{"numero_id": "bm-bmtnabi-1866-08-04-01", "volume": "bmtnabi_1866-08-04_01", "ocr_sha256": "edfbe1cf66129a34298151209e2d2b599e80de66ec7575c0b73224767a8ed98c", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1866/08/04_01/bmtnabi_1866-08-04_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660804-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1866-08-04-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-08-04_01#c001", "volume": "bmtnabi_1866-08-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "241", "page_fin": "241", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660804-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "241", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660804-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 420, "texte": "Inhalt.\nAus London (Die diesjährige Musikzeit Die beiden italiänischen Opern). Die Musik in Florenz. Normales\nOrgelpedal. Tonkünstler-Anekdoten. Aloys Schmitt (Nekrolog)# Tages- und Unterhaitungsblatt (Leipzigj Gastspiel\nvon Herrn Betz Neue Werke von Graf Ludwig von Stainlein Aus dem Haag, Prüfungen in der Musikschule London, Concert\nfür die Verwundeten im deutschen Kriege Barcelona, französische Opern-Gesellschaft)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-08-04-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-08-04_01#c002", "volume": "bmtnabi_1866-08-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "241", "page_fin": "244", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660804-01.2.2", "titre_corps": "Aus London.", "titre_sommaire": "Aus London.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "241", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660804-01.1.1", "debut_caractere": 422, "fin_caractere_exclue": 4049, "texte": "Aus London.\nDass unsere diesjährige Musikzeit wiederum wie ge-\nwöhnlich und fast mehr als gewöhnlich eine mit Opern-\nVorstellungen und Concert-Aufführungen überfüllte ge-\nwesen, werden Sie aus den Zeitungen ersehen haben. Es\nfällt mir nicht ein, Ihre Leser mit einer Aufzählung und\nMusterung derselben in Reihe und Glied zu langweilen,\nzumal da theilweise, z. B. bei den italiänischen Opern-Ge-\nsellschaften, nur selten Ausnahmen von dem gewöhnlichen\nEinerlei vorkommen. Was besonders in Deutschland in-\nteressiren kann, will ich versuchen, zusammen zu stellen.\nDie Anstrengungen, oder richtiger gesagt, die Aus-\ngaben der Directoren der beiden italiänischen Opern im\nCoventgarden-Theater (Herr Gye) und in\nTheatre(Herr Mapleson) waren so kolossal, wie sie nie\ngewesen sind. Jeder von ihnen hat 30 bis 34 Sängerinnen\nund Sänger, meist ersten Hanges, für unerhörte Gehälter\nangestellt. Das Budget von Coventgarden belief sich für\ndie Solisten allein auf 170,000 Frcs. monatlich. Dabei\nfiguriren z. B. Adelina Patti mit 20,000, Lucca mit eben\nso viel, Carlotta Patti mit 12,000, Mario mit 18,000 (!),\nNaudin mit 10,000, Graziani mit 10,000, Faure mit\n8750 Frcs.; die übrigen Gagen stehen zwischen 3000\nund 8000 Frcs. alles monatlich. Das Orchester kostet\njeden Abend 2500, der Dirigent Costa erhält 30,000\nFrcs. für die Saison. Diese Angaben sind authentisch.\nDer Etat des Majesty's-Theaters ist mir nicht so genau\nbekannt; so viel ich weiss, erhält Fräulein Tietjens allein\nzwischen 30- bis 40,000 Frcs. monatlich. Nehmen Sie\nnun dazu die Besoldungen des Ballets und der Solotänzer,\ndes Chors, der Statisten, die Ausgaben für Costumes, De-\ncorationen, Maschinerie, Tageskosten, was alles hier zehn\nMal theurer ist, als in Deutschland und Frankreich, so\nbegreift man nicht, wie die Directionen trotz alledem gute\nGeschäfte machen können. Und doch führt Herr Gye be-\nreits sechszehn Jahre lang die Direction von Coventgar-\nden! Freilich sind die Eintrittspreise enorm: ein Sperrsitz\nkostete für die vierzig Vorstellungen 35, eine Loge für\nvier Personen 100 bis 240 Guineen! Und ein grosser\nVortheil für den Director ist, dass er so vollständig unab-\nhängig ist, wie kein einziger seiner Collegen an den gros-\nsen Residenz-Theatern in Paris und Deutschland. Von\nfreiem Eintritte für irgend Jemanden ausser den Journa-\nlisten ist nicht die Rede; die Königin, alle Prinzen, der\nganze Hof bezahlen ihre Logen, eben so alle Hofbeamten.\nDie vorzüglichsten Mitglieder der beiden diesjährigen\nOpern habe ich schon in meinem früheren Briefe vom 21.\nApril d. J. angeführt*). Von deutschen Sängerinnen waren\nangestellt die Damen Tietjens, Lichtmay, Harriers-Wip-\npern, von Murska, Bettelheim bei Her Majesty's Theatre;\nLucca, Wild ( VildaJ),.Orgeni, von Edelsberg in Covent-\ngarden; von Sängern Dr. Gunz und Rokitansky (Bass)\nbei Mapleson, Schmidt (aus Wien) bei Gye. Die Vorstel-\nlungen begannen in Coventgarden am 3., im anderen\nHause am 7. April.\nAn classischen Opern war das Programm von Maple-\nson bei Weitem reicher, als das von Coventgarden. Das\nletztere hatte nur Mozart's „Figaro\" und „Don Juan\"\naufzuweisen, während Her M Mozart's\n„Figaro\" und „Don Juan\", aber auch zum ersten Male\n„Die Zauberflöte\" und „Die Entführung aus dem Serail\"\n(Alles in italiänischer Uebersetzung), ferner Cherubini's\n„Medea\", Gluck's „Iphigenie aufTauris\", Spontini's „Ve-\nstalin\", Weber's „Freischütz\" und „Oberon\", Beetbo-\nven's „Fidelio\" brachte.\nMapleson hatte von italiänischen Sängerinnen auch\nnoch einmal die Grisi für drei ausserordentliche Vorstel-\nlungen engagirt: sie trat als Lucrezia Borgia auf und er-\n\n*) S. Nr. 17 und 18 dieses Jahrgangs."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "242", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660804-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5400, "texte": "hielt dieses Mal, ganz im Gegensatze zu der sonst bis zur\ngutmüthigsten Schwäche getriebenen Pietät des englischen\nPublicums für ehemalige Berühmtheiten, eine so starke\nLection für gefallene Grössen beim Theater, die es nicht\nlassen können, immer und immer noch um neuer Huldi-\ngungen und goldener Münze willen aufzutreten, dass sie\nselbst nun wohl von dieser Eitelkeit geheilt sein wird und\nalle Künstler in gleicher Lage daran ein Beispiel nehmen\nwerden. Das Publicum empfing sie mit warmem Zurufe.\nAber nach der ersten Arie verliess am Ende des ersten\nActes die Hälfte der Zuschauer das Haus; nach dem zwei-\nten folgte ihnen die andere Hälfte fast ganz bis auf einige,\ndie noch den letzten Act bis zum Schlüsse aushielten.\nDiese stille, aber sehr bedeutsame Demonstration war\neines gebildeten Publicums würdig. Die Sängerin kann\nsich mit ihrer Rente von 100,000 Frcs. trösten und wird\nhoffentlich ihren Durst nach fortwährenden Triumphen\nendlich unterdrücken.\nFräulein Tietjens bestieg als Agathe im „Freischütz\"\nwieder den Thron ihrer Herrschaft an\nTheatre, und ihre Leonore in „Fidelio\", Donna Anna,\nConstanze (in der „Entführung aus dem Serail\"), Rezia\n(im „Oberon\") und Semiramis befestigten ihn durch die\nungetheilte Volksgunst. Eine schöne Aufgabe für sie war\ndie Iphigenie. Die Direction hatte es gewagt, nachdem sie\nim vorigen Jahre Cherubini's „Medea\" auf die Bühne ge-\nbracht, in diesem Jahre endlich einmal dem londoner Pu-\nblicum eine Oper von Gluck zu bieten, und hatte dazu\nmit richtigem Tacte die „Iphigenie auf Tauris\" gewählt.\nMan kann freilich überzeugt sein, dass die eigentlichen\nKenner und Verehrer der Gluck'schen Muse hier in Lon-\ndon noch dünner gesäet sind, als auf dem Continente, und\nso fehlte es denn nicht an stillen und lauten Zweifeln über\ndie Wahl eines Werkes, das so wenig in den Rahmen\nder modernen italiänischen Oper passe. Nach Aeusserun-\ngen dieser Art vor der Aufführung scheinen denn auch\neinige Correspondenzen in pariser Blättern gemodelt zu\nsein, welche mit Achselzucken von dem Erfolge der Auf-\nführungen der Oper reden, der sie vielleicht gar nicht\neinmal beigewohnt haben, was wenigstens der Eine von\nihnen (im Menestrel)offen gesteht. Wir Deutsche aber\nund unsere Nation war zahlreich vertreten müssen\ndem englischen Publicum trotz der oben ausgesprochenen\nüeberzeugung, dass der Tonangeber gewiss nicht allzu\nviele im Theater waren, das Zeugniss geben, dass beide\nMale das Haus voll war, das zweite Mal noch voller, als\nbei der ersten Aufführung, und dass die Zuhörer vom\nAnfange bis zu Ende ersichtlich eine gespannte Theilnahme\nbezeigten und ihr Wohlgefallen am Einzelnen und Ganzen\nwiederholt durch Beifall ausdrückten. Auch die Kritik\nsprach sich dahin aus, dass nach diesem Erfolge ein neues\nWerk für das Repertoire gewonnen sei und einen festen\nHalt bekommen habe, und hoffentlich Veranlassung geben\nwerde, auch noch andere Opern von Gluck in London zu\nhören. Wenn man erwägt, dass das hiesige Theater-Pu-\nblicum zum grossen Theile dasselbe ist, das Händel's und\nMendelssohn's Oratorien mit Aufmerksamkeit und Andacht\nanhört, so kann es so sehr nicht verwundern, dass die\neinfach erhabene und charakteristische Musik Gluck's eine\ngute Aufnahme findet. Aufführung und Ausstattung tru-\ngen übrigens auch das Ihrige zu dem Erfolge bei. Treff-\nliche Repräsentanten der Hauptrollen waren neben\nFräulein Tietjens die Herren Santley (Orest), Gardorn\n(Pylades) und Gassier (Thoas). Alle besitzen das für\nGluck's Musik durchaus erforderliche volle Stimm-Material\nund sind geübte Darsteller. Auch stört der ilaliänische\nText gar nicht, da er sich dem ursprünglich französischen\nGedichte und der Musik besser anschmiegt, als der deut-\nsche. Fräulein Tietjens war in Auffassung der Priesterin\nund Schwester als Darstellerin und im einfach grossen\nStile mit der prachtvoll austönenden Stimme als Sängerin\nganz ausgezeichnet. Die Rolle der Iphigenie war ihrer und\nsie der Rolle würdig. Die Herren Santley und Gardoni\nwaren auch wegen der Enthaltsamkeit von willkürlichem\nVortrage zu loben. Der Applaus war in der zweiten Vor-\nstellung noch wärmer und häufiger, als in der ersten.\nFräulein Louise Lichtmay trat als Leonore im\n„Trovatore\" auf, erhielt nach der ersten Arie die Ermun-\nterungen, welche allhier neuen Erscheinungen gewöhnlich\nzu Theil werden, konnte jedoch im Laufe der Vorstellung\nnicht befriedigen. Ihre mangelhafte Aussprache des Italiä-\nnischen schadete auch ihrem Gesänge, der sich weder\ndurch Stimme noch Schule über das Gewöhnliche erhob.\nAlles Interesse der Vorstellung zog der Tenor Mongini\nauf sich; er wurde indessen der Lichtmay gegenüber arg\nüberschätzt, was er seiner prachtvollen, in voller Frische\nund Kraft glänzenden Stimme zu danken hatte. Leider\nmissbraucht er die trefflichen Mittel meist zu allzu kräfti-\ngem Ausdrucke und fällt dadurch, wenigstens für uns\nDeutsche, in die Kategorie der Verdi-Sänger; aushalten\nkann er es freilich, das ist wahr, auch die grössten Kraft-\näusserungen bleiben Ton.