{"numero_id": "bm-bmtnabi-1866-10-06-01", "volume": "bmtnabi_1866-10-06_01", "ocr_sha256": "524588219f051d9784504ad0e97e601b49a2bd4090bc4c75dba71f44a2760720", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1866/10/06_01/bmtnabi_1866-10-06_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661006-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1866-10-06-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-10-06_01#c001", "volume": "bmtnabi_1866-10-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "313", "page_fin": "313", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661006-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "313", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661006-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 471, "texte": "Inhalt.\nEinige Bemerkungen zu den Partituren der 3., 5. und 6. Sinfonie von Beethoven in der neuen leipziger Ausgabe. Von\nL. B. Das Musikfest in Worcester. Ein Concert in Mexico. Tages- und Unterhaltungsblatt (Frankfurt a. M., Hoftheater\nin Wiesbaden Berlin, Theater, Ernennung, Vermählung Breslau, Dr. L. Damroseh München, K. Wagner, Theater Wien, un-\nerwarteter Keichthum Offenbach's „Blaubart\", Philharmonische Concerte, Fräulein Orgenyi Alfred Jaell Brüssel u. s. w.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-10-06-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-10-06_01#c002", "volume": "bmtnabi_1866-10-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "313", "page_fin": "316", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661006-01.2.2", "titre_corps": "Einige Bemerkungen zu den Partituren der 3., 5. und 6. Sinfonie von Beethoven in der, neuen leipziger Ausgabe.", "titre_sommaire": "Einige Bemerkungen zu den Partituren der 3., 5. und 6. Sinfonie von Beethoven in der, neuen leipziger Ausgabe.", "signature_source": "L. 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Wie diese Stelle bisher überliefert war:\nbietet sie für die Ausführung durch die unvermeidliche\nSuspension des Tactgefühls eine ausserordentliche Schwie-\nrigkeit dar, und es hängt immer am Haar, dass die Oboen\nund Saiten-Instrumente präcis und sicher einsetzen. Wie\nsie jetzt mit einer scheinbar geringfügigen Aenderung\nauthentisch hergestellt ist:\nsind durch Fortlassen der Bogenstriche alle Schwierigkei-\nten gehoben. Mit dem Eintritte des klaren Septimen-Ac-\ncords wird auch der Rhythmus bestimmt hervorgehoben\nund damit für Jedermann verständlich in die alte Bahn\neingelenkt.\"\nIn Bezug darauf sind wir ganz entgegengesetzter Mei-\nnung. Erstens ist die Einlenkung in die alte Bahn bei bei-\nden Vortragsarten ganz dieselbe, denn durch die Bindun-\ngen hört man doch wohl den Eintritt des Septimen-Ac-\ncords eben so klar, als durch das Absetzen der drei Ac-\ncorde: höchstens könnte man sagen, der Accord trete\nhandgreiflicher hervor; diese Handgreiflichkeit aber bei\nBeethoven durch eine Correctur zu befördern, dürfte\nschon an und für sich sehr bedenklich sein. Das Absetzen\nder Accorde bewirkt aber im Gegentheil eine Störung in\nder Einlenkung in die alte Bahn, d. h. in das charakte-\nristische Nachschlagen der drei Viertel der Oboen und\nSaiten-Instrumente. Denn diese drei Viertel nach jedem\nSatze der Hörner erinnern im Trio, das einen ganz an-\nderen Charakter hat, als der erste Satz des Scherzo's, allein\nan das unruhige, prickelnde Wesen des ersten Satzes, und\nihr Eindruck wirkt gerade am Schlüsse des ganzen Trio's\neben durch Vorhergehen der gehaltenen Accorde am\nüberraschendsten, verliert aber seine Bedeutung, wenn\nunmittelbar vorher drei abgesetzte Accorde recht deutlich\nmarkiren, dass es zu Ende geht. Wir glauben daher viel\neher, dass Beethoven in dem Original-Manuscripte die\nBindebogen vergessen, als dass sie der Stecher hinzuge-\nsetzt habe. Wer in den letzten 26 Tacten vom Schlüsse\ndes Trio's (einschliesslich Nr. 1) die rhythmische Steige-\nrung, die sich in den synkopirten Noten offenbart, be-\nachtet, wird leicht fühlen, dass der Wegfall der Synkopen\nin den drei letzten Tacten den ganzen wundervollen Bau\nzerstört; drei abgesetzte Accorde, deren jeder einen gan-\nzen Tact füllt, sind entschieden gegen den Charakter des\nganzen Scherzo's. Ferner ist zu bemerken, dass in Jahn's"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "314", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661006-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5118, "texte": "Abdruck der bisherigen Ueberlieferung (s. oben) der Bo-\ngen zwischen dem f im vierten und dem f im fünften\nTacte der ersten Hornstimme fehlt, aber in der älteren\nPartitur von Simrock S. 145 und in der Hornstimme\nvorhanden ist, so dass also die Annahme Jahn's, dass zwi-\nschen dem vierten und fünften Tacte in der Oberstimme\nnach der alten Partitur schon ein markirter Absatz be-\nzeichnet sei, eine irrthümliche ist.\nDer erleichterte Einsatz der Oboen und Saiten-In-\nstrumente kann natürlich gar nicht in Betracht kommen;\nein Orchester, das nicht im Stande ist, auf den zweiten\nTacttheil einzusetzen, wenn kein Instrument, sondern nur\nder Dirigent den ersten markirt, kann überhaupt keine\nBeethoven'sche Sinfonie spielen. Nach der Erleichterungs-\nTheorie hätte dann auch jener Capellmeister Recht ge-\nhabt, der, wie ich in meiner Jugend mit eigenen Ohren\ngehört habe, bei dem berühmten Anfange der C-moU-S\\x\\-\nfonie die Bässe ein Es vorschlagen liess, damit die Saiten-\nInstrumente ihre drei Achtel fester einsetzen könnten.\nWie sollte es übrigens kommen, dass Beethoven, der\nzur Zeit der ersten Aufführungen der Eroica noch selbst\ndirigirte und noch gut hören konnte, nirgendwo die Bin-\ndung der fraglichen Accorde für falsch erklärt hat, da er\ndoch sonst häufig und verdriesslich genug auf die Verhun-\nzung seiner Sachen durch Druckfehler schimpft und z. B.\nden Abdruck der bekannten zwei unberechtigten Tacte\nim Scherzo der fünften Sinfonie, den er doch auch durch\nein Versehen seinerseits veranlasst hatte, einen „gros-\nsen Bock\" in einem an Breitkopf geschriebenen Briefe\nnennt ?\nDass diese zwei Tacte im Scherzo der fünften Sin-\nfonie aus der neuen Partitur endlich weggelassen sind,\nist allerdings eine Berichtigung; die Verlagshandlung hat\ndadurch eine alte Schuld abgetragen, denn der so eben\nerwähnte Brief über „den Bock\" war gleich nach der\nHerausgabe der fünften Sinfonie in den Händen derselben.\nAllein es geschah nichts, um Beethoven's wahren Willen\nkund zu thun, auch nicht, nachdem im Jahre 1842 Men-\ndelssohn darauf aufmerksam gemacht und den Brief von\nBeethoven bei Herrn Dr. Härtel eingesehen hatte, was\nich in der Kölnischen Zeitung bekannt machte und später-\nbin in einem besonderen Aufsatze in der Niederrheiniscben\nMusik-Zeitung, Jahrgang 1852, Nr. 46, ausführlich mit-\ntheilte und auch aus inneren Gründen die Ungehörigkeit\njener zwei Tacte nachwies trotz alledem wurden bei\nden meisten Aufführungen die von Beethoven verworfenen\nTacte fortwährend mit gespielt, und in Paris geschieht es\nnoch heute! Es war also hohe Zeit, dass sie in einer\nneuen Partitur-Ausgabe endlich ausgemerzt wurden. Wie\naber, wenn Beethoven's Brief „über den Bock\" nicht vor-\nhanden wäre und ein heutiger Herausgeber als Beweis\ngegen alle inneren Gründe sich auf die Autorität des Ori-\nginal-Manuscriptes beriefe und die zwei Tacte wieder ab-\ndrucken liesse? Fiat applicatw!\nIm ersten Allegro derselben fünften Sinfonie\nist in der neuen Ausgabe eine Tactpause für das ganze\nOrchester stehen geblieben, deren Ausmerzung ebenfalls\nwohl keinem Zweifel unterliegen dürfte. Wir meinen den\n121. Tact nach der Fermate mit der Cadenz der Oboe\n(ältere Partitur von Breitkopf und Härtel S. 36, T. 2\nneuere S. 18, T. 2). Dieser Tact, eine Pause für das\nganze Orchester enthaltend, tritt zwischen die anhaltende,\nstreng gegliederte rhythmische Reihe von vier Tacten\nmit einem fünften hinein! Man verfolge nur den entschie-\nden viertactigen Rhythmus vom (S. 33, neue Par-\ntitur S. 17) an bis zum Eintritte des Unisono der Fagotte,\nBratschen und Violoncelle:\nund man wird sich überzeugen, dass jene Tactpause eine\nUnmöglichkeit ist; sollte sie irgendwie bestehen können,\nso müsste wenigstens nach den darauf folgenden sechs\nTacten wieder eine Tactpause Statt finden.\nWie ist nun aber diese Tactpause in die Partitur ge-\nkommen? Nach einer brieflichen Mittheilung von Felix\nMendelssohn über diese Sache an mich ist der fragliche\nTact in Beethoven's Manuscript (nach Thayer jetzt im\nBesitze des Herrn Paul Mendelssohn) allerdings vorhan-\nden, allein er ist ganz leer und auf keinem Linien-System\nbefindet sich das Zeichen einer Pause; diese ist von dem\nAbschreiber oder Stecher hinzugefügt. Mehr bedarf es\nwohl nicht, um die zwingenden inneren Gründe für die\nAusstossung auch durch einen äusseren zu vervollständi-\ngen. Mendelssohn liess in seinen späteren Jahren bei den\nAufführungeu, die er dirigirte, die Pause weg.\nDoch wozu alles dies? Werden die Herren Dirigen-\nten es prüfen und berücksichtigen? Das ist nach vielen\nErfahrungen kaum zu hoffen. „Danaiden-Arbeit, lieber\nFreund!\" würde der alte Schindler sagen, wenn er noch\nlebte.\nWas im ersten Satze der Pastoral-Sinfonie die\nFortsetzung der Triolenfigur der ersten Violine drei Tacte\nlang statt der Pausen auf S. 35 der älteren Partitur be-\ntrifft, so ist das allerdings eine Verbesserung in der neuen\nAusgabe. Dass Schumann, wie Jahn S. 325\" sagt, darauf\naufmerksam gemacht, und jetzt die Vergleichung der\nOriginal-Partitur die Conjectur gerechtfertigt habe, war\nuns auffallend, da Schindler diese Stelle in Münster und\nAachen immer mit den vollständigen vier Tacten derselben"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "315", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661006-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5437, "texte": "Figur spielen liess und sie längst in der Biographie Beet-\nhoven's, Tb. I, S. 157, berichtigt hatte, wo es also heisst:\n„Im ersten Satze der gedruckten Partitur S. 35 sind die\ndrei Tactpausen in der ersten Violine mit der Triolenfigur\ndes dritten Tactes auszufüllen; diese muss vier Tacte\nhindurch zu hören sein. Von der Violine übernimmt sie\ndie Viole und setzt sie durch vier Tacte fort!\" Wieder\nein Beispiel von Danaiden-Arbeit!\nDass die Musik zu Egmont von den Anhängseln\nzu so genannter „Concert-Aufführung\" in der neuen\nAusgabe befreit erscheint, ist ebenfalls eine Verbesserung.\nWenn aber Jahn S. 318 bemerkt: „Diese von dem Cor-\nrector in Leipzig zugesetzten Schlüsse wurden nach da-\nmaliger Weise ohne jede Erklärung mit abgedruckt\nund galten mithin für authentisch, obgleich sie die ur-\nsprünglichen Intentionen des Componisten theilweise ge-\nradezu vernichteten\" so ist er erstens darüber in Irr-\nthum, dass die Verleger keine Erklärung darüber abge-\ngeben hätten. Es lag allerdings der ersten Ausgabe in\nStimmen ein einzelnes Folioblatt bei, des Inhalts:\nL. v. Beethoven's Ouvertüre, Gesänge und Zwischen-\nacte zu Egmont, Trauerspiel von Goethe. Verzeichniss der\nStücke (in welchem das Lied Nr. 1: „Die Trommel ge-\nrühret\", fehlt, obwohl es in den Stimmen befindlich ist!)