit\nBegeisterung ausgeführt und mit Jubel aufgenommen.\nDas Violin-Concert von Viotti trug Joachim so schön\nvor, wie ich ihn fast nie habe spielen hören; namentlich\ndas Adagio war ein wundervoller Gesang und die einge-\nlegten Cadenzen prächtig. Da auch die Begleitung durch\ndas Orchester vortrefflich war, so gab das Ganze einen\nseltenen Kunstgenuss edelster Gattung.\nin Schumann's „Paradies und Peri\" sangen Frau\nGoldschmidt, Fräulein Mandl, Fräulein Bettelheim, die\nHerren Dr. Gunz, Stägemann und Stockhausen die Soli.\nIm Orchester kamen trotz der vielen Wiederholungen in\nder Probe dennoch in den Blas-Instrumenten einige starke\nVerseben vor. Ueber die Kunst, zweckmässig zu probiren,\nohne Zeitverlust, mit augenblicklich klarer Angabe des\nFehlers und der Art der Verbesserung, ohne das Orchester\nzu langweilen und dadurch eher Nachlässigkeit als gestei-\ngerte Aufmerksamkeit zu veranlassen u. s. w., über diese\njedem Dirigenten sehr nothwendige Kunst müsste ein\nBuch geschrieben aber auch gelesen werden! Men-\ndelssohn's „Melusine\" wurde recht gut ausgeführt, aber\nnicht da capoverlangt.\nVon den Sologesängen liess der Vortrag von Mo-\nzart's Sopran-Arie mit obligater Violine (aus der Oper\nII R'e pastore)durch Frau Goldschmidt und Joachim\nnicht nur alles Andere an diesem Feste, sondern alles, was\nman je in dieser Gattung gehört hat, weit hinter sich zu-\nrück. Dieses Ineinander-Verschmelzen der Stimme und des\nTones der Saiten, diese Poesie des Ausdrucks in beiden\nwürde Mozart selbst entzückt haben, wenn er es gehört\nhätte.\nDen Schluss des Concertes machte eine Wiederho-\nlung des Händel'schen „Halleluja\", das mit Begeisterung\nvom Chor und sämmtlichen Solo-Sängerinnen und Sängern\ngesungen wurde und in Einem Tonerguss mit dem Or-\nchester ein Prachtstück bildete, das dem Feste den Stem-\npel eines echt künstlerischen Festes aufdrückte. Wir kön-\nnen nicht umhin, hier noch einmal auf die vortreffliche\nAusführung der Chöre im „Messias\" zurückzukommen,\nwobei sich evident herausstellte, was die Studien eines\nGesangvereins, wie die Akademie von Stockhausen, den\nein Sänger leitet, für einen Werth und Erfolg haben.\nWie anders würden die Leistungen selbst guter Sing-\nvereine ausfallen, wenn ihre Dirigenten mehr von der\nTechnik des Gesanges verständen, die für den Chorgesang\nin Bezug auf Athemholen, Tonansatz u. s. w. eben so\nwichtig ist, als für den Sologesang.\n\n*) Ich werde bald Gelegenheit haben, über den Vortrag der\nneunten Sinfonie überhaupt das auszusprechen, was ich aus\nhäufigem Anhören derselben unter tüchtigen Dirigenten und aus\neigenen Studien geschöpft habe. Für jetzt in Betreff der Recitative\nnur so viel, dass in der Ueberschrift Beethoven's: „Selon le carac-\ntere d?un Becitative mais in Tempodie zwei letzten Worte\nnicht bedeuten: in istesso tempo, sondern sich nur auf die rhyth-\nmische Beschränkung des sonst im Tacte ganz freien Recitativs be-\nziehen; ferner, dass bei der Wiederkehr der Recitative zwar S. 98\nder Partitur Tempo primo steht, allein die letzten Tacte des Reci-\ntativs mit poco Adagio bezeichnet sind, welches als Ritardando aus\neinem