{"numero_id": "bm-bmtnabi-1866-11-10-01", "volume": "bmtnabi_1866-11-10_01", "ocr_sha256": "d1ed5248e3242ee9624de8c08fff9114088b280be2a282eb84e8f853289956a5", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1866/11/10_01/bmtnabi_1866-11-10_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661110-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1866-11-10-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-11-10_01#c001", "volume": "bmtnabi_1866-11-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "353", "page_fin": "353", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661110-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "353", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661110-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 468, "texte": "Inhalt.\nKünstler und Mönch (Fortsetzung). Aus München (Abonnements- und Gesellschafts-Concerte). Johann Chri-\nstian Bach (Biographische Notizen). Zweites Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, Tages- und Unterhaltungsblatt\n(Dr. Gunz Leipzig, Abert's „Astorga\", F. Hauser's Gesangschule, Werke von R. Schumann Dresden, Concertmeister Lauterbach\nMünchen, Oper Hainburg, weiblicher „Liederkranz\" Joachim—H. von Bülow Florenz, Concurs für Opern-Componisten u. s. w.)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-11-10-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-11-10_01#c002", "volume": "bmtnabi_1866-11-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "353", "page_fin": "356", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661110-01.2.2", "titre_corps": "Künstler und Mönch.", "titre_sommaire": "Künstler und Mönch.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "353", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661110-01.1.1", "debut_caractere": 470, "fin_caractere_exclue": 4152, "texte": "Künstler und Mönch.\n(Fortsetzung. S. Nr. 44.)\nVon Wien wandte sich Liszt zuvörderst nach Italien;\ner verstand hier wie überall neben der Bewunderung für\nseine Kunst auch immer die Aufmerksamkeit für seine\nPerson rege zu erhalten. In Rom musicirte er mit dem\nberühmten Maler Ingres, dann verschwindet er mit einem\nMale in einer kleinen einsamen Villa am Meeresstrande\nbei Pisa. Einige Zeit schweigen die Journale über ihn,\nals plötzlich vom Rhein eine Kunde ertönt, die wie ein\nBlitz sich nach allen Seiten hin verbreitet: Liszt hat in\neinem französischen Journal gelesen, dass die Unterzeich-\nnungen für das Monument, welches Beethoven in seiner\nVaterstadt Bonn errichtet werden soll, nur langsamen\nVerlauf nehmen; er schreibt an das Comite und erbietet\nsich, sofort die fehlende Summe aus eigenen Mitteln zu\nbeschaffen!\nIm Winter 1839 kam Liszt wieder nach Wien. Der\nEnthusiasmus war noch grösser als bei seiner ersten An-\nwesenheit. Doch alle Ovationen, alle Excentricitäten zer-\nflossen in Nichts vor dem, was in Pesth, wohin unser\nHeld sich vor Weihnachten desselben Jahres begab, ihm\nzu Ehren erfunden ward. Zwar wollten manche Musiker\nbemerken, dass Liszt während seines Aufenthaltes in der\nungarischen Hauptstadt nur selten die künstlerische Stim-\nmung zeigte, in welcher er seinen Ruhm rechtfertigte,\ndass er meistens sehr aufgeregt war und daher nicht\nimmer die vollkommene Herrschaft über sein Instrument\nbehielt. Wer aber dachte in jener Zeit, Liszt mit Auf-\nmerksamkeit anzuhören! Ihn sehen und in Enthusiasmus\ngerathen war Eins. Man kann es den Ungarn übrigens\nnicht sehr verargen, wenn sie den Landsmann, dessen\nName ganz bestimmt der berühmteste in Europa war, ver-\ngötterten, wenn sie über diesem Glänze seines Namens\nvergassen, dass dieser Landsmann kein Wort seiner eigent-\nliehen Muttersprache verstand [?], dass er (wie noch jetzt)\nmeist nur Französisch sprach und schrieb. Dass ungarische\nMagnaten in einem öffentlichen Concerte, welches er zum\nBesten des ungarischen Theaters gab, ihm vor dem ver-\nsammelten Publicum einen Ehrensäbel verehrten, wollen\nwir bis zu einem gewissen Punkte erklärlich finden, be-\nsonders wenn wir den sehr wenig bekannten Umstand er-\nwägen, dass man damals für Liszt ein Adelsdiplom von\nder österreichischen Regierung erwirken wollte, aber nicht\nkonnte, und dass der Säbel dem Ungar nicht etwa bloss\nein Attribut des Militärs, sondern ein Symbol adeliger\nRechte ist.\nDass Liszt 15- —20,000 Thaler, die er in seinen\npesther Concerten einnahm, den Mildthätigkeits- und\nKunst-Instituten der Stadt schenkte, hat volles Anrecht\nauf Anerkennung seiner grossmüthigen Freigebigkeit.\nVon Pestb ging er nach Wien zurück, und von da\nüber Prag, Dresden, Leipzig, Hannover nach Paris. Dass\ner überall gleichen Enthusiasmus erregte, oder vielmehr\nschon vorfand, ist selbstverständlich. Sein Name wirkte\nals ein Zauber, bevor er noch zu spielen begann, und da-\nbei kannte er neben seinem grossen Genie auch alle Mit-\ntel, das Publicum zu enthusiasmiren.\nEine merkwürdige Episode seines Runstiebens bot\nder Aufenthalt in Leipzig. Namentlich über die hohen\nPreise gab's einen „Heidenscandal\", wie Mendelssohn an\nseine Mutter schrieb: interessant ist es aber, einen Rück-\nblick auf die Haltung zweier Männer zu werfen, denen\ngegenüber er Rechenschaft abzulegen hatte über seinen\nkünstlerischen Beruf: Mendelssohn und Schumann. Die\nNaturen dieser beiden edlen Männer waren in ihrem\nGrundtone verschieden, aber sie harmonirten in Einem:\nin dem Widerwillen gegen das Virtuosenthum, das Liszt\nzum höchsten Glänze erhoben hatte. Doch waren wieder\ndie Motive dieses Widerwillens bei jedem Einzelnen an-\ndere, obwohl immer edle. In Mendelssohn sträubte sich"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "354", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661110-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5350, "texte": "das feine Gefühl, der aufs schönste ausgebildete Formen-\nsinn gegen jedes Ueberschreiten eines gewissen Masses,\ngegen jedes Opfern der reinen Kunstform, das bei der\nhöchsten und vorwaltenden Virtuosität vorkommen musste.\nAuch stand seine tüchtige, auf ernste Studien gegrün-\ndete Bildung, sein gesellschaftliches Benehmen im Gegen-\nsatze zur genialen Natur Liszt's und zu dessen ungebun-\ndenem, excentrischem Wesen. Anders war es bei Schu-\nmann. Der kümmerte sich wenig um äussere Form, gegen\ndie er selbst manchmal verstiess; dagegen lebte in ihm\neine unbesiegbare, instinctartige Abneigung gegen alles,\nwas nicht reine künstlerische Gesinnung, was nicht der\ninnersten Natur entsprang, und ihm galt reine Virtuosität,\ndies Sich-zur-Schau-Tragen als das am meisten Unkünst-\nlerische. Und der Mann sah in der herrlichen Gattin, die\ndamals an seiner Seite wandelte, das schönste Vorbild der\nVirtuosität im unablässigen Dienste der Kunst; dass also\nihm die ganze Erscheinung Liszt's keine sympathische\nsein konnte, ist selbstverständlich. Und doch, wie sprachen\nsich diese beiden Männer aus! Mendelssohn meint in dem\nBriefe an seine Mutter zuerst: „Thalberg ist mit seiner\nGelassenheit und Beschränkung vollkommener als eigent-\nlicher Virtuose genommen, und das ist doch der Maassstab,\nden man auch bei Liszt annehmen muss, da seine Compo-\nsitionen unter seinem Spiele stehen.\" Aber im Verlauf\ndesselben Briefes: „Liszt besitzt eine gewisse Gelenkigkeit\nund Verschiedenheit der Finger und ein durch und durch\nmusicalisches Gefühl, das wohl nirgends seines Gleichen\nfinden möchte; ich habe keinen Musiker gesehen, dem so\nwie dem Liszt die musicalische Empfindung bis in die\nFingerspitzen liefe und da unmittelbar ausströmte.\" Da-\nbei vergass auch Mendelssohn nicht, seine einflussreiche\ngesellschaftliche Stellung gegenüber dem Künstler und\nfür ihn geltend zu machen.\nWie verhielt sich Schumann gegenüber Liszt? Er\nwar dem Virtuosenthum noch fremder als Mendelssohn,\nihm galt der liebenswürdige Weltmann Liszt noch weni-\nger als dem Componisten der Lieder ohne Worte. Wie\naber spricht er sich in seiner Musikzeitung aus? „Es ist\nnicht mehr Ciavierspielen dieser oder jener Art, sondern\nAusspruch eines kühnen Charakters überhaupt, dem zu\nherrschen, zu siegen das Geschick einmal statt gefähr-\nlichen Werkzeuges das Friedliche der Kunst zugetheilt\nhat. Wie viele bedeutende Künstler an uns vorübergin-\ngen in den letzten Jahren, und wie viele derselben wir\nauch selbst besitzen, an Kühnheit und Energie müssen\nsie ihm sammt und sonders weichen. Namentlich mit\nThalberg hat man ihn vergleichen wollen. In der That\nbraucht man nur die Köpfe Beider zu betrachten, um den\nSchluss zu ziehen. Ein Deutscher, ein Maler sagte einst,\nThalberg's Kopf wäre der einer schönen Comtesse mit\neiner langen Nase, während Liszt jedem Maler zn einem\ngriechischen Gotte sitzen könne; ein ähnlicher Unterschied\ngilt von ihrer Kunst.\"\nSchumann berichtet später über Liszt's zweites Con-\ncert, „wo der Enthusiasmus alles Erlebte überstieg\", und\nvon Liszt's Vortrag des Weber'schen Concertstückes. „Wie\nLiszt gleich das Stück anfasst mit einer Stärke und Gross-\nartigkeit, als gelte es einen Zug auf den Kampfplatz, so\nführt er uns von Minute zu Minute steigend fort, bis zu\njener Stelle, wo er sich an die Spitze des Orchesters\nstellt und es jubelnd selbst anführt.\" Schumann spricht\nnoch weiter von einem dritten (Wohlthätigkeits-) Concert\nLiszt's, worin dieser, kaum von Dresden zurückkommend,\nnoch ermüdet, die meisten Compositionen fast „vom Blatte\nweg spielte\". Von einem merkwürdigen, nicht bekannten\nZusammentreffen zwischen Liszt und Schumann werden\nwir später berichten.\nLiszt ging vorläufig nach Paris und dann nach Lon-\ndon. Er fand hier auch die enthusiastische Aufnahme,\ndie er schon als grosse Berühmtheit finden musste; im\nGanzen war er aber verhältnissmässig in England am\nwenigsten gefeiert.\nUeber die Reisen, die Liszt nunmehr unternahm, fassen\nwir uns jetzt so kurz als möglich. Er ging im Jahre 1840\nund 1841 über Holland, Dänemark, Hamburg und Bel-\ngien nach dem Rheine. Vom Rhein begab er sich über\nKassel nach Berlin. Wie er hier Alles zu einem Taumel\nbinriss, ist bekannt genug; wir heben nur hervor, dass\ndie ausserordentliche Erregung nicht etwa das grosse\nPublicum allein ergriffen hatte, dass sie vielmehr bis in\ndie höchsten Regionen reichte. Bestand doch der König\ndarauf, dass Liszt eines der Mitglieder des neugeschaffenen\nOrdens pour le merite wurde so meldet Humboldt an\nVarnhagen von Ense, und dieser berichtet in seinem Ta-\ngebuche wieder, dass er mit Liszt gespeist und eine sehr\nbedeutende Individualität in ihm gefunden habe. Nach\ndreimonatlichem Aufenthalte verliess Liszt Berlin. Am\nTage seines Abschiedes gab er noch ein Concert zum\nBesten unbemittelter Studirender. Als er abfahren wollte,\nfand er einen Wagen mit 6 Schimmeln bespannt, den\nihm die Senioren der verschiedenen Corps bereit gehalten\nhatten. Vor ihm her ritt eine Abtheilung Studirender;\nhinter ihm kam eine unabsehbare Reihe von Wagen. Auf\neinem Landgute in der Nähe der Residenz fand noch eine\nOvation Statt, dann setzte Liszt seine Reise fort, über Kö-\nnigsberg nach Petersburg. Dort ward er wie überall mit\nEnthusiasmus aufgenommen, doch scheint seine Haltung\nmanchen sehr hochstehenden Personen eine zu unabhän-\ngige gewesen zu sein; namentlich war sein immer schlag-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "355", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661110-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5362, "texte": "fertiger Witz, mit dem er hocbmüthige Bemerkungen zu-\nrückzuweisen verstand, Vielen sehr unbequem. Man er-\nzählte sich hierüber eine ergötzliche Anekdote, die wir\nhier wiedergeben, ohne ihre Wahrheit zu verbürgen.