{"numero_id": "bm-bmtnabi-1866-10-20-01", "volume": "bmtnabi_1866-10-20_01", "ocr_sha256": "364336a41d4a9455ab617eb2906d9fa5e413814a10128916d17fe1e7806396bb", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1866/10/20_01/bmtnabi_1866-10-20_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661020-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1866-10-20-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-10-20_01#c001", "volume": "bmtnabi_1866-10-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "329", "page_fin": "329", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661020-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "329", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661020-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 466, "texte": "Inhalt.\nThayer's Beethoven. 11. (Ludwig van Beethoven's Leben. Von Alexander Wheelock Thayer.) Die Musik in\nNeapel. Aus Mailand (Musicalische Zustände „Jfigli di Borgiax, Oper von Strigelli). Soiree von Franz Dercknm. Tages-\nund Unterhaltungsblatt (Köln, Leopold Auer, die Gebrüder Thern Frankfurt a. M., Theater, Museums-Concert, Quartett-Soiree\nBraunschweig, Concert-Verein Eichstätt, Orgel-Vorträge Rostock. Gebrüder Müller Wien, Spina s Verlag Lüttich u. s. w.)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-10-20-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-10-20_01#c002", "volume": "bmtnabi_1866-10-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "329", "page_fin": "333", "image_debut": 1, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661020-01.2.2", "titre_corps": "Thayer’s Beethoven.", "titre_sommaire": "Thayer’s Beethoven.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "329", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661020-01.1.1", "debut_caractere": 468, "fin_caractere_exclue": 4153, "texte": "Thayer’s Beethoven.\nII.\n(l. s. Nr. 41.)\nAus der kurzen Inhalts-Anzeige des Buches, welche\nwir am Schlüsse des ersten Artikels gegeben, ersiebt man,\ndass die Anlage zu der neuen Biographie Beethoven's gar\nsehr ins Breite geht, indem uns der erste Band von vier\nHundert Seiten nur bis zur Herausgabe der drei Clavier-\nTrio's, die als Opus 1 in Wien bei Artaria erschienen,\nführt. Diese Ausführlichkeit steht freilich nicht in richti-\ngem Verhältnisse zu den Resultaten, die aus den Nachfor-\nschungen und bis ins kleinste Einzelne gehenden Aufspü-\nrungen urkundlicher Beweisstücke und aus den Zusam-\nmenstellungen der bereits veröffentlichten Angaben frühe-\nrer Biographen sich ergeben. Der Verfasser lässt den\nLeser den ganzen umständlichen, nicht immer erquick-\nlichen, oft dornigen Weg, den er gegangen, mit durch-\nmachen, und man muss sich mit ihm ganz und gar auf\nden historisch-kritischen Standpunkt stellen, den er selbst\neinnimmt, um das Interesse für die Ergebnisse am Ziele,\ndie am Ende für die genannte Periode immer noch karg\ngenug sind, wach zu erhalten. Das ist nun freilich nicht\nJedermanns Sache, und auch wir, wenn wir auch die\nHingebung des Verfassers an seine Aufgabe in hohem\nGrade schätzen, können uns doch der Ansicht nicht ent-\nziehen, dass die Resultate auch ohne den Leser durch das\nDetail zu sehr zu ermüden hätten gegeben werden können.\nAuch der deutsche Bearbeiter hat in dieser Hinsicht zu-\nweilen des Guten zu viel gethan; zur Rechtfertigung die-\nses Urtheils brauchen wir nur den Anhang VIII anzufüh-\nren, der von S. 361—378 den ganzen Zeitungsstreit\nüber Beethoven's Geburtshaus wieder reproducirt, obwohl\ndieser Streit bei Gelegenheit der Aufstellung des Denk-\nmals in Bonn begonnen von Thayer selbst mit Recht\nkaum berührt wird, welcher ganz kurz bemerkt, dass\nBeethoven in dem Hause Nr. 515 der Bonngasse ge-\nboren und dass die Inschrift an dem Hause Nr. 934 der\nRheingasse „eine falsche\" sei. Auch hatte ja Schindler\n(3. Auflage, S. 2) die Sache schon abgethan.\nThayer kommt übrigens erst mit der Seite 95 (Zwei-\ntes Buch) auf Beethoven's Familie und dessen Geburt,\nderen Monatstag er mit Wegeier auf den 16. Decem-\nber (1770) setzt, während Schindler den 17. December,\ndas Datum des Taufscheines annimmt. Es mag aber in\nBetracht der Sitte, die Taufe an dem auf die Geburt fol-\ngenden Tage zu veranstalten, der 16. December ein Recht\nzur Geltung haben. Eine sichere Angabe darüber hat\nauch Thayer nicht auffinden können. Die hundert Seiten\nvor dem zweiten Buche sind einer Skizze der musicalischen\nZustände in Bonn unter den Kurfürsten Joseph Clemens\nbis Max Friedrich (1689 —1784) gewidmet. Wenn eine\nsolche auch zur Charakterisirung der Zeit, in der ein gros-\nser Künstler geboren worden und seine ersten Eindrücke\nempfangen hat, für die Biographie desselben wesentlich\nist, so ist es doch nicht nöthig, desshalb auf ein ganzes\nJahrhundert zurückzugehen und die Angaben mit einer\nMenge von Documenten zu belegen, die für die Musik-\ngeschichte im Allgemeinen interessant sind, für den be-\nsonderen Zweck aber erst dann eine werthvolle Ausbeute\ngeben, wenn aus ihnen ein lebendiges Bild der Zeit ent-\nworfen wird, in welche die Kindheit des Künstlers fällt.\nWie aber mancher Geschichts- und Alterthumsforscher\nbei anhaltendem Durchstöbern der Archive jeden Fund\nfür etwas hält, das durch sich selbst spricht, und demnach\nleicht zu der Ansicht kommt, dass aus einer Zusammen-\nstellung des Gefundenen die Charakteristik der Periode\nfür den Leser sich von selbst ergebe, eben so scheint es\nauch Herrn Thayer ergangen zu sein; die Kunst, das Ma-\nterial zu einem anschaulichen Baue zu verarbeiten, die be-\nglaubigten Thatsachen als Grund- und Umrisse zu be-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "330", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661020-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5303, "texte": "nutzen, aus denen die Darstellung erst durch lebendige\nFarbengebung ein Gemälde schafft, diese Kunst vermisst\nman oft bei ihm nicht nur in der Einleitung, sondern\nauch im Laufe der Biographie selbst, so weit sie bis jetzt\nvorliegt.\nWir haben im Jahrgange 1858 der Niederrhei-\nnischen Musik-Zeitung, Nr. 25, aus dem „Ham-\nburger Magazin für Musik\" von C. F. Cramer, Jahrgang\n1783, einen Brief aus Bonn vom 30. März 1783 (wahr-\nscheinlich von Chr. G. Neefe) wieder abgedruckt. Der\nBrief verbreitet sich über die damaligen Musikzustände in\nBonn, über die Capelle, das Theater und mit grosser Frei-\nmüthigkeit auch über musicalische Dilettanten. Thayer\nhat daraus ebenfalls einen Auszug gegeben (S. 80 u. s. w.),\nder aber mit Ausnahme dessen, was er über Neefe hin-\nzufügt zu dürftig ausgefallen ist; dieses Mal wäre ein\nvollständiger Abdruck der Correspondenz aus Cramer's Ma-\ngazin eher als bei anderen Documenten, die nur Zahlen\nu. s. w. enthalten, willkommen gewesen, da der Correspon-\ndent eine recht lebendige Schilderung der bonner musica-\nliscben Kreise seiner Zeit gibt. Die wichtige Stelle über\ndas Genie des jungen Beethoven übergeht Thayer a. a. 0.,\nbringt sie aber später (S. 120); Neefe, denn kein Anderer\nwar wohl Cramer's Correspondent, bezeichnet darin den\neinjährigen Knaben mit richtiger Voraussicht als ein mu-\nsicalisches Genie, rühmt, dass er sehr gut vom Blatte lese,\nBach's wohltemperirtes Ciavier spiele u. s. w., und schliesst\nmit den Worten: „Dieses junge Genie verdiente Unter-\nstützung, dass er reisen könnte, er würde gewiss ein zwei-\nter Wolfgang Amadeus Mozart werden, wenn er so fort-\nschritte, wie er angefangen.\" Die Ann'ahme Thayer's, dass\nder junge Ludwig seine Ernennung zum Assistenten Neefe's\nals Organist hauptsächlich der Empfehlung Neefe's zu\ndanken habe, gewinnt dadurch noch mehr Gewissheit.\nUeber die erste Reise Beethoven's nach Wien im\nFrühjahre 1787 hat Thayer auch keine genaueren Nach-\nrichten auffinden können; sowohl über das genauere\nWann, als über das Womit die Reise gemacht worden\nsei, liegt Dunkel; nur so viel ist gewiss, dass Beethoven\nwegen der zunehmenden Krankbeit seiner Mutter, die er\ndann auch kurz nach seiner Rückkunft verlor, W7ien bald\nwieder verlassen und in Augsburg sich drei Karolin\nvon einem Advocaten, Namens Schaden, leihen musste,\num nach Hause zu kommen. Sein Brief an Schaden ist\nder früheste, der sich von Beethoven erhalten hat; die\nmoralisch und ökonomisch sehr gedrückte Lage des jun-\ngen Künstlers hat ihn dictirt. Er wurde zuerst in der\nVossischen Zeitung 1845 veröffentlicht; Thayer hat ihn\nmit Recht aus dem Original wieder abdrucken lassen (S.\n167), denn er ist eines der wichtigsten Documente aus\nBeethoven's Jugendzeit. Wir theilen ihn zum Tröste für\njunge Tonkünstler mit, die nicht wie Meyerbeer, Mendels-\nsohn u. A. als Kinder schon auf Kosen gebettet, mit wi-\ndrigem Schicksale zn kämpfen haben.\n„Den 15. Herbstmonat. Bonn 1787.\n„ Hochedelgebohrner\n„insonders werther Freund!\n„Was Sie von mir denken, kann ich leicht, schiiessen;\ndass Sie gegründete Ursachen haben, nicht vortheilhaft von\nmir zu denken, kann ich Ihnen nicht widersprechen; doch\nich will mich nicht eher entschuldigen, bis ich die Ursa-\nchen angezeigt habe wodurch ich hoffen darf, dass meine\nentschuldigungen angenommen werden, ich muss Ihnen be-\nkennen, dass, seitdem ich von Augsburg hinweg bin, meine\nFreude, und mit ihr meine Gesundheit begann aufzubo-\nren; je näher ich meiner Vaterstadt kam, je mehr Briefe\nerhielte ich von meinem Vater, geschwinder zu reisen als\ngewöhnlich, da meine Mutter nicht in günstigen gesund-\nheitsumständen war; ich eilte also so sehr ich vermochte,\nda ich doch selbst unpässlich wurde: das verlangen meine\nkranke mutter noch einmal sehen zu können, setzte alle\nhindernisse bei mir hinweg, und hall mir die grössten Be-\nschwernisse überwinden, ich traf meine Mutter noch an,\naber in den elendesten Gesundheitsumständen; sie hatte\ndie scbwindsucht und starb endlich ungefähr vor sieben\nWochen nach vielen überstandenen schmerzen und leiden,\nsie war mir eine so gute liebenswürdige mutter, meine\nbeste Freundin; o! wer war glücklicher als ich, da ich\nnoch den süssen Namen mutter aussprechen konnte, und\ner wurde gehört, und wem kann ich ihn jetzt sagen? den\nstummen ihr ähnlichen bildern, die mir meine einbildurigs-\nkraft zusammensetzt? so lange ich hier bin, habe ich noch\nwenige vergnügte stunden genossen, die ganze Zeit hin-\ndurch bin ich mit der engbrüstigkeit behaftet gewesen,\nund ich muss fürchten, dass gar eine Schwindsucht daraus\nentstehet; dazu kömmt noch raelankolie, welche für mich\nein fast ebenso grosses übel als meine krankbeit selbst ist.\ndenken Sie sich jetzt in meine läge, und ich hoffe Verge-\nbung für mein langes stillschweigen von ihnen zu erhalten.\nDie ausserordentliche güte und freundschaft die Sie hatten,\nmir in augsburg drei Krün zu leihen, muss ich Sie bitten,\nnoch einige Nachsicht mit mir zu haben, meine Reise hat\nmich viel gekostet, und ich habe hier keinen ersaz, auch\nden geringsten zu hoffen; das schicksaal hier in Bonn ist\nmir nicht günstig.\n„sie werden verzeihen, dass ich sie so lange mit mei-\nnem geplauder aufgehalten, alles war nötbig zu meiner\nentscbuldigung.