Presto auffallend wäre, und dass über die zwei folgenden\nWiederkehren S. 99 und 100 Tempo primo Allegro von Beetho-\nven geschrieben worden ist, und zwar S. 100 sogar nach den vier\nTacten des vorhergehenden Allegro assai, als sicherer Beweis, dass\ner das Recitativ im Gegensatze zu dem assai bloss allegro, also\nlangsamer haben wollte, als allegro assai, geschweige denn als\npresto. L» B*"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "182", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660609-01.1.6", "texte": "Nach dem Schlüsse improvisirte Concert-Director\nStockhausen im Nebensaale nicht eine Liedertafel, aber\neine Erfrischungs-Composition, die an schnell zusammen\ngerückten und mit kalter Küche und Weinflaschen wohl\nbesetzten Tafeln von sämmtlichen Künstlern ohne Probe\nsehr präcis ausgeführt und mit einer Reihe von Denk-\nsprüchen als verbindenden Gedichten in der heitersten\nStimmung ob des gelungenen Festes durchflochten wurde.\nDas eigentliche Festmahl fand um 11 Uhr Abends im\nHotel Victoria Statt und beschloss das schöne Fest, das\nauch vom Wetter vorzüglich begünstigt wurde, in fröh-\nlicher Weise*).\n\nDas Musikfest in Leiden.\nInmitten des Chaos von politischen und financiellen\nWirren und Bekümmernissen ist es dem Muthe des Co-\nmite's für das Musikfest des Leiden'sehen Gesang-\nvereins gelungen, dasselbe an den Tagen des 24. und\n25. Mai mit Erfolg zu feiern. Das Fest besteht seit 1862\nals ein zweijähriges; wie damals und 1864 war auch die-\nses Mal die Hochländische Kirche zum Tempel der Kunst\neingerichtet, eine Concession der Geistlichkeit, die nicht\neben allgemein in Holland ist. Eines der prächtigen Tran-\nsepte war sehr zweckmässig für die musicalischen Auf-\nführungen eingerichtet, und der Klang ist ganz vorzüg-\nlich. Die Musik-Zeitung „Caespendet daher mit\nRecht dem Kirchenvorstande Lob, der da mit Lutber's\nWorten einstimme: „Auch dass ich nicht der Meinung\nbin, dass durch's Evangelium sollten alle Künste zu Bo-\nden geschlagen werden und vergehen, wie etzliche Aber-\nistliche vorgeben, sondern ich wollt alle Künste, sonder-\nlich die Musica, gern sehen im Dienst des, der sie geben\nund geschaffen hat. Bitte derhalb, ein jeglicher fromme\nChrist wolle solches ihm gefallen lassen, und wo ihm Gott\nmehr oder desgleichen verleihet, helfen fördern.\"**)\nDer erste Tag, der 24. Mai, war für die Auffüh-\nrung von Mend elssoh n's Oratorium „Paulus\" bestimmt.\nAm zweiten wurden gegeben: 1. Der hundertste Psalm\nvon Händel, in Holland noch selten aufgeführt. 2. Alt-\nArie mit Chor: „0 hör' mein Flehen\" aus „Samson\" von\nHändel. 3. Beethove n's 4. „Lenz\nund Sommer\" aus J. Haydn's „Jahreszeiten\". 5. Das\n„Halleluja\" aus Händel's „Messias\".—Die Sologesänge\nwaren den Damen Frau Offermans van Hove aus dem\nHaag, Fräulein Schreck aus Bonn, den Herren Schnei-\nder aus Rotterdam und Behr aus Köln anvertraut; Herr\nHill von Frankfurt, der ebenfalls eingeladen war, hatte\n„wegen der Kriegsbereitschaft\" keinen Urlaub bekommen.