{"numero_id": "bm-bmtnabi-1866-09-01-01", "volume": "bmtnabi_1866-09-01_01", "ocr_sha256": "d76ff5d237514020d4c17aa15e18d5360bc6a0a6e9114ae8c892663817bcfc29", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1866/09/01_01/bmtnabi_1866-09-01_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660901-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1866-09-01-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-09-01_01#c001", "volume": "bmtnabi_1866-09-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "273", "page_fin": "273", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660901-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "273", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660901-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 309, "texte": "Inhalt.\nDie Musik in Holland. I. Musicalische Zustände in Leipzig. Von Dr. Oscar Paul. (Fortsetzung,) Tages- und\nUnterhaltungsblatt (Leipzig, die musicalisch-declamatorische Gesellschaft Andante-Ailegro, Concertmeister Auer Ungefälligkeit\nWien, Offenbach, Operette „Blaubart\" Das Gesangsfest in Louisville).\n0"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-09-01-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-09-01_01#c002", "volume": "bmtnabi_1866-09-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "273", "page_fin": "277", "image_debut": 1, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660901-01.2.2", "titre_corps": "Die Musik in Holland.", "titre_sommaire": "Die Musik in Holland.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "273", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660901-01.1.1", "debut_caractere": 311, "fin_caractere_exclue": 4094, "texte": "Die Musik in Holland.\nI.\nWir haben schon öfter in dieser Zeitschrift erwähnt,\ndass von unseren westlichen Nachbarländern Holland das-\njenige ist, in welchem der Sinn für deutsche, und das\nheisst doch wohl auch für gute Musik, wie sie sich in\nOratorien und Cantaten, in Orchester- und Kammermusik\noffenbart, am kräftigsten lebt und in Verbindung mit dem\nSinne für Association, der in Holland von den alten frei-\nstaatlichen Zeiten her sich fortgeerbt hat, musicalische\nZustände erzeugte, für welche die Masse der Gebildeten\nmehr Theilnahme und mehr Empfänglichkeit zeigt, als\ndies in Belgien und in Frankreich der Fall ist.\nIn Belgien mag das Conservatorium in Brüssel für\nWürdigung der musicalischen Bestrebungen eine Geltung\nhaben, aber die Concerte desselben, vier im ganzen Jahre,\nkönnen nicht mitzählen, wenn von höherer Cultur der In-\nstrumentalmusik und von Empfänglichkeit des Volkes da-\nfür die Rede ist. In wie weit des wackeren Samuel's Con-\neerts populairesin Brüssel und die Bestrebungen Soubre's,\ndes Directors des lütticher Conservatoriums, Boden finden\nwerden, müssen wir erst noch abwarten. In der Oper und\nin dem übrigen Musiktreiben ist der französische Ge-\nschmack immer noch vorherrschend, während in Holland\nder einzige Rest desselben die französische Oper im\nHaag—immer mehr an Credit verliert und von der deut-\nschen in Rotterdam überflügelt wird. Der einzige Zweig\nder Tonkunst, der in Belgien in neuerer Zeit bedeutende\nFortschritte gemacht hat, ist der Männergesang; zwar\nlässt sich gegen die Wahl der Stücke bei den öffentlichen\nProductionen auch der besten Vereine in Lüttich, Brüssel,\n7 »\nGent Manches einwenden, aber die Studien sind vortreff-\nlich und von schönem Erfolge.\nWie es in den Provincialstädten von Frankreich mit\nder Cultur der höheren Gattungen der Tonkunst aussieht,\n/\nist bekannt; auch die in den letzten Jahren veranstalteten\nConcerte in Lyon, Marseille, Bordeaux u. s. w., selbst so\ngenannte Musikfeste im Süden und Westen, sind bis jetzt\nnur als Versuche anzusehen, aus deren Folgen erst sicht-\nbar werden muss, ob der Geschmack der Franzosen am\nEinzelnen und an der Virtuosenleistung sich zum Genüsse\neiner gediegenen Tonschöpfung von grösserem Umfange\nerheben kann. Denn bei der Lebhaftigkeit und Beweglich-\nkeit des französischen Charakters wird selbst in Paris,\ntrotz allem sogenannt classischen Musikmachen, das ja\nneuerdings sogar bis zur höflichen Anhörung von Bach's\nClavier-Compositionen hinaufgeschraubt worden, das alte\nWort: „Sonate, que me veux-tu?\" stets seine Geltung\nbehalten, namentlich was die Menge des feineren Publi-\ncums betrifft. Man sehe sich nur die Zuhörerschaften in\nden pariser Concerten an! Sehr anständige, höchst elegant\ncostumirte Damen und Herren, alles\nfaut, eine Menge Patrone und Patronessen aus der Aristo-\nkratie s'il en reste! und der hohen Finanz, unter\nihnen kein Mensch um irgend eine geistreiche Redensart\nüber die Tonkunst verlegen; dann eine grosse—vielleicht\ndie grösste Anzahl der Zuhörer von Künstlern von Fach,\ndie wie Freiwillige unter die noble Menge vertheilt sind, um\ndie Urtheilskraft derselben zu unterstützen und die Rechte\nder Freundschaft geltend zu machen; man sehe sich die-\nses Publicum an und frage sich, ob nicht in unbewachten\nAugenblicken auf den meisten Gesichtern geschrieben\nsteht: „Musique, que me veux-tu?\" Vollends eine Sinfonie\neine halbe Stunde lang anzuhören, von Oratorien dürfen\nwir natürlich gar nicht sprechen, das ist ein Opfer, das\nman der Convenienz und dem Tone, nicht den Tönen\nbringt. Man wird uns Pasdeloup's populaires\nentgegen halten. Gut; wir haben sie seit ihrem Entstehen\nals ein schönes und hoffentlich einflussreiches Unterneh-\nmen begrüsst; ist aber Pasdeloup nicht schon jetzt genö-\nthigt, anstatt zu Höherem fortzuschreiten, nach dem nichts"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "274", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660901-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5200, "texte": "weniger als lobenswerthen Beispiele der Conservatoire-\nConcerte gezwungen, ebenfalls Bruchstücke von gros-\nsen Orchesterwerken zu bringen und das Kunststück des\nVortrages von Kammermusik durch das ganze Streich-\nOrchester nachzuäffen?\nWir sind weit entfernt, den Franzosen ihren Mangel\nan Empfänglichkeit für grosse Musik zum Vorwurfe zu\nmachen, wir sprechen nur von der Thatsache; wir be-\nwundern ihr fruchtbares Genie für das heitere Genre, für\ndie komische Oper, für Chansons mit eben sowohl musi-\ncaiischen als dichterischen Pointen, ihren feinen unüber-\ntroffenen Sinn für vollendete technische Ausführung—alles\ndas ist ihr wesentliches Eigentbum, ihre Natur; was dar-\nüber ist, das ist darauf gepfropft und trägt keine Früchte.\nAnders, ganz anders ist es in Holland. Dort hat, wie\nin Deutschland, jede grössere Stadt ihre Gesangschule,\nihren Gesangverein, ihren Orchesterverein, ihre Abonne-\nments-Concerte Jabr aus, Jahr ein. Es zeigt sich hier wie\nin Deutschland, dass die Centralisation und eine Metro-\npole mit Dictatur des Geschmacks für die Musik, die ver-\nbreitetste und allgemeinste Kunst, nicht nur nicht not-\nwendig, sondern eher schädlich als nützlich ist.\ndie Wirksamkeit der grossen, über ganz Nie-\nderland verbreiteten Gesellschaft zur Beförderung der\nTonkunst haben wir schon öfter in unserer Zeitschrift be-\nrichtet; der gegenwärtige Artikel soll hauptsächlich nur\ndie Leistungen der verschiedenen Concert-Vereine in Vo-\ncal-, Orchester- und Kammermusik ins Auge fassen. Nach\neinem alten Brauche, der sich aus den Zeiten herschreibt,\nwo in Holland vorzugsweise die philologischen Studien\nblühten, haben fast alle diese Vereine lateinische Namen,\nwie z. B. Eruditio musica, Diligentia, Felix Meritis\nu. s. w., was den Fremden zuweilen veranlasst, dabei an\nwissenschaftliche Gesellschaften zu denken*). Die bedeu-\ntendsten Städte in musicaliscber Rücksicht sind Amster-\ndam, Rotterdam, Haag und Utrecht; ihnen schliessen sich\nLeyden, Arnheim, Nymwegen, Dortrecht, Deventer, Delft,\nMiddelburg, Zirksee, Zütphen, Groningen u. s. w. an.\nAmsterdam besitzt in dem Vereine\neines der ältesten und berühmtesten Concert-Institute. Es\nhat, wie alle anderen, seinen besonderen, von der Gene-\nral-Versammlung aller Vereins-Mitglieder gewählten Vor-\nstand; musicalischer Dirigent ist Verhülst. Es finden\njährlich zehn Winter-Concerte Statt; sie begannen für die\nvergangene Saison am 1. December 1865 und schlössen\nam 13. April 1866.\nOuvertüren brachten die Programme von Cherubini\nLodoiska; Mozart Figaro; Gade Hamlet; Weber Eury-\nanthe; Mendelssohn Fingalshöhle; Mozart Entführung;\nMendelssohn Sommernachtstraum (nebst den übrigen\nNummern); Beethoven König Stephan; Gade Im Hoch-\nland; Mozart Zauberflöte; Cherubini Abencerragen; Beet-\nhoven Egmont (3 Mal); Schumann Genofeva; Mendels-\nsohn Ruy Blas; Cherubini Lportugaise; Rietz\nConcert-Ouverture; Weber Oberon.\nSinfonieen von Beethoven IV, Haydn D-dur, Schu-\nmann IV, Mozart (?), Spohr „Weihe der Töne\", Rietz\n(zum ersten Male), Mozart (?), Beethoven VII. Im letzten\nConcerte, in welchem der König, die Königin und der\nKronprinz anwesend waren, keine Sinfonie.\nGrössere Gesangwerke kommen in diesen Concerten\nnicht vor; den Sologesang vertraten Marie Hasselmans aus\nBrüssel, Julius Stockhausen (Weber: „Woberg'ich mich?\"\naus Euryanthe, Beethoven's Liederkreis), Mathilde und\nSalvatore Marchesi, Hauser aus Karlsruhe, Sidonie und\nVirginie van der Beek, Mad. Gennetier von der französi-\nschen Oper im Haag, Asminda Übrich, Mad. Rudersdorf,\nMad. Kollin-Tobisch, Erna Borchard aus Weimar. l-\nnstrumental-Solo-Vorträge von Joachim, Rosa Kastner,\nJ. de Graan (Violine), Elisa und Charles de Try (Violon-\ncellisten aus Brüssel), Leopold Auer, Ernst Pauer, Aug.\nWilhelmy (2 Mal), Karl Matys (Violoncellist aus Hanno-\nver), Louis Lübeck, H. M. van Boom (Flötist). —Die Vio-\nloncellistin Elisa de Try, begleitet von ihrem Vater, er-\nregte grosse Theilnahme durch technische Fertigkeit und\nschönen Vortrag. An Leopold Auer wurde die Ueber-\ntreibung der Tempi gerügt. Wilhelmy gefiel und wurde,\nein hier seltener Fall, zu einem nochmaligen Auftreten in\neinem folgenden Concerte veranlasst; doch sprach man die\nErwartung aus, dass er, Joachim's Beispiel folgend, sich\neiner edleren Richtung widmen möge. Herr Matys spielte\nohne Erfolg; Louis Lübeck erregte nach dem Concerte\nvon Goltermann besondere Theilnahme durch den Vor-\ntrag eines Adagio von der Composition seines Vaters\nJ. H. Lübeck.\nNeben dem nicht grossen Saale von\nbesitzt Amsterdam noch zwei in neuerer Zeit erbaute ge-\nräumige und schöne Concertsäle, den einen im Park,\nden anderen, der auf einige Tausend Zuhörer berechnet\nist und den Namen Paleis trägt, eine\nSchöpfung der letzten Jahre.\nUnter den anderen Musikvereinen steht die Gesellschaft\n„Cäcilia\" für Instrumentalmusik, Dirigent Verhülst,\noben an. Sie gab ihr zweiundfünfzigstes Concert im No-\nvember vorigen Jahres im Theater vor vollbesetztem\nHause: Sinfonie von Haydn Scherzo (Sommer-\n\n*) Diese Sitte ist so' allgemein, dass auch gemeinnützige, ja,\nauch nur rein gesellige Vereine lateinische Namen tragen, eben so\nPrivat-Besitzungen. So sahen wir z. B. am Gartenthore eines Land-\nsitzes die sinnige Inschrift: Tandem, (Endlich)."