{"numero_id": "bm-bmtnabi-1866-10-27-01", "volume": "bmtnabi_1866-10-27_01", "ocr_sha256": "49e2510e24e5759c5b9de7974c5eba97d5e70bb9ff65d6abea62811b1be83eae", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1866/10/27_01/bmtnabi_1866-10-27_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661027-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1866-10-27-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-10-27_01#c001", "volume": "bmtnabi_1866-10-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "337", "page_fin": "337", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661027-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "337", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661027-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 470, "texte": "Inhalt.\nThayer's Beethoven. 111. (Ludwig van Beethoven's Leben. Von Alexander Wheelock Thayer.) Lucifer. Orato-\nrium von Pierre Benoit. Aus Braunschweig (Verein für Concertmusik). Erstes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich.\nTages- und Un ter haltung sb lat t (Köln, Gebrüder Thern Frankfurt a. M., Fräulein Perl Musik-Director Löwe Leipzig, Dr.\nM. Hauptmann, I. Gewandhaus-Concert Stuttgart, W. Speidel A. Rubinstein Wien, H. Berlioz, Fräulein M. 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Nr. 41. 11. Nr. 42.)\nVom dritten Buche der neuen Biographie, welches\nden Zeitraum von 1792 bis 1800 umfassen soll, enthält\nder erste Band nur den Anfang, der sich auf S. 252—299\nin drei Capiteln: 1. Beethoven in Wien. Studien bei Haydn\nund Albrechtsberger. 2. Die Musik in Wien im Jahre\n1793. 3. Beethoven's Auftreten als Virtuose und Com-\nponist bis zum Jahre 1795 erstreckt.\nDer Verfasser benutzt auch hier die vorhandenen\nQuellen und Hülfsmittel bei Wegeier, Ries und Schindler,\nin Bezug auf das zweite Capitel fast ausschliesslich Notte-\nbohm. wobei es auffällt, dass er die erste Aufklärung\nin Sachen der „Studien\" Beethoven's, welche Franz\nDerckum in der Niederrhein. Musik-Zeitung bereits im\nJahrgange 1851, Nr. 20, vom 15. November gegeben,\nnicht zu kennen scheint. Bei dem Abschnitte über das da-\nmalige Musikleben in Wien verweist eine Anmerkung auf\n0. Jahn's „Mozart\" und F. Hanslick (in der „Freien\nPresse\" 1865); die Artikel des letzteren seien indess\n„später geschrieben, als Thayer's Capitel im Original ent-\nworfen war\". Etwas Neues von irgend welcher Wichtig-\nkeit bringen alle drei Capitel nicht, mit Ausnahme des\nAnhangs XI, welcher den Vertrag zwischen Beethoven\nund Artaria & Comp, über den Verlag der drei Trio's\nOp. 1 enthält.\nBeethoven spielte diese Trio's nach Ries zuerst im\nJahre 1793 im Hause des Fürsten Lichnowsky. Sie er-\nregten auf der Stelle ausserordentliches Aufsehen: trotz-\ndem hielt er sie doch noch zwei Jahre in seinem Pulte\nzurück, obwohl er sie häufig spielte und sein Ruf dadurch\nweit höher stieg, als durch die zwei bis drei Hefte Varia-\ntionen, die er herausgegeben hatte. „Die Trio's waren\nnunmehr\" sagt Thayer „so bekannt und geschätzt in\nden musicalischen Kreisen geworden, dass ihre Veröffent-\nlichung gerechtfertigt war.\" Bei der Wichtigkeit dieser\nComposition nicht nur für die Geschichte Beethoven's,\nsondern auch für die Geschichte der Musik, ist die Mit-\ntheilung der darauf bezüglichen Actenstücke im Anhange\nsehr interessant und mit Dank aufzunehmen. Sie bewei-\nsen übrigens, dass der geniale Beethoven keineswegs\ngleichgültig gegen den Ertrag seiner Compositionen. war\nund bereits in seinen jungen Jahren das Geld sehr wohl\nzu schätzen wusste.\nAm 16. Mai 1795*) erschien in der Wiener Zeitung\nfolgende Anzeige:\n„Pränumeration auf Ludwig van Beethoven's 3\ngrosse Trios für das Pianoforte, Violin und Bass, welche\nbinnen 6 Wochen bei dem Verfasser gegen Zurückgabe\ndes Scheins zu haben sein werden. Der Preis eines voll-\nständigen Exemplars ist ein Ducaten. Die Namen der\nHerren Pränumeranten werden vorgedruckt und sie ge-\nmessen den Vortheil, dass dieses Werk für Andere erst\n2 Monate nach der Ablieferung, vielleicht auch nur gegen\nerhöhten Preis abgegeben wird. In Wien pränumerirt\nman bei dem Verfasser im Ogylsischen Hause in der\nKreuzgasse hinter der Minoriten-Kirche Nr. 35, im ersten\nStock.\"\nDer oben erwähnte Contract vom 19. Mai lautet:\n„Unter heut angesetztem Datum ist zwischen Herrn\nArtaria & Compagnie und Herrn Ludwig van Beethoven\nfolgende Verabredung geschlossen worden.\n„ Imo1mo Es übergibt Herr van Beethoven dem Herrn\nArtaria seine drei Trio auf das Ciavier, Violin und Bass,\nund verbindet sich Herr Artaria solche gegen Vorausbe-\nzahlung von zwei hundert zwölf Gulden, rein und schön,\nauch mit einem zierlichen Titelblatte versehen, binnen\n\n*) In Thayer's Chrono 1. Verzeichnisse S. 8 ist durch\neinen Druckfehler der 16. März angegeben."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "338", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661027-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5057, "texte": "sechs Wochen von untergesetztem Datum an gerechnet\nspätestens, stechen zu lassen.\n„2do Verbindet sich Herr Artaria demselben vier\nhundert Exemplare, das Exemplar um einen Gulden\nauf die Art abzuliefern, dass von dem Tage der verflosse-\nnen sechs Wochen an gerechnet alle Wochen wenigstens\n50 Exemplare bis auf die bestimmte Zahl von 400, un-\nfehlbar abgedruckt und abgegeben werden sollen; jedoch\nsteht es Herrn van Beethoven frei auch eine geringere\nZahl abzunehmen.\n„3tlo öebernimmt Herr Artaria nach der abglieferten\nbestimmten Anzahl Exemplare die Platten gedachter 3\nTrio um den Preis von 90 Gulden, welche er sich auch\nvon oben bemelter Summe der 212 Gulden sogleich ab-\nziehen lässt.\n„4t 0 Vom Tage der abgelieferten ersten Exemplare\nverspricht Herr Artaria auf hiesigem Platze durch 2 ganze\nMonate keine Exemplare davon zu verkaufen; dagegen\nihm aber dessen Absatz ins Ausland von diesem nämlichen\nTage an frei steht, nach Verlauf der 2 Monate aber auch\nhier in Wien er selbige als seine rechtmässige, eigenthüm-\nliche Waare verkaufen darf.\nsto5to Nach Verlauf dieser 2 Monate bleibt es zwar\nHerrn van Beethoven frei, die ihm übrig bleibenden Exem-\nplare nach Gutdünken absetzen zu können, jedoch hat\nderselbe alsdann keinen Anspruch mehr auf den weiteren\nVerkauf seines Werkes, und sollte er für gut finden, bis\ndahin die Anzahl von 400 Exemplaren nicht abnehmen\nzu wollen, so soll ihm auch weiter das Recht nicht mehr\nzustehen, auf Rechnung diese Anzahl Exemplare abfor-\ndern zu können.\n„6to Das Pränumeranten-Verzeichniss wird dem Herrn\nArtaria gedruckt abgeliefert werden, um solches denen\nfür die Herren Pränumeranten bestimmten Exemplaren\nbeiheften zu lassen.\n„In Urkund dessen beidseitiger Kontrahenten eigen-\nhändige Unterschrift und Pettschafte.\n„Wien, den 19. May 1795.\n„L.iS. Ludwig van Beethoven. L.S. Artaria & Comp.\"\nEndlich eine Anzeige in der Wiener Zeitung vom\n5. September 1795:\n„Da die sämmtlichen Herren Pränumeranten der\nLudwig van Beethoven'schen Trios ihre Exemplare erhal-\nten haben, so dienet zur Nachricht, dass bei dem Verfas-\nser noch durch einen ganzen Monat eben dergleichen\nExemplare um den Pränumerationspreis per 1 Dukaten\nzu haben sind. Er wohnt in der Rreuzgasse im Ogylsischen\nHause Nr. 35 im ersten Stock.\"\nMan beachte die Verclausulirungen des Contractes,\nund man wird unsere obige Bemerkung über die finan-\ncielle Umsicht Beethoven's bestätigt finden. Nach §. 4\nstand es in seinem Belieben, 400 Exemplare zu einem\nGulden zu nehmen, oder nicht. Es fanden sich nach dem\ngedruckten Subscribenten-Verzeichnisse 123 Pränume-\nranten auf 250 Exemplare, und da Artaria die in §. 4\nbestimmte Zeit für den Privatverkauf durch den Compo-\nnisten noch verlängert hatte, wie die letzte Anzeige vom\n5. September beweist, so machte Beethoven folgendes Ge-\nschäft: er zahlte an Artaria für den Druck (§. 1) nach\nAbzug der 90 FI. (§. 3) für die Platten 122 Fl. und er-\nhielt von ihm 400 Exemplare für 400 Fl., welche er für\n400 Ducaten verkaufte. Bei der Gesammt-Ausgabe von\n522 Fl. und der Einnahme von 2000 Fl. blieb ihm dem-\nnach ein recht artiger Gewinn.\nEine Aeusserung von J. B. Cramer über diese Trio's,\nwelche wir noch nicht kannten, bringt Thayer S. 296 bei.\nSie wurde ihm von Frau Mary de Fouche, der Tochter\nTomkison's, welcher vor sechszig Jahren einer der be-\nrühmtesten Clavier-Fabricanten Londons war, erzählt. In\njenen Tagen pflegte eine kleine Gesellschaft von Musikern:\nder Pianist J. B. Cramer, sein Halbbruder, der Violinist\nF. Cramer, J. P. Salomon, Bridgetower, ein Mulatte und\nnamhafter Violinist, die Tenoristen Watts und Morant,\nwelcher letztere die Witwe Dussek's geheirathet hatte,\nund die Violoncellisten Dahmen, Lindley und Crosdale,\nsich regelmässig im Hause von Mr. Tomkison zu treffen,\num die neue Musik aus der deutschen Schule zu probiren\nund zu kritisiren, welche zu den londoner Musikhändlern\nkam. Bei einer dieser Zusammenkünfte wurden die neuen\nTrio's von Beethoven Op. 1 durchgespielt. „Das ist der\nMann,\" rief J. B. Cramer, der am Ciavier sass, „der uns\nfür den Verlust Mozart's trösten wird!\"\nUnter den „Anhängen\" ist noch Nr. VII hervorzuhe-\nben, überschrieben: „Der Fischer'sche Nachlass\"\n(von H. Deiters). Der Inhalt ist allerdings eine bisher\nunbekannte Quelle für Beethoven's Knaben- und Jüng-\nlingszeit in Bonn, allein durch das geringe Ergebniss siche-\nrer Nachrichten daraus scheint uns die Vertheuerung des\nBuches doch durch den Auszug, der 42 Seiten füllt, nicht\ngerechtfertigt. Das Ganze ist mehr ein Curiosum, als eine\nhistorische Quelle. Es hat damit folgende Bewandtniss.\nDer alte Gottfried Fischer, Bäckermeister und Eigen-\ntümer des Fischer'schen Hauses mit der Gedenktafel in\nder Rheingasse, welches auch seine Eltern und Grosseltern\nbesassen, verfiel erst im Jahre 1838, dem achtundfünfzig-\nsten seines Lebens! darauf, seine Erinnerungen an Beet-\nhoven aufzuschreiben, wozu die bei dem Streite um das Ge-\nburtshaus ihn besuchenden und neugierigen Fremden ihn\nveranlassten, denen jedes Wort aus seinem Munde eine\nkostbare Stimme der Zeit schien, die nicht verloren gehen"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "339", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661027-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5392, "texte": "dürfe. Er hat an einem Texte, den er sogar drucken lassen\nwollte, lange geschrieben, und unter der Menge von Brouil-\nlons dazu finden sich solche,die noch aus dem Jahre 1857,\nwo er 77 Jahre alt war, herrühren. Er starb 1864, im\nAlter von 83 Jahren (geboren 1780, also 10 Jahre jün-\nger, als Beethoven). Seine Schwester Cäcili a (gest. 1845,\ngeb. 1762) war 81jzJahr älter, als Beethoven, und in\nso fern mögen ihre Erinnerungen, wenn sich der Bruder\ndarauf beruft, vielleicht zuverlässiger sein, was Herr Dei-\nters annimmt. Es beruht aber Alles in diesem Fischer'-\nschen Manuscripte auf Tradition, welche erst nach mehr\nals fünfzig Jahren durch besondere äussere Veranlassung\nwieder aufgefrischt wurde.