{"numero_id": "bm-bmtnabi-1866-07-07-01", "volume": "bmtnabi_1866-07-07_01", "ocr_sha256": "f83f45cc82db14b86279c06c106058ffbcf435f9c24fa08a7123e4d152ef2fc4", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1866/07/07_01/bmtnabi_1866-07-07_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660707-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1866-07-07-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-07-07_01#c001", "volume": "bmtnabi_1866-07-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "209", "page_fin": "209", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660707-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "209", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660707-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 469, "texte": "Inhalt.\nDie Preis-Aufgaben des Rheinischen Sängervereins. Die Musik in Hamburg während der Concertzeit 1865—1866 (Fort-\nSetzung, statt Schluss).6 Astorga. Romantische Oper in drei Acten von Ernst Musik von J. J. Abert. Aus Dresden (Oper\n„Wandau von Franz Doppler). Aus Zofingen (Aufführung des Oratoriums „Das verlorene Paradies\" von F. Schneider). Tages-\nund Unterhaitungsblatt (Wiesbaden, Gebrüder Müller Herr Meumann Ems, Jacques Offenbach Dresden, Theater u. s. w.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-07-07-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-07-07_01#c002", "volume": "bmtnabi_1866-07-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "209", "page_fin": "211", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660707-01.2.2", "titre_corps": "Die Preis-Aufgaben des Rheinischen Sängervereins.", "titre_sommaire": "Die Preis-Aufgaben des Rheinischen Sängervereins.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "209", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660707-01.1.1", "debut_caractere": 471, "fin_caractere_exclue": 4301, "texte": "Die Preis-Aufgaben des Rheinischen Sängervereins.\nDer Rheinische Sängerverein hat unter anderen löb-\nlichen Aufgaben sich auch jene gestellt, die bisher etwas\nmagere Literatur grösserer und ernsterer Compositionen\nfür den Männerchor zu bereichern. Seit mehreren Jahren\nschreibt er zu diesem Zwecke alljährlich eine Concurrenz\nauf sehr liberalen Gründsätzen aus. Dem Componisten ist\nfür die gegebene Aufgabe ein weites Feld gelassen: sein\nWerk bleibt sein Eigenthum, und der von dem Vereine\nausgesetzte Preis ist nach unseren deutschen Verhältnissen\nnicht gering zu nennen. Es ist schon die gute Absicht an-\nzuerkennen, den Tonsetzern überhaupt etwas zukommen\nlassen zu wollen—eine Intention, die eben so ehrenwerth\nals selten —, aber wichtiger ist es jedenfalls, den sechszig\nbis achtzig Tausend deutschen, in einer Art von Einigkeit\nlebenden Sängern kräftige musicalische Speise zu bieten\nsie bedürfen derselben.\nBei dem ersten oder vielmehr den ersten von Aachen\nausgeschriebenen Preisen wollte das Glück den Vereinen\nwohl. Es fanden sich zwei vortreffliche Arbeiten, die\n„Velleda\" von Brambach und „Heinrich der Finkler\"\nvon Wüllner, die denn auch bei der Aufführung zu\nausgezeichneter Wirkung gelangten. Aber schon die vor-\njährige Preis-Ausschreibung und eben so die diesjährige\nblieben ohne befriedigendes Resultat. Nicht als ob keine\nArbeiten eingesandt worden wären—die Preisrichter wis-\nsen davon zu erzählen —, aber keine der eingegangenen\nCompositionen wurde eines Preises für würdig erachtet.\nSollte man hieraus schliessen wollen, dass allzu strenges\nGericht gehalten worden, so muss darauf erwidert werden,\ndass es sich nicht bloss darum handelte, ein Werk zu fin-\nden, welches eine geringere oder grössere Dosis Talent\nzeigte: die Composition musste derartig beschaffen sein,\ndass man bei der Aufführung auf eine wenigstens er-\nfreuliche Wirkung zählen konnte. Eine Verantwortlich-\nkeit in dieser Beziehung scheinen nun die Herren Preis-\nrichter nach Durchsicht der eingegangenen Compositionen\nnicht haben auf sich nehmen zu wollen.\nDie bisherigen Ergebnisse stellen die oft besprochene\nFrage über die Zweckmässigkeit der Preis-Aufgaben in\nder Kunst, namentlich in der Tonkunst, von Neuem in\nden Vordergrund. Man muss jedoch zweierlei Arten der-\nselben aus einander halten. Die eine bezweckt die Auffin-\ndung und Unterstützung junger Talente, die andere die\nHervorbringung tüchtiger Werke. Besprechen wir beide\nDie erstere Art, von den Regierungen Frankreich,\nund Belgiens in grossartigem Maassstabe geübt, in Deutsch-\nland durch die Mozart-Stiftung in Frankfurt, neuerdings\ndurch die Meyerbeer-Stiftung vertreten, hat trotz Allem,\nwas dagegen vorgebracht worden, oft sehr erfreulich ge-\nwirkt. Man wendet ein, dass gar manche der so genann-\nten Grands prix in Paris später doch nicht gehalten, was\nsie versprachen, und dass die wahrhaft talentvollen, zum\nTheil berühmt gewordenen, wie Herold, Berlioz,\nGounod, Thomas und Andere, auch ohne jenen Preis ihre\nCarri&re gemacht haben würden. Dass nicht alle Blüthen\nzu Früchten reifen, ist ein ewiges Naturgesetz dass\naber diejenigen, welchen mehr Sonne und Regen zu\nTheil, nicht hierdurch zu saftigeren Früchten geworden,\nmöchte schwer zu beweisen sein. Und sind einige sorgen-\nlose Jugendjahre dem wahren Talente nicht, was milde\nFrühlingssonne der keimenden Blüthe? Eben so bat die\nbescheidene frankfurter Mozart-Stiftung schon mehr als\neinem begabten Jünglinge in doppelter Weise genützt,\nindem sie demselben die ernste Fortsetzung seiner Studien\nerleichterte und ihm zu gleicher Zeit die Theilnahme des\nmusicalischen Publicums schon früh in einem gewissen\nMaasse zuwendete. Es mag Anderen überlassen bleiben,\ndie Kehrseiten derartiger Preisverleihungen näher zu be-\nleuchten sie fallen im Verhältnisse zu ihren guten Wir-\nkungen sicherlich nicht schwer ins Gewicht."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "210", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660707-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5418, "texte": "Um desto geringer aber erscheinen die Resultate der-\njenigen Preis-Ausschreibungen, bei welchen es sich darum\nhandelte, die Entstehung von Kunstwerken bestimmter\nForm oder Gattung zu fördern. Zahlreich sind die Ver-\nsuche, die in dieser Weise gemacht worden, aber es ist\nvielleicht kein einziges Werk von grosser Bedeutung, ge-\nwiss keines von anerkanntem Rufe zu nennen, welches\neinem jener Wettstreite seine Existenz verdankte, und die\nmeisten der den stolzen Namen Preis-Quartett, Preis-So-\nnate u. dgl. tragenden Stücke gehen über eine anerken-\nnenswerthe Factur nicht hinaus. Es ist dies auch ganz na-\ntürlich. Eine Summe Geldes, mag man sie auch noch so\ngern gewinnen, die relative Anerkennung von zwei oder\ndrei Preisrichtern, mag man sie auch noch so sehr schätzen\nbegeisternd können diese Elemente nicht wirken. Und\nwenn auch die zur Einsendung gewährte Frist hinreichend\nausgedehnt ist, sie muss eben doch eingehalten wer-\nden und kann unter Umständen zu einer Eile führen,\nwelche die Arbeit fördert, ohne ihr förderlich zu sein.\nDas Schlimmste ist aber, dass diejenigen Componisten, von\nwelchen brauchbare Werke zu erwarten sein würden, sich\nin den meisten Fällen von diesen Preis-Aufgaben fern\nhalten.\nEs soll durchaus nicht geläugnet werden, dass es stets\njüngere Künstler gibt, die, halb oder ganz unbekannt,\nmehr geniale Begabung haben als manche derjenigen,\nwelchen sich die Theilnahme des Publicums und der Ver-\nleger schon zugewendet. Aber einen Vorzug wird man\nin allen Fällen den letzteren zugestehen müssen, denjeni-\ngen längerer Erfahrung und mithin grösserer Sicherheit;\nsie haben solche Vorzüge ja auch theuer erkauft! Kann\nman es denselben nun verdenken, wenn sie sich den Zu-\nfälligkeiten solcher Concurse nicht aussetzen, wenn sie\nnicht grössere Werke schaffen wollen, die möglicher\nWeise zurückgelegt werden, oder den unangenehmen Ein-\ndruck von sich fern Iralten wollen, im einzelnen Falle so-\ngar von Mitstrebenden ausgestochen zu werden, welchen\nsie im Allgemeinen überlegen sind? Man wird einwenden,\ndiesem Ungemach sei dem Publicum gegenüber tagtäglich\nder GrÖsste ausgesetzt. Gewiss. Aber das Publicum ist\neine Naturgewalt: man muss es nehmen, wie man das\nWetter nimmt. Ein Anderes ist das Urtheil einiger weni-\nger, wenn auch noch so gewissenhafter Männer; Einsei-\ntigkeiten sind dabei doch immer sehr möglich, und es liegt\nauf der Hand, dass ein Künstler von Ruf da, wo im\nGrunde nicht sehr viel für ihn zu erreichen, nicht leicht\neine bedeutende Arbeit unternehmen wird, wenn sich die\nMöglichkeit oder Wahrscheinlichkeit gegen das Gelingen\nstellt. Denn von allen sich auch mehr oder weniger Gleich-\nstehenden kann doch nur Einem das Glück günstig sein.\nEs sind aber nicht einmal hauptsächlich die genann-\nten, etwas egoistischen Gründe, welche Tonsetzer von Ruf\nabhalten, um den besprochenen Preis zu ringen: bei den\nMeisten ist das Gefühl vorherrschend, es sei nicht in der\nOrdnung, Künstlern, die ihre Laufbahn beginnen, diese\nGelegenheiten, sich bekannt zu machen, zu entziehen oder\ndoch wenigstens zu erschweren. Das ist auch ganz schön\nund gut. Aber in den seltensten Fällen werden junge Ton-\nsetzer mit anderen als solchen Werken ihren Ruhm grün-\nden, welche sie in freiwilliger Notwendigkeit aus ihrem\ntiefsten Innern geschaffen. Ein tüchtiges Kunstwerk auf\nBestellung zu schreiben, ist die Sache des erfahrenen Mei-\nsters und auch lange nicht eines jeden!\nSo scheint denn nach diesen Vorgängen und Darle-\ngungen der Rheinische Sängerverein auf den Erfolg seiner\nPreis-Ausschreibungen keine grossen Hoffnungen setzen\nzu dürfen. Es wäre aber Jammerschade, wenn er desshalb\nseine schönen Bestrebungen aufgäbe. Denn die dramati-\nsche Cantate für Männerchor, weibliche Solostimmen und\nOrchester ist eine Kunstform, welche, wenn sie nicht allzu\nbreite Dimensionen annimmt, die Mittel bietet nicht allein\nzu einem wirkungsvollen, sondern auch zu einem in sieb\nwahren und in jeder Beziehung echten Kunstwerke. Sie\nhat dabei den Vorzug, von unseren grössten Meistern\nnicht bearbeitet worden zu sein und hiedureb lohnender\nzu werden für die Epigonen, wie eine hohe und höchste\nKritik die lebenden Tonsetzer bei jeder Gelegenheit (wohl\nzur Aufmunterung?) zu bezeichnen pflegt. Unter diesen\nEpigonen findet sich eine Anzahl höchst ausgezeichneter\nComponisten, die ganz und gar das Zeug haben, um\nWerke wie die gewünschten in gediegener und wirkungs-\nvoller Weise zu verfassen. Der Verein wende sich an die-\nselben. Der Eine oder der Andere wird sich leicht für die\nAufgabe erwärmen, welche, an sich schön und künstle-\nrisch, anziehender wird durch die sichere Aussicht, ein\nneues Werk in seiner ersten Frische vortrefflich auffüh-\nren zu hören und besser dafür belohnt zu werden, als\ndies unter den gewöhnlichen Verhältnissen möglich. Man\nbespreche mit dem Componisten die Wahl des Stoffes,\nverschaffe ihm, wo es Noth thut, die Hülfe eines gewand-\nten Poeten, lohne und ehre auch diesen, und es müsste\nsonderbar zugehen, wenn nicht gar manche hübsche, gute\nund sogar treffliche Werke diesem Verfahren ihre Ent-\nstehung verdanken sollten. Macben es doch die Franzosen\nmit ihren Opern-Componisten in ähnlicher Weise, und\nkeine lyrische Bühne kann sich mit der Opera Comique\nqiessen in Beziehung auf die enorme Anzahl seit mehr als\neinem Jahrhundert entstardener reizender und geistreicher\nlyrischer Dramen. Denn wie viel auch mit Recht gegen\ndie Gelegenheits-Production im engeren Sinne_"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "211", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660707-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 767, "texte": "einzuwenden sein mag, dem begabten Componisten loh-\nnende Aufgaben zu stellen, welche unmittelbar ins Leben\ntreten sollen, ist, sofern nur die Aufgaben echt künstle-\nrischer Natur, die einzige Art und Weise, ihn wirklich\nzu fördern. Machen kann man ihn natürlich nicht.