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "275", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660901-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5305, "texte": "nachtstraum) von Mendelssohn, Euryanthe-Ouverture von\nWeber, Egmont-Ouverture von Beethoven, C-^wr-Sinfo-\nnie von F. Schubert. Am 2. Februar dieses Jahres\nfeierte der Verein das fünfundzwanzigste Jahr seines Be-\nstehens im Parksaale. Einer seiner eifrigsten Begründer\nwar der vortreffliche Violinspieler und Componist J. M.\nvan Bree gewesen. Das Programm brachte Cherubini's\nAnakreon-Ouverture, Mozart's 6r-moß-Sinfonie, Beetho-\nven's Weber's Freiscbütz-Ouverture (zwi-\nschen beiden letzten Werken Vortrag des Festberichtes).\nDas 54. Concert gab Bennett's „ Waldnymphe\", Schü-\nmanns Sinfonie D-moll,Gade's „Hamlet\", Spohr's „Die\nWeihe der Töne\", Beethoven's Leonoren-Ouverture. Das\nGala-Concert, vom Hofe besucht, am 12. April brachte\ndie Euryanthen-Ouverture, Andante und Menuet von\nHaydn, von Mendelssohn, Leonoren-Ouver-\nture von Beethoven.\nDie Park-Concerte des Herrn J. Ed. Stumpf er-\nfreuen sich in dem schönen Saale grosser Theilnahme.\nAuszuzeichnen war im December v. J. in denselben das\nAuftreten Joachim's (Mendelssohn's Concert und Tar-\ntini's Sonate), neben dem der Pianist Lazare in Schatten\ntrat, und kurz darauf wiederum Joachim's (Concert von\nBeethoven, Spohr's Gesangscene, Suite in von Bach)\nund Stockhausen's an einem und demselben Abende.\nAufführungen von grossen Vocalwerken veranstaltete\ndie amsterdamer Abtheilung des Vereins zur Beförderung\nder Tonkunst im Park unter Verhülst's Direction drei: im\nDecember v. J. Händel's Messias (Solisten Frau Offermans,\nCollin-Tobisch, Herr Wolters, Herr Behr); am 6. März\n1866 Beethoven's Christus am Oelberge (hier „Die Mac-\ncabäer\" mit anderem Texte), Schumann's Faust, erste und\ndritte Abtheilung; am 19. April, zur Unterstützung von\nMusikern: Haydn's Jahreszeiten (Solisten Frau Offermans,\ndie Herren Schneider und Bietzacher). Ausserdem führte\nder Gesangverein Musicae et Amicitiae Händel's hundert-\nsten Psalm und Mendelssohn's Hymne für Alt und Chor\nunter Leitung seines Dirigenten W. Smits auf, und der\nVerein vom heiligen Vincentius von Paula den 23. Psalm\nfür Tenor-Solo, Chor und Orchester von Richard Hol,\nein Te Deumvon H. J. J. van Bree und „Die Aufer-\nstehung\", Oratorium von G. A. Heinze lauter Com-\npositionen von einheimischen Musikern, unter denen das\nOratorium von Heinze (in Amsterdam) bei wiederholten\nAufführungen grossen Erfolg gehabt hat und ihn auch\nverdient. Der Verein des Herrn W. Smits brachte auch\nim April eine neue Composition desselben: „Claudius Ci-\nvilis\", ein dramatisches Gedicht von de Wit, für Soli,\nChor und Orchester. Der Text wird als unpoetisch und\ngrossentheils langweilig bezeichnet, die Musik fand theil-\nweise Anerkennung, das Ganze dauerte aber volle drei\nStunden lang, während deren es die Spannung der Zuhö-\nrer nicht festzuhalten vermochte.\nZum Beschlüsse dieser amsterdamer Concert-Muste-\nrung müssen wir das Concert am 25. April d. J. im Park\nzum Besten des Neubaues eines Krankenhauses unter der\nDirection von Herrn J. J. van Bree erwähnen, erstens, weil\nein sehr verstärktes Orchester und ein Chor von beinahe\n300 Personen darin mitwirkte, zweitens, weil es ein Ver-\nsuch war, Werke der neuesten Schule in Holland hören\nzu lassen, und drittens, weil dieser Versuch unterstützt\nwurde durch die Anwesenheit von Liszt und Bülow.\nGrosse Anschlagzettel prangten vor Allem mit dem Namen\nLiszt aber, wie man sich nachher überzeugte, wurde\ndessen Name nur als Magnet benutzt, denn er selbst war\nbloss im Saale anwesend, trat aber weder als Virtuose\nnoch als Dirigent auf. Die Zeitschrift „Cäcilia\" bemerkte\ndazu: „Als ein durch den Zweck geheiligtes Mittel können\nwir eine solche Täuschung des Publicums allen philan-\nthropischen Vereinen zur Nachahmung empfehlen.\" Aus\nder neudeutscben Schule wurden vorgeführt: von Liszt\nder dreizehnte Psalm für Tenor-Solo, Chor und Orchester;\nzwei Etüden für Pianoforte („Waldesrauschen\" und\n„Gnomenreigen\") und die Legende: „Der heilige Franz\nvon Assisi auf den Wogen schreitend\" (ausgeführt durch\nHans von Bülow); von J. Raff Fest-Ouverture; von Fr.\nSchubert, mit Orchester von Liszt, Phantasie für Piano-\nforte. Daneben Gade's „Frühlings-Botschaft\", C. Rei-\nnecke's „Abendlied\", Beethoven's Phantasie Op. 80, Lie-\nder von Schubert und Schumann. Die Solo-Gesang-Partie\nvortrefflich ausgeführt von Dr. Gunz. Ueber Liszt's\nPsalm sprach sich die „Cäcilia\" u. A. also aus: „Dieser\nPsalm ist eine Composition, die wir in Stil und Inhalt\nschon nach einer einzigen Anhörung unbedingt für ver-\nwerflich erklären müssen. Ermangelnd jeder Spur von\nkirchlicher Farbe, form- und gedankenlos, liefert dieses\nMusikstück nur eine Tonmasse, die von meist bizarren,\noft schlecht klingenden Modulationen und bohlen, ge-\nschwollenen Phrasen überfliesst, die offenbar nur zum\nZwecke sinnlicher Elang-Effecte zusammengestellt sind\nund dennoch nicht einmal diesen Zweck erreichen. Die\nSolo-Tenor-Partie, die sich durch das Ganze zieht, enthält\neinige Spuren von wahrem Gefühle, kann aber, zumal\nda sie auch im Allgemeinen unpraktisch geschrieben ist,\nden Eindruck des Ganzen nicht bessern. Dem Ganzen ist\ndurch eine reiche, bisweilen glänzende Instrumentirung\nein Schein von Glanz verliehen. Der Anlauf zu einem\nFugensatze gegen Ende über ein glückliches Motiv hätte\nbei mehr Gewandtheit in der Behandlung dieser Form ein\ngutes Musikstück werden können. Jedoch—nach der vor-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "276", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660901-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5303, "texte": "züglichen Aufführung wurde der Componist auf die Bühne\ngerufen und ihm ein Kranz überreicht, den er indess be-\nscheiden zurückwies.\"*)—Ueber RafFs Ouvertüre spricht\nsich derselbe Berichterstatter dahin aus, dass sie zwar gut\ngearbeitet, aber zu lang gereckt und zu unbedeutend an\nInhalt sei, als dass man sie bald wieder auf einem Pro-\ngramme zu sehen wünschte. Die Virtuosität Bülow's, so\nwie der Werth der beiden Etüden von Liszt wird ge-\nrühmt: die „Legende\" aber bringt den Kritiker zu den\ndrei Fragen: „Wie kann ein Mann wie Liszt so etwas\nschreiben? Wie kann ein Mann wie Bülow so etwas spie-\nlen? Wie kann ein Publicum so etwas mit Aufmerksam-\nkeit anhören?\"\nDie Kammermusik fand ihre Berücksichtigung in\nden vier Sitzungen, welche die Herren Franz Coenen\n(I. Violine) und Bunte (Alt) mit Zuziehung der Herren\nCramer (11. Violine) und Appy (Violoncell) veranstalte-\nten. Besonders interessant war die dritte Sitzung am 26.\nFebruar, in welcher W. Bargiel sein Trio in\nOp. 16, und seine Suite für Piano und Violine in D-dur,\nOp. 17, vortrug und als Componist und gediegener Cla-\nvierspieler einen sehr guten Eindruck machte. Die Quar-\ntett-Vorträge hielten sich innerhalb gewisser Gränzen:\nvon Beethoven einige Nummern aus Op. 18, das Quintett\nOp. 29 und das Sextett in seiner Originalform, ferner\nein Quartett und Quintett von Mozart und eben so von\nMendelssohn. Auffällig war dazwischen ein Quartett von\nJ. Raff, Op. 77, in D-moll.lm Ganzen konnte die Aus-\nführung überhaupt wohl nicht diejenigen Ansprüche be-\nfriedigen, die man heutzutage an das Quartettspiel zu\nmachen gewohnt ist.\nNeben Amsterdam kann Rotterdam sich mit Recht\nals eine Musikstadt ersten Ranges stellen, ja, sie überragt\ndie Schwesterstadt dadurch, dass sie seit einer Reihe von\nJahren neben der Musikschule und den Goncert-Instituten\nauch eine deutsche Oper besitzt, wie sie trotz mancher\nVersuche in Amsterdam nicht hat aufkommen können.\nAusserdem ist Rotterdam der Sitz des Vorstandes der\ngrossen Gesellschaft zur Beförderung der Tonkunst. Ueber\ndie Oper hat diese Zeitschrift schon öfter Berichte ge-\nbracht: wir können sie also jetzt übergehen und wollen\nnur von der Concertmusik sprechen, zu deren Flor ge-\ngenwärtig Woldemar Bargiel, dem auch die Direction\nder Musikschule übertragen ist, nicht wenig beiträgt.\nDie älteste Concert-Gesellschaft ist die\nsica. Der Vorstand der deutschen Opern-Unternehmung,\ndie auf Actien beruht, hat seit dem Winter 1864 65\ndie Verwaltung der Concerte übernommen und die tech-\nnische Direction dem Capellmeister der Oper, Herrn\nSaar, übertragen. Die Eröffnung der Saison 1865 66\nbegann mit Beethoven's Eroicabei deren Ausführung\njedoch die Uebertreibung der Allegro-Tempi, während der\nTrauermarsch dagegen zu schleppend vorgetragen wurde,\nnicht gebilligt werden konnte. Ferner brachte das Pro-\ngramm Schumann's Manfred-Ouverture und Gade's „Im\nHochland\". Joachim spielte das achte Concert von\nSpohr und die G-mott-Fage von Bach. Sologesang Frau\nVoggenhuber und Herr Dalle-Aste, beide vom Theater.\nIm zweiten Concerte sang Stockhausen, und Frau\nEscudier-Kastner spielte den ersten Satz (!) von Beetho-\nven's und Solostücke von Liszt; Mendels-\nsohn's J.-dfwr-Sinfonie Nr. IV und Cherubini's Medea-\nOuverture. Von Orchesterwerken brachten die folgenden\nConcerte Sinfonieen von Mozart in Es, Beethoven in F\nNr. VIII, Gade in B-dur Nr. IV; Ouvertüren von Schlieb-\nner (zur Oper Rizzio, neu), Mendelssohn, Cherubini, Beet-\nhoven (Op. 115 in C). Die Herren Pauer und Auer spiel-\nten in diesen Concerten.\nDie Concerte der Gesellschaft de Voorzorg brachten\nunter der energischen und umsichtigen Direction von W.\nBargiel unter Anderem die Sinfonieen von Schumann\nD-moll, Beethoven B-dur', Cherubini's Wasserträger-\nOuverture und Mendelssohn's „Fingalshöhle\"; Sinfonie\nG-moll von Mozart, A-dur von Beethoven; die Ouvertüren\nzu Iphigenie von Gluck, zu Medea von Bargiel. Die\nrotterdamer Abtheilung des Vereins zur Beförderung der\nTonkunst führte, ebenfalls unter Bargiel's Leitung, Hän-\ndel's „Alexanderfest auf\", dem Bach's Suite für Orchester\nin D-dur vorausging.\nDer Kammermusik hatten sich zwei Vereine ge-\nwidmet, der Quartett-Verein der Herren E. Rappoldi,\nSchnitzler, Wien und Verhey, und der Trio-Verein (Piano-\nforte, Violine und Violoncell) der Herren S. de Lange\nWirth (Violine) und Hegar (Violoncell). Der erstere brachte\nin sechs Sitzungen Quartette der classischen Meister, unter\nAnderem auch Schubert's B-dur Op. 168, Beethoven's\nQuintett in Es Op. 4.—Der andere Verein des Pianisten\nde Lange und des Violinisten Wirth, beide Lehrer an der\nMusikschule, wechselte mit Trio's und Duetten, auch Soli\nfür Pianoforte und mit einzelnen Gesang-Vorträgen ab;\ndie Programme enthielten classische Werke, wie Beetho-\nven's Trio Op. 97, Sonate Op. 110, Duo in von Bach,\nTrio in Es von F. Schubert, Bach's Concert und Schu-\nmann's Variationen für zwei Pianoforte; von neueren\n\n*) Wir dürfen indess nicht unerwähnt lassen, dass die Nummer\n12 der Zeitschrift „Caecilia\" eine „Studie\" über Liszt's XIII.\nPsalm von Richard Hol, Musik-Director in Utrecht, enthält,\nwelche andere Ansichten über den Werth dieser Composition aus-\nspricht, als der obige Bericht enthält. Die Redaction der „ Caeciliaa\nhat zwar Hol's Artikel aufgenommen, erklärt aber ihre Ueberein-\nstimmung mit dem amsterdamer Referenten."