{"numero_id": "bm-bmtnabi-1866-06-23-01", "volume": "bmtnabi_1866-06-23_01", "ocr_sha256": "5258062b0dfcf369df00e31b172db13db0a52eb742ade66d3439d5e5051dba11", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1866/06/23_01/bmtnabi_1866-06-23_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660623-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1866-06-23-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-06-23_01#c001", "volume": "bmtnabi_1866-06-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "193", "page_fin": "193", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660623-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "193", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660623-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 449, "texte": "Inhalt.\nDer Musik-Unterricht auf Gymnasien. Das vierte mecklenburgische Musikfest (Schluss). Nachklänge zum hamburger\nMusikfeste. Aus Rotterdam (Die deutsche Oper im Theaterjahre 1865—1866). Aus Leipzig (Musik-Aufführung der Sing-Aka-\ndemie). Tages- und Unterhaltungsblatt (Die Süddeutsche Musik-Zeitung über Wagener's Staats- und Gesellschafts-Lexikon\nH. von Bülow Kammermusicus Ferd. Haake Dresden, Oper „Wanda\" von F. Doppler Prag, Oper u. s. w)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-06-23-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-06-23_01#c002", "volume": "bmtnabi_1866-06-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "193", "page_fin": "195", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660623-01.2.2", "titre_corps": "Der Musik-Unterricht auf Gymnasien.", "titre_sommaire": "Der Musik-Unterricht auf Gymnasien.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "193", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660623-01.1.1", "debut_caractere": 451, "fin_caractere_exclue": 4205, "texte": "Der Musik-Unterricht auf Gymnasien.\n„Bei Betrachtung der Mittel, durch welche die Schule\nGelegenheit zur Entwicklung des Sinnes für das\nSchöne oder des Kunstsinnes geben solle, betreten\nwir ein Feld, welches auf den Gymnasien noch meist brach\nliegt, wenngleich Kunst-Unterricht an den mehrsten Ge-\nlehrtenschulen in einigen Lehrstunden wöchentlich ertheilt\nwird. Die eigentliche Aufgabe dieses Unterrichts, die Ent-\nwicklung des Sinnes für das Schöne, ohne welche die\nMenscbenbildung in ihrer idealen Richtung gar nicht voll-\nkommen vorbereitet werden kann, ist noch lange nicht\nallen Lehrern der Kunst an Gymnasien klar, da die mei-\nsten kaum eine Ahnung davon haben und folglich auch\ndie Lehrweise gar nicht dem Ziele derselben gemäss ein-\nrichten. Zu beklagen ist es freilich, dass oft auch die obe-\nren Schulbehörden und die Directoren der Gymnasien dem\nKunst-Unterrichte aus Mangel an Sinn für die Kunst oder\naus Vorurtbeil und Vornehmthuerei nicht die Anerken-\nnung und Unterstützung zu Theil werden lassen, die er\nverdient. Man denke nur an die äussere Stellung der Ge-\nsang- und Zeichenlehrer in der Hierarchie der Schule!\"\nDiese Zeilen haben wir vor länger als vierzig Jahren\ngeschrieben*). Seitdem ist Manches an den deutschen\nGymnasien besser, Manches schlechter geworden; zu Letz-\nterem rechnen wir die den Directoren und Lehrer-Col-\nlegien allmählich immer mehr entzogene oder doch ver-\nkümmerte Selbständigkeit des Wirkens, welche dem For-\nmalismus und Schematismus der Centralisation weichen\nmuss, durch den die sonst sehr einflussreichen charakte-\nristischen Unterschiede der Bildungs-Anstalten aufgehoben\nwerden; ferner die Ausdehnung des Unterrichts in die\nBreite, die Prüfungen nach der Schablone, welche die\nMittelmässigkeit begünstigen und der individuellen Natur-\nanlage nicht nur nicht hinlänglich Rechnung tragen, son-\ndern ihrer Entwicklung zu tüchtiger Erscheinung im Wis-\nsen und in der Gesinnung oft entgegenstehen. Diesen Tadel\nzu begründen, würde hier nicht am Orte sein: und selbst\nin dem Falle, dass eine Abhandlung darüber den leitenden\nBehörden und den Männern vom Fach vor Augen käme,\nwürde sie doch nichts ändern, denn Goethe's Ausspruch:\n„Die Schule ist als ein einziger Mensch anzusehen, der\nhundert Jahre mit sich selbst spricht und sich in seinem\neigenen Wesen, und wenn es auch noch so albern wäre,\nganz ausserordentlich gefällt**) ist zwar stark, aber im-\nmer noch wahr.\nIst es mit dem Musik-Unterricht auf den Gymnasien\nseitdem besser geworden? Wie es im Allgemeinen auch\njetzt noch mit demselben steht, erfahren wir unter Ande-\nrem aus einer interessanten Abhandlung von C. Bogler,\nwelche dem Programme beim Schlüsse des Schuljahres\nam Gymnasium zu Wiesbaden beigegeben ist**). Darin\nheissl es S. 4 u. ff.:\n„Zwar fehlt die Musik, speciel die Gesanglehre und\nUebung nur noch selten in dem Lehrplane einer Huma-\nnitätsschule. Schulbehörden, Directoren und Lehrer-Col-\nlegien lassen sich, hier und da wenigstens, die Pflege des\nGesanges ernstlicher angelegen sein, theils in richtiger\nWürdigung des wahren inneren Werthes dieses Bildungs-\nzweiges, theils weil sie in demselben ein vorzügliches Mit-\ntel zur Erfrischung und Belebung jugendlichen Sinnes\nund eine unentbehrliche Zierde des äusseren Schullebens\nsehen, theils endlich, weil sie die musicalische Beschäfti-\ngung überhaupt als ein Abziehungsmittel von schlimme-\nrem Zeitvertreib der Jugend betrachten. Viele Anstalten\n\n*) „Ueber das Wesen der Gymnasialbildung\", Inaugu-\nralscbrift von L. Bischoff, Professor und Director des Gymna-\nsiums. Wesel, 1823.\n*) Goethe's Werke. Kl. Ausg. v. 1829. Bd. 49, S. 47.\n**) „Ueber die Stellung des Musik-Unterrichts auf\ndem Gymnasium.\" Von C. Bogler, Conrector am Gymnasium,\nzu Wiesbaden. Wiesbaden, 1866. 16 S. Gr. 4."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "194", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660623-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5479, "texte": "wurden mit allem erforderlichen Apparate, mit Instru-\nmenten, Musicalien, geeigneten Gesangsälen auf das reichste\nausgestattet; Gesangchöre und freiwillige Schüler-Vereine\nwurden gebildet, die Schulfeierlichkeiten mit musicalischen\nAufführungen geschmückt, ja, besondere Scbul-Concerte\nveranstaltet. Die Mess-Cataloge bringen jährlich eine reiche\nLiteratur theoretischer und praktischer Singschulen und\nLiedersammlungen. Einzelne Gymnasien, vorzugsweise\nsolche in grösseren Städten, erfreuen sich durch die Treff-\nlichkeit ihrer musicalischen Leistungen schon seit langen\nJahren eines seihst über die Granzer) des Vaterlandes\nhinausgehenden Rufes, so namentlich die ehrwürdige\nThomana in Leipzig, die Kreuzschule in Dresden,\ndie Anstalt in Schulpforta.\n„So erfreulich aber auch diese Thatsachen sind, so\nkönnen sie doch, wenn man die Verhältnisse einer ein-\ngehenderen Prüfung unterzieht, nicht täuschen. Denn diese\nernstlichere Betreibung der Musik erstreckt sich vorzugs-\nweise doch nur auf Erzielung eines glänzenden Resultates\nder Chorgesang-Uebungen, die theoretische Ausbildung\naber reicht meistens nicht über die nothwendigsten Ele-\nmentar-Kenntnisse hinaus, und die Instrumental-Musik\nist nicht nur gänzlich der Obhut, sondern auch fast allem\nEinflüsse der Schule entzogen. Aber selbst nur in einem\nkleinen Theile der Gelehrtenschulen findet eine hinrei-\nchende Pflege des Chorgesanges Statt. Eine Musterung\nder jährlich erscheinenden Gymnasial-Programme wirft\nmitunter Schlaglichter sehr unerfreulicher Art auf diesen\nUnterrichtszweig. Die Lections-Uebersichten vieler Anstal-\nten weisen nur je eine wöchentliche Gesangstunde in den\nUnterclassen nach; in den Oberclassen hört nicht nur der\ntheoretische Unterricht gänzlich auf, sondern häufig auch\nalle praktischen Singübungen, ja, selbst die obligatorische\nTheilnahme am Sängerchore. An manchen Anstalten wird\njedoch der Unterricht auch hier in Einer wöchentlichen\nStunde weiter betrieben. Bei einer solchen Einrichtung,\nwo in einer einzigen wöchentlichen Stunde ein gewisses\nMaass theoretischer Kenntniss gewonnen, eine hinlängliche\nAusbildung des Stimm-Materials erreicht und die not-\nwendige praktische Singfertigkeit erzielt werden soll, kann\nin keiner Beziehung etwas geleistet werden und muss der\nErfolg quantitativ und qualitativ ein so geringer sein, dass\nselbst die kurze auf die Gesangübungen verwendete Zeit\nals Zeitverschwendung ercheint. Nicht viel besser steht es\nan den Anstalten, in welchen zwar der Unterricht in den\nUnterclassen in zwei wöchentlichen Stunden ertheilt, in\nden Oberclassen aber nicht fortgesetzt wird, und die Schü-\nler nicht einmal in einem Sängerchore Gelegenheit zur\nweiteren musicalischen Bildung finden. Denn in diesem\nFalle wird nicht nur die bereits erworbene Ausbildung\nder Stimme, des Gehörs, des Tactsinnes und der Gesang-\nfertigkeit unbenutzt liegen bleiben, oder geradezu wieder\nverloren gehen, sondern überhaupt der veredelnde, gei-\nstige Einfluss auf das ästhetische, sittliche und religiöse\nGefühl der eigentliche Zweck aller Musikübung auf-\nhören, und das gerade zu einer Zeit, wo die höhere gei-\nstige Reife, die regere Phantasie und das erwachende\ntiefere Gefühlsleben am meisten eines Correctivs bedarf.\nDass der theoretische Musik-Unterricht tiefer in die Har-\nmonielehre einginge, bis zur Analyse von Tonwerken,\nEinführung in Geschichte oder Aeslhetik der Tonkunst\nbetrieben würde, lässt sich aus keinem Programme ent-\nnehmen; ja, es findet sich an den meisten Anstalten wohl\nnicht einmal Gelegenheit dazu, und bleibt dieses dem\nPrivatunterrichte und Selbststudium überlassen. Denn in\nden abgerissenen Notizen, welche von dem Lehrer etwa\nbei den Ruhepausen der Chorübungen eingestreut werden,\nwird kein Schulmann im Ernste einen theoretischen Un-\nterricht erblicken wollen.\n„Die Mitgift, welche der abgehende Schüler durch die\nMusiklehre empfängt, ist eine so geringe, dass sie nicht\nim entferntesten mit der verglichen werden kann, welche\ndie übrigen Fächer gewähren, eine so dürftige, dass sie\nihn selbst nicht einmal zum eigenen Weiterstudium be-\nfähigt oder anregt. Und gerade gegenüber den Anforde-\nrungen, welche unsere Zeit auch im Gebiete der Musik\nan den Gebildeten stellt, sollte sich unsere Pädagogik diese\n„„musicalische Pflicht*\" um so mehr angelegen sein\nlassen, als die natürlichen Anlagen, zumal der deutschen\nJugend, für die Musik ganz hervorragende sind und das\njugendliche Gemüth für die Eindrücke der Kunst weit\nempfänglicher ist, als für die der Wissenschaft.\n„Aber auch Betrachtungen anderer Art drängen sich\nuns bei Durchsicht der Gymnasial-Programme auf. Wäh-\nrend in denselben der Umfang des im verlaufenen Schul-\njahre behandelten Pensums in Sprachen und Wissenschaf-\nten sorgfältig mitgetheilt, die Lecture der Classiker sogar\nnach Buch und Capitel verzeichnet ist, sieht man sich\nmeistens vergebens nach einer gleichen Angabe hinsicht-\nlich des musicalischen Lebr-Pensums, nach einem Verzeich-\nnisse der von dem Schülerchor eingeübten Gesang- und\nMusikstücke um, was für Beurtheilung des Umfanges und\nder Richtung des Musik-Unterrichts doch durchaus nöthig\nwäre. Selbst bei Schulfeierlichkeiten rubriciren viele Pro-\ngramme an den betreffenden Stellen einfach „„Musik\"\"\nund „„Gesang\"\", obgleich sie von den Declamations-\nstücken und Vorträgen Titel und Inhalt genau angeben.