\nund Anmerkung: „Es ist zu bemerken, dass die Stücke\n2,5,6, wenn diese Musik zur Vorstellung gegeben\nwird, nur bis Fine gespielt werden. Zum Gebrauche die-\nser Musikstücke für Concerte sind von einem ande-\nren Gomponisten Schlusstacte hinzugesetzt worden; es\nwerden daher bei Nr. 2 statt der mit * eingeklammerten\nzwei Tacte die letzten acht Schlusstacte gespielt. Nr. 5\nwird gespielt, wie es sich im Stiche findet (d. h. mit einer\nWiederholung des Marsches und einem Schwanz!). Bei\nNr. 6 werden ebenfalls statt der mit * eingeklammerten\n21 Tacte die letzten 12 Schlusstacte gespielt.\"\nDieses lose Blatt mag freilich vielfach verschmissen\noder nnbeachtet geblieben sein, die jetzigen Eigenthümer\nder Verlagshandlung wissen vielleicht selbst nichts mehr\ndavon; bei der ersten Stimmen-Ausgabe sind sie durch\nVeröffentlichung obiger Erklärung von Vorwurf frei; aber\nbei der späteren Ausgabe der Partitur der Egmont-\nMusik, welche mit allen Kreuzchen und Schwänzen ohne\nirgend eine Benachrichtigung über das wahre Sachver-\nhältniss abgedruckt ist, haben sie sich gegen Beethoven\nvergangen. Dass Beethoven, wie es bei Jahn heisst, seine\nEinwilligung zu diesen Zusätzen gegeben haben solle,\nglauben wir nimmermehr; auch würden die Verleger nicht\nermangelt haben, dies auf dem Beiblatte zu bemerken.\nWas nun zweitens die „authentische Geltung\" jener\nZusätze betrifft, so sind sie so entsetzlich trivial (bei Nr. 6\nist die S. .. rei am ärgsten!), dass doch wohl nur wenige\nDirigenten sie ohne Kopfschütteln gelesen haben mögen;\ndoch mag immerhin genug Missbrauch damit getrieben\nworden sein. Hier in Köln sind sie, wenigstens in den\nletzten fünfzehn Jahren, niemals gespielt worden; die ver-\nbindenden Gedichte in Concert-Aufführungen waren von\nmir dermaassen eingerichtet, dass ihre verschiedenen Ab-\nschnitte sich stets an die Musik, wie sie Beethoven ge-\nschrieben, unmittelbar anschlössen und die Aufführung\nein Ganzes bildete. Einen ausführlichen Aufsatz darüber\nhabe ich bereits im Jahrgänge 1853 (zweite Hälfte)\ndieser Blätter, Nr. 6 vom 6. August, drucken lassen\nwahrscheinlich auch Danaiden-Arbeit!\nBei der Notiz über die von Beethoven selbst öfters\nbeabsichtigte, aber nie zu Stande gekommene Gesammt-\nAusgabe seiner Werke berührt Jahn die Ergänzung in\nBezug auf den erweiterten Umfang des Pianoforte mit fol-\ngenden Worten, mit denen wir ganz übereinstimmen:\n„Beethoven's Betheiligung an der Ausgabe hätte frei-\nlich in vielen und wichtigen Beziehungen unersetzliche\nVortheile gebracht, manche Schwierigkeiten, die jetzt un-\nlösbar sind, wären gar nicht als solche hervorgetreten;\naber sie drohte auch einen bedenklichen Nachtheil herbei-\nzuführen, denn er dachte daran, Aenderungen an seinen\nCompositionen vorzunehmen. Eine Art der Abänderungen\nist bereits erwähnt. Ein namhafter Theil der früheren Cia-\nvierwerke ist für Instrumente von nur fünf Octaven ge-\nschrieben, und es ist nicht zu verkennen, dass an manchen\nStellen dieser beschränkte Umfang die Freiheit des Com-\nponisten beengt bat. Man gewahrt deutlich, dass da, wo\neine Melodie oder Passage in einer Tonlage wiederholt\nwird, in welcher die Höhe des Instrumentes nicht aus-\nreicht, urn sie vollständig wiederzugeben, Abänderungen\nnur des äusseren Hemmnisses wegen nöthig geworden\nsind. Manche Fälle sind so klar und so einfach, dass jeder\neinsichtige Spieler jetzt die unzweifelhafte Transposition\nselbst vornehmen kann. Allein anderswo ist es mindestens\nzweifelhaft, ob nicht ausser der Beschränkung des Instru-\nmentes auch noch andere innere Motive die Abänderung\nbewirkt haben, und endlich fehlt es nicht an solchen Stel-\nlen, wo die Veränderung, wenn sie auch durch den äus-\nseren Zwang veranlasst ist, eine neue Schönheit hervorge-\nrufen, dem Ganzen einen eigenthümlichen Reiz verliehen\nhat, auf den nun Niemand verzichten möchte. Eine durch-\ngreifende Redaction der älteren Clavier-Compositionen, so\ndass die Gleichmässigkeit der Parallelstellen nach Maass-\ngabe des erweiterten Umfangs der Instrumente streng\ndurchgeführt würde, wie sie wohl verlangt worden ist,\nkann daher jetzt in keiner Ausgabe vorgenommen werden:\nes ist jedem Spieler oder Lehrer zu überlassen, was er in\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "316", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661006-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 827, "texte": "dieser Hinsicht Beethoven's Intentionen schuldig zu sein\nglaubt. Ihm selbst hätte allerdings die authentische Inter-\npretation vollständig zugestanden, eine von ihm in dieser\nBeziehung vorgenommene Revision würde der buchstaben-\ngläubigen Pedanterie wie der eigenwilligen Aenderungs-\nlust den Boden genommen haben, und wäre dankenswerth\ngewesen, selbst wenn vielleicht der Consequenz hier und\nda eine Schönheit als Opfer gefallen wäre. Es ist aber\nnicht denkbar, dass Beethoven, wenn er seine früheren\nCompositionen vornahm, sich auf so harmlose Aenderun-\ngen beschränkt haben würde, und dass er denselben über-\nall gerecht geworden wäre. Bekanntlich waren ihm manche\nderselben in späteren Jahren gar nicht recht: er gestand\ndenselben „ „einiges Talent und guten Willen\"8 zu, aber\ner wurde unmutbig, wenn man sie lobte.8\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-10-06-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-10-06_01#c006", "volume": "bmtnabi_1866-10-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "316", "page_fin": "318", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661006-01.2.3", "titre_corps": "Das Musikfest in Worcester.", "titre_sommaire": "Das Musikfest in Worcester.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "316", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661006-01.1.4", "debut_caractere": 829, "fin_caractere_exclue": 5074, "texte": "Das Musikfest in Worcester.\nDas Musikfest des musicalischen Bundes der Städte\nWorcester, Hereford und Gloucester fand dieses Jahr an\nden Tagen des 11., 12., 13. und 14. September (Dins-\ntag bis Freitag) zu Worcester Statt. Die Theilnahme von\nnah und fern übertraf trotz des schlechten Wetters am\nersten Tage wehte ein orkanartiger Sturm und an den\nfolgenden folgte immer ein Regenschauer auf den anderen\nalle Erwartung und lieferte sowohl in der Collecte für\ndie Armen an den Thüren der Kathedrale (1214 Pf. St.),\nals an Abonnements- und Eintrittsgeldern (über 3000\nPf. St.) eine bisher noch nicht dagewesene Einnahme.\nAm Morgen des 11. September war Gottesdienst in\nder Kathedrale, welcher dieses Mal besondere Erwähnung\nverdient, weil die Predigt des Vicars von Stoneleigh, J. W.\nLeigh, gegen die Hyper-Orthodoxen gerichtet war, welche\ndie Kirchen durch Aufführungen von Oratorien und ähn-\nlichen Musikwerken für entweiht halten. Der wackere\nGeistliche bekämpfte siegreich unter allgemeiner Zustim-\nmung diese Ansicht durch eine begeisterte Rede über den\nText Chronik 1., XXV, 7: „Und es war ihre Zahl (der\nSänger im Hause Gottes) mit ihren Brüdern, die im Ge-\nsang des Herrn gelehret waren, allesammt Meister, zwei-\nhundert achtundachtzig.\" Die Predigt machte dermaassen\nEindruck und Aufsehen, dass sie gedruckt werden musste,\nund während des ganzen Musikfestes war sie in Aller\nMunde.\nDie erste Aufführung brachte das Dettinger Te Deum\nvon Händel mit den Solisten Madame Patey-Whytock,\nMiss Pullen, den Herren Cummings und Thomas; die\nSolo-Trompete zu der Arie:\nwelche Händel für seinen Trompeten-Virtuosen Valentin\nSnow geschrieben hat, blies Harper von London. Die\nChöre waren jedoch die Hauptsache, sie machten einen\ngrossartigen Eindruck. M endelssohn's 55. Psalm: „Hör'\nmein Bitten, o Gott!\" (mit englischem Texte) folgte. Men-\ndelssohn hatte diesen Psalm für Sopran-Solo, Chor und\nOrgel geschrieben, späterhin aber die Orgelstimme für\nOrchester bearbeitet; in letzterer Gestalt wurde der Psalm\nhier gegeben. Wiewohl die Erinnerung an Jenny Lind\nlebendig war, so wusste doch Frau Lemmens-Sherrington\ndurch ihren Vortrag in die Fussstapfen der freilich uner-\nreichbaren Vorgängerin zu treten.\nEine Auswahl aus Costa's Oratorium „Naaman\"\nscbloss die erste Abtheilung; sie bestand nur aus Solo-\nstücken, in denen die Damen Lemmens, Tietjens und\nDolby, die Herren Cummings und Santley sangen.\nDie zweite Abtheilung füllten die beiden ersten Theile\nvon Haydn's „Schöpfung\". Fräulein Tietjens sang die\nB-dur-krie: „Nun beut die Flur\", Frau Lemmens die\nübrigen Sopran-Soli; Tenor und Bass waren durch Sims\nReeves und Santley besetzt. In den Chören war das aus\nden drei Städten vereinigte Personal nicht so gut zu\nHause, wie später im „Messias\". Mr. Done leitete das\nGanze.\nUm die oben erwähnte Predigt zu charakterisiren,\ntheile ich Ihnen einige Stellen aus derselben mit.\n„Meiner Ansicht nach gibt es kaum Etwas, das mehr\nzur Erbauung in der Kirche und zur Ehre Gottes gereicht,\nals der Gesang von Psalmen und die Ausführung heiliger\nMusik. Denn die Musik verbindet nicht nur Unschuld mit\nGenuss, sondern erhebt auch die Seele zu Gott und erfüllt\ndas Gemüth mit himmlischen Gedanken und Gefühlen, und\ndiese Wirkung werden wir auch von den majestätischen\nund erhabenen Oratorien empfinden, welche in dieser\nWoche in dieser alten Kathedrale aufgeführt werden sol-\nlen. Ich weiss wohl, dass es manche gute und treffliche\nMänner unter den Gegnern der Musikfeste gibt, die ihre\nFeier in Kirchen missbilligen, und dass sie dabei auch von\naufrichtigen Beweggründen ausgehen. Der Vorwurf, dass\nsowohl unter den Mitwirkenden, als unter der Zuhörer-\nschaft es an Ehrfurcht vor der Kirche mangelt, hat etwas\nWahres. Allein gesetzt auch, dass Manche von den Mit-\nwirkenden nur aus weltlichen Motiven an den Oratorien\nTheil nehmen, und dass Viele unter den Zuhörern bloss\nerschienen sind, um zu sehen und gesehen zu werden, so\nbin ich doch der Meinung, dass die niedrigeren Beweg-\ngründe der wenigen Einzelnen den erhabenen und reli-\ngiösen Charakter der Aufführungen im Ganzen nicht be-\neinträchtigen können. Leider finden sich überall, wo Mas-\nsen von Menschen auch zu andächtigen Zwecken versam-\nmelt sind, unter ihnen auch solche, die so etwas von dem"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "317", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661006-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5822, "texte": "Charakter eines Judas, oder Ananias, oder Simon Magus\nan sich haben; in unseren Dorfkirchen und in unseren\nKathedralen wird es unter den Chorsängern und unter\nden Versammelten stets sorglos Lebende, der Gottesfurcht\nErmangelnde, deren Gedanken nur auf weltliche Dinge\ngerichtet sind, geben. Aber kann das denn der Heiligkeit\ndes Ortes oder dem Charakter des Gottesdienstes Abbruch\ntbun? Wahrlich, für die grossartigen Aufführungen der\nherrlichsten Werke religiöser Musik, die jemals von Sterb-\nlichen geschaffen sind und deren Texte grösstentheils aus\nvon Gott eingegebenen Worten der heiligen Schrift be-\nstehen, für solche Aufführungen kann es keine natür-\nlichere und angemessenere Oertlichkeit geben, als den\nTempel Gottes, der dazu gemacht ist, dass Preis und Dank\nund Gebet in seinen Hallen zu ihm aufsteigen! Und sollte\nder Eindruck solcher Töne nicht manches weltlich um-\nstrickte Gemüth zu wahrer Andacht zurückrufen? Sollte\nes eine Seele geben, die so taub für Musik wäre, dass sie\nvon einem so erhabenen Halleluja, wie das in Händel's\nMessias, nicht ergriffen würde? Das kann ich nicht den-\nken. Allerdings kommt die wahre, inbrünstige Andacht\nvon Gott und seinem heiligen Geiste: aber dürfen wir\ndesshalb alles Menschliche, das die schlummernden Ge-\nfühle in uns erweckt und das Gemüth für die Aufnahme\nder göttlichen Gnade stimmt und vorbereitet, verschmähen\noder gar verdammen? Zuweilen wird das Feuer zur\nFlamme durch die Kraft der Beredsamkeit entzündet, zu-\nweilen durch die herzergreifenden Töne eines heiligen\nLiedes. Wer nicht zu besseren Gefühlen durch die Bered-\nsamkeit des Predigers angeregt wird, wird vielleicht durch\ndie herrlichen Töne geistlicher Musik ergriffen. Nicht alle\nMenschen sind gleich organisirt, und wir sind nicht be-\nrechtigt, die Gefühlsweise Anderer bloss nach der unseri-\ngen zu beurtheilen. Wenn die Musik ein hartes Herz er-\nweichen und für die Aufnahme guter und edler Eindrücke\nempfänglich machen kann, was kann man dann mehr\nwünschen?