{"numero_id": "bm-bmtnabi-1866-06-16-01", "volume": "bmtnabi_1866-06-16_01", "ocr_sha256": "8a2e1f3e9b270fe0949ff3819a444c34c34e5a940c2bb1170d2d66c289fc0e2f", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1866/06/16_01/bmtnabi_1866-06-16_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660616-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1866-06-16-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-06-16_01#c001", "volume": "bmtnabi_1866-06-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "185", "page_fin": "185", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660616-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "185", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660616-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 401, "texte": "Inhalt.\nMusicalische Zustände in Leipzig. Von Dr. Oscar Paul. Aus Prag (Musicalische Zustände, Conservatorium).\nDas vierte mecklenburgische Musikfest. Das Musikfest iu Leiden (Schluss). Der Theaterbrand in New-York. Tages- und Un-\nterhaltungsblatt (Stuttgart, Verein für classische Kirchenmusik, letzten Dinge\" von L. Spohr Paris, Aufführung der Oper\n„Zilda\" von Flotow im Theater der komischen Oper)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-06-16-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-06-16_01#c002", "volume": "bmtnabi_1866-06-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "185", "page_fin": "187", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660616-01.2.2", "titre_corps": "Musicalische Zustände in Leipzig.", "titre_sommaire": "Musicalische Zustände in Leipzig.", "signature_source": "Oscar Paul", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "185", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660616-01.1.1", "debut_caractere": 403, "fin_caractere_exclue": 4028, "texte": "Musicalische Zustände in Leipzig.\nVon Dr. Oscar Paul.\nLängere Zeit haben wir über unser Musikleben ge-\nschwiegen, welches in vergangener Saison leider mancher-\nlei innere Kämpfe bestehen musste. Seitdem jedoch die\nGefahr eines Krieges mit Kanonendonner und Schwerter-\nklirren über ganz Deutschland schwebt, scheint man in\nLeipzig bis auf Kleinigkeiten musicalischen Frieden hal-\nten zu wollen. In solcher friedlichen Stimmung wollen wir\ndenn auch in nüchterner Kürze das Hauptsächlichste aus\nunseren musicalischen Erlebnissen mittheilen und jeglichen\nätherischen Beigeschmack aus unserem Berichte verban-\nnen, damit uns die verehrte Redaction satirisch nicht zu-\nrufen möge:\nUnd eh' der Blick ihm folgen kann,\nEntschwebt er zu den blauen Höhen.\nZunächst gestatten wir uns eine übersichtliche Zu-\nsammenstellung der Leistungen unseres ersten Concert-\nInstituts, des Gewandhauses, zu geben, dessen Wirk-\nsamkeit unserer Stadt ja schon seit Ende des vorigen Jahr-\nhunderts den musicalischen Weltruf verschafft hat. Unter\nder artistischen Leitung der Herren Capellmeister Rei-\nnecke und Concertmeister David wurden wiederum\nzwanzig Abonnements-Concerte im Saale des Gewand-\nhauses abgehalten, in denen im Ganzen achtzehn Sinfo-\nnieen zur Aufführung gelangten, und zwar eine Sinfonie\nD-durson Phil. Emanuel Bach (Original-Ausgabe bei\nPeters, mit Vortrags-Bezeichnungen und Instrumental-\nZusätzen ad libitum herausgegeben bei Breitkopf und Här-\ntel), vier Sinlonieen von J. Haydn (Abschieds-Sinfonie,\nMilitär-Sinfonie, Nr. 33 D-durund Nr. 12 eine\nSinfonie Es-durvon Mozart, sechs Sinfonieen von Beet-\nhoven [Eroica, B-dur, C-moll, und neunte\nSinfonie), Schubert's C-dur-Sinfonie, vier Sinfonieen\n/\nB-dur, C-dur, Es dur, D-moll von R. Schumann und\neine Sinfonie A-dur von C. Reinecke. Ueber letzteres\nWerk, das als jüngstes von den genannten vielleicht noch\nnicht die Rundreise nach allen Concert-Instiluten Deutsch-\nlands gemacht haben durfte, konnten wir uns schon früher\nsehr günstig aussprechen, weil dasselbe nobel erfunden,\nlogisch gebaut und meisterlich instrumentirt ist, welche\nVorzüge vom Publicum durch reichen Beifall und Hervor-\nruf des Componisten warm anerkannt wurden.\nAusser den weiter unten zu besprechenden Novitäten\nhörten wir an Ouvertüren: von Vincenzo Righini Ouver-\ntüre zu „Tigranes\", von Cherubini Ouvertüre zu „Ana-\nkreon\" und zu den „ Abenceragen\", von Mehul zu „Jo-\nseph\" und zu „Gabrielle d'Esträes\", und von den deut-\nschen Componisten: Abt Vogler, Ouvertüre zu „Samori\",\nMozart, Ouvertüre zur „Zauberflöte\", Beethoven, Ouver-\ntüre Op. 124, zu „Coriolan\" und zu „Leonore\" Nr. 3,\nSpohr, Ouvertüre zu „Jessonda\", Weber, Ouvertüre zu\n„Oberon\" und zu „Euryanthe\", Marschner, Ouvertüre\nzum „Vampyr\", Mendelssohn, Ouvertüre „Meeresstille und\nglückliche Fahrt\", Gade's Ouvertüre „Im Hochland\",\nMeyerbeer, Ouvertüre zu „Struensee\", wobei wir noch\nSchumann's unter den Sinfonieen nicht mit aufgezähltes\nWerk, „Ouvertüre, Scherzo und Finale\", Gluck's Reigen\nseliger Geister und Furientanz aus „Orpheus\", Bach's\nG-dur-Concert für Streich-Orchester und Beethoven's\nEgmont-Musik erwähnen wollen. Letztere Schöpfung, bei\nderen Vorführung Herr Schauspieler Herzfeld vom hie-\nsigen Stadttheater als Interpret der nicht gerade schönen\nverbindenden Dichtung von Mosengeil und Frau von Kot-\nschekoff aus Petersburg als Sängerin der Clärchen-Lie-\nder in angemessener Weise mitwirkten, hatte man zur\nhundertjährigen Jubelfeier der Immatriculation Goethe's\nbei der hiesigen Universität (19. October 1765) gewählt,\nund es muss gewiss diese Verehrung, welche von musica-\nlischer Seite dem Heroen der Dichtkunst gezollt wurde,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "186", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660616-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5201, "texte": "die allgemeinste Billigung erfahren, da es die Pflicht eines\njeden Gebildeten ist, den Ausspruch des Dichters zu be-\ntätigen :\n„Halte das Bild der Würdigen fest wie leuchtende Sterne\nTheilte sie aus die Natur durch den unendlichen Raum.\"\nAn bekannten Chorwerken brachte uns das fünfte\nConcert Mozart's Motette Ave verum corpus für ge-\nmischten Chor mit Begleitung von Streich-Instrumenten,\nwelche der Tonschöpfer für den Chorregenten Stoll in\nBaden, der Mozart manche Gefälligkeit erwies, componirt\nund am 17. Juni 1791 vollendet hatte. Nach der recht\nanerkennenswerthen Ausführung von Seiten unseres Chors\nmussten wir dem verdienstvollen Mozart-Biographen Otto\nJahn Recht geben, wenn er im vierten Bande S. 560\nsagt: „Dieser kleine Satz gibt den Ausdruck einer innigen,\nkindlich reinen Empfindung mit einer so herzgewinnenden\nEinfachheit und einem so zauberischen Wohlklange wie-\nder, dass man auf Augenblicke allen irdischen Zweifeln\nund Sorgen entrückt und in einen höheren Frieden auf-\ngenommen wird.\" In demselben Concerte hörten wir auch\nMendelssohn's Lobgesang, von welcher Sinfonie-Can-\ntate, am 25. Juni 1840 zum ersten Male aufgeführt bei\nder vierten Säcularfeier der Buchdruckerkunst, unser\nwackeres Orchester die ersten drei Sätze vortrefflich zur\nGeltung brachte. Auch der Schlusssatz, in welchem uns\ndie Chöre und namentlich die Frauenstimmen wohl vor-\nbereitet erschienen, machte im Ganzen einen recht guten\nEindruck, zumal die Soli durch Frau Julienne Flinsch,\ngeb. Orwil, und Herrn Schild aus Leipzig ausgezeich-\nnet vertreten waren, während Fräulein Scheuerlein\n(Mezzo-Sopran) genügen konnte. Herr Schild brachte na-\nmentlich die schöne Steigerung: „Hüter, ist die Nacht\nbald hin\", mit hinreissendem Ausdrucke zu Gehör, und\ner sowohl als auch sämmtliche Mitwirkende ärnteten vom\nPublicum nach Schluss des Werkes die reichsten Beifalls-\nspenden.\nIm eilften Concerte gelangte Schumann's Manfred-\nMusik zur Aufführung, bei deren Wiedergabe unser Or-\nchester, so wie die vortreffliche Altistin Frau Poegner,\nGattin des früher berühmten Bassisten Poegner, und der\ndresdener Opernsänger Herr Scharfe (Bariton) in sehr\nlobenswerther Weise thätig waren, während Fräulein\nScheuerlein nur mässigen Ansprüchen genügte. Herr\nOtto Devrient, grossherzoglicher Hof-Schauspieler aus\nKarlsruhe, in Leipzig von früher her als talentvoller De-\nclamator mit schönen Mitteln bekannt, wusste auch dieses\nMal mit denselben nachhaltig zu wirken. Die ganze ver-\nwässerte Dichtung von Richard Pohl ist aber, wie wir\nschon früher einmal aussprachen, wenig geeignet, das\nSchumann'sche Werk in dem vollkommenen Liebte er-\nscheinen zu lassen, wie es erscheinen soll, wesshalb wir\nfür künftig dringend anrathen möchten, den Schumann'-\nschen Original-Entwurf zu Grunde zu legen und die ver-\nschiedenen Personen der Handlung beizubehalten, wie es\nauch unter Rietz mit Erfolg geschehen ist.\nFerner brachte das dreizehnte Concert: 1) Joh. Seb.\nBach's doppelchörige glanzvolle Cantate: „Nun ist das\nHeil\" u. s. w., wobei wir erwähnen, dass dieselbe als Nr.\n50 im zehnten Bande der berühmten Bach-Gesellschafts-\nAusgabe verzeichnet und der Text aus Offenb. Joh. Cap.\n12 gezogen ist; 2) das im Winterfeld notirte, herzge-\nwinnende Weihnachtslied für Chor a capella: „Freut\neuch, ihr lieben Christen\" (ionische Tonart im transpo-\nnirten System), von Leonhard Schröter, geb. 1540,\nund 3) Chöre aus Händel's Oratorium „Israel in Aegyp-\nten\", deren Reproduction dem Gewandhaus-Chor Ehre\nmachte.\nIm achtzehnten Concerte führte unser in Mitteldeutsch-\nland so hochgefeierte Pauliner-Verein Mendelssohn's\nChöre aus der „Antigone\", Lied von Friedr. Schnei-\nder und Lied von Conradin Kreutzer mit ausgezeich-\nneter Schönheit durch, so wie auch im zwanzigsten Con-\ncerte Mendelssohn's Finale aus der unvollendeten Oper\n„Lorelei\" und Beethoven's Schlusssatz der neunten Sin-\nfonie nach den vorausgegangenen drei Orchestersätzen\nvon unserem recht wohl geschulten Chor im Vereine mit\ndem Orchester glänzend wiedergegeben wurden, obwohl\neine stärkere Besetzung der Chorstimmen ganz angebracht\ngewesen wäre. Frau Dr. Louise Schlegel-Röster,\nkönigl. preuss. Hof-Opernsängerin, entfaltete als Lorelei\nund in der neunten Sinfonie alle in Biograpbieen und son-\nstigen Artikeln gerühmten Eigenschaften ihrer hohen\nKünstlerschaft, wenn auch die Jahre den früher so mäch-\ntigen Stimmklang etwas matter gemacht haben. Herr\nSabbat, königl. Domsänger aus Berlin, sang das Reci-\ntativ und seine Partie im Solo-Quartett des Beethoven'-\nschen Werkes als echter Künstler, an dem freilich die Zeit\nebenfalls nicht spurlos vorübergegangen ist, während der\njugendkräftige lyrische Tenor an hiesiger Bühne, Herr\nJoseph Schild, den Tenorpart meisterhaft durchführte\nund Frau Poegner ihre technische Sicherheit und musi-\ncalische Auffassung bei Wiedergabe der Alt-Partie in\nvollem Maasse bekundete.