\n„ich bitte sie, mir ihre vererungswürdige freund-\nschaft weiter nicht zu versagen, der ich nichts so sehr"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "331", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661020-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5317, "texte": "wünsche, als mich Ihrer Freundschaft nur in etwas wür-\ndig zu machen.\n„ich bin mit aller hochachtung\n„ihr gehorsamster diener und freund\n„L. v. Beethoven,\n„kurf. kölnischer Hoforganist.\"\nDass die äussere Lage Beethoven's damals noch nicht\ndurch die Freundschaft Waldstein's und Breuning's eine\nbessere geworden, weist Thayer mit guten Gründen nach\nund berichtigt dadurch die bisherige Chronologie der Le-\nbensgescbichte Beethoven's, welche auf irrthümlichen An-\ngaben Wegeler's beruhte. Die Bekanntschaft mit Beiden\ntrat erst später ein. Dass Joseph Haydn bei seiner Anwe-\nsenheit in Bonn auf der Rückreise von England eine Can-\ntate Beethoven's, die dieser ihm vorlegte, gelobt und ihn\nzu fortgesetzten Studien ermuntert habe, erzählt Thayer\nnach Wegeier, und hält es auch (nach dem Vorgange\nSchindlers) für wahrscheinlich, dass damals die zweite\nund für Beethoven so entscheidende Reise nach Wien vor-\nbereitet worden sei.\nEinen interessanten Bericht eines musicalischen Zeit-\ngenossen über die bonner Capelle und Beethoven's Cla-\nvierspiel finden wir S. 209 215. Der Kurfürst Maxi-\nmilian Franz war zugleich Hochmeister der deutschen\nRitter und nahm im Jahre 1791 seine Capelle und Oper\nmit nach Schloss Neuhaus bei Mergentheim. Dorthin kam\nein Caplan Junker aus Kirchberg, Musik-Dilettant, Com-\nponist und Verfasser musicalischer Aufsätze, die eben so\nwie seine Clavier-Concerte u. s. w. vergessen sind, um die\nCapelle zu hören, die einen bedeutenden Ruf hatte und\nihn auch verdiente. Unter Reicha's Leitung gehörten zu\nihr unter Anderen Franz Ries, Andreas und Bernhard\nRomberg, und treffliche Bläser. Auch Ludwig van Beet-\nhoven war seit seinem achtzehnten Jahre als Bratschist\nMitglied derselben, was er vier Jahre lang bis zu seinem\nAbgange nach Wien blieb und dadurch eine herrliche\nGelegenheit hatte, die beste Orchester- und Opernmusik\njener Periode kennen zu lernen und praktische Orchester-\nkenntniss zu sammeln. Ueber seinen Besuch stattete Jun-\nker einen Bericht in Bossler's „Musicalischer Correspon-\ndenz\" (1791 vom 23. November) ab, den Thayer aufge-\ntrieben hat und mittheilt. Darin heisst es, nachdem das\nProgramm der Tafelmusik und des Hof-Concertes (Ouver-\ntüre zu Don Juan, Sinfonieen von Mozart, Pleyel, Winne-\nberger, Violoncell-Concert von B. Romberg, Doppel-Con-\ncert von beiden Romberg u. s. w.) besprochen worden:\n. „Noch hörte ich einen der grössten Spieler auf dem\nCiavier, den lieben guten Bethofen, von welchem in\nder speierischen Blumenlese vom Jahre 1783 Sachen er-\nschienen, die er schon im eilften Jahre gesetzt hat. Zwar\nLiess er sich nicht im öffentlichen Concerte hören, weil\nvielleicht das Instrument seinen Wünschen nicht entsprach;\nes war ein spathischer Flügel, und er ist in Bonn ge-\nwohnt, nur auf einem Steinischen zu spielen. Indessen,\nwas mir unendlich lieber war, hörte ich ihn phantasiren,\nja, ich wurde sogar selbst aufgefordert, ihm ein Thema\nzu Veränderungen aufzugeben. Man kann die Virtuosen-\nGrösse dieses lieben, leisegestimmten Mannes, wie ich\nglaube, sicher berechnen nach dem beinahe unerschöpf-\nlichen Reichthume seiner Ideen, nach der ganz eigenen\nManier des Ausdrucks seines Spiels und nach der Fertig-\nkeit, mit welcher er spielt. Ich wüsste also nicht, was ihm\nzur Grösse des Künstlers noch fehlen sollte. Ich habe\nVoglern auf dem Fortepiano (von seinem Orgelspiel ur-\ntheile ich nicht, weil ich ihn nie auf der Orgel hörte) ge-\nhört, oft gehört und Stunden lang gehört, und immer\nseine ausserordentliche Fertigkeit bewundert, aber Bet-\nhofen ist ausser der Fertigkeit sprechender, bedeutender,\nausdrucksvoller, kurz, mehr für das Herz: also ein so gu-\nter Adagio- als Allegrospieler. Selbst die sämmtlichen vor-\ntrefflichen Spieler dieser Capelle sind seine Bewunderer\nund ganz Ohr, wenn er spielt. Nur er ist der Bescheidene,\nohne alle Ansprüche. Indess gestand er doch, dass er auf\nseinen Reisen, die ihn sein Kurfürst machen liess, bei den\nbekanntesten guten Clavierspielern selten das gefunden\nhabe, was er zu erwarten sich berechtigt geglaubt hätte.\nSein Spiel unterscheidet sich auch so sehr von der ge-\nwöhnlichen Art, das Ciavier zu behandeln, dass es scheint,\nals habe er sieb einen ganz eigenen Weg bahnen wollen,\num zu dem Ziele der Vollendung zu kommen, an welchem\ner jetzt steht. Hätte ich dem dringenden Wunsche meines\nFreundes Bethofen, den auch Herr Winneberger\nunterstützte, gefolgt und wäre noch einen Tag in Mergent-\nheim geblieben, ich glaube, Herr Bethofen hätte mir\nStunden lang vorgespielt, und in der Gesellschaft dieser\nbeiden grossen Künstler hätte sich der Tag für mich in\neinen Tag der süssesten Wonne verwandelt.\"\nDie Stelle, in welcher Beethoven zu Junker von den\n„Reisen spricht, die ihn sein Kurfürst machen lasse\", ver-\nursacht bei einem gewissenhaften Forscher, wie Thayer,\nbedenkliches Kopfschütteln, weil jene Aeusserung allen\nThatsachen widerspricht. Ei nun, der junge Bonner hat\ndem Fremden gegenüber seinem gnädigen Herrn mehr\nEhre erzeigt, als er in Bezug auf diesen Punkt verdiente:\ndas dürfte wohl die einfachste Lösung des Räthsels sein.\nBeim Abschlüsse der bonner Periode sucht Thayer in\neinem besonderen Capitel: „Was hat Beethoven in Bonn\ncomponirt?\" das Räthsel über die geringe Productivität\ndesselben bei dem Mangel an authentischen Beweisen\ndurch Vermuthungen zu lösen. Allerdings steht bekannt-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "332", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661020-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5457, "texte": "lieh Beetboven's Productivität während seiner Jünglings-\njahre bis 1795, ja, bis 1800, wo er schon in sein dreis-\nsigstes Lebensjahr getreten, der Fruchtbarkeit anderer\ngrossen musicalischen Genies auffallend nach. Aber was\ngibt uns denn ein Becht, von der Organisation des einen\nGeistes auf die Gleichheit eines anderen bloss dessbalb zu\nschliessen, weil dessen schöpferische Tbätigkeit sich an\ndemselben Stoffe offenbart? Wie wenig die geistige Kraft\nund der innere Trieb zum Schaffen in der Kunst an das\nLebensalter gebunden und wie verschieden die Entwick-\nlung dieser Kraft, eben so wie ihre Dauer, bei verschie-\ndenen Naturen ist, hat sich bei Künstlern jeder Art, na-\nmentlich aber bei Dichtern und Musikern, oft genug ge-\nzeigt. Thayer sagt S. 236: „Wenn man ein Verzeichniss\nder zwischen Januar 1795 und December 1802 ver-\nöffentlichten Compositionen Beethoven's entwirft und an-\ndere Werke hinzufügt, von denen bekannt ist, dass sie in\ndiesen Jahren componirt worden sind, so wird das Re-\nsultat annähernd folgendes sein: 2 Sinfonieen, 1 Ballet\n(Prometheus), 32 Sonaten (Solo und mit Begleitung), 2\nRomanzen (Violine»mit Orchester), 1 Serenade, 3 Duo's\n(Clarinette und Fagott), 15 Hefte Variationen, 5 Samm-\nlungen Tänze, 2 grössere Gesänge [Ah perfido, Adelaide),\n3 Clavier-Concerte, 9 Trio's, 6 Quartette, 3 Quintette,\n1 Septett, 3 Rondo's für Ciavier, 3 vierhändige Märsche,\n1 Oratorium (Christus). Eine Summe von 92 Composi-\ntionen in 8 Jahren oder 96 Monaten, und die meisten\nderselben solche Compositionen! Die Grösse Beethoven's\nbewundert alle Welt; aber dass er in diesem Umfange\ncomponiren, bei Salieri Opern-Composition studiren, sei-\nnen Ruf als Clavier-Virtuose behaupten, ja, sogar vermeh-\nren, nach Prag, Berlin und anderen Orten reisen, die\nProbebogen für seine Verleger corrigiren, Stunden geben\nund ausserdem noch Zeit finden konnte, an seine Freunde\nlange Briefe zu schreiben (?), zu schlafen, zu essen und zu\ntrinken und mit Altersgenossen fröhlich zu verkehren, das\nist doch, zum wenigsten gesagt, äusserst unwahrscheinlich,\nund dies um so mehr, als zu der Zeit, wo er wirklich sich\nausschliesslicher der Composition zu widmen begann, diese\nwunderbare Fruchtbarkeit plötzlich nachliess.\"\nWeil diese Productivität Herrn Thayer „unwahr-\nscheinlich\" vorkommt, so fühlt er sich berechtigt, anzu-\nnehmen, dass eine ziemliche Anzahl von Werken aus die-\nsem Verzeichnisse bereits in Bonn und nicht erst in Wien\ncomponirt sein müssen! Er sagt am Schlüsse der ange-\nführten Stelle: „Die Folgerung liegt auf der Hand!\" Für\nuns keine andere als diejenige, welche die schon bekann-\nten Nachweise der Verwirrung in der Reihe der Opus-\nzahlen bei den Katalogen von Beethoven's Werken an die\nHand geben, die von Thayer selbst in seinem „chronolo-\ngiscben Verzeichnisse\", so viel als möglich war, aufgeklärt\nworden. Er rechnet jetzt auch die Trio's Op. 1 zu den\nbereits in Bonn componirten, gibt indess doch zu, dass\nman Zweifel an dieser Annahme hegen könne. Ueber das\nTrio für Violine, Viola und Violoncell Op. 3 bringt er\neine historische Notiz aus William Gardiner Music and\nFriends, 111. 142, bei, nach welcher ein Caplan des\nRurfürsten, Namens Dobbeler, bei seiner Abreise aus Bonn\n(October oder December 1793) „in seinen Violinkasten\nein Trio von Beethoven gelegt hatte, welches gerade vor\nseiner Abreise componirt war\", und nach einer anderen\nNotiz auf der vorletzten Seite seines Buches: „Italy, her\nMusic etc.u,war dieses Trio das Trio in Bei\nThayer's sonstiger Sorgfalt in Anführung der Daten fällt\nes hierbei auf, dass das Jahr, aus welchem das Buch\n„Italy* herrührt, nicht angegeben ist. Dobbeler war al-\nlerdings Caplan bei dem Kurfürsten in Bonn bis 1793,\nallein wie ist er in Bonn zu der Abschrift eines Trio's von\nBeethoven, welcher bereits seit einem Jahre in Wien war,\ngekommen, und welches bei seiner Bedeutung als Com-\nposition doch wohl ganz anders in Bonn hätte von sich\nreden machen, als die kleineren Versuche Beetboven's,\nvon deren Beachtung daselbst wir Kunde haben, während\njede Andeutung über dieses und vollends über die drei\nTrio's Op. 1 aus den damaligen musicalischen Kreisen\nfehlt. Noch bedenklicher wird aber die Sache, wenn man\nerwägt, dass Beethoven seit dem Herbste 1792 schon in\nWien war und Dobbeler, der nach Thayer's eigener An-\nnahme erst im October oder December 1793 Bonn ver-\nliess, geäussert haben soll (nach Gardiner), dass das frag-\nliche Trio „gerade vor seiner Abreise componirt\"\nworden sei. Das Wort „seiner\" kann sprachlich und dem\nZusammenhange nach (S. 241) sich nur auf Dobbeler,\nnicht etwa auf Beethoven beziehen, folglich liegt in der\nAngabe ein schwer zu bebender Widerspruch.\nWie geneigt übrigens Thayer ist, eine gedruckte oder\nhandschriftliche Notiz aus jener Zeit für ausgemachte\nWahrheit zu nehmen und als unverdächtige Quelle zu\nbetrachten, geht unter Anderem aus S. 237 hervor. Dort\nführt er einen Brief von Fischenich an Charlotte von\nSchiller, datirt Bonn, den 26. Januar 1793, an, in wel-\nchem es heisst: „Haydn bat hieher berichtet, er würde\nBeethoven grosse Opern aufgeben und bald aufhören müs-\nsen, zu componiren.