\nVon den übrigen deutschen Sängerinnen hat Fräulein\nvon Murska durch das Brillantfeuer ihrer Coloraturen\ndie Menge enthusiasmirt, Fräulein Orgeni als Traviata\nund Martha eine sehr gute Aufnahme gefunden, obwohl\nihre Stimme die grossen Räume von Coventgarden nicht\nfüllt, Pauline Lucca (hier immer noch als Mademoiselle\nLucca auf dem Programme aufgeführt) in allen ihren Par-\ntieen durch Anmuth der Erscheinung, feines Spiel und"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "243", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660804-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5314, "texte": "reizenden Gesang entzückt, Frau Harriers-Wippern\ngrosse Anerkennung ihrer lieblichen Stimme und ihres\nanmuthigen Wesens (namentlich als Pamfina und Zerline\nim «Don Juan\") gefunden.\nVon den Mozart'schen Opern waren die „Zauberflöte\"\nund die „Entführung aus dem Serail\" hier so gut wie\nneu. Herr Mapleson, dessen Repertoire unstreitig classi-\nscher war, als das seines Nebenbuhlers, brachte in einer\nund derselben Woche Mozart's „Zauberflöte\" und\nWeber's ebenfalls seit fünf Jahren nicht gehörten\n„Oberon\" wieder auf die Bühne und rechtfertigte da-\ndurch das Ansehen seiner Unternehmung als einer wirk-\nlichen Kunst-Anstalt auf entschiedene Weise. Trotz der\nVirtuosität, mit welcher Fräulein von Murska die Königin\nder Nacht (hier: Astrifiammante,die Sternenflammende)\nsang die letzte Arie um einen Ton tiefer transponirt,\naber höchst glänzend ausgeführt —, gebührte doch der\nPreis der Frau Harriers-Wippern als Pamina; eine voll-\nkommenere Darstellung des Charakters dieser Rolle in\njedem Tacte der himmlischen Musik lässt sich kaum den-\nken. Zu bedauern war es, dass von den „drei Damen\"\nnur die Trebelli vorzüglich, die beiden anderen ihrer Auf-\ngabe nicht gewachsen waren. Dagegen wurden die „drei\nKnaben\" vortrefflich von drei jungen Mädchen gesungen,\nbei denen zwei Deutsche: Fräulein Bauermeister und Fräu-\nlein Zandrina (Künstlername der hübschen Nichte der\nTietjens, ursprünglich Kruls geheissen), waren. Gardoni's\nTamino war mitunter zu modern-italiänisch; die Arie\n„Dies Bildniss\" sang er gut, aber wenn überhaupt der\nVortrag Mozart'scher Musik als Gottesurtheil gelten sollte,\nso würde nach der Wasser- und Feuerprobe Sarastro\nihn schwerlich in den Weisheitstempel zugelassen haben.\nDen Sarastro gab in der ersten Vorstellung der Italiäner\nFoli, in der zweiten der Deutsche Rokitansky, Letzterer\nmit mehr sonorer Tiefe der Stimme. Alle übrigen Rollen,\nnamentlich der Papageno Santley's, der Sprecher, der\nMohr, waren gut besetzt, und die Leitung des Ganzen\nmachte dem Capellmeister Arditi Ehre.\nAuch die Vorstellung des „Oberon\" war im Ganzen\ngut, da Mongini für W'eber's „Hüon\" die gehörige Kraft\nund Fülle der Stimme hat, Fräulein Tietjens als Rezia\nunübertreff lich war die grosse Scene wurde durch neue\nDecoration und Sturmmaschinerie gehoben und Frau\nTrebelli-Bettini in der Partie der Fatime durch ihren\nschönen Mezzo-Sopran und trefflichen Vortrag der beiden\nLieder gar sehr befriedigte. Die Oper wird hier mit Be-\nnedicta Recitativen gegeben.\nDie „Entführung aus dem Serail\", hier schlechtweg\n„II Seraglio\" genannt, war in London im Jahre 1854\nmit dem deutschen Original-Texte auf dem Drurylane-\nTheater, wo damals eine gemischte deutsch-englische Ge-\nsellschaft spielte, gegeben worden; Karl Formes sang da-\nmals den Osmin, und ich sprach manchen Theaterfreund,\nder sich seiner vortrefflichen Darstellung dieser Rolle er-\ninnerte. Die jetzige Bearbeitung mit Mecitativi parlanti\nrührt, so viel ich weiss, von Arditi her. Die Besetzung in\nder Aufführung (in der ersten Woche des Juli) war fol-\ngende: Constanze—Fräulein Tietjens; Blondchen Fräu-\nlein Sinico (eine recht brave italiänische\nBelmonte Dr. Gunz; Pedrillo—Signor Stagno (ein gu-\nter leichter Tenor); Osmin Rokitansky. Auch der Bassa\nSeiim hat hier einige Tacte zu singen. Die Arien der Con-\nstanze gehören zu den Bravourstücken der Tietjens, Gunz\nsingt den Belmonte ausgezeichnet, und Rokitansky transpo-\nnirte sogar die Arie: „Solche hergelaufne Laffen\"\n(„Questi avventurieri infami\") um einen Ton tiefer (von\nFin E),doch weniger aus AfFectation, um seine\nTiefe zu zeigen, sondern aus richtiger Erkenntniss seiner\nunzureichenden Höhe für die Anforderungen, die dieses\nStück an den Bassisten macht. Mit etwas mehr Humor\nwird übrigens Rokitansky ein Osmin sein, wie man ihn\njetzt wohl nirgends besser findet. Auch in dieser Oper\nwurden demnach die drei Hauptrollen wieder von deut-\nschen Künstlern ausgeführt.\nVon italiänischen Opern in Her Majesty's Tlieaire\nwurde unstreitig der „Semiramis\" von Rossini die beste\nAufführung zu Theil. Fräulein Tietjens als Semiramis und\nFrau Trebelli-Bettini als Arsaces brachten die Rossini'-\nsche Musik so zur Geltung, wie man sie heute selten hört.\nIn Coventgarden ging ein Stern in Maria Wilt (hier\nVilda italiänisirt!) auf; ihre Norma stellte diese neue Er-\nscheinung aus Deutschland sogleich auf eine hohe Stelle,\nzu welcher sie sich durch die Rolle der Lucrezia Borgia\nfast noch mehr legitimirte. Ihr Vorzug besteht in einer\nder schönsten und wohllautendsten Sopranstimmen, die\nman hören kann; diese Stimme hat bei klaren und glän-\nzenden hohen Tönen eine Mittel-Region und Tiefe, welche\nwunderbar ansprechen und jenen Eindruck auf Ohr und\nGemüth machen, den man nicht beschreiben kann. Voll-\nkommen gebildet ist ihr Gesang noch nicht, dafür aber\nauch noch nicht verbildet, und der Ausruf eines meiner\nNachbarn, der, indem er selbst rasend applaudirte, sagte:\n„Wie schön hört man, dass sie noch nicht singen gelernt\nhat!\" lässt sich gewisser Maassen rechtfertigen. So ran-\ngirt sie denn ohne Weiteres plötzlich mit der Lucca, Ade-\nlina Patti unter den Berühmtheiten der diesjährigen Saison\nin Coventgarden. In der Norma war Madame Lemmens-\nSherrington eine vorzügliche Adalgisa neben ihr.\nDer Name Sherrington führt mich auf die Auffüh-\nrung des „Don Juan\" in Coventgarden, in welcher die-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "244", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660804-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3107, "texte": "selbe Dame die Elvira sang, wodurch dieser Partie eine\nBesetzung wurde, wie man sie nicht oft hat; ihr Vortrag\nder Arie: „Mi tracCi quell' al war ein hoher\nKunstgenuss. Den Don Juan gab Faure von Paris mit\nausgezeichneter Baritonstimme, doch etwas zu raffinirtem\nSpiel, wohin man auch im Gesänge den Vortrag der Arie,\nin welcher er in Leporello's Kleide seine Verfolger rechts\nund links hin dirigirt, rechnen kann, da er dabei im\nKlange der Stimme den Leporello-Ciampi copirte ein\nrealistisches Kunststück, das natürlich seinen Effect nicht\nverfehlte, aber von musicalisch-ästhetischer Seite doch\nwohl angefochten werden könnte. Die Donna Anna der\nSignora Fricci reichte nicht an die Anna der Fräulein\nTietjens in Her Majesty's Theatre, während Adelina Patti\nwohl die reizendste und anständigst zierliche Zerlina ist,\ndie es nur geben kann. Desshalb noch besonders muss\nman das possenhafte Benehmen eines sonst so berühmten\nSängers wie Ronconi als Masetto, der während der wun-\nderschönen Arien der Zerline nur darauf ausging, die Ga-\nlerie zum Lachen zu reizen, nicht nur Mozart und die\nSängerin beleidigend, sondern auch im höchsten Grade\nunkünstlerisch und unwürdig finden.\nIm Majestäts-Theater hatte die unübertreffliche Donna\nAnna die Frau Harriers-Wippern als Zerline neben sieb,\nwelche sie trat in dieser Rolle zuerst auf mit dem\nwärmsten Applaus empfangen wurde und in jeder Hinsicht,\nwie ich schon erwähnt habe, allgemeinen Beifall ärntete.\nAuch der Gesang der Elvira (Fräulein Sinico) war correct.\nSantley's Don Juan fehlte es an Lebhaftigkeit und nobler\nTournure, so dass er den Vergleich mit dem pariser Faure\nnicht aushielt. Dagegen war Scalese's Leporello eine sehr\nwackere Leistung, in welcher Vortrag und Spiel ersetzten,\nwas der sonoren Stimme bereits abgegangen ist. Die En-\nsembles waren besser, als in Coventgarden, die Ouvertüre\nund besonders auch das Finale des ersten Actes wurden\nbei Weitem würdiger, correcter und feuriger ausgeführt,\nals man sie sonst bei den Italiänern hört.\nVon der Patti und Lucca ist weiter nichts zu sagen,\nals dass sie in den Rollen ihres hiesigen Repertoires eben\nso wie früher das grosse Publicum wie die Kenner in ho-\nhem Grade befriedigt, auch, wenn Sie nichts gegen den\nAusdruck haben, entzückt haben. Die Lucca hat als\nneue Rollen die Favorite und die Zerline in „FraDiavolo\"\ngegeben; letztere Oper bat Gye in richtiger Speculation\nauf die Nachtscene wieder vorgenommen, denn eine Ge-\nsang-Partie für eine Sängerin wie die Lucca ist diese Zer-\nline doch nicht. Er hat sich nicht getäuscht. Adelina Patti\nwar in Ricci's „Crispine» e laCommare, so wie die ganze\nOper, neu. Dass aber ein Operntbeater wie Coventgarden\neine solche Oper in sein Programm aufnehmen und sie\nobenein als eine glänzende Neuigkeit zum Schlüsse der\nSaison bringen kann, ist kaum durch die reizende Dar-\nstellung der Partie Adelina's zu entschuldigen. Streng ge-\nnommen, sind das Duett zwischen Annetta und Crispino\nund das komische Terzett der drei Doctoren Crispino,\nMirabolano und Fabrizio die einzigen Stücke, in denen\ndie Gebrüder Ricci Musik geliefert haben.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-08-04-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-08-04_01#c003", "volume": "bmtnabi_1866-08-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "244", "page_fin": "246", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660804-01.2.3", "titre_corps": "Die Musik in Florenz.", "titre_sommaire": "Die Musik in Florenz.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "244", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660804-01.1.4", "debut_caractere": 3109, "fin_caractere_exclue": 5175, "texte": "Die Musik in Florenz.\n(Vergl. „Die Musik in Neapel und Eßm\" in Nr. 30.)\nWenn die Musik in Rom in Verfall ist, so lässt sich\ndasselbe von Florenz nicht sagen, denn dort scheint die\nReform-Partei sogar bereits festere Wurzeln geschlagen\nzu haben, als in Neapel.\nFreilich ist die jetzige Zeit, in welcher eine fieber-\nhafte Stimmung die Bevölkerung der neuen Hauptstadt\ndes Königreichs Italien nicht zur Ruhe kommen lässt, dem\nFortschritte einer Renaissance der Tonkunst, die sich doch\nhauptsächlich auf die Theilnahme der höheren Classen der\nGesellschaft stützt, nicht günstig, da eben gerade diese\nvor lauter kriegerischen und politischen Debatten keine\nZeit zu beschaulichem Kunstgenüsse haben. Allein was\nin den letztvergangenen Jahren und auch noch im letzten\nWinter hier geschehen, ist durchaus nicht ohne Wirkung\ngeblieben und hat die Belebung des Geschmacks für In-\nstrumentalmusik im Lande der Oper wenigstens mit Er-\nfolg angebahnt, wenn auch eine geraume Zeit noch ver-\ngehen mag, ehe die Hindernisse, welche der herrschende\nGeschmack an bloss sinnlicher Melodie und ein grosser\nTheil der Musiker und der Musiklehrer selbst dem Siege\nder Reform entgegenstellen*). Die Unwillfährigkeit der\nMusiker von Profession hat auch den Versuch Bavesi's\nund des Musik-Verlegers Guidi, diesen Winter populäre\nConcerteim Theater Pagliano zu geben, scheitern gemacht.