{"numero_id": "bm-bmtnabi-1866-08-11-01", "volume": "bmtnabi_1866-08-11_01", "ocr_sha256": "2405f14d8a4e643e1bef203d65c8d6b160d9ae788a0076d270508391527f4abf", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1866/08/11_01/bmtnabi_1866-08-11_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660811-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1866-08-11-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-08-11_01#c001", "volume": "bmtnabi_1866-08-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "249", "page_fin": "249", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660811-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "249", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660811-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 458, "texte": "Inhalt.\nHändel's Werke. Ausgabe der deutschen Händel-Gesellschaft. Von Ed. Krüger. Joh. Seb. Bach's Werke.\nAusgabe der Bach-Gesellschaft. Von Ed. Krüger. Aus London ([Sehluss.] Leopold Auer Gounod's 11. Sinfonie Jaell Halle\nConcert von Sullivan Frau Rudersdorf Agnes Zimmermann). Von C. Aloys Schmitt (Nekrolog. Sehluss). Aus Aachen\n(Wohlthätigkeits-Concert). 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Cardinal Panfili in Rom dich-\ntete ein Oratorium: Sieg der Zeit und Wahrheit,\nwelches Händel 1708 in Rom componirte und dreissig\nJahre später in London umgestaltet und erweitert auf-\nführte. Die Liebhaberei an allegorischen Festspielen, uns\nheute unbegreiflich, stand in dem Jahrhundert nach 1650\nin Blüthe; vielleicht dass sie Nahrung empfing aus dem\ndamals aufblühenden neuen Oratorium, weil dieses eben\nvermöge der inwohnenden Kraft der Töne, persönliches\nLeben abzubilden, vor anderen befähigt ist, den trockenen\nAllegorien Reiz zu verleihen**), wie ja auch in Dante's\ngöttlichem Drama das Allegorische nur darum poetisch\nwirkt, weil es nicht etwa nur personificirt, sondern\nvon wirklichen Persönlichkeiten getragen wird. Der\nInhalt des Textes ist, zu zeigen, wie der Zeit und Wahr-\nheit alle Schönheit, Lust und Lüge endlich weichen müsse.\nDiese trockene Lehre entwickelt sich vor unserer Seele in\nsinnenfälligen Gebilden, die in so fern personäbnlicb em-\npfunden werden, als sie dem dramatischen Typus nach-\ngeahmt und mit ethischer Bewegung durchzogen sind,\nwodurch sie eben sowohl über die reine Allegorie sich\nemporheben, als sie hinter der reinen Poesie zurückstehen.\nDamit man nicht mit Hohnlächeln erinnere, das sei nur\neine Variation der alten Sünde, schlechte Texte in schöne\nMusik zu setzen, so versuche man die Namen Time Truth\nBeauty Pleasure Deceit aus der abstracten Fassung in\nconcrete zu übersetzen, etwa in: Zeus und Athene... .\nAphrodite Dionysos und Hermes...., so möchte sich ein\nKampf des Licht- und Nacht-Reiches den Tönen sinnver-\nwandt unterlegen lassen. Zwar verkennen wir nicht, dass\ndiese mythischen Personen denen der Händel'schen Alle-\ngorien nicht genau entsprechen: aber diese Unebenheit\nwürde eben so wenig schaden, wie die in der Händel-\nAusgabe gegebene Uebertragung von durch\n„ Weltsinn\", während das allgemeinere Lust, Wollust,\n'Hdovrj wohl richtiger wäre. Jedenfalls wäre die mythi-\nsche Personification in sich fester, als die schwankenden\nBegriffe, die in sich selbst wandelbar sind, indem z. B. der\nName Pleasure mit joy und delight wechselt, Counsel mit\nTruth) Deceit mit Error, T mit Wahrheit. Bewun-\ndernswert!) bleibt nun der Tondichter, der aus den Ge-\nspenstern des Wortdichters lebendige Gestalten gemacht\nhat, gleichwie im Allegro und Pensieroso aus den Eigen-\nschaften wirklich eigene Menschen. Zudem ist die fast\ndramatische Wendung des Textes, dass die übrigen bösen\nMächte tödlich überwunden werden, dagegen die Schön-\nheit sich in freier Liebe zur Wahrheit bekehrt, hierdurch\ndie musicalische Charakteristik nachgeahmt, indem\nsich die Personen unter einander steigern und wandeln:\nPleasure erscheint zu Anfang edler und bestimmter,\nBeauty unbestimmter, was sich im letzten Acte umkehrt.\nWie Händel sein Werk lieb gehabt, das beweist seine\nArbeit daran im 24., 53. und 73. Lebensjahre. Die hier\n\n*) VII. Jahrgang. Lieferung 19, 20, 21. Leipzig, Breitkopf\nund Härtel. Fol.\n**) Dies kommt merkwürdig zu Tage in Purcell's King Ar-\nthur (1680), wo unter anderen Naturgenien auch die Dämonen des\nFrostes auftreten, deren schneeiges Costume wohl kaum so bild-\nhaft war, wie ihre rauh zitternden Singstimmen es wirklich sind.\nAuch die dämonischen Gestalten in Gryphius' Carl Stuart gehö-\nren hieher, wo neben anderen auch ein Chor der Religionen und\ntetzereien einen so genannten Reigen bildet, dergleichen man\ndamals als Nachahmung griechischer Chöre gelten liess."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "250", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660811-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5267, "texte": "vorliegende Gestalt ist die aus der letzten Lebenszeit; der\nfür den nächstjährigen 24. Band versprochene Wieder-\nabdruck der ältesten Ausgabe von 1708 wird anziehende\nVergleiche von Jugend und Alter gewähren.\nDie einzelnen Personen betrachtend, merken wir, dass\nTime und Pleasuream schärfsten gegensätzlich charakte-\nrisirt sind, ihnen zunächst Beauty, zwischen denen die\nübrigen vermittelnd zuweilen blassere Züge zeigen. Die\nSchönheit tritt zuerst mild und zagend auf (P. 15), baid\nhebt sie sich fröhlich keck der Weisheit entgegen (29),\ndann in siegreichem Gefühle sogar der obersten Gewalt\nwidersagend (106), wendet sie sich endlich der erkannten\nWahrheit zu in warmen, herzlichen Tönen (140). Der\nGenius der Zeit ist von Anfang bis zu Ende einheitlichen\nCharakters: männlich, grossartig, voll schweren Ernstes\n(33, 112, 150). Von den übrigen ist Pleasure oder\nWeltlust die munterste und charakterloseste Gestalt,\nDeceit, der Lügenvater, hartnäckig im Charakter,\nCounsel, Weisheit, lehrhaft altklug, etwas steif; bedeu-\ntend ist ihre Steigerung von der Arie S. 25 zu der S. 108.\n—Leider finden sich keine eigentlich dramatischen Duette\noder Terzette; der Principienstreit ist nirgend musicalisch\nin einander gewirkt, ausser in den nicht eben bildhaften\nRecitativen, und kommt nur annähernd zum Vorscheine\nin den Sätzen von Solo und Chor. Unter den Chorsätzen\nsind die der Freude zugewandten denen der Weisheit\nund Wahrheit schön entgegengestellt, mit einfachen Mit-\nteln Grosses wirkend, wie Händel liebt; bemerkenswerth\nsind die damals ungewöhnlichen doppel-zweistimmigen,\nstatt der vierstimmigen, S. 58, 82.\nDas Oratorium Belsazar, im Jahre 1744, Händel's\nsechszigstem Lebensjahre, componirt, trägt, wie die übri-\ngen aus demselben Zeiträume, Züge unvergänglicher Ju-\ngend, doch ist es, anderen Kernwerken verglichen, minder\nvolksthümlich ergreifend, ob wegen der Länge der Reci-\ntative, oder wegen der Textgestalt überhaupt, ist schwer\nzu sagen. Der umfangreiche, in edler Sprache gehaltene,\naber mit überflüssiger Rhetorik durchflocbtene Text ist\nvon Händel mehrmal erheblich gekürzt und hätte von an-\nderer Hand wohl noch mehr Kürzung erfahren, da eben\ndiese Wortgebilde ermüdend sind, weil sie nicht, wie Pi-\ncander's Passionslieder, mystisch, sondern in englischer\nWeise moralisch reflexionsreich sind. Wir wundern uns\ndessen bei C h. Je n n e n s, Händel's Freunde, der die Text-\nwahl zu Messias und Israel, obwohl mit rein biblischen\nWorten, doch in selbständiger poetischer Freiheit so treff-\nlich ausgeführt hat. Ungeachtet jener Mängel ist jedoch\ndas Werk, wie es vorliegt, wirksam gegliedert in den dra-\nmatischen Fortschritt von Belsazar's Uebermuth, Jehova's\nFlammenschrift, Daniel's Weissagung und Cyrus' Sieg.\nDas Widereinanderringen dieser Kräfte ist in klarer Per-\nsonenzeichnung durchgeführt, die hier, wie begreiflich,\nanschaulicher gelingt, als an jenen allegorischen Traum-\ngestalten.\nHändel's Töne zeichnen nun in charakteristischen Zü-\ngen die Hauptpersonen: den König als sorglosen Lüstling,\nDaniel in ernster Hoheit, Cyrus in kühnem Gange das\nverheissene Heldenthum bewährend. Belsazar's Mutter,\nNitokris, ahnungsvoll und mütterlich, undGobryas,\nder edle Empörer, voll warmer Männlichkeit, beide sind,\nobwohl Nebenpersonen, doch mit schönen Individualzügen\nausgestattet, nach dem Shakespeare'schen Grundsatze, alle\nHandelnden als volle Persönlichkeiten eigenes Lebens zu\nfassen. Wenn wir nun dennoch nicht um eigensinniger\nMeinung willen, sondern mit ernsten Kunstfreunden ein-\nstimmig dem ganzen Werke weniger durchschlagende\nWirksamkeit als ähnlichen unseres Meisters zuschreiben,\nso glauben wir den Grund nicht wie man heute gern\nthut—im Lebensalter zu sehen, da Maccabäus und Josua\nbeide später und doch von überwältigend schlagender Kraft\nsind, sondern darin, dass die beiden Hauptscenen minder\nsinnenfällig erscheinen, indem weder die Flammenschrift,\nnoch der Ueberfall durch das Flussbett in so mächtigen\nund zugleich malerischen Tonbildern ausgeführt sind, wie\nsie Hände! sonst in seiner Gewalt hat*).\nWeiter auf Einzelheiten einzugehen, würde ohne An-\nblick der Partitur nichts helfen, nur aufmerksam machen\ndürfen wir den Liebhaber auf Bedeutsames, was ihm einen\nVorgeschmack des selten gehörten Ganzen gebe. Händel's\nganze Grösse spricht sich besonders im Daniel aus, von\ndem jedes Wort gewichtig und kraftvoll, selbst durch vir-\ntuose Fiorituren im Eindruck nicht gestört wird. Cyrus\nund Gobryas singen einander sinnverwandt, doch unter-\nschieden, wie Jüngling und Mann, Fürst und Feldherr.\nDie beiden Duette: Nitokris und Belsazar, Nitokris und\nCyrus, sind an Formschönheit den anderen Händel'schen\ngleich, aber auch darin, dass sie die Gegensätze der Per-\nsonen mehr-in Worten als Melodieen aussprechen; die\neigentlich dramatischen Duette in moderner Weise\nsind bei Händel selten: er zieht vor, die Aussprache der\nEinzelnen episch einander folgen zu lassen, und begibt sich\ndes köstlichen Vorrechtes der Oper, Gegensätzliches co-\nexistirend abzubilden, was Mozart trefflich versteht und\nHegel, Aesth. 3, 205, mit Unrecht tadelt. Von den Chö-\nren, die nach Händel'scher Art und Kunst oft in weni-\ngen Kraftstrichen grossen Inhalt aussagen, heben wir als\n\n*) Vgl. Niederrh. Musik-Zeitung, Jahrg. 1864, Nr. 22.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "251", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660811-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5341, "texte": "besonders schöne und klangkräftige hervor die Schlüsse\ndes ersten und zweiten Actes.\nIn der Bearbeitung des Herausgebers ist die Sorg-\nfalt anzuerkennen, mit der das Orchester im Clavier-Aus-\nzuge nachgebildet ist, zuweilen mit sinngemässen Ergän-\nzungen, wo das Ciavier volle Griffe verlangt, statt ein-\noder zweistimmiger Geigenbegleitung, z. B. S. 18, Z.\n4 29, 2 102, 1 —124, 1, 1—207, 2; wo oft das\nRichtige zu finden bei der eigenwillig kühnen Charakte-\nristik in Händel's Geigen-Melodieen gar nicht leicht ist.