\nNachdem wir die unserem Publicum bereits bekann-\nten Werke in Bezug auf Orchester- und Chormusik er-\nwähnt haben, gehen wir über zu den uns vorgeführten\nNovitäten, von denen wir im sechsten Gewandhaus-Con-\ncerte eine Concert-Ouverture Op. 54 von Friedrich\nGrützmacher und nach einem seltener gehörten Män-\nnerchor-Marsch aus „Die beiden Geizigen\" von Gr^try"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "187", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660616-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4933, "texte": "einen Chor für Männerstimmen mit Begleitung von vier\nHörnern und einer Posaune, genannt „Der Jäger Heim-\nkehr\", von Karl Beinecke vernahmen. Dem Grütz-\nmacher'schen Werke zollte das Publicum nur mässigen\nBeifall, obwohl die Motive prägnant hervortraten und die\nInstrumentation von tüchtiger Orchester-Routine Zeugniss\nablegte. Freilich entbehren die Motive trotz ihrer feurigen\nAnlage der grösseren Tiefe und vor allen Dingen der lo-\ngisch fortgesponnenen Durchführung, deren thematische\nArbeit sich nicht über eine aphoristische Zusammensetzung\nerheben dürfte. Die Reinecke'sche Composition nahm da-\ngegen die Zuhörerschaft mit ungetheiltem und gerechtfer-\ntigtem Beifalle auf, da sich trotz einiger Anklänge an\nFranz Schubert'sche Harmonik das reizende Werkchen in\nstimmungsvoller Einheit offenbarte, zumal es vom Pauli-\nner-Vereine in vorzüglicher Weise ausgeführt wurde.\nFerner kamen im siebenten Gewandhaus-Concerte\nzwei Tonstücke von Franz Schubert zum ersten Male\nzu Gehör, deren Schönheit das Publicum zu lebhaften Bei-\nfalls-Kundgebungen hinriss. Diese Tonstücke waren zwei\nEntreacts zu dem von Helmine Chezy gedichteten Drama\n„Rosamunde\", zu welchem der geniale Tonschöpfer Arien,\nChöre, Tänze und Stimmungsbilder componirte, von denen\nder Jäger-, Hirten- und Geisterchor, die Romanze und die\nOuvertüre (Zauberharfen-Ouverture) als Op. 26 bei Dia-\nbelli in Wien erschienen sind. Von den beiden in Rede\nstehenden Stücken fesselte das erste durch eine herz-\nerquickende Lyrik, deren Einfachheit jedes empfängliche\nGemüth von allen zukünftlerischen Schlacken der Jetztzeit\nreinigen musste, während das zweite durch dramatische\nKraft, so wie durch originelle Harmonik, Rhythmik und\nInstrumentation fesselte, welche Eigenschaften durch treff-\nliche Ausführung in das beste Licht gesetzt wurden.\nEine andere Novität präsentirte sich uns im neunten\nConcerte in einer fünfsätzigen Suite Op. 70 von Hein-\nrich Esser, welche das Publicum mit enthusiastischem\nV\nBeifalle aufnahm. Gewiss besitzt auch die Composition\nalle Eigenschaften, welche derselben die wärmsten Sym-\npathieen gewinnen müssen, indem der mit Bach'scher\nContrapunktik, wie mit Beethoven'scher und Schumann'-\nscher Romantik innig vertraute Componist nicht allein eine\ngeschickte Detailarbeit geliefert hat, sondern auch in allen\nfünf Sätzen bekundet, däss seine frische, kräftige Phanta-\nsie in den durch unsere classischen Meister geschaffenen\nund erweiterten Formen ohne Fesseln sich bewegen kann,\nund dieselbe somit als schöpferisches Princip seines Kunst-\nwerkes anzusehen ist. Wir glauben zuversichtlich, dass\ndieses schöne Werk die Rundreise nach allen Concert-\nInstituten Deutschlands machen und allenthalben densel-\nben Beifall wie in Leipzig finden wird.\nDieser Composition folgte im zehnten Concerte ein\nvon dem Componisten mehrerer Sinfonieen, Theodor\nGouvy, gearbeitetes und nobel erfundenes Orchesterwerk,\n„Allegro, Sicilienne, Menuett und Epilog\", welche vier\nSätze sich einer freundlichen Aufnahme erfreuten ; gewiss\nwürde aber das sehr achtungswerthe Werk eine noch\ngrössere Wirkung erzielt haben, wenn einige Wiederho-\nlungen die zwar nicht gerade neuen, aber recht interessan-\nten und mit feinsinnigem Colorit überzogenen musicali-\nschen Zeichnungen nicht ein wenig in die Länge gezogen\nhätten.\nDer im eilften Concerte zur Aufführung gelangte Chor\n„Pfingsten\" von Ferd. Hill er ist in diesen Blättern schon\nbesprochen wurden; uns interessirte besonders die geist-\nreiche Conception, die meisterhafte Factur und die Anwe-\nsenheit des gefeierten Componisten.\nEine neue, im zwölften Concerte zu Gehör gebrachte\nOuvertüre zu Kleist's „Hermannsschlacht\" von Georg\nVierling, welcher sein Manuscriptwerk selbst dirigirte,\nerrang nur einen Achtungserfolg, trotzdem die anständige\nComposition natürliche Harmonik und im Ganzen ge-\nschickte Mache zeigt. Die Motive, von denen das erste und\nam meisten verwerthete mit dem ersten Thema aus Ro-\nbert Volkmann's i?-wo//-Sinfonie fast übereinstimmt, be-\nkunden allerdings wenig selbständige schöpferische Kraft,\nauch erhebt sich die Arbeit nicht bis zu einer compacten,\ngeschlossenen Form, und endlich sind die Instrumental-\nEffecte oft zu sehr den Partituren C. M. v. Weber's abge-\nlauscht, um dem in Rede stehenden Werke Originalität\nzugestehen zu können.\nIm siebenzehnten Concerte fesselten zwei hier noch\nnicht gehörte Compositionen Franz Schubert's unser\nInteresse. Ein grossentheils homophon gehaltenes „Kyrie\neleison— Christe eleison\"aus der Messe des Ton-\nschöpfers zeigte durchweg Adel der Empfindung und bei\nschöner, natürlicher Stimmführung eine wahre, fromme\nLyrik, deren Form auch nirgends dem kirchlichen Charak-\nter zu nahe trat. Im Gegensatze hierzu trat die Ouvertüre\nzu Alfons und Estrella in ritterlicher Kraft und jugend-\nlichem Feuer auf; die Festigkeit in Gestaltung der klaren\nGedanken und das glänzende Colorit sichern dem Werke\nim Concertsaale durchschlagenden Erfolg.\n(Fortsetzung folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-06-16-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-06-16_01#c003", "volume": "bmtnabi_1866-06-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "187", "page_fin": "189", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660616-01.2.3", "titre_corps": "Aus Prag.", "titre_sommaire": "Aus Prag.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "187", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660616-01.1.3", "debut_caractere": 4935, "fin_caractere_exclue": 5122, "texte": "Aus Prag.\nEnde Mai 1866.\nDie Lobredner vergangener Zeiten gehören bekannt-\nlich zn jener Classe von Menschenkindern, welche überall\nfortkommen, nie aussterben. Wenn sie aber irgendwo\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "188", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660616-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5534, "texte": "eine Berechtigung haben, ihre Sehnsucht nach vergange-\nnen Tagen fast in Permanenz zu erhalten, so ist dies in-\nnerhalb der schwarz-gelben Pfähle bestimmt der Fall. Im\ndrohenden Waffengetöse verstummen die Künste des Frie-\ndens, inmitten der politischen, nationalen und socialen\nWirren stockt das höhere Leben der Länder und Völker\nund fällt ganz anderen Factoren der Coexistenz als jenen,,\ndie zum Ziele einheitlichen Waltens und Strebens für edle\nZwecke einigen, zur Beute. Die österreichische Monarchie\nleidet seit Decennien schon unter dem Drucke einer aus-\nwärtigen, volkswirthschaftlichen und anderweitigen Poli-\ntik, die uns nun abermals an den Rand des Abgrundes\ngebracht. Die Krisis ist nun im laufenden Jahre an ihrem\nHöhepunkte angelangt; abgesehen aber von der allgemei-\nnen Lage des Staates, von der beispiellosen Finanz-Misere,\nin welche uns die diversen Heilkünstler gebracht, ist es\nihnen gelungen, zu den überzahlreichen Feinden des Do-\nnaureiches auch die innere Zwietracht zu gesellen. Dem\nSysteme, die heterogensten Elemente über Einen Ramm\nzu scheren, mit Gewalt Alles zu nivelliren und zu unifor-\nmiren, haben wir jenen Zank und Hader zu verdanken,\nder nicht nur die Länder und Völker trennt, sondern auch\nin ihrem eigenen Schoosse Parteiungen nach allen mögli-\nchen und unmöglichen Richtungen gross gezogen hat.\nWohl kein Land der Monarchie bat die Süssigkeiten die-\nser zersetzenden und so viel als möglich brutalen Gewalt\nmehr zu kosten bekommen, kein Land der Monarchie seufzt\ngegenwärtig unter der Schwere ihrer Folgen mehr, als\ngerade Böhmen. Die Anwendung der allgemeinen Zustände\ndes Königreiches an der äussersten Gränze auf die beson-\nderen der Kunst und zunächst der musicalischen der Haupt-\nstadt ergibt sich von selbst. Das sonst so rege, blühende\nMusikleben Prags, vor noch nicht gar zu langer Zeit be-\nkanntlich des Vermittlungsortes zwischen Nord und Süd,\nim strengsten Sinne eines Emporiums der wenigstens in\neiner Beziehung tonangebenden Tonkunst, ist nun in eine\nPhase gänzlicher Stagnation getreten, aus der nur grosse\nMühen und Anstrengungen wieder helfen könnten. Die\nnoch immer vorhandenen Musikkräfte der Moldaustadt\nliegen wie disjecta membra in zersplitterter Unordnung da\nund harren vergebens einem concentrirend belebenden\nRufe und anderen Impulsen entgegen. Dem blossen gele-\ngentlichen Zufalle überlassen, ist an eine künstlerische\nVerwerthung derselben kaum zu denken. So kommt es,\ndass die heurige Musik-Saison, dieser prägnanteste Aus-\ndruck und Zeuge des jeweiligen Kunstlebens, ein wahres\nBild des Jammers bildet find nur wenig Stoff für eine öf-\nfentliche Besprechung bietet.\nWenn wir Ihre freundliche Erlaubniss, einen kleinen\nRaum in Anspruch nehmen zu dürfen, dennoch zu einem\nBerichte benutzen, so werden Sie es hoffentlich gütigst\nnachsehen, dass wir, um nicht Lamentationen und Wor-\nten der Entrüstung Raum geben zu müssen, von den hie-\nsigen zwei Opern-Instituten, dem des czechischen und je-\nnem des deutschen so genannten königlichen Landesthea-\nters, gänzlich schweigen. Auch der in der eben abgelau-\nfenen Saison Statt gehabten Concerte, Akademieen und\nwie die Musik-Productionen noch heissen mögen, sei nur\nin so fern gedacht, als zu beachten kommt, es sei eben\nnichts Besonderes, nichts Hervorragendes, was mehr als\neine bloss locale Bedeutung hätte, zu berichten. Eine\netwaige Ausnahme könnte höchstens die Aufführung der\nLiszt'schen Oratoriums-Legende „Die heilige Elisabeth\"\nbilden, schon desshalb, weil es sich um eine der interes-\nsantesten Novitäten der Neuzeit handelt. Der Lebenslauf\ndes genialsten Virtuosen des Jahrhunderts ist bekannt. Er\nglich, so lange Liszt reproducirender Künstler blieb, dem\nTriumphzuge eines Imperators, dem man nur Huldigungen\nund Sirenentöne der Bewunderung und unbedingten Lobes\nzu bringen hat. Erst als er die Gränzen productiven Künst-\nlerthums betrat, fanden sich auch jene zudringlichen Dor-\nnen ein, die im Leben eines jeden Poeten eine so grosse,\noft verhängnissvolle Rolle spielen. Kein Componist ist viel-\nleicht so glorificirt und apotheosirt worden, wie gerade\nLiszt, keiner aber hat so viele Anathematisirungen, so im-\npertinente Zurechtweisungen, so vagen Hohn aus persön-\nlichen und einseitig principiellen Gründen erfahren, wie\ngerade er, in demselben Europa, das den fahrenden Vir-\ntuosen früher vergöttert hatte. Und doch gibt es in der\nKunstgeschichte der neueren Zeit keine Persönlichkeit, de-\nren Entwicklungs- und Läuterungs-Process so interessante\nund, setzen wir gleich hinzu, so bewundernswerthe Phasen\naufzuweisen hätte. Es bedarf keines Hinweises, wie nach\nund nach aus dem geistreichen Transscripten und Para-\nphrasisten der selbständige Componist für noch nicht da\ngewesene Virtuosenzwecke wurde, wie sich dann aus dem\ninstrumentalen und vocalen Lyriker der Held der vielbe-\nwunderten und vielgeschmähten „Sinfonischen Dichtungen\"\nentpuppte. Die Graner Messe und andere kirchliche Pro-\nducte bilden gleichsam nur vereinzelte Präludien zu der\nneuesten Phase des Componisten. Letztere entspricht bei-\nläufig jenen des Lebens. Im Hafen des „allein seligmachen-\nden Glaubens\" angekommen, huldigt Liszt, wenn man so\nsagen darf, einer Art von Amphibolismus als Laie und als\nEcclesiast, eben so wie auch die Richtung seines neuesten\nWerkes. Es ist nicht die herbe Ascetik der\nin deren alles Glanzes baren Formen sein Oratorium er-\nscheint: die glühenden Farben, die weltlichen Effecte lei-\ndenschaftlicher Dramatik sind es, die den Ernst des schil-\nlernden Stiles mildern. Nicht den alten Meistern der Con-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "189", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660616-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5431, "texte": "trapunktik entlehnt er seine Polyphonik, sondern der the-\nmatischen Arbeit der modernen. In letzterer Beziehung\nerregt er aber nicht nur durch seine geistreichen Combi-\nnationen, sondern auch durch Eingebungen unmittelbarer\nImpulse unsere Bewunderung. Diese kann dem seltenen\nManne wohl Niemand versagen, wenn auch zugegeben sein\nsoll, dass der Eindruck der Novität kein im Allgemeinen\nharmonischer, dass er nicht vollkommen befriedigend, wie\nder eines nach allen Seiten abgerundeten Kunstwerkes ist.