\" (!) —Was argumentirt nun Thayer\naus diesem Unsinn, den irgend ein Enthusiast für den jun-\ngen Beethoven dem alten Meister in den Mund legt? Man\nhöre! „Man beachte das Datum: Haydn muss demnach\nkurz vorher geschrieben haben, als Beethoven noch nicht\nmehr als sechs bis acht Wochen bei ihm sein konnte;\ner konnte daher sein Urtheil nur auf die Compositionen"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "333", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661020-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 277, "texte": "(d. b. die aus Bonn mitgebrachten) gründen, die Beetho-\nven ihm vorlegte!\" Glücklicher Weise hat Haydn sich\nnachher anders besonnen, denn er hat Beethoven weder\n„Opern\" vorgelegt, noch „zu componiren aufgehört\",\nwie Jedermann aus der „Schöpfung\" und den „Jahres-\nzeiten\" weiss."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-10-20-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-10-20_01#c003", "volume": "bmtnabi_1866-10-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "333", "page_fin": "334", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661020-01.2.3", "titre_corps": "Die Musik in Neapel.", "titre_sommaire": "Die Musik in Neapel.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "333", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661020-01.1.5", "debut_caractere": 279, "fin_caractere_exclue": 4986, "texte": "Die Musik in Neapel.\nNeapel, den 24«. September 1866.\nDie positive Ueberschrift dieses Berichtes ist unrich-\ntig: der Wahrheit gemäss müsste sie lauten: Die Nicht-\nMusik in Neapel. Es ist leider Thatsache, dass die politi-\nschen Ereignisse der letzten Jahre für die Tonkunst in\nSüd-Italien verhängnissvoll gewesen sind, und keine Stadt\nim ganzen Lande ist in dieser Beziehung schlimmer daran,\nals Neapel, das einst an Musik so reiche und dadurch be-\nrühmte Neapel. Die Operntheater bleiben bald unter die-\nsem, bald unter jenem Vorwande stets geschlossen. Zwar\nwird jetzt trotz der Cholera in sieben Theatern gespielt:\naber was? Pulcinell-Possen oder Räubergeschichten, und\nauf keinem erscheint auch nur eine kleine, einactige Oper!\nDas Conservatorium ist gänzlich desorganisirt; unru-\nhige Auftritte unter den Zöglingen haben Untersuchungen\nund Verhaftungen herbeigeführt, und Gensd'armenwache\nsteht vor dem Eingangsthor. Die Ruhestörungen hingen\nso sehr mit der Politik zusammen, dass man nichts dar-\nüber zu schreiben wagt.\nWenn die Opernmusik nichts mehr bietet, so theilt\ndie Kirchenmusik dasselbe Loos. Die Capelle des könig-\nlichen Schlosses ist völlig ausser Rand und Band. Einige\nKirchen haben schöne Orgeln, aber wo sind die Orga-\nnisten zu finden, die sie spielen können? Es gibt Pfarreien,\ndie sich, wie die Dorfkirchen, mit einem Harmonium be-\ngnügen.\nVon Kammermusik kann gar nicht die Rede sein.\nMit Ausnahme einiger durch Mangel an Theilnahme ver-\nunglückten Versuche hat man hier noch nie Gelegenheit\ngehabt, ein gutes Quartett zu hören. Die Neapolitaner\nscheinen eine Antipathie gegen diese Musikgattung zu ha-\nben, weil sie nichts davon verstehen. An die Cultur des\nMännergesanges ist nicht zu denken. Was helfen die schö-\nnen Stimmen, wenn sie nicht geübt werden?\nNeapel besitzt nicht einmal einen Concertsaal. Die\neinzige erträgliche Musik, die man jetzt hört, macht das\nMusikcorps der Nationalgarde, aber freilich nur Märsche\nund Folka's. Dagegen wimmelt es auf den Plätzen und\nStrassen von Drehorgeln, die man sonst hier gar nicht\nkannte. Welch ein Fortschritt!\nIn dieser Stadt, wo die Musik so herrliche Blülhen\ngetrieben hat, findet man keine monumentalen Erinnerun-\ngen an Männer wie Durante, Cimarosa, Paesiello und\nAndere, die ihre undankbare Vaterstadt berühmt gemacht\nhaben. Auch nicht einmal eine Strasse oder ein Platz sind\nnach ihnen benannt. Cimarosa ist den heutigen Neapoli-\ntanern so unbekannt, wie ein Chinese.\nAlles, was Tonkunst betrifft, ist so tief als möglich\ngesunken. Nichts kann eine Vorstellung von dem nächti-\ngen Dunkel geben, welches alles umhüllt, was Musik\nheisst, und man sieht nicht ab, wodurch es jemals gelin-\ngen soll, diese Nacht zu erhellen.\nFreilich ist die Musik in ganz Italien in Verfall, aber\nim Norden ist doch noch Zeug und Material vorbanden,\num den walkenden Bau zu stützen und ihn vielleicht wie-\nder neu aufzurichten. In Neapel aber kann man nicht\nmehr von Verfall sprechen, hier ist das reine Nichts. Die\nwenigen wirklichen Künstler, welche noch hier leben,\nbeklagen den traurigen Zustand, ohne ein Mittel dagegen\nauffinden zu können. Es herrscht im Publicum eine Gleich-\ngültigkeit gegen gute, ja, gegen Musik überhaupt, die\nman in Italien, das im Auslande immer noch ein Echo\nseines früheren musicalischen Rufes findet, für unmöglich\nhalten sollte. In diesem Sommer kamen einige wackere\nMusiker, um sich aus dem allgemeinen Schiffbruche der\nKunst zu retten, auf den Gedanken, ein Orchester zu bil-\nden, um Sommer-Concerte, wie sie jetzt in allen Haupt-\nstädten von Deutschland und Frankreich Statt finden, zu\nveranstalten. Es waren meistens Musiker aus dem Orche-\nster des geschlossenen San-Carlo-Theaters. Zum Locale\nwählten sie den reizenden Garten des Palastes Chiatamone,\nam Ufer des Meeres und mitten in dem nobelsten Stadt-\nviertel Neapels gelegen. Der Garten wurde noch beson-\nders zu den Concerten eingerichtet und mit geschmack-\nvoller Beleuchtung versehen. Man hat von da aus eine der\nschönsten Aussichten über den Golf auf den Pausilippo,\nden Vesuv, die angränzenden Bergketten, die Insel Capri\nu. s. w. und am Abende das schöne Schauspiel der un-\nzähligen Fischerbarken mit Fackeln, die auf dem Spiegel\ndes Meeres wiederleuchten. Kurz, es ist einer der schön-\nsten Punkte auf der Erde, auf welchem der Anblick der\nwirklichen Natur alle Phantasie weit zurücklässt. Die Mu-\nsik war keineswegs schlecht, die Erfrischungen und die\nBewirthung gut und der Zutritt kostete nicht mehr als\neinen Franc. Wie lange, glauben Sie wohl, dass sich\ndas Etablissement halten konnte? Nach vierzehn Tagen\nwar der Garten wieder leer und still: die Einnahme hatte\nan keinem einzigen Abende die Kosten gedeckt! Und\nNeapel hat 500,000 Einwohner!"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "334", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661020-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 263, "texte": "Seit dem Schlüsse dieses paradiesischen Gartens hört\nman in Neapel keine öffentliche Musik mehr, als die\nschon erwähnte der Nationalgarde. Was aber applaudirt\nman auch bei dieser am meisten? Die „Eisenbahn-Polka\"\nund die „Garibaldi-Hymne\"!\nGiulio Gh. (Menestrel.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-10-20-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-10-20_01#c004", "volume": "bmtnabi_1866-10-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "334", "page_fin": "334", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661020-01.2.4", "titre_corps": "Aus Mailand", "titre_sommaire": "Aus Mailand", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "334", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661020-01.1.6", "debut_caractere": 265, "fin_caractere_exclue": 4528, "texte": "Aus Mailand\nMan hat von dem Talente des jungen Coroponisten\nStrigelli, dessen Oper „JT figli di Borgia\" am 6.\nOctober im Theater della Scala gegeben wurde, vor und\nnach der ersten Aufführung viel Aufhebens gemacht: ich\nbin aber leider fest überzeugt, dass er den Mangel an\nGenies für die italiänische Oper nicht ersetzen wird. Man\nsagt zwar, Strigelli ist noch jung und hat ein wohlwollen-\ndes Publicum gefunden, desswegen darf die Kritik ihn\nauch nicht strenger beurtheilen, als das Publicum, der\nRichter über allen Richtern, getban hat. Allein, wenn die-\nses Publicum der ersten Vorstellung so wie hier regel-\nmässig, und in anderen grossen Städten wohl auch mei-\nstentheils, aus Freunden und Gönnern des Componisten\nzusammengesetzt ist, der wohl auch einige Tausend Francs\n(wenn er sie hat) nicht ansieht, um der Aufmunterung des\nGenies zu Hülfe zu kommen, so kann man auf den Ap-\nplaus des ersten Abends nicht viel geben. Wenn ich meine\nMeinung frei aussprechen soll, so bin ich der Ansicht, dass\nes in Italien wohl keine Stadt von 5000 Einwohnern gibt,\nwo nicht ein Componist zu finden sei, der eine solche\nOper, wie „Die Söhne Borgia's\", schreiben könnte. Es\nist der Würde und dem Rufe eines Theaters wie die Scala\nunangemessen, ein solches Werk auf die Scene zu brin-\ngen; allein wer kann hinter den Schleier dringen, der die\nvorhergegangenen Transactionen zwischen dem Coropo-\nnisten und dem Impresario deckt, welche heutzutage, wie\nman hier sagt, zwar über ein Honorar Statt zu finden\npflegen, das aber der Componist nicht empfängt, sondern'\ngibt. So etwas offen auszusprechen, ist freilich sehr dreist,\naber Exempla illustrant rem.Auffallend war die Annahme\nder Oper von Strigelli allerdings, da dieser Componist gar\nkeine Antecedentien hatte, die dazu berechtigen konnten,\nkeine Cantate, keine Ouvertüre, nichts als ein oder zwei\nVersuche in kurzen Messen im hier heutzutage gebräuch-\nlichen Stile. Eigentbümlichen Geist verräth seine Partitur\nnirgend, er kommt nicht aus den durch Donizetti und\n*).\nVerdi beschränkten Kreisen der Form heraus, ohne dabei\nauch nur ein Weniges von Originalität oder Genie zu of-\nfenbaren. Nichts ist darin neu, überall alte Formen und,\nwas schlimmer ist, alte Gedanken, lärmende Klangeffecte,\ngeräuschvolle Ritornelle und Cabaletten u. s. w. Wie die\nmeisten seiner Kunstgenossen, hat er auch ein Libretto\nschauderhaften Inhalts gewählt, dessen Verfasser Leute\nwie Victor Hugo und Eugen Sue in Schilderung von Un-\nsittlichkeiten weit hinter sieb lässt, denn der Gegenstand\nseines Drama's ist die Liebe zweier Brüder Borgia zu ihrer\nSchwester Lucrezia! Das Ganze ein Gewebe von Ver-\nrath, Gift und Mord ohne dramatischen Zusammenhang.\nIn der monotonen Musik, deren Analyse zu langweilig sein\nwürde, wimmelt es von Reminiscenzen, von denen drei\naus Norma, Trovatore und Jüdin (von Halevy) so auffal-\nlend waren, dass das Publicum stutzte und Zeichen der\nMissbilligung gab. Trotzdem war am ersten Abende der\nApplaus häufig und der Componist wurde mehrere Male\ngerufen. Wie anders war es aber am zweiten Abende!\nDas Theater war nur halb voll und die Musik wurde mit\nStillschweigen angehört.\nUeber die Aufführung durch die jetzige Gesellschaft\nlässt sich nicht viel sagen. Signora Bianchi bat eine starke\nStimme, ist aber höchst unsicher und unerfahren, so dass,\nwenn sie auch nicht geradezu falsch singt, sie doch oft\nnahe daran ist; die Altistin schrecklich; der Tenor behan-\ndelt seine kleine Stimme auch nicht kunstgemäss, und\nman hört ihn kaum in der Hälfte des Zuschauerraumes:\ndabei ist er von den gewöhnlichen Unarten der heutigen\nitaliänischen Sänger nicht frei. Der Bariton Brignoli ist\nnicht der Rede werth, nur der Bass, Rossi Galli, ist gut.\nOrchester und Chor waren in der neuen Oper gut das\nwar aber ein Wunder! Ein Ballet: „Un Capriccio\", nichts\nAnderes als die getanzte „Martha\" von Flotow, war er-\nbärmlich.\nStrigelli's Oper wurde drei Mal gegeben; darauf sollen\nUAssedio di Leida daran kommen, Donizetti's Maria Pa-\ndilla (?) und die „Africanerin\". Armer Meyerbeer, armer\nDonizetti! Arme Scala, wo ist dein Ruhm geblieben?!