\nSelten wünschten wir das Ciavier anders, z. B. S. 33, 1,\n4, wo das letzte Viertel der Oberstimme passender\nlauten würde, als es d,und 151, 1, 2, wo der Unter-\nschied des ersten und zweiten Tactes dem Orchester ge-\nmäss festzuhalten wäre. Solche kleine Züge sind der Be-\nsprechung werth, weil sie letzthin mit unmässiger Emphase\nan Rob. Franz'Bach'schen undLiszt's Beethoven'schen\n„ Transcriptions\" gepriesen sind als geniale Wunder-\nwerke; das sind sie nicht, aber Clavier-Auszüge gibt es\nfreilich verschiedener Art! und diese neuen Händel'schen\ngehören unter die besten, gleich den älteren £u den Mo-\nzart'schen Opern in den Breitkopf-Härtel'schen Ausgaben,\nderen Redacteur zu bescheiden war, sich zu nennen, und\ndoch Liszt's Geistes-Reichthum mindestens ebenbürtig war.\nAusserdem ist zu loben, dass in dieser Händel-Ausgabe\ndie Pedanterie der Doppelnoten bei zweisprachigem\nTexte aufgegeben ist, z. B. 15, 1, 1—36, 3, 2—166,\n3, 2 und öfter, da jene peinliche Doppelschrift zumal bei\nRecitativen Augen und Verstand verwirrt, statt, wie man\nwill, hülfreich zu sein.\nDie Instrumentation des Oratoriums ist sparsam, wie\nbei den meisten Händel'schen, indem er durchgehends\nGeigen-Quartett, nur an Glanz- und Wendepunkten stär-\nkere Farben gebraucht, z. B. im Messias zum Halleluja\nund Amen nach alter Aufschrift nichts als Trump and\nDrum = Trompete und Pauke. Diese Enthaltsamkeit ist\nweder Armuth noch Unkenntniss der Instrumental-Effecte,\nsondern freier Wille, den Menschenton und die Wahrheit\nder Melodieen durch sich selbst wirken zu lassen. Die\nnach modernem Sinne fast einfach zu nennende Ouvertüre\nist doch reich an Kunstgebalt: zwar hört man die typische\nWeise jener Zeit und Händel's Lieblingswendungen bald\ndurch, aber es ist doch etwas Sonderliches, was diese Ton-\nbilder vorbereiten, im Maestoso offener, heroischer, im\nAllegro mehr verhüllt, dazu fremdartig durch die unge-\nwöhnliche Ausweichung, aus dem Grundtone nicht so-\ngleich zur Dominante, sondern erst durch die entlegene\nUntersecunde = Septima Toni,weiter zu gehen. Zwischen\ndieses munter bewegliche Thema treten S. 3, 3, 3 5\ndie abweichenden Töne eines ernst rührenden Gesanges,\ngleichsam ein Vorklang des Gegensatzes zu Belsazar.\nUebrigens war die spätere Art, den Inhalt des Drama's in\nder Ouvertüre vorzubilden, damals wenigstens nicht Grund-\nsatz, und die Einleitungen zu Maccabäus, Samson, Alexan-\nder, Josua tragen mehr den Charakter allgemeiner Stim-\nmungs-Gemälde, als specifischer dramatischer Vorhallen\nan sich.\nDas dritte Stück des Jahrgangs enthält acht Instru-\nmental - Concerte , die uns einen Einblick gewähren in\ndie Gemüths-Ergötzung jener Zeit, wo die Fingerkünste\nnoch nicht europäische Ereignisse waren. Die vorliegen-\nden Stücke sind grossentheils gesunde, ansprechende Mu-\nsik leichteren und ernsteren Inhalts; gegen die Ciavier-\nsachen der dritten Lieferung gehalten, werden die Or-\ncbestersätze heute Vielen als das Geringere erscheinen,\ndoch wird die richtige und vollständige Aufführung, und\nzwar mit Ciavier (Vorrede S. IV, was auch für manche\nBach'sche Iristrumentalien gilt), sie in besseres Licht stel-\nlen; die edle Freudigkeit des Händel'schen Genius bezeugt\nsich auch hier, und einzelne Sätze werden ihre vollgültige\nWirkung thun, selbst wenn sie in die heute übliche Ge-\nsellschaft romantischer Hexen und Kobolde mitten hinein\ngeschoben werden. Es ist manchmal viel leichtes Gesang-\nwerk mit geringer Modulation und stehenden Phrasen,\nwas uns mannigfaltig Gewöhnten und Verwöhnten nicht\nmundet; dagegen blitzt es kräftig, wo Händel allein\nspricht nach seiner eingeborenen Natur, heroisch, prächtig\noder Liebe in süssen Tönen singend. Das sanghafte Marsch-\nlied im zweiten Concerto grosso S. 25, von 5 Geigen und\n2 Bläsern auszuführen, würde sich bald Gönner erwer-\nben, dessgleichen das kurze Adagio S. 31 mit der mun-\nteren Fuge, die ein schwieriges Thema witzig und klang-\nvoll, zuletzt in umgekehrter Melodie, interessant durch-\nführt. Dem stolzen Eingange von Concert IV nebst\ngeist- und tonreichem Allegro möchte man ein kräftigeres\nFinale wünschen; diese sonderbare Constructionsart, den\nFortgang nicht steigernd, sondern sinkend zu halten, wen-\ndet Händel in diesen Concerten mehrmals an; seit Haydn\nist sie mit Recht verlassen. Die Fuge im Concerte V S.\n46 ist schon länger bekannt, hier aber richtiger in Gei-\ngenklang ausgelegt, als in der uns gewohnten Orgelweise.\nDer schönste von den Sätzen ist wohl das\ngrosso in C, bei edler Einfachheit der Construction doch\nreich an bedeutenden Momenten, dessen erster und dritter\nTheil Begeisterung wecken wird; der liedartige Schluss-\nsatz wird minder durchdringen, da er, obwohl klar melo-\ndirt und gegliedert, eine gewisse alterthümliche Steifheit\nan sich trägt.\nVon den übrigen vier Concerten scheint uns das\nzweite das anmuthendste; nach Weise der Suiten-Form\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "252", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660811-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 280, "texte": "sind hier alle Theilsätze in gleicher Tonart gehalten;\nsonderbar, dass Händel selbst eine Variante des ersten\nSatzes gegeben hat, die in anderer Tonart steht; sie ist\nübrigens rhythmisch und melodisch wohlgebildeter, als die\nerste, und laut Vorwort P. IV die spätere.\n\nEd. Krüger."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-08-11-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-08-11_01#c003", "volume": "bmtnabi_1866-08-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "252", "page_fin": "252", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660811-01.2.3", "titre_corps": "Joh. Seb. Bach's Werke.", "titre_sommaire": "Joh. Seb. Bach's Werke.", "signature_source": "Ed. Krüger", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "252", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660811-01.1.4", "debut_caractere": 282, "fin_caractere_exclue": 3642, "texte": "Joh. Seb. Bach's Werke.\nEd. Krüger.\nAusgabe der Bach-Gesellschaft.\nDer dreizehnte Band der Bach-Gesellschaft zerfällt in\ndrei Lieferungen: I. vier Trauungs-Cantaten; 11. sechs\nenglische und sechs französische Suiten (11. Band der Cia-\nvierwerke); 111. Trauer-Ode auf den Tod der Kurfürstin\nund Königin Christiane Eberhardine, August des Starken\nGemahlin. Die Trauungs-Cantaten sind hier zum ersten\nMale herausgegeben, wenngleich mehrere Sätze derselben\naus anderen Werken zusammengestellt und anderweit be-\nkannt sind. Die erste derselben beginnt mit einer kunst-\nreich gearbeiteten Fuge von gewaltiger Tonkraft, der ein\ngemüthvoll rührendes Basslied folgt, in derselben Tonart\nG-dur, die im zweiten Theile des Weihnachts-Oratoriums\ndem zarten Wiegenliede, im Matthäus der liebreichen\nBass-Arie unterliegt, und die Händel, sanfte Wehmuth\nmalend, im Maccabäus verwendet—ein Zeichen von dem\nSinne der Tonarten, den man rechnend abläugnen will\nund doch hörend vernehmen muss. Aus der zweiten\nCantate ist die spannende Einleitungs-Sinfonie und das\nschöne Männer-Duett: „Der Herr segne euch\", heraus-\nzuheben; der Schluss-Chor, prächtig beginnend, ergeht\nsich nachher in einem doppelten Contrapunkte zum Amen,\nwelcher kunstreich geführt, aber gar nicht erbaulich ist,\nund zudem die Stimmen instrumentirt auf eine Weise,\nwie nur J. S. Bach sich erlaubt hat. S. 88 u. ff. Die\nschönste dieser Cantaten ist wohl die dritte und bei aller\nKunst doch fasslich und eingänglich; unbekannt ist die\nChoral-Melodie S. 128, wahrscheinlich selbsterfunden, wie\nderen öfter bei Bach vorkommen, deren jedoch keine\nvolksthümlich geworden ist.\nDie englischen und französischen Suiten, welche\ndie zweite Lieferung dieses Jahrgangs bilden, sind allen\nFreunden Bach's längst bekannt; sie erscheinen hier in\nneuem Gewände schön hergestellt, doch vermissen wir\nBemerkungen über die älteste Edition und anderes Kriti-\nsche, dergleichen, die übrigen Werke betreffend, den Vor-\nworten reichlich beigegeben ist.\nDie dritte Lieferung enthält die vielbesprochene\nTrauer-Ode, ein reiches Tonbild, zu dessen bedeutsamen\nTönen der elende Text von Gottsched so sehr in Dishar-\nmonie steht, dass der Herausgeber W. Rust sich ent-\nschloss, einen angemesseneren (auf Allerseelentag) zu dich-\nten, was ihm recht gut und den Sängern zu Dank gelun-\ngen ist.\nBei Gelegenheit dieser Lieferung können wir nicht\numhin, die früher schon ausgesprochene Frage zu er-\nneuern, wesshalb nicht neben den reichlich gegebenen\nVocalien unseres Meisters, deren vorzüglichste grössere\nja dankenswerth hergestellt sind, häufigere Instrumen-\ntalien erscheinen? Von den bisherigen dreizehn Bänden\nsind nur zwei rein instrumental, und es sind doch dieser\nKategorie so viele und weit mehr, als manche Vocalien,\nunbestritten vollendete, dass die Inhaber der Bach-\nAusgabe ihrer wahrhaft bedürfen. Man wende nicht ein,\ndass der grössere Theil der Cantaten dieser Ausgabe bis-\nher unbekannt gewesen und die Instrumentalien in vielen\nneuen Ausgaben gangbar sind. Aber so gut wie die Mat-\nthäus-Partitur trotz der Marx-Schlesinger'schen neu ge-\ndruckt ward, so darf die bisherige Publication auch kein\nHinderniss für die Instrumentalien sein; und auch hier ist\nManches, z. B. die Orchestersachen, die Doppel-Clavier-\nSonaten und Aehnliches. noch nicht in Aller Händen,\nAnderes ganz unbekannt, Anderes noch kritisch zu bear-\nbeiten."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-08-11-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-08-11_01#c004", "volume": "bmtnabi_1866-08-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "252", "page_fin": "254", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660811-01.2.4", "titre_corps": "Aus London.", "titre_sommaire": "Aus London.", "signature_source": "c", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "252", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660811-01.1.4", "debut_caractere": 3644, "fin_caractere_exclue": 4670, "texte": "Aus London.\n\n(Schluss. S. Nr. 31.)\n(Leopold Auer Gounod's 11. Sinfonie Jaell Halle\nConcert von Sullivan Frau Rudersdorf\nAgnes Zimmermann.)\nUeber die Aufführungen in den musicalischen Ver-\neinen und über die Privat-Concerte ist nicht viel Neues\nzu berichten: die Vereine sind dieselben, wie früher, und\ndie lange Reihe von Morgen-Concerten einzelner Künstler\nnach ihrem Werthe oder Unwerthe zu mustern, werden\nSie mir gern erlassen.\nDie Sacred Harmonie Society hat in ihrem letzten\nConcerte Mendelssohn's „Elias\", an dem die Engländer\nsich nicht satt hören können, und im vorletzten in merk-\nwürdiger Zusammenstellung Rossini's Stabat Mater und\nMendelssohn's Musik zur „Athalia\" gebracht. Vom „Elias\"\nmusste Herr Costa dieses Mal eine Probe halten, was beim\n„Messias\" . und „Elias\" in London sonst nie mehr ge-\nschieht, weil er das Orchester von Coventgarden, wo Don\nJuan an demselben Abende gegeben wurde, nicht haben\nkonnte.