{"numero_id": "bm-bmtnabi-1866-11-17-01", "volume": "bmtnabi_1866-11-17_01", "ocr_sha256": "61224c7047deee478e2a03054f288e681b600fd3dfd235b689547975b32664b0", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1866/11/17_01/bmtnabi_1866-11-17_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661117-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1866-11-17-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-11-17_01#c001", "volume": "bmtnabi_1866-11-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "361", "page_fin": "361", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661117-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "361", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661117-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 465, "texte": "Inhalt.\nKünstler und Mönch (Sehluss). Aus Berlin (Bernhard Scholz. Gustav Satter. - Königl. Oper: „Hans Heilingu,\n„Die Jüdin\".) Aus Wiesbaden (Theater. Concerte). Von 6—. Aus Aachen (Winter-Concerte). Von x. Tages- und Unter-\nhaltungsblatt (Köln, Concert von Frau und Herrn Marchesi. Coblenz, Abonnements-Concert. Wiesbaden, Cäcilien-Verein. —•\nFrankfurt a. M., Museums-Concert. Baden-Baden, Musik-Zustände. Hannover, Concerte. Kalliwoda. 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S. Nr. 44 u. 45.)\nBis zum Jahre 1853 war Liszt noch nicht als Com-\nponist grösserer Werke aufgetreten; er galt noch immer\nvorzugsweise als der Vorkämpfer für Wagner. Das\nKarlsruher Musikfest gab den ersten Anlass zu heftigen\nDiscussionen über seine Berechtigung als Componist\nwie als Dirigent. Freilich war den Gegnern diesmal ein\nleichtes Spiel gegeben. Das Finale der neunten Sinfonie\nhatte müssen unterbrochen und eine Stelle wieder ange-\nfangen werden, weil Liszt den Eintritt gewisser Instru-\nmente nicht rechtzeitig angedeutet hatte, und das Or-\nchester vollkommen aus dem Tact gekommen war. Ob-\nwohl ein solcher Zwischenfall noch nicht über die Fähig-\nkeit oder Unfähigkeit eines Capellmeisters entscheidet, so\nward er doch vielfach ausgebeutet. Dem Componisten\nging es nicht besser. Er hatte einen Chor „An die\nKünstler\" von Schiller componirt. Der gesangliche Theil\nenthält Stellen, welche die Sänger bei aller Anstrengung\nnie rein hervorbringen können, weil die Uebergänge zu\ngrell sind; im orchestralen Theil kommen Zusammenstel-\nlungen von Accorden vor, welche selbst die Leipziger\n„Neue Zeitschrift für Musik\", das entschiedene Organ\nder neuen Schule, nicht zu vertheidigen wagte. Verblüfft\nhörte das Publicum die seltsame Musik an; die Anhänger\nwaren verlegen, beklommen, sie wagten, als der Chor zu\nEnde war, eipen Beifallsruf, der sogleich durch energi-\nsches Zischen unterdrückt wurde und als man zischte,\nverbeugte Liszt sich tief mit unverkennbarem Hohn. Die\nZeitungen waren damals voll von Beschreibungen, Kri-\ntiken und Antikritiken, bei denen zuletzt die Kunstfrage\nin den Hintergrund, die Parteifrage in den Vordergrund\ntrat. An manchen gehässigen Angriffen mag auch das\npersönliche Gebahren Liszt's und seiner nächsten Umge-\nbung Schuld getragen haben. Er sprach mit den Orches-\nTermitgliedern weder in dem Tone, den manchmal soge-\nnannte „grobe\" Capellmeister anschlagen, noch weniger\nin der Feinheit und Höflichkeit, die man von einem Welt-\nmann zu erwarten berechtigt war; er behandelte das Or-\nchester mit einer cavaliermässigen Nonchalance, so von\noben herunter, und dies musste am meisten verletzen. Der\nabsprechende Ton der jungen Musiker und Literaten, die\nseine Escorte bildeten, die jede Gegenmeinung gering-\nschätzig als Unverstand bemitleideten, war auch nicht\nsehr geeignet, der Schule besondere Zuneigung zu\nerwerben. Liszt ward trotzdem für seine Bemühungen\num das Karlsruher Musikfest mit dem Comthurkreuz des\nZähringer Löwenordens belohnt.\nDas Missgeschick, das seine Composition betroffen\nhatte, schreckte ihn nicht zurück, vielmehr entwickelte er\neine fieberhafte Thätigkeit. Er componirte eine grosse\nMesse zur Einweihung des neuen Domes in Gran, eine\nkleinere für vier Stimmen mit Orgel, eine grosse Sonate\nund zwei Concerte für Ciavier, und nicht weniger als\nneun sinfonische Dichtungen, die als Prototype der soge-\nnannten Programm-Musik gelten. Daneben veröffentlichte\ner noch eine Masse Opernphantasieen und Transscriptionen.\nVon diesen haben wenige, wie z. B die über Gounod's\nFaust und über den Schlittschuhtanz aus dem Propheten,\ndie Runde durch alle Concertsäle gemacht; von den\nersteren sind aber nur sehr wenige und an sehr wenigen\nOrten einem entschiedenen Misserfolge entgangen.\nSprechen wir jetzt von Liszt's Stellung zur musicali-\nschen Welt. Dem grossen Publicum war er immer noch\nals der Beherrscher aller Ciaviervirtuosen und als der be-\nzaubernde Weltmann im Gedächtnisse. Von seinen Com-\npositionen nahm man wenig oder gar keine Notiz [?]. Die\nAristokratie, die für ihn schwärmte,, vernahm zwar hier\nund da, dass er sich viel mit grösseren Tonwerken be-\nschäftige, dass dieselben »wenig Melodie\" enthielten, und\nsie betrachtete das als eine seiner liebenswürdigen"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "362", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661117-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5394, "texte": "Extravaganzen, an die man sich schon gewöhnen müsse\nseine Person war ja die Hauptsache, und wenn er\nirgend einem Hofe oder einer ihm befreundeten hohen\nFamilie einen Besuch abstattete, oder bei ihnen speiste,\ndann war er immer so liebenswürdig, ihnen vorzuspielen,\nPhantasieen, Transscriptionen und dergleichen; seine sinfo-\nnischen Dichtungen wurden ja so selten im Goncertsaale\naufgeführt, und dorthin ging man nicht. Das Bürger-\nthum war auch nicht in der Lage, seine Compositionen zu\nhören; die musicalischen Gesellschaften, die ihre Abonne-\nments-Concerte veranstalteten, sind mehr oder weniger\ngezwungen, ein classisches Programm aufzustellen; der\nKreis, in dem die Composition Liszt's gehört wurde, war\nalso ein kleiner: er erstreckte sich von Weimar nicht\nüber Berlin und Leipzig. In dem genannten Kreise war\nder Kampf für und wider ein sehr heftiger; dadurch, dass\nderselbe so zu sagen unter den Augen Liszt's geführt\nwurde, dass er mittelbar durch seine Aufsätze in der\nneuen musicalischen Zeitschrift und durch seinen Einfluss\nauf die Schriftsteller seiner Partei selbst an dem Kampfe\nTheil nahm, wurde dieser noch erbitterter; die soge-\nnannte conßervative Partei verwarf alles, was von ihm\nkam, und die „neudeutsche Schule\" (so nannten sich die\nZukunftsmusiker) acceptirte Alles unbedingt; die unabhän-\ngigen Musiker hielten sieb jedoch neutral.\nSo auch Schumann, der sonst hohe Achtung für\ngrossartige musicalische Persönlichkeiten hegte. Zwischen\nihm und Liszt hat einst eine merkwürdige Scene Statt\ngefunden; wir verbürgen die Wahrheit unserer Erzäh-\nlung, dürfen aber keine genauen Einzelheiten angeben:\nWenige Jahre vor dem Tode des edlen Mannes traf er\nmit Liszt zusammen. Es entwickelte sich ein Gespräch\nüber Musik. Die Rede kam auf Mendelssohn, von dem\ndie neudeutsche Schule nicht ganz mit Unrecht behaup-\ntete, er habe dem sogenannten gebildeten musicalischen\nPublicum grosse Zugeständnisse -gemacht, er habe in\nmanchen seiner Compositionen nur die meisterliche Form\nvorwalten lassen, während der Ideeninhalt kein sehr be-\ndeutender sei. Liszt sprach diese Meinungen in der ihm\neigentümlichen genialen Manier aus, vielleicht mit einigen\nherben Bemerkungen und mit einigen Complimenten für\nSchumann. Dieser erhob sich vom Tische und ging im\nZimmer hin und her. Plötzlich trat er vor Liszt hin, oder\nfuhr vielmehr auf ihn los und warf ihm mit harten Worten\nvor, dass er es wage, gegen einen Meister zu sprechen,\nan den sie Beide nicht hinanreichten. Es war das letzte\nMal, dass sie einander gesehen!\nLiszt hat während seines Aufenthaltes in Weimar\nviel Gutes für die Musik gewirkt; er hat neben den Wag-\nner'schen Opern Werke von Berlioz, Schumann und\nSchubert, die man sonst nirgends aufführte, zu Gehör ge-\nbracht, vielen jungen Künstlern die Carri&re erleichtert,\nund selbst einige Künstler, von denen er nie eine Partei-\nnahme für sich erwarten durfte, fanden bei ihm die beste\nAufnahme, wie z. B. Anton Rubinstein, der durchaus\nnicht zu den Zukunfts- oder Programm-Musikern gehören\nwill. Es ist hier nicht der Ort, eine Geschichte der inne-\nren Verhältnisse der Weimarer Intendanz- und Directions-\nAngelegenheit zu geben; wir können nicht nachweisen,\nob der Vorwurf gerecht ist, dass Liszt das Theater und\ndie Capelle für sich und seine Zwecke allein in Anspruch\nnahm, oder ob der Hoftheater-Intendant Dingelstedt\ndie Macht, die jener besass, nach und nach an sich\nzu ziehen suchte; in kleinen Städten arten ja alle Kunst-\nAngelegenheiten in rein persönliche aus, sobald irgend\neine Meinungsverschiedenheit eintritt, weil die neutralisi-\nrende Macht des grösseren Publicums fehlt.\nIm Jahre 1862 wurden die ersten Stimmen laut,\ndie von einer Veränderung in der Stellung Liszt's sprachen;\neine Zeit lang hiess es wieder, Liszt solle grossherzog-\nlicher Rammerherr werden; genug, Liszt ging auf einige\nZeit nach Paris. Dort speiste er beim Kaiser und spielte\nder Kaiserin vor; Louis Napoleon unterhielt sich lange\nmit ihm; dabei kam Liszt auf sein (des Kaisers) Alter,\nund Napoleon meinte, er wäre schon ein halbes Jahrhun-\ndert alt. „Sire, Sie sind ja das Jahrhundert!\" antwortete\nLiszt. Das Commandeurkreuz der Ehrenlegion war des\nKaisers Antwort, denn unter der Unzahl von Orden, die\nLiszt besass, hatte jener der Ehrenlegion bisher gefehlt,\nweil der König Louis Philippe ihn nicht einem Virtuosen\nverleihen wollte.\nBald nach der Pariser Reise gab Liszt seinen Wohn-\nsitz in Weimar auf und übersiedelte nach Rom. Lange\nZeit hiess es, er sei nur nach der ewigen Stadt gegangen,\num die Einwilligung, den Dispens des heiligen Vaters zur\nVerehelichung mit einer geschiedenen Katholikin zu er-\nbitten, als mit Einem Male das unglaubliche Gerücht durch\ndie Zeitungen ging, Liszt wolle sich dem Priesterstande\nwidmen. Aber einige Monate darauf bestätigte sich dies.