\"\nMich dünkt, dergleichen vernünftige, von Muckerei\nund Rationalismus gleich weit entfernte Worte dürften\nauch bei manchen evangelischen Geistlichen und Kirchen-\nVorständen in Deutschland (und Holland) angebracht sein,\num sie zu Ueberlassung der Kirchen zur Aufführung von\nOratorien zu bewegen, denn dahin gehören sie doch recht\neigentlich, so gut wie die musicalischen Messen in die ka-\ntholischen Kirchen*). Unser Vicar in Worcester ging (oder\nverging sich —werden die Ueberkirchlichen sagen!)\nsogar so weit, von der Kanzel herab namentlich auf die\naufzuführenden Werke hinzuweisen, indem er also schloss:\n„Wenn Alle in dem Gefühle mitwirken und zuhören,\ndass sie hier in Gottes Tempel zu seinem Preise und sei-\nner Ehre versammelt sind, so kann es keine grossartigere\nund erhabenere Feier geben, als diejenige, welche wir in\ndiesen Tagen begehen werden. Beginnend mit dem präch-\ntigen Te Dewm von Händel, welches Gottes Gnade preist,\nfährt die Aufzählung derselben fort mit der Schilderung\nder Wunder der Schöpfung und endigt mit der Dar-\nstellung der grössten Gnade, der Sendung des Messias\nzur Erlösung der Menschen. 0, möchten doch die Halle-\nluja's, weiche wir in den Hallen dieser altehrwürdigen\nKirche hören werden, ein schwaches Bild jener ewigen\nHalleluja's geben, die da dereinst von den englischen Heer-\nscharen werden gesungen werden.\"*)\nWenn man das englische Publicum in Oratorien-Auf-\nführungen so zahlreich versammelt sieht und die gespannte\nAufmerksamkeit der Zuhörenden wahrnimmt, von denen\nein grosser Theil nicht bloss mit den Textbüchern, son-\ndern mit den Clavier-Partituren in der Hand der Musik\nfolgt, so sollte man meinen, dass ein solches Publicum\nauch in den Abend-Concerten an den Musikfesten sich\nnur an classischen Werken erfreuen könne. Besucht man\nnun diese Concerte, so erkennt man das Publicum, das in\nder Kirche so andächtig zuhörte, im Concertsaale kaum\nwieder; denn hier rauschen lärmende Beifallssalven und\nenthusiastische Bravo- und Dacapo-Rufe fast nach jedem\nAushängestücke der buntesten Musterkarte, die man Pro-\n\n*) Der Berichterstatter befindet sich noch im Stande der Un-\nschuld und scheint nicht zu wissen, dass ein grosser Theil der ka-\ntholischen Geistlichkeit nicht einmal die musicalischen Messen mehr\nin der Kirche zulassen will! Die Redaction.\n*) Es ist keine Frage, dass diese Predigt in dem hochkirch-\nlichen England eine Merkwürdigkeit ist; sie beweist in ihrer Sphäre\nwieder den Tact des englischen Volkes in allen öffentlichen Dingen,\nWir können nicht umhin, bei dieser Gelegenheit an die Hindernisse\nzu denken, welche der Feier unseres niederrheinischen Mu-\nsikfestes, nicht etwa, weil es in Kirchen, sondern nur, weil es\nan den Pfingstfeiertagen gefeiert wurde, von Seiten der Geist-\nlichkeit (der evangelischen so viel wir wissen) im Bergischen\n(Regierungsbezirk Düsseldorf) bereitet wurden. Man erzielte in der\nThat eine königliche Cabinets-Ordre im Jahre 1834, wodurch die\nFeier an den Pfingsttagen verboten wurde. Zwar wurde sie noch\n„ausnahmsweise\" für 1834 in Düsseldorf und 1835 in Aachen nach-\ngelassen, allein eine förmliche Aufhebung jenes Verbotes brachte\nerst die königliche Cabinets-Ordre vom 3. April 1836, welche den\nStädten Aachen, Düsseldorf und Köln (Elberfeld wurde nicht darin\ngenannt) die Feier des Musikfestes an den Abenden der Pfingsttage\nauf immer gestattete. Es blieb kein Geheimniss, dass es neben den\nEingaben des Musikfest-Comite's und des Stadtrathes von Düsseldorf\nder besonderen Verwendung des Prinzen Friedrich, der damals\nin Düsseldorf residirte, bei des Königs Majestät bedurft hatte, um\ndas erfreuliche Ziel zu erreichen. Seitdem haben wir nun zwar\nkeine ähnlichen Umtriebe mehr zu befürchten, aber dass ein Geist-\nlicher zu Gunsten des Musikfestes in Aachen, Düsseldorf oder Köln\npredigte, das werden wir schwerlich erleben.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "318", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661006-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1639, "texte": "Gramm nennt, und man überzeugt sich bald, dass es den\nGentlemen hier gar nicht auf das Was, sondern nur auf\ndas Wie der Ausführung ankommt. Mit Recht heissen\ndergleichen Concerte in England Miseellaneous Concerts,\ndenn ein ärgeres Gemisch von Musikstücken aller Zeiten\nund Stilarten kann man sich nicht denken. Und diese Con-\ncessionen an den Geschmack der Menge finden nicht nur\nzu London bei den Virtuosen-Concerten Statt, deren Pro-\ngramme bekanntlich oft 30 —4O Nummern aufzählen,\nsondern auch bei den Musikfesten, bei denen doch in\nDeutschland das Concert des dritten Tages, das so ge-\nnannte Künstler-Concert, immer noch bis auf einen ge-\nwissen Grad das Gepräge der Classicität trägt.\nEs war daher schon etwas Aussergewöhnliches, dass\ndas erste Concert in Worcester die Ouvertüre, Introduc-\ntion und eine Auswahl von Gesängen (6—7 Nummern)\naus Weber's „Euryanthe\" als ein mehr oder weniger\nzusammenhangendes Ganzes brachte, bei dem auch der\nChor mitwirkte. Unmittelbar darauf folgten aber eine Ro-\nmanze aus Verdi's Ballo in eine Ballade von\nBlumenthal und eine Violoncell-Tarantella; und die zweite\nAbtheilung des Concertes enthielt neun Nummern: Ouver-\ntüre (Cheval de bronce) von Auber, Arie (Domino noir)\nvon Auber, Tenor-Arie aus Oberon von Weber, Scene\naus Semiramis von Rossini, Quintett („Hm,hm,hm,hm\")\naus der Zauberflöte von Mozart, Arie mit Chor aus Hän-\nde l's „Allegro e Pensieroso\" ienglische Ballade von Cla-\nribel, Terzett aus II Matrimonio segreto von Cimarosa,\nMarsch aus der „Athalia\" von Mendelssohn, bei dessen\nKlängen die Leute zum Saale hinaus marschirten. Es wa-\nren ihrer an 800 da gewesen.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-10-06-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-10-06_01#c007", "volume": "bmtnabi_1866-10-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "318", "page_fin": "319", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661006-01.2.4", "titre_corps": "Ein Concert in Mexico.", "titre_sommaire": "Ein Concert in Mexico.", "signature_source": "W. Winckler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "318", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661006-01.1.6", "debut_caractere": 1641, "fin_caractere_exclue": 4879, "texte": "Ein Concert in Mexico.\n\nGegen 6 Uhr Abends kehrte ich, befriedigt von mei-\nner Partie, mit der Eisenbahn nach Mexico zurück und\nkonnte noch ein vortreffliches Concert besuchen, das im\nDeutschen Hause abgehalten wurde.\nDieses Concert war ein so gutes, dass ich desselben\neingehende Erwähnung thun muss.\nDer deutsche Club hatte dasselbe veranstaltet, um\nden Verein, welcher ein wenig im Rückschreiten begriffen\nsein soll, wieder etwas in Aufnahme zu bringen, und dess-\nhalb nichts gespart, was den Concert-Abend zu einem ge-\nnussreichen machen konnte.\nDer kleine Saal war festlich decorirt und nur Perso-\nnen eingeladen worden, die zu den besten der mexicani-\nschen Gesellschaft gehörten. Man hatte keine Eintritts-\nkarten verkauft, sondern mit Discretion vertheilen lassen.\nDaher kam es, dass nur die reichsten Kaufleute, die Con-\nsuln, der österreichische Gesandte Graf Thun, eine Menge\nhöherer Officiere, Beamte, Aerzte und Künstler anwesend\nwaren. Nur Ball-Toiletten der Damen, Fracks und Uni-\nformen wurden in den glänzend erleuchteten Räumen des\nDeutschen Hauses gesehen.\nAls Mitwirkende im Concerte wurde der deutsche\nGesangverein, die österreichische Militärmusik, die Opern-\nsängerinnen Sulzer und Sawerthal und der Pianist\nBoekelmann genannt.\nNachdem der Saal von einer eleganten Damenwelt,\nunter welcher sich auch Engländerinnen, Spanierinnen,\nFranzösinnen und Americanerinnen befanden, fast über-\nfüllt worden war, begann das Concert um 8 Uhr 30 Min.\nIch will hier nur einfach erwähnen, dass die Leistun-\ngen des Orchesters gut waren und dass die Sänger unter\nallen Liedern „Was ist des Deutschen Vaterland?\" von\nReichardt und das „Wachtlied\" von Otto am besten vor-\ntrugen.\nDie Bravour-Piecen des Herrn Boekelmann und unter\ndiesen besonders die von ihm so pompös introducirte 27.\nSonate von Beethoven kamen nicht zur Anerkennung,\nvielleicht kaum zum Verständniss.\nHerr Boekelmann hatte über Beethoven's prachtvolles\nWerk folgenden musicalischen Schwulst auf der vierten\nSeite des Programms losgelassen und sich dadurch selbst\ngeschadet. Man las auf der Rückseite mit Erstaunen:\n„Sonate von L. v. Beethoven (Op. 27). [Quasi fan-\ntasia.) Adagio. Die weihevolle Melancholie eines tief in\nsich gekehrten Gemüthes in stiller, heiliger Ruhe; ein\nFriedhof bei falbem Mondschein mit Graburnen unter\nTrauerweiden ist hierzu ein stimmungsverwandtes Ge-\nmälde. Das Allegretto geht aus dem Trauersatze hervor\nund führt in eine Stimmung hinüber, die durch Thränen\nlächelt und das frühere schmerzliche Gefühl in süssmilde\nTröstung umstimmt. Presto agitato. Angst- und Schreck-\nAccente und wildes Schwelgen im Spiele der entfesselten\nGefühle wechseln mit Momenten grossartig resignirter\nFassung voll hoher Seelenwürde, bis es nach furchtbarem\nLeidenschafts-Taumel (nach der im Triller gleichsam wild-\nlachenden Cadenz) wie todesmatt daniedergeht, um dann\nnoch ein Mal im letzten Aufflackern mit Heftigkeit abzu-\nbrechen.\"\nFrau Sulzer genügte meinen Ansprüchen an eine\nOpernsängerin durchaus nicht. Sie ist das, was man auf\ngut Deutsch „ausgesungen\" nennt, und reichte mit ihren\nStimmmitteln kaum für den kleinen Saal aus. In den tie-\nfen Lagen genügt sie noch, und man hört es ihrem Ge-\nsänge an, dass sie Schule hat. Fräulein Sawerthal wurde"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "319", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661006-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1811, "texte": "für ihre „Gute Nacht\" und „Herein\" heftig applaudirt.