\nUeber den Aufzeichner dieser Tradition spricht sich\nH. Deiters selbst in folgender Weise aus: „Scheint nun\ndieser ganze Nachlass auf den ersten Blick eine Menge\nunzusammenhangender und theilweise werthloser Mittbei-\nlungen zu enthalten, so wird man bei näherer Einsicht fast\nnoch mehr abgeschreckt durch die Form derselben. Man\nsieht gleich, dass man es mit der Schreiberei eines völlig\nungebildeten Mannes zu thun hat, der sein ganzes Leben\nkein ordentliches Deutsch sprechen, geschweige schreiben\nkonnte; die Sprache ist ein seltsam-komisches Gemisch\ndes .rheinischen Volks-Dialektes, welcher dem Schreiber\ngewohnt und geläufig ist, und des Hochdeutschen, welches\ner mit vergeblicher Mühe zu schreiben sich befleissigt.\nAber dieser Bildungsmangel erstreckt sich, wie man er-\nwarten kann, weit in das Sachliche; der Mann hat keinen\nBegriff von dem, was wichtig oder gleichgültig ist, hält\nsich ausführlich bei kindischen und unwesentlichen Dingen\nauf, theilt vielfach eigene Familienbeziehungen mit, die\nNiemanden interessireri, und fügt Betrachtungen und Ex-\nclamationen der abgeschmacktesten Art seinen Erzählun-\ngen bei. Die letzteren lassen zuweilen vermuthen, was auch\nsonstige Erzählungen von dem Manne (wir haben ihn per-\nsönlich nicht gekannt) bestätigen, dass es in seinen letzten\nJahren mit seinem Geisteszustände nicht immer ganz rich-\ntig gewesen sei. Sicherlich konnte, wenn er eine derartige\nAnlage in sich trug, dieselbe durch diese ihm gar nicht\nnatürliche Thätigkeit nur unterstützt werden. Man sieht,\nwie wichtig er sich selbst vorkam, da er sich als den zur\nAufbewahrung der Erinnerung an Beethoven's Jugend\nvorzugsweise, Berufenen ansah, und ferner erkennt man,\nin wie hohem Grade ihn die immer stärker hervortreten-\nden Zweifel afficirt hatten, dass sein Haus wirklich das\nGeburtshaus des grossen Componisten gewesen sei.\"\nTrotzdem vindicirt H. Deiters dem Manuscripte eine\nBedeutung, „in so weit es auf die Erinnerungen der Cä-\ncilia Fischer gegründet ist\". Wir lassen seine Gründe\ndahingestellt sein und bemerken nur, dass auch die Aus-\nsagen dieser Zeugin uns nicht direct, sondern durch die\nRedaction eines so verwirrten Kopfes, wie ihr Bruder war,\nzugehen. Ja, der Text hat noch eine zweite Revision durch\nH. Deiters selbst erleiden mqssen, der uns mittheilt, „dass\nder Dialekt sowohl, wie die grosse und oft kindische Breite\nder Erzählung Kürzungen und eine Umsetzung in einiger\nMaassen lesbares Deutsch nothwendig machten\".\nAus einem Brouillon wird (S. 358) ein Geschichtchen\nmitgetheilt, das eine spasshafte Aehnlichkeit mit dem An-\ngebot der sibyllinischen Bücher an den König Tarquinius\nhat, auf dessen Glaubwürdigkeit wir aber keineswegs\nschwören möchten.\n„Beethoven war einmal auf die andere Seite (des\nRheines) gereist. Bei der Wiederkunft hielt er sich auf der\nanderen Seite in Vilich sechs Tage auf. Er sah dadurch,\ndass er sich nicht umkleiden konnte, etwas schmutzig aus;\ner hatte für Kost und Schläfung noch nichts bezahlt. Die\nFrau sagte zum Mann: ich muss ihn mahnen. Sie mögen\nes mir nicht übel nehmen, wir brauchen auch Geld. Er\nsagte zur Frau: gebt mir Feder, Dinte und Papier; er\nschrieb ihr etwas und sagte: geht in Bonn zu dem Besag-\nten hin und fordert dafür 3 Karolin. Die Frau geht hin,\nund bringt zur Antwort: der hat mir 2 Karolin geboten.\nEr nimmt das Papier und zerreisst es, und wirft es in den\nOfen, schreibt ein neues und sagt zu der Frau: geht hin\nund fordert 4 Karolin. Sie bringt zur Antwort: 2 Karo-\nlin. Er zerreisst es und wirft es wieder in den Olen. Die\nFrau sagt: 2 Karolin, ist das nicht Geld genug, das könnte\nuns beiden doch gut helfen (?). Er schreibt ein neues und\nsagt: geht hin und fordert 5 Karolin. Die erhält sie auch,\nda gibt er ihr das Geld; die Frau sagt: ihr könnt aber\ngut schreiben. Er gibt keine Antwort und geht weg.\"\nNach einer genauen Durchsicht dieses ersten Bandes,\nwie der Gegenstand sie verdient, fühlen wir uns allerdings\nvon der Achtung für die Hingebung an die Sache, für\ndie Ausdauer und den Fleiss des Verfassers erfüllt, können\naber den Wunsch nicht unterdrücken, dass die Darstellung\nsich mehr auf die Thatsachen concentrire und vor Allem\ndiejenigen Lebensereignisse Beethoven's berücksichtige,\ndie für die Kenntniss des Menschen und die Entwicklung\ndes Künstlers wichtig und einflussreich waren. Wird nach\nder bisherigen Anlage des Werkes fortgefahren, so sind\nwir in der That vor einer Aufstapelung von Material\nbange, das den Blick in die Scene des wirklichen Lebens\nmehr hemmt, als fördert. Wie sollen wir uns z. B. durch\ndie Verdriesslichkeiten, die Beethoven aus den Verbält-\nnissen zu seinen Verwandten erwuchsen, durcharbeiten,\nwenn wir alle Beweisstücke darüber und wohl gar auch\n\n[*J"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "340", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661027-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 156, "texte": "die Process-Acten zu lesen bekommen? Abgesehen davon,\ndass die Biographie nach dem Maassstabe des ersten Thei-\nles eine lange Reihe von Bänden füllen würde!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-10-27-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-10-27_01#c003", "volume": "bmtnabi_1866-10-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "340", "page_fin": "341", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661027-01.2.3", "titre_corps": "Lucifer.", "titre_sommaire": "Lucifer.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "340", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661027-01.1.4", "debut_caractere": 158, "fin_caractere_exclue": 5095, "texte": "Lucifer.\nOratorium von Pierre Benoit.\nDie belgischen Blätter berichten einmüthig über den\nErfolg eines grossen Oratoriums von Pierre Benolt,\ndessen Gegenstand der Kampf Lucifer's gegen die All-\nmacht Gottes ist. Herr Benolt ist als ein tüchtiger Musiker\nder neueren Zeit in Belgien bekannt, hat schon früher\ndurch Compositionen ernsten Stils die Aufmerksamkeit\nder Kenner erregt und ist auch uns am Niederrheine als\neiner der eifrigsten Zuhörer auf unseren Musikfesten oft\nwillkommen gewesen. Wir sind heute nur im Stande, den\nEindruck, den seine neueste Composition auf das Publi-\ncum bei deren zweimaliger Aufführung in Brüssel ge-\nmacht hat (die zweite am Montag den 15. d. Mts. im Pa-\nlais Ducal), wiederzugeben, und behalten uns eine ge-\nnauere Analyse des Werkes vor, welches jedenfalls schon\ndadurch eine kunstgeschichtliche Bedeutung für Belgien\nhat, dass es das erste grosse Oratorium ist, das von einem\nbelgischen Gomponisten herrührt und durch seine Auffüh-\nrung eine Theilnahme erregt hat, die man bisher in Bel-\ngien für Oratorien nicht kannte.\n„Es ist kein geringer Ruhm für Herrn Benott,\"\nsagt z. B. die Liberte „so glänzend in einer Laufbahn\naufzutreten, in welche so Wenige von seinen Landsleuten\nsich gewagt haben; denn wir müssen voranstellen, dass\ndie Belgier, deren Charakter in der Musik sich doch den\nDeutschen eng anschliessen sollte, wie zu erwarten wäre,\nniemals in dieser Gattung von Tonwerken etwas Bemer-\nkenswerthes hervorgebracht haben. Ja, noch mehr: sie\nhaben auch die überrbeinischen Meisterwerke dieser Art,\nwenn sie ihnen einmal vorgeführt wurden, mit Kälte auf-\ngenommen. Auf den Musikfesten in Düsseldorf, Aachen,\nKöln sieht man einige warme Verehrer der deutschen\nKunst, welche regelmässig von Brüssel und Lüttich zu den\nFesten hineilen; aber ihre Zahl nimmt nicht zu, und die\nVersuche, in Brüssel ähnliche Aufführungen zu veranstal-\nten, sind nicht glücklich ausgefallen. Unter diesen Um-\nständen es zu unternehmen, dem Publicum ein Oratorium\nzu hören zu geben, und zwar ein neues, nicht eines, das\neinen berühmten Namen des Auslandes an der Spitze trägt,\nwar ein Wagniss; aber Herr Benolt hat es so glücklich\nbestanden, dass man sein Werk nicht nur mit gespannter\nAufmerksamkeit von Anfang bis zu Ende anhörte, son-\ndern sich bei der Wiederholung zu dem Concertsaale\ndrängte, und dass die Ausführung durch einen Verein von\nDilettanten an vielen Stellen anregend war und an ande-\nren einen wahren Enthusiasmus hervorrief.\"\nAuch die Independance sagt: „Das Resultat des ge-\nwagten Versuches ist dem Künstler günstig gewesen, der\nden Muth und Vertrauen genug in seine Kräfte gehabt\nhat, ihn zu unternehmen. Man kann die Meinung haben,\ndass Herr Benolt in seinen früheren religiösen und orche-\nstralen Compositionen sich nicht immer auf der Höhe er-\nhalten hat, auf welche seine enthusiastischen Freunde ihn\nstellen wollten; man kann sagen, dass seine Compositionen\nschwache Stellen neben ausgezeichneten hatten und dass\ndie Lobpreisung übertrieben war: allein was nicht bestrit-\nten werden kann, ist, dass Benolt ein Künstler von unge-\nwöhnlichem Gepräge ist, und dass selbst in der Schwie-\nrigkeit und Grösse der Aufgaben, die er sich stellt, der\nBeweis für eine künstlerische Organisation liegt, welche\ndie Fähigkeiten der meisten Musiker überragt.\n„Von allen Versuchen zu grossen Compositionen,\nwelche Benolt unternommen hat, bot der „ „Lucifer\"\"\ndie grössten Schwierigkeiten dar, aber trotzdem ist ihm\nbisher keine in so hohem Grade gelungen. Er hat darin\nPhantasie und Wissenschaft mehr als in den früheren ge-\nzeigt und sowohl den melodischen Conceptionen als den\nInstrumental-Rahmen, in welche er sie gefasst hat, einen\nStempel von Eigenthümlichkeit aufgedrückt. Hier und da\nhat er die Kraft übertrieben, wozu ihn eine besondere\nNeigung zu treiben scheint, allein dem gemässigten und\nnuancirten Colorit ist doch in diesem neuesten Werke\nweit mehr Raum gegeben. Der einzige Tadel, der das\nWerk treffen könnte, dürfte sich gegen die zu häufigen\nWiederholungen wenden.