{"numero_id": "bm-bmtnabi-1866-09-22-01", "volume": "bmtnabi_1866-09-22_01", "ocr_sha256": "c5ec83b131aaf39434117d0d62d8ef547bc7e018d925d015edc6c309e27f1819", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1866/09/22_01/bmtnabi_1866-09-22_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660922-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1866-09-22-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-09-22_01#c001", "volume": "bmtnabi_1866-09-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "297", "page_fin": "297", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660922-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "297", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660922-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 377, "texte": "Inhalt.\nDie Musik in Holland. 111. Johann Heinrich Lübeck (Biographie). Von L. Bischoff. O. Jahn's gesammelte Autsatze\nüber Musik. Aus Berlin (Theater Fräulein Grün Frau Eiswaldt Italiänische Opern-Gesellschaft). Von G. E. Schule des\nhöheren Clavierspiels in Berlin, Tages- und Unterhaltungsblatt (Hannover, über das Hoftheater Wien, der Komiker Fritz\nBeckmann f Berichtigung.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-09-22-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-09-22_01#c002", "volume": "bmtnabi_1866-09-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "297", "page_fin": "300", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660922-01.2.2", "titre_corps": "Die Musik in Holland.", "titre_sommaire": "Die Musik in Holland.", "signature_source": "L. 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Sein Vater, ein tüchtiger Musiker von altem Schrot\nund Korn, zog bald nach Heinrich's Geburt nach Wesel,\nwo er bis zu seinem Tode den Wirkungskreis eines Stadt-\nmusicus ausfüllte, der ohne eigentliche Anstellung eine\nArt von Principat über die in Wesel weder zur altpreussi-\nschen, noch zur französischen Zeit zahlreich vorhandenen\nMusiker erworben hatte, welches er auch, nachdem die\nStadt und Festung seit 1815 ein militärisches Musikcorps\nbesass, so lange noch zu behaupten wusste, bis ihm sein\nvorgerücktes Alter das persönliche Eingreifen in das Mu-\nsikmachen untersagte.\nBei einer zahlreichen Familie und spärlichem Einkom-\nmen konnte er auf die Erziehung seiner Söhne ausser dem\nHause nur wenig oder gar nichts verwenden, so dass auch\nHeinrich, der älteste von vier Brüdern, die Grundlage sei-\nner allgemeinen Bildung nur dem gewöhnlichen Unter-\nrichte der Elementarschule, ihre Vervollständigung aber\nganz und gar seinen natürlichen Anlagen und seiner eige-\nnen strebsamen Thätigkeit verdankte.\nSein Vater glaubte genug zu thun, wenn er ihn für\nseinen Beruf und zu seinem Nachfolger ausbildete, und da\nihn das Talent Heinrich's und die unglaubliche Leichtig-\nkeit, mit welcher sich der Knabe eine gewisse Fertigkeit\nauf verschiedenen Instrumenten aneignete, noch besonders\ndazu aufforderten, so setzte er den Unterricht mit Eifer\nund mit derjenigen Strenge durch, von der die Musicanten-\nLehrlinge des vorigen Jahrhunderts nachzusagen wussten.\nSo machte Heinrich Lübeck in jeder Hinsicht eine harte\nSchule sowohl im Leben, als in der musicalischen Bildung\ndurch, welche ihm jedoch in doppelter Hinsicht Früchte\ntrug, indem sie in ihm Charakter und Willenskraft, um\nfrüh auf eigenen Füssen stehen zu können, stärkte und\nihm in Bezug auf das Handwerk der Kunst eine Grund-\nlage gab, die ihn vor Einseitigkeit bewahrte und ihm eine\npraktische Tüchtigkeit als Musiker verschaffte, welche ihm\nspäter als Dirigent und Componist ganz vortrefflich zu\nStatten kam. Denn schon in seinem siebenzehnten Jahre\nwar er auf allen Orchester- und Militärmusik-Instrumenten\nzu Hause, und obwohl er auf der Clarinette und der Flöte\nviel leistete, auch auf dem Horn geschickt war, fühlte er\nsich doch vorzugsweise zur Violine hingezogen und wid-\nmete alle Zeit, die er erübrigen konnte, diesem Instru-\nmente. Das Clavierspiel eignete er sich ohne alle Anleitung\nbis zu dem Grade an, dass er ganz gut accompagniren\nund die Uebungen eines Gesangvereins leiten konnte und\nim Partiturspiel Fertigkeit besass.\nDa sich indess sein Talent für das Violinspiel immer\nglänzender offenbarte, so wurde es mit Unterstützung\neiniger Musikfreunde möglich, ihn den Unterricht Spohr's\nund Maurer's gemessen zu lassen; in Beider Gunst be-\nfestigte er sich nach einander so sehr, dass sie kein Ho-\nnorar für den Unterricht nahmen, im Gegentheil dem\njungen Künstler noch behülflich waren, sich durch Stun-\ndengeben den nöthigsten Unterhalt zu verdienen, denn auf\nBosen war Lübeck während seiner ganzen Jugend- und\nersten Mannesjahre nicht gebettet.\nUm seiner Militärpflicht zu genügen, trat Lübeck beim\nGarde-Regimente zu Potsdam als Clarinettist im Musik-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "298", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660922-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5209, "texte": "corps ein. Sehr bald wurden seine Vorgesetzten auf solch\neinen Violinspieler beim Regimente stolz, und die musi-\ncalischen Cirkel der Stadt hiessen ihn gern willkom-\nmen. Damals schon lernte er seine nachherige Gattin,\ndie zweite Tochter des Militär-Waisenhaus-Inspectors\nSeyffert, eines Musikfreundes und Dilettanten auf dem\nVioloncell, kennen. Freilich wagten Beide kaum, sich\neinander selbst ihre gegenseitige Zuneigung zu gestehen,\nda die Hoffnung auf eine dereinstige Vereinigung in weite\nFerne gerückt war und es beiden Schwestern, welche\ndie Natur durch die Gaben der Anmutb und Liebens-\nwürdigkeit begünstigt hatte, nicht an Bewerbern fehlte,\nmit deren Stellung Lübeck sich nicht messen konnte\ndie älteste, eine wahrhaft junonische Gestalt, heirathete\num jene Zeit den Obersten von Perbandt, nachmaligen\nGeneral und Commandanten von Wesel —, und so musste\nder stille Bund ein geheimer bleiben, bis nach einer Reihe\nvon Jahren, während deren trotz zeitweise langer Tren-\nnung Beide die Treue bewahrten, ein günstigeres Geschick\nihre Beharrlichkeit krönte.\nNach vollbrachter Ablösung seiner Dienstzeit beim\nMilitär verliess Lübeck Potsdam und machte eine Kunst-\nreise durch den Norden von Preussen, auf welcher er sich\nin den bedeutenderen Städten, wie Stettin, Königsberg,\nDanzig, später auch in Berlin, mit grossem Beifalle hören\nliess und einen ehrenvollen Ruf als ausgezeichneter Con-\ncertspieler und gediegener Quartettspieler erwarb. Um\neine sicherere Einnahme zu erlangen, nahm er die Musik-\nDirector-Stelle bei dem Theater in Danzig an; auch bei\neiner oder vielleicht zwei anderen Bühnen ob auch in\nRiga, erinnere ich mich nicht mehr mit Bestimmtheit\nwar er in derselben Function. Diese Stellungen waren für\nihn von grossem Vortheil für die Ausbildung seines Di-\nrections-Talentes, wie es denn überhaupt keine Frage ist,\ndass die wahre Schule für den Concert-Dirigenten die-\njenige ist, die er am Orchester-Pulte des Theaters durch-\nmacht.\nNachdem er auf diese Weise mehrere Jahre im Nor-\nden gelebt und gewirkt hatte, kam er im Anfange der\nzwanziger Jahre (um 1824) wieder nach Wesel. Die\nHeimath am Rheine wieder zu sehen, seinen Vater und\nseine Geschwister, für deren Erziehung er aus weiter\nFerne die liebevollste Sorge getragen, wieder zu begrüs-\nsen, war lange sein innigster Wunsch gewesen, und der\nstärkste Magnet mochte wohl die Liebe sein: denn mitt-\nlerweile war der Oberst von Perbandt Commandant von\nWesel geworden, der alte Herr Seyffert hatte seine Pen-\nsion genommen und mit seiner zweiten Tochter Wesel\nebenfalls zu seinem Aufenthaltsorte gewählt. Diese Ver-\nhältnisse wurden auch auf Lübeck's Künstler-Zukunft so\neinflussreich, dass sie hier zu erwähnen sind, weil er ohne\ndieselben wahrscheinlich nie nach Holland gekommen\nwäre.\nWesel war natürlich nicht der Ort, welcher einem\nKünstler wie Lübeck einen befriedigenden Wirkungskreis\nbieten konnte. Freilich war ein so ausgezeichneter Geiger\nund Musiker eine Hauptstütze des Orchesters, dessen\nHauptbestandtheil die Capelle des kÖnigl. 17. Infanterie-\nRegiments bildete. Allein obschon Lübeck als Künstler\nund Mensch und als persönlicher Freund mir vor Allen\nlieb und theuer geworden und seine Mitwirkung in den\nConcerten und den Aufführungen einiger Oratorien (z. B.\n„Die Schöpfung\", „Samson\" u. s. w.), welche ich damals\ndirigirte, unschätzbar war, so drang ich dennoch darauf,\ndass er eine ausgedehntere und lohnendere Wirksamkeit,\nzu welcher er vollkommen befähigt war, anstreben müsse,\nund bestärkte ihn in seinem Entschlüsse, diese Wirksam-\nkeit in Holland zu suchen, wo er sie dehn auch in vollem\nMaasse fand.\nAber nicht sogleich: denn in Amsterdam, wohin er\nging, musste er wiederum einmal eine harte Zeit durch-\nmachen, da seine Ersparnisse durch Unterstützung seiner\nGeschwister und den Aufenthalt in Wesel darauf gegan-\ngen waren. Er sah sich genöthigt, eine Stelle im Orche-\nster des Theaters anzunehmen, und die Musikfreunde, an\ndie er empfohlen war, konnten ihm bei dem besten Willen\nnur einige wenige Unterrichtsstunden verschaffen.\nAllein es währte nicht lange, und sein Ruf als ausge-\nzeichneter Violinspieler und Musiklehrer drang aus den\nengeren Kreisen der Dilettanten in die dortige musicali-\nsche Welt und durch sein Solospiel in den Concerten von\nAmsterdam und den bedeutendsten holländischen Städten\nauch weit über diese hinaus, so dass er, als im Jahre\n1827 im Haag die königliche Musikschule errichtet wurde,\nzum Director derselben und bald darauf auch zum Capell-\nmeister der königlichen Capelle ernannt wurde. In dieser\nglänzenden Stellung, die er ganz allein seinem persönlichen\nVerdienste verdankte, besuchte er im folgenden Jahre\nseine Vaterstadt wieder und kehrte als glücklicher Gatte\nnach dem Haag zurück.\nUeber seine amtliche Wirksamkeit, welcher er sich\nin der Musikschule unausgesetzt bis an seinen Tod wid-\nmete, während er sich, als man die königliche Capelle\naus Sparsamkeitsgründen eingehen liess, in den letzten\nJahren von der Direction der Diligentia-Concerte zu-\nrückgezogen hatte, und über seinen Einfluss auf die\nmusicalischen Zustände in Holland lassen wir einen\nHolländer selbst sprechen, welcher ihm in der Musik-\nZeitung „Cacilia\"(lB6s, Nr. 4) folgenden Nachruf ge-\nwidmet hat:"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "299", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660922-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5312, "texte": "„Am 7. Februar 1865 starb zu s'Gravenbage, bei-\nnahe 66 Jahre alt, Johann Heinrich Lübeck, der Mann,\nder lange Zeit an der Spitze der Tonkunst in der Residenz\nund in Niederland stand und der während beinahe vierzig\nJahren einen unbestreitbaren Einfluss auf die vaterländi-\nschen Kunstzustände geübt hat. Mit ausführlicher und\nprunkender Rede seinen Hintritt zu begleiten, hiesse sei-\nnem Andenken zu nahe treten, da der so einfache und\nbescheidene Künstler in der Erfüllung seines Berufes, ohne\ndamit Aufsehen zu erregen, sein Glück fand und von Re-\nclame und Effectmacherei himmelweit entfernt war. Dess-\nhalb wollen wir nur einen flüchtigen Blick auf das werfen,\nwas er für die Kunst gethan.