\nLiszt erschien in einer Gesellschaft mit vielen hohen Or-\nden auf seiner Brust. Ein alter General fragte mit einem\nbedeutsamen Blick auf dieselben: „Haben Sie je gedient,\nHerr Liszt?\" „Nein,\" antwortete dieser augenblicklich;\n„haben Eure Excellenz je Ciavier gespielt?\"\nWir finden Liszt in Deutschland im Jahre 1845\nthätig bei dem grossen Beethoven-Feste in Bonn, bei der\nEinweihung jener Statue, zu deren Vollendung er den\nHauptimpuls gegeben. Dort dirigirte er eine von ihm\ncomponirte Cantate und spielte Beethovens Es-dur-Con-\ncert in einer Weise, wie man es nie wieder hören wird.\nIm darauf folgenden Winter kam er neuerdings nach\nWien, ging dann nach Pesth, von da durch Ungarn und\ndie Donaufürstenthümer nach Kiew, dann nach Konstan-\ntinopel und Odessa. Im Jahre 1848 nahm er seinen\nbleibenden Wohnsitz in Weimar, wo er schon im Jahre\n1842 zum Hof-Capellmeister,,im ausserordentlichen Dienste\"\nund zum Bitter des weissen Falkenordens ernannt wor-\nden war. Er endete nunmehr seine Virtuosenlaufbahn\nund begann als Componist zu wirken. Werfen wir nun\neinen Blick auf die letzten Jahre, welche dieser Wand-\nlung vorangingen.\nLiszt hatte im ganzen Concertwesen eine totale UmJ\nwälzung hervorgebracht. Durch ihn wurde der Concert-\nsaal in einen Salon verwandelt, in welchem sich begeisterte\npersönliche Verehrer quasi als Gäste versammelten, um\nihre Huldigungen darzubringen. Der Zauber seiner Indi-\nvidualität wirkte so mächtig, so unwiderstehlich, dass die\nkünstlerischen Leistungen von der grossen Masse des Pu-\nblicums fast weniger beachtet wurden, als das äusserlicbe\nGebahren; der interessante Mann, der liebenswürdige Ge-\nsellschafter, der Abgott der Frauen wurde noch mehr ge-\npriesen und besungen, als der unerreichte Virtuose, und es\ndarf Niemand Wunder nehmen, wenn Liszt selbst zuletzt\nmanchmal auf die Aeusserlichkeiten mehr Aufmerksam-\nkeit wendete, wenn er durch sie mehr zu wirken suchte,\nals durch seine Kunst. Die Huldigungen, die man ihm\ndarbrachte, waren der Art gewesen, dass, wenn er das\nMaass in vielen Dingen überschritt, weniger ihn ein Vor-\nwurf trifft, als Jene, welche sich Alles gefallen Hessen,\nwenn es nur von ihm kam denn wie in der Politik das\nAxiom gilt, dass kein Absolutismus eines Monarchen so\ngross ist, als der Knechtssinn seiner Umgebung, so darf\nman auch im Kunstleben behaupten, dass die Thorheiten\ndes Publicums noch viel grösser sind, als die Extravagan-\nzen seiner Lieblinge. Liszt hat in den letzten Jahren seiner\nConcertzeit gar oft sein immenses Genie ganz verläugnet;\ner kam in den Concertsaal ermüdet, unvorbereitet oder\nin einer Disposition, in welcher von vorn herein an eine\nselbstbewusste Kunstleistung nicht zu denken war; er\nwurde nichts desto weniger mit demselben Beifalle über-\nschüttet. Musste er nicht geringschätzend (wir wählen das\ngelindeste Wort) auf das Publicum herabblicken, das so\nwenig Unterscheidungs- Vermögen zeigte? Musste er selbst\nbei der grossen Masse von Concerten, die er gab, nicht\nzuletzt gleichgültig werden, ob seine Leistungen imme»\nauf derselben Höhe standen, wenn er sah, wie sie immer\ngleich geschätzt und bejubelt wurden? Und musste es\nnicht zuletzt dahin kommen, die wenigen Stimmen, die\nirgend ein Bedenken laut werden Hessen, als hämische\nNeider oder tadelsüchtige Narren zu verlachen, wenn so\nviele Tausende und Abertausende nur Lob und Preis\nsangen ?\nZu Ende des Jahres 1847 verlautete zuerst im Pu-\nblicum, Liszt habe die Virtuosenlaufbahn verlassen und\nwerde nunmehr als Dirigent und Componist wirken; zu\ngleicher Zeit wurde versichert, er stehe auf dem Punkte,\nsich mit einer russischen Fürstin zu vermählen. Die Be-\nvolutionsjahre leiteten eine Zeit lang die Aufmerk-\nsamkeitvon Weimar ab; aber im Jahre 1850 that\nLiszt einen Schritt, der eine weittragende Wirkung her-\nvorbrachte und ihn plötzlich in einer neuen Glorie er-\nscheinen liess.\nWagner's Opern waren bisher sehr wenig bekannt,\nsein Buch über das Kunstwerk der Zukunft war damals\nnoch in wenigen Händen, und sein „Op er und Drama\"\nnoch fast nicht bekannt; da trat Liszt für ihn in die\nSchranken. Er brachte nicht bloss dessen bisher für un-\nausführbar gehaltene Oper „Lohengrin\" auf der Wei-\nmarer Bühne zur Aufführung, er veröffentlichte auch einige\nArtikel darüber, worin er sie als die ersehnte und verheis-\nsene Oper der Zukunft hinstellte.*) Das deutsche Publi-\ncum kannte Liszt als Schriftsteller noch gar nicht; der\nGegenstand, über den er schrieb, war von hohem Interesse,\ndie Art, wie er ihn beleuchtete, musste die Aufmerksam-\nkeit auch solcher Leser erregen, die sich um die künstle-\nrische Angelegenheit selbst wenig kümmerten. Man be-\ngreift also die Wirkung dieser Artikel. Sie haben der\n\n*) Liszt schrieb eine besondere Broschüre „Lohengrin et\nTannhäuserwelche von E. Wey den ins Deutsche übersetzt\n(Köln, bei Eisen, 1852) herauskam. Dass das Publicum Liszt als\nSchriftsteller bis dahin gar nicht gekannt habe, ist ebenfalls ungenau:\nseine Broschüre über Chopin, zuerst in der France musicale ge-\ndruckt, erschien in deutscher Uebersetzung bereits in dem Jahrgang\n1851 (Nr. 1 vom 5. Juli bis Nr. 13 vom 27. September) der Nie-\nderrheinischen Musik-Zeitung. D. Redaction.\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "356", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661110-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1893, "texte": "Oper die Bahn zehn Jahre früher gebrochen, als ein\ngrosser Erfolg auf der Bühne es vermocht hätte; sie ha-\nben aber auch dem Namen ihres Verfassers eine neue Be-\ndeutung verliehen. Liszt galt von nun an als der Vor-\nkämpfer und Mitbegründer jener Schule, die als die der\nZukunftsmusik bezeichnet wurde.\nWeimar war von jener Zeit an der Wallfahrtsort\naller Jünger der neuen Schule. Denn wenn sie auch\nWagner als das eigentliche Haupt anerkannten, so lebte\ner doch zu fern von Deutschland, und seine Stellung war\nauch eine einflusslose. Der eigentliche Leiter der Rich-\ntung, der Befehlshaber, der die Parole gab, war und\nblieb Liszt. Um ihn scharten sich Kunstjünger, Kunst-\nfreunde, Literaten und Schüler, über die er fast unbedingt\nherrschte. Unter den Ersten ragten Joachim und Hans\nvon Bülow hervor. Der Erstere lebte eine Zeit lang als\nConcertmeister in Weimar, ging dann in gleicher Eigen-\nschaft nach Hannover und war ein grosser Verehrer\nWagner's, persönlicher Freund Liszt's bis vor wenigen\nJahren, wo er sich in einer Art von Rundschreiben von\nder ferneren Theilnahme an der neuen Schule lossagte.\nHans von Bülow dagegen ist bis jetzt der treueste und\nbedeutendste Verehrer und Vertreter Liszt's. Er war zu-\nerst sein bester Schüler, dann ward er sein Schwieger-\nsohn; überall tritt er in Wort, Schrift und That für die\nCompositionen seines Schwiegervaters in die Schranken,\ner duldet eher einen Angriff auf seine Künstlerschaft als\neinen Zweifel an dem Werthe der symphonischen Dich-\ntungen Liszt's; er lässt andere Pianisten, die unter ihm\nstehen, grössere Popularität durch den Vortrag brillanter,\ngefälliger Stücke erlangen, während er die schwersten\nund unzugänglichsten Ciavierstücke Liszt's spielt. Er hat\nnie einen Augenblick gezaudert, seine Stellung beim Pu-\nblicum ganz aufs Spiel zu setzen, um seine Ueberzeugung,\nseine Begeisterung für Liszt zu bekunden.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-11-10-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-11-10_01#c003", "volume": "bmtnabi_1866-11-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "356", "page_fin": "357", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661110-01.2.3", "titre_corps": "Aus München.", "titre_sommaire": "Aus München.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "356", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661110-01.1.4", "debut_caractere": 1895, "fin_caractere_exclue": 4843, "texte": "Aus München.\nDen 5. November 1866.\nUnsere Abonnements- und Gesellschafts - Concerte\nziehen allmählich als Friedensboten nach dem Verstummen\nder Schlacht-Fanfaren in unsere Stadt wieder ein, und\nmit Wonne lauscht der aufmerksame Zuhörer den schönen\nKunstgenüssen, welche sich als freudigbegrüsste Gäste\nnach schweren Tagen wieder darbieten.\nVor Allem sei unseren grossen Concerten der musi-\ncalischen A kademie ein herzliches „Willkomm\" gebracht.\nIhr Eintritt in diese Saison zeigte sich anpassend dem\nTage (Allerheiligenfesl) so wie ihrem bewährten Ruhme\nunter Franz Lachner's Leitung. Das Oratorium „Paulus\",\nMendelssohn's herrliche Tonschöpfung, wurde von\nden Solisten: den Damen Diez und Ritter, den Herren\nVogl und Fischer, so wie von Chor und Orchester in gleich\nwürdiger, vollendeter Weise zur Aufführung gebracht\nund von dem zahlreichen Auditorium, an dessen Spitze\ndie allerhöchsten Herrschaften befanden, mit lautem\nBeifall aufgenommen.\nDer Oratorien-Verein, dirigirt von Prof. Rhein-\nberger, bereitet Händel's „Saul\" vor, um das grosse\nWerk, welches hier noch gänzlich fremd ist, im Verlaufe\ndes nächsten Monats seinen Mitgliedern vorzuführen.\nAuch unser treffliches Streichquartett der Mit-\nglieder der k. Hofcapelle:Concertmeister Walter, Closner,\nThoms und H. Müller, beginnt demnächst seine sehr be-\nsuchten Soireen, um uns wieder in den feineren Bereich\nder Rammermusik einzuführen und neue Triumphe\nzu feiern.\nAm 28. October wurden die unter Professor H.\nSchönchen's Leitung stehenden des\nphilharmonischen Vereins wieder eröffnet. In dieser\nersten sang Fräulein Amalie Schönchen, deren Leis-\ntung uns während ihres Hierseins schon mehrmals in\nKirchen und Concerten erfreut hat, einige Lieder\nvon Schubert, Marschner, Frz. Wüllner und eine reizende\nSerenade mit Flötenbegleitung von Gounod. Der ver-\nständnissvolle, mit Sorgfalt gepflegte, feine Vortrag, durch\nwohlgeschulte Stimmmittel ausgezeichnet, kam hierbei zur\nschönsten Geltung und lauten Anerkennung. Wir glau-\nben, Frl. Schönchen als gediegene Concertsängerin für\nOratorien etc. allenthalben aufs beste empfehlen zu kön-\nnen. Schönen Erfolg errang sich auch unser talentvoller\njunger Violoncellist B enna t, welchelr ein Capriccio eigener\nComposition über schwedische Lieder mit Virtuosität und\nfeinem Geschmack vortrug.\nDie Münchener Liedertafel, unter Prof. Schön-\nchen's Direction, wird mit Nächstem die Chöre aus der\n„Antigone\" von Mendelssohn zur Aufführung bringen.\nDer Componist Max Zenger hat seine Stelle als\nChormeister des Gesang-Vereins „Bürger-Sängerzunft\"\nniedergelegt; Musik-Director C. M. Kunz, welcher früher\nschon als Dirigent an der Spitze dieses Vereins stand, hat\ndie erledigte Stelle auf Wunsch wieder übernommen.\nUnser Musik-Conservatorium ruht noch immer in\nFrieden und harrt der Dinge, die da kommen!\nIn einem gewählten Kreise von Meistern und Ver-\nehrern der Kunst konnten wir gestern die erfreuliche\nWahrnehmung machen, dass die keusche Muse noch"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "357", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661110-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1526, "texte": "immer ihren Cultus findet und auch von den Epigonen\nunserer dahingeschiedenen Hohenpriester die Mysterien\nder himmlischen Tochter mit weihevollem Versländniss\ngefeiert werden. Wir stehen nicht an, den Grafen Lud-\nwig Stainlein zu den hervorragendsten dieser Epigo-\nnen zu rechnen. Er hat sich bereits durch eine Reihe\nvon Compositionen für Kammermusik, die auch in der\nNiederrheinischen Musik-Zeitung mit grosser Anerkennung\ndes Talents des Componisten besprochen worden sind*),\nals einen Meister bewährt*, der den Anforderungen der\nSchule mit genialer Freiheit gerecht zu werden versteht.