{"numero_id": "bm-bmtnabi-1866-10-13-01", "volume": "bmtnabi_1866-10-13_01", "ocr_sha256": "44ad7e15074c6c8c0886c21c2239b201e7c4669b75fb132b0ad78d6db542618d", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1866/10/13_01/bmtnabi_1866-10-13_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661013-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1866-10-13-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-10-13_01#c001", "volume": "bmtnabi_1866-10-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "321", "page_fin": "321", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661013-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "321", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661013-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 396, "texte": "Inhalt.\nThayer's Beethoven. I. (Ludwig van Beethoven's Leben. Von Alexander Wheelock Thayer.) Das Musikfest in\nWorcester (Schluss). Von C. Die Kunst des Clavierstimmens. Aus Wien (Theater „Robert der Teufel\"). Tages- und Un-\nterhaltungsblatt (Brüssel, Fdtis' literarische Tbätigkeit Paris, italiänische Oper, Gluck's „Alceste\", Concerte New-York, die\nNeue New-Yorker Musik-Zeitung, Herr Dawison)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-10-13-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-10-13_01#c002", "volume": "bmtnabi_1866-10-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "321", "page_fin": "323", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661013-01.2.2", "titre_corps": "Thayer’s Beethoven.", "titre_sommaire": "Thayer’s Beethoven.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "321", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661013-01.1.1", "debut_caractere": 398, "fin_caractere_exclue": 4028, "texte": "Thayer’s Beethoven.\nI.\nAls eine vorläufige Frucht langjähriger Reisen, For-\nschungen, Benutzungen von Quellen aller Art zum Zwecke\neiner ausführlichen Biographie Beethoven's erschien be-\nkanntlich im vorigen Jahre das »chronologische Verzeich-\nniss der Werke L. van Beethoven's\" von Alex. W.\nThayer. Gegenwärtig liegt uns das Hauptergebniss der\nBemühungen des unermüdlich für seine Aufgabe thätigen\nAmericaners wenigstens in seinem Anfange vor in\nLudwig van Beethoven's Leben. Von Alexan-\nder Wheelock Thayer. Nach dem Original-\nManuscripte deutsch bearbeitet. Erster Band.\nBerlin, 1866, bei Ferd. Schneider. XXIV und\n384 S. Gr. 8.\nWir beeilen uns, zunächst das Erscheinen des mit\nallgemeiner Spannung erwarteten Buches anzuzeigen und\nüber dessen Inhalt und Form im Allgemeinen zu berichten.\nIn Bezug auf Beides enthalten zwei Briefe statt des\nVorwortes dasjenige, was zur Orientirung des Lesers nö-\nthig ist. Der erste Brief ist „vom Verfasser an den Ueber-\nsetzer\" gerichtet (Triest, 1866), der zweite vom „Ueber-\nsetzer an den Verfasser\", unterzeichnet: Bonn, im Juli\n1866. H. Deiters.\nDie seltene Erscheinung, dass ein Autor sein Werk\nzuerst in Form einer Uebersetzung und in einem fremden\nLande in die Welt schickt, erklärt Herr Thayer in seinem\nBriefe durch die Unmöglichkeit, die Herausgabe seines\nBuches in seiner Muttersprache und in seinem Heimath-\nlande (Nordamerica) persönlich überwachen zu können,\nund, da er das Resultat seiner bisherigen Forschun-\ngen nicht länger zurückhalten wollte, aus dem Mangel der\nSitte, Werke in einzelnen Bänden allmählich zu veröffent-\nlichen. Zugleich hält er es für eine Pflicht der Dankbar-\nkeit gegen die Unterstützungen, die er in Deutschland ge-\nFunden, die von ihm zusammengestellten Mittbeilungen\nnicht länger zurückzuhalten, und endlich war für ihn ein\nentscheidender Grund, dass Herr Deiters sich bereit er-\nklärte, die Bearbeitung des Werkes zu übernehmen.\nWir glauben, dass der Verfasser in letzterer Beziehung\nseinen Entschluss keineswegs zu bereuen bat, da Herr\nProfessor Deiters nicht nur der Darstellung eine sehr flies-\nsende und angenehme Form gegeben, sondern auch als\nBearbeiter einen nicht unbedeutenden Einfluss auf das\nGanze geübt hat. Ueber das Verbältniss der Bearbeitung\nzum Originale spricht sich Herr Deiters in seinem Briefe\nan Thayer aus, nachdem dieser in seinem Schreiben an\nden Uebersetzer ebenfalls seine Wünsche und Gestattungen\nin dieser Hinsiebt ihm mitgetheilt hat.\nVor Allem scheint es uns nöthig, der musicalischen\nLesewelt mit Thayer's eigenen Worten mitzutheilen, was\nsich derselbe zur Aufgabe seiner Arbeit gesetzt hat. Er\nsagt in dem erwähnten Briefe S. VIII:\n„Ich finde keine Notwendigkeit, über die, welche\nvor mir über Beethoven geschrieben haben, so wie über\ndas, was sie geleistet oder nicht geleistet haben, ausführ-\nlich zu sprechen. Die Notizen von Wegeier und Ries\nund die Arbeiten von Schindler sind seit langer Zeit all-\ngemeines Eigenthum. Sie werden bemerken, wie oft mein\nManuscript in thatsächlichen Dingen von jenen abweicht;\nda aber die Gründe solcher Abweichungen im Texte an-\ngeführt werden, so ist es nicht nöthig, sie hier zu behan-\ndeln. Mit Ausnahme dessen, was ich jenen Schriftstellern\nverdanke, kann dieser Band als die Frucht eigener persön-\nlicher Nachforschungen bezeichnet werden, welche dies-\nseit des Oceans schon im Sommer 1849 in Bonn be-\ngannen und seitdem in allen Hauptstädten Deutschlands\nund Oesterreichs und in ziemlicher Ausdehnung auch in\nEngland fortgesetzt wurden. Selbst Hojland, Belgien,\nFrankreich und mein eigenes Heimatland haben einigen\nStoff zu diesem oder den folgenden Bänden geliefert. Ich"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "322", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661013-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5210, "texte": "habe demnach keinen Beruf, an den Werken Anderer ir-\ngend welche Kritik zu üben; ein jedes muss stehen oder\nfallen nach seinem eigenen Verdienste. Was ich im Stande\nwar, zusammenzubringen in Bezug auf die in diesem er-\nsten Bande umfasste Periode, ist in möglichst einfacher\nErzählung dargestellt; ich verfechte keine Theorieen und\nhuldige keinen Vorurtheilen, mein einziger Gesichtspunkt\nist die Wahrheit. Der Band ist der persönlichen Geschichte\nBeethoven's des Menschen und solchen beigefügten per-\nsönlichen, musikhistorischen, socialen und politischen Skiz-\nzen gewidmet, welche zur Erläuterung der Zeiten und\nEindrücke dienlich schienen, unter denen er aufwuchs und\nsein Genie sich entwickelte. Ich habe der Versuchung wi-\nderstanden, den Charakter seiner Werke zu besprechen\nund eine solche Besprechung zur Grundlage historischer\nSpeculationen zu machen; ich zog es vor, solche Erörte-\nrungen denen zu überlassen, welche mehr Geschmack für\ndieselben haben. Beethoven der Componist scheint mir\ndurch seine Werke hinlänglich bekannt zu sein [?]; in die-\nser Voraussetzung wurde von mir die lange und ermü-\ndende Arbeit so mancher Jahre Beethoven dem Men-\nschen gewidmet.\"\nAus den Zeilen, die der Verfasser der Erkenntlichkeit\nfür die Unterstützung, die ihm zu Theil geworden, wid-\nmet, heben wir als charakteristisch für ihn folgende Stel-\nlen heraus:\n„Auch gebührt eine dankbare Erwähnung dem An-\ndenken des Prof. Dehn bei der königlichen Bibliothek zu\nBerlin, der, obwohl er Anfangs wenig Zutrauen zu dem\nFremden zeigte, dessen Kenntniss der deutschen Sprache\nkaum ausreichte, sich verständlich zu machen, und dessen\nKenntniss der Musik keineswegs so gross war, um den Re-\nspect desselben zu erregen, doch nach und nach sich für\ndie geduldige und ausdauernde Arbeit dieses Fremden\ninteressirte und sie ihm durch freundliche Billigung, so\nwie durch Mittheilung zahlreicher Thatsachen und Winke\naus seinen reichen Vorräthen belohnte, welche für die\nAusführung dieses Werkes von ausserordentlichem Werthe\ngewesen sind.\n„Von denen, welche mir ihre Privat-Sammlungeri von\nDocumenten bereitwillig zur Einsicht geöffnet haben, müs-\nsen für diesen ersten Band zwei besonders genannt wer-\nden. Der erste ist Herr Artaria in Wien, bei dem ich\nkaum weiss, wie ich ihm meine Dankbarkeit genügend\naussprechen soll. Hätte er mir lediglich die Erlaubniss ge-\ngeben, seine grossartige Sammlung Beethoven'scher Ma-\nnuscripte aller Art zu durchsuchen, so würde das allein\ndankenswerth sein; aber wenn einem Unbekannten aus\neinem fremden Erdtheile diese Erlaubniss mit einer so\nfreundlichen Sympathie und einem so sichtlichen Wunsche\ngegeben wurde, alles, was in der eigenen Macht stand, zu\ntbun, um des Forsebers Mühe zu unterstützen und zu er-\nleichtern, so ist die Gunst eine doppelte, und formelle\nDankesäusserungen reichen hier nicht aus.\n„In ähnlicher Weise muss ich mich auch Frau Ca-\nroline van Beethoven zu Dank verpflichtet fühlen.\nGebe Gott, dass im Verlaufe dieses Werkes die Wahrheit\nsich in einer Weise herausstelle, um einiger Maassen jene\nLast von Unruhe und Verdruss zu erleichtern, welche der\nmuthwillige und inhumane Missbrauch verdrehter That-\nsachen durch solche, die nur für ihren Gewinn schreiben\nund nichts thun, wie pikante und dazu erdichtete Erzäh-\nlungen aufwärmen, auf das Haupt der Witwe und vater-\nlosen Kinder gebracht hat!\n„Lassen Sie mich Ihnen, lieber Freund, auch noch\ndie Namen zweier Personen nennen, welche, als meine\nGeldmittel durch so ausgedehnte und lange fortgesetzte\nNachsuchungen in fremden Ländern und durch lange Pe-\nrioden, in denen Krankheit mich zur Arbeit völlig unfähig\nmachte, erschöpft waren, mich in den Stand setzten, von\nNeuem zu beginnen und mein Werk fortzuführen. Dieses\nsind Herr Mehetabel Adams aus Cambridge in Massa-\nchusetts und Dr. Lowell Mason aus South Orange in\nNew-Jersey.\n„Es war natürlich eine Quelle ernstlicher Enttäuschung\nfür mich, Jahr auf Jahr von einer so langen Zeit dahin\ngehen zu sehen und nichts Nennenswerthes gethan zu ha-\nben! Mein ursprünglicher Plan im Jahre 1845 war ledig-\nlich, die Biographie Schindlers, die Notizen von Wegeier\nund Ries und einige andere Angaben aus englischen Quel-\nlen in eine geordnete und zusammenhangende Erzählung\nzu bringen. Wir schreiben 1866, und hier haben Sie erst\nden ersten Band! Doch wie unglücklich auch die uneigen-\nnützige Hingabe an den Gedanken, der sich zuletzt bei\nmir entwickelte, eine erschöpfende Lebensgescbichte des\nMannes vorzubereiten, für mich und meinen so langjähri-\ngen Lebensplan sich erwies, so sind doch die durch Krank-\nheit und andere Umstände verursachten Verzögerungen\ndem Werke in mancher Beziehung förderlich gewesen.