\n„Seit der Zeit, als er an die Spitze der Musikschule\nund der königlichen Capelle berufen worden, ist er mit\nunermüdetem Eifer und beinahe ununterbrochen als Leh-\nrer und Orchester-Director thätig gewesen und hat bis zu\nseinem Ende seine Kraft und Arbeit der Förderung der\nTonkunst dienstbar gemacht. Was er als Lehrer gewirkt\nhat, davon zeugen so Viele, die jetzt in der niederländi-\nschen Kunstwelt einen ersten Rang einnehmen und unter\nseiner Leitung die Grundlage zu ihrer künstlerischen Aus-\nbildung gelegt haben, und davon zeugt auch der gute\nRuf, welchen die haag'sche Musikschule lange auch im\nAuslande genossen bat. Als Lehrer erzielte er vor Allem\ndie musicalische Bildung der Schüler und strebte vorzüg-\nlich danach, in ihnen ein künstlerisches Bewusstsein zu\nwecken und zu nähren, und es ist Thatsache, dass meh-\nrere von seinen Schülern, die später wohl eine noch voll-\nkommenere technische Ausbildung in den Conservatorien\nvon Paris oder Brüssel suchten, durch ihre allgemeine\nmusicalische Bildung bei den Prüfungen ihre Mitbewerber\nübertrafen.\n„Mit nicht geringerem Eifer, als für den Kunst-Unter-\nricht, wirkte er auch für die Erweckung und Entwicklung\ndes Musiklebens in der Residenz. Als Director der könig-\nlichen Capelle, der Diligentia-Concerte und der haag'schen\nAbtheilung des Vereins zur Beförderung der Tonkunst,\nwelchen ins Leben zu rufen ihm mit anderen Musikfreun-\nden gelang und dessen Mitglied von Verdienst er war,\nbrachte er die Concert-Aufführungen und den Chorge-\nsang auf eine hohe Stufe der Trefflichkeit, und der fei-\nnere und gebildete Geschmack, der vor einigen Jahren\nbeim Publicum im Haag gefunden wurde, war grössten-\nteils das Werk seines überwiegenden Einflusses. Wäh-\nrend er bis an seinen Tod die amtliche Thätigkeit als Di-\nrector des Conservatoriums fortsetzte, hatte er vor einigen\nJahren aus Gesundheits-Rücksichten die Concert-Direction\njüngeren Kräften anvertraut und sich nur die Direction\nder Concerte des Vereins für Beförderung der Tonkunst,\ndessen Vorsitzender er war, vorbehalten.\n„Dem Eifer und der Gewissenhaftigkeit, mit denen\ner seine Amtspflichten erfüllte, brachte Lübeck gar man-\nches Opfer, besonders in Bezug auf den Wunsch und das\nVermögen, sieb auch als Compcinist geltend zu machen.\nDenn dass er auch für das Schaffen von Musikwerken ein\naussergewöhnliches Talent besass, davon zeugen die Compo-\nsitionen, die wir von ihm besitzen. Zahlreich sind sie nicht,\ndenn es war ein nicht genug zu schätzender Charakterzug\nLübeck's, die Sucht, als Componist zu glänzen, der Ueber-\nzeugung zu opfern, dass ihm seine Stellung gebiete, haupt-\nsächlich als Lehrer und Vorbild und als Dirigent zu wir-\nken. Seine Compositionen verdanken daher meist äusseren\nVeranlassungen und Aufforderungen ihren Ursprung, be-\nweisen aber trotzdem durch ihren künstlerischen Gehalt,\ndass sie mehr sind, als Gelegenheits-Compositionen. Dahin\ngehören die Fest-ouverture mit Chor für das nieder-\nländische Musikfest 1834; der 47. Psalm (mit deut-\nschem Texte) für Soli, Chor und Orchester zum Musik-\nfeste 1842*); die Fest-Cantate zur Hochzeitsfeier des\nErbprinzen, jetzigen Königs Wilhelm III.**); die Fest-\nCantate zur Jubelfeier von Hollands politischer Herstel-\nlung (aufgeführt den 13. November 1863). Alle diese\nCompositionen zeichnen sich durch grossartige Auffas-\nsung, talentvolle Erfindung und Meisterschaft in der Form\naus***).\n„Legte ihm nun seine Thätigkeit auch manche Opfer\nauf, so brachte sie ihm doch auch viele Freude und Ehre;\nFreude dadurch, dass er so manches Talent zum Künstler\nbildete und dass seine Schüler mit Liebe an ihm hingen\nund seine Mitbürger und Kunstgenossen ihm die höchste\nAchtung darbrachten. Ehrende Anerkennungen wurden\nihm zu Theil als Zeichen, dass auch der König und die\nRegierung seine Verdienste um die Kunst in Holland zu\nwürdigen wussten. Nach dem ersten niederländischen\nMusikfeste, welches er im Jahre 1834 dirigirte, erhielt\ner eine goldene Ehren-Denkmünze mit dem Bildnisse des\nKönigs; 1842, bei dem vierten Musikfeste, das Ritter-\nkreuz des Löwen-Ordens, und nach dem fünfundzwanzig-\njährigen Bestehen der Musikschule die grosse goldene Me-\ndaille für Kunst und Wissenschaft.\n\n*) Gedruckt und herausgegeben im Haag bei Wijgand und\nLefebre.\n**) Herausgegeben ebendaselbst.\n***) Ausserdem sind in Deutschland von Lübeck mehrere Lie-\nder, ferner drei Solo stücke für das Horn (sehr melodiös und\ndankbar für Concert-Yortrag) erschienen; ausserdem hat er mehrere\nConcerte und Quartette für die Violine, ein Concertstück\n\\für die Oboe, ein Concert für das Violoncell, seinem Sohne\nLouis Lübeck gewidmet, u. s. w. geschrieben. L. B.\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "300", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660922-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3004, "texte": "„Ein Beweis hoher Achtung war das Zuströmen von\nAlt und Jung zu seinem Begräbnisse. Die Bestattung fiel\nzufällig gerade mit dem Jahrestage seiner Geburt, dem\n11. Februar, zusammen. Eine zahlreiche Reibe von Ab-\ngeordneten der Behörden und Kunstvereine jeder Art, von\nälteren und jüngeren Zöglingen der Anstalt, von Freun-\nden und Theilnehmenden jedes Standes bildete den Zug;\ndie Zipfel des Leichentuches hielten als Vertreter ihrer\nKunst Verhülst für die Musik, van den Bergh für die\nDichtkunst, van Hove für die Malerei, Koelman für die\nbildenden Künste im Allgemeinen; auf dem Sarge lag ein\nin schwarzen Sammt und Silber gebundenes Exemplar\nseiner Fest-Cantate, sein Dirigirstock und ein Kranz von\nImmortellen. Am Grabe legte die Sängerin Frau Offer-\nmans van Hove, seine berühmte Schülerin, noch einen\nLorberkranz auf den Sarg. Nach Beethoven's Trauer-\nmarsch sangen die Singvereine mit Begleitung von Blas-\ninstrumenten unter Nicolai's Direction Gesänge von Lü-\nbeck, Lindpaintner und einen Choral von Luther, Ritter\nHuyssen van Rattendyke, Präsident des Vorstandes der\nMusikschule, hielt eine warme Gedächtnissrede; und der\nBürgermeister vom Haag richtete im Namen des Prin-\nzen Friedrich der Niederlande einige Trostworte an die\nHinterbliebenen.\"\nIch theile diese Einzelheiten auch jetzt noch mit, weil\nsie eben so ehrenvoll für meinen verstorbenen Freund,\nals für seine haag'schen Mitbürger sind, die dadurch ge-\nzeigt haben, wie sehr sie die Verdienste eines deutschen\nKünstlers, welcher ganz und gar der Ihrige geworden\nwar, zu achten wissen. Vollkommen stimme ich in die\nSchlussworte des Verfassers des obigen Berichtes ein,\nwenn er sagt: „Es ist möglich, dass dem Menschen die\nAchtung und Liebe zu halbem Theile dargebracht wurde,\nwelche man dem Künstler zollte: ist es so, so geschah\nes mit vollem Rechte; denn wie gross auch Lübeck's Ver-\ndienste um die Kunst und den Staat gewesen sind, seine\nVerdienste als Mensch sind noch grösser.\"\nEnde Juli dieses Jahres ist dem im vorigen Jahre\nVerewigten ein marmorner Grabstein mit sinnbildlichen\nSculptur-Verzierungen und Inschriften, das Ganze von\neinem geschmackvoll gearbeiteten eisernen Gitter umge-\nben, auf dem Kirchhofe Eik-en-Duinen bei Haag von sei-\nnen Schülern errichtet und der Witwe zum Eigenthum\nübergeben worden ein Denkmal der Liebe und Dank-\nbarkeit, welches die Gesinnung der Geber eben so sehr\nehrt, wie das Andenken an den Künstler.\nLübeck hat zwei Söhne hinterlassen, auf welche sich\ndie musicalischen Gaben des Vaters vererbt haben und\ndie ihm grösstentheils auch ihre künstlerische Ausbildung\nverdanken. Der älteste, Ernst Lübeck, hat bereits sei-\nnen Ruf als Ciavierspieler ersten Ranges begründet und\nsich in Paris eine bedeutende Stellung in der musicali-\nschen Welt erworben. Der jüngere, Louis Lübeck, ist\nein ausgezeichneter Violoncellist, der eine Zeitlang am\nConservatorium in Leipzig angestellt war, neuerdings aber\ndiese Stellung aufgegeben hat und sich in Frankfurt am\nMain niederzulassen gedenkt.\n\nL. Bischoff.\nI"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-09-22-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-09-22_01#c003", "volume": "bmtnabi_1866-09-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "300", "page_fin": "301", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660922-01.2.3", "titre_corps": "O. Jahn's gesammelte Aufsätze über Musik.", "titre_sommaire": "O. Jahn's gesammelte Aufsätze über Musik.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "300", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660922-01.1.4", "debut_caractere": 3006, "fin_caractere_exclue": 5131, "texte": "O. Jahn's gesammelte Aufsätze über Musik.\nDiese Sammlung enthält in schöner Ausstattung, wie\nman sie von der berühmten Verlagshandlung gewohnt ist,\neine Reihe von dreizehn Aufsätzen über Musik, von denen\nder erste im Jahre 1841, der letzte 1864 geschrieben\nist. Ein Vorwort voranzuschicken, hat Professor 0. Jahn\nfür unnöthig gehalten, und wohl mit Recht; denn dass Ar-\nbeiten, die in verschiedenen Zeitschriften oder Tagesblät-\ntern zerstreut sind, meist unverdienter Weise dem Schick-\nsale der Tagesschriften überhaupt verfallen, ist eine zu\nbekannte Thatsache, als dass eine Sammlung derjenigen\nunter ihnen, deren Inhalt sich über das Tages-Interesse\nerhebt, einer Rechtfertigung bedürfte. Auch in Betracht\ndes Nutzens und Einflusses, den ähnliche Sammlungen auf\ndiejenigen Leserkreise haben können, für welche sie vor-\nzugsweise bestimmt sind im vorliegenden Falle auf Mu-\nsiker und gebildete Dilettanten —, wird man sie zweck-\nmässig und erspriesslich finden müssen, indem einerseits\nMusiker von Fach nicht immer so gestellt sind, dass sie\ntheure Zeitschriften halten können, andererseits eine ge-\nwöhnlich nur flüchtige Lecture in den Tagesblättern nicht\nden nachhaltigen Eindruck macht, den dergleichen kriti-\nsche und ästhetische Artikel bezwecken, da gar oft mehr\ndanach gegriffen wird, um die Neugierde zu befriedigen,\nals um Belehrung und Anleitung zu einem motivirten\nUrtheile daraus zu schöpfen.\nDie Jahn'sche Sammlung enthält eine Erinnerung an\nG. Ch. Apel, zwei Aufsätze über Mendelssohn's Paulus\nund Elias, zwei über H. Berlioz' Musik, zwei über Rieh.\nWagner's Tannhäuser und Lohengrin, drei auf Beethoven\nbezügliche („Leonore oder Fidelio?