{"numero_id": "bm-bmtnabi-1866-08-18-01", "volume": "bmtnabi_1866-08-18_01", "ocr_sha256": "63d9c0c304f260db6599e95845743967cadc5e84c635d63e7b5d7e686e4342d0", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1866/08/18_01/bmtnabi_1866-08-18_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660818-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1866-08-18-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-08-18_01#c001", "volume": "bmtnabi_1866-08-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "257", "page_fin": "257", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660818-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "257", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660818-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 447, "texte": "Inhalt.\nPalestrina's Motetten. Yon Ed. Krüger. Die Kreuzfahrer. Neueste Composition von Niels W. Gade.\nAus Bonn (Musicalische Aufführungen in der letzten Saison. Von —h. Napoleon I. und die Musik. Tages- und Unterhal-\ntung sblatt (Köln, Stadttheater August Langert Theater, Mantius, Louis Brassin, Herr von Hülsen Dresden, Wieder-\neröffnung des Hoftheaters, C. A. Fischer Wien, Lebensbild von Julie Rettich, Operntexte Verdi Franz Liszt u. s. w.)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-08-18-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-08-18_01#c002", "volume": "bmtnabi_1866-08-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "257", "page_fin": "259", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660818-01.2.2", "titre_corps": "Palestrina’s Motetten.", "titre_sommaire": "Palestrina’s Motetten.", "signature_source": "Ed. Krüger", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "257", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660818-01.1.1", "debut_caractere": 449, "fin_caractere_exclue": 4106, "texte": "Palestrina’s Motetten.\n\nEine Gesammt-Ausgabe von Palestrina ist noch\nnicht vorhanden und wird nicht ieicht unternommen wer-\nden, ehe nicht von kirchlicher Seite her Wunsch und För-\nderniss hinzutritt. Der päpstliche Capellmeister Baini\n(-J- 1844) hatte eine Gesammt-Ausgabe beabsichtigt, aber\nwegen Ungewissbeit des Erfolges aufgegeben, und das\nheutige Italien wird zu solchem Monumente weder Zeit\nnoch Milte! obgleich, äusserlich genommen, ein\nsolches leichter als unsere Händel- und Bach-Ausgaben\nherzustellen wäre, da von Palestrina's Werken eine an-\nsehnliche Zahl schon bei seinem Leben in correcten, les-\nbaren Drucken erschienen. Ungeachtet ihrer unsterblichen\nSchönheit sind sie von den Katholiken nicht so gekannt\nund geliebt, wie sie sollten, was wir dem Zustande der\nheutigen Tonübung und der Verweltlichung des Clerus\neher Schuld geben, als dem empfänglichen Volke, das die\newigen Werke, sobald sie objectiv vorgeführt werden,\ngar wohl versteht.\nUeber die Anlage der vorliegenden de Witt'schen\nSammlung*), die nach des Sammlers unerwartetem Tode\nvon anderer Hand veröffentlicht ist, geben uns die zwei\nVorworte keine Auskunft, auch nicht, ob sie soll fortge-\nsetzt werden; jedenfalls ist sie werthvoll, sowohl durch\nsaubere, ja, glänzende Herstellung, als weil sie grossen-\ntheils Unbekanntes bringt, Bekanntes aber, wie das\nilluminare Jerusalem, Bd. 3 Nr. 28, gegen frühere Aus-\ngaben, z. B. von Winterfeld (Gabrieli III), kritisch berich-\ntigt darstellt.\nEhe wir über Zweck und Ausdehnung der Witt'schen\nAusgabe näher unterrichtet sind, müssen wir dieselbe zu-\nnächst auf das Künstlerische gerichtet halten; doch\nkommt sie auch dem Kirchendienste zu Gute, sofern er\ndas Dargebotene vernünftig ergreift und sich nicht durch\nzeitsinnige Musikmacher von der richtigen Bahn ablenken\nlässt zum Rückfalle in den so genannten Kirchenstil der\nwiener Schule, den man dort kürzlich entdeckt und den\nAltmeistern ebenbürtig gefunden hat. Mozart und Haydn\nheisst es seien nicht bloss ehrenwerthe Männer, son-\ndern fromme und gute Katholiken, daher dürfe man kei-\nneswegs der Reaction beistimmen, welche ihre Messen\nuiikirchlich finde; der Typus des Stils allein thue es nicht,\nMerkmale des Kirchlichen könne Niemand nachweisen\noder widerlegen, die Menschheit sei im Fortschritte, mit-\nhin auch die Kirche u. s. w. Freilich, so wenig wie über-\nhaupt Merkmale zur Wesenschau helfen oder gar sie\nersetzen, so wenig kann auch das Heilige und Schöne, die\nheilige Schönheit durch merkbare äussere Zeichen er-\nwiesen werden. Das Tonreich ist weit, die Zusammen-\nklänge zu allen Zeiten consonirend oder dissonirend; nach\nCh. Beauquier, „ Sur la musi (Paris,\n1866), kommt es nur auf die Stimmung an, um etwas\nkirchlich zu finden: „melancholische Exaltation, geheim-\nnissvolle Stille, Weihrauchduft hinter buntem Fenster-\nglase\", da meint er, sässe das Kirchliche, was darüber\nhinaus so titulirt werde, sei doctrinäre Einbildung. Nun,\ndie gesinnungstüchtigen Literaten mögen Recht haben,\ndass das innere Zeugniss der empfangenden Seele nicht\nJedermanns Sache ist; dennoch bleibt es wahr, dass un-\nbefangene Musikfreunde, welche die Kirche nicht bloss\nvom Hörensagen kennen, auch einiger Maassen fähig sind,\nnicht bloss Scherz und Ernst zu unterscheiden, sondern\nauch zu merken, wo eitle Lüstlichkeit walte und wo keu-\nsche Wahrheit; dieses Wahrhaftige, Uneitele kündet\nsich dem Gemüthe gewisser an, als irgend eine kritische\nWissenschaft erweisen kann; es ist die innere Wärme der\nEmpfindung, die in allem Künstlerischen die Herzen ge-\n\n*) Motetten von Pierluigi da Palestrina. Eedigirt von\nTheodor de Witt. Band 1., 11., 111. Fol. Leipzig, bei Breitkopf\nund Härtel."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "258", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660818-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5323, "texte": "fangen führt und Gleiches wirkt, wie es in des Werk-\nmeisters Seele geboren und gewollt war. Solche Werke\nkann, wer je durch sie berührt ist, hundert Mal hören\nund jedes Mal sich erneut fühlen zum Aufschwünge in\ndie Region, die über dem endlichen Urtheile ist; und solche\nWirkung erleben wir an den kirchlichen Meistern des\nsechszehnten Jahrhunderts insbesondere dann, wenn ihre\nTonsätze einfältig, d. b. ohne gesuchten Ausdruck in ge-\nsunder Tonreinheit und klarer Rhythmik vorgeführt wer-\nden; alle Künstlichkeit der sentimentalen Dynamik wird\nzu Schanden vor jener einfachen Grösse, die ihren Vortrag\nin sich selbst trägt, weil ihre Tonlagen und Stimmführun-\ngen, überhaupt ihre gesammte Tonbildlicbkeit auf der\nnatürlichen Tonordnung beruht, die aller künstlerischen\nOrdnungen Hintergrund ist, und darum wirkt, was sie\nsoll, daher denn Hohes und Niederes, Aufschwung und\nDemuth von selbst vernehmlich wird, sobald man ehrlich\nsingt, was geschrieben steht. Dass es sich so verhalte,\nmuss man erproben, entweder an heiliger Stätte oder in\nstiller Häuslichkeit nur nicht im blendenden Concert-\nsaale, wo das typische Applaudiren gebildeter Thebaner\nallen Kunst-Typus gründlich zerstört. Die typische\nObjectiv ität des Ausdrucks, wie sie der kirchliche\nGeist auch in der Architektur fordert, ist aber desshalb\nnoch nicht Starrheit, Kälte, Gleichförmigkeit, vielmehr\ntritt statt des uniformen Pfaffenthums und gefürchteten\nConsistorial-Druckes die freie Besonderheit der\nKunstwerke ebenfalls zu Tage, aber in edler Erhöhung\nder lebendigen Volksthümer und Persönlichkeiten. Wie\nnun alle Künste auch im kirchlichen Bereiche das Urbild-\nliche unwillkürlich individualisiren, nicht umgekehrt die\nindividuellen Objecte willkürlich verschönern, scheinbar\nidealisiren wollen, das zeigt sich in unbeschreiblicher Wirk-\nlichkeit bei den bevorzugten Meistern, während die lüster-\nnen Reize sinnlicher Malerei, die vorzugsweise bei Ra-\ntionalisten und Jesuiten (z. B. Roothaan) für kirchliche\nKunst gelten, keine ewige, kaum zeitliche Wirklichkeit\nhaben.—Persönliche Volksthümlichkeit innerhalb des hei-\nligen Bezirks äussert sich dem aufmerksamen Hörer un-\nzweideutig; und eben so gewiss wie in Seb. Bach die\nbejahende Seite des hallischen Pietismus, in Händel die\nstolze Hoheit der englischen Kirche durchklingt, so neh-\nmen wir auch bei den älteren Meistern individuelle Züge\nwahr, die das Gemüth bedeutsam freundlich berühren.\nGanz anders spricht der heroische, schwere Ernst in den\nSpaniern Vittoria und Morales, anders Palestrina's klarer,\nwallender Schönheitsglanz, anders Hassler's männliche In-\nnigkeit und Orl. Lassus' bildkräftiges Behagen. Ein Vor-\nzug gebührt Palestrina wegen des reinen Wohllauts und\nder saubersten, nie bloss äusserlichen Technik, während\ndie tiefgläubige Empfindung der Deutschen und Spanier\nihn oft übertrifft.\nIndem wir weiter, als die kritische Anzeige fordert,\nauf das Künstlerische eingehe«, 'hoffen wir zugleich, den\nKirchlichen und den Kunstfreunden die Sehnsucht nach\ndem Vollkommenen zu wecken, das in diesen drei Bänden\nreichlich geboten wird, und bezeichnen als besonders ver-\nständliche und eingängliche mehrere der unbekannten, die\nden oft gehörten: 0 bone Jesu Popule mens und ähn-\nlichen weit vorangehen. Aus dem ersten Bande, der\nnach dem Drucke der Gebrüder Dorici in Rom (1569)\nwiederholt ist, heben sich heraus: Nr. 1:\nCommercium',Nr. 3: 0 Antoni Nr. 6:\ntulerunt Dominum,mit liedhafter Cantilene zu Anfang,\ndergleichen die Niederländer vor Orl. Lassus häufig ha-\nben; Nr. 8: 0 lux beata TrinitNr. 13:\nrentius, mit öantus firmus im zweiten Tenor*); Nr. 32:\nTu es Petrus,dessen mildheitere Schönheit wohl einen\nVergleich zulässt mit der ernsten, ja, herben Fassung der-\nselben Worte bei Willaert, der glänzenden bei AI. Scar-\nlatti. Merkenswerth ist, dass Palestrina und die Römer\nbei übrigens richtiger Sylben-Declamation den eigentlichen\nWortausdruck weniger heraustreten lassen, als die Deut-\nschen; wohl ist der allgemeine Inhalt durchblickend, die\nWendepunkte schön bezeichnet, aber das Pathos der Be-\ntonung, dessen wir gewohnt sind, ist nicht das Regelnde;\ndoch thut dieser Mangel dem Gehalt der Tonbilder keinen\nEintrag, wie unter Anderem der ruhige Legendenton von\nNr. 23: JJnus ex duobus qui secuti sunt Dominum, erat\nAndreas frater Simonis Petri, ein sinnreiches,\naltkatholisches Tonbild gewährt, gleich den bei Nieder-\nländern gesungenen Ueberschriften, z. B.\ntiones Jeremiae Prophetae: Aleph\" wo die Zahl-\nbuchstaben, mit feierlichen Melismen umkränzt, gar nicht\nlächerlich klingen, sondern wie Säulen im Gewölbe stehen,\ntrennend und bindend, als kräftige Achsen strömender\nBewegung. S. Commer, Mus\nAus dem zweiten Bande sind einzelne Stücke nach\nverschiedenen Rücksichten hervorzuheben: Nr. 5: 0 sa-\ncrum convivium; Nr. 8: Ascendo ad patrem meum; Nr.\n16: Peccantem me quotidie timor mortis conturbat; Nr.\n23: Gantabo Domino in vita mea; Nr. 29: Laudate Do-\nminum, wegen des schönen, zuweilen specifiscben Wort-\nAusdrucks, dergleichen sich auch in dem sonst leicht-\nblütigen Nr. 24: Tu es Petrus, bei den Worten Claves\n\n*) Wobei ;die Benennung Tenor secundus am Rande v. p. 61\ndem modernen Sprachgebrauche entnommen ist, während in Pa-\nlestrina's Zeit der ö. f. allezeit Prima Vox hiess und die Benen-\nnungen Primus secundus u. s. w. nicht nach der Tonhöhe gezählt\nwerden."