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "277", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660901-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 437, "texte": "Werken Bargiel's Trio Op. 6, Phantasiestück für Violon-\ncell von J. Kiel, Quartett für Pianoforte u. s. w. von\nJ. Brahms in A-dur. Op. 26.\nWenn wir nun noch hinzufügen, dass der Gesang-\nverein unter Bargiel's Leitung seine Winter-Uebungen mit\nder Aufführung der ganzen Faust-Musik von Schumann\n(mit Ciavierbegleitung) beschlossen bat, so wird sich aus\nallem Obigen nur ein vortbeilhaftes Bild von dem Musik-\nleben in Rotterdam gestalten."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-09-01-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-09-01_01#c003", "volume": "bmtnabi_1866-09-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "277", "page_fin": "279", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660901-01.2.3", "titre_corps": "Musicalische Zustände in Leipzig.", "titre_sommaire": "Musicalische Zustände in Leipzig.", "signature_source": "Oscar Paul", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "277", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660901-01.1.5", "debut_caractere": 439, "fin_caractere_exclue": 4961, "texte": "Musicalische Zustände in Leipzig.\nVon Dr. Oscar Paul.\n(Fortsetzung. S. Nr. 24 und 26.)\nNachdem wir über die im Ganzen trefflichen Leistun-\ngen in den' Abonnements-Concerten des Gewandhauses\nberichtet haben, gehen wir über zu den Quartett-Soi-\nreen, bezüglich welcher wir, um der historischen Ord-\nnung gerecht zu werden, die hauptsächlichsten Vorkomm-\nnisse der Reihe nach anführen.\nMit dem 21. October haben also im Gewandhaus-\nsaale die für jeden leipziger Musikfreund so genussreichen\nKammermusik-Abende begonnen, als deren haupt-\nsächlicher Leiter Herr Concertmeister David anzusehen\nist, welcher schon seit den ruhmreichen Zeiten Mendels-\nsohn's, unterstützt von den hervorragendsten musicalisch-\npraktischen Kräften unserer Stadt, unablässig dahin ge-\nwirkt hat, unser Publicum mit den besten Erzeugnissen\nder älteren und neueren Kammermusik-Literatur bekannt\nzu machen. Die glücklichen Folgen dieses mit künstleri-\nscher Einsicht, tiefgründlicher Kenntniss und hoher Bega-\nbung verfolgten Strebens sind als eine Errungenschaft zu\nbetrachten, für welche man dem so bedeutenden Künstler\nnicht genug danken kann, und es legte auch jetzt der so\nreich gespendete Beifall genügendes Zeugniss ab, wie un-\nser zuhörendes Publicum die künstlerischen Leistungen zu\nschätzen und zu achten weiss. Sowohl das ungarische\nQuartett in D-durvon J. Haydn, als auch das überaus\nschwierige i?-£?wr-Quartett Op. 130 von Beethoven, aus\nwelchem uns besonders der reizende G-dur-Satz „Atta\nDanza Tedesca\" (Allegro assaund die darauf folgende\ninnige Cavatine in Es-dur [A hin-\ngerissen haben, kamen zu trefflicher Geltung. Hierbei\nsei uns erlaubt, das interessante historische Factum zu er-\nwähnen, dass letztgenanntes Quartett als die letzte fertig\ngewordene Arbeit des grossen Tonschöpfers zu betrachten\nist, indem er dasselbe im Jahre 1825 componirte, den\nursprünglichen letzten Satz aber nach einmaliger öffent-\nlicher Aufführung beseitigte und den jetzigen statt dessen\nin Gneixendorf im October und November 1826 schrieb.\nDie Perle des Abends war Mozart's bekanntes, von\nOtto Jahn IV, 101 mit ganzer Hingebung und tiefem\nVerständnisse analysirtes G-moll-Quintett, und es verdien-\nten die ausführenden Künstler, die Herren David (erste\nVioline), Röntgen (zweite Violine), Hermann (erste\nViola), Hunger (zweite Viola), Lübeck (Cello) den\nwärmsten Dank für die in der That kaum zu überbietende\nLeistung,\nDie zweite Abend-Unterhaltung wurde mit der Auf-\nführung des E-moll-Quartettes Op. 45 von L. Spohr er-\nöffnet, an welcher sich die Herren Concertmeister Drey-\nschock (erste Violine), Röntgen (zweite Violine), Her-\nmann (Viola), Lübeck (Violoncell) betheiligten, und es\nwürde dieselbe vollkommen gelungen genannt werden\nkönnen, wenn nicht durch ein paar Intonationsfehler und\ndurch falschen Einsatz an einer Stelle von Seiten der er-\nsten Violine in das Ganze einige Schwankungen gekommen\nwären. In dem darauf folgenden sehr schweren Trio von\nSchubert, Op. 99, spielte Herr Capellmeister Reinecke\ndie Pianoforte-Partie mit ausgezeichneter Meisterschaft,\nwährend Herr Lübeck edlen Ton und noble Vortrags-\nweise entfaltete und Herr Dreyschock bis auf ein paar\nIntonationsversehen den schwierigen Violinpart ganz wacker\ndurchführte. Den Schluss bildete die Vorführung des Es-\ndur-Quartettes für Streich-Instrumente Op. 44 von Men-\ndelssohn-Bartholdy, von welchem Werke uns immer nur\nder erste Satz so recht anspricht, auch wenn die anderen\nSätze in vollendetster Weise vorgetragen werden, was\nman von dem oben angegebenen Ensemble nicht ganz be-\nhaupten konnte.\nDie dritte Abend-Unterhaltung enthielt nur Compo-\nsitionen von L. van Beethoven, dessen Genius die Herzen\nder Zuhörer mit Allgewalt umfasste und alle Empfänglichen\n„in der Atmosphäre des Geistes athmen liess, nach welcher\nder Mensch tief innerlich sich sehnt\". Als Vermittler zwi-\nschen dem grossen Tonschöpfer und seinen Verehrern fun-\ngirten zunächst die Herren Concertmeister David (erste\nVioline), Röntgen (zweite Violine), Hermann (Viola),\nLübeck (Violoncell), und es bewährten sich diese Künst-\nler als echte Interpreten der hohen Meisterwerke, wie sie\nuns in dem zweitheiligen Quartette Op. 131 und\nin dem Quartette C-dur Op 59 entgegentraten. Mit glei-\ncher Vollendung führten Herr Capellmeister Rein eck e\nund Herr Lübeck die schöne für Pianoforte\nund Violoncell, Op. 5, aus.\nIn der vierten Abend-Unterhaltung lernten wir die\nPianistin Fräulein Constanze Skiwa aus Wien kennen,\nwelche im Verein mit den Herren Concertmeister David\nund Grützmacher aus Dresden das von"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "278", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660901-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5366, "texte": "F. Mendelssohn-Bartboldy zu Gehör brachte und vom Pu-\nblicum durch Hervorruf ausgezeichnet wurde, welchen wir\nin so fern gerechtfertigt fanden, als die junge Künstlerin\nden Geist des Tonstückes mit Wärme und Verstand dar-\nlegte, so dass ein paar geringe technische Versehen die\nGesammtleistung nicht bedeutend beeinträchtigen konnten.\nAusserdem hörten wir eine prächtige G-dur-Sonate für\nCiavier und Viola da garnba von Job. Seb. Bach, die von\nden Herren Rein ecke (Pianoforte) und Grützmacher,\nwelcher die von ihm selbst für Cello eingerichtete Gam-\nbenstimme spielte, in ausgezeichneter Weise reproducirt\nwurde. Ein gleiches Lob gebührt der Aufführung des\nSchumann'schen jP-c?Mr-Quartettes Nr. 2 durch die Herren\nConcertmeister David, Röntgen, Hermann und\nGrützmacher. Einen wahren Enthusiasmus erregte\nBeethoven's Serenade für Violine, Viola und Violoncell,\nvon welchem herzerquickenden Tonstücke die Herren\nDavid, Hermann und Grützmacher den reizenden,\nfröhlichen F-dur-Satz „alla Polacca\" in liebenswürdiger\nWeise auf stürmisches Verlangen des Publicums wieder-\nholten.\nDie fünfte Soiree erhielt durch das Auftreten des\nHerrn Capellmeisters Hiller aus Köln ein besonderes In-\nteresse. Genannter Künstler ist auch in Leipzig in doppel-\nter Eigenschaft berühmt, nämlich als einer der ersten\nComponisten der Gegenwart und als ausgezeichneter Pianist\nim classischen Stile. Von seiner Composition wurden an\ndem beregten Abende zwei Manuscriptwerke: 1) Concert-\nSonate für Pianoforte und Violine, und 2) Gavotte, Sara-\nbande und Corrente für Pianoforte allein vorgetragen.\nKann das erstere Werk die Sympathieen in keinem hohen\nGrade gewinnen, indem wir bei breiter Form Motive und\nDurcharbeitung von relativ geringerem Gehalt wahrneh-\nmen mussten, so entschädigte dafür die letztgenannte\nComposition vollkommen; man erkannte in derselben al-\nlenthalben den geistreichen, alle contrapunktischen Fein-\nheiten beherrschenden und erfindungsreichen Tonschöpfer.\nDer rauschende Beifall und doppelte Hervorruf von Seiten\ndes Publicums bekundeten die allseitige Werthschätzung\ndes Künstlers, dessen grosses, schönes Spiel jeder Musik-\nfreund hoch anerkennen wird. Ausserdem hörten wir ein\nprächtiges Stück von Mozart: „Divertimento für zwei Vio-\nlinen, Viola, Violoncell, Contrabass und zwei Horner\",\nB-dur (zum ersten Male), dessen Anlage und Form ganz\nmit dem im vorigen Jahre zu Gehör gebrachten D-dur-\nDivertimento desselben Meisters parallel laufen. Die Aus-\nführung hätte wobl zuweilen noch feiner sein können, und\nbesonders im Adagio, wo die Hörner nicht mitwirkten,\nstörten einige allzu starke Bassdrucker, während ein Haydn'-\nsches G-dur-Qu&Heltvorzüglich wiedergegeben wurde.\nDie sechste Abend-Unterhaltung wurde mit einem\nMozart'schen £7-c?w-Quartett eröffnet und mit Beethoven's\nOp. 29 geschlossen. Die Ausführenden\nwaren die Herren Concertmeister Dreyschock (erste\nVioline), Ron tgen (zweite Violine), Hermann (Bratsche),\nLübeck (Cello), neben welchen tüchtigen Künstlern be-\nzüglich des Quintetts noch der Bratschist Herr Hunger\nzu nennen ist, und wir freuen uns, mittheilen zu können,\ndass erstgenanntes Werk recht gut executirt wurde, wäh-\nrend von dem letztgenannten die beiden Mittelsätze zur\nvollsten Geltung gelangten. Ausserdem führte der Com-\nponist Herr S. Jadassohn dem Publicum seine neue, bei\nBreitkopf und Härtel erschienene Serenade Op. 35 vor\nund ärntete nach dem Vortrage des aus sechs canonischen\nStücken bestehenden Werkes die reichsten Beifallsspenden.\nGewiss muss auch jeder verständige Musiker dem Werke\nsein Interesse zuwenden, indem die Tonbilder an sich voll\nFrische sind, wozu noch die strenge und doch ungekün-\nstelte canonische Form tritt, deren Harmonik und Rhyth-\nmik niemals den Schönheitssinn verletzen. Wir wünschen\ndem Werke die weiteste Verbreitung.\nIn der siebenten Abend-Unterhaltung wurde eine neue\nSonate für Pianoforte und Violoncell (Manuscript) von\nKarl Reinecke durch den Componisten und Herrn\nGrützmacher aus Dresden in meisterhafter Weise vor-\ngeführt. Das Werk selbst zählen wir zu den glücklichsten\nEingebungen unseres so tbätigen Capellmeisters, weil jeder\nder drei Sätze durch noble Gedanken und schöne Factur\ninteressirt. Dem letzten Satze, welcher nach Inhalt und\nForm mit dem ersten parallel läuft, geben wir entschie-\nden den Vorzug, indem sowohl die Grund-Tonart\nvon vorn herein bestimmter auftritt, als auch das zweite\nThema in der Ober-Dominante A-dur durch gewähltere\nRhythmik fesselt, wie im ersten Satze, obwohl, wie schon\ngesagt, der Bau in beiden Sätzen ganz dieselben Grund-\nstützen hat. Auch die Verarbeitung schien uns in natür-\nlicherer Modulation dabin zu fliessen, hingegen im ersten\nSatze die Absicht im Gebrauche des rnusicalischen Wenr\ndungs-Apparates zuweilen stärker hervorzutreten. Der\nzweite Satz enthält eine reizvolle Melodie, welche dem Ohr\nund Herzen gleich wohlthut. Daher fand auch die schöne\nSchöpfung den ungetheiltesten Beifall, welcher sich nach\nSchluss der glänzenden Leistung bis zum Hervorrufe des\nComponisten und seines vorzüglichen Partners steigerte.