\", „Beethoven im Mal-\nkasten\", „Beethoven und die Ausgaben seiner Werke\"),\nzwei über das 33. und 34. niederrheinische Musikfest in\nDüsseldorf, und eine historische Notiz in Betreff Mozart's.\nAlle diese Aufsätze sind während der oben angege-\nbenen Jahre in verschiedenen Zeitschriften (Kieler Wo-\nchenblatt, Allg. Mus. Zeitung und die meisten in den\nGrenzboten) gedruckt worden; nur der Aufsatz über Men-\n\n*) Leipzig, Verlag von Breitkopf und Härtel. 1866. 337 S. Gr. 8."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "301", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660922-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5078, "texte": "delssohn's „Paulus\" ist als besondere Gelegenheitsschrift\nund die Abhandlung „Ueber die Ausgaben von Beetho-\nven's Werken\" ausser in den Grenzboten auch in einem\nbesonderen Abdruck erschienen. Letztere ist jedoch in\nder gegenwärtigen Gestalt, wie es uns scheint, da wir das\nOriginal nicht bei der Hand haben, vervollständigt. Die\nsämmtlichen Aufsätze wird, wer sie schon kennt, gern wie-\nder lesen, und wem sie noch nicht zu Gesicht gekommen,\nwird in ihnen mannigfache Anregung und anziehende Dar-\nstellung finden. Auszeichnen möchten wir namentlich den\nArtikel über Wagner's „Lohengrin\", der auch der um-\nfangreichste von allen ist (S. 112 —164). In welchem\nGeiste er geschrieben ist, bezeichnen beispielsweise Anfang\nund Ende. Jener lautet:\n„Die Organe der Zukunftsmusiker erfinden für die\nglücklichen Leipziger jetzt eine musicalische Aera nach der\nanderen. Kaum ist es ein Jahr, seit die Aufführung Tann-\nhäuser's eine neue Aera für die Oper begründete: seitdem\nbrach mit H. Berlioz eine neue Aera für die Gewandhaus-\nConcerte, mit Job. Brahms eine neue Aera für die Quar-\ntett-Unterhaltungen an, und schon wieder sind wir mit\ndem Lohengrin in eine neue Aera eingetreten. Hoffen\nwir, dass die musicalische Zeitrechnung durch alle diese\nAeren nicht allzu sehr in Verwirrung gerathe.\n„In der That verdient es alle Anerkennung, dass die\nTheater-Direction (in Leipzig 1854) den Aufwand an Mit-\nteln, alle Betheiligten die Opfer an Zeit und Mühe nicht\ngescheut haben, um den Lohengrin auf die Bühne zu brin-\ngen. Dass einem jeden ernstlich gemeinten künstlerischen\nStreben die Möglichkeit gegeben werde, öffentlich zu er-\nproben, wie weit es Lebenskraft und Fähigkeit, zu wir-\nken, besitze, das müssen auch die wünschen, welche etwa\nmit diesem Streben nicht einverstanden sind. Und zwar\nschon desshalb, weil auch die Kritik sich mit Erfolg nur\nan ein Publicum wenden kann, welches mit dem Kunst-\nwerke selbst vertraut ist. Wenn aber, aus was immer für\nUrsachen, sich um ein Kunstwerk ein Nimbus gebildet\nhat, als sei dasselbe eine ganz ausserordentliche, unerhörte\nErscheinung, die aus Unverstand und Missgunst dem Pu-\nblicum vorenthalten werde, so dass dieses zu dem Reize\nder Neuheit noch den des Verbotenen empfindet und in\neine sympathetische Aufregung für die verkannte Grösse\ngeräth, dann ist es vollends wünschenswert!), dass die wirk-\nliche Production das Interesse des Publicums auf das wirk-\nliche, d. h. in der Leistung des Künstlers begründete Ver-\nhältniss zurückführe. Mit dieser Anerkennung verbindet\nsich der Wunsch, dass mit gleichem Eifer auch die Werke\nernst srebender Kunstjünger auf die Bühne gebracht wer-\nden mögen, welche nicht die Protection einer einflussrei-\nchen Clique und wohlorganisirten Claque, nicht den Hei-\nLigenschein des Martyrthums, nicht die Prätention einer\nausschweifenden Verschwendung äusserer Mittel welche\nbei demjenigen Theile des Publicums, das auch in Kunst-\nsachen den Werth nach dem Preise misst, das respect-\nvolle Präjudiz erregt, das, woran man so viel wende,\nmüsse doch auch etwas werth sein in die Wagschale\nzu legen haben.\n„Hätte man es mit einer Oper zu tbun, welche sich\nmit den gewöhnlichen Ansprüchen der Gattung genügen\nlässt, so könnte man sich der undankbaren Mühe überhe-\nben, das Opernbuch im Einzelnen zu analysiren; allein da\ndasselbe die Prätention macht, als eine selbständige dra-\nmatische Dichtung zu gelten, und man die Bedeutung der\nMusik gerade in der Eigentümlichkeit des Textes gesucht\nhat, so wird es nöthig, diesen einer genauen Betrachtung\nzu unterwerfen.\"\nDen Schluss bilden folgende Zeilen:\n„Aus ünseren Betrachtungen gebt hervor, dass, wenn\nWagner gleich geschickter ist in der Handhabung der\nmusicalischen als der poetischen Technik, doch von einem\nStil seiner Musik nicht die Rede sein kann. Die erste Be-\ndingung des Stils ist Eigenthümlichkeit der Productions-\nkraft, welche man einem Manne nicht zuschreiben kann,\nbei dem man nicht nur die Einflüsse Weber's, Marsch-\nner's, Mendelssohn's, Meyerbeer's u. A. im Ganzen und\nEinzelnen nachweisen kann, sondern dessen künstlerische\nEigenthümlichkeit wesentlich darin besteht, dass eine An-\nzahl heterogener Bildungs-Elemente unserer Zeit bei ihm\nin bedenkliche Confusion gerathen sind. Ferner ist Stil\nbedingt durch die Fähigkeit des Künstlers, den künstleri-\nschen Stoff in der innersten Tiefe seiner Natur zu erfassen\nund so zu gestalten, dass das Subjective und Objective im\nKunstwerke sich durchdringe, und endlich, um diese künst-\nlerische Schöpfung zu vollziehen, durch Einsicht in die Form\nund Technik und Meisterschaft in der Behandlung derselben\nals künstlerischer Mittel zu einem künstlerischen Zwecke.\nEine aus Missverständniss und Uebertreibung hervorgegan-\ngene willkürliche Theorie bei mangelndem Sinne für Mo-\ntivirung und Gestaltung aus dem Ganzen, und eine einsei-\ntige Virtuosität, die nur äusserliche Mittel für äusserliche\nZwecke zu verwenden geschickt ist, führen nothwendig\nzur Manier, die desshalb allein eine Zeitlang täuschen\nund blenden kann, weil sie den Fehlern und Schwächen\nihrer Zeit entgegenkommt.\"\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-09-22-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-09-22_01#c004", "volume": "bmtnabi_1866-09-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "301", "page_fin": "303", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660922-01.2.4", "titre_corps": "Aus Berlin.", "titre_sommaire": "Aus Berlin.", "signature_source": "G. 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Zu einem Be-\nsuche der Vorstellung des „Robert\" verpflichtete den Re-\nferenten das Auftreten zweier Sängerinnen, von denen\nFräulein Grün vom Hoftheater zu Kassel als Alice ihre\nDebüts begann, Frau Eiswaldt vom breslauer Theater\nzum ersten Male als Prinzessin gastirte. Schon bei ihrem\nFrübjahrs-Gastspiel wurde Fräulein Grün von der musi-\ncalischen Kritik, in der Hoffnung auf ein baldiges Wieder-\nsehen, mit anerkennenden Worten verabschiedet, und es\nfreut uns, an das damals ausgesprochene Urtbeil wieder\nanknüpfen zu können. Die zwar nicht grosse, aber immer-\nhin blühende und sympathische Sopranstimme der Sän-\ngerin ist in allen ihren Registern von einer schönen Gleich-\nmässigkeit, und die technische Fertigkeit derselben so weit\nvorgerückt, um allen Zumuthungen der Aufgabe zu genü-\ngen; dazu gesellt sich ein poetisches Gefühl, das über\nblosse Correctheit und Eleganz hinaus den Vortrag aller\nOrten durch Wärme und Innerlichkeit zu vertiefen und zu\nbeseelen ströbt. Gleich in dem ersten Zwiegesange mit\nRobert und der Erzählung des Todes seiner Mutter be-\nwährten sich diese einer dramatischen Sängerin unentbehr-\nlichen Eigenschaften, noch mehr in der Romanze und\ngrossen Scene am Kreuze. Wir erinnern uns nicht, diese\netwas stark nach französischer Romantik schmeckende Si-\ntuation selbst von manchen renommirteren Sängerinnen\ngleich maassvoll umgränzt gehört und gesehen zu haben.\nFräulein Grün meidet weislich eine zu krasse Betonung\ndes leicht in Caricatur umschlagenden äusseren Effectes\nund legt den Nachdruck weniger auf eine heroische Action,\nals auf die sorgfältige Zeichnung einer reinen weiblichen\nNatur, die durch die Zumuthungen des Dämons zum Aeus-\nsersten getrieben, doch weit entfernt, den höllischen Gegner\ntrotzig herauszufordern, sich nur demüthig unter den Schutz\ndes höchsten Symbols ihrer Kirche stellt. Gewiss ist diese\nAuffassung für Gesang und Spiel die dem Charakter des\nLandmädchens angemessenere, obschon ihr durch manche\nBesonderheiten des Textes und der starkgewürzten Musik\nwidersprochen werden mag. Die Partie der Prinzessin Con-\ncentrin sich in der ungemein schwierigen Bravour-Arie\nund den krausen Fiorituren im Finale des zweiten Actes.\nMit Recht haben von je her alle Coloratursängerinnen Be-\ndenken getragen, mit dieser Arie zum ersten Male vor ein\nihnen noch unbekanntes Publicum hinauszutreten; wir\nsind daher zur Nachsicht verpflichtet, wenn Frau Eis-\nwaldt nur zur Hälfte den Anforderungen der Gesangs-\nkenner genügte. Die Stimme der Sängerin, einer Schülerin\nder verstorbenen Gesanglehrerin Frau Zimmermann, be-\nwegt sich mit Leichtigkeit in den höheren Chorden, ver-\nliert aber im lebhafteren Tempo und in künstlicheren Fi-\ngurationen jenen Schmelz des Klanges, welcher Frau Eis-\nwaldt überall da, wo sie sich zur Tonbildung einige Zeit\nlassen kann, zu Gebote steht. Alle raschen Passagen litten\nan einer gewissen Trockenheit des Tones, die freilich wie-\nder dem Staccato, wo es anwendbar war, zu Gute kam.\nIm langsam getragenen Gesänge hatte Frau Eiswaldt\nschöne Momente, und zweifeln wir nicht, dass es ihr ge-\nlingen werde, in dieser Richtung lebhaftere Anerkennung\nzu erwerben. Vor den chromatischen Zwischentönen, durch\nwelche die Sängerin, wie manche moderne Violin-Virtuo-\nsen, von der vorletzten Note in den Grundton zurückge-\nlangt, müssen wir sie ernstlich warnen. Die Manier gehört\nzu den grössten Unarten des heutigen Instrumental- und\nVocal-Vortrages und ist nur in seltenen Fällen, wo es auf\ndie Charakteristik eines leidenden Gemüthszustandes an-\nkommt, erlaubt.\nDer Referent der Neuen Preuss. Zeitung sagt über\nFräulein Grün: „Fräulein Grün hat bereits bei ihrem Gast-\nspiele im April d. J. ihre öffentliche Prüfung für ein En-\ngagement an der königlichen Oper gut bestanden. Unter\nihren damaligen Gastrollen befand sich auch die Alice, und\nsie erneuerte gestern als solche ihre durchgreifende Wirkung\nvorzüglich im dritten Acte, in der grossen Scene am Kreuze.\nIhre frische, kernige Stimme hat Saft und Kraft, sie zeigt\nsich den tonverschlingenden Anforderungen des Opern-\nhauses völlig gewachsen, besonders die mittleren und tie-\nfen Töne sind von schönem, klarem und rundem Klange.