\nSie hat die kräftige Figur und das Gesicht einer tüchtigen\nmecklenburgischen Köchin, singt aber recht hübsch und\nmarkirt den Text. Das „Herbstlied\" von Mendelssohn\nwurde da capo begehrt.\nDie Generosität des „deutschen Clubs\" ging so weit,\ndass man die Damen mit verschiedenen Sorten Eis, Limo-\nnaden und Kuchen tractirte, und die Gesellschaft verliess\ngegen Mitternacht ziemlich vergnügt das Concert.\nDa ich einmal im Musik-Thema bin, so will ich das\nerste Auftreten der Angela Peralta im hiesigen italiä-\nnischen Opernhause nicht unerwähnt lassen.\nNachdem mit ihrem Empfange ein Humbug gemacht\nworden war, der Barnum zur Ehre gereicht hätte, über-\nschlugen sich einige mexicanische Poeten in den öffent-\nlichen Blättern fast vor Vergnügen über ihr Erscheinen.\nEiner derselben „pumpte den Himmel an\", um Vergleiche\nfür sie zu finden, und schwur beim Barte des Propheten,\ndass sich die Nachtigall beschämt verstecken würde, wenn\nsie erst die Peralta habe singen hören. So viele Distel-\nblumen zogen denn auch eine Masse Esel nach dem Opern-\nhause, und am ersten Abende ihres Auftretens (in der\nSonnambula) wurden einzelne Parterre-Sitze mit 10 Pesos,\ndie Logen mit 100 bezahlt. Sie wurde bei ihrem Erschei-\nnen mit Blumen überschüttet und soll in der That recht\ngut gesungen haben, ohne indessen eine Jenny Lind, Patti\noder Sontag zu sein. Die Mexicaner sind nun freilich noch\nimmer in ihrem Peralta-Paroxysmus, aber die vernünfti-\ngeren gestehen doch zu, dass sie schon Besseres hörten,\nohne dass sich die Nachtigallen beschämt versteckt hätten.\nWas die Peralta durch ihr Auftreten bisher errungen hat,\nsind Blumen, schlechte Gedichte, massenhafte Hervorrufe\nund die zweifelhaft beseligende Aussicht, bei einem Hof-\nConcerte zu singen.\n\nW. Winckler. (K. Z.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-10-06-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-10-06_01#c008", "volume": "bmtnabi_1866-10-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "319", "page_fin": "320", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661006-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "319", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661006-01.1.7", "debut_caractere": 1813, "fin_caractere_exclue": 5927, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nFpiliiklIi I*l a* I?I#9 2. October. Nach der den Beamten\nund Künstlern des Hoftheaters in Wiesbaden durch Herrn v. Hülsen\ngewordenen Mittheilung ist dasselbe nunmehr vom 1. October ab\nköniglich geworden. Zum Intendanten des Theaters ist Herr v. Be-\nquignolles ernannt. Civil-Behörde ist das Civil-Commissariat. Am\nSonntag wurde zur Feier des Geburtstages Ihrer Majestät der Kö-\nnigin als Fest-Oper „Undine\" gegeben. Bei derselben Gelegenheit\nhatten die öffentlichen Gebäude in den preussischen und nassauischen\nLandesfarben geflaggt.\nBerlin. Die königlichen Theater haben ihre Preise wieder\nerhöht. In Anbetracht des grossen Zudranges zu Billets, wobei der\nniedrigere Preis in vielen Fällen nur den Billethändlern zum Vor-\ntheile gereicht, kann man dies nur gerechtfertigt finden. Anderer-\nseits erscheint aber • auch das Monopol, welches die königlichen\nTheater hierselbst für die Aufführung classischer Schauspiele und\nernster Opern noch immer besitzen, um so unhaltbarer, je geringer\nder Theil der Bevölkerung ist, welchem der Besuch dieser Theater\nannoch möglich ist. Auch die bei den hiesigen Privat-Theatern\nvielfach gerügte Frivolität der Stücke hängt wesentlich mit jenem\nMonopol zusammen.\nDie durch den Tod des Dr. A. B. Marx an der berliner Uui-\nversität erledigte Professur der Musik ist dem Musik-Director H.\nBellermann, welcher sich durch sein „Lehrbuch vom Contra-\npunkte\" und eine Schrift über „die Mensuralnoten und Tactzeichen\ndes 15. und 16. Jahrhunderts\" bekannt gemacht haben dürfte, ver-\nliehen worden.\nAm 24. September fand in Berlin in der St. Hedwigskirche die\n-Tiauung des Präuleins Marie Taglioni mit dem Fürsten in -\ndischgrätz Statt.\nFür das breslauer Stadttheater ist Dr. Leopold Damrosch\nals Capellmeister engagirt.\nDer König von Baiern hat seinem Schützling Richard Wag-\nner einen Stock geschenkt, dessen Knopf einen in Gold getriebe-\nnen, mit Brillanten besetzten Schwan im Werthe von einigen Tau-\nsend Gulden darstellt.\nDie A. Allgem. Ztg. schreibt aus München: „Kunstfreunde\nwird es interessiren, zu erfahren, dass demnächst Mozart's Don Juan\ndahier aufgeführt wird, und zwar mit Hinzufügung der Original-\nRecitative und einiger Nummern, welche bisher stets ausgelassen\nwurden. Die Oper wird in Costümen und Decorationen neu ausge-\nstattet, der Text ist theilweise nach der Uebersetzung von Wend-\nling (?) und die loscenirung nach Wolzogen's Vorschlägen.. Dann\nkommt die „„Africanerin\"\" zur Aufführung. Endlich wird dann auch\nder längst vorbereitete „„Wunderthätige Magus\"\" von Calderon mit\nMusik von Rheinberger die erste Aufführung erleben.\nIm münchener Hoftheater wurde am Namens- und Geburtstage\ndes Königs (25. August) die Oper „Richard Löwenherz\" von Grdtry\nbei festlich beleuchtetem Hause und vor einem äusserst glänzenden\nPublicum aufgeführt. Die Oper fand jedoch nur eine sehr kühle\nAufnahme. (Gretry und Wagner passen freilich nicht zusammen!)\nieil9 18. September. Viele werden den alten, blinden Gei-\nger kennen, der oft stundenlang in den Durchgängen des Zwettel-\nhofes, Schottenhofes, unterm Schwibbogen die Mildthätigkeit der\nVorübergehenden durch sein Spiel in Anspruch nahm. Er ist vor\neinigen Tagen gestorben. Seit zwanzig Jahren blind, hatte er sich\nein Vermögen gesammelt. Man fand nach seinem Tode in der Tisch-\nlade ein rechtskräftig abgefasstes Testament, in welchem er seines\nBruders Sohn, der als ein gering besoldeter Beamter auf einem\nfürstlichen Gute in Ungarn lebt, zu seinem Universalerben mit einem\nBetrage von 10,600 Fl. einsetzte, ausserdem seine Führerin, die ihn\nstets begleitete, mit einem Legate von 60.00 Fl. bedachte. Das Geld\nfand man theils in Staatspapieren, theils in Silber, von welchem\nüber 1000 Fl. in Sechserin vorhanden, in einer alten Truhe, die\nunter dem Bette des Gestorbenen st^nd.\nErschien der Erfolg der ersten Aufführung von Offenbach's\ndreiactiger Oper „Blaubart\" im Theater an der Wien als kein glän-\nzender, so war der des zweiten Abends ein um so nachaltigerer.\nDas zahlreich versammelte Publicum brachte nicht jene rigorose\nKritikerstimmung mit, man unterhielt sich und theilte den Beifall"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "320", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661006-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5509, "texte": "viel reicher aus, als das erste Mal. Gehört zwar die Musik des\n„Blaubart\" nicht zu den frischesten und erfindungsreichsten Offen-\nbach's, und zeigt sie vom Standpunkte der „Schönen Helena\" kei-\nnen weiteren Fortschritt, so birgt sie nichts desto weniger viel des\nAnmuthigen, Einschmeichelnden und Heitere». Sie befriedigt das\nOhr und erheitert den Sinn. Den Fonds seiner Laune hat der Com-\nponist dem ersten Acte vornehmlich geschenkt; die übrigen, zwar\nnicht minder reich dotirt, stehen eben desshalb einiger Maassen zu-\nrück, weil in den späteren Acten die erwartete grössere Steigerung\nfehlt.\nDas Verzeichniss der in den philharmonischen Concerten in\nWien während der bevorstehenden Saison zur Aufführung gelangen-\nden Orchesterwerke enthält unter Anderem: Beethoven: Sinfonieen\nNr. 6, 8, 9; Egmont-Musik; Ouvertüre zu Leonore Nr. 2. Weber's\n„Aufforderung zum Tanze\" von Berlioz und dessen „Carneval ro-\nmam\". Schumann: Sinfonie Nr. 2, Ouvertüre, Scherzo und Finale.\nWagner: Faust-Ouverture. Neu: Suiten von Kaff und Lachner,\nSinfonieen von Hiller und Bargiel.\nFräulein Orgenyi, von der die Reclame verbreitet hatte, dass\nsie das königliche Hoftheater in Berlin aus patriotischen Gefühlen\nverlassen habe, hat bei ihrer Antrittsrolle auf dem Hof-Operntheater\nin Wien als Amina eine strenge Beurtheilung in den W. 81. f.\nTheater u. s. w. von Z. gefunden. Es heisst darin u. A.: „Nicht\ndie Reclame, die von Berlin herüberflog und hier, mit patriotischen\nMotiven verbrämt, ziemlich lebhaft fortrasselte, hat uns auf die\nkünstlerische Bekanntschaft des Fräuleins Aglaja v. Orgenyi neu-\ngierig gemacht, sondern der Umstand, dass Fräulein Orgenyi als die\nvorzüglichste, ja, die Lieblingsschülerin der Frau Garcia-Viardot ge-\npriesen wurde. Wenn auch so dachten wir dem Fräulein Or-\ngenyi Dies und Jenes zur dramatischen Künstlerin fehlen sollte, so\nwird sie doch eine tüchtige Gesangsbildung mitbringen, und das\nwäre schon etwas. Wir gestehen, in unseren Erwartungen nicht\nwenig getäuscht worden zu sein. Fräulein Orgenyi war befangen,\nwar vielleicht nicht stimmlich disponirt. Dem Gesänge fehlte alle\nBeseelung, dem Vortrage die Sicherheit, dem im letzten Acte bis\nzur förmlichen Erschöpfung ermatteten Organe die Ausdauer. Von\neiner Lieblingsschülerin einer Viardot aber, die als Amina auftritt,\nwar man aber unter allen Umständen berechtigt, eine fliessende\nScala, einen correcten Triller zu erwarten, hörten aber Scalen und\nTriller, die weder das richtige Tempo, noch die genaue Distanz zu\nhalten vermochten. Fräulein Orgenyi, in den meisten Beziehungen\nnoch unfertig, hat also noch viel zu lernen. Die Vorzüge des Fräu-\nleins bestehen dermalen lediglich in ihrer leicht ansprechenden, aller\nNuancen fähigen und im Tone feststehenden, in den tiefen Lagen\nzwar gepresst und verschleiert, in den höheren aber angenehm klin-\ngenden Stimme, in der reinen Intonation und dem Bestreben, die\nSituation auch durch Spiel und Geberde zum Ausdruck zu bringen,\nobwohl die diesfälligen Resultate das Maass des Gewöhnlichen nicht\nübersteigen. \"\nAlfred Jaell wird bis zum 20. October mit seiner Gattin in\nInterlaken bleiben und dann eine Reihe von Concerten in der\nSchweiz geben. Auch Joachim wird zu derselben Zeit in der\nSchweiz in den Concerten spielen.\nDie Herren Servais und Leonard, deren beabsichtigter Aus-\ntritt aus dem brüsseler Conservatorium so allgemeines Bedauern\nerregt hatte, haben auf dringendes Anliegen des Ministers des In-\nnern, der für ihre Erhaltung bedeutende Opfer bewilligte, sich ent-\nschlossen, in ihrer bisherigen Stellung zu verbleiben.\nParis« In voriger Woche ist Gottfr. Engelbert Anders,\nlangjähriger Mitarbeiter an der Revue et Gazette musicale und ge-\nlehrter Schriftsteller über Musik, nach längeren Leiden gestorben.\nEr war 1795 zu Bonn geboren, hatte gründliche philologische und\nliterar-historische Studien gemacht und sich 1829 in Paris nieder-\ngelassen. Er beschäftigte sich unter Anderem mit einer französischen\nBearbeitung von Forkel's Geschichte der Musik und mit einem mu-\nsicalischen Wörterbuche, war aber durch körperliche Beschwerden\ngezwungen, seine Arbeiten häufig zu unterbrechen. Er schrieb auch\nArtikel in der früheren Allgemeinen Leipziger Musik-Zeitung. Im\nJahre 1831 gab er eine Broschüre: Paganini, sa vie, sa personne\net quelques mots sur son secret, heraus, auch in der Zeitschrift „Cä-\ncilia\" erschien in Nr. 56 ein interessanter Artikel über die „Ge-\nschichte der Violine\" von ihm. Seine Details biographiques sur\nBeethoven. Paris, 1839, sind nach Wegeier und Ries bearbeitet.