\nDer Chor bestand aus 60 Sopran-, 50 Altstimmen,\n45 Tenören und 65 Bässen; das Orchester aus 24 Vio-\nlinen, 6 Bratschen, 8 Violoncellen und 6 Contrabässen;\nferner 2 Flöten, 3 Oboen, 2 Clarinetten, 2 Fagotten, 4\nHörnern, 2 Trompeten, 3 Posaunen, Ophicleide und\nPauken. Das Textbuch enthielt ein lesenswerthes Vor-\nwort, den deutschen Text der Gesangwerke mit holländi-\nscher Uebersetzung gegenüber und das Verzeichniss der\nMitwirkenden. Die Leitung des Ganzen war in den Hän-\nden des Herrn Musik-Directors A. J. Wetrens aus Lei-\nden, dessen Bemühungen dieses Musikfest in einer Stadt\nvon nur 40,000 Einwohnern hauptsächlich sein Entstehen\nund seine gelungene Ausführung verdankt. Die Zahl der\nZuhörer konnte man ungefähr auf 2000 schätzen.\n(Schluss folgt.)\n*) Die uns mitgetheilte Uebersicht der ganzen musicalisehen\nWinterzeit in Hamburg heissen wir mit Dank willkommen und\nwerden sie in den nächsten Nummern dieser Zeitung benützen.\nDie Kedaction.\n**) Geistliches Gesangbüchlein, erstlich zu Wittenberg,\nund folgend durch Peter SchöfFern gedruckt im Jahre 1525. Vorwort.\n\nTheater in Köln\nUnter der Direction von M. Ernst wurden vom 1.\nJanuar bis 16. Mai 1866 folgende Opern-Vorstellungen\ngegeben:\nDas Nachtlager von Granada. Czaar und Zimmer-\nmann. Fidelio. Don Juan. Die Africanerin (27 Mal). Fra\nDiavolo. Die Stumme von Portici. Zum Benefiz des Herrn\nBehr (neu einstudirt): Jobann von Paris. Zum ersten Male:\nDer vierjährige Posten, komische Operette in einem Acte\nvon Th. Körner, Musik von Isidor Seiss. Undine. Die\nRegimentstochter. Zum Benefiz des Orchesterfonds: Das\nLied von der Glocke (mit Tableaux); Johann von Paris.\nDie lustigen Weiber von Nicolai. Die weisse Dame (zwei\nMal, Roger). Ouvertüre zu Tannhäuser; Der Erlkönig\n(Roger); Pas de deux;Ouvertüre zu Oberon; Finale\ndes 11. und 111. Actes aus Lucia von Lammermoor (Ro-\nger); IV. Act von Die Hugenotten (Roger). Neu einstu-\ndirt: Der Nordstern. Don Juan. Figaro's Hochzeit. Fi-\ndelio (Frau Dustmann-Meyer). Neu einstudirt: Iphi-\ngenia in Tauris (Frau Dustmann-Meyer). Norma\n(Fräulein Tietjens). Johann von Paris. Der Nordstern.\nDer Wasserträger. Die Hugenotten (Fräulein Tietjens).\nDon Juan (Fräulein Tietjens und Fräulein Kruls). Frei-\nschütz. Preciosa. Fidelio (Fräulein Tietjens und Fräulein\n.\n\n*) Vgl. Nr. 2 dieses Jahrgangs.\n\nF."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "183", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660609-01.1.7", "texte": "Sabatzky). Zum Benefiz des Herrn Schelper: Der Trou-\nbadour (Fräulein Langlois). Faust und Margarethe (Fräu-\nlein Tietjens und Fräulein Kruls). Czaar und Zimmer-\nmann (Herr Fritsöh). Die Zauberflöte. Das Nachtlager\nvon Granada. Dießegimentstochter (Frau Jauner-Kral).\nDes Teufels Antheil (zwei Mal, Frau Jauner-Kral).\nDon Juan. Die Verlobung bei der Laterne (Herr und Frau\nJauner). Der Schauspiel-Director (Herr und Frau Jau-\nner). Faust und Margarethe (Frau Jauner-Kral). Ein\nSommernachtstraum (zwei Mal). Figaro's Hochzeit (Frau\nJauner-Kral). Der Verschwender (Herr und Frau Jau-\nner) und Einlagen von Frau Jauner; Harfen-Concert\n(Fräulein Jansen). Romeo und Julie. Don Juan. Trou-\nbadour (Azucena: Fräulein von Edelsberg). Waffen-\nschmied. Romeo und Julie (Romeo: Fräulein von Edels-\nberg. Schluss: Die Africanerin.