\nGestern liess er, neben einem älteren Quintett, sein\nneuestes Werk, ein Sextett für 2 Violinen, 2 Violen\nund 2 Violoncello's, zur Aufführung bringen, eine Schöp-\nfung eben so ausgezeichnet in der Conception der Gedan-\nken als vollendet in den Formen, würdig, dem Besten an\ndie Seite gestellt zu werden, was die musicalische Litera-\ntur unseres Jahrhunderts in diesem Genre aufzuweisen\nhat. Die Begeisterung des kleinen Kreises der Zuhörer\nwar eine aufrichtige und die Ausführung durch die ein-\ngeladenen Künstler, obwohl prieine so gehobene,\ndass man wohl sah, jede Stimme werde mit derselben\nLiebe zur Geltung gebracht, als sie von dem Componisten\ndurch die verschlungenen Pfade der Harraonieen geführt\nworden. Mendelssohn, der Freund des Meisters, würde\nihn für ebenbürtig im Reiche der Tonkunst erklären, und\ndie Gegenwart möge sich freuen an der Tbatsache, dass\ndas heilige Feuer wahrer Kunst von so edlen Händen un-\nterhalten wird."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-11-10-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-11-10_01#c004", "volume": "bmtnabi_1866-11-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "357", "page_fin": "358", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661110-01.2.4", "titre_corps": "Johann Christian Bach", "titre_sommaire": "Johann Christian Bach", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "357", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661110-01.1.5", "debut_caractere": 1528, "fin_caractere_exclue": 5125, "texte": "Johann Christian Bach\n**).\nDieser Johann Christian Bach, ein, wie Gerber ganz\nnaiv sagt, „zwar der Bacbischen Schule ungetreuer, aber\ndesswegen um desto gefälligerer und beliebterer Compo-\nnist\", spielte eine weit glänzendere Rolle in der Welt,\nerst zu Mailand in Italien und dann zu London, wo er\nvon 1759 bis an seinen Tod 1782 lebte, als sein Vater\nJohann Sebastian, dessen jüngster Sohn er war. Was er\nbei seinen Zeitgenossen galt, zeigen uns folgende Stellen\naus Burney's History etc. S. 482.\n„Als Christian Berlin verliess und nach Italien kam,\nwar die Composition für den Gesang sein Hauptgeschäft\nund er versicherte mir, dass er in mehreren Jahren kein\nCiavier zu einem anderen Zwecke berührt habe, als bloss\nfür die Singstimme zu setzen oder selbigezu begleiten. Als\naber nach seiner Ankunft in England seine Spielart so\nsehr bewundert wurde, so suchte er zwar den Verlust\nan Fertigkeit wieder zu ersetzen, welchen seine Hände\ntheils wegen Mangels an Uebung und besonders wegen\nder Lähmung durch das beständige Krümmen der Finger\nbeim Federhalten erlitten hatten. Dennoch aber erhielt er\nnie die Schnellkraft und Geschwindigkeit wieder, welche\nzum Vortrage grosser Schwierigkeiten gehöret. Auch\nwaren alle seine Ciaviersachen von der Art, dass sie von\nDamen, ohne grosse Mühe anzuwenden, herausgebracht\nwerden könnten, und seine Allegro's scheinen eher Bra-\nvourarien, als Instrumentalstücke für Virtuosenkräfte.\nDies ist auch die Ursache, wesswegen sie, ohne begleitende\nInstrumente vorgetragen, so sehr verlieren. Denn das\nAccompagnement ist gewöhnlich so meisterhaft und inte-\nressant für den Zuhörer, dass es jede unbedeutende Stelle\nder Ciavierpartie verbirgt.\n„In seinen Opern, welche er für das Londoner\nTheater geschrieben hat, kommen manche wunderschöne\nArien vor, welche auch desswegen lange Zeit für Lieb-\nlingsstücke gehalten worden sind. Vielleicht war es aber\nmehr der Reichthum des Accompagnements, als das Ausser-\nordentliche der Melodie, welches ihnen diesen Vorzug zu\nWege brachte: ob diese gleich sonst immer natürlich,\nschön und in dem besten italiänischen Geschmacke gesetzt\nwaren. Die Neapolitanische Schule, in welcher er sich\nbildete, zeigt sich offenbar in seinem Gesänge; und die\nWissenschaft von seinem Vater, oder vielmehr von sei-\nnem Bruder, in seiner Harmonie. Seine Opern waren\ndie ersten, aus welchen das Dacapo verschwunden war,\nwas um diese Zeit zur allgemeinen Mode wurde. Man\nvereinigte den zweiten Theil mit dem ersten, zu welchem\nder Sänger, nachdem er in der Quinte modulirt hatte,\ngewöhnlich zurück kehrte.\n„Bach scheint auch der erste Componist gewesen\nfcu sein, welcher die Regel vom Contraste als einen\nGrundsatz ansah. Vor seiner Zeit schien der Contrast,\nwenn er in den Stücken anderer Meister vorkam, nur zu-\nfälliger Weise entstanden zu sein. Bach hingegen in\nseinen Sinfonieen und andern Instrumentaistückensowohl,als\nin seinen Singsachen, unterliess selten, nach einer geschwin-\nden und rauschenden Passage eine langsame und sanfte\n\n*) Vgl. Ausser früheren Beurtheilungen den Bericht aus Würz-\nburg in Nr. 1 des Jahrgangs 1865. Die Redaction.\n**) Da der Name J. Ch., d. i. Joh. Christian Bach (nicht\nzu verwechseln mit Joh. Christoph Bach, einem der grössten\nOrganisten und Contrapunktisten des XVII. Jahrhunderts, gest.\n1703 zu Eisenach, bei dessen Begräbnis» der Hofprediger über den\nText predigte: „Das Haupt, die Füss und Hände sind froh, dass zu\nEnde die Arbeit kommen sei\"), auf dem letzten hiesigen Concert-\nProgramm erschienen ist (vgl. unten), so theilen wir einige Nach-\nrichten aus Burney's „Geschichte der Musik\" über ihn mit."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "358", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661110-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1889, "texte": "einzuflechten.\" Gegenwärtig bedienen sich unsere Herren\nCotnponisten zur Hervorbringung des Kontrastes, nach\nrauschenden Stellen von Bogeninstrumenten, ganzer Chöre\nvon Flöten, Hoboen, Clarinetten, Fagotten, Hörnern und\nPosaunen, die sie dann noch mit Trompeten und Pauken\nanfrischen. Das heisst: sie vertauschen einen Lärm mit\ndem andern! Und wie könnte man in unserem Zeitalter,\nwo es in allen Köpfen stürmt, an diesen sanften und stil-\nlen Abwechselungen Geschmack finden? Als ihm zu Lon-\ndon zum ersten Male der Auftrag gemacht wurde, eine\nitaliänische Oper zu setzen, so befand er sich wegen der\nschlechten dasigen Sänger, für die er schreiben und seinen\nRuhm aufs Spiel setzen sollte, in nicht geringer Verlegen-\nheit. Zum Glücke hörte er die De Amicis in einer Pri-\nvatgesellschaft, und vermochte den Impresario, selbige\nals Prima Donna bei der Opera seria aufzunehmen, in-\ndem sie bisher nur bei der Bgestanden hatte. Nun\nschrieb er seinen Orione, o 1763,\nwelcher 3 Monate lang allgemeine Bewunderung erhielt.\nAusser den übrigen Schönheiten der Harmonie und des\nGesanges, wodurch sich diese Oper auszeichnete, that\nsein ganz eigener Gebrauch, den er von den Blasinstru-\nmenten darin gemacht hatte, ganz besondere Wirkung.\nUnd es war in dieser Oper, wo sich in England die Cla-\nrinetten zum ersten Male im Orchester hören liessen.\nDarauf folgte Zanaida u. s. w.\nBach, Cecilia geb. Grassi, aus Italien, seine Gattin,\nwar seit 1767 mehrere Jahre hindurch Prima Donna bei\nder Oper zu London, ob sie gleich nichts weniger als\nschön war, und überdies wie leblos auf der Bühne zu\nstehen pflegte. Unterdessen besass sie doch, bei einer\nsüss-klagenden Stimme, so viel Unschuld im Ausdrucke,\nso viel Wahrheit in der Intonation, dass der Zuhörer,\ndavon überrascht, sie mit doppeltem Vergnügen zu hören\npflegte. Sie begab sich nach dem Tode ihres Gatten wie-\nder in ihr Vaterland nach Italien."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-11-10-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-11-10_01#c005", "volume": "bmtnabi_1866-11-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "358", "page_fin": "359", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661110-01.2.5", "titre_corps": "Zweites Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller, Dinstag, den 2. November 1866.", "titre_sommaire": "Zweites Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller, Dinstag, den 2. November 1866.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "358", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661110-01.1.6", "debut_caractere": 1891, "fin_caractere_exclue": 5657, "texte": "Zweites Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn\nFerdinand Hiller,\nDinstag, den 2. November 1866.\nProgramm. I. Abtheilung. 1. Ouvertüre vonJul. Tausch.\n2. Arie für Sopran aus Scipione von J. Ch. Bach (Frau Ruders-\ndorff). 3. Fantasie für Violoncell von AI. Schmit (Herr A.\nSchnait). 4. Canzonetten von J. Haydn (Frau Rudersdorff). 5.\nAdagio und Finale aus dem Concert in H-moll für Pianoforte von\nJ. N. Hummel (Frau Johnson-Gräver, Hofpianistin der Köni-\ngin von Holland). 6. Finale: „Lorelei\" von Mendelssohn (Leo-\nnore: Frau Rudersdorff).\nII. Abtheilung. Sinfonie in D-moll von Schumann.\nEin Programm von sechs Nummern in der ersten Abtheilung,-\nund darunter vier, oder eigentlich fünf Solo vortrage, denn Felix Mendels-\nsohn's Lorelei-Finale kam doch auch nicht der Chöre, sondern\nder Solistin wegen wieder dran, das ist im Gürzenich noch\nnicht dagewesen! Wenn wir so fortschreiten, so können wir die\nMiscellaneous-Concerts von England oder wenigstens die Gewand-\nhaus-Concerte von Leipzig einholen, denn drei Vorträge einer\nSängerin, darunter einer von zwei Liedern am Ciavier, eine mo-\nderne Fantasie für Violoncell, und von einem classischen Werke\nwie Hummers Concert in H-moll nur das Adagio und Finale\ndas kann schon zu einer Reform unserer Programme führen. Zur\nEntschuldigung kann man höchstens anführen, dass die Schumann'-\nsche in der zweiten Abtheilung doch wenigstens\neinen Protest zu Gunsten der Würde der Gesellschafts-Concerte ein-\nlegte, was glücklicher Weise auch von der Eröffnungs-Musik des\nersten Theiles gesagt werden kann. Denn diese, eine Ouvertüre\nvon J. Tausch, beim letzten Musikfeste in Düsseldorf zuerst aufge-\nführt und hier in Köln neu, fand allgemeinen Beifall, und die hie-\nsige Aufführung bestärkte auch uns in der günstigen Meinung,\ndie wir nach der ersten Anhörung über dieses Werk fassten und\naussprachen. Herr Tausch gehört als Componist zu denjenigen\nMusikern, die sich durchaus nicht mit ihren Schöpfungen an das\nLicht der Welt drängen, vielleicht auch durch ihre Natur nicht\ndazu gedrängt werden. Dass es ihm aber keineswegs an Talent\nzum Schaffen und an dem nöthigen Wissen und Können zur Gel-\ntendmachung desselben in den richtigen Kunstformen fehlt, beweist\nausser früheren Compositionen, unter denen sich sehr anmuthige\nCiavierstücke befinden, besonders diese neue Ouvertüre, welche\nnach einer Introduction, die in sehr ansprechender Weise Andeu-\ntungen auf das Hauptthema gibt, einen Allegrosatz bringt, dessen\nMotive eine eigentümliche Frische der Erfindung haben und mit\nGeschick und Fluss zu einem lebensvollen Ganzen verarbeitet\nsind, am dem besonders auch die Klarheit und die Enthaltung von\nMissbrauch der neueren Effectmittel lobenswerth erscheinen.