\nSo kann die Reform-Partei ihr Wirken nur durch die\nKritik und durch die Kammermusik-Vorträge fortsetzen.\nHinsichtlich der Orchestermusik ist man auf zwei oder\n\n*) Der Verfasser spricht sich hierauf des Weiteren über die\nVerdienste des Prof. Bavesi, des Quartett-Vereins, der Ge-\nsellschaft, welche das musicalische Journal II JBoccherini und eine\nSammlung von Quartetten u. s. w. in Partitur herausgibt, aus,\nworüber unsere Leser durch directe Correspondenzen aus Florenz\nin der Niederrh. Musik-Zeitung schon öfter Kunde erhalten\nhaben. Wir übergehen desshalb die in obigem Artikel des Herrn\nBertrand darüber gegebenen Notizen. Vergl. Jahrg. 1865, Nr. 17,\nNr. 48. Jahrg. 1866, Nr. 2, Nr. 8.\nDie Eedaction."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "245", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660804-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5233, "texte": "drei Concerte im Winter, welche das Conservatorium gibt,\nbeschränkt, und diese haben noch nicht viel zu bedeuten.\nDenn das Conservatorium in Florenz ist noch sehr\njung, es zählt erst vier Jahre seines Daseins. Früher wa-\nren nur einzelne Lehrcurse hauptsächlich für Gesang und\nHarmonielehre vorhanden, welche wunderlicher Weise\nmit der Maler-Akademie Verbunden waren. Jetzt hat die\nMusik eine selbständige Anstalt, worin in dreizehn Classen\nGeschichte und Aesthetik der Musik, Harmonie, Contra-\npunkt und Composition, Accompagnement, Sologesang,\nSolfeggiren und vom Blatt lesen, Orgel, Pianoforte, Vor-\nbereitung zum Pianoforte, Violine und Bratsche, Violon-\ncell, Contrabass, Holz-Blasinstrumente, Blech-Instrumente,\nChorgesang gelehrt werden. Die Anstalt besitzt eine Bi-\nbliothek und eine schöne Sammlung von kostbaren Cre-\nmoneser Geigen, Violen, Violoncellen und Bässen.\nDirector ist Herr Casamorata, tüchtiger Musiker\nund Componist und noch schätzbarer als Kritiker und\nmusicalischer Schriftsteller. Die Kritiker sind es aber bis\njetzt fast noch allein, welche an der Spitze der Reform\nstehen, die sie namentlich durch deutsche und in der\nOper auch durch französische Musik durchsetzen wollen.\nSo ist auch jetzt ein Kritiker der Unternehmer der Scala\nin Mailand, und er lässt die Meisterwerke der Deutschen\nund Franzosen neben den neuen und älteren italiänischen\nOpern aufführen. Von den italiänischen Componisten, be-\nsonders von den Opern-Componisten, ist nichts für die\nEinwirkung auf eine bessere Geschmacksrichtung zu hof-\nfen, sie sind vielmehr erklärte Gegner aller Bestrebungen,\ndie dahin zielen. In der gegenwärtigen Generation werden\nsie sich noch nicht bekehren; es ist gar zu leicht, so eine\nPartitur, wie sie es gewohnt sind, zu schreiben, und der\npatriotische Eifer gegen alles Fremde ist ihnen eine will-\nkommene Gelegenheit zur Verketzerung der strengeren\nKritik und eine treffliche Maske für ihre eigene Bequem-\nlichkeit.\nDazu kommt freilich, dass das Schau- und Lustspiel,\nin welchem die Italiäner von den Fremden fast nur das\nSchlechteste ausbeuten, ihrer Propaganda gegen das\nAusländische leider Vorschub leisten, denn das ernstere\nSchauspiel und die Tragödie halten sich an die schauder-\nhaftesten Melodramen, und das Lustspiel, anstatt die origi-\nnale italiänische Posse zu cultiviren, an die flachste pariser\nVaudeville-Literatur. Eben so werden die neueren pariser\nSitten- oder vielmehr Unsittlichkeits-Gemälde, welche die\nDemi-Monde zum Mittelpunkte der Handlung machen,\nauf den Theatern in Florenz und anderen Städten dem\nPublicum geboten, und auf diese Weise eine Krankheit\ndes Geschmacks, die man le m nennen könnte,\nauch in das Land verschleppt, dessen Empfänglichkeit für\nPoesie man sonst nicht genug preisen konnte. Ein stehen-\ndes Theater für das recitirende Drama gibt es nicht, dann\nund wann spielt die Gesellschaft irgend eines Unterneh-\nmers die Tragödien von Alfieri, Pellico, dall' Ongaro und\nAnderen. Dagegen geben die permanenten melodramati-\nschen Bühnen Stücke, deren Titel schon zeigen, was hier\ndas Publicum anzieht, z. B. „Das furchtbarste Verbrechen\ndes neunzehnten Jahrhunderts oder die abscheuliche Er-\nmordung von Fualdes\" „Locatelli oder das unschuldige\nOpfer der Herrschaft des Clerus\" „Der freisinnige Prie-\nster auf der Tortur der Inquisition oder der Triumph der\nchristlichen Toleranz\" „Rom und Florenz, oder Glaube,\nLiebe, Hoffnung\"!\nGrosse Operntheater hat Florenz zwei, die Pergola\nund das Pagliano.\nDie Pergola erhält, wie San Carlo und die Scala,\neine Unterstützung von der Regierung, die jedoch nur\n100,000 Francs jährlich beträgt. In der letzten Saison\nwar Gounod's „Fausto\"das Cassenstück. —Das Pagliano\nfasst 3000 Zuschauer (?) und ist nach dem Muster des\nSan Carlo in Neapel gebaut; es ist jedenfalls viel grösser,\nals die Pergola. Es gibt Opera und\nund bringt fremde Meisterwerke wohl am meisten von\nallen italiänischen Theatern auf die Bühne. Hier habe ich\neine Aufführung von Mozart's gesehen,\nwelche die pariser Darstellungen der drei Theater über-\ntraf; noch vor zehn Jahren fiel diese Oper in der Pergola\ndurch, jetzt hat sie und nicht gerade mit ganz vorzüg-\nlichen Sängern wahren Enthusiasmus erregt.\nZwei kleinere Bühnen widmen sich vorzüglich nur\nder Opera buffa und geben merkwürdig genug auch\nkomische Opern mit gesprochenem Dialog;\nsicasteht alsdann auf dem Zettel. Ein Pulcinell-Theater\nist natürlich auch da: der berühmteste Pagliasso desselben,\nhier „Stenterello\" genannt, ein gewisser Landini, war je-\ndoch auf Reisen.\nAn der Verbreitung der Musik in geselligen Kreisen\nund an dem Volksgesange erkennt man noch am meisten\nin Florenz die italiänische Natur. Schöne Stimmen über-\nall; der zweistimmige, glockenreine Gesang von jungen,\nfrischen Sopranstimmen im Salon oder im Garten unter\ndem blauen Himmel überrascht oft auf die angenehmste\nWeise. Der beliebteste Lieder-Componist ist jetzt Palloni,\nnamentlich in Florenz sind seine Melodieen en vogw, ne-\nben ihm steht auch Campana in Gunst.\nDer Volksgesang ist in voller Blüthe; man hat Samm-\nlungen von Volksliedern, unter denen recht hübsche sind,\nund nirgends mit zweideutigen oder unsittlichen Texten.\nDie neueren athmen natürlich Krieg und Patriotismus,\nsprechen von nostra Roma und und wer-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "246", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660804-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 624, "texte": "den hauptsächjich nur von Männern gesungen, unter de-\nnen man aber ebenfalls schöne Stimmen findet. Charak-\nteristisch und echt national sind die Lieder der Mädchen\naus dem Volke, die irgend eine bestimmte Arbeit verrich-\nten und damit ihr Brod verdienen; dahin gehören die Lie-\nder der Guitarrenspielerinnen, die die Stelle der Harfen-\nmädchen in Deutschland und Frankreich vertreten, der\nSeidenspinnerinnen, Wäscherinnen, Näherinnen und vor\nAllen der Blumenmädchen.\nAuf die Frage, ob der keimende Umschwung in der\nMusik Italiens Früchte tragen wird, kann man nur mit\ndem gewöhnlichen: „Chi lo sä?\" der Italiäner antworten."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-08-04-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-08-04_01#c004", "volume": "bmtnabi_1866-08-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "246", "page_fin": "246", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660804-01.2.4", "titre_corps": "Normales Orgelpedal.", "titre_sommaire": "Normales Orgelpedal.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "246", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660804-01.1.6", "debut_caractere": 626, "fin_caractere_exclue": 4514, "texte": "Normales Orgelpedal.\nDie Sectio» für Kirchenmusik auf dem Congresse\nzu Mecheln (1864) hat einen Beschluss bezüglich der\nAnnahme einer gleichförmigen Maassregel für die Ver-\nfertigung der Pedal-Claviere an der Orgel gefasst. Dem\nWunsche der Mittheilung des Vorschlags zu allgemeiner\nAnnahme entsprechen wir gern, da er uns sehr praktisch\nzu sein scheint.\nDie Nachtheile der Verschiedenheit der Pedal-Claviere\nsind bekannt. Diese Verschiedenheit ist dem Erlernen in\nden Orgelschulen hinderlich und verhindert oft geschickte\nOrganisten, sich auf einem ihnen fremden Instrumente so-\ngleich zurecht zu finden.\nVor dem Vorschlage dieses Beschlusses hatte die\nSection zahlreiche Erkundigungen eingezogen und aus\nallen Ländern Orgelbauer und Organisten befragt. Meh-\nrere derselben haben den Sitzungen des Congresses bei-\ngewohnt. Den gefassten Beschluss haben sie mit ihrem\nAnsehen unterstützt, und eine grosse Anzahl anderer Or-\nganisten und Kunstverständiger haben schriftlich ihre Bei-\nstimmung gegeben.\nDie angenommenen Bestimmungen und Maass-Ver-\nhältnisse sind folgende:\n1. Anzahl der Noten für gewöhnliche Orgeln = 27,\nfür grosse Orgeln = 30.\n2. Entfernung der natürlichen Noten oder Töne\n(Untertasten) von einer Achse zur anderen = 65 Millimeter.\n(Folglich ist die ganze Länge eines Pedal-Claviers mit 27\nNoten von der Achse der ersten Note bis zur Achse der\n27. Note = Centimeter.)\n3. Länge der Halbton-Erhöhungen = 13 Cen-\ntimeter.\n4. Die Halbton-Erhöhungen bekommen eine\nHöhe von 5 Centimeter und gehen 25 Millimeter über die\nnatürlichen Noten hinaus.\n5. Scheinbare Länge der Claves =■ 60 Centimeter,\nohne die unter dem Orgelgehäuse oder der Einfassung\nverborgenen Enden.\n6. Neigung der Claves gegen die Fussspitze 2 auf 60,\noder ungefähr 4 auf 100.\nDas so verfertigte Pedal-Clavier erhält folgende\nStellung:\n1. Das zweite C des Pedal-Claviers steht mit dem\ndritten cdes Hand-Claviers auf derselben senkrechten\nLinie, was immer für eine Anzahl Noten das Pe-\ndal- oder das Hand-Clavier habe. (Woraus folgt,\ndass die Achse eines Hand-Claviers mit 54 Noten mit der\nAchse eines Pedal-Claviers von 27 Noten zusammentrifft.\nWenn aber eines der Claviere mehr oder weniger Noten\nhat, so folgt daraus eine Unregelmässigkeit, die ohne Nacb-\ntbeil ist und jedenfalls mit einem Brette kann maskirt\nwerden.)\n2. Der Vordertheil der Halbtöne des ersten Hand-\nClaviers kommt auf eine senkrechte Linie mit dem Vor-\ndertheile der Erhöhungen des Pedal-Claviers zu stehen,\nwas auch die Anzahl der Hand-Claviere sei.