\nSo hat erst in den wenigen letzten Jahren die Entdeckung\nder Gedächtnissfehler des vortrefflichen Dr. Wegeier\nmeinen Nachforschungen über die in diesem Bande ent-\nhaltene Periode neue Form und Richtung gegeben und\nso überraschende Resultate, für mich wenigstens, möglich\ngemacht.\"\nDer Leser ersieht aus dem Mitgetheilten, ohne dass\nes einer besonderen Charakteristik des Werkfes bedarf,\nwas er im Wesentlichen davon zu erwarten hat. Ueber\nden Werth einer so gewissenhaften Lebensgeschichte eines\nKünstlers auch für die Geschichte seiner inneren Entwick-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "323", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661013-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3339, "texte": "lung stimmen wir der Ansicht von Deiters in den Schluss-\nworten seines Briefes bei:\n„Ich glaube bestimmt voraussehen zu können, dass\ntrotz der vielfachen und immer wieder vermehrten Bücher\nüber Beethoven der besonnen prüfende Theil der Leser\nden reichen Gewinn würdigen wird, der ihm hier in der\nKenntniss der Lebensverhältnisse unseres grössten deut-\nschen Coroponisten geboten wird. Dass dieser Gewinn ein\nso deutlicher und entschiedener ist, dazu sehe ich auch in\nder bewussten Concentrirung der Aufgabe, die Sie Sich\ngestellt haben, einen wirksamen und wichtigen Grund.\nIndem Sie uns den Menschen Beethoven der Wahrheit\ngemäss und nach umfassender Erforschung aller zugäng-\nlichen Quellen vor Augen führen wollen, thun Sie das,\nwas frühere Biographen zwar auch nicht umgehen konn-\nten, aber, indem dieselben von den Aufgaben historischer\nUntersuchung keine genügende Vorstellung hatten, nur\nhalb und ungenügend ausgeführt haben. Sie wollen die\nWürdigung des Componisten, also auch die Darstel-\nlung seiner Entwicklung, denen überlassen, welche dafür\nmehr Geschmack haben, und meinen ausserdem, der Com-\nponist sei durch seine Werke genügend bekannt. Ich\nmöchte hier freilich fragen, ob diejenigen von den bisheri-\ngen Biographen, denen es hauptsächlich um eine ästheti-\nsche Würdigung zu thun war, überall den Beweis gelie-\nfert haben, dass sie alle Werke Beethoven's gründlich\ngekannt haben; jedenfalls werden Sie gewiss nicht glau-\nben, dass die musicalische Beurtheilung Beethoven's, sei-\nner Stellung und Entwicklung schon in abschliessender\nWeise geschehen sei, und wie wäre das auch möglich\nohne eine genaue Kenntniss seines äusseren Lebens? Dem-\nnach haben Sie durch Ihr Buch das Feld bezeichnet und\ngeebnet, auf dem zunächst für Beethoven weiter zu arbei-\nten sein wird, und haben ausserdem keinen Zweifel über\ndas gelassen, was Sie leisten wollten, so dass nun Niemand\nberechtigt sein wird, von Ihnen etwas zu verlangen, was\nSie für jetzt nicht bieten wollten. Sie werden das wesent-\nliche Verdienst beanspruchen können, der ferneren wissen-\nschaftlichen Behandlung von Beethoven's Werken durch\nIhre Biographie, verbunden mit Ihrem chronologischen\nVerzeichnisse, eine Grundlage gegeben zu haben, de-\nren dieselbe bisher entbehrte, und wie sie sorgfältiger,\nvollständiger und zuverlässiger nicht geboten werden\nkonnte.\"\nWir müssen nur wünschen, dass die Aufgabe, den\nComponisten Beethoven darzustellen, in die rechten\nHände kommen möge, und hoffen namentlich, dass Pro-\nfessor 0. Jahn, der sich ebenfalls für Thayer's Werk sehr\ninteressirt bat, auch nach dessen Erscheinung dem Publi-\ncum die Erfüllung des Vorsatzes nicht vorenthalten wird,\nden er schon vor der Bearbeitung seines „ W. A. Mozart\"\ngefasst hatte, eine Biographie Beethoven's zu schreiben.\nVon Thayer's Werke liegt uns nur der erste Band\nvor, der erst bis 1795 geht und dennoch schon 300 Sei-\nten füllt. Von diesen gehören beinahe 100 Seiten der\nEinleitung über „Musik und Musiker in Bonn von\n1680—1784\" und 200 Seiten dem Abschnitte: „Beet-\nhoven in Bonn\", an, während das dritte Buch: „Beet-\nhoven's erste wiener Zeit von 1792 —1800\", nur die\nHälfte dieser Periode enthält und mit 1795 schliesst. Dazu\nkommen noch eilf Anhänge (von S. 302 384), zum\nTbeil Actenstücke, anderen Theils Abdrücke aus Zeit- und\nGelegenheitsschriften, endlich Zusätze von H. Deiters."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-10-13-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-10-13_01#c003", "volume": "bmtnabi_1866-10-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "323", "page_fin": "324", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661013-01.2.3", "titre_corps": "Das Musikfest in Worcester.", "titre_sommaire": "Das Musikfest in Worcester.", "signature_source": "C", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "323", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661013-01.1.3", "debut_caractere": 3341, "fin_caractere_exclue": 5128, "texte": "Das Musikfest in Worcester.\n\n(Schluss. S. Nr. 40.)\nUeber Mendelssohn's „Elias\", der auf den englischen\nMusikfesten ein stehender Artikel geworden ist, über wel-\nchem dessen „Paulus\" fast ganz vergessen wird, kann ich\nnur sagen, dass die Ausführung hier und da Manches\nzu wünschen übrig liess. Die Chöre gingen allerdings\npräcis und hatten Klang und Kraft, allein der feinere Aus-\ndruck fehlte, und man hatte, wie das hier auch bei man-\nchen Chören im „Messias\" der Fall ist, mehr den Ein-\ndruck von etwas fest auswendig Gelerntem und wörtlich\nWiedergegebenen, als von einer frischen Begeisterung,\nwelche das Tonstück gleichsam von innen heraus noch ein\nMal schafft. Die Soli sangen Frau Lemmens-Sherrington\n(die „Witwe\") und Fräulein Tietjens, deren Stimmen be-\nsonders auch in den kleineren Ensembles der Engel in\nden Räumen der Kirche eine schöne Wirkung machten.\nDass der Prophet endlich einmal durchweg von Einer\nPerson (Herrn Santley) gesungen wurde, war sehr erfreu-\nlich, da sonst bei den meisten Aufführungen die Partie\ngetheilt worden, um nur recht viele berühmte Sänger an\njedem Tage hören zu lassen, was freilich die künstlerische\nAuffassung der Einheit des Charakters unmöglich macht.\nDas nächste Morgen-Concert in der Kirche begann\nmit der C-dur-Messevon Beethoven, vor welcher man\ndie grossartige Ouvertüre von Spohr zum zweiten Theile\nseines Oratoriums „Die letzten Dinge\", die freilich mit\nBeethoven's Messe gar nichts zu thun hat, da sie mehr\nchoralmässige Thema's hat, aufführte. Es folgte eine Aus-\nwahl ausHändel's „Josua\" und der ganze „Lobgesang\"\nvon Mendelssohn. Das war denn doch selbst einem\nenglischen Publicum zu viel des Guten, so dass nach drei\nUhr sich gar viele Bänke leerten. Die Aufführung dauerte\nbis beinahe vier Uhr. Die Auswahl aus „Josua\" hätte\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "324", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661013-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3911, "texte": "füglich wegbleiben können, zumal da sie durch eine\nMenge von Recitativen, die wahrscheinlich einigen Zusam-\nmenhang in das Ganze bringen sollten, eine unvermeidliche\nAbspannung der Aufmerksamkeit erzeugte.\nIm „Messias\", am letzten Festtage, war die Kirche\nso überfüllt, dass die sonst gewöhnliche strenge Beobach-\ntung des angezeigten Beginnens unmöglich eingehalten\nwerden konnte; der Anfang der Musik verzögerte sich fast\num eine halbe Stunde, bis das Publicum Platz gefunden\nund zur Ruhe gekommen war. Allein sobald die Ruhe da\nwar, konnte man sich wahrhaft erbauen an der gespann-\nten Aufmerksamkeit der zahlreichen Menge vom ersten bis\nzum letzten Tone. Jedenfalls war diese Aufführung die\nbeste vom ganzen Feste; die glänzendsten Chöre wurden\nmit Schwung gesungen, wenn auch einige andere die\nschon vorher angegebene Eigenschaft einer gut gelernten\nAufgabe nicht übertrafen. Beim Halleluja erhob sich, wie\nimmer, die ganze Versammlung. Von den Solisten war\nder Tenor Sims Reeves besser bei Stimme, wie an den\nvorigen Tagen, wo er sich an einem Abende wegen Un-\nwohlsein entschuldigen liess. Ein öffentliches Blatt bemerkt,\ndass er die Missstimmung des Publicums darüber durch\nseine Gabe von fünfzig Pfund an der Kirchthür für die\nArmen besänftigt habe—echt englisch! Eine junge Altistin,\nMadame Patey-Whytock, trat zum ersten Male mit der\nArie: „0 du, die Wonne verkündet in Zion\", auf welche\nbisher Madame Sainton-Dolby das Privilegium in ganz\nEngland hatte, mit Erfolg auf; leider wurde das Tempo\nzu schnell genommen, wie denn überhaupt in dieser Be-\nziehung gar Manches gegen die von den englischen Diri-\ngenten behauptete Tradition zu erinnern sein dürfte.\nSoll ich nun noch über das zweite und dritte Abend-\nConcert einige Worte zur Charakteristik derselben hinzu-\nfügen, so will ich erwähnen, dass in dem zweiten eine\nAuswahl aus Mozart's Clemenza di Tito gegeben wurde,\ndie Arie Parto (Fräulein Tietjens), das kleine Duett, dann\nNon piü di fiori (Madame Lemmens, welche die dazu\nnöthige Tiefe der Stimme nicht besitzt), das Finale Ah\nperdona. Darauf folgten ein paar Local-Compositionen für\nSologesang, dann Caspar's Arie (!) aus dem Freischütz,\nMendelssohn's durch eine junge Pianistin,\nTochter des Fest-Dirigenten Done, Rossini's Tell-Ouver-\nture, die wiederholt werden musste, u. s. w.\nDas letzte gemischte Concert brachte eine Selten-\nheit bei den englischen Musikfesten! eine Sinfonie, und\nzwar Beethoven's Pastoral-Sinfonie, und einen\nGesammt-Chor, den Jagd-Chor aus Haydn's „Jahres-\nzeiten\". Zwischen mehreren Liedern und Balladen von\nenglischen Componisten kamen Mozart's Non piü andrai,\ndie Wahnsinn-Scene der Lucia (!), F. Schubert's „Wan-\nderer\" u. s. w. vor und zum Schlüsse der ersten Abthei-\nlung Maurer's Concert für vier Violinen! Am Ende die-\nses Abend-Concertes und des ganzen Festes der Sitte ge-\nmäss das God save the Queen.\nMan erzählt für gewiss, dass Lord Dudley 15,000\nPf. zur Wiederherstellung der Kathedrale geben wolle\nunter der Bedingung, dass keine Musik-Aufführung mehr\nbei den Festen in derselben Statt finde. Es muss auch\nsolche Kauze geben!\nDie Zahl der Besucher ist laut dem Worcester Herald\nfolgende gewesen:\nDinstag in der Kathedrale 1621, im Concertsaale 812.\nMittwoch „ „ „ 2086, „ „ 870,\nDonnerst. „ „ „ 2100, „ „ 900,\nFreitag „ „ „ 2900, „ „ Ball.\n8707. . 2582.