\nHerr Concertmeister David bewährte wiederum seine\ngrosse Meisterschaft im Vortrage der Sonate „Le torn-\nbeau\" von Leclair, so dass dem so bedeutenden Künstler\nder wärmste Dank der Zuhörerschaft durch stürmischen\nHervorruf gezollt wurde. Nicht weniger enthusiasmirte\ndie Interpretation des 6r-e?wr-Trio's von Haydn, dessen"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "279", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660901-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1211, "texte": "letzter Satz eine Wiederholung erfahr, und des grossen\ni?-cfer-Trio's Op. 97 von Beethoven das aufmerksame\nPublicum, da auch diese Tonstücke den Intentionen der\nSchöpfer gemäss zu Gehör kamen.\nDie letzte interessante Abend-Unterhaltung brachte\ndas für den leichtsinnigen Freund des Tonschöpfers, aber\nausgezeichneten Clarinettisten Anton Stadler componirte\nClarinett-Quintett von Mozart, ferner die für das Horn\nsehr schwierige, in der Erfindung und Form gleich schöne\nHorn-Sonate Op. 17 von Beethoven, und endlich das me-\nlodisch und harmonisch reiche, in der Form weit ausge-\nsponnene Octett für zwei Violinen, Viola, Violoncell, Con-\ntrabass, Clarinette, Horn und Fagott von Schubert, mit-\nhin drei Meisterwerke, gegen welche auch der spitzfindig-\nste Kritiker nichts einwenden konnte. Die Ausführung\nentsprach vollkommen den Intentionen der grossen Ton-\ndichter, und besonders heben wir hervor, dass mit vor-\nzüglicher Meisterschaft das Schubert'sche Octett zur Gel-\ntung kam und Herr Landgraf auch in dem Mozart'schen\nClarinett-Quintette wiederum alle glänzenden Eigenschaf-\nten eines Clarinettisten ersten Ranges entfaltete und durch\nseinen seelenvollen Ton die Zuhörerschaft begeisterte.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-09-01-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-09-01_01#c004", "volume": "bmtnabi_1866-09-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "279", "page_fin": "280", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660901-01.2.4", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "279", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660901-01.1.7", "debut_caractere": 1213, "fin_caractere_exclue": 6521, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\n*** Ijeipzig. Wohl selten hat sich eine Gesellschaft so\nschnell und ungetheilt die vollen Sympathieen Leipzigs errungen,\nals in jüngster Zeit die immer fröhlicher emporblühende und mehr\nund mehr erstarkende musicalisch-declamatorische Gesellschaft An-\ndante-Allegro. Wie sehr sie dieser allgemeinen Sympathie in voll-\nster Weise würdig ist, bewies der Abend des 18. Juli, an dem Tau-\nsende nach dem „Tivoli\" strömten und gewiss Jeder von ihnen seine\nErwartungen, in dem erschütternden Ernste der Gegenwart ein paar\nschöne, erhebende Abendstunden zu verleben, noch überboten fand.\nEs wird uns zur angenehmsten Pflicht, dem Präsidenten und den\nVorstehern der Gesellschaft, den Herren Hofrath Prof. Dr. Oswald\nMarbach, Opern-Regisseur Becker, Dr. Oscar Paul, so wie\nallen mitwirkenden Künstlern und dem „Pauliner Sängerverein\"\nöffentlichen Dank auszusprechen. Den herrlichsten Lohn hat ihnen\ndie Erfüllung ihres edlen Zweckes, die so überaus reich ausgefallene\nSammlung (458 Thlr. 13 Ngr. 7 Pf.) für verwundete Krieger und\nihre Familien gebracht. Der „Paulus\" unter seinem hochverdienten\nDirigenten Dr. Langer, dessen Pult bekränzt war, die gefeierten\nSängerinnen Blaczek und Dumont, die Herren Schild (Mitglied\ndes Vereins), Rafalsky und Hessler (Mitglied des Vereins) und\ndie verehrten Tonkünstler, Meister auf ihren Instrumenten, führten\ndas Programm durch. Es enthielt unter Anderem: Variationen für\nzwei Pianoforte von R. Schumann, Lieder von Schumann und Men-\ndelssohn, von Kreutzer und Reinecke; Gedicht von Victor Hugo,\nübertragen von Oswald Marbach, gesprochen von Herrn Hessler;\nInstrumental-Septett von Beethoven; Lieder von Kirchner. Den\nSchluss des ersten Theiles bildete das die folgende Sammlung ein-\nleitende Gedicht von Oswald Marbach, von ihm selbst mit zün-\ndender Begeisterung vorgetragen, in welchem es hiess:\nDas ist kein Krieg, wie andre Völker schlagen,\nNicht gilt es, Ruhm und Beute zu erjagen;\nWo Deutsche mit einander ringen,\nDa streben sie nach höhern Dingen.\nEs gilt dem ganzen heiFgen Vaterlande,\nWie's zu erlösen von dem Zauberbande,\nDas dumpf danieder hält sein Streben,\nZu voller Grösse sich zu heben.\nEin Gottesurtel soll der Kampf uns bringen,\nDen Weg uns zeigen, wie es mag gelingen,\nGlorreicher Zukunft goldne Zeiten\nDem Vaterlande zu bereiten.\nWir kämpfen voller Gluth und voller Eifer,\nDoch ohne Zorneswuth und Hassesgeifer,\nDenn der Besiegte wie der Sieger\nSind Brüder, Eines Landes Krieger.\nDoch hoch auflodern deutschen Zornes Flammen,\nIn Einer Lohe schlagen sie zusammen,\nWagt es der Fremde, uns zu necken,\nNach deutschem Land die Hand zu strecken!\nAm 6. August veranstaltete zu Ehren des Violin-Virtuosen,\nHerrn Concertmeisters Auer aus Düsseldorf, dieselbe Gesellschaft\neinen Abend im Saale des Hotel de Pologne, wo die zahlreiche,\nvon einem schönen Damenflor umrahmte Zuhörerschaft die Gelegen-\nheit fand, Herrn Auer nach zwei Seiten hin, nämlich als Quartett-\nund Solospieler bewundern zu können. Bei der Reproduction von\nBeethoven's Streich-Quartett G-dur Op. 18, welches Herr Auer mit\nden Herren 801 l and I. (Violine II), Brand (Viola) und\n(Cello) im vortrefflichen Zusammenspiel vortrug, lernten wir die\neminente Meisterschaft dieses jugendlichen Siegers auf dem Felde\nder Kunst genügend kennen, und die begeisterten Zurufe, die enthu-\nsiastischen Acclamationen des Publicums werden ihm bewiesen ha-\nben, wie er sich im Sturme alle Herzen eroberte. Dessgleicken\nhörte nach dem so genialen Solo-Vortrage einer Ballade und Polo-\nnaise von Vieuxtemps das Publicum nicht eher mit Beifalls-Kund-\ngebungen auf, bis Herr Auer noch ein Adagio zugab.\nDer Vossischen Zeitung in Berlin wird geschrieben: „Der Ge-\nsangverein zu Görlitz hatte sich an den Vorstand der dresdener\nSing-Akademie um Uebersendung der Partitur und Stimmen zu\neinem Requiem gewendet eine Bitte, die bekanntlich unter An-\nnahme der Gegenseitigkeit von allen Musikvereinen gewährt zu\nwerden pflegt. Dieses Mal antwortete der Vorstand in Dresden:\ndie Haltung, welche Preussen gegenüber Sachsen anzunehmen für\ngut befunden, mache einen ferneren freundschaftlichen Verkehr un-\nmöglich, und man möge sich für die Zukunft nicht wieder an die\ndresdener Sing-Akademie wenden. [Ergebniss des grossen deut-\nschen Sängerfestes in Dresden im vorigen Jahre!]\nWieil. Offenbach befindet sich seit einigen Tagen hier,\num den Proben seiner Operette „Blaubart\", die Ende September im\nTheater an der Wien zur Aufführung kommen soll, beizuwohnen.\nDer Maestro beabsichtigt, die Cur in Baden zu gebrauchen.\nUeber das Gesangsfest in Louis vi 11 e zu Anfang des August\nenthält die „Neue New-Yorker Musik-Zeitung\" unter Anderem Fol-\ngendes : In dem grossen Kampfe um die materiellen Interessen, wel-\nchen dieses Land fortwährend durchzumachen hat, müssen Feste,\ndie sich die Aufgabe stellen, einzig und allein der Geselligkeit, der\nHintansetzung der geschäftlichen Rücksichten, der Förderung musi-\ncalischer Interessen zu dienen, gewiss als höchst befriedigende An-\nhaltspunkte der Beobachtung betrachtet werden. Ob bei dem so eben\nin Louisville Statt gefundenen Feste diese Aufgabe gelöst wurde,\nwollen wir vor der Hand dahingestellt sein lassen. Genug, dass das\ngrosse Publicum, und namentlicher americanische Theil desselben,\num dessen Humanisirung es sich bei diesen Gelegenheiten ja he-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "280", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660901-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4413, "texte": "kanntlich handeln soll, das Resultat des Festes als ein höchst be-\nfriedigendes ansah. Die Americaner erblickten in all diesen Aufzü-\ngen, in all diesen oft wunderlichen Kundgebungen der Freude nur\nSymbole der Brüderlichkeit, Einigkeit und allgemeinen Menschen-\nliebe. Die Armen! Sie wussten nicht, dass von vielen der beim Feste\nBetheiligten das Fest von vorn herein nur als ein Kampf zwischen\ndem Westen und dem Osten betrachtet wurde, als ein Tummelplatz3\nauf welchem alte, imaginäre Beleidigungen gerächt werden konnten.\nOder wie können wir uns anders den Umstand erklären, dass, kaum\nnachdem das Resultat der Berathung einzelner Preisrichter bekannt\nwurde, sofort die meisten westlichen Blätter in Exclamationen, wie\ndiese, ausbrachen: „New-York geschlagen, der Westen hat gesiegt.\"\nWunderbarer Sieg, der merkwürdiger Weise die W'elt nicht aus ih-\nren Fugen gelöst hat! Leider müssen wir dem Gebahren vieler Sän-\nger zufolge annehmen, dass sie sich selbst jetzt noch zu dieser An-\nsicht bekennen. Sie scheinen noch jetzt zu glauben, dass die unge-\nheure Thatsache, dass in Louisville einige zwanzig vierstimmige\nLieder gesungen wurden, und dass ein Lied besser gesungen worden\nsein soll, als alle übrigen dass dieses grossartige Ereigniss nicht\nbloss die musicalische Kunst um einige Jahrzehende voranschreiten\nlässt, sondern auch alle übrigen Interessen der Welt weit in den\nSchatten stellt. W7as ist die so eben vollendete telegraphische Ver-\nbindung Europa's und America's gegen dieses Factum! Das Kabel\nist nichts und könnte höchstens nur dann einige Bedeutung erhal-\nten, wenn man es dazu benutzte, der europäischen Welt den „Sieg\ndes Westens über den Ostenu mitzutheilen. In Deutschland herrscht\nwieder Friede was ist dies gegen den in Louisville erfochtenen\n„Sieg des Westens über den Osten\"? Nun, die Zeit ist die beste\nAufklärerin und Trösterin, und hoffentlich werden sich unsere\nHerren Sänger, ob im Osten oder Westen, bald so weit abgekühlt\nhaben, um zu der Einsicht zu gelangen, dass es dennoch höhere\nmusicalische und andere Interessen gibt, als die, welche bei diesem\nFeste zur Sprache kamen. Es ist wirklich Zeit, dass diese Einsicht\neinige Verbreitung unter den Sängern erhalte. Wir wissen recht\nwohl, dass wir mit diesem Ausspruche manchen Anstoss bei den\nSängern erregen werden; aber wenn diese Zeitung wirklich den\nGesangvereinen nützen soll, so kann sie es nur dadurch, dass sie\ndas ausspricht, was sie für wahr und gerecht ansieht. Und hier\nwollen wir denn aufs Neue wiederholen, was wir schon oft ausge-\nsprochen haben: „Könnt Ihr diese Feste nicht zu wirklichen Musik-\nfesten machen, wie wir sie in Deutschland und in England in gross-\nartigem Maassstabe haben, so gebt sie lieber auf.\" Wie sie jetzt\nsind, fördern sie niehts weiter, als Streit, Uneinigkeiten aller Art.\nMit der musicalischen Kunst hat diese Absingerei von Abt'schen\nund Liedern selbst besserer Componisten wenig oder nichts zu thun.