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "259", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660818-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4881, "texte": "regni coebrum P. 127 hervorthut, gegen die Gewohn-\nheit der classiscben Italiäner. Noch andere von wunder-\nbarer Schönheit wolle der geneigte Leser selbst nachlesen,\nnamentlich Anfänge und Schlüsse, letztere von einer Grösse\nund rhythmischen Gewalt, die sonst Niemand als J. Seb.\nBach gleich kräftig zu dichten weiss, z. B. hier 11. S. 36,\n39; I. P. 82. Einige dieser Schlüsse würden wir jedoch\nanders taktiren, als der Herausgeber, namentich S. 70,\n73, 109, wo statt der vier letzten 4/4-Tacte: i\nJI vielmehr die metrische Vertheilung sein müsste:\ni_ lIT , da bekanntlich die letzte Note, als\nLonga, häufig in unbestimmt freiem Ausklange gehalten\nwird, bezüglich der übrigen aber die Tactstriche, die den\nAlten nicht üblich, unsere Sache sind und freie Inter-\npretation zulassen; wobei dann auch zuweilen gleich-\nzeitige Ober- und Unterstimmen verschiedene Glie-\nderung haben, z. B.:\nTenor\nBassus\nein rhythmisches Gebilde, das jener Zeit beliebt war und\nvon herrlicher Wirkung ist. Dieselbe Formel findet sich\nhäufig bei damaligen Italiänern, z. B. in der trefflich schö-\nnen Messe von Franz Anerio, 1620 (?), welche kürz-\nlich neu herausgegeben ist in der Fortsetzung von Pros-\nke's Musica divina, Annus II Liber Missarum, P. 64,\nWo bei Händel ähnliche Schlüsse vorkommen, da hat\ndie neue deutsche Händel Ausgabe es jed es Mal im Cla-\nvier-Auszug durch doppelte Tactirung anschaulich ge-\nmacht. Auch Mozart gebraucht solche Doppelmessung\neinmal im ersten Don-Juan-Finale, freilich in anderem\nSinne. • Wegen der übrigen Tonsätze des zweiten Thei-\nles ist noch zu bemerken, dass vier davon Palestrina's\nSöhnen Angelo, Sylla, Rodulfo angehören, unter denen\nder mittlere mit heroischem Schwünge anhebt, die beiden\nanderen weniger eigenthümlich scheinen; doch ist es ge-\nwagt, aus einzelnen Beispielen zu urtheilen.\nVom dritten Theile sind Nr. 29:\nund Nr. 31: Ave Regina, voll edler Kraft und Schönheit,\nin Nr. 29 auch das Amen S. 143 auszuzeichnen, weil\ndieses Wort sonst weniger im römischen als im evangeli-\nschen Tonsatze hervortritt. Bei der sorgfältigen Her-\nstellung der Tonsätze sind wenige Errata stehen geblieben,\ndie wir glauben zum Besten der Sache notiren zu müssen.\nEs ist zu lesen: P. 1: S. 3, 1, 5 statt JF'.\n3, 4 Basms muss d, statt c singen. P. II: 117,\n1, 6 Cantus muss zwischen beiden Noten eine Minima\nPause haben.— 133, 2 fiduciali P. III: S. 37, 2,\n3 muss die Quinta Vox b, statt h singen. Die Conjectur\ndes ersten Gis in der Quinta Vox P. I, p. 85, 3, 2 scheint\nnicht nothwendig begründet, da die Schrift des Originals\nfür das Gegentbeil spricht und der vier Tacte frühere\nGang derselben Stimme c eis ein sinnverwandtes Beispiel\nder Querständigkeit nach älterem Gebrauche bietet.\nEine widrige, sonst bei Palestrina ungewöhnliche Stimm-\nführung befindet sich 11, 154, 2, wo im letzten Tacte der\nSextus den Leitton h verdoppelt; zwar ist es technisch\nrichtig, aber übelklingend: hier wäre eine Emendation\nam Platze, etwa a d' g,statt\nWer nun, wie eine neuere Kunst-Theorie thut, im-\nmer aufs Neue sorgt um wissenschaftliche Festsetzung\ndessen, was kirchlich, oder geistlich, oder beides nicht\nsei, der wird, so lange dafür keine exaete Formel erfun-\nden ist, sich an die Regel halten müssen: An ihren Früch-\nten sollt ihr sie erkennen! Es wäre doch wohl auszumit-\nteln, welche Hörer von diesem oder jenem mehr ergrif-\nfen werden und warum höher hinauf: welche Art\nGesang mehr Andacht, welche mehr Zerstreuung wirke\nam höchsten gefragt: welcherlei Gesang dem wirk-\nlich Bedürftigen so zu Herzen ginge, dass er ihn im Leben\nund Sterben oder, wie jener evangelische Cantor, in die-\nsem und jenem Leben hören möchte. Und solche Tonsätze\nsind allerdings vorbanden, von denen sich fromme und\nweltliche Leute einstimmig sagen: das ist fromm, das\nklingt heilig, das füllt die Seele während so einstimmi-\nges UrtheiS schwerlich bei Jakob Meier Beer's Hugenot-\nten-Choral oder Rossini's Slaut wird. Und in\nDeutschland sind die so genannten kirchlichen Sympa-\nthieen noch stark genug, dass man nicht Dinge, die inner-\nlich unvereinbar sind, vermengt, nicht in der Kirche Pe-\nlotonfeuer bei den Exequien des Marschalls oder, wie\nneulich in St. Eustache zu Paris, zur Wandlung in der\nMesse einen von Seiten der National-\ngarde aufführen lässt, und dass man wenigstens nicht\nallgemein —die Meinung hegt, eine neue Kirche erfinden\nzu müssen, da sich die alte nicht in unsere Bildungsstufe\nschicken wolle. Wir haben in Deutschland noch kirchlich\ngesinnte Künstler, unter denen wir die evangelischen Grell,\nHerzog und Riegel, die katholischen Mettenleiter, Proske\n(-j- 1863) und Esser in Ehren halten. Solche Künstler,\ndie noch an die Una Sancta in und ausser\nRom glauben, werden an den besprochenen Werken,\ntrotz ihres persönlichen Bekenntnisses, nicht nur Gefallen\nfinden, sondern neue Saat aus alten Schatzkammern, die\nunvergänglich fruchtet, daraus erlesen.\n\nEd. Krüger.\n\n[*]"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-08-18-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-08-18_01#c004", "volume": "bmtnabi_1866-08-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "260", "page_fin": "261", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660818-01.2.3", "titre_corps": "Die Kreuzfahrer.", "titre_sommaire": "Die Kreuzfahrer.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "260", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660818-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5163, "texte": "Die Kreuzfahrer.\nNeueste Composition von Niels W. Gade.\nDas letzte Abonnements-Concert des Musik-Vereins\nin Kopenhagen bat einen erbebenden Eindruck hinter-\nlassen. Das Programm brachte nur zwei Werke, Beetbo-\nven's achte Sinfonie, die besonders im Allegro und Finale\nvortrefflich ausgeführt wurde, und „Die Kreuzfahrer\"\nvon Niels W. Gade, eine neue Composition, reich an\nUmfang und Inhalt. Am Schlüsse der Aufführung wurde\nder Componist mit Fanfaren vom Orchester und lang an-\nhaltendem Applaus vom Publicum begrüsst.\nDas Gedicht, welches wir Karl Andersen verdanken,\nbildet eine Concert-Cantate mit sehr befriedigendem Stoffe\nzur musicalischen Behandlung für Solostimmen, Chor und\nOrchester. Diese Gattung von Gesangstücken scheint, in\nso fern ihre historischen und romantischen Stoffe mit ern-\nster Musik übereinstimmen, hier im Norden immer mehr\nund mehr beliebt zu werden. Obwohl der Inhalt drama-\ntisch zusammengestellt ist, so macht er doch nicht diesel-\nben Ansprüche, die ein musicalisches Drama auf der\nBühne macht.\nDas Werk hat drei Theile, deren erster mit einem\nPilgerchor für Frauen- und Männerstimmen beginnt,\neinem schönen, ausdrucksvollen Gesänge, der die Mühsale\nder Pilgerschaft durch Wüste und Wildniss schildert. Das\nHauptmotiv hat einige entfernte Aehnlichkeit mit Gade's\neigener Composition „Bei Sonnenuntergang\", ist aber hier\nviel breiter ausgeführt und zu einer schönen, charakte-\nristischen Composition entwickelt. Ein Becitativ und\nArioso-Gesang Peter's des Eremiten, des Führers der\nKreuzfahrer, leitet einen Chor derselben ein; zu dessen\nColorit mögen vielleicht altfranzösische Lieder den\nImpuls gegeben haben. Das Finale des ersten Theiles\nbildet ein Abendgebet des ganzen Chors, aus welchem die\nSolostimme Peter's des Eremiten feierlich und ergreifend\nhervortritt.\nDer zweite Theil ist „Armida\" überschrieben, was\nfreilich unwillkürlich wenn auch nicht zu einer Verglei-\nchung, doch zu einer Erinnerung an Gluck drängt, da der\nGegenstand derselbe ist, wie im zweiten Acte von Gluck's\nOper, nämlich die Versuchung Binaldo's durch Armidens\nLockungen im Bunde mit Zauberkünsten. Einer fremd-\nartigen, mysteriösen Einleitung, welche in schlagender\nWeise den Kampf der Nacht gegen das Licht verkündet,\nfolgt ein kurzer Chor der Geister der Finsterniss, welche\nauf das Gebot ihrer Königin eine Zauberwelt, mit allem\nSinnenreiz ausgestattet, herauf beschwören. Armida's Ge-\nsang ist originel in Melodie und Bhythmus und geht in\neinen Sirenenchor über, der einen weichen, verführeri-\nschen Charakter athmet. Die folgende Scene schildert den\nsich steigernden Kampf Binaldo's gegen die Versuchung;\ner droht ihr zu verfallen, wenn er den schmeichelnden\nMelodieen lauscht, doch ringt er fort und fort nach dem\nSiege, und als er den Pilgergesang hört und darein ein-\nstimmt, hat der Zauber seine Macht über ihn verloren.\nDiese Scene ist in Bezug auf dramatische Wirkung\nausgezeichnet; der Uebergang aus der reizenden Melodie:\n„Binaldo! Binaldo!\" in den Gesang der Kreuzfahrer über-\nrascht, und der Seelenkampf des Helden ist meisterhaft\ngeschildert. Besonders ergreifend ist das in lang gehalte-\nnen Tönen erklingende Horn, welches den Binaldo mah-\nnend ruft. Und Alles in diesem Theile des Werkes ist neu\nund ganz verschieden von dem Stile in früheren Werken\nGade's, z. B. Comala, Bitter Olaf u. s. w. Schwerlich hat\nGade, seitdem er durch die Erzeugnisse seiner jugend-\nlichen Begeisterung eine so grosse Popularität bei uns er-\nlangt, einen Stoff bearbeitet, der so wie die Kreuzfahrer\nauf den ersten Anblick seiner künstlerischen Individualität\nzuwider zu sein scheint. Und doch ist diese Composition\ngewiss eine seiner besten und phantasiereichsten, und na-\nmentlich in der Abtheilung „Armida\" zeigt er sich wie-\nder ganz als einen skandinavischen Tondichter, so zart\nund keusch ist die ganze Scene behandelt. Was für grob\nsinnliche Farben würde ein italiänischer Componist, oder\nMeyerbeer, oder Bicbard Wagner hier aufgetragen haben,\nwährend Gade nur das, was die Situation fordert, mit\nsicherem Maasse zeichnet. Seine Armide unterscheidet sich\ndadurch von der Gluck'schen, dass bei dieser der Durst\nnach Bache durch die Begungen der Liebe gezügelt wird,\nbei Gade aber nur die kalte, mächtige Feindin des Kreu-\nzes in ihr personificirt erscheint. Indess dünkt uns, dass\nmanche Stellen in dem vocalen Zwiegespräche zu wenig\nFarbe haben.\nDer letzte Theil, „Jerusalem\" überschrieben, ist im\nVergleich zu den beiden ersten der am meisten oratorien-\nmässige und religiöse.\nBinaldo trifft wieder bei dem Kreuzheere ein, als der\nEremit diesem das Ziel der Pilgerfahrt zeigt. Die beilige\nStadt glänzt in den Strahlen der Sonne, und ein jubelnder\nLob- und Dankchor entflammt das Heer zu Kampf und\nSieg.\nUeberhaupt sind in allen Chören grosse Schönheiten:\nder Morgen-Hymnus, der Pilgermarsch, die Begrüssung\nJerusalems offenbaren eine bedeutende Erfindungskraft in\nVerbindung mit ungewöhnlicher Herrschaft über alle\nMittel der Kunst. Im letzten Theile treten auch noch Bi-\nnaldo's Gebet und des Eremiten letzter, gewaltiger Aufruf\nzum heiligen Streite hervor. Im Ganzen ist der dritte Theil\nweniger lieblich und ansprechend, als die beiden ersten,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "261", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660818-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 516, "texte": "was die Natur des Stoffes mit sich bringt, allein er ist be-\ndeutend durch Tiefe und grossen Stil und beweist, dass\ndie Musik auch im Stande ist, grosse welthistorische Er-\neignisse zu schildern.