\nDer grosse Musiker hatte die niederen Weihen empfan-\ngen und hiess von nun an Abbe Liszt! Anfangs behaup-\nteten einige französische clericale Blätter, die Gnade habe\nihn erleuchtet, er sei von der innigsten Ergebung durch-\ndrungen, voll Entsagung enfin, der reine Büsser. Die\nguten Correspondenten aus Rom mussten aber verstum-\nmen, als der Entsagende plötzlich naeh Pesth ging, um\ndort sein neuestes Oratorium zu dirigiren, als er sich so-\ngar noch bewegen liess, im Priesterkleide öffentlich (für\nWohlthätigkeitszwecke) zu concertiren, als überall nur\nvon den ihm zu Ehren veranstalteten Festlichkeiten be-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "363", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661117-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5266, "texte": "richtet wurde (wobei er hier und da auch Andacht ver-\nrichtete), und als die französischen Zeitungen zwei merk-\nwürdige Aussprüche von ihm anführten, die bisher von\nkeiner Seite widerlegt worden sind. Er hat erstens auf\neine Frage über die Veranlassung zu seinem Entschlüsse\ngeantwortet: „Um eine freie und unabhängige Stellung\nzu gewinnen\", und als er in der Probe an das Dirigen-\ntenpult trat, um sein Oratorium einzustudiren, richtete er\nan den Damenchor ein Compliment, das seiner schönsten\nVirtuosenzeit, der Epoche seiner glänzendsten Galanterie\nwürdig war. Uebrigens besuchte er noch sehr kurze Zeit,\nbevor er sich in Rom von dem Fürsten Hohenlohe die\nniederen Weihen ertheilen liess, den Salon eines jungen\nitaliänischen Violinspielers, der die deutsche Musik pflegt,\nund war dort immer die Seele der Unterhaltung, nament-\nlich mit den Damen; ja, er componirt noch jetzt, nach\nwie vor, Opernphantasieen. Dieser Umstand, so wie manche\nseiner aus der neuesten Zeit datirenden Briefe und seine\nletzte Erklärung an die Wiener, dass er sein neuestes\nOratorium nach der „unziemenden Aufnahme\", die sein\nPrometheus gefunden, in der österreichischen Kaiserstadt\nnicht aufführen lassen wolle, beweisen zur Genüge, dass\nesr mit dem Fracke nicht den Gedanken an die Eitelkeit\ndieser Welt aufgegeben hat. Man kann also mit gutem\nGewissen behaupten: Liszt ist vor der Hand Abb6 ge-\nworden, um die Welt neuerdings in Erstaunen zu setzen.\nDas ist ihm vollkommen gelungen [?]. Auf andere Ver-\nsionen wollen wir kein besonderes Gewicht legen. Wir\nwerfen hier nur noch einige Rückblicke auf die glänzende\nLaufbahn, die unserer Ueberzeugung nach noch lange\nnicht geendet hat:\nLiszt ist unbestreitbar einer der ausserordentlichsten\nMenschen unserer Zeit. Mögen kühle Beobachter oder\nkritische Philister nur einen grossen Virtuosen in ihm\nsehen, ihn nur als einen Gott der Mode gelten lassen, es\nist unbestreitbar, dass ausserordentliche Gaben mensch-\nliche Schwächen nicht ausschliessen; man muss zugestehen,\ndass Liszt mit einem anderen Massstabe gemessen sein\nwill, als mit dem anderer Menschen. Was er erreicht\nhat, ist mit den Künsten des Ciavierspiels, selbst des\nhöchsten, nicht zu erreichen, wenn sie nicht getragen\nwerden von einer gewaltigen dämonischen Persönlichkeit.\nWas er leistet als Componist, mag, vom Standpunkte des\nrein Musicalischen betrachtet, in vieler Hinsicht ganz un-\nannehmbar sein, aber es darf nicht so leichthin verwor-\nfen werden, denn es beurkundet einen Trieb des Hervor-\nbringens, der in seiner Art einzig dasteht. Seine Erfolge\nin der Gesellschaft dürfen nicht bloss der äusseren Er-\nscheinung, nicht der Eleganz der Bewegungen, nicht dem\ngewandten Benehmen zugeschrieben werden; wer Liszt\nje genauer gekannt hat, der weiss, dass diesem Manne\nGaben innewohnen, durch die er selbst diejenigen fesselt,\ndie, wenn sie von ihm fern sind, sein Gebahren missbilli-\ngen; dass er im Gespräche eine erstaunende Macht des\nAusdrucks entwickelt, dass er dem, der sich mit ihm un-\nterhält, oft den richtigen Ausdruck in den Mund legt,\ndass er in die Ideen der Anderen einzudringen, sie darzu-\nlegen versteht, als wären sie seine eigenen, dass er in dieser\nWeise gereifte Männer in Erstaunen setzt, die Jugend ge-\nradezu bezaubert.\nWelcher Vorwurf trifft ihn also eigentlich? Dass er\ndas Spiegelbild der Thorheiten des grossen Publicums ist,\ndas ihn gross gezogen hat, und dass besonders die über-\ngrosse Mehrzahl der deutschen Hyper-Enthusiasten ihn\nimmer vom Standpunkte der deutschen Theorieen be-\ntrachtete und nicht einsah, wie er durch und durch eine\nfranzösische Natur ist in seinen kolossalen Eigenschaften\nwie in seinen Gebrechen! Dieser Ausspruch mag viel-\nleicht gewagt erscheinen; er findet seinen Vorgang in\ndem Urtheile eines der glühendsten Verehrer Liszt's, in\nden Worten Rellstab's. Dieser sagt wörtlich, indem er\nvon seiner „unruhigen, stürmischen Leidenschaftlichkeit\"\nspricht: „Ihn vertheidigt dabei seine ursprüngliche Natur,\nder Boden—Frankreich, mit seinen alles Maass zertrüm-\nmernden Explosionen in Kunst und Leben, auf dem er\ngewachsen, aus dem seine Wurzeln den Lebenssaft geso-\ngen, der die Farbe seiner Blüthen und Blätter, die Ei-\ngentümlichkeit seiner Früchte bestimmt — — — sein\nGeist ist noch (vielleicht für immer) in einem gewaltigen\nProcesse der Gährung begriffen, der gigantische Kräfte\nentwickelt, aber nicht das Maass, sie zu zügeln, in sich\nträgt.\" In diesen Worten liegt der Schlüssel zu einer un-\nbefangenen Würdigung Liszt's; so muss er beurtheilt\nwerden, wenn man ihn nicht blind verehren oder eben so\nblind verurtheilen will.\nEinst, wenn die Acten über das bewegte Leben Liszt's\ngeschlossen sein werden, wenn irgend ein Culturhistoriker\nes unternehmen wird, über Liszt und seine Zeit For-\nschungen anzustellen, wenn ihm Manches offen liegen\nwird, was jetzt entweder noch unbekannt ist oder der\nVeröffentlichung noch ferngehalten werden muss, kann\nauch ein endgültiges Urtheil gefällt werden — es wird\nerkennen, dass, wenn eine bedeutende Persönlichkeit jahre-\nlang sich nur von Enthusiasten und Schmeichlern umge-\nben sieht, man die Thorheiten nicht ihr allein zuschrei-\nben kann.\nH. Ehrlich.\nWir fügen dem vorstehenden Artikel den Schluss\neines Aufsatzes von Ed. Hans Ii ck (N. Fr. Presse vom\n1. Sept.) hinzu:\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "364", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661117-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2427, "texte": "In seiner seltsamen Stellung und Thätigkeit hat\nAbb6 Liszt in der Musikgeschichte einen Vorgänger von\nfrappanter Aehnlichkeit: den berühmten Abb£ Vogler.\nEs nimmt uns Wunder, die Doppelgängerschaft noch nir-\ngends hervorgehoben zu finden. Abbe Vogler (geb.\n1749, gest. 1814) war ein Mann von unbestreitbarer\nGenialität und glänzender Vielseitigkeit; eine Erscheinung,\nmit der verglichen zu werden, Liszt sicher nicht zur Un-\nehre gereicht. Berühmt als Schriftsteller und Componist,\nals Ciavier- und Orgelvirtuose, spielte Vogler durch sein\ngeistreiches, originelles Wesen eine glänzende Rolle in\nder Gesellschaft und übte auf seine Schüler und Verehrer\neine Art Zauber. In der schildernden, poetisirenden Ten-\ndenz seiner Musik deutet er gewisser Maassen auf die Zu-\nkunftsmusik; er spielte auf der Orgel den „Tod Herzog\nLeopold's in den Fluthen\", die „Belagerung von Jericho\"\nund dergleichen. Seinen Verehrern war Vogler geradezu\nein Wundermann, seinen Gegnern ein geistreicher Char-\nlatan. Vogler's Erfolge in Wien in den Jahren 1803\nund 1804 repräsentirten für jene Zeit ungefähr den Liszt-\nEnthusiasmus unserer Tage. Da dirigirte er heute ein\nOratorium im Wiedener Theater, gab morgen ein Orgel-\nconcert und celebrirte am dritten Tage mit grösstem\nPomp ein Hochamt in der St. Peterskirche, während eine\nMesse seiner Composition vom Chor herabbrauste. Der\neitle Abbe war stets mit einem breitschössigen schwarzen\nFrack, schwarz-atlassenen Beinkleidern, rothen Strümpfen\nund Schuhen mit gelben Schnallen angethan. Das Gross-\nkreuz des Ludwig-Ordens trug er links auf der Brust\nund rechts hinten das schwarzseidene Abbemäntelchen.\nEin gewisses Maass von Charlatanerie konnte Abbe Vog-\nler in keinem seiner Fächer entbehren, namentlich wusste\ner seinen künstlerischen Nimbus trefflich durch den geist-\nlichen zu erhöhen. Forkel's Almanach erzählt,\nwie Vogler, „wenn er bei Jemandem spielt, zuvor sein\nBetbuch hinschickt, und nachdem er eine Weile dage-\nwesen ist, plötzlich aufsteht, in ein anderes Zimmer geht,\nwo er keine Seele neben sich leidet, und da aus seinem\nBuche betet\". Zu solch eitlem Komödienspiel wird\nLiszt unseres Erachtens der aufrichtigere und bedeu-\ntendere Künstler ganz gewiss nie herabsinken. Aber\ndie äussere Aehnlichkeit und die innere Verwandtschaft\nzwischen diesen zwei merveilleusen Naturen ist unverkenn-\nbar, und so leisten uns beide Abbe's gleicher Weise den\nDienst, einer den anderen zu erklären."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-11-17-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-11-17_01#c003", "volume": "bmtnabi_1866-11-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "364", "page_fin": "366", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661117-01.2.3", "titre_corps": "Aus Berlin.", "titre_sommaire": "Aus Berlin.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "364", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661117-01.1.4", "debut_caractere": 2429, "fin_caractere_exclue": 4929, "texte": "Aus Berlin.\n(Bernhard Scholz. Gustav Satter. Königl.\nOper: „Hans Heiling\", „Die Jüdin\".)\nDen 12. November 1866.\nHerr Bernhard Scholz, früherer Hofcapellmeister\nin Hannover, welcher sich ein Jahr lang in Florenz auf-\ngehalten und seit Kurzem hier niedergelassen hat, gab\nam Sonntag Mittag in seiner Wohnung einer Anzahl von\nKunstgenüssen und Vertretern der Presse Gelegenheit,\nzwei seiner grösseren Compositionen zu hören. Wir\nkannten Herrn Scholz bis dahin einzig und allein als\nHerausgeber eines Werkes seines ehemaligen Lehrers\nDehn, dessen hinterlassenes Buch über den Contrapunkt\ner vor einer Reihe von Jahren in umsichtigster Weise\nedirte. Dass er übrigens den Inhalt dieses Werkes sich\nvöllig zu eigen gemacht bat, bewiesen die von uns gehör-\nten beiden Compositionen, namentlich das Quintett für\nPiano und vier Streichinstrumente. „Es ist uns kaum ein\nWerk eines Zeitgenossen vorgekommen,\" sagt Richard\nWüerst im Berliner Fremdenblatt, „in welchem, wie in\ndiesem Quintett, der Contrapunkt das Alpha und Omega,\nin der die Selbstständigkeit der Stimmen bis zu diesem\nGrade getrieben wäre. Wir schliessen in diese Bemer-\nkung gleichzeitig Lob und Tadel ein. Denn so hoch wir\npolyphones Leben in einem Musikstücke höheren Styles\nschätzen, ja, für so unentbehrlich wir es halten, hier ist\ndes Guten doch zu viel getban, und zwar auf Kosten der\nKlarheit, auf Kosten der frei sich entwickelnden Melodie.