\nSo mag es denn wohl oft vorkommen, dass Director und\nLehrer-Collegium einer Anstalt Art und Charakter eines\nTonstückes, das vielleicht mit dem Charakter der Statt"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "195", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660623-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2853, "texte": "findenden Feier in gar keinem Zusammenhange, ja, wohl\ngeradezu im Widerspruche steht, erst im Augenblicke der\nAufführung kennen lernen. Dass die Musik vorzugsweise\ngeeignet sei, einem Feste die entsprechende Stimmung\nund Farbe zu verleiben, wird häufig ganz ausser Acht ge-\nlassen. Man betrachte nur die bei solchen Gymnasialfesten\nvorgetragenen Instrumentalstücke der Schüler: da finden\nsich alle möglichen Motifs d'OTranscriptions,\npourris, Fantaisies, Etudes, und wie denn die be-\nliebten Modescbilde der faden Producte alle heissen mö-\ngen, die, nur auf Ohrenkitzel oder süssliche Ueberscbwäng-\nlichkeit berechnet, leider noch immer der Mehrheit unse-\nrer spielenden Jugend als Substrat des Unterrichts dienen.\nAuch die Wahl der Chorgesänge ist oft nicht viel besser.\nIst es nicht, gelinde gesagt, eine Tactlosigkeit, wenn bei\nder Schlussfeierlichkeit einer Anstalt der Sängerchor nach\nder Abschiedsrede eines Abiturienten:\n„„Das klinget so herrlich, das klinget so schön,\nNie hab' ich so Etwas gehört noch geseh'n!\"\"\naus Mozart's Zauberflöte anstimmt, oder «„Herrn\nUrian's Reise um die Welt0«; wenn moderne Opern-\ngesänge, wieCavatine und Chor aus Euryanthe,\naus Tancred und, horribile sogar aus der Nacht-\nwandlerin*), auf dem Programme eines Redeactes figu-\nriren, während wir doch einen fast erdrückenden Reich-\nthum der herrlichsten Chorgesänge aller Art besitzen, die\nsich für Schulzwecke vortrefflich eignen? Häufig besteht\ndas Repertoire eines Sängerchors vorzugsweise aus den\nCompositions-Versuchen des Musiklehrers, wodurch den\nSchülern nicht allein die Zeit, Edleres und Besseres ken-\nnen zu lernen, weggenommen, sondern oft auch alle Freude\nam Gesänge verleidet wird. Manche Gesanglehrer scheinen\ngar von der Meinung befangen zu sein, wie man wenig-\nstens aus der Wahl ihrer Gesangstücke schliessen muss,\nder Zweck solcher Musik-Aufführungen sei vorzugsweise\nder, Heiterkeit bei Schülern und Zuhörern hervorzurufen,\naber nicht in dem Sinne des Spruches: „„Res severa est\nverum gaudium/\"\" Wenn nun noch dazu kommt, dass\ndie Aufführungen so selten selbst den massigsten Anfor-\nderungen entsprechen, die man in Bezug auf Reinheit der\nIntonation, Rhythmik und Dynamik an den Vortrag eines\nMusikstückes stellen muss, wenn Musiklehrer, im Ver-\ntrauen auf die musicalische Unkenntniss der Schulbehör-\nden, sich in ihren Leistungen Fehler und Nachlässigkeiten\nzu Schulden kommen lassen, die in jedem anderen Lehr-\nfache eine Rüge nach sich ziehen würden, so müssen frei-\nlich Erscheinungen zu Tage treten, die eben so gegen die\nWürde der Tonkunst als gegen den Ernst der Schule Ver-\nstössen und überhaupt mit der Lehr-Methode, den Zielen\nund Zwecken einer humanistischen Bildungs-Anstalt im\nschärfsten Widerspruche stehen.\"\n(Schluss folgt.)\n\n*) Dass das hier Angeführte aus Programmen entlehnt sei, be-\ndarf fast der ausdrücklichen Versicherung."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-06-23-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-06-23_01#c003", "volume": "bmtnabi_1866-06-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "195", "page_fin": "197", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660623-01.2.3", "titre_corps": "Das vierte mecklenburgische Musikfest.", "titre_sommaire": "Das vierte mecklenburgische Musikfest.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "195", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660623-01.1.3", "debut_caractere": 2855, "fin_caractere_exclue": 5052, "texte": "Das vierte mecklenburgische Musikfest.\n(Schluss. S. Nr. 24.)\nIn dem zweiten Concerte feierte zunächst das Or-\nchester seinen Ehrentag. Schumann's i?-e?w-Sinfonie\nund die grosse Leonoren-Ouverture waren die ihm ge-\nstellten Aufgaben, deren Lösung den vereinigten vortreff-\nlichen Kräften auf das schönste gelang, so dass auch das\nPublicum zu einer Aeusserung seiner Theilnahme hinge-\nrissen wurde, zu welcher es am Abende vorher bei im-\nmerhin gleich würdigen Gesammtleistungen nicht gekom-\nmen war. In frischem, lebendigem Zuge ging die Sinfonie\nan uns vorüber, voll festlichen Schwunges der erste Satz,\ntief empfunden und vom Hauche der Sehnsucht durchweht\ndas Adagio, markig und wuchtig das Scherzo, leicht und\ngraziös die beiden Trio's desselben, voll rastlosen, treiben-\nden Lebens das Finale. So kam Alles in dem Meisterwerke\nzur charakteristischen Wiedergabe, und das war das Ver-\ndienst des Dirigenten, des Herrn Hof-Capellmeisters A.\nSchmitt; dass daneben ein völliges Gelingen aller Einzel-\nheiten die Aufführung auszeichnete, dafür sind wir dem\nOrchester und seinen Führern zu nicht minderem Danke\nverpflichtet. Der begeisterte Vortrag der Beethoven'schen\nOuvertüre war von hinreissender, Alles besiegender\nWirkung.\nZwischen Sinfonie und Ouvertüre stand Hiller's\n„Hymne an die Nacht\". Der Altmeister deutscher\nKunst ward am Dirigentenpulte mit begeistertem Beifalle\nbegrüsst, Blumen und Kränze flogen ihm entgegen. Das\nschöne, wirkungsreiche Werk ward von den Mitwirkenden\nmit Liebe und Begeisterung vorgetragen; die Wirkung\nder Chöre gipfelte wohl in der Nummer 7: „Er verkün-\ndet das Licht\". Die Composition ist so recht geeignet,\neinen vollstimmigen Chor zur schönsten Geltung zu bringen,\nund diese Gelegenheit liess man sich nirgends entgehen.\nHerr Dr. Gunz excellirte in seinen Solo-Vorträgen\nvor Allem in dem Andante in A-moll: „Aus deinem Aug'\nein einziger Strahl\". Der Frau Röske-Lundh, welche\nneben ihm wirkte, schien die ganze Auffassung ihrer Auf-\ngabe allerdings besser gelungen, als im „Paulus\", allein\ndie Intonation litt doch an zu bedenklichen Schwankungen,\nals dass ein reiner Kunstgenuss möglich gewesen wäre.\nAllerdings bietet das Werk bedeutende Schwierigkeiten,\n\n[*J"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "196", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660623-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5260, "texte": "namentlich in Bezug auf die Intonation; um so mehr ist\nes hervorzuheben, dass die Leistung des Chors hieran fast\nnirgends erinnerte. Auszuzeichnen dürfen wir nicht verges-\nsen den Vortrag der Violin-Soli durch den Herrn Hof-\nConcertmeister Zahn aus Schwerin. Dem Capellmeister\nHiller sprach am Schlüsse das Publicum durch reichen\nBeifall und Hervorruf seinen Dank aus.\nDie letzte Nummer des Programms bildete der dritte\nTheil der „Schöpfung\", ein Werk, das bei all seiner Ein-\nfachheit von seiner Anziehungskraft durch keinen Zeit-\nablauf etwas verloren hat. Hier trat zu den genannten\nSolisten Herr Hill als Adam und bewährte sich in gleich\nausgezeichneter Weise, wie am ersten Tage. In voller\nFrische und Begeisterung ging das Concert nach fast drei-\nstündiger Dauer zu Ende.\nSe. Königl. Höh. der Grossherzog hatte der General-\nprobe wie auch dem Concerte seine Gegenwart gewidmet.\nAm Ende der Probe hatten die Solisten die Ehre, Seiner\nKöniglichen Hoheit vorgestellt zu werden. Allerhöchstwei-\ncher auch den Damen werthvolle Armbänder als Beweis\nseiner Anerkennung überreichen Hess. Der Tag verlief in\nungetrübter Feststimmung, die Milde des Abends begün-\nstigte die Abendunterhaltung im Schützengarten nicht we-\nniger, als am vorhergehenden Tage.\nDas dritte Concert steigerte die Theilnahme des\nPublicums sowohl in Bezug auf den Besuch, als den den\nEinzelleistungen gezollten Beifall. Eine Ouvertüre vom\nHof-Capellmeister Schmitt leitete das Concert würdig\nein; der reiche Beifall, der nach derselben ertönte, die\nBlumen und Kränze, die aus schönen Händen zum Diri-\ngentenpulte flogen, mochten zugleich Beweise der Aner-\nkennung sein, welche den Mühen und Erfolgen, die der\nGefeierte dem Feste gewidmet, und die das Fest selbst\ndavon getragen hatte, gezollt ward. Die erste Abtheilung\nbrachte sodann zwei Arien der Damen: „Wie nahte mir\nder Schlummer\", gesungen von Frau Röske-Lundh,\nund: „Feurig, feurig\", aus dem „Titus\", von Fräulein\nHausen in trefflicher Weise zum Vortrage gebracht\n(Solo-Clarinette Herr Berger aus Schwerin) und vom Pu-\nblicum mit enthusiastischem Beifalle aufgenommen, der\nübrigens auch der Freischütz-Arie, wenn auch in gerin-\ngerem Maasse, zu Theil geworden war. Dazwischen bot\nMozart's D-moll-Concert, von Hi.ller's Meisterhand zu\nunvergleichlichem Leben erweckt, den höchsten Kunst-\ngenuss. Hier schien uns in künstlerischer Beziehung der\nSchwerpunkt des dritten Tages zu liegen. Die drei ersten\nNummern der „Nacht\" schlössen die Ahtheilung; un-\nsere Freude an diesen schönen, klangvollen Chören war\nbei der Wiederholung eine noch grössere, als am Tage\nvorher.\nDie Tannhäuser-Ouverture, welche den zwei-\nten Theil des Concertes eröffnete, war für das Orchester\nin der Mittagsstunde eines gewitterschwülen Tages eine\nschwere, aber dem Publicum gegenüber dankbare Auf-\ngabe. Das Quartett aus dem ersten Acte von Beetho-\nven's „Fidelio\" vereinigte sodann die vier Solisten, um\nvon einer Reihe von Solo-Vorträgen gefolgt zu werden,\nwelche Herr Dr. Gunz mit: „Komm, o holde Dame,\"\neröffnete. Der Vortrag dieser Arie durch Herrn Gunz ist\nnachgerade weltberühmt; wir müssen gestehen, dass wir\nnoch keinen Tenoristen kennen gelernt haben, der so viele\nVorzüge vereinigte, wie Herr Dr. Gunz: eine so schöne\nStimme, künstlerisch gediegene Bildung, dabei solche Viel-\nseitigkeit in der Verwendung dieser trefflichen Eigenschaf-\nten. Die Lieder-Vorträge, bei denen Hof-Capellmeister\nSchmitt die Clavier-Begleitung meisterhaft ausführte,\nbegann Frau Röske-Lundh mit der „Ungeduld\" von\nSchubert und „Ich bin geliebt\" von Schmitt; dann folgte\nHerr Gunz: „Ich frage keine Blume\", und Schumann's\n„Wohlauf noch getrunken\". Der Beifall steigerte sich\nhier so, dass Herr Gunz noch mit einem wiener Liede:\n„Das ist doch schön eingericht\", die entzückten Zuhörer\nerfreute. Herr Capellmeister Hill er zeigte seine Meister-\nschaft als Solospieler in dem Vortrage einer Gavotte, Sa-\nrabande und Courante, denen er, dem Wunsche des nicht\nzur Ruhe kommenden Publicums folgend, „Zur Guitarre\",\nsämmtlich eigene Compositionen, hinzufügte. Herr Karl\nHill hatte es gewagt, seinen einzigen Solo-Vortrag an\neine hier ganz unbekannte Composition von Wilhelm Hill\nzu setzen, eine Ballade: „Mondwanderung\", die übrigens\nin weitesten Kreisen gekannt zu werden verdient. Dieses\nWagniss ward von dem schönsten, durchgreifendsten Er-\nfolge gekrönt, der Applaus wollte nicht enden, stieg wo\nmöglich noch, als Herr Hill mit Mendelssohn's schönem\nVolksliede: „Es ist bestimmt in Gottes Rath\", dem Feste\neinen eben so schönen als bedeutungsvollen Abscbluss gab.\nDie Freischütz-Ouverture war die letzte Nummer\ndes Programms.\nDas von 3—400 Personen besuchte Festmahl ver-\nlief in ungezwungenster Festesfreude und Heiterkeit und\ndauerte bis Ohr. Der erste Toast, vom Fest-Präsiden-\nten, Kanzlei-Director von Monroy, ausgebracht, galt Sr.\nKönigl. Höh. dem Grossherzoge, dann folgte das Wohl\nder Frau Grossherzogin-Mutter und des fürstlichen Hauses.\nDas nächste Hoch war dem Dirigenten gewidmet. Hof-\nCapellmeister Schmitt antwortete mit einem Toaste auf das\ngüstrower Fest-Comite. Herr Capellmeister Hiller sprach\nmehrfach in launigster Rede; sein erstes Hoch galt dem\nmecklenburgischen Musikvereine, dessen Mitwirkung das\nZustandekommen des Festes wesentlich gefördert. Gesan-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "197", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660623-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2564, "texte": "ges-Vorträge der Damen Röske-Lundh und Hausen, der\nHerren Gunz und Hill belebten das Mahl. Ausserdem trug\nHerr Jantzen ein von unbekannter Hand übersandtes Ge-\ndicht an unseren hochgefeierten Gast Ferdinand Hiller\nvor. Dasselbe lautete, wie folgt:\nAn Ferdinand Hiller.