\nIn dem fünften philharmonischen Concerte spielte\nHerr Leopold Auer aus Düsseldorf das D-mo/Z-Concert"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "253", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660811-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5256, "texte": "von Spohr mit grossem Beifalle, den nachher ein Theil\nder Kritik ihm streitig zu machen suchte, ohne jedoch An-\nklang bei den anderen Vertretern derselben zu finden.\nUnd in der That, der kritische Maassstab, der nicht ab-\nsolut, sondern nur nach dem Verhältnisse zu der vollkom-\nmensten eines über alle anderen erhabenen Künstlers (in\ndiesem Falle Joachim's) an eine Leistung gelegt wird, ist\nnicht der richtige. Herr Auerist auf dem besten Wege,\nseinem Lehrer und seinem Vorbilde ganz nahe zu kom-\nmen, wenn auch die Tiefe der künstlerischen Auffassung\nund das poetische Gemüth Joachim's, die vorzugsweise nur\ndem Genie eigen sind, ihm nicht in demselben Maasse\nverliehen sein mögen.\nGesellschaft gab man eine Sinfonie von Gounod in Es-\ndur. Es war die zweite, die man hier hörte; die erste in\nD hatte Benedict im vorigen Jahre zur Aufführung ge-\nbracht, ohne Beifall dadurch zu erzielen; Sterndale Bennet\nwollte, wie es scheint, dem pariser Componisten Ersatz\nverschaffen, allein auch der Versuch mit der neuen Sin-\nfonie missglückte, indem man dem sehr lauen Applaus an-\nhörte, dass er nur von einer kleinen Zahl von Anhängern\nausging, die Gounod's Musik durchaus hier einbürgern\nwollen. Die Kritik fand mit Recht die zweite Sinfonie noch\nschwächer, als die erste: vierzig Minuten lang ganz ge-\nwöhnliche, häufig an Dagewesenes anklingende, ohne Spur\nvon Genialität verarbeitete Motive anzuhören, das ist viel\nverlangt. Das Scherzo dürfte noch der beste Satz sein;\ndas Polka-Thema des Finale ist viel zu breit ausgesponnen.\nConcert in C-moll, glänzend vorgetragen von Miss Ara-\nbella Goddard, mit einem Sturm von Applaus aufge-\nnommen. Es ist in der That eine schöne Composition.\nIm letzten philharmonischen Concerte wurden die Sin-\nfonieen von Mozart Nr. II und von Beethoven Nr. 111 ge-\nmacht. Alfred Jaell spielte Schumann's il-mo/Z-Concert\nund wurde gerufen. Die Tietjens und Gunz vertraten die\nGesangmusik.\nDie philharmonische Gesellschaft besteht vierundfünf-\nzig Jahre lang, seit 1812. Der Vorstand hat am Schlüsse\nder Saison dem Dirigenten Bennet ein glänzendes Fest-\nDiner in Brighton gegeben; die zahlreichen Theilnehmer\nfuhren mit einem Extra Bahnzuge hin und zurück.\nDie Monday Populär Condie fast den ganzen\nWinter hindurch gedauert haben, sind in der Saison auch\nnach Joachim's Abreise bei zahlreichem Besuche fortge-\nsetzt worden; Strauss und nachher Wieniawski er-\nsetzten seine Stelle in dem Quartette. Nächst ihnen wa-\nren Halle's Recitals das Bedeutendste von Kammermusik.\nHalle ist unstreitig hier in England der erste und wohl\nauch in Deutschland einer der ersten Pianisten für den\nVortrag ciassischer Musik; er spielt in diesen Recitals,\nwelche schon seit einigen Jahren eine Zierde der hiesigen\nSaison sind, nichts als Beethoven, namentlich dessen So-\nnaten, nicht ausschliesslich die letzten, von denen er neu-\nlich mit dem kolossalen Op. 106 in wahres Er-\nstaunen erregt hat, sondern auch die früheren, so dass er\nimmer eine interessante und doch nicht abspannende Zu-\nsammenstellung gibt.\nUnter den Privat-Concerten mit Orchester ist das von\ndem Componisten Sullivan Anfangs Juli gegebene zu\nbemerken, da in demselben Frau Goldschmidt-Lind\nvier Mal sang, zwei Lieder von Sullivan, die Bravour-Arie\nmit der obligaten Flöte aus Händel's\nund eine englische Ballade. Herr Sullivan führte eine\nneue Ouvertüre von seiner Composition und seine schon\nim Krystallpalaste und in der neuen philharmonischen Ge-\nsellschaft in dieser Season mit Beifall gegebene Sinfonie\nauf; sie wurde noch anerkennenswerther, aber auch noch\nMendelssohn'scher gefunden, als in den früheren Auffüh-\nrungen.\nUnter der Menge von Einzel-Concerten, die jedoch,\nnach den Berichten der französischen Musik-Zeitungen zu\nschliessen, die Anzahl der in Paris Statt gefundenen bei\nWeitem nicht erreicht hat, war das Concert der Frau\nRudersdorf (am 21. Juni) als eines der besten in die-\nsem Genre während der Saison auszuzeichnen. Echt eng-\nlisch enthielt das Programm vierzig Nummern, eine Aus-\nwahl von Berühmtheiten der Gesang- und Instrumental-\nMusik unterstützten unsere deutsche Sängerin, die bekannt-\nlich in der hiesigen Kunstwelt sich eine bedeutende Stellung\nzu schaffen gewusst hat und sie zu bewahren weiss. Etwas\nganz Neues war die Eröffnung des Concertes durch sehr\nhübsche mehrstimmige Gesänge für Frauenstimmen von\nBenedict, welche von einem Vereine von zwölf jungen Da-\nmen mit schönen Stimmen ausgeführt wurden. Die Con-\ncertgeberin selbst bewährte ihren Ruf als vortreffliche,\nkünstlerisch hoch über vielen gefeierten Namen stehende\nSängerin in allem, was sie allein und im Vereine mit An-\nderen vortrug. Durch Gesang-Vorträge wirkten ausser je-\nnen zwölf jungen Mädchen die Damen Grisi, Enequist\n(schwedische Lieder), Patey, Sinico (neuer Bravour-Wal-\nzer l'Estasi von Arditi), Parepa, Trebelli, Drasdil, Linas\nMartorelli (spanische Lieder), Demeric-Lablache, Zandrina\nund Vining (schottische Lieder) mit; die Herren Patey,\nHohler (ein Deutsch-Engländer von guter Familie, der\neben erst sich der Bühne gewidmet und als Arnold im\n„Teil\" und Manrico im „Trovatore\" gefallen hat), WTeiss,\nGardoni, Gassier, Mongini, Cummings, Bossi, Scalese.\nDazu die Instrumentalisten Jaell und Fräulein Trautmann,\nWieniawski und die kleinen Violin-Virtuosen Emil und"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "254", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660811-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1554, "texte": "August Sauret. Als Begleiter betheiligten sich Arditi, Ran-\ndegger, Ganz, Berger, Benedict. Das Concert wurde da-\ndurch eben so erfolgreich als ehrenvoll für unsere Lands-\nmännin.\nNoch näher geht Sie die von Köln zu uns gekommene\nClavierspielerin Fräulein Agnes Zimmermann an. Von\nihren Recitals,welche sie in gibt,\nkonnte ich nur der zweiten Matinee beiwohnen, wo ich\nmich von der Gediegenheit und dem grossen Erfolge ihres\nSpiels beim Publicum überzeugte. Sie spielte Beethoven's\nSonate in AOp. 101, Scbumann's Sonate in Op.\n22, Pauer's Variationen über ein Thema aus Mozart's\n„Entführung\", Mendelssohn's Präludium und Fuge in\n(Op. 35) und drei kleinere Stücke (Canon, Sarabande,\nGigue) von eigener Composition. Frau Rudersdorf vertrat\nden Gesang durch einige sehr beifällig aufgenommene\nVorträge, von denen sie Smart's Lied:\nwiederholen musste.\nWenn Sie in den Zeitungen lesen, dass auch die\nLucca und Adelina Patti Concerte gegeben haben, so läuft\ndas darauf hinaus, dass die beiden Damen ihre Namen\nhergegeben haben -in Folge contractlich festgestellter\nSpeculation des Herrn Gye zu zwei Concerten im Covent-\ngarden-Theater, deren Einnahme dem Impresario zufiel.\nDas diesjährige Worcester-Musikfest findet vom 11.\nbis 14. September Statt. Aufgeführt werden das Dettinger\nTe Deumvon Händel, die „Schöpfung\" und eine Aus-\nwahl aus Costa's „Naaman\"; am zweiten Tage „Elias\";\nam dritten Beethoven's Messe in C, eine Auswahl aus\n„Josua\" und Mendelssohn's „Lobgesang\"; am vierten\n(Freitag) Morgens der „Messias\" und Abends Ball (das\nist etwas Neues!).\n\nc."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-08-11-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-08-11_01#c005", "volume": "bmtnabi_1866-08-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "254", "page_fin": "255", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660811-01.2.5", "titre_corps": "Aloys Schmitt.", "titre_sommaire": "Aloys Schmitt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "254", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660811-01.1.6", "debut_caractere": 1556, "fin_caractere_exclue": 4970, "texte": "Aloys Schmitt.\n(Nekrolog.)\n(Schluss. S. Nr. 31.)\nVon den methodischen Werken AI. Schmitt's bringen\nwir vorzugsweise die Sammlung von planmässig geordne-\nten Tonstücken in Erinnerung, welche die Werke 114 in\nvier, 115 in drei und 116 in zwei Heften enthalten*).\nDiese Studienwerke unterscheiden sich in zwiefacher\nHinsicht von ähnlichen erstens dadurch, dass sie nicht für\nden Salon oder den Concertsaal geschrieben sind, um den\nVirtuosen Gelegenheit zu geben, durch enorme Finger-\nfertigkeit zu glänzen, und zweitens dadurch, dass sie die\nmechanische Vervollkommnung des Spiels allerdings zum\nHauptzwecke haben, aber daneben das eigentlich musica-\nlische Element durchweg ebenfalls zur Geltung bringen,\nso dass die Studie zugleich zu einem angenehmen Musik-\nstücke wird. Wir finden allerdings bei Clementi und Cra-\nmer musicalischen Inhalt; viele Nummern unter ihren\nEtüden erregen geistiges Interesse als ansprechende Com-\npositionen. Allein das Verdienst der steten Verschmelzung\ndes technisch Nützlichen mit dem musicalisch Geschmack-\nvollen kann AI. Schmitt vorzugsweise für sich in Anspruch\nnehmen, zumal in den Tonstücken, welche für die mittlere\nStufe der Ausbildung zum Pianisten bestimmt sind. Die-\njenigen Schüler, welche die Anfänge des Clavierspiels hin-\nter sich haben und desshalb bei dem Fortschreiten zu\nschwierigeren mechanischen Uebungen schon das Bedürf-\nniss eines melodischen Reizes empfinden, der sie gewisser\nMaassen über die zu überwindenden Schwierigkeiten\ntäuscht, diese werden vorzugsweise in Schmitt's Etüden\nihre Befriedigung finden. Dass besonders in den letzten\nJahrzehenden eine Menge von Uebungsstücken und Schu-\nlen der Geläufigkeit denselben Zweck verfolgen, zeigt die\nUeberfüllung jedes neuen Verlags-Katalogs mit derglei-\nchen Heften; allein die meisten Verfasser derselben erin-\nnern an eine vergangene pädagogische Periode, wo man\nden Kindern die Kenntniss der Buchstaben durch ein über-\nzuckertes Kuchen-ABC beibringen wollte. Es ist keine\nFrage, dass der grösste Theii von Musikstücken für das\njugendliche Alter, welche die Beyer, Chwatal, Osten u. s. w.\nu. s. w. liefern, bereits in den frühesten Jahren schon\nden Geschmack der Schüler verderben. Solchen Produc-\nten allen treten die Schmitt'schen Uebungsstücke als vor-\ntreffliche Gegenmittel, als gesunde Nahrung entgegen und\nsind den Lehrern nicht genug zu empfehlen. Die Technik\nverlangt heutzutage von den Fingern nicht weniger als\nAlles: sie sollen das politische Räthsel einer Verfassung\nlösen, bei welcher die grösste Selbständigkeit und Unab-\nhängigkeit jedes Einzelnen die vollkommene Einheit des\nGanzen hervorbringt. Sollen sie nun nicht im Mechanis-\nmus untergehen und zu todten Werkzeugen werden, so\nmüssen sie lernen, dem geistigen Gebieter gehorsam zu\nwerden, sich nicht mit ihrer Exercir- und Manövrirfertig-\nkeit zu brüsten, sondern früh zu lernen, dass sie nur einem\nhöheren Zwecke, dem musicalischen Ausdrucke, zu dienen\nhaben. Und das wird am besten erreicht, wenn der Schü-\nler durch jede Studie, die man ihm zumuthet, nicht bloss\nein Stückchen Fertigkeit, sondern auch ein Stück Musik\nsich zu eigen macht. Da jetzt der Clavier-Unterricht über-\nall als Grundlage des Musik-Unterrichts überhaupt herr-\nschend geworden ist, so ist es um so nöthiger, den eigent-\nlichen musicalischen Gesichtspunkt bei Ertheilung dessel-\nben von Hause aus festzuhalten.