\nNach der Ouvertüre wurden wir, wie es jetzt Mode ist, durch\nein neu-altes Stück beglückt, dieses Mal durch eine Sopran-Arie\naus einer italiänischen Oper, welcher wegen ihres hundertjährigen\nAlters eine Decoration zu Theil werden würde, wenn sie noch\nlebte. Sie ist aber leider bald nach ihrer Geburt schon im Jahre\n1770 wieder gestorben, und wir glauben nicht, dass selbst ihre\ntrompetenartige, den weiten Saal erschütternde Coloratur die Kraft\nhaben wird, sie aus dem Grabe zu neuem Leben zu erwecken. Und\nsie trug noch dazu den Namen Bach an der Stirn. Aber es gibt\nBäche vieler Art, und während der Eine zum Strom anwächst, des-\nsen Fluten zum Staunen der Welt majestätisch dahin rauschen,\nrieselt der andere in tausend Krümmungen durch flachen Wiesen-\ngrund, tränkt eine Menge Blümlein für deren Liebhaber, Amateurs,\nDilettanti, und verschwindet im Sande. Johann Sebastian und\nJ. Ch., d. h. Johann Christian, welch ein Unterschied! Sebastian's\nPassionen und Cäntaten Christian'« Opern und „amüsante\" In-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "359", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661110-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6673, "texte": "strumentalstücke! Wir haben nach Anhörung der Aria Confusa\naus dessen Scipione (oder richtiger: la Clemenza di JScipione)\nnicht Lust, die vierundzwanzig Foliobände von Arien Christian's,\nwelche auf der k. Bibliothek in Berlin unter Aufsicht des Cultus-\nMinisteriums beruhen, durchzustöbern, um eine bessere Meinung\nvon ihm zu bekommen, als uns die Confusa ed abandonnata beige-\nbracht hat. Aber wehe! Hätten wir doch dieses Geheimniss ver-\nschwiegen! Wir sehen im Geiste schon eine ganze Procession von\nKünstlern und Künstlerinnen nach Berlin wandern, um aus dem dort\nverborgenei? Bach Gold zu waschen. Allerdings war Johann\nChristian ein Sohn Sebastian's, der eilfte, wenn uns recht ist, und\nhatte auch von seinem Vater, den er früh verlor, eine überreiche\nmusicalische Ader geerbt. Er stuclirte bei seinem älteren Bruder\nPhilipp Emanuel, ging dann nach Italien, wo er sich gänzlich ita-\nlianisirte, und lebte seit 1759 in London als Lieblingscomponist des\nPublicums und besonders der Damen. Ueber ein Dutzend Opern,\nCantaten, Arien, eine Menge von Sinfonieen, Quintetten, Quartetten,\nClavier-Concerten, Sonaten etc. lieferte er sein Leben lang mit\nLeichtig- und Leichtfertigkeit, und nichts charakterisirt ihn besser,\nals die Antwort, die er einem Musiker gab, der ihn erinnerte, sich\ndoch endlich seinen Bruder Emanuel zum Muster zu nehmen: „Ei\nwas! Mein Bruder lebt, um zu componiren, ich componire, um zu\nleben!\" Nun, von diesem Bach haben wir denn am Dinstag\neine Composition gehört, und gestehen, dass uns eine so geschmack-\nlose, durch nichts berechtigte, musicalisch alberne Coloratur, wie\ndiese Arie zeigt, oder vielmehr aus welcher diese Arie besteht, noch\nnie zu Gehör gekommen ist. Leider können wir nicht sagen, dass\nder Vortrag das Herbe und geradezu Unangenehme derselben\nmilderte*).\nDer Vorgang dieser Antiquaille war ein Vortheil für Herrn A.\nSchmit, dessen „Fantasie\" für das Violoncell sonst vielleicht den\nVorwurf, dass sie zu modern und weich sei, auf sich gezogen ha-\nben würde, jetzt aber, verbunden mit dem schönen Vortrage des\nKünstlers, ihm rauschenden Applaus und Hervorruf einbrachte.\nWas uns persönlich betrifft, so vergessen wir bei dem schönen In-\nstruaient nicht gern, dass es eben ein Violoncello, d. h. ein Con-\ntrabässlein (Violone, der Contrabass) ist, nicht eine Geige (Violino),\nwozu es die Neueren meist machen.\nHiernach sang Frau Rudersdorff zwei „Canzonetten\" von J.\nHaydn mit Clavierbegleitung, anmuthige Compositionen; doch schien\nes uns, als ob sich der Saal verwunderte, ein Paar kleiner Vöglein\nin einem so kolossalen Käfig schwirren zu hören. Der Vortrag der\nbeiden Lieder war, wie alles, was die Künstlerin mit halber\nStimme sang, recht schön. Waren die zwei Lieder, welche Frau\nRudersdorff mit englischem Text sang, aus den Songs and ballads\n(London, 1794) oder aus dem Hefte deutscher und italiänischer\nLieder bei Artaria verlegt, aber in London mit englischer Ueber-\nsetzung des Textes nachgedruckt? Im ersten Falle hätte der Titel\nnicht „Canzonetten\" heissen sollen; im zweiten, den wir der Melodie\nnach voraussetzen müssen, war es doch komisch, ein deutsches Lied\nvon Haydn mit englischem Text zu hören. Am Schlüsse der ersten Ab-\ntheilung hatte sie noch die „Leonore\" in Mendelssohn's Finale der\n„Lorelei\", ob übernommen, oder selbst gewählt, wissen wir nicht.\nAn Kraft der Stimme fehlte es der berühmten Sängerin für diese\nPartie nicht, allein der frische Wohllaut, den sie neben der Kraft\nverlangt, und das sympathische Etwas, welches durch den Ton und\ndessen Behandlung in die Seele des Hörers dringt, wurden vermisst.\nEs scheint, dass die Anstrengungen, welche eine Concert-Saison in\nEngland den Künstlern zumuthet, am Ende auch auf die kräftigsten\nund begabtesten Naturen nicht ohne nachtheilige Einwirkung bleiben.\nFrau Madeleine Johnson-Gräver, Hofpianistin Ihrer Majestät\nder Königin der Niederlande, ist als eine der ausgezeichnetsten\nKünstlerinnen allen denen bekannt, die auch von den Erscheinun-\ngen auf dem Gebiete der Tonkunst im Auslande Notiz nehmen. In\nAmsterdam, ihrer Geburtsstadt, entdeckte Liszt zuerst ihre bedeu-\ntende musicalische Anlage und bewog die Eltern, ihre Ausbildung\nden besten Meistern anzuvertrauen, unter denen später Henri LitolfF\nhauptsächlich ihre Studien leitete. Daher kam es denn auch, dass\nsie auf ihren ersten Kunstreisen häufig LitolfFs Concerte mit gros-\nsem Erfolg vortrug. Nachdem sie in Holland und Belgien schon\ngrossen Ruf erlangt, ging sie nach Paris, dann nach London, wo\nsie sich verheirathete, und von da nach America. Beim Ausbruch\ndes dortigen Krieges kehrte sie nach Europa zurück und fand wie-\nderum in London und Paris, so wie in Belgien und Holland die\nglänzendste Aufnahme. Ihre Concerte im grossen Saale des Louvre\nzu Paris waren in der Saison von 1863—1864 ein Ereigniss; ihre\nAuffassung und ihr Vortrag classischer Musik standen auf der\nHöhe der Kunst. Erst in gegenwärtigem Jahre entschloss sie sich,\nDeutschland zu bereisen, und nachdem wir sie im Concert und sonst\nöfter gehört haben, sind wir überzeugt, dass sie überall als eine\nKünstlerin, welche in die Reihe der grossen Pianistinnen, wie Frau\nSchumann und Frau Szarvady-Clauss, gehört, aufgenommen werden\nwird. Es war sehr zu bedauern, dass sie am Dinstag Abend nicht\nauch das erste Allegro des von Hummel nach\nihrem Wunsche, wahrscheinlich weil das Programm schon vor ihrer\nAnkunft feststand, spielen konnte. Ihr Spiel zeichnet sich durch\ngrosse Kraft, in Verbindung mit einer Schattirung aus, welche\nnicht in scharfen Contrasten ihre Wirkung sucht, sondern im feinern\nColorit des Ausdruckes, ferner durch technische Vollendung, beson-\nders in den Passagen der linken Hand, und vor Allem durch einen\nclassischen Styl, welcher der Composition entspricht, und durch\nkeine Sucht, sogenannte individuelle Effecte anzubringen. Sie spielt\nMozart und Hummel, Beethoven und Mendelssohn, Bach und Cho-\npin im Charakter der Meister ohne Zuthat von ihrer Seite, und das\nist doch der eigentliche classische Vortrag, wie er den Forderungen\nder Kunst entspricht. Madame Gräver wurde unter stürmischem\nBeifalle gerufen. Es ist von vielen Seiten der Wunsch ausgesprochen\nworden, dass die treffliche Künstlerin eine Soiree geben möchte,\nwo das kunstliebende Publicum dann Gelegenheit haben würde, ihr\nSpiel in verschiedenartigen Compositionen zu bewundern.\nDen Schluss des Concertes machte eine recht gelungene Aus-\nführung der D-mo£Z-Sinfonie von Schumann.\n*) Schliesslich wollen wir noch bemerken, dass J. Christian\nBach auch eine Cantate für Sopran: Die1,, Americanerin\", geschrieben\nhat; bei der Vogue der „Africanerinu wäre damit vielleicht ein\ngutes Geschäft in England und noch mehr in America zu machen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-11-10-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-11-10_01#c006", "volume": "bmtnabi_1866-11-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "360", "page_fin": "360", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661110-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "360", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661110-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4870, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nHerr Dr. Gunz wird die Bühne in Hannover vorläufig nicht\nverlassen.\nXjeipzig* Abert's „Astorga\", deren Auffuhrung im Stadt-\ntheater mehrfach verschoben werden musste, ist hier am 29.\nOctober zur ersten Aufführung gelangt. Herr Abert war per-\nsönlich hieher gekommen, um die letzten Proben und die ersten\nAufführungen zu leiten.\nDer ehemalige Director des münchener Conservatoriums, Franz\nHaus er, hat bei Breitkopf & Härtel eine Gesangschule herausge-\ngeben. Wir werden darauf zurückkommen.\nBei J. Rieter-Biedermann sind kürzlich zwei Torsos von Rob.\nSchumann, Scherzo und Presto passionato für Ciavier, erschienen.\nDenselben ist ein Vorwort von J. B. (Johannes Brahms) vorgedruckt.\nEs wird gut sein, zu bemerken, dass Brahms diese Stücke aufge-\nfunden, und Niemand weiter von ihrer Existenz gewusst hat.\n(Leipz. A. M. Z.)\nBrenden* Herr Concertmeister Lauterbach hat vor we-\nnigen Tagen eine Berufung als erster Concertmeister nach\nMünchen erhalten, und zwar unter sehr glänzenden Bedingungen.\nHoffentlich indess haben wir den Verlust des ausgezeichneten Vir-\ntuosen nicht zu beklagen, dessen künstlerische Leistungen eine Zierde\nder kgl. Capelle und von vorwiegender Bedeutung für die hiesigen\nMusikzustände sind. (D, J.)\nAus München wird in hochpreisenden Ausdrücken geschrie-\nben: „Die hiesige Oper hat einen schönen Fund gemacht. Ein Frl.\nMallinger, die Schülerin Levi's in Wien, eine geborne Croatin,\ndebutirte zum ersten Male, und zwar als „Norma\", und ihr Debüt\nwurde ein wahrer Triumph. Jugendlich-anmuthige Erscheinung,\nsüsser Wohlklang der Stimme, feingebildeter musicaliscber Geschmack,\nseltene Technik u. s. w. Die nächste Partie, in welcher dieses\nmusicalische Phänomen vor das Publicum tritt, ist die Donna Anna.\nUnd noch immer rufen wir nach einem Heldentenor. HerrNorbert,\nder dieses Fach bei uns versieht, besitzt eine schöne, aber unge-\nbildete Stimme, dabei hat er kein musicalisches Gehör und noch\nweniger künstlerischen Geschmack, auch in schauspielerischer Be-\nziehung genügt er nicht einmal den bescheidensten Forderungen.\nEin Glück, wie jenes mit der Mallinger, könnte unserer Oper wieder\nauf die Füsse helfen. Frl. Stehle hat sich von ihrer Krankheit\nsie litt an Lungenentzündung und Typhus nun wieder erholt\nund wird demnächst wohl die Bühne betreten. Der Gedanke, das\naufgelöste Conservatorium für Musik in eine Musikschule umzu-\nändern und die Direction derselben Hans von Bülow zu über-\ntragen, ist keineswegs, wie es da und dort hiess, aufgegeben, sondern\nsteht beim Cultus-Minister noch vollkommen fest, und wenn nicht\nausserordentliche Dinge eintreten, wird diese Musikschule wahr-\nscheinlich schon mit Anfang März oder April unter der provisori-\nschen Direction des geistlichen Rathes Nissl eröffnet werden.\nDer weibliche „Liederkranz\" in Hain bürg, ein aus den\nArbeiterinnen der k. k. Tabak-Hauptfabrik daselbst bestehender Ge-\nsangverein, hat am letzten Sonntage wieder eine Production veran-\nstaltet. Sie sangen mit der gewohnten Deutlichkeit der Aussprache,\nderselben Richtigkeit des Tones wie sonst manch' schönes Liedlein.