\nSeit 1833 war er an der k. Bibliothek angestellt als Conservator\nder musicalischen Abtheilung.\nVon neuen Opern werden im December Verdi's „Don Carlos\"\nin der grossen Oper und „Mignon\" von Ambr. Thomas in der\nOptra comique zur Aufführung kommen; auch Auber ist noch\nnicht gesonnen, auf seinen Lorbern zu schlafen: er ist mit der\nComposition einer Oper: Le premier Jour de bonheur, von Don-\nnery und Cormon beschäftigt.\nNach Baciocchi s Tode ist die Stelle eines Surintendant genem\nral des theätres eingegangen. Dagegen ist Camille Doucet zum\nDirecteur gtneral ä VAdministration des theätres ernannt worden.\n]¥ew-¥oi*k« Herr Dawison hat sich noch nicht wegen\nseines Gastspiels entschlossen. Von einer zuverlässigen Seite sind\nihm für sechszig Vorstellungen 30,000 Doli, geboten worden, wäh-\nrend von anderer Seite ihm für zehn Abende 10,000 Doli, garantirt\nwerden sollen. Man weiss bis jetzt noch nicht, mit welchen dieser\nhöchsten und hohen Herrschaften Herr Dawison sich einlassen\nwird."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "313", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661006-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nEinige Bemerkungen zu den Partituren der 3., 5. und 6. Sinfonie von Beethoven in der neuen leipziger Ausgabe. Von\nL. B. Das Musikfest in Worcester. Ein Concert in Mexico. Tages- und Unterhaltungsblatt (Frankfurt a. M., Hoftheater\nin Wiesbaden Berlin, Theater, Ernennung, Vermählung Breslau, Dr. L. Damroseh München, K. Wagner, Theater Wien, un-\nerwarteter Keichthum Offenbach's „Blaubart\", Philharmonische Concerte, Fräulein Orgenyi Alfred Jaell Brüssel u. s. w.)\n\nEinige Bemerkungen zu den Partituren der 3., 5.\nund 6. Sinfonie von Beethoven in der, neuen\nleipziger Ausgabe.\n\nIn dem Aufsatze von 0. Jahn („Gesammelte Aufsätze\nüber Musik\") über die neue Ausgabe der sämmtlichen\nWerke Beethoven's werden als besondere Berichtigungen\nder bisherigen Ausgaben u. A. folgende angeführt.\nIm Scherzo der 111. Sinfonie. „Jedem sind\"\nheisst es S. 328 „die wundervollen Accorde der Hor-\nner gegenwärtig, mit welchen das Trio im Scherzo der\nEroica schliesst. Wie diese Stelle bisher überliefert war:\nbietet sie für die Ausführung durch die unvermeidliche\nSuspension des Tactgefühls eine ausserordentliche Schwie-\nrigkeit dar, und es hängt immer am Haar, dass die Oboen\nund Saiten-Instrumente präcis und sicher einsetzen. Wie\nsie jetzt mit einer scheinbar geringfügigen Aenderung\nauthentisch hergestellt ist:\nsind durch Fortlassen der Bogenstriche alle Schwierigkei-\nten gehoben. Mit dem Eintritte des klaren Septimen-Ac-\ncords wird auch der Rhythmus bestimmt hervorgehoben\nund damit für Jedermann verständlich in die alte Bahn\neingelenkt.\"\nIn Bezug darauf sind wir ganz entgegengesetzter Mei-\nnung. Erstens ist die Einlenkung in die alte Bahn bei bei-\nden Vortragsarten ganz dieselbe, denn durch die Bindun-\ngen hört man doch wohl den Eintritt des Septimen-Ac-\ncords eben so klar, als durch das Absetzen der drei Ac-\ncorde: höchstens könnte man sagen, der Accord trete\nhandgreiflicher hervor; diese Handgreiflichkeit aber bei\nBeethoven durch eine Correctur zu befördern, dürfte\nschon an und für sich sehr bedenklich sein. Das Absetzen\nder Accorde bewirkt aber im Gegentheil eine Störung in\nder Einlenkung in die alte Bahn, d. h. in das charakte-\nristische Nachschlagen der drei Viertel der Oboen und\nSaiten-Instrumente. Denn diese drei Viertel nach jedem\nSatze der Hörner erinnern im Trio, das einen ganz an-\nderen Charakter hat, als der erste Satz des Scherzo's, allein\nan das unruhige, prickelnde Wesen des ersten Satzes, und\nihr Eindruck wirkt gerade am Schlüsse des ganzen Trio's\neben durch Vorhergehen der gehaltenen Accorde am\nüberraschendsten, verliert aber seine Bedeutung, wenn\nunmittelbar vorher drei abgesetzte Accorde recht deutlich\nmarkiren, dass es zu Ende geht. Wir glauben daher viel\neher, dass Beethoven in dem Original-Manuscripte die\nBindebogen vergessen, als dass sie der Stecher hinzuge-\nsetzt habe. Wer in den letzten 26 Tacten vom Schlüsse\ndes Trio's (einschliesslich Nr. 1) die rhythmische Steige-\nrung, die sich in den synkopirten Noten offenbart, be-\nachtet, wird leicht fühlen, dass der Wegfall der Synkopen\nin den drei letzten Tacten den ganzen wundervollen Bau\nzerstört; drei abgesetzte Accorde, deren jeder einen gan-\nzen Tact füllt, sind entschieden gegen den Charakter des\nganzen Scherzo's. Ferner ist zu bemerken, dass in Jahn's"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "314", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661006-01.1.2", "texte": "Abdruck der bisherigen Ueberlieferung (s. oben) der Bo-\ngen zwischen dem f im vierten und dem f im fünften\nTacte der ersten Hornstimme fehlt, aber in der älteren\nPartitur von Simrock S. 145 und in der Hornstimme\nvorhanden ist, so dass also die Annahme Jahn's, dass zwi-\nschen dem vierten und fünften Tacte in der Oberstimme\nnach der alten Partitur schon ein markirter Absatz be-\nzeichnet sei, eine irrthümliche ist.\nDer erleichterte Einsatz der Oboen und Saiten-In-\nstrumente kann natürlich gar nicht in Betracht kommen;\nein Orchester, das nicht im Stande ist, auf den zweiten\nTacttheil einzusetzen, wenn kein Instrument, sondern nur\nder Dirigent den ersten markirt, kann überhaupt keine\nBeethoven'sche Sinfonie spielen. Nach der Erleichterungs-\nTheorie hätte dann auch jener Capellmeister Recht ge-\nhabt, der, wie ich in meiner Jugend mit eigenen Ohren\ngehört habe, bei dem berühmten Anfange der C-moU-S\\x\\-\nfonie die Bässe ein Es vorschlagen liess, damit die Saiten-\nInstrumente ihre drei Achtel fester einsetzen könnten.\nWie sollte es übrigens kommen, dass Beethoven, der\nzur Zeit der ersten Aufführungen der Eroica noch selbst\ndirigirte und noch gut hören konnte, nirgendwo die Bin-\ndung der fraglichen Accorde für falsch erklärt hat, da er\ndoch sonst häufig und verdriesslich genug auf die Verhun-\nzung seiner Sachen durch Druckfehler schimpft und z. B.\nden Abdruck der bekannten zwei unberechtigten Tacte\nim Scherzo der fünften Sinfonie, den er doch auch durch\nein Versehen seinerseits veranlasst hatte, einen „gros-\nsen Bock\" in einem an Breitkopf geschriebenen Briefe\nnennt ?\nDass diese zwei Tacte im Scherzo der fünften Sin-\nfonie aus der neuen Partitur endlich weggelassen sind,\nist allerdings eine Berichtigung; die Verlagshandlung hat\ndadurch eine alte Schuld abgetragen, denn der so eben\nerwähnte Brief über „den Bock\" war gleich nach der\nHerausgabe der fünften Sinfonie in den Händen derselben.\nAllein es geschah nichts, um Beethoven's wahren Willen\nkund zu thun, auch nicht, nachdem im Jahre 1842 Men-\ndelssohn darauf aufmerksam gemacht und den Brief von\nBeethoven bei Herrn Dr. Härtel eingesehen hatte, was\nich in der Kölnischen Zeitung bekannt machte und später-\nbin in einem besonderen Aufsatze in der Niederrheiniscben\nMusik-Zeitung, Jahrgang 1852, Nr. 46, ausführlich mit-\ntheilte und auch aus inneren Gründen die Ungehörigkeit\njener zwei Tacte nachwies trotz alledem wurden bei\nden meisten Aufführungen die von Beethoven verworfenen\nTacte fortwährend mit gespielt, und in Paris geschieht es\nnoch heute! Es war also hohe Zeit, dass sie in einer\nneuen Partitur-Ausgabe endlich ausgemerzt wurden. Wie\naber, wenn Beethoven's Brief „über den Bock\" nicht vor-\nhanden wäre und ein heutiger Herausgeber als Beweis\ngegen alle inneren Gründe sich auf die Autorität des Ori-\nginal-Manuscriptes beriefe und die zwei Tacte wieder ab-\ndrucken liesse? Fiat applicatw!\nIm ersten Allegro derselben fünften Sinfonie\nist in der neuen Ausgabe eine Tactpause für das ganze\nOrchester stehen geblieben, deren Ausmerzung ebenfalls\nwohl keinem Zweifel unterliegen dürfte. Wir meinen den\n121. Tact nach der Fermate mit der Cadenz der Oboe\n(ältere Partitur von Breitkopf und Härtel S. 36, T. 2\nneuere S. 18, T. 2). Dieser Tact, eine Pause für das\nganze Orchester enthaltend, tritt zwischen die anhaltende,\nstreng gegliederte rhythmische Reihe von vier Tacten\nmit einem fünften hinein! Man verfolge nur den entschie-\nden viertactigen Rhythmus vom (S. 33, neue Par-\ntitur S. 17) an bis zum Eintritte des Unisono der Fagotte,\nBratschen und Violoncelle:\nund man wird sich überzeugen, dass jene Tactpause eine\nUnmöglichkeit ist; sollte sie irgendwie bestehen können,\nso müsste wenigstens nach den darauf folgenden sechs\nTacten wieder eine Tactpause Statt finden.\nWie ist nun aber diese Tactpause in die Partitur ge-\nkommen? Nach einer brieflichen Mittheilung von Felix\nMendelssohn über diese Sache an mich ist der fragliche\nTact in Beethoven's Manuscript (nach Thayer jetzt im\nBesitze des Herrn Paul Mendelssohn) allerdings vorhan-\nden, allein er ist ganz leer und auf keinem Linien-System\nbefindet sich das Zeichen einer Pause; diese ist von dem\nAbschreiber oder Stecher hinzugefügt. Mehr bedarf es\nwohl nicht, um die zwingenden inneren Gründe für die\nAusstossung auch durch einen äusseren zu vervollständi-\ngen. Mendelssohn liess in seinen späteren Jahren bei den\nAufführungeu, die er dirigirte, die Pause weg.\nDoch wozu alles dies? Werden die Herren Dirigen-\nten es prüfen und berücksichtigen? Das ist nach vielen\nErfahrungen kaum zu hoffen. „Danaiden-Arbeit, lieber\nFreund!\" würde der alte Schindler sagen, wenn er noch\nlebte.\nWas im ersten Satze der Pastoral-Sinfonie die\nFortsetzung der Triolenfigur der ersten Violine drei Tacte\nlang statt der Pausen auf S. 35 der älteren Partitur be-\ntrifft, so ist das allerdings eine Verbesserung in der neuen\nAusgabe. Dass Schumann, wie Jahn S. 325\" sagt, darauf\naufmerksam gemacht, und jetzt die Vergleichung der\nOriginal-Partitur die Conjectur gerechtfertigt habe, war\nuns auffallend, da Schindler diese Stelle in Münster und\nAachen immer mit den vollständigen vier Tacten derselben"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "315", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661006-01.1.3", "texte": "Figur spielen liess und sie längst in der Biographie Beet-\nhoven's, Tb. I, S. 157, berichtigt hatte, wo es also heisst:\n„Im ersten Satze der gedruckten Partitur S. 35 sind die\ndrei Tactpausen in der ersten Violine mit der Triolenfigur\ndes dritten Tactes auszufüllen; diese muss vier Tacte\nhindurch zu hören sein. Von der Violine übernimmt sie\ndie Viole und setzt sie durch vier Tacte fort!\" Wieder\nein Beispiel von Danaiden-Arbeit!\nDass die Musik zu Egmont von den Anhängseln\nzu so genannter „Concert-Aufführung\" in der neuen\nAusgabe befreit erscheint, ist ebenfalls eine Verbesserung.