\n\n*) Sämmtlich bei J. Andre in OfFenbach erschienen."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "255", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660811-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 648, "texte": "Das schönste Ergebniss seiner musicaliscben Erzie-\nhungs-Methode hat Schmitt an seinem eigenen Sohne,\ndem grossherzoglichen Capellmeister G. Aloys Schmitt\nin Schwerin, erlebt, der nicht nur als Ciavierspieler, son-\ndern auch als Componist und in jeder Hinsicht trefflicher\nMusiker und Dirigent eine so einfluss- und erfolgreiche\nkünstlerische Wirksamkeit entwickelt, dass das Musikleben\nnicht bloss in Schwerin durch die Hofcapelle und das Hof-\ntheater, sondern in ganz Mecklenburg einen bedeutenden\nAufschwung genommen hat, wie besonders die seit eini-\ngen Jahren regelmässig dort veranstalteten Musikfeste auf\ndas erfreulichste zu erkennen geben."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-08-11-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-08-11_01#c006", "volume": "bmtnabi_1866-08-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "255", "page_fin": "255", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660811-01.2.6", "titre_corps": "Aus Aachen.", "titre_sommaire": "Aus Aachen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "255", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660811-01.1.7", "debut_caractere": 650, "fin_caractere_exclue": 3727, "texte": "Aus Aachen.\nAm 2. August hatten wir ein Concert, dessen Ein-\nnahrae zur Unterstützung der Verwundeten bestimmt war,\nwelches in einer schönen, zeit- und zweckgemässen Zu-\nsammenstellung die Aufführungen von Mozart's\nund Beethoven's Sinfonia eroica brachte. Ein Bericht\nin der Aachener Zeitung sagt darüber unter Anderem:\n„Die beiden Werke waren ein Ausdruck der Ge-\nfühle, weiche die Seelen der Zuhörer bewegten, einer-\nseits der gerechte Schmerz über die unendlichen Opfer,\nmit denen -die glänzenden Siege erkauft worden, anderer-\nseits die freudige Genugthuung, dass es unsere Söhne,\nunsere Brüder sind, die den alten Glanz unserer Waffen\nerneuert. Die Idee, eine feierliche Stimmung hervorzuru-\nfen, war also vollständig erreicht, und gewiss ist es Nie-\nmandem in den Sinn gekommen, dem Werke unseres\nMozart die Erhebung zu Gott und die tiefe Andacht zu\nbestreiten. Leider ist es mit so vielen anderen aus der\nKirche verbannt, obgleich Tausende von Christen seit\nmehr als einem halben Jahrhundert Gefühle daraus schöpf-\nten, die der Kirche würdiger waren, als so manche tri-\nviale und moderne italiänische Melodieen, mit denen man\nuns jetzt abspeist, hervorrufen können, selbst wenn sie\nohne Orchesterbegleitung und ohne Frauenstimmen ge-\nsungen werden.\n„Die Ausführung war eine höchst lobenswerthe; das\nSolo-Quartett, gebildet aus Fräulein M ü 11 er, weichein\nihrer zwar nicht bedeutenden Partie, aber doch der be-\ndeutendsten der vier, Gelegenheit fand, den Zauber ihrer\nschönen Sopranstimme walten zu lassen, Fräulein Nie-\nthen, den Herren Göbbels und Krolop, war ganz\nvorzüglich. Der Chor entwickelte in einigen Theilen seine\nVorzüge aufs glänzendste, namentlich wurde im Confutatis\nund Lacrymosa wundervoll nuancirt; der Sopran war\nausgezeichnet, Alt und Tenor verhältnissmässig etwas\nschwach, der Bass kräftig, aber gegen seine Gewohnheit\nzum Schleppen geneigt, wodurch das Zusammengehen in\ndem Fugensatze gefährdet wurde. Das Orchester hielt\nsich recht brav.\n„Die Ausführung von Beethoven's Eroica war über\nalles Lob erhaben, und erinnern wir uns nicht, seit unse-\nrem Musikfeste 1861 unter Lachner's Leitung eine bis\nins kleinste Detail so vollendete Ausführung gehört zu\nhaben; auch war der Eindruck mächtig und wurde jeder\nSatz stürmisch applaudirt. Herr Breunung, welcher die\nSeele des Ganzen war, nahm den ersten und letzten Satz\netwas schneller, als wir selbst an ihm gewohnt sind, und\nwir könnten fast glauben, dass er uns in diesem herrlichen\nSiegesgesange die flugartige, erstaunliche Schnelligkeit,\nwomit unsere Krieger den Sieg errungen haben, auch\nseinerseits hat darstellen wollen. Der Erfolg krönte das\nUnternehmen, Und hat uns Herr Breunung einen neuen\nBeweis gegeben, mit wie viel Sachkenntniss, Umsicht,\nEifer und Begeisterung er die Lösung seiner Aufgabe ins\nAuge fasst. Höchst dankbar.sind wir unserem Director,\nunseren Sängern und Instrumentalisten für den grossen\nGenuss, welchen sie uns bereitet haben.\n„Dass der Saal gefüllt war, braucht kaum erwähnt\nzu werden; es handelte sich um einen guten Zweck, und\ndann ist bei uns der Andrang gesichert.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-08-11-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-08-11_01#c007", "volume": "bmtnabi_1866-08-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "255", "page_fin": "256", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660811-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "255", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660811-01.1.7", "debut_caractere": 3729, "fin_caractere_exclue": 5287, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKohl. Der jüngere Quartett-Verein der Herren Krill, Mül-\nler, Kufferath und Ho ecke und Pianist Schratten bolz gab\nim kleinen Gürzenichsaale am Sonntag den 5. d. Mts. eine Matinee\nzum Besten der Verwundeten, welche der Tenorist Herr Riese\ndurch Gesang-Vorträge unterstützte. Das Violin-Quartett, in B-dur\nvon Mozart und das in Es-dur mit der beliebten Canzonetta von\nMendelssohn wurden recht gut vorgetragen, namentlich trat die\nerste Violine (Herr Krill) durch schönen Ton und Ausdruck hervor.\nDen jungen Künstlern nur der Violoncellist Herr Hoecke ist\neines der älteren, bewährten Mitglieder des Orchesters wurde\nreichlicher Applaus zu Theil; es ist zu wünschen, dass sie ihre\nUebungen eifrig fortsetzen, das Zusammenspiel ist schon jetzt in\nBezug auf Rhythmus und Präcision gut; für Auffassung und Aus-\ndruck würde freilich der Rath eines Meisters sehr förderlich sein.\nHerr M. Schratten holz bewährte sich durch den Vortrag des\nRondo's in Es-dur als einen talentvollen Clavierspieler. Herr Riese\nsang u. A. auch eine Lied-Composition von Herrn Salvator Mar-\nchese auf das hübsche Gedicht „Die Botschaft\" von Hick\nund erhielt lebhaften Beifall.\nDem Vernehmen nach wird nächstens unsere geschätzte Sän-\ngerin Fräulein Julie Rothenberger im Vereine mit dem kölner\nMänner-Gesangvereine unter der Direction des Herrn Musik-Directors\nF. Weber ein Concert zur Unterstützung der Verwundeten geben.\nDie Chorproben zu den Winter-Concerten im Gürzenich haben\nunter Leitung des Herrn Capellmeisters F. Hill er bereits wieder\nbegonnen."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "256", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660811-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5100, "texte": "Als Nachtrag zu dem Berichte über die Preis-Messen (aus\nLöwen in Nr. 30 vom 28. Juli) können wir sicherem Vernehmen\nnach berichten, dass die Messe mit der Devise: „Soli Deo gloria\",\nwelche wegen Mangels des vorgeschriebenen Graduales und Offer-\ntoriums nach dem einstimmigen Bedauern der Prüfungs-\nCommission nicht zum Concurs kommen durfte, Herrn J. A. van\nEycken, Organisten in Elberfeld, zum Verfasser bat. Herr van\nEycken hatte die Preis-Ausschreibung nicht im Original, sondern\nnur in einer Zeitung gelesen, welche die Bedingungen der Preis-\nbewerbung nicht vollständig enthielt.\nDer rührige Theater-Director Schunke, Vater der bekannten\nSchauspielerin gleichen Namens, ist in Berlin gestorben; er hin-\nterlässt einen geachteten Namen.\nHerr und Frau Trautmann und Frau Witwe Jaell zeigen die\nVermählung von Fräulein Marie Trautmann mit Herrn Alfred\nJaell an. Die Trauung in der Kirche Ste. Madeleine zu Paris\nhat am 9. August Statt gefunden. [Fräulein Marie Trautmann ist\neine ausgezeichnete Pianistin.]\nParis* Hier werden folgende ältere Opern zur Aufführung\nvorbereitet: in der grossen Oper Gluck's „Alceste\" (mit Fräulein\nBattu), in der komischen Oper M(£hul's „Joseph\", im lyrischen\nTheater Weber's „Freischütz\". Von Neuigkeiten wird Verdi's\n»Don Carlos\" studirt und „Mignon\" von Ambr. Thomas. Lit-\ntolf hat den Director des lyrischen Theaters, Herrn Carvalho, auf\neinen Schadenersatz von 6000 Frcs. verklagt, weil dieser seine Oper\n„Nahel\" nicht in der stipulirten Zeit (bis längstens Ende September\n1865) zur Aufführung brachte; er wurde aber mit der Klage abge-\nwiesen, weil eine Umarbeitung verabredet wurde, die nicht erfolgt ist.\nDas 1* euilleton der „Debatsu vom 5. d. Mts. enthält in einer\nMusterung der aus der Flut hervorragenden Concerte der Saison von\nJ. d'Ortigue folgende Stelle über F. Hiller:\nIch möchte so, wie ich es wirklich gethan, auch hier Ferdi-\nnand Hiller überall hin, wo er in Matineen und Soireen seine Com-\npositionen während seines letzten, nur allzu kurzen Aufenthaltes\nunter uns hat hören lassen, begleiten. F. Hiller, einer der grössten,\nwo nicht der grösste der gegenwärtigen Componisten in Deutsch-\nland, ist doch ein Enfant de Paris geblieben. Er hat hier alte Be-\nkannte hinterlassen und in ihnen lauter Bewunderer seines Talentes\nwiedergefunden. Welche kräftige, breite, schöne, durchdachte Erfin-\ndung, Plan, Entwicklung in allen den neueren Compositionen, die\ner uns hat hören lassen, wie in der Sonate für Piano mit Violine,\nderen schwierige Stimme Alard so trefflich vortrug, und in der So-\nnate mit Violoncell, die er mit Franchomme spielte! Welche rei-\nzende und brillante Phantasie in den Solostücken, z. B. der „Ga-\nvotte\", einem frischen und glücklichen Wurf des Genie's, und der\nvierhändigen „Operette ohne Worte\", worin nach der sehr hüb-\nschen Ouvertüre die buntesten Scenen in lebhafter musicalischer\nSchilderung einander folgen ! Drei Mal haben wir das allerliebste\nWerk mit immer neuem Vergnügen gehört, vom Componisten und\nder trefflichsten Dolmetscherin seines Geistes, Frau Szarvady, vor-\ngetragen.\nZacharias Werner' s Drama: „Die Weihe der Kraft\", ist\nvon Leon Halevy in Paris unter dem Titel: Martin Luther ou\nla Dihte de Worms, historisches Drama in vier Acten und in Ver-\nsen, ins Französische übersetzt worden. Das Thedtre frangais hatte\nes angenommen, aber bat es nicht aufgeführt.\nIn unserer Nr. 29 brachten wir eine Uebersetzung des energi-\nschen Artikels „Ze Th6r6sismeu von M. Escudier und bemerkten in\neiner Note, dass Theresa sogar bei Hofe in Paris gesungen habe.