\nBesonders gefielen „das Röslein im Walde\", „Tanzlied\", „Kartoffel-\nLied\" und insbesondere das schwierige „Ave Maria\". Die kleine\nCapellmeisterin Sidonia Wiesinger, welche ebenfalls ein angeneh-\nmes Stimmchen besitzt, hielt mit Energie den weiblichen Chor zu-\nsammen, der einzig und allein bisher in Deutschland besteht.\nAm 24. October gaben Joachim und Brahms zusammen ein\nConcert in Schaffhausen.\nHans von Bülow hat am 9. October in Basel das Raff'sche\nQuintett gespielt und eröffnete in der vorletzten Woche daselbst\nseine Trio-Soireen. Man versichert uns ganz positiv, dass er den\nWinter hauptsächlich in Basel verbringen werde.\n(Leipz. A. M. Z.)\nDas Pergola-Theater in Florenz hatte einen Concurs für\nOpern-Componisten eröffnet. In Folge dessen liefen 22 Partituren ein,\nunter welchen bloss zwei der Beachtung und Aufführung werth be-\nfunden wurden. Die Verfasser sind die Herren Tadeucci und\nGial dini.\nDie Pianistin Maria Wieck hat sich nach Florenz begeben,\num dort an den Bemühungen, deutsche Musik einzubürgern, sich zu\nbetheiligen.\nMan beabsichtigt in Rom dem Tonmeister Palestrina ein\nDenkmal zu errichten, und es hat sich bereits ein zu diesem\nZwecke gebildet.\nDie populären Concerte für classische Musik,\nwelche vorigen Winter so viel Anklang gefunden haben, werden\nAnfangs November wieder beginnen. Der Director derselben, Herr\nSamuel, beabsichtigt eine grosse Anzahl classischer Werke aufzu-\nführen, die in Brüssel noch nicht gehört worden sind; ebenso wird\nden belgischen Componisten reichlich Rechnung getragen werden\ndurch Vorführung eigens für diese Concerte componirter Werke von\nLassen, Radoux und Dupont.\nEiner der besten Decorationsmaler der grossen Oper in Paris,\nJoseph Thierry, ist gestorben. Er war 55 Jahre alt und seit\n1863 Ritter der Ehrenlegion."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "353", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661110-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nKünstler und Mönch (Fortsetzung). Aus München (Abonnements- und Gesellschafts-Concerte). Johann Chri-\nstian Bach (Biographische Notizen). Zweites Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, Tages- und Unterhaltungsblatt\n(Dr. Gunz Leipzig, Abert's „Astorga\", F. Hauser's Gesangschule, Werke von R. Schumann Dresden, Concertmeister Lauterbach\nMünchen, Oper Hainburg, weiblicher „Liederkranz\" Joachim—H. von Bülow Florenz, Concurs für Opern-Componisten u. s. w.).\n\nKünstler und Mönch.\n(Fortsetzung. S. Nr. 44.)\nVon Wien wandte sich Liszt zuvörderst nach Italien;\ner verstand hier wie überall neben der Bewunderung für\nseine Kunst auch immer die Aufmerksamkeit für seine\nPerson rege zu erhalten. In Rom musicirte er mit dem\nberühmten Maler Ingres, dann verschwindet er mit einem\nMale in einer kleinen einsamen Villa am Meeresstrande\nbei Pisa. Einige Zeit schweigen die Journale über ihn,\nals plötzlich vom Rhein eine Kunde ertönt, die wie ein\nBlitz sich nach allen Seiten hin verbreitet: Liszt hat in\neinem französischen Journal gelesen, dass die Unterzeich-\nnungen für das Monument, welches Beethoven in seiner\nVaterstadt Bonn errichtet werden soll, nur langsamen\nVerlauf nehmen; er schreibt an das Comite und erbietet\nsich, sofort die fehlende Summe aus eigenen Mitteln zu\nbeschaffen!\nIm Winter 1839 kam Liszt wieder nach Wien. Der\nEnthusiasmus war noch grösser als bei seiner ersten An-\nwesenheit. Doch alle Ovationen, alle Excentricitäten zer-\nflossen in Nichts vor dem, was in Pesth, wohin unser\nHeld sich vor Weihnachten desselben Jahres begab, ihm\nzu Ehren erfunden ward. Zwar wollten manche Musiker\nbemerken, dass Liszt während seines Aufenthaltes in der\nungarischen Hauptstadt nur selten die künstlerische Stim-\nmung zeigte, in welcher er seinen Ruhm rechtfertigte,\ndass er meistens sehr aufgeregt war und daher nicht\nimmer die vollkommene Herrschaft über sein Instrument\nbehielt. Wer aber dachte in jener Zeit, Liszt mit Auf-\nmerksamkeit anzuhören! Ihn sehen und in Enthusiasmus\ngerathen war Eins. Man kann es den Ungarn übrigens\nnicht sehr verargen, wenn sie den Landsmann, dessen\nName ganz bestimmt der berühmteste in Europa war, ver-\ngötterten, wenn sie über diesem Glänze seines Namens\nvergassen, dass dieser Landsmann kein Wort seiner eigent-\nliehen Muttersprache verstand [?], dass er (wie noch jetzt)\nmeist nur Französisch sprach und schrieb. Dass ungarische\nMagnaten in einem öffentlichen Concerte, welches er zum\nBesten des ungarischen Theaters gab, ihm vor dem ver-\nsammelten Publicum einen Ehrensäbel verehrten, wollen\nwir bis zu einem gewissen Punkte erklärlich finden, be-\nsonders wenn wir den sehr wenig bekannten Umstand er-\nwägen, dass man damals für Liszt ein Adelsdiplom von\nder österreichischen Regierung erwirken wollte, aber nicht\nkonnte, und dass der Säbel dem Ungar nicht etwa bloss\nein Attribut des Militärs, sondern ein Symbol adeliger\nRechte ist.\nDass Liszt 15- —20,000 Thaler, die er in seinen\npesther Concerten einnahm, den Mildthätigkeits- und\nKunst-Instituten der Stadt schenkte, hat volles Anrecht\nauf Anerkennung seiner grossmüthigen Freigebigkeit.\nVon Pestb ging er nach Wien zurück, und von da\nüber Prag, Dresden, Leipzig, Hannover nach Paris. Dass\ner überall gleichen Enthusiasmus erregte, oder vielmehr\nschon vorfand, ist selbstverständlich. Sein Name wirkte\nals ein Zauber, bevor er noch zu spielen begann, und da-\nbei kannte er neben seinem grossen Genie auch alle Mit-\ntel, das Publicum zu enthusiasmiren.\nEine merkwürdige Episode seines Runstiebens bot\nder Aufenthalt in Leipzig. Namentlich über die hohen\nPreise gab's einen „Heidenscandal\", wie Mendelssohn an\nseine Mutter schrieb: interessant ist es aber, einen Rück-\nblick auf die Haltung zweier Männer zu werfen, denen\ngegenüber er Rechenschaft abzulegen hatte über seinen\nkünstlerischen Beruf: Mendelssohn und Schumann. Die\nNaturen dieser beiden edlen Männer waren in ihrem\nGrundtone verschieden, aber sie harmonirten in Einem:\nin dem Widerwillen gegen das Virtuosenthum, das Liszt\nzum höchsten Glänze erhoben hatte. Doch waren wieder\ndie Motive dieses Widerwillens bei jedem Einzelnen an-\ndere, obwohl immer edle. In Mendelssohn sträubte sich"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "354", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661110-01.1.2", "texte": "das feine Gefühl, der aufs schönste ausgebildete Formen-\nsinn gegen jedes Ueberschreiten eines gewissen Masses,\ngegen jedes Opfern der reinen Kunstform, das bei der\nhöchsten und vorwaltenden Virtuosität vorkommen musste.\nAuch stand seine tüchtige, auf ernste Studien gegrün-\ndete Bildung, sein gesellschaftliches Benehmen im Gegen-\nsatze zur genialen Natur Liszt's und zu dessen ungebun-\ndenem, excentrischem Wesen. Anders war es bei Schu-\nmann. Der kümmerte sich wenig um äussere Form, gegen\ndie er selbst manchmal verstiess; dagegen lebte in ihm\neine unbesiegbare, instinctartige Abneigung gegen alles,\nwas nicht reine künstlerische Gesinnung, was nicht der\ninnersten Natur entsprang, und ihm galt reine Virtuosität,\ndies Sich-zur-Schau-Tragen als das am meisten Unkünst-\nlerische. Und der Mann sah in der herrlichen Gattin, die\ndamals an seiner Seite wandelte, das schönste Vorbild der\nVirtuosität im unablässigen Dienste der Kunst; dass also\nihm die ganze Erscheinung Liszt's keine sympathische\nsein konnte, ist selbstverständlich. Und doch, wie sprachen\nsich diese beiden Männer aus! Mendelssohn meint in dem\nBriefe an seine Mutter zuerst: „Thalberg ist mit seiner\nGelassenheit und Beschränkung vollkommener als eigent-\nlicher Virtuose genommen, und das ist doch der Maassstab,\nden man auch bei Liszt annehmen muss, da seine Compo-\nsitionen unter seinem Spiele stehen.\" Aber im Verlauf\ndesselben Briefes: „Liszt besitzt eine gewisse Gelenkigkeit\nund Verschiedenheit der Finger und ein durch und durch\nmusicalisches Gefühl, das wohl nirgends seines Gleichen\nfinden möchte; ich habe keinen Musiker gesehen, dem so\nwie dem Liszt die musicalische Empfindung bis in die\nFingerspitzen liefe und da unmittelbar ausströmte.\" Da-\nbei vergass auch Mendelssohn nicht, seine einflussreiche\ngesellschaftliche Stellung gegenüber dem Künstler und\nfür ihn geltend zu machen.\nWie verhielt sich Schumann gegenüber Liszt? Er\nwar dem Virtuosenthum noch fremder als Mendelssohn,\nihm galt der liebenswürdige Weltmann Liszt noch weni-\nger als dem Componisten der Lieder ohne Worte. Wie\naber spricht er sich in seiner Musikzeitung aus? „Es ist\nnicht mehr Ciavierspielen dieser oder jener Art, sondern\nAusspruch eines kühnen Charakters überhaupt, dem zu\nherrschen, zu siegen das Geschick einmal statt gefähr-\nlichen Werkzeuges das Friedliche der Kunst zugetheilt\nhat. Wie viele bedeutende Künstler an uns vorübergin-\ngen in den letzten Jahren, und wie viele derselben wir\nauch selbst besitzen, an Kühnheit und Energie müssen\nsie ihm sammt und sonders weichen. Namentlich mit\nThalberg hat man ihn vergleichen wollen. In der That\nbraucht man nur die Köpfe Beider zu betrachten, um den\nSchluss zu ziehen. Ein Deutscher, ein Maler sagte einst,\nThalberg's Kopf wäre der einer schönen Comtesse mit\neiner langen Nase, während Liszt jedem Maler zn einem\ngriechischen Gotte sitzen könne; ein ähnlicher Unterschied\ngilt von ihrer Kunst.\"\nSchumann berichtet später über Liszt's zweites Con-\ncert, „wo der Enthusiasmus alles Erlebte überstieg\", und\nvon Liszt's Vortrag des Weber'schen Concertstückes. „Wie\nLiszt gleich das Stück anfasst mit einer Stärke und Gross-\nartigkeit, als gelte es einen Zug auf den Kampfplatz, so\nführt er uns von Minute zu Minute steigend fort, bis zu\njener Stelle, wo er sich an die Spitze des Orchesters\nstellt und es jubelnd selbst anführt.\" Schumann spricht\nnoch weiter von einem dritten (Wohlthätigkeits-) Concert\nLiszt's, worin dieser, kaum von Dresden zurückkommend,\nnoch ermüdet, die meisten Compositionen fast „vom Blatte\nweg spielte\". Von einem merkwürdigen, nicht bekannten\nZusammentreffen zwischen Liszt und Schumann werden\nwir später berichten.\nLiszt ging vorläufig nach Paris und dann nach Lon-\ndon. Er fand hier auch die enthusiastische Aufnahme,\ndie er schon als grosse Berühmtheit finden musste; im\nGanzen war er aber verhältnissmässig in England am\nwenigsten gefeiert.\nUeber die Reisen, die Liszt nunmehr unternahm, fassen\nwir uns jetzt so kurz als möglich. Er ging im Jahre 1840\nund 1841 über Holland, Dänemark, Hamburg und Bel-\ngien nach dem Rheine. Vom Rhein begab er sich über\nKassel nach Berlin. Wie er hier Alles zu einem Taumel\nbinriss, ist bekannt genug; wir heben nur hervor, dass\ndie ausserordentliche Erregung nicht etwa das grosse\nPublicum allein ergriffen hatte, dass sie vielmehr bis in\ndie höchsten Regionen reichte. Bestand doch der König\ndarauf, dass Liszt eines der Mitglieder des neugeschaffenen\nOrdens pour le merite wurde so meldet Humboldt an\nVarnhagen von Ense, und dieser berichtet in seinem Ta-\ngebuche wieder, dass er mit Liszt gespeist und eine sehr\nbedeutende Individualität in ihm gefunden habe. Nach\ndreimonatlichem Aufenthalte verliess Liszt Berlin. Am\nTage seines Abschiedes gab er noch ein Concert zum\nBesten unbemittelter Studirender. Als er abfahren wollte,\nfand er einen Wagen mit 6 Schimmeln bespannt, den\nihm die Senioren der verschiedenen Corps bereit gehalten\nhatten. Vor ihm her ritt eine Abtheilung Studirender;\nhinter ihm kam eine unabsehbare Reihe von Wagen. Auf\neinem Landgute in der Nähe der Residenz fand noch eine\nOvation Statt, dann setzte Liszt seine Reise fort, über Kö-\nnigsberg nach Petersburg. Dort ward er wie überall mit\nEnthusiasmus aufgenommen, doch scheint seine Haltung\nmanchen sehr hochstehenden Personen eine zu unabhän-\ngige gewesen zu sein; namentlich war sein immer schlag-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "355", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661110-01.1.3", "texte": "fertiger Witz, mit dem er hocbmüthige Bemerkungen zu-\nrückzuweisen verstand, Vielen sehr unbequem. Man er-\nzählte sich hierüber eine ergötzliche Anekdote, die wir\nhier wiedergeben, ohne ihre Wahrheit zu verbürgen.