\nFür dieses Jahr ist leider an eine grössere Vereini-\ngung zu lyrischen Zwecken nicht zu denken. „Der Sän-\nger muss zum blut'gen Kampf hinaus!\" Hoffen wir, dass\ndas künftige uns wieder im Frieden finden und der Rhein\nden Künsten des Friedens die altgewohnte, echt und rein\ndeutsche Stätte wieder zu gewähren im Stande sein werde.\nEine edle, kräftige, neue Arbeit der besprochenen Gat-\ntung wird dann gewiss das dankbarste Publicum finden,\nmag der Tonsetzer dem alten oder dem neuen Bunde\nangehören."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-07-07-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-07-07_01#c003", "volume": "bmtnabi_1866-07-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "211", "page_fin": "212", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660707-01.2.3", "titre_corps": "Die Musik in Hamburg während der Concertzeit 1865-1866.", "titre_sommaire": "Die Musik in Hamburg während der Concertzeit 1865-1866.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "211", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660707-01.1.3", "debut_caractere": 769, "fin_caractere_exclue": 5207, "texte": "Die Musik in Hamburg während der Concertzeit\n1865-1866.\n(Fortsetzung, statt Schluss. S. Nr. 26.)\nUeber einige der oben verzeichneten Orchesterwerke\nbemerken wir, dass im fünften Concerte die Ausführung\nder canonischen Suite von Otto Grimm Anerken-\nnung fand. Das interessant und geschickt geschriebene\nWerk, das in seinen Formen sich mehr der heutigen Sin-\nfonie, als der alten Suite anschliesst, erregte indess nur in den\nSätzen Theilnahme, welche der modernen Weise in ihrem\nAusdrucke sich näherten. Und in dieser Hindeutung liegt\nzugleich die Charakterisirung des Inhalts, der ein doppel-\ntes Gesiebt zeigt, das eine angethan mit den ernsten Zü-\ngen des strengen, alten Schulmeisters, das andere ge-\nschmückt mit dem sinnigen, melancholischen Ausdrucke\nder allerneuesten Romantik. Ein einheitlicher, ruhespen-\ndender Genuss geht dadurch verloren, und bei aller An-\nerkennung der gewandten Durchführung sehnt man sich\ndoch noch am Ende nach ästhetischer Befriedigung. Uebri-\ngens ist die Structur eine ziemlich einfache; sie überschrei-\ntet nicht die Aufgabe des Canons der Octave, und ein\nausserordentliches Lob verdienen nur die untergelegten,\nschön geführten Bässe. Wie schon gesagt, war die Theil-\nnahme bei dem zuhörenden Publicum keine hohe, obwohl\ndie äussere Klangwirkung eine günstige zu nennen ist und\ndie Ausführung Anerkennung beanspruchen darf.\nMendelssohn's „Meeresstille und glückliche Fahrt\"\neröffnete in einer vollendet ausgearbeiteten und in allen\nEinzelheiten gelungenen Aufführung das letzte diesjährige\nConcert deä philharmonischen Vereins, und Beet-\nhoven's fünfte Sinfonie—also die am meisten bekannte in\nC-moll schloss den Abend des 13. April, an welchem\nsich im Wörmer'scben Saale bereits eine so drückende\nHitze entwickelte, dass nicht bloss die Stimmung der In-\nstrumente, sondern auch das Gefühl der Zuhörer gegen\ndiese Schwüle schwer anzukämpfen hatte. Da Herr Julius\nStockhausen mit keiner Gesanges-Aufgabe betheiligt war,\nso konnte er die Orchesternummern selbst dirigiren, was\nnamentlich auch einer sehr glänzenden Erscheinung der\nSchubert'schen Ciavier- Phantasie zu Statten kam, wozu\nFranz Liszt die Instrumental-Begleitung gesetzt hat.\nBei der sehr kräftigen Mitwirkung, zu welcher damit\ndas Orchester von der Phantasie berufen wird, hat Liszt\nseine eigene Bravour so ausschliesslich zum Maassstabe für\ndie einzunehmenden Verhältnisse vor Augen gehabt, als\nwolle er den Piano-Vortrag des Stückes für sich selbst mit\nBeschlag belegen oder ihn höchstens noch seinen begab-\ntesten Zöglingen zu einem durchschlagenden Erfolge vor-\nbehalten. Und siehe da, in Herrn Karl Taus ig haben\nwir einen Pianisten kennen gelernt, der die Schubert'sche\nPhantasie mit einer Meisterschaft spielt, welche Liszt's Lei-\nstung darin eher in Schatten stellen, als hinter derselben\nzurückbleiben möchte. Denn fast scheint es, als ob Herr\nTausig die seltenen Eigenschaften seines Lehrers mit einer\nnoch durchgebildeteren Technik und vor Allem mit einer\nbesonneneren Herrschaft über die geistige und körperliche\nBewegung vereinigte, ohne darum den hohen Schwung,\ndie bisher unnachahmlich erscheinende Stärke, so wie die\nberauschende Fülle des Liszt'schen Ausdruckes vermissen\nzu lassen. Das Auditorium des philharmonischen Concertes\nliess sich von der ihm neuen Bekanntschaft als Herr\nTausig vor sieben Jahren hier auftrat, war er mehr noch\nKnabe als Jüngling—im Sturm gewinnen. Eine Chopin'-\nsche Polonaise schien der Pianist darauf mit vier oder sechs\nHänden, anstatt nur mit zweien zu spielen, so ergiebig an\nTonmasse war unter seiner Behandlung der schöne Flügel\nvon Karl Becbstein und zugleich so klar die Gestalt sowohl\nder verwickeltsten wie der leise hingehauchten Figuren.\nIm dritten Abschnitte war Rubinstein's Barcarole Nr. 4\ndurch die Klangmalerei ausgezeichnet, zu welcher sich das\nnicht eben gedankenvolle Wasserwerk in Tausig's Vortrag\nerhob, und einem eigenen wiener Walzer, womit er enden\nwollte, fügte der Virtuose auf unerschöpflichen Hervorruf\neine ungarische Rhapsodie hinzu.\nDa wir hiermit auf die Concert-Vorträge berühmter\nKünstler gekommen sind, so haben wir über die Leistun-\ngen von Fräulein Tietjens, denen natürlich Beifallssturm\nund Hervorruf folgte, nur zu bemerken, dass der Concert-\nsaal für die ganze Entfaltung ihrer Stimme nicht gross\ngenug und die Temperatur zu heiss war. Der eigentliche\nTriumph der Künstlerin war ihr Gesang im Judas Macca-\nbäus und im Messias in der Micbaeliskirche.\n\npj"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "212", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660707-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2533, "texte": "Ueber das Ciavierspiel der Frau Clara Schumann,\ndas Violinspiel Joachim's und den Gesang Stockhau-\nse n's ist den Lesern etwas Anderes nicht zu sagen, als\ndass sie in allen ihren Vorträgen nicht nur auf der Höhe\nihres Rufes standen, sondern auch jeder seine besondere\ngeniale Individualität glänzend bekundete. Befremdlich war\nes jedoch bei einem Musiker wie Stockhausen, dass er den\nvon Beethoven für Tenor geschriebenen und zweifelsohne\nnur für die Tenorstimme poetisch-richtig gedachten Lie-\nderkranz: „An die entfernte Geliebte\", im fünften Con-\ncerte gewählt hatte, den er natürlich nicht anders als\ntransponirt wiedergeben konnte. Gewiss war diese Wie-\ndergabe vortrefflich, allein ob man gerade bei dieser Com-\nposition ungestraft von der ursprünglichen Tonart und\ndem Timbre der Tonhöbe abweichen könne, möchte zu\nbezweifeln sein.\nNeben dem festbegründeten Ruhme dieser Koryphäen\nist es noch mehr Pflicht, eines jüngeren Talentes zu ge-\ndenken, dessen Streben sich den Besten mit Erfolg zu-\ngesellt.\nHerr Wilhelmi (aus Wiesbaden), der sich in den\nletzten Jahren einen guten Namen als Violin-Virtuose ge-\nschaffen, hatte im fünften Concerte Paganini's\nConcert zum Haupt-Vortrage gewählt, welches nach tech-\nnischer Seite hin dem Künstler die erwünschtesten Gele-\ngenheiten bietet, seine Bravour glänzen zu lassen. Und\ndies geschah denn auch in so überraschender und bewun-\ndernswürdiger Weise, dass es wohl gestattet ist, darüber\nmit freudigster Anerkennung zu berichten. Herr Wilhelmi,\nnoch jung an Jahren, steht noch im ersten Beginn seiner\nLaufbahn, doch darf man gern prophezeien, dass, wenn\nseine Virtuosität in gleichmässiger Progression sich fort-\nentwickelt, er dereinst in dem Ruhme des ersten Virtuosen\nseines Instrumentes in unserer Zeit glänzen wird. Die\ntechnisch grössten und schwierigsten Aufgaben überwindet\ner in spielendster Weise, und in der Führung des Bogens\nund der Handhabung der Applicatur dürften sich für ihn\nnur wenige Rivalen finden. Die höchste Summe seiner Lei-\nstungsfähigkeit gab er in der von seinem Lehrer David in\nLeipzig geschriebenen Cadenz des Concertes. Die später von\nihm vorgetragenen Stücke: Reverie von Vieuxtemps und\nAdagio aus einer Suite von Bach bezeugten die Empfin-\ndungsfähigkeit des Künstlers, und besonders riss der Vor-\ntrag des Adagio zu lebhaftem Entzücken hin und forderte\nzu lauter Bitte um Wiederholung auf. Ueberhaupt muss\nnoch berichtet werden, dass das Publicum den Künstler\nlebhaft empfing und ohne Unterbrechung mit dankendem\nApplause überhäufte.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-07-07-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-07-07_01#c004", "volume": "bmtnabi_1866-07-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "212", "page_fin": "215", "image_debut": 4, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660707-01.2.4", "titre_corps": "Astorga.", "titre_sommaire": "Astorga.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "212", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660707-01.1.4", "debut_caractere": 2535, "fin_caractere_exclue": 5145, "texte": "Astorga.\nRomantische Oper in drei Acten von Ernst Pasqué.\nMusik von J. J. Abert.\nEs ist eine oft ausgesprochene Klage, dass die deutsche\nOper seit einer Reihe von Jahren kein Product mehr auf-\nzuweisen hat, welches zu einer allgemeineren Verbreitung,\nzu einer in weiteren Kreisen anerkannten Geltung gelangt\nwäre, und doch ist die Zahl der Opern, die alljährlich in\nunserem Gesammt-Vaterlande das Licht der Welt er-\nblicken, eine nicht unbedeutende; leider bringen es aber\ndie meisten derselben über einen in ihrem\nGeburtsorte nicht hinaus und werden, nachdem sie mit\nHülfe guter Freunde mit mehr oder minder Geräusch vor\ndem Lichte der Lampen erschienen, in aller Stille wieder\nin die Gruft der betreffenden Theater-Archive zur ewigen\nRuhe beigesetzt. Wir hegen die Ueberzeugung, dass nicht\nimmer absoluter Unwerth der Hauptgrund dieses trauri-\ngen Schicksals so vieler Erstgeburten mancher talentbe-\ngabten Opern-Componisten ist. Häufig ist die Wahl des\nLibretto eine unglückliche, und die vielleicht von wirk-\nlichem Berufe zeugende Schöpfung des Componisten wird\nvon der Ungeniessbarkeit des Sujets zu Grunde gerichtet.