\nDie „Kreuzfahrer\" sind im Ganzen ein treffliches,\nerhebendes Werk, eines von den wenigen, die bei näherer\nPrüfung immer mehr für sich einnehmen. Einige schwache\nStellen mögen allerdings darin gefunden werden können;\ndas kann uns aber nicht hindern, Gade für die schöne\nGabe den aufrichtigsten Dank zu zollen.\nKopenhagen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-08-18-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-08-18_01#c005", "volume": "bmtnabi_1866-08-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "261", "page_fin": "262", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660818-01.2.4", "titre_corps": "Aus Bonn.", "titre_sommaire": "Aus Bonn.", "signature_source": "h", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "261", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660818-01.1.5", "debut_caractere": 518, "fin_caractere_exclue": 4921, "texte": "Aus Bonn.\n\nIn unserem letzten Briefe*) nahmen wir von dem\nfreundlichen Leser mit dem Versprechen Abschied, den\nBericht über die ferner Statt findenden musicalischen Auf-\nführungen in unserer Stadt baldigst folgen zu lassen. Wenn\nwir durch das Zusammentreffen ungünstiger Umstände\ndieses Versprechen etwas spät einlösen, so bitten wir dess-\nhalb um Entschuldigung, auf eine nicht minder gütige\nAufnahme bei den Freunden dieser Blätter hoffend.\nWir berichteten zuletzt über das dritte und geben\nnachstehend die Programme der folgenden Abonnements-\nConcerte.\nIV. Concert. 1) Concert-Ouverture zum Trauerspiel\n„Loreley\" von Emil Naumann. 2) „Früblingsbotschaft\",\nConcertstück für Chor und Orchester von Niels W. Gade.\n3) Concert für die Violine von Mendelssohn, vorgetragen\nvon Herrn Walbrül. 4) Religiöser Marsch und Hymne,\ncomponirt zur Krönung üarl's X. von L. Cherubini. 5)\nOuvertüre und Musik „Die Geschöpfe des Prometheus\",\nBallet von Vigano, componirt von L. v. Beethoven.\nV. Concert. 1) Sinfonie (D-dur) von Mozart. 2) Con-\ncert für Pianoforte [Fis-moll),componirt und vorgetragen\nvon Herrn Capellmeister F. Hill er. 3) Festlicher Marsch\nund Chor aus „Die Ruinen von Athen\" von L. v. Beetho-\nven. 4) Ouvertüre zu „Genofeva\" von R. Schumann. 5)\n„Pfingsten\", Gedicht von Immergrün, für Chor und Or-\nchester componirt von F. Hi 11er (zum ersten Male). 6) Solo-\nstücke für Pianoforte: „Gavotte, Sarabande und Courante\",\ncomponirt und vorgetragen von Herrn F. Hiller. 7) Ou-\nvertüre zu „Euryanthe\" von C. M. von Weber.\nVI. Concert. 1) Requiem von L. Cherubini.\n2) Sinfonie (Nr. IV, B-dur)von L. v. Beethoven.\nAlles, was über die Leitung der Concerte, so wie\nüber die Ausführung der in denselben vorgekommenen\nOrchester- und Chorstücke früher bereits Gutes und Lo-\nbenswerthes gesagt wurde, können wir auch heute zu\nunserer Freude bestätigen. So muss besonders den Lei-\nstungen des Orchesters in den beiden Sinfonieen von Mo-\nzart und Beethoven die vollste Anerkennung gezollt wer-\nden; dasselbe gilt in Betreff des Chors in Bezug auf die\ngrösseren Gesangstücke. Weniger konnte die Ausführung\nder Chöre in dem fünften Concerte den Musikfreund be-\nfriedigen, ein Umstand, dessen Hauptgrund in der an dem\nbetreffenden Abende lückenhaften Besetzung der Frauen-\nstimmen zu suchen sein dürfte. Man fand für das, was\nhiedurch diesem Concerte an Glanz abging, einen schönen\nund hinreichenden Ersatz durch das nach längerem Zeit-\nräume wieder einmal erfolgte Auftreten des Herrn Capell-\nmeisters Ferd. Hiller aus Köln, welches mit freudigem\nWillkommen begrüsst wurde. Der treffliche Meister spielte\nim ersten Theile sein Frau Wilhelmine Szarvady, gebo-\nrene Gauss, gewidmetes Fis-moll-, anerkannt eines\nder besten und dankbarsten Clavier-Concerte der neueren\nZeit; in der zweiten Abtheilung sodann drei neuere Stücke:\n„Gavotte, Sarabande und Courante\", die den genialsten\nSchöpfungen Hiller's zugezählt werden können. Beide\nNummern zündeten und begeisterten die Zuhörer, wäh-\nrend der vollendetste Vortrag derselben einen wahren\nBeifallssturm hervorrief, den der Meister mit gewohnter\nLiebenswürdigkeit durch Zugabe seines bekannten Im-\npromptu „Zur Guitarre\" erwiederte.\nAusser Herrn Hiller hörten wir nur noch einen So-\nlisten in dem vierten Concerte, Herrn Walbrül, ersten\nViolinisten des hiesigen Orchesters; er spielte das Concert\nfür die Violine von Mendelssohn und fand freundliche\nAufnahme und wohlverdienten Beifall.\nEs sei gleich hier noch eines Concertes gedacht, wel-\nches, ebenfalls unter Leitung des Musik-Directors Bram-\nbach, sich den sechs Abonnements-Concerten anschloss\nund zum Besten einer zu gründenden Krankencasse für\nMitglieder des hiesigen Orchesters mit nachfolgendem\nProgramme Statt fand: 1) Ouvertüre zu „Iphigenie in\nAulis\" von Gluck. 2) Concert für zwei Violinen von Spohr\n(.H-moll), vorgetragen von den Herren Concertmeistern\nG. Japha und 0. von Königslöw aus Köln. 3) Musik\nzu Shakespeare's „Sommernachtstraum\" von Mendelssohn.\n4) Sinfonie (Nr. V, C-moll)von L. v. Beethoven. Der\nErfolg dieses Concertes war in künstlerischer wie in pecu-\nniärer Hinsicht ein recht erfreulicher.\nVon sonstigen musicalischen Genüssen in dieser Stadt\ngedenken wir noch der Versammlungen des Beethoven-\nVereins, die unter Brambach's Direction wöchentlich\nein Mal (Mittwochs) im grossen Saale der Lese-Gesellschaft\nabgehalten wurden. Das Programm umfasste in der Regel\n\n*) In Nr. 3 vom 20. Januar d. J."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "262", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660818-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3467, "texte": "zwei Ouvertüren und eine Sinfonie, und es dienen diese\nAbende Musikern und Musikfreunden zur angenehmen\nAnregung und Unterhaltung. Man begegnet in den Pro-\ngrammen sowohl den Namen alter, bewährter Meister,\nwie auch denen der besten neueren. Von uns unbekann-\nten Orchestersachen hörten wir die „Maurerische Trauer-\nmusik\" von Mozart, die Musik zu dem Ballet „Die Ge-\nschöpfe des Prometheus\" und „Gratulations-Menuet\" von\nBeethoven, die Ouvertüren zu „Fierabras\", „Alfonso\" und\n„Estrella\" von Franz Schubert, die nachgelassene Ouver-\ntüre von Norbert Burgmüller und sogar eine Sinfonie von\nEberl (geb. 1766).\nJährlich finden sechs grössere Aufführungen Statt,\nwelchen auch Damen beiwohnen können. Die glänzendste\nder Art war die, welche, zur Feier von Beethoven's Ge-\nburtstag, nur Compositionen dieses Ton-Heros: Ouvertüre\nzu Coriolan, Violin-Concert, gespielt von Herrn Strauss\naus London, Sinfonie in C-moll und die Musik zu Egmont\nvorführte. Frau Knöpges-Saart sang die Lieder Clärchens.\nIn einer derselben spielte Brambach Beethoven's Quintett\nfür Pianoforte mit Blas-Instrumenten, in einer anderen\ndesselben Meisters Horn-Sonate mit unserem wackeren\nHornisten Weck.\nAuch producirte sich daselbst das Quartett der Ge-\nbrüder Müller, die wir ausserdem in zwei von ihnen ver-\nanstalteten Soireen zu bewundern Gelegenheit hatten. Aus\nihren Programmen erwähnen wir ein Quartett\nvon Schumann, die Serenade Op. 8 und das A-moll-Quar-\ntett von Beethoven, Quartett von Dittersdorf, Quartett\nvon Schubert.\nDie Concert-Saison brachte uns ausser den schon vor-\nerwähnten Künstlern noch das berühmte pariser Quartett\nder Herren P. Maurin, J. B. Sabatier, W. Mas und\n*\nA. Chevillard. Der Inhalt des Programms der von ihnen\nveranstalteten Soiree bestand ausschliesslich aus Werken\nBeethovens: Op. 59 F-dur, Op. 130 B-dur und Op.\n131 Cis-moll\nIn würdigster Weise reihte sich daran das Quartett\nder Herren 0. von Königslöw, F. Derckum, G. Ja-\npha und A. Schmit, welches unsere Schwesterstadt Köln\nsandte. In fünf Soireen gaben diese Künstler durch den\nVortrag von zwei Quartetten von Haydn, zwei Quartetten\nund zwei Quintetten von Mozart, Quartett (A-moll) und\nQuintett (C-dur) von Schubert, Quartett von Mendelssohn,\nQuintett (Op. 8) von Gade, Streich-Trio Op. 9\nund vier Quartetten von Beethoven erneuerte Beweise von\ntrefflichem Zusammenspiel und geistreicher Auffassung.\nWir hörten ferner den ausgezeichneten Pianisten\nDr. Hans von Bülow, welcher in einer Sonate von\nSchubert, Phantasie, Fuge, Sarabande und Passepied von\nBach, Nocturne von Chopin, Variationen von J. Raff, So-\nnate Op. 101 von Beethoven und zwei Stücken von Fr.\nLiszt mit gewohnter, vollendeter Meisterschaft als unum-\nschränkter Beherrscher des Instrumentes und geistreicher\nInterpret der verschiedenen Tonschöpfungen glänzte.\nWir schliessen die Reihe dieser Künstler mit Anfüh-\nrung des Concertes von Carlotta Patti, veranstaltet\ndurch Herrn Ullman.\nAls Resultat unserer gesammten Mittheilung dürfte\nsich ergeben, dass der vergangene Winter reich war an\nmusicalischen Gaben, und dass Bonn den alten Ruf als\nMusenstadt bewährte. Hoffen wir, dass der Kriegslärm,\nder durch das Frühjahr und den Sommer hin unser deut-\nsches Vaterland durchtönte, gänzlich verstummt und die\nErfüllung der alten und gerechten Wünsche der Nation\nim Gefolge hat. Dann können wir auch in musicalischer\nBeziehung den Beginn der neuen Concert-Saison mit Freu-\nden erwarten, und bis dahin, freundlicher Leser: „Auf\nWiedersehen!\"\n\nh."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-08-18-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-08-18_01#c006", "volume": "bmtnabi_1866-08-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "262", "page_fin": "263", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660818-01.2.5", "titre_corps": "Napoleon I. und die Musik.", "titre_sommaire": "Napoleon I. und die Musik.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "262", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660818-01.1.6", "debut_caractere": 3469, "fin_caractere_exclue": 4937, "texte": "Napoleon I. und die Musik.\nGleich nach ihrer Vermählung mit dem General Bo-\nnaparte veranstaltete Frau von Beauharnais musicalische\nCirkel in ihren Salons, welche durch die Liebenswürdig-\nkeit der Dame vom Hause und durch ihre Leidenschaft\nfür Musik bald der Sammelplatz der gebildetsten Dilettan-\nten von Paris wurden, wozu übrigens auch das rousicali-\nsche Fieber, welches damals in Paris von den patriotischen\nLiedern auf der Strasse an bis zu den Gesang-Soireen in\nden höchsten Kreisen herrschte, nicht wenig beitrug. Nur\nBonaparte blieb davon unberührt und nahm, wenn er aus\nden Feldzügen zurückkam, nicht den geringsten Antheil\nan Josephinens Haus-Concerten. Er verstand nichts von\nMusik und hat nie Geschmack daran gefunden. Trotzdem\nhaben sich viele von seinen Biographen abgemüht, das\nGegentheil nachzuweisen oder haben seine Abneigung ge-\ngen die Tonkunst auf allerlei wunderliche Weise zu\nerklären versucht.