\nDie Letztere soll doch zunächst durch sich selbst wirken\nund erst in zweiter Reihe der polyphonen Kunst als\nMaterial dienen. Freilich ist das thematische und melo-\ndische Element der weniger bedeutungsvoll vortretende\nTheil in den erwähnten Compositionen, wogegen die Form\nin classischer Reinheit gewahrt ist und überall aufs\nWohlthuendste berührt. In anerkennenswerther Weise\ncharakteristisch finden wir sowohl im Quintett, wie in\ndem Clavierconcert die Selbstständigkeit des Pianofortes\ngegenüber den vier Saiteninstrumenten und dem Orches-\nter. Wenngleich eine sehr bedeutende Technik zur tüch-\ntigen Ausführung beider Ciavierstimmen gehört, so ist\ndoch der Verfasser weit davon entfernt, die Virtuosität\nals Zweck vor Augen zu haben. Sie ist, wie es auch sein\nsoll, bei ihm nur Mittel zum Zweck. Die gehörten bei-\nden Werke verrathen, und dies schätzen wir am höchsten\nan ihnen, den fein gebildeten, fein fühlenden, geschmack-\nvollen Musiker, der Wissen und Können mit natürlicher\nBegabung vereint, der sich nicht in subjectivstem Beha-\ngen der Fessel- und Maasslosigkeit hingibt, sondern den"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "365", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661117-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5276, "texte": "grössten Meistern, die auch wir als solche hochschätzen,\nauf ihrer lichten Bahn nachstrebt. Unter den sieben\nSätzen der beiden Compositionen sagte uns am meisten\ndas Finale des G-dur-Concertes zu. An der Ausführung\nder Musikstücke betheiligten sich ausser dem Componisten,\nden wir dabei als äusserst tüchtigen und soliden Piani-\nsten kennen lernten, die Herren Grünwald, Rehbaum,\nRob. Radecke und Dr. Bruns. Die Genossenschaft\nder Berliner Künstler hat jedenfalls durch Herrn Scholz\neinen Zuwachs erhalten, der sowohl nach der Seite der\nProduction, wie nach der der Reproduction hin als be-\ndeutungs- und werthvoll betrachtet werden muss. Wir\nrufen ihm daher ein herzliches „ „Willkommen\"\" zu.\"\nHerr Gustav Satter führte sich bei uns durch\neine Matinee im Englischen Hause als Componisten und\nPianisten durch lauter eigene Compositionen und durch eine\nPhantasie ein. Der Erfolg war nicht bedeutend. In seinem\nConcert am 1. November Abends, welches von einer\nzahlreicheren Zuhörerschaft besucht war, trug er eine\nReihe von Werken von Bach, Beethoven und Schumann\nneben einigen eigenen Compositionen vor. Der Künstler\nzeigte auch hier eine eminente Virtuosität: ob diese aber\nauch bei Beethoven's Sonate in C-dur (Op. 2) durch\nUebertreibung der Tempi und bei Bach's englischer Suite\nNr. 2 ebenfalls durch eine allerdings unerhörte Schnellig-\nkeit künstlerisch befriedigen konnte, dürfte zu bezweifeln\nsein. Den meisten Erfolg hatte sein Vortrag des „Fa-\nschingsschwanks\" und einiger Stücke aus den „bunten\nBlättern\" von Schumann.\nIm Opernhause wurde Marschner's „Hans Hei-\nling\" mit neuer Besetzung bis auf Herrn Betz (Hei-\nling) wieder einmal zur Aufführung gebracht, allen\nFreunden deutscher Tonkunst eine willkommene Gabe.\nLeider aber scheint die Zahl dieser wirklichen Freunde\nlyrisch-romantischer und melodischer Musik immer klei-\nner zu werden, da nicht einmal das Parquet ganz gefüllt\nwar, trotzdem dass Hr. Niemann den Conrad hier zum\nersten Male sang, Fräul. Grün die Anna, und Hr. Betz\ngewiss der beste „Hans Heiling\"' in der gegenwärtigen\nOpernwelt ist. Dafür, dass die General-Intendantur die\nWerke anerkannter deutscher Meister mit hervorragen-\nden Künstlern erneuert, ist unter den urtheilsfähigen\nHörern sicher nur eine Stimme des Dankes; aber leider\nartet der Geschmack des heutigen Publicums mehr und\nmehr dahin aus, dass es sich nur noch zu „grossen Opern\"\ndrängt, in denen es eben so viel sehen als hören will.\nDie scenischen Gaukeleien, die Theatersonnen, Scblitt-\nscbuhfahrten, Explosionen, Giftbäume und ähnliche Schau-\nkünste der modernen „grossen Oper\" haben die Masse\nschon so verwöhnt, dass sie an den schlichten Tonbildern\nder älteren Componisten immer weniger Gefallen findet.\nAngesichts solcher Symptome eines kranken Kunstge-\nschmackes ist es doppelt rühmenswerth, dass die König-\nliche Oper sich nicht auf die musicalischen Sensations-\nDramen der Mode begränzt, sondern ihr Repertoire mit\nkunstsinniger Hand immer wieder in der Richtung auf\ndie einfacheren und edleren Tongestalten der Vergangen-\nheit zu erweitern sucht. Ein gediegenes Streben, das zu\nseinem Gelingen allerdings der vollen Sympathie eines\ngleichgesinnten Publicums bedarf.\nDas Talent Marschner's wurde schon im Keime\nvon C. M. v. Weber erkannt, der als Dresdener\nCapellmeister die erste Oper Marschners: „Heinrich IV.\",\n1820 zur Aufführung brachte. Charakteristisch für den\nComponisten des geisterhaften „Hans Heiling\" ist eine\nTraumgeschichte, welche Weber's Sohn in seiner Bio-\ngraphie des Vaters erzählt. Marschner, schon mit anderen\nCompositionen beschäftigt, hatte fast vergessen, dass jene\nerste Oper sich noch in Weber's Händen befand, als\ner plötzlich in der Nacht des 13. Juli 1820 zu Press-\nburg im Traum eine vollständige Aufführung derselben\nim Dresdener Hoftheater durchlebte. Am andern Mor-\ngen konnte er sich jedes Musikstückes erinnern, das ap-\nplaudirt worden war; er theilte den Traum dem Gra-\nfen Amadee in Pressburg und seiner Mutter mit. Einige\nTage darauf erhielt er von Weber einen Brief mit der\nSchilderung der Aufführung am 13. Juli, die in allen\nEinzelheiten mit seinem Traum stimmte, nebst zehn Du-\ncaten Honorar. Die Honorare haben sich seitdem er-\nklecklich gesteigert. Ob aber auch im Verhältniss dazu\ndie Kuntwerke? In Marschner's Opern überwiegt aller-\ndings das Lyrische das Dramatische, und wenn\nsie sich mehr im Gedächtniss der Kunstfreunde, als in\nder Gunst des Theater-Publicums erhalten haben, so\nliegt dies mit an dem Mangel der dramatischen Schlag-\nkraft. Auch Hans Heilingist im Ganzen zu wenig dra-\nmatisch, obwohl er namentlich im zweiten Acte, in der\nGeisterscene und der wunderbaren Romanze: „Des Nachts\nwohl auf der Haide\", wahrhaft romantisch ist.\"\nIn der Aufführung behauptete Hr. Betz (Heiling)\nwieder die oberste Stelle: die natürliche Schönheit seines\nTones, die Wärme seines Vortrages und die Gewandt-\nheit seines Spiels verschmolzen sich zu einer Kunstleist-\nung ersten Ranges, welche von harmonischer Wirkung\nauf Obr und Herz war. Der „Leibschütz Conrad\" ist\nnicht, was man eine „Glanzrolle\" nennt, Hr. Nie mann\nmachte sie durch seine imposante Gestaltung zu einer\nhervorragenden, doch trug er mitunter, besonders in\ndem Terzett, die Tonfarben zu grell auf, obwohl er in\nanderen Partieen schon bewiesen, dass er sich nach der"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "366", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661117-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1904, "texte": "Natur des Werkes moderiren kann. Eine vortreffliche\nAnna war Frl. Grün; das Schwankende und Ungewisse\ndes Landmädchens, das sich mehr und mehr von Hans\nHeiling abgeschreckt fühlt, wurde von der Sängerin mit\ninnerlicher Lebendigkeit versinnlicht. Nicht so gut eignete\nsich Frl. Horina für „die Königin der Erdgeister\", die\nfrüher von der verstorbenen de Ahna ausgezeichnet re-\npräsentirt wurde. Der bäuerische Hochzeitsmarsch im\ndritten Acte, in seiner volksthümlichen Art ein kleines\nMeisterstück, stimmte die Hörer zur lauten Heiterkeit, in\ndiesem Falle ein untrügliches Zeichen der humoristischen\nBegabung Marschner's. Ausserdem fehlte es nicht an Ap-\nplaus und Hervorruf der Hauptpersonen, so dass den kri-\ntischen Stimmen nur der Wunsch bleibt, das Publicum\nmöge durch zahlreichere Theilnahme das Seinige dazu\nbeitragen, das melodische und in der Instrumentirung mei-\nsterhafte Werk des deutschen Tondichters auf der Bühne\nlebendig zu erhalten.\nDie diesmalige Aufführung von „Jüdin\" er-\nregte dadurch besondere Theilnahme, dass Frau Harr i er s-\nWippern die „Recha\" gab und mit dieser Rolle eine\nProbe ihres Talentes auch für dramatischen Gesang ab-\nlegte, da sie bisher fast nur in lyrischen Partieen sich aus-\nzeichnete. Allerdings eignet sich ihre weiche, wohllautende\nStimme nicht zu dem grellen Colorit der Halevy'schen\nMusik, allein dafür wurden die zarteren Stellen desto\nschöner wiedergegeben und die Zuhörer vor scharf for-\ncirten Intonationen bewahrt, was auch durch wiederhol-\nten Applaus anerkannt wurde. Den „Eleazar\" singt hier\nHr. Wachtel auch nach Niemann's Engagement, ein\nBeweis,\" dass die Intendantur kein Rollen-Monopol duldet,\nwie denn auch Hr. Niemann schwerlich an einem anderen\nTheater sich würde wie diese Koryphäen zu sagen\npflegen • herabgelassen haben, den „Conrad\" im\n„Hans Heiling\" zu singen. Der „Eleazar\" ist übrigens\nauch eine der vorzüglichsten Leistungen Wachtel's."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-11-17-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-11-17_01#c004", "volume": "bmtnabi_1866-11-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "366", "page_fin": "366", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661117-01.2.4", "titre_corps": "Aus Wiesbaden.", "titre_sommaire": "Aus Wiesbaden.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "366", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661117-01.1.6", "debut_caractere": 1906, "fin_caractere_exclue": 4521, "texte": "Aus Wiesbaden.\nDen 12. November 1866.\nDie gestrige Vorstellung im Theater hatte folgendes\nProgramm; Königl. Schauspiele. Zur Feier des Dank- und\nFriedensfestes: 1. Ouvertüre von L. van Beethoven. 2.\nChoral: „Nun danket Alle Gott!\", gesungen von sämmt-\nlichem Personal der königl. Schauspiele. 3. Fest-Tableau.\n4. Leonore von K. von Holtei (mit Tableaux).\nEine sehr erfreuliche Aussicht auf classische Sin-\nfonie-Concerte, welche im Gegensatz zu dem frivolen\nVirtuosenkram in den Concerten der Rurhaus-Verwaltung\nhier ein wahres Bedürfniss für die Bildung des guten Ge-\nschmackes und das Verlangen aller wahren Musikfreunde\nsind, gewährt die Eröffnung eines Abonnements auf sechs\nConcerte durch die Intendantur der königl.\nSchauspiele. Die Einladung (vom 6. November) ent-\nhält u. A. Folgendes:\nUm vielfach geäusserten und berechtigten Wünschen\nder hiesigen Kunstfreunde zu genügen, wird die unter-\nzeichnete Intendantur auch der ausserhalb des Opernge-\nbiets componirten Musik von classischero und edlem\nGehalte auf hiesiger Bühne Geltung und Ausdruck ge-\nwähren und zu diesem Zwecke im Laufe der Wintersai-\nson einen Cyklus von sechs grossen Concerten ent-\nschieden hoher und ernster Kunstrichtung unter der\nartistischen Direction des Capelimeisters, Herrn Jahn,\nveranstalten, für deren erstes das nachfolgende Pro-\ngramm festgestellt ist: Erste Abtheilung: Passacaglia von\nJ. S. Bach, (instrumentirt von H. Esser). Recitativ und\nArie aus „Rinaldo\" von G. F. Händel, (instrumentirt von\nG. Meyerbeer). Ouvertüre zu „Ali Baba\" von L. Cheru-\nbini. Ständchen für 5 Frauenstimmen von F. Schubert.