\nEin anderer Fehler, der sich an vielen neuen Opernwer-\nken bemerklich macht und den Effect einer an und für\nsich recht gelungenen Arbeit bedeutend abschwächt, ist\nder Mangel an Bühnenkenntniss, an der richtigen Verkei-\nlung von Licht und Schatten, indem der Neuling in diesem\nFache entweder mit ängstlicher Schüchternheit an den\nAnforderungen eines falschverstandenen Classicismus sich\nfestklammert und dadurch die lebhaftere Wirkung auf\ndas grössere, nicht musicalisch gebildete Publicum ver-\nfehlt, oder entgegengesetzt die reichen Mittel, welche die\ngrössere Freiheit der modernen Schule und die unendlich\nvervollkommnete Instrumentationskunst ihm darbieten, in\neinem Maasse anwendet oder vielmehr missbraucht, dass\nwieder jeder Musiker, so wie jeder mit einigem Geschmack\nbegabte Laie sich von solcher Ueberschwänglichkeit unbe-\nfriedigt abwendet. Auch manche wirkliche Perle, die zum\nGemeingut der deutschen Kunstwelt zu werden verdiente,\nmag unter der bedeutenden Anzahl neuer deutscher Opern\nsich befinden, die aber durch die Bescheidenheit und den\nMangel an Praktik des Componisten oder durch andere\nungünstige Verhältnisse der allgemeineren Verbreitung\nentzogen und der ewigen Vergessenheit geweiht wurde.\nWir freuen uns desshalb um so mehr, von einer neuen\nErscheinung im Opernfache berichten zu können, welche\nunter so günstigen Auspicien in die Welt getreten ist und\nin so hohem Grade den gerechten Ansprüchen des Publi-\ncums wie der Kritik entspricht (was in gewissem Grade"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "213", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660707-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5387, "texte": "auch ohne das Prädicat unbedingter Vollkommenheit mög-\nlich ist), dass wir derselben das günstigste Prognostikon\nin Betreff ihrer weiteren Verbreitung auf den deutschen\nBühnen stellen zu dürfen glauben, vorausgesetzt, dass letz-\ntere ihre Aufgabe, einheimische Talente nach Kräften zu\nunterstützen, auch erkennen und zu erfüllen bereit sind.\nWir sprechen nämlich von der Oper „Astorga\" von\nErnst Pasque, componirt von J. J. Abert, welche am\nSonntag den 20. Mai in Stuttgart zum ersten Male zur\nAufführung kam. Abert, ein Schüler des prager Conser-\nvatoriums und Mitglied der k. Hofcapelle in Stuttgart, ist\nkein Neuling mehr im Opernfache. Er hat schon früher\nzwei Opern geschrieben, nämlich „Anna von Landskron\"\nund „König Enzio\", welche beide ausser Stuttgart auch\nin Mannheim und Karlsruhe gegeben wurden. Die zuletzt\ngenannte Oper hat sich an diesen Bühnen auch auf dem\nRepertoire erhalten und hat namentlich in Karlsruhe schon\nmehr als zwanzig Vorstellungen erlebt. In seinem neuesten\nWerke hat Abert ohne Zweifel einen bedeutenden Fort-\nschritt beurkundet, und er bewegt sich bereits mit einer\nSicherheit und Umsicht auf diesem Felde, die von seiner\nferneren Thätigkeit auf demselben nur das Allerbeste er-\nwarten lassen.\nWas zuvörderst das Sujet betrifft, so hat Herr Pasqu£\nden für den Componisten äusserst dankbaren Stoff in recht\ngewandter Weise verarbeitet, und lassen wir zur Einfüh-\nrung des Lesers in denselben die dem Textbuche vorge-\ndruckten Notizen hier folgen. Es heisst dort: „Emanuel\nAstorga, der berühmte Componist des Stabat mater,\nwurde im letzten Viertel des siebenzehnten Jahrhunderts\nin Sicilien geboren. Sein Vater, einer der vornehmsten\nAdeligen, lehnte sich gegen die spanischen Unterdrücker\nder Insel auf. Er erlag und wurde zum Tode verurtheilt.\nSeine Gattin und sein Sohn mussten der Hinrichtung bei-\nwohnen, also wollte es das Urtheil. Die Mutter tödtete der\nfurchtbare Anblick: sie starb am Fusse des Hochgerichtes,\nwährend der Sohn einem Zustande dumpfer Verzweiflung\nanheimfiel, der an Wahnsinn gränzte. Die Prinzessin Ur-\nsini, die allmächtige Oberhofmeisterin der Königin von\nSpanien, gerührt von dem Schicksale des jungen Mannes,\nliess ihn nach einem Kloster in der Stadt Astorga im spa-\nnischen Königreiche Leon bringen. Dort erlangte Emanuel\nseine Gesundheit wieder und bildete sich zum Sänger und\nTonsetzer aus. Als er dann aufs Neue in die Welt trat,\nnannte er sich und für immer nach diesem Kloster Astorga.\nNun finden wir ihn am Hofe des Herzogs von Parma und\nalldort in einem Verhältnisse, ähnlich dem Tasso's zu\nLeonore von Este. Dieses veranlasste jedoch seine Entfer-\nnung von Parma, und nun zog Astorga nach Wien an\nden Hof des kunstliebenden Kaisers Leopold I. Von dort\nbesuchte er alle Höfe Europa's, als Sänger und Compo-\nnist glänzend und Bewunderung ärntend, bis er endlich in\nBöhmen, in Prag, den Augen der Welt entschwand.\nAlso erzählt Fr. Rochlitz (Für Freunde der Tonkunst,\n1825, Bd. II) des Meisters Leben, ohne die Quellen an-\nzugeben, aus denen er geschöpft. Gerber und Haw-\nkins (Neues Lexikon der Tonkünstler, 1812, Bd. I, und\nHistory of Musik, 1776, Bd. V) wissen nichts von die-\nsen romantischen Schicksalen Astorga's, während diesel-\nben nach Rochlitz allgemein so dargestellt wurden und\nnoch in neuerer Zeit durch Riehl's vortreffliche Charak-\nteristik des Meisters und seines Hauptwerkes, des Stabat\nmater (Musicalische Charakterköpfe, 1853), eine bedeu-\ntende Ergänzung und Bereicherung erhalten haben.\nDie Geschichte selbst schweigt über die früheren Verhält-\nnisse Astorga's; nur folgende Data fand ich: Die grosse\nHistoire de Sicile von Burigny erzählt, dass in den er-\nsten Jahren des vorigen Jahrhunderts unter dem Vicekönig\nMarquis (Herzog) Carlos Philipp Spinola von Los Barbazes\nein Aufstand in Sicilien Statt gefunden, nach dessen Be-\nwältigung Balbazes einen der Haupträdelsführer, den\nPrinzen de Paligonie, habe hinrichten lassen. Diese\nhistorische Thatsache, verbunden mit den von Rochlitz\nerzählten Lebensumständen des Meisters, liegen in freier,\nselbständiger Benutzung der nachfolgenden Opernhandlung\nzu Grunde*\"\nSo weit der Dichter des Libretto, und wir müssen ihm\nzugestehen, dass er, im Ganzen genommen, seinen Stoff\nmit vieler Gewandtheit und Bühnenkenntniss bebandelt\nund dem Componisten entsprechende Situationen und Ge-\nlegenheit zum Ausdruck der verschiedensten Affecte gebo-\nten habe, wenn auch vielleicht eine grössere Gedrungen-\nheit an einzelnen Stellen wie im Ganzen wünschenswertb\ngewesen wäre.\nDer Dichter hat auch dem Componisten in so fern\nseine Aufgabe erleichtert, als er die erforderliche Steige-\nrung in den Verlauf der Handlung zu bringen wusste, so\ndass von einer Abnahme des Interesses für den Zuhörer,\nworan so viele Opern leiden, ja, selbst untergehen, hier\nkeine Spur zu finden ist, sondern im Gegentheil die allge-\nmeine Theilnahme bis ans Ende des Stückes ungeschwächt\nfortdauert. Abert hat es aber auch verstanden, die Vor-\ntbeile, welche sein Libretto ihm bot, in vollstem Maasse\nzu benutzen, und so entstand denn ein Ganzes, welches\nden Anforderungen der Kunst und eines geläuterten Ge-\nschmackes nach jeder Richtung hin fast überall entspricht.\nAbert's Musik zeichnet sich durch poesiereiche, origi-\nnelle Erfindung, durch feine, geschmackvolle Auffassung\ndes Textes, Gefühlstiefe und Noblesse aus. In letzterer Be-\nziehung lassen nur ein paar Nummern etwas mehr Tiefe"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "214", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660707-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5393, "texte": "und Gefühlswärme wünschen, so namentlich das Lied des\nAstorga in der ersten Scene: „Wenn, Herrliche, du in\nstiller Nacht\" (nach Tasso), welches uns, wenn auch sehr\nlieblich und melodiös, doch dem Texte und der Situation\ngemäss etwas zu leicht, zu gewöhnlich erscheint und durch\neine Ueberarbeitung in ernsterem Stile bedeutend gewin-\nnen und den Eindruck der ganzen Scene sicherlich noch\nerhöhen würde. Im Uebrigen ist diese ganze erste Scene\nvortrefflich gearbeitet und nimmt schon von vorn herein\nden Hörer zu Gunsten des Componisten ein. Die einzelnen\nNummern dieser und der zweiten Scene, insbesondere die\nbeiden Ensemblesätze am Schlüsse der letzteren, riefen\nlebhaften Applaus hervor. Ein wahrhaft reizendes Stück\nist die darauf folgende Arie der Angioletta, welche sich in\ndem rhythmisch und melodisch ausnehmend lieblichen\nSchlusssatze: „Ja, freudig will ich ihm dienen\"\n2/4-Tact), gipfelt und mit stürmischem Beifalle aufgenom-\nmen wurde. Das Ballet in der fünften Scene gab dem Com-\nponisten Gelegenheit, eine Fülle lieblicher Melodieen und\nreizender Instrumentation zu entwickeln und sein entschie-\ndenes Talent auch für dieses Genre zu beurkunden. Von\nvortrefflicher Wirkung ist das darauf folgende Hochzeits-\nlied der Angioletta: „Wie bist du gross, o Liebe\", wel-\nches mit einfach melodischer Weise die tiefsten Gefühls-\nsaiten sympathisch berührt und äusserst geschickt mit der\nAnsprache des Herzogs und den freudigen Kundgebungen\ndes Chors verwebt ist, um dann auf einmal mit dem wil-\nden Aufschrei Astorga's, der in dem vorgeführten Bräu-\ntigam der von ihm geliebten Prinzessin den Mörder seines\nVaters erkannt hat, plötzlich abzubrechen, worauf nach\nkurzer Zwischenrede Astorga's dessen tief ergreifende Er-\nzählung seiner Schicksale folgt. Letztere ist eine der schön-\nsten und wirksamsten Nummern der ganzen Oper, welche\nmit ihrem hochdramatischen Schwünge dem Darsteller\ndes Astorga Gelegenheit gibt, sein Licht als Sänger wie\nals Schauspieler leuchten zu lassen. Das Quintett mit Chor,\nwelches das Finale des ersten Actes bildet, kann in Bezug\nauf geschickte Factur, effectvolle Behandlung und schöne\nSteigerung dem Schönsten an die Seite gestellt werden,\nwas die neuere Opern-Literatur in diesem Genre aufzu-\nweisen hat.\nDie hervorragenden Nummern des zweiten Actes sind:\ndie Scene des Astorga am Anfange desselben, wo er sein\nStabat matercomponirt, das Lied der Angioletta: „Wenn\nhart das Leben mich bedroht\", die Arie der Prinzessin\nEleonore und insbesondere aber die Improvisation der\nAngioletta: „Vom Himmel Verstössen, zog der Schmerz\nzur Erde\", welche besonders in ihrem ersten Theile von\nüberraschender Originalität in Gesang und Begleitung und\ndabei von einer so schönen Wahrheit des Ausdrucks durch-\ndrungen ist, dass der Schluss derselben, der in einem ziem-\nlich gewöhnlichen Coloraturenspiel verläuft, den ersten\nEindruck mehr beeinträchtigt, als erhöht. Ausserordent-\nlich wirksam sind die beiden Ensemblesätze im Finale die-\nses Actes: „0 Vater, mein Vater\", und: „Ich schätze ihn\nin seinem Leide\", so wie die schöne Cantilene der Angio-\nletta: „Leb' wohl, du Aermster nun, ich scheide!\" Die\nWirkung steigert sich noch in dem Schlüsse der Scene,\nim Abschiede der Angioletta von Astorga. Auch die En-\nsembles für Männerstimmen sind recht melodiös und\ndankbar, dürften aber doch, wenn möglich, etwas gekürzt\nwerden.\nIm dritten Acte fällt uns zuerst ein, wenn auch nicht\nbedeutendes, doch recht ansprechendes Duett zwischen\nAngioletta und Eleonore auf, sodann die viel inhaltsvollere,\nvon einer wunderschönen Begleitung der Violoncelle und\nBässe getragene Scene Astorga's: „Da nah'st du mir wie-\nder, du bleiches Angesicht\", ferner das Duett zwischen\nAstorga und Eleonore, und endlich das höchst effectvolle\nFinale mit dem Schluss-Chor: „Er ist gerettet, Dank dem\nHerrn!