\"\nEin anderes Blatt spricht von dem blendenden Re-\nsultate des Gedichtes und der Musik, verschweigt aber\nbei der aufrichtigen Bewunderung des Werkes nicht die\nneben den glänzenden Schönheilen desselben stehenden\nabsichtlichen Sonderlichkeiten, welche die Wirkung des\nGanzen schwächen, obwohl das Verdienst und die Bedeu-\ntung des Tonkünstlers nicht beeinträchtigen. „Sollen wir\"\nsagt die Redaction des O „kurz\nund frei unsere Meinung über diesen kühnen Kämpfer\nund tapferen Künstler aussprechen, so müssen wir sagen,\ndass wir Viele von seinen Genossen kennen, die mehr\nTalent haben, aber sehr Wenige, die einen Funken von\ndem besitzen, was er hat: Genie.\"\n„Für Benolt\" —heisst es ferner— „haben wir immer\n*\nbeide Hände gefüllt, die eine mit Lob, die andere mit\nTadel. Das Gute und Schlechte mischt sich bei dieser ab-\nsonderlichen und noch nicht fertigen Künstlernatur immer\ndurch einander: man muss ihn hier bewundern und dort"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "341", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661027-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2030, "texte": "verurtheilen. Das rührt daher, weil die seltensten Eigen-\nschaften ein grosses Talent zieren, das sich aber wiederum\nin naiven Schwachheiten und sonderbaren Verwirrungen\nabarbeitet. Wenn Benoit aber das edle Metall vom Zu-\nsätze reinigt und die Schlacken abwirft, die an seinen\nWerken haften und sie über die Gebühr vergrössern, so\nwird uns ein Componist in ihm bleiben, der die Gabe im-\nposanter Tongestalten und erhabener Eingebungen mit\ndem Streben nach grossen Ideen verbindet.\"\nSchliesslich folgendes Urtheil: „Benoit scheint bei je-\nder neuen Tonschöpfung sich zu vervollkommnen; die\nEigenschaften, welche seine reichbegabte Natur auszeich-\nnen, entwickeln sich immer mehr. Seine Eingebungen sind\nvoll Phantasie und Grösse, man findet fast überall Adel\nder Ideen und eine unerhörte Kraft des Ausdrucks, eine\nstaunenswerthe Renntniss des Effects. Seine Musik ist\nkolossal, wenn man sich so ausdrücken darf, sie ist in\nscharfen und grossen Zügen angelegt und nähert sich zu-\nweilen dem Eindrucke des Erhabenen. Aber ist dieses\nherrliche Talent mit sich selbst fertig und vollkommen?\nNein. Es fehlt ihm oft Anmuth, sanfte Lieblichkeit, Reiz\nder Motive, Eleganz und feine Ausarbeitung des Details\nalles Eigenschaften, die namentlich bei einem Werke\nvon solchem Umfange unerlässlich sind; allerdings darf\ndas Grossarlige darin vorherrschen, allein es darf nicht\njenen einförmigen Charakter haben, der selbst den enthu-\nsiastischen Bewunderer am Ende ermüdet. So wunderbar\nbegabt wie Benott ist, so wird er gewiss einst dahin ge-\nlangen, diese Mängel oder diesen Ueberüuss zu beseitigen;\num dieses Ziel zu erreichen, muss er aber seine Compo-\nsitionen länger reifen lassen und sich nicht so sehr be-\neilen, sie dem Publicum vorzuführen.\"\nDie zweite Aufführung des Werkes, obwohl in der\nAusführung nicht ohne Mängel, wurde zu einem neuen\nTriumphe für den Componisten. Nach dem Schlüsse der\nMusik überreichte der Minister des Innern ihm die In-\nsignien des Leopold-Ordens, was mit einer dreifachen\nSalve von Applaus begleitet wurde."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-10-27-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-10-27_01#c004", "volume": "bmtnabi_1866-10-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "341", "page_fin": "342", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661027-01.2.4", "titre_corps": "Aus Braunschweig.", "titre_sommaire": "Aus Braunschweig.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "341", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661027-01.1.5", "debut_caractere": 2032, "fin_caractere_exclue": 5225, "texte": "Aus Braunschweig.\nDen 21. October 1866.\nDer Verein für Concertmusik konnte seine diesjährige\nSaison nicht glänzender eröffnen, wie mit dem ersten Sin-\nfonie-Concerte am Samstag-Abend. Wenn schon die Wahl\nder Instrumentalwerke eine durchaus passende und zweck-\nmässige genannt zu werden verdient, so war die Ausfüh-\nrung eine so vollendete, wie sie auf diesem Gebiete dem\nMusikfreunde nur als Kunstgenuss höchster Art dargebo-\nten werden kann. Die uneigennützigen Bestrebungen des\nConcertvereins sind dem Publicum eben so bekannt, wie\ndie stets bewiesene unermüdliche Ausdauer und Opfer-\nfreudigkeit in der Ueberwindung sich entgegenstellender\nHindernisse. Eine Folge dieser Ausdauer ist nun auch das\nEngagement der königlichen Capelle aus Hannover für\ndie Sinfonie-Concerte, nachdem die hiesige Hofcapelle aus\nden bekannten Gründen ihre fernere Mitwirkung verwei-\ngern zu müssen geglaubt hat. In der grossen Leistungs-\nfähigkeit der hannoverschen Capelle, in der ausgezeich-\nneten Directionstüchtigkeit ihres Capellmeisters liegt aber\ndie sicherste Garantie für die Unterstützung der Bestre-\nbungen des Vereins. Wie nun das Publicum diese uner-\nwartete Wendung der Concert-Verhältnisse aufgenommen\nhat und beurtheilt, ist deutlich genug zu ersehen, einmal\nin der Zahl der Abonnenten, wie die früheren Jahre sie\nnicht aufzuweisen haben, dann aber vorzugsweise aus der\nin der That enthusiastischen Aufnahme der fremden Ca-\npelle und den Beifallsspenden nach jeder Orchesternum-\nmer. Unbegreiflich wird es bleiben, wie man die klar lie-\ngenden Thatsachen so verdrehen und in einem braun-\nschweiger Artikel der leipziger „Signale\" vom 14. Octo-\nber den Capellmeister Fischer in ziemlich undelicater\nWeise für das Zerwürfniss zwischen der hiesigen Capelle\nund dem Concertvereine verantwortlich machen kann.\nGlücklicher Weise ist die Persönlichkeit des Herrn Capell-\nmeisters Fischer in hiesigen Kreisen eben so bekannt, wie\nseine Tüchtigkeit als Orchester- und Opern-Dirigent. Von\ngewisser Seite wird wohl auch behauptet, Fischer sei nur\nein guter Dirigent der Wagner'schen Opern, das eigent-\nlich Classische liege ihm fern; nun, wir glauben, wer wie\ner beim letzten braunschweiger Musikfeste die Ouvertüre\nzum „Freischütz\", die grosse Leonoren-Ouverture und\ndie neunte Sinfonie von Beethoven so meisterhaft und\nüber alles Lob erhaben zur Geltung gebracht hat, der\nwird doch wohl das Classische verstehen müssen. Aber\nwir brauchen so weit gar nicht zurückzugeben, der gestrige\nAbend lieferte allein Gegenbeweise genug. Wenn der\ngute Ruf, in welchem die hannoversche Capelle steht,\nauch nicht allein Fischer's Werk ist, da schon ein Marsch-\nner ihm voraufgegangen, so ist die Erhaltung dieses Rufes\nschon ein Verdienst, welches ihm nicht abzusprechen ist;\ndenn schon manche gute Capelle ist durch einen schlech-\nten Capellmeister verdorben, und leistet eine Capelle etwas\nTüchtiges, so hat sie jedenfalls auch einen tüchtigen Ca-\npellmeister, Und Fischer's Capelle leistet in der That Be-\ndeutendes in echt künstlerischen Leistungen. Die beiden\nOuvertüren zum „Oberon\" und zum „Sommernacbts-\nträum\" konnten nicht schöner vorgeführt werden. Die\nZuhörer spendeten rauschenden Beifall nach jedem Werke."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "342", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661027-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 932, "texte": "Eben so wurde die fünfte Sinfonie von Beethoven in fast\nvollendeter Weise ausgeführt, untadelhaft und mit präch-\ntigster Wirkung namentlich das Adagio, das Scherzo und\ndas Finale; den ersten Satz hätten wir ein klein wenig\nmassiger im Tempo gewünscht, obgleich die grosse Prä-\ncision und das Feuer der Orchester-Virtuosität, durch\nwelche sich alle Allegro-Sätze auszeichneten, auch diesen\nSatz mächtig genug hervortreten Hessen. Zwischen den\nOrchesterwerken trug Herr Hof-Opernsänger Pirk aus\nHannover eine Cavatine aus dem „Blitz\" von mit\nganz vorzüglicher Orchesterbegleitung, bei welcher wir\ndas wundervolle Anschmiegen der Blas-Instrumente an die\nSingstimme bewundern konnten, und drei Lieder: „Des\nMüllers Blumen\" von Schubert, „Frühling\" von 0. Tieh-\nsen und „Ja, du bist mein\" von Tschirch mit einer recht\nwohlklingenden und ansprechenden Tenorstimme vor.\nAuch diese Leistungen erfreuten sich eines recht lebhaften\nBeifalles."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-10-27-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-10-27_01#c005", "volume": "bmtnabi_1866-10-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "342", "page_fin": "343", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661027-01.2.5", "titre_corps": "Erstes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller, Dinstag, den 23. October 1866.", "titre_sommaire": "Erstes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller, Dinstag, den 23. October 1866.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "342", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661027-01.1.6", "debut_caractere": 934, "fin_caractere_exclue": 4990, "texte": "Erstes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn\nFerdinand Hiller,\nDinstag, den 23. October 1866.\n„Zur Gedenkfeier der vaterländischen Hel-\nden\" brachte das Programm: 1. Festklänge für Or-\nchester, Chor und Orgel, componirt für das Siegesfest in\nBerlin von Heinrich Dorn. 2. Requiem in\nfür vierstimmigen Chor, Orchester und Orgel von Luigi\nCherubini. 3. Sinfonia eroica von Ludwig van\nBeethoven.\nDie „Festklänge\" von H. Dorn haben die Erwartun-\ngen des Publicums und der hiesigen Freunde des Compo-\nnisten nicht befriedigt, da man in einem Hymnus zu einem\nSiegesfeste, und vollends zu einem im ganzen Lande so\nbegeistert gefeierten, mehr Schwung und grossartigere\nMotive zu hören hoffte, als man zu hören bekam. Der Ge-\ndanke, dem Choral: „Nun danket Alle Gott!\" den hohen-\nfriedberger Marsch vorausgehen zu lassen, erscheint uns\nals ein nicht glücklicher, indem dieser alte Marsch durch\nnichts weiter zu einer Rolle bei einer musicalischen Sie-\ngesfeier von 1866 berechtigt erscheint, als durch den\nUmstand, dass bei Hohenfriedberg ebenfalls Oesterreicher\nund Sachsen gegen Preussen verbündet waren. Ein\nschwungvoller, zu der Feier neu componirter Marsch wäre\nwohl mehr an der Stelle gewesen, und dann hätte die an\nund für sich gute Idee, während eines Chorals an das\nVorbeimarschiren der Sieger denken zu lassen, auch wohl\neine wirkungsvollere Ausführung gefunden. Das Publicum\nnahm das Stück ohne besondere Beifallszeichen auf.