\nAuch in der Höhe erreicht die Stimme mühelos das drei-\ngestrichene C; doch thut hier noch eine feinere Läuterung\ndes schmetternden Metalles, eine zartere Behandlung des\nschätzbaren Materials noth, um die natürliche und\nkünstlerische Seite ihres Gesanges ins Gleichgewicht\nzu setzen. Diese noch fehlende künstlerische Geschliffen-\nheit lässt sich jedoch durch Fleiss und Uebung nachholen,\nwogegen eine von Natur schwache Stimme sich durch\nkeine Künstelei ergänzen lässt. Zu den reichen Tonmitteln\ndes Fräuleins Grün, welche aus einem gesunden Kerne\nkräftig erblühen, gesellt sich eine nicht gewöhnliche dra-\nmatische Begabung. Es atbmet inneres Leben in ihrem\nVortrage, es ist Geist und Seele in ihrem Gesänge, sie\nwähnt nicht, auf der Opernbühne Alles gethan zu haben,\nwenn sie die musicalische Aufgabe des Componisten nach\nder technischen Seite hin correct löst, sondern versenkt sich\nmit Gefühl, Phantasie und Verstand in das Herz der dra-\nmatischen Tongestalt, in den Sinn der Situation. Sie setzt\nnicht nur ihre Stimme, sondern ihre ganze Persönlichkeit"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "303", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660922-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4496, "texte": "an das Kunstwerk, das der Opernsänger eben so wie der\nSchauspieler seinem Auditorium vor Ohr und Auge stellen\nsoll. Erscheint er doch im anderen Falle immer nur als\nein Virtuose, der sich aus dem Concertsaale auf die Bühne\nverirrt hat. Fräulein Grün singt mit einer Deutlichkeit der\nAussprache, die jeden erfreuen muss, der in der Oper nicht\nallein Töne, sondern auch Worte hören, dramatische Poesie\nund Musik im klaren Einklänge vernehmen will. Wer die\nOper als musicalisches Drama begreift, der wird sie wie\njedes Drama auch künstlerisch auf der Bühne verwirklicht,\ndas Werk des Dichters und Componisten in Leib und Le-\nben ausgestattet sehen wollen. Keine an sich noch so schöne\nStimme, keine noch so brillante Virtuosität thut es in dem\nmusicalischen Drama allein; das Publicum fühlt sich auf\ndie Dauer doch nur zu jenen Sängern und Sängerinnen\nhingezogen, welche die Composition seelenvoll beleben,\ndas Musicalische und Dramatische wie zwei Wogen eines\nStromes zusammenschlagen lassen. Zu diesen bevorzugten\ndramatischen Künstler-Naturen glauben wir Fräulein Grün\nzählen zu dürfen, und je mehr sie selbst an ihrer Fortbil-\ndung arbeitet, um ihren Gesang von manchen noch anhaf-\ntenden materialistischen Schlacken zu läutern, desto nutzba-\nrer wird ihre gesunde, volle Stimme, so wie ihr dramati-\nsches Talent für die königliche Oper werden. Das Publi-\ncum ehrte sie namentlich im dritten Acte mit unmittelba-\nren Beifallszeichen, es rief sie nach dem Duett und Terzett\nmit allgemeiner Zustimmung hervor.\"\nDen 14. September 1866.\nNachdem die italiänische Opern-Gesellschaft\ndes Herrn Gotti im Victoria-Theater längere Zeit mit den\nWiederholungen des Trovatore zugebracht, folgte die Auf-\nführung der Traviata. Auch hier hatte das Personal einen\nschweren Stand, indem die Traviata schon seit einer Reihe\nvon Jahren zu dem stehenden Repertoire der königlichen\nOper gehört und wir die Bounetti, Artöt und Orgeni wie-\nderholt in der Titelrolle gesehen haben, während die übri-\ngen Rollen den trefflichsten Kräften unserer heimischen\nBühne anvertraut sind. Im Ganzen haben wir durch die\nAufführung der Traviata keinen anderen Eindruck em-\npfangen, als derjenige war, den wir über das Unternehmen\nin der Münzstrasse bereits ausgesprochen. Gutes und\nSchlechtes wogt chaotisch durch einander, und man weiss\nnicht, soll man sich mehr über einzelnes Gelungene, be-\nmerkenswerth Hervortretende freuen, oder an der Nach-\nlässigkeit und Sorglosigkeit, an der das Ganze leidet, Aer-\ngerniss nehmen. Signora Sarolta, deren Stimme uns übri-\ngens nicht so wohlklingend erschien, wie im Trovatore. ist\nimmer eine kunstgebildete Sängerin und versteht sich eben\nsowohl auf wirkungsvolle musicalische Phrasirung, als auf\ndie dramatische Darstellung eines Charakters; ihre Er-\nscheinung und ihr Gesang im letzten Acte namentlich, wo\nsie die Fieberkranke, dem Tode mit raschen Schritten\nEntgegeneilende, zwischen hoffnungsloser Verzweiflung und\ngränzenloser Seligkeit hin und her Schwankende darzu-\nstellen hat, war, obschon nach unseren Begriffen allzu na-\nturwahr, doch tief ergreifend, und liess uns eine Sängerin\nerkennen, die wirklichen Beruf zur Bühne hat. Wenn man\naber, unmittelbar nachdem sie ihre A-moll-Romanze in\nkünstlerisch fesselnder Weise beendigt, einen Chor zu hö-\nren gezwungen ist, dessen wüstes Getobe auf Alles eher\nvermuthen lässt, als auf ein Residenz-Theater, so kann man\nnur die Ansicht aussprechen, dass hier alle Vorbedingun-\ngen zu einem Opern-Unternehmen fehlen; und wenn Ita-\nlien uns seine besten Sänger herschicken wollte, so müsste\nman Protest dagegen einlegen, dass ihnen ein solcher Chor\nund, fügen wir hinzu, ein so unvollständig besetztes, aus\ntheilweise so unzureichenden Rräften bestehendes Orche-\nster zur Disposition gestellt wird. Und nun sind es doch\nnicht einmal italiänische Sänger ersten Ranges, sondern\nnur solche, die neben manchen Fehlern auch einzelne gute\nEigenschaften haben; da ist es also nicht zu verwundern,\nwenn das Publicum zurückhaltend ist. Signor Padilla\n(Vater Germont) sang etwas gemässigter, als im Trova-\ntore, und brachte seine schöne Baritonstimme mehrmals\nzu erfreulicher Geltung. Signor Andressi (Alfred) zeigte\nsich als erfahrenen, kunstverständigen Sänger mit einer\netwas trockenen und reizlosen Stimme; Signora Lombia\ndagegen konnte sich mit ihren matten, tremulirenden Tö-\nnen durch das eingelegte Trinklied aus der Lucrezia keine\ngrösseren Sympathieen bei uns erwerben, als sie sich\ndurch ihre Darstellung der Azucena erworben hatte.\n\nG. E."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-09-22-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-09-22_01#c005", "volume": "bmtnabi_1866-09-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "303", "page_fin": "304", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660922-01.2.5", "titre_corps": "Schule des höheren Clavierspiels.", "titre_sommaire": "Schule des höheren Clavierspiels.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "303", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660922-01.1.7", "debut_caractere": 4498, "fin_caractere_exclue": 5250, "texte": "Schule des höheren Clavierspiels.\nHerr Karl Taus ig, Hofpianist Sr. Majestät des Kö-\nnigs von Preussen, hat in Berlin ein Musik-Institut er-\nrichtet, durch welches denjenigen sowohl, welche das Cla-\nvierspiel als Künstler zu ihrem Berufe erwählen wollen,\nwie denen, welche im Allgemeinen eine vollständige Aus-\nbildung in demselben erstreben, jedoch bereits das Elemen-\ntare überwunden und eine gewisse Fertigkeit erlangt ha-\nben, Gelegenheit geboten werden soll, ihre Zwecke in er-\nschöpfender Weise zu erreichen.\nDer Lehrgang umfasst die Ausbildung der Technik\nbis zur höchsten Virtuosität, des Vortrages, des\nVomblattspiels, des Zusammenspiels.\nJeder Schüler und jede Schülerin erhält ausser in den\nübrigen genannten Zweigen zwei Mal wöchentlich Un-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "304", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660922-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1267, "texte": "terricht im Solospiel. Die jedem Musiker und gebildeten\nDilettanten nothwendige Unterweisung in der Harmonie-\nund Formenlehre hat Herr Musik-Director Weitzmann\nübernommen.\nAllmonatlich finden Versammlungen Statt, in welchen\nden befähigteren Schülern Gelegenheit geboten wird, vor\neinem grösseren Kreise zu spielen und somit die später\nbei öffentlichen Vorträgen nothwendige Klarheit und Ruhe\nzu erlangen.\nDas jährliche Honorar für den Lehrgang im Clavier-\nspiel beträgt 60 Thaler, für den Lehrgang im Clavier-\nspiel und der Theorie 75 Thaler, und wird vierteljährlich\npränumerando entrichtet. Der vollständige Cursus beginnt\nAnfangs October*).\nDer Stufengang des Lehrganges in drei Classen oder\nCursen, welche durch das Studium der Werke folgender\nMeister bezeichnet werden, scheint uns sehr zweckmässig.\nI. Classe. Bach I. (Stufe). Händel. Ph. E. Bach. Mo-\nzart. Clementi. Field. Hummel. Vollweiler. A. Schmitt.\nMoscheies. Heller. Grädener. Mendelssohn I. (Stufe). Beet-\nhoven I. (Stufe).\n11. Classe. Bach 11. Scarlatti. Klengel. Hiller. Czerny.\nKullak. Weber. Litolff. Mendelssohn 11. Beethoven 11.\nChopin I. Schumann I. Schubert.\n111. Classe. Bach 111. Beethoven 111. Mendelssohn 111.\nHenselt. Chopin 11. Schumann 11. Brahms. Rubinstein.\nBülow. Raff. Alkan. Liszt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-09-22-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-09-22_01#c006", "volume": "bmtnabi_1866-09-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "304", "page_fin": "304", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660922-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "304", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660922-01.1.8", "debut_caractere": 1269, "fin_caractere_exclue": 4163, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nHannover. Wenn bereits die Nachrichten in Nr. 37 (S.\n293) über die künftige Lage des Hoftheaters die Hoffnung auf Bei-\nbehaltung desselben unter dem Schutze der preussischen Regierung\nerregten, so bringt folgende Mittheilung aus Hannover vom 12. d.\nMts. die erfreuliche Gewissheit darüber: „Am 13. September Nach-\nmittags waren die sämmtlichen Mitglieder und Bediensteten des kö-\nniglichen Hoftheaters im Concertsaale des Theaters versammelt, wo\nihnen durch Herrn v. Pfuel (in Stellvertretung des Civil-Gouver-\nneurs) eröffnet wurde, dass die königlich preussische Regierung sich\nveranlasst gesehen habe, das Theater nebst Zubehör mit Beschlag\nzu belegen, um dies nicht allein für die Unterhaltung, sondern na-\nmentlich für die Volksbildung wichtige Kunst-Institut dem Publicum\nwieder zugänglich zu machen. Se. Maj. der König von Preussen\nübernehme alle von der früheren Theater-Verwaltung unter König\nGeorg eingegangenen Verpflichtungen, und es sei der Allerhöchste\nWille, dass das Theater auf dem bisherigen Fusse als königliches\nInstitut weitergeführt werde. Sämmtliche von den Bühnen-Mitglie-\ndern geschlossene Contracte bleiben unverändert, in Wirksamkeit,\nund die zur Hälfte nicht gezahlten Gagen sollen vom 1. September\nan nachbezahlt werden. Darauf stellte sich den Mitgliedern der\nHofbühne der neue provisorische Director Herr v. Bequignolles mit\neiner Ansprache vor. Die Bühne wird am Donnerstag den 20. Sept.\nwahrscheinlich mit Beethoven's Fidelio eröffnet werden.