\n3. Der Abstand zwischen dem Boden, worauf das Pe-\ndal-Clavier ruht, und dem Untertheile des ersten Hand-\nClaviers ist 80 Centimeter, was auch die Anzahl der\nHand-Claviere sei.\nDie Versammlung spricht den Wunsch aus, dass die\nKirchen, deren Orgel kein passendes Pedal-Clavier hat,\nden geringen Aufwand machen, der nothwendig ist, um\nes zu ändern und ihm die oben bezeichneten Dimensionen\nzu geben.\nBemerkungen. Die natürlichen Claves des\nMuster-Pedal-Claviers, das vom Congresse genehmigt wor-\nden ist, hatten 5 Centimeter in der Höhe gleich den Er-\nhöhungen. Die Claves haben Erhöhungen von\nCentimeter. Ihre Breite ist 22 Millimeter. Es wurde em-\npfohlen, den Claves der Pedal-Claviere eine grosse Fe-\nstigkeit zu geben und sie mit starken Zapfen zu befestigen,\num jede schräge oder schwingende Bewegung zu verhin-\ndern. Dessgleichen wird empfohlen, Hand-Claviere mit\n56 Claves zu machen.\nDie Versammlung hat die Stimmgabel von 870\nSchwingungen in einer Secunde angenommen für das\ndes Orchesters bei -+- 15 Grade (centigrades) Wärme. Zur\nBeibehaltung des Tones ist es füglich, die Orgel so\nzu stimmen, dass sie bei + 15 Grade Wärme ihren Nor-\nmalton habe*).\n*) Exemplare dieser Bestimmungen werden unentgeltlich zuge-\nsandt auf Anfrage um solche bei dem Herrn T. J. Devroye zu\nLütt ich, Präsidenten der Section für Kirchenmusik, oder Herrn\nDr. X. van Ellewyk zu Löwen, Secretär derselben."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-08-04-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-08-04_01#c005", "volume": "bmtnabi_1866-08-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "247", "page_fin": "247", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660804-01.2.5", "titre_corps": "Tonkünstler-Anekdoten.", "titre_sommaire": "Tonkünstler-Anekdoten.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "247", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660804-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2484, "texte": "Tonkünstler-Anekdoten.\nIn einer Gesellschaft, wo Onslow zugegen war,\nglaubte die Dame vom Hause den berühmten Componisten\ndadurch zu ehren, dass sie eines seiner Clavier-Trio's\nspielte. Sie war zwar sehr schön und desshalb an Huldi-\ngungen gewöhnt, obwohl als Pianistin dem Vortrage sol-\ncher Musik keineswegs gewachsen. Nach Ende des Trio's\ntrat sie auf Onslow zu, der sich am Kaminfeuer wärmte,\nund sagte: „Mein Gott, ich muss sehr um Entschuldigung\nbitten, Ihr Trio so schlecht gespielt zu haben —\" „Thut\nnichts, thut nichts,\" fiel Onslow ihr ins Wort, „ich kann\nviel vertragen.\"\nBeethoven phantasirte in einem vertrauten Cirkel,\nzu dem jedoch dieses Mal nach und nach mehr Zuhörer\nals sonst, die in den Nebenzimmern gewisser Maassen ver-\nborgen gewesen, in den Saal traten. Er merkte es nicht\nund fuhr in seiner Begeisterung fort, zu spielen. Als er\naufhörte, waren Einige von diesen Herren und Damen so\ntactlos, einen ebenfalls anwesenden Mode-Pianisten zu bit-\nten, auch eine freie Phantasie zum Besten zu geben, und\ndieser war auch wirklich so dreist, sich an den Flügel zu\nsetzen. Nachdem er eine Weile nichts als gedankenloses\nFingerwerk abrollte, rief ihm Beethoven laut zu: „Fangen\nSie doch endlich einmal an!\"\nEin Dilettant brachte die Partitur einer Sinfonie von\nseiner Composition zu Liszt und bat ihn, sie einer Durch-\nsicht zu würdigen. Liszt, bekanntlich fabelhaft stark im\nPartitur- und Vomblattspielen, erbot sich mit der ihm\neigenen Artigkeit, sie ihm vorzuspielen. Der Componist,\nentzückt, stellte sich ihm zur Seite und wollte eben das\nBlatt umwenden, als Liszt, im Weiterspielen fortfahrend,\nihm zurief: „Bemühen Sie Sich nicht, ich weiss schon,\nwas kommt.\"\nCherubini stand vorzüglich in dem Rufe, rücksichts-\nlos und oft mit beissendem Witze Künstlern und Dilettan-\nten die Wahrheit zu \"sagen. Kurz vor Anfang einer Haupt-\nprobe zu einer von seinen Opern liess sich der Inhaber\nder Hauptrolle krank melden. Man bat Prevost, der zu-\ngegen war, aber nichts in der Oper zu thun hatte, die\nPartie von Noten zu singen, damit die Probe vor sich\ngeben könne, und Cherubini willigte ein, war auch mit\nPrevost sehr befreundet. Dieser, ein tüchtiger Musiker,\nthat sein Möglichstes und wurde darüber von allen Anwe-\nsenden becomplimentirt. Nur Cberubini blieb still und\nmachte ein verdriessliches Gesicht. Man bemerkte ihm,\ndass der Sänger doch ein freundliches Wort des Dankes\nverdiene. „Das ist wahr!\" meinte Cherubini, gab ihm die\nHand und sagte: „Ich vergebe es Dir!\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-08-04-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-08-04_01#c006", "volume": "bmtnabi_1866-08-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "247", "page_fin": "248", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660804-01.2.6", "titre_corps": "Aloys Schmitt.", "titre_sommaire": "Aloys Schmitt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "247", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660804-01.1.7", "debut_caractere": 2486, "fin_caractere_exclue": 4658, "texte": "Aloys Schmitt.\n(Nekrolog.)\nAus Frankfurt am Main gebt uns unter dem 26. Juli\ndie betrübende Nachricht zu, dass Dr. Aloys Schmitt\nin seinem achtundsiebenzigsten Lebensjahre nach längeren\nLeiden sanft entschlafen ist. Mit ihm ist einer der tüchtig-\nsten Veteranen unter den Ciavierspielern der älteren gu-\nten Schule und den Musikern von wissenschaftlicher Bildung,\nernster Richtung und edler Gesinnung dahingegangen.\nAloys Schmitt war im Jahre 1789 zu Erlenbach am\nMain geboren. Sein Vater war Musiker und verliess den\nGeburtsort von Aloys bald, indem er einem Rufe als Can-\ntor nach Obernburg folgte. Dort ertheilte er seinem\nSohne, dessen Talent ihm nicht verborgen blieb, Unter-\nricht in der Musik und gab ihm überhaupt eine gute Er-\nziehung. Späterhin wurde Aloys Schüler von Andre in\nOffenbach, in dessen Hause er auch wohnte und der fünf\nJahre lang seine Compositions-Studien leitete. Schon\nvon seinem vierzehnten Jahre an galt er für einen ausge-\nzeichneten Clavierspieler, und nachdem er sich in Frank-\nfurt als Musiklehrer niedergelassen, verbreitete sich sein\nRuf als Virtuose bald weiter und auch seine Compositio-\nnen erregten Aufsehen.\nNach mehreren Jahren seiner dortigen Wirksamkeit\nwählte er seinen Aufenhalt auf längere Zeit in Berlin.\nVon dort wurde er als Hof-Organist nach Hannover be-\nrufen, nahm die Stelle auch an, legte sie aber im Jahre\n1829 wieder nieder und kehrte nach Frankfurt zurück,\nwo er durch ein erworbenes ansehnliches Vermögen un-\nabhängig lebte, der Kunst aber sowohl in seinen Neigun-\ngen als in unausgesetzter Thätigkeit treu blieb.\nVon seinen zahlreichen Compositionen sind erschienen\nOuvertüren und Sinfonieen für Orchester, Violin-Quar-\ntette und Violin-Trio's; für Pianoforte: Concerte, Sonaten\n(zwei- und vierhändige, auch mit Violine), Variationen,\nRondo's und kleinere Stücke, vorzüglich Etüden und me-\nthodische Werke, ein- und mehrstimmige Lieder. Ausser\ndiesen gedruckten Werken kennt man von ihm noch zwei\nOratorien („Moses\" und „Ruth\") und drei bis vier Opern.\nEine seiner letzten Reisen führte ihn auf Einladung\nder hiesigen Concert-Direction nach Köln, wo er im Ge-\nsellschafts-Concerte vom 28. Januar 1851 im Gürzenich"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "248", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660804-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1544, "texte": "sein Concert pathetique mit Orchester und sein Rondo:\n»Erinnerung an Field\", ebenfalls mit Orchester, spielte.\nDas Auftreten des verehrten Mannes erregte sowohl durch\nseinen Ruhm als Künstler, wie durch die Beziehungen Fer-\ndinand Hiller's zu ihm, der in früher Jugend sein Schüler\nwar, eine ganz besondere Theilnahme. Sein Spiel, das die\ngediegene Schule vertrat, welche der Vortrag Mozart'-\nscher, Field'scher, Hummerseber und seiner eigenen Mu-\nsik verlangt, wurde um so mehr bewundert, als Schmitt\ndamals schon zweiundsechszig Jahre zählte. Es that wohl,\neine solche Behandlung des Claviers zu hören, die nicht\nauf orchestrale Effecte ausging, sondern durch ausdrucks-\nvolles Melodieenspiel mit trefflichem Anschlage, perlende,\nhöchst egale Tonleiter-Passagen und durch nicht virtuo-\nsenmässige, sondern poetische Farbe des Vortrags den so\nrichtigen Grundsatz durch die That bewährte, dass die\nvollkommenste Technik immer nur Mittel zu künstleri-\nschem Ausdrucke des geistigen Inhalts der Musik sein\nmüsse, nicht Zweck an und für sich, der da seinen Werth\nim äusseren Glänze sucht und diesen nur allzu oft durch\nAufopferung der wahren Musik erkauft.\nDiesen Grundsatz hat Aloys Schmitt auch beson-\nders in seinen methodischen Werken für die Schule\ndes Clavierspiels festgehalten, die daher wohl vorzugsweise\nseinen Namen auf die Folgezeit fortpflanzen werden, wenn\nauch die meisten von seinen übrigen Compositionen, wie\nso viele andere, unverdient dem Schicksale der Ueberflu-\ntung durch die Mode-Literatur verfallen werden.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-08-04-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-08-04_01#c007", "volume": "bmtnabi_1866-08-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "248", "page_fin": "248", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660804-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "248", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660804-01.1.8", "debut_caractere": 1546, "fin_caractere_exclue": 4782, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nLeipzig* In der ersten Hälfte Juli gastirte am hiesigen\nStadttheater Herr Betz vomlberliner Hoftheater. Herr Betz hatte\n4h\nnach dem aussergewöhnlichen, um nicht zu sagen übertriebenen\nBeifalle, den Fräulein Hedwig Raabe in Leipzig geärntet, offenbar\neinen schweren Stand. Das Publicum hatte eben den grössten Theil\nseiner Theaterfonds und seines Enthusiasmus geopfert; dennoch ge-\nlang es ihm, das Haus an allen Abenden seines Auftretens in einer,\ndie schweren Zeiten betrachtet, fast überraschenden Weise zu füllen.\nHerr Betz gab den Nelusko in der „Africanerin\", den Wolfram im\n„Tannhäuser\", und im »Teil\", so wie im „Hans Heiling\" die Titel-\nrollen. Er macht im Ganzen den Eindruck eines in jeder Beziehung\ntüchtigen, eifrigen und verständnissvollen Künstlers. Seine Stimme,\ndie übrigens von dem Schmelz der Jugend schon Manches einge-\nbüsst, ist in allen Registern gleichmässig ausgebildet, sein Vortrag\nist frei von jeder unangenehmen Effecthascherei, die leider auf un-\nserer deutschen Bühne nicht selten ist; überall tritt der kunstgebil-\ndete, denkende Mensch hervor. Von hinreissender Genialität in Ge-\nsang und Spiel vermochten wir allerdings auch wenig zu entdecken,\ndoch, wie gesagt, ein fehlerfreier, verständiger Vortrag will heutiges\nTages schon viel sagen. Eine eigenthümliche Bescheidenheit legte\nder verdienstvolle Künstler dadurch an den Tag, dass er zu seinen\nGastdarstellungen fast immer Stücke wählte, in denen er eigentlich\nnicht die Hauptrollen hatte. Nur in „Hans Heiling\" schien uns die\nWahl eine richtige zu sein; im Uebrigen hätten wir Herrn Betz vor\nAllem eine Mozart'sche Oper empfehlen mögen. Don Juan und der\nGraf im Figaro scheinen uns seinem Streben viel angemessener, als\nder wilde Sohn Hinterindiens und der etwas spiessbürgerlich zu-\nkünftlerische Minnesänger. (Leipz. A. M.