\nIm Ganzen genommen, hat sich Köln seit Jahren nicht\neines so guten Theaters, sowohl was das Repertoire, als\ndie Ausführung und Ausstattung betrifft, zu erfreuen ge-\nhabt, als in der jetzt vergangenen Saison. Herr Director\nErnst hat dasselbe zu einer Bühne ersten Ranges unter\nden nicht von Hofcassen unterstützten Theatern erhoben,\nund hat in Vorführung neuer Opern und neuer Einstudi-\nrung älterer (z. B. Gluck's Iphigenie) und in glänzender\nAusstattung derselben mehr gethan, als manches Hof-\ntheater.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nAm 25. Mai wurde die Hof-Opernsängerin Fräulein Bianca\nSanter mit dem ehemaligen Lieutenant, jetzigen Gesanglehrer\nHerrn Blume in der Petrikirche zu Berlin getraut. Der bekannte\nGeschichtsmaler und Professor Gustav Richter in Berlin hat\nsich mit der jüngsten Tochter der verwitweten Frau Meyerbeer\nverlobt.\nMan schreibt aus Berlin: Das königliche Opernhaus bot am\nSamstag einen eigenthümlichen Anblick. Gedrängt voll, bestand das\nAuditorium doch nur zum geringsten Theile aus den Stammgästen\ndes Hauses; die erste Vorstellung der neu einstudirten „Antigone\"\nhatte nicht allein eine Umgestaltung des Hörerkreises hervorge-\nbracht, sondern auch Persönlichkeiten aus gelehrten Kreisen ange-\nzogen, die für gewöhnlich nicht im Theater zu erscheinen pflegen.\nDer Erfolg des Stückes war ein ausserordentlicher. Die ernste Dis-\nposition der Anwesenden mochte das Ihrige dazu beitragen, dann\nbrachten aber auch die Hoheit und Einfachheit der Gedanken des\nGedichtes, im Vereine mit Mendelssohn's gehaltreicher Musik,\neinen so mächtigen Eindruck hervor, dass die Versammlung von\nden ersten Klängen der Ouvertüre an in ein ehrfurchtsvolles Schwei-\ngen versank und wiederholt allen denen Ruhe gebot, welche die\nfeierliche Stimmung durch „frivolen\" Beifallssturm stören wollten.\nVon den Mitwirkenden suchte jeder sein Bestes zu thun. Frau\nJachmann-Wagner stand an der Spitze. Alles in ihrer Indivi-\ndualität und Künstlerschaft vereinigt sich zu einem geistig und pla-\nstisch gleich harmonischen Model der Antigone. Herr Dessoir war\nnächstdem der geeignete Mann, dem Kreon die nöthige Energie zu\nverleihen, und Herr Kariowa als Hämon gewann schon bei sei-\nnem Auftreten die Sympatbieen der Zuschauer. Noch hätten wir des\nBoten lobend zu gedenken, den Herr Dahn mit vielem Feuer der\nRecitation darstellte. Der Chor, dessen Führerschaft die Herren\nBetz, Fricke und Krüger übernommen hatten, sang, unterstützt\ndurch die von Herrn Capellmeister W. Taubert geleitete Capelle,\nMendelssohn's Musik ganz vortrefflich.\nVon Herrn A. W. Thayer in Triest erhielt die Leipziger Allg.