\nAn die Aufführung des Oratoriums, bei der sich an\n400 Mitwirkende betheiligten, reihen sich in der heurigen\nSaison qualitativ nur noch die Concerte des Conservato-\nriums, trotzdem dass sich das Institut in einer Uebergangs-\nPeriode befindet. An dem Institute sind die verhängniss-\nvollen Ereignisse und die ihnen folgenden Verhältnisse der\nletzten Decennien leider nicht spurlos vorüber gegangen.\nDem immer grösser werdenden Mangel an Erhaltungs-\nmitteln halfen zwar die Energie und Sorge seiner Prot.ec-\ntoren, insbesondere des Präsidenten des „Vereins zur Be-\nförderung der Tonkunst\", Herrn Grafen Albert Nostiz,\nab, doch nur in so weit, als es Privatkräften möglich. Dazu\nkam eine interne Krisis, indem der bisherige, langjährige\nDirector und artistische Leiter des Conservatoriums von\nseinem Posten schied, eine der wichtigsten pädagogischen\nKräfte aber durch den Tod ihrer Wirksamkeit entrissen\nwurde. Der letztere Posten, die Lehrkanzel der Violine,\nist bisher noch unbesetzt, den ersteren nimmt nun Herr\nJos. Krejci ein, der von der einberufenen General-Ver-\nsammlung so eben zum definitiven Conservatoriums-Di-\nrector erwählt wurde. Er hatte vor etwa einem halben\nJahre die provisorische Leitung übernommen und musste,\nkaum dass er sich als Lehrer der theoretischen Wissen-\nschaften und Leiter der Orchesterschule mit seinen Schü-\nlern ins Einvernehmen gesetzt, mit der Organisation der\nAnstalt vertraut gemacht, vor die Oeffentlichkeit treten\nund Proben seiner fast nur nach Wochen zählenden Wirk-\n\\\nsamkeit ablegen. Dass die Concerte des Conservatoriums\nheuer einen sehr günstigen, ja, durchschlagenden Erfolg\nhatten, scheint jedenfalls unter den gegebenen Umständen\nfür den Mann zu sprechen und bestätigt das gute Vorur-\ntheil, dessen sich Krejci als Componist, Chorregent und\nDirector der prager Organistenschule bereits erfreute, in\nglänzender Weise.\nIn den vier vom Conservatorium gegebenen Concerten\nkommen zur Beurtheilung seiner Leistungen im Allgemei-\nnen zunächst die Aufführungen der zu Gehör gebrachten\nSinfonieen in Betracht. Den ersten Rang unter diesen als\nComposition nahm unstreitig Ferd. Hiller's Op. 67.in E-\nmoll: „Es muss doch einmal Frühling werden\", ein. Mit\ndiesem Werke befestigte sich Hiller in jener Gunst des\nPublicums, die er schon seit Jahren in Prag geniesst. Die\ngeistvolle Erfassung des symbolisch genommenen, in einem\nMotto präcisirten Programms, die meisterhafte Benutzung\nder thematischen Arbeit zu einem Ganzen, die frappanten\nUeberraschungen des gewiegten Harmonikers, des ge-\nwandten Meisters der Bhythmik, die glücklichen Combina-\ntionen glänzender Tonmiscbung des Orchesters lassen alle\nEinwendungen, die man einem jeden Kunstwerke, wenn\nman sich capricionirt, entgegensetzen kann, leicht verges-\nsen und schwer begreifen, wie das Werk sich an anderen\nOrten keiner so günstigen Aufnahme zu erfreuen hatte,\nwie hier. Letztere hat es zum grossen Theile einer eben\nso sorgsam vorbereiteten, als gut nuancirten und feurigen\nAufführung zu danken, was gewiss für ein nur aus jungen\nEleven bestehendes Orchester viel sagen will. Insbesondere\nenthusiasmirte das zwar Mendelssohn'sche, aber durch\nneue Züge vielfach interessirende, für die Mitwirkenden\nüberheikele Scherzo. Eine nicht minder gewagte Aufgabe\nwar Beinecke's Sinfonie in A-duOp. 79, ein Werk distin-\nguirten Eklekticismus und künstlerischer Boutine, und die\ndurch ihre plastische Klarheit und concise Entschiedenheit\nüberraschende Sinfonie in C-dur Op. 30 von W. Bargiel;\nauch diese zum ersten Male gegebenen Werke, wie Beet-\nhoven's Pastoral-Sinfonie, erfreuten sich gelungener Wie-\ndergabe. Wenn wir des bemessenen Baumes wegen des\nBeethoven'schen, von Professoren der betreffenden Instru-\nmente und dem Herrn Baimund Dreyschock aus Leipzig\nausgeführten Septuors, der zu Gehör gebrachten Vocal-\nCompositionen von Bargiel, Beinecke, Cherubini, Mozart\nund Mendelssohn nur nebenbei erwähnen, in denen die\nSchülerinnen der Opern- und Concertgesangschule mit-\nwirkten, so sei es nur noch erlaubt, von dem letzten Con-\ncerte, das im deutschen Landesgarten gegeben wurde, das\nzu Gehör gebrachte Finale aus dem ersten Acte von Meyer-\nbeer's „Africanerin\" anzuführen. Die Aufführung war,\nda fremde und zahlreiche Kräfte für die Solo-Partie und\nden Chor beigezogen worden, eine imposante. Dass das\nvon Meyerbeer's Anhänger-Phalanx allüberall beweih-\nrauchte Tonstück eine Fülle von musicalischen und unmu-\nsicalischen Effecten in sich birgt, war bei dem Grossmogul\ndes pyramidalen Effectes leicht vorauszusehen. Bei einer\nAufführung auf dem Concert-Podium im Frack und die\nStimmen in der Hand tritt die Absicht viel klarer und ein-\ndringlicher zu Tage, und man wird viel eher verstimmt,\nals vor der lebendigen Scene. Desshalb sei von jeder Mei-\nnungsäusserung über die Composition an sich Abstand ge-\nnommen und nur bemerkt, dass die überhoch gespannten\nErwartungen unter solchen Umständen nicht in vollstem\nMaasse befriedigt wurden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-06-16-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-06-16_01#c004", "volume": "bmtnabi_1866-06-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "190", "page_fin": "191", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660616-01.2.4", "titre_corps": "Das vierte mecklenburgische Musikfest.", "titre_sommaire": "Das vierte mecklenburgische Musikfest.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "190", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660616-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5004, "texte": "Das vierte mecklenburgische Musikfest.\nVon den zu den mecklenburgischen Musikfesten ver-\nbundenen Städten Schwerin, Rostock, Wismar, Güstrow\nwar für die Feier des diesjährigen vierten Festes die Stadt\nGüstrow bestimmt, wo dann dasselbe an den Tagen des\n3., 4. und 5. Juni Statt fand.\nDie neu erbaute Festhalle, einfach und doch ge-\nschmackvoll decorirt, mit Gas erleuchtet, für ungefähr\n1100 Zuschauer Platz gewährend, entspricht im Innern\nallen billigen Anforderungen und ist auch in akustischer\nBeziehung völlig gelungen. Die Lage am oder eigentlich\nim Wallgarten, die unmittelbare Nähe von schattigem\nGrün und blühenden Blumen rechnen wir zu den beson-\nderen Vorzügen dieses Festtempels. Hier begrüsste Herr\nDom-Oekonomus Jantzen beim Beginne der General-\nprobe zum „Paulus\" die schon am Bahnhofe mit Musik,\nBöllerschüssen und Hurrah's empfangenen Gäste; auf die\nherzlichen Worte erwiederte Herr Hof-Capellmeister\nSchmitt. Die Generalprobe nahm eine lange Zeit in\nAnspruch.\nDas Wetter begünstigte das Fest; der Himmel lachte\nin strahlendem Blau auf die mit Flaggen und Grün reich\ngeschmückte Stadt hernieder. Se.Königl. Hoheit der Gross-\nherzog kam am 4. Morgens mit dem ersten Zuge von\nSchwerin an, am Bahnhofe von den Behörden, dem Fest-\nComite und dem Hurrah der versammelten Zuschauer be-\nwillkommt. In der Festhalle waren während der Mittags-\nzeit die Mitwirkenden wieder zur Probe versammelt, die\ndiesmal von Seiten des Chors besonders der „Nacht\" von\nFerdinand Hiller galt. Der gefeierte Meister ward\nvom Capellmeister Schmitt an das Dirigentenpult geführt,\nden Mitwirkenden vorgestellt und von diesen mit begeister-\ntem Zurufe begrüsst.\nDas Programm war folgendes:\nErster Tag. „Paulus\", Oratorium von F. Men-\ndelssohn-Bartholdy. —Zweiter Tag. 1. Sinfonie\nin B-dur von Rob. Schumann. 2. „Die Nacht\",\nHymne für Soli, Chor und Orchester von Ferd. Hiller.\n3. B eeth o v en' s Ouvertüre Nr. 3zu „Leonore\". 4. „Die\nSchöpfung\" von J. Haydn, 111. Theil. Dritter Tag.\nMorgen-Concert, Anfang 12 Uhr (s. unten). Die\nAbend-Concerte begannen um 5 Uhr Nachmittags.\nDer Chor zählte im Sopran 93, im Alt 76, im Tenor\n43, im Bass 61, zusammen 273 Stimmen; das Orchester\n31 Violinen, 12 Bratschen, 10 Violoncelle, 8 Contra-\nbässe, 3 Flöten, 2 Oboen u. s. w., zusammen 85 Instru-\nmentalisten.\nSolisten waren Frau Linda Röske-Lundh, königl.\nHof-Opernsangerin aus Stockholm, Fräulein Helene\nHausen, Concertsängerin aus Berlin, Herr Dr. Gunz\naus Hannover, Herr Karl Hill aus Frankfurt am Main.\nFest-Dirigenten Herr Hof-Capellraeister G. Aloys\nSchmitt aus Schwerin und Herr Capellmeister Ferd.\nHill er aus Köln.\nDas gesammte Personal zählte mithin 364 Mit-\nwirkende. Die Chöre bestanden aus den Vereinen der\nStädte Rostock, Schwerin, Wismar, Güstrow; den Stamm\ndes * Orchesters bildete die treffliche Hofcapelle von\nSchwerin.\nIm ersten Concerte hat Mendelssohn's „Paulus\" das\nvöllig besetzte Haus erhoben und erbaut, erschüttert und\nerfreut. Das Oratorium, das seinen Einzug in unser Land\nvor 26 Jahren unter des Meisters eigenen Auspicien hielt,\nhat eine vortreffliche Wiedergabe erlebt. Dass es gelun-\ngen ist, in Einer Probe mit zum Zwecke des Musikfestes\nerst zusammengetretenen Kräften ein Ensemble herzustel-\nlen, wie wir es hörten, das wird jeder Kundige dem Fest-\nDirigenten zur besonderen Ehre anrechnen, wie es auch\nein Beweis ist für die tüchtige Vorübung der zu dem\nFeste vereinigten Chöre. Die Harmonie der Gesammt-\nwirkung erreichte an manchen Stellen, in dem Seligprei-\nsungs-Chor, der A-moll-kne mit Chor u. s. w., eine solche\nHöbe, dass dem Hörer im Augenblicke der höchste Grad\ndes durch die Musikstücke möglichen Effectes erreicht\nschien. Der Chor stand der Klangwirkung nach im rich-\ntigen Verhältnisse zu dem Orchester und leistete an\nSchlagfertigkeit und Kraft des Vortrages, wie in Feinheit\nder Nuancirung gleich Ausgezeichnetes. An Schönheit des\nTones war der Sopran überwiegend. Dem zweiten Sopran\nhätte man wohl eine stärkere Besetzung wünschen mögen.