\n*) Wir fügen dem Berichte aus Neapel einen anderen aus\nMailand (Musical World vom 13. October) bei, der aus dem Nor-\nden von Italien auch nicht viel Tröstliches meldet.\nDie Redaction."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-10-20-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-10-20_01#c005", "volume": "bmtnabi_1866-10-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "334", "page_fin": "335", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661020-01.2.5", "titre_corps": "Soiree von Franz Derckum.", "titre_sommaire": "Soiree von Franz Derckum.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "334", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661020-01.1.6", "debut_caractere": 4530, "fin_caractere_exclue": 4933, "texte": "Soiree von Franz Derckum.\nAm Abende des 16. d. Mts. eröffnete die Soiree\n*\nvon Herrn Franz Derckum im Isabellensaale des Gür-\nzenichs die musicalische Saison des bevorstehenden Win-\nters. Der in jeder Hinsicht befriedigende Erfolg derselben\nwar in Bezug auf die künstlerische Ausführung wie auf\ndie Retheiligung des Publicums von guter Vorbedeutung\nfür die folgenden Concerte, denn wo die Theilnahme und"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "335", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661020-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3899, "texte": "der lebhafteste Beifall für Producte der Kammermusik\nsich so entschieden ausspricht, wie dies am Abende des\n16. der Fall war, da zeugt dies von lebendigem Sinne\nfür die Tonkunst überhaupt, als deren vornehmste und\nfeinste Vertreterin man diese Gattung betrachten muss.\nFranz Derckum hat sich durch seine langjährige Wirk-\nsamkeit als Mitglied des Concert-Orchesters und des Kam-\nmermusik-Vereins, den er mit dem verstorbenen Hartmann\nund den Herren Franz Weber und B. Breuer begründet,\nals Professor der Harmonie-Classen am Conservatorium\nund als Musiklehrer überhaupt grosse Verdienste um das\nAufblühen des musicaliscben Lebens in Köln erworben\nund hat bei so vielseitiger Thätigkeit dennoch Zeit gefun-\nden, seine hervorragenden Anlagen zur Composition auf\nder Grundlage, die ihm seine Studien bei Friedrich Schnei-\nder in Dess-au gegeben, auszubilden und der Mahnung der\nMuse der Tonkunst zu folgen, die er in seinem Innern\nfühlte. Seine früheren Compositionen, Quartette, Ouver-\ntüren, Sinfonieen, Lieder, so wie die komische Oper\n„Prinz und Maurer\", deren Erfolg, wie es leider so oft\nder Fall ist, nur unter dem schlechten Textbuche litt, ha-\nben ihm nicht nur die Anerkennung als tüchtigen Musiker\nverschafft, sondern auch bewiesen, dass eine ursprüngliche\nmusicalische Natur in ihm waltet und er dem inneren\nTriebe zum Schaffen folgt, nicht ausserhalb der Kunst\nliegenden Veranlassungen. Wie er aber auch bei den Ver-\nirrungen der Kunstlehre der neuesten Zeit und dem über-\nmüthigen Auftreten ihrer Koryphäen und Jünger an sei-\nner gediegenen Richtung auf das einfache Musicalisch-\nSchöne festgehalten hat, das beweisen besonders wieder\ndie neuesten Compositionen, die er uns in der Soiree am\nAbende des 16. d. Mts. vorgeführt bat. Es waren dies\nvon den (bei Schloss in Köln) kürzlich herausgegebenen\nzwei Sonaten für Pianoforte und Violine, Op. 13 und\n14, d ie zweite, ferner ein Quintett für zwei Violinen,\nBratsche und Violoncell, und vier Lieder, von denen\nzwei: „Ob du mir nah'\" und die „Gondoliera\", in den\nLiederheften bei Schloss erschienen, die beiden anderen:\n„Noch ist die blühende, goldene Zeit\" von Roquette und\n„Zwiegesang\" von Reinick, erst für diese Soiree compo-\nnirt sind; alle vier wurden von Fräulein Julie Rotben-\nberger sehr schön und mit so viel Verständniss ihrer\nEigentümlichkeit und Ausdruck vorgetragen, dass wir\ndie grossen Fortschritte, welche die junge Sängerin in\nihrer Entwicklung zur Künstlerin gemacht hat, mit Ver-\ngnügen wahrnahmen, zumal da auch ihre Stimme neben\nder reinen und klangvollen, niemals scharfen Höhe in der\nmittleren Region mehr Ton und Egalität gewonnen hat,\nals früher. Die Lieder erregten stürmischen Beifall, wel-\ncher eben so sehr dem Componisten als der Sängerin galt.\nDie Sonate trug Herr Capellmeister Hiller (mit Herrn\nDerckum) in derjenigen echt künstlerischen Weise (auf\neinem Flügel aus dem Magazin des Herrn Bei) vor, die\nwir an dem Meister gewohnt sind, und das Quintett fand\nin den Herren Concertmeistern von Königslöw und Japba,\nMusik-Director Weber und Ä. Schmit, den Genossen\nDerckum's in den Kammermusik-Productionen, eine ganz\nvortreffliche Ausführung. Jeder Satz dieser schönen Com-\nposition, auf welche wir, da sie jetzt im Verlage der kö-\nniglichen Hof-Musikhandlung von J. F. Weber hierseibst\nals Op. 15 erschienen ist, ausführlicher zurückkommen\nwerden, erregte eine entschieden günstige Stimmung bei\nden Zuhörern, wovon der rauschende Applaus Zeug-\nniss gab.\nEine freie Phantasie auf dem Pianoforte, zu welcher\nHerr Capellmeister Hiller die Motive aus den eben ge-\nhörten Liedern von Derckum nahm, beschloss den Abend\nauf glänzende Weise, so dass in der zahlreichen Zuhörer-\nschaft nur Eine Stimme über den gehabten Kunstgenuss\nherrschte. Schliesslich wollen wir noch bemerken, dass\nder Isabellensaal des Gürzenichs jetzt nach vollendeter\nDecoration desselben ein sehr freundliches und nobles\nAnsehen gewonnen hat."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-10-20-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-10-20_01#c006", "volume": "bmtnabi_1866-10-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "335", "page_fin": "336", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661020-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "335", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661020-01.1.7", "debut_caractere": 3901, "fin_caractere_exclue": 5563, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMolsi, 15. October. Ein grosser Verlust für die Tonkunst in\nDüsseldorf und am Niederrheine überhaupt ist es, dass Herr Leo-\npold Auer seine Stellung in Düsseldorf aufgegeben und eine Con-\ncertmeister-Stelle an dem philharmonischen Institute in Hamburg,\nwelches Stock hausen leitet, seit dem 1. October unter den vor-\nteilhaftesten Bedingungen angetreten hat.\nKolli, 20. October. Die Gebrüder Thern, von denen unten\nunter Frankfurt a. M. die Rede ist, sind' Söhne des Herrn Karl\nThern, Professors am Conservatoriüm zu Pesth. Die noch jungen\nKünstler zeichnen sich durch eine sehr lobenswerthe Technik auf\ndem Pianoforte und besonders durch ihr genaues nnd ausdrucks-\nvolles Zusammenspiel auf zwei Flügeln aus. Ausser den eben nicht\nzahlreichen Original-Compositionen für zwei Claviere von Mozart,\nMoscheies, Schumann u. A. sind auch mehrere eben so brillante\nals gut geschriebene Compositionen ihres Vaters Gegenstand ihrer\nVorträge. Einen glücklichen Tact und ein besonderes Talent zeigt\nHerr Prof. Thern auch in Einrichtung grosser Clavier-Compositio-\nnen namentlich von Beethoven für zwei Pianoforte; unter Anderem\nhaben wir neulich in Wiesbaden den Vortrag der in dieser Weise\nwiedergegebenen letzten Sonate in ö-moll von Beethoven durch die\nbeiden jugendlichen Pianisten gehört, der uns sehr überrascht und\nalles Vortheilhafte, das wir bereits darüber gehört hatten, bestätigt\nhat. Dem Vernehmen nach haben die Gebrüder Thern am 19. d.\nMts. noch ein Concert im Theater zu Mainz gegeben und werden\nin nächster Woche hieher nach Köln kommen, um dann von hier\naus über Aachen und Brüssel ihre Reise nach Paris fortzusetzen.\nL. B."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "336", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661020-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5188, "texte": "* Frankfurt a* HE« Dem Anschein nach wird die Kunst,\nderen Vertretung auch in der freien Reichsstadt hauptsächlich nur\nden Privat-Vereinen anheim fiel, nicht dem Gemeinwesen der Stadt,\nbei den veränderten politischen Verhältnissen keine Einbusse erlei-\nden. Das Actien-Theater geht seinen bisherigen Weg fort, und die\nMuseums-Concerte und die Quartett-Soireen haben bereits\nwieder begonnen. Das Programm des ersten Museums-Concertes am\n12. d. Mts. unter Leitung des Herrn Directors Karl Müller lau-\ntete, wie folgt: Erster Theil: 1. Ouvertüre zu der Oper „Euryanthe\"\nvon C. M. von Weber. 2. Arie der Vitellia: „Ha! sie schlägt schon\",\naus der Oper „Titus\" von W. A. Mozart, gesungen von Fräulein\nClara Perl. 3. Concert in Es-dur für zwei Claviere von W. A.\nMozart, vorgetragen von den Herren Willy und Louis Thern\naus Pesth. 4. Liedervortrag von Fräulein Clara Perl: a) „Ständ-\nchen\" von R. Schumann, b) „Aufenthalt\" von F. Schubert. 5. An-\ndante und Scherzo für zwei Pianoforte von Karl Thern, vorgetragen\nvon den Herren Gebrüder Thern. Zweiter Theil. 6) Sinfonie\n(Nr. 5 in C-moll) von L. van Beethoven.\nIn der ersten Quartett-Soiree der Herren Hugo Herr-\nmann, Ruppert Becker, Ernst W eicker und Louis Lübeck\nam 15. d. Mts. hörten wir: 1. Jos. Haydn, Quartett in G-dur.\n2. Rob. Schumannn, Variationen in B-dur für zwei Pianoforte,\nOp. 46, vorgetragen von den Gebrüdern Thern. 3. Franz Schu-\nbert, Quintett in C-dur, Op. 163.\nDie jungen Künstler Willy und Louis Thern aus Pesth in\nUngarn erregten durch ihr ausgezeichnetes Zusammenspiel an bei-\nden Abenden allgemeine Bewunderung.\nDer Ciavier-Auszug von Abert's „Astorga\" wird demnächst\nim Verlage von Breitkopf und Härtel erscheinen.\n** Braunscltweig. Der hiesige Verein für Concert-\nmusik ist durch die übermässigen Forderungen der herzoglichen\nHofcapelle in die Nothwendigkeit versetzt worden, die königliche\nHofcapelle zu Hannover unter Direction des Herrn Hof-Capellmei-\nsters Fischer für die Ausführung der Sinfonie-Concerte zu gewinnen.\nSamstag den 20. October findet das erste Concert Statt. [Ei, ei! Cu-\nriose Nachricht, die wir aber verbürgen können.]\nDas königliche Schullehrer-Seminar zu Eichstätt in Baiern\nveranstaltet zuweilen Orgel-Vorträge in historischer Ordnung;\nin einem solchen kamen jüngst vor in der ersten Abtheilung aus\ndem sechszehnten Jahrhundert unter Anderem Stücke von Jacques\nBuns (1540, Venedig), Merulo, R. Schlecht, Frescobaldi und „Die\nKatzenfuge\" von Dom. Scarlatti, über welche letztere das Programm\ndie Notiz gibt: „Scarlatti hatte ein Lieblingskätzchen. Während er\neinst arbeitete, stieg das Thierchen auf die Tasten des offenstehen-\nden Claviers und trat die Töne gy 6, es, fis, bt eis an, die der Künst-\nler seinem Kätzchen zu Ehren zur oben bezeichneten Fuge verar-\nbeitete.\" In der zweiten Abtheilung, Sachen von J. S. Bach, Händel,\nJ. L. Krebs, C. H. Rink, Ad. Hesse, Spohr, J. G. Herzog und F.\nMendelssohn.\nKarl Müller, der erste Violinist des berühmten Müller'-\nschen Quartettes, ist in Rostock zum städtischen Musik-Director\ngewählt worden. In Folge dieser Wahl werden die sämmtlichen\nGebrüder Müller ihren bleibenden Aufenthalt in Rostock nehmen.\nWien. Zu Neujahr erscheinen bei Spina vier Ouvertüren\nvon Franz Schubert (Rosamunda Alfonso und Estrella\nFierabras und Ouvertüre im italiänischen Stil, Op. 170), ferner zwei\nEntreacte aus Rosamunda, in Partitur und Stimmen und in Ciavier-\nEinrichtungen von C. Reinecke und von L. A. Zellner.