\nEin anderes Blatt sagt: Endlich ist die Herkules-Arbeit vor-\nüber! Arbeit für Jeden, zwanzig Chöre anhören zu müssen, von\ndenen beinahe drei Viertel nicht anzuhören sind! Die Art und\nWeise des jetzigen Systems des Preissingens ist eine Nuisance, und\nder Profit für die Kunst weniger als Null. Die Ungleichheit der\nStärke der Chöre, die mehr oder minder schwierige Ausführung\neiner Composition erschweren auch das Urtheil, und zudem liebt man\nes, Piecen zu wählen, in denen eine zufällig in einem Chor vor-\nhandene gute Stimme durch ein Solo das Ganze herausbeissen soll.\nEs ist kein Maassstab für die Befähigung, aufzutreten, eingeführt.\nDie Courtoisie lässt eben nicht zu, einen Verein, der so viele Hun-\ndert Meilen hergefahren, vom Mitsingen auszuschliessen; dafür hat\nman das Vergnügen, das „Deutsche Lied\" von jämmerlichen Stim-\nmen in noch jämmerlicherer Ausführung maltraitirt zu sehen. Da\ngibt es Vereine, die Lieder wählen, welche für ihre Kräfte durch-\naus nicht passen; andere langweilen durch eine erschlaffende Senti-\nmentalität; andere suchen ihr Piano in einem Gemurmel oder in\neiner Art von Summen; sieben Achtel und noch darüber detoniren\nregelmässig an einigen Stellen. Andere wieder repetiren dasselbe\nLied, das sie nicht singen können, wenigstens drei Mal, und bei\nden wenigsten ist die Harmonie der Stimmen eine gleichmässige.\nDas Uebergewicht dieser oder jener Abtheilung und dieser oder je-\nner einzelnen Stimme ist einer der am häufigsten vorkommenden\nFehler."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "273", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660901-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie Musik in Holland. I. Musicalische Zustände in Leipzig. Von Dr. Oscar Paul. (Fortsetzung,) Tages- und\nUnterhaltungsblatt (Leipzig, die musicalisch-declamatorische Gesellschaft Andante-Ailegro, Concertmeister Auer Ungefälligkeit\nWien, Offenbach, Operette „Blaubart\" Das Gesangsfest in Louisville).\n0\n\nDie Musik in Holland.\nI.\nWir haben schon öfter in dieser Zeitschrift erwähnt,\ndass von unseren westlichen Nachbarländern Holland das-\njenige ist, in welchem der Sinn für deutsche, und das\nheisst doch wohl auch für gute Musik, wie sie sich in\nOratorien und Cantaten, in Orchester- und Kammermusik\noffenbart, am kräftigsten lebt und in Verbindung mit dem\nSinne für Association, der in Holland von den alten frei-\nstaatlichen Zeiten her sich fortgeerbt hat, musicalische\nZustände erzeugte, für welche die Masse der Gebildeten\nmehr Theilnahme und mehr Empfänglichkeit zeigt, als\ndies in Belgien und in Frankreich der Fall ist.\nIn Belgien mag das Conservatorium in Brüssel für\nWürdigung der musicalischen Bestrebungen eine Geltung\nhaben, aber die Concerte desselben, vier im ganzen Jahre,\nkönnen nicht mitzählen, wenn von höherer Cultur der In-\nstrumentalmusik und von Empfänglichkeit des Volkes da-\nfür die Rede ist. In wie weit des wackeren Samuel's Con-\neerts populairesin Brüssel und die Bestrebungen Soubre's,\ndes Directors des lütticher Conservatoriums, Boden finden\nwerden, müssen wir erst noch abwarten. In der Oper und\nin dem übrigen Musiktreiben ist der französische Ge-\nschmack immer noch vorherrschend, während in Holland\nder einzige Rest desselben die französische Oper im\nHaag—immer mehr an Credit verliert und von der deut-\nschen in Rotterdam überflügelt wird. Der einzige Zweig\nder Tonkunst, der in Belgien in neuerer Zeit bedeutende\nFortschritte gemacht hat, ist der Männergesang; zwar\nlässt sich gegen die Wahl der Stücke bei den öffentlichen\nProductionen auch der besten Vereine in Lüttich, Brüssel,\n7 »\nGent Manches einwenden, aber die Studien sind vortreff-\nlich und von schönem Erfolge.\nWie es in den Provincialstädten von Frankreich mit\nder Cultur der höheren Gattungen der Tonkunst aussieht,\n/\nist bekannt; auch die in den letzten Jahren veranstalteten\nConcerte in Lyon, Marseille, Bordeaux u. s. w., selbst so\ngenannte Musikfeste im Süden und Westen, sind bis jetzt\nnur als Versuche anzusehen, aus deren Folgen erst sicht-\nbar werden muss, ob der Geschmack der Franzosen am\nEinzelnen und an der Virtuosenleistung sich zum Genüsse\neiner gediegenen Tonschöpfung von grösserem Umfange\nerheben kann. Denn bei der Lebhaftigkeit und Beweglich-\nkeit des französischen Charakters wird selbst in Paris,\ntrotz allem sogenannt classischen Musikmachen, das ja\nneuerdings sogar bis zur höflichen Anhörung von Bach's\nClavier-Compositionen hinaufgeschraubt worden, das alte\nWort: „Sonate, que me veux-tu?\" stets seine Geltung\nbehalten, namentlich was die Menge des feineren Publi-\ncums betrifft. Man sehe sich nur die Zuhörerschaften in\nden pariser Concerten an! Sehr anständige, höchst elegant\ncostumirte Damen und Herren, alles\nfaut, eine Menge Patrone und Patronessen aus der Aristo-\nkratie s'il en reste! und der hohen Finanz, unter\nihnen kein Mensch um irgend eine geistreiche Redensart\nüber die Tonkunst verlegen; dann eine grosse—vielleicht\ndie grösste Anzahl der Zuhörer von Künstlern von Fach,\ndie wie Freiwillige unter die noble Menge vertheilt sind, um\ndie Urtheilskraft derselben zu unterstützen und die Rechte\nder Freundschaft geltend zu machen; man sehe sich die-\nses Publicum an und frage sich, ob nicht in unbewachten\nAugenblicken auf den meisten Gesichtern geschrieben\nsteht: „Musique, que me veux-tu?\" Vollends eine Sinfonie\neine halbe Stunde lang anzuhören, von Oratorien dürfen\nwir natürlich gar nicht sprechen, das ist ein Opfer, das\nman der Convenienz und dem Tone, nicht den Tönen\nbringt. Man wird uns Pasdeloup's populaires\nentgegen halten. Gut; wir haben sie seit ihrem Entstehen\nals ein schönes und hoffentlich einflussreiches Unterneh-\nmen begrüsst; ist aber Pasdeloup nicht schon jetzt genö-\nthigt, anstatt zu Höherem fortzuschreiten, nach dem nichts"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "274", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660901-01.1.2", "texte": "weniger als lobenswerthen Beispiele der Conservatoire-\nConcerte gezwungen, ebenfalls Bruchstücke von gros-\nsen Orchesterwerken zu bringen und das Kunststück des\nVortrages von Kammermusik durch das ganze Streich-\nOrchester nachzuäffen?\nWir sind weit entfernt, den Franzosen ihren Mangel\nan Empfänglichkeit für grosse Musik zum Vorwurfe zu\nmachen, wir sprechen nur von der Thatsache; wir be-\nwundern ihr fruchtbares Genie für das heitere Genre, für\ndie komische Oper, für Chansons mit eben sowohl musi-\ncaiischen als dichterischen Pointen, ihren feinen unüber-\ntroffenen Sinn für vollendete technische Ausführung—alles\ndas ist ihr wesentliches Eigentbum, ihre Natur; was dar-\nüber ist, das ist darauf gepfropft und trägt keine Früchte.\nAnders, ganz anders ist es in Holland. Dort hat, wie\nin Deutschland, jede grössere Stadt ihre Gesangschule,\nihren Gesangverein, ihren Orchesterverein, ihre Abonne-\nments-Concerte Jabr aus, Jahr ein. Es zeigt sich hier wie\nin Deutschland, dass die Centralisation und eine Metro-\npole mit Dictatur des Geschmacks für die Musik, die ver-\nbreitetste und allgemeinste Kunst, nicht nur nicht not-\nwendig, sondern eher schädlich als nützlich ist.\ndie Wirksamkeit der grossen, über ganz Nie-\nderland verbreiteten Gesellschaft zur Beförderung der\nTonkunst haben wir schon öfter in unserer Zeitschrift be-\nrichtet; der gegenwärtige Artikel soll hauptsächlich nur\ndie Leistungen der verschiedenen Concert-Vereine in Vo-\ncal-, Orchester- und Kammermusik ins Auge fassen. Nach\neinem alten Brauche, der sich aus den Zeiten herschreibt,\nwo in Holland vorzugsweise die philologischen Studien\nblühten, haben fast alle diese Vereine lateinische Namen,\nwie z. B. Eruditio musica, Diligentia, Felix Meritis\nu. s. w., was den Fremden zuweilen veranlasst, dabei an\nwissenschaftliche Gesellschaften zu denken*). Die bedeu-\ntendsten Städte in musicaliscber Rücksicht sind Amster-\ndam, Rotterdam, Haag und Utrecht; ihnen schliessen sich\nLeyden, Arnheim, Nymwegen, Dortrecht, Deventer, Delft,\nMiddelburg, Zirksee, Zütphen, Groningen u. s. w. an.\nAmsterdam besitzt in dem Vereine\neines der ältesten und berühmtesten Concert-Institute. Es\nhat, wie alle anderen, seinen besonderen, von der Gene-\nral-Versammlung aller Vereins-Mitglieder gewählten Vor-\nstand; musicalischer Dirigent ist Verhülst. Es finden\njährlich zehn Winter-Concerte Statt; sie begannen für die\nvergangene Saison am 1. December 1865 und schlössen\nam 13. April 1866.\nOuvertüren brachten die Programme von Cherubini\nLodoiska; Mozart Figaro; Gade Hamlet; Weber Eury-\nanthe; Mendelssohn Fingalshöhle; Mozart Entführung;\nMendelssohn Sommernachtstraum (nebst den übrigen\nNummern); Beethoven König Stephan; Gade Im Hoch-\nland; Mozart Zauberflöte; Cherubini Abencerragen; Beet-\nhoven Egmont (3 Mal); Schumann Genofeva; Mendels-\nsohn Ruy Blas; Cherubini Lportugaise; Rietz\nConcert-Ouverture; Weber Oberon.\nSinfonieen von Beethoven IV, Haydn D-dur, Schu-\nmann IV, Mozart (?), Spohr „Weihe der Töne\", Rietz\n(zum ersten Male), Mozart (?), Beethoven VII. Im letzten\nConcerte, in welchem der König, die Königin und der\nKronprinz anwesend waren, keine Sinfonie.\nGrössere Gesangwerke kommen in diesen Concerten\nnicht vor; den Sologesang vertraten Marie Hasselmans aus\nBrüssel, Julius Stockhausen (Weber: „Woberg'ich mich?\"\naus Euryanthe, Beethoven's Liederkreis), Mathilde und\nSalvatore Marchesi, Hauser aus Karlsruhe, Sidonie und\nVirginie van der Beek, Mad. Gennetier von der französi-\nschen Oper im Haag, Asminda Übrich, Mad. Rudersdorf,\nMad. Kollin-Tobisch, Erna Borchard aus Weimar. l-\nnstrumental-Solo-Vorträge von Joachim, Rosa Kastner,\nJ. de Graan (Violine), Elisa und Charles de Try (Violon-\ncellisten aus Brüssel), Leopold Auer, Ernst Pauer, Aug.\nWilhelmy (2 Mal), Karl Matys (Violoncellist aus Hanno-\nver), Louis Lübeck, H. M. van Boom (Flötist). —Die Vio-\nloncellistin Elisa de Try, begleitet von ihrem Vater, er-\nregte grosse Theilnahme durch technische Fertigkeit und\nschönen Vortrag. An Leopold Auer wurde die Ueber-\ntreibung der Tempi gerügt. Wilhelmy gefiel und wurde,\nein hier seltener Fall, zu einem nochmaligen Auftreten in\neinem folgenden Concerte veranlasst; doch sprach man die\nErwartung aus, dass er, Joachim's Beispiel folgend, sich\neiner edleren Richtung widmen möge. Herr Matys spielte\nohne Erfolg; Louis Lübeck erregte nach dem Concerte\nvon Goltermann besondere Theilnahme durch den Vor-\ntrag eines Adagio von der Composition seines Vaters\nJ. H. Lübeck.\nNeben dem nicht grossen Saale von\nbesitzt Amsterdam noch zwei in neuerer Zeit erbaute ge-\nräumige und schöne Concertsäle, den einen im Park,\nden anderen, der auf einige Tausend Zuhörer berechnet\nist und den Namen Paleis trägt, eine\nSchöpfung der letzten Jahre.\nUnter den anderen Musikvereinen steht die Gesellschaft\n„Cäcilia\" für Instrumentalmusik, Dirigent Verhülst,\noben an. Sie gab ihr zweiundfünfzigstes Concert im No-\nvember vorigen Jahres im Theater vor vollbesetztem\nHause: Sinfonie von Haydn Scherzo (Sommer-\n\n*) Diese Sitte ist so' allgemein, dass auch gemeinnützige, ja,\nauch nur rein gesellige Vereine lateinische Namen tragen, eben so\nPrivat-Besitzungen. So sahen wir z. B. am Gartenthore eines Land-\nsitzes die sinnige Inschrift: Tandem, (Endlich)."