\nMan hatte diesmal, abweichend von den früheren drei\nMusikfesten, auf die Mitwirkung von Knabenstimmen ver-\nzichtet; wir möchten kaum glauben, dass das hiermit ge-\ngebene Beispiel Nachahmung für die Folge verdient. Das\nGanze der Aufführung war belebt von echt künstlerischem\nGeiste, getragen von der Begeisterung der Mitwirkenden,\ndie durch keine Unbequemlichkeit, welche durch die Hitze\ndes Locals veranlasst war, niedergeschlagen werden konnte.\nNeben diesem grossen Erfolge können einzelne unmerk-\nliche Verstösse nicht in Betracht kommen.\nVon den Solisten nahmen die beiden Herren Gunz\nund Hill, als bisher unserem Lande fremde Gäste, zu-\nnächst unsere Aufmerksamkeit in Anspruch. Ihren Leistun-\ngen gebührt sowohl in Hinsicht der Recitative als der Arien\ndie höchste Anerkennung. Zu welchem meisterhaften dra-\nmatischen Leben gelangte die Sterbescene des Stephanus\ndurch die Interpretation des Herrn Gunz; wie wunderbar\nverstand Herr Hill bei aller Einfachheit (und in der Ein-\nfachheit besteht hier die wahre Grösse) des Vortrages je-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "191", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660616-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 863, "texte": "dem Worte des Textes, jeder Note der Musik gerecht zu\nwerden! Hier alles Schöne hervorzuheben, ist unmöglich.\nFräulein Hausen schloss sich den Genannten würdig an,\nso dass nur zu bedauern blieb, dass das Oratorium der\nKünstlerin keine grössere Bethätigung ihrer Vorzüge ge-\nstattete. Frau R öske-Lundh war einem grossen Theile\ndes Publicums eine bekannte und liebgewordene Erschei-\nnung; sie empfing zahlreiche Proben der Beliebtheit, wel-\ncher sie sich bei demselben erfreut.\nIm Laufe des Nachmittags war auch die Grossherzogin\nMutter eingetroffen und beehrte das Concert, wie auch\nSe. Königl. Hoheit der Grossherzog, mit Allerhöchsterer\nGegenwart. Nach dem Concerte war eine zahlreiche Men-\nschenmenge in dem erleuchteten Tessen'scben Garlen zu-\nsammengeströmt, wo auch der Grossherzog erschien, von\ndem Publicum mit lebhaften Zurufen begrüsst.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-06-16-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-06-16_01#c005", "volume": "bmtnabi_1866-06-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "191", "page_fin": "191", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660616-01.2.5", "titre_corps": "Das Musikfest in Leiden.", "titre_sommaire": "Das Musikfest in Leiden.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "191", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660616-01.1.7", "debut_caractere": 865, "fin_caractere_exclue": 3040, "texte": "Das Musikfest in Leiden.\n(Schluss. S. Nr. 23.)\nDas Orchester war grösstenteils aus tüchtigen Ele-\nmenten zusammengesetzt und löste seine Aufgabe auf ver-\ndienstliche Weise, besonders in der so\ndass man ohne Uebertreibung sagen kann, dass das Mei-\nsterwerk meisterlich ausgeführt wurde. Nur darf nicht\nverhehlt werden, dass bei der grossen Räumlichkeit das\nGeigen-Quartett, namentlich die ersten Violinen und Con-\ntrabässe, etwas zu schwach besetzt waren, was besonders\nden vom Orchester entfernter befindlichen Zuhörern be-\nmerkbar wurde.\nAufmerksamkeit und Eifer des Chors waren lobens-\nwerth und zeugten von gut angewandten Uebungen. Die\nEinsätze waren, mit Ausnahme einiger in den Händel'schen\nChören, präcis und kräftig; auch die Choräle und Fugen\nim „Paulus\" wurden sehr gut gesungen, am besten: „Dir\nwill ich mich ergeben\", „Siehe, wir preisen selig\", „Ma-\nche dich auf, werde Liebt\", auch der Anfangschor des\nersten und die Schlusschöre beider Theile. Eben solches\nLob verdient die Ausführung der Chöre in den „Jahres-\nzeiten\". Dagegen liessen die Händel'schen, mit Ausnahme\ndes „Halleluja\", Einiges zu wünschen übrig. War es ab-\nsichtlich, dass verschiedene Tempi in der Probe langsa-\nmer genommen wurden, an den Concert-Abenden aber\ndem Verständnisse und Geschmack des Dirigenten Ehre\nmachten?\nDie vier Solisten waren dieselben, die uns bei dem\nletzten Musikfeste 1864 erfreuten. Das Gerücht, dass Frau\nOffermans van Hove von ihrer Künstler-Laufbahn zu-\nrücktreten wolle, ist nur in so weit begründet, dass sie\nnicht mehr in Abonnements-Concerten, sondern nur bei\nMusikfesten singen wird. Durch ihren Vortrag der Arioso's\nim „Paulus\" und den „Jahreszeiten\" ärntete sie hier neue\nLorbern. Fräulein Schreck machte durch den schönen\nKlang ihres mächtigen Organs und den edlen Vortrag der\nArie aus Händel's „Samson\" und des Arioso im „Paulus\"\ntiefen Eindruck. Die Leistungen der Herren Schneider\nund Behr waren ebenfalls vortrefflich. Der Vortrag eini-\nger Ensemblestücke hätte abgerundeter sein können. Der\nBesuch war auch in den Proben schon zahlreich: die Schü-\nler der Bürger-Gesangschule und der Kirchenchöre der\nverschiedenen Gemeinden hatten freien Eintritt dazu."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-06-16-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-06-16_01#c006", "volume": "bmtnabi_1866-06-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "191", "page_fin": "192", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660616-01.2.6", "titre_corps": "Der Theaterbrand in New-York.", "titre_sommaire": "Der Theaterbrand in New-York.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "191", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660616-01.1.7", "debut_caractere": 3042, "fin_caractere_exclue": 4861, "texte": "Der Theaterbrand in New-York.\n„Akadernie der Musik\" war der stolze Name des\ngrossen Operntheaters in der XIV. Strasse zu New-York,\nwelches in der Nacht vom 21. Mai durch eine Feuers-\nbrunst gänzlich zerstört worden ist.\nGrau's italiänische Operngesellschaft hatte an dem\nAbende Halevy's „Jüdin\" gegeben. Die Zuschauer hatten\nkaum das Haus verlassen, als der Portier und der Gas-\nmarin, bevor sie noch ihre Runde machten, einen dicken\nRauch entdeckten, der unter den Sitzen der linken Seite\ndes Parquets hervorquoll. Als die Masse desselben sie ver-\ntrieb und sie hinauseilten, um Hülfe zu schaffen, sahen\nsie, wie die Flammen auf der anderen Seite an der Strasse\naus den oberen Fenstern hervorbrachen. Das konnte kein\nZufall sein. Der Portier ging sogleich in das Gebäude zu-\nrück, um seine Familie zu reiten, was ihm nur mit Mühe\ngelang, da auch seine fast neunzigjährige Mutter bei die-\nser wohnte. Ehe eine wirksame Hülfe zur Stelle war, halte\ndas Feuer bereits eine solche Masse von brennbaren Ge-\ngenständen ergriffen, dass keine menschliche Hülfe ihm\nmehr Einhalt thun konnte. Die Akademie wurde gänzlich\nzerstört, eben so das Medicinal-Gollegium, die Pianoforte-\nFabrik von Ihne und eine grosse Restauration. Am mei-\nsten zu bedauern ist, dass einige Männer von der Feuer-\nwehr ihr Leben dabei eingebüsst haben.\nAllerdings ist die Zerstörung eines so bedeutenden\nöffentlichen Gebäudes ein grosser Verlust und ein schwe-\nrer Schaden für eine ganze Classe von Einwohnern, allein\nabgesehen davon haben wir Ursache, zu hoffen, dass am\nEnde für das Publicum Vortheil daraus entspringen wird.\nDas Theater war von einer Actien-Gesellschaft gebaut,\nund die Rechte, welche sich die Actionäre vorbehalten\nhatten, waren zwar für diese selbst sehr vortheilhaft, aber\ni\nfür die Directionen entsetzlich lästig und auch für das"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "192", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660616-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2256, "texte": "Publicum nachtheilig. Ihr Privilegium verlieh ihnen den\nausschliesslichen Besitz einer grossen Anzahl der besten\nPlätze für alle Vorstellungen mit dem Rechte, sie für die\nAbende, an denen sie sie nicht selbst benutzen wollten, zu\nverschenken oder zu verkaufen! Die Folge war, dass\njeden Abend eine Menge von Actionärplätzen zum Nach-\ntheil der Einnahme des Unternehmers verkauft war. Die\nActien-Gesellschaft hatte sich Corporatiorisrechte unter\ndem blendenden Titel einer „Akademie der Musik\" zu\nverschaffen gewusst, mit dem Versprechen, in dem Gebäude\nnicht bloss ein Theater, sondern auch eine vollständige\nMusikschule für Sänger und Instrumentalisien zu errichten.\nWeder für eine solche Akademie, noch sonst für Kunst-\nzwecke ist auch nur das Geringste gethan worden, indem\ndie Gesellschaft nur das einzige Ziel verfolgte, gute Zinsen\naus ihrem Capital zu machen. Aber aüch im Innern war\nvon schöner, bequemer und akustischer Architektur keine\nSpur vorhanden; auf einigen Hundert Plätzen konnte man\nnichts sehen, da der Zuschauerraum entsetzlich breit und\ndie Bühne zu schmal war. Das Ganze war eine kolossale\nMonstrosität.\nBei solchen Verhältnissen war es nicht möglich, dass\nirgend ein Theater-Director gute Geschäfte machen konnte.\nDer erste war Hacket, der Mario und die Grisi engagirt\nhatte, sie aber zuletzt nicht bezahlen konnte. Nachher\nfinden wir unter den Directoren die Namen Ole Bull,\nMaretzek und Slrakosch als drei Compagnons, dann unter\nAnderen Ullman, Strakosch, Thalberg, Max Maretzek,\nGrau u. s. w., von denen Einige förmlich Bankerott mach-\nten, die glücklichsten am Ende doch nur sehr geringen\nGewinn erzielten. Am besten liess sich die letzte Season\nunter Max Maretzek zum Erfolge an: jetzt aber gehört\ndieser Unternehmer zu den am schwersten vom Brand-\nunglück Betroffenen. Er hat die vollständige Bibliothek\nvon mehr als siebenzig Opern verloren sammt dem dazu\ngehörigen Inventar, ferner alle Decorationen, die ganze\nGarderobe u. s. w., was alles Jahre lang gesammelt war\nund einen Werth von 150,000 Dollars hatte, wovon nur\nfür 10,000 versichert war. Der Director Grau, der nur\nvorübergehend das Haus für einige Vorstellungen gemiethet\nhatte, berechnet seinen Verlust dennoch auf 30—40,000\nDollars. [American Art J von New-York.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-06-16-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-06-16_01#c007", "volume": "bmtnabi_1866-06-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "192", "page_fin": "192", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660616-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "192", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660616-01.1.8", "debut_caractere": 2258, "fin_caractere_exclue": 5195, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nStuttgart, 14. Juni. Der Verein für classische Kirchenmusik\nschloss den Concert-Cyklus mit der Aufführung der „Letzten Dinge\",\nOratorium von L. Spohr (1826), Dinstag den 5. Juni, unter zahl-\nreicher Betheiligung Seitens des Auditoriums in der Stiftskirche. Das\nOratorium gehört mit „Jessonda\", „Faust\" u. s. w. zu den besten\nvon Spohr; seine späteren Werke fallen bedeutend ab. Bei Spohr\nist gegenüber den Meistern erster Grösse der Mangel an Ob-\njectivität und was damit zusammenhängt, beschränktere Weltan-\nschauung und engerer Horizont, welche Schwäche ihn nicht zur\nhöchsten Vollendung kommen liess, ganz unverkennbar. Die Sub-\njectivität und ein individuelles Wesen ist in jener weichen, elegi-\nschen Stimmung überwiegend und gibt seinen Werken öfters eine\nmonotone Färbung. Dies ist es eben, was den weltumfassenden Ge-\nnius vom blossen Talente unterscheidet. Spohr zeichnet die Welt\nnur, wie sie sich in ihm individuel, nicht wirklich, abspiegelt, da-\nher ist auch bei seinen kirchlichen Werken ein ganz glückliches\nGelingen nicht nachzurühmen, so trefflich auch Manches darin in\nrein musicalischer Hinsicht, namentlich der Instrumentation und der\nBeherrschung der Form, ist. Spohr's eigentliches Feld war die rein\ninstrumentale Musik und theilweise auch die Oper, aber immerhin\ndarf sein Oratorium ein sehr schätzenswerthes Werk genannt werden.