\"\nNachdem wir nun in Kürze die einzelnen Vorzüge des\nWerkes hervorgehoben haben, bleibt uns nur noch übrig,\nüber die Aufführung desselben zu referiren. Vor Allem\ngebührt die Krone des Abends Herrn Sontheim, der die\nTitelrolle, eine der bedeutendsten und anstrengendsten\nTenor-Partieen, die wir kennen, mit einer bewunderns-\nwerthen Kraft und Ausdauer, mit tiefem Verständnisse\nund mit hinreissendem Feuer sang und spielte, und an\ndem Erfolge der ganzen Aufführung unstreitig einen be-\ndeutenden Antheil in Anspruch nehmen darf. Nächst ihm\nzeichneten sich Frau Leisinger als Eleonore und Fräu-\nlein Klettner als Angioletta aus, welche letztere nament-\nlich ihre an und für sich dankbare Rolle mit einer so lie-\nbenswürdigen Natürlichkeit auffasste und wiedergab, dass\nman sich in Bezug auf Gesang, Darstellung und persön-\nliche Erscheinung kaum eine bessere Repräsentantin der\nAngioletta wünschen könnte. Auch Herr Schütky leistete\nVortrefFliebes als Barbazes, so wie auch die Herren Wal-\nlenreiter als Herzog und Robiceck als Graf Lauristan\nihren Platz würdig ausfüllten. Die ganze Aufführung ging\nunter des Componisten persönlicher Leitung vortrefflich\nvon Statten, und wenn auch die Intendanz mit der Aus-\nstattung der Oper sich sicherlich nicht ruinirt hat, so\nwusste doch der Regisseur Herr Dr. Hall wachs die\ndisponiblen Mittel mit feinem Geschmacke zu einem recht\nschönen Ganzen zu gestalten. Die Aufnahme der Oper von\nSeite des Publicums war eine wahrhaft enthusiastische.\nBeständige Beifallssalven, vielfache Hervorrufe der Dar-\nsteller und des Componisten und Blumen und Kränze in"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "215", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660707-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 729, "texte": "Hülle und Fülle mochten sämmtliche Betheiligte überzeu-\ngen, dass ihre Leistungen die verdiente Anerkennung im\nvollsten Maasse gefunden hatten.\nMögen nun die übrigen deutschen Bühnen nicht zö-\ngern, Abert's schönes Werk auch ihrerseits dem Publicum\nvorzuführen und damit einem entschiedenen Talente in\ndiesem Fache für die Zukunft die Wege zu ebnen.\nNoch sei erwähnt, dass der König von Würtemberg, wel-\ncher der Vorstellung der Oper vom Anfange bis zum\nEnde mit sichtbarem Interesse beigewohnt hatte, den Com-\nponisten, der bekanntlich Mitglied der Stuttgarter Hof-\ncapelle ist, am Morgen nach der Aufführung zu sich rufen\nliess und ihm persönlich seine Ernennung zum königlichen\nMusik-Director mittbeilte.\n(E. F. Südd. M.-Ztg.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-07-07-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-07-07_01#c005", "volume": "bmtnabi_1866-07-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "215", "page_fin": "215", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660707-01.2.5", "titre_corps": "Aus Dresden.", "titre_sommaire": "Aus Dresden.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "215", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660707-01.1.7", "debut_caractere": 731, "fin_caractere_exclue": 4027, "texte": "Aus Dresden.\nAm 6. Juni fand hier die erste Aufführung der drei-\nactigen romantischen Oper „Wanda\" von 0. P recht-\nler, Musik von Franz Doppler, unter der Leitung des\nHerrn Hof-Capellmeisters J. Rietz Statt. C. Banck\nschreibt darüber im „Dresdener Journal\": „Die Aufnahme\ndes Werkes hat schon so sehr durch die Ungunst der Zeit\nzu leiden, dass es nicht rathsam scheint, durch Erzählung\ndes Sujets noch die Theilnahme an der Handlung zu\nschmälern. Diese ist sehr einfach und hinsichtlich des dra-\nmatischen Interesses etwas zu plan und karg behandelt,\nso dass das lyrische ausschmückende Beiwerk überwiegt.\nDie Musik zeigt einen musicalisch tüchtig gebildeten, ge-\nwandten und in der Instrumentation geschickten Corapo-\nnisten, der weniger beansprucht, durch bedeutende und\npoesiereicbe Erfindung, geistvolle Factur, dramatische Cha-\nrakteristik und Tiefe zu wirken, als durch populäre, frische\nMelodik, belebte Rhythmik, einfache und wohlklingend\ngestaltete Behandlung. Am entschiedensten tritt sein Ta-\nlent dafür in den Chören hervor, überhaupt in den lyri-\nschen Stellen. Die Solosätze bilden grösstentheils eine\nSchwäche der Oper, sie sind ohne individuelle und drama-\ntische Charakteristik, ergeben in ihrer zerfliessenden\nArioso-Haltung keine geschlossene, sicher geführte Form\nund sind ungenügend in Wahrheit und höchster Steigerung\nder Empfindung und des Effectes. In überraschender\nWeise aber auch in Bezug hierauf, und in seiner Gesammt-\nfassung hebt sich der zweite Act. Das Eingangsgebet des\nDerwisches mit dem Chor der Türken ist originel und von\nschöner Tonwirkung. Auch die folgenden Chorsätze sind\nkräftig und lebendig. Timur's Arie ist allerdings nicht ge-\nlungen, aber um so mehr das grosse Duett zwischen\nWanda und Timur; es hat eigentümliche, reizende, me-\nlodische Motive, auch Wanda's eingeschalteter Sologesang,\nund Wärme der Empfindung, Steigerung des Ausdrucks,\nder Situation und musicalisch interessante Ausführung\nfesseln uns. Dieser Act ist auch frei von bekannten, in den\nanderen beiden Acten im Allgemeinen und im Besonderen\nhervortretenden Anklängen. Die nationalen Tonweisen, die\nder Componist bisweilen anschlägt, machen sich nicht ori-\nginel und pikant genug geltend, um solche Eindrücke er-\ninnerungsvoller Phrasen und Formen zu verwischen.\n„Der dritte Act ist nur geeignet, uns noch ausschliess-\nlicher in unserer aufrichtigen Anerkennung für den zwei-\nten Act zu erwärmen; die Wiederkehr des bestürmenden\nLiebes-Duetts zwischen Timur und Wanda in gleicher\nSituation kann nicht mehr wirken, und die sonst noch dra-\nmatisch nutzbaren Momente sind, wie im Text, so auch in\nder Musik flüchtig übergangen. Hinsichtlich der speciellen\nAuffassung in der Declamation des Textes ist zu beden-\nken, dass hier die Uebersetzung aus dem ungarischen\nOriginal vorliegt und zu keinen kritischen Bemerkungen\nberechtigt.\n„Die Oper wurde recht günstig aufgenommen, und\ndas kurz und einfach gehaltene, populäre, melodiös an-\nsprechende und dem allgemeinen Verständniss leicht zu-\ngängliche Werk sei der Theilnahme des Publicums um so\nmehr empfohlen, da es vortrefflich einstudirt und inscenirt\nist und die Gesammt-Production eine äusserst treffliche\nwar. Namentlich zeichnete sich in der Titelrolle Frau\nJauner-Krall aus. Vorzüglich war die Ausführung der\nCapelle und der Chöre.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-07-07-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-07-07_01#c006", "volume": "bmtnabi_1866-07-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "215", "page_fin": "216", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660707-01.2.6", "titre_corps": "Aus Zofingen.", "titre_sommaire": "Aus Zofingen.", "signature_source": "B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "215", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660707-01.1.7", "debut_caractere": 4029, "fin_caractere_exclue": 5223, "texte": "Aus Zofingen.\n\nDen 26. Juni 1866.\nDem löblichen Brauehe zufolge, welcher bei den hiesigen Mu-\nsik-Gesellschaften herrscht, wird je alle zwei Jahre ein Oratorium\naufgeführt. „Die Schöpfung\", „Das Weltgericht\", „Paulus\", „Elias\",\n„Saul\" von Hiller und „Abraham\" von Mangold kamen so im Laufe\nder Jahre zur Aufführung. Für dieses Jahr wurde „Das verlo-\nrene Paradies\" von Friedrich Schneider gewählt (aufgeführt\nden 17. Juni), und wahrlich, die Wahl war wiederum eine glück-\nliche. Bekanntlich ist Schneider einer der grössten Contrapunktisten,\nund seine Meisterschaft zeigt der Componist vorzüglich in diesem\nWerke. Ergreifend, hinreissend wirkt die Macht der Chöre und des\nOrchesters, besonders wenn an passenden Stellen Orgelbegleitung\nhinzutritt. Wie schade, dass solch ein Werk so selten vorgeführt\nwird: in Deutschland erst vier bis fünf Mal.\nDie Einleitung, Quartett „der vier Erzengel\", ist wunderschön\nund stimmt den Zuhörer für alles Folgende empfänglicher; so fol-\ngen sich Chöre und Soli in lieblichem Wechsel, und bestätigen die\nhohe Meinung, welche anerkannte Musiker von diesem Oratorium\nSchneidens haben, welches er selbst, der Componist, als sein Mei-\nsterwerk erklärt haben soll,"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "216", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660707-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 868, "texte": "Da nur eine Relation über diese Aufführung der Zweck dieser\nZeilen ist, so sei noch in Kürze Folgendes gestattet. Mit trefflicher\nKunstfertigkeit und herzgewinnender Anmuth sang Fräulein Rosa\nSuter die Partie der Eva (Sopran-Solo). Herr Schnyder von Roth-\nhausen trug die Partie des Adam (Bass-Solo) ebenfalls sehr gut vor.\nHerr Egglinger von Basel bestätigte als Rafael auch dieses Mal\nseine Meisterschaft als Tenorsänger. Herr Rud. Suter (Michael,\nBass), Fräulein Cunig. Ringier (Uriel, Alt), Frau Schotzmann,\nFräulein Senn und Bär, in die Partie des Gabriel getheilt, trugen\nbefriedigend das Ihrige zum Gelingen des Ganzen bei.\nMöge der löbliche Eifer unserer Vereine niemals erkalten und\nimmer die Tüchtigkeit unseres geehrten Directors, Herrn Eugen\nPetzold unterstützen, dann werden den Freunden echter, ernster\nKunst noch mehr Genüsse der Art gewährt werden.\n\nB."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-07-07-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-07-07_01#c007", "volume": "bmtnabi_1866-07-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "216", "page_fin": "216", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660707-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "216", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660707-01.1.8", "debut_caractere": 870, "fin_caractere_exclue": 4975, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nWiesbaden« Die Gebrüder Müller haben sich nach ihrer\nletzten Kunstreise durch die Rheinlande und Frankreich, wo sie\nnamentlich auch in Paris Lorbern geärntet, hier niedergelassen.\nUnserem rheinischen Landsmanne, dem Organisten und Pia-\nnisten Meumann, auch durch mehrere gediegene Compositionen\nfür das Pianoforte (bei Breitkopf und Härtel in Leipzig vor Kurzem\nerschienen) rühmlich bekannt, der sich in Oporto niedergelassen\nund dort ein grosses Lager von Pianoforte's eingerichtet hat, ist\nvom Könige von Portugal der Christus-Orden verliehen worden.\n** JEmSj 2. Juli. Jacques Offenbach ist wieder bei uns\nangekommen, und nächstens werden wir seine neueste Oper: „La\npermission de dix heures\", die er für Ems geschrieben, hören. Seine\nallerliebste Musik zu der Chatte vuetamorphosee en femme, die vor\neinigen Tagen ausnehmend gefiel, macht uns doppelt gespannt auf\ndie Neuigkeit. Unser kleines, aber sehr nettes Cursaal-Theater zieht\ndie Curgäste aus der vornehmen Welt, welche sich bereits zahlrei-\ncher, als man dachte, eingefunden haben, durch seine heiteren Pro-\nduetionen sehr an. Mademoiselle Albrecht ist, wie irn vorigen\nJahre, der Liebling des Publicums.\nMan schreibt aus Dresden vom 23. Juni: „Bei der gestern\nStatt gehabten Don-Juan-Aufführung, in welcher Frau Blume-\nSanter vom berliner Hoftheater die Donna Anna unter Beifall\nsang, bestand das Publicum grösstentheils aus preussischen Officie-\nren, die es sowohl der debutirenden Sängerin, als auch den übrigen\nbeschäftigten Mitgliedern gegenüber an freundlichen und auch reich-\nlich verdienten Beifallsspenden nicht fehlen liessen. In Folge der\npolitischen Ereignisse bleibt das königliche Hoftheater vom 24. Juni\nab bis auf Weiteres geschlossen. Auch das zweite Theater hat aus\ndemselben Grunde seine Vorstellungen einstweilen eingestellt.