\nAls einen Beweis des Fortschrittes führt das genannte\nBlatt die Aufführung von Stücken aus dem Oratorium\n(„Naaraan\") eines italiänischen Componisten und Opern-\nDirectors in einer Kirche, die Direction mehrerer Sachen\ndurch einen französischen Concertmeister (Sainton), der\nebenfalls ein Opern-Dirigent sei, den Triumph einer deut-\nschen Primadonna und die Aufführung einer Messe an!\nUebrigens schliesst der Referent, dessen Bericht sieb mehr\nüber die Opposition einer Partei gegen die Benutzung\nder Kirchen, als über die Musik verbreitet, mit den Worten:\n„Alles war gut, aber der Ball war ein\n\nC."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-10-13-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-10-13_01#c004", "volume": "bmtnabi_1866-10-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "324", "page_fin": "326", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661013-01.2.4", "titre_corps": "Die Kunst des Clavierstimmens", "titre_sommaire": "Die Kunst des Clavierstimmens", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "324", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661013-01.1.4", "debut_caractere": 3913, "fin_caractere_exclue": 4909, "texte": "Die Kunst des Clavierstimmens\n*).\nUnter diesem Titel hat ein alter Prakticus seine Er-\nfahrungen und Ansichten über das Stimmen der Claviere\nmitgetheilt und zugleich Belehrungen über den Bau des\nPianoforte, die Prüfung der Instrumente, Behandlung der-\nselben Behufs des Conservirens u. s. w. daran geknüpft\nund daraus ein Büchlein von etwa sechszig Seiten gemacht,\ndas unter rein praktischem Gesichtspunkte in sehr popu-\nlärer, fast möchte man sagen, gemüthlicher Darstellung\nallerdings weder für den Clavier-Fabricanten, noch für\ndenjenigen, der mit dem inneren Bau des Claviers schon\ngründlich vertraut ist, etwas Neues enthält, aber doch bei\nder grossen Verbreitung des Clavierspiels den Ankäufern\nund Besitzern von Pianofortes von Nutzen sein kann und also\nEmpfehlung verdient. Denn wenn es bei allen anderen In-\nstrumenten der Spieler oder Bläser für nothwendig hält,\nsich mit dem Mechanischen und Akustischen des seinigen\n\n*) Leipzig. Zweite Auflage. 1866» Verlag von C. Minde. Preis\n5 Ngr."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "325", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661013-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5462, "texte": "vertraut zu machen, so finden wir dagegen unter hundert\nClavierspielern in Stadl und Land kaum zehn, die nicht\nsogleich bülflos die Hände ringen, wenn in ihrem Instru-\nmente einmal ein Dämpfer hängen bleibt oder eine Taste\nstockt. Zur Selbsthülfe in Beziehung auf dergleichen kleine\nUnfälle, die bei den besten Instrumenten vorkommen, und\neben so zur Herstellung der reinen Stimmung sind die\nAllerwenigsten befähigt, auch wenn nur eine oder ein paar\nSaiten sich gezogen haben. Unser Verfasser gibt nun zu\nsolcher Selbsthülfe, zugleich aber auch zur Controlirung\ndes Stimmers vom Fach die nöthige Anleitung in sechs\nCapiteln, von denen sich drei mit dem eigentlichen Stim-\nmen, die drei anderen mit der Beschreibung der Bestand-\nteile des Instrumentes, der Mechanik u. s. w. beschäfti-\ngen und die nöthige Anweisung zur Abhülfe vorkommen-\nder Uebelstände geben.\nDas Capitel über den Ankauf von Instrumenten ent-\nhält unter Anderem folgende für Dilettanten nicht unbe-\nachtenswerthe Winke.\nDer erste Blick, den man auf das Aeussere eines flü-\ngel- oder tafelförmigen Instrumentes, das man kaufen will,\nzu richten hat, muss auf die Fläche seines Rumpfes ge-\nrichtet sein. Ist diese Fläche oder Horizontal-Ebene am\nAnhängestock der Saiten eine nicht über das Niveau der\nWage gehende, so wird sich das Instrument, was Kasten-\nbau betrifft, bewähren, auch, sollte es ein Unmerkliches\nunter dem Niveau stehen; widrigenfalls aber nämlich\nwenn sich der Kasten aus dem Niveau nach oben gezogen\ndies bekundet, dass der Körperbau nicht durabel und\nfest genug ist. Ist Material und Arbeit gut, so weiss der\nErbauer, oder vielmehr muss es wissen, wie viele Centner\noder Pfund Kraft erfordert werden, um den Kasten\nwage- und winkelrecht zu ziehen. Jeder, der ein gu-\ntes Auge zum Visiren hat, wird übrigens wohl ohne Wage\nund Winkel sehen, ob ein Instrument schief ist. Der zweite\nBlick muss auf den Stand des Instrumentes gerichtet sein.\nSieht dasselbe mitten in einem grossen Magazin, welches\nsehr hoch und wo Alles massiv gebaut ist, und gibt es\nkeine Polstermöbel und nur mehrere andere geöffnete\nInstrumente darin, so wird der Ton weit mehr hallen und\nschallen, als wenn dasselbe in einer Ecke, einem Winkel\noder an einer Wand steht. Will man sich hier nicht täu-\nschen, so lasse man alle geöffneten Instrumente zumachen\nund das gewählte an eine Wand rollen, wo sich der Ge-\nsang und Gehalt des Tones sofort deutlicher herausstellen\nwird. Der Standpunkt des Instrumentes ist ein so wichti-\nger Gegenstand bei dem Ankaufe, dass man ihn nicht ge-\nnug ins Auge fassen kann. Wie Mancher bat sich hierin\nschon getäuscht und betrogen und die Sache leider zu spät\nbereut! Was Form, Verzierung, Farbe und Fourniere be-\ntrifft, so ist in Bezug darauf der Geschmack verschieden;\naber abgesehen davon, muss man den Kasten sowohl hin-\nten wie vorn und seine Fourniere genau betrachten, ob\nnichts daran zersprungen und rissig ist, besonders ob es\nan den Ecken, Karniessen und Kehlen genau und accurat\ngearbeitet, rein wie Spiegel polirt ist. Auch den Deckel\ndes Instrumentes hat man genau zu betrachten, ob er auf\nbeiden Seiten mit reinen Fournieren belegt und nicht zu\nschwach ist. Derselbe muss, wenn nicht massiv, aus reinen\nfichtenen, ganz ausgetrockneten Brettern geschnitten sein,\nsoll er sich nicht trotz der doppelten Fourniere ziehen und\nwerfen und also das Instrument nicht vollkommen ver-\nschliessen. Klappe, Bänder, Schloss, Alles muss man in\nAugenschein nehmen, auch ob der Deckel ein langes oder\ndurchgehendes Messingband oder einzelne Bänder hat, in-\ndem Ersteres wegen des Staubes vorzuziehen ist.\nSchreitet man zum Oeffnen des Instrumentes, so muss\nman sich erst den Resonanzboden betrachten, ob er über-\nall so gefügt, dass keine Fuge zu sehen. Gewöhnlich sind\njetzt die Resonanzböden lackirt, desshalb sehe man, ob\nder Lack, welches nur ein reiner, farbloser Copallack sein\ndarf, nicht gesprungen ist, weil sonst durch das Ablösen\ndesselben ein fataler, näselnder Ton entstehen kann. Die\nEisenplatten bei Tafel- wie bei Flügelform dürfen nicht\nviel weniger als 1ß Zoll Stärke haben und müssen entwe-\nder gewalzt oder geschmiedet sein; es gibt zwar auch ge-\ngossene, allein man wendet sie seltener bei horizontal ste-\nhenden Instrumenten an, als bei Pianinos. Solche Platten,\nsollen sie dauerhaft und haltbar sein, müssen wenigstens\nsIA Zoll Stärke haben, und auch dann springen sie noch\ngern. Die Bohrung dieser Platten muss gut und accurat\neingetheilt sein, dass die Saiten alle gehörigen Platz haben.\nDie Anhängestifte müssen von zähem Messing fabricirt\nsein, sonst brechen sie leicht ab. Die Stifte an und in bei-\nden Stegen müssen entweder plättirt oder von Messing\nsein und die Stege auf der Oberfläche mit Wasserblei\ngut eingerieben werden, weil sonst die Saite hier leichter\nrostet und dann einen knisterigen Ton gibt, wenn man sie\nanzieht, und gern springt. Alle Stegstifte müssen fest sitzen,\ndürfen weder wackeln, noch so schwach sein, dass sie\nsich biegen. Der Bezug selbst muss blitzend, rein von je-\ndem Rostfleckchen sein, überall gut gefüttert, das heisst mit\nTuch-Unterlagen versehen sein, damit kein Klirren entstehen\nkann. Die übersponnenen Saiten müssen fest und gut ge-\nsponnen sein, wozu man jetzt den plättirten, anstatt früher\nMessing- und Kupferdraht verwendet. Dieser Draht hat\nmehr Elasticität, als der kupferne, und wird durch das\nPlättiren vor Rost geschützt. Besser ist es alle Mal, die\ntiefen Bässe vom an vielleicht bis\nzu construiren."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "326", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661013-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3295, "texte": "Wir kommen nun auf den Anschlag selbst. Derselbe\nmuss vom leisesten Pianissimo bis zum stärksten Fortissimo\nsich gleich bleiben, darf beim ersten nicht verschwinden\nund beim letzten nicht ganz grell und plärrend klingen.\nJeder Hammer muss bei leiser Tragung an die Saiten, ehe\ner diese erreicht, sowohl bei deutscher als bei englischer\nMechanik wieder auf die Taste niederfallen, wo nicht, so\nentsteht, besonders bei Kraftstellen, ein unausstehlicher,\nprall iger, schlechter Ton. Hat man jeden einzelnen\nTon und Anschlag auf diese Weise untersucht, so probire\nman nun erst das Tractement durch einige Läufer und\nRouladen, ob es zähe oder elastisch. Auch kann man, wie\noben angegeben, bei diesem Verfahren zugleich abprobi-\nren, wie der Fall der Tasten. Man schlage nun jeden Ton\nnoch ganz besonders stark an und probire die gleich-\nmässige Intonation; jeder muss dieselbe Stärke, die-\nselbe Kraft, denselben Gesang und dasselbe Me-\ntall haben, darf weder dumpfer, schwächer, noch auch\ngreller und schneidender durchdringen. Hierin liegt eigent-\nlich die grosse Kunst der Ciaviermacher; es kommt mei-\nstentbeils auf eine durchaus gewählte und gute Belederung\nan. Der Fehler einer ungleichen Intonation kann aber auch\nin der Mensur, Lage der Saiten und dem Anschlage selbst\nliegen. Will man das so genannte Mark oder den Gehalt\ndes Tones wissen, so lege man den Ellenbogen mit der\nHand auf die Platte des Instrumentes und schlage einen\nTon in der Mittelpartie an; fühlt man eine Erschütterung,\nso hat das Instrument Tongehalt, wo nicht, so ist es nur\nein Ton, der durchaus nicht in die Ferne trägt, und spielt\nsich aus solchem Instrumente weder Kraft noch Saft\nheraus. Vor allen Dingen höre man, wie der Gesang ist.