\nHätte Bonaparte Sinn für Musik gehabt, so würde er\nbei seinem Verstände wahrscheinlich auch grosse Fort-\nschritte darin gemacht haben; allein es ist keine Spur von\nseiner Empfänglichkeit dafür in seiner Jugend, oder von\nseiner Theilnahme am musicalischen Unterricht auf der\nMilitärschule zu Brienne vorhanden. Indess ging er als\nArtillerie-Lieutenant viel und gern mit Schauspielern und\nSängern um. Ein Biograph, der Graf Fahre, will daraus\nsogar seine Abneigung gegen Oper und Musik herleiten.\n„Alle diese Leute\" —schreibt er— „wollten, nachdem der"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "263", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660818-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4029, "texte": "General die erste Person im Staate geworden, auf dem\nfrüheren Fusse mit ihm verkehren, und bemerkten zu ihrem\nAerger, dass er sich von ihnen zurückzog und sie nicht\nmehr so freundlich wie sonst empfing. Den dicken Michot\nnamentlich, der sich rühmte, ihm wesentliche Dienste ge-\nleistet zu haben, verdross es gar sehr, dass er dafür nicht\nwenigstens durch die Vertraulichkeiten des ersten Consuls\nbelohnt wurde. Dieser Künstler betrachtete alle Stufen\nder Macht, die Napoleon erstieg, nur als Scenen der Ent-\nwicklung eines Theaterstückes, und beharrte dabei, in ihm\nnur einen Collegen zu sehen.\nBourienne indess sagt aufrichtig in seinen Memoiren:\n„Bonaparte sang falsch, und zwar consequent falsch,\nmochte er aus dem Rathe kommen oder in seinem Cabi-\nnette mit mir allein sein und nach seiner Gewohnheit die\nArme seines Lehnstuhls mit dem Messer beschnitzeln.\"\nUnd an einer anderen Stelle sagt er: „Bonaparte sang\nGott weiss wie falsch!\"\nFreilich mag es wahr sein, dass auch in den ganz\nunmusicalischen Naturen eine geheime Sympathie für den\nKlang vorhanden ist, dass irgend ein Ton, der an ihr Ohr\nschlägt, auch in ihrem Innern eine gewisse Empfindung\nanregt. Allein es kommt sehr darauf an, von welcher Art\njener Ton sei und ob die innere Aufregung durch ihn\netwas von musicalischem Wesen an sich hat. Bonaparte\nblieb zum Beispiel zuweilen auf seinen Spaziergängen durch\nden Park von Maimaison stehen, wenn er das Geläute der\nGlocken aus dem Dorfe Rueil hörte. Er meinte, er höre\nes gern, „weil es ihn an seine Jugendzeit in Brienne er-\ninnere\". In einer Abendgesellschaft bei Francis de Neuf-\ncbateau, wo viel Musik gemacht wurde, wovon die An-\nderen entzückt waren, erzählte er auf einmal mit Lebhaf-\ntigkeit, dass er bei Lodi mitten im Kanonendonner und\nGefechtslärm einem kleinen Tambour aufmerksam zuge-\nhört habe, der mit der grössten Sicherheit im Tact sein\nKalbfell geschlagen. Kann man aber vernünftiger Weise\ndarauf eine Aeusserung wie die von Sainte Hilaire: „Na-\npoleon vergötterte [adorait) die Musik!\"—begründen?\nVorliebe für Glockengeläute und Trommelschlag, mit-\nhin für einen einförmigen Klang und für Rhythmus\n(und bei beiden kann doch von Melodie noch nicht die\nRede sein), findet man vorzugsweise bei Organisationen,\nwelche man „mathematische\" nennen könnte; in der Mu-\nsik ist ihnen Melodie und Harmonie nichts, und in der\nMalerei zieht sie mehr die Zeichnung als das Colorit an.\nAn Bord des Schiffes L'Orient, auf welchem Bona-\nparte nach Aegypten ging, gab die Musik der Schiffsmann-\nschaft zuweilen Concert: das durfte aber nur im Zwischen-\ndeck Statt finden. Bourienne sagt darüber mit einer cha-\nrakteristischen Schwenkung: „Bonaparte liebte die Musik\nnoch nicht genug, um sie in seinem Saale zu hören;\nman kann behaupten, dass sein Geschmack an dieser\nKunst im Verhältnisse zu seiner Machtvergrösserung stieg,\ngleichsam als hätte er dadurch beweisen wollen, dass er\nnicht bloss das Genie zum Herrschen besässe, sondern\nauch den Instinct für jene aristokratischen Kunstgenüsse,\ndie man im Volke für das Erbtheil der Könige halte.\"\nDas ist zum Lachen*). Wer die Musik liebt, der hat\nsie immer geliebt und wird sie immer lieben, und das\nEinzige, wodurch „verhältnismässig\" diese Liebe wachsen\nkann, ist nicht die „steigende Macht\", sondern das Stu-\ndium und die Anhörung der Meisterwerke.\nAuch hatte Napoleon wohl noch einen anderen Grund,\nLiebe und Begünstigung der Musik zu affectiren, und Bou-\nrienne lässt den Kaiser auch diesen Grund selbst ausspre-\nchen. Er sagt: „Bonaparte's Grundsatz war, dass man\ndas Volk zerstreuen müsse, um es zu beherrschen. Lasst\nsie tanzen, spielen, singen, aber nicht die Nase in die Füh-\nrung der Regierung stecken.\" Das heisst offen gesprochen,\nund so glauben wir denn auch, dass weder der Consul\nnoch der Kaiser bei Wiedereröffnung der grossen Oper,\nder Maskenbälle und ähnlicher Institute weit weniger daran\ngedacht hat, dem Volke seinen Instinct für aristokratische\nVergnügungen zu beweisen, als dasselbe zu verhindern, die\nNase in Regierungssachen zu stecken**)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-08-18-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-08-18_01#c007", "volume": "bmtnabi_1866-08-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "263", "page_fin": "264", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660818-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "263", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660818-01.1.7", "debut_caractere": 4031, "fin_caractere_exclue": 5433, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKSlil. Am 6. September wird das Stadttheater wieder eröffnet\nwerden. Herr Director Moriz Ernst hat seine Opern- und Schau-\nspiel-Gesellschaft bereits vollständig organisirt. \\\\ ir freuen uns, an\nder Spitze des Orchesters Herrn Capellmeister H. Seidel und als\nOber-Kegisseur der Oper Herrn Behr wiederzufinden, wie wir denn\nauch die Herren Eiese und Schelper, Tenor und Bariton, als\nwohlbekannte und beliebte Sänger wiederum mit Vergnügen be-\ngrüssen, eben so Fräulein Turba und Herrn Höfel.\nVon August Langert kommt in der nächsten Zeit in Coburg\neine neue Oper, „Die Fabier\", zur Aufführung.\nBerlin, 12. August. Am 10. August wurde das Opernhaus\nmit Meyerheer's „Prophet\" wieder eröffnet. Herr Wachtel, der\nsein Honorar von 800 Thlrn. für drei Gastrollen dem Vereine für\ndie Verwundeten zugewiesen [was auch von Roger, der noch hier\ngastirt, geschehen ist], gab den Johann von Leyden und sang die\nzarteren Stellen vortrefflich, während er durch die erzwungene Ueber-\nkraft in den hohen Tönen dahin kommen wird, dass man der Stimme\n\n*)Nicht so ganz: zum Lachen ist nur, dass Bourienne im\nErnste glauben machen will, Napoleon habe wirklich nach und\nnach mehr Geschmack an der Musik bekommen. Den Grund, wess-\nhalb der Kaiser den Schein davon angenommen, hat er ganz richtig\ndurchschaut.\n**) Em. Matth, de Monter: La Afusiqiie et la Societe fran-\ngaise sous le Directoire."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "264", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660818-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5979, "texte": "Ermattung anhört, die nur durch Anstrengung bekämpft wird.\nFräulein Bähr gab die Fides und ämtete grossen Beifall.\nDie durch einige auswärtige Blätter laufende Nachricht vom\nTode des Sängers Mantius entbehrt aller Veranlassung, da Mantius\ngar nicht krank gewesen ist und sich der besten Gesundheit erfreut.\nDer berühmte Pianist Louis Brassin, bisher in Brüssel wohn-\nhaft, ist hier angekommen und hat die Stelle eines Professors des\nPianofortespiels beim Stern'schen Conservatorium angenommen. Man\nkann der Anstalt zu der Mitwirkung eines solchen Virtuosen und\nso tüchtigen Musikers, wie seine Compositionen ihn bekunden, von\ndenen wir nur die grossen Etüden anführen, mit vollem Rechte\nGlück wünschen.\nMan spricht hier davon, dass der General-Intendant der könig-\nlichen Schauspiele, Herr von Hülsen, auch zum Intendanten der\nbisherigen Hoftheater zu Hannover und zu Kassel ernannt sei.\nMan schreibt aus Dresden vom 4. August: Am 1. August\nward das königliche Hoftheater wieder eröffnet. Die letzte Vorstel-\nlung vor dem durch die Kriegsereignisse veranlassten mehr als sechs-\nwöchentlichen Schlüsse unserer Hofbühne war Mozart's Don Juan.\nEs lastete an jenem Abende eine höchst trübe und gedrückte Stim-\nmung auf dem sehr spärlich versammelten Publicum und auf dem\nbeschäftigten Künstler-Personale, welche selbst Mozart's grosses\nMeisterwerk nicht zu bannen vermochte. Wenn man nun auch ge-\ngenwärtig noch keineswegs Ursache hat, sich mit ganzem Herzen\nan dem Schönen und Erhabenen zu erfreuen, das die Kunst bietet,\nso durfte man doch die Wiedereröffnung des Hoftheaters als % einen\nVorboten des wiederkehrenden Friedens begrüssen. Das Werk, das\nfür diese Vorstellung gewählt worden, die „Antigone\" des Sophokles,\ndie tadellos zu nennende Darstellung desselben, die dazu gehörige\nherrliche Musik Mendelssohn's und deren treffliche Ausführung unter\nLeitung des Herrn Hof-Capellmeisters Krebs, das alles that das\nSeinige, um uns einmal wieder die ganze Macht der echten und\nwahren Kunst empfinden zu lassen und uns wenigstens für einige\nStunden die Trübsal der Wirklichkeit vergessen zu machen. Das\nHoftheater bewährte an diesem Abende seinen alten Ruhm.\nC. A. Fischer, Organist in Dresden, hat eine neue Loreley-\nOper geschrieben.\nf\nN\nIn Wien (Verlag von Sommer F. Kiemen) ist ein Lebens-\nund Charakterbild der kürzlich verstorbenen Julie Rettich, ver-\nfasst von Betty Paoli, erschienen, welches als ein Erguss inniger\nVerehrung und Hochachtung für die grosse dramatische Künstlerin\nempfohlen wird.\nOtto Prechtler in Wien bietet zwei Operntexte romantischen\nund biblisch-historischen Inhalts zur Composition an.\nVerdi ist berühmt genug; dass sein Name aber in den Zeiten\nder össterreichischen Herrschaft auch eine politische Bedeutung\nhatte, ist weniger bekannt. Man begrüsste sieh mit Viva Verdi, das\nhiess: „ Viva Vittore Emmanuele He Italia !u\nVon Franz Liszt ist eine Hymne des Marins für gemischten\nChor mit vorgedruckter autographirter Approbation des Papstes er-\nschienen. Bezieht sich diese auch auf die Unschädlichkeit der Mu-\nsik, oder bloss des Textes?\nDas Decorationswesen und die Bühnen-Mechanik in dem neuen\npariser Opernhause soll nach einem Systeme eingerichtet werden,\nbei welchem Coulissen und Sufitten ganz in Wegfall kommen. Statt\nder Prospecte auf ganzen Leinwanden werden panoramaähnliche Zu-\nsammenstellungen aus einzelnen Prakticabeln eingeführt, die theils\naus Versenkungen gehoben, theils vom Schnürboden herabgelassen\nwerden, oder in der Achse des Zuschauers sich vor- und rückwärts\nbewegen lassen. Eben so wird die Beleuchtung auf merkwürdige\nWeise vervollkommnet werden.\nIn Reval fand kürzlich ein Sängerfest Statt, wobei auch In-\nstrumentalmusik hinzugezogen wurde. Das Programm enthielt unter\nAnderem Genofeva-Ouverture von Schumann, Es-dur-C oncert von\nBeethoven, Ave verum von Mozart, Halleluja von Händel, Faust\nvon Rubinstein, von Beethoven.\nDie 81. f. Th. u. M. enthalten folgenden Aufruf, den\nwir ebenfalls zu wohlwollender Berücksichtigung empfehlen:\nJosepha Lange, Grossnichte Mozart's, wurde im Jahre\n1820 als die Tochter eines k. k. Feld-Kriegskanzlisten geboren, aber\nleider schon sehr früh verwaist. Nachdem sie auch ihre übrigen\nVerwandten verloren und, schon seit Jahren kränklich und leidend,\nsich kaum das Nöthigste zum Lebensunterhalte erwerben konnte,\nlernte sie Herr Dr. Aug. Schmidt, k. k. Beamter der Staats.'