\nWenn aber Jahn S. 318 bemerkt: „Diese von dem Cor-\nrector in Leipzig zugesetzten Schlüsse wurden nach da-\nmaliger Weise ohne jede Erklärung mit abgedruckt\nund galten mithin für authentisch, obgleich sie die ur-\nsprünglichen Intentionen des Componisten theilweise ge-\nradezu vernichteten\" so ist er erstens darüber in Irr-\nthum, dass die Verleger keine Erklärung darüber abge-\ngeben hätten. Es lag allerdings der ersten Ausgabe in\nStimmen ein einzelnes Folioblatt bei, des Inhalts:\nL. v. Beethoven's Ouvertüre, Gesänge und Zwischen-\nacte zu Egmont, Trauerspiel von Goethe. Verzeichniss der\nStücke (in welchem das Lied Nr. 1: „Die Trommel ge-\nrühret\", fehlt, obwohl es in den Stimmen befindlich ist!)\nund Anmerkung: „Es ist zu bemerken, dass die Stücke\n2,5,6, wenn diese Musik zur Vorstellung gegeben\nwird, nur bis Fine gespielt werden. Zum Gebrauche die-\nser Musikstücke für Concerte sind von einem ande-\nren Gomponisten Schlusstacte hinzugesetzt worden; es\nwerden daher bei Nr. 2 statt der mit * eingeklammerten\nzwei Tacte die letzten acht Schlusstacte gespielt. Nr. 5\nwird gespielt, wie es sich im Stiche findet (d. h. mit einer\nWiederholung des Marsches und einem Schwanz!). Bei\nNr. 6 werden ebenfalls statt der mit * eingeklammerten\n21 Tacte die letzten 12 Schlusstacte gespielt.\"\nDieses lose Blatt mag freilich vielfach verschmissen\noder nnbeachtet geblieben sein, die jetzigen Eigenthümer\nder Verlagshandlung wissen vielleicht selbst nichts mehr\ndavon; bei der ersten Stimmen-Ausgabe sind sie durch\nVeröffentlichung obiger Erklärung von Vorwurf frei; aber\nbei der späteren Ausgabe der Partitur der Egmont-\nMusik, welche mit allen Kreuzchen und Schwänzen ohne\nirgend eine Benachrichtigung über das wahre Sachver-\nhältniss abgedruckt ist, haben sie sich gegen Beethoven\nvergangen. Dass Beethoven, wie es bei Jahn heisst, seine\nEinwilligung zu diesen Zusätzen gegeben haben solle,\nglauben wir nimmermehr; auch würden die Verleger nicht\nermangelt haben, dies auf dem Beiblatte zu bemerken.\nWas nun zweitens die „authentische Geltung\" jener\nZusätze betrifft, so sind sie so entsetzlich trivial (bei Nr. 6\nist die S. .. rei am ärgsten!), dass doch wohl nur wenige\nDirigenten sie ohne Kopfschütteln gelesen haben mögen;\ndoch mag immerhin genug Missbrauch damit getrieben\nworden sein. Hier in Köln sind sie, wenigstens in den\nletzten fünfzehn Jahren, niemals gespielt worden; die ver-\nbindenden Gedichte in Concert-Aufführungen waren von\nmir dermaassen eingerichtet, dass ihre verschiedenen Ab-\nschnitte sich stets an die Musik, wie sie Beethoven ge-\nschrieben, unmittelbar anschlössen und die Aufführung\nein Ganzes bildete. Einen ausführlichen Aufsatz darüber\nhabe ich bereits im Jahrgänge 1853 (zweite Hälfte)\ndieser Blätter, Nr. 6 vom 6. August, drucken lassen\nwahrscheinlich auch Danaiden-Arbeit!\nBei der Notiz über die von Beethoven selbst öfters\nbeabsichtigte, aber nie zu Stande gekommene Gesammt-\nAusgabe seiner Werke berührt Jahn die Ergänzung in\nBezug auf den erweiterten Umfang des Pianoforte mit fol-\ngenden Worten, mit denen wir ganz übereinstimmen:\n„Beethoven's Betheiligung an der Ausgabe hätte frei-\nlich in vielen und wichtigen Beziehungen unersetzliche\nVortheile gebracht, manche Schwierigkeiten, die jetzt un-\nlösbar sind, wären gar nicht als solche hervorgetreten;\naber sie drohte auch einen bedenklichen Nachtheil herbei-\nzuführen, denn er dachte daran, Aenderungen an seinen\nCompositionen vorzunehmen. Eine Art der Abänderungen\nist bereits erwähnt. Ein namhafter Theil der früheren Cia-\nvierwerke ist für Instrumente von nur fünf Octaven ge-\nschrieben, und es ist nicht zu verkennen, dass an manchen\nStellen dieser beschränkte Umfang die Freiheit des Com-\nponisten beengt bat. Man gewahrt deutlich, dass da, wo\neine Melodie oder Passage in einer Tonlage wiederholt\nwird, in welcher die Höhe des Instrumentes nicht aus-\nreicht, urn sie vollständig wiederzugeben, Abänderungen\nnur des äusseren Hemmnisses wegen nöthig geworden\nsind. Manche Fälle sind so klar und so einfach, dass jeder\neinsichtige Spieler jetzt die unzweifelhafte Transposition\nselbst vornehmen kann. Allein anderswo ist es mindestens\nzweifelhaft, ob nicht ausser der Beschränkung des Instru-\nmentes auch noch andere innere Motive die Abänderung\nbewirkt haben, und endlich fehlt es nicht an solchen Stel-\nlen, wo die Veränderung, wenn sie auch durch den äus-\nseren Zwang veranlasst ist, eine neue Schönheit hervorge-\nrufen, dem Ganzen einen eigenthümlichen Reiz verliehen\nhat, auf den nun Niemand verzichten möchte. Eine durch-\ngreifende Redaction der älteren Clavier-Compositionen, so\ndass die Gleichmässigkeit der Parallelstellen nach Maass-\ngabe des erweiterten Umfangs der Instrumente streng\ndurchgeführt würde, wie sie wohl verlangt worden ist,\nkann daher jetzt in keiner Ausgabe vorgenommen werden:\nes ist jedem Spieler oder Lehrer zu überlassen, was er in\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "316", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661006-01.1.4", "texte": "dieser Hinsicht Beethoven's Intentionen schuldig zu sein\nglaubt. Ihm selbst hätte allerdings die authentische Inter-\npretation vollständig zugestanden, eine von ihm in dieser\nBeziehung vorgenommene Revision würde der buchstaben-\ngläubigen Pedanterie wie der eigenwilligen Aenderungs-\nlust den Boden genommen haben, und wäre dankenswerth\ngewesen, selbst wenn vielleicht der Consequenz hier und\nda eine Schönheit als Opfer gefallen wäre. Es ist aber\nnicht denkbar, dass Beethoven, wenn er seine früheren\nCompositionen vornahm, sich auf so harmlose Aenderun-\ngen beschränkt haben würde, und dass er denselben über-\nall gerecht geworden wäre. Bekanntlich waren ihm manche\nderselben in späteren Jahren gar nicht recht: er gestand\ndenselben „ „einiges Talent und guten Willen\"8 zu, aber\ner wurde unmutbig, wenn man sie lobte.8\n\nL. B.\n\nDas Musikfest in Worcester.\nDas Musikfest des musicalischen Bundes der Städte\nWorcester, Hereford und Gloucester fand dieses Jahr an\nden Tagen des 11., 12., 13. und 14. September (Dins-\ntag bis Freitag) zu Worcester Statt. Die Theilnahme von\nnah und fern übertraf trotz des schlechten Wetters am\nersten Tage wehte ein orkanartiger Sturm und an den\nfolgenden folgte immer ein Regenschauer auf den anderen\nalle Erwartung und lieferte sowohl in der Collecte für\ndie Armen an den Thüren der Kathedrale (1214 Pf. St.),\nals an Abonnements- und Eintrittsgeldern (über 3000\nPf. St.) eine bisher noch nicht dagewesene Einnahme.\nAm Morgen des 11. September war Gottesdienst in\nder Kathedrale, welcher dieses Mal besondere Erwähnung\nverdient, weil die Predigt des Vicars von Stoneleigh, J. W.\nLeigh, gegen die Hyper-Orthodoxen gerichtet war, welche\ndie Kirchen durch Aufführungen von Oratorien und ähn-\nlichen Musikwerken für entweiht halten. Der wackere\nGeistliche bekämpfte siegreich unter allgemeiner Zustim-\nmung diese Ansicht durch eine begeisterte Rede über den\nText Chronik 1., XXV, 7: „Und es war ihre Zahl (der\nSänger im Hause Gottes) mit ihren Brüdern, die im Ge-\nsang des Herrn gelehret waren, allesammt Meister, zwei-\nhundert achtundachtzig.\" Die Predigt machte dermaassen\nEindruck und Aufsehen, dass sie gedruckt werden musste,\nund während des ganzen Musikfestes war sie in Aller\nMunde.\nDie erste Aufführung brachte das Dettinger Te Deum\nvon Händel mit den Solisten Madame Patey-Whytock,\nMiss Pullen, den Herren Cummings und Thomas; die\nSolo-Trompete zu der Arie:\nwelche Händel für seinen Trompeten-Virtuosen Valentin\nSnow geschrieben hat, blies Harper von London. Die\nChöre waren jedoch die Hauptsache, sie machten einen\ngrossartigen Eindruck. M endelssohn's 55. Psalm: „Hör'\nmein Bitten, o Gott!\" (mit englischem Texte) folgte. Men-\ndelssohn hatte diesen Psalm für Sopran-Solo, Chor und\nOrgel geschrieben, späterhin aber die Orgelstimme für\nOrchester bearbeitet; in letzterer Gestalt wurde der Psalm\nhier gegeben. Wiewohl die Erinnerung an Jenny Lind\nlebendig war, so wusste doch Frau Lemmens-Sherrington\ndurch ihren Vortrag in die Fussstapfen der freilich uner-\nreichbaren Vorgängerin zu treten.\nEine Auswahl aus Costa's Oratorium „Naaman\"\nscbloss die erste Abtheilung; sie bestand nur aus Solo-\nstücken, in denen die Damen Lemmens, Tietjens und\nDolby, die Herren Cummings und Santley sangen.\nDie zweite Abtheilung füllten die beiden ersten Theile\nvon Haydn's „Schöpfung\". Fräulein Tietjens sang die\nB-dur-krie: „Nun beut die Flur\", Frau Lemmens die\nübrigen Sopran-Soli; Tenor und Bass waren durch Sims\nReeves und Santley besetzt. In den Chören war das aus\nden drei Städten vereinigte Personal nicht so gut zu\nHause, wie später im „Messias\". Mr. Done leitete das\nGanze.\nUm die oben erwähnte Predigt zu charakterisiren,\ntheile ich Ihnen einige Stellen aus derselben mit.\n„Meiner Ansicht nach gibt es kaum Etwas, das mehr\nzur Erbauung in der Kirche und zur Ehre Gottes gereicht,\nals der Gesang von Psalmen und die Ausführung heiliger\nMusik. Denn die Musik verbindet nicht nur Unschuld mit\nGenuss, sondern erhebt auch die Seele zu Gott und erfüllt\ndas Gemüth mit himmlischen Gedanken und Gefühlen, und\ndiese Wirkung werden wir auch von den majestätischen\nund erhabenen Oratorien empfinden, welche in dieser\nWoche in dieser alten Kathedrale aufgeführt werden sol-\nlen. Ich weiss wohl, dass es manche gute und treffliche\nMänner unter den Gegnern der Musikfeste gibt, die ihre\nFeier in Kirchen missbilligen, und dass sie dabei auch von\naufrichtigen Beweggründen ausgehen. Der Vorwurf, dass\nsowohl unter den Mitwirkenden, als unter der Zuhörer-\nschaft es an Ehrfurcht vor der Kirche mangelt, hat etwas\nWahres. Allein gesetzt auch, dass Manche von den Mit-\nwirkenden nur aus weltlichen Motiven an den Oratorien\nTheil nehmen, und dass Viele unter den Zuhörern bloss\nerschienen sind, um zu sehen und gesehen zu werden, so\nbin ich doch der Meinung, dass die niedrigeren Beweg-\ngründe der wenigen Einzelnen den erhabenen und reli-\ngiösen Charakter der Aufführungen im Ganzen nicht be-\neinträchtigen können. Leider finden sich überall, wo Mas-\nsen von Menschen auch zu andächtigen Zwecken versam-\nmelt sind, unter ihnen auch solche, die so etwas von dem"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "317", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661006-01.1.5", "texte": "Charakter eines Judas, oder Ananias, oder Simon Magus\nan sich haben; in unseren Dorfkirchen und in unseren\nKathedralen wird es unter den Chorsängern und unter\nden Versammelten stets sorglos Lebende, der Gottesfurcht\nErmangelnde, deren Gedanken nur auf weltliche Dinge\ngerichtet sind, geben. Aber kann das denn der Heiligkeit\ndes Ortes oder dem Charakter des Gottesdienstes Abbruch\ntbun? Wahrlich, für die grossartigen Aufführungen der\nherrlichsten Werke religiöser Musik, die jemals von Sterb-\nlichen geschaffen sind und deren Texte grösstentheils aus\nvon Gott eingegebenen Worten der heiligen Schrift be-\nstehen, für solche Aufführungen kann es keine natür-\nlichere und angemessenere Oertlichkeit geben, als den\nTempel Gottes, der dazu gemacht ist, dass Preis und Dank\nund Gebet in seinen Hallen zu ihm aufsteigen! Und sollte\nder Eindruck solcher Töne nicht manches weltlich um-\nstrickte Gemüth zu wahrer Andacht zurückrufen? Sollte\nes eine Seele geben, die so taub für Musik wäre, dass sie\nvon einem so erhabenen Halleluja, wie das in Händel's\nMessias, nicht ergriffen würde? Das kann ich nicht den-\nken. Allerdings kommt die wahre, inbrünstige Andacht\nvon Gott und seinem heiligen Geiste: aber dürfen wir\ndesshalb alles Menschliche, das die schlummernden Ge-\nfühle in uns erweckt und das Gemüth für die Aufnahme\nder göttlichen Gnade stimmt und vorbereitet, verschmähen\noder gar verdammen? Zuweilen wird das Feuer zur\nFlamme durch die Kraft der Beredsamkeit entzündet, zu-\nweilen durch die herzergreifenden Töne eines heiligen\nLiedes. Wer nicht zu besseren Gefühlen durch die Bered-\nsamkeit des Predigers angeregt wird, wird vielleicht durch\ndie herrlichen Töne geistlicher Musik ergriffen. Nicht alle\nMenschen sind gleich organisirt, und wir sind nicht be-\nrechtigt, die Gefühlsweise Anderer bloss nach der unseri-\ngen zu beurtheilen. Wenn die Musik ein hartes Herz er-\nweichen und für die Aufnahme guter und edler Eindrücke\nempfänglich machen kann, was kann man dann mehr\nwünschen?