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "275", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660901-01.1.3", "texte": "nachtstraum) von Mendelssohn, Euryanthe-Ouverture von\nWeber, Egmont-Ouverture von Beethoven, C-^wr-Sinfo-\nnie von F. Schubert. Am 2. Februar dieses Jahres\nfeierte der Verein das fünfundzwanzigste Jahr seines Be-\nstehens im Parksaale. Einer seiner eifrigsten Begründer\nwar der vortreffliche Violinspieler und Componist J. M.\nvan Bree gewesen. Das Programm brachte Cherubini's\nAnakreon-Ouverture, Mozart's 6r-moß-Sinfonie, Beetho-\nven's Weber's Freiscbütz-Ouverture (zwi-\nschen beiden letzten Werken Vortrag des Festberichtes).\nDas 54. Concert gab Bennett's „ Waldnymphe\", Schü-\nmanns Sinfonie D-moll,Gade's „Hamlet\", Spohr's „Die\nWeihe der Töne\", Beethoven's Leonoren-Ouverture. Das\nGala-Concert, vom Hofe besucht, am 12. April brachte\ndie Euryanthen-Ouverture, Andante und Menuet von\nHaydn, von Mendelssohn, Leonoren-Ouver-\nture von Beethoven.\nDie Park-Concerte des Herrn J. Ed. Stumpf er-\nfreuen sich in dem schönen Saale grosser Theilnahme.\nAuszuzeichnen war im December v. J. in denselben das\nAuftreten Joachim's (Mendelssohn's Concert und Tar-\ntini's Sonate), neben dem der Pianist Lazare in Schatten\ntrat, und kurz darauf wiederum Joachim's (Concert von\nBeethoven, Spohr's Gesangscene, Suite in von Bach)\nund Stockhausen's an einem und demselben Abende.\nAufführungen von grossen Vocalwerken veranstaltete\ndie amsterdamer Abtheilung des Vereins zur Beförderung\nder Tonkunst im Park unter Verhülst's Direction drei: im\nDecember v. J. Händel's Messias (Solisten Frau Offermans,\nCollin-Tobisch, Herr Wolters, Herr Behr); am 6. März\n1866 Beethoven's Christus am Oelberge (hier „Die Mac-\ncabäer\" mit anderem Texte), Schumann's Faust, erste und\ndritte Abtheilung; am 19. April, zur Unterstützung von\nMusikern: Haydn's Jahreszeiten (Solisten Frau Offermans,\ndie Herren Schneider und Bietzacher). Ausserdem führte\nder Gesangverein Musicae et Amicitiae Händel's hundert-\nsten Psalm und Mendelssohn's Hymne für Alt und Chor\nunter Leitung seines Dirigenten W. Smits auf, und der\nVerein vom heiligen Vincentius von Paula den 23. Psalm\nfür Tenor-Solo, Chor und Orchester von Richard Hol,\nein Te Deumvon H. J. J. van Bree und „Die Aufer-\nstehung\", Oratorium von G. A. Heinze lauter Com-\npositionen von einheimischen Musikern, unter denen das\nOratorium von Heinze (in Amsterdam) bei wiederholten\nAufführungen grossen Erfolg gehabt hat und ihn auch\nverdient. Der Verein des Herrn W. Smits brachte auch\nim April eine neue Composition desselben: „Claudius Ci-\nvilis\", ein dramatisches Gedicht von de Wit, für Soli,\nChor und Orchester. Der Text wird als unpoetisch und\ngrossentheils langweilig bezeichnet, die Musik fand theil-\nweise Anerkennung, das Ganze dauerte aber volle drei\nStunden lang, während deren es die Spannung der Zuhö-\nrer nicht festzuhalten vermochte.\nZum Beschlüsse dieser amsterdamer Concert-Muste-\nrung müssen wir das Concert am 25. April d. J. im Park\nzum Besten des Neubaues eines Krankenhauses unter der\nDirection von Herrn J. J. van Bree erwähnen, erstens, weil\nein sehr verstärktes Orchester und ein Chor von beinahe\n300 Personen darin mitwirkte, zweitens, weil es ein Ver-\nsuch war, Werke der neuesten Schule in Holland hören\nzu lassen, und drittens, weil dieser Versuch unterstützt\nwurde durch die Anwesenheit von Liszt und Bülow.\nGrosse Anschlagzettel prangten vor Allem mit dem Namen\nLiszt aber, wie man sich nachher überzeugte, wurde\ndessen Name nur als Magnet benutzt, denn er selbst war\nbloss im Saale anwesend, trat aber weder als Virtuose\nnoch als Dirigent auf. Die Zeitschrift „Cäcilia\" bemerkte\ndazu: „Als ein durch den Zweck geheiligtes Mittel können\nwir eine solche Täuschung des Publicums allen philan-\nthropischen Vereinen zur Nachahmung empfehlen.\" Aus\nder neudeutscben Schule wurden vorgeführt: von Liszt\nder dreizehnte Psalm für Tenor-Solo, Chor und Orchester;\nzwei Etüden für Pianoforte („Waldesrauschen\" und\n„Gnomenreigen\") und die Legende: „Der heilige Franz\nvon Assisi auf den Wogen schreitend\" (ausgeführt durch\nHans von Bülow); von J. Raff Fest-Ouverture; von Fr.\nSchubert, mit Orchester von Liszt, Phantasie für Piano-\nforte. Daneben Gade's „Frühlings-Botschaft\", C. Rei-\nnecke's „Abendlied\", Beethoven's Phantasie Op. 80, Lie-\nder von Schubert und Schumann. Die Solo-Gesang-Partie\nvortrefflich ausgeführt von Dr. Gunz. Ueber Liszt's\nPsalm sprach sich die „Cäcilia\" u. A. also aus: „Dieser\nPsalm ist eine Composition, die wir in Stil und Inhalt\nschon nach einer einzigen Anhörung unbedingt für ver-\nwerflich erklären müssen. Ermangelnd jeder Spur von\nkirchlicher Farbe, form- und gedankenlos, liefert dieses\nMusikstück nur eine Tonmasse, die von meist bizarren,\noft schlecht klingenden Modulationen und bohlen, ge-\nschwollenen Phrasen überfliesst, die offenbar nur zum\nZwecke sinnlicher Elang-Effecte zusammengestellt sind\nund dennoch nicht einmal diesen Zweck erreichen. Die\nSolo-Tenor-Partie, die sich durch das Ganze zieht, enthält\neinige Spuren von wahrem Gefühle, kann aber, zumal\nda sie auch im Allgemeinen unpraktisch geschrieben ist,\nden Eindruck des Ganzen nicht bessern. Dem Ganzen ist\ndurch eine reiche, bisweilen glänzende Instrumentirung\nein Schein von Glanz verliehen. Der Anlauf zu einem\nFugensatze gegen Ende über ein glückliches Motiv hätte\nbei mehr Gewandtheit in der Behandlung dieser Form ein\ngutes Musikstück werden können. Jedoch—nach der vor-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "276", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660901-01.1.4", "texte": "züglichen Aufführung wurde der Componist auf die Bühne\ngerufen und ihm ein Kranz überreicht, den er indess be-\nscheiden zurückwies.\"*)—Ueber RafFs Ouvertüre spricht\nsich derselbe Berichterstatter dahin aus, dass sie zwar gut\ngearbeitet, aber zu lang gereckt und zu unbedeutend an\nInhalt sei, als dass man sie bald wieder auf einem Pro-\ngramme zu sehen wünschte. Die Virtuosität Bülow's, so\nwie der Werth der beiden Etüden von Liszt wird ge-\nrühmt: die „Legende\" aber bringt den Kritiker zu den\ndrei Fragen: „Wie kann ein Mann wie Liszt so etwas\nschreiben? Wie kann ein Mann wie Bülow so etwas spie-\nlen? Wie kann ein Publicum so etwas mit Aufmerksam-\nkeit anhören?\"\nDie Kammermusik fand ihre Berücksichtigung in\nden vier Sitzungen, welche die Herren Franz Coenen\n(I. Violine) und Bunte (Alt) mit Zuziehung der Herren\nCramer (11. Violine) und Appy (Violoncell) veranstalte-\nten. Besonders interessant war die dritte Sitzung am 26.\nFebruar, in welcher W. Bargiel sein Trio in\nOp. 16, und seine Suite für Piano und Violine in D-dur,\nOp. 17, vortrug und als Componist und gediegener Cla-\nvierspieler einen sehr guten Eindruck machte. Die Quar-\ntett-Vorträge hielten sich innerhalb gewisser Gränzen:\nvon Beethoven einige Nummern aus Op. 18, das Quintett\nOp. 29 und das Sextett in seiner Originalform, ferner\nein Quartett und Quintett von Mozart und eben so von\nMendelssohn. Auffällig war dazwischen ein Quartett von\nJ. Raff, Op. 77, in D-moll.lm Ganzen konnte die Aus-\nführung überhaupt wohl nicht diejenigen Ansprüche be-\nfriedigen, die man heutzutage an das Quartettspiel zu\nmachen gewohnt ist.\nNeben Amsterdam kann Rotterdam sich mit Recht\nals eine Musikstadt ersten Ranges stellen, ja, sie überragt\ndie Schwesterstadt dadurch, dass sie seit einer Reihe von\nJahren neben der Musikschule und den Goncert-Instituten\nauch eine deutsche Oper besitzt, wie sie trotz mancher\nVersuche in Amsterdam nicht hat aufkommen können.\nAusserdem ist Rotterdam der Sitz des Vorstandes der\ngrossen Gesellschaft zur Beförderung der Tonkunst. Ueber\ndie Oper hat diese Zeitschrift schon öfter Berichte ge-\nbracht: wir können sie also jetzt übergehen und wollen\nnur von der Concertmusik sprechen, zu deren Flor ge-\ngenwärtig Woldemar Bargiel, dem auch die Direction\nder Musikschule übertragen ist, nicht wenig beiträgt.\nDie älteste Concert-Gesellschaft ist die\nsica. Der Vorstand der deutschen Opern-Unternehmung,\ndie auf Actien beruht, hat seit dem Winter 1864 65\ndie Verwaltung der Concerte übernommen und die tech-\nnische Direction dem Capellmeister der Oper, Herrn\nSaar, übertragen. Die Eröffnung der Saison 1865 66\nbegann mit Beethoven's Eroicabei deren Ausführung\njedoch die Uebertreibung der Allegro-Tempi, während der\nTrauermarsch dagegen zu schleppend vorgetragen wurde,\nnicht gebilligt werden konnte. Ferner brachte das Pro-\ngramm Schumann's Manfred-Ouverture und Gade's „Im\nHochland\". Joachim spielte das achte Concert von\nSpohr und die G-mott-Fage von Bach. Sologesang Frau\nVoggenhuber und Herr Dalle-Aste, beide vom Theater.\nIm zweiten Concerte sang Stockhausen, und Frau\nEscudier-Kastner spielte den ersten Satz (!) von Beetho-\nven's und Solostücke von Liszt; Mendels-\nsohn's J.-dfwr-Sinfonie Nr. IV und Cherubini's Medea-\nOuverture. Von Orchesterwerken brachten die folgenden\nConcerte Sinfonieen von Mozart in Es, Beethoven in F\nNr. VIII, Gade in B-dur Nr. IV; Ouvertüren von Schlieb-\nner (zur Oper Rizzio, neu), Mendelssohn, Cherubini, Beet-\nhoven (Op. 115 in C). Die Herren Pauer und Auer spiel-\nten in diesen Concerten.\nDie Concerte der Gesellschaft de Voorzorg brachten\nunter der energischen und umsichtigen Direction von W.\nBargiel unter Anderem die Sinfonieen von Schumann\nD-moll, Beethoven B-dur', Cherubini's Wasserträger-\nOuverture und Mendelssohn's „Fingalshöhle\"; Sinfonie\nG-moll von Mozart, A-dur von Beethoven; die Ouvertüren\nzu Iphigenie von Gluck, zu Medea von Bargiel. Die\nrotterdamer Abtheilung des Vereins zur Beförderung der\nTonkunst führte, ebenfalls unter Bargiel's Leitung, Hän-\ndel's „Alexanderfest auf\", dem Bach's Suite für Orchester\nin D-dur vorausging.\nDer Kammermusik hatten sich zwei Vereine ge-\nwidmet, der Quartett-Verein der Herren E. Rappoldi,\nSchnitzler, Wien und Verhey, und der Trio-Verein (Piano-\nforte, Violine und Violoncell) der Herren S. de Lange\nWirth (Violine) und Hegar (Violoncell). Der erstere brachte\nin sechs Sitzungen Quartette der classischen Meister, unter\nAnderem auch Schubert's B-dur Op. 168, Beethoven's\nQuintett in Es Op. 4.—Der andere Verein des Pianisten\nde Lange und des Violinisten Wirth, beide Lehrer an der\nMusikschule, wechselte mit Trio's und Duetten, auch Soli\nfür Pianoforte und mit einzelnen Gesang-Vorträgen ab;\ndie Programme enthielten classische Werke, wie Beetho-\nven's Trio Op. 97, Sonate Op. 110, Duo in von Bach,\nTrio in Es von F. Schubert, Bach's Concert und Schu-\nmann's Variationen für zwei Pianoforte; von neueren\n\n*) Wir dürfen indess nicht unerwähnt lassen, dass die Nummer\n12 der Zeitschrift „Caecilia\" eine „Studie\" über Liszt's XIII.\nPsalm von Richard Hol, Musik-Director in Utrecht, enthält,\nwelche andere Ansichten über den Werth dieser Composition aus-\nspricht, als der obige Bericht enthält. Die Redaction der „ Caeciliaa\nhat zwar Hol's Artikel aufgenommen, erklärt aber ihre Ueberein-\nstimmung mit dem amsterdamer Referenten."