\"\nDer berühmte Komiker Fritz Beckmann, zuletzt Regisseur\nam Hof-Burgtheater in Wien, ist daselbst am 7. September gestor-\nben. Beckmann, eines Töpfers Sohn, war 1803 zu Breslau geboren\nund ging zuerst als Chorist auf das dortige Theater in der Absicht,\nbänger zu werden, behr bald zeigte sich aber bei ihm das entschie-\ndenste Talent zum Komiker, so dass er schon im Jahre 1824 nach\nkurzem Engagement in Breslau einen Ruf an das Königsstädter\nTheater in Berlin erhielt. Im Jahre 1839 vermählte er sich mit der\ngeschätzten Sängerin Muzarelli. In Wien trat er 1841 zum ersten\nMale auf, nahm 1845 ein Engagement bei Pokorny an, wurde aber\nschon im folgenden Jahre beim Hof-Burgtheater angestellt.\nBerichtigung. Den Aufsatz: „Hat die Musik vorchrist-\nlicher Zeit Bedeutung für die jetzige Tonkunst?\", den\nwir in Nr. 37 vom 15. d. Mts. abgedruckt haben, hielten wir für\neinen Original-Artikel der „Neuen New-Yorker Musik-Zei-\ntung\" und nannten daher in der Anmerkung die gedachte Zeitung\nals Quelle. Es war dies ein Irrthum, den die Redaction der araeri-\ncanischen Zeitung durch Nichtangabe des Originals veranlasst hatte.\nJener Aufsatz hat Herrn Ehrlich in Berlin zum Verfasser und\nstand in der Berliner Musik-Zeitung (Bote und Bock) Nr. 27\nvom 4. Juli d. J. Die Redaction.\n*) Anmeldungen zur Aufnahme sind an die Musikhandlung des\nHerrn Eugen Simmel in Berlin, Mohrenstrasse 36, zu richten."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "297", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660922-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie Musik in Holland. 111. Johann Heinrich Lübeck (Biographie). Von L. Bischoff. O. Jahn's gesammelte Autsatze\nüber Musik. Aus Berlin (Theater Fräulein Grün Frau Eiswaldt Italiänische Opern-Gesellschaft). Von G. E. Schule des\nhöheren Clavierspiels in Berlin, Tages- und Unterhaltungsblatt (Hannover, über das Hoftheater Wien, der Komiker Fritz\nBeckmann f Berichtigung.)\n\nDie Musik in Holland.\n\nIII.\n(l. S. Nr. 35. 11. Nr. 36.)\nWir glauben unseren Bericht über die musicalischen\nZustände in Holland nicht schliessen zu dürfen, ohne dem\nAndenken eines Tonkünstlers, der den grössten Einfluss\nauf die Entwicklung dieser Zustände in den letzten Jabr-\nzehenden gehabt hat, einige Worte der Erinnerung zu\nwidmen. Es ist dies\nJohann Heinrich Lübeck.\nLübeck wurde den 11. Februar 1799 zu Alpen,\neinem Landstädtchen im linksrheinischen Theile des Re-\ngierungsbezirkes Düsseldorf, in der Nähe von Wesel, ge-\nboren. Sein Vater, ein tüchtiger Musiker von altem Schrot\nund Korn, zog bald nach Heinrich's Geburt nach Wesel,\nwo er bis zu seinem Tode den Wirkungskreis eines Stadt-\nmusicus ausfüllte, der ohne eigentliche Anstellung eine\nArt von Principat über die in Wesel weder zur altpreussi-\nschen, noch zur französischen Zeit zahlreich vorhandenen\nMusiker erworben hatte, welches er auch, nachdem die\nStadt und Festung seit 1815 ein militärisches Musikcorps\nbesass, so lange noch zu behaupten wusste, bis ihm sein\nvorgerücktes Alter das persönliche Eingreifen in das Mu-\nsikmachen untersagte.\nBei einer zahlreichen Familie und spärlichem Einkom-\nmen konnte er auf die Erziehung seiner Söhne ausser dem\nHause nur wenig oder gar nichts verwenden, so dass auch\nHeinrich, der älteste von vier Brüdern, die Grundlage sei-\nner allgemeinen Bildung nur dem gewöhnlichen Unter-\nrichte der Elementarschule, ihre Vervollständigung aber\nganz und gar seinen natürlichen Anlagen und seiner eige-\nnen strebsamen Thätigkeit verdankte.\nSein Vater glaubte genug zu thun, wenn er ihn für\nseinen Beruf und zu seinem Nachfolger ausbildete, und da\nihn das Talent Heinrich's und die unglaubliche Leichtig-\nkeit, mit welcher sich der Knabe eine gewisse Fertigkeit\nauf verschiedenen Instrumenten aneignete, noch besonders\ndazu aufforderten, so setzte er den Unterricht mit Eifer\nund mit derjenigen Strenge durch, von der die Musicanten-\nLehrlinge des vorigen Jahrhunderts nachzusagen wussten.\nSo machte Heinrich Lübeck in jeder Hinsicht eine harte\nSchule sowohl im Leben, als in der musicalischen Bildung\ndurch, welche ihm jedoch in doppelter Hinsicht Früchte\ntrug, indem sie in ihm Charakter und Willenskraft, um\nfrüh auf eigenen Füssen stehen zu können, stärkte und\nihm in Bezug auf das Handwerk der Kunst eine Grund-\nlage gab, die ihn vor Einseitigkeit bewahrte und ihm eine\npraktische Tüchtigkeit als Musiker verschaffte, welche ihm\nspäter als Dirigent und Componist ganz vortrefflich zu\nStatten kam. Denn schon in seinem siebenzehnten Jahre\nwar er auf allen Orchester- und Militärmusik-Instrumenten\nzu Hause, und obwohl er auf der Clarinette und der Flöte\nviel leistete, auch auf dem Horn geschickt war, fühlte er\nsich doch vorzugsweise zur Violine hingezogen und wid-\nmete alle Zeit, die er erübrigen konnte, diesem Instru-\nmente. Das Clavierspiel eignete er sich ohne alle Anleitung\nbis zu dem Grade an, dass er ganz gut accompagniren\nund die Uebungen eines Gesangvereins leiten konnte und\nim Partiturspiel Fertigkeit besass.\nDa sich indess sein Talent für das Violinspiel immer\nglänzender offenbarte, so wurde es mit Unterstützung\neiniger Musikfreunde möglich, ihn den Unterricht Spohr's\nund Maurer's gemessen zu lassen; in Beider Gunst be-\nfestigte er sich nach einander so sehr, dass sie kein Ho-\nnorar für den Unterricht nahmen, im Gegentheil dem\njungen Künstler noch behülflich waren, sich durch Stun-\ndengeben den nöthigsten Unterhalt zu verdienen, denn auf\nBosen war Lübeck während seiner ganzen Jugend- und\nersten Mannesjahre nicht gebettet.\nUm seiner Militärpflicht zu genügen, trat Lübeck beim\nGarde-Regimente zu Potsdam als Clarinettist im Musik-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "298", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660922-01.1.2", "texte": "corps ein. Sehr bald wurden seine Vorgesetzten auf solch\neinen Violinspieler beim Regimente stolz, und die musi-\ncalischen Cirkel der Stadt hiessen ihn gern willkom-\nmen. Damals schon lernte er seine nachherige Gattin,\ndie zweite Tochter des Militär-Waisenhaus-Inspectors\nSeyffert, eines Musikfreundes und Dilettanten auf dem\nVioloncell, kennen. Freilich wagten Beide kaum, sich\neinander selbst ihre gegenseitige Zuneigung zu gestehen,\nda die Hoffnung auf eine dereinstige Vereinigung in weite\nFerne gerückt war und es beiden Schwestern, welche\ndie Natur durch die Gaben der Anmutb und Liebens-\nwürdigkeit begünstigt hatte, nicht an Bewerbern fehlte,\nmit deren Stellung Lübeck sich nicht messen konnte\ndie älteste, eine wahrhaft junonische Gestalt, heirathete\num jene Zeit den Obersten von Perbandt, nachmaligen\nGeneral und Commandanten von Wesel —, und so musste\nder stille Bund ein geheimer bleiben, bis nach einer Reihe\nvon Jahren, während deren trotz zeitweise langer Tren-\nnung Beide die Treue bewahrten, ein günstigeres Geschick\nihre Beharrlichkeit krönte.\nNach vollbrachter Ablösung seiner Dienstzeit beim\nMilitär verliess Lübeck Potsdam und machte eine Kunst-\nreise durch den Norden von Preussen, auf welcher er sich\nin den bedeutenderen Städten, wie Stettin, Königsberg,\nDanzig, später auch in Berlin, mit grossem Beifalle hören\nliess und einen ehrenvollen Ruf als ausgezeichneter Con-\ncertspieler und gediegener Quartettspieler erwarb. Um\neine sicherere Einnahme zu erlangen, nahm er die Musik-\nDirector-Stelle bei dem Theater in Danzig an; auch bei\neiner oder vielleicht zwei anderen Bühnen ob auch in\nRiga, erinnere ich mich nicht mehr mit Bestimmtheit\nwar er in derselben Function. Diese Stellungen waren für\nihn von grossem Vortheil für die Ausbildung seines Di-\nrections-Talentes, wie es denn überhaupt keine Frage ist,\ndass die wahre Schule für den Concert-Dirigenten die-\njenige ist, die er am Orchester-Pulte des Theaters durch-\nmacht.\nNachdem er auf diese Weise mehrere Jahre im Nor-\nden gelebt und gewirkt hatte, kam er im Anfange der\nzwanziger Jahre (um 1824) wieder nach Wesel. Die\nHeimath am Rheine wieder zu sehen, seinen Vater und\nseine Geschwister, für deren Erziehung er aus weiter\nFerne die liebevollste Sorge getragen, wieder zu begrüs-\nsen, war lange sein innigster Wunsch gewesen, und der\nstärkste Magnet mochte wohl die Liebe sein: denn mitt-\nlerweile war der Oberst von Perbandt Commandant von\nWesel geworden, der alte Herr Seyffert hatte seine Pen-\nsion genommen und mit seiner zweiten Tochter Wesel\nebenfalls zu seinem Aufenthaltsorte gewählt. Diese Ver-\nhältnisse wurden auch auf Lübeck's Künstler-Zukunft so\neinflussreich, dass sie hier zu erwähnen sind, weil er ohne\ndieselben wahrscheinlich nie nach Holland gekommen\nwäre.\nWesel war natürlich nicht der Ort, welcher einem\nKünstler wie Lübeck einen befriedigenden Wirkungskreis\nbieten konnte. Freilich war ein so ausgezeichneter Geiger\nund Musiker eine Hauptstütze des Orchesters, dessen\nHauptbestandtheil die Capelle des kÖnigl. 17. Infanterie-\nRegiments bildete. Allein obschon Lübeck als Künstler\nund Mensch und als persönlicher Freund mir vor Allen\nlieb und theuer geworden und seine Mitwirkung in den\nConcerten und den Aufführungen einiger Oratorien (z. B.\n„Die Schöpfung\", „Samson\" u. s. w.), welche ich damals\ndirigirte, unschätzbar war, so drang ich dennoch darauf,\ndass er eine ausgedehntere und lohnendere Wirksamkeit,\nzu welcher er vollkommen befähigt war, anstreben müsse,\nund bestärkte ihn in seinem Entschlüsse, diese Wirksam-\nkeit in Holland zu suchen, wo er sie dehn auch in vollem\nMaasse fand.\nAber nicht sogleich: denn in Amsterdam, wohin er\nging, musste er wiederum einmal eine harte Zeit durch-\nmachen, da seine Ersparnisse durch Unterstützung seiner\nGeschwister und den Aufenthalt in Wesel darauf gegan-\ngen waren. Er sah sich genöthigt, eine Stelle im Orche-\nster des Theaters anzunehmen, und die Musikfreunde, an\ndie er empfohlen war, konnten ihm bei dem besten Willen\nnur einige wenige Unterrichtsstunden verschaffen.\nAllein es währte nicht lange, und sein Ruf als ausge-\nzeichneter Violinspieler und Musiklehrer drang aus den\nengeren Kreisen der Dilettanten in die dortige musicali-\nsche Welt und durch sein Solospiel in den Concerten von\nAmsterdam und den bedeutendsten holländischen Städten\nauch weit über diese hinaus, so dass er, als im Jahre\n1827 im Haag die königliche Musikschule errichtet wurde,\nzum Director derselben und bald darauf auch zum Capell-\nmeister der königlichen Capelle ernannt wurde. In dieser\nglänzenden Stellung, die er ganz allein seinem persönlichen\nVerdienste verdankte, besuchte er im folgenden Jahre\nseine Vaterstadt wieder und kehrte als glücklicher Gatte\nnach dem Haag zurück.