\nWenn auch nicht zu läugnen ist, dass es sich häufig verflacht, so\nerhebt es sich andererseits doch wieder zu ganz bedeutendem Auf-\nschwünge, und es sind namentlich die Chöre: „Preis und Ehre ihm\"\nu. s. w., „Heilig ist Gott\" u. s. w., „Betet an\" u. s. w., „Selig sind\ndie Todten\" u.s.w., besonders aber: „Gefallen ist Babylon\" u.s.w.,\nund noch der Schlusschor: „Halleluja\", welche die Hauptpointen\ndes Ganzen bilden. Die Sinfonie als Ouvertüre des zweiten Theiles\nsoll ein einleitendes Tongemälde zu dem durch einzelne Stimmen\nund den Chor beschriebenen Ausbruch des jüngsten Gerichtes sein;\nsie ist mitunter von recht schöner Wirkung, verfällt aber auch\nhäufig in einen phrasirten, nichtssagenden Kammermusik-Stil. Be-\ntreffs der Ausführung müssen wir constatiren, dass die Solisten und\nder Chor mit dem Orchester wetteiferten, da*s Ganze würdig zu Ge-\nhör zu bringen; namentlich heben wir die treffliche Einstudirung\ndes Chors durch Herrn Director Faisst hervor.\nAm 28. Mai fand im Thiatre de VOptra comique die\nerste Vorstellung der Oper „Zilda\" (Deutsch Silda), die Herr von\nFlotow für diese Bühne geschrieben, Statt. Der Erfolg beruhte\nvorzüglich auf der Trägerin der Hauptrolle, Madame Cabel, die\nsich nach den Ausdrücken ihrer Verehrer an Stimme und Grazie\nverjüngt hat und mit dem Glänze ihrer Virtuosität nach wie vor\nbezaubert. Curios, aber echt französisch, das Urtheil über eine neue\nOper nach einer einzelnen Sängerin, der die Hauptpartie zugeschnit-\nten ist, zu bemessen ! Die drei ersten Vorstellungen haben Erfolg\ngehabt. Nächstens mehr."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "185", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660616-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nMusicalische Zustände in Leipzig. Von Dr. Oscar Paul. Aus Prag (Musicalische Zustände, Conservatorium).\nDas vierte mecklenburgische Musikfest. Das Musikfest iu Leiden (Schluss). Der Theaterbrand in New-York. Tages- und Un-\nterhaltungsblatt (Stuttgart, Verein für classische Kirchenmusik, letzten Dinge\" von L. Spohr Paris, Aufführung der Oper\n„Zilda\" von Flotow im Theater der komischen Oper).\n\nMusicalische Zustände in Leipzig.\nVon Dr. Oscar Paul.\nLängere Zeit haben wir über unser Musikleben ge-\nschwiegen, welches in vergangener Saison leider mancher-\nlei innere Kämpfe bestehen musste. Seitdem jedoch die\nGefahr eines Krieges mit Kanonendonner und Schwerter-\nklirren über ganz Deutschland schwebt, scheint man in\nLeipzig bis auf Kleinigkeiten musicalischen Frieden hal-\nten zu wollen. In solcher friedlichen Stimmung wollen wir\ndenn auch in nüchterner Kürze das Hauptsächlichste aus\nunseren musicalischen Erlebnissen mittheilen und jeglichen\nätherischen Beigeschmack aus unserem Berichte verban-\nnen, damit uns die verehrte Redaction satirisch nicht zu-\nrufen möge:\nUnd eh' der Blick ihm folgen kann,\nEntschwebt er zu den blauen Höhen.\nZunächst gestatten wir uns eine übersichtliche Zu-\nsammenstellung der Leistungen unseres ersten Concert-\nInstituts, des Gewandhauses, zu geben, dessen Wirk-\nsamkeit unserer Stadt ja schon seit Ende des vorigen Jahr-\nhunderts den musicalischen Weltruf verschafft hat. Unter\nder artistischen Leitung der Herren Capellmeister Rei-\nnecke und Concertmeister David wurden wiederum\nzwanzig Abonnements-Concerte im Saale des Gewand-\nhauses abgehalten, in denen im Ganzen achtzehn Sinfo-\nnieen zur Aufführung gelangten, und zwar eine Sinfonie\nD-durson Phil. Emanuel Bach (Original-Ausgabe bei\nPeters, mit Vortrags-Bezeichnungen und Instrumental-\nZusätzen ad libitum herausgegeben bei Breitkopf und Här-\ntel), vier Sinlonieen von J. Haydn (Abschieds-Sinfonie,\nMilitär-Sinfonie, Nr. 33 D-durund Nr. 12 eine\nSinfonie Es-durvon Mozart, sechs Sinfonieen von Beet-\nhoven [Eroica, B-dur, C-moll, und neunte\nSinfonie), Schubert's C-dur-Sinfonie, vier Sinfonieen\n/\nB-dur, C-dur, Es dur, D-moll von R. Schumann und\neine Sinfonie A-dur von C. Reinecke. Ueber letzteres\nWerk, das als jüngstes von den genannten vielleicht noch\nnicht die Rundreise nach allen Concert-Instiluten Deutsch-\nlands gemacht haben durfte, konnten wir uns schon früher\nsehr günstig aussprechen, weil dasselbe nobel erfunden,\nlogisch gebaut und meisterlich instrumentirt ist, welche\nVorzüge vom Publicum durch reichen Beifall und Hervor-\nruf des Componisten warm anerkannt wurden.\nAusser den weiter unten zu besprechenden Novitäten\nhörten wir an Ouvertüren: von Vincenzo Righini Ouver-\ntüre zu „Tigranes\", von Cherubini Ouvertüre zu „Ana-\nkreon\" und zu den „ Abenceragen\", von Mehul zu „Jo-\nseph\" und zu „Gabrielle d'Esträes\", und von den deut-\nschen Componisten: Abt Vogler, Ouvertüre zu „Samori\",\nMozart, Ouvertüre zur „Zauberflöte\", Beethoven, Ouver-\ntüre Op. 124, zu „Coriolan\" und zu „Leonore\" Nr. 3,\nSpohr, Ouvertüre zu „Jessonda\", Weber, Ouvertüre zu\n„Oberon\" und zu „Euryanthe\", Marschner, Ouvertüre\nzum „Vampyr\", Mendelssohn, Ouvertüre „Meeresstille und\nglückliche Fahrt\", Gade's Ouvertüre „Im Hochland\",\nMeyerbeer, Ouvertüre zu „Struensee\", wobei wir noch\nSchumann's unter den Sinfonieen nicht mit aufgezähltes\nWerk, „Ouvertüre, Scherzo und Finale\", Gluck's Reigen\nseliger Geister und Furientanz aus „Orpheus\", Bach's\nG-dur-Concert für Streich-Orchester und Beethoven's\nEgmont-Musik erwähnen wollen. Letztere Schöpfung, bei\nderen Vorführung Herr Schauspieler Herzfeld vom hie-\nsigen Stadttheater als Interpret der nicht gerade schönen\nverbindenden Dichtung von Mosengeil und Frau von Kot-\nschekoff aus Petersburg als Sängerin der Clärchen-Lie-\nder in angemessener Weise mitwirkten, hatte man zur\nhundertjährigen Jubelfeier der Immatriculation Goethe's\nbei der hiesigen Universität (19. October 1765) gewählt,\nund es muss gewiss diese Verehrung, welche von musica-\nlischer Seite dem Heroen der Dichtkunst gezollt wurde,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "186", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660616-01.1.2", "texte": "die allgemeinste Billigung erfahren, da es die Pflicht eines\njeden Gebildeten ist, den Ausspruch des Dichters zu be-\ntätigen :\n„Halte das Bild der Würdigen fest wie leuchtende Sterne\nTheilte sie aus die Natur durch den unendlichen Raum.\"\nAn bekannten Chorwerken brachte uns das fünfte\nConcert Mozart's Motette Ave verum corpus für ge-\nmischten Chor mit Begleitung von Streich-Instrumenten,\nwelche der Tonschöpfer für den Chorregenten Stoll in\nBaden, der Mozart manche Gefälligkeit erwies, componirt\nund am 17. Juni 1791 vollendet hatte. Nach der recht\nanerkennenswerthen Ausführung von Seiten unseres Chors\nmussten wir dem verdienstvollen Mozart-Biographen Otto\nJahn Recht geben, wenn er im vierten Bande S. 560\nsagt: „Dieser kleine Satz gibt den Ausdruck einer innigen,\nkindlich reinen Empfindung mit einer so herzgewinnenden\nEinfachheit und einem so zauberischen Wohlklange wie-\nder, dass man auf Augenblicke allen irdischen Zweifeln\nund Sorgen entrückt und in einen höheren Frieden auf-\ngenommen wird.\" In demselben Concerte hörten wir auch\nMendelssohn's Lobgesang, von welcher Sinfonie-Can-\ntate, am 25. Juni 1840 zum ersten Male aufgeführt bei\nder vierten Säcularfeier der Buchdruckerkunst, unser\nwackeres Orchester die ersten drei Sätze vortrefflich zur\nGeltung brachte. Auch der Schlusssatz, in welchem uns\ndie Chöre und namentlich die Frauenstimmen wohl vor-\nbereitet erschienen, machte im Ganzen einen recht guten\nEindruck, zumal die Soli durch Frau Julienne Flinsch,\ngeb. Orwil, und Herrn Schild aus Leipzig ausgezeich-\nnet vertreten waren, während Fräulein Scheuerlein\n(Mezzo-Sopran) genügen konnte. Herr Schild brachte na-\nmentlich die schöne Steigerung: „Hüter, ist die Nacht\nbald hin\", mit hinreissendem Ausdrucke zu Gehör, und\ner sowohl als auch sämmtliche Mitwirkende ärnteten vom\nPublicum nach Schluss des Werkes die reichsten Beifalls-\nspenden.\nIm eilften Concerte gelangte Schumann's Manfred-\nMusik zur Aufführung, bei deren Wiedergabe unser Or-\nchester, so wie die vortreffliche Altistin Frau Poegner,\nGattin des früher berühmten Bassisten Poegner, und der\ndresdener Opernsänger Herr Scharfe (Bariton) in sehr\nlobenswerther Weise thätig waren, während Fräulein\nScheuerlein nur mässigen Ansprüchen genügte. Herr\nOtto Devrient, grossherzoglicher Hof-Schauspieler aus\nKarlsruhe, in Leipzig von früher her als talentvoller De-\nclamator mit schönen Mitteln bekannt, wusste auch dieses\nMal mit denselben nachhaltig zu wirken. Die ganze ver-\nwässerte Dichtung von Richard Pohl ist aber, wie wir\nschon früher einmal aussprachen, wenig geeignet, das\nSchumann'sche Werk in dem vollkommenen Liebte er-\nscheinen zu lassen, wie es erscheinen soll, wesshalb wir\nfür künftig dringend anrathen möchten, den Schumann'-\nschen Original-Entwurf zu Grunde zu legen und die ver-\nschiedenen Personen der Handlung beizubehalten, wie es\nauch unter Rietz mit Erfolg geschehen ist.\nFerner brachte das dreizehnte Concert: 1) Joh. Seb.\nBach's doppelchörige glanzvolle Cantate: „Nun ist das\nHeil\" u. s. w., wobei wir erwähnen, dass dieselbe als Nr.\n50 im zehnten Bande der berühmten Bach-Gesellschafts-\nAusgabe verzeichnet und der Text aus Offenb. Joh. Cap.\n12 gezogen ist; 2) das im Winterfeld notirte, herzge-\nwinnende Weihnachtslied für Chor a capella: „Freut\neuch, ihr lieben Christen\" (ionische Tonart im transpo-\nnirten System), von Leonhard Schröter, geb. 1540,\nund 3) Chöre aus Händel's Oratorium „Israel in Aegyp-\nten\", deren Reproduction dem Gewandhaus-Chor Ehre\nmachte.\nIm achtzehnten Concerte führte unser in Mitteldeutsch-\nland so hochgefeierte Pauliner-Verein Mendelssohn's\nChöre aus der „Antigone\", Lied von Friedr. Schnei-\nder und Lied von Conradin Kreutzer mit ausgezeich-\nneter Schönheit durch, so wie auch im zwanzigsten Con-\ncerte Mendelssohn's Finale aus der unvollendeten Oper\n„Lorelei\" und Beethoven's Schlusssatz der neunten Sin-\nfonie nach den vorausgegangenen drei Orchestersätzen\nvon unserem recht wohl geschulten Chor im Vereine mit\ndem Orchester glänzend wiedergegeben wurden, obwohl\neine stärkere Besetzung der Chorstimmen ganz angebracht\ngewesen wäre. Frau Dr. Louise Schlegel-Röster,\nkönigl. preuss. Hof-Opernsängerin, entfaltete als Lorelei\nund in der neunten Sinfonie alle in Biograpbieen und son-\nstigen Artikeln gerühmten Eigenschaften ihrer hohen\nKünstlerschaft, wenn auch die Jahre den früher so mäch-\ntigen Stimmklang etwas matter gemacht haben. Herr\nSabbat, königl. Domsänger aus Berlin, sang das Reci-\ntativ und seine Partie im Solo-Quartett des Beethoven'-\nschen Werkes als echter Künstler, an dem freilich die Zeit\nebenfalls nicht spurlos vorübergegangen ist, während der\njugendkräftige lyrische Tenor an hiesiger Bühne, Herr\nJoseph Schild, den Tenorpart meisterhaft durchführte\nund Frau Poegner ihre technische Sicherheit und musi-\ncalische Auffassung bei Wiedergabe der Alt-Partie in\nvollem Maasse bekundete.