\nLiszt erschien in einer Gesellschaft mit vielen hohen Or-\nden auf seiner Brust. Ein alter General fragte mit einem\nbedeutsamen Blick auf dieselben: „Haben Sie je gedient,\nHerr Liszt?\" „Nein,\" antwortete dieser augenblicklich;\n„haben Eure Excellenz je Ciavier gespielt?\"\nWir finden Liszt in Deutschland im Jahre 1845\nthätig bei dem grossen Beethoven-Feste in Bonn, bei der\nEinweihung jener Statue, zu deren Vollendung er den\nHauptimpuls gegeben. Dort dirigirte er eine von ihm\ncomponirte Cantate und spielte Beethovens Es-dur-Con-\ncert in einer Weise, wie man es nie wieder hören wird.\nIm darauf folgenden Winter kam er neuerdings nach\nWien, ging dann nach Pesth, von da durch Ungarn und\ndie Donaufürstenthümer nach Kiew, dann nach Konstan-\ntinopel und Odessa. Im Jahre 1848 nahm er seinen\nbleibenden Wohnsitz in Weimar, wo er schon im Jahre\n1842 zum Hof-Capellmeister,,im ausserordentlichen Dienste\"\nund zum Bitter des weissen Falkenordens ernannt wor-\nden war. Er endete nunmehr seine Virtuosenlaufbahn\nund begann als Componist zu wirken. Werfen wir nun\neinen Blick auf die letzten Jahre, welche dieser Wand-\nlung vorangingen.\nLiszt hatte im ganzen Concertwesen eine totale UmJ\nwälzung hervorgebracht. Durch ihn wurde der Concert-\nsaal in einen Salon verwandelt, in welchem sich begeisterte\npersönliche Verehrer quasi als Gäste versammelten, um\nihre Huldigungen darzubringen. Der Zauber seiner Indi-\nvidualität wirkte so mächtig, so unwiderstehlich, dass die\nkünstlerischen Leistungen von der grossen Masse des Pu-\nblicums fast weniger beachtet wurden, als das äusserlicbe\nGebahren; der interessante Mann, der liebenswürdige Ge-\nsellschafter, der Abgott der Frauen wurde noch mehr ge-\npriesen und besungen, als der unerreichte Virtuose, und es\ndarf Niemand Wunder nehmen, wenn Liszt selbst zuletzt\nmanchmal auf die Aeusserlichkeiten mehr Aufmerksam-\nkeit wendete, wenn er durch sie mehr zu wirken suchte,\nals durch seine Kunst. Die Huldigungen, die man ihm\ndarbrachte, waren der Art gewesen, dass, wenn er das\nMaass in vielen Dingen überschritt, weniger ihn ein Vor-\nwurf trifft, als Jene, welche sich Alles gefallen Hessen,\nwenn es nur von ihm kam denn wie in der Politik das\nAxiom gilt, dass kein Absolutismus eines Monarchen so\ngross ist, als der Knechtssinn seiner Umgebung, so darf\nman auch im Kunstleben behaupten, dass die Thorheiten\ndes Publicums noch viel grösser sind, als die Extravagan-\nzen seiner Lieblinge. Liszt hat in den letzten Jahren seiner\nConcertzeit gar oft sein immenses Genie ganz verläugnet;\ner kam in den Concertsaal ermüdet, unvorbereitet oder\nin einer Disposition, in welcher von vorn herein an eine\nselbstbewusste Kunstleistung nicht zu denken war; er\nwurde nichts desto weniger mit demselben Beifalle über-\nschüttet. Musste er nicht geringschätzend (wir wählen das\ngelindeste Wort) auf das Publicum herabblicken, das so\nwenig Unterscheidungs- Vermögen zeigte? Musste er selbst\nbei der grossen Masse von Concerten, die er gab, nicht\nzuletzt gleichgültig werden, ob seine Leistungen imme»\nauf derselben Höhe standen, wenn er sah, wie sie immer\ngleich geschätzt und bejubelt wurden? Und musste es\nnicht zuletzt dahin kommen, die wenigen Stimmen, die\nirgend ein Bedenken laut werden Hessen, als hämische\nNeider oder tadelsüchtige Narren zu verlachen, wenn so\nviele Tausende und Abertausende nur Lob und Preis\nsangen ?\nZu Ende des Jahres 1847 verlautete zuerst im Pu-\nblicum, Liszt habe die Virtuosenlaufbahn verlassen und\nwerde nunmehr als Dirigent und Componist wirken; zu\ngleicher Zeit wurde versichert, er stehe auf dem Punkte,\nsich mit einer russischen Fürstin zu vermählen. Die Be-\nvolutionsjahre leiteten eine Zeit lang die Aufmerk-\nsamkeitvon Weimar ab; aber im Jahre 1850 that\nLiszt einen Schritt, der eine weittragende Wirkung her-\nvorbrachte und ihn plötzlich in einer neuen Glorie er-\nscheinen liess.\nWagner's Opern waren bisher sehr wenig bekannt,\nsein Buch über das Kunstwerk der Zukunft war damals\nnoch in wenigen Händen, und sein „Op er und Drama\"\nnoch fast nicht bekannt; da trat Liszt für ihn in die\nSchranken. Er brachte nicht bloss dessen bisher für un-\nausführbar gehaltene Oper „Lohengrin\" auf der Wei-\nmarer Bühne zur Aufführung, er veröffentlichte auch einige\nArtikel darüber, worin er sie als die ersehnte und verheis-\nsene Oper der Zukunft hinstellte.*) Das deutsche Publi-\ncum kannte Liszt als Schriftsteller noch gar nicht; der\nGegenstand, über den er schrieb, war von hohem Interesse,\ndie Art, wie er ihn beleuchtete, musste die Aufmerksam-\nkeit auch solcher Leser erregen, die sich um die künstle-\nrische Angelegenheit selbst wenig kümmerten. Man be-\ngreift also die Wirkung dieser Artikel. Sie haben der\n\n*) Liszt schrieb eine besondere Broschüre „Lohengrin et\nTannhäuserwelche von E. Wey den ins Deutsche übersetzt\n(Köln, bei Eisen, 1852) herauskam. Dass das Publicum Liszt als\nSchriftsteller bis dahin gar nicht gekannt habe, ist ebenfalls ungenau:\nseine Broschüre über Chopin, zuerst in der France musicale ge-\ndruckt, erschien in deutscher Uebersetzung bereits in dem Jahrgang\n1851 (Nr. 1 vom 5. Juli bis Nr. 13 vom 27. September) der Nie-\nderrheinischen Musik-Zeitung. D. Redaction.\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "356", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661110-01.1.4", "texte": "Oper die Bahn zehn Jahre früher gebrochen, als ein\ngrosser Erfolg auf der Bühne es vermocht hätte; sie ha-\nben aber auch dem Namen ihres Verfassers eine neue Be-\ndeutung verliehen. Liszt galt von nun an als der Vor-\nkämpfer und Mitbegründer jener Schule, die als die der\nZukunftsmusik bezeichnet wurde.\nWeimar war von jener Zeit an der Wallfahrtsort\naller Jünger der neuen Schule. Denn wenn sie auch\nWagner als das eigentliche Haupt anerkannten, so lebte\ner doch zu fern von Deutschland, und seine Stellung war\nauch eine einflusslose. Der eigentliche Leiter der Rich-\ntung, der Befehlshaber, der die Parole gab, war und\nblieb Liszt. Um ihn scharten sich Kunstjünger, Kunst-\nfreunde, Literaten und Schüler, über die er fast unbedingt\nherrschte. Unter den Ersten ragten Joachim und Hans\nvon Bülow hervor. Der Erstere lebte eine Zeit lang als\nConcertmeister in Weimar, ging dann in gleicher Eigen-\nschaft nach Hannover und war ein grosser Verehrer\nWagner's, persönlicher Freund Liszt's bis vor wenigen\nJahren, wo er sich in einer Art von Rundschreiben von\nder ferneren Theilnahme an der neuen Schule lossagte.\nHans von Bülow dagegen ist bis jetzt der treueste und\nbedeutendste Verehrer und Vertreter Liszt's. Er war zu-\nerst sein bester Schüler, dann ward er sein Schwieger-\nsohn; überall tritt er in Wort, Schrift und That für die\nCompositionen seines Schwiegervaters in die Schranken,\ner duldet eher einen Angriff auf seine Künstlerschaft als\neinen Zweifel an dem Werthe der symphonischen Dich-\ntungen Liszt's; er lässt andere Pianisten, die unter ihm\nstehen, grössere Popularität durch den Vortrag brillanter,\ngefälliger Stücke erlangen, während er die schwersten\nund unzugänglichsten Ciavierstücke Liszt's spielt. Er hat\nnie einen Augenblick gezaudert, seine Stellung beim Pu-\nblicum ganz aufs Spiel zu setzen, um seine Ueberzeugung,\nseine Begeisterung für Liszt zu bekunden.\n(Schluss folgt.)\n\nAus München.\nDen 5. November 1866.\nUnsere Abonnements- und Gesellschafts - Concerte\nziehen allmählich als Friedensboten nach dem Verstummen\nder Schlacht-Fanfaren in unsere Stadt wieder ein, und\nmit Wonne lauscht der aufmerksame Zuhörer den schönen\nKunstgenüssen, welche sich als freudigbegrüsste Gäste\nnach schweren Tagen wieder darbieten.\nVor Allem sei unseren grossen Concerten der musi-\ncalischen A kademie ein herzliches „Willkomm\" gebracht.\nIhr Eintritt in diese Saison zeigte sich anpassend dem\nTage (Allerheiligenfesl) so wie ihrem bewährten Ruhme\nunter Franz Lachner's Leitung. Das Oratorium „Paulus\",\nMendelssohn's herrliche Tonschöpfung, wurde von\nden Solisten: den Damen Diez und Ritter, den Herren\nVogl und Fischer, so wie von Chor und Orchester in gleich\nwürdiger, vollendeter Weise zur Aufführung gebracht\nund von dem zahlreichen Auditorium, an dessen Spitze\ndie allerhöchsten Herrschaften befanden, mit lautem\nBeifall aufgenommen.\nDer Oratorien-Verein, dirigirt von Prof. Rhein-\nberger, bereitet Händel's „Saul\" vor, um das grosse\nWerk, welches hier noch gänzlich fremd ist, im Verlaufe\ndes nächsten Monats seinen Mitgliedern vorzuführen.\nAuch unser treffliches Streichquartett der Mit-\nglieder der k. Hofcapelle:Concertmeister Walter, Closner,\nThoms und H. Müller, beginnt demnächst seine sehr be-\nsuchten Soireen, um uns wieder in den feineren Bereich\nder Rammermusik einzuführen und neue Triumphe\nzu feiern.\nAm 28. October wurden die unter Professor H.\nSchönchen's Leitung stehenden des\nphilharmonischen Vereins wieder eröffnet. In dieser\nersten sang Fräulein Amalie Schönchen, deren Leis-\ntung uns während ihres Hierseins schon mehrmals in\nKirchen und Concerten erfreut hat, einige Lieder\nvon Schubert, Marschner, Frz. Wüllner und eine reizende\nSerenade mit Flötenbegleitung von Gounod. Der ver-\nständnissvolle, mit Sorgfalt gepflegte, feine Vortrag, durch\nwohlgeschulte Stimmmittel ausgezeichnet, kam hierbei zur\nschönsten Geltung und lauten Anerkennung. Wir glau-\nben, Frl. Schönchen als gediegene Concertsängerin für\nOratorien etc. allenthalben aufs beste empfehlen zu kön-\nnen. Schönen Erfolg errang sich auch unser talentvoller\njunger Violoncellist B enna t, welchelr ein Capriccio eigener\nComposition über schwedische Lieder mit Virtuosität und\nfeinem Geschmack vortrug.\nDie Münchener Liedertafel, unter Prof. Schön-\nchen's Direction, wird mit Nächstem die Chöre aus der\n„Antigone\" von Mendelssohn zur Aufführung bringen.\nDer Componist Max Zenger hat seine Stelle als\nChormeister des Gesang-Vereins „Bürger-Sängerzunft\"\nniedergelegt; Musik-Director C. M. Kunz, welcher früher\nschon als Dirigent an der Spitze dieses Vereins stand, hat\ndie erledigte Stelle auf Wunsch wieder übernommen.\nUnser Musik-Conservatorium ruht noch immer in\nFrieden und harrt der Dinge, die da kommen!\nIn einem gewählten Kreise von Meistern und Ver-\nehrern der Kunst konnten wir gestern die erfreuliche\nWahrnehmung machen, dass die keusche Muse noch"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "357", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661110-01.1.5", "texte": "immer ihren Cultus findet und auch von den Epigonen\nunserer dahingeschiedenen Hohenpriester die Mysterien\nder himmlischen Tochter mit weihevollem Versländniss\ngefeiert werden. Wir stehen nicht an, den Grafen Lud-\nwig Stainlein zu den hervorragendsten dieser Epigo-\nnen zu rechnen. Er hat sich bereits durch eine Reihe\nvon Compositionen für Kammermusik, die auch in der\nNiederrheinischen Musik-Zeitung mit grosser Anerkennung\ndes Talents des Componisten besprochen worden sind*),\nals einen Meister bewährt*, der den Anforderungen der\nSchule mit genialer Freiheit gerecht zu werden versteht.