\nDie Professoren J. Dupuis und C. Verken am Conservato-\nrium in Lüttich, so wie der Canonicus Devroye, General-Di-\nrector der Kirchenmusik in der Diöcese Lüttich, sind zu Rittern des\nLeopold-Ordens ernannt worden.\nIn Rotterdam fand am 12. October eine treffliche Aufführung\nder „Schöpfung\" von Haydn unter W. Bargiel's Leitung\nStatt, welcher das Publicum mit gespannter Aufmerksamkeit folgte\nund am Schlüsse Herrn Director Bargiel hervorrief.\n/\nl*»ris« Das neue Lustspiel in fünf Acten von Victorien\nSardou: „Nos bona Yillageoisu, hat auf dem Gymnase-Theater\nausserordentlichen Erfolg gehabt. Die Hauptpersonen sind übrigens\nkeine Bauern, sondern Leute aus höheren Ständen; die Bauern des\nOrtes, der in der Nähe von Paris liegt, bilden nur den Hintergrund\nder Handlung. Die öffentliche Meinung hält das Stück für die beste\nArbeit Sardou's. Man prophezeit demselben 300 Vorstellungen.\nNach einem Berichte des Inspectors des Gesa n g - Unterrichts\nin den Schulen an den Minister des öffentlichen Unterrichts in\nFrankreich sind jetzt auch in den Lyceen (Gymnasien) Gesang-\nclassen eingerichtet. Sie zerfallen in vier Cursus, von denen die\ndrei ersten obligatorisch sind, der vierte für eine Vereinigung der\nSchüler der oberen Classen facultativ. Der Mangel an Stimmen soll\nnach diesem Berichte nicht so bedeutend sein, wie man bisher an-\ngenommen hat, jedoch sind die guten Stimmen seltener im Norden,\nals im Süden, und die Vorsteher und Lehrer der höheren Unter-\nrichts-Anstalten halten es für einen Gewinn, dass der Gesang-Un-\nterricht eingeführt ist, durch den nun die Schüler, die mit Eifer\nund Nutzen „die Sprache Homer's und Virgil's studiren, nun auch\ndie Sprache Mozart's verstehen lernen, welche die Sprache der Ge-\nfühle und der Phantasie ist\"."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "329", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661020-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nThayer's Beethoven. 11. (Ludwig van Beethoven's Leben. Von Alexander Wheelock Thayer.) Die Musik in\nNeapel. Aus Mailand (Musicalische Zustände „Jfigli di Borgiax, Oper von Strigelli). Soiree von Franz Dercknm. Tages-\nund Unterhaltungsblatt (Köln, Leopold Auer, die Gebrüder Thern Frankfurt a. M., Theater, Museums-Concert, Quartett-Soiree\nBraunschweig, Concert-Verein Eichstätt, Orgel-Vorträge Rostock. Gebrüder Müller Wien, Spina s Verlag Lüttich u. s. w.).\n\nThayer’s Beethoven.\nII.\n(l. s. Nr. 41.)\nAus der kurzen Inhalts-Anzeige des Buches, welche\nwir am Schlüsse des ersten Artikels gegeben, ersiebt man,\ndass die Anlage zu der neuen Biographie Beethoven's gar\nsehr ins Breite geht, indem uns der erste Band von vier\nHundert Seiten nur bis zur Herausgabe der drei Clavier-\nTrio's, die als Opus 1 in Wien bei Artaria erschienen,\nführt. Diese Ausführlichkeit steht freilich nicht in richti-\ngem Verhältnisse zu den Resultaten, die aus den Nachfor-\nschungen und bis ins kleinste Einzelne gehenden Aufspü-\nrungen urkundlicher Beweisstücke und aus den Zusam-\nmenstellungen der bereits veröffentlichten Angaben frühe-\nrer Biographen sich ergeben. Der Verfasser lässt den\nLeser den ganzen umständlichen, nicht immer erquick-\nlichen, oft dornigen Weg, den er gegangen, mit durch-\nmachen, und man muss sich mit ihm ganz und gar auf\nden historisch-kritischen Standpunkt stellen, den er selbst\neinnimmt, um das Interesse für die Ergebnisse am Ziele,\ndie am Ende für die genannte Periode immer noch karg\ngenug sind, wach zu erhalten. Das ist nun freilich nicht\nJedermanns Sache, und auch wir, wenn wir auch die\nHingebung des Verfassers an seine Aufgabe in hohem\nGrade schätzen, können uns doch der Ansicht nicht ent-\nziehen, dass die Resultate auch ohne den Leser durch das\nDetail zu sehr zu ermüden hätten gegeben werden können.\nAuch der deutsche Bearbeiter hat in dieser Hinsicht zu-\nweilen des Guten zu viel gethan; zur Rechtfertigung die-\nses Urtheils brauchen wir nur den Anhang VIII anzufüh-\nren, der von S. 361—378 den ganzen Zeitungsstreit\nüber Beethoven's Geburtshaus wieder reproducirt, obwohl\ndieser Streit bei Gelegenheit der Aufstellung des Denk-\nmals in Bonn begonnen von Thayer selbst mit Recht\nkaum berührt wird, welcher ganz kurz bemerkt, dass\nBeethoven in dem Hause Nr. 515 der Bonngasse ge-\nboren und dass die Inschrift an dem Hause Nr. 934 der\nRheingasse „eine falsche\" sei. Auch hatte ja Schindler\n(3. Auflage, S. 2) die Sache schon abgethan.\nThayer kommt übrigens erst mit der Seite 95 (Zwei-\ntes Buch) auf Beethoven's Familie und dessen Geburt,\nderen Monatstag er mit Wegeier auf den 16. Decem-\nber (1770) setzt, während Schindler den 17. December,\ndas Datum des Taufscheines annimmt. Es mag aber in\nBetracht der Sitte, die Taufe an dem auf die Geburt fol-\ngenden Tage zu veranstalten, der 16. December ein Recht\nzur Geltung haben. Eine sichere Angabe darüber hat\nauch Thayer nicht auffinden können. Die hundert Seiten\nvor dem zweiten Buche sind einer Skizze der musicalischen\nZustände in Bonn unter den Kurfürsten Joseph Clemens\nbis Max Friedrich (1689 —1784) gewidmet. Wenn eine\nsolche auch zur Charakterisirung der Zeit, in der ein gros-\nser Künstler geboren worden und seine ersten Eindrücke\nempfangen hat, für die Biographie desselben wesentlich\nist, so ist es doch nicht nöthig, desshalb auf ein ganzes\nJahrhundert zurückzugehen und die Angaben mit einer\nMenge von Documenten zu belegen, die für die Musik-\ngeschichte im Allgemeinen interessant sind, für den be-\nsonderen Zweck aber erst dann eine werthvolle Ausbeute\ngeben, wenn aus ihnen ein lebendiges Bild der Zeit ent-\nworfen wird, in welche die Kindheit des Künstlers fällt.\nWie aber mancher Geschichts- und Alterthumsforscher\nbei anhaltendem Durchstöbern der Archive jeden Fund\nfür etwas hält, das durch sich selbst spricht, und demnach\nleicht zu der Ansicht kommt, dass aus einer Zusammen-\nstellung des Gefundenen die Charakteristik der Periode\nfür den Leser sich von selbst ergebe, eben so scheint es\nauch Herrn Thayer ergangen zu sein; die Kunst, das Ma-\nterial zu einem anschaulichen Baue zu verarbeiten, die be-\nglaubigten Thatsachen als Grund- und Umrisse zu be-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "330", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661020-01.1.2", "texte": "nutzen, aus denen die Darstellung erst durch lebendige\nFarbengebung ein Gemälde schafft, diese Kunst vermisst\nman oft bei ihm nicht nur in der Einleitung, sondern\nauch im Laufe der Biographie selbst, so weit sie bis jetzt\nvorliegt.\nWir haben im Jahrgange 1858 der Niederrhei-\nnischen Musik-Zeitung, Nr. 25, aus dem „Ham-\nburger Magazin für Musik\" von C. F. Cramer, Jahrgang\n1783, einen Brief aus Bonn vom 30. März 1783 (wahr-\nscheinlich von Chr. G. Neefe) wieder abgedruckt. Der\nBrief verbreitet sich über die damaligen Musikzustände in\nBonn, über die Capelle, das Theater und mit grosser Frei-\nmüthigkeit auch über musicalische Dilettanten. Thayer\nhat daraus ebenfalls einen Auszug gegeben (S. 80 u. s. w.),\nder aber mit Ausnahme dessen, was er über Neefe hin-\nzufügt zu dürftig ausgefallen ist; dieses Mal wäre ein\nvollständiger Abdruck der Correspondenz aus Cramer's Ma-\ngazin eher als bei anderen Documenten, die nur Zahlen\nu. s. w. enthalten, willkommen gewesen, da der Correspon-\ndent eine recht lebendige Schilderung der bonner musica-\nliscben Kreise seiner Zeit gibt. Die wichtige Stelle über\ndas Genie des jungen Beethoven übergeht Thayer a. a. 0.,\nbringt sie aber später (S. 120); Neefe, denn kein Anderer\nwar wohl Cramer's Correspondent, bezeichnet darin den\neinjährigen Knaben mit richtiger Voraussicht als ein mu-\nsicalisches Genie, rühmt, dass er sehr gut vom Blatte lese,\nBach's wohltemperirtes Ciavier spiele u. s. w., und schliesst\nmit den Worten: „Dieses junge Genie verdiente Unter-\nstützung, dass er reisen könnte, er würde gewiss ein zwei-\nter Wolfgang Amadeus Mozart werden, wenn er so fort-\nschritte, wie er angefangen.\" Die Ann'ahme Thayer's, dass\nder junge Ludwig seine Ernennung zum Assistenten Neefe's\nals Organist hauptsächlich der Empfehlung Neefe's zu\ndanken habe, gewinnt dadurch noch mehr Gewissheit.\nUeber die erste Reise Beethoven's nach Wien im\nFrühjahre 1787 hat Thayer auch keine genaueren Nach-\nrichten auffinden können; sowohl über das genauere\nWann, als über das Womit die Reise gemacht worden\nsei, liegt Dunkel; nur so viel ist gewiss, dass Beethoven\nwegen der zunehmenden Krankbeit seiner Mutter, die er\ndann auch kurz nach seiner Rückkunft verlor, W7ien bald\nwieder verlassen und in Augsburg sich drei Karolin\nvon einem Advocaten, Namens Schaden, leihen musste,\num nach Hause zu kommen. Sein Brief an Schaden ist\nder früheste, der sich von Beethoven erhalten hat; die\nmoralisch und ökonomisch sehr gedrückte Lage des jun-\ngen Künstlers hat ihn dictirt. Er wurde zuerst in der\nVossischen Zeitung 1845 veröffentlicht; Thayer hat ihn\nmit Recht aus dem Original wieder abdrucken lassen (S.\n167), denn er ist eines der wichtigsten Documente aus\nBeethoven's Jugendzeit. Wir theilen ihn zum Tröste für\njunge Tonkünstler mit, die nicht wie Meyerbeer, Mendels-\nsohn u. A. als Kinder schon auf Kosen gebettet, mit wi-\ndrigem Schicksale zn kämpfen haben.\n„Den 15. Herbstmonat. Bonn 1787.\n„ Hochedelgebohrner\n„insonders werther Freund!\n„Was Sie von mir denken, kann ich leicht, schiiessen;\ndass Sie gegründete Ursachen haben, nicht vortheilhaft von\nmir zu denken, kann ich Ihnen nicht widersprechen; doch\nich will mich nicht eher entschuldigen, bis ich die Ursa-\nchen angezeigt habe wodurch ich hoffen darf, dass meine\nentschuldigungen angenommen werden, ich muss Ihnen be-\nkennen, dass, seitdem ich von Augsburg hinweg bin, meine\nFreude, und mit ihr meine Gesundheit begann aufzubo-\nren; je näher ich meiner Vaterstadt kam, je mehr Briefe\nerhielte ich von meinem Vater, geschwinder zu reisen als\ngewöhnlich, da meine Mutter nicht in günstigen gesund-\nheitsumständen war; ich eilte also so sehr ich vermochte,\nda ich doch selbst unpässlich wurde: das verlangen meine\nkranke mutter noch einmal sehen zu können, setzte alle\nhindernisse bei mir hinweg, und hall mir die grössten Be-\nschwernisse überwinden, ich traf meine Mutter noch an,\naber in den elendesten Gesundheitsumständen; sie hatte\ndie scbwindsucht und starb endlich ungefähr vor sieben\nWochen nach vielen überstandenen schmerzen und leiden,\nsie war mir eine so gute liebenswürdige mutter, meine\nbeste Freundin; o! wer war glücklicher als ich, da ich\nnoch den süssen Namen mutter aussprechen konnte, und\ner wurde gehört, und wem kann ich ihn jetzt sagen? den\nstummen ihr ähnlichen bildern, die mir meine einbildurigs-\nkraft zusammensetzt? so lange ich hier bin, habe ich noch\nwenige vergnügte stunden genossen, die ganze Zeit hin-\ndurch bin ich mit der engbrüstigkeit behaftet gewesen,\nund ich muss fürchten, dass gar eine Schwindsucht daraus\nentstehet; dazu kömmt noch raelankolie, welche für mich\nein fast ebenso grosses übel als meine krankbeit selbst ist.