\nNach italiänischen Blättern sind in den letzten dreiundzwanzig\nJahren auf sämmtlichen Bühnen in Italien 889 Opern und Ballets\ngegeben worden. Auch das Erscheinen neuer Opern nimmt nicht\nab, wenngleich fast die meisten nur ein ephemeres Leben fristen,\nund es schon für einen grossen Erfolg gilt, wenn eine neue Oper\neinen Theil der Stagione an irgend einem Orte, wo ihr der Local-\nPatriotismus für den Componisten zu Statten kommt, sich auf den\nBrettern hält. Solche, welche die Stagione überleben oder gar in\nder nächstjährigen wieder zum Vorschein kommen, existiren, mit\nAusnahme einiger von Mercadante, schon lange nicht mehr.\nBrüssel« Zu Boisfort ist Adelaide Robert, Gattin des\nberühmten Seniors der belgischen Musiker, Fetis, gestorben. Sie\nwar zu Paris 1792 geboren. Als Schriftstellerin hat sie W. C. Staf-\nford's „Geschichte der Musik\" aus dem Englischen ins Französische\nübersetzt.\nIjoweil, 26. Juni. In Folge des im vorigen Jahre ausge-\nschriebenen grossen, internationalen Concurses sind 76 Messen hier\neingesandt worden. Die Preisrichter, die sich in den Tagen des 18.,\n19. und 20. Juli hier zur Entscheidung versammeln, werden zu\nthun haben. Zwei Preise werden gegeben: der erste von 1000 Frcs.\nund einer goldenen, der zweite von 5- bis 700 Frcs. und einer ver-\ngoldeten Medaille. Unter den Preisrichtern befinden sich Berlioz,\nGevaert, Gounod, F. Hiller und Andere. Bei der nächsten\nGeneral-Versammlung des internationalen Congresses werden die\ngekrönten Compositionen aufgeführt.\nParis« Am 27. Juni hat das Corps legislatif den neuen Ge-\nsetzentwurf über die Rechte der Erben von Autoren, Componisten\noder Küstlern angenommen. Hiernach steht den Erben der Genuss\ndes Autoren-Antheils auf fünfzig Jahre nach dem Tode des\nAutors zu. Alle bisherigen Bestimmungen sind aufgehoben.\nFlotow's Oper „Zilda\" ist am 30. Juni zum letzten Male\nin Paris vor der Abreise der Mad. Cabel nach London gegeben\nworden und hat bis dahin stets volle Häuser gemacht.\nAm Theater der Opera comique werden studirt „Jose-Maria\"\nvon Jules Cohen, welche noch im Juli in Scene gehen wird.\nAlsdann kommt die Oper „Mignon\" (nach Goethe's „Wilhelm Mei-\nster\") von Ambroise Thomas an die Reihe.\nEin neues Oratorium: „Ulysses\", von Gounod wird in Lon-\ndon zur ersten Aufführung kommen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "209", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660707-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie Preis-Aufgaben des Rheinischen Sängervereins. Die Musik in Hamburg während der Concertzeit 1865—1866 (Fort-\nSetzung, statt Schluss).6 Astorga. Romantische Oper in drei Acten von Ernst Musik von J. J. Abert. Aus Dresden (Oper\n„Wandau von Franz Doppler). Aus Zofingen (Aufführung des Oratoriums „Das verlorene Paradies\" von F. Schneider). Tages-\nund Unterhaitungsblatt (Wiesbaden, Gebrüder Müller Herr Meumann Ems, Jacques Offenbach Dresden, Theater u. s. w.)\n\nDie Preis-Aufgaben des Rheinischen Sängervereins.\nDer Rheinische Sängerverein hat unter anderen löb-\nlichen Aufgaben sich auch jene gestellt, die bisher etwas\nmagere Literatur grösserer und ernsterer Compositionen\nfür den Männerchor zu bereichern. Seit mehreren Jahren\nschreibt er zu diesem Zwecke alljährlich eine Concurrenz\nauf sehr liberalen Gründsätzen aus. Dem Componisten ist\nfür die gegebene Aufgabe ein weites Feld gelassen: sein\nWerk bleibt sein Eigenthum, und der von dem Vereine\nausgesetzte Preis ist nach unseren deutschen Verhältnissen\nnicht gering zu nennen. Es ist schon die gute Absicht an-\nzuerkennen, den Tonsetzern überhaupt etwas zukommen\nlassen zu wollen—eine Intention, die eben so ehrenwerth\nals selten —, aber wichtiger ist es jedenfalls, den sechszig\nbis achtzig Tausend deutschen, in einer Art von Einigkeit\nlebenden Sängern kräftige musicalische Speise zu bieten\nsie bedürfen derselben.\nBei dem ersten oder vielmehr den ersten von Aachen\nausgeschriebenen Preisen wollte das Glück den Vereinen\nwohl. Es fanden sich zwei vortreffliche Arbeiten, die\n„Velleda\" von Brambach und „Heinrich der Finkler\"\nvon Wüllner, die denn auch bei der Aufführung zu\nausgezeichneter Wirkung gelangten. Aber schon die vor-\njährige Preis-Ausschreibung und eben so die diesjährige\nblieben ohne befriedigendes Resultat. Nicht als ob keine\nArbeiten eingesandt worden wären—die Preisrichter wis-\nsen davon zu erzählen —, aber keine der eingegangenen\nCompositionen wurde eines Preises für würdig erachtet.\nSollte man hieraus schliessen wollen, dass allzu strenges\nGericht gehalten worden, so muss darauf erwidert werden,\ndass es sich nicht bloss darum handelte, ein Werk zu fin-\nden, welches eine geringere oder grössere Dosis Talent\nzeigte: die Composition musste derartig beschaffen sein,\ndass man bei der Aufführung auf eine wenigstens er-\nfreuliche Wirkung zählen konnte. Eine Verantwortlich-\nkeit in dieser Beziehung scheinen nun die Herren Preis-\nrichter nach Durchsicht der eingegangenen Compositionen\nnicht haben auf sich nehmen zu wollen.\nDie bisherigen Ergebnisse stellen die oft besprochene\nFrage über die Zweckmässigkeit der Preis-Aufgaben in\nder Kunst, namentlich in der Tonkunst, von Neuem in\nden Vordergrund. Man muss jedoch zweierlei Arten der-\nselben aus einander halten. Die eine bezweckt die Auffin-\ndung und Unterstützung junger Talente, die andere die\nHervorbringung tüchtiger Werke. Besprechen wir beide\nDie erstere Art, von den Regierungen Frankreich,\nund Belgiens in grossartigem Maassstabe geübt, in Deutsch-\nland durch die Mozart-Stiftung in Frankfurt, neuerdings\ndurch die Meyerbeer-Stiftung vertreten, hat trotz Allem,\nwas dagegen vorgebracht worden, oft sehr erfreulich ge-\nwirkt. Man wendet ein, dass gar manche der so genann-\nten Grands prix in Paris später doch nicht gehalten, was\nsie versprachen, und dass die wahrhaft talentvollen, zum\nTheil berühmt gewordenen, wie Herold, Berlioz,\nGounod, Thomas und Andere, auch ohne jenen Preis ihre\nCarri&re gemacht haben würden. Dass nicht alle Blüthen\nzu Früchten reifen, ist ein ewiges Naturgesetz dass\naber diejenigen, welchen mehr Sonne und Regen zu\nTheil, nicht hierdurch zu saftigeren Früchten geworden,\nmöchte schwer zu beweisen sein. Und sind einige sorgen-\nlose Jugendjahre dem wahren Talente nicht, was milde\nFrühlingssonne der keimenden Blüthe? Eben so bat die\nbescheidene frankfurter Mozart-Stiftung schon mehr als\neinem begabten Jünglinge in doppelter Weise genützt,\nindem sie demselben die ernste Fortsetzung seiner Studien\nerleichterte und ihm zu gleicher Zeit die Theilnahme des\nmusicalischen Publicums schon früh in einem gewissen\nMaasse zuwendete. Es mag Anderen überlassen bleiben,\ndie Kehrseiten derartiger Preisverleihungen näher zu be-\nleuchten sie fallen im Verhältnisse zu ihren guten Wir-\nkungen sicherlich nicht schwer ins Gewicht."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "210", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660707-01.1.2", "texte": "Um desto geringer aber erscheinen die Resultate der-\njenigen Preis-Ausschreibungen, bei welchen es sich darum\nhandelte, die Entstehung von Kunstwerken bestimmter\nForm oder Gattung zu fördern. Zahlreich sind die Ver-\nsuche, die in dieser Weise gemacht worden, aber es ist\nvielleicht kein einziges Werk von grosser Bedeutung, ge-\nwiss keines von anerkanntem Rufe zu nennen, welches\neinem jener Wettstreite seine Existenz verdankte, und die\nmeisten der den stolzen Namen Preis-Quartett, Preis-So-\nnate u. dgl. tragenden Stücke gehen über eine anerken-\nnenswerthe Factur nicht hinaus. Es ist dies auch ganz na-\ntürlich. Eine Summe Geldes, mag man sie auch noch so\ngern gewinnen, die relative Anerkennung von zwei oder\ndrei Preisrichtern, mag man sie auch noch so sehr schätzen\nbegeisternd können diese Elemente nicht wirken. Und\nwenn auch die zur Einsendung gewährte Frist hinreichend\nausgedehnt ist, sie muss eben doch eingehalten wer-\nden und kann unter Umständen zu einer Eile führen,\nwelche die Arbeit fördert, ohne ihr förderlich zu sein.\nDas Schlimmste ist aber, dass diejenigen Componisten, von\nwelchen brauchbare Werke zu erwarten sein würden, sich\nin den meisten Fällen von diesen Preis-Aufgaben fern\nhalten.\nEs soll durchaus nicht geläugnet werden, dass es stets\njüngere Künstler gibt, die, halb oder ganz unbekannt,\nmehr geniale Begabung haben als manche derjenigen,\nwelchen sich die Theilnahme des Publicums und der Ver-\nleger schon zugewendet. Aber einen Vorzug wird man\nin allen Fällen den letzteren zugestehen müssen, denjeni-\ngen längerer Erfahrung und mithin grösserer Sicherheit;\nsie haben solche Vorzüge ja auch theuer erkauft! Kann\nman es denselben nun verdenken, wenn sie sich den Zu-\nfälligkeiten solcher Concurse nicht aussetzen, wenn sie\nnicht grössere Werke schaffen wollen, die möglicher\nWeise zurückgelegt werden, oder den unangenehmen Ein-\ndruck von sich fern Iralten wollen, im einzelnen Falle so-\ngar von Mitstrebenden ausgestochen zu werden, welchen\nsie im Allgemeinen überlegen sind? Man wird einwenden,\ndiesem Ungemach sei dem Publicum gegenüber tagtäglich\nder GrÖsste ausgesetzt. Gewiss. Aber das Publicum ist\neine Naturgewalt: man muss es nehmen, wie man das\nWetter nimmt. Ein Anderes ist das Urtheil einiger weni-\nger, wenn auch noch so gewissenhafter Männer; Einsei-\ntigkeiten sind dabei doch immer sehr möglich, und es liegt\nauf der Hand, dass ein Künstler von Ruf da, wo im\nGrunde nicht sehr viel für ihn zu erreichen, nicht leicht\neine bedeutende Arbeit unternehmen wird, wenn sich die\nMöglichkeit oder Wahrscheinlichkeit gegen das Gelingen\nstellt. Denn von allen sich auch mehr oder weniger Gleich-\nstehenden kann doch nur Einem das Glück günstig sein.\nEs sind aber nicht einmal hauptsächlich die genann-\nten, etwas egoistischen Gründe, welche Tonsetzer von Ruf\nabhalten, um den besprochenen Preis zu ringen: bei den\nMeisten ist das Gefühl vorherrschend, es sei nicht in der\nOrdnung, Künstlern, die ihre Laufbahn beginnen, diese\nGelegenheiten, sich bekannt zu machen, zu entziehen oder\ndoch wenigstens zu erschweren. Das ist auch ganz schön\nund gut. Aber in den seltensten Fällen werden junge Ton-\nsetzer mit anderen als solchen Werken ihren Ruhm grün-\nden, welche sie in freiwilliger Notwendigkeit aus ihrem\ntiefsten Innern geschaffen. Ein tüchtiges Kunstwerk auf\nBestellung zu schreiben, ist die Sache des erfahrenen Mei-\nsters und auch lange nicht eines jeden!