\nDer Gedanke, auch durch die Tonkunst die Erinne-\nrung an die Opfer, welche die grosse Zeit gefordert hat,\nzu feiern, bat uns dagegen die Aufführung eines Werkes\ngebracht, das zu den erhabensten Schöpfungen des mensch-\nlichen Geistes in der Musik gehört, des vierstimmigen Re-\nquiems in C-moll von Cherubini. Es ist eigentlich eine\nSchmach für unsere Zeit und den sogenannten Kunstsinn\nder jetzigen Welt, dass ein solches Werk so gut wie be-\ngraben in den Archiven der Kirchen und den Sammlun-\ngen der musicalischen Institute liegt! Die Kirche weist\ndiese edelste Gattung der Musik zurück, weil sie zu welt-\nlich, die Concertsäle und ihr Publicum, weil sie zu kirch-\nlich sei! So wird, was die Kunst für das erhabene Schöne\ngeschaffen hat, das an sich selbst schon heilig und gött-\nlich ist, hier aber durch die Grundlage des Textes noch\neine höhere Weihe erhält, einem doppelten Vorurtheile\nzum Opfer gebracht: die Einen glauben die Glorie, wo-\nmit die Tonkunst den Ausdruck der Anbetung des Höch-\nsten umgibt, aus ihren Domen verbannen zu müssen, in\ndenen sie die Werke jeder anderen Kunst, von der Archi-\ntektur, Sculptur und Malerei bis zur Weberei und Sticke-\nrei herab, als Verherrlichung des Gottesdienstes nicht\nbloss dulden, sondern preisen; und die Anderen wollen\nim glänzenden Concertsaale eine Erholung, Erheiterung\nund noch manches Andere, nicht aber eine Erhebung der\nGefühle zur Empfänglichkeit für die höchsten Ideen der\nMenschheit. Daher kommt es denn, dass Werke, wie\nBach's H-moll-Messe, Mozart's Requiem, Cherubini's Re-\nquiem, Beethoven's D-dur-Messe, wenn sie einmal zur\nAufführung kommen, eine wahre Auferstehung von den\nTodten feiern, um vor der Gegenwart als ewige Denk-\nmale emporzusteigen, die in ihrer erhabenen Grösse uns\nahnen lassen, wie mitleidsvoll ihre gewaltigen Schöpfer,\ndie durch Thaten redeten, auf das ästhetische Gezänk\nder Epigonen über das Wesen einer Kunst herabblicken\nmögen, deren Idealen sie längst Leben und Wirklichkeit\ngegeben haben. Wenn man beim Anhören solcher Musik\ndoch nein, beim Anhören ist es glücklicher Weise\nnicht möglich, also nachher an das Geschwätz vom\nabgöttischen Cultus der Todten, von den Formen, die sich\nüberlebt haben, und wie die wohlfeilen Schlagwörter der\nneuesten Klanghelden alle heissen mögen, denkt, so wird\nes einem in der That schwer, an den Fortschritt der In-\ntelligenz zu glauben, geschweige denn an den Fortschritt\nder Kunst!\nMerkwürdig ist es, dass Cherubini, den eine unge-\nheure Kluft von allen Ini's seiner Nation trennt, den un-\nläugbaren Beruf zur Composition von Kirchenmusik, der"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "343", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661027-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1040, "texte": "in seinem Innern verschlossen lag, erst spät entweder selbst\nerkannte, oder doch der Welt erst offenbarte. Er war\n1760 geboren, in demselben Jahre, wo der Fürst Ester-\nhazy den achtundzwanzigjährigen Haydn zu seinem CapelN\nmeister ernannte; drei Jahre später wurde der siebenjäh-\nrige Mozart schon als Ciavierspieler bewundert, und zehn\nJahre später (1770) wurde Beethoven geboren. Bekannt-\nlich konnte Napoleon I. der Musik Cherubini's keinen Ge-\nschmack abgewinnen: der neue, dem concertirenden ita-\nliänischen entgegentretende dramatische Stil des Meisters\nwar ihm zu hoch, und Cherubini's freie Meinungsäusse-\nrungen über Musik, wenn der Kaiser sich einmal ent-\nschloss, gegen ihn liebenswürdig zu sein, trugen auch\neben nicht zur Herstellung eines besseren Verhältnisses\nbei, wiewohl oder vielleicht weil er die Wahrheit jener\nWorte Cherubini's am Schlüsse einer solchen Unterhal-\ntung über die Kunst einsah: „Ich sehe wohl, Ew. Majestät\nlieben nur die Musik, welche Sie nicht hindert, an Staats-\ngeschäfte zu denken.\"\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-10-27-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-10-27_01#c006", "volume": "bmtnabi_1866-10-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "343", "page_fin": "344", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661027-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "343", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661027-01.1.7", "debut_caractere": 1042, "fin_caractere_exclue": 6160, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nHLolll, 27. October. Die jungen Gebrüder Thern (vgl. die\nvorige Nummer) sind hier angekommen und werden heute Abend\nin der musicalischen Gesellschaft und nächste Woche im Theater\nspielen.\na. M. Die junge Sängerin Fräulein Perl,\nSchülerin der Frau von Marra, hat dieser Tage im Museum gesun-\ngen und grossen Beifall gefunden.\nMusik-Director Löwe, der Balladen-Componist, hat vom Kö-\nnige von Preussen den Rothen Adler-Orden dritter Classe mit der\nSchleife erhalten.\n14. October. Zur Feier des vierundsiebenzigjähri-\ngen Geburtstages unseres berühmten Cantors an der Thomana, Herrn\nDr. Moriz Hauptmann, veranstaltete die Gesellschaft für Künst-\nler und Kunstfreunde „Andante-Allegro\" am 12. d. Mts. in den Sä-\nlen des Hotel de Pologne vor einer grossen und theilnahmevollen\nZuhörerschaft einen jener genussreichen Abende, die von früher her\nmit Recht beliebt und gerühmt worden sind. Sämmtliche Compo-\nsitionen des wohlgeordneten Programms waren im ersten Theile aus\nder Hand des gefeierten Meisters. Gänzlich neu für Leipzig war\ndarunter die Ouvertüre zu der im Jahre 1836 in Kassel aufgeführ-\nten Oper „Mathilde\", von einem circa 50 Mann zählenden Orchester\nausgeführt. Die Ouvertüre selbst ist ein fein ausgearbeitetes, in Be-\nzug auf künstlerische Ebenmässigkeit und Klangschönheit muster-\ngültiges Tonstück. Sie bildete die Schlussnummer des Fest-Pro-\ngramms.\nAm 18. October fand das erste Gewandhaus-Concert mit folgen-\ndem Programm Statt: Erster Theil: Ouvertüre zur Oper „Die Aben-\ncerragen\" von L. Cherubini; Recitativ und Arie aus der „Schöpfung\"\nvon J. Haydn, gesungen von Frau Ulrich-Röhn vom grossher-\nzoglichen Hoftheater in Mannheim; Concert (D-moll) für die Violine\nvon L. Spohr, vorgetragen von Herrn Hermann Brandt aus Ham-\nburg; Arie aus „Faust\" von Spohr, gesungen von Frau Ulrich-\nRohn. Zweiter Theil: Sinfonie (Nr. 7, A-dur) von L. v. Beethoven.\nDer gesammte Musicalienverlag des Herrn B. Priedel in Dres-\nden (früher W. Paul) ist mit Anfang October d. J. in den Besitz\ndes Herrn Gustav Heinze in Leipzig übergegangen.\nDem Componisten Wilhelm Speidel in Stuttgart (Bruder des\nin Wien lebenden Kunstkritikers Ludwig Speidel) wurde von dem\nKönige von Würtemberg die grosse goldene Medaille für Kunst und\nWissenschaft verliehen.\nAnton Rubinstein hat eine Anzahl neuer Compositionen\nvollendet, welche nächstens in Druck erscheinen werden; es sind\nunter Anderen ein Album mit zwölf Clavier-Compositionen, eine\nPhantasie für Ciavier, zwei Hefte Lieder, ein Männerchor mit Or-\nchester-Begleitung u. s. w.\nWien. Die Gesellschaft der Musikfreunde beabsichtigt, an\nHerrn Hector Berlioz zur bevorstehenden Aufführung seiner Can-\ntate „La Damnation de Faust\" in Wien eine Einladung zu richten.\nDas dritte Debüt des Fräuleins Orgeni im Hof-Operntheater\nmusste wegen abermals eingetretener Unpässlichkeit der Sängerin\nverschoben werden.\nFrau Kainz-Prause, deren Abgang von der hiesigen Opern-\nbühne gemeldet wurde, ist in Folge neuer Engagements-Unterhand-\nlungen bleibend in den Verband des Hof-Operntheaters aufgenom-\nmen worden.\nFräulein Marie Wieck (die jüngere Schwester der Frau Clara\nSchumann) hielt sich einige Tage in Wien auf bei ihrer Durch-\nreise nach Italien.\nPrag. Richard Genee's Operette „Der schwarze Prinz\",\nnach Kotzebue's „Don Ranudo di Colibrades\" auf den von ihm selbst\ngeschriebenen Text componirt, errang bei ihrer am 13. October hier\nStatt gehabten ersten Aufführung nur einen Schätzungs-Erfolg.\nHans Schläger, der Director des Mozarteums in Salzburg,\nbrachte vor Kurzem in einem Concerte die zwei ersten Acte seiner\nOper -„Heinrich und Ilse\" zur Aufführung, welche so grossen Bei-\nfall fanden, dass ihm vom Orchester und der mitwirkenden Sing-\nAkademie ein Lorberkranz überreicht wurde. Das Werk wird wegen\nseiner noblen Erfindung und glänzenden Instrumentation gerühmt,\nsoll aber ausserordentliche technische Schwierigkeiten darbieten.\nUnter den Solisten hat sich die Gräfin v. Gatterburg (Ilse) beson-\nders ausgezeichnet. Man ist sehr gespannt auf die beiden letzten\nActe, Welche ebenfalls bald zur Aufführung kommen sollen.\nDer in vorletzter Woche in Basel verstorbene Banquier Herr\nKarl Bischof hat unter vielen anderen Legaten auch dem dorti-\ngen Stadttheater ein Legat von 100,000 Francs vermacht.\nIn Pesth starb am 16. October der bekannte Schriftsteller\nDr. Sigmund Saphir (geboren 1801); durch fast 30 Jahre als Re-\ndacteur mehrerer Journale in der ungarischen Hauptstadt thätig,\ngalt er daselbst als consequenter Vertreter des deutschen Elements.\nSeine elegante Schreibweise, aber namentlich seine polemische\nSchärfe verschafften ihm den Namen eines gewandten, ja, oft ge-\nfürchteten Journalisten. Der Verstorbene stand mit M. G. Saphir in\nnaher Verwandtschaft.\nDas Pesth-Ofener Conservatorium versendet jetzt das schön\nausgestattete Gedenkblatt, welches dasselbe den Künstlern und Di-\nlettanten gewidmet, die bei der fünfundzwanzigjährigen Jubelfeier\ndes Conservatoriums unentgeltlich mitgewirkt haben. Die in der\nMitte des Blattes befindliche Danksagung, welcher der Name des\nbetreffenden Mitwirkenden folgt, ist von den Mitgliedern des Fest-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "344", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661027-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2247, "texte": "Comite's unterzeichnet. Den Text des Diploms umgeben schöne\nZeichnungen, links das Gesangfest im Stadtwäldchen, rechts Liszt,\nwie er in der Redoute das grosse Orchester dirigirt.