\"\nMich dünkt, dergleichen vernünftige, von Muckerei\nund Rationalismus gleich weit entfernte Worte dürften\nauch bei manchen evangelischen Geistlichen und Kirchen-\nVorständen in Deutschland (und Holland) angebracht sein,\num sie zu Ueberlassung der Kirchen zur Aufführung von\nOratorien zu bewegen, denn dahin gehören sie doch recht\neigentlich, so gut wie die musicalischen Messen in die ka-\ntholischen Kirchen*). Unser Vicar in Worcester ging (oder\nverging sich —werden die Ueberkirchlichen sagen!)\nsogar so weit, von der Kanzel herab namentlich auf die\naufzuführenden Werke hinzuweisen, indem er also schloss:\n„Wenn Alle in dem Gefühle mitwirken und zuhören,\ndass sie hier in Gottes Tempel zu seinem Preise und sei-\nner Ehre versammelt sind, so kann es keine grossartigere\nund erhabenere Feier geben, als diejenige, welche wir in\ndiesen Tagen begehen werden. Beginnend mit dem präch-\ntigen Te Dewm von Händel, welches Gottes Gnade preist,\nfährt die Aufzählung derselben fort mit der Schilderung\nder Wunder der Schöpfung und endigt mit der Dar-\nstellung der grössten Gnade, der Sendung des Messias\nzur Erlösung der Menschen. 0, möchten doch die Halle-\nluja's, weiche wir in den Hallen dieser altehrwürdigen\nKirche hören werden, ein schwaches Bild jener ewigen\nHalleluja's geben, die da dereinst von den englischen Heer-\nscharen werden gesungen werden.\"*)\nWenn man das englische Publicum in Oratorien-Auf-\nführungen so zahlreich versammelt sieht und die gespannte\nAufmerksamkeit der Zuhörenden wahrnimmt, von denen\nein grosser Theil nicht bloss mit den Textbüchern, son-\ndern mit den Clavier-Partituren in der Hand der Musik\nfolgt, so sollte man meinen, dass ein solches Publicum\nauch in den Abend-Concerten an den Musikfesten sich\nnur an classischen Werken erfreuen könne. Besucht man\nnun diese Concerte, so erkennt man das Publicum, das in\nder Kirche so andächtig zuhörte, im Concertsaale kaum\nwieder; denn hier rauschen lärmende Beifallssalven und\nenthusiastische Bravo- und Dacapo-Rufe fast nach jedem\nAushängestücke der buntesten Musterkarte, die man Pro-\n\n*) Der Berichterstatter befindet sich noch im Stande der Un-\nschuld und scheint nicht zu wissen, dass ein grosser Theil der ka-\ntholischen Geistlichkeit nicht einmal die musicalischen Messen mehr\nin der Kirche zulassen will! Die Redaction.\n*) Es ist keine Frage, dass diese Predigt in dem hochkirch-\nlichen England eine Merkwürdigkeit ist; sie beweist in ihrer Sphäre\nwieder den Tact des englischen Volkes in allen öffentlichen Dingen,\nWir können nicht umhin, bei dieser Gelegenheit an die Hindernisse\nzu denken, welche der Feier unseres niederrheinischen Mu-\nsikfestes, nicht etwa, weil es in Kirchen, sondern nur, weil es\nan den Pfingstfeiertagen gefeiert wurde, von Seiten der Geist-\nlichkeit (der evangelischen so viel wir wissen) im Bergischen\n(Regierungsbezirk Düsseldorf) bereitet wurden. Man erzielte in der\nThat eine königliche Cabinets-Ordre im Jahre 1834, wodurch die\nFeier an den Pfingsttagen verboten wurde. Zwar wurde sie noch\n„ausnahmsweise\" für 1834 in Düsseldorf und 1835 in Aachen nach-\ngelassen, allein eine förmliche Aufhebung jenes Verbotes brachte\nerst die königliche Cabinets-Ordre vom 3. April 1836, welche den\nStädten Aachen, Düsseldorf und Köln (Elberfeld wurde nicht darin\ngenannt) die Feier des Musikfestes an den Abenden der Pfingsttage\nauf immer gestattete. Es blieb kein Geheimniss, dass es neben den\nEingaben des Musikfest-Comite's und des Stadtrathes von Düsseldorf\nder besonderen Verwendung des Prinzen Friedrich, der damals\nin Düsseldorf residirte, bei des Königs Majestät bedurft hatte, um\ndas erfreuliche Ziel zu erreichen. Seitdem haben wir nun zwar\nkeine ähnlichen Umtriebe mehr zu befürchten, aber dass ein Geist-\nlicher zu Gunsten des Musikfestes in Aachen, Düsseldorf oder Köln\npredigte, das werden wir schwerlich erleben.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "318", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661006-01.1.6", "texte": "Gramm nennt, und man überzeugt sich bald, dass es den\nGentlemen hier gar nicht auf das Was, sondern nur auf\ndas Wie der Ausführung ankommt. Mit Recht heissen\ndergleichen Concerte in England Miseellaneous Concerts,\ndenn ein ärgeres Gemisch von Musikstücken aller Zeiten\nund Stilarten kann man sich nicht denken. Und diese Con-\ncessionen an den Geschmack der Menge finden nicht nur\nzu London bei den Virtuosen-Concerten Statt, deren Pro-\ngramme bekanntlich oft 30 —4O Nummern aufzählen,\nsondern auch bei den Musikfesten, bei denen doch in\nDeutschland das Concert des dritten Tages, das so ge-\nnannte Künstler-Concert, immer noch bis auf einen ge-\nwissen Grad das Gepräge der Classicität trägt.\nEs war daher schon etwas Aussergewöhnliches, dass\ndas erste Concert in Worcester die Ouvertüre, Introduc-\ntion und eine Auswahl von Gesängen (6—7 Nummern)\naus Weber's „Euryanthe\" als ein mehr oder weniger\nzusammenhangendes Ganzes brachte, bei dem auch der\nChor mitwirkte. Unmittelbar darauf folgten aber eine Ro-\nmanze aus Verdi's Ballo in eine Ballade von\nBlumenthal und eine Violoncell-Tarantella; und die zweite\nAbtheilung des Concertes enthielt neun Nummern: Ouver-\ntüre (Cheval de bronce) von Auber, Arie (Domino noir)\nvon Auber, Tenor-Arie aus Oberon von Weber, Scene\naus Semiramis von Rossini, Quintett („Hm,hm,hm,hm\")\naus der Zauberflöte von Mozart, Arie mit Chor aus Hän-\nde l's „Allegro e Pensieroso\" ienglische Ballade von Cla-\nribel, Terzett aus II Matrimonio segreto von Cimarosa,\nMarsch aus der „Athalia\" von Mendelssohn, bei dessen\nKlängen die Leute zum Saale hinaus marschirten. Es wa-\nren ihrer an 800 da gewesen.\n(Schluss folgt.)\n\nEin Concert in Mexico.\n\nGegen 6 Uhr Abends kehrte ich, befriedigt von mei-\nner Partie, mit der Eisenbahn nach Mexico zurück und\nkonnte noch ein vortreffliches Concert besuchen, das im\nDeutschen Hause abgehalten wurde.\nDieses Concert war ein so gutes, dass ich desselben\neingehende Erwähnung thun muss.\nDer deutsche Club hatte dasselbe veranstaltet, um\nden Verein, welcher ein wenig im Rückschreiten begriffen\nsein soll, wieder etwas in Aufnahme zu bringen, und dess-\nhalb nichts gespart, was den Concert-Abend zu einem ge-\nnussreichen machen konnte.\nDer kleine Saal war festlich decorirt und nur Perso-\nnen eingeladen worden, die zu den besten der mexicani-\nschen Gesellschaft gehörten. Man hatte keine Eintritts-\nkarten verkauft, sondern mit Discretion vertheilen lassen.\nDaher kam es, dass nur die reichsten Kaufleute, die Con-\nsuln, der österreichische Gesandte Graf Thun, eine Menge\nhöherer Officiere, Beamte, Aerzte und Künstler anwesend\nwaren. Nur Ball-Toiletten der Damen, Fracks und Uni-\nformen wurden in den glänzend erleuchteten Räumen des\nDeutschen Hauses gesehen.\nAls Mitwirkende im Concerte wurde der deutsche\nGesangverein, die österreichische Militärmusik, die Opern-\nsängerinnen Sulzer und Sawerthal und der Pianist\nBoekelmann genannt.\nNachdem der Saal von einer eleganten Damenwelt,\nunter welcher sich auch Engländerinnen, Spanierinnen,\nFranzösinnen und Americanerinnen befanden, fast über-\nfüllt worden war, begann das Concert um 8 Uhr 30 Min.\nIch will hier nur einfach erwähnen, dass die Leistun-\ngen des Orchesters gut waren und dass die Sänger unter\nallen Liedern „Was ist des Deutschen Vaterland?\" von\nReichardt und das „Wachtlied\" von Otto am besten vor-\ntrugen.\nDie Bravour-Piecen des Herrn Boekelmann und unter\ndiesen besonders die von ihm so pompös introducirte 27.\nSonate von Beethoven kamen nicht zur Anerkennung,\nvielleicht kaum zum Verständniss.\nHerr Boekelmann hatte über Beethoven's prachtvolles\nWerk folgenden musicalischen Schwulst auf der vierten\nSeite des Programms losgelassen und sich dadurch selbst\ngeschadet. Man las auf der Rückseite mit Erstaunen:\n„Sonate von L. v. Beethoven (Op. 27). [Quasi fan-\ntasia.) Adagio. Die weihevolle Melancholie eines tief in\nsich gekehrten Gemüthes in stiller, heiliger Ruhe; ein\nFriedhof bei falbem Mondschein mit Graburnen unter\nTrauerweiden ist hierzu ein stimmungsverwandtes Ge-\nmälde. Das Allegretto geht aus dem Trauersatze hervor\nund führt in eine Stimmung hinüber, die durch Thränen\nlächelt und das frühere schmerzliche Gefühl in süssmilde\nTröstung umstimmt. Presto agitato. Angst- und Schreck-\nAccente und wildes Schwelgen im Spiele der entfesselten\nGefühle wechseln mit Momenten grossartig resignirter\nFassung voll hoher Seelenwürde, bis es nach furchtbarem\nLeidenschafts-Taumel (nach der im Triller gleichsam wild-\nlachenden Cadenz) wie todesmatt daniedergeht, um dann\nnoch ein Mal im letzten Aufflackern mit Heftigkeit abzu-\nbrechen.\"\nFrau Sulzer genügte meinen Ansprüchen an eine\nOpernsängerin durchaus nicht. Sie ist das, was man auf\ngut Deutsch „ausgesungen\" nennt, und reichte mit ihren\nStimmmitteln kaum für den kleinen Saal aus. In den tie-\nfen Lagen genügt sie noch, und man hört es ihrem Ge-\nsänge an, dass sie Schule hat. Fräulein Sawerthal wurde"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "319", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661006-01.1.7", "texte": "für ihre „Gute Nacht\" und „Herein\" heftig applaudirt.\nSie hat die kräftige Figur und das Gesicht einer tüchtigen\nmecklenburgischen Köchin, singt aber recht hübsch und\nmarkirt den Text. Das „Herbstlied\" von Mendelssohn\nwurde da capo begehrt.\nDie Generosität des „deutschen Clubs\" ging so weit,\ndass man die Damen mit verschiedenen Sorten Eis, Limo-\nnaden und Kuchen tractirte, und die Gesellschaft verliess\ngegen Mitternacht ziemlich vergnügt das Concert.\nDa ich einmal im Musik-Thema bin, so will ich das\nerste Auftreten der Angela Peralta im hiesigen italiä-\nnischen Opernhause nicht unerwähnt lassen.\nNachdem mit ihrem Empfange ein Humbug gemacht\nworden war, der Barnum zur Ehre gereicht hätte, über-\nschlugen sich einige mexicanische Poeten in den öffent-\nlichen Blättern fast vor Vergnügen über ihr Erscheinen.