\nUeber seine amtliche Wirksamkeit, welcher er sich\nin der Musikschule unausgesetzt bis an seinen Tod wid-\nmete, während er sich, als man die königliche Capelle\naus Sparsamkeitsgründen eingehen liess, in den letzten\nJahren von der Direction der Diligentia-Concerte zu-\nrückgezogen hatte, und über seinen Einfluss auf die\nmusicalischen Zustände in Holland lassen wir einen\nHolländer selbst sprechen, welcher ihm in der Musik-\nZeitung „Cacilia\"(lB6s, Nr. 4) folgenden Nachruf ge-\nwidmet hat:"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "299", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660922-01.1.3", "texte": "„Am 7. Februar 1865 starb zu s'Gravenbage, bei-\nnahe 66 Jahre alt, Johann Heinrich Lübeck, der Mann,\nder lange Zeit an der Spitze der Tonkunst in der Residenz\nund in Niederland stand und der während beinahe vierzig\nJahren einen unbestreitbaren Einfluss auf die vaterländi-\nschen Kunstzustände geübt hat. Mit ausführlicher und\nprunkender Rede seinen Hintritt zu begleiten, hiesse sei-\nnem Andenken zu nahe treten, da der so einfache und\nbescheidene Künstler in der Erfüllung seines Berufes, ohne\ndamit Aufsehen zu erregen, sein Glück fand und von Re-\nclame und Effectmacherei himmelweit entfernt war. Dess-\nhalb wollen wir nur einen flüchtigen Blick auf das werfen,\nwas er für die Kunst gethan.\n„Seit der Zeit, als er an die Spitze der Musikschule\nund der königlichen Capelle berufen worden, ist er mit\nunermüdetem Eifer und beinahe ununterbrochen als Leh-\nrer und Orchester-Director thätig gewesen und hat bis zu\nseinem Ende seine Kraft und Arbeit der Förderung der\nTonkunst dienstbar gemacht. Was er als Lehrer gewirkt\nhat, davon zeugen so Viele, die jetzt in der niederländi-\nschen Kunstwelt einen ersten Rang einnehmen und unter\nseiner Leitung die Grundlage zu ihrer künstlerischen Aus-\nbildung gelegt haben, und davon zeugt auch der gute\nRuf, welchen die haag'sche Musikschule lange auch im\nAuslande genossen bat. Als Lehrer erzielte er vor Allem\ndie musicalische Bildung der Schüler und strebte vorzüg-\nlich danach, in ihnen ein künstlerisches Bewusstsein zu\nwecken und zu nähren, und es ist Thatsache, dass meh-\nrere von seinen Schülern, die später wohl eine noch voll-\nkommenere technische Ausbildung in den Conservatorien\nvon Paris oder Brüssel suchten, durch ihre allgemeine\nmusicalische Bildung bei den Prüfungen ihre Mitbewerber\nübertrafen.\n„Mit nicht geringerem Eifer, als für den Kunst-Unter-\nricht, wirkte er auch für die Erweckung und Entwicklung\ndes Musiklebens in der Residenz. Als Director der könig-\nlichen Capelle, der Diligentia-Concerte und der haag'schen\nAbtheilung des Vereins zur Beförderung der Tonkunst,\nwelchen ins Leben zu rufen ihm mit anderen Musikfreun-\nden gelang und dessen Mitglied von Verdienst er war,\nbrachte er die Concert-Aufführungen und den Chorge-\nsang auf eine hohe Stufe der Trefflichkeit, und der fei-\nnere und gebildete Geschmack, der vor einigen Jahren\nbeim Publicum im Haag gefunden wurde, war grössten-\nteils das Werk seines überwiegenden Einflusses. Wäh-\nrend er bis an seinen Tod die amtliche Thätigkeit als Di-\nrector des Conservatoriums fortsetzte, hatte er vor einigen\nJahren aus Gesundheits-Rücksichten die Concert-Direction\njüngeren Kräften anvertraut und sich nur die Direction\nder Concerte des Vereins für Beförderung der Tonkunst,\ndessen Vorsitzender er war, vorbehalten.\n„Dem Eifer und der Gewissenhaftigkeit, mit denen\ner seine Amtspflichten erfüllte, brachte Lübeck gar man-\nches Opfer, besonders in Bezug auf den Wunsch und das\nVermögen, sieb auch als Compcinist geltend zu machen.\nDenn dass er auch für das Schaffen von Musikwerken ein\naussergewöhnliches Talent besass, davon zeugen die Compo-\nsitionen, die wir von ihm besitzen. Zahlreich sind sie nicht,\ndenn es war ein nicht genug zu schätzender Charakterzug\nLübeck's, die Sucht, als Componist zu glänzen, der Ueber-\nzeugung zu opfern, dass ihm seine Stellung gebiete, haupt-\nsächlich als Lehrer und Vorbild und als Dirigent zu wir-\nken. Seine Compositionen verdanken daher meist äusseren\nVeranlassungen und Aufforderungen ihren Ursprung, be-\nweisen aber trotzdem durch ihren künstlerischen Gehalt,\ndass sie mehr sind, als Gelegenheits-Compositionen. Dahin\ngehören die Fest-ouverture mit Chor für das nieder-\nländische Musikfest 1834; der 47. Psalm (mit deut-\nschem Texte) für Soli, Chor und Orchester zum Musik-\nfeste 1842*); die Fest-Cantate zur Hochzeitsfeier des\nErbprinzen, jetzigen Königs Wilhelm III.**); die Fest-\nCantate zur Jubelfeier von Hollands politischer Herstel-\nlung (aufgeführt den 13. November 1863). Alle diese\nCompositionen zeichnen sich durch grossartige Auffas-\nsung, talentvolle Erfindung und Meisterschaft in der Form\naus***).\n„Legte ihm nun seine Thätigkeit auch manche Opfer\nauf, so brachte sie ihm doch auch viele Freude und Ehre;\nFreude dadurch, dass er so manches Talent zum Künstler\nbildete und dass seine Schüler mit Liebe an ihm hingen\nund seine Mitbürger und Kunstgenossen ihm die höchste\nAchtung darbrachten. Ehrende Anerkennungen wurden\nihm zu Theil als Zeichen, dass auch der König und die\nRegierung seine Verdienste um die Kunst in Holland zu\nwürdigen wussten. Nach dem ersten niederländischen\nMusikfeste, welches er im Jahre 1834 dirigirte, erhielt\ner eine goldene Ehren-Denkmünze mit dem Bildnisse des\nKönigs; 1842, bei dem vierten Musikfeste, das Ritter-\nkreuz des Löwen-Ordens, und nach dem fünfundzwanzig-\njährigen Bestehen der Musikschule die grosse goldene Me-\ndaille für Kunst und Wissenschaft.\n\n*) Gedruckt und herausgegeben im Haag bei Wijgand und\nLefebre.\n**) Herausgegeben ebendaselbst.\n***) Ausserdem sind in Deutschland von Lübeck mehrere Lie-\nder, ferner drei Solo stücke für das Horn (sehr melodiös und\ndankbar für Concert-Yortrag) erschienen; ausserdem hat er mehrere\nConcerte und Quartette für die Violine, ein Concertstück\n\\für die Oboe, ein Concert für das Violoncell, seinem Sohne\nLouis Lübeck gewidmet, u. s. w. geschrieben. L. B.\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "300", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660922-01.1.4", "texte": "„Ein Beweis hoher Achtung war das Zuströmen von\nAlt und Jung zu seinem Begräbnisse. Die Bestattung fiel\nzufällig gerade mit dem Jahrestage seiner Geburt, dem\n11. Februar, zusammen. Eine zahlreiche Reibe von Ab-\ngeordneten der Behörden und Kunstvereine jeder Art, von\nälteren und jüngeren Zöglingen der Anstalt, von Freun-\nden und Theilnehmenden jedes Standes bildete den Zug;\ndie Zipfel des Leichentuches hielten als Vertreter ihrer\nKunst Verhülst für die Musik, van den Bergh für die\nDichtkunst, van Hove für die Malerei, Koelman für die\nbildenden Künste im Allgemeinen; auf dem Sarge lag ein\nin schwarzen Sammt und Silber gebundenes Exemplar\nseiner Fest-Cantate, sein Dirigirstock und ein Kranz von\nImmortellen. Am Grabe legte die Sängerin Frau Offer-\nmans van Hove, seine berühmte Schülerin, noch einen\nLorberkranz auf den Sarg. Nach Beethoven's Trauer-\nmarsch sangen die Singvereine mit Begleitung von Blas-\ninstrumenten unter Nicolai's Direction Gesänge von Lü-\nbeck, Lindpaintner und einen Choral von Luther, Ritter\nHuyssen van Rattendyke, Präsident des Vorstandes der\nMusikschule, hielt eine warme Gedächtnissrede; und der\nBürgermeister vom Haag richtete im Namen des Prin-\nzen Friedrich der Niederlande einige Trostworte an die\nHinterbliebenen.\"\nIch theile diese Einzelheiten auch jetzt noch mit, weil\nsie eben so ehrenvoll für meinen verstorbenen Freund,\nals für seine haag'schen Mitbürger sind, die dadurch ge-\nzeigt haben, wie sehr sie die Verdienste eines deutschen\nKünstlers, welcher ganz und gar der Ihrige geworden\nwar, zu achten wissen. Vollkommen stimme ich in die\nSchlussworte des Verfassers des obigen Berichtes ein,\nwenn er sagt: „Es ist möglich, dass dem Menschen die\nAchtung und Liebe zu halbem Theile dargebracht wurde,\nwelche man dem Künstler zollte: ist es so, so geschah\nes mit vollem Rechte; denn wie gross auch Lübeck's Ver-\ndienste um die Kunst und den Staat gewesen sind, seine\nVerdienste als Mensch sind noch grösser.\"\nEnde Juli dieses Jahres ist dem im vorigen Jahre\nVerewigten ein marmorner Grabstein mit sinnbildlichen\nSculptur-Verzierungen und Inschriften, das Ganze von\neinem geschmackvoll gearbeiteten eisernen Gitter umge-\nben, auf dem Kirchhofe Eik-en-Duinen bei Haag von sei-\nnen Schülern errichtet und der Witwe zum Eigenthum\nübergeben worden ein Denkmal der Liebe und Dank-\nbarkeit, welches die Gesinnung der Geber eben so sehr\nehrt, wie das Andenken an den Künstler.\nLübeck hat zwei Söhne hinterlassen, auf welche sich\ndie musicalischen Gaben des Vaters vererbt haben und\ndie ihm grösstentheils auch ihre künstlerische Ausbildung\nverdanken. Der älteste, Ernst Lübeck, hat bereits sei-\nnen Ruf als Ciavierspieler ersten Ranges begründet und\nsich in Paris eine bedeutende Stellung in der musicali-\nschen Welt erworben. Der jüngere, Louis Lübeck, ist\nein ausgezeichneter Violoncellist, der eine Zeitlang am\nConservatorium in Leipzig angestellt war, neuerdings aber\ndiese Stellung aufgegeben hat und sich in Frankfurt am\nMain niederzulassen gedenkt.\n\nL. Bischoff.\nI\n\nO. Jahn's gesammelte Aufsätze über Musik.\nDiese Sammlung enthält in schöner Ausstattung, wie\nman sie von der berühmten Verlagshandlung gewohnt ist,\neine Reihe von dreizehn Aufsätzen über Musik, von denen\nder erste im Jahre 1841, der letzte 1864 geschrieben\nist. Ein Vorwort voranzuschicken, hat Professor 0. Jahn\nfür unnöthig gehalten, und wohl mit Recht; denn dass Ar-\nbeiten, die in verschiedenen Zeitschriften oder Tagesblät-\ntern zerstreut sind, meist unverdienter Weise dem Schick-\nsale der Tagesschriften überhaupt verfallen, ist eine zu\nbekannte Thatsache, als dass eine Sammlung derjenigen\nunter ihnen, deren Inhalt sich über das Tages-Interesse\nerhebt, einer Rechtfertigung bedürfte. Auch in Betracht\ndes Nutzens und Einflusses, den ähnliche Sammlungen auf\ndiejenigen Leserkreise haben können, für welche sie vor-\nzugsweise bestimmt sind im vorliegenden Falle auf Mu-\nsiker und gebildete Dilettanten —, wird man sie zweck-\nmässig und erspriesslich finden müssen, indem einerseits\nMusiker von Fach nicht immer so gestellt sind, dass sie\ntheure Zeitschriften halten können, andererseits eine ge-\nwöhnlich nur flüchtige Lecture in den Tagesblättern nicht\nden nachhaltigen Eindruck macht, den dergleichen kriti-\nsche und ästhetische Artikel bezwecken, da gar oft mehr\ndanach gegriffen wird, um die Neugierde zu befriedigen,\nals um Belehrung und Anleitung zu einem motivirten\nUrtheile daraus zu schöpfen.\nDie Jahn'sche Sammlung enthält eine Erinnerung an\nG. Ch. Apel, zwei Aufsätze über Mendelssohn's Paulus\nund Elias, zwei über H. Berlioz' Musik, zwei über Rieh.\nWagner's Tannhäuser und Lohengrin, drei auf Beethoven\nbezügliche („Leonore oder Fidelio?\", „Beethoven im Mal-\nkasten\", „Beethoven und die Ausgaben seiner Werke\"),\nzwei über das 33. und 34. niederrheinische Musikfest in\nDüsseldorf, und eine historische Notiz in Betreff Mozart's.