\ndenken Sie sich jetzt in meine läge, und ich hoffe Verge-\nbung für mein langes stillschweigen von ihnen zu erhalten.\nDie ausserordentliche güte und freundschaft die Sie hatten,\nmir in augsburg drei Krün zu leihen, muss ich Sie bitten,\nnoch einige Nachsicht mit mir zu haben, meine Reise hat\nmich viel gekostet, und ich habe hier keinen ersaz, auch\nden geringsten zu hoffen; das schicksaal hier in Bonn ist\nmir nicht günstig.\n„sie werden verzeihen, dass ich sie so lange mit mei-\nnem geplauder aufgehalten, alles war nötbig zu meiner\nentscbuldigung.\n„ich bitte sie, mir ihre vererungswürdige freund-\nschaft weiter nicht zu versagen, der ich nichts so sehr"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "331", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661020-01.1.3", "texte": "wünsche, als mich Ihrer Freundschaft nur in etwas wür-\ndig zu machen.\n„ich bin mit aller hochachtung\n„ihr gehorsamster diener und freund\n„L. v. Beethoven,\n„kurf. kölnischer Hoforganist.\"\nDass die äussere Lage Beethoven's damals noch nicht\ndurch die Freundschaft Waldstein's und Breuning's eine\nbessere geworden, weist Thayer mit guten Gründen nach\nund berichtigt dadurch die bisherige Chronologie der Le-\nbensgescbichte Beethoven's, welche auf irrthümlichen An-\ngaben Wegeler's beruhte. Die Bekanntschaft mit Beiden\ntrat erst später ein. Dass Joseph Haydn bei seiner Anwe-\nsenheit in Bonn auf der Rückreise von England eine Can-\ntate Beethoven's, die dieser ihm vorlegte, gelobt und ihn\nzu fortgesetzten Studien ermuntert habe, erzählt Thayer\nnach Wegeier, und hält es auch (nach dem Vorgange\nSchindlers) für wahrscheinlich, dass damals die zweite\nund für Beethoven so entscheidende Reise nach Wien vor-\nbereitet worden sei.\nEinen interessanten Bericht eines musicalischen Zeit-\ngenossen über die bonner Capelle und Beethoven's Cla-\nvierspiel finden wir S. 209 215. Der Kurfürst Maxi-\nmilian Franz war zugleich Hochmeister der deutschen\nRitter und nahm im Jahre 1791 seine Capelle und Oper\nmit nach Schloss Neuhaus bei Mergentheim. Dorthin kam\nein Caplan Junker aus Kirchberg, Musik-Dilettant, Com-\nponist und Verfasser musicalischer Aufsätze, die eben so\nwie seine Clavier-Concerte u. s. w. vergessen sind, um die\nCapelle zu hören, die einen bedeutenden Ruf hatte und\nihn auch verdiente. Unter Reicha's Leitung gehörten zu\nihr unter Anderen Franz Ries, Andreas und Bernhard\nRomberg, und treffliche Bläser. Auch Ludwig van Beet-\nhoven war seit seinem achtzehnten Jahre als Bratschist\nMitglied derselben, was er vier Jahre lang bis zu seinem\nAbgange nach Wien blieb und dadurch eine herrliche\nGelegenheit hatte, die beste Orchester- und Opernmusik\njener Periode kennen zu lernen und praktische Orchester-\nkenntniss zu sammeln. Ueber seinen Besuch stattete Jun-\nker einen Bericht in Bossler's „Musicalischer Correspon-\ndenz\" (1791 vom 23. November) ab, den Thayer aufge-\ntrieben hat und mittheilt. Darin heisst es, nachdem das\nProgramm der Tafelmusik und des Hof-Concertes (Ouver-\ntüre zu Don Juan, Sinfonieen von Mozart, Pleyel, Winne-\nberger, Violoncell-Concert von B. Romberg, Doppel-Con-\ncert von beiden Romberg u. s. w.) besprochen worden:\n. „Noch hörte ich einen der grössten Spieler auf dem\nCiavier, den lieben guten Bethofen, von welchem in\nder speierischen Blumenlese vom Jahre 1783 Sachen er-\nschienen, die er schon im eilften Jahre gesetzt hat. Zwar\nLiess er sich nicht im öffentlichen Concerte hören, weil\nvielleicht das Instrument seinen Wünschen nicht entsprach;\nes war ein spathischer Flügel, und er ist in Bonn ge-\nwohnt, nur auf einem Steinischen zu spielen. Indessen,\nwas mir unendlich lieber war, hörte ich ihn phantasiren,\nja, ich wurde sogar selbst aufgefordert, ihm ein Thema\nzu Veränderungen aufzugeben. Man kann die Virtuosen-\nGrösse dieses lieben, leisegestimmten Mannes, wie ich\nglaube, sicher berechnen nach dem beinahe unerschöpf-\nlichen Reichthume seiner Ideen, nach der ganz eigenen\nManier des Ausdrucks seines Spiels und nach der Fertig-\nkeit, mit welcher er spielt. Ich wüsste also nicht, was ihm\nzur Grösse des Künstlers noch fehlen sollte. Ich habe\nVoglern auf dem Fortepiano (von seinem Orgelspiel ur-\ntheile ich nicht, weil ich ihn nie auf der Orgel hörte) ge-\nhört, oft gehört und Stunden lang gehört, und immer\nseine ausserordentliche Fertigkeit bewundert, aber Bet-\nhofen ist ausser der Fertigkeit sprechender, bedeutender,\nausdrucksvoller, kurz, mehr für das Herz: also ein so gu-\nter Adagio- als Allegrospieler. Selbst die sämmtlichen vor-\ntrefflichen Spieler dieser Capelle sind seine Bewunderer\nund ganz Ohr, wenn er spielt. Nur er ist der Bescheidene,\nohne alle Ansprüche. Indess gestand er doch, dass er auf\nseinen Reisen, die ihn sein Kurfürst machen liess, bei den\nbekanntesten guten Clavierspielern selten das gefunden\nhabe, was er zu erwarten sich berechtigt geglaubt hätte.\nSein Spiel unterscheidet sich auch so sehr von der ge-\nwöhnlichen Art, das Ciavier zu behandeln, dass es scheint,\nals habe er sieb einen ganz eigenen Weg bahnen wollen,\num zu dem Ziele der Vollendung zu kommen, an welchem\ner jetzt steht. Hätte ich dem dringenden Wunsche meines\nFreundes Bethofen, den auch Herr Winneberger\nunterstützte, gefolgt und wäre noch einen Tag in Mergent-\nheim geblieben, ich glaube, Herr Bethofen hätte mir\nStunden lang vorgespielt, und in der Gesellschaft dieser\nbeiden grossen Künstler hätte sich der Tag für mich in\neinen Tag der süssesten Wonne verwandelt.\"\nDie Stelle, in welcher Beethoven zu Junker von den\n„Reisen spricht, die ihn sein Kurfürst machen lasse\", ver-\nursacht bei einem gewissenhaften Forscher, wie Thayer,\nbedenkliches Kopfschütteln, weil jene Aeusserung allen\nThatsachen widerspricht. Ei nun, der junge Bonner hat\ndem Fremden gegenüber seinem gnädigen Herrn mehr\nEhre erzeigt, als er in Bezug auf diesen Punkt verdiente:\ndas dürfte wohl die einfachste Lösung des Räthsels sein.\nBeim Abschlüsse der bonner Periode sucht Thayer in\neinem besonderen Capitel: „Was hat Beethoven in Bonn\ncomponirt?\" das Räthsel über die geringe Productivität\ndesselben bei dem Mangel an authentischen Beweisen\ndurch Vermuthungen zu lösen. Allerdings steht bekannt-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "332", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661020-01.1.4", "texte": "lieh Beetboven's Productivität während seiner Jünglings-\njahre bis 1795, ja, bis 1800, wo er schon in sein dreis-\nsigstes Lebensjahr getreten, der Fruchtbarkeit anderer\ngrossen musicalischen Genies auffallend nach. Aber was\ngibt uns denn ein Becht, von der Organisation des einen\nGeistes auf die Gleichheit eines anderen bloss dessbalb zu\nschliessen, weil dessen schöpferische Tbätigkeit sich an\ndemselben Stoffe offenbart? Wie wenig die geistige Kraft\nund der innere Trieb zum Schaffen in der Kunst an das\nLebensalter gebunden und wie verschieden die Entwick-\nlung dieser Kraft, eben so wie ihre Dauer, bei verschie-\ndenen Naturen ist, hat sich bei Künstlern jeder Art, na-\nmentlich aber bei Dichtern und Musikern, oft genug ge-\nzeigt. Thayer sagt S. 236: „Wenn man ein Verzeichniss\nder zwischen Januar 1795 und December 1802 ver-\nöffentlichten Compositionen Beethoven's entwirft und an-\ndere Werke hinzufügt, von denen bekannt ist, dass sie in\ndiesen Jahren componirt worden sind, so wird das Re-\nsultat annähernd folgendes sein: 2 Sinfonieen, 1 Ballet\n(Prometheus), 32 Sonaten (Solo und mit Begleitung), 2\nRomanzen (Violine»mit Orchester), 1 Serenade, 3 Duo's\n(Clarinette und Fagott), 15 Hefte Variationen, 5 Samm-\nlungen Tänze, 2 grössere Gesänge [Ah perfido, Adelaide),\n3 Clavier-Concerte, 9 Trio's, 6 Quartette, 3 Quintette,\n1 Septett, 3 Rondo's für Ciavier, 3 vierhändige Märsche,\n1 Oratorium (Christus). Eine Summe von 92 Composi-\ntionen in 8 Jahren oder 96 Monaten, und die meisten\nderselben solche Compositionen! Die Grösse Beethoven's\nbewundert alle Welt; aber dass er in diesem Umfange\ncomponiren, bei Salieri Opern-Composition studiren, sei-\nnen Ruf als Clavier-Virtuose behaupten, ja, sogar vermeh-\nren, nach Prag, Berlin und anderen Orten reisen, die\nProbebogen für seine Verleger corrigiren, Stunden geben\nund ausserdem noch Zeit finden konnte, an seine Freunde\nlange Briefe zu schreiben (?), zu schlafen, zu essen und zu\ntrinken und mit Altersgenossen fröhlich zu verkehren, das\nist doch, zum wenigsten gesagt, äusserst unwahrscheinlich,\nund dies um so mehr, als zu der Zeit, wo er wirklich sich\nausschliesslicher der Composition zu widmen begann, diese\nwunderbare Fruchtbarkeit plötzlich nachliess.\"\nWeil diese Productivität Herrn Thayer „unwahr-\nscheinlich\" vorkommt, so fühlt er sich berechtigt, anzu-\nnehmen, dass eine ziemliche Anzahl von Werken aus die-\nsem Verzeichnisse bereits in Bonn und nicht erst in Wien\ncomponirt sein müssen! Er sagt am Schlüsse der ange-\nführten Stelle: „Die Folgerung liegt auf der Hand!\" Für\nuns keine andere als diejenige, welche die schon bekann-\nten Nachweise der Verwirrung in der Reihe der Opus-\nzahlen bei den Katalogen von Beethoven's Werken an die\nHand geben, die von Thayer selbst in seinem „chronolo-\ngiscben Verzeichnisse\", so viel als möglich war, aufgeklärt\nworden. Er rechnet jetzt auch die Trio's Op. 1 zu den\nbereits in Bonn componirten, gibt indess doch zu, dass\nman Zweifel an dieser Annahme hegen könne. Ueber das\nTrio für Violine, Viola und Violoncell Op. 3 bringt er\neine historische Notiz aus William Gardiner Music and\nFriends, 111. 142, bei, nach welcher ein Caplan des\nRurfürsten, Namens Dobbeler, bei seiner Abreise aus Bonn\n(October oder December 1793) „in seinen Violinkasten\nein Trio von Beethoven gelegt hatte, welches gerade vor\nseiner Abreise componirt war\", und nach einer anderen\nNotiz auf der vorletzten Seite seines Buches: „Italy, her\nMusic etc.u,war dieses Trio das Trio in Bei\nThayer's sonstiger Sorgfalt in Anführung der Daten fällt\nes hierbei auf, dass das Jahr, aus welchem das Buch\n„Italy* herrührt, nicht angegeben ist. Dobbeler war al-\nlerdings Caplan bei dem Kurfürsten in Bonn bis 1793,\nallein wie ist er in Bonn zu der Abschrift eines Trio's von\nBeethoven, welcher bereits seit einem Jahre in Wien war,\ngekommen, und welches bei seiner Bedeutung als Com-\nposition doch wohl ganz anders in Bonn hätte von sich\nreden machen, als die kleineren Versuche Beetboven's,\nvon deren Beachtung daselbst wir Kunde haben, während\njede Andeutung über dieses und vollends über die drei\nTrio's Op. 1 aus den damaligen musicalischen Kreisen\nfehlt. Noch bedenklicher wird aber die Sache, wenn man\nerwägt, dass Beethoven seit dem Herbste 1792 schon in\nWien war und Dobbeler, der nach Thayer's eigener An-\nnahme erst im October oder December 1793 Bonn ver-\nliess, geäussert haben soll (nach Gardiner), dass das frag-\nliche Trio „gerade vor seiner Abreise componirt\"\nworden sei. Das Wort „seiner\" kann sprachlich und dem\nZusammenhange nach (S. 241) sich nur auf Dobbeler,\nnicht etwa auf Beethoven beziehen, folglich liegt in der\nAngabe ein schwer zu bebender Widerspruch.