\nWie aus der Nacht sich gluthenvoll der Tag erhebt\nUnd auf der Morgenröthe Thau zur Erde schwebt,\nWie aller Berge Gipfel goldig glühen\nUnd Schritt vor Schritt die Nebelwolken fliehen,\nWie über Feld und Wald das Lichtmeer dann sich streckt\nUnd leise mahnend all' die Schläfer freundlich weckt:\nSo hast Du, Hiller, durch die Schöpfung Deiner „Nacht\"\nDen hellen Tag zum licht'ren Tage uns gemacht,\nSo hast Du uns geführt auf seelenvollen Tönen\nMit Blitzesschnelle in das Reich des ewig Schönen,\nUnd griff'st uns tief hinein in das erregte Herz\nUnd unaufhaltsam brachtest Du uns himmelwärts.\nUnd wenn auch Lorberkranz an Lorberkranz sich reiht,\nSo nimm auch den, den Mecklenburg Dir dankend weiht,\nSo nimm auch dieses Lied, nimm es aus unsern Händen,\nDie wir aus Liebe es und aus Verehrung spenden:\nUnd mög* der Himmel Glück und Freude Dir verleihen,\nDir, grosser Meister aus der Tempelstadt am Rhein!\nDas ganze Mahl verlief in ungetrübter Heiterkeit.\nNach demselben berieth man sich, ob man die durch den\nvon Mitlag bis Abends 8 Uhr ohne Unterbrechung herab-\nströmenden Regen verhinderte Illumination des Wallgar-\ntens noch ausführen oder schliesslich noch einen Tanz\nentriren wolle. Während dessen hatte Herr Ferd. Hiller\ndie Tribüne bestiegen und sagte ungefähr Folgendes:\n„Meine jungen Herrschaften! Wenn Sie Lust haben, zu\ntanzen, junge Damen und Herren sind hier, und (mit einem\nFingerzeig auf sich selbst) Musik ist auch hier.\" Und da-\nmit öffnete der Meister den Flügel und der Tanz begann.\nSchliesslich nahm der hochverehrte Gast in einer längeren\nRede von uns Abschied. Das fröhliche Zusammensein\nwährte bis an den grauenden Morgen.\nSo ging ein Fest zu Ende, dessen reich und schön be-\nlebte Tage gewiss lange in der Erinnerung aller Theilneh-\nmer leben werden. Lassen wir uns übrigens nicht gereuen,\ndas Fest trotz der drohenden Wetterwolken am politischen\nHorizonte gefeiert zu haben, selbst dann nicht, wenn das\nUnwetter losbrechen sollte. Sollten schwere Zeiten des\nKrieges über unser Vaterland verhängt werden, so wollen\nwir uns vielmehr freuen, diese Tage dem Dienste der Se-\ngen und Bildung spendenden Musen gewidmet zu haben.\nHoffen wir aber, dass die in der Musikvereins-Sitzung er-\nöffnete Aussiebt, das nächste Fest in zwei Jahren in Ro-\nstock zu feiern, sich verwirklichen möge."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-06-23-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-06-23_01#c004", "volume": "bmtnabi_1866-06-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "197", "page_fin": "199", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660623-01.2.4", "titre_corps": "Nachklänge vom hamburger Musikfeste", "titre_sommaire": "Nachklänge vom hamburger Musikfeste", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "197", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660623-01.1.5", "debut_caractere": 2566, "fin_caractere_exclue": 5247, "texte": "Nachklänge vom hamburger Musikfeste\n*).\n1. Ueber das Aeussere des Festes. Dem ersten\nTage mangelte leider die allseitige, anregende Theilnahme.\nDenn wahrlich, weder die äussere Physiognomie unserer\nguten Stadt halte sich in irgend einem Zuge geändert,\nnoch weniger hatte sie den fremden Künstlern zu Ehren\nein Festgewand angelegt oder eine Flagge des Willkom-\nmens in die sonnigen, warmen Mailüfte hineinwehen lassen.\nDie Elbe hat schon lange Jahre hindurch ihre Wogen in\nden Ocean gesandt, seit von Hamburgs Musikfreunden ein\ngleiches Opfer der holden Göttin Musica dargebracht wurde.\nDie damalige Feststimmung ist. für uns jetzt mythisch ge-\nworden; doch lässt sich gern zugeben, dass jene Zeit, die\nlange Jahre vor die Sturm-Periode in unserem deutschen\nVaterlande fällt, in ihren harmlosen staatsbürgerlichen\nAnschauungen besser angethan sein mochte, eine allge-\nmeine Freude zu erwecken, die wir heute vergeblich wün-\nschen und suchen. Das Fest genoss leider nur schwacher\nBetheiligung, wie der Besuch des Kirchen-Concertes offen\ndargethan. Daran trugen nicht allein die obwaltenden po-\nlitischen Verhältnisse Schuld: die Einrichtung des Festes\nselbst drückte uns und verhinderte die frische, fröhliche\nTheilnahme. Denn nur die Wohlhabenheit erfreute sich\ndes ungestörten Zutrittes zu den Concerten, die Unbemit-\ntelten erhielten nur die Brosamen der Hauptproben. Dieses\nZurückbleiben so mancher intelligenten Kraft, die gern\ndem Feste ihre Theilnahme gewidmet und daraus mit\nFreuden für sich Erbauung geschöpft hätte, ist vielseitig\nschmerzlich empfunden worden. Und darum feierten wir\nkein allgemein anregendes Fest, darum brachte die grosse\nStadt den fremden Gästen kein freundliches Willkommen.\nAuch die Theilnahme der Journale, die man, das eine\nausgenommen, stolz übergangen, war von Anfang her matt\nund ging kaum über die trockensten geschäftsmässigen\nNotizen hinaus, und die lustigen Wimpel, die das fröhliche\nHamburg bei jedem Anlasse zur Freude in den Winden\nflattern lässt, sie lagen wohl eingehüllt in den dunklen\nRäumen der Vorrathskammern, um vielleicht bald ihr flat-\nterndes Spiel zur Begrüssung eines Kriegsmannes zu be-\nginnen! Für den Besucher ähnlicher Feste, die der äusse-\nren freundlichen Anregungen so viele boten, war der Ein-\ndruck des unserigen darum ein befremdlicher. Wir jubel-\nten nicht in Festtags-Stimmung, sondern erfreuten uns\nnur an dem Bewusstsein von Musik-Aufführungen, die in\n\n*) Vergl. den Bericht über dasselbe Fest in Nr. 23 dieser\nZeitschrift. Die hier folgenden „Nachklänge\" sind grösstenteils den\nausführlichere!) Artikeln unseres geschätzten ehemaligen Mitarbeiters\nA. F. Eiccius in der Hamburger Zeitung entlehnt.\nDie Bedaction."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "198", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660623-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5305, "texte": "grossartigerem Maassstabe angelegt, bedeutendere Massen\nvon Executirenden aufstellen, als die gewöhnlichen Ver-\nbältnisse uns sonst gestatten.\nAuch von Dommer drückt sich darüber in ähnli-\nchem Sinne aus: „Die Kirche war bei Weitem nicht in\nallen Theilen gefüllt, sondern nur mässig besetzt, wie bei\nso ungemein hohen Eintrittspreisen von 4 und 2 Thalern\nkaum anders zu erwarten. Durch solche in Deutschland\nbis jetzt glücklicher Weise noch ungewohnte Steigerung\nder Eintrittspreise müssen derartige Unternehmungen einen\nCharakter von Exclusivität erhalten, welche doch nicht\netwa in erster Reihe den wahren Kunstverehrern den Zu-\ntritt sichert, denn gerade unter diesen müssen viele nun-\nmehr von dem erwünschten Genüsse abstehen. Und bei\nkeiner Gelegenheit ist solche Exclusivität weniger ange-\nbracht, als gerade bei Oratorien-Aufführungen, welche\nihrem ganzen Kunst-Charakter nach, und insbesondere\nnoch bei Musikfesten, etwas Yolksmässiges haben sollen.\nWie die Popularität im höchsten Sinne einer der edelsten\nCharakterzüge des Händel'schen Kunstschaffens ist, so soll-\nten die Aufführungen seiner Werke auch minder Begü-\nterten nicht unzugänglich da geringere Bemittelung\nKunstsinn und Verständniss eben so wenig ausschliesst, als\ngrössere sie bedingt.\"*)\n2. Die aufgeführten Werke. Ueber die Instru-\nmentirung von Händel's „Cäcilien-Ode\" sagt Riccius,\nder Autor derselben sei ihm unbekannt, sie dürfe aber im\nAllgemeinen als zweckentsprechend bezeichnet werden\nu. s. WMwM und von Dommer meint, sie enthalte Zusätze von\nfremder Hand zu Händel's Original-Partitur, vielleicht\nnach der Bearbeitung Mozart's. —Da Herr Goldschmidt\ndas Werk in Hamburg wie in Düsseldorf (1863) dirigirt\nhat, so wird er gewiss dieselbe Partitur-Bearbeitung an\nbeiden Orten zu Grunde gelegt haben. Diese ist von ihm\nselbst nach der Original-Handschrift der Händel'schen\nPartitur in London und der Original-Handschrift der Mo-\nzart'schen (von 1790 auf der königlichen Bibliothek zu\nBerlin) eingerichtet und verdient eine ganz vorzügliche ge-\nnannt zu werden. Herr Goldschmidt hat die Instrumenti-\nrung Mozart's nicht durchweg beibehalten, namentlich\nauch die glanzvollen Trompeten in der Tenor-Arie in D\n(Solo-Trompete), im darauf folgenden Chor und in dem\nSchluss-Chor wieder hergestellt, die Mozart durch Oboen\nund Flöten, offenbar in Berücksichtigung der kleinen Ca-\npelle bei van Swieten's Musik-Cirkeln (s. Jahn, IV., S.\n457 ff.), ersetzt hatte, wohl auch, weil er keinen Virtuo-\nsen dafür hatte, wie einst Händel. Vgl. Niederrh. Musik-\nZeitung, 1863, Nr. 24.\nUeber R. Schumann's „Paradies und Peri\"\nstellen wir gern die warme Anerkennung, welche Riccius\ndarüber ausspricht, den Urtheilen der londoner Kritiker\nentgegen. Er sagt darüber bei Gelegenheit der Auffüh-\nrung des zweiten Theiles in Hamburg:\n„Das Paradies und die Peri von Robert Schumann\nhat als Text-Unterlage einen Abschnitt aus der Dichtung\nLalla Rookh von Thomas Moore. Die von Schumann\nbenutzte Episode aus jenem dichterischen Werke ist offen-\nbar die poetisch bedeutendste und steht an Zartheit und\nsinniger Empfindung jenem Theile derselben Dichtung\nvoran, den Rubinslein in seiner Oper Feramors musica-\nlisch bearbeitete. Der märchenhafte, lyrische Grundzug\ndes Gedichtes sagte Schumann's Natur in günstigster Weise\nzu, und wohl Niemand würde so, wie er, das träumeri-\nsche Walten der zarten Luftgestalt der Peri in so dufti-\ngen Reiz einzukleiden vermocht haben. Schumann stand\nbei Schaffung des Werkes auf dem höchsten Zenith seines\ngeistigen Schaffens, und wenn auch die Werke der späte-\nren Periode noch mehrere Merkmale bewussten Schaffens\nund höhere Form-Vollendung aufweisen, so bleibt dieser\nComposition der hohe Vorzug des reichsten motivischen\nInhalts nachzurühmen; in ihm liegt die Fülle der jugend-\nlichen Kraft des Componisten in reichsten Schätzen aufge-\nspeichert. Die Wirkung der Tondichtung war zur Zeit\nder ersten Aufführung die siegendste, und Schumann's\nRuf und die Verbreitung seines Ruhmes beginnen erst von\ndiesem Zeitpunkte an über die engen Gränzen seiner da-\nmaligen Wirksamkeit sich zu verbreiten. Mendelssohn's\nEinfluss beherrschte bis dahin alle musicalischen Bestre-\nbungen, und seine unschwer nachzuahmende Manier er-\nleichterte den jugendlichen Talenten die Fortbildung und\ndie Handhabung der künstlerischen Formen. Schumann's\nvor Paradies und Peri geschriebenen Werken war nur der\nBeifall der jüngsten Generation zu Theil geworden, die\nmit jagendlichem Muthe offenes Bekenntniss vor den mu-\nsicalischen Machthabern jener Tage ablegte, jener Männer,\ndie in ihrem Widerstreben gegen das junge, aufstrebende\nGenie bis zur Abläugnung irgend weiter reichender Fähig-\nkeiten sich verleiten Hessen. Der durchgreifende Erfolg\nvon Paradies und Peri führte in das Lager der Schu-\nmannianer in reichlicher Anzahl neue Genossen, und die\ngrosse Menge fing nun an, ihn als hervorragende Grösse\nzu betrachten und zu würdigen, ihn auch als modernsten\nmusicalischen Helden zu verehren. Die vor Op. 50 ge-\nschriebenen Werke, bisher nur kühler oder theilweiser\nBeachtung gewürdigt, wurden nun einer sorgfältigeren\nRevue unterworfen, und man fing an, Schätze zu ent-\n\n*) Auch am Rheine müssen wir die beim diesjährigen Musik-\nfeste leider mit Erfolg angewandte Hinaufschraubung der Eintritts-\npreise auf 6 Thlr. beklagen. Die Redaction."