\nEine französische Zeitung brachte neulich einen Artikel über\ndie Frage, ob das Zischen und Pfeifen im Theater ein Recht des\nPublicums ausmache, und verneinte sie. In Lyon scheint man an-\nderer Ansicht. Ein Tenorist Sapin von Antwerpen wurde durch\nGunst des Präfecten angestellt, das Publicum aber wollte nichts\nvon ihm wissen, und so oft er auftrat, ging das Zischen, Pfeifen,\nHeulen, Blöken los, und obenein das Bombardement mit dicken\nSous, Rüben, rohen und gebratenen Aepfeln, sogar mit einem\nSchafsfell! Die Musiker liefen aus dem Orchester weg, um diesem\nHagel von Kartätschen zu entgehen. Ja, es bildeten sich sogar\nGruppen vor dem Theater, um der Person des Sängers zu Leibe\nzu gehen, so dass er durch eine geheime Hinterthür, welche nur Ein\nMal für Lola Montez hatte geöffnet werden müssen, in Sicherheit\ngebracht wurde. [Ei, ei! wo ist die gerühmte Anständigkeit der\nFranzosen geblieben? Da loben wir uns doch die altfranzösische\nManier, den nicht genügenden Schauspieler durch einen Witz von\nder Scene zu treiben, wie jenen Flamänder, dem in Paris, als er\nbei dem Vers:\nDans ce pöril extreme quel parti dois-je prendre ?\nstecken blieb, ein Spassvogel von der Galerie zurief: Monsieur\nprenez la poste et retournez en Flandre!]\nBarnum hat für Mexico einen neuen Stern am Opern-Hori-\nzont erfanden, die (auch in diesen Blättern schon erwähnte) Ange-\nlina Per alt a. Er hat das Publicum durch Reclamen alter und\nneuer Art so zu bearbeiten gewusst, dass die Billets, um diese nach\naller Kaltblütigen und Verständigen Urtheil sehr mittelmässige Sän-\ngerin zu hören, für das Parterre mit 10 Piastern (56 Frcs.), für die\nLogen mit 100 Piastern bezahlt werden, und die Dame nicht auf-\ntreten kann, ohne sogleich mit Bouquets beschossen zu werden, de-\nren Zeughaus, namentlich in den ersten Vorstellungen, er selbst\nreichlich gefüllt und die Kanoniere angestellt hatte. Späterhin hatte\ner das nicht mehr nöthig, und es ist Niemandem zu rathen, einen\nZweifel an der Virtuosität der Primadonna auszusprechen, denn er\nwürde der Wuth der fanatisirten Caballeros verfallen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "337", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661027-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nThayer's Beethoven. 111. (Ludwig van Beethoven's Leben. Von Alexander Wheelock Thayer.) Lucifer. Orato-\nrium von Pierre Benoit. Aus Braunschweig (Verein für Concertmusik). Erstes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich.\nTages- und Un ter haltung sb lat t (Köln, Gebrüder Thern Frankfurt a. M., Fräulein Perl Musik-Director Löwe Leipzig, Dr.\nM. Hauptmann, I. Gewandhaus-Concert Stuttgart, W. Speidel A. Rubinstein Wien, H. Berlioz, Fräulein M. Wieck u. s. w.).\n\nThayer’s Beethoven.\nIII.\n(I. s. Nr. 41. 11. Nr. 42.)\nVom dritten Buche der neuen Biographie, welches\nden Zeitraum von 1792 bis 1800 umfassen soll, enthält\nder erste Band nur den Anfang, der sich auf S. 252—299\nin drei Capiteln: 1. Beethoven in Wien. Studien bei Haydn\nund Albrechtsberger. 2. Die Musik in Wien im Jahre\n1793. 3. Beethoven's Auftreten als Virtuose und Com-\nponist bis zum Jahre 1795 erstreckt.\nDer Verfasser benutzt auch hier die vorhandenen\nQuellen und Hülfsmittel bei Wegeier, Ries und Schindler,\nin Bezug auf das zweite Capitel fast ausschliesslich Notte-\nbohm. wobei es auffällt, dass er die erste Aufklärung\nin Sachen der „Studien\" Beethoven's, welche Franz\nDerckum in der Niederrhein. Musik-Zeitung bereits im\nJahrgange 1851, Nr. 20, vom 15. November gegeben,\nnicht zu kennen scheint. Bei dem Abschnitte über das da-\nmalige Musikleben in Wien verweist eine Anmerkung auf\n0. Jahn's „Mozart\" und F. Hanslick (in der „Freien\nPresse\" 1865); die Artikel des letzteren seien indess\n„später geschrieben, als Thayer's Capitel im Original ent-\nworfen war\". Etwas Neues von irgend welcher Wichtig-\nkeit bringen alle drei Capitel nicht, mit Ausnahme des\nAnhangs XI, welcher den Vertrag zwischen Beethoven\nund Artaria & Comp, über den Verlag der drei Trio's\nOp. 1 enthält.\nBeethoven spielte diese Trio's nach Ries zuerst im\nJahre 1793 im Hause des Fürsten Lichnowsky. Sie er-\nregten auf der Stelle ausserordentliches Aufsehen: trotz-\ndem hielt er sie doch noch zwei Jahre in seinem Pulte\nzurück, obwohl er sie häufig spielte und sein Ruf dadurch\nweit höher stieg, als durch die zwei bis drei Hefte Varia-\ntionen, die er herausgegeben hatte. „Die Trio's waren\nnunmehr\" sagt Thayer „so bekannt und geschätzt in\nden musicalischen Kreisen geworden, dass ihre Veröffent-\nlichung gerechtfertigt war.\" Bei der Wichtigkeit dieser\nComposition nicht nur für die Geschichte Beethoven's,\nsondern auch für die Geschichte der Musik, ist die Mit-\ntheilung der darauf bezüglichen Actenstücke im Anhange\nsehr interessant und mit Dank aufzunehmen. Sie bewei-\nsen übrigens, dass der geniale Beethoven keineswegs\ngleichgültig gegen den Ertrag seiner Compositionen. war\nund bereits in seinen jungen Jahren das Geld sehr wohl\nzu schätzen wusste.\nAm 16. Mai 1795*) erschien in der Wiener Zeitung\nfolgende Anzeige:\n„Pränumeration auf Ludwig van Beethoven's 3\ngrosse Trios für das Pianoforte, Violin und Bass, welche\nbinnen 6 Wochen bei dem Verfasser gegen Zurückgabe\ndes Scheins zu haben sein werden. Der Preis eines voll-\nständigen Exemplars ist ein Ducaten. Die Namen der\nHerren Pränumeranten werden vorgedruckt und sie ge-\nmessen den Vortheil, dass dieses Werk für Andere erst\n2 Monate nach der Ablieferung, vielleicht auch nur gegen\nerhöhten Preis abgegeben wird. In Wien pränumerirt\nman bei dem Verfasser im Ogylsischen Hause in der\nKreuzgasse hinter der Minoriten-Kirche Nr. 35, im ersten\nStock.\"\nDer oben erwähnte Contract vom 19. Mai lautet:\n„Unter heut angesetztem Datum ist zwischen Herrn\nArtaria & Compagnie und Herrn Ludwig van Beethoven\nfolgende Verabredung geschlossen worden.\n„ Imo1mo Es übergibt Herr van Beethoven dem Herrn\nArtaria seine drei Trio auf das Ciavier, Violin und Bass,\nund verbindet sich Herr Artaria solche gegen Vorausbe-\nzahlung von zwei hundert zwölf Gulden, rein und schön,\nauch mit einem zierlichen Titelblatte versehen, binnen\n\n*) In Thayer's Chrono 1. Verzeichnisse S. 8 ist durch\neinen Druckfehler der 16. März angegeben."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "338", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661027-01.1.2", "texte": "sechs Wochen von untergesetztem Datum an gerechnet\nspätestens, stechen zu lassen.\n„2do Verbindet sich Herr Artaria demselben vier\nhundert Exemplare, das Exemplar um einen Gulden\nauf die Art abzuliefern, dass von dem Tage der verflosse-\nnen sechs Wochen an gerechnet alle Wochen wenigstens\n50 Exemplare bis auf die bestimmte Zahl von 400, un-\nfehlbar abgedruckt und abgegeben werden sollen; jedoch\nsteht es Herrn van Beethoven frei auch eine geringere\nZahl abzunehmen.\n„3tlo öebernimmt Herr Artaria nach der abglieferten\nbestimmten Anzahl Exemplare die Platten gedachter 3\nTrio um den Preis von 90 Gulden, welche er sich auch\nvon oben bemelter Summe der 212 Gulden sogleich ab-\nziehen lässt.\n„4t 0 Vom Tage der abgelieferten ersten Exemplare\nverspricht Herr Artaria auf hiesigem Platze durch 2 ganze\nMonate keine Exemplare davon zu verkaufen; dagegen\nihm aber dessen Absatz ins Ausland von diesem nämlichen\nTage an frei steht, nach Verlauf der 2 Monate aber auch\nhier in Wien er selbige als seine rechtmässige, eigenthüm-\nliche Waare verkaufen darf.\nsto5to Nach Verlauf dieser 2 Monate bleibt es zwar\nHerrn van Beethoven frei, die ihm übrig bleibenden Exem-\nplare nach Gutdünken absetzen zu können, jedoch hat\nderselbe alsdann keinen Anspruch mehr auf den weiteren\nVerkauf seines Werkes, und sollte er für gut finden, bis\ndahin die Anzahl von 400 Exemplaren nicht abnehmen\nzu wollen, so soll ihm auch weiter das Recht nicht mehr\nzustehen, auf Rechnung diese Anzahl Exemplare abfor-\ndern zu können.\n„6to Das Pränumeranten-Verzeichniss wird dem Herrn\nArtaria gedruckt abgeliefert werden, um solches denen\nfür die Herren Pränumeranten bestimmten Exemplaren\nbeiheften zu lassen.\n„In Urkund dessen beidseitiger Kontrahenten eigen-\nhändige Unterschrift und Pettschafte.\n„Wien, den 19. May 1795.\n„L.iS. Ludwig van Beethoven. L.S. Artaria & Comp.\"\nEndlich eine Anzeige in der Wiener Zeitung vom\n5. September 1795:\n„Da die sämmtlichen Herren Pränumeranten der\nLudwig van Beethoven'schen Trios ihre Exemplare erhal-\nten haben, so dienet zur Nachricht, dass bei dem Verfas-\nser noch durch einen ganzen Monat eben dergleichen\nExemplare um den Pränumerationspreis per 1 Dukaten\nzu haben sind. Er wohnt in der Rreuzgasse im Ogylsischen\nHause Nr. 35 im ersten Stock.\"\nMan beachte die Verclausulirungen des Contractes,\nund man wird unsere obige Bemerkung über die finan-\ncielle Umsicht Beethoven's bestätigt finden. Nach §. 4\nstand es in seinem Belieben, 400 Exemplare zu einem\nGulden zu nehmen, oder nicht. Es fanden sich nach dem\ngedruckten Subscribenten-Verzeichnisse 123 Pränume-\nranten auf 250 Exemplare, und da Artaria die in §. 4\nbestimmte Zeit für den Privatverkauf durch den Compo-\nnisten noch verlängert hatte, wie die letzte Anzeige vom\n5. September beweist, so machte Beethoven folgendes Ge-\nschäft: er zahlte an Artaria für den Druck (§. 1) nach\nAbzug der 90 FI. (§. 3) für die Platten 122 Fl. und er-\nhielt von ihm 400 Exemplare für 400 Fl., welche er für\n400 Ducaten verkaufte. Bei der Gesammt-Ausgabe von\n522 Fl. und der Einnahme von 2000 Fl. blieb ihm dem-\nnach ein recht artiger Gewinn.\nEine Aeusserung von J. B. Cramer über diese Trio's,\nwelche wir noch nicht kannten, bringt Thayer S. 296 bei.\nSie wurde ihm von Frau Mary de Fouche, der Tochter\nTomkison's, welcher vor sechszig Jahren einer der be-\nrühmtesten Clavier-Fabricanten Londons war, erzählt. In\njenen Tagen pflegte eine kleine Gesellschaft von Musikern:\nder Pianist J. B. Cramer, sein Halbbruder, der Violinist\nF. Cramer, J. P. Salomon, Bridgetower, ein Mulatte und\nnamhafter Violinist, die Tenoristen Watts und Morant,\nwelcher letztere die Witwe Dussek's geheirathet hatte,\nund die Violoncellisten Dahmen, Lindley und Crosdale,\nsich regelmässig im Hause von Mr. Tomkison zu treffen,\num die neue Musik aus der deutschen Schule zu probiren\nund zu kritisiren, welche zu den londoner Musikhändlern\nkam. Bei einer dieser Zusammenkünfte wurden die neuen\nTrio's von Beethoven Op. 1 durchgespielt. „Das ist der\nMann,\" rief J. B. Cramer, der am Ciavier sass, „der uns\nfür den Verlust Mozart's trösten wird!\"\nUnter den „Anhängen\" ist noch Nr. VII hervorzuhe-\nben, überschrieben: „Der Fischer'sche Nachlass\"\n(von H. Deiters). Der Inhalt ist allerdings eine bisher\nunbekannte Quelle für Beethoven's Knaben- und Jüng-\nlingszeit in Bonn, allein durch das geringe Ergebniss siche-\nrer Nachrichten daraus scheint uns die Vertheuerung des\nBuches doch durch den Auszug, der 42 Seiten füllt, nicht\ngerechtfertigt. Das Ganze ist mehr ein Curiosum, als eine\nhistorische Quelle. Es hat damit folgende Bewandtniss.