\nNachdem wir die unserem Publicum bereits bekann-\nten Werke in Bezug auf Orchester- und Chormusik er-\nwähnt haben, gehen wir über zu den uns vorgeführten\nNovitäten, von denen wir im sechsten Gewandhaus-Con-\ncerte eine Concert-Ouverture Op. 54 von Friedrich\nGrützmacher und nach einem seltener gehörten Män-\nnerchor-Marsch aus „Die beiden Geizigen\" von Gr^try"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "187", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660616-01.1.3", "texte": "einen Chor für Männerstimmen mit Begleitung von vier\nHörnern und einer Posaune, genannt „Der Jäger Heim-\nkehr\", von Karl Beinecke vernahmen. Dem Grütz-\nmacher'schen Werke zollte das Publicum nur mässigen\nBeifall, obwohl die Motive prägnant hervortraten und die\nInstrumentation von tüchtiger Orchester-Routine Zeugniss\nablegte. Freilich entbehren die Motive trotz ihrer feurigen\nAnlage der grösseren Tiefe und vor allen Dingen der lo-\ngisch fortgesponnenen Durchführung, deren thematische\nArbeit sich nicht über eine aphoristische Zusammensetzung\nerheben dürfte. Die Reinecke'sche Composition nahm da-\ngegen die Zuhörerschaft mit ungetheiltem und gerechtfer-\ntigtem Beifalle auf, da sich trotz einiger Anklänge an\nFranz Schubert'sche Harmonik das reizende Werkchen in\nstimmungsvoller Einheit offenbarte, zumal es vom Pauli-\nner-Vereine in vorzüglicher Weise ausgeführt wurde.\nFerner kamen im siebenten Gewandhaus-Concerte\nzwei Tonstücke von Franz Schubert zum ersten Male\nzu Gehör, deren Schönheit das Publicum zu lebhaften Bei-\nfalls-Kundgebungen hinriss. Diese Tonstücke waren zwei\nEntreacts zu dem von Helmine Chezy gedichteten Drama\n„Rosamunde\", zu welchem der geniale Tonschöpfer Arien,\nChöre, Tänze und Stimmungsbilder componirte, von denen\nder Jäger-, Hirten- und Geisterchor, die Romanze und die\nOuvertüre (Zauberharfen-Ouverture) als Op. 26 bei Dia-\nbelli in Wien erschienen sind. Von den beiden in Rede\nstehenden Stücken fesselte das erste durch eine herz-\nerquickende Lyrik, deren Einfachheit jedes empfängliche\nGemüth von allen zukünftlerischen Schlacken der Jetztzeit\nreinigen musste, während das zweite durch dramatische\nKraft, so wie durch originelle Harmonik, Rhythmik und\nInstrumentation fesselte, welche Eigenschaften durch treff-\nliche Ausführung in das beste Licht gesetzt wurden.\nEine andere Novität präsentirte sich uns im neunten\nConcerte in einer fünfsätzigen Suite Op. 70 von Hein-\nrich Esser, welche das Publicum mit enthusiastischem\nV\nBeifalle aufnahm. Gewiss besitzt auch die Composition\nalle Eigenschaften, welche derselben die wärmsten Sym-\npathieen gewinnen müssen, indem der mit Bach'scher\nContrapunktik, wie mit Beethoven'scher und Schumann'-\nscher Romantik innig vertraute Componist nicht allein eine\ngeschickte Detailarbeit geliefert hat, sondern auch in allen\nfünf Sätzen bekundet, däss seine frische, kräftige Phanta-\nsie in den durch unsere classischen Meister geschaffenen\nund erweiterten Formen ohne Fesseln sich bewegen kann,\nund dieselbe somit als schöpferisches Princip seines Kunst-\nwerkes anzusehen ist. Wir glauben zuversichtlich, dass\ndieses schöne Werk die Rundreise nach allen Concert-\nInstituten Deutschlands machen und allenthalben densel-\nben Beifall wie in Leipzig finden wird.\nDieser Composition folgte im zehnten Concerte ein\nvon dem Componisten mehrerer Sinfonieen, Theodor\nGouvy, gearbeitetes und nobel erfundenes Orchesterwerk,\n„Allegro, Sicilienne, Menuett und Epilog\", welche vier\nSätze sich einer freundlichen Aufnahme erfreuten ; gewiss\nwürde aber das sehr achtungswerthe Werk eine noch\ngrössere Wirkung erzielt haben, wenn einige Wiederho-\nlungen die zwar nicht gerade neuen, aber recht interessan-\nten und mit feinsinnigem Colorit überzogenen musicali-\nschen Zeichnungen nicht ein wenig in die Länge gezogen\nhätten.\nDer im eilften Concerte zur Aufführung gelangte Chor\n„Pfingsten\" von Ferd. Hill er ist in diesen Blättern schon\nbesprochen wurden; uns interessirte besonders die geist-\nreiche Conception, die meisterhafte Factur und die Anwe-\nsenheit des gefeierten Componisten.\nEine neue, im zwölften Concerte zu Gehör gebrachte\nOuvertüre zu Kleist's „Hermannsschlacht\" von Georg\nVierling, welcher sein Manuscriptwerk selbst dirigirte,\nerrang nur einen Achtungserfolg, trotzdem die anständige\nComposition natürliche Harmonik und im Ganzen ge-\nschickte Mache zeigt. Die Motive, von denen das erste und\nam meisten verwerthete mit dem ersten Thema aus Ro-\nbert Volkmann's i?-wo//-Sinfonie fast übereinstimmt, be-\nkunden allerdings wenig selbständige schöpferische Kraft,\nauch erhebt sich die Arbeit nicht bis zu einer compacten,\ngeschlossenen Form, und endlich sind die Instrumental-\nEffecte oft zu sehr den Partituren C. M. v. Weber's abge-\nlauscht, um dem in Rede stehenden Werke Originalität\nzugestehen zu können.\nIm siebenzehnten Concerte fesselten zwei hier noch\nnicht gehörte Compositionen Franz Schubert's unser\nInteresse. Ein grossentheils homophon gehaltenes „Kyrie\neleison— Christe eleison\"aus der Messe des Ton-\nschöpfers zeigte durchweg Adel der Empfindung und bei\nschöner, natürlicher Stimmführung eine wahre, fromme\nLyrik, deren Form auch nirgends dem kirchlichen Charak-\nter zu nahe trat. Im Gegensatze hierzu trat die Ouvertüre\nzu Alfons und Estrella in ritterlicher Kraft und jugend-\nlichem Feuer auf; die Festigkeit in Gestaltung der klaren\nGedanken und das glänzende Colorit sichern dem Werke\nim Concertsaale durchschlagenden Erfolg.\n(Fortsetzung folgt.)\n\nAus Prag.\nEnde Mai 1866.\nDie Lobredner vergangener Zeiten gehören bekannt-\nlich zn jener Classe von Menschenkindern, welche überall\nfortkommen, nie aussterben. Wenn sie aber irgendwo\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "188", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660616-01.1.4", "texte": "eine Berechtigung haben, ihre Sehnsucht nach vergange-\nnen Tagen fast in Permanenz zu erhalten, so ist dies in-\nnerhalb der schwarz-gelben Pfähle bestimmt der Fall. Im\ndrohenden Waffengetöse verstummen die Künste des Frie-\ndens, inmitten der politischen, nationalen und socialen\nWirren stockt das höhere Leben der Länder und Völker\nund fällt ganz anderen Factoren der Coexistenz als jenen,,\ndie zum Ziele einheitlichen Waltens und Strebens für edle\nZwecke einigen, zur Beute. Die österreichische Monarchie\nleidet seit Decennien schon unter dem Drucke einer aus-\nwärtigen, volkswirthschaftlichen und anderweitigen Poli-\ntik, die uns nun abermals an den Rand des Abgrundes\ngebracht. Die Krisis ist nun im laufenden Jahre an ihrem\nHöhepunkte angelangt; abgesehen aber von der allgemei-\nnen Lage des Staates, von der beispiellosen Finanz-Misere,\nin welche uns die diversen Heilkünstler gebracht, ist es\nihnen gelungen, zu den überzahlreichen Feinden des Do-\nnaureiches auch die innere Zwietracht zu gesellen. Dem\nSysteme, die heterogensten Elemente über Einen Ramm\nzu scheren, mit Gewalt Alles zu nivelliren und zu unifor-\nmiren, haben wir jenen Zank und Hader zu verdanken,\nder nicht nur die Länder und Völker trennt, sondern auch\nin ihrem eigenen Schoosse Parteiungen nach allen mögli-\nchen und unmöglichen Richtungen gross gezogen hat.\nWohl kein Land der Monarchie bat die Süssigkeiten die-\nser zersetzenden und so viel als möglich brutalen Gewalt\nmehr zu kosten bekommen, kein Land der Monarchie seufzt\ngegenwärtig unter der Schwere ihrer Folgen mehr, als\ngerade Böhmen. Die Anwendung der allgemeinen Zustände\ndes Königreiches an der äussersten Gränze auf die beson-\nderen der Kunst und zunächst der musicalischen der Haupt-\nstadt ergibt sich von selbst. Das sonst so rege, blühende\nMusikleben Prags, vor noch nicht gar zu langer Zeit be-\nkanntlich des Vermittlungsortes zwischen Nord und Süd,\nim strengsten Sinne eines Emporiums der wenigstens in\neiner Beziehung tonangebenden Tonkunst, ist nun in eine\nPhase gänzlicher Stagnation getreten, aus der nur grosse\nMühen und Anstrengungen wieder helfen könnten. Die\nnoch immer vorhandenen Musikkräfte der Moldaustadt\nliegen wie disjecta membra in zersplitterter Unordnung da\nund harren vergebens einem concentrirend belebenden\nRufe und anderen Impulsen entgegen. Dem blossen gele-\ngentlichen Zufalle überlassen, ist an eine künstlerische\nVerwerthung derselben kaum zu denken. So kommt es,\ndass die heurige Musik-Saison, dieser prägnanteste Aus-\ndruck und Zeuge des jeweiligen Kunstlebens, ein wahres\nBild des Jammers bildet find nur wenig Stoff für eine öf-\nfentliche Besprechung bietet.\nWenn wir Ihre freundliche Erlaubniss, einen kleinen\nRaum in Anspruch nehmen zu dürfen, dennoch zu einem\nBerichte benutzen, so werden Sie es hoffentlich gütigst\nnachsehen, dass wir, um nicht Lamentationen und Wor-\nten der Entrüstung Raum geben zu müssen, von den hie-\nsigen zwei Opern-Instituten, dem des czechischen und je-\nnem des deutschen so genannten königlichen Landesthea-\nters, gänzlich schweigen. Auch der in der eben abgelau-\nfenen Saison Statt gehabten Concerte, Akademieen und\nwie die Musik-Productionen noch heissen mögen, sei nur\nin so fern gedacht, als zu beachten kommt, es sei eben\nnichts Besonderes, nichts Hervorragendes, was mehr als\neine bloss locale Bedeutung hätte, zu berichten. Eine\netwaige Ausnahme könnte höchstens die Aufführung der\nLiszt'schen Oratoriums-Legende „Die heilige Elisabeth\"\nbilden, schon desshalb, weil es sich um eine der interes-\nsantesten Novitäten der Neuzeit handelt. Der Lebenslauf\ndes genialsten Virtuosen des Jahrhunderts ist bekannt. Er\nglich, so lange Liszt reproducirender Künstler blieb, dem\nTriumphzuge eines Imperators, dem man nur Huldigungen\nund Sirenentöne der Bewunderung und unbedingten Lobes\nzu bringen hat. Erst als er die Gränzen productiven Künst-\nlerthums betrat, fanden sich auch jene zudringlichen Dor-\nnen ein, die im Leben eines jeden Poeten eine so grosse,\noft verhängnissvolle Rolle spielen. Kein Componist ist viel-\nleicht so glorificirt und apotheosirt worden, wie gerade\nLiszt, keiner aber hat so viele Anathematisirungen, so im-\npertinente Zurechtweisungen, so vagen Hohn aus persön-\nlichen und einseitig principiellen Gründen erfahren, wie\ngerade er, in demselben Europa, das den fahrenden Vir-\ntuosen früher vergöttert hatte. Und doch gibt es in der\nKunstgeschichte der neueren Zeit keine Persönlichkeit, de-\nren Entwicklungs- und Läuterungs-Process so interessante\nund, setzen wir gleich hinzu, so bewundernswerthe Phasen\naufzuweisen hätte. Es bedarf keines Hinweises, wie nach\nund nach aus dem geistreichen Transscripten und Para-\nphrasisten der selbständige Componist für noch nicht da\ngewesene Virtuosenzwecke wurde, wie sich dann aus dem\ninstrumentalen und vocalen Lyriker der Held der vielbe-\nwunderten und vielgeschmähten „Sinfonischen Dichtungen\"\nentpuppte. Die Graner Messe und andere kirchliche Pro-\nducte bilden gleichsam nur vereinzelte Präludien zu der\nneuesten Phase des Componisten. Letztere entspricht bei-\nläufig jenen des Lebens. Im Hafen des „allein seligmachen-\nden Glaubens\" angekommen, huldigt Liszt, wenn man so\nsagen darf, einer Art von Amphibolismus als Laie und als\nEcclesiast, eben so wie auch die Richtung seines neuesten\nWerkes. Es ist nicht die herbe Ascetik der\nin deren alles Glanzes baren Formen sein Oratorium er-\nscheint: die glühenden Farben, die weltlichen Effecte lei-\ndenschaftlicher Dramatik sind es, die den Ernst des schil-\nlernden Stiles mildern. Nicht den alten Meistern der Con-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "189", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660616-01.1.5", "texte": "trapunktik entlehnt er seine Polyphonik, sondern der the-\nmatischen Arbeit der modernen. In letzterer Beziehung\nerregt er aber nicht nur durch seine geistreichen Combi-\nnationen, sondern auch durch Eingebungen unmittelbarer\nImpulse unsere Bewunderung. Diese kann dem seltenen\nManne wohl Niemand versagen, wenn auch zugegeben sein\nsoll, dass der Eindruck der Novität kein im Allgemeinen\nharmonischer, dass er nicht vollkommen befriedigend, wie\nder eines nach allen Seiten abgerundeten Kunstwerkes ist.