\nEiner derselben „pumpte den Himmel an\", um Vergleiche\nfür sie zu finden, und schwur beim Barte des Propheten,\ndass sich die Nachtigall beschämt verstecken würde, wenn\nsie erst die Peralta habe singen hören. So viele Distel-\nblumen zogen denn auch eine Masse Esel nach dem Opern-\nhause, und am ersten Abende ihres Auftretens (in der\nSonnambula) wurden einzelne Parterre-Sitze mit 10 Pesos,\ndie Logen mit 100 bezahlt. Sie wurde bei ihrem Erschei-\nnen mit Blumen überschüttet und soll in der That recht\ngut gesungen haben, ohne indessen eine Jenny Lind, Patti\noder Sontag zu sein. Die Mexicaner sind nun freilich noch\nimmer in ihrem Peralta-Paroxysmus, aber die vernünfti-\ngeren gestehen doch zu, dass sie schon Besseres hörten,\nohne dass sich die Nachtigallen beschämt versteckt hätten.\nWas die Peralta durch ihr Auftreten bisher errungen hat,\nsind Blumen, schlechte Gedichte, massenhafte Hervorrufe\nund die zweifelhaft beseligende Aussicht, bei einem Hof-\nConcerte zu singen.\n\nW. Winckler. (K. Z.)\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nFpiliiklIi I*l a* I?I#9 2. October. Nach der den Beamten\nund Künstlern des Hoftheaters in Wiesbaden durch Herrn v. Hülsen\ngewordenen Mittheilung ist dasselbe nunmehr vom 1. October ab\nköniglich geworden. Zum Intendanten des Theaters ist Herr v. Be-\nquignolles ernannt. Civil-Behörde ist das Civil-Commissariat. Am\nSonntag wurde zur Feier des Geburtstages Ihrer Majestät der Kö-\nnigin als Fest-Oper „Undine\" gegeben. Bei derselben Gelegenheit\nhatten die öffentlichen Gebäude in den preussischen und nassauischen\nLandesfarben geflaggt.\nBerlin. Die königlichen Theater haben ihre Preise wieder\nerhöht. In Anbetracht des grossen Zudranges zu Billets, wobei der\nniedrigere Preis in vielen Fällen nur den Billethändlern zum Vor-\ntheile gereicht, kann man dies nur gerechtfertigt finden. Anderer-\nseits erscheint aber • auch das Monopol, welches die königlichen\nTheater hierselbst für die Aufführung classischer Schauspiele und\nernster Opern noch immer besitzen, um so unhaltbarer, je geringer\nder Theil der Bevölkerung ist, welchem der Besuch dieser Theater\nannoch möglich ist. Auch die bei den hiesigen Privat-Theatern\nvielfach gerügte Frivolität der Stücke hängt wesentlich mit jenem\nMonopol zusammen.\nDie durch den Tod des Dr. A. B. Marx an der berliner Uui-\nversität erledigte Professur der Musik ist dem Musik-Director H.\nBellermann, welcher sich durch sein „Lehrbuch vom Contra-\npunkte\" und eine Schrift über „die Mensuralnoten und Tactzeichen\ndes 15. und 16. Jahrhunderts\" bekannt gemacht haben dürfte, ver-\nliehen worden.\nAm 24. September fand in Berlin in der St. Hedwigskirche die\n-Tiauung des Präuleins Marie Taglioni mit dem Fürsten in -\ndischgrätz Statt.\nFür das breslauer Stadttheater ist Dr. Leopold Damrosch\nals Capellmeister engagirt.\nDer König von Baiern hat seinem Schützling Richard Wag-\nner einen Stock geschenkt, dessen Knopf einen in Gold getriebe-\nnen, mit Brillanten besetzten Schwan im Werthe von einigen Tau-\nsend Gulden darstellt.\nDie A. Allgem. Ztg. schreibt aus München: „Kunstfreunde\nwird es interessiren, zu erfahren, dass demnächst Mozart's Don Juan\ndahier aufgeführt wird, und zwar mit Hinzufügung der Original-\nRecitative und einiger Nummern, welche bisher stets ausgelassen\nwurden. Die Oper wird in Costümen und Decorationen neu ausge-\nstattet, der Text ist theilweise nach der Uebersetzung von Wend-\nling (?) und die loscenirung nach Wolzogen's Vorschlägen.. Dann\nkommt die „„Africanerin\"\" zur Aufführung. Endlich wird dann auch\nder längst vorbereitete „„Wunderthätige Magus\"\" von Calderon mit\nMusik von Rheinberger die erste Aufführung erleben.\nIm münchener Hoftheater wurde am Namens- und Geburtstage\ndes Königs (25. August) die Oper „Richard Löwenherz\" von Grdtry\nbei festlich beleuchtetem Hause und vor einem äusserst glänzenden\nPublicum aufgeführt. Die Oper fand jedoch nur eine sehr kühle\nAufnahme. (Gretry und Wagner passen freilich nicht zusammen!)\nieil9 18. September. Viele werden den alten, blinden Gei-\nger kennen, der oft stundenlang in den Durchgängen des Zwettel-\nhofes, Schottenhofes, unterm Schwibbogen die Mildthätigkeit der\nVorübergehenden durch sein Spiel in Anspruch nahm. Er ist vor\neinigen Tagen gestorben. Seit zwanzig Jahren blind, hatte er sich\nein Vermögen gesammelt. Man fand nach seinem Tode in der Tisch-\nlade ein rechtskräftig abgefasstes Testament, in welchem er seines\nBruders Sohn, der als ein gering besoldeter Beamter auf einem\nfürstlichen Gute in Ungarn lebt, zu seinem Universalerben mit einem\nBetrage von 10,600 Fl. einsetzte, ausserdem seine Führerin, die ihn\nstets begleitete, mit einem Legate von 60.00 Fl. bedachte. Das Geld\nfand man theils in Staatspapieren, theils in Silber, von welchem\nüber 1000 Fl. in Sechserin vorhanden, in einer alten Truhe, die\nunter dem Bette des Gestorbenen st^nd.\nErschien der Erfolg der ersten Aufführung von Offenbach's\ndreiactiger Oper „Blaubart\" im Theater an der Wien als kein glän-\nzender, so war der des zweiten Abends ein um so nachaltigerer.\nDas zahlreich versammelte Publicum brachte nicht jene rigorose\nKritikerstimmung mit, man unterhielt sich und theilte den Beifall"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "320", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661006-01.1.8", "texte": "viel reicher aus, als das erste Mal. Gehört zwar die Musik des\n„Blaubart\" nicht zu den frischesten und erfindungsreichsten Offen-\nbach's, und zeigt sie vom Standpunkte der „Schönen Helena\" kei-\nnen weiteren Fortschritt, so birgt sie nichts desto weniger viel des\nAnmuthigen, Einschmeichelnden und Heitere». Sie befriedigt das\nOhr und erheitert den Sinn. Den Fonds seiner Laune hat der Com-\nponist dem ersten Acte vornehmlich geschenkt; die übrigen, zwar\nnicht minder reich dotirt, stehen eben desshalb einiger Maassen zu-\nrück, weil in den späteren Acten die erwartete grössere Steigerung\nfehlt.\nDas Verzeichniss der in den philharmonischen Concerten in\nWien während der bevorstehenden Saison zur Aufführung gelangen-\nden Orchesterwerke enthält unter Anderem: Beethoven: Sinfonieen\nNr. 6, 8, 9; Egmont-Musik; Ouvertüre zu Leonore Nr. 2. Weber's\n„Aufforderung zum Tanze\" von Berlioz und dessen „Carneval ro-\nmam\". Schumann: Sinfonie Nr. 2, Ouvertüre, Scherzo und Finale.\nWagner: Faust-Ouverture. Neu: Suiten von Kaff und Lachner,\nSinfonieen von Hiller und Bargiel.\nFräulein Orgenyi, von der die Reclame verbreitet hatte, dass\nsie das königliche Hoftheater in Berlin aus patriotischen Gefühlen\nverlassen habe, hat bei ihrer Antrittsrolle auf dem Hof-Operntheater\nin Wien als Amina eine strenge Beurtheilung in den W. 81. f.\nTheater u. s. w. von Z. gefunden. Es heisst darin u. A.: „Nicht\ndie Reclame, die von Berlin herüberflog und hier, mit patriotischen\nMotiven verbrämt, ziemlich lebhaft fortrasselte, hat uns auf die\nkünstlerische Bekanntschaft des Fräuleins Aglaja v. Orgenyi neu-\ngierig gemacht, sondern der Umstand, dass Fräulein Orgenyi als die\nvorzüglichste, ja, die Lieblingsschülerin der Frau Garcia-Viardot ge-\npriesen wurde. Wenn auch so dachten wir dem Fräulein Or-\ngenyi Dies und Jenes zur dramatischen Künstlerin fehlen sollte, so\nwird sie doch eine tüchtige Gesangsbildung mitbringen, und das\nwäre schon etwas. Wir gestehen, in unseren Erwartungen nicht\nwenig getäuscht worden zu sein. Fräulein Orgenyi war befangen,\nwar vielleicht nicht stimmlich disponirt. Dem Gesänge fehlte alle\nBeseelung, dem Vortrage die Sicherheit, dem im letzten Acte bis\nzur förmlichen Erschöpfung ermatteten Organe die Ausdauer. Von\neiner Lieblingsschülerin einer Viardot aber, die als Amina auftritt,\nwar man aber unter allen Umständen berechtigt, eine fliessende\nScala, einen correcten Triller zu erwarten, hörten aber Scalen und\nTriller, die weder das richtige Tempo, noch die genaue Distanz zu\nhalten vermochten. Fräulein Orgenyi, in den meisten Beziehungen\nnoch unfertig, hat also noch viel zu lernen. Die Vorzüge des Fräu-\nleins bestehen dermalen lediglich in ihrer leicht ansprechenden, aller\nNuancen fähigen und im Tone feststehenden, in den tiefen Lagen\nzwar gepresst und verschleiert, in den höheren aber angenehm klin-\ngenden Stimme, in der reinen Intonation und dem Bestreben, die\nSituation auch durch Spiel und Geberde zum Ausdruck zu bringen,\nobwohl die diesfälligen Resultate das Maass des Gewöhnlichen nicht\nübersteigen. \"\nAlfred Jaell wird bis zum 20. October mit seiner Gattin in\nInterlaken bleiben und dann eine Reihe von Concerten in der\nSchweiz geben. Auch Joachim wird zu derselben Zeit in der\nSchweiz in den Concerten spielen.\nDie Herren Servais und Leonard, deren beabsichtigter Aus-\ntritt aus dem brüsseler Conservatorium so allgemeines Bedauern\nerregt hatte, haben auf dringendes Anliegen des Ministers des In-\nnern, der für ihre Erhaltung bedeutende Opfer bewilligte, sich ent-\nschlossen, in ihrer bisherigen Stellung zu verbleiben.\nParis« In voriger Woche ist Gottfr. Engelbert Anders,\nlangjähriger Mitarbeiter an der Revue et Gazette musicale und ge-\nlehrter Schriftsteller über Musik, nach längeren Leiden gestorben.\nEr war 1795 zu Bonn geboren, hatte gründliche philologische und\nliterar-historische Studien gemacht und sich 1829 in Paris nieder-\ngelassen. Er beschäftigte sich unter Anderem mit einer französischen\nBearbeitung von Forkel's Geschichte der Musik und mit einem mu-\nsicalischen Wörterbuche, war aber durch körperliche Beschwerden\ngezwungen, seine Arbeiten häufig zu unterbrechen. Er schrieb auch\nArtikel in der früheren Allgemeinen Leipziger Musik-Zeitung. Im\nJahre 1831 gab er eine Broschüre: Paganini, sa vie, sa personne\net quelques mots sur son secret, heraus, auch in der Zeitschrift „Cä-\ncilia\" erschien in Nr. 56 ein interessanter Artikel über die „Ge-\nschichte der Violine\" von ihm. Seine Details biographiques sur\nBeethoven. Paris, 1839, sind nach Wegeier und Ries bearbeitet.\nSeit 1833 war er an der k. Bibliothek angestellt als Conservator\nder musicalischen Abtheilung.\nVon neuen Opern werden im December Verdi's „Don Carlos\"\nin der grossen Oper und „Mignon\" von Ambr. Thomas in der\nOptra comique zur Aufführung kommen; auch Auber ist noch\nnicht gesonnen, auf seinen Lorbern zu schlafen: er ist mit der\nComposition einer Oper: Le premier Jour de bonheur, von Don-\nnery und Cormon beschäftigt.\nNach Baciocchi s Tode ist die Stelle eines Surintendant genem\nral des theätres eingegangen. Dagegen ist Camille Doucet zum\nDirecteur gtneral ä VAdministration des theätres ernannt worden.\n]¥ew-¥oi*k« Herr Dawison hat sich noch nicht wegen\nseines Gastspiels entschlossen. Von einer zuverlässigen Seite sind\nihm für sechszig Vorstellungen 30,000 Doli, geboten worden, wäh-\nrend von anderer Seite ihm für zehn Abende 10,000 Doli, garantirt\nwerden sollen. Man weiss bis jetzt noch nicht, mit welchen dieser\nhöchsten und hohen Herrschaften Herr Dawison sich einlassen\nwird."}]}