\nSo scheint denn nach diesen Vorgängen und Darle-\ngungen der Rheinische Sängerverein auf den Erfolg seiner\nPreis-Ausschreibungen keine grossen Hoffnungen setzen\nzu dürfen. Es wäre aber Jammerschade, wenn er desshalb\nseine schönen Bestrebungen aufgäbe. Denn die dramati-\nsche Cantate für Männerchor, weibliche Solostimmen und\nOrchester ist eine Kunstform, welche, wenn sie nicht allzu\nbreite Dimensionen annimmt, die Mittel bietet nicht allein\nzu einem wirkungsvollen, sondern auch zu einem in sieb\nwahren und in jeder Beziehung echten Kunstwerke. Sie\nhat dabei den Vorzug, von unseren grössten Meistern\nnicht bearbeitet worden zu sein und hiedureb lohnender\nzu werden für die Epigonen, wie eine hohe und höchste\nKritik die lebenden Tonsetzer bei jeder Gelegenheit (wohl\nzur Aufmunterung?) zu bezeichnen pflegt. Unter diesen\nEpigonen findet sich eine Anzahl höchst ausgezeichneter\nComponisten, die ganz und gar das Zeug haben, um\nWerke wie die gewünschten in gediegener und wirkungs-\nvoller Weise zu verfassen. Der Verein wende sich an die-\nselben. Der Eine oder der Andere wird sich leicht für die\nAufgabe erwärmen, welche, an sich schön und künstle-\nrisch, anziehender wird durch die sichere Aussicht, ein\nneues Werk in seiner ersten Frische vortrefflich auffüh-\nren zu hören und besser dafür belohnt zu werden, als\ndies unter den gewöhnlichen Verhältnissen möglich. Man\nbespreche mit dem Componisten die Wahl des Stoffes,\nverschaffe ihm, wo es Noth thut, die Hülfe eines gewand-\nten Poeten, lohne und ehre auch diesen, und es müsste\nsonderbar zugehen, wenn nicht gar manche hübsche, gute\nund sogar treffliche Werke diesem Verfahren ihre Ent-\nstehung verdanken sollten. Macben es doch die Franzosen\nmit ihren Opern-Componisten in ähnlicher Weise, und\nkeine lyrische Bühne kann sich mit der Opera Comique\nqiessen in Beziehung auf die enorme Anzahl seit mehr als\neinem Jahrhundert entstardener reizender und geistreicher\nlyrischer Dramen. Denn wie viel auch mit Recht gegen\ndie Gelegenheits-Production im engeren Sinne_"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "211", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660707-01.1.3", "texte": "einzuwenden sein mag, dem begabten Componisten loh-\nnende Aufgaben zu stellen, welche unmittelbar ins Leben\ntreten sollen, ist, sofern nur die Aufgaben echt künstle-\nrischer Natur, die einzige Art und Weise, ihn wirklich\nzu fördern. Machen kann man ihn natürlich nicht.\nFür dieses Jahr ist leider an eine grössere Vereini-\ngung zu lyrischen Zwecken nicht zu denken. „Der Sän-\nger muss zum blut'gen Kampf hinaus!\" Hoffen wir, dass\ndas künftige uns wieder im Frieden finden und der Rhein\nden Künsten des Friedens die altgewohnte, echt und rein\ndeutsche Stätte wieder zu gewähren im Stande sein werde.\nEine edle, kräftige, neue Arbeit der besprochenen Gat-\ntung wird dann gewiss das dankbarste Publicum finden,\nmag der Tonsetzer dem alten oder dem neuen Bunde\nangehören.\n\nDie Musik in Hamburg während der Concertzeit\n1865-1866.\n(Fortsetzung, statt Schluss. S. Nr. 26.)\nUeber einige der oben verzeichneten Orchesterwerke\nbemerken wir, dass im fünften Concerte die Ausführung\nder canonischen Suite von Otto Grimm Anerken-\nnung fand. Das interessant und geschickt geschriebene\nWerk, das in seinen Formen sich mehr der heutigen Sin-\nfonie, als der alten Suite anschliesst, erregte indess nur in den\nSätzen Theilnahme, welche der modernen Weise in ihrem\nAusdrucke sich näherten. Und in dieser Hindeutung liegt\nzugleich die Charakterisirung des Inhalts, der ein doppel-\ntes Gesiebt zeigt, das eine angethan mit den ernsten Zü-\ngen des strengen, alten Schulmeisters, das andere ge-\nschmückt mit dem sinnigen, melancholischen Ausdrucke\nder allerneuesten Romantik. Ein einheitlicher, ruhespen-\ndender Genuss geht dadurch verloren, und bei aller An-\nerkennung der gewandten Durchführung sehnt man sich\ndoch noch am Ende nach ästhetischer Befriedigung. Uebri-\ngens ist die Structur eine ziemlich einfache; sie überschrei-\ntet nicht die Aufgabe des Canons der Octave, und ein\nausserordentliches Lob verdienen nur die untergelegten,\nschön geführten Bässe. Wie schon gesagt, war die Theil-\nnahme bei dem zuhörenden Publicum keine hohe, obwohl\ndie äussere Klangwirkung eine günstige zu nennen ist und\ndie Ausführung Anerkennung beanspruchen darf.\nMendelssohn's „Meeresstille und glückliche Fahrt\"\neröffnete in einer vollendet ausgearbeiteten und in allen\nEinzelheiten gelungenen Aufführung das letzte diesjährige\nConcert deä philharmonischen Vereins, und Beet-\nhoven's fünfte Sinfonie—also die am meisten bekannte in\nC-moll schloss den Abend des 13. April, an welchem\nsich im Wörmer'scben Saale bereits eine so drückende\nHitze entwickelte, dass nicht bloss die Stimmung der In-\nstrumente, sondern auch das Gefühl der Zuhörer gegen\ndiese Schwüle schwer anzukämpfen hatte. Da Herr Julius\nStockhausen mit keiner Gesanges-Aufgabe betheiligt war,\nso konnte er die Orchesternummern selbst dirigiren, was\nnamentlich auch einer sehr glänzenden Erscheinung der\nSchubert'schen Ciavier- Phantasie zu Statten kam, wozu\nFranz Liszt die Instrumental-Begleitung gesetzt hat.\nBei der sehr kräftigen Mitwirkung, zu welcher damit\ndas Orchester von der Phantasie berufen wird, hat Liszt\nseine eigene Bravour so ausschliesslich zum Maassstabe für\ndie einzunehmenden Verhältnisse vor Augen gehabt, als\nwolle er den Piano-Vortrag des Stückes für sich selbst mit\nBeschlag belegen oder ihn höchstens noch seinen begab-\ntesten Zöglingen zu einem durchschlagenden Erfolge vor-\nbehalten. Und siehe da, in Herrn Karl Taus ig haben\nwir einen Pianisten kennen gelernt, der die Schubert'sche\nPhantasie mit einer Meisterschaft spielt, welche Liszt's Lei-\nstung darin eher in Schatten stellen, als hinter derselben\nzurückbleiben möchte. Denn fast scheint es, als ob Herr\nTausig die seltenen Eigenschaften seines Lehrers mit einer\nnoch durchgebildeteren Technik und vor Allem mit einer\nbesonneneren Herrschaft über die geistige und körperliche\nBewegung vereinigte, ohne darum den hohen Schwung,\ndie bisher unnachahmlich erscheinende Stärke, so wie die\nberauschende Fülle des Liszt'schen Ausdruckes vermissen\nzu lassen. Das Auditorium des philharmonischen Concertes\nliess sich von der ihm neuen Bekanntschaft als Herr\nTausig vor sieben Jahren hier auftrat, war er mehr noch\nKnabe als Jüngling—im Sturm gewinnen. Eine Chopin'-\nsche Polonaise schien der Pianist darauf mit vier oder sechs\nHänden, anstatt nur mit zweien zu spielen, so ergiebig an\nTonmasse war unter seiner Behandlung der schöne Flügel\nvon Karl Becbstein und zugleich so klar die Gestalt sowohl\nder verwickeltsten wie der leise hingehauchten Figuren.\nIm dritten Abschnitte war Rubinstein's Barcarole Nr. 4\ndurch die Klangmalerei ausgezeichnet, zu welcher sich das\nnicht eben gedankenvolle Wasserwerk in Tausig's Vortrag\nerhob, und einem eigenen wiener Walzer, womit er enden\nwollte, fügte der Virtuose auf unerschöpflichen Hervorruf\neine ungarische Rhapsodie hinzu.\nDa wir hiermit auf die Concert-Vorträge berühmter\nKünstler gekommen sind, so haben wir über die Leistun-\ngen von Fräulein Tietjens, denen natürlich Beifallssturm\nund Hervorruf folgte, nur zu bemerken, dass der Concert-\nsaal für die ganze Entfaltung ihrer Stimme nicht gross\ngenug und die Temperatur zu heiss war. Der eigentliche\nTriumph der Künstlerin war ihr Gesang im Judas Macca-\nbäus und im Messias in der Micbaeliskirche.\n\npj"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "212", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660707-01.1.4", "texte": "Ueber das Ciavierspiel der Frau Clara Schumann,\ndas Violinspiel Joachim's und den Gesang Stockhau-\nse n's ist den Lesern etwas Anderes nicht zu sagen, als\ndass sie in allen ihren Vorträgen nicht nur auf der Höhe\nihres Rufes standen, sondern auch jeder seine besondere\ngeniale Individualität glänzend bekundete. Befremdlich war\nes jedoch bei einem Musiker wie Stockhausen, dass er den\nvon Beethoven für Tenor geschriebenen und zweifelsohne\nnur für die Tenorstimme poetisch-richtig gedachten Lie-\nderkranz: „An die entfernte Geliebte\", im fünften Con-\ncerte gewählt hatte, den er natürlich nicht anders als\ntransponirt wiedergeben konnte. Gewiss war diese Wie-\ndergabe vortrefflich, allein ob man gerade bei dieser Com-\nposition ungestraft von der ursprünglichen Tonart und\ndem Timbre der Tonhöbe abweichen könne, möchte zu\nbezweifeln sein.\nNeben dem festbegründeten Ruhme dieser Koryphäen\nist es noch mehr Pflicht, eines jüngeren Talentes zu ge-\ndenken, dessen Streben sich den Besten mit Erfolg zu-\ngesellt.\nHerr Wilhelmi (aus Wiesbaden), der sich in den\nletzten Jahren einen guten Namen als Violin-Virtuose ge-\nschaffen, hatte im fünften Concerte Paganini's\nConcert zum Haupt-Vortrage gewählt, welches nach tech-\nnischer Seite hin dem Künstler die erwünschtesten Gele-\ngenheiten bietet, seine Bravour glänzen zu lassen. Und\ndies geschah denn auch in so überraschender und bewun-\ndernswürdiger Weise, dass es wohl gestattet ist, darüber\nmit freudigster Anerkennung zu berichten. Herr Wilhelmi,\nnoch jung an Jahren, steht noch im ersten Beginn seiner\nLaufbahn, doch darf man gern prophezeien, dass, wenn\nseine Virtuosität in gleichmässiger Progression sich fort-\nentwickelt, er dereinst in dem Ruhme des ersten Virtuosen\nseines Instrumentes in unserer Zeit glänzen wird. Die\ntechnisch grössten und schwierigsten Aufgaben überwindet\ner in spielendster Weise, und in der Führung des Bogens\nund der Handhabung der Applicatur dürften sich für ihn\nnur wenige Rivalen finden. Die höchste Summe seiner Lei-\nstungsfähigkeit gab er in der von seinem Lehrer David in\nLeipzig geschriebenen Cadenz des Concertes. Die später von\nihm vorgetragenen Stücke: Reverie von Vieuxtemps und\nAdagio aus einer Suite von Bach bezeugten die Empfin-\ndungsfähigkeit des Künstlers, und besonders riss der Vor-\ntrag des Adagio zu lebhaftem Entzücken hin und forderte\nzu lauter Bitte um Wiederholung auf. Ueberhaupt muss\nnoch berichtet werden, dass das Publicum den Künstler\nlebhaft empfing und ohne Unterbrechung mit dankendem\nApplause überhäufte.\n(Schluss folgt.)\n\nAstorga.\nRomantische Oper in drei Acten von Ernst Pasqué.\nMusik von J. J. Abert.\nEs ist eine oft ausgesprochene Klage, dass die deutsche\nOper seit einer Reihe von Jahren kein Product mehr auf-\nzuweisen hat, welches zu einer allgemeineren Verbreitung,\nzu einer in weiteren Kreisen anerkannten Geltung gelangt\nwäre, und doch ist die Zahl der Opern, die alljährlich in\nunserem Gesammt-Vaterlande das Licht der Welt er-\nblicken, eine nicht unbedeutende; leider bringen es aber\ndie meisten derselben über einen in ihrem\nGeburtsorte nicht hinaus und werden, nachdem sie mit\nHülfe guter Freunde mit mehr oder minder Geräusch vor\ndem Lichte der Lampen erschienen, in aller Stille wieder\nin die Gruft der betreffenden Theater-Archive zur ewigen\nRuhe beigesetzt. Wir hegen die Ueberzeugung, dass nicht\nimmer absoluter Unwerth der Hauptgrund dieses trauri-\ngen Schicksals so vieler Erstgeburten mancher talentbe-\ngabten Opern-Componisten ist. Häufig ist die Wahl des\nLibretto eine unglückliche, und die vielleicht von wirk-\nlichem Berufe zeugende Schöpfung des Componisten wird\nvon der Ungeniessbarkeit des Sujets zu Grunde gerichtet.\nEin anderer Fehler, der sich an vielen neuen Opernwer-\nken bemerklich macht und den Effect einer an und für\nsich recht gelungenen Arbeit bedeutend abschwächt, ist\nder Mangel an Bühnenkenntniss, an der richtigen Verkei-\nlung von Licht und Schatten, indem der Neuling in diesem\nFache entweder mit ängstlicher Schüchternheit an den\nAnforderungen eines falschverstandenen Classicismus sich\nfestklammert und dadurch die lebhaftere Wirkung auf\ndas grössere, nicht musicalisch gebildete Publicum ver-\nfehlt, oder entgegengesetzt die reichen Mittel, welche die\ngrössere Freiheit der modernen Schule und die unendlich\nvervollkommnete Instrumentationskunst ihm darbieten, in\neinem Maasse anwendet oder vielmehr missbraucht, dass\nwieder jeder Musiker, so wie jeder mit einigem Geschmack\nbegabte Laie sich von solcher Ueberschwänglichkeit unbe-\nfriedigt abwendet. Auch manche wirkliche Perle, die zum\nGemeingut der deutschen Kunstwelt zu werden verdiente,\nmag unter der bedeutenden Anzahl neuer deutscher Opern\nsich befinden, die aber durch die Bescheidenheit und den\nMangel an Praktik des Componisten oder durch andere\nungünstige Verhältnisse der allgemeineren Verbreitung\nentzogen und der ewigen Vergessenheit geweiht wurde.