\nAn die Aufführung des Oratoriums, bei der sich an\n400 Mitwirkende betheiligten, reihen sich in der heurigen\nSaison qualitativ nur noch die Concerte des Conservato-\nriums, trotzdem dass sich das Institut in einer Uebergangs-\nPeriode befindet. An dem Institute sind die verhängniss-\nvollen Ereignisse und die ihnen folgenden Verhältnisse der\nletzten Decennien leider nicht spurlos vorüber gegangen.\nDem immer grösser werdenden Mangel an Erhaltungs-\nmitteln halfen zwar die Energie und Sorge seiner Prot.ec-\ntoren, insbesondere des Präsidenten des „Vereins zur Be-\nförderung der Tonkunst\", Herrn Grafen Albert Nostiz,\nab, doch nur in so weit, als es Privatkräften möglich. Dazu\nkam eine interne Krisis, indem der bisherige, langjährige\nDirector und artistische Leiter des Conservatoriums von\nseinem Posten schied, eine der wichtigsten pädagogischen\nKräfte aber durch den Tod ihrer Wirksamkeit entrissen\nwurde. Der letztere Posten, die Lehrkanzel der Violine,\nist bisher noch unbesetzt, den ersteren nimmt nun Herr\nJos. Krejci ein, der von der einberufenen General-Ver-\nsammlung so eben zum definitiven Conservatoriums-Di-\nrector erwählt wurde. Er hatte vor etwa einem halben\nJahre die provisorische Leitung übernommen und musste,\nkaum dass er sich als Lehrer der theoretischen Wissen-\nschaften und Leiter der Orchesterschule mit seinen Schü-\nlern ins Einvernehmen gesetzt, mit der Organisation der\nAnstalt vertraut gemacht, vor die Oeffentlichkeit treten\nund Proben seiner fast nur nach Wochen zählenden Wirk-\n\\\nsamkeit ablegen. Dass die Concerte des Conservatoriums\nheuer einen sehr günstigen, ja, durchschlagenden Erfolg\nhatten, scheint jedenfalls unter den gegebenen Umständen\nfür den Mann zu sprechen und bestätigt das gute Vorur-\ntheil, dessen sich Krejci als Componist, Chorregent und\nDirector der prager Organistenschule bereits erfreute, in\nglänzender Weise.\nIn den vier vom Conservatorium gegebenen Concerten\nkommen zur Beurtheilung seiner Leistungen im Allgemei-\nnen zunächst die Aufführungen der zu Gehör gebrachten\nSinfonieen in Betracht. Den ersten Rang unter diesen als\nComposition nahm unstreitig Ferd. Hiller's Op. 67.in E-\nmoll: „Es muss doch einmal Frühling werden\", ein. Mit\ndiesem Werke befestigte sich Hiller in jener Gunst des\nPublicums, die er schon seit Jahren in Prag geniesst. Die\ngeistvolle Erfassung des symbolisch genommenen, in einem\nMotto präcisirten Programms, die meisterhafte Benutzung\nder thematischen Arbeit zu einem Ganzen, die frappanten\nUeberraschungen des gewiegten Harmonikers, des ge-\nwandten Meisters der Bhythmik, die glücklichen Combina-\ntionen glänzender Tonmiscbung des Orchesters lassen alle\nEinwendungen, die man einem jeden Kunstwerke, wenn\nman sich capricionirt, entgegensetzen kann, leicht verges-\nsen und schwer begreifen, wie das Werk sich an anderen\nOrten keiner so günstigen Aufnahme zu erfreuen hatte,\nwie hier. Letztere hat es zum grossen Theile einer eben\nso sorgsam vorbereiteten, als gut nuancirten und feurigen\nAufführung zu danken, was gewiss für ein nur aus jungen\nEleven bestehendes Orchester viel sagen will. Insbesondere\nenthusiasmirte das zwar Mendelssohn'sche, aber durch\nneue Züge vielfach interessirende, für die Mitwirkenden\nüberheikele Scherzo. Eine nicht minder gewagte Aufgabe\nwar Beinecke's Sinfonie in A-duOp. 79, ein Werk distin-\nguirten Eklekticismus und künstlerischer Boutine, und die\ndurch ihre plastische Klarheit und concise Entschiedenheit\nüberraschende Sinfonie in C-dur Op. 30 von W. Bargiel;\nauch diese zum ersten Male gegebenen Werke, wie Beet-\nhoven's Pastoral-Sinfonie, erfreuten sich gelungener Wie-\ndergabe. Wenn wir des bemessenen Baumes wegen des\nBeethoven'schen, von Professoren der betreffenden Instru-\nmente und dem Herrn Baimund Dreyschock aus Leipzig\nausgeführten Septuors, der zu Gehör gebrachten Vocal-\nCompositionen von Bargiel, Beinecke, Cherubini, Mozart\nund Mendelssohn nur nebenbei erwähnen, in denen die\nSchülerinnen der Opern- und Concertgesangschule mit-\nwirkten, so sei es nur noch erlaubt, von dem letzten Con-\ncerte, das im deutschen Landesgarten gegeben wurde, das\nzu Gehör gebrachte Finale aus dem ersten Acte von Meyer-\nbeer's „Africanerin\" anzuführen. Die Aufführung war,\nda fremde und zahlreiche Kräfte für die Solo-Partie und\nden Chor beigezogen worden, eine imposante. Dass das\nvon Meyerbeer's Anhänger-Phalanx allüberall beweih-\nrauchte Tonstück eine Fülle von musicalischen und unmu-\nsicalischen Effecten in sich birgt, war bei dem Grossmogul\ndes pyramidalen Effectes leicht vorauszusehen. Bei einer\nAufführung auf dem Concert-Podium im Frack und die\nStimmen in der Hand tritt die Absicht viel klarer und ein-\ndringlicher zu Tage, und man wird viel eher verstimmt,\nals vor der lebendigen Scene. Desshalb sei von jeder Mei-\nnungsäusserung über die Composition an sich Abstand ge-\nnommen und nur bemerkt, dass die überhoch gespannten\nErwartungen unter solchen Umständen nicht in vollstem\nMaasse befriedigt wurden."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "190", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660616-01.1.6", "texte": "Das vierte mecklenburgische Musikfest.\nVon den zu den mecklenburgischen Musikfesten ver-\nbundenen Städten Schwerin, Rostock, Wismar, Güstrow\nwar für die Feier des diesjährigen vierten Festes die Stadt\nGüstrow bestimmt, wo dann dasselbe an den Tagen des\n3., 4. und 5. Juni Statt fand.\nDie neu erbaute Festhalle, einfach und doch ge-\nschmackvoll decorirt, mit Gas erleuchtet, für ungefähr\n1100 Zuschauer Platz gewährend, entspricht im Innern\nallen billigen Anforderungen und ist auch in akustischer\nBeziehung völlig gelungen. Die Lage am oder eigentlich\nim Wallgarten, die unmittelbare Nähe von schattigem\nGrün und blühenden Blumen rechnen wir zu den beson-\nderen Vorzügen dieses Festtempels. Hier begrüsste Herr\nDom-Oekonomus Jantzen beim Beginne der General-\nprobe zum „Paulus\" die schon am Bahnhofe mit Musik,\nBöllerschüssen und Hurrah's empfangenen Gäste; auf die\nherzlichen Worte erwiederte Herr Hof-Capellmeister\nSchmitt. Die Generalprobe nahm eine lange Zeit in\nAnspruch.\nDas Wetter begünstigte das Fest; der Himmel lachte\nin strahlendem Blau auf die mit Flaggen und Grün reich\ngeschmückte Stadt hernieder. Se.Königl. Hoheit der Gross-\nherzog kam am 4. Morgens mit dem ersten Zuge von\nSchwerin an, am Bahnhofe von den Behörden, dem Fest-\nComite und dem Hurrah der versammelten Zuschauer be-\nwillkommt. In der Festhalle waren während der Mittags-\nzeit die Mitwirkenden wieder zur Probe versammelt, die\ndiesmal von Seiten des Chors besonders der „Nacht\" von\nFerdinand Hiller galt. Der gefeierte Meister ward\nvom Capellmeister Schmitt an das Dirigentenpult geführt,\nden Mitwirkenden vorgestellt und von diesen mit begeister-\ntem Zurufe begrüsst.\nDas Programm war folgendes:\nErster Tag. „Paulus\", Oratorium von F. Men-\ndelssohn-Bartholdy. —Zweiter Tag. 1. Sinfonie\nin B-dur von Rob. Schumann. 2. „Die Nacht\",\nHymne für Soli, Chor und Orchester von Ferd. Hiller.\n3. B eeth o v en' s Ouvertüre Nr. 3zu „Leonore\". 4. „Die\nSchöpfung\" von J. Haydn, 111. Theil. Dritter Tag.\nMorgen-Concert, Anfang 12 Uhr (s. unten). Die\nAbend-Concerte begannen um 5 Uhr Nachmittags.\nDer Chor zählte im Sopran 93, im Alt 76, im Tenor\n43, im Bass 61, zusammen 273 Stimmen; das Orchester\n31 Violinen, 12 Bratschen, 10 Violoncelle, 8 Contra-\nbässe, 3 Flöten, 2 Oboen u. s. w., zusammen 85 Instru-\nmentalisten.\nSolisten waren Frau Linda Röske-Lundh, königl.\nHof-Opernsangerin aus Stockholm, Fräulein Helene\nHausen, Concertsängerin aus Berlin, Herr Dr. Gunz\naus Hannover, Herr Karl Hill aus Frankfurt am Main.\nFest-Dirigenten Herr Hof-Capellraeister G. Aloys\nSchmitt aus Schwerin und Herr Capellmeister Ferd.\nHill er aus Köln.\nDas gesammte Personal zählte mithin 364 Mit-\nwirkende. Die Chöre bestanden aus den Vereinen der\nStädte Rostock, Schwerin, Wismar, Güstrow; den Stamm\ndes * Orchesters bildete die treffliche Hofcapelle von\nSchwerin.\nIm ersten Concerte hat Mendelssohn's „Paulus\" das\nvöllig besetzte Haus erhoben und erbaut, erschüttert und\nerfreut. Das Oratorium, das seinen Einzug in unser Land\nvor 26 Jahren unter des Meisters eigenen Auspicien hielt,\nhat eine vortreffliche Wiedergabe erlebt. Dass es gelun-\ngen ist, in Einer Probe mit zum Zwecke des Musikfestes\nerst zusammengetretenen Kräften ein Ensemble herzustel-\nlen, wie wir es hörten, das wird jeder Kundige dem Fest-\nDirigenten zur besonderen Ehre anrechnen, wie es auch\nein Beweis ist für die tüchtige Vorübung der zu dem\nFeste vereinigten Chöre. Die Harmonie der Gesammt-\nwirkung erreichte an manchen Stellen, in dem Seligprei-\nsungs-Chor, der A-moll-kne mit Chor u. s. w., eine solche\nHöbe, dass dem Hörer im Augenblicke der höchste Grad\ndes durch die Musikstücke möglichen Effectes erreicht\nschien. Der Chor stand der Klangwirkung nach im rich-\ntigen Verhältnisse zu dem Orchester und leistete an\nSchlagfertigkeit und Kraft des Vortrages, wie in Feinheit\nder Nuancirung gleich Ausgezeichnetes. An Schönheit des\nTones war der Sopran überwiegend. Dem zweiten Sopran\nhätte man wohl eine stärkere Besetzung wünschen mögen.\nMan hatte diesmal, abweichend von den früheren drei\nMusikfesten, auf die Mitwirkung von Knabenstimmen ver-\nzichtet; wir möchten kaum glauben, dass das hiermit ge-\ngebene Beispiel Nachahmung für die Folge verdient. Das\nGanze der Aufführung war belebt von echt künstlerischem\nGeiste, getragen von der Begeisterung der Mitwirkenden,\ndie durch keine Unbequemlichkeit, welche durch die Hitze\ndes Locals veranlasst war, niedergeschlagen werden konnte.\nNeben diesem grossen Erfolge können einzelne unmerk-\nliche Verstösse nicht in Betracht kommen.