\nVorspiel zu „Die Meistersinger von Nürnberg\" von B.\nWagner. Zweite Abtheilung: VI. Sinfonie in G-dur von\nJ. Haydn.\nDie ferneren Concerte sollen im Vereine mit auser-\nlesenen Werken von Händel, Bach, Mozart, Cherubini,\nChelard, Schubert, Schumann, Spohr, Liszt, Wagner etc.\nnamentlich Sinfonieen von L. van Beethoven (eroica), F.\nMendelssohn-Bartholdy (A-moll), J. Raff (C-durj, N.\nGade (B-dur), „Harald in Italien\" von H. Berlioz zur\nAufführung bringen. Die Abonnementspreise variiren\nvon 10 Fl. 24 Kr. bis 2 Fl. (zweite Rangloge).\nAus diesem vorläufigen Programm scheint hervorzu-\ngehen, dass man an leitender Stelle auch die Vertreter\nder neuesten Richtungen: H. Berlioz, R. Wagner, und\nF. Liszt bereits zu den Ciassikern rechnet. Wenn sich\nnun auch gegen dieses Prognostikon für die Zukunft\nvielleicht die Zukunft selbst erklären dürfte, so ist immer-\nhin die Aufnahme von einigen Werken der genannten\nMusiker nicht unwillkommen, da deren Aufführung jeden-\nfalls zur Charakteristik der gegenwärtigen Periode gehört.\n6—."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-11-17-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-11-17_01#c005", "volume": "bmtnabi_1866-11-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "366", "page_fin": "367", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661117-01.2.5", "titre_corps": "Aus Aachen.", "titre_sommaire": "Aus Aachen.", "signature_source": "X", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "366", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661117-01.1.6", "debut_caractere": 4523, "fin_caractere_exclue": 4661, "texte": "Aus Aachen.\n\nDen 11. November 1866.\nUnsere Winter-Concerte haben unter günstigen Aus-\nsichten für die Vermehrung der Einnahme begonnen und"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "367", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661117-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3661, "texte": "da diese bei allen Concert-Instituten in den Städten der\nRheinpvovinz eine Hauptbedingung ihrer Blüthe, ja,\nihrer Existenz ist, so müssen wir eine Zunahme der Abon-\nnenten als ein erfreuliches Ereigniss willkommen heissen.\nEs ist übrigens schwer, ja, den Erfahrungen in allen\nrheinischen Städten nach, vielleicht unmöglich, das Schwan-\nken der Abonnentenzahl für Theater und Concert mit\nSicherheit erklären zu wollen, da es von so verschiedenen\näussern Umständen und Verhältnissen, die gar sehr dem\nWechsel unterworfen sind, abhängt und auch von An-\nsichten und Launen jener schwer zu durchschauenden\nGesammtmenschen, die man Publicum nennt, dessen mu-\nsicalische Temperatur eben so wenig an einem Thermo-\nmeter ad hoc, wie seine Leistungswilligkeit für Kunst-\nzwecke nach einem Courszettel beurtheilt werden kann.\nJedenfalls ist es verkehrt, aus der Abonnentenzahl in\neinem oder dem andern Jahre auf den Grad der ästheti-\nschen Bildungoderdes Kunstsinns im Publicum zuschliessen\nund eben so wenig berechtigt ist in den meisten Fäl-\nlen der Vorwurf, den man bei einer etwaigen Abnahme,\nden Programmen, mithin beziehungsweise den Directionen\nmacht. Allerdings kann es der Fall sein, dass einzelne\nProgramme mehr oder weniger geschickt zusammenge-\nstellt werden, allein im Ganzen sind wir denn doch über-\nall am Niederrhein so weit vorgeschritten, dass die Con-\ncert-Institute von Köln, Aachen, Düsseldorf u. s. w. nur\nernste und würdige Werke der Tonkunst aufführen, so\ndass ihre Programme auf den Charakter der ganzen Sai-\nson und somit auf den Besuch derselben nur einen för-\ndernden Einlluss haben können. Freilich, „den Wünschen\nAller gerecht zu werden\", dürfte überall für eine Kunst-\nanstalt ein verkehrtes Streben sein, und es bleibt Pflicht\nder Directionen, nach höheren Grundsätzen selbstständig\nzu handeln, sich dabei aber vor ausschliesslicher Vorliebe\nfür diese oder jene Gattung oder Persönlichkeit zu hüten.\nUnser erstes Abonnements-Concert hat die Reihe der-\nselben auf eine sehr befriedigende Weise eröffnet. Die\nAufführungen von Cherubini's Ouvertüre zu den Aben-\nceragen, das einzige aber bewunderungswerthe Bruchstück,\nwelches sich von dieser Oper des Meisters erhalten hat,\nund die B-dur-Sinfonie Nr. IV. von Beethoven waren\nunter der Leitung des Herrn F. Breunung so vollendet,\ndass sie ein neues Blatt in dem Erinnerungs-Album der\nrühmlichen Leistungen unseres Orchesters verdienen.\nNamentlich machte die Sinfonie, zwar nicht eine der ge-\nwaltigen und imposanten, aber desto feiner und man kann\nwohl sagen: desto rein-musicalischer ohne alle Gedanken\nan äusserliche Veranlassung geschaffen, eben desshalb aber\nauch um so schwieriger auszuführen, durch ihre Auffas-\nsung durch den Dirigenten und ihren ausdrucksvollen\nVortrag durch das Orchester einen so schönen Eindruck,\ndass man von allen Seiten sich dahin äusserte, dass man\nsie noch niemals so gut gehört habe. Der Chor be-\nwährte sich durch den innigen Vortrag von Mendelssohn's\nGebet: „Verleih uns Frieden!\" und von Schumann's\n„Nachtlied\".\nHerr Goltermann bewährte seinen alten Ruf als\neiner der bedeutendsten Violoncellisten durch den Vortrag\neines Concertes von Popper, in dessen Adagio er seinen\nschönen Ton, in den anderen Sätzen seine eminente Tech-\nnik geltend machen konnte. Die Composition konnte nicht\nallgemein ansprechen. Einen seltenen Kunstgenuss ge-\nwährte der Vortrag des herrlichen Concertes in Es-dur\nfür zwei Flügel von Mozart mit Cadenzen von Moscheies\ndurch die Gebrüder Thern, welche dadurch, wie auch\nschon durch ihr Spiel im Theater, Alles in vollem Masse\nbestätigten, was in diesen Blättern bereits über die beiden\njungen Künstler zu deren Lobe gesagt ist.\n\nX."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-11-17-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-11-17_01#c006", "volume": "bmtnabi_1866-11-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "367", "page_fin": "368", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661117-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "367", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661117-01.1.7", "debut_caractere": 3663, "fin_caractere_exclue": 5703, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMolll* Das Concert von Frau und Herrn Marchesi am\n13. d. Mts. im Saale des Hotel Diseh waren wir durch Unwohl-\nsein leider verhindert, zu besuchen. Dem Vernehmen nach war es\nsehr besucht und befriedigte sowohl das Programm, als die lobens-\nwerthe, zum Theil vortreffliche Ausführung die Zuhörer. Besonders\nschönen Eindruck haben die Gesänge für drei Frauenstimmen von\nF. Hiller3 gesungen von 18 Schülerinnen des Conservatoriums\nunter Leitung der Frau Marchesi gemacht. Die übrigen Gesang-\nstücke waren Schumann's „Frauenliebe und Leben\" (Frau Mar-\nchesi), zwei Duette von F. Hill er für Herrn und Frau Marchesi\ncomponirt, das Duett aus Rossini's „Semiramis\"; ferner Arie und\nHändel's La Resurr ezione, Schubert's „Erlkönig\", Fourquoi\nvon S. Marchesi (sämmtlich vorgetragen von Herrn Marchesi).\nDazwischen Mozart's vierhändige Variationen und einige Sätze\naus Hill er's Operette ohne Worte für 4 Hände gespielt von den\nHerren Hiller und Gernsheim.\nCoMeilZ« Am 30. v. Mts. fand unter Leitung des Directors\ndes k. Musikinstituts, Herrn Max Bruch, das erste Abonnements-\nConcert Statt. Nach der Jubel-Ouverture von Weber spielte Herr\nDe Suert aus Düsseldorf ein Concert von Molique, später einige\nRomanzen eigener Composition und zwei Gavotten von J. S. Bach,\nund erwarb durch seine anssergewöhnliche Technik und tonvollen\nVortrag reichen Beifall. Gade's „Frühlingsbotschaft\" wurde gut\nausgeführt, der Gesangverein bewies durch reine Intonation und\nPräcision, Liebe zur Saohe und offenbaren Fortschritt. Beethoven's\nC-wioZi-Sinfonie hörten wir in recht befriedigender Ausführung, deren\nKlarheit durch die mit recht gemässigten Tempi besser als sonst\nhervortrat. Ein hiesiges Blatt führt in Bezug darauf sehj; passend\neine Aeusserung Mozart's über das Tempo eines seiner Sinfoniesätze\nan, dessen Schnelligkeit der Dirigent mit dem Wunsche einer\n„feurigen\" Ausführung entschuldigte. Mozart erwiederte: „Das war\nunnöthig, denn wenn kein Feuer darin ist, bringt Ihr's durch\nschnelles Tempo mein Lebtag nicht hinein\"."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "368", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661117-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3253, "texte": "Wiesbaden* Zur Ergänzung der Concert-Ankündigung\nder Intendantur des k. Theaters ist zu erwähnen, dass auch der\nCäcilienverein vier Concerte angezeigt hat, in denen J. S. Bach's\nMatthäus-Passion, der 114. Psalm von Mendelssohn, Mirjam's\nSiegesgesang von F. Schubert, und Paradies und Peri von R.\nSchumann zur Aufführung kommen sollen. Auch Quartett-\nAbende sind wieder in Aussicht gestellt.\nFrankfurt a« M# Das 3. Museums-Concert am 9. d. Mts.\nbrachte: 1. Sinfonie („Der Bär\") von Haydn. 2. Recitativ und\nArie aus Gluck's Iphygenie in Aulis. (Hr. Carl Hill.) 3. Cla-\nvierconcert von Rob. Schumann (Frau Schumann). 4. Zwischen-\nact zu Rosamunde von F. Schubert. 5. Lieder von Schubert\nund Schumann (Hr. Hill). 6. Solostücke (Frau Schumann). 7. Ou-\nvertüre zu Abu Hassan von C. M. v. Weber.\nBaden-Baden haben sich mehrere berühmte musicalische\nGrössen gleichsam zum Asyl gewählt und dort oder in der nächsten\nNähe theils sich bescheiden häuslich eingerichtet, theils reizende\nVillen gebaut oder bezogen. Der Senior derselben ist der Clavier-\nspieler Pixis, ein Siebenziger; dann Jak. Rosenhain, der gewöhn-\nlich zwei Drittel des Jahres hier auf seiner Villa zubringt; dann\nMadame Viardot-Garcia, die neuerdings neben ihrer Villa auch\neine „Tonhalle\" gebaut hat, die indess etwas miniaturmässig ausge-\nfallen ist, endlich Frau Clara Schumann mit zwei Töchtern.\nAuch seine griechische Capelle hat Baden jetzt, wie Wiesbaden;\nsie ist vom Fürsten Stourdza erbaut und wurde am 20. Oetober\neingeweiht. Im Theater fallen die neuen, von der Curhaus-Admi-\nnistration durch Herrn Benazet in Paris bestellten, splendid hono-\nrirten Opern und Operetten gewöhnlich durch: einen wirklichen\nGenuss bieten in dem prächtigen Theater nur die Opernvorstellungen\nder Gesellschaft des Hoftheaters von Carlsruhe. Jeden Abend spielt\nübrigens die Capelle des Herrn Könnemann, der ein ganz gutes\nvollständiges Orchester dirigirt, aber gewöhnlich zum Schluss des\nProgramms einen Polka oder einen Walzer von seiner Composition\nzum Besten gibt.