-Z.)\nDer in Brüssel erscheinende „Guide musicalu enthält eine aus-\nführliche Besprechung der beiden Quartette Op. 10 in G-dur, Op.\n11 in C-dur und des Quintetts Op. 16 in D-moll für Streich-Instru-\nmente von Graf Ludwig von Stainlein aus der Feder des Herrn\nAdolph Samuel, welcher diese drei Werke, ohne einzelne Schwä-\nchen derselben zu übersehen, nicht als Dilettantenarbeit, sondern\nals Producte eines auf der Höhe des echt künstlerischen Schaffens\nstehenden und mit schönem Talente und gediegenem Wissen aus-\ngestatteten Künstlers qualificirt und den besseren Leistungen im\nFache der Kammermusik beigezählt wissen will.\nAus dem Haag. Die Prüfungen in der hiesigen Musikschule\nunter der Direction des Herrn W. F. G. Nicolai fanden vom 27.\nbis 29. Juni vor der Commission und einigen Eingeladenen Statt.\nEin öffentliches Concert gab am 30. Juni Gelegenheit, die Fort-\nschritte mehrerer Zöglinge der ersten Classen in der Composition\n(vier Ouvertüren) und auf einzelnen Instrumenten kennen zu lernen.\nDie Kesultate waren sehr befriedigend. Auch das aus Zöglingen der\nAnstalt seit vorigem Jahre gebildete Orchester verdiente Beifall.\nLondon« Professor J. Moscheies, der gegenwärtig hier\nist, hat ein Concert für die Verwundeten im deutschen Kriege an-\ngekündigt, in welchem Frau Goldschmidt-Lind mitwirken wird.\nIn Barcelona macht eine französische Opern-Gesellschaft\nGlück und gute Geschäfte."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "241", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660804-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nAus London (Die diesjährige Musikzeit Die beiden italiänischen Opern). Die Musik in Florenz. Normales\nOrgelpedal. Tonkünstler-Anekdoten. Aloys Schmitt (Nekrolog)# Tages- und Unterhaitungsblatt (Leipzigj Gastspiel\nvon Herrn Betz Neue Werke von Graf Ludwig von Stainlein Aus dem Haag, Prüfungen in der Musikschule London, Concert\nfür die Verwundeten im deutschen Kriege Barcelona, französische Opern-Gesellschaft).\n\nAus London.\nDass unsere diesjährige Musikzeit wiederum wie ge-\nwöhnlich und fast mehr als gewöhnlich eine mit Opern-\nVorstellungen und Concert-Aufführungen überfüllte ge-\nwesen, werden Sie aus den Zeitungen ersehen haben. Es\nfällt mir nicht ein, Ihre Leser mit einer Aufzählung und\nMusterung derselben in Reihe und Glied zu langweilen,\nzumal da theilweise, z. B. bei den italiänischen Opern-Ge-\nsellschaften, nur selten Ausnahmen von dem gewöhnlichen\nEinerlei vorkommen. Was besonders in Deutschland in-\nteressiren kann, will ich versuchen, zusammen zu stellen.\nDie Anstrengungen, oder richtiger gesagt, die Aus-\ngaben der Directoren der beiden italiänischen Opern im\nCoventgarden-Theater (Herr Gye) und in\nTheatre(Herr Mapleson) waren so kolossal, wie sie nie\ngewesen sind. Jeder von ihnen hat 30 bis 34 Sängerinnen\nund Sänger, meist ersten Hanges, für unerhörte Gehälter\nangestellt. Das Budget von Coventgarden belief sich für\ndie Solisten allein auf 170,000 Frcs. monatlich. Dabei\nfiguriren z. B. Adelina Patti mit 20,000, Lucca mit eben\nso viel, Carlotta Patti mit 12,000, Mario mit 18,000 (!),\nNaudin mit 10,000, Graziani mit 10,000, Faure mit\n8750 Frcs.; die übrigen Gagen stehen zwischen 3000\nund 8000 Frcs. alles monatlich. Das Orchester kostet\njeden Abend 2500, der Dirigent Costa erhält 30,000\nFrcs. für die Saison. Diese Angaben sind authentisch.\nDer Etat des Majesty's-Theaters ist mir nicht so genau\nbekannt; so viel ich weiss, erhält Fräulein Tietjens allein\nzwischen 30- bis 40,000 Frcs. monatlich. Nehmen Sie\nnun dazu die Besoldungen des Ballets und der Solotänzer,\ndes Chors, der Statisten, die Ausgaben für Costumes, De-\ncorationen, Maschinerie, Tageskosten, was alles hier zehn\nMal theurer ist, als in Deutschland und Frankreich, so\nbegreift man nicht, wie die Directionen trotz alledem gute\nGeschäfte machen können. Und doch führt Herr Gye be-\nreits sechszehn Jahre lang die Direction von Coventgar-\nden! Freilich sind die Eintrittspreise enorm: ein Sperrsitz\nkostete für die vierzig Vorstellungen 35, eine Loge für\nvier Personen 100 bis 240 Guineen! Und ein grosser\nVortheil für den Director ist, dass er so vollständig unab-\nhängig ist, wie kein einziger seiner Collegen an den gros-\nsen Residenz-Theatern in Paris und Deutschland. Von\nfreiem Eintritte für irgend Jemanden ausser den Journa-\nlisten ist nicht die Rede; die Königin, alle Prinzen, der\nganze Hof bezahlen ihre Logen, eben so alle Hofbeamten.\nDie vorzüglichsten Mitglieder der beiden diesjährigen\nOpern habe ich schon in meinem früheren Briefe vom 21.\nApril d. J. angeführt*). Von deutschen Sängerinnen waren\nangestellt die Damen Tietjens, Lichtmay, Harriers-Wip-\npern, von Murska, Bettelheim bei Her Majesty's Theatre;\nLucca, Wild ( VildaJ),.Orgeni, von Edelsberg in Covent-\ngarden; von Sängern Dr. Gunz und Rokitansky (Bass)\nbei Mapleson, Schmidt (aus Wien) bei Gye. Die Vorstel-\nlungen begannen in Coventgarden am 3., im anderen\nHause am 7. April.\nAn classischen Opern war das Programm von Maple-\nson bei Weitem reicher, als das von Coventgarden. Das\nletztere hatte nur Mozart's „Figaro\" und „Don Juan\"\naufzuweisen, während Her M Mozart's\n„Figaro\" und „Don Juan\", aber auch zum ersten Male\n„Die Zauberflöte\" und „Die Entführung aus dem Serail\"\n(Alles in italiänischer Uebersetzung), ferner Cherubini's\n„Medea\", Gluck's „Iphigenie aufTauris\", Spontini's „Ve-\nstalin\", Weber's „Freischütz\" und „Oberon\", Beetbo-\nven's „Fidelio\" brachte.\nMapleson hatte von italiänischen Sängerinnen auch\nnoch einmal die Grisi für drei ausserordentliche Vorstel-\nlungen engagirt: sie trat als Lucrezia Borgia auf und er-\n\n*) S. Nr. 17 und 18 dieses Jahrgangs."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "242", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660804-01.1.2", "texte": "hielt dieses Mal, ganz im Gegensatze zu der sonst bis zur\ngutmüthigsten Schwäche getriebenen Pietät des englischen\nPublicums für ehemalige Berühmtheiten, eine so starke\nLection für gefallene Grössen beim Theater, die es nicht\nlassen können, immer und immer noch um neuer Huldi-\ngungen und goldener Münze willen aufzutreten, dass sie\nselbst nun wohl von dieser Eitelkeit geheilt sein wird und\nalle Künstler in gleicher Lage daran ein Beispiel nehmen\nwerden. Das Publicum empfing sie mit warmem Zurufe.\nAber nach der ersten Arie verliess am Ende des ersten\nActes die Hälfte der Zuschauer das Haus; nach dem zwei-\nten folgte ihnen die andere Hälfte fast ganz bis auf einige,\ndie noch den letzten Act bis zum Schlüsse aushielten.\nDiese stille, aber sehr bedeutsame Demonstration war\neines gebildeten Publicums würdig. Die Sängerin kann\nsich mit ihrer Rente von 100,000 Frcs. trösten und wird\nhoffentlich ihren Durst nach fortwährenden Triumphen\nendlich unterdrücken.\nFräulein Tietjens bestieg als Agathe im „Freischütz\"\nwieder den Thron ihrer Herrschaft an\nTheatre, und ihre Leonore in „Fidelio\", Donna Anna,\nConstanze (in der „Entführung aus dem Serail\"), Rezia\n(im „Oberon\") und Semiramis befestigten ihn durch die\nungetheilte Volksgunst. Eine schöne Aufgabe für sie war\ndie Iphigenie. Die Direction hatte es gewagt, nachdem sie\nim vorigen Jahre Cherubini's „Medea\" auf die Bühne ge-\nbracht, in diesem Jahre endlich einmal dem londoner Pu-\nblicum eine Oper von Gluck zu bieten, und hatte dazu\nmit richtigem Tacte die „Iphigenie auf Tauris\" gewählt.\nMan kann freilich überzeugt sein, dass die eigentlichen\nKenner und Verehrer der Gluck'schen Muse hier in Lon-\ndon noch dünner gesäet sind, als auf dem Continente, und\nso fehlte es denn nicht an stillen und lauten Zweifeln über\ndie Wahl eines Werkes, das so wenig in den Rahmen\nder modernen italiänischen Oper passe. Nach Aeusserun-\ngen dieser Art vor der Aufführung scheinen denn auch\neinige Correspondenzen in pariser Blättern gemodelt zu\nsein, welche mit Achselzucken von dem Erfolge der Auf-\nführungen der Oper reden, der sie vielleicht gar nicht\neinmal beigewohnt haben, was wenigstens der Eine von\nihnen (im Menestrel)offen gesteht. Wir Deutsche aber\nund unsere Nation war zahlreich vertreten müssen\ndem englischen Publicum trotz der oben ausgesprochenen\nüeberzeugung, dass der Tonangeber gewiss nicht allzu\nviele im Theater waren, das Zeugniss geben, dass beide\nMale das Haus voll war, das zweite Mal noch voller, als\nbei der ersten Aufführung, und dass die Zuhörer vom\nAnfange bis zu Ende ersichtlich eine gespannte Theilnahme\nbezeigten und ihr Wohlgefallen am Einzelnen und Ganzen\nwiederholt durch Beifall ausdrückten. Auch die Kritik\nsprach sich dahin aus, dass nach diesem Erfolge ein neues\nWerk für das Repertoire gewonnen sei und einen festen\nHalt bekommen habe, und hoffentlich Veranlassung geben\nwerde, auch noch andere Opern von Gluck in London zu\nhören. Wenn man erwägt, dass das hiesige Theater-Pu-\nblicum zum grossen Theile dasselbe ist, das Händel's und\nMendelssohn's Oratorien mit Aufmerksamkeit und Andacht\nanhört, so kann es so sehr nicht verwundern, dass die\neinfach erhabene und charakteristische Musik Gluck's eine\ngute Aufnahme findet. Aufführung und Ausstattung tru-\ngen übrigens auch das Ihrige zu dem Erfolge bei. Treff-\nliche Repräsentanten der Hauptrollen waren neben\nFräulein Tietjens die Herren Santley (Orest), Gardorn\n(Pylades) und Gassier (Thoas). Alle besitzen das für\nGluck's Musik durchaus erforderliche volle Stimm-Material\nund sind geübte Darsteller. Auch stört der ilaliänische\nText gar nicht, da er sich dem ursprünglich französischen\nGedichte und der Musik besser anschmiegt, als der deut-\nsche. Fräulein Tietjens war in Auffassung der Priesterin\nund Schwester als Darstellerin und im einfach grossen\nStile mit der prachtvoll austönenden Stimme als Sängerin\nganz ausgezeichnet. Die Rolle der Iphigenie war ihrer und\nsie der Rolle würdig. Die Herren Santley und Gardoni\nwaren auch wegen der Enthaltsamkeit von willkürlichem\nVortrage zu loben. Der Applaus war in der zweiten Vor-\nstellung noch wärmer und häufiger, als in der ersten.