\nschulden-Casse, kennen und lenkte auch die Aufmerksamkeit des\nHerrn Directors Hellmesberger auf sie, welcher, gerührt von\nihrer kummervollen Lage, zu ihren Gunsten im Jahre 1863 ein\nConcert veranstaltete und sie einem eifrigen Verehrer des grossen\nMozart, Sr. Excellenz dem Herrn Grafen Moriz von Dietrichstein,\nempfahl, welcher die einzige noch lebende Verwandte des unsterb-\nlichen Tonmeisters auf das grossmüthigste unterstützte. Nachdem\nder Tod auch diese ihre Stütze der Aermsten geraubt, wurde ihr\nvon der Tochter des hochseligen Herrn Grafen, I. E. der Frau Für-\nstin von Oettingen-Wallerstein, eine Unterstützung zu Theil, so dass\nsie ihre Wohnungsmiethe stets davon bezahlen konnte, bis im heu-\nrigen Frühling die Frau Fürstin abreiste, ohne ihrer zu gedenken\noder die flehentlichsten Briefe zu beantworten. Dadurch gerieth nun\nMozart's Grossnichte in die traurigste Lage, sie konnte den Mieth-\nzins nicht entrichten, und es steht ihr nun bevor, dass ihr das We-\nnige, welches sie der Güte des edlen Grafen verdankt, gepfändet\nund sie dem grössten Elende obdachlos überlassen wird, wenn nicht\nedle Menschenfreunde sich ihrer erbarmen und ihre Verehrung des\ngrossen Mozart dadurch bekunden, dass sie seine Grossnichte dem\ngrössten, unverschuldeten Elende entreissen. Josepha Lange,\nMargarethen, Schwarzhorngasse Nr. 13, 2. Stock, Thür Nr. 13.\n(Wohlthäter, welche es vorziehen, ihre Gaben der Bedrängten\ndurch uns zukommen zu lassen, werden gebeten, selbe an das Re-\ndactions-Bureau von Zellner's Blättern u. s. w., Strauchgasse\nNr. 1, zu adressiren. Die Spenden werden in dessen Blatte aufge-\nführt werden.)"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "257", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660818-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nPalestrina's Motetten. Yon Ed. Krüger. Die Kreuzfahrer. Neueste Composition von Niels W. Gade.\nAus Bonn (Musicalische Aufführungen in der letzten Saison. Von —h. Napoleon I. und die Musik. Tages- und Unterhal-\ntung sblatt (Köln, Stadttheater August Langert Theater, Mantius, Louis Brassin, Herr von Hülsen Dresden, Wieder-\neröffnung des Hoftheaters, C. A. Fischer Wien, Lebensbild von Julie Rettich, Operntexte Verdi Franz Liszt u. s. w.).\n\nPalestrina’s Motetten.\n\nEine Gesammt-Ausgabe von Palestrina ist noch\nnicht vorhanden und wird nicht ieicht unternommen wer-\nden, ehe nicht von kirchlicher Seite her Wunsch und För-\nderniss hinzutritt. Der päpstliche Capellmeister Baini\n(-J- 1844) hatte eine Gesammt-Ausgabe beabsichtigt, aber\nwegen Ungewissbeit des Erfolges aufgegeben, und das\nheutige Italien wird zu solchem Monumente weder Zeit\nnoch Milte! obgleich, äusserlich genommen, ein\nsolches leichter als unsere Händel- und Bach-Ausgaben\nherzustellen wäre, da von Palestrina's Werken eine an-\nsehnliche Zahl schon bei seinem Leben in correcten, les-\nbaren Drucken erschienen. Ungeachtet ihrer unsterblichen\nSchönheit sind sie von den Katholiken nicht so gekannt\nund geliebt, wie sie sollten, was wir dem Zustande der\nheutigen Tonübung und der Verweltlichung des Clerus\neher Schuld geben, als dem empfänglichen Volke, das die\newigen Werke, sobald sie objectiv vorgeführt werden,\ngar wohl versteht.\nUeber die Anlage der vorliegenden de Witt'schen\nSammlung*), die nach des Sammlers unerwartetem Tode\nvon anderer Hand veröffentlicht ist, geben uns die zwei\nVorworte keine Auskunft, auch nicht, ob sie soll fortge-\nsetzt werden; jedenfalls ist sie werthvoll, sowohl durch\nsaubere, ja, glänzende Herstellung, als weil sie grossen-\ntheils Unbekanntes bringt, Bekanntes aber, wie das\nilluminare Jerusalem, Bd. 3 Nr. 28, gegen frühere Aus-\ngaben, z. B. von Winterfeld (Gabrieli III), kritisch berich-\ntigt darstellt.\nEhe wir über Zweck und Ausdehnung der Witt'schen\nAusgabe näher unterrichtet sind, müssen wir dieselbe zu-\nnächst auf das Künstlerische gerichtet halten; doch\nkommt sie auch dem Kirchendienste zu Gute, sofern er\ndas Dargebotene vernünftig ergreift und sich nicht durch\nzeitsinnige Musikmacher von der richtigen Bahn ablenken\nlässt zum Rückfalle in den so genannten Kirchenstil der\nwiener Schule, den man dort kürzlich entdeckt und den\nAltmeistern ebenbürtig gefunden hat. Mozart und Haydn\nheisst es seien nicht bloss ehrenwerthe Männer, son-\ndern fromme und gute Katholiken, daher dürfe man kei-\nneswegs der Reaction beistimmen, welche ihre Messen\nuiikirchlich finde; der Typus des Stils allein thue es nicht,\nMerkmale des Kirchlichen könne Niemand nachweisen\noder widerlegen, die Menschheit sei im Fortschritte, mit-\nhin auch die Kirche u. s. w. Freilich, so wenig wie über-\nhaupt Merkmale zur Wesenschau helfen oder gar sie\nersetzen, so wenig kann auch das Heilige und Schöne, die\nheilige Schönheit durch merkbare äussere Zeichen er-\nwiesen werden. Das Tonreich ist weit, die Zusammen-\nklänge zu allen Zeiten consonirend oder dissonirend; nach\nCh. Beauquier, „ Sur la musi (Paris,\n1866), kommt es nur auf die Stimmung an, um etwas\nkirchlich zu finden: „melancholische Exaltation, geheim-\nnissvolle Stille, Weihrauchduft hinter buntem Fenster-\nglase\", da meint er, sässe das Kirchliche, was darüber\nhinaus so titulirt werde, sei doctrinäre Einbildung. Nun,\ndie gesinnungstüchtigen Literaten mögen Recht haben,\ndass das innere Zeugniss der empfangenden Seele nicht\nJedermanns Sache ist; dennoch bleibt es wahr, dass un-\nbefangene Musikfreunde, welche die Kirche nicht bloss\nvom Hörensagen kennen, auch einiger Maassen fähig sind,\nnicht bloss Scherz und Ernst zu unterscheiden, sondern\nauch zu merken, wo eitle Lüstlichkeit walte und wo keu-\nsche Wahrheit; dieses Wahrhaftige, Uneitele kündet\nsich dem Gemüthe gewisser an, als irgend eine kritische\nWissenschaft erweisen kann; es ist die innere Wärme der\nEmpfindung, die in allem Künstlerischen die Herzen ge-\n\n*) Motetten von Pierluigi da Palestrina. Eedigirt von\nTheodor de Witt. Band 1., 11., 111. Fol. Leipzig, bei Breitkopf\nund Härtel."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "258", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660818-01.1.2", "texte": "fangen führt und Gleiches wirkt, wie es in des Werk-\nmeisters Seele geboren und gewollt war. Solche Werke\nkann, wer je durch sie berührt ist, hundert Mal hören\nund jedes Mal sich erneut fühlen zum Aufschwünge in\ndie Region, die über dem endlichen Urtheile ist; und solche\nWirkung erleben wir an den kirchlichen Meistern des\nsechszehnten Jahrhunderts insbesondere dann, wenn ihre\nTonsätze einfältig, d. b. ohne gesuchten Ausdruck in ge-\nsunder Tonreinheit und klarer Rhythmik vorgeführt wer-\nden; alle Künstlichkeit der sentimentalen Dynamik wird\nzu Schanden vor jener einfachen Grösse, die ihren Vortrag\nin sich selbst trägt, weil ihre Tonlagen und Stimmführun-\ngen, überhaupt ihre gesammte Tonbildlicbkeit auf der\nnatürlichen Tonordnung beruht, die aller künstlerischen\nOrdnungen Hintergrund ist, und darum wirkt, was sie\nsoll, daher denn Hohes und Niederes, Aufschwung und\nDemuth von selbst vernehmlich wird, sobald man ehrlich\nsingt, was geschrieben steht. Dass es sich so verhalte,\nmuss man erproben, entweder an heiliger Stätte oder in\nstiller Häuslichkeit nur nicht im blendenden Concert-\nsaale, wo das typische Applaudiren gebildeter Thebaner\nallen Kunst-Typus gründlich zerstört. Die typische\nObjectiv ität des Ausdrucks, wie sie der kirchliche\nGeist auch in der Architektur fordert, ist aber desshalb\nnoch nicht Starrheit, Kälte, Gleichförmigkeit, vielmehr\ntritt statt des uniformen Pfaffenthums und gefürchteten\nConsistorial-Druckes die freie Besonderheit der\nKunstwerke ebenfalls zu Tage, aber in edler Erhöhung\nder lebendigen Volksthümer und Persönlichkeiten. Wie\nnun alle Künste auch im kirchlichen Bereiche das Urbild-\nliche unwillkürlich individualisiren, nicht umgekehrt die\nindividuellen Objecte willkürlich verschönern, scheinbar\nidealisiren wollen, das zeigt sich in unbeschreiblicher Wirk-\nlichkeit bei den bevorzugten Meistern, während die lüster-\nnen Reize sinnlicher Malerei, die vorzugsweise bei Ra-\ntionalisten und Jesuiten (z. B. Roothaan) für kirchliche\nKunst gelten, keine ewige, kaum zeitliche Wirklichkeit\nhaben.—Persönliche Volksthümlichkeit innerhalb des hei-\nligen Bezirks äussert sich dem aufmerksamen Hörer un-\nzweideutig; und eben so gewiss wie in Seb. Bach die\nbejahende Seite des hallischen Pietismus, in Händel die\nstolze Hoheit der englischen Kirche durchklingt, so neh-\nmen wir auch bei den älteren Meistern individuelle Züge\nwahr, die das Gemüth bedeutsam freundlich berühren.\nGanz anders spricht der heroische, schwere Ernst in den\nSpaniern Vittoria und Morales, anders Palestrina's klarer,\nwallender Schönheitsglanz, anders Hassler's männliche In-\nnigkeit und Orl. Lassus' bildkräftiges Behagen. Ein Vor-\nzug gebührt Palestrina wegen des reinen Wohllauts und\nder saubersten, nie bloss äusserlichen Technik, während\ndie tiefgläubige Empfindung der Deutschen und Spanier\nihn oft übertrifft.\nIndem wir weiter, als die kritische Anzeige fordert,\nauf das Künstlerische eingehe«, 'hoffen wir zugleich, den\nKirchlichen und den Kunstfreunden die Sehnsucht nach\ndem Vollkommenen zu wecken, das in diesen drei Bänden\nreichlich geboten wird, und bezeichnen als besonders ver-\nständliche und eingängliche mehrere der unbekannten, die\nden oft gehörten: 0 bone Jesu Popule mens und ähn-\nlichen weit vorangehen. Aus dem ersten Bande, der\nnach dem Drucke der Gebrüder Dorici in Rom (1569)\nwiederholt ist, heben sich heraus: Nr. 1:\nCommercium',Nr. 3: 0 Antoni Nr. 6:\ntulerunt Dominum,mit liedhafter Cantilene zu Anfang,\ndergleichen die Niederländer vor Orl. Lassus häufig ha-\nben; Nr. 8: 0 lux beata TrinitNr. 13:\nrentius, mit öantus firmus im zweiten Tenor*); Nr. 32:\nTu es Petrus,dessen mildheitere Schönheit wohl einen\nVergleich zulässt mit der ernsten, ja, herben Fassung der-\nselben Worte bei Willaert, der glänzenden bei AI. Scar-\nlatti. Merkenswerth ist, dass Palestrina und die Römer\nbei übrigens richtiger Sylben-Declamation den eigentlichen\nWortausdruck weniger heraustreten lassen, als die Deut-\nschen; wohl ist der allgemeine Inhalt durchblickend, die\nWendepunkte schön bezeichnet, aber das Pathos der Be-\ntonung, dessen wir gewohnt sind, ist nicht das Regelnde;\ndoch thut dieser Mangel dem Gehalt der Tonbilder keinen\nEintrag, wie unter Anderem der ruhige Legendenton von\nNr. 23: JJnus ex duobus qui secuti sunt Dominum, erat\nAndreas frater Simonis Petri, ein sinnreiches,\naltkatholisches Tonbild gewährt, gleich den bei Nieder-\nländern gesungenen Ueberschriften, z. B.\ntiones Jeremiae Prophetae: Aleph\" wo die Zahl-\nbuchstaben, mit feierlichen Melismen umkränzt, gar nicht\nlächerlich klingen, sondern wie Säulen im Gewölbe stehen,\ntrennend und bindend, als kräftige Achsen strömender\nBewegung. S. Commer, Mus\nAus dem zweiten Bande sind einzelne Stücke nach\nverschiedenen Rücksichten hervorzuheben: Nr. 5: 0 sa-\ncrum convivium; Nr. 8: Ascendo ad patrem meum; Nr.