\nVon den Solisten nahmen die beiden Herren Gunz\nund Hill, als bisher unserem Lande fremde Gäste, zu-\nnächst unsere Aufmerksamkeit in Anspruch. Ihren Leistun-\ngen gebührt sowohl in Hinsicht der Recitative als der Arien\ndie höchste Anerkennung. Zu welchem meisterhaften dra-\nmatischen Leben gelangte die Sterbescene des Stephanus\ndurch die Interpretation des Herrn Gunz; wie wunderbar\nverstand Herr Hill bei aller Einfachheit (und in der Ein-\nfachheit besteht hier die wahre Grösse) des Vortrages je-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "191", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660616-01.1.7", "texte": "dem Worte des Textes, jeder Note der Musik gerecht zu\nwerden! Hier alles Schöne hervorzuheben, ist unmöglich.\nFräulein Hausen schloss sich den Genannten würdig an,\nso dass nur zu bedauern blieb, dass das Oratorium der\nKünstlerin keine grössere Bethätigung ihrer Vorzüge ge-\nstattete. Frau R öske-Lundh war einem grossen Theile\ndes Publicums eine bekannte und liebgewordene Erschei-\nnung; sie empfing zahlreiche Proben der Beliebtheit, wel-\ncher sie sich bei demselben erfreut.\nIm Laufe des Nachmittags war auch die Grossherzogin\nMutter eingetroffen und beehrte das Concert, wie auch\nSe. Königl. Hoheit der Grossherzog, mit Allerhöchsterer\nGegenwart. Nach dem Concerte war eine zahlreiche Men-\nschenmenge in dem erleuchteten Tessen'scben Garlen zu-\nsammengeströmt, wo auch der Grossherzog erschien, von\ndem Publicum mit lebhaften Zurufen begrüsst.\n(Schluss folgt.)\n\nDas Musikfest in Leiden.\n(Schluss. S. Nr. 23.)\nDas Orchester war grösstenteils aus tüchtigen Ele-\nmenten zusammengesetzt und löste seine Aufgabe auf ver-\ndienstliche Weise, besonders in der so\ndass man ohne Uebertreibung sagen kann, dass das Mei-\nsterwerk meisterlich ausgeführt wurde. Nur darf nicht\nverhehlt werden, dass bei der grossen Räumlichkeit das\nGeigen-Quartett, namentlich die ersten Violinen und Con-\ntrabässe, etwas zu schwach besetzt waren, was besonders\nden vom Orchester entfernter befindlichen Zuhörern be-\nmerkbar wurde.\nAufmerksamkeit und Eifer des Chors waren lobens-\nwerth und zeugten von gut angewandten Uebungen. Die\nEinsätze waren, mit Ausnahme einiger in den Händel'schen\nChören, präcis und kräftig; auch die Choräle und Fugen\nim „Paulus\" wurden sehr gut gesungen, am besten: „Dir\nwill ich mich ergeben\", „Siehe, wir preisen selig\", „Ma-\nche dich auf, werde Liebt\", auch der Anfangschor des\nersten und die Schlusschöre beider Theile. Eben solches\nLob verdient die Ausführung der Chöre in den „Jahres-\nzeiten\". Dagegen liessen die Händel'schen, mit Ausnahme\ndes „Halleluja\", Einiges zu wünschen übrig. War es ab-\nsichtlich, dass verschiedene Tempi in der Probe langsa-\nmer genommen wurden, an den Concert-Abenden aber\ndem Verständnisse und Geschmack des Dirigenten Ehre\nmachten?\nDie vier Solisten waren dieselben, die uns bei dem\nletzten Musikfeste 1864 erfreuten. Das Gerücht, dass Frau\nOffermans van Hove von ihrer Künstler-Laufbahn zu-\nrücktreten wolle, ist nur in so weit begründet, dass sie\nnicht mehr in Abonnements-Concerten, sondern nur bei\nMusikfesten singen wird. Durch ihren Vortrag der Arioso's\nim „Paulus\" und den „Jahreszeiten\" ärntete sie hier neue\nLorbern. Fräulein Schreck machte durch den schönen\nKlang ihres mächtigen Organs und den edlen Vortrag der\nArie aus Händel's „Samson\" und des Arioso im „Paulus\"\ntiefen Eindruck. Die Leistungen der Herren Schneider\nund Behr waren ebenfalls vortrefflich. Der Vortrag eini-\nger Ensemblestücke hätte abgerundeter sein können. Der\nBesuch war auch in den Proben schon zahlreich: die Schü-\nler der Bürger-Gesangschule und der Kirchenchöre der\nverschiedenen Gemeinden hatten freien Eintritt dazu.\n\nDer Theaterbrand in New-York.\n„Akadernie der Musik\" war der stolze Name des\ngrossen Operntheaters in der XIV. Strasse zu New-York,\nwelches in der Nacht vom 21. Mai durch eine Feuers-\nbrunst gänzlich zerstört worden ist.\nGrau's italiänische Operngesellschaft hatte an dem\nAbende Halevy's „Jüdin\" gegeben. Die Zuschauer hatten\nkaum das Haus verlassen, als der Portier und der Gas-\nmarin, bevor sie noch ihre Runde machten, einen dicken\nRauch entdeckten, der unter den Sitzen der linken Seite\ndes Parquets hervorquoll. Als die Masse desselben sie ver-\ntrieb und sie hinauseilten, um Hülfe zu schaffen, sahen\nsie, wie die Flammen auf der anderen Seite an der Strasse\naus den oberen Fenstern hervorbrachen. Das konnte kein\nZufall sein. Der Portier ging sogleich in das Gebäude zu-\nrück, um seine Familie zu reiten, was ihm nur mit Mühe\ngelang, da auch seine fast neunzigjährige Mutter bei die-\nser wohnte. Ehe eine wirksame Hülfe zur Stelle war, halte\ndas Feuer bereits eine solche Masse von brennbaren Ge-\ngenständen ergriffen, dass keine menschliche Hülfe ihm\nmehr Einhalt thun konnte. Die Akademie wurde gänzlich\nzerstört, eben so das Medicinal-Gollegium, die Pianoforte-\nFabrik von Ihne und eine grosse Restauration. Am mei-\nsten zu bedauern ist, dass einige Männer von der Feuer-\nwehr ihr Leben dabei eingebüsst haben.\nAllerdings ist die Zerstörung eines so bedeutenden\nöffentlichen Gebäudes ein grosser Verlust und ein schwe-\nrer Schaden für eine ganze Classe von Einwohnern, allein\nabgesehen davon haben wir Ursache, zu hoffen, dass am\nEnde für das Publicum Vortheil daraus entspringen wird.\nDas Theater war von einer Actien-Gesellschaft gebaut,\nund die Rechte, welche sich die Actionäre vorbehalten\nhatten, waren zwar für diese selbst sehr vortheilhaft, aber\ni\nfür die Directionen entsetzlich lästig und auch für das"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "192", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660616-01.1.8", "texte": "Publicum nachtheilig. Ihr Privilegium verlieh ihnen den\nausschliesslichen Besitz einer grossen Anzahl der besten\nPlätze für alle Vorstellungen mit dem Rechte, sie für die\nAbende, an denen sie sie nicht selbst benutzen wollten, zu\nverschenken oder zu verkaufen! Die Folge war, dass\njeden Abend eine Menge von Actionärplätzen zum Nach-\ntheil der Einnahme des Unternehmers verkauft war. Die\nActien-Gesellschaft hatte sich Corporatiorisrechte unter\ndem blendenden Titel einer „Akademie der Musik\" zu\nverschaffen gewusst, mit dem Versprechen, in dem Gebäude\nnicht bloss ein Theater, sondern auch eine vollständige\nMusikschule für Sänger und Instrumentalisien zu errichten.\nWeder für eine solche Akademie, noch sonst für Kunst-\nzwecke ist auch nur das Geringste gethan worden, indem\ndie Gesellschaft nur das einzige Ziel verfolgte, gute Zinsen\naus ihrem Capital zu machen. Aber aüch im Innern war\nvon schöner, bequemer und akustischer Architektur keine\nSpur vorhanden; auf einigen Hundert Plätzen konnte man\nnichts sehen, da der Zuschauerraum entsetzlich breit und\ndie Bühne zu schmal war. Das Ganze war eine kolossale\nMonstrosität.\nBei solchen Verhältnissen war es nicht möglich, dass\nirgend ein Theater-Director gute Geschäfte machen konnte.\nDer erste war Hacket, der Mario und die Grisi engagirt\nhatte, sie aber zuletzt nicht bezahlen konnte. Nachher\nfinden wir unter den Directoren die Namen Ole Bull,\nMaretzek und Slrakosch als drei Compagnons, dann unter\nAnderen Ullman, Strakosch, Thalberg, Max Maretzek,\nGrau u. s. w., von denen Einige förmlich Bankerott mach-\nten, die glücklichsten am Ende doch nur sehr geringen\nGewinn erzielten. Am besten liess sich die letzte Season\nunter Max Maretzek zum Erfolge an: jetzt aber gehört\ndieser Unternehmer zu den am schwersten vom Brand-\nunglück Betroffenen. Er hat die vollständige Bibliothek\nvon mehr als siebenzig Opern verloren sammt dem dazu\ngehörigen Inventar, ferner alle Decorationen, die ganze\nGarderobe u. s. w., was alles Jahre lang gesammelt war\nund einen Werth von 150,000 Dollars hatte, wovon nur\nfür 10,000 versichert war. Der Director Grau, der nur\nvorübergehend das Haus für einige Vorstellungen gemiethet\nhatte, berechnet seinen Verlust dennoch auf 30—40,000\nDollars. [American Art J von New-York.)\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nStuttgart, 14. Juni. Der Verein für classische Kirchenmusik\nschloss den Concert-Cyklus mit der Aufführung der „Letzten Dinge\",\nOratorium von L. Spohr (1826), Dinstag den 5. Juni, unter zahl-\nreicher Betheiligung Seitens des Auditoriums in der Stiftskirche. Das\nOratorium gehört mit „Jessonda\", „Faust\" u. s. w. zu den besten\nvon Spohr; seine späteren Werke fallen bedeutend ab. Bei Spohr\nist gegenüber den Meistern erster Grösse der Mangel an Ob-\njectivität und was damit zusammenhängt, beschränktere Weltan-\nschauung und engerer Horizont, welche Schwäche ihn nicht zur\nhöchsten Vollendung kommen liess, ganz unverkennbar. Die Sub-\njectivität und ein individuelles Wesen ist in jener weichen, elegi-\nschen Stimmung überwiegend und gibt seinen Werken öfters eine\nmonotone Färbung. Dies ist es eben, was den weltumfassenden Ge-\nnius vom blossen Talente unterscheidet. Spohr zeichnet die Welt\nnur, wie sie sich in ihm individuel, nicht wirklich, abspiegelt, da-\nher ist auch bei seinen kirchlichen Werken ein ganz glückliches\nGelingen nicht nachzurühmen, so trefflich auch Manches darin in\nrein musicalischer Hinsicht, namentlich der Instrumentation und der\nBeherrschung der Form, ist. Spohr's eigentliches Feld war die rein\ninstrumentale Musik und theilweise auch die Oper, aber immerhin\ndarf sein Oratorium ein sehr schätzenswerthes Werk genannt werden.\nWenn auch nicht zu läugnen ist, dass es sich häufig verflacht, so\nerhebt es sich andererseits doch wieder zu ganz bedeutendem Auf-\nschwünge, und es sind namentlich die Chöre: „Preis und Ehre ihm\"\nu. s. w., „Heilig ist Gott\" u. s. w., „Betet an\" u. s. w., „Selig sind\ndie Todten\" u.s.w., besonders aber: „Gefallen ist Babylon\" u.s.w.,\nund noch der Schlusschor: „Halleluja\", welche die Hauptpointen\ndes Ganzen bilden. Die Sinfonie als Ouvertüre des zweiten Theiles\nsoll ein einleitendes Tongemälde zu dem durch einzelne Stimmen\nund den Chor beschriebenen Ausbruch des jüngsten Gerichtes sein;\nsie ist mitunter von recht schöner Wirkung, verfällt aber auch\nhäufig in einen phrasirten, nichtssagenden Kammermusik-Stil. Be-\ntreffs der Ausführung müssen wir constatiren, dass die Solisten und\nder Chor mit dem Orchester wetteiferten, da*s Ganze würdig zu Ge-\nhör zu bringen; namentlich heben wir die treffliche Einstudirung\ndes Chors durch Herrn Director Faisst hervor.\nAm 28. Mai fand im Thiatre de VOptra comique die\nerste Vorstellung der Oper „Zilda\" (Deutsch Silda), die Herr von\nFlotow für diese Bühne geschrieben, Statt. Der Erfolg beruhte\nvorzüglich auf der Trägerin der Hauptrolle, Madame Cabel, die\nsich nach den Ausdrücken ihrer Verehrer an Stimme und Grazie\nverjüngt hat und mit dem Glänze ihrer Virtuosität nach wie vor\nbezaubert. Curios, aber echt französisch, das Urtheil über eine neue\nOper nach einer einzelnen Sängerin, der die Hauptpartie zugeschnit-\nten ist, zu bemessen ! Die drei ersten Vorstellungen haben Erfolg\ngehabt. Nächstens mehr."}]}