\nDiese Bemerkung beruhte auf ungenauen Zeitungs-Nachrichten; wie\nwir jetzt durch die France musicale (Nr. 31) belehrt werden, hat\nTheresa niemals in den Tuilerieen gesungen, wohl aber hier und da\nin den Salons einiger hochgestellten Personen, die ihre Neugierde\nbefriedigen wollten. Die Redaction.\nLondon. Das Journal Musical World gibt auf die Frage:\n„Was soll England thun, wenn Preussen Hannover nimmt und be-\nhält? die hübsche Antwort: „Es soll Joseph Joachim nehmen\nund behalten!\"\nLondon, 31. Juli. Das Concert, welches Moscheies in\nVerbindung mit dem hiesigen Frauenvereine gestern zum Besten der\nVerwundeten aller Nationen in St. James Hall gab, hat an 500\nPf. St. eingebracht. Wie interessant es in musicalischer Hinsicht\ngewesen, beweist das Programm. Moscheies, Etüde Op. 25 (Re-\nconciliation) und drei Nummern aus dem I. Hefte seiner Etüden.\nMad. Parepa, Arie von Auber. Moscheies, Variationen über\nThe Harmonius Blaksmith, eigener Composition. Mad. Gold-\nschmidt-Lind, „Und ob die Wolke\" u. s. w. Dr. Gunz, Lied\nvon Schubert: „Der Neugierige\". Mad. Parepa, Lied von Benedict.\nMoscheies, freie Phantasie über Thema's aus Beethoven's C-moll-\nSinfonie und Händel's „Sieh, er kommt\" u. s. w. („m honour of\nCount Bismark\"). Dr. Gunz, deutsches Lied. Mad. Parepa, zwei\nLieder von Moscheies. Moscheies und Goldschmidt, Bene-\ndict und Halle: Les Contrastes3 Concertante für acht Hände und\nzwei Pianoforte von Moscheies. Mad. Goldschmidt, Arie aus\nBellini s Beatrice di Tenda. Cherubini's Ouvertüre zu Anakreon für\nacht Hände und zwei Pianoforte (wie oben)."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "249", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660811-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nHändel's Werke. Ausgabe der deutschen Händel-Gesellschaft. Von Ed. Krüger. Joh. Seb. Bach's Werke.\nAusgabe der Bach-Gesellschaft. Von Ed. Krüger. Aus London ([Sehluss.] Leopold Auer Gounod's 11. Sinfonie Jaell Halle\nConcert von Sullivan Frau Rudersdorf Agnes Zimmermann). Von C. Aloys Schmitt (Nekrolog. Sehluss). Aus Aachen\n(Wohlthätigkeits-Concert). Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, der jüngere Quartett-Verein, Fräulein Rothenberger u. s. w.).\n\nHändel's Werke.\n\nAusgabe der deutschen Händel-Gesellschaft*).\nDas Händelwerk geht, wie bisher, einen rascheren\nGang, als so viele ähnliche sogar bei Engländern, was um\nso mehr anzuerkennen, da die Arbeit mühevoll und nicht\nohne manche persönliche Opfer ins Werk zu setzen ist.\nVon den heurigen drei Bänden wird der mittlere die Auf-\nmerksamkeit der Betheiligten besonders anziehen, weil er\nein fast unbekanntes, dazu eben so schönes als wunder-\nliches Werk wiederbringt. Cardinal Panfili in Rom dich-\ntete ein Oratorium: Sieg der Zeit und Wahrheit,\nwelches Händel 1708 in Rom componirte und dreissig\nJahre später in London umgestaltet und erweitert auf-\nführte. Die Liebhaberei an allegorischen Festspielen, uns\nheute unbegreiflich, stand in dem Jahrhundert nach 1650\nin Blüthe; vielleicht dass sie Nahrung empfing aus dem\ndamals aufblühenden neuen Oratorium, weil dieses eben\nvermöge der inwohnenden Kraft der Töne, persönliches\nLeben abzubilden, vor anderen befähigt ist, den trockenen\nAllegorien Reiz zu verleihen**), wie ja auch in Dante's\ngöttlichem Drama das Allegorische nur darum poetisch\nwirkt, weil es nicht etwa nur personificirt, sondern\nvon wirklichen Persönlichkeiten getragen wird. Der\nInhalt des Textes ist, zu zeigen, wie der Zeit und Wahr-\nheit alle Schönheit, Lust und Lüge endlich weichen müsse.\nDiese trockene Lehre entwickelt sich vor unserer Seele in\nsinnenfälligen Gebilden, die in so fern personäbnlicb em-\npfunden werden, als sie dem dramatischen Typus nach-\ngeahmt und mit ethischer Bewegung durchzogen sind,\nwodurch sie eben sowohl über die reine Allegorie sich\nemporheben, als sie hinter der reinen Poesie zurückstehen.\nDamit man nicht mit Hohnlächeln erinnere, das sei nur\neine Variation der alten Sünde, schlechte Texte in schöne\nMusik zu setzen, so versuche man die Namen Time Truth\nBeauty Pleasure Deceit aus der abstracten Fassung in\nconcrete zu übersetzen, etwa in: Zeus und Athene... .\nAphrodite Dionysos und Hermes...., so möchte sich ein\nKampf des Licht- und Nacht-Reiches den Tönen sinnver-\nwandt unterlegen lassen. Zwar verkennen wir nicht, dass\ndiese mythischen Personen denen der Händel'schen Alle-\ngorien nicht genau entsprechen: aber diese Unebenheit\nwürde eben so wenig schaden, wie die in der Händel-\nAusgabe gegebene Uebertragung von durch\n„ Weltsinn\", während das allgemeinere Lust, Wollust,\n'Hdovrj wohl richtiger wäre. Jedenfalls wäre die mythi-\nsche Personification in sich fester, als die schwankenden\nBegriffe, die in sich selbst wandelbar sind, indem z. B. der\nName Pleasure mit joy und delight wechselt, Counsel mit\nTruth) Deceit mit Error, T mit Wahrheit. Bewun-\ndernswert!) bleibt nun der Tondichter, der aus den Ge-\nspenstern des Wortdichters lebendige Gestalten gemacht\nhat, gleichwie im Allegro und Pensieroso aus den Eigen-\nschaften wirklich eigene Menschen. Zudem ist die fast\ndramatische Wendung des Textes, dass die übrigen bösen\nMächte tödlich überwunden werden, dagegen die Schön-\nheit sich in freier Liebe zur Wahrheit bekehrt, hierdurch\ndie musicalische Charakteristik nachgeahmt, indem\nsich die Personen unter einander steigern und wandeln:\nPleasure erscheint zu Anfang edler und bestimmter,\nBeauty unbestimmter, was sich im letzten Acte umkehrt.\nWie Händel sein Werk lieb gehabt, das beweist seine\nArbeit daran im 24., 53. und 73. Lebensjahre. Die hier\n\n*) VII. Jahrgang. Lieferung 19, 20, 21. Leipzig, Breitkopf\nund Härtel. Fol.\n**) Dies kommt merkwürdig zu Tage in Purcell's King Ar-\nthur (1680), wo unter anderen Naturgenien auch die Dämonen des\nFrostes auftreten, deren schneeiges Costume wohl kaum so bild-\nhaft war, wie ihre rauh zitternden Singstimmen es wirklich sind.\nAuch die dämonischen Gestalten in Gryphius' Carl Stuart gehö-\nren hieher, wo neben anderen auch ein Chor der Religionen und\ntetzereien einen so genannten Reigen bildet, dergleichen man\ndamals als Nachahmung griechischer Chöre gelten liess."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "250", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660811-01.1.2", "texte": "vorliegende Gestalt ist die aus der letzten Lebenszeit; der\nfür den nächstjährigen 24. Band versprochene Wieder-\nabdruck der ältesten Ausgabe von 1708 wird anziehende\nVergleiche von Jugend und Alter gewähren.\nDie einzelnen Personen betrachtend, merken wir, dass\nTime und Pleasuream schärfsten gegensätzlich charakte-\nrisirt sind, ihnen zunächst Beauty, zwischen denen die\nübrigen vermittelnd zuweilen blassere Züge zeigen. Die\nSchönheit tritt zuerst mild und zagend auf (P. 15), baid\nhebt sie sich fröhlich keck der Weisheit entgegen (29),\ndann in siegreichem Gefühle sogar der obersten Gewalt\nwidersagend (106), wendet sie sich endlich der erkannten\nWahrheit zu in warmen, herzlichen Tönen (140). Der\nGenius der Zeit ist von Anfang bis zu Ende einheitlichen\nCharakters: männlich, grossartig, voll schweren Ernstes\n(33, 112, 150). Von den übrigen ist Pleasure oder\nWeltlust die munterste und charakterloseste Gestalt,\nDeceit, der Lügenvater, hartnäckig im Charakter,\nCounsel, Weisheit, lehrhaft altklug, etwas steif; bedeu-\ntend ist ihre Steigerung von der Arie S. 25 zu der S. 108.\n—Leider finden sich keine eigentlich dramatischen Duette\noder Terzette; der Principienstreit ist nirgend musicalisch\nin einander gewirkt, ausser in den nicht eben bildhaften\nRecitativen, und kommt nur annähernd zum Vorscheine\nin den Sätzen von Solo und Chor. Unter den Chorsätzen\nsind die der Freude zugewandten denen der Weisheit\nund Wahrheit schön entgegengestellt, mit einfachen Mit-\nteln Grosses wirkend, wie Händel liebt; bemerkenswerth\nsind die damals ungewöhnlichen doppel-zweistimmigen,\nstatt der vierstimmigen, S. 58, 82.\nDas Oratorium Belsazar, im Jahre 1744, Händel's\nsechszigstem Lebensjahre, componirt, trägt, wie die übri-\ngen aus demselben Zeiträume, Züge unvergänglicher Ju-\ngend, doch ist es, anderen Kernwerken verglichen, minder\nvolksthümlich ergreifend, ob wegen der Länge der Reci-\ntative, oder wegen der Textgestalt überhaupt, ist schwer\nzu sagen. Der umfangreiche, in edler Sprache gehaltene,\naber mit überflüssiger Rhetorik durchflocbtene Text ist\nvon Händel mehrmal erheblich gekürzt und hätte von an-\nderer Hand wohl noch mehr Kürzung erfahren, da eben\ndiese Wortgebilde ermüdend sind, weil sie nicht, wie Pi-\ncander's Passionslieder, mystisch, sondern in englischer\nWeise moralisch reflexionsreich sind. Wir wundern uns\ndessen bei C h. Je n n e n s, Händel's Freunde, der die Text-\nwahl zu Messias und Israel, obwohl mit rein biblischen\nWorten, doch in selbständiger poetischer Freiheit so treff-\nlich ausgeführt hat. Ungeachtet jener Mängel ist jedoch\ndas Werk, wie es vorliegt, wirksam gegliedert in den dra-\nmatischen Fortschritt von Belsazar's Uebermuth, Jehova's\nFlammenschrift, Daniel's Weissagung und Cyrus' Sieg.\nDas Widereinanderringen dieser Kräfte ist in klarer Per-\nsonenzeichnung durchgeführt, die hier, wie begreiflich,\nanschaulicher gelingt, als an jenen allegorischen Traum-\ngestalten.\nHändel's Töne zeichnen nun in charakteristischen Zü-\ngen die Hauptpersonen: den König als sorglosen Lüstling,\nDaniel in ernster Hoheit, Cyrus in kühnem Gange das\nverheissene Heldenthum bewährend. Belsazar's Mutter,\nNitokris, ahnungsvoll und mütterlich, undGobryas,\nder edle Empörer, voll warmer Männlichkeit, beide sind,\nobwohl Nebenpersonen, doch mit schönen Individualzügen\nausgestattet, nach dem Shakespeare'schen Grundsatze, alle\nHandelnden als volle Persönlichkeiten eigenes Lebens zu\nfassen. Wenn wir nun dennoch nicht um eigensinniger\nMeinung willen, sondern mit ernsten Kunstfreunden ein-\nstimmig dem ganzen Werke weniger durchschlagende\nWirksamkeit als ähnlichen unseres Meisters zuschreiben,\nso glauben wir den Grund nicht wie man heute gern\nthut—im Lebensalter zu sehen, da Maccabäus und Josua\nbeide später und doch von überwältigend schlagender Kraft\nsind, sondern darin, dass die beiden Hauptscenen minder\nsinnenfällig erscheinen, indem weder die Flammenschrift,\nnoch der Ueberfall durch das Flussbett in so mächtigen\nund zugleich malerischen Tonbildern ausgeführt sind, wie\nsie Hände! sonst in seiner Gewalt hat*).\nWeiter auf Einzelheiten einzugehen, würde ohne An-\nblick der Partitur nichts helfen, nur aufmerksam machen\ndürfen wir den Liebhaber auf Bedeutsames, was ihm einen\nVorgeschmack des selten gehörten Ganzen gebe. Händel's\nganze Grösse spricht sich besonders im Daniel aus, von\ndem jedes Wort gewichtig und kraftvoll, selbst durch vir-\ntuose Fiorituren im Eindruck nicht gestört wird. Cyrus\nund Gobryas singen einander sinnverwandt, doch unter-\nschieden, wie Jüngling und Mann, Fürst und Feldherr.