\nSchlägt man einen Ton in der eingestrichenen Octave an\nund hält ihn aus, so muss er wenigstens zwei Minuten\nfortsingen. Verhältnissmässig nimmt freilich der Gesang\nnach oben bin ab, die Abnahme muss jedoch fast unmerk-\nlich sein, und selbst der höchste Ton des viergestrichenen\na muss noch etwas Gesang haben. Hat man auf diese\nWeise Tongehalt vernommen, so gehe man alle Tasten\nim einfachen Trillo mit Nachschlag durch und probire auf\ndiese Art das Technische der Mechanik; bleibt die-\nser Triller in allen Tönen derselbe, so ist die Mechanik\ngut, wo nicht, fehlt es an Sorgfalt und Accuratesse. Auch\nprobire man das Tremolo und gehe mit den vier Fingern\n(1, 2, 3, 4) alle Tasten durch, wo man lauter gleiche Fi-\nguren auf einer Taste hat z. B.:\nu. s. w. Ein\nanderes Manöver nehme man alsdann vor, die Mensur zu\nprobiren. Man hebe den Dämpfer oder trete den Pedal-\nzug und schlage mit aller Kraft volle Accorde an, beson-\nders in der grossen und kleinen Octave; hört man kein\nKlirren, so ist die Mensur der Saiten gut. Man muss dann\nnoch das Pedal oder die Dämpfung vornehmen und hören,\nob es ganz präcis und exact in allen Tönen und Lagen\ndämpft. Zuletzt greife man mit aller nur möglichen Vehe-\nmenz mit dem stärksten Fortissimo in die Claves in lauter\ndoppelten Drei- und Vierklängen, und springe bald aus\nder eingestrichenen in die viergestrichene, oder aus dem\nContrabass in die eingestrichene Octave, spiele vielleicht\nzehn Minuten lang so fort und sehe dann, ob sich das In-\nstrument sehr verstimmt hat; ist dies der Fall, so hält\ndasselbe eine starke Behandlung nicht aus."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-10-13-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-10-13_01#c006", "volume": "bmtnabi_1866-10-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "326", "page_fin": "327", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661013-01.2.5", "titre_corps": "Aus Wien.", "titre_sommaire": "Aus Wien.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "326", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661013-01.1.6", "debut_caractere": 3297, "fin_caractere_exclue": 5237, "texte": "Aus Wien.\nDie Wiener Blätter von Zellner enthalten in Nr.\n79 bei Gelegenheit der Aufführung von «Robert der Teu-\nfel\" einen Artikel, der mehrere, auch für die Bühnen an-\nderer grossen Städte beachtenswerte, sehr wahre Bemer-\nkungen enthält, unter Anderem folgende:\nSo oft darauf gedrungen wurde, unser Opern-Institut\nmöge zur Bereicherung seines Repertoires, wie zur feine-\nren Bildung seiner Künstler der Pflege der Conversations-\nOper einen grösseren Spielraum erschliessen, wurde stets\nauf die geringen Cassa-Erträgnisse solcher Versuche hin-\ngewiesen. Das wiener Opern-Publicum so lauteten die\nstereotypen Entgegnungen— mag die Spieloper nicht; die\ngrosse Oper allein macht volle Häuser. In jenen verhält-\nnissmässig goldenen Zeiten, wo das Operntheater, wenn\nes mit seiner Subvention nicht auslangte, auf eine Indem-\nnität seiner allenfallsigen Mehr-Ausgaben zählen durfte,\nkonnte nun darauf erwiedert werden : das Hof-Opernthea-\nter brauche sich nicht durch den Rapport des Cassirers\nbeirren zu lassen. Heute ist das freilich anders; Sparen,\nGeldeinnehmen, Sichselbsterhalten lautet jetzt die Parole.\nJeder Einwurf gegen das Beschränken auf die grosse Oper\nmuss besorgen, als ein versteckter Angriff auf die Existenz\ndes Instituts ausgelegt zu werden. Jetzt beginnen aber\nThatsachen um so lauter zu reden, und Thatsache ist es,\ndass auch die grosse Oper, dieser vermeintliche verlässliche\nMagnet, das Haus nicht mehr zu füllen vermag. Die jüngste\n„Robert\"-Vorstellung kann als ziemlich maassgebender\nBeweis dienen. Einer der beliebtesten Sänger, Herr\nSchmid, tritt nach langer Krankheit auf; zwei Rollen,\nRobert und Raimbaut, sind neu besetzt. Fräulein Murska\nsteht auf der Affiche, Frau Kainz-Prause singt zum\nletzten Male vor Ablauf ihres Contractes und der Zu-\nschauerraum zeigt nach allen Seiten klaffende Lücken. Den\nschwächeren Besuch gewöhnlicher Vorstellungen mag man\nallenfalls durch Geldmangel, Angst vor der Cholera, schöne"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "327", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661013-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2521, "texte": "Witterung u. s. w. Motiviren; aber die Wiener haben sich\ndurch solche Dinge noch nie abhalten lassen, einer Unter-\nhaltung nachzugehen, die sie anregt. Es scheint also, dass\ndie grossen Opern dadurch, dass man sie zu häufig gibt,\nihren Reiz verwirkt haben. Vielleicht ist aber auch nicht\nso sehr das häufige Hören, sondern mehr die Art und\nWeise, wie man sie zu hören bekommt, der Grund des\ngleichgültigen Verhaltens gegen diese Werke. Es ist eine\neinfache Logik, dass Dinge, die Jeder in- und auswendig\nkennt, nur mehr durch die möglichste Vollendung ihrer\nDarstellung einen Eindruck hervorbringen können, wie\ndenn auch dagegen gerade in solchen allbekannten Wer-\nken die geringste Nachlässigkeit, der unscheinbarste Ver-\nstoss sofort erkannt und als übler Eindruck empfunden\nwird. Statt nun aber nach dieser Richtung die grösste\nSorgfalt walten zu lassen, Schwung, Frische, Leben, Eifer\nin die Sache zu bringen, laboriren gerade derartige Vor-\nstellungen an einer Verdrossenheit, die sich wie ein dum-\npfer Nebel über das Ganze lagert. Kleine und grosse Ver-\nstösse, Unsicherheiten aller Art, abgenutztes, verstaubtes\nAusstattungswesen, dies alles trägt dazu bei, keine anre-\ngende Stimmung aufkommen zu lassen. Wie soll auch\nein Interesse erwachen, wenn man aus den Mienen jedes\neinzelnen Mitwirkenden den unterdrückten Seufzer heraus-\nliest: Ach, wäre es doch schon 10 Uhr und die Komödie\naus!— Wir verzichten darauf, zu untersuchen, woran das\nalles liegt; am Ueberflusse an Eifer, künstlerischem Pflicht-\ngefühle und Ehrgeiz, am Uebermaasse jenes Geistes, der\njeden Einzelnen beseelen sollte, zum vollendeten Gelingen\ndes Ganzen sein Bestes zu thun, liegt es wahrhaftig nicht.\nDie „Robert\"-Vorstellung war keine gute. Wenn ein\nSänger zu früh oder zu spät eintritt, wenn ihm eine Stelle\nentfällt, so kann man dergleichen, wenn es auch stört,\neher dahingehen lassen: er ist lediglich auf sein Gedächt-\nnis« angewiesen. Wenn aber im Orchester geschwatzt\nwird, wo Jeder seine Nase ins Notenblatt stecken kann\nund nichts Anderes zu thun bat, als aufmerksam zu sein,\nso sind das Nachlässigkeiten, die um so ernster gerügt\nwerden müssen, je besser die Künstler sind, die in dem\nOrchester sitzen. Wenn dergleichen in der Josephstadt\ngeschieht, so wird Niemand ein Wort darüber verlieren;\naber das berühmte Kärnthnerthor-Orchester darf nicht\nfehlen, am allerwenigsten im Einsetzen und Tacthalten.\nAuch ein Kärnthnerthor-Orchester kann seinen Ruf aufs\nSpiel setzen, wenn es nicht spielt, wie es seinem Rufe ge-\nziemt, u. s. w."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-10-13-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-10-13_01#c007", "volume": "bmtnabi_1866-10-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "327", "page_fin": "328", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661013-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "327", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661013-01.1.7", "debut_caractere": 2523, "fin_caractere_exclue": 6346, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nFetis arbeitet an der Vollendung seiner Histoire g&nürale de\nla Musique; die zwei ersten Bände des Werkes werden im Anfange\nkünftigen Jahres erscheinen.\nParis. Die italienische Oper ist mit zwei Belliinschen Opern\neröffnet worden, der „Sonnambula\" mit Adelina Patti (Einnahme\n13,000 Fr.) und der „Norma\" mit Emmy La Grua.\nAm 12. d. Mts. soll Gluck's „Alceste\" zur Aufführung kom-\nmen. Als Vorbereitung wahrscheinlich gab man in voriger Woche\nSonntag „Die Africanerin\", Montag „Robert der Teufel\", Mittwoch\n„Die Hugenotten\", Freitag wieder „Die Africanerin\"!\nDas Orchester der Concerte in den Champs Elysees, dirigirt\nvon de Besselievre, wird für den Winter im Theater du Prince\nimperial alle Sonntage „Concerts de musique moderne''1' (doch stehen\nMozart, Weber und Mendelssohn auf dem Programm, Beethoven\nnicht, dagegen Wagner, Berlioz u. s. w.) geben und den Concerts\npopulaires von Pasdeloup Concurrenz machen. Die höchsten Logen-\npreise betragen nur 3 Frcs. und gehen herab bis zu 1 Fr. und bis\n50 Centimes.\nDie Neue New-Yorker Musik-Zeitung erwartet von dem\ndeutschen Kriege eine neue Aera für die Kunst in America! Theils\nder Mangel an Beschäftigung, theils die Unzufriedenheit mit den\nVerhältnissen in Deutschland haben bis jetzt schon so manche deut-\nsche Künstler nach America kommen lassen und werden uns mit\nnoch mehreren bedeutenden Künstlern versehen. Vor Allen ist es\nDawison, dessen Ankunft in der hiesigen deutschen Kunst epoche-\nmachend sein wird und muss. Wäre der Künstler auf die Specula-\ntion irgend eines Impresario nach America gekommen, so würde\ndies vielleicht nicht so bedeutungsvoll sein, wie die Thatsache, dass\nDawison aus eigenem Antriebe America besucht, und zwar, um den\nWirren in Deutschland zu entgehen. (?!) Dass die Geschäfte, welche\nder Künstler machen wird, brillant sein werden, ist unzweifelhaft.\nDas Publicum wird zuerst aus Neugierde die hohen Preise bezahlen,\nwelche der Künstler fordern wird, dann wird es aber ein Bedürfniss\nsein, den bedeutenden Künstler zu sehen, und man wird sich an die\nPreise nicht allein für Dawison, sondern auch für andere bedeutende\nSchauspieler gewöhnen. Dem Künstler werden andere Künstler fol-\ngen; Leute wie Friedrich Haase und ähnliche werden America be-\nsuchen, um hier papierene und goldene Lorbern zu ärnten, und da-\ndurch wird sich wieder die Notwendigkeit ergeben, gute Schauspie-\nler zu engagiren, theils um mit den hervorragenden Schauspielern\nzu spielen, theils um in der regelmässigen Saison den erhöhten An-\nsprüchen des Publieums zu genügen, und wir werden eine neue\nAera der deutschen Kunst in America bekommen. Ob die\nTheater-Directoren anfänglich financiel sehr gut dabei fahren wer-\nden, ist freilich eine andere Frage, und zwar eine solche, welche\nnicht direct bejaht werden kann. Mit den Ansprüchen des Publieums\nwerden sich die Ausgaben der Theater-Directoren und die den Schau-\nspielern zu zahlenden Salaire und Gagen steigern, und zugleich wer-\nden die Theatergebäude selbst ganz anders ausgestattet werden müs-\nsen, als es bis jetzt in den meisten Städten der Fall ist, z. B. in\nChicago und Cincinnati, wo die Theater auf das entschiedenste an\ndie Locale für Marionetten-Vorstellungen erinnern. Aber mag dies\nauch im Anfange der Fall sein, so wird die Concurrenz, welche wir\nzu erwarten haben, dennoch eine sehr wohlthätige und zuletzt auch\nzahlende sein, und durch Herüberkommen s'olcher Künstler wie Da-\nwison und Haase, Frau v. Bärndorf und selbst der kleineren Lichter\nwird das Deutschthum in America sehr gewinnen. Schon jetzt in-\nteressirt sich das americanische Publicum für gute deutsche Auffüh-\nrungen, und es wird durch das Uebersetzen deutscher Schauspiele\nin das Englische auch mit den Werken der neueren dramatischen\nDichter Deutschlands bekannt. Je besser die Vorstellungen werden,"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "328", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661013-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1184, "texte": "desto grösser wird auch die Theilnahme der Americaner werden,\nund sie werden ein gutes Contingent für die deutsche Bühne unter\ndie Zuhörer senden. So weit wir bis jetzt beurtheilen können, wird\nder deutsche Krieg von 1866 als der Beginn einer neuen deutschen\nKunst-Epoche in America bezeichnet werden können, und die hiesi-\ngen Deutschen werden ihre Landsleute in Deutschland überzeuge»,\ndass sie Geschmack für die Kunst und den Willen haben, dieselbe\nzu unterstützen, den Americanern aber werden sie beweisen, dass\nihre Mission nicht bloss, wie der grosse Haufen der Americaner\nglaubt, die Verbreitung des Lagerbiers und Schweizerkäses ist.