\nAlle diese Aufsätze sind während der oben angege-\nbenen Jahre in verschiedenen Zeitschriften (Kieler Wo-\nchenblatt, Allg. Mus. Zeitung und die meisten in den\nGrenzboten) gedruckt worden; nur der Aufsatz über Men-\n\n*) Leipzig, Verlag von Breitkopf und Härtel. 1866. 337 S. Gr. 8."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "301", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660922-01.1.5", "texte": "delssohn's „Paulus\" ist als besondere Gelegenheitsschrift\nund die Abhandlung „Ueber die Ausgaben von Beetho-\nven's Werken\" ausser in den Grenzboten auch in einem\nbesonderen Abdruck erschienen. Letztere ist jedoch in\nder gegenwärtigen Gestalt, wie es uns scheint, da wir das\nOriginal nicht bei der Hand haben, vervollständigt. Die\nsämmtlichen Aufsätze wird, wer sie schon kennt, gern wie-\nder lesen, und wem sie noch nicht zu Gesicht gekommen,\nwird in ihnen mannigfache Anregung und anziehende Dar-\nstellung finden. Auszeichnen möchten wir namentlich den\nArtikel über Wagner's „Lohengrin\", der auch der um-\nfangreichste von allen ist (S. 112 —164). In welchem\nGeiste er geschrieben ist, bezeichnen beispielsweise Anfang\nund Ende. Jener lautet:\n„Die Organe der Zukunftsmusiker erfinden für die\nglücklichen Leipziger jetzt eine musicalische Aera nach der\nanderen. Kaum ist es ein Jahr, seit die Aufführung Tann-\nhäuser's eine neue Aera für die Oper begründete: seitdem\nbrach mit H. Berlioz eine neue Aera für die Gewandhaus-\nConcerte, mit Job. Brahms eine neue Aera für die Quar-\ntett-Unterhaltungen an, und schon wieder sind wir mit\ndem Lohengrin in eine neue Aera eingetreten. Hoffen\nwir, dass die musicalische Zeitrechnung durch alle diese\nAeren nicht allzu sehr in Verwirrung gerathe.\n„In der That verdient es alle Anerkennung, dass die\nTheater-Direction (in Leipzig 1854) den Aufwand an Mit-\nteln, alle Betheiligten die Opfer an Zeit und Mühe nicht\ngescheut haben, um den Lohengrin auf die Bühne zu brin-\ngen. Dass einem jeden ernstlich gemeinten künstlerischen\nStreben die Möglichkeit gegeben werde, öffentlich zu er-\nproben, wie weit es Lebenskraft und Fähigkeit, zu wir-\nken, besitze, das müssen auch die wünschen, welche etwa\nmit diesem Streben nicht einverstanden sind. Und zwar\nschon desshalb, weil auch die Kritik sich mit Erfolg nur\nan ein Publicum wenden kann, welches mit dem Kunst-\nwerke selbst vertraut ist. Wenn aber, aus was immer für\nUrsachen, sich um ein Kunstwerk ein Nimbus gebildet\nhat, als sei dasselbe eine ganz ausserordentliche, unerhörte\nErscheinung, die aus Unverstand und Missgunst dem Pu-\nblicum vorenthalten werde, so dass dieses zu dem Reize\nder Neuheit noch den des Verbotenen empfindet und in\neine sympathetische Aufregung für die verkannte Grösse\ngeräth, dann ist es vollends wünschenswert!), dass die wirk-\nliche Production das Interesse des Publicums auf das wirk-\nliche, d. h. in der Leistung des Künstlers begründete Ver-\nhältniss zurückführe. Mit dieser Anerkennung verbindet\nsich der Wunsch, dass mit gleichem Eifer auch die Werke\nernst srebender Kunstjünger auf die Bühne gebracht wer-\nden mögen, welche nicht die Protection einer einflussrei-\nchen Clique und wohlorganisirten Claque, nicht den Hei-\nLigenschein des Martyrthums, nicht die Prätention einer\nausschweifenden Verschwendung äusserer Mittel welche\nbei demjenigen Theile des Publicums, das auch in Kunst-\nsachen den Werth nach dem Preise misst, das respect-\nvolle Präjudiz erregt, das, woran man so viel wende,\nmüsse doch auch etwas werth sein in die Wagschale\nzu legen haben.\n„Hätte man es mit einer Oper zu tbun, welche sich\nmit den gewöhnlichen Ansprüchen der Gattung genügen\nlässt, so könnte man sich der undankbaren Mühe überhe-\nben, das Opernbuch im Einzelnen zu analysiren; allein da\ndasselbe die Prätention macht, als eine selbständige dra-\nmatische Dichtung zu gelten, und man die Bedeutung der\nMusik gerade in der Eigentümlichkeit des Textes gesucht\nhat, so wird es nöthig, diesen einer genauen Betrachtung\nzu unterwerfen.\"\nDen Schluss bilden folgende Zeilen:\n„Aus ünseren Betrachtungen gebt hervor, dass, wenn\nWagner gleich geschickter ist in der Handhabung der\nmusicalischen als der poetischen Technik, doch von einem\nStil seiner Musik nicht die Rede sein kann. Die erste Be-\ndingung des Stils ist Eigenthümlichkeit der Productions-\nkraft, welche man einem Manne nicht zuschreiben kann,\nbei dem man nicht nur die Einflüsse Weber's, Marsch-\nner's, Mendelssohn's, Meyerbeer's u. A. im Ganzen und\nEinzelnen nachweisen kann, sondern dessen künstlerische\nEigenthümlichkeit wesentlich darin besteht, dass eine An-\nzahl heterogener Bildungs-Elemente unserer Zeit bei ihm\nin bedenkliche Confusion gerathen sind. Ferner ist Stil\nbedingt durch die Fähigkeit des Künstlers, den künstleri-\nschen Stoff in der innersten Tiefe seiner Natur zu erfassen\nund so zu gestalten, dass das Subjective und Objective im\nKunstwerke sich durchdringe, und endlich, um diese künst-\nlerische Schöpfung zu vollziehen, durch Einsicht in die Form\nund Technik und Meisterschaft in der Behandlung derselben\nals künstlerischer Mittel zu einem künstlerischen Zwecke.\nEine aus Missverständniss und Uebertreibung hervorgegan-\ngene willkürliche Theorie bei mangelndem Sinne für Mo-\ntivirung und Gestaltung aus dem Ganzen, und eine einsei-\ntige Virtuosität, die nur äusserliche Mittel für äusserliche\nZwecke zu verwenden geschickt ist, führen nothwendig\nzur Manier, die desshalb allein eine Zeitlang täuschen\nund blenden kann, weil sie den Fehlern und Schwächen\nihrer Zeit entgegenkommt.\"\n(Schluss folgt.)\n\nAus Berlin.\n\nDen 12. September 1866.\nSelbst bei Lebzeiten des Meisters und seiner Anwe-\nsenheit in Berlin haben die Partituren Meyerbeer's sich"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "302", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660922-01.1.6", "texte": "keiner solchen Bevorzugung erfreut, wie in diesen Tagen.\nAuf den zweiten Act des „Feldlagers in Schlesien\", den\n„Propheten\" und die „Africanerin\" ist gestern „Robert\nder Teufel\" gefolgt, und schon der Mittwoch bringt uns\ndie „Hugenotten\" mit der besten Besetzung, welche die\nRegie dem Werke angedeihen lassen kann. Zu einem Be-\nsuche der Vorstellung des „Robert\" verpflichtete den Re-\nferenten das Auftreten zweier Sängerinnen, von denen\nFräulein Grün vom Hoftheater zu Kassel als Alice ihre\nDebüts begann, Frau Eiswaldt vom breslauer Theater\nzum ersten Male als Prinzessin gastirte. Schon bei ihrem\nFrübjahrs-Gastspiel wurde Fräulein Grün von der musi-\ncalischen Kritik, in der Hoffnung auf ein baldiges Wieder-\nsehen, mit anerkennenden Worten verabschiedet, und es\nfreut uns, an das damals ausgesprochene Urtbeil wieder\nanknüpfen zu können. Die zwar nicht grosse, aber immer-\nhin blühende und sympathische Sopranstimme der Sän-\ngerin ist in allen ihren Registern von einer schönen Gleich-\nmässigkeit, und die technische Fertigkeit derselben so weit\nvorgerückt, um allen Zumuthungen der Aufgabe zu genü-\ngen; dazu gesellt sich ein poetisches Gefühl, das über\nblosse Correctheit und Eleganz hinaus den Vortrag aller\nOrten durch Wärme und Innerlichkeit zu vertiefen und zu\nbeseelen ströbt. Gleich in dem ersten Zwiegesange mit\nRobert und der Erzählung des Todes seiner Mutter be-\nwährten sich diese einer dramatischen Sängerin unentbehr-\nlichen Eigenschaften, noch mehr in der Romanze und\ngrossen Scene am Kreuze. Wir erinnern uns nicht, diese\netwas stark nach französischer Romantik schmeckende Si-\ntuation selbst von manchen renommirteren Sängerinnen\ngleich maassvoll umgränzt gehört und gesehen zu haben.\nFräulein Grün meidet weislich eine zu krasse Betonung\ndes leicht in Caricatur umschlagenden äusseren Effectes\nund legt den Nachdruck weniger auf eine heroische Action,\nals auf die sorgfältige Zeichnung einer reinen weiblichen\nNatur, die durch die Zumuthungen des Dämons zum Aeus-\nsersten getrieben, doch weit entfernt, den höllischen Gegner\ntrotzig herauszufordern, sich nur demüthig unter den Schutz\ndes höchsten Symbols ihrer Kirche stellt. Gewiss ist diese\nAuffassung für Gesang und Spiel die dem Charakter des\nLandmädchens angemessenere, obschon ihr durch manche\nBesonderheiten des Textes und der starkgewürzten Musik\nwidersprochen werden mag. Die Partie der Prinzessin Con-\ncentrin sich in der ungemein schwierigen Bravour-Arie\nund den krausen Fiorituren im Finale des zweiten Actes.\nMit Recht haben von je her alle Coloratursängerinnen Be-\ndenken getragen, mit dieser Arie zum ersten Male vor ein\nihnen noch unbekanntes Publicum hinauszutreten; wir\nsind daher zur Nachsicht verpflichtet, wenn Frau Eis-\nwaldt nur zur Hälfte den Anforderungen der Gesangs-\nkenner genügte. Die Stimme der Sängerin, einer Schülerin\nder verstorbenen Gesanglehrerin Frau Zimmermann, be-\nwegt sich mit Leichtigkeit in den höheren Chorden, ver-\nliert aber im lebhafteren Tempo und in künstlicheren Fi-\ngurationen jenen Schmelz des Klanges, welcher Frau Eis-\nwaldt überall da, wo sie sich zur Tonbildung einige Zeit\nlassen kann, zu Gebote steht. Alle raschen Passagen litten\nan einer gewissen Trockenheit des Tones, die freilich wie-\nder dem Staccato, wo es anwendbar war, zu Gute kam.\nIm langsam getragenen Gesänge hatte Frau Eiswaldt\nschöne Momente, und zweifeln wir nicht, dass es ihr ge-\nlingen werde, in dieser Richtung lebhaftere Anerkennung\nzu erwerben. Vor den chromatischen Zwischentönen, durch\nwelche die Sängerin, wie manche moderne Violin-Virtuo-\nsen, von der vorletzten Note in den Grundton zurückge-\nlangt, müssen wir sie ernstlich warnen. Die Manier gehört\nzu den grössten Unarten des heutigen Instrumental- und\nVocal-Vortrages und ist nur in seltenen Fällen, wo es auf\ndie Charakteristik eines leidenden Gemüthszustandes an-\nkommt, erlaubt.\nDer Referent der Neuen Preuss. Zeitung sagt über\nFräulein Grün: „Fräulein Grün hat bereits bei ihrem Gast-\nspiele im April d. J. ihre öffentliche Prüfung für ein En-\ngagement an der königlichen Oper gut bestanden. Unter\nihren damaligen Gastrollen befand sich auch die Alice, und\nsie erneuerte gestern als solche ihre durchgreifende Wirkung\nvorzüglich im dritten Acte, in der grossen Scene am Kreuze.\nIhre frische, kernige Stimme hat Saft und Kraft, sie zeigt\nsich den tonverschlingenden Anforderungen des Opern-\nhauses völlig gewachsen, besonders die mittleren und tie-\nfen Töne sind von schönem, klarem und rundem Klange.