\nMusicalische Zeitung folgende Zuschrift: „Ich höre eben, dass kürz-\nlich ein neues lithographirtes Portrait Beethoven's von Kriehuber\nnach einem im Besitze der Familie Beethoven's befindlichen Oel-\nbilde bei Artaria in Wien erschienen ist. Das Original ist jenes\nKniestück, von dem Schindler schreibt (1. Band, Seite 287, 1. Aus-\ngabe), ohne jedoch etwas über den Ursprung zu wissen. Da ich so\nglücklich war, mit dem Maler einige Wochen vor seinem Tode be-\nkannt zu werden, und da ich mit ihm über den Gegenstand gespro-\nchen habe, so bin ich im Stande, einige Details mitzutheilen. Der\nverstorbene Secretär Mähler, aus Coblenz gebürtig, kam im Herbste\n1803 nach Wien und wurde bei Beethoven als Rheinländer durch\nStephan von Breuning eingeführt. Der junge Mähler war in seinen\nMussestunden Poet, Musiker, Componist und Maler, von ihm rühren\ndie Originale vieler Portraits von wiener Componisten her, die im\nBesitze der Gesellschaft der Musikfreunde daselbst sind. Das er-\nwähnte Portrait wurde nicht früher als 1805 und nicht später als\n1807 gemalt. Das bestimmte Datum konnte Mähler nach so langer\nZeit nicht mehr angeben. Ich besitze mehrere Copieen von Briefen\nBeethoven's an diesen Mähler; in einem derselben wird dieses Por-\ntraits erwähnt. Von demselben Herrn wurde Beethoven noch einmal\n1817 gemalt; dieses Bild wurde nach Mähler's Tode von Prof. Ka-\nrajan in Wien angekauft und befindet sich noch in dessen Besitz.\"\nWie aus Stuttgart berichtet wird, fand daselbst unter man-\nnigfachem Beifalle die erste Aufführung der Oper „Astorga\" von\nAbert Statt. Besonders hat sich der dritte Act durch grosse Wir-\nkungsfähigkeit ausgezeichnet. Das Sujet der Oper ist dem italieni-\nschen Novellenkreise entnommen. Astorga war Componist und lebte\nam Hofe des Herzogs von Parma. Das Textbuch lässt ihn zur\nNichte des Herzogs in einem ähnlichen Verhältnisse stehen, wie\nTasso zu seiner Prinzessin Leonore. Die Oper zeichnet sich durch\nschöne Charakteristik aus; im dritten Acte erscheint das Stabat\nMater von Astorga in einer dramatischen Ueberarbeitung, die mit\nvielem Geschick gemacht ist* Der Componist ist vom Könige von\nWürtemberg zum Musik-Director ernannt worden,\nDr. Faisst in Stuttgart hat den Preis des schlesischen Sän-\ngerbundes für Composition von Schiller's „Macht des Gesanges\" er-\nhalten, und haben die Preisrichter die besondere Erklärung abgege-\nben, dass dieses Stück eine wahre Bereicherung der Männergesang-\nLiteratur sei.\n(Die Theater Europa's.) Dem so eben erschienenen zwei-\nten Bande von Otto Hübner's „Vergleichende Statistik Europa's\"\nentnehmen wir folgende interessante Daten: Es gibt in Europa 1480\nSchauspielhäuser (doch nur 298 stehende Truppen); davon hat Frank-\nreich 337, Italien 296 (mit Venetien 348), Spanien 168, Grossbri-\ntannien 159, Oesterreich 152, das eigentliche Deutschland 115, Preus-\nsen 76, Russland 44 (Polen 10), Belgien 34, die Niederlande 23,\ndie Schweiz 20, Schweden 10, Norwegen 8, Portugal 16, Dänemark\n10 (Schleswig-Holstein 5), Griechenland 4, Türkei 4, Rumänien 3,\nSerbien 1 Theater. Stehende Truppen hat Frankreich 61, Klein-\ndeutschland 46, Grossbritannien 39, Oesterreich 34, Preussen 32,"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "184", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660609-01.1.8", "texte": "Italien 24, Russland 15. Unter den Städten haben die meisten Thea-\nter: Paris 40, London 26, Neapel und Mailand je 13, Rom, Turin\nund Brüssel je 10, Berlin, Wien und Florenz je 9 (bei Wien schei-\nnen Singspielhalle und Meidlinger Theater