\nDer alte Gottfried Fischer, Bäckermeister und Eigen-\ntümer des Fischer'schen Hauses mit der Gedenktafel in\nder Rheingasse, welches auch seine Eltern und Grosseltern\nbesassen, verfiel erst im Jahre 1838, dem achtundfünfzig-\nsten seines Lebens! darauf, seine Erinnerungen an Beet-\nhoven aufzuschreiben, wozu die bei dem Streite um das Ge-\nburtshaus ihn besuchenden und neugierigen Fremden ihn\nveranlassten, denen jedes Wort aus seinem Munde eine\nkostbare Stimme der Zeit schien, die nicht verloren gehen"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "339", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661027-01.1.3", "texte": "dürfe. Er hat an einem Texte, den er sogar drucken lassen\nwollte, lange geschrieben, und unter der Menge von Brouil-\nlons dazu finden sich solche,die noch aus dem Jahre 1857,\nwo er 77 Jahre alt war, herrühren. Er starb 1864, im\nAlter von 83 Jahren (geboren 1780, also 10 Jahre jün-\nger, als Beethoven). Seine Schwester Cäcili a (gest. 1845,\ngeb. 1762) war 81jzJahr älter, als Beethoven, und in\nso fern mögen ihre Erinnerungen, wenn sich der Bruder\ndarauf beruft, vielleicht zuverlässiger sein, was Herr Dei-\nters annimmt. Es beruht aber Alles in diesem Fischer'-\nschen Manuscripte auf Tradition, welche erst nach mehr\nals fünfzig Jahren durch besondere äussere Veranlassung\nwieder aufgefrischt wurde.\nUeber den Aufzeichner dieser Tradition spricht sich\nH. Deiters selbst in folgender Weise aus: „Scheint nun\ndieser ganze Nachlass auf den ersten Blick eine Menge\nunzusammenhangender und theilweise werthloser Mittbei-\nlungen zu enthalten, so wird man bei näherer Einsicht fast\nnoch mehr abgeschreckt durch die Form derselben. Man\nsieht gleich, dass man es mit der Schreiberei eines völlig\nungebildeten Mannes zu thun hat, der sein ganzes Leben\nkein ordentliches Deutsch sprechen, geschweige schreiben\nkonnte; die Sprache ist ein seltsam-komisches Gemisch\ndes .rheinischen Volks-Dialektes, welcher dem Schreiber\ngewohnt und geläufig ist, und des Hochdeutschen, welches\ner mit vergeblicher Mühe zu schreiben sich befleissigt.\nAber dieser Bildungsmangel erstreckt sich, wie man er-\nwarten kann, weit in das Sachliche; der Mann hat keinen\nBegriff von dem, was wichtig oder gleichgültig ist, hält\nsich ausführlich bei kindischen und unwesentlichen Dingen\nauf, theilt vielfach eigene Familienbeziehungen mit, die\nNiemanden interessireri, und fügt Betrachtungen und Ex-\nclamationen der abgeschmacktesten Art seinen Erzählun-\ngen bei. Die letzteren lassen zuweilen vermuthen, was auch\nsonstige Erzählungen von dem Manne (wir haben ihn per-\nsönlich nicht gekannt) bestätigen, dass es in seinen letzten\nJahren mit seinem Geisteszustände nicht immer ganz rich-\ntig gewesen sei. Sicherlich konnte, wenn er eine derartige\nAnlage in sich trug, dieselbe durch diese ihm gar nicht\nnatürliche Thätigkeit nur unterstützt werden. Man sieht,\nwie wichtig er sich selbst vorkam, da er sich als den zur\nAufbewahrung der Erinnerung an Beethoven's Jugend\nvorzugsweise, Berufenen ansah, und ferner erkennt man,\nin wie hohem Grade ihn die immer stärker hervortreten-\nden Zweifel afficirt hatten, dass sein Haus wirklich das\nGeburtshaus des grossen Componisten gewesen sei.\"\nTrotzdem vindicirt H. Deiters dem Manuscripte eine\nBedeutung, „in so weit es auf die Erinnerungen der Cä-\ncilia Fischer gegründet ist\". Wir lassen seine Gründe\ndahingestellt sein und bemerken nur, dass auch die Aus-\nsagen dieser Zeugin uns nicht direct, sondern durch die\nRedaction eines so verwirrten Kopfes, wie ihr Bruder war,\nzugehen. Ja, der Text hat noch eine zweite Revision durch\nH. Deiters selbst erleiden mqssen, der uns mittheilt, „dass\nder Dialekt sowohl, wie die grosse und oft kindische Breite\nder Erzählung Kürzungen und eine Umsetzung in einiger\nMaassen lesbares Deutsch nothwendig machten\".\nAus einem Brouillon wird (S. 358) ein Geschichtchen\nmitgetheilt, das eine spasshafte Aehnlichkeit mit dem An-\ngebot der sibyllinischen Bücher an den König Tarquinius\nhat, auf dessen Glaubwürdigkeit wir aber keineswegs\nschwören möchten.\n„Beethoven war einmal auf die andere Seite (des\nRheines) gereist. Bei der Wiederkunft hielt er sich auf der\nanderen Seite in Vilich sechs Tage auf. Er sah dadurch,\ndass er sich nicht umkleiden konnte, etwas schmutzig aus;\ner hatte für Kost und Schläfung noch nichts bezahlt. Die\nFrau sagte zum Mann: ich muss ihn mahnen. Sie mögen\nes mir nicht übel nehmen, wir brauchen auch Geld. Er\nsagte zur Frau: gebt mir Feder, Dinte und Papier; er\nschrieb ihr etwas und sagte: geht in Bonn zu dem Besag-\nten hin und fordert dafür 3 Karolin. Die Frau geht hin,\nund bringt zur Antwort: der hat mir 2 Karolin geboten.\nEr nimmt das Papier und zerreisst es, und wirft es in den\nOfen, schreibt ein neues und sagt zu der Frau: geht hin\nund fordert 4 Karolin. Sie bringt zur Antwort: 2 Karo-\nlin. Er zerreisst es und wirft es wieder in den Olen. Die\nFrau sagt: 2 Karolin, ist das nicht Geld genug, das könnte\nuns beiden doch gut helfen (?). Er schreibt ein neues und\nsagt: geht hin und fordert 5 Karolin. Die erhält sie auch,\nda gibt er ihr das Geld; die Frau sagt: ihr könnt aber\ngut schreiben. Er gibt keine Antwort und geht weg.\"\nNach einer genauen Durchsicht dieses ersten Bandes,\nwie der Gegenstand sie verdient, fühlen wir uns allerdings\nvon der Achtung für die Hingebung an die Sache, für\ndie Ausdauer und den Fleiss des Verfassers erfüllt, können\naber den Wunsch nicht unterdrücken, dass die Darstellung\nsich mehr auf die Thatsachen concentrire und vor Allem\ndiejenigen Lebensereignisse Beethoven's berücksichtige,\ndie für die Kenntniss des Menschen und die Entwicklung\ndes Künstlers wichtig und einflussreich waren. Wird nach\nder bisherigen Anlage des Werkes fortgefahren, so sind\nwir in der That vor einer Aufstapelung von Material\nbange, das den Blick in die Scene des wirklichen Lebens\nmehr hemmt, als fördert. Wie sollen wir uns z. B. durch\ndie Verdriesslichkeiten, die Beethoven aus den Verbält-\nnissen zu seinen Verwandten erwuchsen, durcharbeiten,\nwenn wir alle Beweisstücke darüber und wohl gar auch\n\n[*J"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "340", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661027-01.1.4", "texte": "die Process-Acten zu lesen bekommen? Abgesehen davon,\ndass die Biographie nach dem Maassstabe des ersten Thei-\nles eine lange Reihe von Bänden füllen würde!\n\nLucifer.\nOratorium von Pierre Benoit.\nDie belgischen Blätter berichten einmüthig über den\nErfolg eines grossen Oratoriums von Pierre Benolt,\ndessen Gegenstand der Kampf Lucifer's gegen die All-\nmacht Gottes ist. Herr Benolt ist als ein tüchtiger Musiker\nder neueren Zeit in Belgien bekannt, hat schon früher\ndurch Compositionen ernsten Stils die Aufmerksamkeit\nder Kenner erregt und ist auch uns am Niederrheine als\neiner der eifrigsten Zuhörer auf unseren Musikfesten oft\nwillkommen gewesen. Wir sind heute nur im Stande, den\nEindruck, den seine neueste Composition auf das Publi-\ncum bei deren zweimaliger Aufführung in Brüssel ge-\nmacht hat (die zweite am Montag den 15. d. Mts. im Pa-\nlais Ducal), wiederzugeben, und behalten uns eine ge-\nnauere Analyse des Werkes vor, welches jedenfalls schon\ndadurch eine kunstgeschichtliche Bedeutung für Belgien\nhat, dass es das erste grosse Oratorium ist, das von einem\nbelgischen Gomponisten herrührt und durch seine Auffüh-\nrung eine Theilnahme erregt hat, die man bisher in Bel-\ngien für Oratorien nicht kannte.\n„Es ist kein geringer Ruhm für Herrn Benott,\"\nsagt z. B. die Liberte „so glänzend in einer Laufbahn\naufzutreten, in welche so Wenige von seinen Landsleuten\nsich gewagt haben; denn wir müssen voranstellen, dass\ndie Belgier, deren Charakter in der Musik sich doch den\nDeutschen eng anschliessen sollte, wie zu erwarten wäre,\nniemals in dieser Gattung von Tonwerken etwas Bemer-\nkenswerthes hervorgebracht haben. Ja, noch mehr: sie\nhaben auch die überrbeinischen Meisterwerke dieser Art,\nwenn sie ihnen einmal vorgeführt wurden, mit Kälte auf-\ngenommen. Auf den Musikfesten in Düsseldorf, Aachen,\nKöln sieht man einige warme Verehrer der deutschen\nKunst, welche regelmässig von Brüssel und Lüttich zu den\nFesten hineilen; aber ihre Zahl nimmt nicht zu, und die\nVersuche, in Brüssel ähnliche Aufführungen zu veranstal-\nten, sind nicht glücklich ausgefallen. Unter diesen Um-\nständen es zu unternehmen, dem Publicum ein Oratorium\nzu hören zu geben, und zwar ein neues, nicht eines, das\neinen berühmten Namen des Auslandes an der Spitze trägt,\nwar ein Wagniss; aber Herr Benolt hat es so glücklich\nbestanden, dass man sein Werk nicht nur mit gespannter\nAufmerksamkeit von Anfang bis zu Ende anhörte, son-\ndern sich bei der Wiederholung zu dem Concertsaale\ndrängte, und dass die Ausführung durch einen Verein von\nDilettanten an vielen Stellen anregend war und an ande-\nren einen wahren Enthusiasmus hervorrief.\"\nAuch die Independance sagt: „Das Resultat des ge-\nwagten Versuches ist dem Künstler günstig gewesen, der\nden Muth und Vertrauen genug in seine Kräfte gehabt\nhat, ihn zu unternehmen. Man kann die Meinung haben,\ndass Herr Benolt in seinen früheren religiösen und orche-\nstralen Compositionen sich nicht immer auf der Höhe er-\nhalten hat, auf welche seine enthusiastischen Freunde ihn\nstellen wollten; man kann sagen, dass seine Compositionen\nschwache Stellen neben ausgezeichneten hatten und dass\ndie Lobpreisung übertrieben war: allein was nicht bestrit-\nten werden kann, ist, dass Benolt ein Künstler von unge-\nwöhnlichem Gepräge ist, und dass selbst in der Schwie-\nrigkeit und Grösse der Aufgaben, die er sich stellt, der\nBeweis für eine künstlerische Organisation liegt, welche\ndie Fähigkeiten der meisten Musiker überragt.\n„Von allen Versuchen zu grossen Compositionen,\nwelche Benolt unternommen hat, bot der „ „Lucifer\"\"\ndie grössten Schwierigkeiten dar, aber trotzdem ist ihm\nbisher keine in so hohem Grade gelungen. Er hat darin\nPhantasie und Wissenschaft mehr als in den früheren ge-\nzeigt und sowohl den melodischen Conceptionen als den\nInstrumental-Rahmen, in welche er sie gefasst hat, einen\nStempel von Eigenthümlichkeit aufgedrückt. Hier und da\nhat er die Kraft übertrieben, wozu ihn eine besondere\nNeigung zu treiben scheint, allein dem gemässigten und\nnuancirten Colorit ist doch in diesem neuesten Werke\nweit mehr Raum gegeben. Der einzige Tadel, der das\nWerk treffen könnte, dürfte sich gegen die zu häufigen\nWiederholungen wenden.