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "277", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660901-01.1.5", "texte": "Werken Bargiel's Trio Op. 6, Phantasiestück für Violon-\ncell von J. Kiel, Quartett für Pianoforte u. s. w. von\nJ. Brahms in A-dur. Op. 26.\nWenn wir nun noch hinzufügen, dass der Gesang-\nverein unter Bargiel's Leitung seine Winter-Uebungen mit\nder Aufführung der ganzen Faust-Musik von Schumann\n(mit Ciavierbegleitung) beschlossen bat, so wird sich aus\nallem Obigen nur ein vortbeilhaftes Bild von dem Musik-\nleben in Rotterdam gestalten.\n\nMusicalische Zustände in Leipzig.\nVon Dr. Oscar Paul.\n(Fortsetzung. S. Nr. 24 und 26.)\nNachdem wir über die im Ganzen trefflichen Leistun-\ngen in den' Abonnements-Concerten des Gewandhauses\nberichtet haben, gehen wir über zu den Quartett-Soi-\nreen, bezüglich welcher wir, um der historischen Ord-\nnung gerecht zu werden, die hauptsächlichsten Vorkomm-\nnisse der Reihe nach anführen.\nMit dem 21. October haben also im Gewandhaus-\nsaale die für jeden leipziger Musikfreund so genussreichen\nKammermusik-Abende begonnen, als deren haupt-\nsächlicher Leiter Herr Concertmeister David anzusehen\nist, welcher schon seit den ruhmreichen Zeiten Mendels-\nsohn's, unterstützt von den hervorragendsten musicalisch-\npraktischen Kräften unserer Stadt, unablässig dahin ge-\nwirkt hat, unser Publicum mit den besten Erzeugnissen\nder älteren und neueren Kammermusik-Literatur bekannt\nzu machen. Die glücklichen Folgen dieses mit künstleri-\nscher Einsicht, tiefgründlicher Kenntniss und hoher Bega-\nbung verfolgten Strebens sind als eine Errungenschaft zu\nbetrachten, für welche man dem so bedeutenden Künstler\nnicht genug danken kann, und es legte auch jetzt der so\nreich gespendete Beifall genügendes Zeugniss ab, wie un-\nser zuhörendes Publicum die künstlerischen Leistungen zu\nschätzen und zu achten weiss. Sowohl das ungarische\nQuartett in D-durvon J. Haydn, als auch das überaus\nschwierige i?-£?wr-Quartett Op. 130 von Beethoven, aus\nwelchem uns besonders der reizende G-dur-Satz „Atta\nDanza Tedesca\" (Allegro assaund die darauf folgende\ninnige Cavatine in Es-dur [A hin-\ngerissen haben, kamen zu trefflicher Geltung. Hierbei\nsei uns erlaubt, das interessante historische Factum zu er-\nwähnen, dass letztgenanntes Quartett als die letzte fertig\ngewordene Arbeit des grossen Tonschöpfers zu betrachten\nist, indem er dasselbe im Jahre 1825 componirte, den\nursprünglichen letzten Satz aber nach einmaliger öffent-\nlicher Aufführung beseitigte und den jetzigen statt dessen\nin Gneixendorf im October und November 1826 schrieb.\nDie Perle des Abends war Mozart's bekanntes, von\nOtto Jahn IV, 101 mit ganzer Hingebung und tiefem\nVerständnisse analysirtes G-moll-Quintett, und es verdien-\nten die ausführenden Künstler, die Herren David (erste\nVioline), Röntgen (zweite Violine), Hermann (erste\nViola), Hunger (zweite Viola), Lübeck (Cello) den\nwärmsten Dank für die in der That kaum zu überbietende\nLeistung,\nDie zweite Abend-Unterhaltung wurde mit der Auf-\nführung des E-moll-Quartettes Op. 45 von L. Spohr er-\nöffnet, an welcher sich die Herren Concertmeister Drey-\nschock (erste Violine), Röntgen (zweite Violine), Her-\nmann (Viola), Lübeck (Violoncell) betheiligten, und es\nwürde dieselbe vollkommen gelungen genannt werden\nkönnen, wenn nicht durch ein paar Intonationsfehler und\ndurch falschen Einsatz an einer Stelle von Seiten der er-\nsten Violine in das Ganze einige Schwankungen gekommen\nwären. In dem darauf folgenden sehr schweren Trio von\nSchubert, Op. 99, spielte Herr Capellmeister Reinecke\ndie Pianoforte-Partie mit ausgezeichneter Meisterschaft,\nwährend Herr Lübeck edlen Ton und noble Vortrags-\nweise entfaltete und Herr Dreyschock bis auf ein paar\nIntonationsversehen den schwierigen Violinpart ganz wacker\ndurchführte. Den Schluss bildete die Vorführung des Es-\ndur-Quartettes für Streich-Instrumente Op. 44 von Men-\ndelssohn-Bartholdy, von welchem Werke uns immer nur\nder erste Satz so recht anspricht, auch wenn die anderen\nSätze in vollendetster Weise vorgetragen werden, was\nman von dem oben angegebenen Ensemble nicht ganz be-\nhaupten konnte.\nDie dritte Abend-Unterhaltung enthielt nur Compo-\nsitionen von L. van Beethoven, dessen Genius die Herzen\nder Zuhörer mit Allgewalt umfasste und alle Empfänglichen\n„in der Atmosphäre des Geistes athmen liess, nach welcher\nder Mensch tief innerlich sich sehnt\". Als Vermittler zwi-\nschen dem grossen Tonschöpfer und seinen Verehrern fun-\ngirten zunächst die Herren Concertmeister David (erste\nVioline), Röntgen (zweite Violine), Hermann (Viola),\nLübeck (Violoncell), und es bewährten sich diese Künst-\nler als echte Interpreten der hohen Meisterwerke, wie sie\nuns in dem zweitheiligen Quartette Op. 131 und\nin dem Quartette C-dur Op 59 entgegentraten. Mit glei-\ncher Vollendung führten Herr Capellmeister Rein eck e\nund Herr Lübeck die schöne für Pianoforte\nund Violoncell, Op. 5, aus.\nIn der vierten Abend-Unterhaltung lernten wir die\nPianistin Fräulein Constanze Skiwa aus Wien kennen,\nwelche im Verein mit den Herren Concertmeister David\nund Grützmacher aus Dresden das von"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "278", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660901-01.1.6", "texte": "F. Mendelssohn-Bartboldy zu Gehör brachte und vom Pu-\nblicum durch Hervorruf ausgezeichnet wurde, welchen wir\nin so fern gerechtfertigt fanden, als die junge Künstlerin\nden Geist des Tonstückes mit Wärme und Verstand dar-\nlegte, so dass ein paar geringe technische Versehen die\nGesammtleistung nicht bedeutend beeinträchtigen konnten.\nAusserdem hörten wir eine prächtige G-dur-Sonate für\nCiavier und Viola da garnba von Job. Seb. Bach, die von\nden Herren Rein ecke (Pianoforte) und Grützmacher,\nwelcher die von ihm selbst für Cello eingerichtete Gam-\nbenstimme spielte, in ausgezeichneter Weise reproducirt\nwurde. Ein gleiches Lob gebührt der Aufführung des\nSchumann'schen jP-c?Mr-Quartettes Nr. 2 durch die Herren\nConcertmeister David, Röntgen, Hermann und\nGrützmacher. Einen wahren Enthusiasmus erregte\nBeethoven's Serenade für Violine, Viola und Violoncell,\nvon welchem herzerquickenden Tonstücke die Herren\nDavid, Hermann und Grützmacher den reizenden,\nfröhlichen F-dur-Satz „alla Polacca\" in liebenswürdiger\nWeise auf stürmisches Verlangen des Publicums wieder-\nholten.\nDie fünfte Soiree erhielt durch das Auftreten des\nHerrn Capellmeisters Hiller aus Köln ein besonderes In-\nteresse. Genannter Künstler ist auch in Leipzig in doppel-\nter Eigenschaft berühmt, nämlich als einer der ersten\nComponisten der Gegenwart und als ausgezeichneter Pianist\nim classischen Stile. Von seiner Composition wurden an\ndem beregten Abende zwei Manuscriptwerke: 1) Concert-\nSonate für Pianoforte und Violine, und 2) Gavotte, Sara-\nbande und Corrente für Pianoforte allein vorgetragen.\nKann das erstere Werk die Sympathieen in keinem hohen\nGrade gewinnen, indem wir bei breiter Form Motive und\nDurcharbeitung von relativ geringerem Gehalt wahrneh-\nmen mussten, so entschädigte dafür die letztgenannte\nComposition vollkommen; man erkannte in derselben al-\nlenthalben den geistreichen, alle contrapunktischen Fein-\nheiten beherrschenden und erfindungsreichen Tonschöpfer.\nDer rauschende Beifall und doppelte Hervorruf von Seiten\ndes Publicums bekundeten die allseitige Werthschätzung\ndes Künstlers, dessen grosses, schönes Spiel jeder Musik-\nfreund hoch anerkennen wird. Ausserdem hörten wir ein\nprächtiges Stück von Mozart: „Divertimento für zwei Vio-\nlinen, Viola, Violoncell, Contrabass und zwei Horner\",\nB-dur (zum ersten Male), dessen Anlage und Form ganz\nmit dem im vorigen Jahre zu Gehör gebrachten D-dur-\nDivertimento desselben Meisters parallel laufen. Die Aus-\nführung hätte wobl zuweilen noch feiner sein können, und\nbesonders im Adagio, wo die Hörner nicht mitwirkten,\nstörten einige allzu starke Bassdrucker, während ein Haydn'-\nsches G-dur-Qu&Heltvorzüglich wiedergegeben wurde.\nDie sechste Abend-Unterhaltung wurde mit einem\nMozart'schen £7-c?w-Quartett eröffnet und mit Beethoven's\nOp. 29 geschlossen. Die Ausführenden\nwaren die Herren Concertmeister Dreyschock (erste\nVioline), Ron tgen (zweite Violine), Hermann (Bratsche),\nLübeck (Cello), neben welchen tüchtigen Künstlern be-\nzüglich des Quintetts noch der Bratschist Herr Hunger\nzu nennen ist, und wir freuen uns, mittheilen zu können,\ndass erstgenanntes Werk recht gut executirt wurde, wäh-\nrend von dem letztgenannten die beiden Mittelsätze zur\nvollsten Geltung gelangten. Ausserdem führte der Com-\nponist Herr S. Jadassohn dem Publicum seine neue, bei\nBreitkopf und Härtel erschienene Serenade Op. 35 vor\nund ärntete nach dem Vortrage des aus sechs canonischen\nStücken bestehenden Werkes die reichsten Beifallsspenden.\nGewiss muss auch jeder verständige Musiker dem Werke\nsein Interesse zuwenden, indem die Tonbilder an sich voll\nFrische sind, wozu noch die strenge und doch ungekün-\nstelte canonische Form tritt, deren Harmonik und Rhyth-\nmik niemals den Schönheitssinn verletzen. Wir wünschen\ndem Werke die weiteste Verbreitung.\nIn der siebenten Abend-Unterhaltung wurde eine neue\nSonate für Pianoforte und Violoncell (Manuscript) von\nKarl Reinecke durch den Componisten und Herrn\nGrützmacher aus Dresden in meisterhafter Weise vor-\ngeführt. Das Werk selbst zählen wir zu den glücklichsten\nEingebungen unseres so tbätigen Capellmeisters, weil jeder\nder drei Sätze durch noble Gedanken und schöne Factur\ninteressirt. Dem letzten Satze, welcher nach Inhalt und\nForm mit dem ersten parallel läuft, geben wir entschie-\nden den Vorzug, indem sowohl die Grund-Tonart\nvon vorn herein bestimmter auftritt, als auch das zweite\nThema in der Ober-Dominante A-dur durch gewähltere\nRhythmik fesselt, wie im ersten Satze, obwohl, wie schon\ngesagt, der Bau in beiden Sätzen ganz dieselben Grund-\nstützen hat. Auch die Verarbeitung schien uns in natür-\nlicherer Modulation dabin zu fliessen, hingegen im ersten\nSatze die Absicht im Gebrauche des rnusicalischen Wenr\ndungs-Apparates zuweilen stärker hervorzutreten. Der\nzweite Satz enthält eine reizvolle Melodie, welche dem Ohr\nund Herzen gleich wohlthut. Daher fand auch die schöne\nSchöpfung den ungetheiltesten Beifall, welcher sich nach\nSchluss der glänzenden Leistung bis zum Hervorrufe des\nComponisten und seines vorzüglichen Partners steigerte.\nHerr Concertmeister David bewährte wiederum seine\ngrosse Meisterschaft im Vortrage der Sonate „Le torn-\nbeau\" von Leclair, so dass dem so bedeutenden Künstler\nder wärmste Dank der Zuhörerschaft durch stürmischen\nHervorruf gezollt wurde. Nicht weniger enthusiasmirte\ndie Interpretation des 6r-e?wr-Trio's von Haydn, dessen"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "279", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660901-01.1.7", "texte": "letzter Satz eine Wiederholung erfahr, und des grossen\ni?-cfer-Trio's Op. 97 von Beethoven das aufmerksame\nPublicum, da auch diese Tonstücke den Intentionen der\nSchöpfer gemäss zu Gehör kamen.