\nWie geneigt übrigens Thayer ist, eine gedruckte oder\nhandschriftliche Notiz aus jener Zeit für ausgemachte\nWahrheit zu nehmen und als unverdächtige Quelle zu\nbetrachten, geht unter Anderem aus S. 237 hervor. Dort\nführt er einen Brief von Fischenich an Charlotte von\nSchiller, datirt Bonn, den 26. Januar 1793, an, in wel-\nchem es heisst: „Haydn bat hieher berichtet, er würde\nBeethoven grosse Opern aufgeben und bald aufhören müs-\nsen, zu componiren.\" (!) —Was argumentirt nun Thayer\naus diesem Unsinn, den irgend ein Enthusiast für den jun-\ngen Beethoven dem alten Meister in den Mund legt? Man\nhöre! „Man beachte das Datum: Haydn muss demnach\nkurz vorher geschrieben haben, als Beethoven noch nicht\nmehr als sechs bis acht Wochen bei ihm sein konnte;\ner konnte daher sein Urtheil nur auf die Compositionen"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "333", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661020-01.1.5", "texte": "(d. b. die aus Bonn mitgebrachten) gründen, die Beetho-\nven ihm vorlegte!\" Glücklicher Weise hat Haydn sich\nnachher anders besonnen, denn er hat Beethoven weder\n„Opern\" vorgelegt, noch „zu componiren aufgehört\",\nwie Jedermann aus der „Schöpfung\" und den „Jahres-\nzeiten\" weiss.\n\nDie Musik in Neapel.\nNeapel, den 24«. September 1866.\nDie positive Ueberschrift dieses Berichtes ist unrich-\ntig: der Wahrheit gemäss müsste sie lauten: Die Nicht-\nMusik in Neapel. Es ist leider Thatsache, dass die politi-\nschen Ereignisse der letzten Jahre für die Tonkunst in\nSüd-Italien verhängnissvoll gewesen sind, und keine Stadt\nim ganzen Lande ist in dieser Beziehung schlimmer daran,\nals Neapel, das einst an Musik so reiche und dadurch be-\nrühmte Neapel. Die Operntheater bleiben bald unter die-\nsem, bald unter jenem Vorwande stets geschlossen. Zwar\nwird jetzt trotz der Cholera in sieben Theatern gespielt:\naber was? Pulcinell-Possen oder Räubergeschichten, und\nauf keinem erscheint auch nur eine kleine, einactige Oper!\nDas Conservatorium ist gänzlich desorganisirt; unru-\nhige Auftritte unter den Zöglingen haben Untersuchungen\nund Verhaftungen herbeigeführt, und Gensd'armenwache\nsteht vor dem Eingangsthor. Die Ruhestörungen hingen\nso sehr mit der Politik zusammen, dass man nichts dar-\nüber zu schreiben wagt.\nWenn die Opernmusik nichts mehr bietet, so theilt\ndie Kirchenmusik dasselbe Loos. Die Capelle des könig-\nlichen Schlosses ist völlig ausser Rand und Band. Einige\nKirchen haben schöne Orgeln, aber wo sind die Orga-\nnisten zu finden, die sie spielen können? Es gibt Pfarreien,\ndie sich, wie die Dorfkirchen, mit einem Harmonium be-\ngnügen.\nVon Kammermusik kann gar nicht die Rede sein.\nMit Ausnahme einiger durch Mangel an Theilnahme ver-\nunglückten Versuche hat man hier noch nie Gelegenheit\ngehabt, ein gutes Quartett zu hören. Die Neapolitaner\nscheinen eine Antipathie gegen diese Musikgattung zu ha-\nben, weil sie nichts davon verstehen. An die Cultur des\nMännergesanges ist nicht zu denken. Was helfen die schö-\nnen Stimmen, wenn sie nicht geübt werden?\nNeapel besitzt nicht einmal einen Concertsaal. Die\neinzige erträgliche Musik, die man jetzt hört, macht das\nMusikcorps der Nationalgarde, aber freilich nur Märsche\nund Folka's. Dagegen wimmelt es auf den Plätzen und\nStrassen von Drehorgeln, die man sonst hier gar nicht\nkannte. Welch ein Fortschritt!\nIn dieser Stadt, wo die Musik so herrliche Blülhen\ngetrieben hat, findet man keine monumentalen Erinnerun-\ngen an Männer wie Durante, Cimarosa, Paesiello und\nAndere, die ihre undankbare Vaterstadt berühmt gemacht\nhaben. Auch nicht einmal eine Strasse oder ein Platz sind\nnach ihnen benannt. Cimarosa ist den heutigen Neapoli-\ntanern so unbekannt, wie ein Chinese.\nAlles, was Tonkunst betrifft, ist so tief als möglich\ngesunken. Nichts kann eine Vorstellung von dem nächti-\ngen Dunkel geben, welches alles umhüllt, was Musik\nheisst, und man sieht nicht ab, wodurch es jemals gelin-\ngen soll, diese Nacht zu erhellen.\nFreilich ist die Musik in ganz Italien in Verfall, aber\nim Norden ist doch noch Zeug und Material vorbanden,\num den walkenden Bau zu stützen und ihn vielleicht wie-\nder neu aufzurichten. In Neapel aber kann man nicht\nmehr von Verfall sprechen, hier ist das reine Nichts. Die\nwenigen wirklichen Künstler, welche noch hier leben,\nbeklagen den traurigen Zustand, ohne ein Mittel dagegen\nauffinden zu können. Es herrscht im Publicum eine Gleich-\ngültigkeit gegen gute, ja, gegen Musik überhaupt, die\nman in Italien, das im Auslande immer noch ein Echo\nseines früheren musicalischen Rufes findet, für unmöglich\nhalten sollte. In diesem Sommer kamen einige wackere\nMusiker, um sich aus dem allgemeinen Schiffbruche der\nKunst zu retten, auf den Gedanken, ein Orchester zu bil-\nden, um Sommer-Concerte, wie sie jetzt in allen Haupt-\nstädten von Deutschland und Frankreich Statt finden, zu\nveranstalten. Es waren meistens Musiker aus dem Orche-\nster des geschlossenen San-Carlo-Theaters. Zum Locale\nwählten sie den reizenden Garten des Palastes Chiatamone,\nam Ufer des Meeres und mitten in dem nobelsten Stadt-\nviertel Neapels gelegen. Der Garten wurde noch beson-\nders zu den Concerten eingerichtet und mit geschmack-\nvoller Beleuchtung versehen. Man hat von da aus eine der\nschönsten Aussichten über den Golf auf den Pausilippo,\nden Vesuv, die angränzenden Bergketten, die Insel Capri\nu. s. w. und am Abende das schöne Schauspiel der un-\nzähligen Fischerbarken mit Fackeln, die auf dem Spiegel\ndes Meeres wiederleuchten. Kurz, es ist einer der schön-\nsten Punkte auf der Erde, auf welchem der Anblick der\nwirklichen Natur alle Phantasie weit zurücklässt. Die Mu-\nsik war keineswegs schlecht, die Erfrischungen und die\nBewirthung gut und der Zutritt kostete nicht mehr als\neinen Franc. Wie lange, glauben Sie wohl, dass sich\ndas Etablissement halten konnte? Nach vierzehn Tagen\nwar der Garten wieder leer und still: die Einnahme hatte\nan keinem einzigen Abende die Kosten gedeckt! Und\nNeapel hat 500,000 Einwohner!"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "334", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661020-01.1.6", "texte": "Seit dem Schlüsse dieses paradiesischen Gartens hört\nman in Neapel keine öffentliche Musik mehr, als die\nschon erwähnte der Nationalgarde. Was aber applaudirt\nman auch bei dieser am meisten? Die „Eisenbahn-Polka\"\nund die „Garibaldi-Hymne\"!\nGiulio Gh. (Menestrel.)\n\nAus Mailand\nMan hat von dem Talente des jungen Coroponisten\nStrigelli, dessen Oper „JT figli di Borgia\" am 6.\nOctober im Theater della Scala gegeben wurde, vor und\nnach der ersten Aufführung viel Aufhebens gemacht: ich\nbin aber leider fest überzeugt, dass er den Mangel an\nGenies für die italiänische Oper nicht ersetzen wird. Man\nsagt zwar, Strigelli ist noch jung und hat ein wohlwollen-\ndes Publicum gefunden, desswegen darf die Kritik ihn\nauch nicht strenger beurtheilen, als das Publicum, der\nRichter über allen Richtern, getban hat. Allein, wenn die-\nses Publicum der ersten Vorstellung so wie hier regel-\nmässig, und in anderen grossen Städten wohl auch mei-\nstentheils, aus Freunden und Gönnern des Componisten\nzusammengesetzt ist, der wohl auch einige Tausend Francs\n(wenn er sie hat) nicht ansieht, um der Aufmunterung des\nGenies zu Hülfe zu kommen, so kann man auf den Ap-\nplaus des ersten Abends nicht viel geben. Wenn ich meine\nMeinung frei aussprechen soll, so bin ich der Ansicht, dass\nes in Italien wohl keine Stadt von 5000 Einwohnern gibt,\nwo nicht ein Componist zu finden sei, der eine solche\nOper, wie „Die Söhne Borgia's\", schreiben könnte. Es\nist der Würde und dem Rufe eines Theaters wie die Scala\nunangemessen, ein solches Werk auf die Scene zu brin-\ngen; allein wer kann hinter den Schleier dringen, der die\nvorhergegangenen Transactionen zwischen dem Coropo-\nnisten und dem Impresario deckt, welche heutzutage, wie\nman hier sagt, zwar über ein Honorar Statt zu finden\npflegen, das aber der Componist nicht empfängt, sondern'\ngibt. So etwas offen auszusprechen, ist freilich sehr dreist,\naber Exempla illustrant rem.Auffallend war die Annahme\nder Oper von Strigelli allerdings, da dieser Componist gar\nkeine Antecedentien hatte, die dazu berechtigen konnten,\nkeine Cantate, keine Ouvertüre, nichts als ein oder zwei\nVersuche in kurzen Messen im hier heutzutage gebräuch-\nlichen Stile. Eigentbümlichen Geist verräth seine Partitur\nnirgend, er kommt nicht aus den durch Donizetti und\n*).\nVerdi beschränkten Kreisen der Form heraus, ohne dabei\nauch nur ein Weniges von Originalität oder Genie zu of-\nfenbaren. Nichts ist darin neu, überall alte Formen und,\nwas schlimmer ist, alte Gedanken, lärmende Klangeffecte,\ngeräuschvolle Ritornelle und Cabaletten u. s. w. Wie die\nmeisten seiner Kunstgenossen, hat er auch ein Libretto\nschauderhaften Inhalts gewählt, dessen Verfasser Leute\nwie Victor Hugo und Eugen Sue in Schilderung von Un-\nsittlichkeiten weit hinter sieb lässt, denn der Gegenstand\nseines Drama's ist die Liebe zweier Brüder Borgia zu ihrer\nSchwester Lucrezia! Das Ganze ein Gewebe von Ver-\nrath, Gift und Mord ohne dramatischen Zusammenhang.\nIn der monotonen Musik, deren Analyse zu langweilig sein\nwürde, wimmelt es von Reminiscenzen, von denen drei\naus Norma, Trovatore und Jüdin (von Halevy) so auffal-\nlend waren, dass das Publicum stutzte und Zeichen der\nMissbilligung gab. Trotzdem war am ersten Abende der\nApplaus häufig und der Componist wurde mehrere Male\ngerufen. Wie anders war es aber am zweiten Abende!\nDas Theater war nur halb voll und die Musik wurde mit\nStillschweigen angehört.\nUeber die Aufführung durch die jetzige Gesellschaft\nlässt sich nicht viel sagen. Signora Bianchi bat eine starke\nStimme, ist aber höchst unsicher und unerfahren, so dass,\nwenn sie auch nicht geradezu falsch singt, sie doch oft\nnahe daran ist; die Altistin schrecklich; der Tenor behan-\ndelt seine kleine Stimme auch nicht kunstgemäss, und\nman hört ihn kaum in der Hälfte des Zuschauerraumes:\ndabei ist er von den gewöhnlichen Unarten der heutigen\nitaliänischen Sänger nicht frei. Der Bariton Brignoli ist\nnicht der Rede werth, nur der Bass, Rossi Galli, ist gut.\nOrchester und Chor waren in der neuen Oper gut das\nwar aber ein Wunder! Ein Ballet: „Un Capriccio\", nichts\nAnderes als die getanzte „Martha\" von Flotow, war er-\nbärmlich.\nStrigelli's Oper wurde drei Mal gegeben; darauf sollen\nUAssedio di Leida daran kommen, Donizetti's Maria Pa-\ndilla (?) und die „Africanerin\". Armer Meyerbeer, armer\nDonizetti! Arme Scala, wo ist dein Ruhm geblieben?!\n*) Wir fügen dem Berichte aus Neapel einen anderen aus\nMailand (Musical World vom 13. October) bei, der aus dem Nor-\nden von Italien auch nicht viel Tröstliches meldet.\nDie Redaction.\n\nSoiree von Franz Derckum.\nAm Abende des 16. d. Mts. eröffnete die Soiree\n*\nvon Herrn Franz Derckum im Isabellensaale des Gür-\nzenichs die musicalische Saison des bevorstehenden Win-\nters. Der in jeder Hinsicht befriedigende Erfolg derselben\nwar in Bezug auf die künstlerische Ausführung wie auf\ndie Retheiligung des Publicums von guter Vorbedeutung\nfür die folgenden Concerte, denn wo die Theilnahme und"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "335", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661020-01.1.7", "texte": "der lebhafteste Beifall für Producte der Kammermusik\nsich so entschieden ausspricht, wie dies am Abende des\n16. der Fall war, da zeugt dies von lebendigem Sinne\nfür die Tonkunst überhaupt, als deren vornehmste und\nfeinste Vertreterin man diese Gattung betrachten muss.