\nGestern liess er, neben einem älteren Quintett, sein\nneuestes Werk, ein Sextett für 2 Violinen, 2 Violen\nund 2 Violoncello's, zur Aufführung bringen, eine Schöp-\nfung eben so ausgezeichnet in der Conception der Gedan-\nken als vollendet in den Formen, würdig, dem Besten an\ndie Seite gestellt zu werden, was die musicalische Litera-\ntur unseres Jahrhunderts in diesem Genre aufzuweisen\nhat. Die Begeisterung des kleinen Kreises der Zuhörer\nwar eine aufrichtige und die Ausführung durch die ein-\ngeladenen Künstler, obwohl prieine so gehobene,\ndass man wohl sah, jede Stimme werde mit derselben\nLiebe zur Geltung gebracht, als sie von dem Componisten\ndurch die verschlungenen Pfade der Harraonieen geführt\nworden. Mendelssohn, der Freund des Meisters, würde\nihn für ebenbürtig im Reiche der Tonkunst erklären, und\ndie Gegenwart möge sich freuen an der Tbatsache, dass\ndas heilige Feuer wahrer Kunst von so edlen Händen un-\nterhalten wird.\n\nJohann Christian Bach\n**).\nDieser Johann Christian Bach, ein, wie Gerber ganz\nnaiv sagt, „zwar der Bacbischen Schule ungetreuer, aber\ndesswegen um desto gefälligerer und beliebterer Compo-\nnist\", spielte eine weit glänzendere Rolle in der Welt,\nerst zu Mailand in Italien und dann zu London, wo er\nvon 1759 bis an seinen Tod 1782 lebte, als sein Vater\nJohann Sebastian, dessen jüngster Sohn er war. Was er\nbei seinen Zeitgenossen galt, zeigen uns folgende Stellen\naus Burney's History etc. S. 482.\n„Als Christian Berlin verliess und nach Italien kam,\nwar die Composition für den Gesang sein Hauptgeschäft\nund er versicherte mir, dass er in mehreren Jahren kein\nCiavier zu einem anderen Zwecke berührt habe, als bloss\nfür die Singstimme zu setzen oder selbigezu begleiten. Als\naber nach seiner Ankunft in England seine Spielart so\nsehr bewundert wurde, so suchte er zwar den Verlust\nan Fertigkeit wieder zu ersetzen, welchen seine Hände\ntheils wegen Mangels an Uebung und besonders wegen\nder Lähmung durch das beständige Krümmen der Finger\nbeim Federhalten erlitten hatten. Dennoch aber erhielt er\nnie die Schnellkraft und Geschwindigkeit wieder, welche\nzum Vortrage grosser Schwierigkeiten gehöret. Auch\nwaren alle seine Ciaviersachen von der Art, dass sie von\nDamen, ohne grosse Mühe anzuwenden, herausgebracht\nwerden könnten, und seine Allegro's scheinen eher Bra-\nvourarien, als Instrumentalstücke für Virtuosenkräfte.\nDies ist auch die Ursache, wesswegen sie, ohne begleitende\nInstrumente vorgetragen, so sehr verlieren. Denn das\nAccompagnement ist gewöhnlich so meisterhaft und inte-\nressant für den Zuhörer, dass es jede unbedeutende Stelle\nder Ciavierpartie verbirgt.\n„In seinen Opern, welche er für das Londoner\nTheater geschrieben hat, kommen manche wunderschöne\nArien vor, welche auch desswegen lange Zeit für Lieb-\nlingsstücke gehalten worden sind. Vielleicht war es aber\nmehr der Reichthum des Accompagnements, als das Ausser-\nordentliche der Melodie, welches ihnen diesen Vorzug zu\nWege brachte: ob diese gleich sonst immer natürlich,\nschön und in dem besten italiänischen Geschmacke gesetzt\nwaren. Die Neapolitanische Schule, in welcher er sich\nbildete, zeigt sich offenbar in seinem Gesänge; und die\nWissenschaft von seinem Vater, oder vielmehr von sei-\nnem Bruder, in seiner Harmonie. Seine Opern waren\ndie ersten, aus welchen das Dacapo verschwunden war,\nwas um diese Zeit zur allgemeinen Mode wurde. Man\nvereinigte den zweiten Theil mit dem ersten, zu welchem\nder Sänger, nachdem er in der Quinte modulirt hatte,\ngewöhnlich zurück kehrte.\n„Bach scheint auch der erste Componist gewesen\nfcu sein, welcher die Regel vom Contraste als einen\nGrundsatz ansah. Vor seiner Zeit schien der Contrast,\nwenn er in den Stücken anderer Meister vorkam, nur zu-\nfälliger Weise entstanden zu sein. Bach hingegen in\nseinen Sinfonieen und andern Instrumentaistückensowohl,als\nin seinen Singsachen, unterliess selten, nach einer geschwin-\nden und rauschenden Passage eine langsame und sanfte\n\n*) Vgl. Ausser früheren Beurtheilungen den Bericht aus Würz-\nburg in Nr. 1 des Jahrgangs 1865. Die Redaction.\n**) Da der Name J. Ch., d. i. Joh. Christian Bach (nicht\nzu verwechseln mit Joh. Christoph Bach, einem der grössten\nOrganisten und Contrapunktisten des XVII. Jahrhunderts, gest.\n1703 zu Eisenach, bei dessen Begräbnis» der Hofprediger über den\nText predigte: „Das Haupt, die Füss und Hände sind froh, dass zu\nEnde die Arbeit kommen sei\"), auf dem letzten hiesigen Concert-\nProgramm erschienen ist (vgl. unten), so theilen wir einige Nach-\nrichten aus Burney's „Geschichte der Musik\" über ihn mit."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "358", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661110-01.1.6", "texte": "einzuflechten.\" Gegenwärtig bedienen sich unsere Herren\nCotnponisten zur Hervorbringung des Kontrastes, nach\nrauschenden Stellen von Bogeninstrumenten, ganzer Chöre\nvon Flöten, Hoboen, Clarinetten, Fagotten, Hörnern und\nPosaunen, die sie dann noch mit Trompeten und Pauken\nanfrischen. Das heisst: sie vertauschen einen Lärm mit\ndem andern! Und wie könnte man in unserem Zeitalter,\nwo es in allen Köpfen stürmt, an diesen sanften und stil-\nlen Abwechselungen Geschmack finden? Als ihm zu Lon-\ndon zum ersten Male der Auftrag gemacht wurde, eine\nitaliänische Oper zu setzen, so befand er sich wegen der\nschlechten dasigen Sänger, für die er schreiben und seinen\nRuhm aufs Spiel setzen sollte, in nicht geringer Verlegen-\nheit. Zum Glücke hörte er die De Amicis in einer Pri-\nvatgesellschaft, und vermochte den Impresario, selbige\nals Prima Donna bei der Opera seria aufzunehmen, in-\ndem sie bisher nur bei der Bgestanden hatte. Nun\nschrieb er seinen Orione, o 1763,\nwelcher 3 Monate lang allgemeine Bewunderung erhielt.\nAusser den übrigen Schönheiten der Harmonie und des\nGesanges, wodurch sich diese Oper auszeichnete, that\nsein ganz eigener Gebrauch, den er von den Blasinstru-\nmenten darin gemacht hatte, ganz besondere Wirkung.\nUnd es war in dieser Oper, wo sich in England die Cla-\nrinetten zum ersten Male im Orchester hören liessen.\nDarauf folgte Zanaida u. s. w.\nBach, Cecilia geb. Grassi, aus Italien, seine Gattin,\nwar seit 1767 mehrere Jahre hindurch Prima Donna bei\nder Oper zu London, ob sie gleich nichts weniger als\nschön war, und überdies wie leblos auf der Bühne zu\nstehen pflegte. Unterdessen besass sie doch, bei einer\nsüss-klagenden Stimme, so viel Unschuld im Ausdrucke,\nso viel Wahrheit in der Intonation, dass der Zuhörer,\ndavon überrascht, sie mit doppeltem Vergnügen zu hören\npflegte. Sie begab sich nach dem Tode ihres Gatten wie-\nder in ihr Vaterland nach Italien.\n\nZweites Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn\nFerdinand Hiller,\nDinstag, den 2. November 1866.\nProgramm. I. Abtheilung. 1. Ouvertüre vonJul. Tausch.\n2. Arie für Sopran aus Scipione von J. Ch. Bach (Frau Ruders-\ndorff). 3. Fantasie für Violoncell von AI. Schmit (Herr A.\nSchnait). 4. Canzonetten von J. Haydn (Frau Rudersdorff). 5.\nAdagio und Finale aus dem Concert in H-moll für Pianoforte von\nJ. N. Hummel (Frau Johnson-Gräver, Hofpianistin der Köni-\ngin von Holland). 6. Finale: „Lorelei\" von Mendelssohn (Leo-\nnore: Frau Rudersdorff).\nII. Abtheilung. Sinfonie in D-moll von Schumann.\nEin Programm von sechs Nummern in der ersten Abtheilung,-\nund darunter vier, oder eigentlich fünf Solo vortrage, denn Felix Mendels-\nsohn's Lorelei-Finale kam doch auch nicht der Chöre, sondern\nder Solistin wegen wieder dran, das ist im Gürzenich noch\nnicht dagewesen! Wenn wir so fortschreiten, so können wir die\nMiscellaneous-Concerts von England oder wenigstens die Gewand-\nhaus-Concerte von Leipzig einholen, denn drei Vorträge einer\nSängerin, darunter einer von zwei Liedern am Ciavier, eine mo-\nderne Fantasie für Violoncell, und von einem classischen Werke\nwie Hummers Concert in H-moll nur das Adagio und Finale\ndas kann schon zu einer Reform unserer Programme führen. Zur\nEntschuldigung kann man höchstens anführen, dass die Schumann'-\nsche in der zweiten Abtheilung doch wenigstens\neinen Protest zu Gunsten der Würde der Gesellschafts-Concerte ein-\nlegte, was glücklicher Weise auch von der Eröffnungs-Musik des\nersten Theiles gesagt werden kann. Denn diese, eine Ouvertüre\nvon J. Tausch, beim letzten Musikfeste in Düsseldorf zuerst aufge-\nführt und hier in Köln neu, fand allgemeinen Beifall, und die hie-\nsige Aufführung bestärkte auch uns in der günstigen Meinung,\ndie wir nach der ersten Anhörung über dieses Werk fassten und\naussprachen. Herr Tausch gehört als Componist zu denjenigen\nMusikern, die sich durchaus nicht mit ihren Schöpfungen an das\nLicht der Welt drängen, vielleicht auch durch ihre Natur nicht\ndazu gedrängt werden. Dass es ihm aber keineswegs an Talent\nzum Schaffen und an dem nöthigen Wissen und Können zur Gel-\ntendmachung desselben in den richtigen Kunstformen fehlt, beweist\nausser früheren Compositionen, unter denen sich sehr anmuthige\nCiavierstücke befinden, besonders diese neue Ouvertüre, welche\nnach einer Introduction, die in sehr ansprechender Weise Andeu-\ntungen auf das Hauptthema gibt, einen Allegrosatz bringt, dessen\nMotive eine eigentümliche Frische der Erfindung haben und mit\nGeschick und Fluss zu einem lebensvollen Ganzen verarbeitet\nsind, am dem besonders auch die Klarheit und die Enthaltung von\nMissbrauch der neueren Effectmittel lobenswerth erscheinen.\nNach der Ouvertüre wurden wir, wie es jetzt Mode ist, durch\nein neu-altes Stück beglückt, dieses Mal durch eine Sopran-Arie\naus einer italiänischen Oper, welcher wegen ihres hundertjährigen\nAlters eine Decoration zu Theil werden würde, wenn sie noch\nlebte. Sie ist aber leider bald nach ihrer Geburt schon im Jahre\n1770 wieder gestorben, und wir glauben nicht, dass selbst ihre\ntrompetenartige, den weiten Saal erschütternde Coloratur die Kraft\nhaben wird, sie aus dem Grabe zu neuem Leben zu erwecken. Und\nsie trug noch dazu den Namen Bach an der Stirn. Aber es gibt\nBäche vieler Art, und während der Eine zum Strom anwächst, des-\nsen Fluten zum Staunen der Welt majestätisch dahin rauschen,\nrieselt der andere in tausend Krümmungen durch flachen Wiesen-\ngrund, tränkt eine Menge Blümlein für deren Liebhaber, Amateurs,\nDilettanti, und verschwindet im Sande. Johann Sebastian und\nJ. Ch., d. h. Johann Christian, welch ein Unterschied! Sebastian's\nPassionen und Cäntaten Christian'« Opern und „amüsante\" In-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "359", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661110-01.1.7", "texte": "strumentalstücke! Wir haben nach Anhörung der Aria Confusa\naus dessen Scipione (oder richtiger: la Clemenza di JScipione)\nnicht Lust, die vierundzwanzig Foliobände von Arien Christian's,\nwelche auf der k. Bibliothek in Berlin unter Aufsicht des Cultus-\nMinisteriums beruhen, durchzustöbern, um eine bessere Meinung\nvon ihm zu bekommen, als uns die Confusa ed abandonnata beige-\nbracht hat. Aber wehe! Hätten wir doch dieses Geheimniss ver-\nschwiegen! Wir sehen im Geiste schon eine ganze Procession von\nKünstlern und Künstlerinnen nach Berlin wandern, um aus dem dort\nverborgenei? Bach Gold zu waschen. Allerdings war Johann\nChristian ein Sohn Sebastian's, der eilfte, wenn uns recht ist, und\nhatte auch von seinem Vater, den er früh verlor, eine überreiche\nmusicalische Ader geerbt. Er stuclirte bei seinem älteren Bruder\nPhilipp Emanuel, ging dann nach Italien, wo er sich gänzlich ita-\nlianisirte, und lebte seit 1759 in London als Lieblingscomponist des\nPublicums und besonders der Damen. Ueber ein Dutzend Opern,\nCantaten, Arien, eine Menge von Sinfonieen, Quintetten, Quartetten,\nClavier-Concerten, Sonaten etc. lieferte er sein Leben lang mit\nLeichtig- und Leichtfertigkeit, und nichts charakterisirt ihn besser,\nals die Antwort, die er einem Musiker gab, der ihn erinnerte, sich\ndoch endlich seinen Bruder Emanuel zum Muster zu nehmen: „Ei\nwas! Mein Bruder lebt, um zu componiren, ich componire, um zu\nleben!