\nWir freuen uns desshalb um so mehr, von einer neuen\nErscheinung im Opernfache berichten zu können, welche\nunter so günstigen Auspicien in die Welt getreten ist und\nin so hohem Grade den gerechten Ansprüchen des Publi-\ncums wie der Kritik entspricht (was in gewissem Grade"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "213", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660707-01.1.5", "texte": "auch ohne das Prädicat unbedingter Vollkommenheit mög-\nlich ist), dass wir derselben das günstigste Prognostikon\nin Betreff ihrer weiteren Verbreitung auf den deutschen\nBühnen stellen zu dürfen glauben, vorausgesetzt, dass letz-\ntere ihre Aufgabe, einheimische Talente nach Kräften zu\nunterstützen, auch erkennen und zu erfüllen bereit sind.\nWir sprechen nämlich von der Oper „Astorga\" von\nErnst Pasque, componirt von J. J. Abert, welche am\nSonntag den 20. Mai in Stuttgart zum ersten Male zur\nAufführung kam. Abert, ein Schüler des prager Conser-\nvatoriums und Mitglied der k. Hofcapelle in Stuttgart, ist\nkein Neuling mehr im Opernfache. Er hat schon früher\nzwei Opern geschrieben, nämlich „Anna von Landskron\"\nund „König Enzio\", welche beide ausser Stuttgart auch\nin Mannheim und Karlsruhe gegeben wurden. Die zuletzt\ngenannte Oper hat sich an diesen Bühnen auch auf dem\nRepertoire erhalten und hat namentlich in Karlsruhe schon\nmehr als zwanzig Vorstellungen erlebt. In seinem neuesten\nWerke hat Abert ohne Zweifel einen bedeutenden Fort-\nschritt beurkundet, und er bewegt sich bereits mit einer\nSicherheit und Umsicht auf diesem Felde, die von seiner\nferneren Thätigkeit auf demselben nur das Allerbeste er-\nwarten lassen.\nWas zuvörderst das Sujet betrifft, so hat Herr Pasqu£\nden für den Componisten äusserst dankbaren Stoff in recht\ngewandter Weise verarbeitet, und lassen wir zur Einfüh-\nrung des Lesers in denselben die dem Textbuche vorge-\ndruckten Notizen hier folgen. Es heisst dort: „Emanuel\nAstorga, der berühmte Componist des Stabat mater,\nwurde im letzten Viertel des siebenzehnten Jahrhunderts\nin Sicilien geboren. Sein Vater, einer der vornehmsten\nAdeligen, lehnte sich gegen die spanischen Unterdrücker\nder Insel auf. Er erlag und wurde zum Tode verurtheilt.\nSeine Gattin und sein Sohn mussten der Hinrichtung bei-\nwohnen, also wollte es das Urtheil. Die Mutter tödtete der\nfurchtbare Anblick: sie starb am Fusse des Hochgerichtes,\nwährend der Sohn einem Zustande dumpfer Verzweiflung\nanheimfiel, der an Wahnsinn gränzte. Die Prinzessin Ur-\nsini, die allmächtige Oberhofmeisterin der Königin von\nSpanien, gerührt von dem Schicksale des jungen Mannes,\nliess ihn nach einem Kloster in der Stadt Astorga im spa-\nnischen Königreiche Leon bringen. Dort erlangte Emanuel\nseine Gesundheit wieder und bildete sich zum Sänger und\nTonsetzer aus. Als er dann aufs Neue in die Welt trat,\nnannte er sich und für immer nach diesem Kloster Astorga.\nNun finden wir ihn am Hofe des Herzogs von Parma und\nalldort in einem Verhältnisse, ähnlich dem Tasso's zu\nLeonore von Este. Dieses veranlasste jedoch seine Entfer-\nnung von Parma, und nun zog Astorga nach Wien an\nden Hof des kunstliebenden Kaisers Leopold I. Von dort\nbesuchte er alle Höfe Europa's, als Sänger und Compo-\nnist glänzend und Bewunderung ärntend, bis er endlich in\nBöhmen, in Prag, den Augen der Welt entschwand.\nAlso erzählt Fr. Rochlitz (Für Freunde der Tonkunst,\n1825, Bd. II) des Meisters Leben, ohne die Quellen an-\nzugeben, aus denen er geschöpft. Gerber und Haw-\nkins (Neues Lexikon der Tonkünstler, 1812, Bd. I, und\nHistory of Musik, 1776, Bd. V) wissen nichts von die-\nsen romantischen Schicksalen Astorga's, während diesel-\nben nach Rochlitz allgemein so dargestellt wurden und\nnoch in neuerer Zeit durch Riehl's vortreffliche Charak-\nteristik des Meisters und seines Hauptwerkes, des Stabat\nmater (Musicalische Charakterköpfe, 1853), eine bedeu-\ntende Ergänzung und Bereicherung erhalten haben.\nDie Geschichte selbst schweigt über die früheren Verhält-\nnisse Astorga's; nur folgende Data fand ich: Die grosse\nHistoire de Sicile von Burigny erzählt, dass in den er-\nsten Jahren des vorigen Jahrhunderts unter dem Vicekönig\nMarquis (Herzog) Carlos Philipp Spinola von Los Barbazes\nein Aufstand in Sicilien Statt gefunden, nach dessen Be-\nwältigung Balbazes einen der Haupträdelsführer, den\nPrinzen de Paligonie, habe hinrichten lassen. Diese\nhistorische Thatsache, verbunden mit den von Rochlitz\nerzählten Lebensumständen des Meisters, liegen in freier,\nselbständiger Benutzung der nachfolgenden Opernhandlung\nzu Grunde*\"\nSo weit der Dichter des Libretto, und wir müssen ihm\nzugestehen, dass er, im Ganzen genommen, seinen Stoff\nmit vieler Gewandtheit und Bühnenkenntniss bebandelt\nund dem Componisten entsprechende Situationen und Ge-\nlegenheit zum Ausdruck der verschiedensten Affecte gebo-\nten habe, wenn auch vielleicht eine grössere Gedrungen-\nheit an einzelnen Stellen wie im Ganzen wünschenswertb\ngewesen wäre.\nDer Dichter hat auch dem Componisten in so fern\nseine Aufgabe erleichtert, als er die erforderliche Steige-\nrung in den Verlauf der Handlung zu bringen wusste, so\ndass von einer Abnahme des Interesses für den Zuhörer,\nworan so viele Opern leiden, ja, selbst untergehen, hier\nkeine Spur zu finden ist, sondern im Gegentheil die allge-\nmeine Theilnahme bis ans Ende des Stückes ungeschwächt\nfortdauert. Abert hat es aber auch verstanden, die Vor-\ntbeile, welche sein Libretto ihm bot, in vollstem Maasse\nzu benutzen, und so entstand denn ein Ganzes, welches\nden Anforderungen der Kunst und eines geläuterten Ge-\nschmackes nach jeder Richtung hin fast überall entspricht.\nAbert's Musik zeichnet sich durch poesiereiche, origi-\nnelle Erfindung, durch feine, geschmackvolle Auffassung\ndes Textes, Gefühlstiefe und Noblesse aus. In letzterer Be-\nziehung lassen nur ein paar Nummern etwas mehr Tiefe"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "214", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660707-01.1.6", "texte": "und Gefühlswärme wünschen, so namentlich das Lied des\nAstorga in der ersten Scene: „Wenn, Herrliche, du in\nstiller Nacht\" (nach Tasso), welches uns, wenn auch sehr\nlieblich und melodiös, doch dem Texte und der Situation\ngemäss etwas zu leicht, zu gewöhnlich erscheint und durch\neine Ueberarbeitung in ernsterem Stile bedeutend gewin-\nnen und den Eindruck der ganzen Scene sicherlich noch\nerhöhen würde. Im Uebrigen ist diese ganze erste Scene\nvortrefflich gearbeitet und nimmt schon von vorn herein\nden Hörer zu Gunsten des Componisten ein. Die einzelnen\nNummern dieser und der zweiten Scene, insbesondere die\nbeiden Ensemblesätze am Schlüsse der letzteren, riefen\nlebhaften Applaus hervor. Ein wahrhaft reizendes Stück\nist die darauf folgende Arie der Angioletta, welche sich in\ndem rhythmisch und melodisch ausnehmend lieblichen\nSchlusssatze: „Ja, freudig will ich ihm dienen\"\n2/4-Tact), gipfelt und mit stürmischem Beifalle aufgenom-\nmen wurde. Das Ballet in der fünften Scene gab dem Com-\nponisten Gelegenheit, eine Fülle lieblicher Melodieen und\nreizender Instrumentation zu entwickeln und sein entschie-\ndenes Talent auch für dieses Genre zu beurkunden. Von\nvortrefflicher Wirkung ist das darauf folgende Hochzeits-\nlied der Angioletta: „Wie bist du gross, o Liebe\", wel-\nches mit einfach melodischer Weise die tiefsten Gefühls-\nsaiten sympathisch berührt und äusserst geschickt mit der\nAnsprache des Herzogs und den freudigen Kundgebungen\ndes Chors verwebt ist, um dann auf einmal mit dem wil-\nden Aufschrei Astorga's, der in dem vorgeführten Bräu-\ntigam der von ihm geliebten Prinzessin den Mörder seines\nVaters erkannt hat, plötzlich abzubrechen, worauf nach\nkurzer Zwischenrede Astorga's dessen tief ergreifende Er-\nzählung seiner Schicksale folgt. Letztere ist eine der schön-\nsten und wirksamsten Nummern der ganzen Oper, welche\nmit ihrem hochdramatischen Schwünge dem Darsteller\ndes Astorga Gelegenheit gibt, sein Licht als Sänger wie\nals Schauspieler leuchten zu lassen. Das Quintett mit Chor,\nwelches das Finale des ersten Actes bildet, kann in Bezug\nauf geschickte Factur, effectvolle Behandlung und schöne\nSteigerung dem Schönsten an die Seite gestellt werden,\nwas die neuere Opern-Literatur in diesem Genre aufzu-\nweisen hat.\nDie hervorragenden Nummern des zweiten Actes sind:\ndie Scene des Astorga am Anfange desselben, wo er sein\nStabat matercomponirt, das Lied der Angioletta: „Wenn\nhart das Leben mich bedroht\", die Arie der Prinzessin\nEleonore und insbesondere aber die Improvisation der\nAngioletta: „Vom Himmel Verstössen, zog der Schmerz\nzur Erde\", welche besonders in ihrem ersten Theile von\nüberraschender Originalität in Gesang und Begleitung und\ndabei von einer so schönen Wahrheit des Ausdrucks durch-\ndrungen ist, dass der Schluss derselben, der in einem ziem-\nlich gewöhnlichen Coloraturenspiel verläuft, den ersten\nEindruck mehr beeinträchtigt, als erhöht. Ausserordent-\nlich wirksam sind die beiden Ensemblesätze im Finale die-\nses Actes: „0 Vater, mein Vater\", und: „Ich schätze ihn\nin seinem Leide\", so wie die schöne Cantilene der Angio-\nletta: „Leb' wohl, du Aermster nun, ich scheide!\" Die\nWirkung steigert sich noch in dem Schlüsse der Scene,\nim Abschiede der Angioletta von Astorga. Auch die En-\nsembles für Männerstimmen sind recht melodiös und\ndankbar, dürften aber doch, wenn möglich, etwas gekürzt\nwerden.\nIm dritten Acte fällt uns zuerst ein, wenn auch nicht\nbedeutendes, doch recht ansprechendes Duett zwischen\nAngioletta und Eleonore auf, sodann die viel inhaltsvollere,\nvon einer wunderschönen Begleitung der Violoncelle und\nBässe getragene Scene Astorga's: „Da nah'st du mir wie-\nder, du bleiches Angesicht\", ferner das Duett zwischen\nAstorga und Eleonore, und endlich das höchst effectvolle\nFinale mit dem Schluss-Chor: „Er ist gerettet, Dank dem\nHerrn!\"\nNachdem wir nun in Kürze die einzelnen Vorzüge des\nWerkes hervorgehoben haben, bleibt uns nur noch übrig,\nüber die Aufführung desselben zu referiren. Vor Allem\ngebührt die Krone des Abends Herrn Sontheim, der die\nTitelrolle, eine der bedeutendsten und anstrengendsten\nTenor-Partieen, die wir kennen, mit einer bewunderns-\nwerthen Kraft und Ausdauer, mit tiefem Verständnisse\nund mit hinreissendem Feuer sang und spielte, und an\ndem Erfolge der ganzen Aufführung unstreitig einen be-\ndeutenden Antheil in Anspruch nehmen darf. Nächst ihm\nzeichneten sich Frau Leisinger als Eleonore und Fräu-\nlein Klettner als Angioletta aus, welche letztere nament-\nlich ihre an und für sich dankbare Rolle mit einer so lie-\nbenswürdigen Natürlichkeit auffasste und wiedergab, dass\nman sich in Bezug auf Gesang, Darstellung und persön-\nliche Erscheinung kaum eine bessere Repräsentantin der\nAngioletta wünschen könnte. Auch Herr Schütky leistete\nVortrefFliebes als Barbazes, so wie auch die Herren Wal-\nlenreiter als Herzog und Robiceck als Graf Lauristan\nihren Platz würdig ausfüllten. Die ganze Aufführung ging\nunter des Componisten persönlicher Leitung vortrefflich\nvon Statten, und wenn auch die Intendanz mit der Aus-\nstattung der Oper sich sicherlich nicht ruinirt hat, so\nwusste doch der Regisseur Herr Dr. Hall wachs die\ndisponiblen Mittel mit feinem Geschmacke zu einem recht\nschönen Ganzen zu gestalten. Die Aufnahme der Oper von\nSeite des Publicums war eine wahrhaft enthusiastische.