eingerechnet), Madrid,\nVenedig, Genua je 8, Sevilla 6, Lissabon, Amsterdam, Hamburg,\nPetersburg, Bologna, Livorno und Verona je 5 Theater. In ganz\nEuropa kommt ein Theater auf 190,000 Einwohner. Die meisten\nTheater haben: Italien (auf 75,000 Einwohner), Spanien (auf 93,000),\nFrankreich- (auf 110,000); dann folgen die Schweiz, Belgien, Klein-\ndeutschland (auf 150,000); die Niederlande und Grossbritannien (auf\n184,000); Norwegen und Oesterreich (auf 235,000); Preussen (auf\n243,000); Portugal, Dänemark, Schweden und Griechenland (auf\n380,000). Am wenigsten Theater zählt Russland (auf 1,360,000) und\ndie Balkan-Halbinsel (auf fast 2 Millionen Einwohner ein Theater).\nItalien hat also relativ achtzehn Mal mehr Theater als Russland.\nIn Wien hat das Thalia-Theater am Sonntag den 27. Mai zum\nBesten des Ausrüstungs-Fonds für die Freiwilligen „Die Räuber\"\nvon Schiller gegeben. Auch die italiänische Oper bezweckt\neine Vorstellung „zu patriotischen Zwecken\", wie die wiener Blätter\nbekannt machen.\nIn Florenz sind das Pergola- und Pagliano-Theater wegen\nmangelnden Publicums geschlossen worden.\nDas musicalische Institut zu Florenz hat einen Preis von\n500 Francs auf die beste Ouvertüre für grosses Orchester\nausgeschrieben. Termin der Einsendung Ende October 1866.\nIn Turin ging die „Africanerin\" im Teatro Vittorio Emanuele\nmit aussergewöhnlichem Beifalle in Scene. Die ehemalige Violin-\nspielerin Carolina Ferni sang die Selica.\nDas Theater in Pompeji wurde kürzlich mit einer Opern-Vor-\nstellung wieder eröffnet. Die Ankündigung des Directors lautete:\n„Das Theater in Pompeji wird u. s. w. wieder eröffnet, nachdem\nunter Direction des Herrn Quintus Marcius zuletzt „„Die Trojane-\nrinnen\"\", Trauerspiel von Seneca, gegeben worden und seitdem die\nVorstellungen mehr als 1900 Jahre lang suspendirt waren. Ich bitte\ndesshalb, die meinem Vorgänger geschenkte Gunst auch auf mich\nfcu übertragen, da ich mich nach Kräften bemühen werde, mein\nRepertoire würdig dem seinigen anzureihen.\"\nNach einer hier erschienenen musicalischen Statistik\nhaben in diesem Winter in Paris 269 Concerte Statt gefunden,\nund zwar 27 im Conservatoire und Cirque Napoleon, 72 im Saale\nHerz, 85 im Saale Pleyel, 51 im Saale Erard, die übrigen in Sälen\nzweiten Ranges.\nEine Correspondenz aus Düsseldorf vom 25. Mai, unter-\nzeichnet As E., in der hiesigen Revue et Gazette musicale Nr. 21\nsagt über das 43. Musikfest unter Anderem: „Das Comite, präsidirt\nvon Herrn von Sybel, zählte unter seinen Mitgliedern die ausge-\nzeichnetsten Männer der Rheinprovinz. Das Orchester von 200\nKünstlern wurde von Herrn Tausch, Componisten von grossem Ver-\ndienste, von dem man eine sehr gut geschriebene Ouvertüre mit\norigineller Einleitung aufführte, dirigirt; die Vocal-Partie war der\nintelligenten Direction des Herrn Otto Goldschmidt von Hamburg\nanvertraut. Fräulein Philippine von Eisberg (sic)} ein prachtvoller\nMezzo-Sopran, eine Dame von vollkommen orientalischer Schönheit,\nerhielt wahrhafte Ovationen; nur Frau Goldschmidt übertraf sie.\nFräulein Daberkow, eine junge, graziöse Debütantin, fand eine sehr\nwarme Aufnahme\" u. s. w. u. s. w."}]}