\nIm Oetober hatten wir eine Matinee des Pianisten und Orga-\nnisten Wilhelm Wülfinghoff, der mehrere Compositionen ver-\nschiedenster Gattung von Hummel, Field, J. S. Bach, Beethoven,\nChopin, Liszt, Pauer, Henselt vortrug und auch seine Tochter und\nSchülerin Amalie3 zwölf Jahre alt, vorführte. Die Zuhörerschaft\nwar nicht zahlreich, aber sehr gewählt und zollte den beiderseitigen\nLeistungen wiederholten Beifall.\nDie Intendanz der k. Schauspiele zeigt an, dass in Hannover\nim Laufe dieses Winters acht Abonnements-Concerte der k. Capelle\nim Concertsaale des k. Schauspielhauses Statt finden werden.\nHof-Capellmeister Kalliwoda ist nach einer mehr als vier-\nzigjährigen Thätigkeit in Donaueschingen von dort nach Karlsruhe\nübergesiedelt.\nRichard Wagner hat von Hrn. Carvalho, dem Director\ndes Thtätre lirique in Paris, eine Einladung erhalten, die an diesem\nTheater bevorstehende Aufführung seines „Lohengrin\" selbst zu\ndirigiren.\nFrl. Tipka, die bekannte Coloratursängerin, hat sich mit dem\nCapellmeister und Componisten Hrn. J. Weinlich aus Oesterreich\nvermählt.\nHerr Wachtel jun. ist aus Anlass seines erfolgreichen Gast-\nspiels im Stadttheater zu Leipzig als erster lyrischer Tenor unter\nsehr vortheilhaften Bedingungen engagirt worden."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "361", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661117-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nKünstler und Mönch (Sehluss). Aus Berlin (Bernhard Scholz. Gustav Satter. - Königl. Oper: „Hans Heilingu,\n„Die Jüdin\".) Aus Wiesbaden (Theater. Concerte). Von 6—. Aus Aachen (Winter-Concerte). Von x. Tages- und Unter-\nhaltungsblatt (Köln, Concert von Frau und Herrn Marchesi. Coblenz, Abonnements-Concert. Wiesbaden, Cäcilien-Verein. —•\nFrankfurt a. M., Museums-Concert. Baden-Baden, Musik-Zustände. Hannover, Concerte. Kalliwoda. Richard Wagner. u. s. w.).\n\nKünstler und Mönch.\n(Sehluss. S. Nr. 44 u. 45.)\nBis zum Jahre 1853 war Liszt noch nicht als Com-\nponist grösserer Werke aufgetreten; er galt noch immer\nvorzugsweise als der Vorkämpfer für Wagner. Das\nKarlsruher Musikfest gab den ersten Anlass zu heftigen\nDiscussionen über seine Berechtigung als Componist\nwie als Dirigent. Freilich war den Gegnern diesmal ein\nleichtes Spiel gegeben. Das Finale der neunten Sinfonie\nhatte müssen unterbrochen und eine Stelle wieder ange-\nfangen werden, weil Liszt den Eintritt gewisser Instru-\nmente nicht rechtzeitig angedeutet hatte, und das Or-\nchester vollkommen aus dem Tact gekommen war. Ob-\nwohl ein solcher Zwischenfall noch nicht über die Fähig-\nkeit oder Unfähigkeit eines Capellmeisters entscheidet, so\nward er doch vielfach ausgebeutet. Dem Componisten\nging es nicht besser. Er hatte einen Chor „An die\nKünstler\" von Schiller componirt. Der gesangliche Theil\nenthält Stellen, welche die Sänger bei aller Anstrengung\nnie rein hervorbringen können, weil die Uebergänge zu\ngrell sind; im orchestralen Theil kommen Zusammenstel-\nlungen von Accorden vor, welche selbst die Leipziger\n„Neue Zeitschrift für Musik\", das entschiedene Organ\nder neuen Schule, nicht zu vertheidigen wagte. Verblüfft\nhörte das Publicum die seltsame Musik an; die Anhänger\nwaren verlegen, beklommen, sie wagten, als der Chor zu\nEnde war, eipen Beifallsruf, der sogleich durch energi-\nsches Zischen unterdrückt wurde und als man zischte,\nverbeugte Liszt sich tief mit unverkennbarem Hohn. Die\nZeitungen waren damals voll von Beschreibungen, Kri-\ntiken und Antikritiken, bei denen zuletzt die Kunstfrage\nin den Hintergrund, die Parteifrage in den Vordergrund\ntrat. An manchen gehässigen Angriffen mag auch das\npersönliche Gebahren Liszt's und seiner nächsten Umge-\nbung Schuld getragen haben. Er sprach mit den Orches-\nTermitgliedern weder in dem Tone, den manchmal soge-\nnannte „grobe\" Capellmeister anschlagen, noch weniger\nin der Feinheit und Höflichkeit, die man von einem Welt-\nmann zu erwarten berechtigt war; er behandelte das Or-\nchester mit einer cavaliermässigen Nonchalance, so von\noben herunter, und dies musste am meisten verletzen. Der\nabsprechende Ton der jungen Musiker und Literaten, die\nseine Escorte bildeten, die jede Gegenmeinung gering-\nschätzig als Unverstand bemitleideten, war auch nicht\nsehr geeignet, der Schule besondere Zuneigung zu\nerwerben. Liszt ward trotzdem für seine Bemühungen\num das Karlsruher Musikfest mit dem Comthurkreuz des\nZähringer Löwenordens belohnt.\nDas Missgeschick, das seine Composition betroffen\nhatte, schreckte ihn nicht zurück, vielmehr entwickelte er\neine fieberhafte Thätigkeit. Er componirte eine grosse\nMesse zur Einweihung des neuen Domes in Gran, eine\nkleinere für vier Stimmen mit Orgel, eine grosse Sonate\nund zwei Concerte für Ciavier, und nicht weniger als\nneun sinfonische Dichtungen, die als Prototype der soge-\nnannten Programm-Musik gelten. Daneben veröffentlichte\ner noch eine Masse Opernphantasieen und Transscriptionen.\nVon diesen haben wenige, wie z. B die über Gounod's\nFaust und über den Schlittschuhtanz aus dem Propheten,\ndie Runde durch alle Concertsäle gemacht; von den\nersteren sind aber nur sehr wenige und an sehr wenigen\nOrten einem entschiedenen Misserfolge entgangen.\nSprechen wir jetzt von Liszt's Stellung zur musicali-\nschen Welt. Dem grossen Publicum war er immer noch\nals der Beherrscher aller Ciaviervirtuosen und als der be-\nzaubernde Weltmann im Gedächtnisse. Von seinen Com-\npositionen nahm man wenig oder gar keine Notiz [?]. Die\nAristokratie, die für ihn schwärmte,, vernahm zwar hier\nund da, dass er sich viel mit grösseren Tonwerken be-\nschäftige, dass dieselben »wenig Melodie\" enthielten, und\nsie betrachtete das als eine seiner liebenswürdigen"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "362", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661117-01.1.2", "texte": "Extravaganzen, an die man sich schon gewöhnen müsse\nseine Person war ja die Hauptsache, und wenn er\nirgend einem Hofe oder einer ihm befreundeten hohen\nFamilie einen Besuch abstattete, oder bei ihnen speiste,\ndann war er immer so liebenswürdig, ihnen vorzuspielen,\nPhantasieen, Transscriptionen und dergleichen; seine sinfo-\nnischen Dichtungen wurden ja so selten im Goncertsaale\naufgeführt, und dorthin ging man nicht. Das Bürger-\nthum war auch nicht in der Lage, seine Compositionen zu\nhören; die musicalischen Gesellschaften, die ihre Abonne-\nments-Concerte veranstalteten, sind mehr oder weniger\ngezwungen, ein classisches Programm aufzustellen; der\nKreis, in dem die Composition Liszt's gehört wurde, war\nalso ein kleiner: er erstreckte sich von Weimar nicht\nüber Berlin und Leipzig. In dem genannten Kreise war\nder Kampf für und wider ein sehr heftiger; dadurch, dass\nderselbe so zu sagen unter den Augen Liszt's geführt\nwurde, dass er mittelbar durch seine Aufsätze in der\nneuen musicalischen Zeitschrift und durch seinen Einfluss\nauf die Schriftsteller seiner Partei selbst an dem Kampfe\nTheil nahm, wurde dieser noch erbitterter; die soge-\nnannte conßervative Partei verwarf alles, was von ihm\nkam, und die „neudeutsche Schule\" (so nannten sich die\nZukunftsmusiker) acceptirte Alles unbedingt; die unabhän-\ngigen Musiker hielten sieb jedoch neutral.\nSo auch Schumann, der sonst hohe Achtung für\ngrossartige musicalische Persönlichkeiten hegte. Zwischen\nihm und Liszt hat einst eine merkwürdige Scene Statt\ngefunden; wir verbürgen die Wahrheit unserer Erzäh-\nlung, dürfen aber keine genauen Einzelheiten angeben:\nWenige Jahre vor dem Tode des edlen Mannes traf er\nmit Liszt zusammen. Es entwickelte sich ein Gespräch\nüber Musik. Die Rede kam auf Mendelssohn, von dem\ndie neudeutsche Schule nicht ganz mit Unrecht behaup-\ntete, er habe dem sogenannten gebildeten musicalischen\nPublicum grosse Zugeständnisse -gemacht, er habe in\nmanchen seiner Compositionen nur die meisterliche Form\nvorwalten lassen, während der Ideeninhalt kein sehr be-\ndeutender sei. Liszt sprach diese Meinungen in der ihm\neigentümlichen genialen Manier aus, vielleicht mit einigen\nherben Bemerkungen und mit einigen Complimenten für\nSchumann. Dieser erhob sich vom Tische und ging im\nZimmer hin und her. Plötzlich trat er vor Liszt hin, oder\nfuhr vielmehr auf ihn los und warf ihm mit harten Worten\nvor, dass er es wage, gegen einen Meister zu sprechen,\nan den sie Beide nicht hinanreichten. Es war das letzte\nMal, dass sie einander gesehen!\nLiszt hat während seines Aufenthaltes in Weimar\nviel Gutes für die Musik gewirkt; er hat neben den Wag-\nner'schen Opern Werke von Berlioz, Schumann und\nSchubert, die man sonst nirgends aufführte, zu Gehör ge-\nbracht, vielen jungen Künstlern die Carri&re erleichtert,\nund selbst einige Künstler, von denen er nie eine Partei-\nnahme für sich erwarten durfte, fanden bei ihm die beste\nAufnahme, wie z. B. Anton Rubinstein, der durchaus\nnicht zu den Zukunfts- oder Programm-Musikern gehören\nwill. Es ist hier nicht der Ort, eine Geschichte der inne-\nren Verhältnisse der Weimarer Intendanz- und Directions-\nAngelegenheit zu geben; wir können nicht nachweisen,\nob der Vorwurf gerecht ist, dass Liszt das Theater und\ndie Capelle für sich und seine Zwecke allein in Anspruch\nnahm, oder ob der Hoftheater-Intendant Dingelstedt\ndie Macht, die jener besass, nach und nach an sich\nzu ziehen suchte; in kleinen Städten arten ja alle Kunst-\nAngelegenheiten in rein persönliche aus, sobald irgend\neine Meinungsverschiedenheit eintritt, weil die neutralisi-\nrende Macht des grösseren Publicums fehlt.\nIm Jahre 1862 wurden die ersten Stimmen laut,\ndie von einer Veränderung in der Stellung Liszt's sprachen;\neine Zeit lang hiess es wieder, Liszt solle grossherzog-\nlicher Rammerherr werden; genug, Liszt ging auf einige\nZeit nach Paris. Dort speiste er beim Kaiser und spielte\nder Kaiserin vor; Louis Napoleon unterhielt sich lange\nmit ihm; dabei kam Liszt auf sein (des Kaisers) Alter,\nund Napoleon meinte, er wäre schon ein halbes Jahrhun-\ndert alt. „Sire, Sie sind ja das Jahrhundert!\" antwortete\nLiszt. Das Commandeurkreuz der Ehrenlegion war des\nKaisers Antwort, denn unter der Unzahl von Orden, die\nLiszt besass, hatte jener der Ehrenlegion bisher gefehlt,\nweil der König Louis Philippe ihn nicht einem Virtuosen\nverleihen wollte.