\nBeständige Beifallssalven, vielfache Hervorrufe der Dar-\nsteller und des Componisten und Blumen und Kränze in"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "215", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660707-01.1.7", "texte": "Hülle und Fülle mochten sämmtliche Betheiligte überzeu-\ngen, dass ihre Leistungen die verdiente Anerkennung im\nvollsten Maasse gefunden hatten.\nMögen nun die übrigen deutschen Bühnen nicht zö-\ngern, Abert's schönes Werk auch ihrerseits dem Publicum\nvorzuführen und damit einem entschiedenen Talente in\ndiesem Fache für die Zukunft die Wege zu ebnen.\nNoch sei erwähnt, dass der König von Würtemberg, wel-\ncher der Vorstellung der Oper vom Anfange bis zum\nEnde mit sichtbarem Interesse beigewohnt hatte, den Com-\nponisten, der bekanntlich Mitglied der Stuttgarter Hof-\ncapelle ist, am Morgen nach der Aufführung zu sich rufen\nliess und ihm persönlich seine Ernennung zum königlichen\nMusik-Director mittbeilte.\n(E. F. Südd. M.-Ztg.)\n\nAus Dresden.\nAm 6. Juni fand hier die erste Aufführung der drei-\nactigen romantischen Oper „Wanda\" von 0. P recht-\nler, Musik von Franz Doppler, unter der Leitung des\nHerrn Hof-Capellmeisters J. Rietz Statt. C. Banck\nschreibt darüber im „Dresdener Journal\": „Die Aufnahme\ndes Werkes hat schon so sehr durch die Ungunst der Zeit\nzu leiden, dass es nicht rathsam scheint, durch Erzählung\ndes Sujets noch die Theilnahme an der Handlung zu\nschmälern. Diese ist sehr einfach und hinsichtlich des dra-\nmatischen Interesses etwas zu plan und karg behandelt,\nso dass das lyrische ausschmückende Beiwerk überwiegt.\nDie Musik zeigt einen musicalisch tüchtig gebildeten, ge-\nwandten und in der Instrumentation geschickten Corapo-\nnisten, der weniger beansprucht, durch bedeutende und\npoesiereicbe Erfindung, geistvolle Factur, dramatische Cha-\nrakteristik und Tiefe zu wirken, als durch populäre, frische\nMelodik, belebte Rhythmik, einfache und wohlklingend\ngestaltete Behandlung. Am entschiedensten tritt sein Ta-\nlent dafür in den Chören hervor, überhaupt in den lyri-\nschen Stellen. Die Solosätze bilden grösstentheils eine\nSchwäche der Oper, sie sind ohne individuelle und drama-\ntische Charakteristik, ergeben in ihrer zerfliessenden\nArioso-Haltung keine geschlossene, sicher geführte Form\nund sind ungenügend in Wahrheit und höchster Steigerung\nder Empfindung und des Effectes. In überraschender\nWeise aber auch in Bezug hierauf, und in seiner Gesammt-\nfassung hebt sich der zweite Act. Das Eingangsgebet des\nDerwisches mit dem Chor der Türken ist originel und von\nschöner Tonwirkung. Auch die folgenden Chorsätze sind\nkräftig und lebendig. Timur's Arie ist allerdings nicht ge-\nlungen, aber um so mehr das grosse Duett zwischen\nWanda und Timur; es hat eigentümliche, reizende, me-\nlodische Motive, auch Wanda's eingeschalteter Sologesang,\nund Wärme der Empfindung, Steigerung des Ausdrucks,\nder Situation und musicalisch interessante Ausführung\nfesseln uns. Dieser Act ist auch frei von bekannten, in den\nanderen beiden Acten im Allgemeinen und im Besonderen\nhervortretenden Anklängen. Die nationalen Tonweisen, die\nder Componist bisweilen anschlägt, machen sich nicht ori-\nginel und pikant genug geltend, um solche Eindrücke er-\ninnerungsvoller Phrasen und Formen zu verwischen.\n„Der dritte Act ist nur geeignet, uns noch ausschliess-\nlicher in unserer aufrichtigen Anerkennung für den zwei-\nten Act zu erwärmen; die Wiederkehr des bestürmenden\nLiebes-Duetts zwischen Timur und Wanda in gleicher\nSituation kann nicht mehr wirken, und die sonst noch dra-\nmatisch nutzbaren Momente sind, wie im Text, so auch in\nder Musik flüchtig übergangen. Hinsichtlich der speciellen\nAuffassung in der Declamation des Textes ist zu beden-\nken, dass hier die Uebersetzung aus dem ungarischen\nOriginal vorliegt und zu keinen kritischen Bemerkungen\nberechtigt.\n„Die Oper wurde recht günstig aufgenommen, und\ndas kurz und einfach gehaltene, populäre, melodiös an-\nsprechende und dem allgemeinen Verständniss leicht zu-\ngängliche Werk sei der Theilnahme des Publicums um so\nmehr empfohlen, da es vortrefflich einstudirt und inscenirt\nist und die Gesammt-Production eine äusserst treffliche\nwar. Namentlich zeichnete sich in der Titelrolle Frau\nJauner-Krall aus. Vorzüglich war die Ausführung der\nCapelle und der Chöre.\"\n\nAus Zofingen.\n\nDen 26. Juni 1866.\nDem löblichen Brauehe zufolge, welcher bei den hiesigen Mu-\nsik-Gesellschaften herrscht, wird je alle zwei Jahre ein Oratorium\naufgeführt. „Die Schöpfung\", „Das Weltgericht\", „Paulus\", „Elias\",\n„Saul\" von Hiller und „Abraham\" von Mangold kamen so im Laufe\nder Jahre zur Aufführung. Für dieses Jahr wurde „Das verlo-\nrene Paradies\" von Friedrich Schneider gewählt (aufgeführt\nden 17. Juni), und wahrlich, die Wahl war wiederum eine glück-\nliche. Bekanntlich ist Schneider einer der grössten Contrapunktisten,\nund seine Meisterschaft zeigt der Componist vorzüglich in diesem\nWerke. Ergreifend, hinreissend wirkt die Macht der Chöre und des\nOrchesters, besonders wenn an passenden Stellen Orgelbegleitung\nhinzutritt. Wie schade, dass solch ein Werk so selten vorgeführt\nwird: in Deutschland erst vier bis fünf Mal.\nDie Einleitung, Quartett „der vier Erzengel\", ist wunderschön\nund stimmt den Zuhörer für alles Folgende empfänglicher; so fol-\ngen sich Chöre und Soli in lieblichem Wechsel, und bestätigen die\nhohe Meinung, welche anerkannte Musiker von diesem Oratorium\nSchneidens haben, welches er selbst, der Componist, als sein Mei-\nsterwerk erklärt haben soll,"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "216", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660707-01.1.8", "texte": "Da nur eine Relation über diese Aufführung der Zweck dieser\nZeilen ist, so sei noch in Kürze Folgendes gestattet. Mit trefflicher\nKunstfertigkeit und herzgewinnender Anmuth sang Fräulein Rosa\nSuter die Partie der Eva (Sopran-Solo). Herr Schnyder von Roth-\nhausen trug die Partie des Adam (Bass-Solo) ebenfalls sehr gut vor.\nHerr Egglinger von Basel bestätigte als Rafael auch dieses Mal\nseine Meisterschaft als Tenorsänger. Herr Rud. Suter (Michael,\nBass), Fräulein Cunig. Ringier (Uriel, Alt), Frau Schotzmann,\nFräulein Senn und Bär, in die Partie des Gabriel getheilt, trugen\nbefriedigend das Ihrige zum Gelingen des Ganzen bei.\nMöge der löbliche Eifer unserer Vereine niemals erkalten und\nimmer die Tüchtigkeit unseres geehrten Directors, Herrn Eugen\nPetzold unterstützen, dann werden den Freunden echter, ernster\nKunst noch mehr Genüsse der Art gewährt werden.\n\nB.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nWiesbaden« Die Gebrüder Müller haben sich nach ihrer\nletzten Kunstreise durch die Rheinlande und Frankreich, wo sie\nnamentlich auch in Paris Lorbern geärntet, hier niedergelassen.\nUnserem rheinischen Landsmanne, dem Organisten und Pia-\nnisten Meumann, auch durch mehrere gediegene Compositionen\nfür das Pianoforte (bei Breitkopf und Härtel in Leipzig vor Kurzem\nerschienen) rühmlich bekannt, der sich in Oporto niedergelassen\nund dort ein grosses Lager von Pianoforte's eingerichtet hat, ist\nvom Könige von Portugal der Christus-Orden verliehen worden.\n** JEmSj 2. Juli. Jacques Offenbach ist wieder bei uns\nangekommen, und nächstens werden wir seine neueste Oper: „La\npermission de dix heures\", die er für Ems geschrieben, hören. Seine\nallerliebste Musik zu der Chatte vuetamorphosee en femme, die vor\neinigen Tagen ausnehmend gefiel, macht uns doppelt gespannt auf\ndie Neuigkeit. Unser kleines, aber sehr nettes Cursaal-Theater zieht\ndie Curgäste aus der vornehmen Welt, welche sich bereits zahlrei-\ncher, als man dachte, eingefunden haben, durch seine heiteren Pro-\nduetionen sehr an. Mademoiselle Albrecht ist, wie irn vorigen\nJahre, der Liebling des Publicums.\nMan schreibt aus Dresden vom 23. Juni: „Bei der gestern\nStatt gehabten Don-Juan-Aufführung, in welcher Frau Blume-\nSanter vom berliner Hoftheater die Donna Anna unter Beifall\nsang, bestand das Publicum grösstentheils aus preussischen Officie-\nren, die es sowohl der debutirenden Sängerin, als auch den übrigen\nbeschäftigten Mitgliedern gegenüber an freundlichen und auch reich-\nlich verdienten Beifallsspenden nicht fehlen liessen. In Folge der\npolitischen Ereignisse bleibt das königliche Hoftheater vom 24. Juni\nab bis auf Weiteres geschlossen. Auch das zweite Theater hat aus\ndemselben Grunde seine Vorstellungen einstweilen eingestellt.\nNach italiänischen Blättern sind in den letzten dreiundzwanzig\nJahren auf sämmtlichen Bühnen in Italien 889 Opern und Ballets\ngegeben worden. Auch das Erscheinen neuer Opern nimmt nicht\nab, wenngleich fast die meisten nur ein ephemeres Leben fristen,\nund es schon für einen grossen Erfolg gilt, wenn eine neue Oper\neinen Theil der Stagione an irgend einem Orte, wo ihr der Local-\nPatriotismus für den Componisten zu Statten kommt, sich auf den\nBrettern hält. Solche, welche die Stagione überleben oder gar in\nder nächstjährigen wieder zum Vorschein kommen, existiren, mit\nAusnahme einiger von Mercadante, schon lange nicht mehr.\nBrüssel« Zu Boisfort ist Adelaide Robert, Gattin des\nberühmten Seniors der belgischen Musiker, Fetis, gestorben. Sie\nwar zu Paris 1792 geboren. Als Schriftstellerin hat sie W. C. Staf-\nford's „Geschichte der Musik\" aus dem Englischen ins Französische\nübersetzt.\nIjoweil, 26. Juni. In Folge des im vorigen Jahre ausge-\nschriebenen grossen, internationalen Concurses sind 76 Messen hier\neingesandt worden. Die Preisrichter, die sich in den Tagen des 18.,\n19. und 20. Juli hier zur Entscheidung versammeln, werden zu\nthun haben. Zwei Preise werden gegeben: der erste von 1000 Frcs.\nund einer goldenen, der zweite von 5- bis 700 Frcs. und einer ver-\ngoldeten Medaille. Unter den Preisrichtern befinden sich Berlioz,\nGevaert, Gounod, F. Hiller und Andere. Bei der nächsten\nGeneral-Versammlung des internationalen Congresses werden die\ngekrönten Compositionen aufgeführt.\nParis« Am 27. Juni hat das Corps legislatif den neuen Ge-\nsetzentwurf über die Rechte der Erben von Autoren, Componisten\noder Küstlern angenommen. Hiernach steht den Erben der Genuss\ndes Autoren-Antheils auf fünfzig Jahre nach dem Tode des\nAutors zu. Alle bisherigen Bestimmungen sind aufgehoben.\nFlotow's Oper „Zilda\" ist am 30. Juni zum letzten Male\nin Paris vor der Abreise der Mad. Cabel nach London gegeben\nworden und hat bis dahin stets volle Häuser gemacht.\nAm Theater der Opera comique werden studirt „Jose-Maria\"\nvon Jules Cohen, welche noch im Juli in Scene gehen wird.\nAlsdann kommt die Oper „Mignon\" (nach Goethe's „Wilhelm Mei-\nster\") von Ambroise Thomas an die Reihe.\nEin neues Oratorium: „Ulysses\", von Gounod wird in Lon-\ndon zur ersten Aufführung kommen."}]}