\nAuch in der Höhe erreicht die Stimme mühelos das drei-\ngestrichene C; doch thut hier noch eine feinere Läuterung\ndes schmetternden Metalles, eine zartere Behandlung des\nschätzbaren Materials noth, um die natürliche und\nkünstlerische Seite ihres Gesanges ins Gleichgewicht\nzu setzen. Diese noch fehlende künstlerische Geschliffen-\nheit lässt sich jedoch durch Fleiss und Uebung nachholen,\nwogegen eine von Natur schwache Stimme sich durch\nkeine Künstelei ergänzen lässt. Zu den reichen Tonmitteln\ndes Fräuleins Grün, welche aus einem gesunden Kerne\nkräftig erblühen, gesellt sich eine nicht gewöhnliche dra-\nmatische Begabung. Es atbmet inneres Leben in ihrem\nVortrage, es ist Geist und Seele in ihrem Gesänge, sie\nwähnt nicht, auf der Opernbühne Alles gethan zu haben,\nwenn sie die musicalische Aufgabe des Componisten nach\nder technischen Seite hin correct löst, sondern versenkt sich\nmit Gefühl, Phantasie und Verstand in das Herz der dra-\nmatischen Tongestalt, in den Sinn der Situation. Sie setzt\nnicht nur ihre Stimme, sondern ihre ganze Persönlichkeit"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "303", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660922-01.1.7", "texte": "an das Kunstwerk, das der Opernsänger eben so wie der\nSchauspieler seinem Auditorium vor Ohr und Auge stellen\nsoll. Erscheint er doch im anderen Falle immer nur als\nein Virtuose, der sich aus dem Concertsaale auf die Bühne\nverirrt hat. Fräulein Grün singt mit einer Deutlichkeit der\nAussprache, die jeden erfreuen muss, der in der Oper nicht\nallein Töne, sondern auch Worte hören, dramatische Poesie\nund Musik im klaren Einklänge vernehmen will. Wer die\nOper als musicalisches Drama begreift, der wird sie wie\njedes Drama auch künstlerisch auf der Bühne verwirklicht,\ndas Werk des Dichters und Componisten in Leib und Le-\nben ausgestattet sehen wollen. Keine an sich noch so schöne\nStimme, keine noch so brillante Virtuosität thut es in dem\nmusicalischen Drama allein; das Publicum fühlt sich auf\ndie Dauer doch nur zu jenen Sängern und Sängerinnen\nhingezogen, welche die Composition seelenvoll beleben,\ndas Musicalische und Dramatische wie zwei Wogen eines\nStromes zusammenschlagen lassen. Zu diesen bevorzugten\ndramatischen Künstler-Naturen glauben wir Fräulein Grün\nzählen zu dürfen, und je mehr sie selbst an ihrer Fortbil-\ndung arbeitet, um ihren Gesang von manchen noch anhaf-\ntenden materialistischen Schlacken zu läutern, desto nutzba-\nrer wird ihre gesunde, volle Stimme, so wie ihr dramati-\nsches Talent für die königliche Oper werden. Das Publi-\ncum ehrte sie namentlich im dritten Acte mit unmittelba-\nren Beifallszeichen, es rief sie nach dem Duett und Terzett\nmit allgemeiner Zustimmung hervor.\"\nDen 14. September 1866.\nNachdem die italiänische Opern-Gesellschaft\ndes Herrn Gotti im Victoria-Theater längere Zeit mit den\nWiederholungen des Trovatore zugebracht, folgte die Auf-\nführung der Traviata. Auch hier hatte das Personal einen\nschweren Stand, indem die Traviata schon seit einer Reihe\nvon Jahren zu dem stehenden Repertoire der königlichen\nOper gehört und wir die Bounetti, Artöt und Orgeni wie-\nderholt in der Titelrolle gesehen haben, während die übri-\ngen Rollen den trefflichsten Kräften unserer heimischen\nBühne anvertraut sind. Im Ganzen haben wir durch die\nAufführung der Traviata keinen anderen Eindruck em-\npfangen, als derjenige war, den wir über das Unternehmen\nin der Münzstrasse bereits ausgesprochen. Gutes und\nSchlechtes wogt chaotisch durch einander, und man weiss\nnicht, soll man sich mehr über einzelnes Gelungene, be-\nmerkenswerth Hervortretende freuen, oder an der Nach-\nlässigkeit und Sorglosigkeit, an der das Ganze leidet, Aer-\ngerniss nehmen. Signora Sarolta, deren Stimme uns übri-\ngens nicht so wohlklingend erschien, wie im Trovatore. ist\nimmer eine kunstgebildete Sängerin und versteht sich eben\nsowohl auf wirkungsvolle musicalische Phrasirung, als auf\ndie dramatische Darstellung eines Charakters; ihre Er-\nscheinung und ihr Gesang im letzten Acte namentlich, wo\nsie die Fieberkranke, dem Tode mit raschen Schritten\nEntgegeneilende, zwischen hoffnungsloser Verzweiflung und\ngränzenloser Seligkeit hin und her Schwankende darzu-\nstellen hat, war, obschon nach unseren Begriffen allzu na-\nturwahr, doch tief ergreifend, und liess uns eine Sängerin\nerkennen, die wirklichen Beruf zur Bühne hat. Wenn man\naber, unmittelbar nachdem sie ihre A-moll-Romanze in\nkünstlerisch fesselnder Weise beendigt, einen Chor zu hö-\nren gezwungen ist, dessen wüstes Getobe auf Alles eher\nvermuthen lässt, als auf ein Residenz-Theater, so kann man\nnur die Ansicht aussprechen, dass hier alle Vorbedingun-\ngen zu einem Opern-Unternehmen fehlen; und wenn Ita-\nlien uns seine besten Sänger herschicken wollte, so müsste\nman Protest dagegen einlegen, dass ihnen ein solcher Chor\nund, fügen wir hinzu, ein so unvollständig besetztes, aus\ntheilweise so unzureichenden Rräften bestehendes Orche-\nster zur Disposition gestellt wird. Und nun sind es doch\nnicht einmal italiänische Sänger ersten Ranges, sondern\nnur solche, die neben manchen Fehlern auch einzelne gute\nEigenschaften haben; da ist es also nicht zu verwundern,\nwenn das Publicum zurückhaltend ist. Signor Padilla\n(Vater Germont) sang etwas gemässigter, als im Trova-\ntore, und brachte seine schöne Baritonstimme mehrmals\nzu erfreulicher Geltung. Signor Andressi (Alfred) zeigte\nsich als erfahrenen, kunstverständigen Sänger mit einer\netwas trockenen und reizlosen Stimme; Signora Lombia\ndagegen konnte sich mit ihren matten, tremulirenden Tö-\nnen durch das eingelegte Trinklied aus der Lucrezia keine\ngrösseren Sympathieen bei uns erwerben, als sie sich\ndurch ihre Darstellung der Azucena erworben hatte.\n\nG. E.\n\nSchule des höheren Clavierspiels.\nHerr Karl Taus ig, Hofpianist Sr. Majestät des Kö-\nnigs von Preussen, hat in Berlin ein Musik-Institut er-\nrichtet, durch welches denjenigen sowohl, welche das Cla-\nvierspiel als Künstler zu ihrem Berufe erwählen wollen,\nwie denen, welche im Allgemeinen eine vollständige Aus-\nbildung in demselben erstreben, jedoch bereits das Elemen-\ntare überwunden und eine gewisse Fertigkeit erlangt ha-\nben, Gelegenheit geboten werden soll, ihre Zwecke in er-\nschöpfender Weise zu erreichen.\nDer Lehrgang umfasst die Ausbildung der Technik\nbis zur höchsten Virtuosität, des Vortrages, des\nVomblattspiels, des Zusammenspiels.\nJeder Schüler und jede Schülerin erhält ausser in den\nübrigen genannten Zweigen zwei Mal wöchentlich Un-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "304", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18660922-01.1.8", "texte": "terricht im Solospiel. Die jedem Musiker und gebildeten\nDilettanten nothwendige Unterweisung in der Harmonie-\nund Formenlehre hat Herr Musik-Director Weitzmann\nübernommen.\nAllmonatlich finden Versammlungen Statt, in welchen\nden befähigteren Schülern Gelegenheit geboten wird, vor\neinem grösseren Kreise zu spielen und somit die später\nbei öffentlichen Vorträgen nothwendige Klarheit und Ruhe\nzu erlangen.\nDas jährliche Honorar für den Lehrgang im Clavier-\nspiel beträgt 60 Thaler, für den Lehrgang im Clavier-\nspiel und der Theorie 75 Thaler, und wird vierteljährlich\npränumerando entrichtet. Der vollständige Cursus beginnt\nAnfangs October*).\nDer Stufengang des Lehrganges in drei Classen oder\nCursen, welche durch das Studium der Werke folgender\nMeister bezeichnet werden, scheint uns sehr zweckmässig.\nI. Classe. Bach I. (Stufe). Händel. Ph. E. Bach. Mo-\nzart. Clementi. Field. Hummel. Vollweiler. A. Schmitt.\nMoscheies. Heller. Grädener. Mendelssohn I. (Stufe). Beet-\nhoven I. (Stufe).\n11. Classe. Bach 11. Scarlatti. Klengel. Hiller. Czerny.\nKullak. Weber. Litolff. Mendelssohn 11. Beethoven 11.\nChopin I. Schumann I. Schubert.\n111. Classe. Bach 111. Beethoven 111. Mendelssohn 111.\nHenselt. Chopin 11. Schumann 11. Brahms. Rubinstein.\nBülow. Raff. Alkan. Liszt.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nHannover. Wenn bereits die Nachrichten in Nr. 37 (S.\n293) über die künftige Lage des Hoftheaters die Hoffnung auf Bei-\nbehaltung desselben unter dem Schutze der preussischen Regierung\nerregten, so bringt folgende Mittheilung aus Hannover vom 12. d.\nMts. die erfreuliche Gewissheit darüber: „Am 13. September Nach-\nmittags waren die sämmtlichen Mitglieder und Bediensteten des kö-\nniglichen Hoftheaters im Concertsaale des Theaters versammelt, wo\nihnen durch Herrn v. Pfuel (in Stellvertretung des Civil-Gouver-\nneurs) eröffnet wurde, dass die königlich preussische Regierung sich\nveranlasst gesehen habe, das Theater nebst Zubehör mit Beschlag\nzu belegen, um dies nicht allein für die Unterhaltung, sondern na-\nmentlich für die Volksbildung wichtige Kunst-Institut dem Publicum\nwieder zugänglich zu machen. Se. Maj. der König von Preussen\nübernehme alle von der früheren Theater-Verwaltung unter König\nGeorg eingegangenen Verpflichtungen, und es sei der Allerhöchste\nWille, dass das Theater auf dem bisherigen Fusse als königliches\nInstitut weitergeführt werde. Sämmtliche von den Bühnen-Mitglie-\ndern geschlossene Contracte bleiben unverändert, in Wirksamkeit,\nund die zur Hälfte nicht gezahlten Gagen sollen vom 1. September\nan nachbezahlt werden. Darauf stellte sich den Mitgliedern der\nHofbühne der neue provisorische Director Herr v. Bequignolles mit\neiner Ansprache vor. Die Bühne wird am Donnerstag den 20. Sept.\nwahrscheinlich mit Beethoven's Fidelio eröffnet werden.\"\nDer berühmte Komiker Fritz Beckmann, zuletzt Regisseur\nam Hof-Burgtheater in Wien, ist daselbst am 7. September gestor-\nben. Beckmann, eines Töpfers Sohn, war 1803 zu Breslau geboren\nund ging zuerst als Chorist auf das dortige Theater in der Absicht,\nbänger zu werden, behr bald zeigte sich aber bei ihm das entschie-\ndenste Talent zum Komiker, so dass er schon im Jahre 1824 nach\nkurzem Engagement in Breslau einen Ruf an das Königsstädter\nTheater in Berlin erhielt. Im Jahre 1839 vermählte er sich mit der\ngeschätzten Sängerin Muzarelli. In Wien trat er 1841 zum ersten\nMale auf, nahm 1845 ein Engagement bei Pokorny an, wurde aber\nschon im folgenden Jahre beim Hof-Burgtheater angestellt.\nBerichtigung. Den Aufsatz: „Hat die Musik vorchrist-\nlicher Zeit Bedeutung für die jetzige Tonkunst?\", den\nwir in Nr. 37 vom 15. d. Mts. abgedruckt haben, hielten wir für\neinen Original-Artikel der „Neuen New-Yorker Musik-Zei-\ntung\" und nannten daher in der Anmerkung die gedachte Zeitung\nals Quelle. Es war dies ein Irrthum, den die Redaction der araeri-\ncanischen Zeitung durch Nichtangabe des Originals veranlasst hatte.\nJener Aufsatz hat Herrn Ehrlich in Berlin zum Verfasser und\nstand in der Berliner Musik-Zeitung (Bote und Bock) Nr. 27\nvom 4. Juli d. J. Die Redaction.\n*) Anmeldungen zur Aufnahme sind an die Musikhandlung des\nHerrn Eugen Simmel in Berlin, Mohrenstrasse 36, zu richten."}]}