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "199", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660623-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2133, "texte": "decken, die man, so offen sie zu Tage lagen, in Trägheit\nund vorurlheilsvollem Missachten übersehen hatte.\n„Die schöne und reiche Composition übte auf die Zu-\nhörenden einen unwiderstehlichen Reiz aus und erweckte\neinen tiefen und wahren Enthusiasmus, der in seinen un-\ngeheuchelten Aeusserungen wohlthuender berührte, als\njener überlaute, der die virtuosen Kunstleistungen verherr-\nlichte. Der Inhalt des Werkes hat heute noch nicht seine\nsiegende Kraft verloren, im Gegentheil wird erst die Zu-\nkunft ihm die gläubigsten Bekenner zuführen. Zu Gunsten\nder Composition wirkte die in fast allen Theilen entspre-\nchende Besetzung der Solostimmen, an der sich ausser den\nschon angeführten Sängern noch Fräulein Mandl und die\nHerren Stock hausen und Dr. Gunz betheiligten. Der\nVerein von so schönen Stimmen liess desshalb das Solo-\nQuartett in so wohlklingender Weise ertönen, dass ein\nallseitiger Ruf nach Wiederholung des rührenden, from-\nmen Stückes entstand. Herr Goldschmidt, der die Auf-\nführung leitete, halte sich zwar der Composition mit vie-\nlem Interesse .angenommen, doch geschah dieselbe nicht\nüberall in Schumann's Geiste, der sie durchgängig in leb-\nhafterem Sinne anfasste und einer viel saubereren Ausfei-\nlung derselben sich unterzogen hatte. Diese mangelte be-\nsonders dem zarten Schluss-Cbor, der hier zu massenhaft\nertönte, während er die sanfteste Behandlung erheischt.\nDer Enthusiasmus bei der ersten Aufführung der Peri\nüber diesen Chor war damals der unerhörteste, der auch\nhier bei richtiger Auffassung unwiderruflich hätte folgen\nmüssen. Die ganze Aufführung begleitete eine Menge klei-\nner Fatalitäten, die sich über dem grossen Inhalte der\nComposition glücklicher Weise verschmerzen Hessen, die\nsich wohl auch einer nachsichtigen Beurtheilung wegen\nder grossen ausgestandenen Strapazen der Mitwirkenden\nund der daraus erfolgenden Abspannung unterbreiten. Die\nWärme in dem übermässig gefüllten Saale erschwerte\nauch nicht zum geringsten Theile besonders den Instru-\nmentalisten ihre Aufgabe, wie auch aus diesem Uebelstande\ndie oft bemerkliche Unruhe der Ausführung und unreine\nStimmung sich ableiten lassen.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-06-23-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-06-23_01#c005", "volume": "bmtnabi_1866-06-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "199", "page_fin": "199", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660623-01.2.5", "titre_corps": "Aus Rotterdam.", "titre_sommaire": "Aus Rotterdam.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "199", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660623-01.1.7", "debut_caractere": 2135, "fin_caractere_exclue": 3000, "texte": "Aus Rotterdam.\nDie deutsche Oper im Theaterjahre 1865—1866.\nAufgeführt wurden folgende Opern: Aleida von Hol-\nland (von Thooft) 7 Mal, Faust (von Gounod) 7, Fidelio\n6, Der Nordstern 6, Wilhelm Teil 5, Martha 5, Der\nWaffenschmied 5, Medea 4, Joseph in Aegypten 4, Die\nZauberflöte 3, Die Hochzeit des Figaro 3, Don Juan 3,\nDer Freischütz 3, Tannhäuser 3, Die Jüdin 3, Der Trou-\nbadour 3, Die Hugenotten 2, Stradella 2, Mozart und\nSchikaneder 2, Oberon 1, Lucrezia Borgia 1, Melodra-\nmatische Musik zu Schiller's „Das Lied von der Glocke\"\nvon Lindpaintner 2 Mal. Zusammen 21 Opern und ein\nMelodrama in 78 Vorstellungen, welche, was die Com-\nponisten betrifft, also vertheilt waren: Mozart 13 Mal,\nMeyerbeer 8, Gounod 7,von Flotow 7, Thooft 7, van\nBeethoven 6, Cherubini 5, Rossini 5, Lortzing 5, von\nWeber 4, Mebul 4, 3, Verdi 3, Wagner 3,\nLindpaintner 2, Donizetti 1."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-06-23-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-06-23_01#c006", "volume": "bmtnabi_1866-06-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "199", "page_fin": "199", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660623-01.2.6", "titre_corps": "Aus Leipzig.", "titre_sommaire": "Aus Leipzig.", "signature_source": "O. 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Bernuth, eine geistliche Musik-Aufführung in der Tho-\nmaskirche, in welcher von den wohl vorbereiteten und trefflich ge-\nschulten Chören in Verbindung mit tüchtigen Orchesterkräften un-\nserer Stadt Cherubin i's meisterhaft gearbeitetes und daher durch-\nweg wohlklingendes Pater noster und Franz Schubert's Grosse\nMesse für Soli, Chor und Orchester zu Gehör gebracht wurden.\nLetztgenanntes Werk, welches der geniale Tonschöpfer im Juni\n1828 also in seinem letzten Lebensjahre producirte, ist reich\nan schönen Motiven und originellen Modulationen; die polyphone\nArbeit bleibt jedoch hinter den hohen Intentionen des grössten mu-\nsicalischen Lyrikers im neunzehnten Jahrhundert weit zurück, so\ndass man dem Werke eine vollständige Einheitlichkeit und Ge-\nschlossenheit nicht zusprechen kann. Immerhin können aber die\nDeutschen auch diese Schöpfung ihres Landsmannes als eine Perle\naus dem Meere Schubert'scher Tondichtungen betrachten, und mit\nFreuden begrüssen wir die von der immer regsamen Sing-Akademie\nins Werk gesetzte Aufführung als die erste vollständige in unserem\nLeipzig, nachdem in einem Gewandhaus-Concerte das Kyrie eleison\nChriste eleison bereits dem Publicum bekannt geworden war.\nVon allen Sätzen haben uns das Sanctus und das Benedictus be-\nsonders hingerissen, zumal in letztgenanntem Stücke die durchweg\nvorzüglichen Solisten ihre schönen Mittel und ihre edle Auffassung\nvollkommen zur Geltung brachten. Neben dem Bassisten Herrn\nPögner, dessen grosse Bedeutung ja früher so oft z. B. auch von\nMendelssohn und Schumann hoch anerkannt worden ist, neben der\nwackeren Altistin Fräulein Clara Schmidt und neben einem si-\ncheren Akademie-Mitgliede, welches nur in einem Terzette auftrat,\nwirkten unsere in ganz Deutschland gefeierte Concertsängerin Frau\nJulienne Flinsch und der zu den besten Sängern des musicali-\nschen Leipzig zählende Tenorist Herr Robert Wiedemann in\nausgezeichneter Weise mit. Letzterer entwickelte überraschende\nFülle, Kraft und Schönheit des Tones, gepaart mit Wärme der Em-\npfindung und musicalischem Verständnisse, während Frau Flinsch\nbeim Vortrage der Arie von Joh. Seb. Bach: „Liebster Jesu, mein\nVerlangen\" („Dominica 1 post Epiphanias, Dialogusu ist der Titel\nder ganzen Cantate, von welcher die Arie der erste Satz ist), volle\nGelegenheit fand, ihre so oft gewürdigte Meisterschaft aufs hinreis-\nsendste zu entfalten, wobei auch die von Herrn Diethe trefflich\ngeblasene obligate Oboe erwähnt werden muss. Für das ganze edle\nUnternehmen sei zum Schlüsse noch aufs wärmste gedankt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-06-23-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-06-23_01#c007", "volume": "bmtnabi_1866-06-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "200", "page_fin": "200", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660623-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "200", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660623-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5997, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nDie Süddeutsche Musik-Zeitung bringt folgende interessante Zu-\nsammenstellung: Im zehnten Bande des Wagener'schen Staats- und\nGesellschafts-Lexikons findet sich unter dem Artikel „Judenthum\"\nfolgendes Urtheil über Felix Men delssohn-Bartholdy: „Wie\nsoll ein Wesen, welches ohne Selbstgefühl, also auch ohne Hinge-\nbung und Sympathie für seine Umgebung, sich nur zwischen seinen\nbesonderen und profanen Zwecken und Aufklärungs-Phrasen hin\nund her bewegt, unsere deutsche, unsere christliche Welt in Kunst-\nwerken, zu denen doch vor Allem Originalität gehört, wiederspie-\ngeln und verklären können! Man beobachte z. B. die Angst, mit\nder Mendelssohn in seiner J.-moZ2-Sinfonie das Muster, welches er\nvor Augen hat, Beethoven's .4-cZttr-Sinfonie, zu verbergen, und die\nAbsichtlichkeit, mit der er in seiner Travestie, obwohl vergeblich,\netwas Neues hervorzubringen sucht, und man wird über die Armuth\neines solchen Producenten erschrecken. Dass derselbe Componist\nmit seinen Psalmodieen den Beifall der christlichen Gesellschaft ge-\nwonnen hat, können wir nur aus der Gutmüthigkeit derselben und\nihrer Theilnahme für den Stoff erklären. Aber das Entzücken der-\nselben Gesellschaft über das leere und fade Elfengeschwirr im Som-\nmernachtstraum desselben Componisten bewies am peinlichsten, wie\nschnell sie ein so naheliegendes Original, wie das Weber'sche, wel-\nches doch wenigstens noch Ton und Haltung hatte, vergessen\nkonnte.\" Im dreizehnten Bande aber heisst es unter dem Artikel\n„Felix Mendelssohn-Bartholdy\": „Mendelssohn ist gewiss eine merk-\nwürdige Erscheinung unter den neuen Tonkünstlern und jedenfalls\nein bedeutender Musiker\" u. s. w. in der anerkennendsten Weise.\nDann heisst es: „Schliesslich ist zu bemerken, dass das lebhafte\nInteresse, welches Mendelssohn bei allen Gelegenheiten an kirch-\nlicher Musik an den Tag legte, davon zeugt, dass er nicht bloss\näusserlich (er war schon als Kind, wie alle seine Geschwister, durch\ndie Taufe zum Christen geweiht), sondern durchdrungen von christ-\nlichem Sinne war.\" [So werden Lexika geschrieben! Der Verfasser\ndes Artikels „Mendelssohn\" wusste nichts von dem Artikel „Juden-\nthum\", und die Redaction nahm sich nicht die Mühe, den letztge-\nnannten nach dem anderen zu berichtigen!]\nDieselbe Nr. 24 derselben Zeitung enthält in einer Correspon-\ndenz aus München von Z. folgendes Curiosum, welches jedoch\ndie Redaction mit einem doppelten Fragezeichen schliesst:\n„Uebrigens hat dieser „„Elias\"\", einst als ein vollendetes Werk\nverschrieen, so viele langweilige, an Erfindung arme, an dramati-\nscher Kraft unzureichende, an falschem Pathos überfliessende Stel-\nlen, dass wir die Hälfte der Schuld, die wir aus dem lauen Vor-\ntrage ableiteten, der Composition zuschieben. Mendelssohn, der\nInterrex im Oratorium, wie ihn Bülow mit liebenswürdiger Beschei-\ndenheit nennt [d. h. Interrex zwischen Beethoven und Liszt], stand,\nda er den „„Elias\"\" schrieb, nur selten auf der Höhe seiner musi-\ncalischen Gestaltungskraft. Doch sind wir dem Vereine und seinem\nwackeren Dirigenten schon desshalb zu Dank verpflichtet, weil uns\ndurch sie ein Capitel aus der Geschichte der Musik, das lange Zeit\nals ein gelungenes, ja, nahezu mustergültiges gegolten hat, vorge-\nführt wurde; da haben wir doch wieder so recht klar eingesehen,\ndass die Compositionen der Mode (und dazu rechnen wir auch den\nvielfach überschätzten Elias) an ihrem allgemeinen Werthe sehr\nbald einbüssen, und dass die rücksichtsloseste Kritikerin, die Zeit,\nihnen nach wenigen Jahren schon den gleissenden Firniss wegreisst\nund ihre übertünchten Blossen mit unerbittlicher Strenge der über\ndie Wandlung des eigenen Geschmacks staunenden Menge zeigt.\"\nDas von H. von Bülow beim Könige von Baiern eingereichte\nEntlassungsgesuch wurde angenommen, und ist derselbe mit seiner\niFrau bereits nach Berlin abgereist.\nDer k. hannoversche Kammermusicus Herr Ferd. Haake hat\nam Geburtstage Sr. Majestät des Königs die grosse silberne Ver-\ndienst-Medaille erhalten, und ist ihm dieselbe nebst Diplom feier-\nlichst überreicht worden; auch wurde demselben in Anerkennung\nseiner langjährigen treuen Dienste eine ansehnliche Gratification\nzu Tbeil.