\nDie beiden Duette: Nitokris und Belsazar, Nitokris und\nCyrus, sind an Formschönheit den anderen Händel'schen\ngleich, aber auch darin, dass sie die Gegensätze der Per-\nsonen mehr-in Worten als Melodieen aussprechen; die\neigentlich dramatischen Duette in moderner Weise\nsind bei Händel selten: er zieht vor, die Aussprache der\nEinzelnen episch einander folgen zu lassen, und begibt sich\ndes köstlichen Vorrechtes der Oper, Gegensätzliches co-\nexistirend abzubilden, was Mozart trefflich versteht und\nHegel, Aesth. 3, 205, mit Unrecht tadelt. Von den Chö-\nren, die nach Händel'scher Art und Kunst oft in weni-\ngen Kraftstrichen grossen Inhalt aussagen, heben wir als\n\n*) Vgl. Niederrh. Musik-Zeitung, Jahrg. 1864, Nr. 22.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "251", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660811-01.1.3", "texte": "besonders schöne und klangkräftige hervor die Schlüsse\ndes ersten und zweiten Actes.\nIn der Bearbeitung des Herausgebers ist die Sorg-\nfalt anzuerkennen, mit der das Orchester im Clavier-Aus-\nzuge nachgebildet ist, zuweilen mit sinngemässen Ergän-\nzungen, wo das Ciavier volle Griffe verlangt, statt ein-\noder zweistimmiger Geigenbegleitung, z. B. S. 18, Z.\n4 29, 2 102, 1 —124, 1, 1—207, 2; wo oft das\nRichtige zu finden bei der eigenwillig kühnen Charakte-\nristik in Händel's Geigen-Melodieen gar nicht leicht ist.\nSelten wünschten wir das Ciavier anders, z. B. S. 33, 1,\n4, wo das letzte Viertel der Oberstimme passender\nlauten würde, als es d,und 151, 1, 2, wo der Unter-\nschied des ersten und zweiten Tactes dem Orchester ge-\nmäss festzuhalten wäre. Solche kleine Züge sind der Be-\nsprechung werth, weil sie letzthin mit unmässiger Emphase\nan Rob. Franz'Bach'schen undLiszt's Beethoven'schen\n„ Transcriptions\" gepriesen sind als geniale Wunder-\nwerke; das sind sie nicht, aber Clavier-Auszüge gibt es\nfreilich verschiedener Art! und diese neuen Händel'schen\ngehören unter die besten, gleich den älteren £u den Mo-\nzart'schen Opern in den Breitkopf-Härtel'schen Ausgaben,\nderen Redacteur zu bescheiden war, sich zu nennen, und\ndoch Liszt's Geistes-Reichthum mindestens ebenbürtig war.\nAusserdem ist zu loben, dass in dieser Händel-Ausgabe\ndie Pedanterie der Doppelnoten bei zweisprachigem\nTexte aufgegeben ist, z. B. 15, 1, 1—36, 3, 2—166,\n3, 2 und öfter, da jene peinliche Doppelschrift zumal bei\nRecitativen Augen und Verstand verwirrt, statt, wie man\nwill, hülfreich zu sein.\nDie Instrumentation des Oratoriums ist sparsam, wie\nbei den meisten Händel'schen, indem er durchgehends\nGeigen-Quartett, nur an Glanz- und Wendepunkten stär-\nkere Farben gebraucht, z. B. im Messias zum Halleluja\nund Amen nach alter Aufschrift nichts als Trump and\nDrum = Trompete und Pauke. Diese Enthaltsamkeit ist\nweder Armuth noch Unkenntniss der Instrumental-Effecte,\nsondern freier Wille, den Menschenton und die Wahrheit\nder Melodieen durch sich selbst wirken zu lassen. Die\nnach modernem Sinne fast einfach zu nennende Ouvertüre\nist doch reich an Kunstgebalt: zwar hört man die typische\nWeise jener Zeit und Händel's Lieblingswendungen bald\ndurch, aber es ist doch etwas Sonderliches, was diese Ton-\nbilder vorbereiten, im Maestoso offener, heroischer, im\nAllegro mehr verhüllt, dazu fremdartig durch die unge-\nwöhnliche Ausweichung, aus dem Grundtone nicht so-\ngleich zur Dominante, sondern erst durch die entlegene\nUntersecunde = Septima Toni,weiter zu gehen. Zwischen\ndieses munter bewegliche Thema treten S. 3, 3, 3 5\ndie abweichenden Töne eines ernst rührenden Gesanges,\ngleichsam ein Vorklang des Gegensatzes zu Belsazar.\nUebrigens war die spätere Art, den Inhalt des Drama's in\nder Ouvertüre vorzubilden, damals wenigstens nicht Grund-\nsatz, und die Einleitungen zu Maccabäus, Samson, Alexan-\nder, Josua tragen mehr den Charakter allgemeiner Stim-\nmungs-Gemälde, als specifischer dramatischer Vorhallen\nan sich.\nDas dritte Stück des Jahrgangs enthält acht Instru-\nmental - Concerte , die uns einen Einblick gewähren in\ndie Gemüths-Ergötzung jener Zeit, wo die Fingerkünste\nnoch nicht europäische Ereignisse waren. Die vorliegen-\nden Stücke sind grossentheils gesunde, ansprechende Mu-\nsik leichteren und ernsteren Inhalts; gegen die Ciavier-\nsachen der dritten Lieferung gehalten, werden die Or-\ncbestersätze heute Vielen als das Geringere erscheinen,\ndoch wird die richtige und vollständige Aufführung, und\nzwar mit Ciavier (Vorrede S. IV, was auch für manche\nBach'sche Iristrumentalien gilt), sie in besseres Licht stel-\nlen; die edle Freudigkeit des Händel'schen Genius bezeugt\nsich auch hier, und einzelne Sätze werden ihre vollgültige\nWirkung thun, selbst wenn sie in die heute übliche Ge-\nsellschaft romantischer Hexen und Kobolde mitten hinein\ngeschoben werden. Es ist manchmal viel leichtes Gesang-\nwerk mit geringer Modulation und stehenden Phrasen,\nwas uns mannigfaltig Gewöhnten und Verwöhnten nicht\nmundet; dagegen blitzt es kräftig, wo Händel allein\nspricht nach seiner eingeborenen Natur, heroisch, prächtig\noder Liebe in süssen Tönen singend. Das sanghafte Marsch-\nlied im zweiten Concerto grosso S. 25, von 5 Geigen und\n2 Bläsern auszuführen, würde sich bald Gönner erwer-\nben, dessgleichen das kurze Adagio S. 31 mit der mun-\nteren Fuge, die ein schwieriges Thema witzig und klang-\nvoll, zuletzt in umgekehrter Melodie, interessant durch-\nführt. Dem stolzen Eingange von Concert IV nebst\ngeist- und tonreichem Allegro möchte man ein kräftigeres\nFinale wünschen; diese sonderbare Constructionsart, den\nFortgang nicht steigernd, sondern sinkend zu halten, wen-\ndet Händel in diesen Concerten mehrmals an; seit Haydn\nist sie mit Recht verlassen. Die Fuge im Concerte V S.\n46 ist schon länger bekannt, hier aber richtiger in Gei-\ngenklang ausgelegt, als in der uns gewohnten Orgelweise.\nDer schönste von den Sätzen ist wohl das\ngrosso in C, bei edler Einfachheit der Construction doch\nreich an bedeutenden Momenten, dessen erster und dritter\nTheil Begeisterung wecken wird; der liedartige Schluss-\nsatz wird minder durchdringen, da er, obwohl klar melo-\ndirt und gegliedert, eine gewisse alterthümliche Steifheit\nan sich trägt.\nVon den übrigen vier Concerten scheint uns das\nzweite das anmuthendste; nach Weise der Suiten-Form\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "252", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660811-01.1.4", "texte": "sind hier alle Theilsätze in gleicher Tonart gehalten;\nsonderbar, dass Händel selbst eine Variante des ersten\nSatzes gegeben hat, die in anderer Tonart steht; sie ist\nübrigens rhythmisch und melodisch wohlgebildeter, als die\nerste, und laut Vorwort P. IV die spätere.\n\nEd. Krüger.\n\nJoh. Seb. Bach's Werke.\nEd. Krüger.\nAusgabe der Bach-Gesellschaft.\nDer dreizehnte Band der Bach-Gesellschaft zerfällt in\ndrei Lieferungen: I. vier Trauungs-Cantaten; 11. sechs\nenglische und sechs französische Suiten (11. Band der Cia-\nvierwerke); 111. Trauer-Ode auf den Tod der Kurfürstin\nund Königin Christiane Eberhardine, August des Starken\nGemahlin. Die Trauungs-Cantaten sind hier zum ersten\nMale herausgegeben, wenngleich mehrere Sätze derselben\naus anderen Werken zusammengestellt und anderweit be-\nkannt sind. Die erste derselben beginnt mit einer kunst-\nreich gearbeiteten Fuge von gewaltiger Tonkraft, der ein\ngemüthvoll rührendes Basslied folgt, in derselben Tonart\nG-dur, die im zweiten Theile des Weihnachts-Oratoriums\ndem zarten Wiegenliede, im Matthäus der liebreichen\nBass-Arie unterliegt, und die Händel, sanfte Wehmuth\nmalend, im Maccabäus verwendet—ein Zeichen von dem\nSinne der Tonarten, den man rechnend abläugnen will\nund doch hörend vernehmen muss. Aus der zweiten\nCantate ist die spannende Einleitungs-Sinfonie und das\nschöne Männer-Duett: „Der Herr segne euch\", heraus-\nzuheben; der Schluss-Chor, prächtig beginnend, ergeht\nsich nachher in einem doppelten Contrapunkte zum Amen,\nwelcher kunstreich geführt, aber gar nicht erbaulich ist,\nund zudem die Stimmen instrumentirt auf eine Weise,\nwie nur J. S. Bach sich erlaubt hat. S. 88 u. ff. Die\nschönste dieser Cantaten ist wohl die dritte und bei aller\nKunst doch fasslich und eingänglich; unbekannt ist die\nChoral-Melodie S. 128, wahrscheinlich selbsterfunden, wie\nderen öfter bei Bach vorkommen, deren jedoch keine\nvolksthümlich geworden ist.\nDie englischen und französischen Suiten, welche\ndie zweite Lieferung dieses Jahrgangs bilden, sind allen\nFreunden Bach's längst bekannt; sie erscheinen hier in\nneuem Gewände schön hergestellt, doch vermissen wir\nBemerkungen über die älteste Edition und anderes Kriti-\nsche, dergleichen, die übrigen Werke betreffend, den Vor-\nworten reichlich beigegeben ist.\nDie dritte Lieferung enthält die vielbesprochene\nTrauer-Ode, ein reiches Tonbild, zu dessen bedeutsamen\nTönen der elende Text von Gottsched so sehr in Dishar-\nmonie steht, dass der Herausgeber W. Rust sich ent-\nschloss, einen angemesseneren (auf Allerseelentag) zu dich-\nten, was ihm recht gut und den Sängern zu Dank gelun-\ngen ist.\nBei Gelegenheit dieser Lieferung können wir nicht\numhin, die früher schon ausgesprochene Frage zu er-\nneuern, wesshalb nicht neben den reichlich gegebenen\nVocalien unseres Meisters, deren vorzüglichste grössere\nja dankenswerth hergestellt sind, häufigere Instrumen-\ntalien erscheinen? Von den bisherigen dreizehn Bänden\nsind nur zwei rein instrumental, und es sind doch dieser\nKategorie so viele und weit mehr, als manche Vocalien,\nunbestritten vollendete, dass die Inhaber der Bach-\nAusgabe ihrer wahrhaft bedürfen. Man wende nicht ein,\ndass der grössere Theil der Cantaten dieser Ausgabe bis-\nher unbekannt gewesen und die Instrumentalien in vielen\nneuen Ausgaben gangbar sind. Aber so gut wie die Mat-\nthäus-Partitur trotz der Marx-Schlesinger'schen neu ge-\ndruckt ward, so darf die bisherige Publication auch kein\nHinderniss für die Instrumentalien sein; und auch hier ist\nManches, z. B. die Orchestersachen, die Doppel-Clavier-\nSonaten und Aehnliches. noch nicht in Aller Händen,\nAnderes ganz unbekannt, Anderes noch kritisch zu bear-\nbeiten.\n\nAus London.\n\n(Schluss. S. Nr. 31.)\n(Leopold Auer Gounod's 11. Sinfonie Jaell Halle\nConcert von Sullivan Frau Rudersdorf\nAgnes Zimmermann.)\nUeber die Aufführungen in den musicalischen Ver-\neinen und über die Privat-Concerte ist nicht viel Neues\nzu berichten: die Vereine sind dieselben, wie früher, und\ndie lange Reihe von Morgen-Concerten einzelner Künstler\nnach ihrem Werthe oder Unwerthe zu mustern, werden\nSie mir gern erlassen.\nDie Sacred Harmonie Society hat in ihrem letzten\nConcerte Mendelssohn's „Elias\", an dem die Engländer\nsich nicht satt hören können, und im vorletzten in merk-\nwürdiger Zusammenstellung Rossini's Stabat Mater und\nMendelssohn's Musik zur „Athalia\" gebracht. Vom „Elias\"\nmusste Herr Costa dieses Mal eine Probe halten, was beim\n„Messias\" . und „Elias\" in London sonst nie mehr ge-\nschieht, weil er das Orchester von Coventgarden, wo Don\nJuan an demselben Abende gegeben wurde, nicht haben\nkonnte.