\nDie letzte interessante Abend-Unterhaltung brachte\ndas für den leichtsinnigen Freund des Tonschöpfers, aber\nausgezeichneten Clarinettisten Anton Stadler componirte\nClarinett-Quintett von Mozart, ferner die für das Horn\nsehr schwierige, in der Erfindung und Form gleich schöne\nHorn-Sonate Op. 17 von Beethoven, und endlich das me-\nlodisch und harmonisch reiche, in der Form weit ausge-\nsponnene Octett für zwei Violinen, Viola, Violoncell, Con-\ntrabass, Clarinette, Horn und Fagott von Schubert, mit-\nhin drei Meisterwerke, gegen welche auch der spitzfindig-\nste Kritiker nichts einwenden konnte. Die Ausführung\nentsprach vollkommen den Intentionen der grossen Ton-\ndichter, und besonders heben wir hervor, dass mit vor-\nzüglicher Meisterschaft das Schubert'sche Octett zur Gel-\ntung kam und Herr Landgraf auch in dem Mozart'schen\nClarinett-Quintette wiederum alle glänzenden Eigenschaf-\nten eines Clarinettisten ersten Ranges entfaltete und durch\nseinen seelenvollen Ton die Zuhörerschaft begeisterte.\n(Schluss folgt.)\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\n*** Ijeipzig. Wohl selten hat sich eine Gesellschaft so\nschnell und ungetheilt die vollen Sympathieen Leipzigs errungen,\nals in jüngster Zeit die immer fröhlicher emporblühende und mehr\nund mehr erstarkende musicalisch-declamatorische Gesellschaft An-\ndante-Allegro. Wie sehr sie dieser allgemeinen Sympathie in voll-\nster Weise würdig ist, bewies der Abend des 18. Juli, an dem Tau-\nsende nach dem „Tivoli\" strömten und gewiss Jeder von ihnen seine\nErwartungen, in dem erschütternden Ernste der Gegenwart ein paar\nschöne, erhebende Abendstunden zu verleben, noch überboten fand.\nEs wird uns zur angenehmsten Pflicht, dem Präsidenten und den\nVorstehern der Gesellschaft, den Herren Hofrath Prof. Dr. Oswald\nMarbach, Opern-Regisseur Becker, Dr. Oscar Paul, so wie\nallen mitwirkenden Künstlern und dem „Pauliner Sängerverein\"\nöffentlichen Dank auszusprechen. Den herrlichsten Lohn hat ihnen\ndie Erfüllung ihres edlen Zweckes, die so überaus reich ausgefallene\nSammlung (458 Thlr. 13 Ngr. 7 Pf.) für verwundete Krieger und\nihre Familien gebracht. Der „Paulus\" unter seinem hochverdienten\nDirigenten Dr. Langer, dessen Pult bekränzt war, die gefeierten\nSängerinnen Blaczek und Dumont, die Herren Schild (Mitglied\ndes Vereins), Rafalsky und Hessler (Mitglied des Vereins) und\ndie verehrten Tonkünstler, Meister auf ihren Instrumenten, führten\ndas Programm durch. Es enthielt unter Anderem: Variationen für\nzwei Pianoforte von R. Schumann, Lieder von Schumann und Men-\ndelssohn, von Kreutzer und Reinecke; Gedicht von Victor Hugo,\nübertragen von Oswald Marbach, gesprochen von Herrn Hessler;\nInstrumental-Septett von Beethoven; Lieder von Kirchner. Den\nSchluss des ersten Theiles bildete das die folgende Sammlung ein-\nleitende Gedicht von Oswald Marbach, von ihm selbst mit zün-\ndender Begeisterung vorgetragen, in welchem es hiess:\nDas ist kein Krieg, wie andre Völker schlagen,\nNicht gilt es, Ruhm und Beute zu erjagen;\nWo Deutsche mit einander ringen,\nDa streben sie nach höhern Dingen.\nEs gilt dem ganzen heiFgen Vaterlande,\nWie's zu erlösen von dem Zauberbande,\nDas dumpf danieder hält sein Streben,\nZu voller Grösse sich zu heben.\nEin Gottesurtel soll der Kampf uns bringen,\nDen Weg uns zeigen, wie es mag gelingen,\nGlorreicher Zukunft goldne Zeiten\nDem Vaterlande zu bereiten.\nWir kämpfen voller Gluth und voller Eifer,\nDoch ohne Zorneswuth und Hassesgeifer,\nDenn der Besiegte wie der Sieger\nSind Brüder, Eines Landes Krieger.\nDoch hoch auflodern deutschen Zornes Flammen,\nIn Einer Lohe schlagen sie zusammen,\nWagt es der Fremde, uns zu necken,\nNach deutschem Land die Hand zu strecken!\nAm 6. August veranstaltete zu Ehren des Violin-Virtuosen,\nHerrn Concertmeisters Auer aus Düsseldorf, dieselbe Gesellschaft\neinen Abend im Saale des Hotel de Pologne, wo die zahlreiche,\nvon einem schönen Damenflor umrahmte Zuhörerschaft die Gelegen-\nheit fand, Herrn Auer nach zwei Seiten hin, nämlich als Quartett-\nund Solospieler bewundern zu können. Bei der Reproduction von\nBeethoven's Streich-Quartett G-dur Op. 18, welches Herr Auer mit\nden Herren 801 l and I. (Violine II), Brand (Viola) und\n(Cello) im vortrefflichen Zusammenspiel vortrug, lernten wir die\neminente Meisterschaft dieses jugendlichen Siegers auf dem Felde\nder Kunst genügend kennen, und die begeisterten Zurufe, die enthu-\nsiastischen Acclamationen des Publicums werden ihm bewiesen ha-\nben, wie er sich im Sturme alle Herzen eroberte. Dessgleicken\nhörte nach dem so genialen Solo-Vortrage einer Ballade und Polo-\nnaise von Vieuxtemps das Publicum nicht eher mit Beifalls-Kund-\ngebungen auf, bis Herr Auer noch ein Adagio zugab.\nDer Vossischen Zeitung in Berlin wird geschrieben: „Der Ge-\nsangverein zu Görlitz hatte sich an den Vorstand der dresdener\nSing-Akademie um Uebersendung der Partitur und Stimmen zu\neinem Requiem gewendet eine Bitte, die bekanntlich unter An-\nnahme der Gegenseitigkeit von allen Musikvereinen gewährt zu\nwerden pflegt. Dieses Mal antwortete der Vorstand in Dresden:\ndie Haltung, welche Preussen gegenüber Sachsen anzunehmen für\ngut befunden, mache einen ferneren freundschaftlichen Verkehr un-\nmöglich, und man möge sich für die Zukunft nicht wieder an die\ndresdener Sing-Akademie wenden. [Ergebniss des grossen deut-\nschen Sängerfestes in Dresden im vorigen Jahre!]\nWieil. Offenbach befindet sich seit einigen Tagen hier,\num den Proben seiner Operette „Blaubart\", die Ende September im\nTheater an der Wien zur Aufführung kommen soll, beizuwohnen.\nDer Maestro beabsichtigt, die Cur in Baden zu gebrauchen.\nUeber das Gesangsfest in Louis vi 11 e zu Anfang des August\nenthält die „Neue New-Yorker Musik-Zeitung\" unter Anderem Fol-\ngendes : In dem grossen Kampfe um die materiellen Interessen, wel-\nchen dieses Land fortwährend durchzumachen hat, müssen Feste,\ndie sich die Aufgabe stellen, einzig und allein der Geselligkeit, der\nHintansetzung der geschäftlichen Rücksichten, der Förderung musi-\ncalischer Interessen zu dienen, gewiss als höchst befriedigende An-\nhaltspunkte der Beobachtung betrachtet werden. Ob bei dem so eben\nin Louisville Statt gefundenen Feste diese Aufgabe gelöst wurde,\nwollen wir vor der Hand dahingestellt sein lassen. Genug, dass das\ngrosse Publicum, und namentlicher americanische Theil desselben,\num dessen Humanisirung es sich bei diesen Gelegenheiten ja he-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "280", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660901-01.1.8", "texte": "kanntlich handeln soll, das Resultat des Festes als ein höchst be-\nfriedigendes ansah. Die Americaner erblickten in all diesen Aufzü-\ngen, in all diesen oft wunderlichen Kundgebungen der Freude nur\nSymbole der Brüderlichkeit, Einigkeit und allgemeinen Menschen-\nliebe. Die Armen! Sie wussten nicht, dass von vielen der beim Feste\nBetheiligten das Fest von vorn herein nur als ein Kampf zwischen\ndem Westen und dem Osten betrachtet wurde, als ein Tummelplatz3\nauf welchem alte, imaginäre Beleidigungen gerächt werden konnten.\nOder wie können wir uns anders den Umstand erklären, dass, kaum\nnachdem das Resultat der Berathung einzelner Preisrichter bekannt\nwurde, sofort die meisten westlichen Blätter in Exclamationen, wie\ndiese, ausbrachen: „New-York geschlagen, der Westen hat gesiegt.\"\nWunderbarer Sieg, der merkwürdiger Weise die W'elt nicht aus ih-\nren Fugen gelöst hat! Leider müssen wir dem Gebahren vieler Sän-\nger zufolge annehmen, dass sie sich selbst jetzt noch zu dieser An-\nsicht bekennen. Sie scheinen noch jetzt zu glauben, dass die unge-\nheure Thatsache, dass in Louisville einige zwanzig vierstimmige\nLieder gesungen wurden, und dass ein Lied besser gesungen worden\nsein soll, als alle übrigen dass dieses grossartige Ereigniss nicht\nbloss die musicalische Kunst um einige Jahrzehende voranschreiten\nlässt, sondern auch alle übrigen Interessen der Welt weit in den\nSchatten stellt. W7as ist die so eben vollendete telegraphische Ver-\nbindung Europa's und America's gegen dieses Factum! Das Kabel\nist nichts und könnte höchstens nur dann einige Bedeutung erhal-\nten, wenn man es dazu benutzte, der europäischen Welt den „Sieg\ndes Westens über den Ostenu mitzutheilen. In Deutschland herrscht\nwieder Friede was ist dies gegen den in Louisville erfochtenen\n„Sieg des Westens über den Osten\"? Nun, die Zeit ist die beste\nAufklärerin und Trösterin, und hoffentlich werden sich unsere\nHerren Sänger, ob im Osten oder Westen, bald so weit abgekühlt\nhaben, um zu der Einsicht zu gelangen, dass es dennoch höhere\nmusicalische und andere Interessen gibt, als die, welche bei diesem\nFeste zur Sprache kamen. Es ist wirklich Zeit, dass diese Einsicht\neinige Verbreitung unter den Sängern erhalte. Wir wissen recht\nwohl, dass wir mit diesem Ausspruche manchen Anstoss bei den\nSängern erregen werden; aber wenn diese Zeitung wirklich den\nGesangvereinen nützen soll, so kann sie es nur dadurch, dass sie\ndas ausspricht, was sie für wahr und gerecht ansieht. Und hier\nwollen wir denn aufs Neue wiederholen, was wir schon oft ausge-\nsprochen haben: „Könnt Ihr diese Feste nicht zu wirklichen Musik-\nfesten machen, wie wir sie in Deutschland und in England in gross-\nartigem Maassstabe haben, so gebt sie lieber auf.\" Wie sie jetzt\nsind, fördern sie niehts weiter, als Streit, Uneinigkeiten aller Art.\nMit der musicalischen Kunst hat diese Absingerei von Abt'schen\nund Liedern selbst besserer Componisten wenig oder nichts zu thun.\nEin anderes Blatt sagt: Endlich ist die Herkules-Arbeit vor-\nüber! Arbeit für Jeden, zwanzig Chöre anhören zu müssen, von\ndenen beinahe drei Viertel nicht anzuhören sind! Die Art und\nWeise des jetzigen Systems des Preissingens ist eine Nuisance, und\nder Profit für die Kunst weniger als Null. Die Ungleichheit der\nStärke der Chöre, die mehr oder minder schwierige Ausführung\neiner Composition erschweren auch das Urtheil, und zudem liebt man\nes, Piecen zu wählen, in denen eine zufällig in einem Chor vor-\nhandene gute Stimme durch ein Solo das Ganze herausbeissen soll.\nEs ist kein Maassstab für die Befähigung, aufzutreten, eingeführt.\nDie Courtoisie lässt eben nicht zu, einen Verein, der so viele Hun-\ndert Meilen hergefahren, vom Mitsingen auszuschliessen; dafür hat\nman das Vergnügen, das „Deutsche Lied\" von jämmerlichen Stim-\nmen in noch jämmerlicherer Ausführung maltraitirt zu sehen. Da\ngibt es Vereine, die Lieder wählen, welche für ihre Kräfte durch-\naus nicht passen; andere langweilen durch eine erschlaffende Senti-\nmentalität; andere suchen ihr Piano in einem Gemurmel oder in\neiner Art von Summen; sieben Achtel und noch darüber detoniren\nregelmässig an einigen Stellen. Andere wieder repetiren dasselbe\nLied, das sie nicht singen können, wenigstens drei Mal, und bei\nden wenigsten ist die Harmonie der Stimmen eine gleichmässige.\nDas Uebergewicht dieser oder jener Abtheilung und dieser oder je-\nner einzelnen Stimme ist einer der am häufigsten vorkommenden\nFehler."}]}