\nMan schreibt aus Dresden: Die für das ungarische National-\ntheater geschriebene Oper ,?Wanda\" von Franz Doppler (Text\nvon Dr. Th. Bakody, übersetzt von Otto Prechtler) ging am 6. Juni\nhier zum ersten Male in Scene. Die Oper fand eine sehr beifällige\nAufnahme, und die Repräsentanten der Hauptpartieen, Frau Jau-\nn er-Kr all (Wanda), Herr Richard (Timur) und Herr Degele\n(Hippolyt) leisteten ganz Ausgezeichnetes. Der Componist wurde\nmehrere Male gerufen.\nMan schreibt aus Prag: Smetena's komische Oper „Prodana\nnevestau kam Mittwoch im böhmischen Theater zur ersten Auffüh-\nrung und drang entschieden durch. Das Publicum, schon durch die\nOuvertüre in die beste Stimmung versetzt, verfolgte den Verlauf des\nWerkes mit lebhaftem Interesse, und die allgemeine Befriedigung\nmachte sich durch rauschenden Beifall und Hervorrufe, sowohl des\nComponisten, wie der mitwirkenden Kräfte Luft. Gleich der erste\nChor gefiel so sehr, dass er wiederholt werden musste. Der Stoff\nder Oper ist für komische Situationen glücklich erdacht und die\nmusicalische Einkleidung stellt dem Talente Smetena's abermals ein\nglänzendes Zeugniss aus.\nFür Opern-Componisten. Otto Prechtler hat zwei\nOperntexte, und zwar einen romantischen in drei und einen biblisch-\nhistorischen in vier Acten vollendet, und ist geneigt, dieselben Com-\nponisten unter billigen Bedingungen zu überlassen. Nähere Aus-\nkünfte ertheilt Herr v. Turnretscher, Beamter im k. k. Handels-\nMinisterium in Wien.\nParis« Flotow's „Zilda\" haben Lacroix und Comp, für\nFrankreich und Belgien, Lucca in Mailand für Italien, Boosey und\nComp, für England gekauft. Flotow ist nach Wien zurückgereist.\nIn Russland hat Felicien David und neuerdings auch\nBottesini, der berühmte Contrabassist, schlechte Geschäfte ge-\nmacht. Letzterer ist desshalb von Petersburg direct nach Triest\nzurückgekehrt."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "193", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660623-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDer Musik-Unterricht auf Gymnasien. Das vierte mecklenburgische Musikfest (Schluss). Nachklänge zum hamburger\nMusikfeste. Aus Rotterdam (Die deutsche Oper im Theaterjahre 1865—1866). Aus Leipzig (Musik-Aufführung der Sing-Aka-\ndemie). Tages- und Unterhaltungsblatt (Die Süddeutsche Musik-Zeitung über Wagener's Staats- und Gesellschafts-Lexikon\nH. von Bülow Kammermusicus Ferd. Haake Dresden, Oper „Wanda\" von F. Doppler Prag, Oper u. s. w).\n\nDer Musik-Unterricht auf Gymnasien.\n„Bei Betrachtung der Mittel, durch welche die Schule\nGelegenheit zur Entwicklung des Sinnes für das\nSchöne oder des Kunstsinnes geben solle, betreten\nwir ein Feld, welches auf den Gymnasien noch meist brach\nliegt, wenngleich Kunst-Unterricht an den mehrsten Ge-\nlehrtenschulen in einigen Lehrstunden wöchentlich ertheilt\nwird. Die eigentliche Aufgabe dieses Unterrichts, die Ent-\nwicklung des Sinnes für das Schöne, ohne welche die\nMenscbenbildung in ihrer idealen Richtung gar nicht voll-\nkommen vorbereitet werden kann, ist noch lange nicht\nallen Lehrern der Kunst an Gymnasien klar, da die mei-\nsten kaum eine Ahnung davon haben und folglich auch\ndie Lehrweise gar nicht dem Ziele derselben gemäss ein-\nrichten. Zu beklagen ist es freilich, dass oft auch die obe-\nren Schulbehörden und die Directoren der Gymnasien dem\nKunst-Unterrichte aus Mangel an Sinn für die Kunst oder\naus Vorurtbeil und Vornehmthuerei nicht die Anerken-\nnung und Unterstützung zu Theil werden lassen, die er\nverdient. Man denke nur an die äussere Stellung der Ge-\nsang- und Zeichenlehrer in der Hierarchie der Schule!\"\nDiese Zeilen haben wir vor länger als vierzig Jahren\ngeschrieben*). Seitdem ist Manches an den deutschen\nGymnasien besser, Manches schlechter geworden; zu Letz-\nterem rechnen wir die den Directoren und Lehrer-Col-\nlegien allmählich immer mehr entzogene oder doch ver-\nkümmerte Selbständigkeit des Wirkens, welche dem For-\nmalismus und Schematismus der Centralisation weichen\nmuss, durch den die sonst sehr einflussreichen charakte-\nristischen Unterschiede der Bildungs-Anstalten aufgehoben\nwerden; ferner die Ausdehnung des Unterrichts in die\nBreite, die Prüfungen nach der Schablone, welche die\nMittelmässigkeit begünstigen und der individuellen Natur-\nanlage nicht nur nicht hinlänglich Rechnung tragen, son-\ndern ihrer Entwicklung zu tüchtiger Erscheinung im Wis-\nsen und in der Gesinnung oft entgegenstehen. Diesen Tadel\nzu begründen, würde hier nicht am Orte sein: und selbst\nin dem Falle, dass eine Abhandlung darüber den leitenden\nBehörden und den Männern vom Fach vor Augen käme,\nwürde sie doch nichts ändern, denn Goethe's Ausspruch:\n„Die Schule ist als ein einziger Mensch anzusehen, der\nhundert Jahre mit sich selbst spricht und sich in seinem\neigenen Wesen, und wenn es auch noch so albern wäre,\nganz ausserordentlich gefällt**) ist zwar stark, aber im-\nmer noch wahr.\nIst es mit dem Musik-Unterricht auf den Gymnasien\nseitdem besser geworden? Wie es im Allgemeinen auch\njetzt noch mit demselben steht, erfahren wir unter Ande-\nrem aus einer interessanten Abhandlung von C. Bogler,\nwelche dem Programme beim Schlüsse des Schuljahres\nam Gymnasium zu Wiesbaden beigegeben ist**). Darin\nheissl es S. 4 u. ff.:\n„Zwar fehlt die Musik, speciel die Gesanglehre und\nUebung nur noch selten in dem Lehrplane einer Huma-\nnitätsschule. Schulbehörden, Directoren und Lehrer-Col-\nlegien lassen sich, hier und da wenigstens, die Pflege des\nGesanges ernstlicher angelegen sein, theils in richtiger\nWürdigung des wahren inneren Werthes dieses Bildungs-\nzweiges, theils weil sie in demselben ein vorzügliches Mit-\ntel zur Erfrischung und Belebung jugendlichen Sinnes\nund eine unentbehrliche Zierde des äusseren Schullebens\nsehen, theils endlich, weil sie die musicalische Beschäfti-\ngung überhaupt als ein Abziehungsmittel von schlimme-\nrem Zeitvertreib der Jugend betrachten. Viele Anstalten\n\n*) „Ueber das Wesen der Gymnasialbildung\", Inaugu-\nralscbrift von L. Bischoff, Professor und Director des Gymna-\nsiums. Wesel, 1823.\n*) Goethe's Werke. Kl. Ausg. v. 1829. Bd. 49, S. 47.\n**) „Ueber die Stellung des Musik-Unterrichts auf\ndem Gymnasium.\" Von C. Bogler, Conrector am Gymnasium,\nzu Wiesbaden. Wiesbaden, 1866. 16 S. Gr. 4."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "194", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660623-01.1.2", "texte": "wurden mit allem erforderlichen Apparate, mit Instru-\nmenten, Musicalien, geeigneten Gesangsälen auf das reichste\nausgestattet; Gesangchöre und freiwillige Schüler-Vereine\nwurden gebildet, die Schulfeierlichkeiten mit musicalischen\nAufführungen geschmückt, ja, besondere Scbul-Concerte\nveranstaltet. Die Mess-Cataloge bringen jährlich eine reiche\nLiteratur theoretischer und praktischer Singschulen und\nLiedersammlungen. Einzelne Gymnasien, vorzugsweise\nsolche in grösseren Städten, erfreuen sich durch die Treff-\nlichkeit ihrer musicalischen Leistungen schon seit langen\nJahren eines seihst über die Granzer) des Vaterlandes\nhinausgehenden Rufes, so namentlich die ehrwürdige\nThomana in Leipzig, die Kreuzschule in Dresden,\ndie Anstalt in Schulpforta.\n„So erfreulich aber auch diese Thatsachen sind, so\nkönnen sie doch, wenn man die Verhältnisse einer ein-\ngehenderen Prüfung unterzieht, nicht täuschen. Denn diese\nernstlichere Betreibung der Musik erstreckt sich vorzugs-\nweise doch nur auf Erzielung eines glänzenden Resultates\nder Chorgesang-Uebungen, die theoretische Ausbildung\naber reicht meistens nicht über die nothwendigsten Ele-\nmentar-Kenntnisse hinaus, und die Instrumental-Musik\nist nicht nur gänzlich der Obhut, sondern auch fast allem\nEinflüsse der Schule entzogen. Aber selbst nur in einem\nkleinen Theile der Gelehrtenschulen findet eine hinrei-\nchende Pflege des Chorgesanges Statt. Eine Musterung\nder jährlich erscheinenden Gymnasial-Programme wirft\nmitunter Schlaglichter sehr unerfreulicher Art auf diesen\nUnterrichtszweig. Die Lections-Uebersichten vieler Anstal-\nten weisen nur je eine wöchentliche Gesangstunde in den\nUnterclassen nach; in den Oberclassen hört nicht nur der\ntheoretische Unterricht gänzlich auf, sondern häufig auch\nalle praktischen Singübungen, ja, selbst die obligatorische\nTheilnahme am Sängerchore. An manchen Anstalten wird\njedoch der Unterricht auch hier in Einer wöchentlichen\nStunde weiter betrieben. Bei einer solchen Einrichtung,\nwo in einer einzigen wöchentlichen Stunde ein gewisses\nMaass theoretischer Kenntniss gewonnen, eine hinlängliche\nAusbildung des Stimm-Materials erreicht und die not-\nwendige praktische Singfertigkeit erzielt werden soll, kann\nin keiner Beziehung etwas geleistet werden und muss der\nErfolg quantitativ und qualitativ ein so geringer sein, dass\nselbst die kurze auf die Gesangübungen verwendete Zeit\nals Zeitverschwendung ercheint. Nicht viel besser steht es\nan den Anstalten, in welchen zwar der Unterricht in den\nUnterclassen in zwei wöchentlichen Stunden ertheilt, in\nden Oberclassen aber nicht fortgesetzt wird, und die Schü-\nler nicht einmal in einem Sängerchore Gelegenheit zur\nweiteren musicalischen Bildung finden. Denn in diesem\nFalle wird nicht nur die bereits erworbene Ausbildung\nder Stimme, des Gehörs, des Tactsinnes und der Gesang-\nfertigkeit unbenutzt liegen bleiben, oder geradezu wieder\nverloren gehen, sondern überhaupt der veredelnde, gei-\nstige Einfluss auf das ästhetische, sittliche und religiöse\nGefühl der eigentliche Zweck aller Musikübung auf-\nhören, und das gerade zu einer Zeit, wo die höhere gei-\nstige Reife, die regere Phantasie und das erwachende\ntiefere Gefühlsleben am meisten eines Correctivs bedarf.\nDass der theoretische Musik-Unterricht tiefer in die Har-\nmonielehre einginge, bis zur Analyse von Tonwerken,\nEinführung in Geschichte oder Aeslhetik der Tonkunst\nbetrieben würde, lässt sich aus keinem Programme ent-\nnehmen; ja, es findet sich an den meisten Anstalten wohl\nnicht einmal Gelegenheit dazu, und bleibt dieses dem\nPrivatunterrichte und Selbststudium überlassen. Denn in\nden abgerissenen Notizen, welche von dem Lehrer etwa\nbei den Ruhepausen der Chorübungen eingestreut werden,\nwird kein Schulmann im Ernste einen theoretischen Un-\nterricht erblicken wollen.\n„Die Mitgift, welche der abgehende Schüler durch die\nMusiklehre empfängt, ist eine so geringe, dass sie nicht\nim entferntesten mit der verglichen werden kann, welche\ndie übrigen Fächer gewähren, eine so dürftige, dass sie\nihn selbst nicht einmal zum eigenen Weiterstudium be-\nfähigt oder anregt. Und gerade gegenüber den Anforde-\nrungen, welche unsere Zeit auch im Gebiete der Musik\nan den Gebildeten stellt, sollte sich unsere Pädagogik diese\n„„musicalische Pflicht*\" um so mehr angelegen sein\nlassen, als die natürlichen Anlagen, zumal der deutschen\nJugend, für die Musik ganz hervorragende sind und das\njugendliche Gemüth für die Eindrücke der Kunst weit\nempfänglicher ist, als für die der Wissenschaft.