\" Nun, von diesem Bach haben wir denn am Dinstag\neine Composition gehört, und gestehen, dass uns eine so geschmack-\nlose, durch nichts berechtigte, musicalisch alberne Coloratur, wie\ndiese Arie zeigt, oder vielmehr aus welcher diese Arie besteht, noch\nnie zu Gehör gekommen ist. Leider können wir nicht sagen, dass\nder Vortrag das Herbe und geradezu Unangenehme derselben\nmilderte*).\nDer Vorgang dieser Antiquaille war ein Vortheil für Herrn A.\nSchmit, dessen „Fantasie\" für das Violoncell sonst vielleicht den\nVorwurf, dass sie zu modern und weich sei, auf sich gezogen ha-\nben würde, jetzt aber, verbunden mit dem schönen Vortrage des\nKünstlers, ihm rauschenden Applaus und Hervorruf einbrachte.\nWas uns persönlich betrifft, so vergessen wir bei dem schönen In-\nstruaient nicht gern, dass es eben ein Violoncello, d. h. ein Con-\ntrabässlein (Violone, der Contrabass) ist, nicht eine Geige (Violino),\nwozu es die Neueren meist machen.\nHiernach sang Frau Rudersdorff zwei „Canzonetten\" von J.\nHaydn mit Clavierbegleitung, anmuthige Compositionen; doch schien\nes uns, als ob sich der Saal verwunderte, ein Paar kleiner Vöglein\nin einem so kolossalen Käfig schwirren zu hören. Der Vortrag der\nbeiden Lieder war, wie alles, was die Künstlerin mit halber\nStimme sang, recht schön. Waren die zwei Lieder, welche Frau\nRudersdorff mit englischem Text sang, aus den Songs and ballads\n(London, 1794) oder aus dem Hefte deutscher und italiänischer\nLieder bei Artaria verlegt, aber in London mit englischer Ueber-\nsetzung des Textes nachgedruckt? Im ersten Falle hätte der Titel\nnicht „Canzonetten\" heissen sollen; im zweiten, den wir der Melodie\nnach voraussetzen müssen, war es doch komisch, ein deutsches Lied\nvon Haydn mit englischem Text zu hören. Am Schlüsse der ersten Ab-\ntheilung hatte sie noch die „Leonore\" in Mendelssohn's Finale der\n„Lorelei\", ob übernommen, oder selbst gewählt, wissen wir nicht.\nAn Kraft der Stimme fehlte es der berühmten Sängerin für diese\nPartie nicht, allein der frische Wohllaut, den sie neben der Kraft\nverlangt, und das sympathische Etwas, welches durch den Ton und\ndessen Behandlung in die Seele des Hörers dringt, wurden vermisst.\nEs scheint, dass die Anstrengungen, welche eine Concert-Saison in\nEngland den Künstlern zumuthet, am Ende auch auf die kräftigsten\nund begabtesten Naturen nicht ohne nachtheilige Einwirkung bleiben.\nFrau Madeleine Johnson-Gräver, Hofpianistin Ihrer Majestät\nder Königin der Niederlande, ist als eine der ausgezeichnetsten\nKünstlerinnen allen denen bekannt, die auch von den Erscheinun-\ngen auf dem Gebiete der Tonkunst im Auslande Notiz nehmen. In\nAmsterdam, ihrer Geburtsstadt, entdeckte Liszt zuerst ihre bedeu-\ntende musicalische Anlage und bewog die Eltern, ihre Ausbildung\nden besten Meistern anzuvertrauen, unter denen später Henri LitolfF\nhauptsächlich ihre Studien leitete. Daher kam es denn auch, dass\nsie auf ihren ersten Kunstreisen häufig LitolfFs Concerte mit gros-\nsem Erfolg vortrug. Nachdem sie in Holland und Belgien schon\ngrossen Ruf erlangt, ging sie nach Paris, dann nach London, wo\nsie sich verheirathete, und von da nach America. Beim Ausbruch\ndes dortigen Krieges kehrte sie nach Europa zurück und fand wie-\nderum in London und Paris, so wie in Belgien und Holland die\nglänzendste Aufnahme. Ihre Concerte im grossen Saale des Louvre\nzu Paris waren in der Saison von 1863—1864 ein Ereigniss; ihre\nAuffassung und ihr Vortrag classischer Musik standen auf der\nHöhe der Kunst. Erst in gegenwärtigem Jahre entschloss sie sich,\nDeutschland zu bereisen, und nachdem wir sie im Concert und sonst\nöfter gehört haben, sind wir überzeugt, dass sie überall als eine\nKünstlerin, welche in die Reihe der grossen Pianistinnen, wie Frau\nSchumann und Frau Szarvady-Clauss, gehört, aufgenommen werden\nwird. Es war sehr zu bedauern, dass sie am Dinstag Abend nicht\nauch das erste Allegro des von Hummel nach\nihrem Wunsche, wahrscheinlich weil das Programm schon vor ihrer\nAnkunft feststand, spielen konnte. Ihr Spiel zeichnet sich durch\ngrosse Kraft, in Verbindung mit einer Schattirung aus, welche\nnicht in scharfen Contrasten ihre Wirkung sucht, sondern im feinern\nColorit des Ausdruckes, ferner durch technische Vollendung, beson-\nders in den Passagen der linken Hand, und vor Allem durch einen\nclassischen Styl, welcher der Composition entspricht, und durch\nkeine Sucht, sogenannte individuelle Effecte anzubringen. Sie spielt\nMozart und Hummel, Beethoven und Mendelssohn, Bach und Cho-\npin im Charakter der Meister ohne Zuthat von ihrer Seite, und das\nist doch der eigentliche classische Vortrag, wie er den Forderungen\nder Kunst entspricht. Madame Gräver wurde unter stürmischem\nBeifalle gerufen. Es ist von vielen Seiten der Wunsch ausgesprochen\nworden, dass die treffliche Künstlerin eine Soiree geben möchte,\nwo das kunstliebende Publicum dann Gelegenheit haben würde, ihr\nSpiel in verschiedenartigen Compositionen zu bewundern.\nDen Schluss des Concertes machte eine recht gelungene Aus-\nführung der D-mo£Z-Sinfonie von Schumann.\n*) Schliesslich wollen wir noch bemerken, dass J. Christian\nBach auch eine Cantate für Sopran: Die1,, Americanerin\", geschrieben\nhat; bei der Vogue der „Africanerinu wäre damit vielleicht ein\ngutes Geschäft in England und noch mehr in America zu machen."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "360", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661110-01.1.8", "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nHerr Dr. Gunz wird die Bühne in Hannover vorläufig nicht\nverlassen.\nXjeipzig* Abert's „Astorga\", deren Auffuhrung im Stadt-\ntheater mehrfach verschoben werden musste, ist hier am 29.\nOctober zur ersten Aufführung gelangt. Herr Abert war per-\nsönlich hieher gekommen, um die letzten Proben und die ersten\nAufführungen zu leiten.\nDer ehemalige Director des münchener Conservatoriums, Franz\nHaus er, hat bei Breitkopf & Härtel eine Gesangschule herausge-\ngeben. Wir werden darauf zurückkommen.\nBei J. Rieter-Biedermann sind kürzlich zwei Torsos von Rob.\nSchumann, Scherzo und Presto passionato für Ciavier, erschienen.\nDenselben ist ein Vorwort von J. B. (Johannes Brahms) vorgedruckt.\nEs wird gut sein, zu bemerken, dass Brahms diese Stücke aufge-\nfunden, und Niemand weiter von ihrer Existenz gewusst hat.\n(Leipz. A. M. Z.)\nBrenden* Herr Concertmeister Lauterbach hat vor we-\nnigen Tagen eine Berufung als erster Concertmeister nach\nMünchen erhalten, und zwar unter sehr glänzenden Bedingungen.\nHoffentlich indess haben wir den Verlust des ausgezeichneten Vir-\ntuosen nicht zu beklagen, dessen künstlerische Leistungen eine Zierde\nder kgl. Capelle und von vorwiegender Bedeutung für die hiesigen\nMusikzustände sind. (D, J.)\nAus München wird in hochpreisenden Ausdrücken geschrie-\nben: „Die hiesige Oper hat einen schönen Fund gemacht. Ein Frl.\nMallinger, die Schülerin Levi's in Wien, eine geborne Croatin,\ndebutirte zum ersten Male, und zwar als „Norma\", und ihr Debüt\nwurde ein wahrer Triumph. Jugendlich-anmuthige Erscheinung,\nsüsser Wohlklang der Stimme, feingebildeter musicaliscber Geschmack,\nseltene Technik u. s. w. Die nächste Partie, in welcher dieses\nmusicalische Phänomen vor das Publicum tritt, ist die Donna Anna.\nUnd noch immer rufen wir nach einem Heldentenor. HerrNorbert,\nder dieses Fach bei uns versieht, besitzt eine schöne, aber unge-\nbildete Stimme, dabei hat er kein musicalisches Gehör und noch\nweniger künstlerischen Geschmack, auch in schauspielerischer Be-\nziehung genügt er nicht einmal den bescheidensten Forderungen.\nEin Glück, wie jenes mit der Mallinger, könnte unserer Oper wieder\nauf die Füsse helfen. Frl. Stehle hat sich von ihrer Krankheit\nsie litt an Lungenentzündung und Typhus nun wieder erholt\nund wird demnächst wohl die Bühne betreten. Der Gedanke, das\naufgelöste Conservatorium für Musik in eine Musikschule umzu-\nändern und die Direction derselben Hans von Bülow zu über-\ntragen, ist keineswegs, wie es da und dort hiess, aufgegeben, sondern\nsteht beim Cultus-Minister noch vollkommen fest, und wenn nicht\nausserordentliche Dinge eintreten, wird diese Musikschule wahr-\nscheinlich schon mit Anfang März oder April unter der provisori-\nschen Direction des geistlichen Rathes Nissl eröffnet werden.\nDer weibliche „Liederkranz\" in Hain bürg, ein aus den\nArbeiterinnen der k. k. Tabak-Hauptfabrik daselbst bestehender Ge-\nsangverein, hat am letzten Sonntage wieder eine Production veran-\nstaltet. Sie sangen mit der gewohnten Deutlichkeit der Aussprache,\nderselben Richtigkeit des Tones wie sonst manch' schönes Liedlein.\nBesonders gefielen „das Röslein im Walde\", „Tanzlied\", „Kartoffel-\nLied\" und insbesondere das schwierige „Ave Maria\". Die kleine\nCapellmeisterin Sidonia Wiesinger, welche ebenfalls ein angeneh-\nmes Stimmchen besitzt, hielt mit Energie den weiblichen Chor zu-\nsammen, der einzig und allein bisher in Deutschland besteht.\nAm 24. October gaben Joachim und Brahms zusammen ein\nConcert in Schaffhausen.\nHans von Bülow hat am 9. October in Basel das Raff'sche\nQuintett gespielt und eröffnete in der vorletzten Woche daselbst\nseine Trio-Soireen. Man versichert uns ganz positiv, dass er den\nWinter hauptsächlich in Basel verbringen werde.\n(Leipz. A. M. Z.)\nDas Pergola-Theater in Florenz hatte einen Concurs für\nOpern-Componisten eröffnet. In Folge dessen liefen 22 Partituren ein,\nunter welchen bloss zwei der Beachtung und Aufführung werth be-\nfunden wurden. Die Verfasser sind die Herren Tadeucci und\nGial dini.\nDie Pianistin Maria Wieck hat sich nach Florenz begeben,\num dort an den Bemühungen, deutsche Musik einzubürgern, sich zu\nbetheiligen.\nMan beabsichtigt in Rom dem Tonmeister Palestrina ein\nDenkmal zu errichten, und es hat sich bereits ein zu diesem\nZwecke gebildet.\nDie populären Concerte für classische Musik,\nwelche vorigen Winter so viel Anklang gefunden haben, werden\nAnfangs November wieder beginnen. Der Director derselben, Herr\nSamuel, beabsichtigt eine grosse Anzahl classischer Werke aufzu-\nführen, die in Brüssel noch nicht gehört worden sind; ebenso wird\nden belgischen Componisten reichlich Rechnung getragen werden\ndurch Vorführung eigens für diese Concerte componirter Werke von\nLassen, Radoux und Dupont.\nEiner der besten Decorationsmaler der grossen Oper in Paris,\nJoseph Thierry, ist gestorben. Er war 55 Jahre alt und seit\n1863 Ritter der Ehrenlegion."}]}