\nBald nach der Pariser Reise gab Liszt seinen Wohn-\nsitz in Weimar auf und übersiedelte nach Rom. Lange\nZeit hiess es, er sei nur nach der ewigen Stadt gegangen,\num die Einwilligung, den Dispens des heiligen Vaters zur\nVerehelichung mit einer geschiedenen Katholikin zu er-\nbitten, als mit Einem Male das unglaubliche Gerücht durch\ndie Zeitungen ging, Liszt wolle sich dem Priesterstande\nwidmen. Aber einige Monate darauf bestätigte sich dies.\nDer grosse Musiker hatte die niederen Weihen empfan-\ngen und hiess von nun an Abbe Liszt! Anfangs behaup-\nteten einige französische clericale Blätter, die Gnade habe\nihn erleuchtet, er sei von der innigsten Ergebung durch-\ndrungen, voll Entsagung enfin, der reine Büsser. Die\nguten Correspondenten aus Rom mussten aber verstum-\nmen, als der Entsagende plötzlich naeh Pesth ging, um\ndort sein neuestes Oratorium zu dirigiren, als er sich so-\ngar noch bewegen liess, im Priesterkleide öffentlich (für\nWohlthätigkeitszwecke) zu concertiren, als überall nur\nvon den ihm zu Ehren veranstalteten Festlichkeiten be-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "363", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661117-01.1.3", "texte": "richtet wurde (wobei er hier und da auch Andacht ver-\nrichtete), und als die französischen Zeitungen zwei merk-\nwürdige Aussprüche von ihm anführten, die bisher von\nkeiner Seite widerlegt worden sind. Er hat erstens auf\neine Frage über die Veranlassung zu seinem Entschlüsse\ngeantwortet: „Um eine freie und unabhängige Stellung\nzu gewinnen\", und als er in der Probe an das Dirigen-\ntenpult trat, um sein Oratorium einzustudiren, richtete er\nan den Damenchor ein Compliment, das seiner schönsten\nVirtuosenzeit, der Epoche seiner glänzendsten Galanterie\nwürdig war. Uebrigens besuchte er noch sehr kurze Zeit,\nbevor er sich in Rom von dem Fürsten Hohenlohe die\nniederen Weihen ertheilen liess, den Salon eines jungen\nitaliänischen Violinspielers, der die deutsche Musik pflegt,\nund war dort immer die Seele der Unterhaltung, nament-\nlich mit den Damen; ja, er componirt noch jetzt, nach\nwie vor, Opernphantasieen. Dieser Umstand, so wie manche\nseiner aus der neuesten Zeit datirenden Briefe und seine\nletzte Erklärung an die Wiener, dass er sein neuestes\nOratorium nach der „unziemenden Aufnahme\", die sein\nPrometheus gefunden, in der österreichischen Kaiserstadt\nnicht aufführen lassen wolle, beweisen zur Genüge, dass\nesr mit dem Fracke nicht den Gedanken an die Eitelkeit\ndieser Welt aufgegeben hat. Man kann also mit gutem\nGewissen behaupten: Liszt ist vor der Hand Abb6 ge-\nworden, um die Welt neuerdings in Erstaunen zu setzen.\nDas ist ihm vollkommen gelungen [?]. Auf andere Ver-\nsionen wollen wir kein besonderes Gewicht legen. Wir\nwerfen hier nur noch einige Rückblicke auf die glänzende\nLaufbahn, die unserer Ueberzeugung nach noch lange\nnicht geendet hat:\nLiszt ist unbestreitbar einer der ausserordentlichsten\nMenschen unserer Zeit. Mögen kühle Beobachter oder\nkritische Philister nur einen grossen Virtuosen in ihm\nsehen, ihn nur als einen Gott der Mode gelten lassen, es\nist unbestreitbar, dass ausserordentliche Gaben mensch-\nliche Schwächen nicht ausschliessen; man muss zugestehen,\ndass Liszt mit einem anderen Massstabe gemessen sein\nwill, als mit dem anderer Menschen. Was er erreicht\nhat, ist mit den Künsten des Ciavierspiels, selbst des\nhöchsten, nicht zu erreichen, wenn sie nicht getragen\nwerden von einer gewaltigen dämonischen Persönlichkeit.\nWas er leistet als Componist, mag, vom Standpunkte des\nrein Musicalischen betrachtet, in vieler Hinsicht ganz un-\nannehmbar sein, aber es darf nicht so leichthin verwor-\nfen werden, denn es beurkundet einen Trieb des Hervor-\nbringens, der in seiner Art einzig dasteht. Seine Erfolge\nin der Gesellschaft dürfen nicht bloss der äusseren Er-\nscheinung, nicht der Eleganz der Bewegungen, nicht dem\ngewandten Benehmen zugeschrieben werden; wer Liszt\nje genauer gekannt hat, der weiss, dass diesem Manne\nGaben innewohnen, durch die er selbst diejenigen fesselt,\ndie, wenn sie von ihm fern sind, sein Gebahren missbilli-\ngen; dass er im Gespräche eine erstaunende Macht des\nAusdrucks entwickelt, dass er dem, der sich mit ihm un-\nterhält, oft den richtigen Ausdruck in den Mund legt,\ndass er in die Ideen der Anderen einzudringen, sie darzu-\nlegen versteht, als wären sie seine eigenen, dass er in dieser\nWeise gereifte Männer in Erstaunen setzt, die Jugend ge-\nradezu bezaubert.\nWelcher Vorwurf trifft ihn also eigentlich? Dass er\ndas Spiegelbild der Thorheiten des grossen Publicums ist,\ndas ihn gross gezogen hat, und dass besonders die über-\ngrosse Mehrzahl der deutschen Hyper-Enthusiasten ihn\nimmer vom Standpunkte der deutschen Theorieen be-\ntrachtete und nicht einsah, wie er durch und durch eine\nfranzösische Natur ist in seinen kolossalen Eigenschaften\nwie in seinen Gebrechen! Dieser Ausspruch mag viel-\nleicht gewagt erscheinen; er findet seinen Vorgang in\ndem Urtheile eines der glühendsten Verehrer Liszt's, in\nden Worten Rellstab's. Dieser sagt wörtlich, indem er\nvon seiner „unruhigen, stürmischen Leidenschaftlichkeit\"\nspricht: „Ihn vertheidigt dabei seine ursprüngliche Natur,\nder Boden—Frankreich, mit seinen alles Maass zertrüm-\nmernden Explosionen in Kunst und Leben, auf dem er\ngewachsen, aus dem seine Wurzeln den Lebenssaft geso-\ngen, der die Farbe seiner Blüthen und Blätter, die Ei-\ngentümlichkeit seiner Früchte bestimmt — — — sein\nGeist ist noch (vielleicht für immer) in einem gewaltigen\nProcesse der Gährung begriffen, der gigantische Kräfte\nentwickelt, aber nicht das Maass, sie zu zügeln, in sich\nträgt.\" In diesen Worten liegt der Schlüssel zu einer un-\nbefangenen Würdigung Liszt's; so muss er beurtheilt\nwerden, wenn man ihn nicht blind verehren oder eben so\nblind verurtheilen will.\nEinst, wenn die Acten über das bewegte Leben Liszt's\ngeschlossen sein werden, wenn irgend ein Culturhistoriker\nes unternehmen wird, über Liszt und seine Zeit For-\nschungen anzustellen, wenn ihm Manches offen liegen\nwird, was jetzt entweder noch unbekannt ist oder der\nVeröffentlichung noch ferngehalten werden muss, kann\nauch ein endgültiges Urtheil gefällt werden — es wird\nerkennen, dass, wenn eine bedeutende Persönlichkeit jahre-\nlang sich nur von Enthusiasten und Schmeichlern umge-\nben sieht, man die Thorheiten nicht ihr allein zuschrei-\nben kann.\nH. Ehrlich.\nWir fügen dem vorstehenden Artikel den Schluss\neines Aufsatzes von Ed. Hans Ii ck (N. Fr. Presse vom\n1. Sept.) hinzu:\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "364", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661117-01.1.4", "texte": "In seiner seltsamen Stellung und Thätigkeit hat\nAbb6 Liszt in der Musikgeschichte einen Vorgänger von\nfrappanter Aehnlichkeit: den berühmten Abb£ Vogler.\nEs nimmt uns Wunder, die Doppelgängerschaft noch nir-\ngends hervorgehoben zu finden. Abbe Vogler (geb.\n1749, gest. 1814) war ein Mann von unbestreitbarer\nGenialität und glänzender Vielseitigkeit; eine Erscheinung,\nmit der verglichen zu werden, Liszt sicher nicht zur Un-\nehre gereicht. Berühmt als Schriftsteller und Componist,\nals Ciavier- und Orgelvirtuose, spielte Vogler durch sein\ngeistreiches, originelles Wesen eine glänzende Rolle in\nder Gesellschaft und übte auf seine Schüler und Verehrer\neine Art Zauber. In der schildernden, poetisirenden Ten-\ndenz seiner Musik deutet er gewisser Maassen auf die Zu-\nkunftsmusik; er spielte auf der Orgel den „Tod Herzog\nLeopold's in den Fluthen\", die „Belagerung von Jericho\"\nund dergleichen. Seinen Verehrern war Vogler geradezu\nein Wundermann, seinen Gegnern ein geistreicher Char-\nlatan. Vogler's Erfolge in Wien in den Jahren 1803\nund 1804 repräsentirten für jene Zeit ungefähr den Liszt-\nEnthusiasmus unserer Tage. Da dirigirte er heute ein\nOratorium im Wiedener Theater, gab morgen ein Orgel-\nconcert und celebrirte am dritten Tage mit grösstem\nPomp ein Hochamt in der St. Peterskirche, während eine\nMesse seiner Composition vom Chor herabbrauste. Der\neitle Abbe war stets mit einem breitschössigen schwarzen\nFrack, schwarz-atlassenen Beinkleidern, rothen Strümpfen\nund Schuhen mit gelben Schnallen angethan. Das Gross-\nkreuz des Ludwig-Ordens trug er links auf der Brust\nund rechts hinten das schwarzseidene Abbemäntelchen.\nEin gewisses Maass von Charlatanerie konnte Abbe Vog-\nler in keinem seiner Fächer entbehren, namentlich wusste\ner seinen künstlerischen Nimbus trefflich durch den geist-\nlichen zu erhöhen. Forkel's Almanach erzählt,\nwie Vogler, „wenn er bei Jemandem spielt, zuvor sein\nBetbuch hinschickt, und nachdem er eine Weile dage-\nwesen ist, plötzlich aufsteht, in ein anderes Zimmer geht,\nwo er keine Seele neben sich leidet, und da aus seinem\nBuche betet\". Zu solch eitlem Komödienspiel wird\nLiszt unseres Erachtens der aufrichtigere und bedeu-\ntendere Künstler ganz gewiss nie herabsinken. Aber\ndie äussere Aehnlichkeit und die innere Verwandtschaft\nzwischen diesen zwei merveilleusen Naturen ist unverkenn-\nbar, und so leisten uns beide Abbe's gleicher Weise den\nDienst, einer den anderen zu erklären.\n\nAus Berlin.\n(Bernhard Scholz. Gustav Satter. Königl.\nOper: „Hans Heiling\", „Die Jüdin\".)\nDen 12. November 1866.\nHerr Bernhard Scholz, früherer Hofcapellmeister\nin Hannover, welcher sich ein Jahr lang in Florenz auf-\ngehalten und seit Kurzem hier niedergelassen hat, gab\nam Sonntag Mittag in seiner Wohnung einer Anzahl von\nKunstgenüssen und Vertretern der Presse Gelegenheit,\nzwei seiner grösseren Compositionen zu hören. Wir\nkannten Herrn Scholz bis dahin einzig und allein als\nHerausgeber eines Werkes seines ehemaligen Lehrers\nDehn, dessen hinterlassenes Buch über den Contrapunkt\ner vor einer Reihe von Jahren in umsichtigster Weise\nedirte. Dass er übrigens den Inhalt dieses Werkes sich\nvöllig zu eigen gemacht bat, bewiesen die von uns gehör-\nten beiden Compositionen, namentlich das Quintett für\nPiano und vier Streichinstrumente. „Es ist uns kaum ein\nWerk eines Zeitgenossen vorgekommen,\" sagt Richard\nWüerst im Berliner Fremdenblatt, „in welchem, wie in\ndiesem Quintett, der Contrapunkt das Alpha und Omega,\nin der die Selbstständigkeit der Stimmen bis zu diesem\nGrade getrieben wäre. Wir schliessen in diese Bemer-\nkung gleichzeitig Lob und Tadel ein. Denn so hoch wir\npolyphones Leben in einem Musikstücke höheren Styles\nschätzen, ja, für so unentbehrlich wir es halten, hier ist\ndes Guten doch zu viel getban, und zwar auf Kosten der\nKlarheit, auf Kosten der frei sich entwickelnden Melodie.