\nDawison begann am 20. September sein Gastspiel im Stadt-\ntheater als Othello. Das Haus war überfüllt, trotzdem es ein Miss-\ngriff von dem Künstler war, in dem Theater an der Bowery zu\nspielen, statt in dem französischen Theater mit einer ausgewählten\nTruppe. Der Künstler erhält jeden Abend 1000 Dollars und die\nHälfte der Summe, welche über 2000 Dollars eingenommen wird,\nferner drei Benefize, deren volle Einnahme er nach Abzug von 400\nDollars nimmt. Er spielt achtzehn Abende und wird also in dieser\nZeit ungefähr 25,000 Dollars verdienen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "321", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661013-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nThayer's Beethoven. I. (Ludwig van Beethoven's Leben. Von Alexander Wheelock Thayer.) Das Musikfest in\nWorcester (Schluss). Von C. Die Kunst des Clavierstimmens. Aus Wien (Theater „Robert der Teufel\"). Tages- und Un-\nterhaltungsblatt (Brüssel, Fdtis' literarische Tbätigkeit Paris, italiänische Oper, Gluck's „Alceste\", Concerte New-York, die\nNeue New-Yorker Musik-Zeitung, Herr Dawison).\n\nThayer’s Beethoven.\nI.\nAls eine vorläufige Frucht langjähriger Reisen, For-\nschungen, Benutzungen von Quellen aller Art zum Zwecke\neiner ausführlichen Biographie Beethoven's erschien be-\nkanntlich im vorigen Jahre das »chronologische Verzeich-\nniss der Werke L. van Beethoven's\" von Alex. W.\nThayer. Gegenwärtig liegt uns das Hauptergebniss der\nBemühungen des unermüdlich für seine Aufgabe thätigen\nAmericaners wenigstens in seinem Anfange vor in\nLudwig van Beethoven's Leben. Von Alexan-\nder Wheelock Thayer. Nach dem Original-\nManuscripte deutsch bearbeitet. Erster Band.\nBerlin, 1866, bei Ferd. Schneider. XXIV und\n384 S. Gr. 8.\nWir beeilen uns, zunächst das Erscheinen des mit\nallgemeiner Spannung erwarteten Buches anzuzeigen und\nüber dessen Inhalt und Form im Allgemeinen zu berichten.\nIn Bezug auf Beides enthalten zwei Briefe statt des\nVorwortes dasjenige, was zur Orientirung des Lesers nö-\nthig ist. Der erste Brief ist „vom Verfasser an den Ueber-\nsetzer\" gerichtet (Triest, 1866), der zweite vom „Ueber-\nsetzer an den Verfasser\", unterzeichnet: Bonn, im Juli\n1866. H. Deiters.\nDie seltene Erscheinung, dass ein Autor sein Werk\nzuerst in Form einer Uebersetzung und in einem fremden\nLande in die Welt schickt, erklärt Herr Thayer in seinem\nBriefe durch die Unmöglichkeit, die Herausgabe seines\nBuches in seiner Muttersprache und in seinem Heimath-\nlande (Nordamerica) persönlich überwachen zu können,\nund, da er das Resultat seiner bisherigen Forschun-\ngen nicht länger zurückhalten wollte, aus dem Mangel der\nSitte, Werke in einzelnen Bänden allmählich zu veröffent-\nlichen. Zugleich hält er es für eine Pflicht der Dankbar-\nkeit gegen die Unterstützungen, die er in Deutschland ge-\nFunden, die von ihm zusammengestellten Mittbeilungen\nnicht länger zurückzuhalten, und endlich war für ihn ein\nentscheidender Grund, dass Herr Deiters sich bereit er-\nklärte, die Bearbeitung des Werkes zu übernehmen.\nWir glauben, dass der Verfasser in letzterer Beziehung\nseinen Entschluss keineswegs zu bereuen bat, da Herr\nProfessor Deiters nicht nur der Darstellung eine sehr flies-\nsende und angenehme Form gegeben, sondern auch als\nBearbeiter einen nicht unbedeutenden Einfluss auf das\nGanze geübt hat. Ueber das Verbältniss der Bearbeitung\nzum Originale spricht sich Herr Deiters in seinem Briefe\nan Thayer aus, nachdem dieser in seinem Schreiben an\nden Uebersetzer ebenfalls seine Wünsche und Gestattungen\nin dieser Hinsiebt ihm mitgetheilt hat.\nVor Allem scheint es uns nöthig, der musicalischen\nLesewelt mit Thayer's eigenen Worten mitzutheilen, was\nsich derselbe zur Aufgabe seiner Arbeit gesetzt hat. Er\nsagt in dem erwähnten Briefe S. VIII:\n„Ich finde keine Notwendigkeit, über die, welche\nvor mir über Beethoven geschrieben haben, so wie über\ndas, was sie geleistet oder nicht geleistet haben, ausführ-\nlich zu sprechen. Die Notizen von Wegeier und Ries\nund die Arbeiten von Schindler sind seit langer Zeit all-\ngemeines Eigenthum. Sie werden bemerken, wie oft mein\nManuscript in thatsächlichen Dingen von jenen abweicht;\nda aber die Gründe solcher Abweichungen im Texte an-\ngeführt werden, so ist es nicht nöthig, sie hier zu behan-\ndeln. Mit Ausnahme dessen, was ich jenen Schriftstellern\nverdanke, kann dieser Band als die Frucht eigener persön-\nlicher Nachforschungen bezeichnet werden, welche dies-\nseit des Oceans schon im Sommer 1849 in Bonn be-\ngannen und seitdem in allen Hauptstädten Deutschlands\nund Oesterreichs und in ziemlicher Ausdehnung auch in\nEngland fortgesetzt wurden. Selbst Hojland, Belgien,\nFrankreich und mein eigenes Heimatland haben einigen\nStoff zu diesem oder den folgenden Bänden geliefert. Ich"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "322", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661013-01.1.2", "texte": "habe demnach keinen Beruf, an den Werken Anderer ir-\ngend welche Kritik zu üben; ein jedes muss stehen oder\nfallen nach seinem eigenen Verdienste. Was ich im Stande\nwar, zusammenzubringen in Bezug auf die in diesem er-\nsten Bande umfasste Periode, ist in möglichst einfacher\nErzählung dargestellt; ich verfechte keine Theorieen und\nhuldige keinen Vorurtheilen, mein einziger Gesichtspunkt\nist die Wahrheit. Der Band ist der persönlichen Geschichte\nBeethoven's des Menschen und solchen beigefügten per-\nsönlichen, musikhistorischen, socialen und politischen Skiz-\nzen gewidmet, welche zur Erläuterung der Zeiten und\nEindrücke dienlich schienen, unter denen er aufwuchs und\nsein Genie sich entwickelte. Ich habe der Versuchung wi-\nderstanden, den Charakter seiner Werke zu besprechen\nund eine solche Besprechung zur Grundlage historischer\nSpeculationen zu machen; ich zog es vor, solche Erörte-\nrungen denen zu überlassen, welche mehr Geschmack für\ndieselben haben. Beethoven der Componist scheint mir\ndurch seine Werke hinlänglich bekannt zu sein [?]; in die-\nser Voraussetzung wurde von mir die lange und ermü-\ndende Arbeit so mancher Jahre Beethoven dem Men-\nschen gewidmet.\"\nAus den Zeilen, die der Verfasser der Erkenntlichkeit\nfür die Unterstützung, die ihm zu Theil geworden, wid-\nmet, heben wir als charakteristisch für ihn folgende Stel-\nlen heraus:\n„Auch gebührt eine dankbare Erwähnung dem An-\ndenken des Prof. Dehn bei der königlichen Bibliothek zu\nBerlin, der, obwohl er Anfangs wenig Zutrauen zu dem\nFremden zeigte, dessen Kenntniss der deutschen Sprache\nkaum ausreichte, sich verständlich zu machen, und dessen\nKenntniss der Musik keineswegs so gross war, um den Re-\nspect desselben zu erregen, doch nach und nach sich für\ndie geduldige und ausdauernde Arbeit dieses Fremden\ninteressirte und sie ihm durch freundliche Billigung, so\nwie durch Mittheilung zahlreicher Thatsachen und Winke\naus seinen reichen Vorräthen belohnte, welche für die\nAusführung dieses Werkes von ausserordentlichem Werthe\ngewesen sind.\n„Von denen, welche mir ihre Privat-Sammlungeri von\nDocumenten bereitwillig zur Einsicht geöffnet haben, müs-\nsen für diesen ersten Band zwei besonders genannt wer-\nden. Der erste ist Herr Artaria in Wien, bei dem ich\nkaum weiss, wie ich ihm meine Dankbarkeit genügend\naussprechen soll. Hätte er mir lediglich die Erlaubniss ge-\ngeben, seine grossartige Sammlung Beethoven'scher Ma-\nnuscripte aller Art zu durchsuchen, so würde das allein\ndankenswerth sein; aber wenn einem Unbekannten aus\neinem fremden Erdtheile diese Erlaubniss mit einer so\nfreundlichen Sympathie und einem so sichtlichen Wunsche\ngegeben wurde, alles, was in der eigenen Macht stand, zu\ntbun, um des Forsebers Mühe zu unterstützen und zu er-\nleichtern, so ist die Gunst eine doppelte, und formelle\nDankesäusserungen reichen hier nicht aus.\n„In ähnlicher Weise muss ich mich auch Frau Ca-\nroline van Beethoven zu Dank verpflichtet fühlen.\nGebe Gott, dass im Verlaufe dieses Werkes die Wahrheit\nsich in einer Weise herausstelle, um einiger Maassen jene\nLast von Unruhe und Verdruss zu erleichtern, welche der\nmuthwillige und inhumane Missbrauch verdrehter That-\nsachen durch solche, die nur für ihren Gewinn schreiben\nund nichts thun, wie pikante und dazu erdichtete Erzäh-\nlungen aufwärmen, auf das Haupt der Witwe und vater-\nlosen Kinder gebracht hat!\n„Lassen Sie mich Ihnen, lieber Freund, auch noch\ndie Namen zweier Personen nennen, welche, als meine\nGeldmittel durch so ausgedehnte und lange fortgesetzte\nNachsuchungen in fremden Ländern und durch lange Pe-\nrioden, in denen Krankheit mich zur Arbeit völlig unfähig\nmachte, erschöpft waren, mich in den Stand setzten, von\nNeuem zu beginnen und mein Werk fortzuführen. Dieses\nsind Herr Mehetabel Adams aus Cambridge in Massa-\nchusetts und Dr. Lowell Mason aus South Orange in\nNew-Jersey.