\n„Aber auch Betrachtungen anderer Art drängen sich\nuns bei Durchsicht der Gymnasial-Programme auf. Wäh-\nrend in denselben der Umfang des im verlaufenen Schul-\njahre behandelten Pensums in Sprachen und Wissenschaf-\nten sorgfältig mitgetheilt, die Lecture der Classiker sogar\nnach Buch und Capitel verzeichnet ist, sieht man sich\nmeistens vergebens nach einer gleichen Angabe hinsicht-\nlich des musicalischen Lebr-Pensums, nach einem Verzeich-\nnisse der von dem Schülerchor eingeübten Gesang- und\nMusikstücke um, was für Beurtheilung des Umfanges und\nder Richtung des Musik-Unterrichts doch durchaus nöthig\nwäre. Selbst bei Schulfeierlichkeiten rubriciren viele Pro-\ngramme an den betreffenden Stellen einfach „„Musik\"\"\nund „„Gesang\"\", obgleich sie von den Declamations-\nstücken und Vorträgen Titel und Inhalt genau angeben.\nSo mag es denn wohl oft vorkommen, dass Director und\nLehrer-Collegium einer Anstalt Art und Charakter eines\nTonstückes, das vielleicht mit dem Charakter der Statt"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "195", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660623-01.1.3", "texte": "findenden Feier in gar keinem Zusammenhange, ja, wohl\ngeradezu im Widerspruche steht, erst im Augenblicke der\nAufführung kennen lernen. Dass die Musik vorzugsweise\ngeeignet sei, einem Feste die entsprechende Stimmung\nund Farbe zu verleiben, wird häufig ganz ausser Acht ge-\nlassen. Man betrachte nur die bei solchen Gymnasialfesten\nvorgetragenen Instrumentalstücke der Schüler: da finden\nsich alle möglichen Motifs d'OTranscriptions,\npourris, Fantaisies, Etudes, und wie denn die be-\nliebten Modescbilde der faden Producte alle heissen mö-\ngen, die, nur auf Ohrenkitzel oder süssliche Ueberscbwäng-\nlichkeit berechnet, leider noch immer der Mehrheit unse-\nrer spielenden Jugend als Substrat des Unterrichts dienen.\nAuch die Wahl der Chorgesänge ist oft nicht viel besser.\nIst es nicht, gelinde gesagt, eine Tactlosigkeit, wenn bei\nder Schlussfeierlichkeit einer Anstalt der Sängerchor nach\nder Abschiedsrede eines Abiturienten:\n„„Das klinget so herrlich, das klinget so schön,\nNie hab' ich so Etwas gehört noch geseh'n!\"\"\naus Mozart's Zauberflöte anstimmt, oder «„Herrn\nUrian's Reise um die Welt0«; wenn moderne Opern-\ngesänge, wieCavatine und Chor aus Euryanthe,\naus Tancred und, horribile sogar aus der Nacht-\nwandlerin*), auf dem Programme eines Redeactes figu-\nriren, während wir doch einen fast erdrückenden Reich-\nthum der herrlichsten Chorgesänge aller Art besitzen, die\nsich für Schulzwecke vortrefflich eignen? Häufig besteht\ndas Repertoire eines Sängerchors vorzugsweise aus den\nCompositions-Versuchen des Musiklehrers, wodurch den\nSchülern nicht allein die Zeit, Edleres und Besseres ken-\nnen zu lernen, weggenommen, sondern oft auch alle Freude\nam Gesänge verleidet wird. Manche Gesanglehrer scheinen\ngar von der Meinung befangen zu sein, wie man wenig-\nstens aus der Wahl ihrer Gesangstücke schliessen muss,\nder Zweck solcher Musik-Aufführungen sei vorzugsweise\nder, Heiterkeit bei Schülern und Zuhörern hervorzurufen,\naber nicht in dem Sinne des Spruches: „„Res severa est\nverum gaudium/\"\" Wenn nun noch dazu kommt, dass\ndie Aufführungen so selten selbst den massigsten Anfor-\nderungen entsprechen, die man in Bezug auf Reinheit der\nIntonation, Rhythmik und Dynamik an den Vortrag eines\nMusikstückes stellen muss, wenn Musiklehrer, im Ver-\ntrauen auf die musicalische Unkenntniss der Schulbehör-\nden, sich in ihren Leistungen Fehler und Nachlässigkeiten\nzu Schulden kommen lassen, die in jedem anderen Lehr-\nfache eine Rüge nach sich ziehen würden, so müssen frei-\nlich Erscheinungen zu Tage treten, die eben so gegen die\nWürde der Tonkunst als gegen den Ernst der Schule Ver-\nstössen und überhaupt mit der Lehr-Methode, den Zielen\nund Zwecken einer humanistischen Bildungs-Anstalt im\nschärfsten Widerspruche stehen.\"\n(Schluss folgt.)\n\n*) Dass das hier Angeführte aus Programmen entlehnt sei, be-\ndarf fast der ausdrücklichen Versicherung.\n\nDas vierte mecklenburgische Musikfest.\n(Schluss. S. Nr. 24.)\nIn dem zweiten Concerte feierte zunächst das Or-\nchester seinen Ehrentag. Schumann's i?-e?w-Sinfonie\nund die grosse Leonoren-Ouverture waren die ihm ge-\nstellten Aufgaben, deren Lösung den vereinigten vortreff-\nlichen Kräften auf das schönste gelang, so dass auch das\nPublicum zu einer Aeusserung seiner Theilnahme hinge-\nrissen wurde, zu welcher es am Abende vorher bei im-\nmerhin gleich würdigen Gesammtleistungen nicht gekom-\nmen war. In frischem, lebendigem Zuge ging die Sinfonie\nan uns vorüber, voll festlichen Schwunges der erste Satz,\ntief empfunden und vom Hauche der Sehnsucht durchweht\ndas Adagio, markig und wuchtig das Scherzo, leicht und\ngraziös die beiden Trio's desselben, voll rastlosen, treiben-\nden Lebens das Finale. So kam Alles in dem Meisterwerke\nzur charakteristischen Wiedergabe, und das war das Ver-\ndienst des Dirigenten, des Herrn Hof-Capellmeisters A.\nSchmitt; dass daneben ein völliges Gelingen aller Einzel-\nheiten die Aufführung auszeichnete, dafür sind wir dem\nOrchester und seinen Führern zu nicht minderem Danke\nverpflichtet. Der begeisterte Vortrag der Beethoven'schen\nOuvertüre war von hinreissender, Alles besiegender\nWirkung.\nZwischen Sinfonie und Ouvertüre stand Hiller's\n„Hymne an die Nacht\". Der Altmeister deutscher\nKunst ward am Dirigentenpulte mit begeistertem Beifalle\nbegrüsst, Blumen und Kränze flogen ihm entgegen. Das\nschöne, wirkungsreiche Werk ward von den Mitwirkenden\nmit Liebe und Begeisterung vorgetragen; die Wirkung\nder Chöre gipfelte wohl in der Nummer 7: „Er verkün-\ndet das Licht\". Die Composition ist so recht geeignet,\neinen vollstimmigen Chor zur schönsten Geltung zu bringen,\nund diese Gelegenheit liess man sich nirgends entgehen.\nHerr Dr. Gunz excellirte in seinen Solo-Vorträgen\nvor Allem in dem Andante in A-moll: „Aus deinem Aug'\nein einziger Strahl\". Der Frau Röske-Lundh, welche\nneben ihm wirkte, schien die ganze Auffassung ihrer Auf-\ngabe allerdings besser gelungen, als im „Paulus\", allein\ndie Intonation litt doch an zu bedenklichen Schwankungen,\nals dass ein reiner Kunstgenuss möglich gewesen wäre.\nAllerdings bietet das Werk bedeutende Schwierigkeiten,\n\n[*J"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "196", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660623-01.1.4", "texte": "namentlich in Bezug auf die Intonation; um so mehr ist\nes hervorzuheben, dass die Leistung des Chors hieran fast\nnirgends erinnerte. Auszuzeichnen dürfen wir nicht verges-\nsen den Vortrag der Violin-Soli durch den Herrn Hof-\nConcertmeister Zahn aus Schwerin. Dem Capellmeister\nHiller sprach am Schlüsse das Publicum durch reichen\nBeifall und Hervorruf seinen Dank aus.\nDie letzte Nummer des Programms bildete der dritte\nTheil der „Schöpfung\", ein Werk, das bei all seiner Ein-\nfachheit von seiner Anziehungskraft durch keinen Zeit-\nablauf etwas verloren hat. Hier trat zu den genannten\nSolisten Herr Hill als Adam und bewährte sich in gleich\nausgezeichneter Weise, wie am ersten Tage. In voller\nFrische und Begeisterung ging das Concert nach fast drei-\nstündiger Dauer zu Ende.\nSe. Königl. Höh. der Grossherzog hatte der General-\nprobe wie auch dem Concerte seine Gegenwart gewidmet.\nAm Ende der Probe hatten die Solisten die Ehre, Seiner\nKöniglichen Hoheit vorgestellt zu werden. Allerhöchstwei-\ncher auch den Damen werthvolle Armbänder als Beweis\nseiner Anerkennung überreichen Hess. Der Tag verlief in\nungetrübter Feststimmung, die Milde des Abends begün-\nstigte die Abendunterhaltung im Schützengarten nicht we-\nniger, als am vorhergehenden Tage.\nDas dritte Concert steigerte die Theilnahme des\nPublicums sowohl in Bezug auf den Besuch, als den den\nEinzelleistungen gezollten Beifall. Eine Ouvertüre vom\nHof-Capellmeister Schmitt leitete das Concert würdig\nein; der reiche Beifall, der nach derselben ertönte, die\nBlumen und Kränze, die aus schönen Händen zum Diri-\ngentenpulte flogen, mochten zugleich Beweise der Aner-\nkennung sein, welche den Mühen und Erfolgen, die der\nGefeierte dem Feste gewidmet, und die das Fest selbst\ndavon getragen hatte, gezollt ward. Die erste Abtheilung\nbrachte sodann zwei Arien der Damen: „Wie nahte mir\nder Schlummer\", gesungen von Frau Röske-Lundh,\nund: „Feurig, feurig\", aus dem „Titus\", von Fräulein\nHausen in trefflicher Weise zum Vortrage gebracht\n(Solo-Clarinette Herr Berger aus Schwerin) und vom Pu-\nblicum mit enthusiastischem Beifalle aufgenommen, der\nübrigens auch der Freischütz-Arie, wenn auch in gerin-\ngerem Maasse, zu Theil geworden war. Dazwischen bot\nMozart's D-moll-Concert, von Hi.ller's Meisterhand zu\nunvergleichlichem Leben erweckt, den höchsten Kunst-\ngenuss. Hier schien uns in künstlerischer Beziehung der\nSchwerpunkt des dritten Tages zu liegen. Die drei ersten\nNummern der „Nacht\" schlössen die Ahtheilung; un-\nsere Freude an diesen schönen, klangvollen Chören war\nbei der Wiederholung eine noch grössere, als am Tage\nvorher.\nDie Tannhäuser-Ouverture, welche den zwei-\nten Theil des Concertes eröffnete, war für das Orchester\nin der Mittagsstunde eines gewitterschwülen Tages eine\nschwere, aber dem Publicum gegenüber dankbare Auf-\ngabe. Das Quartett aus dem ersten Acte von Beetho-\nven's „Fidelio\" vereinigte sodann die vier Solisten, um\nvon einer Reihe von Solo-Vorträgen gefolgt zu werden,\nwelche Herr Dr. Gunz mit: „Komm, o holde Dame,\"\neröffnete. Der Vortrag dieser Arie durch Herrn Gunz ist\nnachgerade weltberühmt; wir müssen gestehen, dass wir\nnoch keinen Tenoristen kennen gelernt haben, der so viele\nVorzüge vereinigte, wie Herr Dr. Gunz: eine so schöne\nStimme, künstlerisch gediegene Bildung, dabei solche Viel-\nseitigkeit in der Verwendung dieser trefflichen Eigenschaf-\nten. Die Lieder-Vorträge, bei denen Hof-Capellmeister\nSchmitt die Clavier-Begleitung meisterhaft ausführte,\nbegann Frau Röske-Lundh mit der „Ungeduld\" von\nSchubert und „Ich bin geliebt\" von Schmitt; dann folgte\nHerr Gunz: „Ich frage keine Blume\", und Schumann's\n„Wohlauf noch getrunken\". Der Beifall steigerte sich\nhier so, dass Herr Gunz noch mit einem wiener Liede:\n„Das ist doch schön eingericht\", die entzückten Zuhörer\nerfreute. Herr Capellmeister Hill er zeigte seine Meister-\nschaft als Solospieler in dem Vortrage einer Gavotte, Sa-\nrabande und Courante, denen er, dem Wunsche des nicht\nzur Ruhe kommenden Publicums folgend, „Zur Guitarre\",\nsämmtlich eigene Compositionen, hinzufügte. Herr Karl\nHill hatte es gewagt, seinen einzigen Solo-Vortrag an\neine hier ganz unbekannte Composition von Wilhelm Hill\nzu setzen, eine Ballade: „Mondwanderung\", die übrigens\nin weitesten Kreisen gekannt zu werden verdient. Dieses\nWagniss ward von dem schönsten, durchgreifendsten Er-\nfolge gekrönt, der Applaus wollte nicht enden, stieg wo\nmöglich noch, als Herr Hill mit Mendelssohn's schönem\nVolksliede: „Es ist bestimmt in Gottes Rath\", dem Feste\neinen eben so schönen als bedeutungsvollen Abscbluss gab.\nDie Freischütz-Ouverture war die letzte Nummer\ndes Programms.\nDas von 3—400 Personen besuchte Festmahl ver-\nlief in ungezwungenster Festesfreude und Heiterkeit und\ndauerte bis Ohr. Der erste Toast, vom Fest-Präsiden-\nten, Kanzlei-Director von Monroy, ausgebracht, galt Sr.\nKönigl. Höh. dem Grossherzoge, dann folgte das Wohl\nder Frau Grossherzogin-Mutter und des fürstlichen Hauses.\nDas nächste Hoch war dem Dirigenten gewidmet. Hof-\nCapellmeister Schmitt antwortete mit einem Toaste auf das\ngüstrower Fest-Comite. Herr Capellmeister Hiller sprach\nmehrfach in launigster Rede; sein erstes Hoch galt dem\nmecklenburgischen Musikvereine, dessen Mitwirkung das\nZustandekommen des Festes wesentlich gefördert. Gesan-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "197", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660623-01.1.5", "texte": "ges-Vorträge der Damen Röske-Lundh und Hausen, der\nHerren Gunz und Hill belebten das Mahl. Ausserdem trug\nHerr Jantzen ein von unbekannter Hand übersandtes Ge-\ndicht an unseren hochgefeierten Gast Ferdinand Hiller\nvor. Dasselbe lautete, wie folgt:\nAn Ferdinand Hiller.