\nDie Letztere soll doch zunächst durch sich selbst wirken\nund erst in zweiter Reihe der polyphonen Kunst als\nMaterial dienen. Freilich ist das thematische und melo-\ndische Element der weniger bedeutungsvoll vortretende\nTheil in den erwähnten Compositionen, wogegen die Form\nin classischer Reinheit gewahrt ist und überall aufs\nWohlthuendste berührt. In anerkennenswerther Weise\ncharakteristisch finden wir sowohl im Quintett, wie in\ndem Clavierconcert die Selbstständigkeit des Pianofortes\ngegenüber den vier Saiteninstrumenten und dem Orches-\nter. Wenngleich eine sehr bedeutende Technik zur tüch-\ntigen Ausführung beider Ciavierstimmen gehört, so ist\ndoch der Verfasser weit davon entfernt, die Virtuosität\nals Zweck vor Augen zu haben. Sie ist, wie es auch sein\nsoll, bei ihm nur Mittel zum Zweck. Die gehörten bei-\nden Werke verrathen, und dies schätzen wir am höchsten\nan ihnen, den fein gebildeten, fein fühlenden, geschmack-\nvollen Musiker, der Wissen und Können mit natürlicher\nBegabung vereint, der sich nicht in subjectivstem Beha-\ngen der Fessel- und Maasslosigkeit hingibt, sondern den"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "365", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661117-01.1.5", "texte": "grössten Meistern, die auch wir als solche hochschätzen,\nauf ihrer lichten Bahn nachstrebt. Unter den sieben\nSätzen der beiden Compositionen sagte uns am meisten\ndas Finale des G-dur-Concertes zu. An der Ausführung\nder Musikstücke betheiligten sich ausser dem Componisten,\nden wir dabei als äusserst tüchtigen und soliden Piani-\nsten kennen lernten, die Herren Grünwald, Rehbaum,\nRob. Radecke und Dr. Bruns. Die Genossenschaft\nder Berliner Künstler hat jedenfalls durch Herrn Scholz\neinen Zuwachs erhalten, der sowohl nach der Seite der\nProduction, wie nach der der Reproduction hin als be-\ndeutungs- und werthvoll betrachtet werden muss. Wir\nrufen ihm daher ein herzliches „ „Willkommen\"\" zu.\"\nHerr Gustav Satter führte sich bei uns durch\neine Matinee im Englischen Hause als Componisten und\nPianisten durch lauter eigene Compositionen und durch eine\nPhantasie ein. Der Erfolg war nicht bedeutend. In seinem\nConcert am 1. November Abends, welches von einer\nzahlreicheren Zuhörerschaft besucht war, trug er eine\nReihe von Werken von Bach, Beethoven und Schumann\nneben einigen eigenen Compositionen vor. Der Künstler\nzeigte auch hier eine eminente Virtuosität: ob diese aber\nauch bei Beethoven's Sonate in C-dur (Op. 2) durch\nUebertreibung der Tempi und bei Bach's englischer Suite\nNr. 2 ebenfalls durch eine allerdings unerhörte Schnellig-\nkeit künstlerisch befriedigen konnte, dürfte zu bezweifeln\nsein. Den meisten Erfolg hatte sein Vortrag des „Fa-\nschingsschwanks\" und einiger Stücke aus den „bunten\nBlättern\" von Schumann.\nIm Opernhause wurde Marschner's „Hans Hei-\nling\" mit neuer Besetzung bis auf Herrn Betz (Hei-\nling) wieder einmal zur Aufführung gebracht, allen\nFreunden deutscher Tonkunst eine willkommene Gabe.\nLeider aber scheint die Zahl dieser wirklichen Freunde\nlyrisch-romantischer und melodischer Musik immer klei-\nner zu werden, da nicht einmal das Parquet ganz gefüllt\nwar, trotzdem dass Hr. Niemann den Conrad hier zum\nersten Male sang, Fräul. Grün die Anna, und Hr. Betz\ngewiss der beste „Hans Heiling\"' in der gegenwärtigen\nOpernwelt ist. Dafür, dass die General-Intendantur die\nWerke anerkannter deutscher Meister mit hervorragen-\nden Künstlern erneuert, ist unter den urtheilsfähigen\nHörern sicher nur eine Stimme des Dankes; aber leider\nartet der Geschmack des heutigen Publicums mehr und\nmehr dahin aus, dass es sich nur noch zu „grossen Opern\"\ndrängt, in denen es eben so viel sehen als hören will.\nDie scenischen Gaukeleien, die Theatersonnen, Scblitt-\nscbuhfahrten, Explosionen, Giftbäume und ähnliche Schau-\nkünste der modernen „grossen Oper\" haben die Masse\nschon so verwöhnt, dass sie an den schlichten Tonbildern\nder älteren Componisten immer weniger Gefallen findet.\nAngesichts solcher Symptome eines kranken Kunstge-\nschmackes ist es doppelt rühmenswerth, dass die König-\nliche Oper sich nicht auf die musicalischen Sensations-\nDramen der Mode begränzt, sondern ihr Repertoire mit\nkunstsinniger Hand immer wieder in der Richtung auf\ndie einfacheren und edleren Tongestalten der Vergangen-\nheit zu erweitern sucht. Ein gediegenes Streben, das zu\nseinem Gelingen allerdings der vollen Sympathie eines\ngleichgesinnten Publicums bedarf.\nDas Talent Marschner's wurde schon im Keime\nvon C. M. v. Weber erkannt, der als Dresdener\nCapellmeister die erste Oper Marschners: „Heinrich IV.\",\n1820 zur Aufführung brachte. Charakteristisch für den\nComponisten des geisterhaften „Hans Heiling\" ist eine\nTraumgeschichte, welche Weber's Sohn in seiner Bio-\ngraphie des Vaters erzählt. Marschner, schon mit anderen\nCompositionen beschäftigt, hatte fast vergessen, dass jene\nerste Oper sich noch in Weber's Händen befand, als\ner plötzlich in der Nacht des 13. Juli 1820 zu Press-\nburg im Traum eine vollständige Aufführung derselben\nim Dresdener Hoftheater durchlebte. Am andern Mor-\ngen konnte er sich jedes Musikstückes erinnern, das ap-\nplaudirt worden war; er theilte den Traum dem Gra-\nfen Amadee in Pressburg und seiner Mutter mit. Einige\nTage darauf erhielt er von Weber einen Brief mit der\nSchilderung der Aufführung am 13. Juli, die in allen\nEinzelheiten mit seinem Traum stimmte, nebst zehn Du-\ncaten Honorar. Die Honorare haben sich seitdem er-\nklecklich gesteigert. Ob aber auch im Verhältniss dazu\ndie Kuntwerke? In Marschner's Opern überwiegt aller-\ndings das Lyrische das Dramatische, und wenn\nsie sich mehr im Gedächtniss der Kunstfreunde, als in\nder Gunst des Theater-Publicums erhalten haben, so\nliegt dies mit an dem Mangel der dramatischen Schlag-\nkraft. Auch Hans Heilingist im Ganzen zu wenig dra-\nmatisch, obwohl er namentlich im zweiten Acte, in der\nGeisterscene und der wunderbaren Romanze: „Des Nachts\nwohl auf der Haide\", wahrhaft romantisch ist.\"\nIn der Aufführung behauptete Hr. Betz (Heiling)\nwieder die oberste Stelle: die natürliche Schönheit seines\nTones, die Wärme seines Vortrages und die Gewandt-\nheit seines Spiels verschmolzen sich zu einer Kunstleist-\nung ersten Ranges, welche von harmonischer Wirkung\nauf Obr und Herz war. Der „Leibschütz Conrad\" ist\nnicht, was man eine „Glanzrolle\" nennt, Hr. Nie mann\nmachte sie durch seine imposante Gestaltung zu einer\nhervorragenden, doch trug er mitunter, besonders in\ndem Terzett, die Tonfarben zu grell auf, obwohl er in\nanderen Partieen schon bewiesen, dass er sich nach der"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "366", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661117-01.1.6", "texte": "Natur des Werkes moderiren kann. Eine vortreffliche\nAnna war Frl. Grün; das Schwankende und Ungewisse\ndes Landmädchens, das sich mehr und mehr von Hans\nHeiling abgeschreckt fühlt, wurde von der Sängerin mit\ninnerlicher Lebendigkeit versinnlicht. Nicht so gut eignete\nsich Frl. Horina für „die Königin der Erdgeister\", die\nfrüher von der verstorbenen de Ahna ausgezeichnet re-\npräsentirt wurde. Der bäuerische Hochzeitsmarsch im\ndritten Acte, in seiner volksthümlichen Art ein kleines\nMeisterstück, stimmte die Hörer zur lauten Heiterkeit, in\ndiesem Falle ein untrügliches Zeichen der humoristischen\nBegabung Marschner's. Ausserdem fehlte es nicht an Ap-\nplaus und Hervorruf der Hauptpersonen, so dass den kri-\ntischen Stimmen nur der Wunsch bleibt, das Publicum\nmöge durch zahlreichere Theilnahme das Seinige dazu\nbeitragen, das melodische und in der Instrumentirung mei-\nsterhafte Werk des deutschen Tondichters auf der Bühne\nlebendig zu erhalten.\nDie diesmalige Aufführung von „Jüdin\" er-\nregte dadurch besondere Theilnahme, dass Frau Harr i er s-\nWippern die „Recha\" gab und mit dieser Rolle eine\nProbe ihres Talentes auch für dramatischen Gesang ab-\nlegte, da sie bisher fast nur in lyrischen Partieen sich aus-\nzeichnete. Allerdings eignet sich ihre weiche, wohllautende\nStimme nicht zu dem grellen Colorit der Halevy'schen\nMusik, allein dafür wurden die zarteren Stellen desto\nschöner wiedergegeben und die Zuhörer vor scharf for-\ncirten Intonationen bewahrt, was auch durch wiederhol-\nten Applaus anerkannt wurde. Den „Eleazar\" singt hier\nHr. Wachtel auch nach Niemann's Engagement, ein\nBeweis,\" dass die Intendantur kein Rollen-Monopol duldet,\nwie denn auch Hr. Niemann schwerlich an einem anderen\nTheater sich würde wie diese Koryphäen zu sagen\npflegen • herabgelassen haben, den „Conrad\" im\n„Hans Heiling\" zu singen. Der „Eleazar\" ist übrigens\nauch eine der vorzüglichsten Leistungen Wachtel's.\n\nAus Wiesbaden.\nDen 12. November 1866.\nDie gestrige Vorstellung im Theater hatte folgendes\nProgramm; Königl. Schauspiele. Zur Feier des Dank- und\nFriedensfestes: 1. Ouvertüre von L. van Beethoven. 2.\nChoral: „Nun danket Alle Gott!\", gesungen von sämmt-\nlichem Personal der königl. Schauspiele. 3. Fest-Tableau.\n4. Leonore von K. von Holtei (mit Tableaux).\nEine sehr erfreuliche Aussicht auf classische Sin-\nfonie-Concerte, welche im Gegensatz zu dem frivolen\nVirtuosenkram in den Concerten der Rurhaus-Verwaltung\nhier ein wahres Bedürfniss für die Bildung des guten Ge-\nschmackes und das Verlangen aller wahren Musikfreunde\nsind, gewährt die Eröffnung eines Abonnements auf sechs\nConcerte durch die Intendantur der königl.\nSchauspiele. Die Einladung (vom 6. November) ent-\nhält u. A. Folgendes:\nUm vielfach geäusserten und berechtigten Wünschen\nder hiesigen Kunstfreunde zu genügen, wird die unter-\nzeichnete Intendantur auch der ausserhalb des Opernge-\nbiets componirten Musik von classischero und edlem\nGehalte auf hiesiger Bühne Geltung und Ausdruck ge-\nwähren und zu diesem Zwecke im Laufe der Wintersai-\nson einen Cyklus von sechs grossen Concerten ent-\nschieden hoher und ernster Kunstrichtung unter der\nartistischen Direction des Capelimeisters, Herrn Jahn,\nveranstalten, für deren erstes das nachfolgende Pro-\ngramm festgestellt ist: Erste Abtheilung: Passacaglia von\nJ. S. Bach, (instrumentirt von H. Esser). Recitativ und\nArie aus „Rinaldo\" von G. F. Händel, (instrumentirt von\nG. Meyerbeer). Ouvertüre zu „Ali Baba\" von L. Cheru-\nbini. Ständchen für 5 Frauenstimmen von F. Schubert.\nVorspiel zu „Die Meistersinger von Nürnberg\" von B.