\nFräulein Louise Lichtmay trat als Leonore im\n„Trovatore\" auf, erhielt nach der ersten Arie die Ermun-\nterungen, welche allhier neuen Erscheinungen gewöhnlich\nzu Theil werden, konnte jedoch im Laufe der Vorstellung\nnicht befriedigen. Ihre mangelhafte Aussprache des Italiä-\nnischen schadete auch ihrem Gesänge, der sich weder\ndurch Stimme noch Schule über das Gewöhnliche erhob.\nAlles Interesse der Vorstellung zog der Tenor Mongini\nauf sich; er wurde indessen der Lichtmay gegenüber arg\nüberschätzt, was er seiner prachtvollen, in voller Frische\nund Kraft glänzenden Stimme zu danken hatte. Leider\nmissbraucht er die trefflichen Mittel meist zu allzu kräfti-\ngem Ausdrucke und fällt dadurch, wenigstens für uns\nDeutsche, in die Kategorie der Verdi-Sänger; aushalten\nkann er es freilich, das ist wahr, auch die grössten Kraft-\näusserungen bleiben Ton.\nVon den übrigen deutschen Sängerinnen hat Fräulein\nvon Murska durch das Brillantfeuer ihrer Coloraturen\ndie Menge enthusiasmirt, Fräulein Orgeni als Traviata\nund Martha eine sehr gute Aufnahme gefunden, obwohl\nihre Stimme die grossen Räume von Coventgarden nicht\nfüllt, Pauline Lucca (hier immer noch als Mademoiselle\nLucca auf dem Programme aufgeführt) in allen ihren Par-\ntieen durch Anmuth der Erscheinung, feines Spiel und"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "243", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660804-01.1.3", "texte": "reizenden Gesang entzückt, Frau Harriers-Wippern\ngrosse Anerkennung ihrer lieblichen Stimme und ihres\nanmuthigen Wesens (namentlich als Pamfina und Zerline\nim «Don Juan\") gefunden.\nVon den Mozart'schen Opern waren die „Zauberflöte\"\nund die „Entführung aus dem Serail\" hier so gut wie\nneu. Herr Mapleson, dessen Repertoire unstreitig classi-\nscher war, als das seines Nebenbuhlers, brachte in einer\nund derselben Woche Mozart's „Zauberflöte\" und\nWeber's ebenfalls seit fünf Jahren nicht gehörten\n„Oberon\" wieder auf die Bühne und rechtfertigte da-\ndurch das Ansehen seiner Unternehmung als einer wirk-\nlichen Kunst-Anstalt auf entschiedene Weise. Trotz der\nVirtuosität, mit welcher Fräulein von Murska die Königin\nder Nacht (hier: Astrifiammante,die Sternenflammende)\nsang die letzte Arie um einen Ton tiefer transponirt,\naber höchst glänzend ausgeführt —, gebührte doch der\nPreis der Frau Harriers-Wippern als Pamina; eine voll-\nkommenere Darstellung des Charakters dieser Rolle in\njedem Tacte der himmlischen Musik lässt sich kaum den-\nken. Zu bedauern war es, dass von den „drei Damen\"\nnur die Trebelli vorzüglich, die beiden anderen ihrer Auf-\ngabe nicht gewachsen waren. Dagegen wurden die „drei\nKnaben\" vortrefflich von drei jungen Mädchen gesungen,\nbei denen zwei Deutsche: Fräulein Bauermeister und Fräu-\nlein Zandrina (Künstlername der hübschen Nichte der\nTietjens, ursprünglich Kruls geheissen), waren. Gardoni's\nTamino war mitunter zu modern-italiänisch; die Arie\n„Dies Bildniss\" sang er gut, aber wenn überhaupt der\nVortrag Mozart'scher Musik als Gottesurtheil gelten sollte,\nso würde nach der Wasser- und Feuerprobe Sarastro\nihn schwerlich in den Weisheitstempel zugelassen haben.\nDen Sarastro gab in der ersten Vorstellung der Italiäner\nFoli, in der zweiten der Deutsche Rokitansky, Letzterer\nmit mehr sonorer Tiefe der Stimme. Alle übrigen Rollen,\nnamentlich der Papageno Santley's, der Sprecher, der\nMohr, waren gut besetzt, und die Leitung des Ganzen\nmachte dem Capellmeister Arditi Ehre.\nAuch die Vorstellung des „Oberon\" war im Ganzen\ngut, da Mongini für W'eber's „Hüon\" die gehörige Kraft\nund Fülle der Stimme hat, Fräulein Tietjens als Rezia\nunübertreff lich war die grosse Scene wurde durch neue\nDecoration und Sturmmaschinerie gehoben und Frau\nTrebelli-Bettini in der Partie der Fatime durch ihren\nschönen Mezzo-Sopran und trefflichen Vortrag der beiden\nLieder gar sehr befriedigte. Die Oper wird hier mit Be-\nnedicta Recitativen gegeben.\nDie „Entführung aus dem Serail\", hier schlechtweg\n„II Seraglio\" genannt, war in London im Jahre 1854\nmit dem deutschen Original-Texte auf dem Drurylane-\nTheater, wo damals eine gemischte deutsch-englische Ge-\nsellschaft spielte, gegeben worden; Karl Formes sang da-\nmals den Osmin, und ich sprach manchen Theaterfreund,\nder sich seiner vortrefflichen Darstellung dieser Rolle er-\ninnerte. Die jetzige Bearbeitung mit Mecitativi parlanti\nrührt, so viel ich weiss, von Arditi her. Die Besetzung in\nder Aufführung (in der ersten Woche des Juli) war fol-\ngende: Constanze—Fräulein Tietjens; Blondchen Fräu-\nlein Sinico (eine recht brave italiänische\nBelmonte Dr. Gunz; Pedrillo—Signor Stagno (ein gu-\nter leichter Tenor); Osmin Rokitansky. Auch der Bassa\nSeiim hat hier einige Tacte zu singen. Die Arien der Con-\nstanze gehören zu den Bravourstücken der Tietjens, Gunz\nsingt den Belmonte ausgezeichnet, und Rokitansky transpo-\nnirte sogar die Arie: „Solche hergelaufne Laffen\"\n(„Questi avventurieri infami\") um einen Ton tiefer (von\nFin E),doch weniger aus AfFectation, um seine\nTiefe zu zeigen, sondern aus richtiger Erkenntniss seiner\nunzureichenden Höhe für die Anforderungen, die dieses\nStück an den Bassisten macht. Mit etwas mehr Humor\nwird übrigens Rokitansky ein Osmin sein, wie man ihn\njetzt wohl nirgends besser findet. Auch in dieser Oper\nwurden demnach die drei Hauptrollen wieder von deut-\nschen Künstlern ausgeführt.\nVon italiänischen Opern in Her Majesty's Tlieaire\nwurde unstreitig der „Semiramis\" von Rossini die beste\nAufführung zu Theil. Fräulein Tietjens als Semiramis und\nFrau Trebelli-Bettini als Arsaces brachten die Rossini'-\nsche Musik so zur Geltung, wie man sie heute selten hört.\nIn Coventgarden ging ein Stern in Maria Wilt (hier\nVilda italiänisirt!) auf; ihre Norma stellte diese neue Er-\nscheinung aus Deutschland sogleich auf eine hohe Stelle,\nzu welcher sie sich durch die Rolle der Lucrezia Borgia\nfast noch mehr legitimirte. Ihr Vorzug besteht in einer\nder schönsten und wohllautendsten Sopranstimmen, die\nman hören kann; diese Stimme hat bei klaren und glän-\nzenden hohen Tönen eine Mittel-Region und Tiefe, welche\nwunderbar ansprechen und jenen Eindruck auf Ohr und\nGemüth machen, den man nicht beschreiben kann. Voll-\nkommen gebildet ist ihr Gesang noch nicht, dafür aber\nauch noch nicht verbildet, und der Ausruf eines meiner\nNachbarn, der, indem er selbst rasend applaudirte, sagte:\n„Wie schön hört man, dass sie noch nicht singen gelernt\nhat!\" lässt sich gewisser Maassen rechtfertigen. So ran-\ngirt sie denn ohne Weiteres plötzlich mit der Lucca, Ade-\nlina Patti unter den Berühmtheiten der diesjährigen Saison\nin Coventgarden. In der Norma war Madame Lemmens-\nSherrington eine vorzügliche Adalgisa neben ihr.\nDer Name Sherrington führt mich auf die Auffüh-\nrung des „Don Juan\" in Coventgarden, in welcher die-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "244", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660804-01.1.4", "texte": "selbe Dame die Elvira sang, wodurch dieser Partie eine\nBesetzung wurde, wie man sie nicht oft hat; ihr Vortrag\nder Arie: „Mi tracCi quell' al war ein hoher\nKunstgenuss. Den Don Juan gab Faure von Paris mit\nausgezeichneter Baritonstimme, doch etwas zu raffinirtem\nSpiel, wohin man auch im Gesänge den Vortrag der Arie,\nin welcher er in Leporello's Kleide seine Verfolger rechts\nund links hin dirigirt, rechnen kann, da er dabei im\nKlange der Stimme den Leporello-Ciampi copirte ein\nrealistisches Kunststück, das natürlich seinen Effect nicht\nverfehlte, aber von musicalisch-ästhetischer Seite doch\nwohl angefochten werden könnte. Die Donna Anna der\nSignora Fricci reichte nicht an die Anna der Fräulein\nTietjens in Her Majesty's Theatre, während Adelina Patti\nwohl die reizendste und anständigst zierliche Zerlina ist,\ndie es nur geben kann. Desshalb noch besonders muss\nman das possenhafte Benehmen eines sonst so berühmten\nSängers wie Ronconi als Masetto, der während der wun-\nderschönen Arien der Zerline nur darauf ausging, die Ga-\nlerie zum Lachen zu reizen, nicht nur Mozart und die\nSängerin beleidigend, sondern auch im höchsten Grade\nunkünstlerisch und unwürdig finden.\nIm Majestäts-Theater hatte die unübertreffliche Donna\nAnna die Frau Harriers-Wippern als Zerline neben sieb,\nwelche sie trat in dieser Rolle zuerst auf mit dem\nwärmsten Applaus empfangen wurde und in jeder Hinsicht,\nwie ich schon erwähnt habe, allgemeinen Beifall ärntete.\nAuch der Gesang der Elvira (Fräulein Sinico) war correct.\nSantley's Don Juan fehlte es an Lebhaftigkeit und nobler\nTournure, so dass er den Vergleich mit dem pariser Faure\nnicht aushielt. Dagegen war Scalese's Leporello eine sehr\nwackere Leistung, in welcher Vortrag und Spiel ersetzten,\nwas der sonoren Stimme bereits abgegangen ist. Die En-\nsembles waren besser, als in Coventgarden, die Ouvertüre\nund besonders auch das Finale des ersten Actes wurden\nbei Weitem würdiger, correcter und feuriger ausgeführt,\nals man sie sonst bei den Italiänern hört.\nVon der Patti und Lucca ist weiter nichts zu sagen,\nals dass sie in den Rollen ihres hiesigen Repertoires eben\nso wie früher das grosse Publicum wie die Kenner in ho-\nhem Grade befriedigt, auch, wenn Sie nichts gegen den\nAusdruck haben, entzückt haben. Die Lucca hat als\nneue Rollen die Favorite und die Zerline in „FraDiavolo\"\ngegeben; letztere Oper bat Gye in richtiger Speculation\nauf die Nachtscene wieder vorgenommen, denn eine Ge-\nsang-Partie für eine Sängerin wie die Lucca ist diese Zer-\nline doch nicht. Er hat sich nicht getäuscht. Adelina Patti\nwar in Ricci's „Crispine» e laCommare, so wie die ganze\nOper, neu. Dass aber ein Operntbeater wie Coventgarden\neine solche Oper in sein Programm aufnehmen und sie\nobenein als eine glänzende Neuigkeit zum Schlüsse der\nSaison bringen kann, ist kaum durch die reizende Dar-\nstellung der Partie Adelina's zu entschuldigen. Streng ge-\nnommen, sind das Duett zwischen Annetta und Crispino\nund das komische Terzett der drei Doctoren Crispino,\nMirabolano und Fabrizio die einzigen Stücke, in denen\ndie Gebrüder Ricci Musik geliefert haben.\n(Schluss folgt.)\n\nDie Musik in Florenz.\n(Vergl. „Die Musik in Neapel und Eßm\" in Nr. 30.)\nWenn die Musik in Rom in Verfall ist, so lässt sich\ndasselbe von Florenz nicht sagen, denn dort scheint die\nReform-Partei sogar bereits festere Wurzeln geschlagen\nzu haben, als in Neapel.