\"\nEin anderes Blatt spricht von dem blendenden Re-\nsultate des Gedichtes und der Musik, verschweigt aber\nbei der aufrichtigen Bewunderung des Werkes nicht die\nneben den glänzenden Schönheilen desselben stehenden\nabsichtlichen Sonderlichkeiten, welche die Wirkung des\nGanzen schwächen, obwohl das Verdienst und die Bedeu-\ntung des Tonkünstlers nicht beeinträchtigen. „Sollen wir\"\nsagt die Redaction des O „kurz\nund frei unsere Meinung über diesen kühnen Kämpfer\nund tapferen Künstler aussprechen, so müssen wir sagen,\ndass wir Viele von seinen Genossen kennen, die mehr\nTalent haben, aber sehr Wenige, die einen Funken von\ndem besitzen, was er hat: Genie.\"\n„Für Benolt\" —heisst es ferner— „haben wir immer\n*\nbeide Hände gefüllt, die eine mit Lob, die andere mit\nTadel. Das Gute und Schlechte mischt sich bei dieser ab-\nsonderlichen und noch nicht fertigen Künstlernatur immer\ndurch einander: man muss ihn hier bewundern und dort"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "341", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661027-01.1.5", "texte": "verurtheilen. Das rührt daher, weil die seltensten Eigen-\nschaften ein grosses Talent zieren, das sich aber wiederum\nin naiven Schwachheiten und sonderbaren Verwirrungen\nabarbeitet. Wenn Benoit aber das edle Metall vom Zu-\nsätze reinigt und die Schlacken abwirft, die an seinen\nWerken haften und sie über die Gebühr vergrössern, so\nwird uns ein Componist in ihm bleiben, der die Gabe im-\nposanter Tongestalten und erhabener Eingebungen mit\ndem Streben nach grossen Ideen verbindet.\"\nSchliesslich folgendes Urtheil: „Benoit scheint bei je-\nder neuen Tonschöpfung sich zu vervollkommnen; die\nEigenschaften, welche seine reichbegabte Natur auszeich-\nnen, entwickeln sich immer mehr. Seine Eingebungen sind\nvoll Phantasie und Grösse, man findet fast überall Adel\nder Ideen und eine unerhörte Kraft des Ausdrucks, eine\nstaunenswerthe Renntniss des Effects. Seine Musik ist\nkolossal, wenn man sich so ausdrücken darf, sie ist in\nscharfen und grossen Zügen angelegt und nähert sich zu-\nweilen dem Eindrucke des Erhabenen. Aber ist dieses\nherrliche Talent mit sich selbst fertig und vollkommen?\nNein. Es fehlt ihm oft Anmuth, sanfte Lieblichkeit, Reiz\nder Motive, Eleganz und feine Ausarbeitung des Details\nalles Eigenschaften, die namentlich bei einem Werke\nvon solchem Umfange unerlässlich sind; allerdings darf\ndas Grossarlige darin vorherrschen, allein es darf nicht\njenen einförmigen Charakter haben, der selbst den enthu-\nsiastischen Bewunderer am Ende ermüdet. So wunderbar\nbegabt wie Benott ist, so wird er gewiss einst dahin ge-\nlangen, diese Mängel oder diesen Ueberüuss zu beseitigen;\num dieses Ziel zu erreichen, muss er aber seine Compo-\nsitionen länger reifen lassen und sich nicht so sehr be-\neilen, sie dem Publicum vorzuführen.\"\nDie zweite Aufführung des Werkes, obwohl in der\nAusführung nicht ohne Mängel, wurde zu einem neuen\nTriumphe für den Componisten. Nach dem Schlüsse der\nMusik überreichte der Minister des Innern ihm die In-\nsignien des Leopold-Ordens, was mit einer dreifachen\nSalve von Applaus begleitet wurde.\n\nAus Braunschweig.\nDen 21. October 1866.\nDer Verein für Concertmusik konnte seine diesjährige\nSaison nicht glänzender eröffnen, wie mit dem ersten Sin-\nfonie-Concerte am Samstag-Abend. Wenn schon die Wahl\nder Instrumentalwerke eine durchaus passende und zweck-\nmässige genannt zu werden verdient, so war die Ausfüh-\nrung eine so vollendete, wie sie auf diesem Gebiete dem\nMusikfreunde nur als Kunstgenuss höchster Art dargebo-\nten werden kann. Die uneigennützigen Bestrebungen des\nConcertvereins sind dem Publicum eben so bekannt, wie\ndie stets bewiesene unermüdliche Ausdauer und Opfer-\nfreudigkeit in der Ueberwindung sich entgegenstellender\nHindernisse. Eine Folge dieser Ausdauer ist nun auch das\nEngagement der königlichen Capelle aus Hannover für\ndie Sinfonie-Concerte, nachdem die hiesige Hofcapelle aus\nden bekannten Gründen ihre fernere Mitwirkung verwei-\ngern zu müssen geglaubt hat. In der grossen Leistungs-\nfähigkeit der hannoverschen Capelle, in der ausgezeich-\nneten Directionstüchtigkeit ihres Capellmeisters liegt aber\ndie sicherste Garantie für die Unterstützung der Bestre-\nbungen des Vereins. Wie nun das Publicum diese uner-\nwartete Wendung der Concert-Verhältnisse aufgenommen\nhat und beurtheilt, ist deutlich genug zu ersehen, einmal\nin der Zahl der Abonnenten, wie die früheren Jahre sie\nnicht aufzuweisen haben, dann aber vorzugsweise aus der\nin der That enthusiastischen Aufnahme der fremden Ca-\npelle und den Beifallsspenden nach jeder Orchesternum-\nmer. Unbegreiflich wird es bleiben, wie man die klar lie-\ngenden Thatsachen so verdrehen und in einem braun-\nschweiger Artikel der leipziger „Signale\" vom 14. Octo-\nber den Capellmeister Fischer in ziemlich undelicater\nWeise für das Zerwürfniss zwischen der hiesigen Capelle\nund dem Concertvereine verantwortlich machen kann.\nGlücklicher Weise ist die Persönlichkeit des Herrn Capell-\nmeisters Fischer in hiesigen Kreisen eben so bekannt, wie\nseine Tüchtigkeit als Orchester- und Opern-Dirigent. Von\ngewisser Seite wird wohl auch behauptet, Fischer sei nur\nein guter Dirigent der Wagner'schen Opern, das eigent-\nlich Classische liege ihm fern; nun, wir glauben, wer wie\ner beim letzten braunschweiger Musikfeste die Ouvertüre\nzum „Freischütz\", die grosse Leonoren-Ouverture und\ndie neunte Sinfonie von Beethoven so meisterhaft und\nüber alles Lob erhaben zur Geltung gebracht hat, der\nwird doch wohl das Classische verstehen müssen. Aber\nwir brauchen so weit gar nicht zurückzugeben, der gestrige\nAbend lieferte allein Gegenbeweise genug. Wenn der\ngute Ruf, in welchem die hannoversche Capelle steht,\nauch nicht allein Fischer's Werk ist, da schon ein Marsch-\nner ihm voraufgegangen, so ist die Erhaltung dieses Rufes\nschon ein Verdienst, welches ihm nicht abzusprechen ist;\ndenn schon manche gute Capelle ist durch einen schlech-\nten Capellmeister verdorben, und leistet eine Capelle etwas\nTüchtiges, so hat sie jedenfalls auch einen tüchtigen Ca-\npellmeister, Und Fischer's Capelle leistet in der That Be-\ndeutendes in echt künstlerischen Leistungen. Die beiden\nOuvertüren zum „Oberon\" und zum „Sommernacbts-\nträum\" konnten nicht schöner vorgeführt werden. Die\nZuhörer spendeten rauschenden Beifall nach jedem Werke."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "342", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661027-01.1.6", "texte": "Eben so wurde die fünfte Sinfonie von Beethoven in fast\nvollendeter Weise ausgeführt, untadelhaft und mit präch-\ntigster Wirkung namentlich das Adagio, das Scherzo und\ndas Finale; den ersten Satz hätten wir ein klein wenig\nmassiger im Tempo gewünscht, obgleich die grosse Prä-\ncision und das Feuer der Orchester-Virtuosität, durch\nwelche sich alle Allegro-Sätze auszeichneten, auch diesen\nSatz mächtig genug hervortreten Hessen. Zwischen den\nOrchesterwerken trug Herr Hof-Opernsänger Pirk aus\nHannover eine Cavatine aus dem „Blitz\" von mit\nganz vorzüglicher Orchesterbegleitung, bei welcher wir\ndas wundervolle Anschmiegen der Blas-Instrumente an die\nSingstimme bewundern konnten, und drei Lieder: „Des\nMüllers Blumen\" von Schubert, „Frühling\" von 0. Tieh-\nsen und „Ja, du bist mein\" von Tschirch mit einer recht\nwohlklingenden und ansprechenden Tenorstimme vor.\nAuch diese Leistungen erfreuten sich eines recht lebhaften\nBeifalles.\n\nErstes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn\nFerdinand Hiller,\nDinstag, den 23. October 1866.\n„Zur Gedenkfeier der vaterländischen Hel-\nden\" brachte das Programm: 1. Festklänge für Or-\nchester, Chor und Orgel, componirt für das Siegesfest in\nBerlin von Heinrich Dorn. 2. Requiem in\nfür vierstimmigen Chor, Orchester und Orgel von Luigi\nCherubini. 3. Sinfonia eroica von Ludwig van\nBeethoven.\nDie „Festklänge\" von H. Dorn haben die Erwartun-\ngen des Publicums und der hiesigen Freunde des Compo-\nnisten nicht befriedigt, da man in einem Hymnus zu einem\nSiegesfeste, und vollends zu einem im ganzen Lande so\nbegeistert gefeierten, mehr Schwung und grossartigere\nMotive zu hören hoffte, als man zu hören bekam. Der Ge-\ndanke, dem Choral: „Nun danket Alle Gott!\" den hohen-\nfriedberger Marsch vorausgehen zu lassen, erscheint uns\nals ein nicht glücklicher, indem dieser alte Marsch durch\nnichts weiter zu einer Rolle bei einer musicalischen Sie-\ngesfeier von 1866 berechtigt erscheint, als durch den\nUmstand, dass bei Hohenfriedberg ebenfalls Oesterreicher\nund Sachsen gegen Preussen verbündet waren. Ein\nschwungvoller, zu der Feier neu componirter Marsch wäre\nwohl mehr an der Stelle gewesen, und dann hätte die an\nund für sich gute Idee, während eines Chorals an das\nVorbeimarschiren der Sieger denken zu lassen, auch wohl\neine wirkungsvollere Ausführung gefunden. Das Publicum\nnahm das Stück ohne besondere Beifallszeichen auf.