\n„Es war natürlich eine Quelle ernstlicher Enttäuschung\nfür mich, Jahr auf Jahr von einer so langen Zeit dahin\ngehen zu sehen und nichts Nennenswerthes gethan zu ha-\nben! Mein ursprünglicher Plan im Jahre 1845 war ledig-\nlich, die Biographie Schindlers, die Notizen von Wegeier\nund Ries und einige andere Angaben aus englischen Quel-\nlen in eine geordnete und zusammenhangende Erzählung\nzu bringen. Wir schreiben 1866, und hier haben Sie erst\nden ersten Band! Doch wie unglücklich auch die uneigen-\nnützige Hingabe an den Gedanken, der sich zuletzt bei\nmir entwickelte, eine erschöpfende Lebensgescbichte des\nMannes vorzubereiten, für mich und meinen so langjähri-\ngen Lebensplan sich erwies, so sind doch die durch Krank-\nheit und andere Umstände verursachten Verzögerungen\ndem Werke in mancher Beziehung förderlich gewesen.\nSo hat erst in den wenigen letzten Jahren die Entdeckung\nder Gedächtnissfehler des vortrefflichen Dr. Wegeier\nmeinen Nachforschungen über die in diesem Bande ent-\nhaltene Periode neue Form und Richtung gegeben und\nso überraschende Resultate, für mich wenigstens, möglich\ngemacht.\"\nDer Leser ersieht aus dem Mitgetheilten, ohne dass\nes einer besonderen Charakteristik des Werkfes bedarf,\nwas er im Wesentlichen davon zu erwarten hat. Ueber\nden Werth einer so gewissenhaften Lebensgeschichte eines\nKünstlers auch für die Geschichte seiner inneren Entwick-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "323", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661013-01.1.3", "texte": "lung stimmen wir der Ansicht von Deiters in den Schluss-\nworten seines Briefes bei:\n„Ich glaube bestimmt voraussehen zu können, dass\ntrotz der vielfachen und immer wieder vermehrten Bücher\nüber Beethoven der besonnen prüfende Theil der Leser\nden reichen Gewinn würdigen wird, der ihm hier in der\nKenntniss der Lebensverhältnisse unseres grössten deut-\nschen Coroponisten geboten wird. Dass dieser Gewinn ein\nso deutlicher und entschiedener ist, dazu sehe ich auch in\nder bewussten Concentrirung der Aufgabe, die Sie Sich\ngestellt haben, einen wirksamen und wichtigen Grund.\nIndem Sie uns den Menschen Beethoven der Wahrheit\ngemäss und nach umfassender Erforschung aller zugäng-\nlichen Quellen vor Augen führen wollen, thun Sie das,\nwas frühere Biographen zwar auch nicht umgehen konn-\nten, aber, indem dieselben von den Aufgaben historischer\nUntersuchung keine genügende Vorstellung hatten, nur\nhalb und ungenügend ausgeführt haben. Sie wollen die\nWürdigung des Componisten, also auch die Darstel-\nlung seiner Entwicklung, denen überlassen, welche dafür\nmehr Geschmack haben, und meinen ausserdem, der Com-\nponist sei durch seine Werke genügend bekannt. Ich\nmöchte hier freilich fragen, ob diejenigen von den bisheri-\ngen Biographen, denen es hauptsächlich um eine ästheti-\nsche Würdigung zu thun war, überall den Beweis gelie-\nfert haben, dass sie alle Werke Beethoven's gründlich\ngekannt haben; jedenfalls werden Sie gewiss nicht glau-\nben, dass die musicalische Beurtheilung Beethoven's, sei-\nner Stellung und Entwicklung schon in abschliessender\nWeise geschehen sei, und wie wäre das auch möglich\nohne eine genaue Kenntniss seines äusseren Lebens? Dem-\nnach haben Sie durch Ihr Buch das Feld bezeichnet und\ngeebnet, auf dem zunächst für Beethoven weiter zu arbei-\nten sein wird, und haben ausserdem keinen Zweifel über\ndas gelassen, was Sie leisten wollten, so dass nun Niemand\nberechtigt sein wird, von Ihnen etwas zu verlangen, was\nSie für jetzt nicht bieten wollten. Sie werden das wesent-\nliche Verdienst beanspruchen können, der ferneren wissen-\nschaftlichen Behandlung von Beethoven's Werken durch\nIhre Biographie, verbunden mit Ihrem chronologischen\nVerzeichnisse, eine Grundlage gegeben zu haben, de-\nren dieselbe bisher entbehrte, und wie sie sorgfältiger,\nvollständiger und zuverlässiger nicht geboten werden\nkonnte.\"\nWir müssen nur wünschen, dass die Aufgabe, den\nComponisten Beethoven darzustellen, in die rechten\nHände kommen möge, und hoffen namentlich, dass Pro-\nfessor 0. Jahn, der sich ebenfalls für Thayer's Werk sehr\ninteressirt bat, auch nach dessen Erscheinung dem Publi-\ncum die Erfüllung des Vorsatzes nicht vorenthalten wird,\nden er schon vor der Bearbeitung seines „ W. A. Mozart\"\ngefasst hatte, eine Biographie Beethoven's zu schreiben.\nVon Thayer's Werke liegt uns nur der erste Band\nvor, der erst bis 1795 geht und dennoch schon 300 Sei-\nten füllt. Von diesen gehören beinahe 100 Seiten der\nEinleitung über „Musik und Musiker in Bonn von\n1680—1784\" und 200 Seiten dem Abschnitte: „Beet-\nhoven in Bonn\", an, während das dritte Buch: „Beet-\nhoven's erste wiener Zeit von 1792 —1800\", nur die\nHälfte dieser Periode enthält und mit 1795 schliesst. Dazu\nkommen noch eilf Anhänge (von S. 302 384), zum\nTbeil Actenstücke, anderen Theils Abdrücke aus Zeit- und\nGelegenheitsschriften, endlich Zusätze von H. Deiters.\n\nDas Musikfest in Worcester.\n\n(Schluss. S. Nr. 40.)\nUeber Mendelssohn's „Elias\", der auf den englischen\nMusikfesten ein stehender Artikel geworden ist, über wel-\nchem dessen „Paulus\" fast ganz vergessen wird, kann ich\nnur sagen, dass die Ausführung hier und da Manches\nzu wünschen übrig liess. Die Chöre gingen allerdings\npräcis und hatten Klang und Kraft, allein der feinere Aus-\ndruck fehlte, und man hatte, wie das hier auch bei man-\nchen Chören im „Messias\" der Fall ist, mehr den Ein-\ndruck von etwas fest auswendig Gelerntem und wörtlich\nWiedergegebenen, als von einer frischen Begeisterung,\nwelche das Tonstück gleichsam von innen heraus noch ein\nMal schafft. Die Soli sangen Frau Lemmens-Sherrington\n(die „Witwe\") und Fräulein Tietjens, deren Stimmen be-\nsonders auch in den kleineren Ensembles der Engel in\nden Räumen der Kirche eine schöne Wirkung machten.\nDass der Prophet endlich einmal durchweg von Einer\nPerson (Herrn Santley) gesungen wurde, war sehr erfreu-\nlich, da sonst bei den meisten Aufführungen die Partie\ngetheilt worden, um nur recht viele berühmte Sänger an\njedem Tage hören zu lassen, was freilich die künstlerische\nAuffassung der Einheit des Charakters unmöglich macht.\nDas nächste Morgen-Concert in der Kirche begann\nmit der C-dur-Messevon Beethoven, vor welcher man\ndie grossartige Ouvertüre von Spohr zum zweiten Theile\nseines Oratoriums „Die letzten Dinge\", die freilich mit\nBeethoven's Messe gar nichts zu thun hat, da sie mehr\nchoralmässige Thema's hat, aufführte. Es folgte eine Aus-\nwahl ausHändel's „Josua\" und der ganze „Lobgesang\"\nvon Mendelssohn. Das war denn doch selbst einem\nenglischen Publicum zu viel des Guten, so dass nach drei\nUhr sich gar viele Bänke leerten. Die Aufführung dauerte\nbis beinahe vier Uhr. Die Auswahl aus „Josua\" hätte\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "324", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661013-01.1.4", "texte": "füglich wegbleiben können, zumal da sie durch eine\nMenge von Recitativen, die wahrscheinlich einigen Zusam-\nmenhang in das Ganze bringen sollten, eine unvermeidliche\nAbspannung der Aufmerksamkeit erzeugte.\nIm „Messias\", am letzten Festtage, war die Kirche\nso überfüllt, dass die sonst gewöhnliche strenge Beobach-\ntung des angezeigten Beginnens unmöglich eingehalten\nwerden konnte; der Anfang der Musik verzögerte sich fast\num eine halbe Stunde, bis das Publicum Platz gefunden\nund zur Ruhe gekommen war. Allein sobald die Ruhe da\nwar, konnte man sich wahrhaft erbauen an der gespann-\nten Aufmerksamkeit der zahlreichen Menge vom ersten bis\nzum letzten Tone. Jedenfalls war diese Aufführung die\nbeste vom ganzen Feste; die glänzendsten Chöre wurden\nmit Schwung gesungen, wenn auch einige andere die\nschon vorher angegebene Eigenschaft einer gut gelernten\nAufgabe nicht übertrafen. Beim Halleluja erhob sich, wie\nimmer, die ganze Versammlung. Von den Solisten war\nder Tenor Sims Reeves besser bei Stimme, wie an den\nvorigen Tagen, wo er sich an einem Abende wegen Un-\nwohlsein entschuldigen liess. Ein öffentliches Blatt bemerkt,\ndass er die Missstimmung des Publicums darüber durch\nseine Gabe von fünfzig Pfund an der Kirchthür für die\nArmen besänftigt habe—echt englisch! Eine junge Altistin,\nMadame Patey-Whytock, trat zum ersten Male mit der\nArie: „0 du, die Wonne verkündet in Zion\", auf welche\nbisher Madame Sainton-Dolby das Privilegium in ganz\nEngland hatte, mit Erfolg auf; leider wurde das Tempo\nzu schnell genommen, wie denn überhaupt in dieser Be-\nziehung gar Manches gegen die von den englischen Diri-\ngenten behauptete Tradition zu erinnern sein dürfte.\nSoll ich nun noch über das zweite und dritte Abend-\nConcert einige Worte zur Charakteristik derselben hinzu-\nfügen, so will ich erwähnen, dass in dem zweiten eine\nAuswahl aus Mozart's Clemenza di Tito gegeben wurde,\ndie Arie Parto (Fräulein Tietjens), das kleine Duett, dann\nNon piü di fiori (Madame Lemmens, welche die dazu\nnöthige Tiefe der Stimme nicht besitzt), das Finale Ah\nperdona. Darauf folgten ein paar Local-Compositionen für\nSologesang, dann Caspar's Arie (!) aus dem Freischütz,\nMendelssohn's durch eine junge Pianistin,\nTochter des Fest-Dirigenten Done, Rossini's Tell-Ouver-\nture, die wiederholt werden musste, u. s. w.\nDas letzte gemischte Concert brachte eine Selten-\nheit bei den englischen Musikfesten! eine Sinfonie, und\nzwar Beethoven's Pastoral-Sinfonie, und einen\nGesammt-Chor, den Jagd-Chor aus Haydn's „Jahres-\nzeiten\". Zwischen mehreren Liedern und Balladen von\nenglischen Componisten kamen Mozart's Non piü andrai,\ndie Wahnsinn-Scene der Lucia (!), F. Schubert's „Wan-\nderer\" u. s. w. vor und zum Schlüsse der ersten Abthei-\nlung Maurer's Concert für vier Violinen! Am Ende die-\nses Abend-Concertes und des ganzen Festes der Sitte ge-\nmäss das God save the Queen.\nMan erzählt für gewiss, dass Lord Dudley 15,000\nPf. zur Wiederherstellung der Kathedrale geben wolle\nunter der Bedingung, dass keine Musik-Aufführung mehr\nbei den Festen in derselben Statt finde. Es muss auch\nsolche Kauze geben!\nDie Zahl der Besucher ist laut dem Worcester Herald\nfolgende gewesen:\nDinstag in der Kathedrale 1621, im Concertsaale 812.\nMittwoch „ „ „ 2086, „ „ 870,\nDonnerst. „ „ „ 2100, „ „ 900,\nFreitag „ „ „ 2900, „ „ Ball.\n8707. . 2582.