\nIn dem fünften philharmonischen Concerte spielte\nHerr Leopold Auer aus Düsseldorf das D-mo/Z-Concert"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "253", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660811-01.1.5", "texte": "von Spohr mit grossem Beifalle, den nachher ein Theil\nder Kritik ihm streitig zu machen suchte, ohne jedoch An-\nklang bei den anderen Vertretern derselben zu finden.\nUnd in der That, der kritische Maassstab, der nicht ab-\nsolut, sondern nur nach dem Verhältnisse zu der vollkom-\nmensten eines über alle anderen erhabenen Künstlers (in\ndiesem Falle Joachim's) an eine Leistung gelegt wird, ist\nnicht der richtige. Herr Auerist auf dem besten Wege,\nseinem Lehrer und seinem Vorbilde ganz nahe zu kom-\nmen, wenn auch die Tiefe der künstlerischen Auffassung\nund das poetische Gemüth Joachim's, die vorzugsweise nur\ndem Genie eigen sind, ihm nicht in demselben Maasse\nverliehen sein mögen.\nGesellschaft gab man eine Sinfonie von Gounod in Es-\ndur. Es war die zweite, die man hier hörte; die erste in\nD hatte Benedict im vorigen Jahre zur Aufführung ge-\nbracht, ohne Beifall dadurch zu erzielen; Sterndale Bennet\nwollte, wie es scheint, dem pariser Componisten Ersatz\nverschaffen, allein auch der Versuch mit der neuen Sin-\nfonie missglückte, indem man dem sehr lauen Applaus an-\nhörte, dass er nur von einer kleinen Zahl von Anhängern\nausging, die Gounod's Musik durchaus hier einbürgern\nwollen. Die Kritik fand mit Recht die zweite Sinfonie noch\nschwächer, als die erste: vierzig Minuten lang ganz ge-\nwöhnliche, häufig an Dagewesenes anklingende, ohne Spur\nvon Genialität verarbeitete Motive anzuhören, das ist viel\nverlangt. Das Scherzo dürfte noch der beste Satz sein;\ndas Polka-Thema des Finale ist viel zu breit ausgesponnen.\nConcert in C-moll, glänzend vorgetragen von Miss Ara-\nbella Goddard, mit einem Sturm von Applaus aufge-\nnommen. Es ist in der That eine schöne Composition.\nIm letzten philharmonischen Concerte wurden die Sin-\nfonieen von Mozart Nr. II und von Beethoven Nr. 111 ge-\nmacht. Alfred Jaell spielte Schumann's il-mo/Z-Concert\nund wurde gerufen. Die Tietjens und Gunz vertraten die\nGesangmusik.\nDie philharmonische Gesellschaft besteht vierundfünf-\nzig Jahre lang, seit 1812. Der Vorstand hat am Schlüsse\nder Saison dem Dirigenten Bennet ein glänzendes Fest-\nDiner in Brighton gegeben; die zahlreichen Theilnehmer\nfuhren mit einem Extra Bahnzuge hin und zurück.\nDie Monday Populär Condie fast den ganzen\nWinter hindurch gedauert haben, sind in der Saison auch\nnach Joachim's Abreise bei zahlreichem Besuche fortge-\nsetzt worden; Strauss und nachher Wieniawski er-\nsetzten seine Stelle in dem Quartette. Nächst ihnen wa-\nren Halle's Recitals das Bedeutendste von Kammermusik.\nHalle ist unstreitig hier in England der erste und wohl\nauch in Deutschland einer der ersten Pianisten für den\nVortrag ciassischer Musik; er spielt in diesen Recitals,\nwelche schon seit einigen Jahren eine Zierde der hiesigen\nSaison sind, nichts als Beethoven, namentlich dessen So-\nnaten, nicht ausschliesslich die letzten, von denen er neu-\nlich mit dem kolossalen Op. 106 in wahres Er-\nstaunen erregt hat, sondern auch die früheren, so dass er\nimmer eine interessante und doch nicht abspannende Zu-\nsammenstellung gibt.\nUnter den Privat-Concerten mit Orchester ist das von\ndem Componisten Sullivan Anfangs Juli gegebene zu\nbemerken, da in demselben Frau Goldschmidt-Lind\nvier Mal sang, zwei Lieder von Sullivan, die Bravour-Arie\nmit der obligaten Flöte aus Händel's\nund eine englische Ballade. Herr Sullivan führte eine\nneue Ouvertüre von seiner Composition und seine schon\nim Krystallpalaste und in der neuen philharmonischen Ge-\nsellschaft in dieser Season mit Beifall gegebene Sinfonie\nauf; sie wurde noch anerkennenswerther, aber auch noch\nMendelssohn'scher gefunden, als in den früheren Auffüh-\nrungen.\nUnter der Menge von Einzel-Concerten, die jedoch,\nnach den Berichten der französischen Musik-Zeitungen zu\nschliessen, die Anzahl der in Paris Statt gefundenen bei\nWeitem nicht erreicht hat, war das Concert der Frau\nRudersdorf (am 21. Juni) als eines der besten in die-\nsem Genre während der Saison auszuzeichnen. Echt eng-\nlisch enthielt das Programm vierzig Nummern, eine Aus-\nwahl von Berühmtheiten der Gesang- und Instrumental-\nMusik unterstützten unsere deutsche Sängerin, die bekannt-\nlich in der hiesigen Kunstwelt sich eine bedeutende Stellung\nzu schaffen gewusst hat und sie zu bewahren weiss. Etwas\nganz Neues war die Eröffnung des Concertes durch sehr\nhübsche mehrstimmige Gesänge für Frauenstimmen von\nBenedict, welche von einem Vereine von zwölf jungen Da-\nmen mit schönen Stimmen ausgeführt wurden. Die Con-\ncertgeberin selbst bewährte ihren Ruf als vortreffliche,\nkünstlerisch hoch über vielen gefeierten Namen stehende\nSängerin in allem, was sie allein und im Vereine mit An-\nderen vortrug. Durch Gesang-Vorträge wirkten ausser je-\nnen zwölf jungen Mädchen die Damen Grisi, Enequist\n(schwedische Lieder), Patey, Sinico (neuer Bravour-Wal-\nzer l'Estasi von Arditi), Parepa, Trebelli, Drasdil, Linas\nMartorelli (spanische Lieder), Demeric-Lablache, Zandrina\nund Vining (schottische Lieder) mit; die Herren Patey,\nHohler (ein Deutsch-Engländer von guter Familie, der\neben erst sich der Bühne gewidmet und als Arnold im\n„Teil\" und Manrico im „Trovatore\" gefallen hat), WTeiss,\nGardoni, Gassier, Mongini, Cummings, Bossi, Scalese.\nDazu die Instrumentalisten Jaell und Fräulein Trautmann,\nWieniawski und die kleinen Violin-Virtuosen Emil und"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "254", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660811-01.1.6", "texte": "August Sauret. Als Begleiter betheiligten sich Arditi, Ran-\ndegger, Ganz, Berger, Benedict. Das Concert wurde da-\ndurch eben so erfolgreich als ehrenvoll für unsere Lands-\nmännin.\nNoch näher geht Sie die von Köln zu uns gekommene\nClavierspielerin Fräulein Agnes Zimmermann an. Von\nihren Recitals,welche sie in gibt,\nkonnte ich nur der zweiten Matinee beiwohnen, wo ich\nmich von der Gediegenheit und dem grossen Erfolge ihres\nSpiels beim Publicum überzeugte. Sie spielte Beethoven's\nSonate in AOp. 101, Scbumann's Sonate in Op.\n22, Pauer's Variationen über ein Thema aus Mozart's\n„Entführung\", Mendelssohn's Präludium und Fuge in\n(Op. 35) und drei kleinere Stücke (Canon, Sarabande,\nGigue) von eigener Composition. Frau Rudersdorf vertrat\nden Gesang durch einige sehr beifällig aufgenommene\nVorträge, von denen sie Smart's Lied:\nwiederholen musste.\nWenn Sie in den Zeitungen lesen, dass auch die\nLucca und Adelina Patti Concerte gegeben haben, so läuft\ndas darauf hinaus, dass die beiden Damen ihre Namen\nhergegeben haben -in Folge contractlich festgestellter\nSpeculation des Herrn Gye zu zwei Concerten im Covent-\ngarden-Theater, deren Einnahme dem Impresario zufiel.\nDas diesjährige Worcester-Musikfest findet vom 11.\nbis 14. September Statt. Aufgeführt werden das Dettinger\nTe Deumvon Händel, die „Schöpfung\" und eine Aus-\nwahl aus Costa's „Naaman\"; am zweiten Tage „Elias\";\nam dritten Beethoven's Messe in C, eine Auswahl aus\n„Josua\" und Mendelssohn's „Lobgesang\"; am vierten\n(Freitag) Morgens der „Messias\" und Abends Ball (das\nist etwas Neues!).\n\nc.\n\nAloys Schmitt.\n(Nekrolog.)\n(Schluss. S. Nr. 31.)\nVon den methodischen Werken AI. Schmitt's bringen\nwir vorzugsweise die Sammlung von planmässig geordne-\nten Tonstücken in Erinnerung, welche die Werke 114 in\nvier, 115 in drei und 116 in zwei Heften enthalten*).\nDiese Studienwerke unterscheiden sich in zwiefacher\nHinsicht von ähnlichen erstens dadurch, dass sie nicht für\nden Salon oder den Concertsaal geschrieben sind, um den\nVirtuosen Gelegenheit zu geben, durch enorme Finger-\nfertigkeit zu glänzen, und zweitens dadurch, dass sie die\nmechanische Vervollkommnung des Spiels allerdings zum\nHauptzwecke haben, aber daneben das eigentlich musica-\nlische Element durchweg ebenfalls zur Geltung bringen,\nso dass die Studie zugleich zu einem angenehmen Musik-\nstücke wird. Wir finden allerdings bei Clementi und Cra-\nmer musicalischen Inhalt; viele Nummern unter ihren\nEtüden erregen geistiges Interesse als ansprechende Com-\npositionen. Allein das Verdienst der steten Verschmelzung\ndes technisch Nützlichen mit dem musicalisch Geschmack-\nvollen kann AI. Schmitt vorzugsweise für sich in Anspruch\nnehmen, zumal in den Tonstücken, welche für die mittlere\nStufe der Ausbildung zum Pianisten bestimmt sind. Die-\njenigen Schüler, welche die Anfänge des Clavierspiels hin-\nter sich haben und desshalb bei dem Fortschreiten zu\nschwierigeren mechanischen Uebungen schon das Bedürf-\nniss eines melodischen Reizes empfinden, der sie gewisser\nMaassen über die zu überwindenden Schwierigkeiten\ntäuscht, diese werden vorzugsweise in Schmitt's Etüden\nihre Befriedigung finden. Dass besonders in den letzten\nJahrzehenden eine Menge von Uebungsstücken und Schu-\nlen der Geläufigkeit denselben Zweck verfolgen, zeigt die\nUeberfüllung jedes neuen Verlags-Katalogs mit derglei-\nchen Heften; allein die meisten Verfasser derselben erin-\nnern an eine vergangene pädagogische Periode, wo man\nden Kindern die Kenntniss der Buchstaben durch ein über-\nzuckertes Kuchen-ABC beibringen wollte. Es ist keine\nFrage, dass der grösste Theii von Musikstücken für das\njugendliche Alter, welche die Beyer, Chwatal, Osten u. s. w.\nu. s. w. liefern, bereits in den frühesten Jahren schon\nden Geschmack der Schüler verderben. Solchen Produc-\nten allen treten die Schmitt'schen Uebungsstücke als vor-\ntreffliche Gegenmittel, als gesunde Nahrung entgegen und\nsind den Lehrern nicht genug zu empfehlen. Die Technik\nverlangt heutzutage von den Fingern nicht weniger als\nAlles: sie sollen das politische Räthsel einer Verfassung\nlösen, bei welcher die grösste Selbständigkeit und Unab-\nhängigkeit jedes Einzelnen die vollkommene Einheit des\nGanzen hervorbringt. Sollen sie nun nicht im Mechanis-\nmus untergehen und zu todten Werkzeugen werden, so\nmüssen sie lernen, dem geistigen Gebieter gehorsam zu\nwerden, sich nicht mit ihrer Exercir- und Manövrirfertig-\nkeit zu brüsten, sondern früh zu lernen, dass sie nur einem\nhöheren Zwecke, dem musicalischen Ausdrucke, zu dienen\nhaben. Und das wird am besten erreicht, wenn der Schü-\nler durch jede Studie, die man ihm zumuthet, nicht bloss\nein Stückchen Fertigkeit, sondern auch ein Stück Musik\nsich zu eigen macht. Da jetzt der Clavier-Unterricht über-\nall als Grundlage des Musik-Unterrichts überhaupt herr-\nschend geworden ist, so ist es um so nöthiger, den eigent-\nlichen musicalischen Gesichtspunkt bei Ertheilung dessel-\nben von Hause aus festzuhalten.