\nFreilich ist die jetzige Zeit, in welcher eine fieber-\nhafte Stimmung die Bevölkerung der neuen Hauptstadt\ndes Königreichs Italien nicht zur Ruhe kommen lässt, dem\nFortschritte einer Renaissance der Tonkunst, die sich doch\nhauptsächlich auf die Theilnahme der höheren Classen der\nGesellschaft stützt, nicht günstig, da eben gerade diese\nvor lauter kriegerischen und politischen Debatten keine\nZeit zu beschaulichem Kunstgenüsse haben. Allein was\nin den letztvergangenen Jahren und auch noch im letzten\nWinter hier geschehen, ist durchaus nicht ohne Wirkung\ngeblieben und hat die Belebung des Geschmacks für In-\nstrumentalmusik im Lande der Oper wenigstens mit Er-\nfolg angebahnt, wenn auch eine geraume Zeit noch ver-\ngehen mag, ehe die Hindernisse, welche der herrschende\nGeschmack an bloss sinnlicher Melodie und ein grosser\nTheil der Musiker und der Musiklehrer selbst dem Siege\nder Reform entgegenstellen*). Die Unwillfährigkeit der\nMusiker von Profession hat auch den Versuch Bavesi's\nund des Musik-Verlegers Guidi, diesen Winter populäre\nConcerteim Theater Pagliano zu geben, scheitern gemacht.\nSo kann die Reform-Partei ihr Wirken nur durch die\nKritik und durch die Kammermusik-Vorträge fortsetzen.\nHinsichtlich der Orchestermusik ist man auf zwei oder\n\n*) Der Verfasser spricht sich hierauf des Weiteren über die\nVerdienste des Prof. Bavesi, des Quartett-Vereins, der Ge-\nsellschaft, welche das musicalische Journal II JBoccherini und eine\nSammlung von Quartetten u. s. w. in Partitur herausgibt, aus,\nworüber unsere Leser durch directe Correspondenzen aus Florenz\nin der Niederrh. Musik-Zeitung schon öfter Kunde erhalten\nhaben. Wir übergehen desshalb die in obigem Artikel des Herrn\nBertrand darüber gegebenen Notizen. Vergl. Jahrg. 1865, Nr. 17,\nNr. 48. Jahrg. 1866, Nr. 2, Nr. 8.\nDie Eedaction."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "245", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660804-01.1.5", "texte": "drei Concerte im Winter, welche das Conservatorium gibt,\nbeschränkt, und diese haben noch nicht viel zu bedeuten.\nDenn das Conservatorium in Florenz ist noch sehr\njung, es zählt erst vier Jahre seines Daseins. Früher wa-\nren nur einzelne Lehrcurse hauptsächlich für Gesang und\nHarmonielehre vorhanden, welche wunderlicher Weise\nmit der Maler-Akademie Verbunden waren. Jetzt hat die\nMusik eine selbständige Anstalt, worin in dreizehn Classen\nGeschichte und Aesthetik der Musik, Harmonie, Contra-\npunkt und Composition, Accompagnement, Sologesang,\nSolfeggiren und vom Blatt lesen, Orgel, Pianoforte, Vor-\nbereitung zum Pianoforte, Violine und Bratsche, Violon-\ncell, Contrabass, Holz-Blasinstrumente, Blech-Instrumente,\nChorgesang gelehrt werden. Die Anstalt besitzt eine Bi-\nbliothek und eine schöne Sammlung von kostbaren Cre-\nmoneser Geigen, Violen, Violoncellen und Bässen.\nDirector ist Herr Casamorata, tüchtiger Musiker\nund Componist und noch schätzbarer als Kritiker und\nmusicalischer Schriftsteller. Die Kritiker sind es aber bis\njetzt fast noch allein, welche an der Spitze der Reform\nstehen, die sie namentlich durch deutsche und in der\nOper auch durch französische Musik durchsetzen wollen.\nSo ist auch jetzt ein Kritiker der Unternehmer der Scala\nin Mailand, und er lässt die Meisterwerke der Deutschen\nund Franzosen neben den neuen und älteren italiänischen\nOpern aufführen. Von den italiänischen Componisten, be-\nsonders von den Opern-Componisten, ist nichts für die\nEinwirkung auf eine bessere Geschmacksrichtung zu hof-\nfen, sie sind vielmehr erklärte Gegner aller Bestrebungen,\ndie dahin zielen. In der gegenwärtigen Generation werden\nsie sich noch nicht bekehren; es ist gar zu leicht, so eine\nPartitur, wie sie es gewohnt sind, zu schreiben, und der\npatriotische Eifer gegen alles Fremde ist ihnen eine will-\nkommene Gelegenheit zur Verketzerung der strengeren\nKritik und eine treffliche Maske für ihre eigene Bequem-\nlichkeit.\nDazu kommt freilich, dass das Schau- und Lustspiel,\nin welchem die Italiäner von den Fremden fast nur das\nSchlechteste ausbeuten, ihrer Propaganda gegen das\nAusländische leider Vorschub leisten, denn das ernstere\nSchauspiel und die Tragödie halten sich an die schauder-\nhaftesten Melodramen, und das Lustspiel, anstatt die origi-\nnale italiänische Posse zu cultiviren, an die flachste pariser\nVaudeville-Literatur. Eben so werden die neueren pariser\nSitten- oder vielmehr Unsittlichkeits-Gemälde, welche die\nDemi-Monde zum Mittelpunkte der Handlung machen,\nauf den Theatern in Florenz und anderen Städten dem\nPublicum geboten, und auf diese Weise eine Krankheit\ndes Geschmacks, die man le m nennen könnte,\nauch in das Land verschleppt, dessen Empfänglichkeit für\nPoesie man sonst nicht genug preisen konnte. Ein stehen-\ndes Theater für das recitirende Drama gibt es nicht, dann\nund wann spielt die Gesellschaft irgend eines Unterneh-\nmers die Tragödien von Alfieri, Pellico, dall' Ongaro und\nAnderen. Dagegen geben die permanenten melodramati-\nschen Bühnen Stücke, deren Titel schon zeigen, was hier\ndas Publicum anzieht, z. B. „Das furchtbarste Verbrechen\ndes neunzehnten Jahrhunderts oder die abscheuliche Er-\nmordung von Fualdes\" „Locatelli oder das unschuldige\nOpfer der Herrschaft des Clerus\" „Der freisinnige Prie-\nster auf der Tortur der Inquisition oder der Triumph der\nchristlichen Toleranz\" „Rom und Florenz, oder Glaube,\nLiebe, Hoffnung\"!\nGrosse Operntheater hat Florenz zwei, die Pergola\nund das Pagliano.\nDie Pergola erhält, wie San Carlo und die Scala,\neine Unterstützung von der Regierung, die jedoch nur\n100,000 Francs jährlich beträgt. In der letzten Saison\nwar Gounod's „Fausto\"das Cassenstück. —Das Pagliano\nfasst 3000 Zuschauer (?) und ist nach dem Muster des\nSan Carlo in Neapel gebaut; es ist jedenfalls viel grösser,\nals die Pergola. Es gibt Opera und\nund bringt fremde Meisterwerke wohl am meisten von\nallen italiänischen Theatern auf die Bühne. Hier habe ich\neine Aufführung von Mozart's gesehen,\nwelche die pariser Darstellungen der drei Theater über-\ntraf; noch vor zehn Jahren fiel diese Oper in der Pergola\ndurch, jetzt hat sie und nicht gerade mit ganz vorzüg-\nlichen Sängern wahren Enthusiasmus erregt.\nZwei kleinere Bühnen widmen sich vorzüglich nur\nder Opera buffa und geben merkwürdig genug auch\nkomische Opern mit gesprochenem Dialog;\nsicasteht alsdann auf dem Zettel. Ein Pulcinell-Theater\nist natürlich auch da: der berühmteste Pagliasso desselben,\nhier „Stenterello\" genannt, ein gewisser Landini, war je-\ndoch auf Reisen.\nAn der Verbreitung der Musik in geselligen Kreisen\nund an dem Volksgesange erkennt man noch am meisten\nin Florenz die italiänische Natur. Schöne Stimmen über-\nall; der zweistimmige, glockenreine Gesang von jungen,\nfrischen Sopranstimmen im Salon oder im Garten unter\ndem blauen Himmel überrascht oft auf die angenehmste\nWeise. Der beliebteste Lieder-Componist ist jetzt Palloni,\nnamentlich in Florenz sind seine Melodieen en vogw, ne-\nben ihm steht auch Campana in Gunst.\nDer Volksgesang ist in voller Blüthe; man hat Samm-\nlungen von Volksliedern, unter denen recht hübsche sind,\nund nirgends mit zweideutigen oder unsittlichen Texten.\nDie neueren athmen natürlich Krieg und Patriotismus,\nsprechen von nostra Roma und und wer-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "246", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660804-01.1.6", "texte": "den hauptsächjich nur von Männern gesungen, unter de-\nnen man aber ebenfalls schöne Stimmen findet. Charak-\nteristisch und echt national sind die Lieder der Mädchen\naus dem Volke, die irgend eine bestimmte Arbeit verrich-\nten und damit ihr Brod verdienen; dahin gehören die Lie-\nder der Guitarrenspielerinnen, die die Stelle der Harfen-\nmädchen in Deutschland und Frankreich vertreten, der\nSeidenspinnerinnen, Wäscherinnen, Näherinnen und vor\nAllen der Blumenmädchen.\nAuf die Frage, ob der keimende Umschwung in der\nMusik Italiens Früchte tragen wird, kann man nur mit\ndem gewöhnlichen: „Chi lo sä?\" der Italiäner antworten.\n\nNormales Orgelpedal.\nDie Sectio» für Kirchenmusik auf dem Congresse\nzu Mecheln (1864) hat einen Beschluss bezüglich der\nAnnahme einer gleichförmigen Maassregel für die Ver-\nfertigung der Pedal-Claviere an der Orgel gefasst. Dem\nWunsche der Mittheilung des Vorschlags zu allgemeiner\nAnnahme entsprechen wir gern, da er uns sehr praktisch\nzu sein scheint.\nDie Nachtheile der Verschiedenheit der Pedal-Claviere\nsind bekannt. Diese Verschiedenheit ist dem Erlernen in\nden Orgelschulen hinderlich und verhindert oft geschickte\nOrganisten, sich auf einem ihnen fremden Instrumente so-\ngleich zurecht zu finden.\nVor dem Vorschlage dieses Beschlusses hatte die\nSection zahlreiche Erkundigungen eingezogen und aus\nallen Ländern Orgelbauer und Organisten befragt. Meh-\nrere derselben haben den Sitzungen des Congresses bei-\ngewohnt. Den gefassten Beschluss haben sie mit ihrem\nAnsehen unterstützt, und eine grosse Anzahl anderer Or-\nganisten und Kunstverständiger haben schriftlich ihre Bei-\nstimmung gegeben.\nDie angenommenen Bestimmungen und Maass-Ver-\nhältnisse sind folgende:\n1. Anzahl der Noten für gewöhnliche Orgeln = 27,\nfür grosse Orgeln = 30.\n2. Entfernung der natürlichen Noten oder Töne\n(Untertasten) von einer Achse zur anderen = 65 Millimeter.\n(Folglich ist die ganze Länge eines Pedal-Claviers mit 27\nNoten von der Achse der ersten Note bis zur Achse der\n27. Note = Centimeter.)\n3. Länge der Halbton-Erhöhungen = 13 Cen-\ntimeter.\n4. Die Halbton-Erhöhungen bekommen eine\nHöhe von 5 Centimeter und gehen 25 Millimeter über die\nnatürlichen Noten hinaus.\n5. Scheinbare Länge der Claves =■ 60 Centimeter,\nohne die unter dem Orgelgehäuse oder der Einfassung\nverborgenen Enden.\n6. Neigung der Claves gegen die Fussspitze 2 auf 60,\noder ungefähr 4 auf 100.\nDas so verfertigte Pedal-Clavier erhält folgende\nStellung:\n1. Das zweite C des Pedal-Claviers steht mit dem\ndritten cdes Hand-Claviers auf derselben senkrechten\nLinie, was immer für eine Anzahl Noten das Pe-\ndal- oder das Hand-Clavier habe. (Woraus folgt,\ndass die Achse eines Hand-Claviers mit 54 Noten mit der\nAchse eines Pedal-Claviers von 27 Noten zusammentrifft.\nWenn aber eines der Claviere mehr oder weniger Noten\nhat, so folgt daraus eine Unregelmässigkeit, die ohne Nacb-\ntbeil ist und jedenfalls mit einem Brette kann maskirt\nwerden.)\n2. Der Vordertheil der Halbtöne des ersten Hand-\nClaviers kommt auf eine senkrechte Linie mit dem Vor-\ndertheile der Erhöhungen des Pedal-Claviers zu stehen,\nwas auch die Anzahl der Hand-Claviere sei.\n3. Der Abstand zwischen dem Boden, worauf das Pe-\ndal-Clavier ruht, und dem Untertheile des ersten Hand-\nClaviers ist 80 Centimeter, was auch die Anzahl der\nHand-Claviere sei.\nDie Versammlung spricht den Wunsch aus, dass die\nKirchen, deren Orgel kein passendes Pedal-Clavier hat,\nden geringen Aufwand machen, der nothwendig ist, um\nes zu ändern und ihm die oben bezeichneten Dimensionen\nzu geben.