\nAls einen Beweis des Fortschrittes führt das genannte\nBlatt die Aufführung von Stücken aus dem Oratorium\n(„Naaraan\") eines italiänischen Componisten und Opern-\nDirectors in einer Kirche, die Direction mehrerer Sachen\ndurch einen französischen Concertmeister (Sainton), der\nebenfalls ein Opern-Dirigent sei, den Triumph einer deut-\nschen Primadonna und die Aufführung einer Messe an!\nUebrigens schliesst der Referent, dessen Bericht sieb mehr\nüber die Opposition einer Partei gegen die Benutzung\nder Kirchen, als über die Musik verbreitet, mit den Worten:\n„Alles war gut, aber der Ball war ein\n\nC.\n\nDie Kunst des Clavierstimmens\n*).\nUnter diesem Titel hat ein alter Prakticus seine Er-\nfahrungen und Ansichten über das Stimmen der Claviere\nmitgetheilt und zugleich Belehrungen über den Bau des\nPianoforte, die Prüfung der Instrumente, Behandlung der-\nselben Behufs des Conservirens u. s. w. daran geknüpft\nund daraus ein Büchlein von etwa sechszig Seiten gemacht,\ndas unter rein praktischem Gesichtspunkte in sehr popu-\nlärer, fast möchte man sagen, gemüthlicher Darstellung\nallerdings weder für den Clavier-Fabricanten, noch für\ndenjenigen, der mit dem inneren Bau des Claviers schon\ngründlich vertraut ist, etwas Neues enthält, aber doch bei\nder grossen Verbreitung des Clavierspiels den Ankäufern\nund Besitzern von Pianofortes von Nutzen sein kann und also\nEmpfehlung verdient. Denn wenn es bei allen anderen In-\nstrumenten der Spieler oder Bläser für nothwendig hält,\nsich mit dem Mechanischen und Akustischen des seinigen\n\n*) Leipzig. Zweite Auflage. 1866» Verlag von C. Minde. Preis\n5 Ngr."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "325", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661013-01.1.5", "texte": "vertraut zu machen, so finden wir dagegen unter hundert\nClavierspielern in Stadl und Land kaum zehn, die nicht\nsogleich bülflos die Hände ringen, wenn in ihrem Instru-\nmente einmal ein Dämpfer hängen bleibt oder eine Taste\nstockt. Zur Selbsthülfe in Beziehung auf dergleichen kleine\nUnfälle, die bei den besten Instrumenten vorkommen, und\neben so zur Herstellung der reinen Stimmung sind die\nAllerwenigsten befähigt, auch wenn nur eine oder ein paar\nSaiten sich gezogen haben. Unser Verfasser gibt nun zu\nsolcher Selbsthülfe, zugleich aber auch zur Controlirung\ndes Stimmers vom Fach die nöthige Anleitung in sechs\nCapiteln, von denen sich drei mit dem eigentlichen Stim-\nmen, die drei anderen mit der Beschreibung der Bestand-\nteile des Instrumentes, der Mechanik u. s. w. beschäfti-\ngen und die nöthige Anweisung zur Abhülfe vorkommen-\nder Uebelstände geben.\nDas Capitel über den Ankauf von Instrumenten ent-\nhält unter Anderem folgende für Dilettanten nicht unbe-\nachtenswerthe Winke.\nDer erste Blick, den man auf das Aeussere eines flü-\ngel- oder tafelförmigen Instrumentes, das man kaufen will,\nzu richten hat, muss auf die Fläche seines Rumpfes ge-\nrichtet sein. Ist diese Fläche oder Horizontal-Ebene am\nAnhängestock der Saiten eine nicht über das Niveau der\nWage gehende, so wird sich das Instrument, was Kasten-\nbau betrifft, bewähren, auch, sollte es ein Unmerkliches\nunter dem Niveau stehen; widrigenfalls aber nämlich\nwenn sich der Kasten aus dem Niveau nach oben gezogen\ndies bekundet, dass der Körperbau nicht durabel und\nfest genug ist. Ist Material und Arbeit gut, so weiss der\nErbauer, oder vielmehr muss es wissen, wie viele Centner\noder Pfund Kraft erfordert werden, um den Kasten\nwage- und winkelrecht zu ziehen. Jeder, der ein gu-\ntes Auge zum Visiren hat, wird übrigens wohl ohne Wage\nund Winkel sehen, ob ein Instrument schief ist. Der zweite\nBlick muss auf den Stand des Instrumentes gerichtet sein.\nSieht dasselbe mitten in einem grossen Magazin, welches\nsehr hoch und wo Alles massiv gebaut ist, und gibt es\nkeine Polstermöbel und nur mehrere andere geöffnete\nInstrumente darin, so wird der Ton weit mehr hallen und\nschallen, als wenn dasselbe in einer Ecke, einem Winkel\noder an einer Wand steht. Will man sich hier nicht täu-\nschen, so lasse man alle geöffneten Instrumente zumachen\nund das gewählte an eine Wand rollen, wo sich der Ge-\nsang und Gehalt des Tones sofort deutlicher herausstellen\nwird. Der Standpunkt des Instrumentes ist ein so wichti-\nger Gegenstand bei dem Ankaufe, dass man ihn nicht ge-\nnug ins Auge fassen kann. Wie Mancher bat sich hierin\nschon getäuscht und betrogen und die Sache leider zu spät\nbereut! Was Form, Verzierung, Farbe und Fourniere be-\ntrifft, so ist in Bezug darauf der Geschmack verschieden;\naber abgesehen davon, muss man den Kasten sowohl hin-\nten wie vorn und seine Fourniere genau betrachten, ob\nnichts daran zersprungen und rissig ist, besonders ob es\nan den Ecken, Karniessen und Kehlen genau und accurat\ngearbeitet, rein wie Spiegel polirt ist. Auch den Deckel\ndes Instrumentes hat man genau zu betrachten, ob er auf\nbeiden Seiten mit reinen Fournieren belegt und nicht zu\nschwach ist. Derselbe muss, wenn nicht massiv, aus reinen\nfichtenen, ganz ausgetrockneten Brettern geschnitten sein,\nsoll er sich nicht trotz der doppelten Fourniere ziehen und\nwerfen und also das Instrument nicht vollkommen ver-\nschliessen. Klappe, Bänder, Schloss, Alles muss man in\nAugenschein nehmen, auch ob der Deckel ein langes oder\ndurchgehendes Messingband oder einzelne Bänder hat, in-\ndem Ersteres wegen des Staubes vorzuziehen ist.\nSchreitet man zum Oeffnen des Instrumentes, so muss\nman sich erst den Resonanzboden betrachten, ob er über-\nall so gefügt, dass keine Fuge zu sehen. Gewöhnlich sind\njetzt die Resonanzböden lackirt, desshalb sehe man, ob\nder Lack, welches nur ein reiner, farbloser Copallack sein\ndarf, nicht gesprungen ist, weil sonst durch das Ablösen\ndesselben ein fataler, näselnder Ton entstehen kann. Die\nEisenplatten bei Tafel- wie bei Flügelform dürfen nicht\nviel weniger als 1ß Zoll Stärke haben und müssen entwe-\nder gewalzt oder geschmiedet sein; es gibt zwar auch ge-\ngossene, allein man wendet sie seltener bei horizontal ste-\nhenden Instrumenten an, als bei Pianinos. Solche Platten,\nsollen sie dauerhaft und haltbar sein, müssen wenigstens\nsIA Zoll Stärke haben, und auch dann springen sie noch\ngern. Die Bohrung dieser Platten muss gut und accurat\neingetheilt sein, dass die Saiten alle gehörigen Platz haben.\nDie Anhängestifte müssen von zähem Messing fabricirt\nsein, sonst brechen sie leicht ab. Die Stifte an und in bei-\nden Stegen müssen entweder plättirt oder von Messing\nsein und die Stege auf der Oberfläche mit Wasserblei\ngut eingerieben werden, weil sonst die Saite hier leichter\nrostet und dann einen knisterigen Ton gibt, wenn man sie\nanzieht, und gern springt. Alle Stegstifte müssen fest sitzen,\ndürfen weder wackeln, noch so schwach sein, dass sie\nsich biegen. Der Bezug selbst muss blitzend, rein von je-\ndem Rostfleckchen sein, überall gut gefüttert, das heisst mit\nTuch-Unterlagen versehen sein, damit kein Klirren entstehen\nkann. Die übersponnenen Saiten müssen fest und gut ge-\nsponnen sein, wozu man jetzt den plättirten, anstatt früher\nMessing- und Kupferdraht verwendet. Dieser Draht hat\nmehr Elasticität, als der kupferne, und wird durch das\nPlättiren vor Rost geschützt. Besser ist es alle Mal, die\ntiefen Bässe vom an vielleicht bis\nzu construiren."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "326", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661013-01.1.6", "texte": "Wir kommen nun auf den Anschlag selbst. Derselbe\nmuss vom leisesten Pianissimo bis zum stärksten Fortissimo\nsich gleich bleiben, darf beim ersten nicht verschwinden\nund beim letzten nicht ganz grell und plärrend klingen.\nJeder Hammer muss bei leiser Tragung an die Saiten, ehe\ner diese erreicht, sowohl bei deutscher als bei englischer\nMechanik wieder auf die Taste niederfallen, wo nicht, so\nentsteht, besonders bei Kraftstellen, ein unausstehlicher,\nprall iger, schlechter Ton. Hat man jeden einzelnen\nTon und Anschlag auf diese Weise untersucht, so probire\nman nun erst das Tractement durch einige Läufer und\nRouladen, ob es zähe oder elastisch. Auch kann man, wie\noben angegeben, bei diesem Verfahren zugleich abprobi-\nren, wie der Fall der Tasten. Man schlage nun jeden Ton\nnoch ganz besonders stark an und probire die gleich-\nmässige Intonation; jeder muss dieselbe Stärke, die-\nselbe Kraft, denselben Gesang und dasselbe Me-\ntall haben, darf weder dumpfer, schwächer, noch auch\ngreller und schneidender durchdringen. Hierin liegt eigent-\nlich die grosse Kunst der Ciaviermacher; es kommt mei-\nstentbeils auf eine durchaus gewählte und gute Belederung\nan. Der Fehler einer ungleichen Intonation kann aber auch\nin der Mensur, Lage der Saiten und dem Anschlage selbst\nliegen. Will man das so genannte Mark oder den Gehalt\ndes Tones wissen, so lege man den Ellenbogen mit der\nHand auf die Platte des Instrumentes und schlage einen\nTon in der Mittelpartie an; fühlt man eine Erschütterung,\nso hat das Instrument Tongehalt, wo nicht, so ist es nur\nein Ton, der durchaus nicht in die Ferne trägt, und spielt\nsich aus solchem Instrumente weder Kraft noch Saft\nheraus. Vor allen Dingen höre man, wie der Gesang ist.\nSchlägt man einen Ton in der eingestrichenen Octave an\nund hält ihn aus, so muss er wenigstens zwei Minuten\nfortsingen. Verhältnissmässig nimmt freilich der Gesang\nnach oben bin ab, die Abnahme muss jedoch fast unmerk-\nlich sein, und selbst der höchste Ton des viergestrichenen\na muss noch etwas Gesang haben. Hat man auf diese\nWeise Tongehalt vernommen, so gehe man alle Tasten\nim einfachen Trillo mit Nachschlag durch und probire auf\ndiese Art das Technische der Mechanik; bleibt die-\nser Triller in allen Tönen derselbe, so ist die Mechanik\ngut, wo nicht, fehlt es an Sorgfalt und Accuratesse. Auch\nprobire man das Tremolo und gehe mit den vier Fingern\n(1, 2, 3, 4) alle Tasten durch, wo man lauter gleiche Fi-\nguren auf einer Taste hat z. B.:\nu. s. w. Ein\nanderes Manöver nehme man alsdann vor, die Mensur zu\nprobiren. Man hebe den Dämpfer oder trete den Pedal-\nzug und schlage mit aller Kraft volle Accorde an, beson-\nders in der grossen und kleinen Octave; hört man kein\nKlirren, so ist die Mensur der Saiten gut. Man muss dann\nnoch das Pedal oder die Dämpfung vornehmen und hören,\nob es ganz präcis und exact in allen Tönen und Lagen\ndämpft. Zuletzt greife man mit aller nur möglichen Vehe-\nmenz mit dem stärksten Fortissimo in die Claves in lauter\ndoppelten Drei- und Vierklängen, und springe bald aus\nder eingestrichenen in die viergestrichene, oder aus dem\nContrabass in die eingestrichene Octave, spiele vielleicht\nzehn Minuten lang so fort und sehe dann, ob sich das In-\nstrument sehr verstimmt hat; ist dies der Fall, so hält\ndasselbe eine starke Behandlung nicht aus.