\n\n*) Sämmtlich bei J. Andre in OfFenbach erschienen."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "255", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660811-01.1.7", "texte": "Das schönste Ergebniss seiner musicaliscben Erzie-\nhungs-Methode hat Schmitt an seinem eigenen Sohne,\ndem grossherzoglichen Capellmeister G. Aloys Schmitt\nin Schwerin, erlebt, der nicht nur als Ciavierspieler, son-\ndern auch als Componist und in jeder Hinsicht trefflicher\nMusiker und Dirigent eine so einfluss- und erfolgreiche\nkünstlerische Wirksamkeit entwickelt, dass das Musikleben\nnicht bloss in Schwerin durch die Hofcapelle und das Hof-\ntheater, sondern in ganz Mecklenburg einen bedeutenden\nAufschwung genommen hat, wie besonders die seit eini-\ngen Jahren regelmässig dort veranstalteten Musikfeste auf\ndas erfreulichste zu erkennen geben.\n\nAus Aachen.\nAm 2. August hatten wir ein Concert, dessen Ein-\nnahrae zur Unterstützung der Verwundeten bestimmt war,\nwelches in einer schönen, zeit- und zweckgemässen Zu-\nsammenstellung die Aufführungen von Mozart's\nund Beethoven's Sinfonia eroica brachte. Ein Bericht\nin der Aachener Zeitung sagt darüber unter Anderem:\n„Die beiden Werke waren ein Ausdruck der Ge-\nfühle, weiche die Seelen der Zuhörer bewegten, einer-\nseits der gerechte Schmerz über die unendlichen Opfer,\nmit denen -die glänzenden Siege erkauft worden, anderer-\nseits die freudige Genugthuung, dass es unsere Söhne,\nunsere Brüder sind, die den alten Glanz unserer Waffen\nerneuert. Die Idee, eine feierliche Stimmung hervorzuru-\nfen, war also vollständig erreicht, und gewiss ist es Nie-\nmandem in den Sinn gekommen, dem Werke unseres\nMozart die Erhebung zu Gott und die tiefe Andacht zu\nbestreiten. Leider ist es mit so vielen anderen aus der\nKirche verbannt, obgleich Tausende von Christen seit\nmehr als einem halben Jahrhundert Gefühle daraus schöpf-\nten, die der Kirche würdiger waren, als so manche tri-\nviale und moderne italiänische Melodieen, mit denen man\nuns jetzt abspeist, hervorrufen können, selbst wenn sie\nohne Orchesterbegleitung und ohne Frauenstimmen ge-\nsungen werden.\n„Die Ausführung war eine höchst lobenswerthe; das\nSolo-Quartett, gebildet aus Fräulein M ü 11 er, weichein\nihrer zwar nicht bedeutenden Partie, aber doch der be-\ndeutendsten der vier, Gelegenheit fand, den Zauber ihrer\nschönen Sopranstimme walten zu lassen, Fräulein Nie-\nthen, den Herren Göbbels und Krolop, war ganz\nvorzüglich. Der Chor entwickelte in einigen Theilen seine\nVorzüge aufs glänzendste, namentlich wurde im Confutatis\nund Lacrymosa wundervoll nuancirt; der Sopran war\nausgezeichnet, Alt und Tenor verhältnissmässig etwas\nschwach, der Bass kräftig, aber gegen seine Gewohnheit\nzum Schleppen geneigt, wodurch das Zusammengehen in\ndem Fugensatze gefährdet wurde. Das Orchester hielt\nsich recht brav.\n„Die Ausführung von Beethoven's Eroica war über\nalles Lob erhaben, und erinnern wir uns nicht, seit unse-\nrem Musikfeste 1861 unter Lachner's Leitung eine bis\nins kleinste Detail so vollendete Ausführung gehört zu\nhaben; auch war der Eindruck mächtig und wurde jeder\nSatz stürmisch applaudirt. Herr Breunung, welcher die\nSeele des Ganzen war, nahm den ersten und letzten Satz\netwas schneller, als wir selbst an ihm gewohnt sind, und\nwir könnten fast glauben, dass er uns in diesem herrlichen\nSiegesgesange die flugartige, erstaunliche Schnelligkeit,\nwomit unsere Krieger den Sieg errungen haben, auch\nseinerseits hat darstellen wollen. Der Erfolg krönte das\nUnternehmen, Und hat uns Herr Breunung einen neuen\nBeweis gegeben, mit wie viel Sachkenntniss, Umsicht,\nEifer und Begeisterung er die Lösung seiner Aufgabe ins\nAuge fasst. Höchst dankbar.sind wir unserem Director,\nunseren Sängern und Instrumentalisten für den grossen\nGenuss, welchen sie uns bereitet haben.\n„Dass der Saal gefüllt war, braucht kaum erwähnt\nzu werden; es handelte sich um einen guten Zweck, und\ndann ist bei uns der Andrang gesichert.\"\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKohl. Der jüngere Quartett-Verein der Herren Krill, Mül-\nler, Kufferath und Ho ecke und Pianist Schratten bolz gab\nim kleinen Gürzenichsaale am Sonntag den 5. d. Mts. eine Matinee\nzum Besten der Verwundeten, welche der Tenorist Herr Riese\ndurch Gesang-Vorträge unterstützte. Das Violin-Quartett, in B-dur\nvon Mozart und das in Es-dur mit der beliebten Canzonetta von\nMendelssohn wurden recht gut vorgetragen, namentlich trat die\nerste Violine (Herr Krill) durch schönen Ton und Ausdruck hervor.\nDen jungen Künstlern nur der Violoncellist Herr Hoecke ist\neines der älteren, bewährten Mitglieder des Orchesters wurde\nreichlicher Applaus zu Theil; es ist zu wünschen, dass sie ihre\nUebungen eifrig fortsetzen, das Zusammenspiel ist schon jetzt in\nBezug auf Rhythmus und Präcision gut; für Auffassung und Aus-\ndruck würde freilich der Rath eines Meisters sehr förderlich sein.\nHerr M. Schratten holz bewährte sich durch den Vortrag des\nRondo's in Es-dur als einen talentvollen Clavierspieler. Herr Riese\nsang u. A. auch eine Lied-Composition von Herrn Salvator Mar-\nchese auf das hübsche Gedicht „Die Botschaft\" von Hick\nund erhielt lebhaften Beifall.\nDem Vernehmen nach wird nächstens unsere geschätzte Sän-\ngerin Fräulein Julie Rothenberger im Vereine mit dem kölner\nMänner-Gesangvereine unter der Direction des Herrn Musik-Directors\nF. Weber ein Concert zur Unterstützung der Verwundeten geben.\nDie Chorproben zu den Winter-Concerten im Gürzenich haben\nunter Leitung des Herrn Capellmeisters F. Hill er bereits wieder\nbegonnen."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "256", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660811-01.1.8", "texte": "Als Nachtrag zu dem Berichte über die Preis-Messen (aus\nLöwen in Nr. 30 vom 28. Juli) können wir sicherem Vernehmen\nnach berichten, dass die Messe mit der Devise: „Soli Deo gloria\",\nwelche wegen Mangels des vorgeschriebenen Graduales und Offer-\ntoriums nach dem einstimmigen Bedauern der Prüfungs-\nCommission nicht zum Concurs kommen durfte, Herrn J. A. van\nEycken, Organisten in Elberfeld, zum Verfasser bat. Herr van\nEycken hatte die Preis-Ausschreibung nicht im Original, sondern\nnur in einer Zeitung gelesen, welche die Bedingungen der Preis-\nbewerbung nicht vollständig enthielt.\nDer rührige Theater-Director Schunke, Vater der bekannten\nSchauspielerin gleichen Namens, ist in Berlin gestorben; er hin-\nterlässt einen geachteten Namen.\nHerr und Frau Trautmann und Frau Witwe Jaell zeigen die\nVermählung von Fräulein Marie Trautmann mit Herrn Alfred\nJaell an. Die Trauung in der Kirche Ste. Madeleine zu Paris\nhat am 9. August Statt gefunden. [Fräulein Marie Trautmann ist\neine ausgezeichnete Pianistin.]\nParis* Hier werden folgende ältere Opern zur Aufführung\nvorbereitet: in der grossen Oper Gluck's „Alceste\" (mit Fräulein\nBattu), in der komischen Oper M(£hul's „Joseph\", im lyrischen\nTheater Weber's „Freischütz\". Von Neuigkeiten wird Verdi's\n»Don Carlos\" studirt und „Mignon\" von Ambr. Thomas. Lit-\ntolf hat den Director des lyrischen Theaters, Herrn Carvalho, auf\neinen Schadenersatz von 6000 Frcs. verklagt, weil dieser seine Oper\n„Nahel\" nicht in der stipulirten Zeit (bis längstens Ende September\n1865) zur Aufführung brachte; er wurde aber mit der Klage abge-\nwiesen, weil eine Umarbeitung verabredet wurde, die nicht erfolgt ist.\nDas 1* euilleton der „Debatsu vom 5. d. Mts. enthält in einer\nMusterung der aus der Flut hervorragenden Concerte der Saison von\nJ. d'Ortigue folgende Stelle über F. Hiller:\nIch möchte so, wie ich es wirklich gethan, auch hier Ferdi-\nnand Hiller überall hin, wo er in Matineen und Soireen seine Com-\npositionen während seines letzten, nur allzu kurzen Aufenthaltes\nunter uns hat hören lassen, begleiten. F. Hiller, einer der grössten,\nwo nicht der grösste der gegenwärtigen Componisten in Deutsch-\nland, ist doch ein Enfant de Paris geblieben. Er hat hier alte Be-\nkannte hinterlassen und in ihnen lauter Bewunderer seines Talentes\nwiedergefunden. Welche kräftige, breite, schöne, durchdachte Erfin-\ndung, Plan, Entwicklung in allen den neueren Compositionen, die\ner uns hat hören lassen, wie in der Sonate für Piano mit Violine,\nderen schwierige Stimme Alard so trefflich vortrug, und in der So-\nnate mit Violoncell, die er mit Franchomme spielte! Welche rei-\nzende und brillante Phantasie in den Solostücken, z. B. der „Ga-\nvotte\", einem frischen und glücklichen Wurf des Genie's, und der\nvierhändigen „Operette ohne Worte\", worin nach der sehr hüb-\nschen Ouvertüre die buntesten Scenen in lebhafter musicalischer\nSchilderung einander folgen ! Drei Mal haben wir das allerliebste\nWerk mit immer neuem Vergnügen gehört, vom Componisten und\nder trefflichsten Dolmetscherin seines Geistes, Frau Szarvady, vor-\ngetragen.\nZacharias Werner' s Drama: „Die Weihe der Kraft\", ist\nvon Leon Halevy in Paris unter dem Titel: Martin Luther ou\nla Dihte de Worms, historisches Drama in vier Acten und in Ver-\nsen, ins Französische übersetzt worden. Das Thedtre frangais hatte\nes angenommen, aber bat es nicht aufgeführt.\nIn unserer Nr. 29 brachten wir eine Uebersetzung des energi-\nschen Artikels „Ze Th6r6sismeu von M. Escudier und bemerkten in\neiner Note, dass Theresa sogar bei Hofe in Paris gesungen habe.\nDiese Bemerkung beruhte auf ungenauen Zeitungs-Nachrichten; wie\nwir jetzt durch die France musicale (Nr. 31) belehrt werden, hat\nTheresa niemals in den Tuilerieen gesungen, wohl aber hier und da\nin den Salons einiger hochgestellten Personen, die ihre Neugierde\nbefriedigen wollten. Die Redaction.\nLondon. Das Journal Musical World gibt auf die Frage:\n„Was soll England thun, wenn Preussen Hannover nimmt und be-\nhält? die hübsche Antwort: „Es soll Joseph Joachim nehmen\nund behalten!\"\nLondon, 31. Juli. Das Concert, welches Moscheies in\nVerbindung mit dem hiesigen Frauenvereine gestern zum Besten der\nVerwundeten aller Nationen in St. James Hall gab, hat an 500\nPf. St. eingebracht. Wie interessant es in musicalischer Hinsicht\ngewesen, beweist das Programm. Moscheies, Etüde Op. 25 (Re-\nconciliation) und drei Nummern aus dem I. Hefte seiner Etüden.\nMad. Parepa, Arie von Auber. Moscheies, Variationen über\nThe Harmonius Blaksmith, eigener Composition. Mad. Gold-\nschmidt-Lind, „Und ob die Wolke\" u. s. w. Dr. Gunz, Lied\nvon Schubert: „Der Neugierige\". Mad. Parepa, Lied von Benedict.\nMoscheies, freie Phantasie über Thema's aus Beethoven's C-moll-\nSinfonie und Händel's „Sieh, er kommt\" u. s. w. („m honour of\nCount Bismark\"). Dr. Gunz, deutsches Lied. Mad. Parepa, zwei\nLieder von Moscheies. Moscheies und Goldschmidt, Bene-\ndict und Halle: Les Contrastes3 Concertante für acht Hände und\nzwei Pianoforte von Moscheies. Mad. Goldschmidt, Arie aus\nBellini s Beatrice di Tenda. Cherubini's Ouvertüre zu Anakreon für\nacht Hände und zwei Pianoforte (wie oben)."}]}