\nBemerkungen. Die natürlichen Claves des\nMuster-Pedal-Claviers, das vom Congresse genehmigt wor-\nden ist, hatten 5 Centimeter in der Höhe gleich den Er-\nhöhungen. Die Claves haben Erhöhungen von\nCentimeter. Ihre Breite ist 22 Millimeter. Es wurde em-\npfohlen, den Claves der Pedal-Claviere eine grosse Fe-\nstigkeit zu geben und sie mit starken Zapfen zu befestigen,\num jede schräge oder schwingende Bewegung zu verhin-\ndern. Dessgleichen wird empfohlen, Hand-Claviere mit\n56 Claves zu machen.\nDie Versammlung hat die Stimmgabel von 870\nSchwingungen in einer Secunde angenommen für das\ndes Orchesters bei -+- 15 Grade (centigrades) Wärme. Zur\nBeibehaltung des Tones ist es füglich, die Orgel so\nzu stimmen, dass sie bei + 15 Grade Wärme ihren Nor-\nmalton habe*).\n*) Exemplare dieser Bestimmungen werden unentgeltlich zuge-\nsandt auf Anfrage um solche bei dem Herrn T. J. Devroye zu\nLütt ich, Präsidenten der Section für Kirchenmusik, oder Herrn\nDr. X. van Ellewyk zu Löwen, Secretär derselben."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "247", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660804-01.1.7", "texte": "Tonkünstler-Anekdoten.\nIn einer Gesellschaft, wo Onslow zugegen war,\nglaubte die Dame vom Hause den berühmten Componisten\ndadurch zu ehren, dass sie eines seiner Clavier-Trio's\nspielte. Sie war zwar sehr schön und desshalb an Huldi-\ngungen gewöhnt, obwohl als Pianistin dem Vortrage sol-\ncher Musik keineswegs gewachsen. Nach Ende des Trio's\ntrat sie auf Onslow zu, der sich am Kaminfeuer wärmte,\nund sagte: „Mein Gott, ich muss sehr um Entschuldigung\nbitten, Ihr Trio so schlecht gespielt zu haben —\" „Thut\nnichts, thut nichts,\" fiel Onslow ihr ins Wort, „ich kann\nviel vertragen.\"\nBeethoven phantasirte in einem vertrauten Cirkel,\nzu dem jedoch dieses Mal nach und nach mehr Zuhörer\nals sonst, die in den Nebenzimmern gewisser Maassen ver-\nborgen gewesen, in den Saal traten. Er merkte es nicht\nund fuhr in seiner Begeisterung fort, zu spielen. Als er\naufhörte, waren Einige von diesen Herren und Damen so\ntactlos, einen ebenfalls anwesenden Mode-Pianisten zu bit-\nten, auch eine freie Phantasie zum Besten zu geben, und\ndieser war auch wirklich so dreist, sich an den Flügel zu\nsetzen. Nachdem er eine Weile nichts als gedankenloses\nFingerwerk abrollte, rief ihm Beethoven laut zu: „Fangen\nSie doch endlich einmal an!\"\nEin Dilettant brachte die Partitur einer Sinfonie von\nseiner Composition zu Liszt und bat ihn, sie einer Durch-\nsicht zu würdigen. Liszt, bekanntlich fabelhaft stark im\nPartitur- und Vomblattspielen, erbot sich mit der ihm\neigenen Artigkeit, sie ihm vorzuspielen. Der Componist,\nentzückt, stellte sich ihm zur Seite und wollte eben das\nBlatt umwenden, als Liszt, im Weiterspielen fortfahrend,\nihm zurief: „Bemühen Sie Sich nicht, ich weiss schon,\nwas kommt.\"\nCherubini stand vorzüglich in dem Rufe, rücksichts-\nlos und oft mit beissendem Witze Künstlern und Dilettan-\nten die Wahrheit zu \"sagen. Kurz vor Anfang einer Haupt-\nprobe zu einer von seinen Opern liess sich der Inhaber\nder Hauptrolle krank melden. Man bat Prevost, der zu-\ngegen war, aber nichts in der Oper zu thun hatte, die\nPartie von Noten zu singen, damit die Probe vor sich\ngeben könne, und Cherubini willigte ein, war auch mit\nPrevost sehr befreundet. Dieser, ein tüchtiger Musiker,\nthat sein Möglichstes und wurde darüber von allen Anwe-\nsenden becomplimentirt. Nur Cberubini blieb still und\nmachte ein verdriessliches Gesicht. Man bemerkte ihm,\ndass der Sänger doch ein freundliches Wort des Dankes\nverdiene. „Das ist wahr!\" meinte Cherubini, gab ihm die\nHand und sagte: „Ich vergebe es Dir!\"\n\nAloys Schmitt.\n(Nekrolog.)\nAus Frankfurt am Main gebt uns unter dem 26. Juli\ndie betrübende Nachricht zu, dass Dr. Aloys Schmitt\nin seinem achtundsiebenzigsten Lebensjahre nach längeren\nLeiden sanft entschlafen ist. Mit ihm ist einer der tüchtig-\nsten Veteranen unter den Ciavierspielern der älteren gu-\nten Schule und den Musikern von wissenschaftlicher Bildung,\nernster Richtung und edler Gesinnung dahingegangen.\nAloys Schmitt war im Jahre 1789 zu Erlenbach am\nMain geboren. Sein Vater war Musiker und verliess den\nGeburtsort von Aloys bald, indem er einem Rufe als Can-\ntor nach Obernburg folgte. Dort ertheilte er seinem\nSohne, dessen Talent ihm nicht verborgen blieb, Unter-\nricht in der Musik und gab ihm überhaupt eine gute Er-\nziehung. Späterhin wurde Aloys Schüler von Andre in\nOffenbach, in dessen Hause er auch wohnte und der fünf\nJahre lang seine Compositions-Studien leitete. Schon\nvon seinem vierzehnten Jahre an galt er für einen ausge-\nzeichneten Clavierspieler, und nachdem er sich in Frank-\nfurt als Musiklehrer niedergelassen, verbreitete sich sein\nRuf als Virtuose bald weiter und auch seine Compositio-\nnen erregten Aufsehen.\nNach mehreren Jahren seiner dortigen Wirksamkeit\nwählte er seinen Aufenhalt auf längere Zeit in Berlin.\nVon dort wurde er als Hof-Organist nach Hannover be-\nrufen, nahm die Stelle auch an, legte sie aber im Jahre\n1829 wieder nieder und kehrte nach Frankfurt zurück,\nwo er durch ein erworbenes ansehnliches Vermögen un-\nabhängig lebte, der Kunst aber sowohl in seinen Neigun-\ngen als in unausgesetzter Thätigkeit treu blieb.\nVon seinen zahlreichen Compositionen sind erschienen\nOuvertüren und Sinfonieen für Orchester, Violin-Quar-\ntette und Violin-Trio's; für Pianoforte: Concerte, Sonaten\n(zwei- und vierhändige, auch mit Violine), Variationen,\nRondo's und kleinere Stücke, vorzüglich Etüden und me-\nthodische Werke, ein- und mehrstimmige Lieder. Ausser\ndiesen gedruckten Werken kennt man von ihm noch zwei\nOratorien („Moses\" und „Ruth\") und drei bis vier Opern.\nEine seiner letzten Reisen führte ihn auf Einladung\nder hiesigen Concert-Direction nach Köln, wo er im Ge-\nsellschafts-Concerte vom 28. Januar 1851 im Gürzenich"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "248", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660804-01.1.8", "texte": "sein Concert pathetique mit Orchester und sein Rondo:\n»Erinnerung an Field\", ebenfalls mit Orchester, spielte.\nDas Auftreten des verehrten Mannes erregte sowohl durch\nseinen Ruhm als Künstler, wie durch die Beziehungen Fer-\ndinand Hiller's zu ihm, der in früher Jugend sein Schüler\nwar, eine ganz besondere Theilnahme. Sein Spiel, das die\ngediegene Schule vertrat, welche der Vortrag Mozart'-\nscher, Field'scher, Hummerseber und seiner eigenen Mu-\nsik verlangt, wurde um so mehr bewundert, als Schmitt\ndamals schon zweiundsechszig Jahre zählte. Es that wohl,\neine solche Behandlung des Claviers zu hören, die nicht\nauf orchestrale Effecte ausging, sondern durch ausdrucks-\nvolles Melodieenspiel mit trefflichem Anschlage, perlende,\nhöchst egale Tonleiter-Passagen und durch nicht virtuo-\nsenmässige, sondern poetische Farbe des Vortrags den so\nrichtigen Grundsatz durch die That bewährte, dass die\nvollkommenste Technik immer nur Mittel zu künstleri-\nschem Ausdrucke des geistigen Inhalts der Musik sein\nmüsse, nicht Zweck an und für sich, der da seinen Werth\nim äusseren Glänze sucht und diesen nur allzu oft durch\nAufopferung der wahren Musik erkauft.\nDiesen Grundsatz hat Aloys Schmitt auch beson-\nders in seinen methodischen Werken für die Schule\ndes Clavierspiels festgehalten, die daher wohl vorzugsweise\nseinen Namen auf die Folgezeit fortpflanzen werden, wenn\nauch die meisten von seinen übrigen Compositionen, wie\nso viele andere, unverdient dem Schicksale der Ueberflu-\ntung durch die Mode-Literatur verfallen werden.\n(Schluss folgt.)\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nLeipzig* In der ersten Hälfte Juli gastirte am hiesigen\nStadttheater Herr Betz vomlberliner Hoftheater. Herr Betz hatte\n4h\nnach dem aussergewöhnlichen, um nicht zu sagen übertriebenen\nBeifalle, den Fräulein Hedwig Raabe in Leipzig geärntet, offenbar\neinen schweren Stand. Das Publicum hatte eben den grössten Theil\nseiner Theaterfonds und seines Enthusiasmus geopfert; dennoch ge-\nlang es ihm, das Haus an allen Abenden seines Auftretens in einer,\ndie schweren Zeiten betrachtet, fast überraschenden Weise zu füllen.\nHerr Betz gab den Nelusko in der „Africanerin\", den Wolfram im\n„Tannhäuser\", und im »Teil\", so wie im „Hans Heiling\" die Titel-\nrollen. Er macht im Ganzen den Eindruck eines in jeder Beziehung\ntüchtigen, eifrigen und verständnissvollen Künstlers. Seine Stimme,\ndie übrigens von dem Schmelz der Jugend schon Manches einge-\nbüsst, ist in allen Registern gleichmässig ausgebildet, sein Vortrag\nist frei von jeder unangenehmen Effecthascherei, die leider auf un-\nserer deutschen Bühne nicht selten ist; überall tritt der kunstgebil-\ndete, denkende Mensch hervor. Von hinreissender Genialität in Ge-\nsang und Spiel vermochten wir allerdings auch wenig zu entdecken,\ndoch, wie gesagt, ein fehlerfreier, verständiger Vortrag will heutiges\nTages schon viel sagen. Eine eigenthümliche Bescheidenheit legte\nder verdienstvolle Künstler dadurch an den Tag, dass er zu seinen\nGastdarstellungen fast immer Stücke wählte, in denen er eigentlich\nnicht die Hauptrollen hatte. Nur in „Hans Heiling\" schien uns die\nWahl eine richtige zu sein; im Uebrigen hätten wir Herrn Betz vor\nAllem eine Mozart'sche Oper empfehlen mögen. Don Juan und der\nGraf im Figaro scheinen uns seinem Streben viel angemessener, als\nder wilde Sohn Hinterindiens und der etwas spiessbürgerlich zu-\nkünftlerische Minnesänger. (Leipz. A. M.-Z.)\nDer in Brüssel erscheinende „Guide musicalu enthält eine aus-\nführliche Besprechung der beiden Quartette Op. 10 in G-dur, Op.\n11 in C-dur und des Quintetts Op. 16 in D-moll für Streich-Instru-\nmente von Graf Ludwig von Stainlein aus der Feder des Herrn\nAdolph Samuel, welcher diese drei Werke, ohne einzelne Schwä-\nchen derselben zu übersehen, nicht als Dilettantenarbeit, sondern\nals Producte eines auf der Höhe des echt künstlerischen Schaffens\nstehenden und mit schönem Talente und gediegenem Wissen aus-\ngestatteten Künstlers qualificirt und den besseren Leistungen im\nFache der Kammermusik beigezählt wissen will.\nAus dem Haag. Die Prüfungen in der hiesigen Musikschule\nunter der Direction des Herrn W. F. G. Nicolai fanden vom 27.\nbis 29. Juni vor der Commission und einigen Eingeladenen Statt.\nEin öffentliches Concert gab am 30. Juni Gelegenheit, die Fort-\nschritte mehrerer Zöglinge der ersten Classen in der Composition\n(vier Ouvertüren) und auf einzelnen Instrumenten kennen zu lernen.\nDie Kesultate waren sehr befriedigend. Auch das aus Zöglingen der\nAnstalt seit vorigem Jahre gebildete Orchester verdiente Beifall.\nLondon« Professor J. Moscheies, der gegenwärtig hier\nist, hat ein Concert für die Verwundeten im deutschen Kriege an-\ngekündigt, in welchem Frau Goldschmidt-Lind mitwirken wird.\nIn Barcelona macht eine französische Opern-Gesellschaft\nGlück und gute Geschäfte."}]}