\n16: Peccantem me quotidie timor mortis conturbat; Nr.\n23: Gantabo Domino in vita mea; Nr. 29: Laudate Do-\nminum, wegen des schönen, zuweilen specifiscben Wort-\nAusdrucks, dergleichen sich auch in dem sonst leicht-\nblütigen Nr. 24: Tu es Petrus, bei den Worten Claves\n\n*) Wobei ;die Benennung Tenor secundus am Rande v. p. 61\ndem modernen Sprachgebrauche entnommen ist, während in Pa-\nlestrina's Zeit der ö. f. allezeit Prima Vox hiess und die Benen-\nnungen Primus secundus u. s. w. nicht nach der Tonhöhe gezählt\nwerden."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "259", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660818-01.1.3", "texte": "regni coebrum P. 127 hervorthut, gegen die Gewohn-\nheit der classiscben Italiäner. Noch andere von wunder-\nbarer Schönheit wolle der geneigte Leser selbst nachlesen,\nnamentlich Anfänge und Schlüsse, letztere von einer Grösse\nund rhythmischen Gewalt, die sonst Niemand als J. Seb.\nBach gleich kräftig zu dichten weiss, z. B. hier 11. S. 36,\n39; I. P. 82. Einige dieser Schlüsse würden wir jedoch\nanders taktiren, als der Herausgeber, namentich S. 70,\n73, 109, wo statt der vier letzten 4/4-Tacte: i\nJI vielmehr die metrische Vertheilung sein müsste:\ni_ lIT , da bekanntlich die letzte Note, als\nLonga, häufig in unbestimmt freiem Ausklange gehalten\nwird, bezüglich der übrigen aber die Tactstriche, die den\nAlten nicht üblich, unsere Sache sind und freie Inter-\npretation zulassen; wobei dann auch zuweilen gleich-\nzeitige Ober- und Unterstimmen verschiedene Glie-\nderung haben, z. B.:\nTenor\nBassus\nein rhythmisches Gebilde, das jener Zeit beliebt war und\nvon herrlicher Wirkung ist. Dieselbe Formel findet sich\nhäufig bei damaligen Italiänern, z. B. in der trefflich schö-\nnen Messe von Franz Anerio, 1620 (?), welche kürz-\nlich neu herausgegeben ist in der Fortsetzung von Pros-\nke's Musica divina, Annus II Liber Missarum, P. 64,\nWo bei Händel ähnliche Schlüsse vorkommen, da hat\ndie neue deutsche Händel Ausgabe es jed es Mal im Cla-\nvier-Auszug durch doppelte Tactirung anschaulich ge-\nmacht. Auch Mozart gebraucht solche Doppelmessung\neinmal im ersten Don-Juan-Finale, freilich in anderem\nSinne. • Wegen der übrigen Tonsätze des zweiten Thei-\nles ist noch zu bemerken, dass vier davon Palestrina's\nSöhnen Angelo, Sylla, Rodulfo angehören, unter denen\nder mittlere mit heroischem Schwünge anhebt, die beiden\nanderen weniger eigenthümlich scheinen; doch ist es ge-\nwagt, aus einzelnen Beispielen zu urtheilen.\nVom dritten Theile sind Nr. 29:\nund Nr. 31: Ave Regina, voll edler Kraft und Schönheit,\nin Nr. 29 auch das Amen S. 143 auszuzeichnen, weil\ndieses Wort sonst weniger im römischen als im evangeli-\nschen Tonsatze hervortritt. Bei der sorgfältigen Her-\nstellung der Tonsätze sind wenige Errata stehen geblieben,\ndie wir glauben zum Besten der Sache notiren zu müssen.\nEs ist zu lesen: P. 1: S. 3, 1, 5 statt JF'.\n3, 4 Basms muss d, statt c singen. P. II: 117,\n1, 6 Cantus muss zwischen beiden Noten eine Minima\nPause haben.— 133, 2 fiduciali P. III: S. 37, 2,\n3 muss die Quinta Vox b, statt h singen. Die Conjectur\ndes ersten Gis in der Quinta Vox P. I, p. 85, 3, 2 scheint\nnicht nothwendig begründet, da die Schrift des Originals\nfür das Gegentbeil spricht und der vier Tacte frühere\nGang derselben Stimme c eis ein sinnverwandtes Beispiel\nder Querständigkeit nach älterem Gebrauche bietet.\nEine widrige, sonst bei Palestrina ungewöhnliche Stimm-\nführung befindet sich 11, 154, 2, wo im letzten Tacte der\nSextus den Leitton h verdoppelt; zwar ist es technisch\nrichtig, aber übelklingend: hier wäre eine Emendation\nam Platze, etwa a d' g,statt\nWer nun, wie eine neuere Kunst-Theorie thut, im-\nmer aufs Neue sorgt um wissenschaftliche Festsetzung\ndessen, was kirchlich, oder geistlich, oder beides nicht\nsei, der wird, so lange dafür keine exaete Formel erfun-\nden ist, sich an die Regel halten müssen: An ihren Früch-\nten sollt ihr sie erkennen! Es wäre doch wohl auszumit-\nteln, welche Hörer von diesem oder jenem mehr ergrif-\nfen werden und warum höher hinauf: welche Art\nGesang mehr Andacht, welche mehr Zerstreuung wirke\nam höchsten gefragt: welcherlei Gesang dem wirk-\nlich Bedürftigen so zu Herzen ginge, dass er ihn im Leben\nund Sterben oder, wie jener evangelische Cantor, in die-\nsem und jenem Leben hören möchte. Und solche Tonsätze\nsind allerdings vorbanden, von denen sich fromme und\nweltliche Leute einstimmig sagen: das ist fromm, das\nklingt heilig, das füllt die Seele während so einstimmi-\nges UrtheiS schwerlich bei Jakob Meier Beer's Hugenot-\nten-Choral oder Rossini's Slaut wird. Und in\nDeutschland sind die so genannten kirchlichen Sympa-\nthieen noch stark genug, dass man nicht Dinge, die inner-\nlich unvereinbar sind, vermengt, nicht in der Kirche Pe-\nlotonfeuer bei den Exequien des Marschalls oder, wie\nneulich in St. Eustache zu Paris, zur Wandlung in der\nMesse einen von Seiten der National-\ngarde aufführen lässt, und dass man wenigstens nicht\nallgemein —die Meinung hegt, eine neue Kirche erfinden\nzu müssen, da sich die alte nicht in unsere Bildungsstufe\nschicken wolle. Wir haben in Deutschland noch kirchlich\ngesinnte Künstler, unter denen wir die evangelischen Grell,\nHerzog und Riegel, die katholischen Mettenleiter, Proske\n(-j- 1863) und Esser in Ehren halten. Solche Künstler,\ndie noch an die Una Sancta in und ausser\nRom glauben, werden an den besprochenen Werken,\ntrotz ihres persönlichen Bekenntnisses, nicht nur Gefallen\nfinden, sondern neue Saat aus alten Schatzkammern, die\nunvergänglich fruchtet, daraus erlesen.\n\nEd. Krüger.\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "260", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660818-01.1.4", "texte": "Die Kreuzfahrer.\nNeueste Composition von Niels W. Gade.\nDas letzte Abonnements-Concert des Musik-Vereins\nin Kopenhagen bat einen erbebenden Eindruck hinter-\nlassen. Das Programm brachte nur zwei Werke, Beetbo-\nven's achte Sinfonie, die besonders im Allegro und Finale\nvortrefflich ausgeführt wurde, und „Die Kreuzfahrer\"\nvon Niels W. Gade, eine neue Composition, reich an\nUmfang und Inhalt. Am Schlüsse der Aufführung wurde\nder Componist mit Fanfaren vom Orchester und lang an-\nhaltendem Applaus vom Publicum begrüsst.\nDas Gedicht, welches wir Karl Andersen verdanken,\nbildet eine Concert-Cantate mit sehr befriedigendem Stoffe\nzur musicalischen Behandlung für Solostimmen, Chor und\nOrchester. Diese Gattung von Gesangstücken scheint, in\nso fern ihre historischen und romantischen Stoffe mit ern-\nster Musik übereinstimmen, hier im Norden immer mehr\nund mehr beliebt zu werden. Obwohl der Inhalt drama-\ntisch zusammengestellt ist, so macht er doch nicht diesel-\nben Ansprüche, die ein musicalisches Drama auf der\nBühne macht.\nDas Werk hat drei Theile, deren erster mit einem\nPilgerchor für Frauen- und Männerstimmen beginnt,\neinem schönen, ausdrucksvollen Gesänge, der die Mühsale\nder Pilgerschaft durch Wüste und Wildniss schildert. Das\nHauptmotiv hat einige entfernte Aehnlichkeit mit Gade's\neigener Composition „Bei Sonnenuntergang\", ist aber hier\nviel breiter ausgeführt und zu einer schönen, charakte-\nristischen Composition entwickelt. Ein Becitativ und\nArioso-Gesang Peter's des Eremiten, des Führers der\nKreuzfahrer, leitet einen Chor derselben ein; zu dessen\nColorit mögen vielleicht altfranzösische Lieder den\nImpuls gegeben haben. Das Finale des ersten Theiles\nbildet ein Abendgebet des ganzen Chors, aus welchem die\nSolostimme Peter's des Eremiten feierlich und ergreifend\nhervortritt.\nDer zweite Theil ist „Armida\" überschrieben, was\nfreilich unwillkürlich wenn auch nicht zu einer Verglei-\nchung, doch zu einer Erinnerung an Gluck drängt, da der\nGegenstand derselbe ist, wie im zweiten Acte von Gluck's\nOper, nämlich die Versuchung Binaldo's durch Armidens\nLockungen im Bunde mit Zauberkünsten. Einer fremd-\nartigen, mysteriösen Einleitung, welche in schlagender\nWeise den Kampf der Nacht gegen das Licht verkündet,\nfolgt ein kurzer Chor der Geister der Finsterniss, welche\nauf das Gebot ihrer Königin eine Zauberwelt, mit allem\nSinnenreiz ausgestattet, herauf beschwören. Armida's Ge-\nsang ist originel in Melodie und Bhythmus und geht in\neinen Sirenenchor über, der einen weichen, verführeri-\nschen Charakter athmet. Die folgende Scene schildert den\nsich steigernden Kampf Binaldo's gegen die Versuchung;\ner droht ihr zu verfallen, wenn er den schmeichelnden\nMelodieen lauscht, doch ringt er fort und fort nach dem\nSiege, und als er den Pilgergesang hört und darein ein-\nstimmt, hat der Zauber seine Macht über ihn verloren.\nDiese Scene ist in Bezug auf dramatische Wirkung\nausgezeichnet; der Uebergang aus der reizenden Melodie:\n„Binaldo! Binaldo!\" in den Gesang der Kreuzfahrer über-\nrascht, und der Seelenkampf des Helden ist meisterhaft\ngeschildert. Besonders ergreifend ist das in lang gehalte-\nnen Tönen erklingende Horn, welches den Binaldo mah-\nnend ruft. Und Alles in diesem Theile des Werkes ist neu\nund ganz verschieden von dem Stile in früheren Werken\nGade's, z. B. Comala, Bitter Olaf u. s. w. Schwerlich hat\nGade, seitdem er durch die Erzeugnisse seiner jugend-\nlichen Begeisterung eine so grosse Popularität bei uns er-\nlangt, einen Stoff bearbeitet, der so wie die Kreuzfahrer\nauf den ersten Anblick seiner künstlerischen Individualität\nzuwider zu sein scheint. Und doch ist diese Composition\ngewiss eine seiner besten und phantasiereichsten, und na-\nmentlich in der Abtheilung „Armida\" zeigt er sich wie-\nder ganz als einen skandinavischen Tondichter, so zart\nund keusch ist die ganze Scene behandelt. Was für grob\nsinnliche Farben würde ein italiänischer Componist, oder\nMeyerbeer, oder Bicbard Wagner hier aufgetragen haben,\nwährend Gade nur das, was die Situation fordert, mit\nsicherem Maasse zeichnet. Seine Armide unterscheidet sich\ndadurch von der Gluck'schen, dass bei dieser der Durst\nnach Bache durch die Begungen der Liebe gezügelt wird,\nbei Gade aber nur die kalte, mächtige Feindin des Kreu-\nzes in ihr personificirt erscheint. Indess dünkt uns, dass\nmanche Stellen in dem vocalen Zwiegespräche zu wenig\nFarbe haben.\nDer letzte Theil, „Jerusalem\" überschrieben, ist im\nVergleich zu den beiden ersten der am meisten oratorien-\nmässige und religiöse.\nBinaldo trifft wieder bei dem Kreuzheere ein, als der\nEremit diesem das Ziel der Pilgerfahrt zeigt. Die beilige\nStadt glänzt in den Strahlen der Sonne, und ein jubelnder\nLob- und Dankchor entflammt das Heer zu Kampf und\nSieg.\nUeberhaupt sind in allen Chören grosse Schönheiten:\nder Morgen-Hymnus, der Pilgermarsch, die Begrüssung\nJerusalems offenbaren eine bedeutende Erfindungskraft in\nVerbindung mit ungewöhnlicher Herrschaft über alle\nMittel der Kunst. Im letzten Theile treten auch noch Bi-\nnaldo's Gebet und des Eremiten letzter, gewaltiger Aufruf\nzum heiligen Streite hervor. Im Ganzen ist der dritte Theil\nweniger lieblich und ansprechend, als die beiden ersten,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "261", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660818-01.1.5", "texte": "was die Natur des Stoffes mit sich bringt, allein er ist be-\ndeutend durch Tiefe und grossen Stil und beweist, dass\ndie Musik auch im Stande ist, grosse welthistorische Er-\neignisse zu schildern.