\nDer Gedanke, auch durch die Tonkunst die Erinne-\nrung an die Opfer, welche die grosse Zeit gefordert hat,\nzu feiern, bat uns dagegen die Aufführung eines Werkes\ngebracht, das zu den erhabensten Schöpfungen des mensch-\nlichen Geistes in der Musik gehört, des vierstimmigen Re-\nquiems in C-moll von Cherubini. Es ist eigentlich eine\nSchmach für unsere Zeit und den sogenannten Kunstsinn\nder jetzigen Welt, dass ein solches Werk so gut wie be-\ngraben in den Archiven der Kirchen und den Sammlun-\ngen der musicalischen Institute liegt! Die Kirche weist\ndiese edelste Gattung der Musik zurück, weil sie zu welt-\nlich, die Concertsäle und ihr Publicum, weil sie zu kirch-\nlich sei! So wird, was die Kunst für das erhabene Schöne\ngeschaffen hat, das an sich selbst schon heilig und gött-\nlich ist, hier aber durch die Grundlage des Textes noch\neine höhere Weihe erhält, einem doppelten Vorurtheile\nzum Opfer gebracht: die Einen glauben die Glorie, wo-\nmit die Tonkunst den Ausdruck der Anbetung des Höch-\nsten umgibt, aus ihren Domen verbannen zu müssen, in\ndenen sie die Werke jeder anderen Kunst, von der Archi-\ntektur, Sculptur und Malerei bis zur Weberei und Sticke-\nrei herab, als Verherrlichung des Gottesdienstes nicht\nbloss dulden, sondern preisen; und die Anderen wollen\nim glänzenden Concertsaale eine Erholung, Erheiterung\nund noch manches Andere, nicht aber eine Erhebung der\nGefühle zur Empfänglichkeit für die höchsten Ideen der\nMenschheit. Daher kommt es denn, dass Werke, wie\nBach's H-moll-Messe, Mozart's Requiem, Cherubini's Re-\nquiem, Beethoven's D-dur-Messe, wenn sie einmal zur\nAufführung kommen, eine wahre Auferstehung von den\nTodten feiern, um vor der Gegenwart als ewige Denk-\nmale emporzusteigen, die in ihrer erhabenen Grösse uns\nahnen lassen, wie mitleidsvoll ihre gewaltigen Schöpfer,\ndie durch Thaten redeten, auf das ästhetische Gezänk\nder Epigonen über das Wesen einer Kunst herabblicken\nmögen, deren Idealen sie längst Leben und Wirklichkeit\ngegeben haben. Wenn man beim Anhören solcher Musik\ndoch nein, beim Anhören ist es glücklicher Weise\nnicht möglich, also nachher an das Geschwätz vom\nabgöttischen Cultus der Todten, von den Formen, die sich\nüberlebt haben, und wie die wohlfeilen Schlagwörter der\nneuesten Klanghelden alle heissen mögen, denkt, so wird\nes einem in der That schwer, an den Fortschritt der In-\ntelligenz zu glauben, geschweige denn an den Fortschritt\nder Kunst!\nMerkwürdig ist es, dass Cherubini, den eine unge-\nheure Kluft von allen Ini's seiner Nation trennt, den un-\nläugbaren Beruf zur Composition von Kirchenmusik, der"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "343", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661027-01.1.7", "texte": "in seinem Innern verschlossen lag, erst spät entweder selbst\nerkannte, oder doch der Welt erst offenbarte. Er war\n1760 geboren, in demselben Jahre, wo der Fürst Ester-\nhazy den achtundzwanzigjährigen Haydn zu seinem CapelN\nmeister ernannte; drei Jahre später wurde der siebenjäh-\nrige Mozart schon als Ciavierspieler bewundert, und zehn\nJahre später (1770) wurde Beethoven geboren. Bekannt-\nlich konnte Napoleon I. der Musik Cherubini's keinen Ge-\nschmack abgewinnen: der neue, dem concertirenden ita-\nliänischen entgegentretende dramatische Stil des Meisters\nwar ihm zu hoch, und Cherubini's freie Meinungsäusse-\nrungen über Musik, wenn der Kaiser sich einmal ent-\nschloss, gegen ihn liebenswürdig zu sein, trugen auch\neben nicht zur Herstellung eines besseren Verhältnisses\nbei, wiewohl oder vielleicht weil er die Wahrheit jener\nWorte Cherubini's am Schlüsse einer solchen Unterhal-\ntung über die Kunst einsah: „Ich sehe wohl, Ew. Majestät\nlieben nur die Musik, welche Sie nicht hindert, an Staats-\ngeschäfte zu denken.\"\n(Schluss folgt.)\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nHLolll, 27. October. Die jungen Gebrüder Thern (vgl. die\nvorige Nummer) sind hier angekommen und werden heute Abend\nin der musicalischen Gesellschaft und nächste Woche im Theater\nspielen.\na. M. Die junge Sängerin Fräulein Perl,\nSchülerin der Frau von Marra, hat dieser Tage im Museum gesun-\ngen und grossen Beifall gefunden.\nMusik-Director Löwe, der Balladen-Componist, hat vom Kö-\nnige von Preussen den Rothen Adler-Orden dritter Classe mit der\nSchleife erhalten.\n14. October. Zur Feier des vierundsiebenzigjähri-\ngen Geburtstages unseres berühmten Cantors an der Thomana, Herrn\nDr. Moriz Hauptmann, veranstaltete die Gesellschaft für Künst-\nler und Kunstfreunde „Andante-Allegro\" am 12. d. Mts. in den Sä-\nlen des Hotel de Pologne vor einer grossen und theilnahmevollen\nZuhörerschaft einen jener genussreichen Abende, die von früher her\nmit Recht beliebt und gerühmt worden sind. Sämmtliche Compo-\nsitionen des wohlgeordneten Programms waren im ersten Theile aus\nder Hand des gefeierten Meisters. Gänzlich neu für Leipzig war\ndarunter die Ouvertüre zu der im Jahre 1836 in Kassel aufgeführ-\nten Oper „Mathilde\", von einem circa 50 Mann zählenden Orchester\nausgeführt. Die Ouvertüre selbst ist ein fein ausgearbeitetes, in Be-\nzug auf künstlerische Ebenmässigkeit und Klangschönheit muster-\ngültiges Tonstück. Sie bildete die Schlussnummer des Fest-Pro-\ngramms.\nAm 18. October fand das erste Gewandhaus-Concert mit folgen-\ndem Programm Statt: Erster Theil: Ouvertüre zur Oper „Die Aben-\ncerragen\" von L. Cherubini; Recitativ und Arie aus der „Schöpfung\"\nvon J. Haydn, gesungen von Frau Ulrich-Röhn vom grossher-\nzoglichen Hoftheater in Mannheim; Concert (D-moll) für die Violine\nvon L. Spohr, vorgetragen von Herrn Hermann Brandt aus Ham-\nburg; Arie aus „Faust\" von Spohr, gesungen von Frau Ulrich-\nRohn. Zweiter Theil: Sinfonie (Nr. 7, A-dur) von L. v. Beethoven.\nDer gesammte Musicalienverlag des Herrn B. Priedel in Dres-\nden (früher W. Paul) ist mit Anfang October d. J. in den Besitz\ndes Herrn Gustav Heinze in Leipzig übergegangen.\nDem Componisten Wilhelm Speidel in Stuttgart (Bruder des\nin Wien lebenden Kunstkritikers Ludwig Speidel) wurde von dem\nKönige von Würtemberg die grosse goldene Medaille für Kunst und\nWissenschaft verliehen.\nAnton Rubinstein hat eine Anzahl neuer Compositionen\nvollendet, welche nächstens in Druck erscheinen werden; es sind\nunter Anderen ein Album mit zwölf Clavier-Compositionen, eine\nPhantasie für Ciavier, zwei Hefte Lieder, ein Männerchor mit Or-\nchester-Begleitung u. s. w.\nWien. Die Gesellschaft der Musikfreunde beabsichtigt, an\nHerrn Hector Berlioz zur bevorstehenden Aufführung seiner Can-\ntate „La Damnation de Faust\" in Wien eine Einladung zu richten.\nDas dritte Debüt des Fräuleins Orgeni im Hof-Operntheater\nmusste wegen abermals eingetretener Unpässlichkeit der Sängerin\nverschoben werden.\nFrau Kainz-Prause, deren Abgang von der hiesigen Opern-\nbühne gemeldet wurde, ist in Folge neuer Engagements-Unterhand-\nlungen bleibend in den Verband des Hof-Operntheaters aufgenom-\nmen worden.\nFräulein Marie Wieck (die jüngere Schwester der Frau Clara\nSchumann) hielt sich einige Tage in Wien auf bei ihrer Durch-\nreise nach Italien.\nPrag. Richard Genee's Operette „Der schwarze Prinz\",\nnach Kotzebue's „Don Ranudo di Colibrades\" auf den von ihm selbst\ngeschriebenen Text componirt, errang bei ihrer am 13. October hier\nStatt gehabten ersten Aufführung nur einen Schätzungs-Erfolg.\nHans Schläger, der Director des Mozarteums in Salzburg,\nbrachte vor Kurzem in einem Concerte die zwei ersten Acte seiner\nOper -„Heinrich und Ilse\" zur Aufführung, welche so grossen Bei-\nfall fanden, dass ihm vom Orchester und der mitwirkenden Sing-\nAkademie ein Lorberkranz überreicht wurde. Das Werk wird wegen\nseiner noblen Erfindung und glänzenden Instrumentation gerühmt,\nsoll aber ausserordentliche technische Schwierigkeiten darbieten.\nUnter den Solisten hat sich die Gräfin v. Gatterburg (Ilse) beson-\nders ausgezeichnet. Man ist sehr gespannt auf die beiden letzten\nActe, Welche ebenfalls bald zur Aufführung kommen sollen.\nDer in vorletzter Woche in Basel verstorbene Banquier Herr\nKarl Bischof hat unter vielen anderen Legaten auch dem dorti-\ngen Stadttheater ein Legat von 100,000 Francs vermacht.\nIn Pesth starb am 16. October der bekannte Schriftsteller\nDr. Sigmund Saphir (geboren 1801); durch fast 30 Jahre als Re-\ndacteur mehrerer Journale in der ungarischen Hauptstadt thätig,\ngalt er daselbst als consequenter Vertreter des deutschen Elements.\nSeine elegante Schreibweise, aber namentlich seine polemische\nSchärfe verschafften ihm den Namen eines gewandten, ja, oft ge-\nfürchteten Journalisten. Der Verstorbene stand mit M. G. Saphir in\nnaher Verwandtschaft.\nDas Pesth-Ofener Conservatorium versendet jetzt das schön\nausgestattete Gedenkblatt, welches dasselbe den Künstlern und Di-\nlettanten gewidmet, die bei der fünfundzwanzigjährigen Jubelfeier\ndes Conservatoriums unentgeltlich mitgewirkt haben. Die in der\nMitte des Blattes befindliche Danksagung, welcher der Name des\nbetreffenden Mitwirkenden folgt, ist von den Mitgliedern des Fest-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "344", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661027-01.1.8", "texte": "Comite's unterzeichnet. Den Text des Diploms umgeben schöne\nZeichnungen, links das Gesangfest im Stadtwäldchen, rechts Liszt,\nwie er in der Redoute das grosse Orchester dirigirt.\nEine französische Zeitung brachte neulich einen Artikel über\ndie Frage, ob das Zischen und Pfeifen im Theater ein Recht des\nPublicums ausmache, und verneinte sie. In Lyon scheint man an-\nderer Ansicht. Ein Tenorist Sapin von Antwerpen wurde durch\nGunst des Präfecten angestellt, das Publicum aber wollte nichts\nvon ihm wissen, und so oft er auftrat, ging das Zischen, Pfeifen,\nHeulen, Blöken los, und obenein das Bombardement mit dicken\nSous, Rüben, rohen und gebratenen Aepfeln, sogar mit einem\nSchafsfell! Die Musiker liefen aus dem Orchester weg, um diesem\nHagel von Kartätschen zu entgehen. Ja, es bildeten sich sogar\nGruppen vor dem Theater, um der Person des Sängers zu Leibe\nzu gehen, so dass er durch eine geheime Hinterthür, welche nur Ein\nMal für Lola Montez hatte geöffnet werden müssen, in Sicherheit\ngebracht wurde. [Ei, ei! wo ist die gerühmte Anständigkeit der\nFranzosen geblieben? Da loben wir uns doch die altfranzösische\nManier, den nicht genügenden Schauspieler durch einen Witz von\nder Scene zu treiben, wie jenen Flamänder, dem in Paris, als er\nbei dem Vers:\nDans ce pöril extreme quel parti dois-je prendre ?\nstecken blieb, ein Spassvogel von der Galerie zurief: Monsieur\nprenez la poste et retournez en Flandre!]\nBarnum hat für Mexico einen neuen Stern am Opern-Hori-\nzont erfanden, die (auch in diesen Blättern schon erwähnte) Ange-\nlina Per alt a. Er hat das Publicum durch Reclamen alter und\nneuer Art so zu bearbeiten gewusst, dass die Billets, um diese nach\naller Kaltblütigen und Verständigen Urtheil sehr mittelmässige Sän-\ngerin zu hören, für das Parterre mit 10 Piastern (56 Frcs.), für die\nLogen mit 100 Piastern bezahlt werden, und die Dame nicht auf-\ntreten kann, ohne sogleich mit Bouquets beschossen zu werden, de-\nren Zeughaus, namentlich in den ersten Vorstellungen, er selbst\nreichlich gefüllt und die Kanoniere angestellt hatte. Späterhin hatte\ner das nicht mehr nöthig, und es ist Niemandem zu rathen, einen\nZweifel an der Virtuosität der Primadonna auszusprechen, denn er\nwürde der Wuth der fanatisirten Caballeros verfallen."}]}