\nFranz Derckum hat sich durch seine langjährige Wirk-\nsamkeit als Mitglied des Concert-Orchesters und des Kam-\nmermusik-Vereins, den er mit dem verstorbenen Hartmann\nund den Herren Franz Weber und B. Breuer begründet,\nals Professor der Harmonie-Classen am Conservatorium\nund als Musiklehrer überhaupt grosse Verdienste um das\nAufblühen des musicaliscben Lebens in Köln erworben\nund hat bei so vielseitiger Thätigkeit dennoch Zeit gefun-\nden, seine hervorragenden Anlagen zur Composition auf\nder Grundlage, die ihm seine Studien bei Friedrich Schnei-\nder in Dess-au gegeben, auszubilden und der Mahnung der\nMuse der Tonkunst zu folgen, die er in seinem Innern\nfühlte. Seine früheren Compositionen, Quartette, Ouver-\ntüren, Sinfonieen, Lieder, so wie die komische Oper\n„Prinz und Maurer\", deren Erfolg, wie es leider so oft\nder Fall ist, nur unter dem schlechten Textbuche litt, ha-\nben ihm nicht nur die Anerkennung als tüchtigen Musiker\nverschafft, sondern auch bewiesen, dass eine ursprüngliche\nmusicalische Natur in ihm waltet und er dem inneren\nTriebe zum Schaffen folgt, nicht ausserhalb der Kunst\nliegenden Veranlassungen. Wie er aber auch bei den Ver-\nirrungen der Kunstlehre der neuesten Zeit und dem über-\nmüthigen Auftreten ihrer Koryphäen und Jünger an sei-\nner gediegenen Richtung auf das einfache Musicalisch-\nSchöne festgehalten hat, das beweisen besonders wieder\ndie neuesten Compositionen, die er uns in der Soiree am\nAbende des 16. d. Mts. vorgeführt bat. Es waren dies\nvon den (bei Schloss in Köln) kürzlich herausgegebenen\nzwei Sonaten für Pianoforte und Violine, Op. 13 und\n14, d ie zweite, ferner ein Quintett für zwei Violinen,\nBratsche und Violoncell, und vier Lieder, von denen\nzwei: „Ob du mir nah'\" und die „Gondoliera\", in den\nLiederheften bei Schloss erschienen, die beiden anderen:\n„Noch ist die blühende, goldene Zeit\" von Roquette und\n„Zwiegesang\" von Reinick, erst für diese Soiree compo-\nnirt sind; alle vier wurden von Fräulein Julie Rotben-\nberger sehr schön und mit so viel Verständniss ihrer\nEigentümlichkeit und Ausdruck vorgetragen, dass wir\ndie grossen Fortschritte, welche die junge Sängerin in\nihrer Entwicklung zur Künstlerin gemacht hat, mit Ver-\ngnügen wahrnahmen, zumal da auch ihre Stimme neben\nder reinen und klangvollen, niemals scharfen Höhe in der\nmittleren Region mehr Ton und Egalität gewonnen hat,\nals früher. Die Lieder erregten stürmischen Beifall, wel-\ncher eben so sehr dem Componisten als der Sängerin galt.\nDie Sonate trug Herr Capellmeister Hiller (mit Herrn\nDerckum) in derjenigen echt künstlerischen Weise (auf\neinem Flügel aus dem Magazin des Herrn Bei) vor, die\nwir an dem Meister gewohnt sind, und das Quintett fand\nin den Herren Concertmeistern von Königslöw und Japba,\nMusik-Director Weber und Ä. Schmit, den Genossen\nDerckum's in den Kammermusik-Productionen, eine ganz\nvortreffliche Ausführung. Jeder Satz dieser schönen Com-\nposition, auf welche wir, da sie jetzt im Verlage der kö-\nniglichen Hof-Musikhandlung von J. F. Weber hierseibst\nals Op. 15 erschienen ist, ausführlicher zurückkommen\nwerden, erregte eine entschieden günstige Stimmung bei\nden Zuhörern, wovon der rauschende Applaus Zeug-\nniss gab.\nEine freie Phantasie auf dem Pianoforte, zu welcher\nHerr Capellmeister Hiller die Motive aus den eben ge-\nhörten Liedern von Derckum nahm, beschloss den Abend\nauf glänzende Weise, so dass in der zahlreichen Zuhörer-\nschaft nur Eine Stimme über den gehabten Kunstgenuss\nherrschte. Schliesslich wollen wir noch bemerken, dass\nder Isabellensaal des Gürzenichs jetzt nach vollendeter\nDecoration desselben ein sehr freundliches und nobles\nAnsehen gewonnen hat.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMolsi, 15. October. Ein grosser Verlust für die Tonkunst in\nDüsseldorf und am Niederrheine überhaupt ist es, dass Herr Leo-\npold Auer seine Stellung in Düsseldorf aufgegeben und eine Con-\ncertmeister-Stelle an dem philharmonischen Institute in Hamburg,\nwelches Stock hausen leitet, seit dem 1. October unter den vor-\nteilhaftesten Bedingungen angetreten hat.\nKolli, 20. October. Die Gebrüder Thern, von denen unten\nunter Frankfurt a. M. die Rede ist, sind' Söhne des Herrn Karl\nThern, Professors am Conservatoriüm zu Pesth. Die noch jungen\nKünstler zeichnen sich durch eine sehr lobenswerthe Technik auf\ndem Pianoforte und besonders durch ihr genaues nnd ausdrucks-\nvolles Zusammenspiel auf zwei Flügeln aus. Ausser den eben nicht\nzahlreichen Original-Compositionen für zwei Claviere von Mozart,\nMoscheies, Schumann u. A. sind auch mehrere eben so brillante\nals gut geschriebene Compositionen ihres Vaters Gegenstand ihrer\nVorträge. Einen glücklichen Tact und ein besonderes Talent zeigt\nHerr Prof. Thern auch in Einrichtung grosser Clavier-Compositio-\nnen namentlich von Beethoven für zwei Pianoforte; unter Anderem\nhaben wir neulich in Wiesbaden den Vortrag der in dieser Weise\nwiedergegebenen letzten Sonate in ö-moll von Beethoven durch die\nbeiden jugendlichen Pianisten gehört, der uns sehr überrascht und\nalles Vortheilhafte, das wir bereits darüber gehört hatten, bestätigt\nhat. Dem Vernehmen nach haben die Gebrüder Thern am 19. d.\nMts. noch ein Concert im Theater zu Mainz gegeben und werden\nin nächster Woche hieher nach Köln kommen, um dann von hier\naus über Aachen und Brüssel ihre Reise nach Paris fortzusetzen.\nL. B."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "336", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661020-01.1.8", "texte": "* Frankfurt a* HE« Dem Anschein nach wird die Kunst,\nderen Vertretung auch in der freien Reichsstadt hauptsächlich nur\nden Privat-Vereinen anheim fiel, nicht dem Gemeinwesen der Stadt,\nbei den veränderten politischen Verhältnissen keine Einbusse erlei-\nden. Das Actien-Theater geht seinen bisherigen Weg fort, und die\nMuseums-Concerte und die Quartett-Soireen haben bereits\nwieder begonnen. Das Programm des ersten Museums-Concertes am\n12. d. Mts. unter Leitung des Herrn Directors Karl Müller lau-\ntete, wie folgt: Erster Theil: 1. Ouvertüre zu der Oper „Euryanthe\"\nvon C. M. von Weber. 2. Arie der Vitellia: „Ha! sie schlägt schon\",\naus der Oper „Titus\" von W. A. Mozart, gesungen von Fräulein\nClara Perl. 3. Concert in Es-dur für zwei Claviere von W. A.\nMozart, vorgetragen von den Herren Willy und Louis Thern\naus Pesth. 4. Liedervortrag von Fräulein Clara Perl: a) „Ständ-\nchen\" von R. Schumann, b) „Aufenthalt\" von F. Schubert. 5. An-\ndante und Scherzo für zwei Pianoforte von Karl Thern, vorgetragen\nvon den Herren Gebrüder Thern. Zweiter Theil. 6) Sinfonie\n(Nr. 5 in C-moll) von L. van Beethoven.\nIn der ersten Quartett-Soiree der Herren Hugo Herr-\nmann, Ruppert Becker, Ernst W eicker und Louis Lübeck\nam 15. d. Mts. hörten wir: 1. Jos. Haydn, Quartett in G-dur.\n2. Rob. Schumannn, Variationen in B-dur für zwei Pianoforte,\nOp. 46, vorgetragen von den Gebrüdern Thern. 3. Franz Schu-\nbert, Quintett in C-dur, Op. 163.\nDie jungen Künstler Willy und Louis Thern aus Pesth in\nUngarn erregten durch ihr ausgezeichnetes Zusammenspiel an bei-\nden Abenden allgemeine Bewunderung.\nDer Ciavier-Auszug von Abert's „Astorga\" wird demnächst\nim Verlage von Breitkopf und Härtel erscheinen.\n** Braunscltweig. Der hiesige Verein für Concert-\nmusik ist durch die übermässigen Forderungen der herzoglichen\nHofcapelle in die Nothwendigkeit versetzt worden, die königliche\nHofcapelle zu Hannover unter Direction des Herrn Hof-Capellmei-\nsters Fischer für die Ausführung der Sinfonie-Concerte zu gewinnen.\nSamstag den 20. October findet das erste Concert Statt. [Ei, ei! Cu-\nriose Nachricht, die wir aber verbürgen können.]\nDas königliche Schullehrer-Seminar zu Eichstätt in Baiern\nveranstaltet zuweilen Orgel-Vorträge in historischer Ordnung;\nin einem solchen kamen jüngst vor in der ersten Abtheilung aus\ndem sechszehnten Jahrhundert unter Anderem Stücke von Jacques\nBuns (1540, Venedig), Merulo, R. Schlecht, Frescobaldi und „Die\nKatzenfuge\" von Dom. Scarlatti, über welche letztere das Programm\ndie Notiz gibt: „Scarlatti hatte ein Lieblingskätzchen. Während er\neinst arbeitete, stieg das Thierchen auf die Tasten des offenstehen-\nden Claviers und trat die Töne gy 6, es, fis, bt eis an, die der Künst-\nler seinem Kätzchen zu Ehren zur oben bezeichneten Fuge verar-\nbeitete.\" In der zweiten Abtheilung, Sachen von J. S. Bach, Händel,\nJ. L. Krebs, C. H. Rink, Ad. Hesse, Spohr, J. G. Herzog und F.\nMendelssohn.\nKarl Müller, der erste Violinist des berühmten Müller'-\nschen Quartettes, ist in Rostock zum städtischen Musik-Director\ngewählt worden. In Folge dieser Wahl werden die sämmtlichen\nGebrüder Müller ihren bleibenden Aufenthalt in Rostock nehmen.\nWien. Zu Neujahr erscheinen bei Spina vier Ouvertüren\nvon Franz Schubert (Rosamunda Alfonso und Estrella\nFierabras und Ouvertüre im italiänischen Stil, Op. 170), ferner zwei\nEntreacte aus Rosamunda, in Partitur und Stimmen und in Ciavier-\nEinrichtungen von C. Reinecke und von L. A. Zellner.\nDie Professoren J. Dupuis und C. Verken am Conservato-\nrium in Lüttich, so wie der Canonicus Devroye, General-Di-\nrector der Kirchenmusik in der Diöcese Lüttich, sind zu Rittern des\nLeopold-Ordens ernannt worden.\nIn Rotterdam fand am 12. October eine treffliche Aufführung\nder „Schöpfung\" von Haydn unter W. Bargiel's Leitung\nStatt, welcher das Publicum mit gespannter Aufmerksamkeit folgte\nund am Schlüsse Herrn Director Bargiel hervorrief.\n/\nl*»ris« Das neue Lustspiel in fünf Acten von Victorien\nSardou: „Nos bona Yillageoisu, hat auf dem Gymnase-Theater\nausserordentlichen Erfolg gehabt. Die Hauptpersonen sind übrigens\nkeine Bauern, sondern Leute aus höheren Ständen; die Bauern des\nOrtes, der in der Nähe von Paris liegt, bilden nur den Hintergrund\nder Handlung. Die öffentliche Meinung hält das Stück für die beste\nArbeit Sardou's. Man prophezeit demselben 300 Vorstellungen.\nNach einem Berichte des Inspectors des Gesa n g - Unterrichts\nin den Schulen an den Minister des öffentlichen Unterrichts in\nFrankreich sind jetzt auch in den Lyceen (Gymnasien) Gesang-\nclassen eingerichtet. Sie zerfallen in vier Cursus, von denen die\ndrei ersten obligatorisch sind, der vierte für eine Vereinigung der\nSchüler der oberen Classen facultativ. Der Mangel an Stimmen soll\nnach diesem Berichte nicht so bedeutend sein, wie man bisher an-\ngenommen hat, jedoch sind die guten Stimmen seltener im Norden,\nals im Süden, und die Vorsteher und Lehrer der höheren Unter-\nrichts-Anstalten halten es für einen Gewinn, dass der Gesang-Un-\nterricht eingeführt ist, durch den nun die Schüler, die mit Eifer\nund Nutzen „die Sprache Homer's und Virgil's studiren, nun auch\ndie Sprache Mozart's verstehen lernen, welche die Sprache der Ge-\nfühle und der Phantasie ist\"."}]}