\nWie aus der Nacht sich gluthenvoll der Tag erhebt\nUnd auf der Morgenröthe Thau zur Erde schwebt,\nWie aller Berge Gipfel goldig glühen\nUnd Schritt vor Schritt die Nebelwolken fliehen,\nWie über Feld und Wald das Lichtmeer dann sich streckt\nUnd leise mahnend all' die Schläfer freundlich weckt:\nSo hast Du, Hiller, durch die Schöpfung Deiner „Nacht\"\nDen hellen Tag zum licht'ren Tage uns gemacht,\nSo hast Du uns geführt auf seelenvollen Tönen\nMit Blitzesschnelle in das Reich des ewig Schönen,\nUnd griff'st uns tief hinein in das erregte Herz\nUnd unaufhaltsam brachtest Du uns himmelwärts.\nUnd wenn auch Lorberkranz an Lorberkranz sich reiht,\nSo nimm auch den, den Mecklenburg Dir dankend weiht,\nSo nimm auch dieses Lied, nimm es aus unsern Händen,\nDie wir aus Liebe es und aus Verehrung spenden:\nUnd mög* der Himmel Glück und Freude Dir verleihen,\nDir, grosser Meister aus der Tempelstadt am Rhein!\nDas ganze Mahl verlief in ungetrübter Heiterkeit.\nNach demselben berieth man sich, ob man die durch den\nvon Mitlag bis Abends 8 Uhr ohne Unterbrechung herab-\nströmenden Regen verhinderte Illumination des Wallgar-\ntens noch ausführen oder schliesslich noch einen Tanz\nentriren wolle. Während dessen hatte Herr Ferd. Hiller\ndie Tribüne bestiegen und sagte ungefähr Folgendes:\n„Meine jungen Herrschaften! Wenn Sie Lust haben, zu\ntanzen, junge Damen und Herren sind hier, und (mit einem\nFingerzeig auf sich selbst) Musik ist auch hier.\" Und da-\nmit öffnete der Meister den Flügel und der Tanz begann.\nSchliesslich nahm der hochverehrte Gast in einer längeren\nRede von uns Abschied. Das fröhliche Zusammensein\nwährte bis an den grauenden Morgen.\nSo ging ein Fest zu Ende, dessen reich und schön be-\nlebte Tage gewiss lange in der Erinnerung aller Theilneh-\nmer leben werden. Lassen wir uns übrigens nicht gereuen,\ndas Fest trotz der drohenden Wetterwolken am politischen\nHorizonte gefeiert zu haben, selbst dann nicht, wenn das\nUnwetter losbrechen sollte. Sollten schwere Zeiten des\nKrieges über unser Vaterland verhängt werden, so wollen\nwir uns vielmehr freuen, diese Tage dem Dienste der Se-\ngen und Bildung spendenden Musen gewidmet zu haben.\nHoffen wir aber, dass die in der Musikvereins-Sitzung er-\nöffnete Aussiebt, das nächste Fest in zwei Jahren in Ro-\nstock zu feiern, sich verwirklichen möge.\n\nNachklänge vom hamburger Musikfeste\n*).\n1. Ueber das Aeussere des Festes. Dem ersten\nTage mangelte leider die allseitige, anregende Theilnahme.\nDenn wahrlich, weder die äussere Physiognomie unserer\nguten Stadt halte sich in irgend einem Zuge geändert,\nnoch weniger hatte sie den fremden Künstlern zu Ehren\nein Festgewand angelegt oder eine Flagge des Willkom-\nmens in die sonnigen, warmen Mailüfte hineinwehen lassen.\nDie Elbe hat schon lange Jahre hindurch ihre Wogen in\nden Ocean gesandt, seit von Hamburgs Musikfreunden ein\ngleiches Opfer der holden Göttin Musica dargebracht wurde.\nDie damalige Feststimmung ist. für uns jetzt mythisch ge-\nworden; doch lässt sich gern zugeben, dass jene Zeit, die\nlange Jahre vor die Sturm-Periode in unserem deutschen\nVaterlande fällt, in ihren harmlosen staatsbürgerlichen\nAnschauungen besser angethan sein mochte, eine allge-\nmeine Freude zu erwecken, die wir heute vergeblich wün-\nschen und suchen. Das Fest genoss leider nur schwacher\nBetheiligung, wie der Besuch des Kirchen-Concertes offen\ndargethan. Daran trugen nicht allein die obwaltenden po-\nlitischen Verhältnisse Schuld: die Einrichtung des Festes\nselbst drückte uns und verhinderte die frische, fröhliche\nTheilnahme. Denn nur die Wohlhabenheit erfreute sich\ndes ungestörten Zutrittes zu den Concerten, die Unbemit-\ntelten erhielten nur die Brosamen der Hauptproben. Dieses\nZurückbleiben so mancher intelligenten Kraft, die gern\ndem Feste ihre Theilnahme gewidmet und daraus mit\nFreuden für sich Erbauung geschöpft hätte, ist vielseitig\nschmerzlich empfunden worden. Und darum feierten wir\nkein allgemein anregendes Fest, darum brachte die grosse\nStadt den fremden Gästen kein freundliches Willkommen.\nAuch die Theilnahme der Journale, die man, das eine\nausgenommen, stolz übergangen, war von Anfang her matt\nund ging kaum über die trockensten geschäftsmässigen\nNotizen hinaus, und die lustigen Wimpel, die das fröhliche\nHamburg bei jedem Anlasse zur Freude in den Winden\nflattern lässt, sie lagen wohl eingehüllt in den dunklen\nRäumen der Vorrathskammern, um vielleicht bald ihr flat-\nterndes Spiel zur Begrüssung eines Kriegsmannes zu be-\nginnen! Für den Besucher ähnlicher Feste, die der äusse-\nren freundlichen Anregungen so viele boten, war der Ein-\ndruck des unserigen darum ein befremdlicher. Wir jubel-\nten nicht in Festtags-Stimmung, sondern erfreuten uns\nnur an dem Bewusstsein von Musik-Aufführungen, die in\n\n*) Vergl. den Bericht über dasselbe Fest in Nr. 23 dieser\nZeitschrift. Die hier folgenden „Nachklänge\" sind grösstenteils den\nausführlichere!) Artikeln unseres geschätzten ehemaligen Mitarbeiters\nA. F. Eiccius in der Hamburger Zeitung entlehnt.\nDie Bedaction."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "198", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660623-01.1.6", "texte": "grossartigerem Maassstabe angelegt, bedeutendere Massen\nvon Executirenden aufstellen, als die gewöhnlichen Ver-\nbältnisse uns sonst gestatten.\nAuch von Dommer drückt sich darüber in ähnli-\nchem Sinne aus: „Die Kirche war bei Weitem nicht in\nallen Theilen gefüllt, sondern nur mässig besetzt, wie bei\nso ungemein hohen Eintrittspreisen von 4 und 2 Thalern\nkaum anders zu erwarten. Durch solche in Deutschland\nbis jetzt glücklicher Weise noch ungewohnte Steigerung\nder Eintrittspreise müssen derartige Unternehmungen einen\nCharakter von Exclusivität erhalten, welche doch nicht\netwa in erster Reihe den wahren Kunstverehrern den Zu-\ntritt sichert, denn gerade unter diesen müssen viele nun-\nmehr von dem erwünschten Genüsse abstehen. Und bei\nkeiner Gelegenheit ist solche Exclusivität weniger ange-\nbracht, als gerade bei Oratorien-Aufführungen, welche\nihrem ganzen Kunst-Charakter nach, und insbesondere\nnoch bei Musikfesten, etwas Yolksmässiges haben sollen.\nWie die Popularität im höchsten Sinne einer der edelsten\nCharakterzüge des Händel'schen Kunstschaffens ist, so soll-\nten die Aufführungen seiner Werke auch minder Begü-\nterten nicht unzugänglich da geringere Bemittelung\nKunstsinn und Verständniss eben so wenig ausschliesst, als\ngrössere sie bedingt.\"*)\n2. Die aufgeführten Werke. Ueber die Instru-\nmentirung von Händel's „Cäcilien-Ode\" sagt Riccius,\nder Autor derselben sei ihm unbekannt, sie dürfe aber im\nAllgemeinen als zweckentsprechend bezeichnet werden\nu. s. WMwM und von Dommer meint, sie enthalte Zusätze von\nfremder Hand zu Händel's Original-Partitur, vielleicht\nnach der Bearbeitung Mozart's. —Da Herr Goldschmidt\ndas Werk in Hamburg wie in Düsseldorf (1863) dirigirt\nhat, so wird er gewiss dieselbe Partitur-Bearbeitung an\nbeiden Orten zu Grunde gelegt haben. Diese ist von ihm\nselbst nach der Original-Handschrift der Händel'schen\nPartitur in London und der Original-Handschrift der Mo-\nzart'schen (von 1790 auf der königlichen Bibliothek zu\nBerlin) eingerichtet und verdient eine ganz vorzügliche ge-\nnannt zu werden. Herr Goldschmidt hat die Instrumenti-\nrung Mozart's nicht durchweg beibehalten, namentlich\nauch die glanzvollen Trompeten in der Tenor-Arie in D\n(Solo-Trompete), im darauf folgenden Chor und in dem\nSchluss-Chor wieder hergestellt, die Mozart durch Oboen\nund Flöten, offenbar in Berücksichtigung der kleinen Ca-\npelle bei van Swieten's Musik-Cirkeln (s. Jahn, IV., S.\n457 ff.), ersetzt hatte, wohl auch, weil er keinen Virtuo-\nsen dafür hatte, wie einst Händel. Vgl. Niederrh. Musik-\nZeitung, 1863, Nr. 24.\nUeber R. Schumann's „Paradies und Peri\"\nstellen wir gern die warme Anerkennung, welche Riccius\ndarüber ausspricht, den Urtheilen der londoner Kritiker\nentgegen. Er sagt darüber bei Gelegenheit der Auffüh-\nrung des zweiten Theiles in Hamburg:\n„Das Paradies und die Peri von Robert Schumann\nhat als Text-Unterlage einen Abschnitt aus der Dichtung\nLalla Rookh von Thomas Moore. Die von Schumann\nbenutzte Episode aus jenem dichterischen Werke ist offen-\nbar die poetisch bedeutendste und steht an Zartheit und\nsinniger Empfindung jenem Theile derselben Dichtung\nvoran, den Rubinslein in seiner Oper Feramors musica-\nlisch bearbeitete. Der märchenhafte, lyrische Grundzug\ndes Gedichtes sagte Schumann's Natur in günstigster Weise\nzu, und wohl Niemand würde so, wie er, das träumeri-\nsche Walten der zarten Luftgestalt der Peri in so dufti-\ngen Reiz einzukleiden vermocht haben. Schumann stand\nbei Schaffung des Werkes auf dem höchsten Zenith seines\ngeistigen Schaffens, und wenn auch die Werke der späte-\nren Periode noch mehrere Merkmale bewussten Schaffens\nund höhere Form-Vollendung aufweisen, so bleibt dieser\nComposition der hohe Vorzug des reichsten motivischen\nInhalts nachzurühmen; in ihm liegt die Fülle der jugend-\nlichen Kraft des Componisten in reichsten Schätzen aufge-\nspeichert. Die Wirkung der Tondichtung war zur Zeit\nder ersten Aufführung die siegendste, und Schumann's\nRuf und die Verbreitung seines Ruhmes beginnen erst von\ndiesem Zeitpunkte an über die engen Gränzen seiner da-\nmaligen Wirksamkeit sich zu verbreiten. Mendelssohn's\nEinfluss beherrschte bis dahin alle musicalischen Bestre-\nbungen, und seine unschwer nachzuahmende Manier er-\nleichterte den jugendlichen Talenten die Fortbildung und\ndie Handhabung der künstlerischen Formen. Schumann's\nvor Paradies und Peri geschriebenen Werken war nur der\nBeifall der jüngsten Generation zu Theil geworden, die\nmit jagendlichem Muthe offenes Bekenntniss vor den mu-\nsicalischen Machthabern jener Tage ablegte, jener Männer,\ndie in ihrem Widerstreben gegen das junge, aufstrebende\nGenie bis zur Abläugnung irgend weiter reichender Fähig-\nkeiten sich verleiten Hessen. Der durchgreifende Erfolg\nvon Paradies und Peri führte in das Lager der Schu-\nmannianer in reichlicher Anzahl neue Genossen, und die\ngrosse Menge fing nun an, ihn als hervorragende Grösse\nzu betrachten und zu würdigen, ihn auch als modernsten\nmusicalischen Helden zu verehren. Die vor Op. 50 ge-\nschriebenen Werke, bisher nur kühler oder theilweiser\nBeachtung gewürdigt, wurden nun einer sorgfältigeren\nRevue unterworfen, und man fing an, Schätze zu ent-\n\n*) Auch am Rheine müssen wir die beim diesjährigen Musik-\nfeste leider mit Erfolg angewandte Hinaufschraubung der Eintritts-\npreise auf 6 Thlr. beklagen. Die Redaction."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "199", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660623-01.1.7", "texte": "decken, die man, so offen sie zu Tage lagen, in Trägheit\nund vorurlheilsvollem Missachten übersehen hatte.