\nDie „Kreuzfahrer\" sind im Ganzen ein treffliches,\nerhebendes Werk, eines von den wenigen, die bei näherer\nPrüfung immer mehr für sich einnehmen. Einige schwache\nStellen mögen allerdings darin gefunden werden können;\ndas kann uns aber nicht hindern, Gade für die schöne\nGabe den aufrichtigsten Dank zu zollen.\nKopenhagen.\n\nAus Bonn.\n\nIn unserem letzten Briefe*) nahmen wir von dem\nfreundlichen Leser mit dem Versprechen Abschied, den\nBericht über die ferner Statt findenden musicalischen Auf-\nführungen in unserer Stadt baldigst folgen zu lassen. Wenn\nwir durch das Zusammentreffen ungünstiger Umstände\ndieses Versprechen etwas spät einlösen, so bitten wir dess-\nhalb um Entschuldigung, auf eine nicht minder gütige\nAufnahme bei den Freunden dieser Blätter hoffend.\nWir berichteten zuletzt über das dritte und geben\nnachstehend die Programme der folgenden Abonnements-\nConcerte.\nIV. Concert. 1) Concert-Ouverture zum Trauerspiel\n„Loreley\" von Emil Naumann. 2) „Früblingsbotschaft\",\nConcertstück für Chor und Orchester von Niels W. Gade.\n3) Concert für die Violine von Mendelssohn, vorgetragen\nvon Herrn Walbrül. 4) Religiöser Marsch und Hymne,\ncomponirt zur Krönung üarl's X. von L. Cherubini. 5)\nOuvertüre und Musik „Die Geschöpfe des Prometheus\",\nBallet von Vigano, componirt von L. v. Beethoven.\nV. Concert. 1) Sinfonie (D-dur) von Mozart. 2) Con-\ncert für Pianoforte [Fis-moll),componirt und vorgetragen\nvon Herrn Capellmeister F. Hill er. 3) Festlicher Marsch\nund Chor aus „Die Ruinen von Athen\" von L. v. Beetho-\nven. 4) Ouvertüre zu „Genofeva\" von R. Schumann. 5)\n„Pfingsten\", Gedicht von Immergrün, für Chor und Or-\nchester componirt von F. Hi 11er (zum ersten Male). 6) Solo-\nstücke für Pianoforte: „Gavotte, Sarabande und Courante\",\ncomponirt und vorgetragen von Herrn F. Hiller. 7) Ou-\nvertüre zu „Euryanthe\" von C. M. von Weber.\nVI. Concert. 1) Requiem von L. Cherubini.\n2) Sinfonie (Nr. IV, B-dur)von L. v. Beethoven.\nAlles, was über die Leitung der Concerte, so wie\nüber die Ausführung der in denselben vorgekommenen\nOrchester- und Chorstücke früher bereits Gutes und Lo-\nbenswerthes gesagt wurde, können wir auch heute zu\nunserer Freude bestätigen. So muss besonders den Lei-\nstungen des Orchesters in den beiden Sinfonieen von Mo-\nzart und Beethoven die vollste Anerkennung gezollt wer-\nden; dasselbe gilt in Betreff des Chors in Bezug auf die\ngrösseren Gesangstücke. Weniger konnte die Ausführung\nder Chöre in dem fünften Concerte den Musikfreund be-\nfriedigen, ein Umstand, dessen Hauptgrund in der an dem\nbetreffenden Abende lückenhaften Besetzung der Frauen-\nstimmen zu suchen sein dürfte. Man fand für das, was\nhiedurch diesem Concerte an Glanz abging, einen schönen\nund hinreichenden Ersatz durch das nach längerem Zeit-\nräume wieder einmal erfolgte Auftreten des Herrn Capell-\nmeisters Ferd. Hiller aus Köln, welches mit freudigem\nWillkommen begrüsst wurde. Der treffliche Meister spielte\nim ersten Theile sein Frau Wilhelmine Szarvady, gebo-\nrene Gauss, gewidmetes Fis-moll-, anerkannt eines\nder besten und dankbarsten Clavier-Concerte der neueren\nZeit; in der zweiten Abtheilung sodann drei neuere Stücke:\n„Gavotte, Sarabande und Courante\", die den genialsten\nSchöpfungen Hiller's zugezählt werden können. Beide\nNummern zündeten und begeisterten die Zuhörer, wäh-\nrend der vollendetste Vortrag derselben einen wahren\nBeifallssturm hervorrief, den der Meister mit gewohnter\nLiebenswürdigkeit durch Zugabe seines bekannten Im-\npromptu „Zur Guitarre\" erwiederte.\nAusser Herrn Hiller hörten wir nur noch einen So-\nlisten in dem vierten Concerte, Herrn Walbrül, ersten\nViolinisten des hiesigen Orchesters; er spielte das Concert\nfür die Violine von Mendelssohn und fand freundliche\nAufnahme und wohlverdienten Beifall.\nEs sei gleich hier noch eines Concertes gedacht, wel-\nches, ebenfalls unter Leitung des Musik-Directors Bram-\nbach, sich den sechs Abonnements-Concerten anschloss\nund zum Besten einer zu gründenden Krankencasse für\nMitglieder des hiesigen Orchesters mit nachfolgendem\nProgramme Statt fand: 1) Ouvertüre zu „Iphigenie in\nAulis\" von Gluck. 2) Concert für zwei Violinen von Spohr\n(.H-moll), vorgetragen von den Herren Concertmeistern\nG. Japha und 0. von Königslöw aus Köln. 3) Musik\nzu Shakespeare's „Sommernachtstraum\" von Mendelssohn.\n4) Sinfonie (Nr. V, C-moll)von L. v. Beethoven. Der\nErfolg dieses Concertes war in künstlerischer wie in pecu-\nniärer Hinsicht ein recht erfreulicher.\nVon sonstigen musicalischen Genüssen in dieser Stadt\ngedenken wir noch der Versammlungen des Beethoven-\nVereins, die unter Brambach's Direction wöchentlich\nein Mal (Mittwochs) im grossen Saale der Lese-Gesellschaft\nabgehalten wurden. Das Programm umfasste in der Regel\n\n*) In Nr. 3 vom 20. Januar d. J."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "262", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660818-01.1.6", "texte": "zwei Ouvertüren und eine Sinfonie, und es dienen diese\nAbende Musikern und Musikfreunden zur angenehmen\nAnregung und Unterhaltung. Man begegnet in den Pro-\ngrammen sowohl den Namen alter, bewährter Meister,\nwie auch denen der besten neueren. Von uns unbekann-\nten Orchestersachen hörten wir die „Maurerische Trauer-\nmusik\" von Mozart, die Musik zu dem Ballet „Die Ge-\nschöpfe des Prometheus\" und „Gratulations-Menuet\" von\nBeethoven, die Ouvertüren zu „Fierabras\", „Alfonso\" und\n„Estrella\" von Franz Schubert, die nachgelassene Ouver-\ntüre von Norbert Burgmüller und sogar eine Sinfonie von\nEberl (geb. 1766).\nJährlich finden sechs grössere Aufführungen Statt,\nwelchen auch Damen beiwohnen können. Die glänzendste\nder Art war die, welche, zur Feier von Beethoven's Ge-\nburtstag, nur Compositionen dieses Ton-Heros: Ouvertüre\nzu Coriolan, Violin-Concert, gespielt von Herrn Strauss\naus London, Sinfonie in C-moll und die Musik zu Egmont\nvorführte. Frau Knöpges-Saart sang die Lieder Clärchens.\nIn einer derselben spielte Brambach Beethoven's Quintett\nfür Pianoforte mit Blas-Instrumenten, in einer anderen\ndesselben Meisters Horn-Sonate mit unserem wackeren\nHornisten Weck.\nAuch producirte sich daselbst das Quartett der Ge-\nbrüder Müller, die wir ausserdem in zwei von ihnen ver-\nanstalteten Soireen zu bewundern Gelegenheit hatten. Aus\nihren Programmen erwähnen wir ein Quartett\nvon Schumann, die Serenade Op. 8 und das A-moll-Quar-\ntett von Beethoven, Quartett von Dittersdorf, Quartett\nvon Schubert.\nDie Concert-Saison brachte uns ausser den schon vor-\nerwähnten Künstlern noch das berühmte pariser Quartett\nder Herren P. Maurin, J. B. Sabatier, W. Mas und\n*\nA. Chevillard. Der Inhalt des Programms der von ihnen\nveranstalteten Soiree bestand ausschliesslich aus Werken\nBeethovens: Op. 59 F-dur, Op. 130 B-dur und Op.\n131 Cis-moll\nIn würdigster Weise reihte sich daran das Quartett\nder Herren 0. von Königslöw, F. Derckum, G. Ja-\npha und A. Schmit, welches unsere Schwesterstadt Köln\nsandte. In fünf Soireen gaben diese Künstler durch den\nVortrag von zwei Quartetten von Haydn, zwei Quartetten\nund zwei Quintetten von Mozart, Quartett (A-moll) und\nQuintett (C-dur) von Schubert, Quartett von Mendelssohn,\nQuintett (Op. 8) von Gade, Streich-Trio Op. 9\nund vier Quartetten von Beethoven erneuerte Beweise von\ntrefflichem Zusammenspiel und geistreicher Auffassung.\nWir hörten ferner den ausgezeichneten Pianisten\nDr. Hans von Bülow, welcher in einer Sonate von\nSchubert, Phantasie, Fuge, Sarabande und Passepied von\nBach, Nocturne von Chopin, Variationen von J. Raff, So-\nnate Op. 101 von Beethoven und zwei Stücken von Fr.\nLiszt mit gewohnter, vollendeter Meisterschaft als unum-\nschränkter Beherrscher des Instrumentes und geistreicher\nInterpret der verschiedenen Tonschöpfungen glänzte.\nWir schliessen die Reihe dieser Künstler mit Anfüh-\nrung des Concertes von Carlotta Patti, veranstaltet\ndurch Herrn Ullman.\nAls Resultat unserer gesammten Mittheilung dürfte\nsich ergeben, dass der vergangene Winter reich war an\nmusicalischen Gaben, und dass Bonn den alten Ruf als\nMusenstadt bewährte. Hoffen wir, dass der Kriegslärm,\nder durch das Frühjahr und den Sommer hin unser deut-\nsches Vaterland durchtönte, gänzlich verstummt und die\nErfüllung der alten und gerechten Wünsche der Nation\nim Gefolge hat. Dann können wir auch in musicalischer\nBeziehung den Beginn der neuen Concert-Saison mit Freu-\nden erwarten, und bis dahin, freundlicher Leser: „Auf\nWiedersehen!\"\n\nh.\n\nNapoleon I. und die Musik.\nGleich nach ihrer Vermählung mit dem General Bo-\nnaparte veranstaltete Frau von Beauharnais musicalische\nCirkel in ihren Salons, welche durch die Liebenswürdig-\nkeit der Dame vom Hause und durch ihre Leidenschaft\nfür Musik bald der Sammelplatz der gebildetsten Dilettan-\nten von Paris wurden, wozu übrigens auch das rousicali-\nsche Fieber, welches damals in Paris von den patriotischen\nLiedern auf der Strasse an bis zu den Gesang-Soireen in\nden höchsten Kreisen herrschte, nicht wenig beitrug. Nur\nBonaparte blieb davon unberührt und nahm, wenn er aus\nden Feldzügen zurückkam, nicht den geringsten Antheil\nan Josephinens Haus-Concerten. Er verstand nichts von\nMusik und hat nie Geschmack daran gefunden. Trotzdem\nhaben sich viele von seinen Biographen abgemüht, das\nGegentheil nachzuweisen oder haben seine Abneigung ge-\ngen die Tonkunst auf allerlei wunderliche Weise zu\nerklären versucht.\nHätte Bonaparte Sinn für Musik gehabt, so würde er\nbei seinem Verstände wahrscheinlich auch grosse Fort-\nschritte darin gemacht haben; allein es ist keine Spur von\nseiner Empfänglichkeit dafür in seiner Jugend, oder von\nseiner Theilnahme am musicalischen Unterricht auf der\nMilitärschule zu Brienne vorhanden. Indess ging er als\nArtillerie-Lieutenant viel und gern mit Schauspielern und\nSängern um. Ein Biograph, der Graf Fahre, will daraus\nsogar seine Abneigung gegen Oper und Musik herleiten.\n„Alle diese Leute\" —schreibt er— „wollten, nachdem der"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "263", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660818-01.1.7", "texte": "General die erste Person im Staate geworden, auf dem\nfrüheren Fusse mit ihm verkehren, und bemerkten zu ihrem\nAerger, dass er sich von ihnen zurückzog und sie nicht\nmehr so freundlich wie sonst empfing. Den dicken Michot\nnamentlich, der sich rühmte, ihm wesentliche Dienste ge-\nleistet zu haben, verdross es gar sehr, dass er dafür nicht\nwenigstens durch die Vertraulichkeiten des ersten Consuls\nbelohnt wurde. Dieser Künstler betrachtete alle Stufen\nder Macht, die Napoleon erstieg, nur als Scenen der Ent-\nwicklung eines Theaterstückes, und beharrte dabei, in ihm\nnur einen Collegen zu sehen.