\n\nAus Wien.\nDie Wiener Blätter von Zellner enthalten in Nr.\n79 bei Gelegenheit der Aufführung von «Robert der Teu-\nfel\" einen Artikel, der mehrere, auch für die Bühnen an-\nderer grossen Städte beachtenswerte, sehr wahre Bemer-\nkungen enthält, unter Anderem folgende:\nSo oft darauf gedrungen wurde, unser Opern-Institut\nmöge zur Bereicherung seines Repertoires, wie zur feine-\nren Bildung seiner Künstler der Pflege der Conversations-\nOper einen grösseren Spielraum erschliessen, wurde stets\nauf die geringen Cassa-Erträgnisse solcher Versuche hin-\ngewiesen. Das wiener Opern-Publicum so lauteten die\nstereotypen Entgegnungen— mag die Spieloper nicht; die\ngrosse Oper allein macht volle Häuser. In jenen verhält-\nnissmässig goldenen Zeiten, wo das Operntheater, wenn\nes mit seiner Subvention nicht auslangte, auf eine Indem-\nnität seiner allenfallsigen Mehr-Ausgaben zählen durfte,\nkonnte nun darauf erwiedert werden : das Hof-Opernthea-\nter brauche sich nicht durch den Rapport des Cassirers\nbeirren zu lassen. Heute ist das freilich anders; Sparen,\nGeldeinnehmen, Sichselbsterhalten lautet jetzt die Parole.\nJeder Einwurf gegen das Beschränken auf die grosse Oper\nmuss besorgen, als ein versteckter Angriff auf die Existenz\ndes Instituts ausgelegt zu werden. Jetzt beginnen aber\nThatsachen um so lauter zu reden, und Thatsache ist es,\ndass auch die grosse Oper, dieser vermeintliche verlässliche\nMagnet, das Haus nicht mehr zu füllen vermag. Die jüngste\n„Robert\"-Vorstellung kann als ziemlich maassgebender\nBeweis dienen. Einer der beliebtesten Sänger, Herr\nSchmid, tritt nach langer Krankheit auf; zwei Rollen,\nRobert und Raimbaut, sind neu besetzt. Fräulein Murska\nsteht auf der Affiche, Frau Kainz-Prause singt zum\nletzten Male vor Ablauf ihres Contractes und der Zu-\nschauerraum zeigt nach allen Seiten klaffende Lücken. Den\nschwächeren Besuch gewöhnlicher Vorstellungen mag man\nallenfalls durch Geldmangel, Angst vor der Cholera, schöne"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "327", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661013-01.1.7", "texte": "Witterung u. s. w. Motiviren; aber die Wiener haben sich\ndurch solche Dinge noch nie abhalten lassen, einer Unter-\nhaltung nachzugehen, die sie anregt. Es scheint also, dass\ndie grossen Opern dadurch, dass man sie zu häufig gibt,\nihren Reiz verwirkt haben. Vielleicht ist aber auch nicht\nso sehr das häufige Hören, sondern mehr die Art und\nWeise, wie man sie zu hören bekommt, der Grund des\ngleichgültigen Verhaltens gegen diese Werke. Es ist eine\neinfache Logik, dass Dinge, die Jeder in- und auswendig\nkennt, nur mehr durch die möglichste Vollendung ihrer\nDarstellung einen Eindruck hervorbringen können, wie\ndenn auch dagegen gerade in solchen allbekannten Wer-\nken die geringste Nachlässigkeit, der unscheinbarste Ver-\nstoss sofort erkannt und als übler Eindruck empfunden\nwird. Statt nun aber nach dieser Richtung die grösste\nSorgfalt walten zu lassen, Schwung, Frische, Leben, Eifer\nin die Sache zu bringen, laboriren gerade derartige Vor-\nstellungen an einer Verdrossenheit, die sich wie ein dum-\npfer Nebel über das Ganze lagert. Kleine und grosse Ver-\nstösse, Unsicherheiten aller Art, abgenutztes, verstaubtes\nAusstattungswesen, dies alles trägt dazu bei, keine anre-\ngende Stimmung aufkommen zu lassen. Wie soll auch\nein Interesse erwachen, wenn man aus den Mienen jedes\neinzelnen Mitwirkenden den unterdrückten Seufzer heraus-\nliest: Ach, wäre es doch schon 10 Uhr und die Komödie\naus!— Wir verzichten darauf, zu untersuchen, woran das\nalles liegt; am Ueberflusse an Eifer, künstlerischem Pflicht-\ngefühle und Ehrgeiz, am Uebermaasse jenes Geistes, der\njeden Einzelnen beseelen sollte, zum vollendeten Gelingen\ndes Ganzen sein Bestes zu thun, liegt es wahrhaftig nicht.\nDie „Robert\"-Vorstellung war keine gute. Wenn ein\nSänger zu früh oder zu spät eintritt, wenn ihm eine Stelle\nentfällt, so kann man dergleichen, wenn es auch stört,\neher dahingehen lassen: er ist lediglich auf sein Gedächt-\nnis« angewiesen. Wenn aber im Orchester geschwatzt\nwird, wo Jeder seine Nase ins Notenblatt stecken kann\nund nichts Anderes zu thun bat, als aufmerksam zu sein,\nso sind das Nachlässigkeiten, die um so ernster gerügt\nwerden müssen, je besser die Künstler sind, die in dem\nOrchester sitzen. Wenn dergleichen in der Josephstadt\ngeschieht, so wird Niemand ein Wort darüber verlieren;\naber das berühmte Kärnthnerthor-Orchester darf nicht\nfehlen, am allerwenigsten im Einsetzen und Tacthalten.\nAuch ein Kärnthnerthor-Orchester kann seinen Ruf aufs\nSpiel setzen, wenn es nicht spielt, wie es seinem Rufe ge-\nziemt, u. s. w.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nFetis arbeitet an der Vollendung seiner Histoire g&nürale de\nla Musique; die zwei ersten Bände des Werkes werden im Anfange\nkünftigen Jahres erscheinen.\nParis. Die italienische Oper ist mit zwei Belliinschen Opern\neröffnet worden, der „Sonnambula\" mit Adelina Patti (Einnahme\n13,000 Fr.) und der „Norma\" mit Emmy La Grua.\nAm 12. d. Mts. soll Gluck's „Alceste\" zur Aufführung kom-\nmen. Als Vorbereitung wahrscheinlich gab man in voriger Woche\nSonntag „Die Africanerin\", Montag „Robert der Teufel\", Mittwoch\n„Die Hugenotten\", Freitag wieder „Die Africanerin\"!\nDas Orchester der Concerte in den Champs Elysees, dirigirt\nvon de Besselievre, wird für den Winter im Theater du Prince\nimperial alle Sonntage „Concerts de musique moderne''1' (doch stehen\nMozart, Weber und Mendelssohn auf dem Programm, Beethoven\nnicht, dagegen Wagner, Berlioz u. s. w.) geben und den Concerts\npopulaires von Pasdeloup Concurrenz machen. Die höchsten Logen-\npreise betragen nur 3 Frcs. und gehen herab bis zu 1 Fr. und bis\n50 Centimes.\nDie Neue New-Yorker Musik-Zeitung erwartet von dem\ndeutschen Kriege eine neue Aera für die Kunst in America! Theils\nder Mangel an Beschäftigung, theils die Unzufriedenheit mit den\nVerhältnissen in Deutschland haben bis jetzt schon so manche deut-\nsche Künstler nach America kommen lassen und werden uns mit\nnoch mehreren bedeutenden Künstlern versehen. Vor Allen ist es\nDawison, dessen Ankunft in der hiesigen deutschen Kunst epoche-\nmachend sein wird und muss. Wäre der Künstler auf die Specula-\ntion irgend eines Impresario nach America gekommen, so würde\ndies vielleicht nicht so bedeutungsvoll sein, wie die Thatsache, dass\nDawison aus eigenem Antriebe America besucht, und zwar, um den\nWirren in Deutschland zu entgehen. (?!) Dass die Geschäfte, welche\nder Künstler machen wird, brillant sein werden, ist unzweifelhaft.\nDas Publicum wird zuerst aus Neugierde die hohen Preise bezahlen,\nwelche der Künstler fordern wird, dann wird es aber ein Bedürfniss\nsein, den bedeutenden Künstler zu sehen, und man wird sich an die\nPreise nicht allein für Dawison, sondern auch für andere bedeutende\nSchauspieler gewöhnen. Dem Künstler werden andere Künstler fol-\ngen; Leute wie Friedrich Haase und ähnliche werden America be-\nsuchen, um hier papierene und goldene Lorbern zu ärnten, und da-\ndurch wird sich wieder die Notwendigkeit ergeben, gute Schauspie-\nler zu engagiren, theils um mit den hervorragenden Schauspielern\nzu spielen, theils um in der regelmässigen Saison den erhöhten An-\nsprüchen des Publieums zu genügen, und wir werden eine neue\nAera der deutschen Kunst in America bekommen. Ob die\nTheater-Directoren anfänglich financiel sehr gut dabei fahren wer-\nden, ist freilich eine andere Frage, und zwar eine solche, welche\nnicht direct bejaht werden kann. Mit den Ansprüchen des Publieums\nwerden sich die Ausgaben der Theater-Directoren und die den Schau-\nspielern zu zahlenden Salaire und Gagen steigern, und zugleich wer-\nden die Theatergebäude selbst ganz anders ausgestattet werden müs-\nsen, als es bis jetzt in den meisten Städten der Fall ist, z. B. in\nChicago und Cincinnati, wo die Theater auf das entschiedenste an\ndie Locale für Marionetten-Vorstellungen erinnern. Aber mag dies\nauch im Anfange der Fall sein, so wird die Concurrenz, welche wir\nzu erwarten haben, dennoch eine sehr wohlthätige und zuletzt auch\nzahlende sein, und durch Herüberkommen s'olcher Künstler wie Da-\nwison und Haase, Frau v. Bärndorf und selbst der kleineren Lichter\nwird das Deutschthum in America sehr gewinnen. Schon jetzt in-\nteressirt sich das americanische Publicum für gute deutsche Auffüh-\nrungen, und es wird durch das Uebersetzen deutscher Schauspiele\nin das Englische auch mit den Werken der neueren dramatischen\nDichter Deutschlands bekannt. Je besser die Vorstellungen werden,"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "328", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661013-01.1.8", "texte": "desto grösser wird auch die Theilnahme der Americaner werden,\nund sie werden ein gutes Contingent für die deutsche Bühne unter\ndie Zuhörer senden. So weit wir bis jetzt beurtheilen können, wird\nder deutsche Krieg von 1866 als der Beginn einer neuen deutschen\nKunst-Epoche in America bezeichnet werden können, und die hiesi-\ngen Deutschen werden ihre Landsleute in Deutschland überzeuge»,\ndass sie Geschmack für die Kunst und den Willen haben, dieselbe\nzu unterstützen, den Americanern aber werden sie beweisen, dass\nihre Mission nicht bloss, wie der grosse Haufen der Americaner\nglaubt, die Verbreitung des Lagerbiers und Schweizerkäses ist.\nDawison begann am 20. September sein Gastspiel im Stadt-\ntheater als Othello. Das Haus war überfüllt, trotzdem es ein Miss-\ngriff von dem Künstler war, in dem Theater an der Bowery zu\nspielen, statt in dem französischen Theater mit einer ausgewählten\nTruppe. Der Künstler erhält jeden Abend 1000 Dollars und die\nHälfte der Summe, welche über 2000 Dollars eingenommen wird,\nferner drei Benefize, deren volle Einnahme er nach Abzug von 400\nDollars nimmt. Er spielt achtzehn Abende und wird also in dieser\nZeit ungefähr 25,000 Dollars verdienen."}]}