\n„Die schöne und reiche Composition übte auf die Zu-\nhörenden einen unwiderstehlichen Reiz aus und erweckte\neinen tiefen und wahren Enthusiasmus, der in seinen un-\ngeheuchelten Aeusserungen wohlthuender berührte, als\njener überlaute, der die virtuosen Kunstleistungen verherr-\nlichte. Der Inhalt des Werkes hat heute noch nicht seine\nsiegende Kraft verloren, im Gegentheil wird erst die Zu-\nkunft ihm die gläubigsten Bekenner zuführen. Zu Gunsten\nder Composition wirkte die in fast allen Theilen entspre-\nchende Besetzung der Solostimmen, an der sich ausser den\nschon angeführten Sängern noch Fräulein Mandl und die\nHerren Stock hausen und Dr. Gunz betheiligten. Der\nVerein von so schönen Stimmen liess desshalb das Solo-\nQuartett in so wohlklingender Weise ertönen, dass ein\nallseitiger Ruf nach Wiederholung des rührenden, from-\nmen Stückes entstand. Herr Goldschmidt, der die Auf-\nführung leitete, halte sich zwar der Composition mit vie-\nlem Interesse .angenommen, doch geschah dieselbe nicht\nüberall in Schumann's Geiste, der sie durchgängig in leb-\nhafterem Sinne anfasste und einer viel saubereren Ausfei-\nlung derselben sich unterzogen hatte. Diese mangelte be-\nsonders dem zarten Schluss-Cbor, der hier zu massenhaft\nertönte, während er die sanfteste Behandlung erheischt.\nDer Enthusiasmus bei der ersten Aufführung der Peri\nüber diesen Chor war damals der unerhörteste, der auch\nhier bei richtiger Auffassung unwiderruflich hätte folgen\nmüssen. Die ganze Aufführung begleitete eine Menge klei-\nner Fatalitäten, die sich über dem grossen Inhalte der\nComposition glücklicher Weise verschmerzen Hessen, die\nsich wohl auch einer nachsichtigen Beurtheilung wegen\nder grossen ausgestandenen Strapazen der Mitwirkenden\nund der daraus erfolgenden Abspannung unterbreiten. Die\nWärme in dem übermässig gefüllten Saale erschwerte\nauch nicht zum geringsten Theile besonders den Instru-\nmentalisten ihre Aufgabe, wie auch aus diesem Uebelstande\ndie oft bemerkliche Unruhe der Ausführung und unreine\nStimmung sich ableiten lassen.\"\n\nAus Rotterdam.\nDie deutsche Oper im Theaterjahre 1865—1866.\nAufgeführt wurden folgende Opern: Aleida von Hol-\nland (von Thooft) 7 Mal, Faust (von Gounod) 7, Fidelio\n6, Der Nordstern 6, Wilhelm Teil 5, Martha 5, Der\nWaffenschmied 5, Medea 4, Joseph in Aegypten 4, Die\nZauberflöte 3, Die Hochzeit des Figaro 3, Don Juan 3,\nDer Freischütz 3, Tannhäuser 3, Die Jüdin 3, Der Trou-\nbadour 3, Die Hugenotten 2, Stradella 2, Mozart und\nSchikaneder 2, Oberon 1, Lucrezia Borgia 1, Melodra-\nmatische Musik zu Schiller's „Das Lied von der Glocke\"\nvon Lindpaintner 2 Mal. Zusammen 21 Opern und ein\nMelodrama in 78 Vorstellungen, welche, was die Com-\nponisten betrifft, also vertheilt waren: Mozart 13 Mal,\nMeyerbeer 8, Gounod 7,von Flotow 7, Thooft 7, van\nBeethoven 6, Cherubini 5, Rossini 5, Lortzing 5, von\nWeber 4, Mebul 4, 3, Verdi 3, Wagner 3,\nLindpaintner 2, Donizetti 1.\n\nAus Leipzig.\nO. P.\nZum Besten bedrängter hiesiger Arbeiter-Familien veranstaltete\nam 14. Juni die Sing-Akademie unter Leitung ihres Dirigenten, des\nHerrn y. Bernuth, eine geistliche Musik-Aufführung in der Tho-\nmaskirche, in welcher von den wohl vorbereiteten und trefflich ge-\nschulten Chören in Verbindung mit tüchtigen Orchesterkräften un-\nserer Stadt Cherubin i's meisterhaft gearbeitetes und daher durch-\nweg wohlklingendes Pater noster und Franz Schubert's Grosse\nMesse für Soli, Chor und Orchester zu Gehör gebracht wurden.\nLetztgenanntes Werk, welches der geniale Tonschöpfer im Juni\n1828 also in seinem letzten Lebensjahre producirte, ist reich\nan schönen Motiven und originellen Modulationen; die polyphone\nArbeit bleibt jedoch hinter den hohen Intentionen des grössten mu-\nsicalischen Lyrikers im neunzehnten Jahrhundert weit zurück, so\ndass man dem Werke eine vollständige Einheitlichkeit und Ge-\nschlossenheit nicht zusprechen kann. Immerhin können aber die\nDeutschen auch diese Schöpfung ihres Landsmannes als eine Perle\naus dem Meere Schubert'scher Tondichtungen betrachten, und mit\nFreuden begrüssen wir die von der immer regsamen Sing-Akademie\nins Werk gesetzte Aufführung als die erste vollständige in unserem\nLeipzig, nachdem in einem Gewandhaus-Concerte das Kyrie eleison\nChriste eleison bereits dem Publicum bekannt geworden war.\nVon allen Sätzen haben uns das Sanctus und das Benedictus be-\nsonders hingerissen, zumal in letztgenanntem Stücke die durchweg\nvorzüglichen Solisten ihre schönen Mittel und ihre edle Auffassung\nvollkommen zur Geltung brachten. Neben dem Bassisten Herrn\nPögner, dessen grosse Bedeutung ja früher so oft z. B. auch von\nMendelssohn und Schumann hoch anerkannt worden ist, neben der\nwackeren Altistin Fräulein Clara Schmidt und neben einem si-\ncheren Akademie-Mitgliede, welches nur in einem Terzette auftrat,\nwirkten unsere in ganz Deutschland gefeierte Concertsängerin Frau\nJulienne Flinsch und der zu den besten Sängern des musicali-\nschen Leipzig zählende Tenorist Herr Robert Wiedemann in\nausgezeichneter Weise mit. Letzterer entwickelte überraschende\nFülle, Kraft und Schönheit des Tones, gepaart mit Wärme der Em-\npfindung und musicalischem Verständnisse, während Frau Flinsch\nbeim Vortrage der Arie von Joh. Seb. Bach: „Liebster Jesu, mein\nVerlangen\" („Dominica 1 post Epiphanias, Dialogusu ist der Titel\nder ganzen Cantate, von welcher die Arie der erste Satz ist), volle\nGelegenheit fand, ihre so oft gewürdigte Meisterschaft aufs hinreis-\nsendste zu entfalten, wobei auch die von Herrn Diethe trefflich\ngeblasene obligate Oboe erwähnt werden muss. Für das ganze edle\nUnternehmen sei zum Schlüsse noch aufs wärmste gedankt."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "200", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660623-01.1.8", "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nDie Süddeutsche Musik-Zeitung bringt folgende interessante Zu-\nsammenstellung: Im zehnten Bande des Wagener'schen Staats- und\nGesellschafts-Lexikons findet sich unter dem Artikel „Judenthum\"\nfolgendes Urtheil über Felix Men delssohn-Bartholdy: „Wie\nsoll ein Wesen, welches ohne Selbstgefühl, also auch ohne Hinge-\nbung und Sympathie für seine Umgebung, sich nur zwischen seinen\nbesonderen und profanen Zwecken und Aufklärungs-Phrasen hin\nund her bewegt, unsere deutsche, unsere christliche Welt in Kunst-\nwerken, zu denen doch vor Allem Originalität gehört, wiederspie-\ngeln und verklären können! Man beobachte z. B. die Angst, mit\nder Mendelssohn in seiner J.-moZ2-Sinfonie das Muster, welches er\nvor Augen hat, Beethoven's .4-cZttr-Sinfonie, zu verbergen, und die\nAbsichtlichkeit, mit der er in seiner Travestie, obwohl vergeblich,\netwas Neues hervorzubringen sucht, und man wird über die Armuth\neines solchen Producenten erschrecken. Dass derselbe Componist\nmit seinen Psalmodieen den Beifall der christlichen Gesellschaft ge-\nwonnen hat, können wir nur aus der Gutmüthigkeit derselben und\nihrer Theilnahme für den Stoff erklären. Aber das Entzücken der-\nselben Gesellschaft über das leere und fade Elfengeschwirr im Som-\nmernachtstraum desselben Componisten bewies am peinlichsten, wie\nschnell sie ein so naheliegendes Original, wie das Weber'sche, wel-\nches doch wenigstens noch Ton und Haltung hatte, vergessen\nkonnte.\" Im dreizehnten Bande aber heisst es unter dem Artikel\n„Felix Mendelssohn-Bartholdy\": „Mendelssohn ist gewiss eine merk-\nwürdige Erscheinung unter den neuen Tonkünstlern und jedenfalls\nein bedeutender Musiker\" u. s. w. in der anerkennendsten Weise.\nDann heisst es: „Schliesslich ist zu bemerken, dass das lebhafte\nInteresse, welches Mendelssohn bei allen Gelegenheiten an kirch-\nlicher Musik an den Tag legte, davon zeugt, dass er nicht bloss\näusserlich (er war schon als Kind, wie alle seine Geschwister, durch\ndie Taufe zum Christen geweiht), sondern durchdrungen von christ-\nlichem Sinne war.\" [So werden Lexika geschrieben! Der Verfasser\ndes Artikels „Mendelssohn\" wusste nichts von dem Artikel „Juden-\nthum\", und die Redaction nahm sich nicht die Mühe, den letztge-\nnannten nach dem anderen zu berichtigen!]\nDieselbe Nr. 24 derselben Zeitung enthält in einer Correspon-\ndenz aus München von Z. folgendes Curiosum, welches jedoch\ndie Redaction mit einem doppelten Fragezeichen schliesst:\n„Uebrigens hat dieser „„Elias\"\", einst als ein vollendetes Werk\nverschrieen, so viele langweilige, an Erfindung arme, an dramati-\nscher Kraft unzureichende, an falschem Pathos überfliessende Stel-\nlen, dass wir die Hälfte der Schuld, die wir aus dem lauen Vor-\ntrage ableiteten, der Composition zuschieben. Mendelssohn, der\nInterrex im Oratorium, wie ihn Bülow mit liebenswürdiger Beschei-\ndenheit nennt [d. h. Interrex zwischen Beethoven und Liszt], stand,\nda er den „„Elias\"\" schrieb, nur selten auf der Höhe seiner musi-\ncalischen Gestaltungskraft. Doch sind wir dem Vereine und seinem\nwackeren Dirigenten schon desshalb zu Dank verpflichtet, weil uns\ndurch sie ein Capitel aus der Geschichte der Musik, das lange Zeit\nals ein gelungenes, ja, nahezu mustergültiges gegolten hat, vorge-\nführt wurde; da haben wir doch wieder so recht klar eingesehen,\ndass die Compositionen der Mode (und dazu rechnen wir auch den\nvielfach überschätzten Elias) an ihrem allgemeinen Werthe sehr\nbald einbüssen, und dass die rücksichtsloseste Kritikerin, die Zeit,\nihnen nach wenigen Jahren schon den gleissenden Firniss wegreisst\nund ihre übertünchten Blossen mit unerbittlicher Strenge der über\ndie Wandlung des eigenen Geschmacks staunenden Menge zeigt.\"\nDas von H. von Bülow beim Könige von Baiern eingereichte\nEntlassungsgesuch wurde angenommen, und ist derselbe mit seiner\niFrau bereits nach Berlin abgereist.\nDer k. hannoversche Kammermusicus Herr Ferd. Haake hat\nam Geburtstage Sr. Majestät des Königs die grosse silberne Ver-\ndienst-Medaille erhalten, und ist ihm dieselbe nebst Diplom feier-\nlichst überreicht worden; auch wurde demselben in Anerkennung\nseiner langjährigen treuen Dienste eine ansehnliche Gratification\nzu Tbeil.\nMan schreibt aus Dresden: Die für das ungarische National-\ntheater geschriebene Oper ,?Wanda\" von Franz Doppler (Text\nvon Dr. Th. Bakody, übersetzt von Otto Prechtler) ging am 6. Juni\nhier zum ersten Male in Scene. Die Oper fand eine sehr beifällige\nAufnahme, und die Repräsentanten der Hauptpartieen, Frau Jau-\nn er-Kr all (Wanda), Herr Richard (Timur) und Herr Degele\n(Hippolyt) leisteten ganz Ausgezeichnetes. Der Componist wurde\nmehrere Male gerufen.\nMan schreibt aus Prag: Smetena's komische Oper „Prodana\nnevestau kam Mittwoch im böhmischen Theater zur ersten Auffüh-\nrung und drang entschieden durch. Das Publicum, schon durch die\nOuvertüre in die beste Stimmung versetzt, verfolgte den Verlauf des\nWerkes mit lebhaftem Interesse, und die allgemeine Befriedigung\nmachte sich durch rauschenden Beifall und Hervorrufe, sowohl des\nComponisten, wie der mitwirkenden Kräfte Luft. Gleich der erste\nChor gefiel so sehr, dass er wiederholt werden musste. Der Stoff\nder Oper ist für komische Situationen glücklich erdacht und die\nmusicalische Einkleidung stellt dem Talente Smetena's abermals ein\nglänzendes Zeugniss aus.\nFür Opern-Componisten. Otto Prechtler hat zwei\nOperntexte, und zwar einen romantischen in drei und einen biblisch-\nhistorischen in vier Acten vollendet, und ist geneigt, dieselben Com-\nponisten unter billigen Bedingungen zu überlassen. Nähere Aus-\nkünfte ertheilt Herr v. Turnretscher, Beamter im k. k. Handels-\nMinisterium in Wien.\nParis« Flotow's „Zilda\" haben Lacroix und Comp, für\nFrankreich und Belgien, Lucca in Mailand für Italien, Boosey und\nComp, für England gekauft. Flotow ist nach Wien zurückgereist.\nIn Russland hat Felicien David und neuerdings auch\nBottesini, der berühmte Contrabassist, schlechte Geschäfte ge-\nmacht. Letzterer ist desshalb von Petersburg direct nach Triest\nzurückgekehrt."}]}