\nBourienne indess sagt aufrichtig in seinen Memoiren:\n„Bonaparte sang falsch, und zwar consequent falsch,\nmochte er aus dem Rathe kommen oder in seinem Cabi-\nnette mit mir allein sein und nach seiner Gewohnheit die\nArme seines Lehnstuhls mit dem Messer beschnitzeln.\"\nUnd an einer anderen Stelle sagt er: „Bonaparte sang\nGott weiss wie falsch!\"\nFreilich mag es wahr sein, dass auch in den ganz\nunmusicalischen Naturen eine geheime Sympathie für den\nKlang vorhanden ist, dass irgend ein Ton, der an ihr Ohr\nschlägt, auch in ihrem Innern eine gewisse Empfindung\nanregt. Allein es kommt sehr darauf an, von welcher Art\njener Ton sei und ob die innere Aufregung durch ihn\netwas von musicalischem Wesen an sich hat. Bonaparte\nblieb zum Beispiel zuweilen auf seinen Spaziergängen durch\nden Park von Maimaison stehen, wenn er das Geläute der\nGlocken aus dem Dorfe Rueil hörte. Er meinte, er höre\nes gern, „weil es ihn an seine Jugendzeit in Brienne er-\ninnere\". In einer Abendgesellschaft bei Francis de Neuf-\ncbateau, wo viel Musik gemacht wurde, wovon die An-\nderen entzückt waren, erzählte er auf einmal mit Lebhaf-\ntigkeit, dass er bei Lodi mitten im Kanonendonner und\nGefechtslärm einem kleinen Tambour aufmerksam zuge-\nhört habe, der mit der grössten Sicherheit im Tact sein\nKalbfell geschlagen. Kann man aber vernünftiger Weise\ndarauf eine Aeusserung wie die von Sainte Hilaire: „Na-\npoleon vergötterte [adorait) die Musik!\"—begründen?\nVorliebe für Glockengeläute und Trommelschlag, mit-\nhin für einen einförmigen Klang und für Rhythmus\n(und bei beiden kann doch von Melodie noch nicht die\nRede sein), findet man vorzugsweise bei Organisationen,\nwelche man „mathematische\" nennen könnte; in der Mu-\nsik ist ihnen Melodie und Harmonie nichts, und in der\nMalerei zieht sie mehr die Zeichnung als das Colorit an.\nAn Bord des Schiffes L'Orient, auf welchem Bona-\nparte nach Aegypten ging, gab die Musik der Schiffsmann-\nschaft zuweilen Concert: das durfte aber nur im Zwischen-\ndeck Statt finden. Bourienne sagt darüber mit einer cha-\nrakteristischen Schwenkung: „Bonaparte liebte die Musik\nnoch nicht genug, um sie in seinem Saale zu hören;\nman kann behaupten, dass sein Geschmack an dieser\nKunst im Verhältnisse zu seiner Machtvergrösserung stieg,\ngleichsam als hätte er dadurch beweisen wollen, dass er\nnicht bloss das Genie zum Herrschen besässe, sondern\nauch den Instinct für jene aristokratischen Kunstgenüsse,\ndie man im Volke für das Erbtheil der Könige halte.\"\nDas ist zum Lachen*). Wer die Musik liebt, der hat\nsie immer geliebt und wird sie immer lieben, und das\nEinzige, wodurch „verhältnismässig\" diese Liebe wachsen\nkann, ist nicht die „steigende Macht\", sondern das Stu-\ndium und die Anhörung der Meisterwerke.\nAuch hatte Napoleon wohl noch einen anderen Grund,\nLiebe und Begünstigung der Musik zu affectiren, und Bou-\nrienne lässt den Kaiser auch diesen Grund selbst ausspre-\nchen. Er sagt: „Bonaparte's Grundsatz war, dass man\ndas Volk zerstreuen müsse, um es zu beherrschen. Lasst\nsie tanzen, spielen, singen, aber nicht die Nase in die Füh-\nrung der Regierung stecken.\" Das heisst offen gesprochen,\nund so glauben wir denn auch, dass weder der Consul\nnoch der Kaiser bei Wiedereröffnung der grossen Oper,\nder Maskenbälle und ähnlicher Institute weit weniger daran\ngedacht hat, dem Volke seinen Instinct für aristokratische\nVergnügungen zu beweisen, als dasselbe zu verhindern, die\nNase in Regierungssachen zu stecken**).\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKSlil. Am 6. September wird das Stadttheater wieder eröffnet\nwerden. Herr Director Moriz Ernst hat seine Opern- und Schau-\nspiel-Gesellschaft bereits vollständig organisirt. \\\\ ir freuen uns, an\nder Spitze des Orchesters Herrn Capellmeister H. Seidel und als\nOber-Kegisseur der Oper Herrn Behr wiederzufinden, wie wir denn\nauch die Herren Eiese und Schelper, Tenor und Bariton, als\nwohlbekannte und beliebte Sänger wiederum mit Vergnügen be-\ngrüssen, eben so Fräulein Turba und Herrn Höfel.\nVon August Langert kommt in der nächsten Zeit in Coburg\neine neue Oper, „Die Fabier\", zur Aufführung.\nBerlin, 12. August. Am 10. August wurde das Opernhaus\nmit Meyerheer's „Prophet\" wieder eröffnet. Herr Wachtel, der\nsein Honorar von 800 Thlrn. für drei Gastrollen dem Vereine für\ndie Verwundeten zugewiesen [was auch von Roger, der noch hier\ngastirt, geschehen ist], gab den Johann von Leyden und sang die\nzarteren Stellen vortrefflich, während er durch die erzwungene Ueber-\nkraft in den hohen Tönen dahin kommen wird, dass man der Stimme\n\n*)Nicht so ganz: zum Lachen ist nur, dass Bourienne im\nErnste glauben machen will, Napoleon habe wirklich nach und\nnach mehr Geschmack an der Musik bekommen. Den Grund, wess-\nhalb der Kaiser den Schein davon angenommen, hat er ganz richtig\ndurchschaut.\n**) Em. Matth, de Monter: La Afusiqiie et la Societe fran-\ngaise sous le Directoire."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "264", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660818-01.1.8", "texte": "Ermattung anhört, die nur durch Anstrengung bekämpft wird.\nFräulein Bähr gab die Fides und ämtete grossen Beifall.\nDie durch einige auswärtige Blätter laufende Nachricht vom\nTode des Sängers Mantius entbehrt aller Veranlassung, da Mantius\ngar nicht krank gewesen ist und sich der besten Gesundheit erfreut.\nDer berühmte Pianist Louis Brassin, bisher in Brüssel wohn-\nhaft, ist hier angekommen und hat die Stelle eines Professors des\nPianofortespiels beim Stern'schen Conservatorium angenommen. Man\nkann der Anstalt zu der Mitwirkung eines solchen Virtuosen und\nso tüchtigen Musikers, wie seine Compositionen ihn bekunden, von\ndenen wir nur die grossen Etüden anführen, mit vollem Rechte\nGlück wünschen.\nMan spricht hier davon, dass der General-Intendant der könig-\nlichen Schauspiele, Herr von Hülsen, auch zum Intendanten der\nbisherigen Hoftheater zu Hannover und zu Kassel ernannt sei.\nMan schreibt aus Dresden vom 4. August: Am 1. August\nward das königliche Hoftheater wieder eröffnet. Die letzte Vorstel-\nlung vor dem durch die Kriegsereignisse veranlassten mehr als sechs-\nwöchentlichen Schlüsse unserer Hofbühne war Mozart's Don Juan.\nEs lastete an jenem Abende eine höchst trübe und gedrückte Stim-\nmung auf dem sehr spärlich versammelten Publicum und auf dem\nbeschäftigten Künstler-Personale, welche selbst Mozart's grosses\nMeisterwerk nicht zu bannen vermochte. Wenn man nun auch ge-\ngenwärtig noch keineswegs Ursache hat, sich mit ganzem Herzen\nan dem Schönen und Erhabenen zu erfreuen, das die Kunst bietet,\nso durfte man doch die Wiedereröffnung des Hoftheaters als % einen\nVorboten des wiederkehrenden Friedens begrüssen. Das Werk, das\nfür diese Vorstellung gewählt worden, die „Antigone\" des Sophokles,\ndie tadellos zu nennende Darstellung desselben, die dazu gehörige\nherrliche Musik Mendelssohn's und deren treffliche Ausführung unter\nLeitung des Herrn Hof-Capellmeisters Krebs, das alles that das\nSeinige, um uns einmal wieder die ganze Macht der echten und\nwahren Kunst empfinden zu lassen und uns wenigstens für einige\nStunden die Trübsal der Wirklichkeit vergessen zu machen. Das\nHoftheater bewährte an diesem Abende seinen alten Ruhm.\nC. A. Fischer, Organist in Dresden, hat eine neue Loreley-\nOper geschrieben.\nf\nN\nIn Wien (Verlag von Sommer F. Kiemen) ist ein Lebens-\nund Charakterbild der kürzlich verstorbenen Julie Rettich, ver-\nfasst von Betty Paoli, erschienen, welches als ein Erguss inniger\nVerehrung und Hochachtung für die grosse dramatische Künstlerin\nempfohlen wird.\nOtto Prechtler in Wien bietet zwei Operntexte romantischen\nund biblisch-historischen Inhalts zur Composition an.\nVerdi ist berühmt genug; dass sein Name aber in den Zeiten\nder össterreichischen Herrschaft auch eine politische Bedeutung\nhatte, ist weniger bekannt. Man begrüsste sieh mit Viva Verdi, das\nhiess: „ Viva Vittore Emmanuele He Italia !u\nVon Franz Liszt ist eine Hymne des Marins für gemischten\nChor mit vorgedruckter autographirter Approbation des Papstes er-\nschienen. Bezieht sich diese auch auf die Unschädlichkeit der Mu-\nsik, oder bloss des Textes?\nDas Decorationswesen und die Bühnen-Mechanik in dem neuen\npariser Opernhause soll nach einem Systeme eingerichtet werden,\nbei welchem Coulissen und Sufitten ganz in Wegfall kommen. Statt\nder Prospecte auf ganzen Leinwanden werden panoramaähnliche Zu-\nsammenstellungen aus einzelnen Prakticabeln eingeführt, die theils\naus Versenkungen gehoben, theils vom Schnürboden herabgelassen\nwerden, oder in der Achse des Zuschauers sich vor- und rückwärts\nbewegen lassen. Eben so wird die Beleuchtung auf merkwürdige\nWeise vervollkommnet werden.\nIn Reval fand kürzlich ein Sängerfest Statt, wobei auch In-\nstrumentalmusik hinzugezogen wurde. Das Programm enthielt unter\nAnderem Genofeva-Ouverture von Schumann, Es-dur-C oncert von\nBeethoven, Ave verum von Mozart, Halleluja von Händel, Faust\nvon Rubinstein, von Beethoven.\nDie 81. f. Th. u. M. enthalten folgenden Aufruf, den\nwir ebenfalls zu wohlwollender Berücksichtigung empfehlen:\nJosepha Lange, Grossnichte Mozart's, wurde im Jahre\n1820 als die Tochter eines k. k. Feld-Kriegskanzlisten geboren, aber\nleider schon sehr früh verwaist. Nachdem sie auch ihre übrigen\nVerwandten verloren und, schon seit Jahren kränklich und leidend,\nsich kaum das Nöthigste zum Lebensunterhalte erwerben konnte,\nlernte sie Herr Dr. Aug. Schmidt, k. k. Beamter der Staats.'\nschulden-Casse, kennen und lenkte auch die Aufmerksamkeit des\nHerrn Directors Hellmesberger auf sie, welcher, gerührt von\nihrer kummervollen Lage, zu ihren Gunsten im Jahre 1863 ein\nConcert veranstaltete und sie einem eifrigen Verehrer des grossen\nMozart, Sr. Excellenz dem Herrn Grafen Moriz von Dietrichstein,\nempfahl, welcher die einzige noch lebende Verwandte des unsterb-\nlichen Tonmeisters auf das grossmüthigste unterstützte. Nachdem\nder Tod auch diese ihre Stütze der Aermsten geraubt, wurde ihr\nvon der Tochter des hochseligen Herrn Grafen, I. E. der Frau Für-\nstin von Oettingen-Wallerstein, eine Unterstützung zu Theil, so dass\nsie ihre Wohnungsmiethe stets davon bezahlen konnte, bis im heu-\nrigen Frühling die Frau Fürstin abreiste, ohne ihrer zu gedenken\noder die flehentlichsten Briefe zu beantworten. Dadurch gerieth nun\nMozart's Grossnichte in die traurigste Lage, sie konnte den Mieth-\nzins nicht entrichten, und es steht ihr nun bevor, dass ihr das We-\nnige, welches sie der Güte des edlen Grafen verdankt, gepfändet\nund sie dem grössten Elende obdachlos überlassen wird, wenn nicht\nedle Menschenfreunde sich ihrer erbarmen und ihre Verehrung des\ngrossen Mozart dadurch bekunden, dass sie seine Grossnichte dem\ngrössten, unverschuldeten Elende entreissen. Josepha Lange,\nMargarethen, Schwarzhorngasse Nr. 13, 2. Stock, Thür Nr. 13.\n(Wohlthäter, welche es vorziehen, ihre Gaben der Bedrängten\ndurch uns zukommen zu lassen, werden gebeten, selbe an das Re-\ndactions-Bureau von Zellner's Blättern u. s. w., Strauchgasse\nNr. 1, zu adressiren. Die Spenden werden in dessen Blatte aufge-\nführt werden.)"}]}