\nWagner. Zweite Abtheilung: VI. Sinfonie in G-dur von\nJ. Haydn.\nDie ferneren Concerte sollen im Vereine mit auser-\nlesenen Werken von Händel, Bach, Mozart, Cherubini,\nChelard, Schubert, Schumann, Spohr, Liszt, Wagner etc.\nnamentlich Sinfonieen von L. van Beethoven (eroica), F.\nMendelssohn-Bartholdy (A-moll), J. Raff (C-durj, N.\nGade (B-dur), „Harald in Italien\" von H. Berlioz zur\nAufführung bringen. Die Abonnementspreise variiren\nvon 10 Fl. 24 Kr. bis 2 Fl. (zweite Rangloge).\nAus diesem vorläufigen Programm scheint hervorzu-\ngehen, dass man an leitender Stelle auch die Vertreter\nder neuesten Richtungen: H. Berlioz, R. Wagner, und\nF. Liszt bereits zu den Ciassikern rechnet. Wenn sich\nnun auch gegen dieses Prognostikon für die Zukunft\nvielleicht die Zukunft selbst erklären dürfte, so ist immer-\nhin die Aufnahme von einigen Werken der genannten\nMusiker nicht unwillkommen, da deren Aufführung jeden-\nfalls zur Charakteristik der gegenwärtigen Periode gehört.\n6—.\n\nAus Aachen.\n\nDen 11. November 1866.\nUnsere Winter-Concerte haben unter günstigen Aus-\nsichten für die Vermehrung der Einnahme begonnen und"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "367", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661117-01.1.7", "texte": "da diese bei allen Concert-Instituten in den Städten der\nRheinpvovinz eine Hauptbedingung ihrer Blüthe, ja,\nihrer Existenz ist, so müssen wir eine Zunahme der Abon-\nnenten als ein erfreuliches Ereigniss willkommen heissen.\nEs ist übrigens schwer, ja, den Erfahrungen in allen\nrheinischen Städten nach, vielleicht unmöglich, das Schwan-\nken der Abonnentenzahl für Theater und Concert mit\nSicherheit erklären zu wollen, da es von so verschiedenen\näussern Umständen und Verhältnissen, die gar sehr dem\nWechsel unterworfen sind, abhängt und auch von An-\nsichten und Launen jener schwer zu durchschauenden\nGesammtmenschen, die man Publicum nennt, dessen mu-\nsicalische Temperatur eben so wenig an einem Thermo-\nmeter ad hoc, wie seine Leistungswilligkeit für Kunst-\nzwecke nach einem Courszettel beurtheilt werden kann.\nJedenfalls ist es verkehrt, aus der Abonnentenzahl in\neinem oder dem andern Jahre auf den Grad der ästheti-\nschen Bildungoderdes Kunstsinns im Publicum zuschliessen\nund eben so wenig berechtigt ist in den meisten Fäl-\nlen der Vorwurf, den man bei einer etwaigen Abnahme,\nden Programmen, mithin beziehungsweise den Directionen\nmacht. Allerdings kann es der Fall sein, dass einzelne\nProgramme mehr oder weniger geschickt zusammenge-\nstellt werden, allein im Ganzen sind wir denn doch über-\nall am Niederrhein so weit vorgeschritten, dass die Con-\ncert-Institute von Köln, Aachen, Düsseldorf u. s. w. nur\nernste und würdige Werke der Tonkunst aufführen, so\ndass ihre Programme auf den Charakter der ganzen Sai-\nson und somit auf den Besuch derselben nur einen för-\ndernden Einlluss haben können. Freilich, „den Wünschen\nAller gerecht zu werden\", dürfte überall für eine Kunst-\nanstalt ein verkehrtes Streben sein, und es bleibt Pflicht\nder Directionen, nach höheren Grundsätzen selbstständig\nzu handeln, sich dabei aber vor ausschliesslicher Vorliebe\nfür diese oder jene Gattung oder Persönlichkeit zu hüten.\nUnser erstes Abonnements-Concert hat die Reihe der-\nselben auf eine sehr befriedigende Weise eröffnet. Die\nAufführungen von Cherubini's Ouvertüre zu den Aben-\nceragen, das einzige aber bewunderungswerthe Bruchstück,\nwelches sich von dieser Oper des Meisters erhalten hat,\nund die B-dur-Sinfonie Nr. IV. von Beethoven waren\nunter der Leitung des Herrn F. Breunung so vollendet,\ndass sie ein neues Blatt in dem Erinnerungs-Album der\nrühmlichen Leistungen unseres Orchesters verdienen.\nNamentlich machte die Sinfonie, zwar nicht eine der ge-\nwaltigen und imposanten, aber desto feiner und man kann\nwohl sagen: desto rein-musicalischer ohne alle Gedanken\nan äusserliche Veranlassung geschaffen, eben desshalb aber\nauch um so schwieriger auszuführen, durch ihre Auffas-\nsung durch den Dirigenten und ihren ausdrucksvollen\nVortrag durch das Orchester einen so schönen Eindruck,\ndass man von allen Seiten sich dahin äusserte, dass man\nsie noch niemals so gut gehört habe. Der Chor be-\nwährte sich durch den innigen Vortrag von Mendelssohn's\nGebet: „Verleih uns Frieden!\" und von Schumann's\n„Nachtlied\".\nHerr Goltermann bewährte seinen alten Ruf als\neiner der bedeutendsten Violoncellisten durch den Vortrag\neines Concertes von Popper, in dessen Adagio er seinen\nschönen Ton, in den anderen Sätzen seine eminente Tech-\nnik geltend machen konnte. Die Composition konnte nicht\nallgemein ansprechen. Einen seltenen Kunstgenuss ge-\nwährte der Vortrag des herrlichen Concertes in Es-dur\nfür zwei Flügel von Mozart mit Cadenzen von Moscheies\ndurch die Gebrüder Thern, welche dadurch, wie auch\nschon durch ihr Spiel im Theater, Alles in vollem Masse\nbestätigten, was in diesen Blättern bereits über die beiden\njungen Künstler zu deren Lobe gesagt ist.\n\nX.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMolll* Das Concert von Frau und Herrn Marchesi am\n13. d. Mts. im Saale des Hotel Diseh waren wir durch Unwohl-\nsein leider verhindert, zu besuchen. Dem Vernehmen nach war es\nsehr besucht und befriedigte sowohl das Programm, als die lobens-\nwerthe, zum Theil vortreffliche Ausführung die Zuhörer. Besonders\nschönen Eindruck haben die Gesänge für drei Frauenstimmen von\nF. Hiller3 gesungen von 18 Schülerinnen des Conservatoriums\nunter Leitung der Frau Marchesi gemacht. Die übrigen Gesang-\nstücke waren Schumann's „Frauenliebe und Leben\" (Frau Mar-\nchesi), zwei Duette von F. Hill er für Herrn und Frau Marchesi\ncomponirt, das Duett aus Rossini's „Semiramis\"; ferner Arie und\nHändel's La Resurr ezione, Schubert's „Erlkönig\", Fourquoi\nvon S. Marchesi (sämmtlich vorgetragen von Herrn Marchesi).\nDazwischen Mozart's vierhändige Variationen und einige Sätze\naus Hill er's Operette ohne Worte für 4 Hände gespielt von den\nHerren Hiller und Gernsheim.\nCoMeilZ« Am 30. v. Mts. fand unter Leitung des Directors\ndes k. Musikinstituts, Herrn Max Bruch, das erste Abonnements-\nConcert Statt. Nach der Jubel-Ouverture von Weber spielte Herr\nDe Suert aus Düsseldorf ein Concert von Molique, später einige\nRomanzen eigener Composition und zwei Gavotten von J. S. Bach,\nund erwarb durch seine anssergewöhnliche Technik und tonvollen\nVortrag reichen Beifall. Gade's „Frühlingsbotschaft\" wurde gut\nausgeführt, der Gesangverein bewies durch reine Intonation und\nPräcision, Liebe zur Saohe und offenbaren Fortschritt. Beethoven's\nC-wioZi-Sinfonie hörten wir in recht befriedigender Ausführung, deren\nKlarheit durch die mit recht gemässigten Tempi besser als sonst\nhervortrat. Ein hiesiges Blatt führt in Bezug darauf sehj; passend\neine Aeusserung Mozart's über das Tempo eines seiner Sinfoniesätze\nan, dessen Schnelligkeit der Dirigent mit dem Wunsche einer\n„feurigen\" Ausführung entschuldigte. Mozart erwiederte: „Das war\nunnöthig, denn wenn kein Feuer darin ist, bringt Ihr's durch\nschnelles Tempo mein Lebtag nicht hinein\"."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "368", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661117-01.1.8", "texte": "Wiesbaden* Zur Ergänzung der Concert-Ankündigung\nder Intendantur des k. Theaters ist zu erwähnen, dass auch der\nCäcilienverein vier Concerte angezeigt hat, in denen J. S. Bach's\nMatthäus-Passion, der 114. Psalm von Mendelssohn, Mirjam's\nSiegesgesang von F. Schubert, und Paradies und Peri von R.\nSchumann zur Aufführung kommen sollen. Auch Quartett-\nAbende sind wieder in Aussicht gestellt.\nFrankfurt a« M# Das 3. Museums-Concert am 9. d. Mts.\nbrachte: 1. Sinfonie („Der Bär\") von Haydn. 2. Recitativ und\nArie aus Gluck's Iphygenie in Aulis. (Hr. Carl Hill.) 3. Cla-\nvierconcert von Rob. Schumann (Frau Schumann). 4. Zwischen-\nact zu Rosamunde von F. Schubert. 5. Lieder von Schubert\nund Schumann (Hr. Hill). 6. Solostücke (Frau Schumann). 7. Ou-\nvertüre zu Abu Hassan von C. M. v. Weber.\nBaden-Baden haben sich mehrere berühmte musicalische\nGrössen gleichsam zum Asyl gewählt und dort oder in der nächsten\nNähe theils sich bescheiden häuslich eingerichtet, theils reizende\nVillen gebaut oder bezogen. Der Senior derselben ist der Clavier-\nspieler Pixis, ein Siebenziger; dann Jak. Rosenhain, der gewöhn-\nlich zwei Drittel des Jahres hier auf seiner Villa zubringt; dann\nMadame Viardot-Garcia, die neuerdings neben ihrer Villa auch\neine „Tonhalle\" gebaut hat, die indess etwas miniaturmässig ausge-\nfallen ist, endlich Frau Clara Schumann mit zwei Töchtern.\nAuch seine griechische Capelle hat Baden jetzt, wie Wiesbaden;\nsie ist vom Fürsten Stourdza erbaut und wurde am 20. Oetober\neingeweiht. Im Theater fallen die neuen, von der Curhaus-Admi-\nnistration durch Herrn Benazet in Paris bestellten, splendid hono-\nrirten Opern und Operetten gewöhnlich durch: einen wirklichen\nGenuss bieten in dem prächtigen Theater nur die Opernvorstellungen\nder Gesellschaft des Hoftheaters von Carlsruhe. Jeden Abend spielt\nübrigens die Capelle des Herrn Könnemann, der ein ganz gutes\nvollständiges Orchester dirigirt, aber gewöhnlich zum Schluss des\nProgramms einen Polka oder einen Walzer von seiner Composition\nzum Besten gibt.\nIm Oetober hatten wir eine Matinee des Pianisten und Orga-\nnisten Wilhelm Wülfinghoff, der mehrere Compositionen ver-\nschiedenster Gattung von Hummel, Field, J. S. Bach, Beethoven,\nChopin, Liszt, Pauer, Henselt vortrug und auch seine Tochter und\nSchülerin Amalie3 zwölf Jahre alt, vorführte. Die Zuhörerschaft\nwar nicht zahlreich, aber sehr gewählt und zollte den beiderseitigen\nLeistungen wiederholten Beifall.\nDie Intendanz der k. Schauspiele zeigt an, dass in Hannover\nim Laufe dieses Winters acht Abonnements-Concerte der k. Capelle\nim Concertsaale des k. Schauspielhauses Statt finden werden.\nHof-Capellmeister Kalliwoda ist nach einer mehr als vier-\nzigjährigen Thätigkeit in Donaueschingen von dort nach Karlsruhe\nübergesiedelt.\nRichard Wagner hat von Hrn. Carvalho, dem Director\ndes Thtätre lirique in Paris, eine Einladung erhalten, die an diesem\nTheater bevorstehende Aufführung seines „Lohengrin\" selbst zu\ndirigiren.\nFrl. Tipka, die bekannte Coloratursängerin, hat sich mit dem\nCapellmeister und Componisten Hrn. J. Weinlich aus Oesterreich\nvermählt.\nHerr Wachtel jun. ist aus Anlass seines erfolgreichen Gast-\nspiels im Stadttheater zu Leipzig als erster lyrischer Tenor unter\nsehr vortheilhaften Bedingungen engagirt worden."}]}